Neapel

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Neapel
Neapel
Wappen
Neapel (Italien)
Neapel
Staat: Italien
Region: Kampanien
Provinz: Neapel (NA)
Koordinaten: 40¬į 50‚Ä≤ N, 14¬į 15‚Ä≤ O40.83333333333314.2517Koordinaten: 40¬į 50‚Ä≤ 0‚Ä≥ N, 14¬į 15‚Ä≤ 0‚Ä≥ O
H√∂he: 17 m s.l.m.
Fläche: 117 km²
Einwohner: 959.574 (31. Dez. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte: 8.201 Einw./km²
Postleitzahl: 80100
Vorwahl: 081
ISTAT-Nummer: 063049
Demonym: Napoletani
Schutzpatron: San Gennaro
Website: www.comune.napoli.it

Neapel (italienisch: Napoli [ňąnaňźpoli]; neapolitanisch: Napule; von griechisch őĹő≠őĪ ŌÄŌĆőĽőĻŌā, n√©a p√≥lis: neue Stadt) ist nach Rom und Mailand die bev√∂lkerungsreichste Stadt Italiens. Sie ist die Hauptstadt der Region Kampanien und der Provinz Neapel. Das administrativ zur Stadt Neapel geh√∂rende Gebiet hat etwa 1 Million Einwohner (zuz√ľglich einer hohen Dunkelziffer an nicht amtlich registrierten Personen), zusammen mit den Vororten weist sie als Agglomeration √ľber 4,4 Millionen Einwohner auf.

Inhaltsverzeichnis

Geographie und Klima

Am Strand von Neapel von Oswald Achenbach, Blick auf den Vesuv und das Strandleben Neapels, Gem√§lde der D√ľsseldorfer Malerschule aus der zweiten H√§lfte des 19. Jahrhunderts

‚ÄěDass kein Neapolitaner von seiner Stadt weichen will,
dass ihre Dichter von der Gl√ľckseligkeit der hiesigen Lage in gewaltigen Hyperbeln singen,
ist ihnen nicht zu verdenken,
und wenn auch noch ein paar Vesuve in der Nachbarstadt st√ľnden.
Man mag sich hier an Rom gar nicht zur√ľck erinnern:
gegen die hiesige freie Lage kommt einem die Hauptstadt der Welt im Tibergrunde
wie ein altes √ľbelplatziertes Kloster vor.‚Äú

‚Äď Johann Wolfgang von Goethe (1749‚Äď1832)

Neapel liegt am n√∂rdlichen Rande des Golfs von Neapel, eines Supervulkans mit einem Durchmesser von √ľber 30 Kilometern, der zur Bruchzone auf der tyrrhenischen Seite des Apennin geh√∂rt. Die Stadt befindet sich auf etwa halber Strecke zwischen zwei peripheren und aktiven vulkanischen Gebieten dieses Supervulkans, dem Monte Somma/Vesuv und den Campi Flegrei (Phlegr√§ischen Feldern).

Wetterbestimmend f√ľr die Stadt ist das mediterrane Klima mit milden und regenreichen Wintern sowie hei√üen und trockenen Sommern, wobei die gr√∂bste Sommerhitze durch die beg√ľnstigte Lage am Meer abgemildert wird.

So sehr die vulkanischen und tektonischen Aktivit√§ten dieser Region den Menschen auch immer wieder bedrohten, so sehr sorgten sie auf der anderen Seite mit der Entstehung von Thermalquellen und der Bildung √ľberaus fruchtbarer B√∂den in Verbindung mit dem wachstumsf√∂rdernden Klima f√ľr optimale Siedlungsvoraussetzungen, wodurch die Gegend am Golf von Neapel seit alters her zu den am dichtesten besiedelten Gebieten Italiens geh√∂rt.

Neapel
Klimadiagramm (Erklärung)
J F M A M J J A S O N D
 
 
104
 
13
4
 
 
98
 
13
4
 
 
86
 
15
6
 
 
76
 
18
8
 
 
50
 
23
12
 
 
34
 
26
16
 
 
24
 
29
18
 
 
42
 
30
18
 
 
80
 
26
15
 
 
130
 
22
12
 
 
162
 
17
8
 
 
121
 
14
5
Temperatur in ¬įC,  Niederschlag in mm
Quelle: WMO
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschl√§ge f√ľr Neapel
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (¬įC) 12,5 13,2 15,2 18,2 22,6 26,2 29,3 29,5 26,3 21,8 17,0 13,6 √ė 20,5
Min. Temperatur (¬įC) 3,8 4,3 5,9 8,3 12,1 15,6 18,0 17,9 15,3 11,6 7,7 5,1 √ė 10,5
Niederschlag (mm) 104,4 97,9 85,7 75,5 49,6 34,1 24,3 41,6 80,3 129,7 162,1 121,4 ő£ 1.006,6
Regentage (d) 9,9 9,8 9,5 8,8 5,7 4,0 2,3 3,8 5,8 8,1 10,8 10,7 ő£ 89,2
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
12,5
3,8
13,2
4,3
15,2
5,9
18,2
8,3
22,6
12,1
26,2
15,6
29,3
18,0
29,5
17,9
26,3
15,3
21,8
11,6
17,0
7,7
13,6
5,1
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
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104,4 97,9 85,7 75,5 49,6 34,1 24,3 41,6 80,3 129,7 162,1 121,4
  Jan Feb M√§r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez


Quelle: WMO

Stadtgliederung

Panorama Neapels (mit dem Hafen von Mergellina im Vorder- und dem Vesuv im Hintergrund)

Neapel besteht aus insgesamt 31 Stadtteilen, die sich in Anpassung an die topographischen Gegebenheiten um den Golf schmiegen. Der Übergang zu den angrenzenden, unabhängigen Kommunen der Agglomeration ist fließend. Auffällig ist, dass Neapel keine einzelne Stadtmitte besitzt, sondern mehrere kleinere Zentren. Diese werden von verschiedenen größeren Plätzen beherrscht, wie der Piazza Garibaldi am Zentralbahnhof, der Piazza Cavour am Nordrand der Altstadt, der Piazza Dante im nordwestlichen Altstadtbereich, der Piazza Municipio im Bereich des Fährhafens und der Piazza Mercato am Frachthafen.

Demografie

Die Bev√∂lkerungsstruktur der Stadt unterscheidet sich in einigen Punkten deutlich von der Struktur anderer italienischer, insbesondere norditalienischer St√§dte. So wurden im Jahr 2004 nur rund 40.000 in der gesamten Region offiziell ans√§ssige Migranten gez√§hlt, was einem Bev√∂lkerungsanteil von nur etwa einem Prozent entspricht. Viele davon sind osteurop√§ische Gastarbeiter, eine verschwindend kleine Anzahl besteht aus Chinesen, Arabern und Afrikanern. Und anders als die mittel- und norditalienischen St√§dte hat die neapolitanische Bev√∂lkerung einen relativ jungen Altersdurchschnitt. Knapp 19 % aller Neapolitaner sind j√ľnger als 15 Jahre, die 15- bis 64-j√§hrigen machen ann√§hernd 68 % der Bev√∂lkerung aus und der Anteil der √ľber 64-j√§hrigen liegt bei gut 13 %. Das obwohl seit ungef√§hr einem Vierteljahrhundert kontinuierlich gerade zahlreiche junge Menschen auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensperspektiven der Stadt den R√ľcken kehren.

Entwicklung der Einwohnerzahlen (in Tausend)

Geschichte

Neapel kann auf eine lange und bewegte, in wesentlichen Teilen aber auch von Fremdherrschaft und Unterdr√ľckung gepr√§gter Geschichte zur√ľckblicken. In den Geb√§uden und Museen, aber auch in den kulturellen Eigenheiten der Stadt sind bis heute Spuren aus fast allen Perioden dieser langen Entwicklung zu finden.

Antike

Neapel wurde vermutlich von Einwohnern der bereits um 750 v. Chr. entstandenen griechischen Kolonie Kyme begr√ľndet. Von Kyme (Cumae) aus wurde einige Kilometer entfernt eine weitere Stadt gebildet: Parthenope auf dem heute inmitten Neapels liegenden H√ľgel Pizzofalcone. Aus dieser Niederlassung Parthenope ging vor 500 v. Chr., wohl durch Erweiterung der "Alten Stadt" (griech. Pal√§opolis) am Fu√üe des Berges schlie√ülich die "Neue Stadt" (griech. Neapolis) Neapel hervor.

M√ľnzportr√§t des Lucius Cornelius Sulla

Schon bald z√§hlte die junge Gr√ľndung zu den prosperierendsten St√§dten der Magna Graecia. Ein mit dem expandierenden Rom 326 v. Chr. geschlossener B√ľndnisvertrag trug zu einer langen relativen Unabh√§ngigkeit bei. Aber in den r√∂mischen B√ľrgerkriegen (88-82 v. Chr.) stand Neapel auf der falschen Seite und wurde in der Folge unter Sulla als abh√§ngige Provinzstadt dem r√∂mischen Imperium einverleibt.

In der R√∂mischen Kaiserzeit spielte Neapel dann eine eher durchschnittliche Rolle. Spektakul√§re Bauvorhaben der damaligen Oberklasse wurden zwar in der Region (Pompeji, Herculaneum, Capri, Misenum, Puteoli, Baiae), nicht jedoch in der Stadt Neapolis selbst durchgef√ľhrt, die gleichwohl am Wohlstand der gesamten Campania felix partizipierte. Von den Bauten aus dieser Phase ist arch√§ologisch wenig erhalten. In dieser Zeit wurde auch die griechische Bev√∂lkerung Neapels mehr und mehr durch Italiker erg√§nzt und schlie√ülich, sp√§testens bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts, ethnisch und kulturell vollst√§ndig absorbiert. Latein setzte sich vollst√§ndig gegen das Griechische durch.

Katakomben (1877)

Wie auch die Christen in der Hauptstadt des Imperiums war die fr√ľhchristliche Gemeinde Neapels sporadischen Verfolgungen ausgesetzt. Wie in Rom zogen sich die fr√ľhen Christen auch in Neapel in Katakomben zur√ľck, die der Gemeinde als Begr√§bnisst√§tte und Ort des Totengedenkens (nicht aber als Zufluchtsorte, wie man fr√ľher meinte) dienten. Dieser Zustand √§nderte sich endg√ľltig erst, als der junge Glaube nach dem Toleranzedikt von Mailand von der verfolgten Religion zum Staatskult avancierte. Die Katakomben sind bis auf den heutigen Tag erhalten und k√∂nnen besichtigt werden.

Die letzten anderthalb Jahrhunderte der Existenz des (west-)r√∂mischen Imperiums waren in Neapel wie im gesamten Reich von einer gewissen Agonie gepr√§gt. Der letzte westr√∂mische Kaiser Romulus Augustulus wurde 476 abgesetzt und vermutlich in der N√§he von Neapel quasi in Rente geschickt. Die in Neapel gerne kolportierte Geschichte, er habe seine letzten Jahre eingekerkert in einem Vorg√§ngerbauwerk des Castel dell‚ÄôOvo fristen m√ľssen, kann allerdings wahrscheinlich ins Reich der Legenden verwiesen werden [2].

Nach 476 beherrschte zun√§chst der Heerf√ľhrer Odoaker Italien, 493 etablierte Theoderich der Gro√üe dann die ostgotische Herrschaft. Seit 535 eroberten dann die Ostr√∂mer unter dem Feldherrn Belisar im Auftrag des Kaisers Justinian im Zuge der Renovatio imperii - dem Versuch, das r√∂mische Imperium wiederherzustellen - vor√ľbergehend ganz Italien. Neapel, dessen Einwohner sich mehrheitlich auf die Seite der Ostgoten stellten, fiel nach hartem Kampf, als Belisars M√§nner durch die Aquaedukte in die Stadt eindrangen. Mit der ostr√∂mischen Herrschaft ging eine wieder gr√∂√üere Verbreitung der griechischen Sprache in S√ľditalien und auf Sizilien einher (bis ins 11. Jahrhundert).

Mittelalter

Als bald nach Justinians Tod 568 die Langobarden in Italien einfielen und damit den Beginn des Mittelalters einl√§uteten, gelang es den Ostr√∂mern bzw. Byzantinern dennoch lange Zeit, ihren Einfluss in Neapel zu behaupten. Erst im Zusammenhang mit dem Ikonoklasmus des 8. Jahrhunderts wechselte die Stadt die Fronten und n√§herte sich der mit den Langobarden verb√ľndeten R√∂misch-Katholischen Kirche an. In der Folge gewann das bereits im 7. Jahrhundert entstandene neapolitanische Herzogtum eine gewisse Autonomie [3].

In einem eher regionalen Konflikt (mit Benevent) riefen die Herz√∂ge von Neapel um 835 die sizilianischen Araber aufs Festland. Das B√ľndnis w√§hrte ein halbes Jahrhundert, und Neapel wurde so zu einer Ausgangsbasis f√ľr die Ausbreitung des Islam in Italien und seiner f√ľr den sensiblen Beobachter bis heute im S√ľden des Landes wahrnehmbaren kulturellen Einfl√ľsse. Insgesamt waren die letzten anderthalb Jahrhunderte des ersten Jahrtausends f√ľr die Stadt von anhaltendem Wohlstand gepr√§gt, gemeinsam mit den Flotten der zeitweise verb√ľndeten Seerepublik Amalfi und des Herzogtums Gaeta beherrschte Neapel noch vor den Venezianern und Genuesen den Seehandel im Mittelmeer.

Im Jahr 1137 fiel Neapel dann nach zähem Widerstand in die Hand der Normannen und wurde Bestandteil des normannischen Königreichs Sizilien. Die Normannen verstanden es, durch eine geschickte Innenpolitik die unterschiedlichen, oströmisch-byzantinischen, arabischen und westlichen Wurzeln der Region zu einem einzigartigen und eigenständigen kulturellen Konglomerat zu verschmelzen.

Konradin von Hohenstaufen

Die Normannenherrschaft dauerte 165 Jahre. 1194 traten die Staufer unter Heinrich VI. an ihre Stelle, indem sie eine dynastische Schw√§che der Normannen ausnutzten und sich in einem kurzen Feldzug S√ľditaliens bem√§chtigten. Heinrichs Sohn und Nachfolger Friedrich II. gr√ľndete 1224 mit der Universit√§t Neapel, die heute seinen Namen tr√§gt, die erste staatliche Hochschule Europas.

Die staufische Herrschaft in Neapel √ľberdauerte Friedrichs Tod (1250) nicht lange. Karl I. von Anjou eroberte das so genannte ‚ÄěK√∂nigreich beider Sizilien‚Äú als Lehensnehmer des Papstes nach seiner Kr√∂nung in Rom 1266. Nach erbitterten Auseinandersetzungen mit den staufischen Erben wurde Konradin, der letzte m√§nnliche Staufer, 1268 in Neapel enthauptet.

Nachdem in Folge der sizilianischen Vesper 1282 die Insel Sizilien f√ľr die Anjou verloren gegangen war, konzentrierten sie sich ganz auf ihre festl√§ndischen Besitzungen und machten Neapel zur Residenz ihres K√∂nigreiches. Auch wenn ihre bis 1442 andauernde Herrschaft innenpolitisch von brutaler Unterdr√ľckung gepr√§gt war, sorgten sie f√ľr eine wirtschaftliche und kulturelle Bl√ľtezeit der Stadt und ergriffen grundlegende st√§dtebauliche Ma√ünahmen zu ihrer Modernisierung. Neapel wurde in dieser Epoche neben Florenz zum tonangebenden Zentrum auf den Gebieten der Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Architektur in Italien und Europa. Zahlreiche unter den Anjou errichtete Bauwerke zeugen noch heute von der √∂konomischen Prosperit√§t und dem kulturellen Glanz der Stadt in dieser Zeit.

Neuzeit

Kgr. Aragón
→ Hauptartikel: Königreich Neapel

1442 besiegte der aragonesische K√∂nig Alfonso den letzten Herrscher der Anjou. Unter den Aragonesen wurden die √∂konomischen Verbindungen Neapels zur iberischen Halbinsel intensiviert, die Wirtschaft insgesamt gef√∂rdert und die Stadt zu einem Zentrum der italienischen Renaissance. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts schlie√ülich, nach einer nur kurzen Episode franz√∂sischer Herrschaft, wurden Stadt und K√∂nigreich Neapel als Provinz dem spanisch-habsburgischen Weltreich angegliedert. Damit begann die √Ąra der spanischen Vizek√∂nige von Neapel, unter denen die Stadt den Tiefpunkt ihrer wirtschaftlichen und politischen Entwicklung erreichen sollte.

Vizek√∂nig Pedro √Ālvarez de Toledo

Innerhalb von nur 100 Jahren war die Bev√∂lkerung der Stadt von rund 40.000 im Jahre 1450 auf etwa 210.000 im Jahre 1550 angewachsen und Neapel war, noch vor Venedig (160.000 Einwohner) und Mailand (70.000 Einwohner) zur gr√∂√üten Stadt Italiens und nach Paris zur zweitgr√∂√üten Metropole in Europa geworden. Einem der wenigen f√§higen Vizek√∂nige, Pedro √Ālvarez de Toledo, gelang es in seiner Amtszeit zwischen 1532 und 1553, dieses demographischen Problems noch einigerma√üen Herr zu werden, indem er entsprechende st√§dtebauliche Ma√ünahmen durchf√ľhrte. So lie√ü er vorhandene Bausubstanz aufstocken und ein neues Stadtviertel (quartiere spagnolo, spanisches Viertel) westlich der nach ihm benannten Via Toledo errichten. Realisiert werden konnten diese Ma√ünahmen aber nur durch eine harte Steuer- und repressive Innenpolitik. So war es auch de Toledo, der die Inquisition in Neapel einf√ľhrte [4].

Im Übrigen war die Zeit der Vizekönige von einer zunehmenden Verschärfung der Klassengegensätze geprägt. Das Hauptaugenmerk der spanischen Krone lag auf dem iberischen Kernland und den Kolonien. Die wenigen Investitionen, die in der Stadt getätigt wurden, kamen nur den Besitzenden, dem städtischen Adel, dem Klerus und den spanischen Beamten zugute, während die einfache Bevölkerung zunehmend verelendete. Nirgendwo im westlichen Europa dieser Zeit waren die sozialen Unterschiede größer ausgeprägt als in Neapel.

Nachdem es schon zur Zeit de Toledos 1547 zu einer ersten Revolte und in der Folge immer mal wieder zu Unruhen gekommen war, entluden sich die sozialen Spannungen schlie√ülich im Masaniello-Aufstand von 1647, der zu einer ersten kurzlebigen neapolitanischen Republik 1647/48 f√ľhrte. Aufgrund der Machtverh√§ltnisse war die spanische Herrschaft naturgem√§√ü bald wieder hergestellt, und nach einer weiteren kleineren Rebellion 1649 ergaben sich die Neapolitaner in ihr Schicksal. Zu alledem wurde die Stadt 1656 auch noch von der verheerenden ‚ÄěGro√üen Pest‚Äú heimgesucht, der rund die H√§lfte der 300.000 Einwohner zum Opfer fiel. Massengr√§ber reichten nicht mehr aus, die Opfer wurden in gro√üen ‚ÄěFegefeuern‚Äú verbrannt. Die spanischen Habsburger wurden 1707 durch die √∂sterreichischen Habsburger abgel√∂st, f√ľr die Neapolitaner √§nderte sich dadurch nur wenig.

Karl VII. von Neapel (= Karl III. von Spanien)

Eine deutliche Verbesserung der Verh√§ltnisse trat erst ein, als die Bourbonen, die infolge des spanischen Erbfolgekrieges 1712 den spanischen Thron erworben hatten, 1735 auch S√ľditalien von den √Ėsterreichern √ľbernahmen. Unter Karl VII., der das neu formierte K√∂nigreich beider Sizilien von 1735 bis 1759 regierte und anschlie√üend von 1759 bis 1788 als Karl III. in Spanien herrschte, wurde eine wirksame Reformpolitik eingeleitet. Karl VII., ein Vertreter der Aufkl√§rung, s√§uberte die Reihen der korrupten und dekadenten Adeligen und kirchlichen W√ľrdentr√§ger, nahm bauliche Ver√§nderungen im Stadtbild vor und f√∂rderte das kulturelle Leben. Sein Sohn und Nachfolger Ferdinand IV. (mit Unterbrechungen 1759-1825) blieb allerdings deutlich hinter dem Format seines Vaters zur√ľck, so dass sich die Stadt bald wieder den alten Verh√§ltnissen ann√§herte, bevor die von Frankreich ausgehenden Ereignisse Europa und damit auch Neapel ersch√ľttern sollten.

Anfang 1799 zogen franz√∂sische Revolutionstruppen unter dem General Jean-√Čtienne Championnet in Neapel ein, der K√∂nig war schon zuvor nach Palermo geflohen. Neapolitanische Patrioten proklamierten daraufhin die Parthenop√§ische Republik, die jedoch bei gro√üen Teilen der ungebildeten Bev√∂lkerung auf nur wenig Gegenliebe stie√ü. Durch deren Widerstand und das Eingreifen der Engl√§nder unter Horatio Nelson endete das republikanische Experiment schon im selben Jahre wieder. Der Bourbone kehrte nach Neapel zur√ľck und gegen die Republikaner folgten grausame Verfolgungen, denen fast die gesamte intellektuelle Elite Neapels zum Opfer fiel.

Im Winter 1805/06 wurde Ferdinand IV. von Napol√©on Bonaparte entmachtet, der zun√§chst seinen Bruder Joseph (1806‚Äď1808) und danach seinen Schwager Joachim Murat (1808‚Äď1815) als K√∂nige von Neapel einsetzte. Insbesondere Letzterer leitete umfangreiche Sozialreformen ein und gelangte so bei der einheimischen Bev√∂lkerung schnell zu gro√üer Beliebtheit.

Mit dem Untergang Napol√©ons kam jedoch auch bald das Ende dieser Episode. Ferdinand kehrte nach Neapel zur√ľck und f√ľhrte eine konsequente Restaurationspolitik durch, die auch die letzten Spuren franz√∂sischer Reformbem√ľhungen beseitigte. Die Neapolitaner jedoch, die kurzzeitig in den Genuss der Reformen gekommen waren und nun die restaurative Politik der Bourbonen erleiden mussten, begannen sich mit den aus Norditalien kommenden Ideen des Risorgimento zur Schaffung eines unabh√§ngigen Italiens anzufreunden.

Neapel als Bestandteil des italienischen Staates

Giuseppe Garibaldi

Am 7. September 1860 zog Giuseppe Garibaldi nach der Eroberung S√ľditaliens unter dem Jubel der Bev√∂lkerung in Neapel ein und am 21. Oktober 1860 stimmten die Neapolitaner in einem Plebiszit mit √ľberw√§ltigender Mehrheit f√ľr den Anschluss an das K√∂nigreich Italien. Franz II, der letzte Bourbonenherrscher war aus der Stadt in die Festung Gaeta gefl√ľchtet, gab am 13. Februar 1861 seine Kapitulation bekannt und wurde f√ľr abgesetzt erkl√§rt. Am 17. M√§rz 1861 wurde das Vereinigte K√∂nigreich Italien als konstitutionelle Monarchie offiziell proklamiert.

Viele Neapolitaner identifizierten sich allerdings nur in sehr geringem Umfang mit dem neuen italienischen Staat. Staatsgewalt - gleich, durch wen sie ausge√ľbt wurde - war f√ľr viele S√ľditaliener im Wesentlichen ein Synonym f√ľr Unterdr√ľckung und Fremdherrschaft. Der S√ľden, das ehemalige K√∂nigreich Beider Sizilien, war gegen√ľber den ehemaligen norditalienischen Staaten - im wesentlichen aufgrund jahrhundertelanger Misswirtschaft der Herrscher - wirtschaftlich deutlich unterentwickelt. Viele Entwicklungsprojekte und F√∂rderungsma√ünahmen der neuen Zentralregierung kamen √ľberwiegend dem Norden des Landes zugute, w√§hrend der S√ľden eher vernachl√§ssigt und durch eine ungerechte und harte Steuerpolitik wirtschaftlich stark belastet wurde. Notwendige Reformen, um die w√§hrend der Bourbonenherrschaft etablierten Probleme zu beseitigen (z. B. eine Landreform), unterblieben. Die Regierung hatte lediglich eine formelle, politische Einigung des Landes erreicht, scheiterte aber an der Aufgabe, das Land auch innerlich zu einigen. Die R√ľckst√§ndigkeit des S√ľdens wurde in gewisser Weise zementiert. Der Norden prosperierte in den ersten Jahrzehnten nach der Gr√ľndung des K√∂nigreiches wirtschaftlich zunehmend und fand bald Anschluss an die f√ľhrenden europ√§ischen Industrienationen, w√§hrend der S√ľden in Armut und Agonie verharrte. Hier liegt eine der Ursachen f√ľr die Entstehung des bis heute wirksamen Nord-S√ľd-Gef√§lles in Italien. Auch Neapel entwickelte sich so zu einer typischen Gro√üstadt des Mezzogiorno, gepr√§gt von Armut, Kriminalit√§t, Schattenwirtschaft und mafi√∂sen Strukturen, die bis in die h√∂chsten politischen und wirtschaftlichen Machtzentren reichen.

1884 wurde Neapel infolge der katastrophalen infrastrukturellen und hygienischen Verh√§ltnisse Opfer einer verheerenden Choleraepidemie. Von Rom aus 1885 eingeleitete Notstandsma√ünahmen zur Sanierung der Elendsquartiere blieben Makulatur. Eine zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit quasi planwirtschaftlichen Methoden begonnene Industrialisierung war wegen Fehlplanung, fehlender Infrastruktur und in dunklen Quellen versickernden Geldern fast zwangsl√§ufig zum Scheitern verurteilt und f√ľhrte zu keiner Verbesserung der √∂konomischen Situation. So kam es zu den ersten gro√üen Auswanderungswellen nach Norditalien, Argentinien und vor allem in die USA.

In dieser Situation fand der Faschismus in S√ľditalien deutlich mehr Anh√§nger als im Norden des Landes. 1922, kurz vor dem Marsch auf Rom, fand in Neapel ein gro√üer Faschistenkongress statt. Nach der Machtergreifung Mussolinis wurden die s√ľditalienischen Probleme erst einmal durch die imperialen Bestrebungen der Faschisten und sp√§ter durch den Zweiten Weltkrieg √ľberlagert, kaschiert und in den Hintergrund gedr√§ngt. W√§hrend des Zweiten Weltkriegs war die Stadt wiederholt das Ziel heftiger alliierter Bombenangriffe [5]. Bei diesen insgesamt 105 Angriffen gab es etwa 1000 Ziviltote, obwohl die Bev√∂lkerung Schutz in dem unterirdischen Zisternen-System von Neapel suchte. Auch viele kunsthistorisch wertvolle Geb√§ude, darunter eine Reihe von Kirchen, wurden vernichtet oder schwer besch√§digt. Nach der Absetzung und Verhaftung Mussolinis am 25. Juli 1943 wurde Neapel von Wehrmachtstruppen besetzt und die Neapolitaner waren f√ľr kurze Zeit dem deutschen Terrorregime ausgesetzt [6]. In z√§hen Partisanenk√§mpfen der Resistenza gelang es der Stadt aber, sich aus eigener Kraft ("Die vier Tage von Neapel") noch vor dem Eintreffen der Alliierten am 1. Oktober 1943 selbst zu befreien und die Besatzer aus der Stadt zu vertreiben.

Die anschlie√üende amerikanische Besatzung sorgte f√ľr eine kurze Periode des relativen Wohlstands der Stadt. Die Bed√ľrfnisse der GI und die reichlich vorhandenen Dollarmengen waren der ideale N√§hrboden f√ľr die Schattenwirtschaft Neapels. Die Camorra erstarkte wieder. Beim Volksentscheid von 1946 √ľber die k√ľnftige Staatsform stimmten die Einwohner Neapels im Gegensatz zur Mehrheit des Landes f√ľr die Beibehaltung der Monarchie. Bei der folgenden Konstituierung der italienischen Republik wurde mit Enrico de Nicola ein Neapolitaner zu deren erstem Pr√§sidenten gew√§hlt.

In den ersten Jahrzehnten der jungen Republik √§nderte sich f√ľr die Neapolitaner nichts Wesentliches an den prek√§ren Verh√§ltnissen in der Stadt. Dies f√ľhrte zu weiteren gro√üen Auswanderungswellen. Allein zwischen 1950 und 1970 verlie√üen rund 800.000 Menschen die Stadt und die Provinz. Wieder waren Norditalien und die USA, zus√§tzlich aber auch die Bundesrepublik Deutschland als aufbl√ľhendes Wirtschaftswunderland die bevorzugten Ziele der Emigranten.

Die Regierung in Rom leitete zwar √ľber die zum Aufbau des S√ľdens gegr√ľndete Cassa per il Mezzogiorno ("Kasse f√ľr den S√ľden") Milliarden an Subventionen in die Region, Milliardenbetr√§ge an F√∂rdergeldern versickerten aber auch in dunklen Kan√§len oder wurden durch neuerliche Fehlplanungen, welche die bestehenden √∂konomischen und infrastrukturellen Bedingungen ignorierten, buchst√§blich verschleudert. Neapel erlebte in den ersten viereinhalb Jahrzehnten seiner Nachkriegsgeschichte eine f√ľr das Europa der zweiten H√§lfte des 20. Jahrhunderts beispiellose Verquickung von Wirtschaft, Politik und Camorra und der Name der Stadt wurde zum Synonym f√ľr Korruption, Bauspekulation und illegale Bereicherung. Protagonist dieser Politik war in Neapel insbesondere in den f√ľnfziger Jahren der langj√§hrige B√ľrgermeister der Stadt, Achille Lauro. Durch zweifelhafte Methoden in den Besitz eines Flotten- und Finanzimperiums gelangt, nutzte er die B√ľrgermeisterposition vorrangig zum weiteren Ausbau seiner wirtschaftlichen und politischen Macht. Gleichwohl war er als typischer Populist, der eine ausgepr√§gte Panem-et-Circenes-Politik betrieb, bei der Bev√∂lkerung sehr beliebt.

Die Zwangsabsetzung Lauros per Dekret der römischen Zentralregierung änderte nichts Grundlegendes an den neapolitanischen Zuständen. Seine Nachfolger [7] waren fast ausschließlich von ähnlichem Schlag, ob es sich nun um Christdemokraten oder Sozialisten handelte.

Rosa Russo Iervolino, Neapels B√ľrgermeisterin 2001-2011, mit ihrem Vorg√§nger Antonio Bassolino

Erst im Rahmen des gesamtitalienischen Erneuerungsprozesses ab 1992 √§nderten sich auch die Verh√§ltnisse in Neapel und die √Ąra der korrupten Kommunalpolitiker wurde beendet. 1993 wurde Antonio Bassolino vom Mitte-Links-B√ľndnis L'Ulivo gegen Alessandra Mussolini (Alternativa Sociale) zum B√ľrgermeister gew√§hlt. In seiner bis zum Jahr 2001 w√§hrenden Amtszeit erlebte die Stadt einen schnellen und nie f√ľr m√∂glich gehaltenen Aufschwung. Die Korruption wurde systematisch bek√§mpft, der Einfluss der Camorra zumindest einged√§mmt. Restaurierungsarbeiten am Stadtbild und Sanierungsma√ünahmen wurden eingeleitet. 1994 war Neapel Tagungsort des G7-Gipfels, 1995 wurde das centro storico (Altstadt) von der UNESCO zum Weltkulturerbe erkl√§rt. Bei seiner Wiederwahl 1997 erhielt Bassolino 73 % der Stimmen, im Jahre 2000 wurde er auch Pr√§sident der Region Kampanien. Seit 2001 setzt seine Parteifreundin und Nachfolgerin Rosa Russo Iervolino die von ihm begonnene Kommunalpolitik fort. In der letzten Zeit begannen sich die Probleme Neapels aber wieder zu versch√§rfen.

Siehe auch

Kultur und Sehensw√ľrdigkeiten

Gebäude

1995 wurde die gesamte Altstadt (centro storico) von Neapel zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Entsprechend hoch ist die Zahl der als sehenswert geltenden Baulichkeiten.

Burgen und Paläste

Castel dell’Ovo
  • Castel dell‚ÄôOvo. Hafenburg des 9. Jahrhunderts auf einem dem Stadtteil Santa Lucia vorgelagerten Felsen. Errichtet auf wesentlich √§lteren Fundamenten, mit Sicherheit auf denen einer Kirche aus dem 5. Jahrhundert, m√∂glicherweise auf denen einer Villa des Lucull. In der heutigen Gestalt aus dem 12. und 13. Jahrhundert. √Ėstlich der Burg entstanden durch k√ľnstliche Gel√§ndegewinnung ein kleines, heute fast ausschlie√ülich von Restaurants genutztes Siedlungsgebiet und der Yachthafen Porto Santa Lucia.
Castel Nuovo
  • Castel Nuovo. Unter Karl I. von Anjou im 13. Jahrhundert angelegte Stadtburg, im 15. Jahrhundert komplett umgestaltet. In der Sala dei Baroni (Saal der Barone) trat bis ins Jahr 2006 der Stadtrat Neapels zusammen, im Westfl√ľgel der Burg ist das Museo Civico (Museum zur Stadtgeschichte Neapels) untergebracht.
  • Castel Sant'Elmo. Festung aus dem 14. Jahrhundert auf dem Vomero mit sch√∂ner Aussicht √ľber die Stadt und den Golf. Beherbergt heute verschiedene Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen, unter anderem die Kunsthistorische Bibliothek (Biblioteca di Storia dell'Arte).
Palazzo Reale
  • Palazzo Reale. Ehemaliger Palast der Vizek√∂nige aus dem fr√ľhen 17. Jahrhundert an der Piazza del Plebiscito, heute Nationalbibliothek und Museum. Die Nationalbibliothek verf√ľgt √ľber einen Buchbestand von zwei Millionen B√§nden, hinzu kommen 20.000 Manuskripte, √ľber 8.000 Zeitschriften, 4.500 Inkunabeln und 1.800 Papyri. Als Anbau des Palazzo Reale entstand im 18. Jahrhundert das Teatro San Carlo, √§lter als die Mail√§nder Scala und seinerzeit das gr√∂√üte Opernhaus der Welt, das zahlreiche Urauff√ľhrungen (Rossini, Donizetti u. a.) erlebte.

Ferner:

  • Castel Capuano (Ursprung 12., rezente Gestalt 19. Jahrhundert)
  • Castel Carmine (16. Jahrhundert)
  • Monte di Piet√† (16. Jahrhundert)
  • Palazzo Carafa Santangelo (15. Jahrhundert)
  • Palazzo Como (15. Jahrhundert)
  • Palazzo dello Spagnolo (1748)
  • Palazzo Filomarino (14. Jh., erheblich ver√§ndert im 16. Jh.)
  • Palazzo Sanfelice (1728)
  • Palazzo Serra di Cassano (18. Jahrhundert)
  • Villa La Floridiana (19. Jahrhundert)
  • Villa Pignatelli (19. Jahrhundert)

Kirchen und Klöster

  • Duomo San Gennaro. Religi√∂ses Zentrum der Stadt und Kirche ihres Schutzheiligen. Errichtet Ende des 13. Jahrhunderts √ľber einer √§lteren Kirche, von der noch das Baptisterium aus dem 5. Jahrhundert als Bestandteil des Domes erhalten ist. Prachtvoll ausgestattete Capella del Tesoro di San Gennaro mit den Reliquien, Ort des ‚ÄěBlutwunders‚Äú.
  • Santa Chiara. Kloster und Kirche aus dem 14. Jahrhundert mit K√∂nigsgr√§bern, sehenswertem Kreuzgang, Klarissinnenchor und Museum. Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg am 4. August 1943 w√§hrend eines Angriffs von 400 US-Bombern auf die Stadt zerst√∂rt. Durch Spenden der Bev√∂lkerung von Neapel konnte sie wiederaufgebaut werden, im urspr√ľnglichen Stil der provenzalischen Gotik. Beliebte Hochzeitskirche der Neapolitaner.
  • San Gregorio Armeno. Klosterkirche der Benediktinerinnen aus dem 16. Jahrhundert √ľber √§lteren Kirchenbauten, deren Urspr√ľnge bis ins 8. Jahrhundert zur√ľckreichen.
  • San Lorenzo Maggiore. Prachtvolle Klosterkirche der Franziskaner aus dem 13. Jahrhundert mit barocken Umbauten des 18. Jahrhunderts. Bodenmosaiken eines fr√ľhchristlichen Vorg√§ngerbaus, der Laurentiuskirche aus dem 6. Jahrhundert, sind erhalten. Darunter noch Ausgrabungen eines Marktplatzes aus griechisch-r√∂mischer Zeit.
  • Ges√Ļ Nuovo. Jesuitenkirche aus dem 16. Jahrhundert in einem Palazzo mit Diamantquaderfassade des 15. Jahrhunderts. Hinter der n√ľchternen und abweisenden Fassade entfaltet sich die barocke Pracht der Innenausstattung.
San Francesco di Paola
  • San Francesco di Paola. Klassizistische Kirche, erbaut in Anlehnung an das Pantheon und die Kolonnaden des Petersplatz in Rom. An der Piazza del Plebiscito gegen√ľber dem Palazzo Reale gelegen.
  • Certosa di San Martino. Auf dem Vomero gelegenes Kart√§userkloster aus dem 14. Jahrhundert, das im 17. Jahrhundert vollst√§ndig im Stile des Barock umgestaltet wurde. Reiche Ausstattung mit Barockgem√§lden im Inneren, von drau√üen hat man eine prachtvolle Aussicht auf Neapel und den Golf. Angegliedert ist das Museo Nazionale di San Martino, ein kulturhistorisches Museum.
  • Cappella Sansevero. Barockkirchlein mit zahlreichen Marmorskulpturen. Privatkapelle des Raimondo di Sangro (1710‚Äď1771), eines adeligen Erfinders und Alchemisten. Von diesem stammen zwei etwas makabere Exponate im Keller der Kirche, die konservierten Leichname eines Mannes und einer schwangeren Frau. Erhalten sind die Skelette und die vollst√§ndigen, durch eine unbekannte Chemikalie, die den beiden wohl in lebendigem Zustand injiziert worden war, kristallisierten Blutgef√§√üe.

Zahlreiche weitere Kirchen und Klöster im gesamten Stadtgebiet [8].

Sonstiges

Galleria Umberto I.
Fresco in einem Grab in den Catacombe di San Gennaro
Das Archäologische Museum
  • Galleria Umberto I. Eine der weltweit ersten gro√üen Einkaufspassagen, die Ende des 19. Jahrhunderts nach dem Vorbild der Mail√§nder Galleria Vittorio Emanuele II errichtet wurde.
  • Spaccanapoli. Zu deutsch etwa: ‚ÄěNeapelspalte‚Äú, Oberbegriff eines dem r√∂mischen decumanus inferior entsprechenden, schnurgerade die Altstadt teilenden Stra√üenzuges mit verschiedenen Stra√üennamen. An der Spaccanapoli befinden sich zahlreiche historische Geb√§ude und Pl√§tze.
  • Quartiere Spagnolo. Im Schachbrettmuster angelegtes neapolitanisches Altstadtviertel des 16. Jahrhunderts. Heute Wohngebiet √§rmerer Bev√∂lkerungsschichten.
  • Cimitero delle Fontanelle. Alter Friedhof mit Beinhaus.
  • Cimitero degli Inglesi, Friedhof der Engl√§nder (f. Nichtkatholiken)
  • Funicolare. Insgesamt vier Standseilbahnen verbinden die tiefer gelegenen Stadtteile mit den h√∂her gelegenen und sind nicht nur Verkehrsmittel, sondern gleichzeitig auch Touristenattraktion. Die Funicolare wurden durch das 1880 anl√§sslich der Einweihung der Standseilbahn auf den Vesuv komponierte Lied Funicul√¨, Funicul√† (Text: Peppino Turco, Musik: Luigi Denza) weltbekannt.
  • Catacombe di San Gennaro. Ausgedehnte, zweist√∂ckige Friedhofsanlage im H√ľgel von Capodimonte, benannt nach dem M√§rtyrer San Gennaro, der nach seiner Hinrichtung in Pozzuoli im Jahre 304 hier seine erste Ruhest√§tte fand. Die in den Fels gehauenen Gr√§ber sind reich mit Fresken und Mosaiken aus dem 5. bis 9. Jahrhundert dekoriert.
    Ferner weitere Katakomben, wie die Catacombe di San Gaudioso sowie historische Wasserversorgungssysteme, wie der Acquedotto del Carmignano. Fast die gesamte Altstadt ist auf diese Art und Weise von einem verzweigten System aus H√∂hlen G√§ngen und Kavernen unterminiert, die bis in etwa 40 m Tiefe hinabreichen. Hier suchte die Bev√∂lkerung auch Schutz vor den alliierten Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg.
  • Tunnel Borbonico. Ein unterirdischer Tunnel, der den K√∂nigspalast in Piazza del Plebiscito mit via Morelli (beim Meer, in der N√§he von Piazza Vittoria) verbinden wollte. Er wurde von Ferdinand II von Bourbon im Jahr 1853 als strategischen Fluchtweg graben lassen. Der Tunnel kreuzt aber einige ehemalige Zisternen des Aqu√§dukts von Carmignano des 17. Jahrhunderts, die w√§hrend des Zweiten Weltkriegs als Luftschutzbunker benutzt wurden. Nach dem Krieg wurde der Tunnel ein amtlicher Verwahrplatz verkehrswidriger Fahrzeuge, deswegen kann man dort noch viele Oldtimer finden. Vor einem Jahr wurde der bourbonische Tunnel danke einer Gruppe von Spel√§ologen und Geologen wieder er√∂ffnet, die die ganze Zisternen vom Schutt befreit haben und sich um die Verwertung dieser Sehensw√ľrdigkeit k√ľmmern.
  • Villa Floridiana. Neoklassizistische ehemalige Sommerresidenz mit Gartenanlage, erbaut von Antonio Niccolini. Beherbergt heute das Museo nazionale della ceramica Duca di Martina.
  • Centro Direzionale. 1994 von dem japanischen Architekten KenzŇć Tange erbautes, postmodernes Verwaltungszentrum, das als gr√∂√ütes europ√§isches seiner Art gilt.

Museen

Erotisches Relief im archäologischen Museum

Sowie weitere Museen im Stadtgebiet und in der Agglomeration um Neapel [9].

Musik

Enrico Caruso

In der italienischen und europ√§ischen Musik hat die Stadt Neapel √ľber Jahrhunderte hinweg eine wichtige Rolle gespielt. Im 17. Jahrhundert brachte Neapel mit der Neapolitanischen Schule eine eigene Opern-Stilrichtung hervor, die auf Traditionen fr√ľher neapolitanischer Konservatorien des beginnenden 16. Jahrhunderts zur√ľckgriff und besonders durch die hier ausgebildeten Kastrati die Geschichte der europ√§ischen Oper nachhaltig beeinflusst hat. Der bis heute auch international popul√§rste Operns√§nger der Stadt d√ľrfte wohl Enrico Caruso (1873‚Äď1921) sein. Das Teatro San Carlo ist eines der bedeutendsten Opernh√§user Italiens. Seit 2008 gibt es ein gro√ües j√§hrliches Theaterfestival, das Napoli Teatro Festival Italia.

Wird heutzutage jedoch von neapolitanischer Musik gesprochen, ist zumeist die Rede von der Canzone Napoletana, der neapolitanischen Volksmusik, die im 19. Jahrhundert ihren Anfang nahm und ma√ügeblichen Einfluss auf die italienische Popul√§rmusik aus√ľbte und diese noch immer beeinflusst. Die Canzone Napoletana entstand aus der Verschmelzung fr√ľherer, teilweise bis ins Mittelalter zur√ľckreichender, regionaler Folkloretraditionen mit klassischen Elementen. Dominierende Instrumente der sehr ausdrucksvollen Musik sind Gitarre und Mandoline, der Gesang erfolgt zumeist in neapoletanischem Dialekt. Der Ausdruck der Empfindungen umfasst das gesamte menschliche Erlebensspektrum, wobei melancholische Stimmungslagen √ľberwiegen.

Weit √ľber die Stadtgrenzen hinaus bekannt wurden unter anderem die St√ľcke O Sole Mio, Funicol√¨ funicul√† und Don Raffae. Zu den bedeutenden Protagonisten der Musica Napoletana geh√∂ren Roberto Murolo (1912‚Äď2003), Edoardo Bennato (*1949) und Pino Daniele (*1955). Letzterer entwickelt in seinem Werk die neapolitanische Volksmusik erfolgreich weiter, indem er sie mit Stilelementen des Blues und des Jazz fusioniert. Eine weitere Sonderstellung nimmt die Band Almamegretta ein, die neapolitanische Volksmusik mit Reggae sowie arabischen Kl√§ngen verschmilzt. Auf dem Festival della Canzone Napoletana, das erstmals zwischen 1952 bis 1970 stattfand und dann 1998 wiederbelebt wurde, werden allj√§hrlich die besten Interpreten neapolitanischer Musik pr√§miert.

Universitäten und Hochschulen

In Neapel gibt es neun Hochschulen:

Die Universit√† degli Studi di Napoli Federico II ist die wichtigste und √§lteste Universit√§t der Stadt. Sie wurde 1224 von Friedrich II. als dritte Universit√§t Italiens nach Bologna und Padua gegr√ľndet.

Außerdem existieren

  • Seconda Universit√† degli Studi di Napoli (gegr√ľndet 1989)
  • Universit√† degli studi di Napoli L'Orientale (I.U.O. ‚Äď Istituto Universitario Orientale, gegr√ľndet im Jahr 1732), eine wichtige europ√§ische Studieneinrichtung f√ľr Philologie und Linguistik au√üereurop√§ischer Sprachen.
  • Universit√† degli Studi di Napoli Parthenope (I.U.N. ‚Äď Istituto Universitario Navale, gegr√ľndet 1920).
  • Universit√† degli Studi Suor Orsola Benincasa.

Zudem ist Neapel Sitz der Pontificia Facoltà Teologica dell'Italia Meridionale (theologische Hochschule) sowie der Kunsthochschule Accademia di Belle Arti und des Musikkonservatoriums Conservatorio di Musica San Pietro a Majella und der Università Telematica Pegaso.

Schon in pr√§unitarischer Zeit gegr√ľndet wurde das Osservatorio Astronomico di Capodimonte, das heute eine Einrichtung des Istituto Nazionale di Astrofisica ist.

Esskultur

Pizza Margherita

‚ÄěEines Tages werde ich nach Neapel zur√ľckkehren,
weil es meine Heimat ist, die ich liebe.
Aber nicht, um zu singen,
sondern um Pizza zu essen.“

‚Äď Enrico Caruso (1873‚Äď1921)

Vielen Besuchern der Stadt erscheint die neapolitanische K√ľche als Verk√∂rperung der italienischen K√ľche schlechthin, was wenig verwundert, basiert sie doch in einem Ma√üe wie kaum eine andere Regionalk√ľche des Landes auf den drei S√§ulen Pizza, Pasta und Pomodori. Die Pizza soll in der Stadt erfunden worden sein. Neapel hat die Kunst des Pizzabackens zur Perfektion entwickelt und mit der Pizza Napoletana und der Pizza Margherita zwei Klassiker unter den Pizzen kreiert. Auch die √§lteste Pizzeria Italiens, die Antica Pizzeria Port'Alba von 1830 befindet sich in der Stadt.

Als typischste Nudelsorte Neapels gelten die Maccheroni, aber auch Spaghetti, Penne und Vermicelli sollen hier ihren Ursprung haben. In Neapel wurde die Nudelmaschine erfunden, hier nahm die industrielle Nudelfertigung ihren Anfang und von Neapel aus trat die italienische Pasta, wie die Pizza, ihren Siegeszug um die Welt an.

Zur Vollendung gerieten Pizza und Pasta durch die Einf√ľhrung der Pomodori aus der Neuen Welt. Wieder waren es Neapolitaner, die der unter s√ľdlicher Sonne an den H√§ngen des Vesuvs und in den fruchtbaren Ebenen Kampaniens vorz√ľglich gedeihenden Frucht zum Durchbruch in der Cucina Italiana verhalfen und zu den Pionieren der industriellen Tomatenverarbeitung geh√∂rten.

Bedingt durch die Lage am Golf bilden Fische und Meeresfr√ľchte naturgem√§√üe Bestandteile der neapolitanischen K√ľche, wenngleich sie ob ihres Preises nie die typische cucina povera, die K√ľche der kleinen Leute, dominieren konnten, sondern in erster Linie einen relativ kostspieligen Gaumengenuss der gehobenen K√ľche darstellen.

Eine bekannte Geb√§ckspezialit√§t Neapels sind die Sfogliatelle, Bl√§tterteigtaschen mit Ricottaf√ľllung, die in traditionellen Konditoreien angeboten werden.

Sport

Maradona-Altar in Neapel
  • Neapel ist die Heimat des Traditions-Fu√üballvereins SSC Neapel, der in der Stadt tief verwurzelt ist und von den Neapolitanern leidenschaftlich und bedingungslos unterst√ľtzt wird. Die ‚ÄěHellblauen‚Äú (Azzurri) tragen ihre Heimspiele im Stadio San Paolo (knapp 80.000 Pl√§tze) im Stadtteil Fuorigrotta (nahe der Campi Flegrei, der Phlegr√§ischen Felder, gelegen) aus. Mit der Hilfe Diego Armando Maradonas feierte der Verein in der zweiten H√§lfte der 1980er Jahre die gr√∂√üten Erfolge, wurde zwei Mal italienischer Meister (1987 und 1990), gewann den italienischen Pokal (1987), den Superpokal und den UEFA-Cup (1989). Noch heute genie√üt der Argentinier Maradona in der Stadt eine geradezu kultische Verehrung. 2004 gingen die Azzurri in Konkurs und wurden zun√§chst in der Serie C1 (dritte italienische Fu√üball-Liga) als Napoli Soccer neu aufgestellt. Der Aufstieg in die Serie B gelang in der Saison 2005/06 und anschlie√üend 2006/07 der Durchmarsch in die Serie A. 2006 konnten die Rechte am urspr√ľnglichen Namen zur√ľck erworben werden.
  • Zu den weltweit bekanntesten und derzeit auch erfolgreichsten Wasserball-Vereinen z√§hlt der Klub CN Posillipo. Die Neapolitaner gewannen 1996, 1997 und 2005 mit der Champions-League bzw. der EuroLeague jeweils die h√∂chste Krone im europ√§ischen Vereinswasserball.

Politik und Verwaltung

Stadtrat und B√ľrgermeister

Die neapolitanische Kommunalpolitik wird seit Jahrzehnten von Parteien der Mitte bzw. der Linken dominiert. Sindaco (B√ľrgermeister) der Stadt war von 2001 bis 2011 Rosa Russo Iervolino vom Partito Democratico. Bei ihrer ersten Kandidatur mit 52,1 % der abgegebenen Stimmen gew√§hlt, wurde sie 2006 mit 57 % der W√§hlerstimmen im Amt best√§tigt. Aufgrund der ungel√∂sten M√ľllkrise verlor der PD jedoch die Kommunalwahlen 2011 deutlich. Zum neuen B√ľrgermeister wurde mit 65,4 % Luigi de Magistris von der Partei Italia dei Valori gew√§hlt, den im Gemeinderat eine links-liberale Mehrheit unterst√ľtzt.[10]

Verwaltungsgliederung

Politisch sind die insgesamt 31 Stadtteile der Stadt in zehn Verwaltungsbezirken zusammengefasst:

Die Lage der zehn neapolitanischen Verwaltungsbezirke
  • 1 : Chiaia, Posillipo und San Ferdinando
  • 2 : Avvocata, Montecalvario, San Giuseppe, Porto, Mercato und Pendino
  • 3 : Stella und San Carlo all'Arena
  • 4 : San Lorenzo, Vicaria und Poggioreale-Zona Industriale
  • 5 : Arenella and Vomero
  • 6 : Barra, Ponticelli und S.Giovanni a Teduccio
  • 7 : Miano, S.Pietro a Patierno und Secondigliano
  • 8 : Chiaiano, Piscinola-Marianella und Scampia
  • 9 : Pianura und Soccavo
  • 10 : Bagnoli und Fuorigrotta

Städtepartnerschaften

Neapel unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften:

Wirtschaft

Die Wirtschaftskraft Neapels ist in Relation zu der Gesamtitaliens sehr schwach. Im nationalen Vergleich belegte die Provinz im Jahr 2005 nur den 92. Platz von landesweit insgesamt 103 Provinzen.[11]

Die Wirtschaft wird in erster Linie durch Kleinunternehmen gepr√§gt. So wurden im Jahr 2001 in der Provinz Neapel von 138.000 Unternehmen 595.000 Arbeitnehmer besch√§ftigt. 2005 registrierte die neapolitanische Handelskammer 264.956 Gesellschaften. Von diesen Unternehmen besch√§ftigten lediglich 52 mehr als 200 Arbeitnehmer und bei nur 12 fanden mehr als 500 abh√§ngig Besch√§ftigte Arbeit. √úber die H√§lfte (54 %) der Unternehmen hatten weniger als 20 Besch√§ftigte.[12]

Die Beschäftigung selbst verteilt sich in der Provinz wie folgt auf die einzelnen Sektoren:[12]

  • 30,7 % √Ėffentliche Dienste und Verwaltung
  • 18,0 % Produktion
  • 14,0 % Handel
  • 9,5 % Baugewerbe
  • 8,2 % Transportwesen
  • 7,4 % Bank-, Finanz- und Immobilienwesen
  • 5,1 % Landwirtschaft
  • 3,7 % Hotellerie
  • 3,4 % Sonstiges

Camorra

Die Arbeitslosenquote ist sehr hoch und fluktuiert zwischen 20 und 30 %. Exakte Zahlen sind, wie f√ľr alle neapolitanischen Wirtschaftsdaten, nur schwer zu bestimmen, da ein gro√üer Teil durch die von der Camorra dominierte Schattenwirtschaft (Schwarzhandel, Schmuggel) kompensiert wird. Die Schattenwirtschaft insgesamt ist eine der bedeutendsten √∂konomischen Kr√§fte der Stadt und die Camorra gilt inoffiziell als der gr√∂√üte Arbeitgeber Neapels.

Verschiedene Clans sind regelm√§√üig in Bandenkriege mit vielen Todesopfern involviert.[13] Neapel und seine n√§here Umgebung haben ‚Äď nicht zuletzt auch durch die Camorra, die daran verdient ‚Äď gro√üe Probleme mit der Entsorgung von M√ľll und Sonderm√ľll sowie der vermutlich unter anderem daraus resultierenden Verseuchung des Bodens.[14][15][16] 2011 erw√§gt die Stadtregierung unter dem neuen B√ľrgermeister sogar bewaffnete M√ľllleute bzw. -begleiter.[17]

Verkehr

Fernverkehr

Neapel ist hervorragend an die Fernverkehrssysteme angebunden: Die Stadt ist von einem dichten Autobahnnetz umgeben, an das Schienennetz der Gruppo FS angeschlossen, hat einen großen Seehafen und den Aeroporto di Napoli-Capodichino, einen internationalen Flughafen. Auf allen Autobahnen ist eine Maut zu zahlen (siehe Maut in Italien).

√úber ein dichtes Netz von Zubringern hat Neapel unmittelbaren Anschluss an die Autobahnen. Die A1/E 45, die Autostrada del Sole (‚ÄěAutobahn der Sonne‚Äú), f√ľhrt in nordnordwestliche Richtung √ľber Rom und Florenz bis nach Mailand und zu den weiteren Wirtschaftszentren Norditaliens. Ihre Verl√§ngerung in s√ľds√ľd√∂stlicher Richtung verl√§uft als A3 / E 45 bis Reggio Calabria. Nach Osten hin schlie√ülich, bis zur Adriak√ľste, gelangt man √ľber die A16, die Autostrade dei due Mari (‚ÄěAutobahn der beiden Meere‚Äú). Daneben gibt es auch noch einige Verbindungen √ľber Fernstra√üen, die strade statali (‚ÄěStaatsstra√üen‚Äú). Seit circa drei Jahren wird die A3 bis Kalabrien dreispurig ausgebaut, aufgrund der Gebirgslage ein langwieriges Unterfangen, wovon besonders Neapel betroffen ist.

Mit mehreren Bahnh√∂fen ist Neapel an das Schienennetz der Ferrovie dello Stato, der italienischen Eisenbahnen, angeschlossen. Der bedeutendste Bahnhof f√ľr den Fernverkehr ist die Stazione Napoli Centrale in einem der Stadtzentren, nahe der Piazza Garibaldi. Hier besteht Anschluss an die gro√üe Nord-S√ľd-Fernstrecke l√§ngs der tyrrhenischen K√ľste, die von Reggio di Calabria kommend √ľber Neapel, Rom und Florenz die Metropolen der Poebene erreicht. Eine weitere Fernverbindungsstrecke durchquert die Apenninenhalbinsel √ľber Benevent und Foggia und schlie√üt an die adriatischen IC- und ETR-Linien an.

Der Porto di Napoli [18], der Hafen Neapels, ist neben seiner Bedeutung f√ľr den regionalen Passagier- und Frachtverkehr einer der gr√∂√üeren Seeh√§fen Italiens f√ľr den internationalen Verkehr. Neben seiner Funktion als Hafen f√ľr Container- und konventionelle Fracht deckt er √ľber ein gro√ües Kreuzfahrtterminal auch internationalen Passagierverkehr ab. Regelm√§√üige F√§hrverbindungen f√ľhren zudem nach Tunesien, Korsika, Sardinien, Sizilien und zu den √Ąolischen Inseln.

Mit dem Flughafen Capodichino, dem wichtigsten Verkehrsflughafen S√ľditaliens, ist Neapel an die internationalen Luftverkehrswege angeschlossen. Die gro√üen italienischen Luftfahrt-Drehkreuze Rom und Mailand sowie andere italienische Flugh√§fen werden ‚Äď zum Teil mehrmals t√§glich ‚Äď von Neapel aus angeflogen. Dar√ľber hinaus bestehen regelm√§√üige innereurop√§ische und seit einigen Jahren auch interkontinentale Verbindungen.

√Ėffentlicher Personennahverkehr

√ĖV-Netz in der Innenstadt (ohne Busse, Stand 1998)
√ĖV-Netz im Vorortebereich (ohne Busse, Stand 1998)

Neapel besitzt ein extrem differenziertes √∂ffentliches Nahverkehrssystem. Neben einem zur Zeit im Ausbau befindlichen, aus mehreren Linien verschiedener Betreiber bestehenden U-Bahn-System, gibt es ein Stra√üenbahn- sowie ein Busnetz, welche sich weit an der K√ľste entlang strecken. Direkt in der Stadt verkehren einige Oberleitungsbusse. Von 2006 bis voraussichtlich 2008 werden die Stra√üenbahnen durch zus√§tzliche Busse ersetzt, da durch gro√üe innerst√§dtische Infrastrukturprojekte (v. a. Sanierung und Ausbau der Metro) das Stra√üenbahnnetz an zu vielen Stellen blockiert ist.

Des Weiteren verbinden mehrere Standseilbahnen (Funicolare di Montesanto, Funicolare Centrale, Funicolare di Chiaia und Funicolare di Mergellina) die unteren mit den oberen Stadtteilen. Den Vorortverkehr tragen neben der Ferrovia Metropolitana (einer Art S-Bahn) die privaten Vorortbahnen der Ferrovia Circumvesuviana, der Ferrovia Circumflegrea und der Ferrovia Cumana sowie zahlreiche Vorortbuslinien. In den Häfen (Molo Beverello und Porticciolo di Sannazarro (Mergellina)) schließlich fahren Fähren zu allen Inseln und verschiedenen Festlandszielen in der gesamten Golfregion.

Krippengasse San Gregorio Armeno mit gleichnamiger Kirche

Besonderheiten

  • Seit Jahrhunderten ist die Stadt ber√ľhmt f√ľr die individuell gestalteten neapolitanischen Weihnachtskrippen, deren Herstellung und Vertrieb traditionell in den Werkst√§tten und L√§den einer eigenen Altstadtgasse (Via San Gregorio Armeno) erfolgt. Die neapolitanischen Krippen unterscheiden sich vom nordamerikanisch-mitteleurop√§ischen Typus durch ihren Realismus und Detailreichtum. Nicht entr√ľckte/verz√ľckte Figuren beherrschen die Szenerie, sondern nat√ľrliche Darstellungen unter Einbeziehung zahlreicher detailliert wiedergegebener Alltagsszenen machen die Eigenart der neapolitanischen Weihnachtskrippe aus. Das kann bis zur karikaturhaften Gestaltung gehen. So finden sich in einzelnen fig√ľrlichen Darstellungen durchaus auch Anspielungen auf die jeweils aktuellen politischen Verh√§ltnisse.
  • In Neapel wird mit Nnapulitano ein spezifischer Dialekt gesprochen, der zur Gruppe der westromanischen Sprachen z√§hlt und als ‚ÄěMutterdialekt‚Äú aller Dialekte Campaniens gilt.
  • Allj√§hrlich am ersten Maiwochenende, am 19. September und am 16. Dezember wird im Dom San Gennaro das ‚ÄěWunder‚Äú der Blutverfl√ľssigung zelebriert. Hierbei geht eine als Reliquie in einer Phiole aufbewahrte Substanz, die angeblich aus dem getrockneten Blut des Heiligen Januarius bestehen soll, in den fl√ľssigen Aggregatzustand √ľber. Bleibt das ‚ÄěWunder‚Äú aus, bedeutet dies Ungl√ľck f√ľr die Stadt. Chemiker sind sich ziemlich sicher, dass es sich um eine thixotrope Substanz handelt, die durchaus schon von den Alchemisten des Mittelalters h√§tte hergestellt werden k√∂nnen. Die Gl√§ubigen l√§sst diese naturwissenschaftliche Erkl√§rung allerdings unbeeindruckt. Bemerkenswert bleibt, dass es nach dem Ausbleiben der Blutverfl√ľssigung 1980 zu einem schweren Erdbeben kam und 1988 der SSC Neapel die italienische Meisterschaft knapp verfehlte.[19]
Blick √ľber Neapel
Gasse in Neapel
Blick von der Piazza Plebiscito auf den Vesuv
Gasse in der Altstadt Neapels, Blick auf die Kuppel der Galleria Umberto I
Neapel am Abend

Söhne und Töchter der Stadt

→ Hauptartikel: Liste der Söhne und Töchter der Stadt Neapel

Literatur

√úber Neapel

  • Giuseppe Galasso: Napoli capitale. Identit√† politica e identit√† cittadina. Studi e ricerche 1266-1860. Neapel 1998
  • Caroline Bruzelius: The stones of Naples. Church Building in Angevin Italy 1266-1343. New Haven - London 2004
  • Christoff Neumeister: Der Golf von Neapel in der Antike. Ein literarischer Reisef√ľhrer. M√ľnchen 2005
  • Dieter Richter: Neapel - Biographie einer Stadt. Klaus Wagenbach, Berlin 2005, ISBN 3-8031-2509-X

Neapel in der Literatur

Weblinks

 Commons: Neapel ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Neapel ‚Äď Zitate

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Statistiche demografiche ISTAT. Bev√∂lkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica vom 31. Dezember 2010.
  2. ‚ÜĎ Zum Ende des Romulus Augustulus
  3. ‚ÜĎ Zur Geschichte des Herzogtums Neapel in der Wikipedia Italiana
  4. ‚ÜĎ Zu Pedro √Ālvarez de Toledo
  5. ‚ÜĎ Zur Bombardierung Neapels
  6. ‚ÜĎ Materialien zur Resistenza unter der deutschen Besatzung auf der Seite partigiani.de.
  7. ‚ÜĎ Liste der neapolitanische B√ľrgermeister von 1900 bis 1997 auf der Seite interviu.it
  8. ‚ÜĎ Siehe auch die Auflistungen neapolitanischer Kirchen auf den Seiten Katholische Kirchen Neapels und Evangelische Kirchen Neapels.
  9. ‚ÜĎ Siehe auch Ausstellungen, Museen und Denkm√§ler Neapels (ital.)
  10. ‚ÜĎ De Magistris batte Lettieri 2 a 1. Abgerufen am 30. Mai 2011.
  11. ‚ÜĎ Laut ‚ÄěBolletino di statistica‚Äú, rapporto 2007, cap. 2, pag. 16 der Camera di Commercio di Napoli.
  12. ‚ÜĎ a b Profilio economico della provincia di Napoli (dt.: ‚ÄěWirtschaftliches Profil der Provinz Neapel‚Äú) auf der Webpr√§senz der neapolitanischen Handelskammer ‚ÄěCamera di Commercio di Napoli‚Äú. Dort auch weiteres statistisches Material.
  13. ‚ÜĎ Birgit Sch√∂nau: ‚ÄěStadt ohne Gnade‚Äú, Die Zeit Nr. 36/2007 vom 30. August 2007
  14. ‚ÜĎ focus.de (Eva Kallinger) Mai 2007: "Neapel stinkt zum Himmel", ‚ÄěFocus‚Äú online
  15. ‚ÜĎ NZZ vom 9. Januar 2008
  16. ‚ÜĎ taz vom 9. Januar 2008
  17. ‚ÜĎ Neapel und der M√ľll: Die Sache stinkt zum Himmel
  18. ‚ÜĎ Offizielle Webseite der neapolitanischen Hafenbeh√∂rde mit Statistiken des Passagier- und Frachtaufkommens.
  19. ‚ÜĎ Mark Benecke: "Das Blutwunder von Neapel" - Ausf√ľhrliche Darstellung und Erkl√§rung des "Blutwunders" auf heise.de vom 27. Dezember 2005

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  • Neapel ‚ÄĒ sehen und sterben: sagt man, wenn man etwas Sch√∂nes erblickt hat, in heller Begeisterung. Doch ist diese √úbersetzung aus dem italienischen Sprichwort: ‚ÄļVedi Napoli e poi muori‚ÄĻ nicht ganz korrekt. Im Italienischen ist dieses Sprichwort ein… ‚Ķ   Das W√∂rterbuch der Idiome

  • NeńĀpel ‚ÄĒ NeńĀpel, K√∂nigreich, s. Sizilien, K√∂nigreich beider ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Neapel [1] ‚ÄĒ Neapel, ital. Provinz mit gleichnamiger Hauptstadt in Kampanien, grenzt an die Provinzen Caserta und Salerno und an den Golf von N. und hat mit den dazugeh√∂rigen Inseln einen Fl√§chenraum von 907 qkm (16,5 QM.) mit (1901) 1,151,834 Einw. (1270 auf ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Neapel ‚ÄĒ NeńĀpel, K√∂nigreich, s. Sizilien (K√∂nigreich beider) ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • Neapel [2] ‚ÄĒ NeńĀpel (ital. Napoli), bis 1860 Residenzstadt des K√∂nigreichs beider Sizilien, jetzt Hauptstadt der ital. Prov. N. (908 qkm, 1905: 1.187.106 E., Kampanien), am Golf von N., in herrlicher Lage westl. vom Vesuv [Karte: Italien I, 6], volkreichste… ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • Neapel [3] ‚ÄĒ NeńĀpel, Prinz von, fr√ľherer Titel des K√∂nigs Viktor Emanuel III ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon


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