Memphis

Memphis. Dort wo der Nil, der mächtige Aegypten beherrschende und befruchtende Strom, noch nicht in viel Zweige gespalten, das sogenannte Delta bildet, wo er noch in seiner ganzen Größe, zwischen dem ihn oft umringenden Gebirge des Nilthales, seine breiten Wellen dem Meere zuträgt, lag die alte Hauptstadt Aegyptens, Memphis, ungefähr 5–6 geographische M. von der Stelle, wo jetzt Kairo sich erhebt. Die mächtige Königsstadt, zuerst auf dem rechten Ufer erbaut, dann auf das linke verlegt, beherbergte die Regenten Aegyptens, nachdem sie das noch ältere Theben verlassen hatten. Um die Stadt zu gründen mußte man dem Flusse erst Land abgewinnen, bald aber hatte sie 3½ deutsche M. im Umfang und umschloß die prächtigsten Tempel und Paläste, wovon aber jetzt nichts mehr zu sehen ist, da die Ruinen theils von den Einwohnern zu ihren Bauten verbraucht, theils vom Schlamm des Nils und dem Sande der Wüste bedeckt sind. Berühmt war Memphis durch seine prächtigen Tempel des Apis, der Phtha (Hephästos der Griechen), der Venus oder vielmehr der Mondgöttin, durch das Serapion (Tempel der Serapis), durch die großartigsten Propyläen, welche jemals von Menschenhänden geschaffen, durch den Palast des Priestercollegiums, durch die große, herrliche, säulengeschmückte Mauer aus dem zartesten, weißen, rosagefleckten Marmor erbaut, und endlich durch die eine Meile davon liegenden Pyramiden (s. d.) Als der mächtige Alexander nach Aegypten kam, fand er die Herrlichkeit der Stadt schon sehr gesunken, da bereits 200 Jahr vor ihm Kambyses sie ganz zerstört hatte. 6 Jahrhunderte nach Christus eroberten die Araber das Land, und baueten aus den Trümmern der durch sie zerstörten Prachtpaläste Tempel in Alexandrien und Kairo, worauf es so gänzlich verschwand, daß man sich Jahrhunderte lang über die Stelle stritt, auf der es gestanden, bis der Feldzug der Franzosen entschied, daß seine Ruinen oberhalb Kairo auf der Westseite des Nils zu finden seien.

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