Nationalfriedhof Arlington

ï»ż
Nationalfriedhof Arlington
Karte des Friedhofs aus dem Jahre 1945

Der Nationalfriedhof Arlington (englisch Arlington National Cemetery) ist einer der 139 Nationalfriedhöfe in den Vereinigten Staaten. Er liegt in Arlington im Bundesstaat Virginia unmittelbar sĂŒdwestlich der Bundeshauptstadt Washington, D.C., von der er durch den Potomac River getrennt wird. Im SĂŒdosten grenzt er an das GelĂ€nde des Pentagons.

Der Friedhof wurde 1864 wĂ€hrend des Amerikanischen BĂŒrgerkrieges errichtet. JĂ€hrlich finden hier knapp 5400 Beerdigungen statt. Mit ĂŒber 260.000 Beisetzungen seit seinem Bestehen ist der Nationalfriedhof in Arlington – nach dem Calverton-Nationalfriedhof in New York – der zweitgrĂ¶ĂŸte Friedhof der USA. Das ca. 252 ha große Areal wird wie der United States Soldiers’ and Airmen’s Home National Cemetery in Washington D.C. vom Heeresministerium verwaltet, wĂ€hrend die meisten anderen Nationalfriedhöfe vom Kriegsveteranenministerium und vom National Park Service betreut werden.

Auf diesem Friedhof wurden bisher drei StaatsbegrĂ€bnisse abgehalten, fĂŒr die PrĂ€sidenten William Howard Taft (1930) und John F. Kennedy (1963) sowie fĂŒr General John J. Pershing (1948).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Traditionell wurden Soldatenfriedhöfe von den jeweiligen Feldherren errichtet, um ihre gefallenen Soldaten zu ehren. In den Jahren des BĂŒrgerkriegs spielten sich viele militĂ€rische Operationen zwischen den jeweiligen HauptstĂ€dten Washington D.C. und Richmond, Virginia ab, die nur zirka 172 km voneinander entfernt liegen. Da die KrankenhĂ€user und provisorischen Friedhöfe aufgrund der hohen Opferzahlen ĂŒberfĂŒllt waren, schlug Generalquartiermeister Montgomery Meigs vor, das knapp 80 Hektar große, unweit von Washington gelegene Anwesen von General Robert E. Lees Familie in einen Friedhof umzuwandeln. Lee war vor dem Krieg Offizier (West Point-Abschlussjahrgang 1829) in der Unionsarmee gewesen. Als der BĂŒrgerkrieg ausbrach, erhielt er vom PrĂ€sidenten Abraham Lincoln das Angebot, das Kommando der Potomac-Armee zu ĂŒbernehmen. Da er jedoch seinem Heimatbundesstaat Virginia verbunden war, wurde er Kommandeur der konföderierten Nord-Virginia-Armee und kĂ€mpfte von da an erfolgreich gegen die Union, bis er am 9. April 1865 bei Appomattox Court House kapitulieren musste. Aufgrund seiner Entscheidung gegen die Vereinigten Staaten galt Lee seither im Offizierskorps der Armee als unloyal, obwohl er hohe Achtung genoss.[1] Nach der Enteignung Lees erklĂ€rte Kriegsminister Edwin M. Stanton das GelĂ€nde am 15. Juni 1864 offiziell zum Friedhof. Noch bevor er seine vertragliche Absicherung fand, wurden schon die ersten Bestattungen vorgenommen, bis Kriegsende annĂ€hernd 16.000.

1882 wurde nach langen Prozessen die Frage der EigentĂŒmerschaft vor den Supreme Court gebracht. Der Gerichtshof entschied zu Gunsten der Familie Lee; der Kongress beschloss daher eine EntschĂ€digung von 150.000 Dollar.

Am 27. Juli 2010 kam es zu einer Kongressanhörung, nachdem bekannt wurde, dass die GrĂ€berverwaltung noch immer auf Karteikarten beruht und in sehr schlechtem Zustand sein soll. Möglicherweise sind Tausende GrĂ€ber falsch bezeichnet.[2] [3] Bei 211 GrĂ€bern wurde dies bereits festgestellt. DarĂŒber hinaus wurden namenlose Urnen auf einer MĂŒllhalde gefunden.[4] Ende 2010 fanden Forensiker zudem acht Urnen in einem einzelnen Grab, weswegen ein Ermittlungsverfahren eröffnet wurde.[5]

Heutige Beisetzungskriterien

Die Auswahl der Personen, die auf dem Nationalfriedhof Arlington zur letzten Ruhe gebettet werden dĂŒrfen, unterliegt einigen im Folgenden angefĂŒhrten Kriterien[6]:

  • Jedes aktive Mitglied der StreitkrĂ€fte der Vereinigten Staaten, ausgenommen die in Ausbildung befindlichen.
  • Jeder Veteran,
    • der ehrenhaft aus dem Dienst entlassen wurde,
    • der nach einer aktiven Dienstperiode in den Reservestand versetzt wurde, sofern er das 60. Lebensjahr erreicht hat und Bezieher eines Ruhegeldes war,
    • der bis zum 1. Oktober 1949 wegen KrankheitsgrĂŒnden (Einstufung auf 30 % oder mehr DienstunfĂ€higkeit) ehrenhaft aus den StreitkrĂ€ften entlassen wurde,
    • der wĂ€hrend seiner MilitĂ€rlaufbahn mit mindestens einem der folgenden Orden ausgezeichnet wurde:
  • Jeder PrĂ€sident der Vereinigten Staaten, unabhĂ€ngig davon, ob wĂ€hrend oder nach seiner Amtszeit gestorben
  • Mitglieder, die aktiv in den StreitkrĂ€ften dienten und spĂ€ter folgende politische Ämter innehatten:
  • nach dem 30. November 1993 verstorbene ehemalige Kriegsgefangene der Armee-, Marine- und LuftstreitkrĂ€fte, die nach ihrer Befreiung ihre regulĂ€re Dienstzeit vollendeten,
  • Witwen/Witwer von Angehörigen der StreitkrĂ€fte, die
    • auf See bestattet wurden oder offiziell als vermisst gelten,
    • auf einem Friedhof der American Battle Monuments Commission ihre letzte Ruhe fanden,
    • in einem Gruppengrab auf dem Nationalfriedhof Arlington begraben wurden,
  • Kinder von in Arlington bestatteten Personen.
Panorama einer Sektion des Arlington National Cemetery
Panorama einer Sektion des Arlington National Cemetery

Bekannte Grab- und DenkmÀler

Grabmal der Unbekannten

Der Unbekannte Soldat des Ersten Weltkriegs ruht unterhalb des weißen Sarkophags, der des Zweiten Weltkriegs im Vordergrund unterhalb der linken Marmorplatte, der des Koreakriegs rechts. Der als Michael Blassie identifizierte Unbekannte des Vietnamkriegs ruhte bis 1998 unter der mittleren Platte.

Das Grabmal der Unbekannten am Nationalfriedhof Arlington wird auch als Grabmal des unbekannten Soldaten bezeichnet und liegt auf einem HĂŒgel oberhalb von Washington, D.C. Diese Anlage besteht aus sieben Marmorblöcken mit einer Gesamtmasse von ca. 72 t. Der dabei verwendete sogenannte „Yule-Marmor“ aus dem Bundesstaat Colorado diente u. a. auch als Baumaterial fĂŒr das Lincoln Memorial in Washington D.C. und das Equitable Building in New York City. Das Bauwerk wurde am 9. April 1932 fertiggestellt und kostete 48.000 Dollar. UrsprĂŒnglich als Grab des Unbekannten Soldaten bezeichnet, wurde es spĂ€ter in „Grabmal der Unbekannten“ umbenannt, da in der Folgezeit weitere Soldaten der letzten Kriege dort beigesetzt wurden:

  • Unbekannter Soldat des Ersten Weltkrieges wurde am 11. November 1921 beigesetzt. Als nĂ€chster Verwandter, dem die auf dem Sarg ausgebreitete Nationalflagge zusammengefaltet ĂŒberreicht wird, fungierte symbolisch der damalige PrĂ€sident Warren G. Harding.
  • Unbekannter Soldat des Zweiten Weltkrieges, beigesetzt am 30. Mai 1958. Symbolischer „nĂ€chster Verwandter“ war PrĂ€sident Dwight D. Eisenhower.
  • Die Beisetzung des Unbekannten Soldaten des Koreakrieges erfolgte am selben Tag nach der des Zweiten Weltkriegs. Hier war der damalige VizeprĂ€sident Richard M. Nixon der symbolische „nĂ€chste Verwandte“.
  • Unbekannter Soldat des Vietnamkrieges, beigesetzt am 28. Mai 1984. Symbolischer „nĂ€chster Verwandter“ war PrĂ€sident Ronald Reagan.

Auf Anordnung von PrĂ€sident Clinton wurden am 14. Mai 1998 die sterblichen Überreste des Unbekannten des Vietnamkriegs exhumiert. Der Leichnam wurde mittels DNA-Analyse als First Lieutenant Michael Joseph Blassie der US Air Force identifiziert, der am 11. Mai 1972 ĂŒber SĂŒdvietnam abgeschossen worden war. Auf Veranlassung seiner Familie wurden seine sterblichen Überreste auf den Jefferson Barracks National Cemetery nahe St. Louis, Missouri, ĂŒberfĂŒhrt, wo sie am 10. Juli desselben Jahres beigesetzt wurden. Das Grab des Unbekannten Soldaten des Vietnamkriegs steht seitdem leer und wird voraussichtlich nicht mehr belegt werden.

Seit April 1948 wird das Grabmal der Unbekannten von Soldaten des 3. US-Infanterieregiments bewacht. Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Wachablösung trĂ€gt dieses Regiment den Beinamen „The Old Guard“ (dt. „Die alte Garde“).

John F. Kennedy Eternal Flame

Die Ewige Flamme und Grabstein von John F. Kennedy

Die GrabstĂ€tte des am 22. November 1963 ermordeten 35. PrĂ€sidenten der Vereinigten Staaten, John F. Kennedy, befindet sich in einer Linie mit der ĂŒber den Potomac River fĂŒhrenden Arlington Memorial Bridge und dem Lincoln Memorial. Die Idee fĂŒr die Errichtung einer ewigen Flamme hatte die Witwe Jacqueline Kennedy nach der Aufbahrungszeremonie im Kapitol am 24. November, inspiriert vom Grabmal des Unbekannten Soldaten beim Pariser Triumphbogen. Die Planer des am nĂ€chsten Tag stattfindenden BegrĂ€bnisses kamen dieser Bitte nach und beauftragten das U.S. Army Corps of Engineers mit der Umsetzung. Über Nacht wurde eine provisorische Gasleitung von einem entfernten Propantank zum werdenden Grabmal gelegt, sodass die Flamme wenige Stunden spĂ€ter nach der BegrĂ€bniszeremonie von Jacqueline Kennedy entzĂŒndet werden konnte.[7]

Soldaten des 3. US-Infanterieregiments „The Old Guard“ standen bis 1965 Wache bei der GrabstĂ€tte, die bis heute von Menschenscharen aufgesucht wird. Aus diesem Grund wurde 1967 eine ca. 1,3 ha große permanente GrabstĂ€tte mit gepflastertem Zugang eröffnet. Die Propangasleitung zur Befeuerung der ewigen Flamme wurde gegen eine fixe Erdgasleitung ersetzt. Die Flamme selbst ruht auf einer runden Granitplatte mit einem Durchmesser von 1,5 m, die von mehreren unregelmĂ€ĂŸigen Granitplatten aus einem Granitsteinbruch nahe Kennedys langjĂ€hrigem Wohnort am Cape Cod umgeben ist. AuszĂŒge seiner Amtsantrittsrede sind auf weißen Marmortafeln eingraviert. Um das Erlöschen der Flamme durch WitterungseinflĂŒsse zu verhindern, ist ein GerĂ€t angebracht, das einen permanenten ZĂŒndfunken erzeugt und durch ZufĂŒhrung von Sauerstoff das Rußen der Flamme verhindert. Am 23. Mai 1994 wurde Jacqueline Bouvier Kennedy Onassis neben ihrem Ehemann bestattet. Deren frĂŒhzeitig verstorbene Kinder Arabella Kennedy (*/† 23. August 1956) und Patrick Bouvier Kennedy (* 7. August 1963; † 9. August 1963) wurden bereits wenige Wochen nach Kennedys Tod exhumiert und bei ihrem Vater beigesetzt. Die letzte RuhestĂ€tte von JFKs 1968 erschossenem Bruder Robert „Bobby“ Kennedy liegt nahe der seines Bruders[8], ebenso wie das Grab des 2009 verstorbenen jĂŒngsten Bruders Edward „Ted“ Kennedy.

USS Maine Mast Memorial

„Remembering the Maine“

Dieses Mahnmal gedenkt der 264 Seeleute, die bei einer Explosion an Bord des im Hafen von Havanna, Spanisch-Kuba, ankernden Schlachtschiffs Maine am 15. Februar 1898 ums Leben kamen. Aufgrund der damaligen angespannten politischen VerhĂ€ltnisse zwischen den Vereinigten Staaten und dem Königreich Spanien bezĂŒglich der Kuba-Frage wurde dieses Ereignis durch die amerikanische Presse als spanischer Angriff aufgepuscht („Remember the Maine“), sodass der Spanisch-Amerikanische Krieg ausbrach.

Das Monument wurde am 17. Jahrestag diesen Vorfalls eingeweiht und kostete ca. 56.000 Dollar. Die Basis des Bauwerks ist dem GeschĂŒtzturm der Maine nachempfunden und misst im Durchmesser etwa zehn Meter. Die ungefĂ€hr einen Meter dicken GranitwĂ€nde bilden einen ĂŒber zwei Meter hohen Raum, der durch elf kleine Fenster mit Tageslicht ausgeleuchtet wird und durch zwei bronzene TĂŒren zugĂ€nglich ist. Bei der Ă€ußeren TĂŒr handelt es sich um eine Gitterbauweise, wĂ€hrend auf der inneren soliden TĂŒr eine HĂ€lfte der originalen Schiffsglocke angeschweißt ist, die den Schriftzug „USS MAINE, Navy Yard, New York, 1894“ trĂ€gt. Beiderseits des Eingangs steht je eine auf einem kleinen Podest ruhende Urne auf einem dreibeinigen Stativ mit einer Gesamthöhe von knapp 1,5 m. In die Außenfassade sind 23 Steintafeln eingearbeitet, die die Namen der Opfer tragen. Oberhalb der TĂŒr ist folgende Inschrift eingraviert:[9]

ERECTED IN MEMORY OF THE OFFICERS AND MEN
WHO LOST THEIR LIVES IN THE DESTRUCTION
OF THE USS MAINE AT
HAVANA, CUBA, FEBRUARY FIFTEENTH MDCCCXCVIII
Errichtet zum Andenken an die Offiziere und MĂ€nner
die wÀhrend der Zerstörung
der USS Maine ihr Leben ließen.
Havanna, Kuba, 15. Februar 1898

Auf der steinernen Basis ist der originale Hauptmast der Maine angebracht. Der ebenfalls erhaltene Kreuzmast befindet sich heute in der US Naval Academy in Annapolis, Maryland. Von den Gefallenen der Maine sind 229 Mann nahe dem Denkmal beigesetzt worden.[10] Das Maine Mast Memorial war wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges vorlĂ€ufige RuhestĂ€tte zweier im Exil verstorbener auslĂ€ndischer StaatsoberhĂ€upter. Der Leichnam des philippinischen StaatsprĂ€sidenten Manuel Quezon († 1. August 1944) wurde nach dem Krieg in seine Heimat ĂŒberfĂŒhrt, wĂ€hrend der des polnischen MinisterprĂ€sidenten Ignacy Jan Paderewski († 29. Juni 1941) erst nach dem Zerfall des Eisernen Vorhangs, und zwar am 3. Juli 1992 in Warschau zur letzten Ruhe gebettet werden konnte.[11]

Arlington Memorial Amphitheater

Die Ă€ußere Fassade des Arlington Memorial Amphitheater ist dem Vorbild römischer Amphitheater nachempfunden. Die aus weißem Marmor gefertigten SĂ€ulen entsprechen dem ionischen Stil.
Innenansicht der Arena mit Blick auf das Podium

Das Arlington Memorial Amphitheater beherbergt das Grabmal der Unbekannten und ist vor allem am Memorial- und Veterans Day Schauplatz diverser Gedenkzeremonien, an denen jĂ€hrlich ca. 5000 Menschen teilnehmen. An dieser StĂ€tte fanden auch StaatsbegrĂ€bnisse berĂŒhmter Amerikaner statt, wie zum Beispiel von General of the Armies John „Black Jack“ Pershing, General of the Air Force Henry „Hap“ Arnold und fĂŒnf Opfern der TerroranschlĂ€ge des 11. September.

Dieses Bauwerk besteht ĂŒberwiegend aus dem sogenannten Imperial Danby-Marmor aus dem Bundesstaat Vermont. Das zwischen der Arena und dem Grabmal der Unbekannten befindliche Memorial Display Room beherbergt zahlreiche Gedenktafeln und wurde aus importiertem Botticino-Kalkstein gebaut. Unter dem Podium ist eine kleine Kapelle untergebracht. Im oberhalb des SĂ€ulengangs befindlichen Fries sind die Namen von 44 Schlachten eingraviert, in denen Soldaten der Vereinigten Staaten seit dem UnabhĂ€ngigkeitskrieg bis zum Spanisch-Amerikanischen Krieg gekĂ€mpft hatten. ZusĂ€tzlich sind je 14 GenerĂ€le und AdmirĂ€le aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg beiderseits des Podiums verewigt.

Dieses Bauwerk ist den BemĂŒhungen von Richter Ivory Kimball (1843–1916) zu verdanken, der sich jahrelang fĂŒr eine GedĂ€chtnisstĂ€tte einsetzte, um den Soldaten der Vereinigten Staaten die Ehre zu erweisen. Kimball war PrĂ€sident der örtlichen Landesfraktion der Grand Army of the Republic, einer Vereinigung ehemaliger Unionsarmeeveteranen des amerikanischen BĂŒrgerkriegs. Der Kongress der Vereinigten Staaten genehmigte das Bauvorhaben am 4. MĂ€rz 1913. Die Grundsteinlegung erfolgte zwei Jahre spĂ€ter am 15. Oktober durch den damaligen PrĂ€sidenten Woodrow Wilson. Zu den 15 als Zeitkapsel eingebrachten Objekten zĂ€hlen u. a. die Bibel und eine Kopie der Verfassung.[12]

Bevor das Amphitheater 1921 fertiggestellt wurde, fanden die bisherigen AnlĂ€sse im Old Amphitheater statt, das am Decoration Day (heute Memorial Day) am 30. Mai 1868 auf Initiative von General John Logan im ehemaligen Ziergarten von Robert E. Lee errichtet wurde. Zu den ersten Rednern an diesem Tag zĂ€hlte u. a. der spĂ€tere PrĂ€sident James Garfield. Die Baustruktur besteht aus einem runden SĂ€ulengang mit einem gitterartigen Dach, das ursprĂŒnglich mit Ranken von Weinreben bewachsen war, vergleichbar einer Pergola. Im ca. 1500 Personen fassenden Auditorium selbst steht ein marmornes Podest in dem das Nationalmotto E Pluribus Unum eingraviert ist.[13]

Netherlands Carillon

Dieser Carillon war 1954 ein Geschenk der niederlĂ€ndischen Bevölkerung an die Vereinigten Staaten, in Dankbarkeit fĂŒr die Hilfe wĂ€hrend und nach dem Zweiten Weltkrieg. Der ursprĂŒnglich mit 49 Glocken versehene Turm stand zuerst im West Potomac Park bevor er 1960 an seine heutige Position unweit des United States Marine Corps War Memorial platziert wurde. Die 50. Glocke wurde am 5. Mai 1995 anlĂ€sslich des 50. Jahrestages der Befreiung der Niederlande von der nationalsozialistischen Herrschaft ergĂ€nzt.

Der von Joost Boks kreierte Glockenturm ist eine 40 m hohe, mit Stahlplatten verstĂ€rkte, offene Stahlkonstruktion mit einer GrundflĂ€che von ca.7,6×11 m. Eine Treppe fĂŒhrt auf eine in ca. 25 m Höhe befindliche Aussichtsplattform, auf welcher der durch GlaswĂ€nde abgesperrte Spieltisch des Glockenspiels steht. Die 50 bronzenen Glocken haben eine Gesamtmasse von ca. 28 t, wobei die grĂ¶ĂŸte mit einem Durchmesser von ĂŒber 2 m alleine 5,7 t wiegt, wĂ€hrend die kleinste mit nur 20 cm im Durchmesser lediglich 16 kg auf die Waage bringt. Das Bauwerk steht flankiert durch zwei bronzene Löwen, auf einen 800 mÂČ großen mit Quarzit gepflasterten Platz, der mit einer Lavasteinmauer umgeben ist. Die nĂ€here Umgebung ist mit Tausenden von Tulpen bepflanzt.

Das Glockenspiel spielt jede volle Stunde den sogenannten Westminster Chimes und zweimal tÀglich patriotische amerikanische Musik. Am 5. Mai, am 4. Juli, dem UnabhÀngigkeitstag, am 2. September und an Thanksgiving ertönt dem Anlass entsprechende Musik. In den Sommermonaten ist der Netherlands Carillon Veranstaltungsort zahlreicher Konzerte und VortrÀge.[14]

Weitere Grab- und DenkmÀler

Kenotaph zu Ehren der Besatzung des Space Shuttle Challenger

Das Space Shuttle Challenger Memorial wurde am 12. Juni 1987 vom 99. Kongress der Vereinigten Staaten in Auftrag gegeben, um die sieben am 28. Januar 1986 bei der Explosion des Shuttles Challenger ums Leben gekommenen Besatzungsmitglieder zu ehren. Ende MĂ€rz desselben Jahres wurde das Monument mit einer Zeremonie eingeweiht. Von den sieben Astronauten wurden der Kommandant Dick Scobee und der Pilot Michael Smith in unmittelbarer NĂ€he des Monuments beigesetzt. Die nicht identifizierten Leichname fanden unter dem massiven weißen Marmorblock ihre letzte Ruhe. Er ist auf seiner Vorderseite mit einer bronzenen Tafel versehen, welche die Namen und Gesichter der VerunglĂŒckten enthĂ€lt. Die RĂŒckseite ziert das eingravierte Gedicht High Flight von John Gillespie Magee.[15] Ein Ă€hnliches Denkmal wurde fĂŒr die Anfang Februar 2003 verunglĂŒckte Columbia-Crew errichtet. Von deren Besatzung wurden die sterblichen Überreste der Astronauten Laurel Clark, David Brown und Michael Anderson in Arlington beigesetzt.

Auf einem flachen HĂŒgel sĂŒdlich von Arlington House mit Blick auf das Washington Monument und das Kapitol am Ostufer des Potomac wird mit einem marmornen Denkmal an Pierre Charles L’Enfant erinnert. Der gebĂŒrtige Franzose war der Planer der Hauptstadt Washington, D.C..

Auf dem gesamten Friedhof gibt es nur zwei Mausoleen. Sie gehören den Familien von General Nelson Appleton Miles und Thomas Crook Sullivan.

Der Pan Am Flight 103 Memorial Cairn oder Lockerbie Cairn wurde 1995 vom damaligen PrĂ€sidenten Bill Clinton eingeweiht. Dieser aus 270 Blöcken roten schottischen Sandsteins bestehende Turm erinnert an die Opfer des Lockerbie-Anschlags, bei dem am 21. Dezember 1988 259 Insassen einer Boeing 747 der Pan Am und elf Personen am Boden starben, nachdem libyschen Terroristen ĂŒber der schottischen Kleinstadt Lockerbie eine Bombe an Bord zĂŒndeten. Bis zu den TerroranschlĂ€gen vom 11. September war dies mit 189 US-amerikanischen Opfern der schwerste Terroranschlag gegen BĂŒrger der Vereinigten Staaten.

Das in den 90er Jahren errichtete Third Infantry Division Monument gedenkt der ĂŒber 10.000 Soldaten der 3. US-Infanteriedivision, die wĂ€hrend beider Weltkriege und wĂ€hrend des Koreakrieges im Kampf fielen oder seitdem vermisst sind.[16]

Persönlichkeiten, die in Arlington bestattet wurden

Blick auf den Friedhof und das Pentagon im Hintergrund
GrÀber auf dem Arlingtoner Nationalfriedhof

Bis Mai 2006 wurden 367 mit der Medal of Honor ausgezeichnete Soldaten auf dem Nationalfriedhof Arlington beigesetzt, von denen neun kanadische StaatsbĂŒrger waren.[17] Zu den bekannteren MilitĂ€rs zĂ€hlen u. a. der erste Vorsitzende der Joint Chiefs of Staff Omar Bradley (1893–1981), James Doolittle (1896–1993), bekannt durch den so genannten „Doolittle Raid“, der bekannte Admiral im Pazifikkrieg William F. Halsey (1882–1959), John „Black Jack“ Pershing (1860–1948), dem ranghöchsten US-Offizier in japanischer Kriegsgefangenschaft Jonathan Wainwright (1883–1953) sowie „Slew“ McCain (1884–1945) und John Sidney McCain junior (1911–1981), Großvater und Vater des ehemaligen republikanischen PrĂ€sidentschaftskandidaten John McCain. Die 1994 verunglĂŒckte erste weibliche Kampfpilotin der US Navy Kara Spears Hultgreen (1965–1994) wurde ebenfalls in Arlington beigesetzt.

Einige der Bestatteten waren neben ihrer militĂ€rischen Karriere auch auf anderen Gebieten bekannt, darunter der mehrfache Medaillengewinner bei Olympischen Sommerspielen Willis A. Lee (1888–1945), der Filmschauspieler Audie Murphy (1924–1971), der Irakkrieg-Kritiker David Haskell Hackworth (1930–2005), der durch den sogenannten „Marshallplan“ bekannte ehemalige Außenminister und FriedensnobelpreistrĂ€ger George C. Marshall (1880–1959) und der Krimiautor Dashiell Hammett (1894–1961).
Mit dem Schwergewichts-Boxweltmeister von 1937 bis 1949 Joe Louis (1914–1981) oder dem Erfinder und Unternehmer George Westinghouse (1846–1914) sind zudem auch bekannte Persönlichkeiten bestattet, die keine militĂ€rische Karriere verfolgt hatten.

Außer den Veteranen wurden auf dem Arlington-Friedhof auch bekannte Politiker bestattet, darunter der 27. PrĂ€sident William Howard Taft (1857–1930), Außenminister John Foster Dulles (1888–1959) sowie der 35. PrĂ€sident John F. Kennedy (1917–1963) neben seiner Frau Jackie Kennedy (1929-1994) und seinen BrĂŒdern, Senator und Justizminister Robert F. Kennedy (1925–1968) und Senator Edward Kennedy (1932–2009).

Die bei der Apollo 1-Katastrophe ums Leben gekommenen NASA-Astronauten Virgil Grissom (1926–1967) und Roger Bruce Chaffee (1935–1967) fanden hier ihre letzte Ruhe.

Neben US-Amerikanern wurde auch AuslĂ€ndern die Ehre zuteil, in Arlington beigesetzt zu werden. Zu den bekannteren zĂ€hlen der Franzose Pierre Charles L’Enfant (1754–1825) und der britische Major General Orde Charles Wingate (1903–1944).

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Nationalfriedhof Arlington â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Geoffrey Ward, Ken Burns, Rick Burns: The Civil War: An Illustrated History. 1990 (ISBN 0-679-74277-8, abgerufen am 23. Oktober 2007).
  2. ↑ Thousands of Arlington Graves Could Be Mislabeled, Senator Says. In: www.foxnews.com. Abgerufen am 21. Juni 2011.
  3. ↑ GrĂ€ber-Skandal in Arlington: Heilloses Durcheinander auf US-Nationalfriedhof. In: www.tagesschau.de. Abgerufen am 21. Juni 2011.
  4. ↑ Video auf msnbc.com
  5. ↑ Army investigating 8 sets of remains buried in single gravesite at Arlington. In: www.washingtonpost.com. Abgerufen am 21. Juni 2011.
  6. ↑ Eligibility for Interment (Ground Burial). In: www.arlingtoncemetery.org. Abgerufen am 23. Oktober 2007.
  7. ↑ William Manchester: The Death of a President: November 1963. Harper & Row, 1967, ISBN 0671049607.
  8. ↑ JFK Eternal Flame. In: www.arlingtoncemetery.org. Abgerufen am 15. Dezember 2007.
  9. ↑ The USS Maine Mast Memorial. In: www.arlingtoncemetery.org. Abgerufen am 31. Oktober 2007.
  10. ↑ USS Maine Memorial (Bilder). In: www.arlingtoncemetery.net. Abgerufen am 31. Oktober 2007.
  11. ↑ Background of Ignacy Jan Paderewski at Arlington National Cemetery. In: www.arlingtoncemetery.org. Abgerufen am 31. Oktober 2007.
  12. ↑ The Memorial Amphitheater at Arlington National Cemetery. In: www.arlingtoncemetery.org. Abgerufen am 29. Oktober 2007.
  13. ↑ Old Amphitheater. In: www.arlingtoncemetery.org. Abgerufen am 29. Oktober 2007.
  14. ↑ The Netherlands Carillon. In: National Park Service. Abgerufen am 3. November 2007.
  15. ↑ Space Shuttle Challenger Memorial. In: www.arlingtoncemetery.org. Abgerufen am 16. Dezember 2007.
  16. ↑ Third Infantry Division Monument. In: www.arlingtoncemetery.org. Abgerufen am 16. Dezember 2007.
  17. ↑ Medal of Honor Recipients, Buried at Arlington National Cemetery. In: www.arlingtoncemetery.net. Abgerufen am 16. Dezember 2007.
Dies ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel.
Dieser Artikel wurde am 3. April 2008 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.
38.876944444444-77.0725

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen WörterbĂŒchern nach:

  • Liste der auf dem Nationalfriedhof Arlington beerdigten Persönlichkeiten — Blick auf den Friedhof und das Pentagon im Hintergrund Diese Liste fĂŒhrt berĂŒhmte Personen an die auf dem Nationalfriedhof Arlington, US Bundesstaat Virginia, ihre letzte Ruhe fanden. Inhaltsverzeichnis 
   Deutsch Wikipedia

  • Arlington Cemetary — Arlington Nationalfriedhof Karte des Friedhofs aus dem Jahre 1945. Der Nationalfriedhof Arlington (englisch Arlington National Cemetery) ist einer der 139 
   Deutsch Wikipedia

  • Arlington National Cemetery — Arlington Nationalfriedhof Karte des Friedhofs aus dem Jahre 1945. Der Nationalfriedhof Arlington (englisch Arlington National Cemetery) ist einer der 139 
   Deutsch Wikipedia

  • Arlington Nationalfriedhof — Karte des Friedhofs aus dem Jahre 1945. Der Nationalfriedhof Arlington (englisch Arlington National Cemetery) ist einer der 139 
   Deutsch Wikipedia

  • Arlington — steht fĂŒr: Arlington (Adelsgeschlecht), ein englisches Adelsgeschlecht Nationalfriedhof Arlington, einen US amerikanischen MilitĂ€rfriedhof in Arlington (Virginia) Arlington Hall, den Sitz ehem. U.S. Geheimdienste zwischen 1942 und 1989 (SIS, ASA) 
   Deutsch Wikipedia

  • Arlington Memorial Bridge — Memorial Bridge mit dem Nationalfriedhof Arlington und dem Arlington House im Hintergrund Die Arlington Memorial Bridge ist eine BrĂŒcke in Washington, D.C.. Sie ĂŒberquert den Potomac River und verbindet das Lincoln Memorial mit Columbia Island.… 
   Deutsch Wikipedia

  • Arlington (Virginia) — Verwaltung US Bundesstaat: Virginia Verwaltungssitz: Arlington Adresse des Verwaltungssitzes: GrĂŒndung: 9. Juli 
   Deutsch Wikipedia

  • Arlington — I Arlington   [ ɑːlÉȘȖtən],    1) Industriestadt in Nordtexas, USA, (1990) 262 000 Einwohner (1960: 44 800 Einwohner); UniversitĂ€t;   Wirtschaft:   Stahl und Eisenwerke, Elektronik u. a. Industrie.    2) Wohnort fĂŒr die Bundeshauptstadt 
   Universal-Lexikon

  • District of Columbia — Washington D. C. Washington Monument und Weißes Haus 
   Deutsch Wikipedia

  • Washington, D. C. — Washington D. C. Washington Monument und Weißes Haus 
   Deutsch Wikipedia


Share the article and excerpts

Direct link

 Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.