Niger

ÔĽŅ
Niger
République du Niger

Republik Niger

Flagge Nigers
Wappen des Niger
Flagge Wappen
Amtssprache Französisch
Hauptstadt Niamey
Staatsform Präsidialrepublik
Regierungsform Präsidentielles Regierungssystem
Staatsoberhaupt Präsident Mahamadou Issoufou
Regierungschef Premierminister Brigi Rafini
Fläche ca. 1.267.000 km²
Einwohnerzahl 14.296.816[1] (2008)
Bevölkerungsdichte 10,2 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt nominal (2007)[2] 4,174 Mrd. US$ (138.)
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 313 US$ (170.)
Human Development Index 0,340 (182.)
Währung 1 CFA-Franc BCEAO
Unabhängigkeit von Frankreich am 3. August 1960
Nationalhymne La Nigérienne
Zeitzone UTC+1
Kfz-Kennzeichen RN
Internet-TLD .ne
Telefonvorwahl +227
Niger in its region.svg
Ng-map (de).png

Niger (deutsch [ňąniňźg…ź], franz√∂sisch [niňą í…õňź Ä]) ist ein Staat in Westafrika; der Fluss Niger durchflie√üt den relativ dicht besiedelten S√ľdwesten des W√ľstenstaates.

Niger grenzt im Norden an Algerien und Libyen, im Westen an Mali und Burkina Faso, im Osten an den Tschad und im S√ľden an Nigeria und Benin. Niger ist ein Binnenstaat mit Anteil an der Sahara, dem Sahel und dem Sudan und geh√∂rt zu den am wenigsten entwickelten L√§ndern der Welt. Die ehemalige franz√∂sische Kolonie ist seit 1960 unabh√§ngig. Nach einer Phase von Staatsstreichen und Aufst√§nden der Tuareg scheint sich Niger politisch zu stabilisieren. Existenzbedrohend f√ľr den gr√∂√üten Teil der nigrischen Bev√∂lkerung sind regelm√§√üig wiederkehrende D√ľrren und Nahrungsmittelknappheit.[3]

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Im Zentrum Nigers liegt die Sandw√ľste Erg du T√©n√©r√© und das Gebirge A√Įr, dessen h√∂chster Gipfel 2.022 Meter hoch ist und Mont Idoukal-n-Tagh√®s hei√üt. Das A√Įrgebirge (Massif A√Įr) ist die s√ľd√∂stliche Fortsetzung des algerischen Hoggar- oder Ahaggar-Gebirges und bildet die geographische Grenze zum Tschadbecken. S√ľd√∂stlich des A√Įr liegt das Termit-Massiv. Von dessen s√ľdlichen Ausl√§ufern erstreckt sich das nahezu 200 km lange Tal der Dilia de Lagan√©, an dessen s√ľdlichen Ende noch die Ausl√§ufer des Mega-Tschad Sees erkennbar sind.

Im Westen, S√ľden und Osten ist der A√Įr von weiteren W√ľsten umgeben, deren gr√∂√üte der √∂stlich gelegene T√©n√©r√© ist. Er nimmt etwa 30 % des Staatsgebietes ein, das nur am s√ľdwestlichen Rand dicht besiedelt ist. Weiter √∂stlich liegt der Grand Erg du Bilma mit dem Kaouar-Tal. Diese Saharagebiete reichen √∂stlich bis zur Grenze des Tschad. Im Norden geht der T√©n√©r√© in das Djadoplateau √ľber, im Nordosten ins Tibestigebirge. Diese W√ľsten, die s√§mtlich zur Sahara geh√∂ren, nehmen insgesamt etwa zwei Drittel der Staatsfl√§che ein. Gro√üe Teile der T√©n√©r√© und des A√Įr geh√∂ren zum 77.000 km¬≤ gro√üen A√Įr und T√©n√©r√© Naturreservat, einem Weltnaturerbe der UNESCO. Im S√ľden des A√Įr-Gebirges liegt der f√ľr die Pal√§oarch√§ologie bedeutende Ausgrabungsgebiet Gadoufaqua, der sogenannte Saurierfriedhof der Sahara.

Das dritte Drittel des Nigers im S√ľden und S√ľdosten ist Teil des Sahels (Sahel = arab. ‚ÄěUfer‚Äú der W√ľste). Dieser Streifen befindet sich am n√∂rdlichen Rand der Trockensavanne. Seit Ende der Sechzigerjahre traten in der Dornbuschsavanne mehrere D√ľrren auf und verwandelten diese zunehmend in eine w√ľstenartige Landschaft. Im S√ľdosten liegt ein Teil des Tschadsees auf dem Gebiet des Niger, dessen Ausdehnung sich jedoch bei starker Trockenheit hinter die Grenze zum Tschad zur√ľckzieht.

Der S√ľdwesten ist vom Niger dominiert, dem drittgr√∂√üten Fluss Afrikas. Er durchflie√üt auf 650 Kilometern L√§nge eine besonders fruchtbare Region des Landes.

1954 wurde der l√§nder√ľbergreifende Nationalpark W als einziger Nationalpark in Niger ausgewiesen.

Klima

Klimadiagramm von Zinder in Niger; die Temperaturkurve ist die rote Linie, die Balken verdeutlichen den Niederschlag

Das Klima des Niger ist durchgehend hei√ü und trocken. Im S√ľden gibt es eine von den Monaten Juni bis Oktober andauernde Regenzeit. W√§hrend dieser Zeit f√§llt beinahe der ganze Niederschlag des Jahres, der im Mittel zwischen 400 und 700 Millimeter betr√§gt. Etwa die H√§lfte des Niederschlages ist im August zu erwarten. In den n√∂rdlichen Teilen des Landes (W√ľstengebiete) gibt es in letzter Zeit praktisch keine Niederschl√§ge.

Die Tagestemperaturen in den W√ľstengebieten liegen im Januar durchschnittlich bei 17 ¬įC, im Juni bei 34 ¬įC. Im S√ľden werden im Januar 22 bis 24 ¬įC und im Juni 32 bis 34 ¬įC gemessen.

Dem trockenen Klima entsprechend geht die Trockensavanne von S√ľden nach Norden hin in Dornstrauchsavanne und bald in Halb- und Vollw√ľste √ľber. Im Norden sind weite Fl√§chen Sand- und Steinw√ľste. Als Folge der f√ľnfj√§hrigen D√ľrreperiode zwischen 1969 und 1974 in der gesamten Sahelzone ist der Grundwasserspiegel gesunken, die nat√ľrliche Vegetation ist teilweise komplett abgestorben, zum Teil auch durch Viehbest√§nde vernichtet. Dies hat wiederum die Viehbest√§nde reduziert und Menschenleben gekostet. Der nur durch Nomaden nutzbare Raum hat sich in der Folge um etwa 50 km weiter nach S√ľden ausgedehnt.

Flora

Im S√ľden finden sich in der Trockensavanne vorwiegend heimische Gr√§ser, Dornenb√ľsche und Trockenwald. In den tiefer gelegenen Region findet man auch Tamarinden, Affenbrotb√§ume, Kapokb√§ume und Mahagoni. Der Pflanzenbestand der Savanne hat in den letzten Jahren durch √úberweidung und Trockenheit allerdings sehr gelitten. Die Gebiete des Nordens sind praktisch vegetationslos.

Fauna

Die Tierwelt des Niger ist, bedingt durch die karge Vegetation, nicht sehr artenreich. In einem Nationalpark im S√ľdosten leben L√∂wen, Antilopen, Giraffen, B√ľffel, Strau√üe, Elefanten und Flusspferde. In den n√∂rdlichen W√ľstenregionen leben Fenneks und Gazellen, w√§hrend man in den Bergen des A√Įr unter anderem Paviane und A√Įr-M√§hnenspringer findet. Im Niger findet sich eines der gr√∂√üten Schutzgebiete der Erde, das A√Įr und T√©n√©r√© Naturreservat.

Bevölkerung

Es gibt vor allem im Norden des Landes viele Oasenbewohner, Nomaden und Halbnomaden. Viele von ihnen geben jedoch den Nomadismus auf und ziehen in die zum Teil √ľberbev√∂lkerten St√§dte. Die Mehrheit der Bev√∂lkerung lebt im S√ľden, zumeist an der Grenze zu Nigeria und Benin.

Die gro√üe Mehrheit der Nigrer bekennt sich zum Islam (94 %), der Rest der Bev√∂lkerung teilt sich in Christen und Anh√§nger traditioneller indigener Religionen.

Innerhalb der Bev√∂lkerung stellt die politisch dominierende Volksgruppe der Zarma und Songhai, die im Nigergebiet wohnen, etwa 21 % der Gesamtbev√∂lkerung. √úber 56 % geh√∂ren allerdings zur Bev√∂lkerungsmehrheit der Hausa, die den mittleren S√ľden an der Grenze zu Nigeria bewohnt. Rund 9 % der Bev√∂lkerung he√∂ren zu den Tuareg-Berbern, die als Nomaden oder Oasenbewohner in der Halbw√ľste und W√ľste leben. Etwa 6 % sind die im Niger sogenannten Beri Beri (Kanuri). Hellh√§utige Fulbe leben, sesshaft oder als Hirtennomaden, mit 8,5 % Bev√∂lkerungsanteil in der Sahelzone. Au√üerdem leben im Land √ľber 3000 Franzosen, zumeist in den St√§dten.[4]

75 % der Bev√∂lkerung sprechen Hausa als Erst- oder Zweitsprache; die Sprache wird von rund 85 % der Bev√∂lkerung verstanden.[5] Weitere Sprachen neben Franz√∂sisch - der einzigen Amtssprache - sind Songhai-Djerma (22 %), Fulfulde (10 %), Tamaschagh (eine Tuareg-Berbersprache, 10 %), Kanuri (4 %)[6] und andere. Englisch oder Deutsch ist wenig verbreitet.

Siehe auch: Sprachen Nigers

Demografie

Bevölkerungswachstum nach FAO (2005), Einwohner in Tausend

Die sehr hohe Fertilit√§tsrate von 7,4 Geburten pro Frau f√ľhrt zu einem Bev√∂lkerungswachstum von j√§hrlich etwa 2,75 %, nach anderen Sch√§tzungen von 3,9 %.[7] Der wichtigste Grund hierf√ľr ist die Polygamie.[8] Der Anteil der Bev√∂lkerung unter 15 Jahren lag 2008 bei knapp 50 Prozent.[9]

Seit der Unabh√§ngigkeit im Jahre 1960 wuchs die Bev√∂lkerung Nigers von 3,2 auf 15,3 Millionen Menschen, was fast einer Verf√ľnffachung der Bev√∂lkerungszahl entspricht. Die Regierung setzt kaum Ma√ünahmen um, um die Bev√∂lkerungsexplosion einzud√§mmen oder das Land agrarisch besser nutzbar zu machen.[8]

Soziale Lage

Gesundheitslage

Das rapide Bev√∂lkerungswachstum hat negative Auswirkungen auf die Lebenserwartung. Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt wird mit 52,5 bis 57,3 [10][11] Jahren angegeben. Die M√ľttersterblichkeit (820 auf 100.000 Lebendgeburten) und die Kindersterblichkeit (73 von 1000 Lebendgeborenen sterben vorn dem 1. Geburtstag, 143 vor dem 5. Geburtstag) sind hoch[12]. 2004 lag die Zahl der √Ąrzte in Niger unter 400.[13] Zugang zu sauberem Trinkwasser, seit 2010 ein Menschenrecht der UNO, besitzt laut WHO und Unicef nicht einmal jeder zweite Mensch im Niger.[14]

Bildung

74 % der M√§nner und 90 % der Frauen sind Analphabeten. Kinderarbeit ist in Niger verbreitet.[15] Im Durchschnitt erhalten M√§dchen weniger Schulbildung.[16] Das Land hat Universit√§ten, darunter die Abdou-Moumouni-Universit√§t Niamey.

Geschichte

‚Üí Hauptartikel: Geschichte Nigers

Zahlreiche Funde wie die Gr√§ber von Gobero und Felszeichnungen belegen die Besiedlung des nigrischen Territoriums seit fr√ľhester Zeit. Zum Zeitpunkt der Ausbreitung des Islam um das Jahr 660 waren die V√∂lker Nigers bereits in Staaten organisiert, die sich bis zur Ankunft der Franzosen eine bedeutende Stellung erhalten konnten. Im Jahr 1921 wurde Niger eine franz√∂sische Kolonie innerhalb Franz√∂sisch-Westafrikas. Die Grenzziehung erfolgte hierbei ohne Ber√ľcksichtigung der historischen kulturellen und sprachlichen Gegebenheiten. Niger wurde 1958 autonome Republik, in der eine Wahl zur Verfassunggebenden Versammlung stattfand. Das Land wurde zwei Jahre sp√§ter schlie√ülich unabh√§ngig.

1995 konnte eine Rebellion der Tuareg mit der Unterzeichnung eines Friedensvertrages vorl√§ufig beendet werden. 1999 wurde Tandja Mamadou zum Staatspr√§sidenten gew√§hlt und bei den Wahlen 2004 im Amt best√§tigt. Da die Regierung sich nicht an die Vertragspunkte hielt, brach Anfang 2007 der Konflikt durch einen Aufstand der Mouvement des Nig√©riens pour la Justice (MNJ) erneut aus; August 2007 griff der Konflikt auf die Tuareg im benachbarten Mali √ľber. Hintergrund der Konflikts ist die Forderung der Tuareg, ihre traditionellen Weidefl√§chen in den Gebieten nutzen zu k√∂nnen, die die Regierung Nigers ausl√§ndischen Firmen f√ľr den Uranabbau √ľberlassen hat.

Bei einem Putsch am 18. Februar 2010 wurde Tandja Mamadou von einer Milit√§rjunta unter F√ľhrung des Majors Salou Djibo abgesetzt und die Verfassung au√üer Kraft gesetzt.[17] Der Verbleib des Pr√§sidenten ist unklar (Stand: 19. Februar 2010). Infolgedessen suspendierte die Afrikanische Union am 20. Februar die Mitgliedschaft des Niger.[18]

Politik

Niamey - Nigers Hauptstadt

Die am 18. Juli 1999 durch Referendum gebilligte Verfassung ist nach dem Vorbild Frankreichs als semi-pr√§sidentielles System mit Direktwahl des Pr√§sidenten (alle f√ľnf Jahre) gestaltet. Nach dieser Verfassung, welche jedoch am 19. Februar 2010 von der Milit√§rjunta suspendiert wurde, ist Niger eine semipr√§sidiale Republik und eine parlamentarische Demokratie. Staatsoberhaupt und Oberbefehlshaber der Streitkr√§fte war der mit weitgehenden Befugnissen ausgestattete Pr√§sident, welcher allerdings auf 5 Jahre direkt gew√§hlt wurde. Die Exekutive hingegen lag bei der Regierung unter Vorsitz eines Premierministers. Die Legislative lag bei der Nationalversammlung, einem Einkammer-Parlament mit 83 Abgeordneten, welche ebenfalls alle 5 Jahre direkt gew√§hlt wurden.[19]

Die einflussreichsten Parteien sind:

  • Mouvement National pour la Soci√©t√© de D√©veloppement (MNSD)
  • Convention D√©mocratique et Sociale (CDS)
  • Parti Nig√©rien pour la D√©mocratie et le Socialisme (PNDS)

Innenpolitik

1999 wurde der Pr√§sident Ibrahim Bar√© Ma√Įnassara, welcher 1996 bei einem Milit√§rputsch die politische F√ľhrung √ľbernahm und eine demokratische Ordnung einleitete, bei einem Milit√§rputsch erschossen; zum Pr√§sidenten lie√ü sich Daouda Malam Wank√© ausrufen. Nach Wahlen √ľbernahm im Jahr 2000 jedoch Tandja Mamadou das Pr√§sidentenamt. Im Demokratieindex 2008 der Zeitschrift The Economist rangierte der Niger allerdings auf Platz 128 von 167 L√§ndern und z√§hlte somit weiterhin zu den autorit√§ren Regimen.[20]

Am 20. Oktober 2009 wurden Parlamentswahlen abgehalten. Die Wahlen wurden im Vorfeld heftig kritisiert, da Präsident Mamadou Tandja bereits zwei Amtszeiten hinter sich hatte und laut Verfassung keine dritte Amtszeit möglich ist. Wegen der umstrittenen Wahlen setzte die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) die Mitgliedschaft Nigers aus.[21]

Durch die Verfassungs√§nderung kam es am 19. Februar 2010 zum Milit√§rputsch.[22] Unter der durch Major Salou Djibo angef√ľhrten Junta wurde Tandja Mamadou gest√ľrzt und festgesetzt. Nach ersten Angaben kam es bei der Revolte zu 3 Toten und etwa einem Dutzend verletzten Soldaten. Der Luftverkehr wurde durch den Obersten Rat f√ľr die Wiederherstellung der Demokratie ausgesetzt sowie die Landesgrenzen geschlossen.

Am 31. Januar 2011 fand der erste Wahlgang der Parlaments- und Pr√§sidentschaftswahlen statt. In einem zweiten Wahlgang am 12. M√§rz 2011 setzte sich der Mahamadou Issoufou mit 58 % aller abgegebenen Stimmen gegen Seini Oumarou durch.[23]

Präsident

Die Präsidenten der Republik Niger:

Verwaltungsgliederung

‚Üí Hauptartikel: Verwaltungsgliederung Nigers

Das Staatsgebiet teilt sich in sieben r√©gions und die Hauptstadtgemeinde Niamey. Die Regionen gliedern sich weiter in 36 d√©partements und 260 communes, Niamey in f√ľnf Stadtgemeinden.

Regionen und Departements:

Wirtschaft

√Ėlbohrturm im Norden des Landes

Entwicklung

Die nigrische Volkswirtschaft erreichte 2007 ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 4,17 Milliarden US-Dollar, das entspricht (Daten f√ľr 2011) einer Wirtschaftsleistung von etwa 352 US-Dollar pro Kopf der Bev√∂lkerung. Im Vergleich zum Jahre 2001, wo das BIP noch bei 1,945 Milliarden US-Dollar und das BIP pro Kopf bei bescheidenen 179 US-Dollar lag, ist das BIP also auf fast das doppelte gestiegen. 39 % des Volkseinkommens stammen aus der Landwirtschaft, w√§hrend der industrielle Sektor nur etwa 17 % der Gesamtleistung ausmacht, sich jedoch in den letzten f√ľnf Jahren um wenigstens 3 % erh√∂ht hat. Dies ist zwar nicht besonders viel, es weist aber in eine bessere wirtschaftliche Zukunft. Im Jahr 2006 lag das Wirtschaftswachstum bei 5,5 %, was vor allem auf ungew√∂hnlich hohe Ernteertr√§ge zur√ľckzuf√ľhren war. Die restlichen 44 % werden von den Dienstleistungen erbracht. Wichtigstes Exportgut ist das durch den franz√∂sischen Staatskonzern Areva n√∂rdlich von Agadez abgebaute Uran, dessen Ausfuhr 70 % der Gesamtexporte generiert. Noch 2003 belief sich der Anteil der Bev√∂lkerung mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag (Pro-Kopf-Einkommen) auf 61 %. Nach Angaben der Weltbank z√§hlt Niger zu den 10 √§rmsten L√§ndern der Welt.[24]

Nahrungsmittelversorgung

Das Kaouar-Tal in der Nähe von Bilma im östlichen Niger.

Die folgenden Punkte gelten als urs√§chlich f√ľr die immer wiederkehrenden katastrophalen Hungersn√∂te im Land, insbesondere in den von Hirtenfamilien bewohnten Regionen Filingu√©, Dakoro und T√©ra:

Die Hungersn√∂te sind mit ein Grund f√ľr das vermehrte Auftreten von Noma in Niger. Auf 100.000 Einwohner werden laut Studien 14 Erkrankte gez√§hlt.

Landwirtschaft

In der nigrischen Sahara-Region ist nur in Oasen, etwa im A√Įr-Gebirge, Bew√§sserungsfeldbau m√∂glich. Nur der schmale Streifen entlang der nigerianischen Grenze befindet sich in der Sahelzone und ist somit f√ľr den Regenfeldbau geeignet. Die Regenzeit ist extrem kurz, knapp drei bis vier Monate. Dar√ľber hinaus ist die Regenzeit durch eine hohe Variabilit√§t der Regenf√§lle gekennzeichnet: Regional k√∂nnen ebenso stark unterschiedliche Regeng√ľsse niedergehen, wie die zeitliche Verteilung des Regens w√§hrend der Regenzeit sehr ungleichm√§√üig ausfallen kann.

Anbauprodukte sind haupts√§chlich verschiedene Hirsearten sowie Bohnen und Erdn√ľsse. Nur in Trockenflusssenken werden im Bew√§sserungsanbau unter anderem Gem√ľsearten, Henna, Capsicum-Arten, Tabak angebaut. Mobiles Kapital sind Kleinviehherden, die in Notzeiten zun√§chst vermarktet und dann verzehrt werden.

Produktionsmittel sind heute der individualisierte Besitz an Grund und Boden sowie das durch den gemeinsam wirtschaftenden Haushalt erworbene Saatgut, das unter Umst√§nden in Kooperativen hinzugekauft werden muss. Dies geschieht, wenn das Saatgut wegen Nahrungsknappheit verzehrt statt ausgebracht wird. Bei staatlichen Kooperativen oder reichen H√§ndlern verschulden sich die Bauern teilweise auch durch den Kauf von Insektiziden und D√ľngemittel.

Die Arbeitsmittel sind die einer weitgehend nicht mechanisierten Landwirtschaft: die kurzstielige Hacke und ein langstieliges J√§teisen (Kanuri: ashasha). Ochsengezogene Pfl√ľge befinden sich in der Regel im Besitz reicher Bauern, die meist identisch mit der einheimischen Aristokratie sind. Der √ľberwiegende Teil der Bauern hat hierzu keinen Zugang.

Die vorkoloniale Gesellschaftsstruktur sieht eine gemeinschaftliche Nutzung der B√∂den durch eine Gro√üfamilie, ein gandu (Hausa: Haushalt) vor. Individueller Besitz an Grund und Boden war weitgehend unbekannt. Seit der Kolonialzeit hat sich durch die Konsolidierung famili√§rer Besitzanspr√ľche und einer zunehmenden Vermarktung von Grund und Boden ein individueller Besitz von Boden etabliert. Der Bev√∂lkerungsdruck f√ľhrte zu Landknappheit. Erbteilung f√ľhrte zur Fragmentierung von Landbesitz. Individuelle Parzellen k√∂nnen heute eine (Klein-)Familie kaum noch ern√§hren.

Ein weiteres Problem stellt die gro√üfl√§chige Abholzung zur Gewinnung von Brennmaterial dar, sowie das fast vollst√§ndige Abtragen von Pflanzenmaterial nach der Ernte, so dass Ackerfl√§chen zum einen vor der Sonneneinstrahlung nicht mehr gesch√ľtzt sind und zum anderen der D√ľngungseffekt durch verrottendes Pflanzenmaterial ausbleibt. Die B√∂den verarmen. Seit Mitte der 80er Jahre wird diesem Problem mit einer systematischen Begr√ľnung entgegen getreten. Hilfreich war dabei insbesondere die Bepflanzung mit der Akazienart Faidherbia albida. Bis 2006 konnten so 3 Millionen Hektar Land begr√ľnt werden, von denen 250.000 Hektar bereits wieder landwirtschaftlich nutzbar sind. In diesen Gebieten sind die Niederschlagsmengen von 1982 bis 1999 um 10 bis 20 Prozent gestiegen.

Die lange Trockenzeit macht ein Vorratshaltungssystem notwendig, das in vorkolonialer Zeit sozial und religi√∂s sanktioniert war. Diese Vorratshaltung war eng an die vorkoloniale Struktur der Haushalte, ihrer Arbeits- und Konsumptionsstruktur gebunden. Mit der Fragmentierung der Haushalte und der Individualisierung von Bodenbesitz vor allem seit der Dekolonisierung geht eine Aufl√∂sung dieser vorkolonialen Umverteilungsstrukturen einher. Heutige (Klein-)Familien k√∂nnen kaum noch auf ein Netz famili√§rer und nachbarschaftlicher Solidarit√§tsstrukturen zur√ľckgreifen, vor allem angesichts des allgemein herrschenden Drucks auf die √∂kologisch fragile Klimazone.

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 320 Mio. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 186 Mio. US-Dollar gegen√ľber. Das Defizit wird durch Budgethilfe ausgeglichen.[25]

Die Staatsverschuldung betrug 2009 1 Mrd. US-Dollar oder 17,8 % des BIP.[26]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

Infrastruktur

Die Infrastruktur des Nigers wurde in den letzten Jahren deutlich ausgebaut. So wuchs etwa das Stra√üennetz seit 2005 um fast das Doppelte auf nunmehr 18.949 km, darunter 3.912 km befestigte Stra√üen. Des Weiteren verf√ľgt das Land √ľber insgesamt 27 Flugh√§fen, von denen zehn befestigten Start- und Landebahnen haben. Der Fluss Niger ist auf 300 km L√§nge schiffbar[28].

Kultur

Moschee in Niamey

Feiertage

Islamische Feiertage wie Eid al-Fitr (Ende des Ramadan), Tabaske (Opferfest) und Mouloud (Geburtstag Mohammeds) werden nach dem Mondkalender berechnet und verschieben sich daher von Jahr zu Jahr. Die wenigen christlichen Gemeinden feiern auch Ostern und andere kirchliche Feste.

Nationalfeiertage

  • 3. August (Unabh√§ngigkeitstag)
  • 18. Dezember (Tag der Republik)

Gesetzliche Feiertage

  • 1. Januar (Neujahr)
  • variabel (Ostermontag)
  • 24. April (Concord-Tag)
  • 1. Mai (Tag der Arbeit)
  • 25. Dezember (Weihnachten)

Film

‚Üí Hauptartikel: Nigrischer Film

Niger war in den 1960er und 1970er Jahren eine bedeutende Filmnation des afrikanischen Kinos. Zu nennen sind hier besonders die Regisseure Moustapha Alassane und Oumarou Ganda, die beide durch den französischen Filmemacher Jean Rouch zum Kino kamen. Als erster genuin nigrischer Film gilt Alassanes Aouré aus dem Jahr 1962. In den 1980er Jahren schlitterte der nigrische Film in eine Krise, die vor allem finanzielle Ursachen hatte.[29]

Regelmäßige Veranstaltungen

Teilnehmer des Guérewol

In Agadez findet j√§hrlich das gro√üe islamische Volksfest Bianou statt. Weitere traditionelle Veranstaltungen in Niger sind das ‚ÄěBrautschaufestival‚Äú Gu√©rewol der Wodaabe, die j√§hrliche Animisten-Versammlung in Massalata und die Cure Sal√©e, ein j√§hrliches Nomadentreffen im Gebiet um die Oase Ingal. Das A√Įr-Festival, eine Folklore-Veranstaltung im A√Įr-Gebirge, wurde 2001 gegr√ľndet.

Der Prix Dan Gourmou in Tahoua ist ein bedeutender nigrischer Musikwettbewerb. Wichtige Messen sind das an wechselnden Orten stattfindende Festival International de la Mode Africaine und der Handwerksprodukten von Frauen gewidmete Salon International de l’Artisanat pour la Femme in Niamey.[30]

Literatur

  • Cornelia Nicodemus: Indigene Vorratshaltung und koloniale Krisenpr√§ventionspolitik. Zwangsspeicher und Soci√©t√©s Indig√®nes de Pr√©voyance in der Kolonie Niger nach 1932. Frankfurt 2000.
  • Boureima Alpha Gado: Une histoire des famines au Sahel. √Čtude des grandes crises alimentaires (XIX-XXe si√®cles). Paris 1993.
  • Polly Hill: Population, Prosperity and Poverty. Rural Kano 1900 and 1970. Cambridge 1977.
  • Guy Nicolas: Dynamique et appr√©hension du monde au sein d¬īune soci√©t√© haoussa. Paris 1975.
  • Claude Raynaut: Structures normatives et relations √©lectives. √Čtude d¬īune communaut√© villageoise haoussa. Paris 1972.
  • Holger Weiss: Babban Yunwa. Hunger und Gesellschaft in Nord-Nigeria und den Nachbarregionen in der fr√ľhen Kolonialzeit. Helsinki 1997.
  • Mano Dayak: Geboren mit Sand in den Augen: Die Autobiographie eines F√ľhrers der Tuareg- Rebellen. Unionsverlag, Z√ľrich 1997, ISBN 3-293-00237-4

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Niger ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen
 Commons: Niger ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikiatlas Wikimedia-Atlas: Niger ‚Äď geographische und historische Karten

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Website des Institut National de la Statistique du Niger (Abgerufen am 22. November 2009)
  2. ‚ÜĎ International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008
  3. ‚ÜĎ Jon Gambrell: 10 million face famine in West Africa. The Independent, 30. Mai 2010.
  4. ‚ÜĎ https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/ng.html abgerufen am 5. November 2011
  5. ‚ÜĎ
  6. ‚ÜĎ Fischer Weltalmanach 2006, S. 337, ISBN 3-596-72006-0
  7. ‚ÜĎ http://www.sdc.admin.ch/de/Home/Laender/Westafrika/Niger Zugriff 6. September 2011
  8. ‚ÜĎ a b Tagesspiegel: UN-Report: Wo lebt es sich am besten
  9. ‚ÜĎ Statistisches Bundesamt Deutschland
  10. ‚ÜĎ http://hdrstats.undp.org/en/countries/profiles/NER.html
  11. ‚ÜĎ http://apps.who.int/ghodata/?vid=61190
  12. ‚ÜĎ http://apps.who.int/ghodata/?vid=14900&theme=country
  13. ‚ÜĎ [1]
  14. ‚ÜĎ http://www.fr-online.de/blob/view/-/4516660/data/2561002/-/Trinkwasser-Versorgung.PDF.pdf
  15. ‚ÜĎ http://www.dol.gov/ilab/media/reports/iclp/tda2001/Niger.htm
  16. ‚ÜĎ http://edition.cnn.com/2006/HEALTH/parenting/05/08/mothers.index/index.html
  17. ‚ÜĎ http://www.zenithonline.de/politik/hintergruende/?article=690&cHash=8e64e153e7
  18. ‚ÜĎ Welt.de: Nach Milit√§rputsch - Afrikanische Union suspendiert Niger
  19. ‚ÜĎ FAB, Brockhaus Enzyklop√§die in 5 B√§nden, NAR-SHAO, Seite 3369
  20. ‚ÜĎ The Economist Intelligence Unit's Index of Democracy 2008 (englisch)
  21. ‚ÜĎ Deutsche Welle:Umstrittene Parlamentswahl im Niger
  22. ‚ÜĎ [2]
  23. ‚ÜĎ "Oppositionsf√ľhrer gewinnt Wahl in Niger", DIE ZEIT, 14. M√§rz 2011.
  24. ‚ÜĎ Weltbank
  25. ‚ÜĎ a b c The World Factbook
  26. ‚ÜĎ indx mundi
  27. ‚ÜĎ Der Fischer Weltalmanach 2010: Zahlen Daten Fakten, Fischer, Frankfurt, 8. September 2009, ISBN 978-3-596-72910-4
  28. ‚ÜĎ CIA The World Factbook Niger (engl.)
  29. ‚ÜĎ Jean-Baptiste Dossou-Yovo: Le cin√©ma nig√©rien: un pass√© √† recomposer. In: Clap Noir, 12. Februar 2004 (Online-Version).
  30. ‚ÜĎ Jolijn Geels: Niger. Bradt, Chalfont St Peter 2006, ISBN 1-84162-152-8, S. 76‚Äď78.

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • Niger ‚ÄĒ (le) grand fleuve d Afrique occid., tributaire de l Atlantique (golfe de Guin√©e); le 3e du continent; 4 160 km pour un bassin de 2 092 000 km¬≤ s √©tendant sur huit √©tats. N√© en r√©p. de Guin√©e sur le versant est du Fouta Djalon et appel√© Djoliba (… ‚Ķ   Encyclop√©die Universelle

  • Niger ‚ÄĒ African nation, named for the river Niger, mentioned by that name 1520s (Leo Africanus), probably an alteration (by influence of L. niger black ) of a local Tuareg name, egereou n igereouen, from egereou big river, sea + n igereouen, plural of… ‚Ķ   Etymology dictionary

  • Niger [2] ‚ÄĒ Niger, 1) (Nigir, a. Geogr.), Flu√ü, der im S√ľdosten Afrikas, aus dem Gebirg Thala entsprang, dann sich westlich wandte u. seinen 400 geographische Meilen langen Lauf endigte, indem der √∂stliche Arm durch unbekannte Gegenden, der westliche durch… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Niger [3] ‚ÄĒ Niger, 1) Pescennius N., aus Aquinum, zeichnete sich fr√ľhzeitig im Felde aus, commandirte 190 n.Chr. in Dacien u. wurde 191 Statthalter in Syrien; nach der Ermordung des Kaisers Pertinax 193 w√§hlten ihn seine Legionen u. der ganze Orient zum… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Niger ‚ÄĒ [nńę‚Ä≤j…ôr, nńď zher‚Ä≤] 1. river in W Africa, flowing from Guinea through Mali, Niger, & Nigeria into the Gulf of Guinea: c. 2,590 mi (4,168 km) 2. country in WC Africa, north of Nigeria: formerly a French territory, it became independent in 1960: 489 ‚Ķ   English World dictionary

  • Niger [1] ‚ÄĒ Niger (lat.), 1) schwarz, dunkel; 2) b√∂s, gottlos; 3) Ungl√ľck bringend ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Niger ‚ÄĒ (richtiger Nigir, ¬ĽFlu√ü¬ę), n√§chst Nil und Kongo l√§ngster Strom (4160 km) Afrikas, steht blo√ü dem Kongo an Wassermasse nach. Er entspringt aus drei Quellfl√ľssen (Hauptquelle 9¬į20¬ī n√∂rdl. Br. und 11¬į westl. L.) in der Gegend des Treffpunktes von… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • Niger ‚ÄĒ Niger, nach dem Nil und Kongo der gr√∂√üte Strom Afrikas [Karte: Afrika I], im Oberlaufe Dscholiba (Joliba) und Eghirreu, im Unterlaufe Kowarra, Quorra genannt, entspringt als Tembi in Oberguinea, flie√üt zuerst nach NO., wird bei Bammako f√ľr… ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • Niger ‚ÄĒ Niger, r√∂m. Benennung des Hauptstromes von Mittelafrika: von dem die Alten wu√üten, da√ü er weite und volkreiche L√§nder durchstr√∂me. Von den Europ√§ern bat ihn zuerst Mungo Park gesehen; Clapperton ermittelte, da√ü er in den Meerbusen von Benin m√ľnde ‚Ķ   Herders Conversations-Lexikon

  • Niger ‚ÄĒ Port√© dans le Finist√®re, le nom a d√Ľ d√©signer celui qui vannait les c√©r√©ales (breton nizher) ‚Ķ   Noms de famille

  • niger ‚ÄĒ n»Čger m DEFINICIJA Ňĺarg. crnac, pripadnik crne rase, naziv najńćeŇ°ńáe pejor. prizvuka ETIMOLOGIJA amer.engl. nigger ‚Üź Ň°p. negro ‚Ķ   Hrvatski jezińćni portal


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.