Nibelungenlied

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Nibelungenlied
Erste Seite der Handschrift C des Nibelungenlieds (um 1220–1250)
Darstellung von Siegfrieds Ermordung aus der Handschrift k des Nibelungenlieds (1480–90)

Das Nibelungenlied ist ein mittelalterliches Heldenepos. Es entstand zu Beginn des 13. Jahrhunderts und wurde in der damaligen Volkssprache Mittelhochdeutsch geschrieben. Der Titel, unter dem es seit seiner Wiederentdeckung Mitte des 18. Jahrhunderts bekannt ist, leitet sich von der Schlusszeile in einer der beiden Haupttextfassungen, *C, ab: hie hĂąt daz mĂŠre ein ende: daz ist der Nibelunge liet („hier hat die Geschichte ein Ende: das ist das Lied von den Nibelungen“). Allerdings ist „liet“ im Mittelhochdeutschen nicht als „Lied“ in unserem Sinne zu verstehen, sondern kann „Strophen“ oder „Epos“ bedeuten. Die dem (verlorenen) Original nĂ€her stehende Fassung *B (Haupthandschrift in St. Gallen) endet diz ist der Nibelunge NOT (=Not, BedrĂ€ngnis). AngehĂ€ngt an das Nibelungenlied ist in den mittelalterlichen Handschriften eine formal eigenstĂ€ndige ErzĂ€hlung, die das Geschehen fortzusetzen und zu rekapitulieren scheint, die „Klage“.

Das Nibelungenlied galt lange als Nationalepos der Deutschen.

Inhaltsverzeichnis

Der historische Kern

Das Nibelungenlied ist die wichtigste hochmittelalterliche deutsche Ausformung der Nibelungensage, deren UrsprĂŒnge bis in das heroische Zeitalter der germanischen Völkerwanderung zurĂŒckreichen. Ein historischer Kern oder AnknĂŒpfungspunkt der Sage ist die Zerschlagung des Burgunderreiches im Raum von Worms in der SpĂ€tantike (um 436) durch den römischen Heermeister AĂ«tius mit Hilfe hunnischer Hilfstruppen.

Weitere historische Ereignisse, die hier vermutlich eine Rolle spielen, sind die Hochzeit zwischen Attila und der wahrscheinlich germanischen FĂŒrstentochter IldikĂł (453), sowie, nach Meinung mancher, auch der Streit im Hause der Merowinger zwischen Brunichild und Fredegunde. Durch die Mechanismen mĂŒndlicher Überlieferung und die dichterische Ausgestaltung des Stoffes bewahrte die Nibelungensage aber kaum noch authentische historische Erinnerungen (am ehesten Namen).

Auch Pilgrim von Passau ist eine Person, die in Sage und Wirklichkeit vorkommt. Seine vĂ€terlichen Vorfahren lassen sich, ĂŒber die Sieghardinger, bis in den Wormser Raum zurĂŒckverfolgen.

Überlieferung

Der Text des Nibelungenlieds ist in zirka 37 (großteils nur fragmentarisch erhaltenen) deutschen Handschriften und einer niederlĂ€ndischen Umarbeitung erhalten (darunter zwei Handschriften, die nur die „Klage“ enthalten, und ein AventĂŒrenverzeichnis). Die Handschriften wurden vorwiegend im sĂŒdlichen Teil des deutschen Sprachgebietes (Schweiz, Vorarlberg, Tirol) gefunden. Die drei Ă€ltesten vollstĂ€ndigen Textzeugen (Haupthandschriften) bezeichnete Karl Lachmann mit Buchstaben (Siglen) folgendermaßen:

Diese drei Manuskripte gelten gleichzeitig als Hauptvertreter dreier verschiedener Textfassungen, deren VerhĂ€ltnis zueinander bis heute weitgehend ungeklĂ€rt ist. Die autornĂ€chste Fassung ist zweifellos B. Im Jahre 2009 wurden alle drei Handschriften durch die UNESCO zum Weltdokumentenerbe erklĂ€rt. Neben den drei HauptĂŒberlieferungsstrĂ€ngen (A, B und C) wird man auch von einer breiten mĂŒndlichen Tradition ausgehen mĂŒssen, deren RĂŒckwirkung auf die schriftlichen Fassungen jedoch schwer einzuschĂ€tzen ist.

Man gruppiert die Handschriften und ihre Textfassungen nach dem letzten Vers des Textes. Handschrift A und B enden mit den Worten: „daz ist der Nibelunge not“ („das ist der Untergang der Nibelungen“). Diese Texte werden darum als ‚Not-Fassung‘ bezeichnet. Die Handschrift C und ihre Verwandten enden auf „daz ist der Nibelunge liet“ („das ist das Lied/Epos von den Nibelungen“). Dieser Text wird darum „Lied-Fassung“ genannt. Der C-Text ist eine Bearbeitung mit RĂŒcksicht auf das Publikum und mildert vor allem die Tragik. Dadurch fand er grĂ¶ĂŸere Verbreitung, obwohl fĂŒr heutiges Ă€sthetisches Empfinden der B-Text dichterisch gelungener erscheint. Es gibt mehrere Handschriften, die nahezu denselben Text bieten wie C; man fasst sie daher unter der Gruppenbezeichnung *C zusammen. Einige, allerdings wenige, Handschriften bieten nahezu denselben Text wie B; diese Gruppe nennt man *B. Die Handschrift A bietet ĂŒber weite Strecken den Text sehr Ă€hnlich wie B, aber anscheinend weniger sorgfĂ€ltig geschrieben; gehört daher zur Gruppe *B. In einigen Partien, vor allem des ersten Teils, unter anderem bei Kriemhilds Falkentraum, bei der ersten Begegnung zwischen Kriemhild und Siegfried und bei der ErklĂ€rung von Siegfrieds Königsrang und seiner Motivation der Hilfe fĂŒr Gunther bei der Werbung um BrĂŒnhild, hat A einen anderen, stellenweise kĂŒrzeren Text, der den Eindruck macht, Ă€lter zu sein als *B. Karl Lachmann hatte A fĂŒr die Ă€lteste Version gehalten und ihr deshalb diese Sigle gegeben; einige Passagen sind jedoch zweifelsfrei sekundĂ€re VerĂ€nderungen des *B-Textes oder sogar Übernahmen aus *C. Eine Lösung dieses Widerspruchs könnte sein, dass bei der Anfertigung von A zwei verschiedene Vorlagen benutzt wurden, deren eine auf eine Ă€ltere Fassung als *B zurĂŒckgeht, vielleicht auf eine Vorstufe des Nibelungenlieds, die man *A nennen könnte, wĂ€hrend die andere, die fĂŒr den Großteil von A als Vorlage diente, eine schlechtere Handschrift der *B-Gruppe war.[2] Außer den Hauptredaktionen A, B und C gibt es noch die Mischredaktionen D, I und d und die Sonderredaktionen T, k, m und n. Trotz ihres eigenstĂ€ndigen Charakters stand Redaktion I stets im Schatten der "Großen Drei". Dabei nimmt I eine zentrale Stellung zwischen nĂŽt- und liet-Fassung ein und beeinflusste auch die Nebenredaktionen des Nibelungenlieds.[3]

Verfasser und Entstehung

Der Verfasser des Nibelungenliedes nennt sich im Text nicht. Dies entspricht der Gattungskonvention der Heldenepik, die nicht die literarische Eigenleistung eines Dichters akzentuiert, sondern die Verwurzelung des ErzĂ€hlstoffes in der mĂŒndlichen Überlieferung hervorhebt.

Offensichtlich ist das Werk aber eine geschlossene Dichtung eines einzigen Autors, das auf schriftlich vorliegende Werke Bezug nimmt und als Original vom Dichter selbst (oder nach seinem Diktat) niedergeschrieben wurde. Deshalb wird heutzutage nur mehr selten bezweifelt, dass es eine „Originalfassung“ (und damit einen einzigen „Autor“) gegeben hat. Die These, dass es sich eher um einen Redaktor oder gar nur um einen oder mehrere begnadete Rezitatoren von Ă€lteren, mĂŒndlich ĂŒberlieferten Stoffen handele, gilt als weitgehend ĂŒberholt. Allerdings enthalten die einzelnen Handschriften grĂ¶ĂŸere oder kleinere Änderungen und ZusĂ€tze von Bearbeitern. Die Handschrift „B“ scheint solche Änderungen nur in geringem Ausmaß zu enthalten, wĂ€hrend vor allem „C“ eine starke Umarbeitung mit anderer Aussage und anderem Gestaltungswillen darstellt. Die Handschrift „A“ benutzt fĂŒr einige Passagen des ersten Teils eine vielleicht noch Ă€ltere Fassung, die eine ‚Vorfassung‘ des Nibelungenlieds gewesen sein könnte.

Die Entstehung des Textes lĂ€sst sich durch in ihm vorausgesetzte politische Strukturen und durch BezĂŒge zur zeitgenössischen Dichtung auf die Jahre 1190 bis 1210 (und damit auf die „BlĂŒtezeit“ der mittelhochdeutschen Literatur) eindeutig eingrenzen; Indizien gibt es fĂŒr eine Entstehung knapp vor 1204.

Genauere Ortskenntnis des Verfassers, ein Übergewicht der frĂŒhen Überlieferung im sĂŒdostdeutsch-österreichischen Raum und die augenfĂ€llige Hervorhebung des Bischofs von Passau als handelnde Figur machen das Gebiet zwischen Passau und Wien als Entstehungsort wahrscheinlich, insbesondere den Hof des als MĂ€zen bekannten Bischofs von Passau, Wolfger von Erla (Bischof in Passau 1191–1204).

Wolfger ist fĂŒr die Datierung mittelhochdeutscher Literatur von großer Bedeutung, weil sich in seinen Reiserechnungen mit dem Datum 12. November 1203 eine Notiz findet, dass dem cantor („Spielmann“) Walther von der Vogelweide Geld fĂŒr einen Pelzmantel ausgezahlt wurde. Diese Notiz stellt den einzigen außerliterarischen Nachweis fĂŒr die Existenz dieses Dichters dar und ist damit ein wichtiges Indiz zur zeitlichen Einordnung der mittelhochdeutschen Dichtung, die grĂ¶ĂŸtenteils ohne Jahres- und Verfasserangaben ĂŒberliefert ist.

Meist geht man heute davon aus, dass der Dichter des Nibelungenliedes ein sowohl geistlich wie literarisch gebildeter Mann im Umkreis des Passauer Bischofshofs war und dass sein Publikum ebenfalls dort unter den Klerikern, Mönchen, Nonnen, Kaufleuten und adligen Laien zu suchen ist.

In einer Art Anhang zum Nibelungenlied, der Nibelungenklage, wird auch von der Entstehung der Dichtung erzĂ€hlt. Ihr ist daran gelegen, den Inhalt der Sage als „wirklich geschehen“ auszuweisen und die erste Aufzeichnung noch in die Lebenszeit der Protagonisten zu verlegen. Ein „Meister Konrad“ wird genannt, den der Bischof „Pilgrim“ von Passau mit der Niederschrift nach den Angaben eines Augenzeugen der Geschehnisse, des Spielmannes Swemmel, beauftragt habe. Man nimmt an, dass dies einen ehrenden Verweis auf einen AmtsvorgĂ€nger des mutmaßlichen Förderers Wolfger darstellt, den Bischof Pilgrim von Passau (971–991). Da sich die politische Situation der UngarneinfĂ€lle des 10. Jahrhunderts und die wichtige Rolle Passaus bei der Christianisierung Ungarns unter Pilgrim im Nibelungenlied spiegelt, haben dem Dichter vermutlich schriftliche Aufzeichnungen aus der Zeit Pilgrims vorgelegen. Ob mit „Meister Konrad“ tatsĂ€chlich der Autor einer Quelle aus der Zeit Pilgrims gemeint ist oder ob der Autor des Nibelungenliedes oder der Autor der „Klage“ sich hinter dieser Nennung verbirgt, ist ungewiss. Der Name „Konrad“ kann außerdem nicht auf die Spur einer bestimmten Person fĂŒhren, da es der zweithĂ€ufigste Name (nach Heinrich) im deutschen Mittelalter war. Versuche, einen irgendwo genannten „Konrad“ als Autor eines dieser Werke nachzuweisen, sind daher haltlos.

Suche nach einem Verfasser

Vor allem populĂ€rwissenschaftliche und heimatgeschichtliche Forschungen haben im Laufe der Zeit das Nibelungenlied an nahezu jeden zwischen 1180 und 1230 im bairisch-österreichischen Raum bezeugten Literaten anknĂŒpfen wollen. Auch heute werden regelmĂ€ĂŸig Namen aufs Tapet gebracht. Ausnahmslos handelt es sich dabei um methodisch fragwĂŒrdige Außenseiterthesen, die sich der Diskussion in anerkannten Fachzeitschriften nicht stellen. Dazu gehören:

  • Der KĂŒrenberger (Der KĂŒrnberger Wald liegt bei Linz, Oberösterreich; auch Kirnberg, in Niederösterreich, sĂŒdlich von Melk, kĂ€me als Herkunftsort dieses Dichters in Frage), in dessen Strophenform das Nibelungenlied geschrieben ist und auf dessen „Falkenlied“ auch der Falkentraum Kriemhilds verweist. Der KĂŒrenberger wird aber von den meisten Forschern zu frĂŒh fĂŒr das Nibelungenlied datiert.
  • Walther von der Vogelweide. Auf ihn treffen viele fĂŒr den Dichter des Nibelungenliedes geforderte Charakteristika zu: grĂ¶ĂŸerer gemeinsamer Wortschatz, der aber auch aus der gemeinsamen rĂ€umlichen Herkunft (österreichischer Donauraum) zu erklĂ€ren ist; sowie die Gönnerschaft des Bischofs Wolfger von Passau. In wesentlichen Punkten der Weltsicht unterscheidet sich aber das Nibelungenlied von Walther stark.
  • Bligger von Steinach
  • Konrad von Fußesbrunnen (Feuersbrunn, Niederösterreich), urkundlich um 1182 bezeugt. Er ist Autor des in 3.000 Reimpaarversen verfassten Werkes „Die Kindheit Jesu“ und wirkte in Passau.[4] Sein Stil hat aber nichts mit dem des Nibelungenliedes gemeinsam.
  • eine unbekannte Niedernburger Nonne. Die ErwĂ€hnung eines Klosters in Passau, neben dem Passauer Bischof und den Kaufleuten der Stadt, fĂŒhrte zu der Vermutung, mit diesem Kloster sei das Frauenkloster Passau-Niedernburg gemeint[5] (tatsĂ€chlich gab es auch ein dem Bischofssitz angeschlossenes MĂ€nnerkloster). Die Nennung des Klosters im Nibelungenlied ist aber am besten so zu erklĂ€ren, dass die Insassen zum Publikum des Autors bei einem Vortrag gehörten und als Gönner und MĂ€zene verewigt wurden; nicht so, dass sich der Autor (oder die Autorin) unter ihnen befunden hĂ€tte. Gleiches gilt fĂŒr die Kaufleute. Bischof Wolfger von Passau war wohl der Haupt-MĂ€zen, der die Arbeit sicherlich einem erfahrenen und gleichzeitig literarisch gebildeten und schriftkundigen SĂ€nger von Heldenliedern anvertraute.

Die drei letztgenannten Verfassertheorien (Bligger, Konrad und die Nonne) werden von den meisten Fachgermanisten als kaum diskussionswĂŒrdig angesehen.

Form und Sprache

Das Nibelungenlied ist in sangbaren vierzeiligen Strophen gedichtet (heute als Nibelungenstrophe bezeichnet), deren Melodie und Rhythmus sich jedoch nicht rekonstruieren lassen. Diese metrische Form ist ein Charakteristikum der Heldenepik (sie wird vom etwas jĂŒngeren Kudrun-Epos eines unbekannten Dichters aufgenommen; in Strophen gegliedert ist auch die Dietrichepik); sie tritt aber schon vor dem Nibelungenlied in der Lyrik auf, und zwar beim „KĂŒrenberger“, der in seinem 'Falkenlied' das Motiv des Falken als Symbol fĂŒr einen Mann in die deutsche Literatur einfĂŒhrte, worauf das Nibelungenlied auch motivlich verweist, indem es die Handlung mit einem Traum Kriemhilds von einem Falken beginnen lĂ€sst. Sangbare (das heißt nicht unbedingt: gesungene) Strophenepik unterscheidet sich deutlich von der zeitgleichen höfischen ErzĂ€hlliteratur, vor allem dem Antiken- und Artusroman, die fast ohne Ausnahme in (gesprochenen) Reimpaarversen gehalten ist. In dieser Hinsicht war das Nibelungenlied „archaischer“ als die „moderne“ Ritterliteratur eines Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach (der sich in seinem ‚Titurel‘ allerdings auch in strophischer Epik versuchte) und Gottfried von Straßburg.

Die, je nach Fassung, etwa 2.400 Strophen des Nibelungenlieds sind in 39 Ăąventiuren (sprich: AventĂŒren) untergliedert, kapitelartige ErzĂ€hleinheiten von variabler LĂ€nge, die in den meisten Handschriften Überschriften tragen. Diese Überschriften und die Bezeichnung der Abschnitte als ‚AventĂŒren‘ gehen jedoch nicht auf den Autor zurĂŒck: jede Handschrift setzt andere Titel, und die dem Original am nĂ€chsten stehende St. Galler Handschrift setzt gar keine Titel ĂŒber die Abschnitte, sondern gliedert nur durch AbsĂ€tze und Initialenschmuck.

An der Sprache und ErzĂ€hlhaltung des Nibelungenliedes lĂ€sst sich ein zweifaches Dilemma ablesen: Nicht nur die Kluft zwischen (von der Forschung vermuteter) mĂŒndlicher Improvisationstradition und Literarisierung (MĂŒndlichkeit gegenĂŒber Schriftlichkeit) wollte ĂŒberbrĂŒckt sein; daneben war auch die auf völkerwanderungszeitliche (pseudo-)historische Sagenstoffe zurĂŒckgehende Tradition in ein christlich-hochadelig-höfisches Umfeld zu adaptieren.

Vor allem zu Beginn der Forschungen am Nibelungenlied entstand die Vermutung, der Kern der Nibelungensage sei 700 Jahre lang durch EpensĂ€nger mĂŒndlich tradiert worden. Wie diese mĂŒndliche Tradition ausgesehen haben könnte, ist weitgehend unbekannt. Die ‚Improvisationstheorie‘ wurde nur in Anlehnung an die Vortragsweise der Guzlaren am Balkan gebildet; im germanischen Raum ist nichts Ähnliches belegt. Was wir besitzen, ist eine AufzĂ€hlung beim Publikum beliebter Stoffe in einer Strophe des Marners, eines Fahrenden aus der Mitte des 13. Jahrhunderts, der beklagt, dass die Leute lieber von Siegfrieds Tod, dem Verrat Kriemhilds an ihren BrĂŒdern, dem Nibelungenhort (und einigen anderen Heldensagen, die nicht dem Nibelungenkreis angehören) hören, als von seinen gelehrten Liedern. Das scheinen kĂŒrzere Teilepisoden der Sage gewesen zu sein.

Dabei entstanden unzĂ€hlige Varianten der Geschichte; verschiedene Sagenkreise wurden aneinandergeknĂŒpft, Figuren wechselten ihre Rolle und weiteres. Kein Wille eines Autors konnte den Stoff fixieren. Vor 1200 hatte man anscheinend noch nie eine Umsetzung dieser Sage in eine buchliterarische Form versucht.

So weist das Nibelungenlied – als Erstling einer neuen literarischen Tradition â€“ sowohl (inhaltliche) Spuren seiner „autorlosen“ Vorgeschichte wie (sprachliche) Spuren der Dichtersprache der mĂŒndlichen ErzĂ€hlkunst auf; aber zugleich zeigt es ZĂŒge des „großen“ antik-historischen Buchepos, an denen sich der Verschriftlichungsprozess sicherlich orientierte.

Die bekannte Eingangsstrophe ist ein, wohl erst spĂ€ter von der Fassung „C“ eingefĂŒgter einleitender Zusatz:[6]

Uns ist in alten mĂŠren   wunders vil geseit
von helden lobebĂŠren,   von grĂŽzer arebeit,
von freuden, hĂŽchgezĂźten,   von weinen und von klagen,
von kĂŒener recken strĂźten   muget ir nĂ» wunder hƓren sagen.

Uns wird in alten ErzÀhlungen viel Wunderbares berichtet,
von rĂŒhmenswerten Helden, großer KampfesmĂŒhe,
von Freuden, Festen, von Weinen und von Klagen;
von den KĂ€mpfen kĂŒhner Helden könnt ihr nun Wunderbares erzĂ€hlen hören.

mĂŠre ‚Nachricht; ErzĂ€hlung‘ – wunders vil ‚viel des Wunderbaren‘ = ‚viel Wunderbares‘ – lobebĂŠre ‚rĂŒhmenswert‘ (wörtlich: ‚lobbar‘) – arebeit ‚MĂŒhe‘ (jede Art von Anstrengung, nicht nur Arbeit; fĂŒr Helden insbesondere der Kampf) – hĂŽchgezĂźt ‚Fest‘ – kĂŒene ‚kĂŒhn; mutig‘ – recke ‚Krieger; Held‘ – strĂźt ‚Streit; Kampf‘ – 'mugen ‚können‘ – nĂ» ‚nun; jetzt‘ – sagen ‚sagen; erzĂ€hlen‘.

Vermutet wird, dass vorgĂ€ngige Versionen, wie die Handschrift „B“, mit der Vorstellung Kriemhilds begannen:

Ez wuohs in Burgonden      ein vil edel magedĂźn,

daz in allen landen      niht schoeners möhte sĂźn,
Kriemhild geheizen.      Si wart ein schoene wĂźp.
dar umbe muosen degene      vil verliesen den lĂźp.

Es wuchs im Burgundenland eine Prinzessin auf
[wörtlich: ein sehr adliges MÀdchen]
so schön, dass es auf der ganzen Welt nichts Schöneres geben könnte,
Kriemhild genannt. Sie wurde eine schöne Frau.
Deswegen mussten viele Helden das Leben verlieren.

in allen landen wörtlich: ‚in allen Landen‘; frei: ‚auf der ganzen Welt‘ – möhte ‚könnte‘ – sĂźn ‚sein‘ – wart ‚wurde‘ – wĂźp ‚Frau‘; nicht ‚Weib‘ – degen ‚Krieger‘ – verliesen ‚verlieren‘ – lĂźp wörtlich ‚Leib‘; hier ‚Leben‘.

Viele berĂŒhmte Szenen der Sage, wie der Drachenkampf Jung-Siegfrieds etwa, tauchen im Nibelungenlied nur in Form von ErwĂ€hnungen auf; die ganze Vorgeschichte wird entweder als bekannt vorausgesetzt oder, wahrscheinlicher, zu Gunsten Kriemhilds als Hauptfigur reduziert. Das Lied ist stilistisch von den AnsprĂŒchen des mĂŒndlichen Vortrags geprĂ€gt, denn Alltagssprache und höfische Sprache mischen sich ebenso, wie bereits damals schon historisches Vokabular und zeitgenössische Begriffe des frĂŒhen dreizehnten Jahrhunderts.

Kunstvoller literarischer Ton und komplizierte Konstruktionen wechseln mit formelhaftem Sprechen und einfachen, fast distanzierten Schilderungen durch den ErzÀhler, der sich selbst nur an wenigen Stellen des Werks erwÀhnt.

Sozialstruktur

Die literarische Version der Zeit um 1200 thematisiert anhand der Personen unterschiedliche Konzepte feudaler Gesellschaft: Siegfried verkörpert einen Herrschertyp, dessen Herrschaft auf körperlicher StĂ€rke beruht, aber auch auf ererbtem königlichem Rang und der Akzeptanz der Gefolgsleute, die er sich durch weise Urteile verdient. König Gunther reprĂ€sentiert einen Herrscher, dessen Macht sich auf Familienangehörige und Ministeriale stĂŒtzt, und der den Kampf um Herrschaft delegiert. Dietrich von Bern und Etzel wirken durch eine AutoritĂ€t, die zum Teil auf dem Einsatz ihrer krĂ€ftigen Stimme beruht. Dazu kommt bei Dietrich, dass er nicht nur die Rechte des Herrn ĂŒber die Gefolgschaft wahrnimmt, sondern bereit ist, seinen Leuten dafĂŒr auch Schutz angedeihen zu lassen, und aus der Wechselseitigkeit des TreueverhĂ€ltnisses Ernst macht. Dietrich beweint den Tod seiner Leute, auch wenn sie ihn selbst verschuldeten, auch aus Mitleid mit ihnen und nicht nur als sein UnglĂŒck, dass er dadurch Gefolgsleute verlor (im Gegensatz zu Gunther, den nur erzĂŒrnt, dass man ihn der Gefolgsleute beraubt, wenn sie erschlagen werden, aber keine Trauer ĂŒber ihren Tod zeigt). Bei Etzel kommt zur AutoritĂ€t Toleranz hinzu (er duldet Christen und Heiden nebeneinander an seinem Hof) und die Bereitschaft, Vertriebenen aus vielen LĂ€ndern Gastfreundschaft zu gewĂ€hren. Der zentrale Konflikt ist der zwischen VasallitĂ€t, die Unterordnung und Gehorsam verlangt, und einer modernisierten Feudalherrschaft, die nicht mehr oder nur zum Teil auf dem Lehnswesen fußt. So sehen es jedenfalls derzeit viele Interpreten; da Begriffe wie „VasallitĂ€t“ und „MinisterialitĂ€t“ im Nibelungenlied nicht genannt werden, sondern nur das Ergebnis von Interpretationen sind, ist diese Sichtweise stark umstritten. Der Begriff ‚Vasall‘ wird in Deutschland im Hochmittelalter fast nie (mehr) gebraucht; er trifft eigentlich nur auf die VerhĂ€ltnisse in Frankreich zu, von denen sich die deutschen auch um 1200 ziemlich stark unterscheiden. WĂ€hrend die MinisterialitĂ€t um 1200 gerade nicht aus der Verwandtschaft der Herrscher kam, sind am Wormser Hof die bedeutendsten Positionen durch Verwandte der Könige besetzt (Hagen von Tronje, Dankwart, Ortwin von Metz). Die soziale Welt des Nibelungenliedes gibt sich, zumindest teilweise, archaisch. Vor allem in der Denkwelt Hagens ist ein zentraler Begriff ‚mitfolgen‘, das heißt, der Gefolgsmann muss mit dem Herrn mitkommen (auf Reisen oder KriegszĂŒge), wenn dieser es befiehlt. Dem Namen nach ist also das alte Gefolgschaftswesen noch lebendig, wenn es sich auch inhaltlich stark vom sogenannten ‚altgermanischen Gefolgschaftswesen‘ unterscheidet.

Geschlechterrollen

Auch die Geschlechterrollen werden problematisiert: Die Wormser Könige werden nicht als solche eingefĂŒhrt, sondern in ihrer Eigenschaft als Vormunde ihrer Schwester Kriemhild, der Hauptfigur. Sie steht nach dem Tod des Vaters zunĂ€chst unter der Vormundschaft der BrĂŒder, nach ihrer Verheiratung unter der des Gatten. Ihre SchwĂ€gerin BrĂŒnhild akzeptiert die Vorherrschaft des Mannes nur, wenn er sie besiegen kann, dann aber vollstĂ€ndig. Im Gegensatz dazu akzeptiert Kriemhild die Geschlechterrollen zunĂ€chst vollstĂ€ndig, obwohl sie mehrfach mit ihnen Schwierigkeiten hat: Als sie anlĂ€sslich ihrer Eheschließung verlangt, dass ihr, als einem von vier Kindern des verstorbenen Vaters, die BrĂŒder einen Anteil am Erbe herausgeben, sind alle MĂ€nner dagegen, auch ihr Gatte Siegfried. Vor allem fĂŒr Hagen ist es unvorstellbar, dass er in Zukunft Gefolgsmann einer Frau werden könnte. Es ist ererbte Verpflichtung seiner Familie, ‚den Königen‘ zu dienen. Dass das einmal eine Frau sein könnte, ist fĂŒr ihn undenkbar. Er fĂŒhlt sich durch dieses Ansinnen von Kriemhild schwer beleidigt. Trotzdem ordnet Kriemhild sich zunĂ€chst unter; sogar das ZĂŒchtigungsrecht des Gatten akzeptiert sie (als Siegfried sie zur Strafe verprĂŒgelt, weil sie BrĂŒnhild beleidigte). Erst als ihr nicht nur der Gatte ermordet wird, sondern dann auch noch ihr Vermögen, durch fortgesetzten gemeinen Betrug, geraubt, und die BrĂŒder in diesem Konflikt immer mehr zu Hagen halten, aus Treue zum Gefolgsmann, die sie höher werten als die Treue zur Schwester, wĂ€chst sie aus dieser Rolle heraus: „Wenn ich ein Ritter wĂ€re“, wĂŒnscht sie sich (Strophe 1413 der Fassung „B“). Als sie schließlich ganz die Rolle der Frau verlĂ€sst und selbst zum rĂ€chenden Schwert greift, mit dem sie Hagen den Kopf abschlĂ€gt, kann das die MĂ€nnerwelt nicht ertragen: Obwohl Hildebrand selbst Hagen zu erschlagen versucht hatte, ist es fĂŒr ihn undenkbar, dass ein Held durch die Hand einer Frau stirbt, und er erschlĂ€gt sie dafĂŒr. Mit dem vollstĂ€ndigen Verlassen der von ihr zunĂ€chst gelebten Rolle der Frau ist auch ihr Leben beendet.

So werden drei Frauenbilder vorgestellt:

  • das moderne höfische, das zunĂ€chst das Kriemhilds ist, das Freude der Gesellschaft und Liebe fĂŒr den Einzelnen und die Möglichkeit individueller Wahl des Partners durch die Frau mit Unterordnung unter die patriarchale Herrschaftsordnung zu vereinen versucht (was aber misslingt).
  • als Gegenkonzept das archaisch-mythische BrĂŒnhilds, die die Herrschaft des Mannes nur akzeptiert, wenn er die Frau zu besiegen vermag. Ihr entspricht auch die Einstellung Siegfrieds, der seinem Kampf im Bett gegen BrĂŒnhild gesellschaftsrelevante, gleichsam mythische Dimensionen gibt und diesen Kampf als Kampf des Mannes gegen die Frau schlechthin sieht (Strophe 670 in Hs. B): „O weh“, dachte der Held, „wenn ich jetzt durch eine Jungfrau das Leben verliere, dann dĂŒrfen alle Frauen von jetzt an in alle Zukunft gegen ihren Mann aufmĂŒpfig sein, auch eine, die es sonst nie tun wĂŒrde.“
  • unauffĂ€llig im Hintergrund das Frauenbild von Kriemhilds Mutter Ute, die ihr eigenes Leben als glĂŒcklich empfindet und aus dem Schutz durch die mĂ€nnlichen Verwandten Sicherheit schöpft. Dieses Frauenbild einer alten Generation wird durch das neue, zum Scheitern verurteilte Konzept individueller höfischer Liebe und gesellschaftlicher Freude bedroht.

Die Rolle des Mannes wird von Siegfried, Dietrich, RĂŒdiger von Bechelaren und Etzel unterschiedlich, und in jedem Fall abweichend von der Sichtweise des Wormser Hofes gesehen, an dem eine ziemlich einheitliche Sichtweise von richtig mĂ€nnlichem Verhalten herrscht: Über alles geht die Treue zum Kriegerkameraden; auch wenn er sich ins Unrecht gesetzt hat, ist er bedingungslos gegen seine Gegner zu unterstĂŒtzen. Das höchste Ziel des Kriegers wird am deutlichsten ausgesprochen von Wolfhart, einem jungen Heißsporn unter den Leuten Dietrichs von Bern: der Nachruhm nach einem Heldentod. Das gewĂ€hrt ihm das Nibelungenlied auch: Wolfhart erhĂ€lt von einem König, Giselher, eine tödliche Wunde, ist aber nicht sofort tot. Da er weiß, dass er gleich sterben wird, ist Verteidigung sinnlos. Er kann daher den Schild wegwerfen, mit beiden HĂ€nden das Schwert packen und so fest auf Giselhers Haupt schlagen, dass dessen Helm bricht. Giselher ist sofort tot. Wolfhart kann im Sterben noch sehen, dass ein wĂŒrdiger Gegner ihn fĂ€llte, er selbst sich dafĂŒr rĂ€chen konnte und außerdem sein Oheim Hildebrand anwesend ist, der den Nachruhm Wolfharts verbreiten kann. Er stirbt glĂŒcklich (Strophe 2299 in Hs. B). Dagegen beweint Dietrich Wolfharts Tod: dieses Heldenideal gilt nicht fĂŒr alle.

Das Streben nach Nachruhm ist als entscheidender Motor fĂŒr Hagens Handlungen zu sehen und erklĂ€rt sein Verhalten ab dem Zeitpunkt, als er durch eine Weissagung erfĂ€hrt, dass alle Teilnehmer der Reise ins Hunnenland dort den Tod erleiden werden: er fordert das Schicksal heraus, insbesondere den Hunnenkönig, in der Hoffnung, sich gegen dessen stĂ€rkste Krieger bewĂ€hren zu können. Das Schicksal beschert ihm dagegen den Tod durch die Hand einer Frau.

Die Handlung

Das Nibelungenlied lĂ€sst sich in zwei Teile gliedern: Im ersten Teil steht Kriemhilds erste Ehe mit Siegfried und Siegfrieds Tod, im zweiten ihre Rache im Mittelpunkt. Das rĂ€umliche Umfeld ist das Burgundenreich am Rhein, sowie (im zweiten Teil) SĂŒdostdeutschland und das Donaugebiet des heutigen Österreichs und Ungarns.

Erster Teil

1. AventĂŒre

Am Königshof in Worms lebt Kriemhild mit ihren drei BrĂŒdern Gunther, Gernot und Giselher, die ihre Vormunde sind, und ihrer Mutter Ute. Ihr Vater ist bereits verstorben. Wichtige Gefolgsleute der Könige sind Hagen von Tronje, ein Verwandter der Könige und ihr wichtigster Ratgeber, Hagens Bruder Dankwart und aus deren Verwandtschaft weiterhin Ortwin von Metz, sowie unter den Hofbeamten der KĂŒchenmeister Rumold. Kriemhild trĂ€umt, dass sie einen Falken aufzieht, den zwei Adler zerfleischen. Ihre Mutter deutet den Traum: der Falke bedeutet einen edlen Mann, und Kriemhild lĂ€uft Gefahr, ihn zu verlieren, wenn Gott ihn nicht beschĂŒtzt. Kriemhild weist den Gedanken an Mann und Liebe von sich; sie will bis zu ihrem Tod "schön" (das bedeutet: 'jungfrĂ€ulich') bleiben, weil die Liebe schon vielen Frauen Leid brachte. Die Mutter versucht, sie zu beruhigen und weder den Traum noch die Liebe, die den Menschen glĂŒcklich mache, als gefĂ€hrlich darzustellen. Trotzdem wird Kriemhild lange Zeit die Liebe ablehnen.

2. AventĂŒre

Nun wird Siegfried vorgestellt, der Sohn König Siegmunds und Königin Sieglindes von Xanten am Niederrhein. Er hat wunderbare Anlagen und wird von weisen Erziehern zu einem vorbildlichen zukĂŒnftigen Herrscher erzogen. Siegfried wird als kampfgewandter und mutiger junger Mann beschrieben, der oft seine KrĂ€fte erprobt. Wichtigstes Ereignis in Siegfrieds Jugend ist seine Schwertleite (Ritterschlag); das erste der Feste im Nibelungenlied und das einzige, auf dem niemand Leid empfindet, sondern alle nur Freude. AnlĂ€sslich der Vergabe der erblichen Lehen durch Siegfried an die Lehnsleute der nĂ€chsten Generation auf diesem Fest Ă€ußern die mĂ€chtigen Herren, dass sie auch eine HerrschaftsĂŒbernahme durch Siegfried gerne sehen wĂŒrden. Er macht sich jedoch nichts aus Herrschaft und tritt freiwillig hinter seine Eltern zurĂŒck, obwohl er die Aufgaben des Königs, insbesondere das Richteramt, gerne wahrnimmt. Dieser Zug Siegfrieds: die Aufgaben eines Herrschers leicht und gerne zu erfĂŒllen, aber nicht die formalen Ehren der Herrschaft fĂŒr sich anzustreben, wird fĂŒr ihn bis zu seinem Tod kennzeichnend sein.

3. AventĂŒre

Siegfried will um Kriemhild werben, die alle Werber abweist. Doch seine Eltern, Siegmund und Sieglinde, sind zunĂ€chst dagegen. Siegmund hat anscheinend Sorge, dass ein Krieg mit den Burgunden ausbrechen könnte – das mĂ€chtige Wormser Reich wĂŒrde wohl nicht eine Prinzessin an das kleinere Xantener Reich verheiraten –, und Sieglinde sorgt sich um das Leben ihres Sohnes. Sie raten ihm vehement ab, doch Siegfried ist fest entschlossen, um Kriemhild, notfalls mit Gewalt, zu freien. Am Ende setzt er seinen Willen durch und trotz ihrer Sorgen und Bedenken unterstĂŒtzen ihn seine Eltern bei diesem Vorhaben. Schließlich bricht Siegfried mit nur 12 GefĂ€hrten nach Worms auf. Als sie dort ankommen, ahnt Hagen, dass der Ankömmling Siegfried ist, und erzĂ€hlt dem Hof aus dessen Geschichte: Siegfried erwarb den wunderbaren Hort des verstorbenen Königs Nibelung, indem er dessen Söhne erschlug. Diese waren bei der Erbteilung in Streit geraten und hatten Siegfried gebeten, ihnen den Hort zu teilen. Aber auch mit seiner Teilung waren sie nicht einverstanden und gingen zornig auf ihn los. Vorausschauend hatte Siegfried im Voraus als Lohn fĂŒr die Erbteilung Balmung, das Schwert des Nibelung, verlangt, und erschlug damit sie und die Riesen in ihrem Gefolge. Der Zwerg Alberich bewachte den Hort in einer unsichtbar machenden Tarnkappe. Siegfried konnte ihm die Tarnkappe abnehmen und ihn fesseln. Alberich musste fortan als KĂ€mmerer den Hort fĂŒr Siegfried bewachen. Außerdem, setzt Hagen fort, erschlug Siegfried einmal einen Drachen, badete in dessen Blut und besitzt seither eine unverletzliche Hornhaut. Das erste, was Hagen von Siegfried berichtet, ist der Erwerb des Hortes: Hagens Gedanken sind immer wieder auf dessen Besitz fixiert. Gunther geht daraufhin Siegfried entgegen (was ehrenvolle Anerkennung von Gleichrangigkeit bedeutet), aber Siegfried fordert unter Berufung auf seine königliche Abstammung Gunther zum Zweikampf heraus; dem Sieger solle das Erbe des Unterlegenen gehören. Der Wormser Hof geht darauf nicht ein: das Burgundenreich ist ein Erbreich; man hat es weder nötig, jemandem sein Reich mit Gewalt abzunehmen, noch will man es gegen Gewalt abtreten. Fast kommt es zu einem Kampf, doch im letzten Moment greift Gernot ein und verhindert ihn. Stattdessen schlĂ€gt er vor, Siegfried möge als Gast bleiben, was dieser gerne annimmt. Allerdings bekommt er Kriemhild ein Jahr lang nicht zu sehen und erwĂ€hnt auch nicht, dass sie der Grund seines Kommens ist. WĂ€hrend die Prinzessin vor den Augen der Ritter, also auch Siegfrieds, verborgen gehalten wird, kann sie von oben, aus den Fenstern der Kemenate, ohne gesehen zu werden, die Spiele der Ritter im Burghof beobachten, bei denen Siegfried sich glĂ€nzend hervortut. Sie verliebt sich in ihn, ohne dass er weiß, dass sie ihn schon gesehen hat.

4.–5. AventĂŒre

Als die Sachsen und DĂ€nen mit einem ĂŒbermĂ€chtigen Heer dem Wormser Reich den Krieg erklĂ€ren, bietet Siegfried seine Hilfe an. Er leitet umsichtig den Kriegszug und besiegt außerdem persönlich die beiden feindlichen Könige im Zweikampf. Da man erkannt hat, dass Kriemhild Siegfried zu seiner Hilfeleistung motivierte, versucht man beim Siegesfest, ihn mit Kriemhild zu ködern, um weiterhin seiner Hilfe sicher zu sein. WĂ€hrend des Festes tauschen Kriemhild und Siegfried liebevolle Blicke.

6.–8. AventĂŒre

Trotzdem will Siegfried erst werben, wenn er auch Gunther zu einer Braut verholfen hat: Gunther hat sich BrĂŒnhild in den Kopf gesetzt, die Königin von Island, von der Siegfried abrĂ€t: BrĂŒnhild besitzt, so lange sie Jungfrau bleibt, ĂŒbernatĂŒrliche, magische KrĂ€fte und ist nicht bereit, sich einem Mann hinzugeben, der sie nicht in drei Kampfspielen besiegen kann: Steinwurf, Weitsprung und Speerwurf. Misslingt es ihm, ist sein Leben verwirkt. GelĂ€nge es ihm, wĂ€re sie bereit, seine Überlegenheit anzuerkennen und seine Frau zu werden. Gunther könnte das nie leisten. Siegfried ist sowohl ortskundig, denn er war schon an BrĂŒnhilds Hof und kennt sie persönlich, als auch krĂ€ftig genug, die Spiele zu bestehen, hat allerdings trotzdem nicht um sie geworben. Hagen rĂ€t, Siegfried möge Gunther zu ihr verhelfen. Siegfried verspricht es, wenn Gunther ihm dafĂŒr Kriemhild zur Frau gibt. Auf mĂ€rchenhafte Weise segeln Gunther, Siegfried, Hagen und Dankwart nur zu viert in einem kleinen Schifflein nach Island.

BrĂŒnhild erwartet zunĂ€chst, dass Siegfried um sie werben wolle. Um nicht ihren Verdacht zu erregen, warum er mitkommt, gibt Siegfried sich als Gefolgsmann Gunthers aus und erklĂ€rt, er komme nicht freiwillig mit. Um diese TĂ€uschung zu vervollkommnen, leistet Siegfried fĂŒr Gunther den Stratordienst: er fĂŒhrt Gunthers Pferd vor aller Augen am ZĂŒgel. Daraufhin akzeptiert BrĂŒnhild, dass Gunther um sie werben will, und wird zu ihrer Überraschung von ihm, den sie fĂŒr schwach einschĂ€tzte, besiegt: Durch die Tarnkappe unsichtbar gemacht, besiegt Siegfried BrĂŒnhild so, dass sie glaubt, Gunther habe den Sieg mit eigener Kraft errungen. BrĂŒnhild lĂ€sst ihre Gefolgsleute herbeiholen, um die Herrschaft an Gunther zu ĂŒbergeben. Hagen befĂŒrchtet, diese Übermacht könnte sie ĂŒberfallen.

Daher fĂ€hrt Siegfried, durch die Tarnkappe unsichtbar, mit dem Schifflein ins Nibelungenland und holt tausend Nibelungen herbei – nachdem er den TorwĂ€chter und seinen KĂ€mmerer Alberich inkognito auf ihre Treue ĂŒberprĂŒft und dabei verprĂŒgelt hat. Nun ĂŒbergeben BrĂŒnhild und Gunther die Verwaltung Islands an einen Verwandten BrĂŒnhilds; man reist nach Worms ab.

9. AventĂŒre

Gunther will Hagen als Boten voraus schicken, damit in Worms ein festlicher Empfang vorbereitet werden kann. Hagen aber lehnt ab, da er kein Bote sei. Gunther solle stattdessen Siegfried bitten. Siegfried weist diese Zumutung zunĂ€chst zurĂŒck, doch als Gunther ihn bittet, Kriemhild zuliebe den Auftrag auszufĂŒhren, sagt Siegfried zu. Er entledigt sich bestens dieser Aufgabe, und alles wird fĂŒr den Empfang vorbereitet.

10. AventĂŒre

BrĂŒnhild kommt in Worms an. Hier ist alles anders: Siegfried wird, zu ihrer Verwunderung, genau so königlich behandelt wie Gunther. Es gibt eine Doppelhochzeit: Gunther – BrĂŒnhild und Siegfried – Kriemhild. Kriemhilds VermĂ€hlung mit dem vermeintlichen Gefolgsmann Siegfried erscheint BrĂŒnhild als eine Mesalliance. BrĂŒnhild weint an der Hochzeitstafel und verlangt von Gunther AufklĂ€rung. Um die Ehe nicht zu gefĂ€hrden, darf sie nicht erfahren, dass sie einem Betrug aufgesessen ist. Gunther verweigert ihr daher die Auskunft. Da beschließt sie, den Vollzug der Ehe zu verweigern, bis er ihr die Wahrheit gesteht. Da Gunther das nicht tun kann, fesselt ihn BrĂŒnhild in der Hochzeitsnacht mit ihrem GĂŒrtel und hĂ€ngt ihn an einen Nagel an der Wand, weil er ihr nicht verrĂ€t, warum seine Schwester Kriemhild nicht zu gut als Frau fĂŒr Siegfried ist, obwohl Siegfried Gefolgsmann Gunthers sei. Erst am Morgen nimmt sie ihn ab. Wieder muss Siegfried helfen: In der nĂ€chsten Nacht schleicht er, durch die Tarnkappe unsichtbar, in Gunthers Schlafzimmer und ringt BrĂŒnhild im Ehebett nieder, bis sie sich freiwillig ergibt. Dann tauschen Gunther und Siegfried die PlĂ€tze und Gunther vollzieht die Ehe. Erst durch den Verlust der JungfrĂ€ulichkeit verliert sie ihre magischen KrĂ€fte und ist so schwach wie eine normale Frau. Es ist keine Vergewaltigung, sondern nachdem der vermeintliche Gatte sie niedergerungen und ihr seine StĂ€rke bewiesen hat, ergibt sie sich freiwillig. WĂ€hrend des Kampfes entwendet Siegfried heimlich BrĂŒnhilds Ring und GĂŒrtel und schenkt sie spĂ€ter seiner Frau Kriemhild als BeweisstĂŒcke, wo er in der Nacht nach der Hochzeitsnacht gewesen war.

11. AventĂŒre

Siegfried und Kriemhild reisen am Ende der Hochzeitsfeierlichkeiten in ihr Reich ab. Da kommt es zur ersten Meinungsverschiedenheit. Kriemhild wĂŒnscht, dass ihre BrĂŒder mit ihr das Erbe teilen. Siegfried ist dagegen, weil er so reich ist, dass sie es nicht nötig hat, ihren BrĂŒdern etwas wegzunehmen. Kriemhilds BrĂŒder wĂ€ren kompromissbereit; Kriemhild selbst ebenfalls: sie wolle doch einen Anteil an den burgundischen Gefolgsleuten, um im neuen Land Vertraute um sich zu haben. Darauf einigt man sich; sie will Hagen von Tronje mit sich nehmen. Hagen ist empört: die Verpflichtung derer von Tronje ist, den Königen zu dienen; an Siegfried verschenken dĂŒrften sie ihn nicht. Eine Frau als Herrscherin kommt also in Hagens Weltbild nicht vor. Damit sind in dieser fĂŒr Kriemhild wichtigen Frage Siegfried und Hagen einer Meinung. Einige Gefolgsleute folgen Siegfried und Kriemhild freiwillig; insbesondere der Graf Eckewart. Kriemhild wird in Niderland prĂ€chtig empfangen; Siegmund ĂŒbergibt die Herrschaft vollstĂ€ndig an Siegfried. Nach neun Jahren gebiert Kriemhild einen Sohn, den man Gunther nennt; etwa zur selben Zeit schenkt BrĂŒnhild ebenfalls einem Sohn das Leben; man nennt ihn Siegfried. Siegfried herrscht außer ĂŒber Niderlant auch ĂŒber Nibelungenland, das mit Norwegen identifiziert wird, und genießt vor allem die unvorstellbaren ReichtĂŒmer des Nibelungenhorts.

12.–13. AventĂŒre

Obwohl seit der Hochzeit lange Zeit vergangen ist, bewegt BrĂŒnhild immer wieder die Frage nach der angeblichen Vasallenstellung Siegfrieds, und vor allem, dass Kriemhild in ihrer Ehe glĂŒcklich ist, obwohl Siegfried auf Island gesagt hatte, er werbe nicht um BrĂŒnhild, weil er nur Gefolgsmann Gunthers sei. Weder Siegfried noch Kriemhild leisteten irgendwelche Dienste fĂŒr Gunther, nun schon viele Jahre lang. BrĂŒnhild ist sich sicher, dass sie irgendwie betrogen wurde, aber sie ahnt nicht, wie und warum. Sie will die Wahrheit wissen. Falls Siegfried wirklich je Gunther untertan gewesen wĂ€re, wĂ€re das durch eine so lange Zeit der Nichtleistung von Diensten lĂ€ngst verjĂ€hrt. Trotzdem verlangt BrĂŒnhild nun von Gunther, er solle Siegfried zum Hofdienst befehlen. Das kann Gunther natĂŒrlich nicht tun. Als Kompromiss lĂ€dt er Siegfried und dessen Frau Kriemhild zu einem Fest nach Worms ein. Siegfried und Kriemhild leben teils im Reich seines Vaters, um Xanten, teils im Nibelungenland; in Norwegen treffen die Boten schließlich die königliche Familie an. Kriemhild ist, trotz ihrer großen Liebe zu Siegfried, Macht und Reichtum und, nach Sieglindes Tod, auch den Machtbefugnissen der Königin, im Nibelungenland unglĂŒcklich und hat Heimweh nach Worms. Auf ihren Wunsch nimmt Siegfried die Einladung an; die Boten kehren nach Worms zurĂŒck. Hagen denkt auch bei dieser Gelegenheit wieder an Siegfrieds Reichtum und den Nibelungenhort: es stört ihn, dass Siegfried die Boten aus Worms reicher beschenkte, als die Burgunden es hĂ€tten tun können.

Siegfried, Kriemhild und Siegmund reisen nach Worms; das Kind wird zurĂŒckgelassen. In Worms werden Siegfried und Kriemhild wieder gleichrangig mit Gunther und BrĂŒnhild behandelt.

14. AventĂŒre

Beim Zusehen eines Turnieres geraten die beiden Königinnen ĂŒber die Frage nach dem Rang ihrer MĂ€nner in Streit: Kriemhild lobt ihren Gatten Siegfried ĂŒberschwĂ€nglich, als dieser sich im Turnier hervortut, und meint, einem so herrlichen Helden stĂŒnde es an, auch ĂŒber das Wormser Reich zu herrschen. Daraufhin erklĂ€rt BrĂŒnhild, dass sie selbst Siegfried habe sagen hören, dass Gunther sein Herr sei. Daher halte sie ihn fĂŒr einen Eigenmann (einen Unfreien) und zu Diensten verpflichtet,[7] – so weit waren Siegfrieds Äußerungen und Handlungen auf Island nicht gegangen (den SteigbĂŒgeldienst als Symbol der Unterordnung hatte auch Papst Hadrian IV. von Kaiser Friedrich I. Barbarossa verlangt â€“ fĂŒr das Publikum des Nibelungenliedes hatte die Frage, wie tief man sich durch den Stratordienst erniedrigt, eine hochpolitische Komponente).[8] Kriemhild gerĂ€t ebenfalls in Zorn. Beide wollen den Streit in der Öffentlichkeit austragen, um zu sehen, ob BrĂŒnhild, die Gemahlin Gunthers, oder Kriemhild, die Gemahlin Siegfrieds, als ranghöher gilt: Diejenige der beiden, die bei der Abendmesse zuerst das MĂŒnster betreten darf, solle als ranghöher gelten. Kriemhild bereitet sich fĂŒr diesen Auftritt entsprechend vor und kleidet sich und ihr Gefolge prĂ€chtig ein. Als BrĂŒnhild Kriemhild vor dem Betreten des MĂŒnsters befiehlt, stehenzubleiben, und sie als eigen diu ('leibeigene Dienstmagd') beschimpft, nennt Kriemhild sie eigen mannes kebse ('die Kebse eines leibeigenen Mannes'), weil Siegfried, nicht Gunther, BrĂŒnhild die JungfrĂ€ulichkeit genommen habe. BrĂŒnhild weint; Kriemhild betritt als erste das MĂŒnster. WĂ€hrend der Messe denkt BrĂŒnhild nach, wieso Kriemhild das hatte sagen können, und beschließt bei sich, Siegfried mĂŒsse sterben, wenn er sich dessen gerĂŒhmt hĂ€tte. Nach der Messe hat sich BrĂŒnhild wieder gefasst und fordert von Kriemhild Beweise. Diese weist nun BrĂŒnhilds Ring und GĂŒrtel vor. BrĂŒnhild weint aufs Neue und ruft Gunther herbei, der Siegfried holen lĂ€sst, er solle aussagen, ob er sich gerĂŒhmt hĂ€tte, BrĂŒnhild die JungfrĂ€ulichkeit genommen zu haben, oder einen Eid leisten, es nicht gesagt zu haben. Siegfried ist sofort bereit, den Eid zu leisten. Doch Gunther erlĂ€sst ihm den Eid, weil ihm Siegfrieds Unschuld bekannt sei. Siegfried schiebt die Schuld auf die Streitsucht der Frauen und betont die Pflicht des Gatten, die Ehefrau zu zĂŒchtigen. Hagen will seine gedemĂŒtigte Herrin rĂ€chen, beziehungsweise nimmt das zum Vorwand; sein Interesse gilt nur dem Nibelungenhort, den er nur in seine Gewalt bekommen kann, wenn Siegfried tot ist. Hagen schlĂ€gt Gunther im „Mordrat“ die Ermordung Siegfrieds vor. Hagen von Tronje hĂ€lt Siegfried fĂŒr eine Bedrohung des Hofes von Worms und ĂŒberzeugt Gunther davon, dass es ihm nĂŒtzt, wenn man Siegfried ermordet: man könne dann die ungeheuren ReichtĂŒmer Siegfrieds an sich reißen. Zögernd gibt Gunther nach und trĂ€gt daraufhin die Verantwortung fĂŒr Hagens Taten.

15.–16. AventĂŒre

Gunther und Hagen lassen falsche Boten auftreten, sie sollten eine Erneuerung des Sachsenkrieges ankĂŒndigen. Siegfried ist sofort wieder zur Hilfe bereit. Hagen gelingt es, Kriemhild das Geheimnis zu entlocken, dass eine Stelle von Siegfrieds RĂŒcken, die beim Bad im Drachenblut von einem Lindenblatt bedeckt wurde, verwundbar blieb, indem er ihr vorspiegelt, im Krieg diese Stelle beschĂŒtzen zu wollen. Sie solle diese Stelle auf Siegfrieds Kleidung durch ein Kreuzchen markieren. Als er dies erreicht hat, kann der erlogene Kriegszug durch neue fingierte Boten, die die KriegserklĂ€rung rĂŒckgĂ€ngig machen, abgesagt werden. Stattdessen lĂ€sst Gunther eine Jagd ansetzen.

Als Siegfried sich von Kriemhild verabschiedet, um an dem Jagdausflug teilzunehmen, ahnt sie, dass es unvorsichtig gewesen war, Hagen das Geheimnis anzuvertrauen. Sie versucht, durch ErzĂ€hlung warnender TrĂ€ume Siegfried zu ĂŒberreden, nicht an der Jagd teilzunehmen, wagt aber nicht, ihm ihre unkluge Handlung zu gestehen. Siegfried nimmt die Warnung nicht ernst und nimmt an der Jagd teil. Er ist der erfolgreichste JĂ€ger. Hagen lĂ€sst mit Gunthers Zustimmung den Wein an einen falschen Ort senden; als Siegfried dĂŒrstet, schlĂ€gt er einen Wettlauf zu einer Quelle im Wald vor; Siegfried solle zeigen, wie schnell er laufen könne. Siegfried schlĂ€gt daraufhin vor, mit Hagen um die Wette zu laufen. Siegfried gewinnt den Wettlauf, wartet jedoch aus Höflichkeit, bis auch Gunther nachgekommen ist und getrunken hat. Dann beugt Siegfried sich ĂŒber die Quelle. Nun kann Hagen Siegfried von hinten mit dessen Speer ermorden. Der Sterbende schilt den feigen Mord als verĂ€chtlich; am verĂ€chtlichsten sei Gunthers Haltung. Hagen ist stolz, die Herrschaft der burgundischen Könige gesichert und ihren Reichtum vergrĂ¶ĂŸert zu haben.

17.–19. AventĂŒre

Johann Heinrich FĂŒssli, Kriemhild wirft sich auf den toten Siegfried, 1817

Die Mörder kehren nachts ĂŒber den Rhein nach Worms zurĂŒck. Hagen lĂ€sst Siegfrieds Leichnam vor Kriemhilds KammertĂŒr werfen. Sie glaubt sicher zu wissen, wer der Mörder war, hat aber keine rechtstauglichen Beweise. Bei der 'Bahrprobe' beginnen Siegfrieds Wunden zu bluten, als Hagen herantritt. Es war allgemeiner Glaube, dass die Wunden eines Toten bluten, wenn der Mörder an die Bahre tritt. Gunther leistet aber einen Reinigungseid fĂŒr Hagen, dass dieser unschuldig sei und Siegfried von RĂ€ubern erschlagen wurde.

Siegmund kehrt wieder in sein Land zurĂŒck und bietet Kriemhild an, mitzukommen. Ute, Giselher und Gernot ĂŒberreden sie jedoch zum Bleiben, da sie in Niederland nur den Schutz einer einzigen Person, des schon alten Siegmund, habe. Die Blutsverwandten könnten ihr besseren Schutz geben als die Verwandten des ermordeten Gatten.

Kriemhild verbringt mehrere Jahre mit Trauer und Gebet. BrĂŒnhild herrscht dagegen stolz und unangefochten, mit ĂŒbermĂŒete ('Hochmut'). Das Weinen Kriemhilds ist ihr gleichgĂŒltig. Hagen bringt die Könige dazu, Kriemhild zu ĂŒberreden, den Nibelungenhort nach Worms kommen zu lassen. Sie benutzt aber den Schatz (ihre Morgengabe, daher ihr Eigentum), um fremde Recken an sich zu binden, indem sie ihnen Geschenke macht, aus denen sie eine Verpflichtung herleiten kann. Hagen ahnt, dass sie damit Freunde gewinnen könnte, die den Mord rĂ€chen und ihm gefĂ€hrlich werden könnten. Er entwendet daher Kriemhild den Schatz und versenkt ihn im Rhein, in der Absicht, ihn bei Gelegenheit zu nutzen. Die drei Könige dulden sein Vorgehen und machen sich dadurch neuerlich mitschuldig. Damit endet der erste Teil.

Zweiter Teil

20.–23. AventĂŒre

Kriemhilds RacheplĂ€ne erhalten eine Chance zur Umsetzung, als 13 Jahre nach Siegfrieds Tod der Hunnenkönig Etzel, der mĂ€chtigste Herrscher der Welt, sie heiraten will. Sie lehnt zunĂ€chst ab und will den Rest ihres Lebens mit Trauer um Siegfried verbringen; aber ihre BrĂŒder raten ihr zu der Heirat. Besonders Giselher hofft, sie mit dieser Heirat, die ihr Ehre und Ansehen zurĂŒckgeben wird, zu ergetzen, das heißt die Schuld (Siegfrieds Tod) zu sĂŒhnen. Nur Hagen erkennt die Gefahr, dass sie als Gattin Etzels ĂŒber große Macht verfĂŒgen wĂŒrde. Der Werber, Markgraf RĂŒdiger von Bechelaren (Pöchlarn an der Donau), verspricht ihr unbedingte Gefolgschaftstreue; daraufhin nimmt sie an. Kriemhild zieht mit großem Gefolge ins Land der Hunnen (Ungarn); Etzel zieht ihr entgegen; die Hochzeit findet in Wien statt. Kriemhild wird zu einer mĂ€chtigen Herrscherin an Etzels Seite und schenkt ihm einen Sohn, Ortliep.

Weitere 13 Jahre spĂ€ter bringt sie in einem taktisch klugen ‚BettgesprĂ€ch‘ Etzel dazu, ihre BrĂŒder und Hagen, dem sie den Mord an Siegfried und den Raub des Nibelungenschatzes niemals verziehen hat, ins Land der Hunnen zu einem Hoffest einzuladen.

24.–27. AventĂŒre

Die Eingeladenen vermuten eine Falle. Zu den Warnern gehören Hagen, der KĂŒchenmeister Rumold, dessen humorvolle Worte berĂŒhmt sind (‚Rumolds Rat‘), sowie die alte Ute. Rumold erinnert nicht nur an Kriemhilds RacheplĂ€ne, sondern auch daran, dass Etzel eine Zeitlang die Vorherrschaft ĂŒber das Burgundenreich beansprucht hatte und Hagen in seiner Jugend eine Zeitlang Geisel am Hunnenhof gewesen war. Gerade wegen der Warnungen, um nicht als Feigling zu gelten, befĂŒrwortet Hagen nun die Reise, obwohl er zunĂ€chst als erster vor ihr gewarnt hatte. Die Burgunden nehmen schließlich die Einladung an und begeben sich auf die Reise entlang der Donau, weil sie der Meinung sind, durch die Mitnahme von 1000 Kriegern (mit 9000 Knechten) genug gegen RacheplĂ€ne Kriemhilds oder HerrschaftsplĂ€ne Etzels geschĂŒtzt zu sein. Zum Abschied hĂ€lt Gunther noch einmal das Beilager mit BrĂŒnhild. Das ist ihr letztes Auftreten im Nibelungenlied. Die Burgunden nehmen von hier an auch den Namen ‚Nibelungen‘ an, was daran erinnert, dass sie sich nun als Besitzer des Hortes fĂŒhlen. WĂ€hrend der Reise an Etzels Hof wird Hagen von zwei weissagenden Wasserfrauen gewarnt, allen stehe der Untergang bevor, nur der Kaplan werde lebend nach Worms zurĂŒckkehren. Hagen will diesen sogleich töten, damit die Prophezeiung sich nicht erfĂŒlle, und wirft ihn, der nicht schwimmen kann, wĂ€hrend der Überfahrt in die Hochwasser fĂŒhrende Donau und stĂ¶ĂŸt ihn noch mit der FĂ€hrstange auf den Grund des Flusses; aber der Kaplan kann sich durch ein Wunder Gottes ans Ufer retten. Damit weiß Hagen: die Prophezeiung ist wahr. Bis zum Ende tut er daher alles, um das Schicksal herauszufordern. Unterwegs erleben sie, neben verschiedenen unheilvollen Vorzeichen, eine erfreuliche und tröstliche Bewirtung: durch RĂŒdiger von Bechelaren, mit dessen Tochter schließlich Giselher verlobt wird. Dadurch hat sich RĂŒdiger beiden Seiten verpflichtet; ahnungslos, dass zwischen Kriemhild und ihren BrĂŒdern ein Konflikt ausbrechen könnte.

28.–30. AventĂŒre

Dietrich von Bern, der, aus seinem ererbten Königreich in Oberitalien vertrieben, mit seinen Getreuen im Exil am Hof Etzels weilt, reitet den Burgunden entgegen, um sie zu warnen, dass Kriemhild noch tĂ€glich um Siegfried weint. Hagen verhöhnt gleich nach der Ankunft an Etzels Hof Kriemhild offen. Er weigert sich, am Hof Etzels die Waffen abzulegen: eine schwere Beleidigung des Gastgebers. Er zeigt demonstrativ, dass er Siegfrieds Schwert mit sich fĂŒhrt. Kriemhild wagt jedoch nicht, aus Angst vor Dietrichs Zorn, dagegen einzuschreiten. Sie versucht, hunnische Krieger dazu aufzureizen, einen Kampf mit Hagen zu beginnen. Diese fĂŒrchten aber die StĂ€rke Hagens und dessen GefĂ€hrten Volker; Kriemhild muss den Plan fallen lassen. Etzel ahnt nichts von den RacheplĂ€nen seiner Frau. Er zeigt jedoch seine Vorrangstellung, indem er die Burgunden lange im Hof warten lĂ€sst, bis sie den Königssaal betreten, und erhebt sich erst von seinem Sitz, um Gunther entgegenzugehen, als dieser den Saal betritt.

Die Burgunden fĂŒrchten, dass, nachdem man bei Tag ihre StĂ€rke fĂŒrchtete, in der Nacht ein heimlicher Überfall erfolgen könnte. Hagen und Volker halten gemeinsam Schildwacht. Volker, der außer als KĂ€mpfer vor allem eine wunderbare Begabung als Musiker besitzt, spielt auf der Fiedel beruhigende Melodien, die den Burgunden die Angst nehmen und sie einschlafen lassen. Die aggressiv-witzigen SprĂŒche und Handlungen Volkers tragen allerdings zur Eskalation des Konflikts bei, so dass eine friedliche Beilegung unmöglich wird. Die 30. AventĂŒre mit der Schilderung der ergreifenden Wirkung der Musik bildet einen besonders lyrischen Abschnitt des Werkes.

31.–33. AventĂŒre

Am nĂ€chsten Tag provozieren Hagen und Volker die Hunnen, da sie ahnen, dass es zu Kampf kommen wird und diesen möglichst schnell herbeifĂŒhren wollen. Andererseits will Kriemhild Etzels Bruder Blödel durch das Angebot großzĂŒgiger Geschenke dazu bringen, Hagen zu töten. Dieser lehnt jedoch zunĂ€chst ab. Ebenso kann Kriemhild ihre BrĂŒder Gernot und Giselher nicht zur Abkehr von Hagen bewegen. Etzel ist den GĂ€sten freundlich gesinnt und will Ortlieb, den sechsjĂ€hrigen Sohn Kriemhilds und Etzels, der christlich getauft wurde, den Burgunden als Bindeglied zwischen beiden Reichen zur Erziehung nach Worms mitgeben. Hagen vermutet in diesem Angebot einen Vormachtsanspruch Etzels und prophezeit den Tod des Kindes.

Angesichts der großzĂŒgigen Angebote Kriemhilds sieht sich Blödel veranlasst, zumindest Dankwart, den Bruder Hagens, der die Knechte beaufsichtigt, zum Zweikampf herauszufordern. Dankwart erschlĂ€gt Blödel und daraufhin erschlĂ€gt eine Schar von Hunnen ihrerseits die wehrlosen Knechte der Burgunden.

Dankwart kĂ€mpft sich blutig durch die Hunnen zum Rittersaal durch und berichtet Hagen den Vorfall. Daraufhin tötet Hagen Ortlieb und fordert die Burgunden auf, die Hunnen umzubringen. Es kommt zum Blutbad. Unter den Burgunden tut sich außer Hagen und den Königen vor allem Volker hervor. Etzel und Kriemhild können den Saal nur unter dem Schutz Dietrichs verlassen. Dietrich empfindet zwar Sympathie fĂŒr die Burgunden, bleibt aber Etzel und Kriemhild treu. Er und RĂŒdiger versuchen zunĂ€chst, neutral zu bleiben.

34.–38. AventĂŒre

Im Laufe der KĂ€mpfe gehen die Helden beider Seiten zugrunde; ein Umschwung tritt ein, als Etzel und Kriemhild RĂŒdiger anflehen, er solle ihnen seine Lehnstreue beweisen. In dem Konflikt zwischen Lehnstreue und Treue zu den zukĂŒnftigen Verwandten entscheidet sich RĂŒdiger fĂŒr die Pflicht und kĂ€mpft mit allen seinen Mannen gegen die Burgunden. Hagen hatte in Pöchlarn von RĂŒdigers Gattin einen Schild als Gastgeschenk erhalten; in einer symbolischen Forderung verlangt er nun RĂŒdigers Schild, da ihm jener zerbrochen sei. Mit der Bereitschaft, seinen Schild Hagen zu ĂŒberlassen, erkennt RĂŒdiger symbolisch seine Verpflichtung an, den Burgunden Schutz zu gewĂ€hren, lĂ€sst jedoch vom Kampf nicht ab. Hagen bewundert RĂŒdigers ethische Gesinnung; er und Volker greifen RĂŒdiger nicht an.[9] Zwischen der Truppe RĂŒdigers und den ĂŒbrigen Burgunden entspinnt sich jedoch ein Gemetzel, in dem Gernot und RĂŒdiger einander töten.

Die unermessliche Klage der Hunnen um den allseits beliebten RĂŒdiger dringt auch an Dietrichs Ohr. Als er die Ursache erfĂ€hrt, schickt er Hildebrand aus, den alten Waffenmeister Dietrichs, von den Burgunden den Leichnam RĂŒdigers zu erbitten, um ihn ehrenvoll begraben zu können. Gegen Dietrichs Willen begleiten jedoch die jungen Heißsporne aus Dietrichs Gefolgschaft Hildebrand. Als Volker sie verspottet, es sei Feigheit, um den Leichnam zu bitten, statt sich ihn im Kampf zu holen, reißt ihnen, vor allem Hildebrands Neffen Wolfhart, die Geduld, und gegen Dietrichs Befehl stĂŒrmen sie in den Kampf. Wolfhart und Giselher erschlagen einander; Hildebrand erschlĂ€gt Volker. Von den Burgunden leben nun nur mehr Gunther und Hagen. Von Dietrichs Leuten kommt nur Hildebrand mit dem Leben davon; er meldet Dietrich den Tod aller seiner Getreuen.

39. AventĂŒre

Dietrich von Bern beklagt den Tod seiner Gefolgsleute; durch die Klage gewinnt er wieder Heldenmut. Mit Hildebrand tritt er vor Gunther und Hagen und fordert Genugtuung fĂŒr die Erschlagenen. Er wĂ€re bereit, Gunther und Hagen das Leben zu schenken, wenn sie sich ihm ergĂ€ben. Vor allem Hagen ist nicht bereit, darauf einzugehen. Da kĂ€mpft Dietrich gegen beide, besiegt sie und ĂŒberantwortet sie gefesselt Kriemhild, mit der Forderung, sie möge ihnen das Leben schenken, wenn sie bereit seien, fĂŒr das ihr angetane Leid EntschĂ€digung zu leisten. Dietrich vertritt den Standpunkt, dass auch fĂŒr einen Mord Geldbuße geleistet werden kann. Kriemhild verlangt von Hagen den Schatz, um Dietrichs Bedingung zu erfĂŒllen – allerdings ohne zu erwarten, dass Hagen darauf eingehen wird. Er erklĂ€rt ihr, das Versteck nicht preiszugeben, solange einer seiner Herren noch lebt. Darauf lĂ€sst Kriemhild Gunther den Kopf abschlagen. Als sie mit dem Haupt ihres Bruders vor Hagen tritt, erklĂ€rt er, nun wĂŒssten nur Gott und er den Aufenthalt des Hortes. Provokant hatte er das Schwert Siegfrieds, das er sich widerrechtlich, durch Leichenraub, nach dem Mord angeeignet hatte, an den Etzelshof mitgenommen. Dieses ergreift nun Kriemhild und, nachdem es den von ihr dazu angestifteten MĂ€nnern nicht gelungen war, sie zu rĂ€chen, schlĂ€gt sie, im Gedenken an ihren toten Geliebten, Hagen eigenhĂ€ndig mit Siegfrieds Schwert den Kopf ab. Die MĂ€nner sind entsetzt, auch Etzel; nicht ĂŒber den Tod Hagens, den er selbst wĂŒnschte, sondern dass der grĂ¶ĂŸte Held durch die Hand einer Frau starb. Zur Rache dafĂŒr erschlĂ€gt Hildebrand Kriemhild; weil sie als Frau wagte, einen Helden zu töten. Am Ende stehen Dietrich von Bern, Hildebrand, Etzel und die ritterliche Gesellschaft weinend vor der Bilanz unsagbaren Elends, und auch der ErzĂ€hler nimmt trauernd Abschied. Die Worte der unerfahrenen Kriemhild aus der EingangsaventĂŒre, „Es hat sich an vielen Frauen gezeigt, dass Liebe am Schluss mit Leid lohnen kann“[10], werden vom ErzĂ€hler in der vorletzten Strophe variiert zu: „wie die Liebe am Schluss immer Leid gibt“[11]. Dieses Leid betrifft aber nicht nur die Liebeshandlung, sondern die ganze höfische Gesellschaft mit ihrem Streben nach Freude, sowohl kollektiver Freude, die im Fest verwirklicht werden soll, als auch nach individueller Freude. Um Freude empfinden zu können, braucht das höfische Individuum vor allem zweierlei: individuelles LiebesglĂŒck mit einem selbst gewĂ€hlten Partner (im Gegensatz zur vorhöfischen Gesellschaft, in der man glĂŒcklich wurde, wenn man gut verheiratet wurde, wie Kriemhilds Mutter Ute in Str. B 14 formuliert), und außerdem Ehre, das ist das Ansehen, das man bei den anderen genießt. Dem Mann wird Ehre vor allem fĂŒr heldenhaften Kampf zuteil. Dieses Streben des Individuums und der höfischen Gesellschaft nach Freude ist am Ende gescheitert.

Nibelungenkenntnis im Mittelalter

Der Stoff der Nibelungensage war im deutschen, nordischen und englischen Sprachraum das ganze Mittelalter hindurch sehr bekannt und verbreitet. Dichter und Geschichtsschreiber erwĂ€hnen gelegentlich Figuren oder Konstellationen der Sage; dabei kann man jedoch nicht immer entscheiden, ob die Kenntnis auf das Nibelungenlied (oder eine seiner Vorstufen) zurĂŒckgeht oder auf eine der zahlreichen anderen Fassungen (Teilversionen) dieses Stoffes.

So erzĂ€hlt im 10. Jahrhundert ein sĂŒddeutscher (vermutlich bairischer) Mönch in dem lateinischen Schulepos Waltharius Hagens und Gunthers Vorgeschichte, die im Nibelungenlied in der 28. AventĂŒre und in der 39. AventĂŒre mehrmals anklingt. Im ‚Waltharius‘ sind Gunther und Hagen Franken, in Worms am Rhein, aber nicht Burgunden wie im Nibelungenlied. Auch dort ist Gunther schatzgierig und raubt mit Hagens Hilfe in einem feigen Überfall in den Vogesen einen Schatz, aber weder Siegfried noch ein anderer Drachentöter kommt vor, sondern die beiden berauben Walther von Aquitanien, der mit seiner Braut Hildegund von Attilas Hof (in Ungarn) floh, dabei Attilas Schatzkiste mitnahm und bei Worms den Rhein ĂŒberquerte.

Dem lateinischen Ruodlieb des 11. Jahrhunderts hat man nachgesagt, dass er von der Siegfriedsage angeregt gewesen sein könnte. Um 1165–1175 erwĂ€hnt der Kleriker Metellus von Tegernsee (Ode 30), dass ein bei den Teutones berĂŒhmtes Lied von den Taten des Roger (RĂŒdiger) und Tetrix (Dietrich) an der Erlaf (heute Erlauf; Fluss, der bei Pöchlarn in die Donau mĂŒndet) handelt. Etwa hundert Jahre frĂŒher muss sich der Bischof Gunther von Bamberg von seinem Domscholaster Meinhart dafĂŒr rĂŒgen lassen, dass er sich immer nur mit Attila und den Amelungen (Dietrich von Bern) beschĂ€ftigt – damit ist die Heldenepik insgesamt angesprochen. Der Spruchdichter Herger (Zweite HĂ€lfte des 12. Jahrhunderts) vergleicht Wernhart von Steinsberg (bei Sinsheim) mit RĂŒedeger von Bechelaeren (26,2). Damals war also am Mittel-/Oberrhein in Adelskreisen der Nibelungenstoff gut bekannt. Der dĂ€nische Geschichtsschreiber Saxo Grammaticus berichtet um 1200, freilich anekdotenhaft, dass ein deutscher cantor (‚Spielmann; SĂ€nger‘) den 1131 ermordeten schleswigschen Herzog Knut habe warnen wollen, indem er speciosissimi carminis contextu notissimam Grimilde erga fratres perfidiam de industria memorare adorsus (‚indem er absichtlich begann, im Kontext eines ausgezeichneten Gedichtes den allseits bekannten Verrat Kriemhilds an ihren BrĂŒdern vorzutragen‘). Auch die Versenkung des Nibelungenhorts im Rhein war sprichwörtlich. Der MinnesĂ€nger Otto von Botenlauben spielt in einem seiner Lieder darauf an (ze loche in dem rine). Literarisch bedeutsame Querbeziehungen hat das Nibelungenlied insbesondere mit dem vermutlich nahezu gleichzeitig entstandenen Parzival-Roman Wolframs von Eschenbach.

Mitte des 13. Jahrhunderts erwĂ€hnt der gelehrte Wanderdichter Marner Kriemhilds Verrat an ihren BrĂŒdern, Siegfrieds Tod und den Nibelungenhort als Publikumsrenner, die er jedoch verachte und nicht im Programm habe. Hugo von Trimberg spricht in seiner höfischen Lehrschrift Renner in einer Ă€hnlichen AufzĂ€hlung von gern gehörten ErzĂ€hlstoffen von Kriemhilds „mort“, von Siegfrieds Drachenkampf und vom Nibelungenhort (V. 16183ff.).

In Schweden und Norwegen waren Teile der Nibelungensage schon um 1000 bekannt. In England erscheint sie schon im Beowulf (spĂ€testens 10. Jahrhundert), doch in ganz anderer Ausformung: der Drachentöter heißt dort Sigmund (im Nibelungenlied: Siegfrieds Vater), und er tötet den Drachen erst, als er schon einen erwachsenen Sohn hat. Auch in Skandinavien, wo die dem deutschen ‚Siegfried‘ entsprechende Figur ‚Sigurd‘ heißt, ist die Geschichte von dessen Vater Sigmund ausfĂŒhrlich erzĂ€hlt und vielleicht Ă€lter als die Sigurdsage. Der Sohn Sigmunds, der im Beowulf genannt wird, ist im Norden Halbbruder Sigurds.

Der Nibelungenstoff im SpÀtmittelalter

Aus dem 15. Jahrhundert stammen Fassungen des Nibelungenlieds, die es im Grunde zu neuen Texten umarbeiten. Generell besteht in der handschriftlichen Überlieferung die Tendenz zur Integration des Stoffes in das Leben des Dietrich von Bern. In diesen Fassungen werden beispielsweise der erste Teil stark reduziert (zum Beispiel Handschrift n) oder neue motivliche Anbindungen gesucht (beispielsweise in der Heldenbuch-Prosa um 1480: Burgundenuntergang als Kriemhilds Rache an Dietrich fĂŒr den Mord an Siegfried im Rosengarten zu Worms).

Im 16. und 17. Jahrhundert wird das strophische Lied vom HĂŒrnen Seyfried (Vom verhornten Siegfried) gedruckt, das in Details wohl auf das 13. Jahrhundert zurĂŒckgeht und manche ZĂŒge aufweist, die sonst nur die nordische Überlieferung kennt. Der Vater Kriemhilds heißt hier Gybich (nordisch: Gjuki); GĂŒnther, Hagen und Gyrnot sind BrĂŒder.

1557 dramatisiert Hans Sachs in seiner „Tragedj mit 17 personen: Der Huernen Sewfrid“ das Lied. Im 17. bis 19. Jahrhundert blieb der Stoff populĂ€r, wie an den mehrfachen Auflagen des Volksbuchs mit dem Titel Eine Wunderschöne Historie von dem gehörnten Siegfried abzulesen ist. Der Ă€lteste bekannte (jedoch nicht erhaltene) Druck dieser Prosa-Umarbeitung erschien 1657 in Hamburg. Dem Zeitgeschmack entsprechend heißt Kriemhild hier Florimunda (Florigunda?).

Rezeptionsgeschichte

Alte Photographie eines BĂŒhnenschauspielers, der Siegfried am Amboss mimt.

Nach der Wiederentdeckung der Handschriften des Nibelungenlieds durch Jacob Hermann Obereit (1755) und der ersten vollstĂ€ndigen Ausgabe in einem Sammelband von Christoph Heinrich Myller (1782) wusste die AufklĂ€rung zunĂ€chst wenig mit mittelalterlicher Dichtung anzufangen. Schuld daran trĂ€gt allerdings nicht nur die ‚aufklĂ€rerische‘ Haltung der Leser, sondern auch, dass die Myller’sche Ausgabe so fehlerhaft ist, dass man den Sinn der Dichtungen sehr oft nicht versteht. Am 22. Februar 1784 schrieb Friedrich der Große an Myller, der seine Sammlung deutscher Dichtungen des Mittelalters (die unter anderem das Nibelungenlied und Wolframs Parzival enthielt) dem König gewidmet hatte, folgendes:

Hochgelahrter, lieber Getreuer!
Ihr urtheilt viel zu vorteilhafft von denen Gedichten aus dem 12., 13. und 14. Seculo, deren Druck Ihr befördert habet, und zur Bereicherung der Teutschen Sprache so brauchbar haltet. Meiner Einsicht nach sind solche nicht einen Schuss Pulver werth; und verdienten nicht aus dem Staube der Vergessenheit gezogen zu werden. In meiner BĂŒcher-Sammlung wenigstens wĂŒrde Ich dergleichen elendes Zeug nicht dulten; sondern herausschmeißen. Das Mir davon eingesandte Exemplar mag dahero sein Schicksal in der dortigen großen Bibliothek abwarten. Viele Nachfrage verspricht aber solchem nicht,
Euer sonst gnÀdiger König Frch.

Goethe las den Weimarer Damen in einer Folge mehrerer Abende das ganze Nibelungenlied vor (aus der Ausgabe von der Hagens) und machte mehrere detaillierte Bemerkungen dazu (dass sich nach seinem Tod in seiner Bibliothek ein unaufgeschnittenes, das heißt nicht gelesenes, Exemplar der Myller’schen Ausgabe fand, bedeutet also nicht, dass er das Nibelungenlied nicht gelesen hĂ€tte). Erst nach Goethes freundlichem Urteil ĂŒber das „köstliche Werk“ und seiner Forderung, das Heldenlied in eine epische Form zu bringen, setzten in der Romantik zahlreiche BemĂŒhungen um eine dramatische Neuformung ein. Seitdem wurden zwei Wege eingeschlagen: Teilweise wurde der Stoff des Nibelungenlieds bearbeitet, teilweise griffen die Autoren auf die Sigurd-BrĂŒnhild-Version zurĂŒck, die in der Mitte des 13. Jahrhunderts entstandenen Wölsungensaga, beziehungsweise in einigen Liedern der Edda gestaltet ist.

Von den zahlreichen Bearbeitungen des neunzehnten Jahrhunderts sind heute nur noch drei Werke von Interesse: die Trilogie „Der Held des Nordens“, eine dramatische Bearbeitung von Friedrich de la Motte FouquĂ©, Friedrich Hebbels Drama Die Nibelungen. Ein deutsches Trauerspiel in drei Abteilungen und Richard Wagners „Der Ring des Nibelungen“.

Friedrich de la Motte FouquĂ©s dramatisches Gedicht folgt im ersten Teil „Sigurd, der Schlangentödter“ der nordischen Tradition: Sigurd befreit Brynhild aus der Waberlohe, heiratet aber nach einem Vergessenstrank Gunnars Schwester Gudrun, hilft Gunnar bei der Werbung um Brynhild, die nach seiner Ermordung durch einen Bruder Gunnars Selbstmord begeht. Im zweiten Teil „Sigurd’s Rache“ heiratet Gudrun – erneut unter dem Einfluss eines Zaubertranks ihrer Mutter â€“ den Hunnenkönig Atli. Er will sich in den Besitz des Horts bringen und lĂ€dt die BrĂŒder in sein Land ein. Nach deren Ermordung tötet Gudrun ihre eigenen Kinder und setzt sie Atli als Speise vor. Schließlich wird Atli ermordet, und Gudrun wĂ€hlt wie Brynhild den Freitod. Der dritte Teil „Aslauga“ erzĂ€hlt, angelehnt an ein BruchstĂŒck aus der Edda, das Geschick der Tochter Sigurds und Brynhilds: Sie wĂ€chst bei Hirten als HĂŒtemĂ€dchen auf, wird aber wegen ihrer Schönheit vom König von DĂ€nemark geheiratet, worauf die ĂŒblichen Verwicklungen folgen. Die Geschichte geht aber gut aus.

FouquĂ© hatte mit dem Werk beim Publikum großen Erfolg und erhielt auch von anderen Dichtern der Zeit wie Jean Paul, Adelbert von Chamisso und Rahel Varnhagen großes Lob. Heinrich Heine dagegen bemĂ€ngelte die fehlende Charakterisierung der Personen und das Fehlen der dramatischen Spannung. Diese Meinung hat sich durchgesetzt, und seit fast 100 Jahren gibt es keine Ausgabe des Werkes mehr. Wichtiger als das Werk selbst ist aus heutiger Sicht seine Wirkung auf Richard Wagner, der im „Ring des Nibelungen“ viel von FouquĂ© ĂŒbernommen hat, ja sogar bezĂŒglich des Versbaus und des Sprachrhythmus als FouquĂ©s SchĂŒler betrachtet werden kann.

Friedrich Hebbel „Die Nibelungen“ (Schulausgabe um 1900, Wien/BrĂŒnn).
Siegfried, das Reichsschwert schmiedend, am Bismarck-Nationaldenkmal (1901), Berlin.

Friedrich Hebbel hĂ€lt sich im Gegensatz zu FouquĂ© im Handlungsverlauf seiner Trilogie an das Nibelungenlied und blendet den mythologischen Hintergrund der Vorgeschichte weitgehend aus. Seine Figuren sind in unterschiedlicher AusprĂ€gung Typen und Individuen zugleich und dadurch ohne durchgĂ€ngige Motivation. Brunhild wird zum Ding, zum Tauschobjekt erniedrigt, Kriemhild am Ende wie im Nibelungenlied quasi kommentarlos erschlagen. Wegen der Schlussworte wurde in das StĂŒck mitunter ein geschichtsphilosophisches Anliegen hineininterpretiert (Ablösung der mythischen Welt der Riesen durch das Christentum), aber in Hebbels Äußerungen lassen sich dafĂŒr keine Hinweise finden. Hebbels StĂŒck fand auf dem Theater eine gĂŒnstige Aufnahme und verdrĂ€ngte die anderen dramatischen Bearbeitungen fast vollstĂ€ndig von den deutschen BĂŒhnen – auch die Fassung von Emanuel Geibel, der den Stoff zu einem bĂŒrgerlichen Trauerspiel umformte.

Im Gegensatz zu Goethe Ă€ußerte sich Heinrich Heine (1797–1856) zwar fasziniert, aber gleichzeitig auch befremdet ĂŒber den Ton des Nibelungenlieds: „Es ist eine Sprache von Stein, und die Verse sind gleichsam gereimte Quadern. Hie und da, aus den Spalten, quellen rote Blumen hervor wie Blutstropfen oder zieht sich der lange Epheu herunter wie grĂŒne TrĂ€nen.“

Trotz Heines Kritik erlangte der Stoff im 19. Jahrhundert den Rang eines deutschen Nationalepos, ein Begriff, der als Zeugnis fĂŒr die Geisteshaltung dieser Zeit zu verstehen, auf den Zeitgeist um 1200 aber keinesfalls anwendbar ist. ZusĂ€tzlich zu den Theaterfassungen entstanden viele zum Teil illustrierte Ausgaben (beispielsweise von Alfred Rethel, 1840, und von Julius Schnorr von Carolsfeld, 1843).

In der ersten HĂ€lfte des zwanzigsten Jahrhunderts diente das Nibelungenlied mehreren Romanen mit nationalistischer Tendenz als Vorlage. Mit dem StĂŒck „Der Nibelungen Not“ knĂŒpfte Max Mell an die Wölsungen-Variante, Wagners Mythologisierung und das WalkĂŒrenmotiv an. Er konzentrierte das Geschehen auf die bĂŒhnenwirksamen Höhepunkte. Im ersten Teil: Siegfrieds Ankunft in Worms, der Streit der Königinnen, Siegfrieds Ermordung, BrĂŒnhilds Freitod in den Flammen und ihre RĂŒckkehr in den Bereich der Götter. Im zweiten Teil: Empfang der Burgunden an Etzels Hof, Racheintrige Kriemhilds, Untergang der Burgunden, Kriemhilds Ermordung und ein Schluss, der der Dietrichsage entnommen ist (Dietrich reitet auf seinem Pferd davon).

Im Nationalsozialismus feierte man die Wiederkehr der germanischen GrĂ¶ĂŸe und des Heldentums, der germanischen Gefolgstreue und des mĂ€nnlichen Rittertums und unterlegte die Idee des deutschen Volkstums mit diesen „germanischen Tugenden“. Man berief sich auf die schöpferischen KrĂ€fte der Germanen, denen das Dritte Reich wieder Lebensmöglichkeiten gebe. Das Nibelungenlied wurde so als Vehikel nationaler Ideen instrumentalisiert und missbraucht, wie zum Beispiel von Hermann Göring, der die Lage der deutschen Soldaten im Kessel von Stalingrad mit der Lage der Nibelungen im brennenden Saal verglich („Wir kennen ein gewaltiges heroisches Lied
“).

Nach 1945 war das Nibelungenlied wegen der Inanspruchnahme des Stoffes durch den Nationalsozialismus zunĂ€chst mit einem Tabu belegt, und jahrelang gab es keine zeitgemĂ€ĂŸe Prosafassung. Erst seit dem Einströmen von Fantasy-Elementen in die literarische Unterhaltungsliteratur – schon in J. R. R. Tolkiens Werken (Herr der Ringe) lassen sich etliche Elemente der Nibelungensage (das Ring-Motiv!) wiederfinden â€“ beschĂ€ftigten sich mehrere Romane aus unterschiedlichen Blickwinkeln mit dem Thema. Zum Beispiel folgt „Rheingold“ von Stephan Grundy der Wölsungen-Linie, „Siegfried und Krimhild“ von JĂŒrgen Lodemann dagegen dem Nibelungenlied, in drei anderen Romanen steht entweder Kriemhild (Roman von Sabina Trooger), Hagen (siehe Wolfgang Hohlbeins Roman „Hagen von Tronje“ oder Joachim Fernaus „Disteln fĂŒr Hagen“) oder BrĂŒnhild im Mittelpunkt. Der Roman „Sigfrieds Tochter“ von Eric Gutzler verknĂŒpft die Wölsungensaga mit dem Nibelungenlied zu einem durchgehenden Handlungsstrang und erweitert den Stoff zu einem historischen Fantasy-Roman, in dem Sigfrieds Tochter im Brennpunkt steht. Baal MĂŒllers „Die Nibelungen – nach alten Quellen neu erzĂ€hlt“ schildert die Geschichte vom Untergang der Burgunden aus der Sicht des alten Hildebrand. Seit den 1980er Jahren haben Ulrich MĂŒller[12] und der österreichische KonzertsĂ€nger Eberhard Kummer begonnen, historische AuffĂŒhrungspraktiken zu studieren und auf das Nibelungenlied anzuwenden. So wurde das Nibelungenlied gesungen in Konzerten aufgefĂŒhrt und auch eingespielt. Als Melodie benutzte Kummer den Hildebrandston, den er auch auf das Kudrunlied anwendet. Wegen der LĂ€nge des Werkes werden dabei in Abendveranstaltungen meist AuszĂŒge vorgetragen, jedoch hat Kummer zumindest dreimal das gesamte Nibelungenlied vorgetragen.[13] Dabei sang Kummer das Epos vor Publikum in fĂŒnf Darbietungen zu je sechs Stunden.[14][15]

2009 wurde das Nibelungenlied mit den drei Àltesten Handschriften A, B und C in das Register des UNESCO-Weltdokumentenerbes aufgenommen.[16]

Siehe auch

Rezeption

Verfilmungen

Der Stoff des Nibelungenliedes wurde 1924, 1957 und 1967 fĂŒrs Kino und 2004 fĂŒr das Fernsehen verfilmt. Am erfolgreichsten und filmhistorisch bedeutendsten ist die zweiteilige Stummfilmversion von 1924 unter der Regie von Fritz Lang.

Vertonungen

  • Kummer, E. Das Nibelungenlied. Pan-Verlag, Wien. 1984. (LP),[17] und. Extraplatte, Wien. 1998. (Neueinspielung: CD, Stereo 93415).[18]
  • Kummer, E., Nibelungenlied, Complete Recording. The Chaucer Studio, Adelaide. 2006.[19]
  • Seckel, Knud, Nibelungenlied Verlag der Spielleute, Reichelsheim 2009.[20]

Literarische Bearbeitungen

  • Franz FĂŒhmann: Das Nibelungenlied. Rostock 1971.
  • JĂŒrgen Lodemann: Siegfried und Krimhild. Roman. Klett-Cotta, Stuttgart 2002, ISBN 3-608-93548-7.
  • Moritz Rinke: Die Nibelungen. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2002, ISBN 3-499-23202-2. (UA: Nibelungen-Festspiele Worms 2002) –
    Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe: Die Nibelungen: Siegfrieds Frauen / Die letzten Tage von Burgund. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2007, ISBN 978-3-499-24514-5. (UA: Nibelungen-Festspiele Worms 2006 [Teil I]/2007 [Teil II])
  • Helmut Krausser: Unser Lied. Gesang vom Untergang Burgunds – Nibelungendestillat â€“. In: Helmut Krausser: StĂŒcke 93–03. Fischer, Frankfurt am Main 2003, S. 325–375. ISBN 3-59615979-2. (UA: Theater Bonn 2005)
  • Markus Bothe (Inszenierung): Die Nibelungen. Ein deutsches Heldenepos. (Autorenprojekt; UA: Theater Aachen 2007) – bestehend aus:
    • John von DĂŒffel: Best of Nibelungen (Die Out-Takes). Die Abenteuer von Gernot und Giselher. In drei ReinfĂ€llen. Rowohlt (Theaterverleih), Reinbek bei Hamburg 2007.
    • Sigrid Behrens: Feuer! oder: Ich bringe dir Schulden und ĂŒbernehme mich, mein Herz.
    • Katharina Gericke: GötterdĂ€mmerung.
  • John von DĂŒffel: Das Leben des Siegfried. Rowohlt (Theaterverleih), Reinbek bei Hamburg 2009. (UA: Nibelungen-Festspiele Worms 2009)
  • J.R.R. Tolkien: The Legend of Sigurd and Gudrun edited by Christopher Tolkien, Harper Collins 2009. ISBN 9780007317233

Literatur

Dieser Artikel benutzt zu einem großen Teil die Interpretation, die der Ausgabe des Nibelungenliedes nach der Haupthandschrift (St. Galler Handschrift, „B“) von Hermann Reichert beigegeben ist, und die sprachlichen ErklĂ€rungen im ‚Nibelungenlied-Lehrwerk‘ von Hermann Reichert.

  • Vorwiegend sagengeschichtlich orientierte Literatur siehe unter Nibelungensage.
  • Helmut Brackert: BeitrĂ€ge zur Handschriftenkritik des Nibelungenliedes (Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der germanischen Völker 135 = N. F. 11), Berlin 1963
  • Otfrid-Reinald Ehrismann: Nibelungenlied. Epoche, Werk, Wirkung. 2. neub. Auflage. Beck, MĂŒnchen 2002, ISBN 3-406-48719-X
  • Otfrid-Reinald Ehrismann: Das Nibelungenlied. Beck, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-406-50872-3
  • Christoph Fasbender (Hrsg.): Nibelungenlied und Nibelungenklage. Neue Wege der Forschung. WBG, Darmstadt 2005, ISBN 3-534-18185-9
  • John Evert HĂ€rd: Das Nibelungenepos. Wertung und Wirkung von der Romantik bis zur Gegenwart. Francke, TĂŒbingen 1996, ISBN 3-7720-2157-3.
  • Joachim Heinzle, Anneliese Waldschmidt (Hrsg.): Die Nibelungen: ein deutscher Wahn, ein deutscher Alptraum. Studien und Dokumente zur Rezeption des Nibelungenstoffs im 19. und 20. Jahrhundert. Suhrkamp, Frankfurt 1991, ISBN 3-518-38610-7
  • Joachim Heinzle, Klaus Klein, Ute Obhof (Hrsg.): Die Nibelungen. Sage, Epos, Mythos. Reichert, Wiesbaden 2003, ISBN 3-89500-347-6
  • Werner Hoffmann: Das Nibelungenlied. Sammlung Metzler. Band 7, 6. Auflage. Stuttgart und andere 1992, ISBN 3-476-16007-6.
  • Karl Heinz Ihlenburg: Das NL – Problem und Gehalt. Berlin 1969
  • Ina Karg (Hrsg.): Themenheft Nibelungen-Rezeption. Mitteilungen des Deutschen Germanistenverbandes Heft 4/2008
  • Fritz Peter Knapp: Nibelungenlied und Klage. Sage und Geschichte, Struktur und Gattung. Passauer NibelungenliedgesprĂ€che 1986. Heidelberg 1987.
  • Jan-Dirk MĂŒller: Spielregeln fĂŒr den Untergang. Die Welt des Nibelungenliedes. TĂŒbingen 1998, ISBN 3-484-10773-1
  • Jan-Dirk MĂŒller: Das Nibelungenlied. 3. neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Erich Schmidt, Berlin 2009, ISBN 978-3-503-09869-9.
  • Bert Nagel: Das Nibelungenlied, Stoff – Form – Ethos. 2. Auflage 1970
  • Hermann Reichert: Nibelungenlied-Lehrwerk. Sprachlicher Kommentar, mittelhochdeutsche Grammatik, Wörterbuch. Passend zum Text der St. Galler Fassung („B“). Praesens, Wien 2007, ISBN 978-3-7069-0445-2
  • Heinz Rupp (Hrsg.): Nibelungenlied und Kudrun. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1976 (= Wege der Forschung; Band 54). ISBN 3-534-02808-2
  • Ursula Schulze: Das Nibelungenlied. Reclam, Stuttgart 1997, ISBN 3-15-017604-2
  • Marianne Wahl-Armstrong: Rolle und Charakter. Studien zur Menschendarstellung im NL. (Göppinger Arbeiten zur Germanistik 221), Göppingen 1979

Textausgaben

  • Das Nibelungenlied. Paralleldruck der Handschriften A, B und C nebst Lesarten der ĂŒbrigen Handschriften. Herausgegeben von Michael S. Batts. Niemeyer, TĂŒbingen 1971, ISBN 3-484-10149-0.
  • Das Nibelungenlied. Nach der Ausgabe von Karl Bartsch. Herausgegeben von Helmut de Boor, ergĂ€nzt von Roswitha Wisniewski. In: Deutsche Klassiker des Mittelalters. 22. Auflage. Wiesbaden 1988, ISBN 3-7653-0373-9. (Mittelhochdeutscher Text mit reichhaltigem Anmerkungsapparat)
  • Das Nibelungenlied. Mhd./Nhd. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor ins Neuhochdeutsche ĂŒbersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse. Reclam Universal-Bibliothek. Band 644. Reclam, Stuttgart 1997, ISBN 3-15-000644-9.
  • Das Nibelungenlied. Zweisprachig Mhd.-Nhd. Herausgegeben und ĂŒbertragen von Helmut De Boor. 4. Auflage. Sammlung Dieterich, Leipzig 1992, ISBN 3-7350-0104-1.
  • Das Nibelungenlied. Text und EinfĂŒhrung. Nach der St. Galler Handschrift herausgegeben und erlĂ€utert von Hermann Reichert. Walter de Gruyter, Berlin 2005, ISBN 3-11-018423-0. (Normalisierter mittelhochdeutscher Text und leicht lesbare EinfĂŒhrung). Dazu: Hermann Reichert: Nibelungenlied-Lehrwerk. Sprachlicher Kommentar, mittelhochdeutsche Grammatik, Wörterbuch. Passend zum Text der St. Galler Fassung („B“). Praesens Verlag, Wien 2007, ISBN 978-3-7069-0445-2.
  • Das Nibelungenlied. Mhd.-Nhd. Nach der Handschrift C der Badischen Landesbibliothek Karlsruhe. Herausgegeben und ĂŒbersetzt von Ursula Schulze. Artemis & Winkler, DĂŒsseldorf–ZĂŒrich 2005, ISBN 3-538-06990-5.

Forschungsgeschichtlich wichtige Ausgaben (Reprints)

  • Christoph Heinrich Myller: Samlung deutscher Gedichte aus dem XII., XIII. und XIV. Jahrhundert. Band 1: Der Nibelungen Liet. Eneidt. Got Amur. Parcival. Der arme Heinrich. Von der Minnen. Dis ist von der Wibe List. Dis ist von dem Pfennige. Herausgegeben von Christoph Heinrich Myller. Berlin 1784.
  • Karl Lachmann: Der Nibelunge Noth und die Klage – Nach der Ă€ltesten Überlieferung, mit Bezeichnung des unechten und mit den Abweichungen der gemeinen Lesart. Reimer, Berlin 1841; de Gruyter, Berlin 1960; ISBN 3-11-000177-2.

Philatelie

Am 8. MĂ€rz 1926 wurden von Österreich sechs Postwertzeichen zur Nibelungensage herausgegeben (Michel-Katalog Nr. 488-493). Sonderstempel und Maschinenwerbestempel zur Nibelungensage existieren u.a. von den Orten Worms, Xanten, Alzey, Grasellenbach (Siegfriedsbrunnen), Odenheim, Passau, Plattling, Eferding und Pöchlarn.

Weblinks

 Commons: Nibelungenlied â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Badische Landesbibliothek, Beschreibung der Nibelungen-Handschrift C
  2. ↑ Das Nibelungenlied [Text und EinfĂŒhrung]. Nach der St. Galler Handschrift hrsg. und erlĂ€utert von Hermann Reichert. S. 360f.
  3. ↑ Kofler, Walter: Nibelungen und Klage. Redaktion I. Hirzel 2011
  4. ↑ Walter Hansen: Die Spur des SĂ€ngers. 1987, ISBN 3785704550.
  5. ↑ Berta Lösel-Wieland-Engelmann: Verdanken wir das Nibelungenlied einer Niedernburger Nonne? „Monatshefte“, Vol. 72, No. 1, Madison, Wisconsin, 1980.
  6. ↑ Hier wird die in normiertes Mittelhochdeutsch gebrachte Version der Handschrift C wiedergegeben
  7. ↑ Die Begriffe fĂŒr Freiheit / Unfreiheit (libertas, servitus) konnten sehr Verschiedenes bedeuten: „Bei aller Bedeutung dieser Begriffe kann man aber nicht behaupten, dass sie eindeutig und unverĂ€ndert gewesen wĂ€ren“. Zu den Unfreien gehören auch die Ministerialen, die nur zu höheren Aufgaben verpflichtet sind (Hof-, Kriegs- und Verwaltungsdienst). Nach: W. Rösener: Unfreiheit, ‚1. Begriffsproblematik.‘ In: Lexikon des Mittelalters, Stuttgart: Metzler 1977-1999, Bd. 8, Sp. 1219, und ‚3. Unterschiedliche Gruppen.‘ Ebenda, Sp. 1220.
  8. ↑ Das FĂŒhren des Pferdes am ZĂŒgel (officium stratoris), forderten die PĂ€pste von den frĂ€nkischen bzw. deutschen Königen und Kaisern. Vgl. S. Kreiker, 'Marschall'. In: Lexikon des Mittelalters, Stuttgart: Metzler 1977-1999, Bd. 6, Sp. 324f. Im ‚König Rother‘ leistet v. 5098ff. König Rother einem Untergebenen (Berhter) den Stratordienst, um ihn zu ehren.
  9. ↑ Dazu Peter Wapnewski, RĂŒdigers Schild. Zur 37. Aventiure des Nibelungenliedes. In: Euphorion 54 (1960), S. 380.
  10. ↑ Hs. B Str. 15
  11. ↑ Hs. B Str. 2375
  12. ↑ und außerdem Margarete Springeth (beide Uni Salzburg) und Ingrid Bennewitz (Uni Bamberg)
  13. ↑ 1986 Donaufestspiele in Krems, 1987 Wiener Festwochen und 2006 im Kulturraum in Wien 19; von 2006 liegt eine Einspielung vor
  14. ↑ Schindler, A: "Kurzbericht ĂŒber Eberhard Kummers Gesamtaufnahme des Nibelungenlieds". In: Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein Gesellschaft. 17 (2008/2009), S. 493-494.
  15. ↑ vgl. dazu ausfĂŒhrlich MĂŒller, U. (2009), "<Nibelungenlied>, Heldenepik, höfische Epik – gesungen. Die AuffĂŒhrungsversuche des Eberhard Kummer" in Keller, J. und Kragl, F. [Ed.], Mythos- Sage - ErzĂ€hlung: Gedenkschrift fĂŒr Alfred Ebenbauer, Wien: V & R Unipress GmbH, 2009.
  16. ↑ Pressemitteilung der Deutschen UNESCO-Kommission vom 30. Juli 2009, aufgerufen am 30. Juli 2009, soewie das BegrĂŒndungsschreiben des Komitees aufgerufen am 29. Oktober 2009.
  17. ↑ (AuszĂŒge. enth. außerdem: Ich stuont mir nehtint spate / Der von KĂŒrenberg. – Owe war sint verswunden / Walther von der Vogelweide.) Aufn. 1983; DNB – Link zu diesem Datensatz: http://d-nb.info/351693718 ; Umfang: 2 Schallpl. in Kassette : 33 UpM ; 30 cm + Beih.
  18. ↑ Titel: Das Nibelungenlied, enth. Walther von der Vogelweide, KĂŒrenberger
  19. ↑ Zwei MP3-CDs, Gesamtdauer ca. 26 Std.; s.a.: http://www.sieglinde-hartmann.com/ss2008.php
  20. ↑ CD, Gesamtdauer 76 min. Livekonzertmitschnitt der Aventiuren 1-19 mit 24-seitigem Booklet; s.a.: http://www.minne-saenger.de

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  • Nibelungenlied — Ni be*lung en*lied , n. [G. See {Nibelungs}; {Lied}.] A great medieval German epic of unknown authorship containing traditions which refer to the Burgundians at the time of Attila (called Etzel in the poem) and mythological elements pointing to… 
   The Collaborative International Dictionary of English

  • Nibelungenlied — (Der Nibelunge Not), deutsches Heldengedicht, die Krone der mittelalterlichen volksmĂ€ĂŸigen Poesie und die einzige epische Dichtung der Welt, die an Bedeutung den Homerischen Epen einigermaßen vergleichbar ist. Der stoffliche Inhalt des in 39… 
   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Nibelungenlied — (Der Nibelunge NĂŽt), das bedeutendste mittelhochdeutsche Volksepos, erzĂ€hlt mit Benutzung alter Mythen und histor. Sage in seinem ersten Teile die Werbung Siegfrieds von Niederlanden um Kriemhild, die Schwester des Burgundenkönigs Gunther, seine… 
   Kleines Konversations-Lexikon

  • Nibelungenlied — Nibelungenlied, das Lied der, das Ă€lteste Erzeugniß deutscher Volkspoesie, reicht, wie man annimmt, zwei Jahrhunderte ĂŒber Karl d. Gr. hinaus, und bestand, wie alle UranfĂ€nge der Dichtung, wahrscheinlich aus einzelnen Volks und HeldengesĂ€ngen,… 
   Damen Conversations Lexikon

  • Nibelungenlied — Nibelungenlied, der Nibelunge Not (Nibelungen, das Volk am Mittelrhein), die grĂ¶ĂŸte Dichtung aus der Zeit des sog. Minnesangs, ein Epos, in welches altnordische Mythen (deren Bedeutung den christlichen Germanen verloren gegangen war, daher sie in 
   Herders Conversations-Lexikon

  • Nibelungenlied — German epic poem of 13c., lit. song of the Nibelungs, a race of dwarves who lived in Norway and owned a hoard of gold and a magic ring, lit. children of the mist, related to O.H.G. nebul mist, darkness, O.E. nifol (see NEBULA (Cf. nebula)) 
   Etymology dictionary

  • Nibelungenlied — [nēâ€Čbə looƋ΄ən lēt΄] n. [Ger, lit., song of the Nibelungs] a Middle High German epic poem by an unknown author, written in the first decade of the 13th cent. and based on Germanic legends: see SIEGFRIED 
   English World dictionary

  • Nibelungenlied — The Nibelungenlied, translated as The Song of the Nibelungs, is an epic poem in Middle High German. The story tells of dragon slayer Siegfried at the court of the Burgundians, how he was murdered, and of his wife Kriemhild s revenge. The… 
   Wikipedia

  • Nibelungenlied — Ni|be|lỄn|gen|lied 〈n. 12; unz.; Lit.âŒȘ mhd., strophisches Heldenepos von unbekanntem Verfasser aus dem 13. Jh. * * * Nibelungenlied,   mittelhochdeutsches Heldenepos eines namentlich nicht bekannten Dichters um 1200 im Donaugebiet (Passau?), das… 
   Universal-Lexikon

  • Nibelungenlied — (ca. 1200)    Although we know of several heroic epics that were composed in Middle High German before 1200, the anonymous Nibelungenlied is the most famous representative of this genre, sharing many of its monumental, tragic elements with epics… 
   Encyclopedia of medieval literature


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