Niantic

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Niantic
Wohngebiet der Niantic und benachbarter Stämme um 1600

Die Niantic waren Algonkin sprechende Indianer des √∂stlichen Nordamerikas, die fr√ľher einen Teil der S√ľdk√ľste Neuenglands bewohnten. Sie waren eng mit den Pequot, Mohegan und Narraganset verwandt und ihre Kultur und Lebensweise unterschied sich kaum von der ihrer Nachbarn, mit Ausnahme ihrer st√§rkeren Abh√§ngigkeit von Meeresfr√ľchten. Ihre Stammesidentit√§t ist heute erloschen.

Block Island im Long-Island-Sund

Inhaltsverzeichnis

Wohngebiet und Gruppen

Die Niantic bewohnten zu Beginn des 17. Jahrhunderts die S√ľdk√ľste Neuenglands von der M√ľndung des Connecticut Rivers ostw√§rts bis ins s√ľdwestliche Rhode Island einschlie√ülich Block Island im Long-Island-Sund. Die Niantic waren in zwei Gruppen getrennt:

  • √Ėstliche Niantic im s√ľdwestlichen Rhode Island und
  • Westliche Niantic im s√ľdlich, zentralen Connecticut √∂stlich der M√ľndung des Connecticut Rivers.

Das dazwischen liegende Gebiet bewohnten die Pequot und Mohegan, die verantwortlich f√ľr diese Trennung waren.

Geschichte

Holländer und Engländer

Niederländischer Kaufmann mit Tabakblättern in der Hand vor der Silhouette Nieuw Amsterdams
Der Ausschnitt aus der um 1635 entstandenen Karte Nova Belgica et Anglia Nova des Niederländers Joan Blaeu zeigt die Region um den Hudson River. Übergroße Abbildungen von Ottern und Bibern sollen den Pelzreichtum des Landes betonen.

In den Jahren 1614 bis 1617 wurde Neuengland von Kriegen und verheerenden Epidemien heimgesucht. Um die Folgezeit zu √ľberstehen, schlossen sich die Westlichen Niantic den Pequot an, w√§hrend sich die √Ėstlichen Niantic mit den Narraganset verb√ľndeten. Ab 1614 weiteten die holl√§ndischen H√§ndler vom unteren Hudson River ihren Aktionsradius nach Osten aus, besuchten die St√§mme an der S√ľdk√ľste Neuenglands und kamen bis zu den D√∂rfern der Narraganset in heutigen Rhode Island. Anschlie√üend reklamierten die Holl√§nder das gesamte Gebiet bis nach Cape Cod als ihre Kolonie und nannten sie Nieuw Nederland. Die haupts√§chlichen holl√§ndischen Siedlungsgebiete lagen auf den Inseln Manhattan und Long Island sowie entlang der Fl√ľsse Hudson, Delaware und Connecticut. Verwaltungssitz war Nieuw Amsterdam, das sp√§tere New York.

1622 wurde ein Handelsposten in der N√§he des heutigen Hartford errichtet, von dem aus Handel mit den St√§mmen am unteren Connecticut River betrieben wurde. Allerdings beanspruchten die Engl√§nder dasselbe Gebiet als Teil Virginias f√ľr sich und errichteten 1620 eine Siedlung an der Ostk√ľste, das heutige Plymouth in Massachusetts. Die Holl√§nder wollten keinen Krieg sondern kooperieren und schickten 1627 eine Delegation √ľber Land zu den Engl√§ndern, um mit den Pilgerv√§tern in Plymouth zu verhandeln. Die Holl√§nder begl√ľckw√ľnschten die Engl√§nder zu ihrer neuen, erfolgreichen Kolonie und beide Parteien unterzeichneten ein Handelsabkommen, in dem den Holl√§ndern die exklusiven Rechte einger√§umt wurden, mit den Narraganset und anderen St√§mmen westlich des Connecticut Rivers Handel zu treiben.

Das Handelsabkommen ber√ľhrte die Interessen der Kolonisten kaum zu dieser Zeit, doch nach 1630 sollte sich die Situation durch die Ankunft einer gro√üen Anzahl puritanischer Einwanderer in Massachusetts erheblich √§ndern. Diese ignorierten einfach das fr√ľhere Abkommen und binnen weniger Jahre wurde Engl√§nder und Holl√§nder Konkurrenten beim Pelzhandel am Connecticut River.

Eine Zeit lang handelten Pequot und Niantic mit beiden Parteien, doch der intensive Wettbewerb f√ľhrte schlie√ülich zu einer Spaltung innerhalb der Pequot. Es bildeten sich zwei verschiedene Parteien und es kam zu Angriffen auf holl√§ndische und englische H√§ndler, die jeweils das Pech hatten, von der falschen Pequot-Gruppe begleitet zu werden. Der Streit innerhalb der Pequot eskalierte. W√§hrend die gr√∂√üere Gruppe unter Sachem Sassacus f√ľr die Holl√§nder war, sammelte sich unter Sachem Uncas die Pro-England-Gruppe, aus der sp√§ter die Mohegan hervorgehen sollten. Die Westlichen Niantic mussten sich f√ľr eine Partei entscheiden und w√§hlten die Holland-Anh√§nger unter Sassacus.

Der Pequot-Krieg

Angriff auf das Pequot-Fort am Mystic River ‚Äď Darstellung aus dem 17. Jahrhundert

Sowohl die Niantic als auch die Pequot waren wehrhaft und durchaus in der Lage, sich zu verteidigen. Im Jahre 1634 t√∂teten Niantic-Krieger den Bostoner H√§ndler John Stone, der im Ruf stand, ein Pirat und Sklavenh√§ndler zu sein. Ungeachtet dessen, dass Stone Niantic-Frauen und -Kinder gefangen hatte und als Sklaven nach Virginia verkaufen wollte, forderten die Engl√§nder die Herausgabe seiner M√∂rder von den Pequot, die an Stelle der Niantic verhandelten. Das Ansinnen wurde abgelehnt und war f√ľr die Engl√§nder ein Kriegsgrund. Im Jahre 1635 erbauten die Engl√§nder Fort Saybrook an der M√ľndung des Connecticut Rivers, das den holl√§ndischen Zugang zum Fluss blockierte und damit die Aufgabe des Handelspostens bei Hartford erzwang. Im folgenden Jahr kam Thomas Hooker mit den ersten englischen Siedlern ins Tal des Connecticut. Als im Sommer 1637 die Westlichen Niantic von Block Island aus das Boot eines Bostoner H√§ndlers kaperten und ein Mitglied der Mannschaft t√∂teten, brach der Pequot-Krieg aus.

Ohne die englischen Kolonisten in Connecticut zu warnen, schickte die Massachusetts Bay Colony eine 90 Mann starke Strafexpedition unter dem Kommando von John Endicott nach Block Island. Dort sollten sie jeden Niantic-Krieger t√∂ten und Frauen und Kinder gefangen nehmen, die man sp√§ter als Sklaven verkaufen wollte. Die Engl√§nder brannten 60 Wigwams und die Maisfelder nieder, doch die Niantic flohen in die nahen dichten W√§lder und so konnte man nur 14 von ihnen t√∂ten. Endicott hielt die Bestrafungsaktion f√ľr unzureichend und f√ľhrte die Expedition zur√ľck zum Festland. In Fort Saybrook konnte er seine Truppe verst√§rken und fuhr zum Hauptdorf der Pequot an der M√ľndung des Thames River weiter. Dort verlangte er die Auslieferung der M√∂rder von John Stone und dem anderen Engl√§nder, dazu 1000 Faden (1 Faden = 1,83 m) Wampum als Wiedergutmachung und einige Kinder als Geiseln. Sollten die Pequot ablehnen, w√ľrden sie mit Bestrafung rechnen m√ľssen. Gouverneur John Winthrop erkl√§rte sp√§ter, dass die urspr√ľngliche Absicht gewesen sei, Endicotts Streitmacht nur nach Block Island zu schicken, und unser Marsch zu den Pequot geschah in der Hoffnung, sie zum Verhandeln zu bringen und das ganze zu einem friedlichen Ende.

Die meisten Pequot fl√ľchteten in die W√§lder. Endicott und seine Leute brannten das Dorf nieder, doch die Pequot und Niantic hatten einige der Soldaten aus Fort Saybrook wieder erkannt. Niantic-Krieger belagerten daraufhin das Fort und t√∂teten jeden, der sich au√üerhalb der Palisaden sehen lie√ü. Das Fort stand unter dem Kommando von Leutnant Lion Gardiner, der emp√∂rt war √ľber Endicotts hastige und uneffektive Such- und Vernichtungsmission gegen die Pequot. Nach Endicotts Abzug nach Boston √ľberfielen die Indianer auch abgelegene Siedlungen der Connecticut-Siedler, die die Folgen zu tragen hatten.

Die Pequot versuchten, ihr fr√ľheres B√ľndnis mit den Narraganset zu erneuern und sich mit ihnen im Kampf gegen die Engl√§nder zu vereinigen. Ein gl√ľcklicher Zufall f√ľr die Engl√§nder wollte es jedoch, dass Roger Williams eine Ratsversammlung unterbrechen konnte, in der die Pequot und Narraganset ihre Differenzen beilegen wollten, und den Narraganset ein B√ľndnis gegen ihre alte Feinde, die Pequot, anbot. Die Narraganset folgten dem englischen Angebot, stellten sich somit unter den Befehl der Engl√§nder, was nicht nur zur Vernichtung der Pequot sondern m√∂glicherweise auch zu ihrer eigenen f√ľhrte. Im Winter versuchten die Pequot, auch die Mohegan und Niantic als Verb√ľndete gegen die Engl√§nder zu gewinnen. Nur die Westlichen Niantic sagten zu, w√§hrend sich die Mohegan auf die Seite der Kolonisten stellten. Die √Ėstlichen Niantic blieben neutral

Am 1. Mai 1637 erkl√§rte der General Court der Kolonie von Connecticut in Hartford den Offensiv-Krieg gegen die Pequot und Westlichen Niantic. Sowohl Connecticut als auch Massachusetts unternahmen Feldz√ľge gegen die Pequot und Westlichen Niantic, wobei jeder von ihnen hoffte, diese Nationen vor den anderen zu vernichten. Captain John Mason aus Connecticut marschierte mit 90 Engl√§ndern und Hunderten von indianischen Verb√ľndeten zu einem Pequot-Dorf am Mystic River, das man in Brand steckte und alle Bewohner abschlachtete, die meisten von ihnen waren Frauen und Kinder. Die verb√ľndeten Narragansetts waren entsetzt √ľber die unbarmherzige Kriegsf√ľhrung der Engl√§nder, dem T√∂ten oder Versklaven aller √ľberlebenden Pequot, davon sogar einige, die sich freiwillig den Narraganset ergeben hatten, um in ihren Stamm aufgenommen zu werden.

Die √ľbrigen Pequot und Westlichen Niantic verlie√üen ihre D√∂rfer und flohen, gejagt von den Engl√§ndern und ihren indianischen Verb√ľndeten. Die Gefangenen wurden entweder exekutiert oder als Sklaven nach Bermudas und Westindien verkauft. Nur etwa 100 Westliche Niantic und eine Anzahl Pequot wurden den Mohegan zur Aufnahme in deren Stamm √ľbergeben.

Verlust der Identität

Um 1655 ging es den Pequot und Westlichen Niantic bei den Mohegan so schlecht, dass die Engl√§nder, gew√∂hnlich wenig beeindruckt durch derartige Dinge, die Pequot zu anderen Orten im √∂stlichen Connecticut brachten und einige Westliche Niantic gingen mit ihnen. Die bei den Mohegan gebliebenen Niantic gingen zu den Brotherton-Indianern und verlie√üen 1788 Connecticut, um bei den Oneida im Bundesstaat New York zu leben. Die Brotherton zogen 1834 nach Wisconsin und viele ihrer Nachkommen leben noch heute an der Ostseite des Lake Winnebago. Es schien so, als seien die verbliebenen Westlichen Niantic in den Mohegan aufgegangen, doch im fr√ľhen 19. Jahrhundert wurde von einigen Familien aus diesem Stamm bei Lyme und bei Danbury berichtet. Weitere Informationen fehlen allerdings seitdem, so dass die Identit√§t des Stammes als erloschen gilt.

Die √Ėstlichen Niantic blieben bis zum King Philip's War (1675-1676) unter dem Schutz der Narraganset. Gemeinsam mit den Narraganset schafften sie es, in diesem Krieg neutral zu bleiben, die Narraganset jedoch wurden beschuldigt, fl√ľchtige Wampanoag bei sich aufzunehmen. Die Engl√§nder griffen sie deshalb im Dezember 1675 an. In diesem Gefecht, das als Gro√ües Sumpf-Massaker (engl. Great Swamp Massacre) bekannt wurde, verloren die Narraganset mehr als 600 Stammesmitglieder und 20 Sachems.

Von den fast 5.000 Narraganset vor dem Krieg √ľberlebten weniger als 500 Angeh√∂rige und unterzeichneten 1682 einen Friedensvertrag mit den Engl√§ndern. Die √Ėstlichen Niantic waren bis zum Kriegsende neutral geblieben und erhielten ein kleines Reservat bei Charlestown in Rhode Island, wohin auch die Reste der Narraganset ziehen durften. Bald darauf verloren die √Ėstlichen Niantic ihre Identit√§t, denn in sp√§teren Berichten werden nur noch die Narraganset erw√§hnt.

Demografie

Sch√§tzungen √ľber die Bev√∂lkerungszahlen vor dem Eintreffen der Europ√§er sind problematisch, weil die Niantic kurz vor dem Kontakt sowohl durch Krankheiten als auch durch Kriege dezimiert worden waren. Besonders die Epidemien von 1617-1619 trafen die Niantic genau so verheerend wie ihre Nachbarn und viele ihrer D√∂rfer waren v√∂llig ausgestorben. Es ist zu vermuten, dass ihre Zahl einst etwa 4.000 Stammesmitglieder betragen hat. Zur Zeit der ersten Besiedlung von Plymouth durch die Engl√§nder im Jahre 1620 betrug ihre Zahl insgesamt etwa 1.500 √Ėstliche und Westliche Niantic.

Jahr Anzahl Anmerkung Quelle
1620 1.500 geschätzt Dick Shovel
1700 200 je 100 in Rhode Island u. Connecticut NAHDB*
1730 985 Narraganset + Westliche Niantic in Charlestown John Callender
1833 199 Narraganset in Charlestown Commissioner on the Narragansett Tribe of Indians

*Native American Historical Data Base

Siehe auch

Liste nordamerikanischer Indianerstämme

Quellen

Literatur

Weblinks


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