Neusilber

Neusilber ist die Bezeichnung für eine Kupfer-Nickel-Zink-Legierung mit hoher Korrosionsbeständigkeit, Festigkeit und silberähnlichem Aussehen. Neusilber wird insbesondere für Tafelgeräte, Beschläge und Schmuck verwendet.

Für Neusilber gibt es auch die Bezeichnungen Alpaka/Alpacca (geschütztes Warenzeichen), Argentan, Minargent, die französische Bezeichnung Cuivre blanc und die aus dem Chinesischen stammende Bezeichnung Packfong. Auch die Bezeichnung Hotelsilber wird verwendet. Im Spanischen ist Neusilber auch als plata alemana und im Englischen als German Silver (beides deutsches Silber) bekannt. Galvanisch versilbertes Neusilber wird als Chinasilber bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Eigenschaften

Neusilber ist eine silberweiß glänzende Legierung aus 47–64 % Kupfer, 10–25 % Nickel, 15–42 % Zink, eventuell mit Beimischungen von Elementen wie Blei, Zinn, Mangan oder Eisen.[1] Es zeichnet sich gegenüber Kupfer wegen des Nickelgehalts durch größere Härte und Korrosionsbeständigkeit aus. Das amtliche Erkennungszeichen ist der Gewichtszahlenstempel.

Wie alle Kupferlegierungen kann Neusilber nur durch Kaltumformung gehärtet (Oberflächenverfestigung) werden, beispielsweise durch Schmieden, Walzen oder Durchziehen. Eine Erwärmung (Glühen) über ca. 500 °C ordnet das Kristallsystem neu, so dass das Material wieder weich wird.

Geschichte

Bereits im Laufe des 17. Jahrhunderts kamen erste Metallwaren aus einer Packfong genannten Legierung aus dem Kaiserreich China nach Europa. Doch erst im 18. Jahrhundert erkannte man, dass Packfong aus Kupfer, Zink und Nickel besteht. In den Metallwerken von Suhl gelang es schon etwa 1770, eine dem Packfong ähnliche Legierung zu erzeugen. Sie wurde bald als Suhler Weißkupfer bekannt. Die industrielle Erzeugung von Kupfer-Zink-Nickel-Legierungen wurde 1823 durch ein Preisausschreiben des Vereins zur Förderung des Gewerbefleißes initiiert. Gefordert wurde die Herstellung einer weißen Legierung, die im Aussehen dem Silber 750/000 (fein) gleichen und auch für Speisegerätschaften geeignet sein sollte. Zudem sollte es nur 1/6 des damaligen Silberpreises kosten. Diese Aufgabe lösten fast zur gleichen Zeit Dr. Ernst August Geitner, der 1823 in Auerhammer bei Aue die Legierung Argentan entwickelte, und 1824 die Gebrüder Henniger in Berlin mit der ähnlichen Legierung Neusilber. Damit konnte das vorher benutzte arsenhaltige, toxische Weißkupfer[2] ersetzt werden.

Verwendung

Nach der Patentanmeldung der Löffelwalze im Jahre 1838 durch Alfred Krupp wurde Neusilber zur industriellen Fertigung von Essbestecken verwendet. Auch heute ist es das Basismaterial für oberflächenversilbertes Besteck. Es wird eingesetzt für feinmechanische und elektrotechnische Geräte, medizinische Geräte, Reißverschlüsse, Schmuck, Trensengebisse, Teile von Blasinstrumenten und Brillen sowie als Material für Bundstäbe bei Saiteninstrumenten. Die Schienenprofile von Modelleisenbahnen, feinmechanische Federn und Steckverbinder der Elektrotechnik bestehen mitunter aus Neusilber, weil das Oxid elektrisch leitend ist. Bei Hieb- und Stichwaffen ist Neusilber ein gängiges Material für die Parierstange. Zahlreiche Gedenkmünzen der DDR wurden aus Neusilber hergestellt. Auch Schlüssel, insbesondere solche für hochwertige Schließzylinder und Schließsysteme, werden oft wegen der Verschleißarmut aus Neusilber gefertigt. Einige Hersteller führen den Zylinderkern auch in Neusilber aus (Bezeichnung „verschleißarmer Kern“).

Als Neusilberlot wird in der Praxis oftmals ein Hartlot bezeichnet, das aus jeweils ca. 50 % Kupfer, 10 % Nickel, 40 % Zink und jeweils ca. 0,2 % Silicium, Mangan und Zinn besteht. Der Schmelzbereich ist 890–920 °C.

Literatur

  • Deutsches Kupfer-Institut (Hrsg.): Kupfer-Nickel-Zink-Legierungen. Berlin 1980.
  • Dieter Bialas: Röntgenographische Strukturbestimmung mit Hilfe der anomalen Dispersion an ordnungsfähigen Neusilber-Legierungen. Berlin 1966 (Dissertation, Frei Universität Berlin, Math.-naturwiss. Fakultät).
  • Forschungsgesellschaft Blechverarbeitung Düsseldorf (Hrsg.): Chemisches Glänzen von Messing und Neusilber. Westdt. Verl., Köln 1953.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Otto-Albrecht Neumüller (Herausgeber): Römpps Chemielexikon, Frank'sche Verlagshandlung, Stuttgart, 1983, 8. Auflage, S. 2773, ISBN 3-440-04513-7.
  2. Friedrich Wilhelm Barentin: Lehrbuch der Technologie für Real- und Gewerbeschulen. 3. Auflage, Georg Friedrich Heyer, 1848, S. 15.

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