Schweiz

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Schweiz Die Alpen, Europa's Grundveste und Granitkern, die vielverkettete Felsenburg, wor√ľber der Ewige sein sichtbares Wolkentabernakel ausspannte, bilden in ihren unz√§hligen Abstufungen, schneebedeckten Firnen, weiten fruchtbaren Th√§lern, himmelhohen Engp√§ssen, fetten Triften, majest√§tischen Cascaden, √ľppigen Wiesenabh√§ngen und ewigen Eisfeldern jenes 696 Quadrat M. umfassende Hochplateau, die √ľberreiche, tausendfach bekr√§nzte B√ľhne der originellsten Gebirgsvolksscenerie, die herrliche Republik Helvetien, wo im Pantheon der erhabensten Bergw√∂lbungen, im Walhalla von Sonnenstrahlen und den Milchstra√üen der Gletscher (s. d.), von Oeden der Wildni√ü und Juraidyllen, von den Donnern der Gie√üb√§che und Lawinen, und den milden T√∂nen des Kuhreihens, die edelsten Genien der Freiheit und Liebe verlangenden Menschheit, ein Tell, Winkelried, Calvin, Rousseau, Haller etc., mit ihrem Ph√∂nixstaube die Nischen der Unsterblichkeit und der Kulturgeschichte glorreich ausf√ľllen. Bis zu einer H√∂he von drittehalbtausend Klaftern √ľber das Meer, weit √ľber die Wolken hinaus, erheben sich die eisbedeckten Pyramidenspitzen dieser Riesenberge mit ihren schauerlichen Kl√ľften, Abgr√ľnden und grauen, tr√ľgerischen Schneedecken. Unvergleichlich herrlich sind f√ľrwahr die Coulissen und Decorationen dieses f√ľr sich abgeschlossenen Berg- und Gartentheaters zwischen Frankreich, Italien und Deutschland! Die Cantone Uri, Bern, Unterwalden und Graub√ľndten, die Wappenhalter und Schildknappen Helvetiens, liefern allj√§hrlich zur erhebendsten Naturfeier die unerm√ľdlichsten und geputztesten Figuranten, als: St. Bernhard (7542 Pariser F.), Monterosa (14,580 F.), Simplon (10,100 F.), Finsterahorn (13,234 F.), St. Gotthard (10,014 F.); ja die fast 13,000 F. hohe Jungfrau scheut sich kaum den welschen Riesen ¬ĽMontblanc¬ę zur Menuett einzuladen, wenn auch der M√∂nch (12,666 F.) noch so eifers√ľchtig drein schielt. Der Rhein ist das Kind, der Rhone das Stiefkind der S. Jener, der pr√§chtigste Strom Europa's, entquillt 6000 F. √ľber der Meeresfl√§che an der Ostseite des St. Gotthards, und tritt nach einem Laufe von 57 M. bei Basel in Deutschlands Gauen ein. Nicht minder rei√üend und malerisch ist der Rhone, welcher am Rhonegletscher der Furka milchwei√ü der Tiefe entspringt, hellgr√ľn in den Genfersee wogt, und sobald er diesen verlassen, noch durch die aschgraue Arve alle Wassersch√§tze der Nord- und Westseite der Montblanckette empf√§ngt. Eine geschw√§tzige Wassers√§ule sprie√üt unweit des Hospiliums auf dem St Gotthard, der Tessin-Flu√ü, hervor, welcher als √§chter Sohn des Gebirges sich nur auf Felsenlager bettend und seinen Nacken unter kein Schiff beugend, die ganze s√ľdliche S. durchstr√∂mt und in den Lago maggiore tritt Der muntere Inn weilt nur wenige Stunden in Helvetien, und springt, nachdem er das herrliche Thal Engadin durchtummelt, von jugendlicher Wanderlust getrieben, nach Tyrol √ľber. Doch die Mutter, die ihn gebar, sende dem Ungetreuen keine Z√§hre nach: bedarf sie doch keiner Urnen der Flu√üg√∂tter da ihr aus dem Kristallspiegel ihrer Binnenseen hundertfach ihr eigenes Bild lieblich entgegenl√§chelt! Leis und melodisch besp√ľlt ja den R√ľcken des Jura in einem orientalisch-erquickenden Bade der Genfersee. Ach,

Mit welcher Lust sieht auf des Lemans Fluth,

Wenn Thal und H√ľgel schon in D√§mm'rung sinken,

Der hohen Eiswelt reine Purpurgluth,

Mein Aug' aus dunkler Klarheit wiederblinken!

Zwei majest√§tische Schw√§ne, der Z√ľricher- und der Vierwaldst√§dter-See, breiten oft wild ihre Fittige aus, w√§hrend der Thuner- und Brienzer-See, durch die liebliche Aar verbunden, uns das zarteste Bild idyllischer Ruhe vorspiegeln Mild und angenehm weht die Luft an den Ufern des Neuenburger Sees, wie meist in den zahlreichen duftigen Th√§lern; ‚Äď rauh, kalt und immer k√§lter jedoch auf den H√∂hen. Aus Westen und S√ľdwesten schnaubt oft der gewaltige F√∂hn hervor, tiefeingeh√ľllt in seinen schwarzen Regenmantel; aus Nordost sauset der Bisa, der im Sommer die Fluren versengt, im Winter erstarren macht. Doch ist Helvetiens Klima, je rauher und k√§lter, desto reiner und ges√ľnder; denn

Der Hauch der Gr√ľfte

Steigt nicht hinauf in die heitern L√ľfte!

Darum geh√∂rt auch eine Schweizerreise zu den Hauptw√ľnschen jedes frommen Touristen. Mit sanfter, ganz eigen r√ľhrender Monotonie begr√ľ√üt der Kuhreihen die Morgenr√∂the, welche den Schneescheitel der Alpen mit Rosen bekr√§nzt; jedes Pl√§tzchen, jedes Thal, jeder Berg strahlt in eigenth√ľmlicher Sch√∂ne. Nichts als wunderbar contrastirende Tableaux begegnen unseren Blicken, wenn wir vom Thale zur H√∂he, und von der H√∂he wieder zur Ebene wandern. S√ľ√ü athmen unten im Grunde am Bache die Bl√ľthen, manch' friedliches Dach l√§chelt hinter gr√ľnen Gehegen dem Wanderer entgegen. Milde K√ľhle ergie√üt sich von den Balsamgeb√ľschen, die Th√§ler gl√§nzen von Gold und Azur; tr√§umerisch d√§mmern die von Herden umruhten H√ľgel. Doch wir entwinden uns auf steinigem Pfade dem Tempe des Friedens; immer enger wird der Schlund am Felsen, immer banger die D√ľsterni√ü. Allm√§lig sterben die Laute der beseelten Natur; nur dumpftosend sch√§umen die Bergw√§sser, die hoch an schwarzen Geh√∂lzen dem Gletscher entstr√∂men. Allein wandeln wir hier im Schauer der Wildni√ü, wo nur des Stromfalls Donnerstimme grollt, wo kein Vogel sich auf duftendem Rei√ü wiegt, nur Moos und Flechten den wilden Tr√ľmmern entgr√ľnen. Schauerliche Pyramiden von Eis starren auf den stolzen Firnen, den Sennern Untergang drohend; romantische Burgruinen declamiren tief unter unseren F√ľ√üen in Nebelbeleuchtung die Balladen der Vergangenheit; kalt spr√ľhen um unsere Wangen die st√∂bernden Flocken. Aber jetzt wiegt sich unser Pfad von der riesigen H√∂he an steilen Granitmauern hinunter; wie wild umdr√§uen uns die dunstigen Felskolosse! Oft rei√üen sich hier gewaltige Bl√∂cke los, da√ü rings die Gipfel vom dumpfen Hall erzittern. Dort schlummert tief unter dem Tr√ľmmergestein am einsamen Kreuze ein Erschlagener; mit Schauern flieht der Wanderer die Schmerzenst√§tte. ‚Äď Ruht sanft, ihr Todten, auf dem Wolkenplan; hier weht ja auch der Odem des Ewigen! ‚Äď Weiter rechts senkt sich schaurig still aus n√§chtlicher Kluft ein enger Pfad √ľber das Schiefergestein, voller Todesahnungen in seinen gr√§√ülichen Spalten. Hier im Grauen des feuchten Gew√∂lks wandelt mit k√ľhnem Glauben der Gemsenj√§ger, und sp√§ht, geleitet von dem treuen Hunde, mit Lebensgefahr nach der kostbaren Beute. Doch nun f√ľhrt uns der Weg allm√§lig wieder bergab. Schon entfalten sich lieblich in magischem Duft auf's Neue die Pyramidenreihen der Tannen; purpurroth ragen √ľber uns am Westhorizont in ihrer ganzen Herrlichkeit die Riesen der Alpen, und die D√§cher der Sennenh√ľtten bezeichnen die Grenzmark, wo das Grauen der Oede dem w√§rmeren Leben weicht. Immer n√§her winken uns die Blumengefilde; schon begr√ľ√üt uns die blaue Soldanelle, das erste Blumengl√∂ckchen, welches den Frieden des Thales einlautet; die D√§mmerung senkt sich; die W√ľste verschwindet, ‚Äď und unter dem Gel√§ute der Abendglocken, im Purpurroth der scheidenden Sonne, w√§hrend von den H√ľgeln rings die letzten T√∂ne des Kuhreihens erklingen, treten wir in den idyllischen Grund ein, in das liebliche Thal mit seinem kleinen Menschentage und seinem g√∂ttlichen Heimweh! ‚Äď Und dieses gewaltige Rad der bald zerst√∂renden, bald segensreichen Naturkraft h√§lt den Geist, die Betriebsamkeit des kr√§ftigen Schweizervolkes in steter Schwungkraft. Den gr√∂√üten Erwerbzweig bildet die Rindviehzucht, die in keinem Lande der Erde auf so hoher Stufe der Vollkommenheit steht. Mit Liebe pflegt man die Thiere, welche Glocken und anderen Schmuck erhalten. Jedes Mitglied der Familie hat meist seine Lieblingskuh bei der Herde, der es seine besondere Sorgfalt widmet. 8 Monden weilt der Sennhirt oder Aelpler im Thale; dann, wie Schiller sagt, wenn der Kukuk ruft, wenn die Br√ľnnlein flie√üen im lieblichen Mai, zieht der gl√ľckliche Hirt mit seinen sch√∂nen Herden auf die Fr√ľhlingsalp. Eine zweite Lieblingsbesch√§ftigung des Schweizers ist die Jagd, die nebst der Fischerei in der ganzen S. frei ge√ľbt wird. Das Mineralreich zeigt sich nicht eben ergiebig: Eisen, Steinkohlen, Gips, Kalk, Alabaster, Schieferplatten etc. sind noch die haupts√§chlichsten Produkte. Die Berge sind reich an Wild. und die hochgelegenen W√§lder beherbergen noch W√∂lfe, B√§ren und Luchse. Auf den h√∂chsten Firnen horstet der Geier und Adler, klettert die Gemse (s. d.) umher, und in den kleinen, gegen Mittag liegenden engen Th√§lern der unzug√§nglichsten und h√∂chsten Gebirge weilt das friedliche Murmelthier. An den Ufern des Genfersees ergl√ľht unter den feurigen K√ľssen der Sonne der treffliche Ryffwein (vin de vaux) und der vin de la core. Herrliches Obst, namentlich Kirschen, woraus das beliebte Kirschwasser bereitet wird, aber auch Walln√ľsse, Kastanien, Feigen und Mandeln gedeihen in der westlichen und s√ľdlichen Schweiz. Der Transitohandel ist neuerdings sehr gesunken: daf√ľr zeichnen sich die n√∂rdlichen und westlichen Provinzen durch ihre Baumwollen- und Seidenfabriken aus. In Aargau, St. Gallen und Appenzell liefert man in Wolle und Linnen Vortreffliches; in den zahlreichen Papierm√ľhlen wird das ber√ľhmte Schweizerpapier verfertigt, und herrliche Holz- und Lederwaaren, Uhren, Gold- und Emaillearbeiten etc vervollst√§ndigen gen√ľgend die industri√∂sen Finanzregister des Landes ‚Äď Die Bewohner der S., 2,076,000 der Zahl nach, sind zum gr√∂√üten Theil germanischer Abkunft mit deutscher Sprache in vielen Dialekten; die celtischen, r√∂mischen und gallischen Abk√∂mmlinge (in der sogenannten franz√∂sischen S.) reden eine dem Franz√∂sischen √§hnliche Sprache; in einigen Theilen Graub√ľndtens lebt ein Gemisch von Germanen und Italienern, und an der S√ľdgrenze (in der welschen S.), besonders im Canton Tessin, wohnen viele Italiener. Treu ist der Schweizer von Geburt, treu seiner Heimath, seinen Bergen, seinen Lieben; entspricht er auch nicht den ideellen Schilderungen, wie sie uns oft in den Romanen entgegentreten, so bew√§hrt er doch noch immer bei n√§herer Bekanntschaft seinen alten Biedersinn und die zum Sprichwort gewordene helvetische Gastfreundschaft. Uebrigens hat jeder Canton, ja fast jedes Thal seine eigenth√ľmlichen Sitten, Sprache und Tracht. Allen Schweizern aber gemeinsam ist jene m√§chtige Sehnsucht nach der Heimath, welche sie in der Fremde bei den geringsten Ankl√§ngen an die uralte Nationalmelodie der Alpenhirten, den Kuhreihen, mit allgewaltiger Kraft erfa√üt, ‚Äď das Heimweh. Die Frauen, welche allgemein in dem Rufe tugendsamer Sitten stehen, sind in manchen Gegenden von ausgezeichneter Gesichtsbildung; namentlich sind die Bewohnerinnen des Haslithals im Berner Oberlande ihrer Sch√∂nheit wegen ber√ľhmt. Fast in jedem Canton sind sie anders gekleidet. Bezaubernd ist die Tracht der Berner Landm√§dchen: der hochaufgesch√ľrzte, mit rothem Bande besetzte Rock, die buntgezwickelten, wei√üen Str√ľmpfchen und der allerliebste Strohhut mit seiner niederen Kappe. Die M√§dchen unterscheiden sich meist durchg√§ngig von den Verheiratheten durch lange herabh√§ngende Haarflechten, welche die letzteren aufgewunden tragen. Ein zierlicher runder Hut mit Blumen, Schleifen und B√§ndern schwebt auf dem Kopfe der Luzernerinnen, und ein enges, mit Ketten und Schl√∂ssern verziertes Mieder umschlie√üt die grazi√∂se Taille. Im Canton Unterwalden zeichnet sich das weibliche Geschlecht durch edle, ovale Gesichtsformen, durch seine Z√ľge und gro√üe Sittenreinheit aus; sehr verunstaltend ist jedoch ihr Haarputz, der an beiden Seiten gleich H√∂rnern hervorsteht. Die Freiburgerinnen, welche ebenfalls durch Sch√∂nheit der Formen und Gesichtsz√ľge ausgezeichnet sind, gefallen sich noch am meisten in ihren uralten Trachten, und entstellen sich durch ungeheuere, gepuderte Haarw√ľchse. Ebenso auffallend ist der Haarschmuck der Frauen in den meisten Gegenden des Waadtlandes: hier tragen sie das Haar in ungemein dicke Z√∂pfe geflochten, die h√§ufig als W√ľlste ausgestopft sind, und dar√ľber gro√üe wei√üe Strohh√ľte mit schwarzer Einfassung. ‚Äď 22 Republiken oder Cantons: Z√ľrich, Bern, Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden, Glarus, Zug, Freiburg, Solothurn, Basel, Schaffhausen, Appenzell, St. Gallen, Graub√ľndten, Aargau, Thurgau, Tessin, Waadt, Wallis, Neufchatel und Genf, ‚Äď jeder in sich souverain und von eigenth√ľmlicher Verfassung, bilden die schweizerische Eidgenossenschaft. Eine H√ľgellandschaft mit vielen fruchtbaren Th√§lern, reizenden Gegenden unter einem milden, heiteren Himmel, zieht sich der Canton Z√ľrich (45 Quadrat M, 230,000 Ew.) in lieblichen Wellenlinien um das Krystallbecken seines Sees, an dessen n√∂rdlichstem Ende seine uralte Hauptstadt gl. N. liegt, wo Lavater einst, der fromme Forscher, sann und dichtete, wo der liebliche Salomo Ge√üner sein Denkmal hat. Die nach Norden zu gegen das Aarthal auslaufenden Zweige der Berner Alpen erf√ľllen den ganzen s√ľdlichen Theil des Cantons Bern (173 Quadrat M, 365,000 Ew.). Hier thront die Jungfrau, der M√∂nch, die Bl√ľmlisalp; hier starren im finstern Schweigen die Teufels-, Virscher-, Schreck- und Wetterh√∂rner; hier breiten sich in den Tiefen gleich Blumenketten das anmuthige Saamen-, Kender- und Kienthal, das Lauterbrunner-, das ber√ľhmte Haslithal aus. An der Aar liegt der alte Vorort Bern, mit seinem herrlichen M√ľnster; im Bieler See die reizende Petersinsel, wo Rousseau (1765) mehrere sch√∂ne Monden lang von Abailiard und Heloise tr√§umte. Die sch√∂nste Zierde des h√ľgeligen, von der Reu√ü und. der geschw√§tzigen Emme bew√§sserten Lucerner Landes (36 Quadrat M, 120,000 Ew.) ist das malerische, 5 M. lange Entlibuchthal, bemerkenswerth durch die gymnastische Gewandtheit, ‚Äď das Schwingen, Ringen etc ‚Äď seiner Bewohner. Mit freudigem Stolze betrachten wir bei Sempach die Erinnerungskapelle auf jenem Felde, wo 1386 die gro√üe Freiheitsschlacht geschlagen wurde. Das von hohen Alpen umkr√§nzte Reu√üthal, welches sich vom Gotthardgebirge nordw√§rts zum Vierwaldst√§dter See zieht, mit seinen Nebenth√§lern, namentlich dem schauerlichen Urseren-Thal, umfa√üt den Urcanton Uri (24 Quadrat M., 13,000 Ew.). Am Fu√üe steiler Gebirge liegt die Hauptstadt Altorf mit Tell's Brunnen, am Vierwaldst√§dter See Tell's Kapelle, wo der k√ľhne Sch√ľtze Ge√üler's Nachen entsprang, in derselben Landschaft auch das Dorf B√ľrglen, Tell's Geburtsort. Der herrliche Rigi mit seiner k√∂stlichen Fernsicht in den unerme√ülichen Dom der Natur, und das wildromantische Muotta-Thal sind die Glanzpunkte des Schwyzer Landes (22 Quadrat M., 33,000 Ew). Im Dorfe Brunnen am Vierwaldst√§dter See wurde der ewige Bund (1315) geschlossen; nicht fern davon fiel Ge√üler in der ¬Ľhohlen¬ę Gasse. Ein Gebirgsland mit v√∂lliger Alpenh√∂he, trefflichen Weiden und Waldungen ist der Unterwaldener (12 Quadrat M, 25,000 Ew.), zum gr√∂√üten Theil ein fruchtbares Thalgeh√§nge der kleine Zuger mit dem See gl. N., dem tiefsten unter allen, und der Haupttummelplatz der Gemsenj√§ger der Canton Glarus. Die Hauptstadt des fruchtbaren Plateau's, welches sich vom n√∂rdlichen Ufer des Genfer Sees √∂stlich vom Jura bis zum Rheine zieht und den Canton Freiburg (23 Quadrat M., 90,000 Ew.) bildet, gleiches Namens mit diesem, ist ber√ľhmt wegen ihres herrlichen hochgeth√ľrmten Domes; doch √ľbertrifft ihn der M√ľnster von Solothurn, dem Hauptorte des 12 Quadrat M. gro√üen Cantons gl. N., noch weit an Pracht und Majest√§t. Eine fortgesetzte Kette anmuthiger Rebenh√ľgel, immer am Nordufer des Rheins hin, welcher hier den pr√§chtigen Rheinfall bildet, stellen den Canton Schaffhausen dar. Am Nordabhange des Jura und am Rheine liegt das √ľppige Baseler Land (12 Quadrat M.) mit der stolzen Haupt- und Handelsstadt gl. N., von der sich neuerdings ein Theil der Landschaft gewaltsam losri√ü. Und wollen wir nicht das reiche, arabeskenverzierte Schweizerreisebuch mit liebender Emsigkeit bis zu Ende durchbl√§ttern? Das bunte Bl√§ttchen hier noch beschauen mit dem Bilde von St. Gallen und den wilden B√§dern bei Pfeffers, zu denen man in einem finsteren Felsenschlunde √ľber der tobenden Tamina 660 F. fast senkrecht auf einer schmalen h√∂lzernen Treppe hinabsteigt? oder das reizende Landschaftsgem√§lde von Aargau mit dem alten Stammschlosse der Habsburger? oder das Tableaux des gewerbflei√üigen Waadtlandes (70 Quadrat M., 185,000 Ew.) mit den herrlich gelegenen St√§dten Lausanne und Vevay, und dem weidenreichen Joux-Thal im Juragebirge, dessen mittlerer Theil mit lieblichen Bergen und Th√§lern den Canton Neuenburg bildet? Doch schon l√§chelt uns das reichste der helvetischen Th√§ler im Graub√ľndtner Lande (140 Quadrat M., 90,000 Ew.), das Engadin entgegen, welches mit seinen 24 Seitenth√§lern einer geschmackvollen Sammlung der lieblichsten Idyllen gleicht V√∂llig italienische Luft weht schon in den Th√§lern Tessin's; die ber√ľhmte gigantische Kunststra√üe zieht sich im Canton Wallis (90 Quadrat M., 72,000 Ew.) √ľber den Simplon nach Welschland, das mit seinen Orangend√ľften und himmelblauen Ahnungen schon bis zum Genfer See her√ľberweht; in die Alpenkl√§nge unserer helvetischen Wanderung t√∂nt schw√§rmerisch-elegisch die tiefe Weise: ¬ĽKennst du das Land, wo die Citronen bl√ľhn etc.;¬ę aus dem Lago maggiore blinkt uns das tiefblaue Himmelsauge der Lombardei entgegen, und entz√ľckt rufen wir, nachdem wir uns noch einmal dankbar gegen Helvetien gewendet haben: ¬ĽO Italia bella!¬ę ‚Äď Geschichte. Drei germanische V√∂lker, Alemannen, Burgunder und Ostgothen, brachen um's Jahr 450 n. Chr. das r√∂mische Joch, dessen eisernen Druck das friedliche, schon fr√ľher zum Christenthum bekehrte Alpenland nur schwach gef√ľhlt hatte; einheimische ¬ĽGrafen¬ę verwalteten das Recht in den heiteren Gauen. Da w√§lzte sich der Strom der V√∂lkerwanderung auch hierher; Helvetien ward dem gro√üen Frankenreiche einverleibt, ‚Äď ein Juwel in der Kaiserkrone Karl's, ein Dorn im Auge seiner schwachen Nachfolger. Burgund und Alemannien ertrotzten sodann eine momentane Selbstst√§ndigkeit, den Gr√§ueln des Faustrechts, dem Unfug des Feudalismus zu steuern, ‚Äď was jedoch erst durch den politischen Erfolg der Kreuzz√ľge einigerma√üen verwirklicht werden konnte. Das Haus der Z√§hringer war bis zum Tode Berthold's (1218) dem bedr√§ngten, zerst√ľckelten Alemannien ein sch√ľtzender Baldachin gewesen, worunter Handel, K√ľnste, Gewerbe und Industrie zu bl√ľhen begannen, und 55 Jahre sp√§ter vertauschte Graf Rudolph das Schlo√ü Habsburg mit dem r√∂misch-deutschen Kaiserthrone. Unterde√ü war der Helvetier aus wirren Feudaltr√§umen zur Begr√ľndung eines sch√∂nen, festen B√ľrgerthums erwacht; die romanische Sprache in Savoyen lieh der deutschen Zunge Wohlklang und Poesie; begeisterte Minnes√§nger flogen wie Brieftauben der Kultur von Burg zu Burg, von Haus zu Haus: freie St√§dte stifteten gegenseitige Schutz- und Trutzb√ľndnisse; Z√ľrich, Basel, Genf, Lausanne umschirmten sogar kriegerisch ihren stets wachsenden Handelsflor; die Zeit der Knechtschaft war in der S. vor√ľber, und der harte Kaiser Albrecht hatte umsonst seine Zwingvoigte gesendet. Denn in der Nacht des 7. Novembers 1307 beschworen Walter F√ľrst aus Uri, Stauffacher aus Schwyz und Melchthal aus Unterwalden auf den unwegsamsten Kl√ľften des R√ľtli den ersten ¬ĽBund schweizerischer Eidgenossen,¬ę und Wilhelm Tell's Pfeil traf bei K√ľ√ünacht Ge√üler's rached√ľrstende Brust, ‚Äď die gewichtigsten Thaten der helvetischen Geschichte, gl√§nzende Sterne an Klio's Purpurmantel, woran sich die Heldensiege bei Moorgarten und Sempach glorreich anreihen. Lucern, Z√ľrich, Glarus, Zug und Bern gesellten sich endlich den drei fr√ľheren Vork√§mpfern zu, so da√ü die ¬Ľacht alten Orte¬ę bereits gegen die angrenzenden F√ľrstenl√§ndchen den Fehdehandschuh hinwerfen konnten, welchen kaum Oestreich mehr ritterlich aufzugreifen vermochte. Der Dauphin Ludwig, Karl der K√ľhne von Burgund lie√üen in den Th√§lern des Schwyzerlandes, der eine auf dem Kirchhofe St. Jacob bei Basel (in der Schlacht vom 26. August 1444) seine Ehre, der andere bei Nancy (1477) sein Leben. Freiburg und Solothurn traten mit in die unerschrockene B√ľndnerreihe, und nach dem Baseler Frieden (1499) folgten Basel, Schaffhausen und Appenzell bed√§chtig ihrem Beispiel; ja sogar die italienischen Bezirke des jetzigen Cantons Tessin's wurden den Mail√§ndern abgezwackt. Das Schlachten bei Marignano f√ľhrte nur vergeblich einen ¬Ľewigen Frieden¬ę mit dem feindlichen Frankreich (geschlossen 1516 zu Freiburg) herbei, und die Reformation, welche nun auch auf den freien Alpen ihr Freiheitsbanner wehen lie√ü, rief im eigenen Inneren B√ľrger gegen B√ľrger unter die Waffen; Zwingli predigte gegen den Abla√ü, ein blutiger Fanatismus entzweite die einzelnen Staaten, und lange Jahre hindurch befehdeten sich die Schweizer untereinander durch religi√∂sen Hader. Inzwischen huldigten auch Genf und Waadt der Eidgenossenschaft, und das Haus Savoyen sah sich jetzt eben so sehr aus der helvetischen Republik verdr√§ngt, als einst die Familie Habsburg. Im langen, 30 j√§hrigen Kriege triumphirte √ľber alle Anfechtungen der freie, conf√∂derirte Volksgeist Helvetiens, und im spanischen Erbfolgekriege, wie bei den Verfolgungen der Protestanten in Frankreich (seit 1685), f√ľhrte die S. ihre tragisch sentimentale Mutterrolle eben so gut und neutral durch, wie unter der ungebetenen Vormundschaft Napoleon's. 1830 fanden die politischen Ereignisse auch in den Alpen einen starken Nachhall, und die Zukunft mu√ü es lehren, in wie weit die S. ihre reichen Erfahrungen der Vergangenheit, ihre Stellung begriffen hat.

P.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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