Thüringen


Thüringen

Thüringen, Landstrich des frühern Kreises Obersachsen zwischen Werra, Saale, Harz u. Thüringerwald, jetzt zu Preußen, S. Weimar u. Koburg, den schwarzburgischen Fürstenthümern gehörig, fruchtbar, wohlangebaut, mit beträchtlichem Gewerbsfleiß und Bergbau. Der Name kommt von der deutschen Völkerschaft der Thüringer (die man mit den Hermunduren in Zusammenhang bringt), welche sich im 5. Jahrh. zwischen den Sachsen und Rheinfranken ausbreiteten, aber 530 von den Franken unterworfen wurden. T. war seitdem fränk. Herzogthum, das aber schon König Pipin in Grafschaften auflöste; Markgraf Tachulf erscheint 849 wieder als Herzog von T., das bald darauf an das herzogliche Haus Sachsen fiel. Von Konrad II. erhielt Ludwig mit dem Barte, ein Verwandter des Kaisers, um 1036 einen Landstrich in T. als reichsunmittelbare Grafschaft, sein Sohn Ludwig der Springer u. sein gleichnamiger Enkel, der sich 1130 Landgraf nannte, mehrten ihren Besitz, so daß die thür. Landgrafen zu den mächtigeren deutschen Fürsten gehörten. S. Hermann I., Wartburgkrieg, Heinrich Raspe. Nach dem Thüring. Erbfolgekriege fiel 1263 das eigentliche T. an Heinrich den Erlauchten (aus dem Haus Wettin), dem Markgrafen von Meißen, der westl. Theil an Heinrich das Kind, den Stammvater des hessischen Hauses; beide waren mütterlicherseits Abkömmlinge des thür. Hauses. 1440 starb die thür. Linie aus u. T. fiel an die meißnische zurück; seit 1485, wo Ernst und Albert, die Söhne des Kurfürsten Friedrich II. des Sanftmüthigen, eine förmliche Landestheilung vornahmen, ist T. nie mehr vereinigt worden, und seine Geschichte ist mit der des albertinischen u. ernestinischen Hauses verknüpft. (Vergl. Wachlers thür. u. obersächs. Geschichte, 3 Bde., Leipz. 1826–30; Dörings thüring. Chronik, Frankfurt 1843.)


http://www.zeno.org/Herder-1854.

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  • Thüringen [2] — Thüringen (Gesch.). Das Land, welches in der Folge T. hieß, bewohnten Anfangs die Hermunduren, ein suevischer Stamm, mit deren Namen der der Thüringer (Toringer, Thoringer) gleichen Stammes ist; die Thüringer selbst, welche unter Königen standen …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Thüringen — can refer to several places: * Thuringia, the state in Germany * Thüringen, Austria, a town in the district of Bludenz in Vorarlberg …   Wikipedia

  • Thüringen — Thüringen, das Land zwischen Werra und Saale, dem Südfuße des Harzes und dem des Thüringer Waldes, umfaßt den Hauptteil des Großherzogtums Sachsen Weimar, das Herzogtum Sachsen Gotha, die Fürstentümer Schwarzburg Rudolstadt und Schwarzburg… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Thüringen [1] — Thüringen, 1) nach der Völkerwanderung das Land zwischen der Werra, dem Thüringerwalde, den Vorbergen des Harzes u. der Saale; begriff das heutige T., fast ganz Hessen, einen großen Theil von Franken, der Oberpfalz u. den Landstrich bis in den… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Thüringen — Thüringen, das Land zwischen Werra, Saale, Harz und Thüringer Wald (s.d. [Karte: Mittleres Westdeutschland I, bei Rheinprovinz]). Die Thüringer bildeten im 5. Jahrh. ein großes Reich, das bald zerfiel, und wurden seit 849 von Markgrafen und… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Thüringen — Thüringen. An der westlichen Grenze der güldenen Aue, diesem goldenen Streifen in dem uralten, reichverzierten Wappenschilde T s, erhebt sich wie eine einsame, waldumgürtete Burgwarte der berühmte Kyffhäuserberg. Gleich einer verwitterten… …   Damen Conversations Lexikon

  • Thüringen — Freistaat Thüringen …   Deutsch Wikipedia

  • Thüringen — Thü|rin|gen; s: deutsches Bundesland. * * * Thüringen,   Freistaat Thüringen, Land in der Mitte Deutschlands, 16 172 km2, (1999) 2,5 Mio. Einwohner; grenzt im Westen an Hessen, im Nordwesten an Niedersachsen, im Norden an Sachsen Anhalt, im… …   Universal-Lexikon

  • Thüringen — Thuringe Pour les articles homonymes, voir Barbu de Thuringe. Freistaat Thüringen (État libre de Thuringe) …   Wikipédia en Français

  • Thüringen — 1. Also thut man in Thüringen sägen: nach grosser trücken kommt grosser rägen. Lat.: Exundas pluuia, sequitur post tempora sicca. (Loci comm., 77.) 2. Thüringen hat an drei Dingen Freud : an Weizen, Woll und Waid. Lat.: Conciliare solent tria W… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon


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