Terministischer Streit


Terministischer Streit

Terministischer Streit (Lis terministica), der Streit über die Frage, ob die Gnadenzeit für den Sünder bis an das Ende seines Lebens offen stehe, od. ob eine Grenze (Terminus) von Gott festgesetzt sei, über welche hinaus keine Gnade mehr zu bossen wäre. Erstere Meinung war die kirchliche Ansicht des Mittelalters nach Augustinus; letztere lehrten zuerst die Quäker u. behauptete dann in der Protestantischen Kirche der Pietist I. G. Böse (s.d.) in seiner Schrift Terminus peremtorius salutis humanae (Frankf. 1698, 2. Ausg. 1701). Böse wurde nach seinem Tode (1700) von Neumann in Wittenberg in den Schriften De termino salutis humanae peremtorio (Wittenb. 1700) u. De tempore gratiae divinae non nisi cum morte hominis elabente (1701) widerlegt; aber des Verstorbenen Schwiegersohn, Ad. Rechenberg, nahm sich der Sache desselben an u. lehrte (in mehren kleinen Schriften: De gratiae revocatricis termino, Lpz. 1700; De statu induratorum, 1701; Vortrag der Lutherischen Lehre von dem Termin der von Gott bestimmten Gnadenzeit, 1708), Gott habe den Sündern einen Termin der Gnadenzeit festgesetzt. Ihm entgegen traten die Wittenberger u. Rostocker Theologen, auch sein College Th. Ittig (De reservato dei circa terminum gratiae, 1709) u. And. auf. Mit Ittigs Tode (1710) hörte der Streit auf. Die, welche den Gnadentermin vertheidigten, wurden Terministen, auch Neue Novatianer, u. ihre Behauptung Terminismus genannt.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Terministischer Streit — Terministischer Streit, Streit über die Ausdehnung der von Gott dem Sünder gestatteten Gnadenzeit, hervorgerufen 1698 durch die vom Diakonus Böse in Sorau aufgestellte und von Leipziger Professoren unterstützte Behauptung, daß die göttliche Gnade …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Gnade — Gnade, 1) Zuneigung; 2) wohlwollende Gesinnung Höherer gegen Niedrige, worauf diese keinen Anspruch zu machen haben; 3) die Bethätigung dieser Gesinnung, besonders von Seiten des Fürsten (od. in Republiken der höchsten Staatsgewalten), welche… …   Pierer's Universal-Lexikon


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.