Siēna


Siēna

Siēna, 1) vormals Präfectur (Compartimento) des Großherzogthums Toscana, jetzt Provinz des Königreichs Italien; 22 QM., 1861_: 193, 883 Ew.; zwischen den Präfecturen Livorno, Florenz, Arezzo u. Grosseto, auf dem Plateau von Toscana, hügelig, mit lieblichen u. felsigen Thälern; bildete eine Zeit lang das französische Departement Ombrone; darin u.a. die Flecken Masse di Città, 4450 Ew., Masse S. Martino, 4860 Ew. u. 2) Hauptstadt des Gebiets, am Abhange eines Berges, in ziemlich bebauter Gegend, an der von Livorno u. Florenz hierher führenden Eisenbahn, auf drei Hügeln gelegen, im Innern alt u. todt, mit acht Thoren (darunter Porta Romana, P. S. Viene mit Sculpturen, P. S. Lorenzo etc.), Citadelle mit fünf Bastionen am nordwestlichen Ende der Stadt, breiten Straßen, weiten Plätzen (Piazza del Campo, mit schönem Brunnen, Piazza di Postieria), vielen castellartigen Gebäuden; Sitz eines Erzbischofs, des Collegio Tolomei (Erziehungsanstalt für junge Edelleute), eines erzbischöflichen Seminars, mehrer gelehrten Gesellschaften, einer Accademia fisicocritica, mit naturhistorischem Museum, einer Accademia delle belle arti, mit Gemäldesammlung, einer ehemals berühmten Universität (gestiftet 1203, 1848 zu einer Section der philosophisch-civilen Wissenschaften herabgesetzt), mit Bibliothek u. verschiedenen Nebenanstalten, Anatomisches Theater, Botanischer Garten, Bibliothek in der Accademia de' Intronati mit gegen 6000 Manuscripten, 23 Pfarr- u. 30 Klosterkirchen (darunter die Kathedrale, aus dem 12. Jahrh., 330 F. lang), innen u. außen mit Marmor belegt, mit vielen Gemälden, auf dem Fußboden aus buntem Marmor zusammengesetzte Gemälde, biblische Erzählungen darstellend, unter dem Chor die Kirche S. Giovanni Battista mit Gemälden, Augustiner-, Dominicaner-, Franciscaner-, Bernhardinerkirche, S. Caterina etc., alle mit reichen Kunstschätzen. Unter den Gebäuden zeichnet sich aus das Rathhaus (Palazzo publico) mit Frescoarbeit u. Gemälden u. Archiv mit wichtigen Documenten; ehemaliger großherzoglicher Palast, Paläste mehrer Privaten, bes. die Sarazini, Piccolomini, Piccolomini-Bellanti, Tolomei, mehre Hospitäler (Maria della Scala), Opernhaus, Casino del Nobili mit der Loggia di S. Paolo; etwas Handel, 2 Creditvereine, Hypotheken- u. Discontobank, blühende Industrie: 40 Fabriken von Wollstoffen, eine von seinem Tuch, 3 Seidenmanufacturen, 150 von Seidenbändern, Leineweberei, Fabriken in Filz- u. Strohhüten, Rübenzucker, Spiritus, Gerbereien, Färbereien, Wachsfabriken etc.; 22,500 Ew. In S. spricht man das reinste Italienisch. Spaziergang La Lizza mit Statuen bei der Citadelle; das weltliche Hauptfest ist il Palio, ein großes Pferderennen auf der Piazza del Campo am 15. Aug.; kirchliche Hauptfesttag ist der der St. Katharina, deren Geburtsort S. ist, sowie des St. Bernhardinus u. des Papstes Pius II. Vor der Porta Camullia ist ein Monument zum Andenken der Zusammenkunft zwischen Kaiser Friedrich III. mit Eleonora von Portugal 1451. Von dem bei der Stadt gelegenen Berge geht eine großartige Wasserleitung aus, welche die Stadt u. einen Umkreis von 5 Miglien mit Wasser versieht. Vgl. Racolta[68] dei più acelti monumenti di belli arti etc. che esistono nella città di S., 1820.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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