Messing


Messing

Messing (Aurichalcum), Metallgemisch von Kupfer u. Zink; es enthält gewöhnlich 2 bis 3 Theile [172] Kupfer auf 1 Theil Zink, hat eine schön gelbe Farbe, ist bei gewöhnlicher Temperatur hämmerbar u. sehr geschmeidig u. wird in der Hitze spröde, so daß es im glühenden. Zustand unter dem Hammer bearbeitet in Stücken geht od. bedeutende Risse u. Brüche bekommt; es ist leichter schmelzbar als Kupfer, oxydirt sich an feuchter Luft u. hat ein specifisches Gewicht von 7,8 bis 8,4. Erasmus Eber in Nürnberg erfand das M. 1553; doch waren ähnliche Metallmischungen schon den Alten bekannt u. wurden von ihnen selbst zu Münzen verwendet; vgl. Erz. Früher bereitete man das M. durch Glühen von granulirtem Kupfer od. Blechschnitzeln mit geröstetem Galmei u. Kohlenpulver in einem Tiegel u. Erhitzen bis zum Schmelzen des gebildeten M-s, doch hat man bereits zu Ende des vorigen Jahrh. angefangen, metallisches Zink mit Kupfer zusammenzuschmelzen, welche Methode jetzt überall befolgt wird. Die Bereitung des M-s (Messingbrennen) geschieht auf eigenen Messingwerken od. Messinghütten. Dazu gehört die Brennhütte, in welcher sich die Brennöfen (Messingöfen) befinden, worin das M. geschmolzen wird; sie stehen unter der Hüttensohle, so daß die Gicht des Ofens od. die Krone in der Hüttensohle liegt u. werden aus feuerfesten Ziegeln aufgemauert. Das Innere des Ofens ist so groß, daß 6–8 Schmelztiegel darin auf dem Herde stehen können. Die Tiegel sind aus feuerfestem Thon, haben 16 Zoll Höhe, oben 9–10 Zoll Durchmesser; sie werden, wenn sie lufttrocken sind, langsam angewärmt (getempert) u. dann in dem Schmelzofen selbst gebrannt. Man füllt sie zuerst mit altem M. u. feuert, bis dasselbe niedergeschmolzen ist; dann zieht man die Tiegel heraus, trägt die. Hälfte des Zinks in Stücken ein, bedeckt es mit einer Schicht Kohlenlösche, bringt darauf die Hälfte der Kupferbeschickung, dann wieder Kohlenlösche, u. in dieser Weise noch zwei Schichten Zink u. Kupfer u. bedeckt die Tiegel zuletzt mit Kohlenklein. Nach 31/2 bis 4 Stunden Schmelzen haben sich die Metalle mit einander verbunden u. das flüssige M. kann nun aus den Tiegeln gegossen werden. Soll Stückmessing zum Gebrauche der Gelbgießer gegossen werden, so wird das flüssige M. in eine mit Lehm ausgeschlagene u. mit Kohlenpulver bestreute Grube gegossen u. das noch heiße Metall in Stücken zerschlagen. Werden dagegen Platten gegossen, so wird ein größerer Tiegel (Gießer) leer in dem Brennofen angewärmt, dann, wenn das Gießen beginnen soll, in einer kleinen vor dem Ofen befindlichen Grube (Monthalgrube) mit glühenden Kohlen umgeben u. der Inhalt von vier Tiegeln in ihm entleert. Diese Tiegel werden sofort wieder beschickt u. in den Schmelzofen eingesetzt, damit die Arbeit ununterbrochen fortgeht. Das M. im Gießer wird nun mit einer eisernen Stange umgerührt, um eine gleichförmige Masse zu erhalten u. Oxydtheile zum Aufsteigen auf die Oberfläche zu bringen, diese werden dann mit einer eisernen Kratze abgenommen u. der Gießer mit einer Tiegelzange nach der Gießform getragen. Die Gießform besteht aus zwei Granitplatten (Gießsteine, Brikonniere) von 5–6 Fuß Länge, 3 Fuß Breite u. 1 Fuß Dicke, welche durch zwischengelegte eiserne Lineale, deren Höhe die Dicke der zu gießenden Platte bestimmt, in gehöriger Entfernung von einander gehalten werden u. beim Gießen in eine schräge Lage von ungefähr 30° Neigung gebracht werden können. Die Granitplatten werden an den zugewandten Flächen mit einen dünneren Überzug von Lehm versehen u. vor dem Guß mit Kuhmist bestrichen. Beim Gießen werden, nachdem der für die Messingtafel bestimmte Raum durch die Lineale begrenzt ist, die Platten aufeinander gelegt u. in eine schräge Stellung gebracht, dann gießt man das M. an dem einen Ende ein, während ein Arbeiter mit einem brennenden Holze die auf der Oberfläche des M-s befindliche Oxydkruste zurückhält. Nach vollendetem Guß wird die obere Platte aufgehoben, die Messingtafel herausgenommen u. die Form mit wollenen Decken bedeckt, damit sie bis zum nächsten Guß warm bleibt. Auf diese Weise gießt man Messingtafeln von ungefähr 21/2 Fuß Länge, 2 Fuß Breite u. 3/8 bis 3/4 Zoll Dicke; sie werden dann von den Messingschneidern mit einer Schere von Stahl (Messingschere) in Stücken zerschnitten u. zu Blech ausgewalzt. Seit einigen Jahren erscheinen Fabrikate von schmiedbarem M. im Handel, welche in der Hitze zwischen Walzen gestreckt sind, so Bolzenmetall zum Schiffsbau, Bleche zum Kupfern der Schiffe, Siederöhren für Locomotiven etc. Deses M. ist außerordentlich zähe u. kann im rothglühenden Zustand ferner verarbeitet werden. Es besteht aus 3 Theilen Kupfer u. 2 Theilen Zink, od. aus 7 Theilen Kupfer u. 5 Theilen Zink, od. aus 8 Theilen Kupfer u. 5 Theilen Zink. Das Metall muß in den Tiegeln bis zum Kochen überhitzt werden, wobei es mit einer Schicht Kohlenstaub bedeckt ist; dann fest man soviel kaltes Metall von derselben Mischung zu, daß die Flüssigkeit nicht mehr spiegelt u. gießt sie Masse in Formen. Vor dem Auswalzen werden die Barren bis zur Rothglühhitze erwärmt u. nach dem Durchgang durch die Walzen sogleich in kaltem Wasser abgekühlt. Mit der Brennhütte ist häufig eine Messinggießerei verbunden, worin man kleinre Stücke gießt, welche gewöhnlich von Roth- u. Gebgießern verfertigt werden. Mit einem Messingweke stehen meist auch Messinghammerwerke (Latunhüten) zu Verfertigung des Messingblechs (Latuns) in Erbindung; die wichtigsten Sorten des gewonneen M-s sind aber: a) Rollenblech, das dünne; b) Klempnerblech u. Beckenschlägerlatun; von verschiedener Dicke; c) Schlosserlatun (auch Latun ohne Zusatz); ist stärker als das vorige u. wird zu allerlei Beschlägen gebraucht d) Trommelbleche, von sehr verschiedener Größe u. Dicke; e) Drahtband; hieraus werden mielst der Messingdrahtzangen alle Arten Messingdrahts gezogen. Zu dem feineren Draht wird auch Blech mit einer kleineren Messingschere in schmale Kreisen geschnitten. Das Blech verfertigt man mit in den Walzhütten, indem man es zwischen zwei starken verstählten Walzen, welche in einem einen Gerüste liegen, wiederholt hindurch gehen läßt. Bei allen diesen Arbeiten muß das M., wenn es röde wird, wieder geglüht werden; dies geschieht auf der Glühe. Durch das Glühen grau gewoenes M. reinigt (beizt) man, indem es in einem Kessel mit Holzessig gekocht wird; ehemals bedient man sich einer Auflösung von Weinstein u. Kochsalz statt des Holzessigs. Dies u. das Reinigen des der Arbeit grau gewordenen Messingblechs verrichtet der Messingschaber, ein Arbeiter, welcher es schabt u. wieder glänzend macht; er hat dazu ein besonderes Schabemesser, ein großes, etwas gekrümmtes Schneidemesser mit zwei Griffen; das Mesgblech befestigt er bei der Arbeit mittelst eines Ries auf dem Schabeblocke, einem hölzernen Cylirr mit[173] zwei niedrigen u. zwei hohen Füßen. Er verrichtet in seiner Werkstätte, Schabewerkstätte, auch gewöhnlich das Beizen des Messingblechs. Man verkauft das M. hauptsächlich: a) als Latunmessing, d.i. geschlagenes Messingblech, gelbes u. schwarzes, in verschiedenen Falten zusammengelegtes; b) Plattenmessing, nur einmal zusammengelegtes; c) Tafelmessing, schwarzes, dickes u. ebenes; d) Rollmessing, ausgerolltes. e) Das Vergoldungsmessing ist eine Legirung, welche bereitet wird, indem man 2 Pfund Kupfer schmilzt u. während es im Flusse ist, 2 Pfund Zink, 2 Loth Zinn u. 1 Loth Blei zusetzt. Die Legirung fließt sehr rein aus, gibt dem Gusse eine glatte Oberfläche, u. erspart durch seine große Dichtigkeit u. geringere Porosität viel Gold. Die Formen werden wie die zum Gusse des Zinns verfertigt. Das M. kommt von Goslar, Iserlohn, Stollberg, Aachen, Lüttich, Neustadt Eberswalde, Schlawenzitsch in Schlesien, Oberauerbach in Sachsen, Achenrein in Tyrol, Grätz in Steyermark, Nürnberg, Frankfurt a. M., Hamburg, von Birmingham in England, Bjursors in Schweden, aus Norwegen, Frankreich etc. Vgl. Blechhammer, Kupferhammer, Drahtzange. Geschlagenes M., so v.w. Unechtes Blattgold.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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