Nikola Tesla

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Nikola Tesla
Nikola Tesla

Nikola Tesla (kyrillisch –Ě–ł–ļ–ĺ–Ľ–į –Ę–Ķ—Ā–Ľ–į, * 10. Juli 1856 in Smiljan, Kroatische Milit√§rgrenze, Kaisertum √Ėsterreich; ‚Ć 7. Januar 1943 in New York, USA) war ein Erfinder, Physiker und Elektroingenieur. Sein Lebenswerk ist gepr√§gt durch zahlreiche Erfindungen auf dem Gebiet der Elektrotechnik, insbesondere der elektrischen Energietechnik, wie die Entwicklung des heute als Zweiphasenwechselstrom bezeichneten Systems zur elektrischen Energie√ľbertragung.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Nikola Teslas Geburtshaus im Dorf Smiljan, heutiges Tesla-Museum in Kroatien

Tesla wurde als viertes von f√ľnf Kindern[1] serbischst√§mmiger Eltern (Milutin und Djuka Tesla, geborene Mandińá) in der Lika in einem Dorf unweit von Gospińá geboren. Sein Vater Milutin war ein serbisch-orthodoxer Priester. Nikola Tesla besuchte die Grundschule in Gospińá und von 1870 das Gymnasium in Karlovac. W√§hrend seiner Gymnasialzeit lebte er in dem b√ľrgerlichen Haushalt bei seiner Tante Stanka und deren Mann Dane Brankovińá, einem pensionierten Oberst.

Im Jahr 1875 nahm er sein ‚ÄěStudium Generale‚Äú an der Technischen Hochschule Graz auf und belegte im ersten Jahr √ľberdurchschnittlich viele Vorlesungen. Am 21. Juli 1876 erhielt er die Zugangsberechtigung zum Hauptstudium in Maschinenbau ‚Äď Elektrotechnik als Studienrichtung gab es zu der damaligen Zeit noch nicht. Bei dem Physikprofessor Jakob P√∂schl hatte er Gelegenheit, die Gramme-Maschine, ein damals neuartiger Gleichstromgenerator von Z√©nobe Gramme, kennen zu lernen. Im zweiten Studienjahr nahm seine Aktivit√§t im Studium deutlich ab, im dritten Studienjahr schloss er keine Pr√ľfung ab und wurde von der Universit√§t im Studienjahr 1877/78 wegen Nichtbezahlung des Unterrichtgeldes exmatrikuliert. Tesla ging zu jener Zeit noch anderen Interessen nach, unter anderem Kartenspiel und Billard und zog nach Maribor, wo er eine Anstellung als Maschinenbauer fand. Seine Freizeit verbrachte er als zwischenzeitlich herausragender Karten- und Billardspieler in einschl√§gigen Lokalen, was am 24. M√§rz 1879 darin gipfelte, dass er aus Maribor verwiesen und polizeilich in seine Heimatgemeinde Gospińá zur√ľckgeschickt wurde. Einen Monat sp√§ter, im April 1879, starb sein Vater. Nach seinem Tod blieb Tesla zun√§chst in Gospińá und nahm eine Anstellung als Aushilfslehrer an.

Im Jahr 1880 ging Tesla, finanziell von seinem Onkel Dane Brankovińá unterst√ľtzt, nach Prag, um an der dortigen, damals deutschsprachigen Karls-Universit√§t sein Studium abzuschlie√üen. Allerdings ist weder der Besuch noch der Abschluss der von ihm besuchten Vorlesungen an der Universit√§t Prag belegt, die notwendigen Studiengeb√ľhren wurden nie bezahlt. 1881 bis 1882 lebte er in Budapest in Ungarn, 1882 mit einer Anstellung als Telegrafenamtstechniker bei Tivadar Pusk√°s, der zu jener Zeit Vertreter von Thomas Alva Edison in Europa war. Ende 1882, mit Empfehlung Pusk√°s, zog Tesla nach Paris zu Charles Batchelor, der eine der f√ľhrenden Edison-Firmen in Frankreich betrieb. Unter anderem betreute er in der Zeit von November 1883 bis Februar 1884 die neu installierte elektrische Beleuchtung am Bahnhof Strasbourg.

Jahre von 1884 bis 1890

Abbildungen aus Teslas Patent zum Mehrphasenwechselstrom

Am 6. Juni 1884 zog Tesla praktisch ohne Finanzmittel nach New York. Bereits zwei Tage sp√§ter, am 8. Juni 1884 begann er in der Firma bei Thomas Alva Edison zu arbeiten. Dieses Dienstverh√§ltnis bestand nur bis zum 7. Dezember 1884, als es wegen Differenzen bei den Gehaltsvorstellungen von Tesla gel√∂st wurde. Im M√§rz des Folgejahres gr√ľndete Tesla gemeinsam mit zwei Gesch√§ftsleuten die Firma Tesla Electric Light and Manufacturing Company mit Sitz in Rahway. Im Jahr 1885 werden die ersten Patente, wie Teslas Bogenlampe und ein neuartiger Kommutator, beantragt und in die Firma eingebracht.[2][3] Die beiden Gesch√§ftspartner hintergingen Tesla. Ihnen war eine Beteiligung nur wichtig, um Lizenz-Zahlungen an andere Lampenkonstrukteure umgehen zu k√∂nnen. Ende 1886 meldete die Firma dann auch Konkurs an.

Im Fr√ľhjahr 1887 war Tesla zeitweise arbeitslos, arbeitete als Tagl√∂hner im Stra√üenbau und lernte √ľber zuf√§llige Bekanntschaften den Superintendenten der Western Union Alfred S. Brown und den Anwalt Charles F. Peck kennen. Teslas Ideen zu einem rotierenden magnetischen Feld, ein sogenanntes Drehfeld, gebildet aus zwei Wechselstr√∂men, die gegeneinander um 90¬į phasenversetzt sind und heute unter dem Begriff Zweiphasenwechselstrom bekannt sind, √ľberzeugte Brown und Peck. So konnte Tesla im April 1887 als Teilhaber seine zweite Firma Tesla Electric Company gr√ľnden und sich mit den ersten Arbeiten zu Zweiphasenwechselstrom besch√§ftigen. Es entstanden bis zum Mai 1888 sieben Patente (Peck ist neben Tesla als Mitinhaber eingetragen), die sich mit mehrphasigen Wechselstrom und dessen √úbertragung besch√§ftigten, den sogenannten Polyphase-Patenten.[4] Eines der wichtigsten Patente daraus, US-Patent Nr 381.968, beschreibt die erste Zweiphasen-Synchronmaschine, die zu den Drehstrommaschinen z√§hlt. Im April 1888 erfolgten Publikationen in renommierten Fachzeitschriften wie dem Electrical Review und der Electrical World, wodurch eine gewisse Bekanntheit in Fachkreisen folgte.

Am 16. Mai 1888 wurde Tesla eingeladen, einen Vortrag zum Mehrphasenwechselstrom vor dem American Institute of Electrical Engineers (AIEE, heute IEEE) zu halten.[5] Dieser Vortrag, er wurde unter dem Titel New York Lecture bekannt, erregte gro√ües Aufsehen und f√ľhrte dazu, dass der Gro√üindustrielle George Westinghouse auf Tesla aufmerksam wurde. Westinghouse, der sich in einer sp√§ter Stromkrieg genannten Auseinandersetzung mit Edison befand, sicherte sich Mitte 1888 die Rechte auf Teslas Polyphase-Patente, musste in den folgenden zehn Jahren aber erhebliche finanzielle Mittel in die Verteidigung jener Patente gegen Galileo Ferraris aufwenden, der praktisch gleichzeitig und unabh√§ngig von Tesla das Drehstromsystem erfand. Unabh√§ngig von Tesla erfand Michail Ossipowitsch Doliwo-Dobrowolski im Jahr 1888 das heute in der elektrischen Energietechnik und in Stromnetzen √ľbliche Dreiphasensystem.[6]

Von Juli 1888 bis Juli 1889 arbeitete Tesla gemeinsam mit Technikern von Westinghouse in Pittsburgh an praktischen Realisierungen von Wechselspannungssystemen - aus der Zeit stammen mehrere Patente, unter anderem zur Konvertierung von Gleichstrom in Wechselstrom. Die Zusammenarbeit war nicht konfliktfrei: Tesla war es gewohnt als ‚ÄěEinzelk√§mpfer‚Äú zu arbeiten und konnte sich nur schwer integrieren. Technisch waren die bestehenden Westinghouse-Maschinen einphasige Generatoren, ausgelegt auf eine Netzfrequenz von 133 Hz. Teslas Maschinen waren auf Mehrphasenwechselstrom f√ľr 60 Hz ausgelegt. 1890 setzten sich die noch heute in Nordamerika √ľbliche Netzfrequenz von 60 Hz und das Mehrphasensystem bei Westinghouse endg√ľltig durch. Zur gleichen Zeit war im sogenannten Stromkrieg ein Streit entbrannt zwischen Edison, der ein Gleichstromsystem, und Westinghouse, der ein Wechselstromsystem favorisierte.

Jahre von 1890 bis 1900

Tesla bei der Columbia Lecture in New York, Mai 1891

Im August 1889 zog Tesla nach kurzem europ√§ischen Aufenthalt in Paris und seiner Heimatgemeinde Gospińá nach New York, wo er sich in der Grand Street ein Labor einrichtete, und begann sich mit hochfrequenten Wechselstr√∂men zu befassen. Er wohnte zu dieser Zeit, losgel√∂st von finanziellen Sorgen, in First-Class-Hotels wie dem Astor-House am Broadway. Im Jahr 1890 entstanden mehrere Patente, unter anderem zu Unterbrecherkontakten und Wechselspannungs-Generatoren mit vielen Polen und Resonanz-Transformatoren, den sogenannten Tesla-Transformatoren, um mit Funkenstrecken die Lichtbogenlampe zu verbessern.[7]

Die Idee, die Tesla damals verfolgte und die ihn zeitlebens nicht mehr loslassen sollte, war mittels hochfrequenter Wechselstr√∂me eine drahtlose Energie√ľbertragung zu erm√∂glichen. Er experimentierte dazu mit Gei√ülerr√∂hren, einer fr√ľhen Form der Gasentladungsr√∂hre, und veranstaltete regelm√§√üig Vorf√ľhrungen, bei denen er die Gei√ülerr√∂hren ohne Kabelanschluss zwischen im Raum angebrachten Elektroden leuchten lie√ü. Dieses beeindruckende Schauspiel f√ľhrte meist zu gro√üem Staunen im Publikum. In Folge dieser Vorf√ľhrungen lud William Arnold Anthony, damals Pr√§sident der AIEE, ihn ein, am 20. Mai 1891 einen Vortrag am Columbia College in New York zu halten. Diese als Columbia Lecture bekannt gewordene Vorlesung, eine Mischung aus Fachvortrag und B√ľhnenshow, fand gro√üe Beachtung, erntete aber aufgrund ihres okkulten Stils auch Missfallen, zum Beispiel bei Mihajlo Pupin, damals Physikprofessor an der Columbia University.

In Folge der Columbia Lecture und seiner √∂ffentlichen Auftritte wurde Tesla in der New Yorker High Society bekannt. Dies √∂ffnete ihm verschiedene gesellschaftliche T√ľren. Unter anderem erhielt er am 31. Juli 1891 die amerikanische Staatsb√ľrgerschaft. Von Februar 1892 bis Ende August 1892 weilte Tesla in Europa, unter anderem in London, wo er am 3. Februar 1892 vor der Institution of Electrical Engineers (IEE) und danach bei der Royal Institution of Great Britain eine √ľberarbeitete Version seiner Columbia Lecture vortrug. Es folgten Pr√§sentationen in Paris, danach reiste er in seine Heimatgemeinde Gospińá, wo seine Mutter am 16. April 1892 starb.

Wechselstromsystem von Tesla (Tesla's Egg of Columbus) von 1893

Trotz der Wirtschaftskrise in den USA im Jahr 1893 wurde auf der World‚Äôs Columbian Exposition in Chicago (diese Weltausstellung stand im Zeichen der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus) von Westinghouse das sogenannte Tesla's Egg of Columbus ausgestellt. Dieser Demonstrationsaufbau sollte die Wirkung des magnetischen Drehfeldes anhand eines metallischen Eies und dessen Rotation veranschaulichen und im Rahmen des Stromkrieges Stimmung f√ľr das von Westinghouse vertretene Wechselstromsystem machen. Zeitgleich zog Tesla 1893 in das New Yorker Hotel Gerlach, das bereits elektrisches Licht und einen Fahrstuhl hatte. Auch richtete er in diesem Jahr ein gr√∂√üeres Labor am West Broadway ein und besch√§ftige f√ľnf Mechaniker. In seinem neuen Labor lie√ü er an der Decke umlaufende Kabel montieren und von einem Tesla-Oszillator speisen.[8] Damit war es m√∂glich, mit Gei√ülerr√∂hren im Raum umherzugehen, w√§hrend die R√∂hren durch die hohen elektrischen Feldst√§rken drahtlos leuchteten. Im gleichen Jahr folgten Vortr√§ge zu diesen Experimenten am Franklin Institute in Philadelphia und medial beachtete Vorf√ľhrungen auf der World‚Äôs Columbian Exposition in Chicago. Er stellte sich dabei quasi selbst aus und lie√ü durch hochfrequente Wechselstr√∂me, die durch den Skin-Effekt bis zu einer gewissen St√§rke gefahrlos sind, Koronaentladungen und deren optische Lichterscheinungen an der Oberfl√§che seiner Kleidung und Haaren entstehen.

Tesla war in den 1890er Jahren auch in der New Yorker High Society sehr aktiv und pflegte einen teuren Lebensstil. Er hatte beispielsweise die Angewohnheit, Lederhandschuhe und Krawatten nach einer Woche wegzuwerfen und durch neue zu ersetzen. In dieser Zeit kn√ľpfte er auch Kontakte zu der Theaterdiva Sarah Bernhardt und zu dem Bankier J. P. Morgan. Er hatte in dieser Zeit auch R√ľckschl√§ge zu verkraften: Am 13. M√§rz 1895 vernichtete ein Brand sein Labor mit allen Ger√§ten, Unterlagen und Aufzeichnungen. Der Brand wurde durch eine Heizungsfirma, die im selben Geb√§ude im Erdgeschoss untergebracht war, ausgel√∂st. Dies f√ľhrte zu einer depressiven Phase. Zwar konnte er im gleichen Jahr ein neues Labor einrichten, seine finanzielle Lage verschlechterte sich aber dadurch gegen Ende 1895.

Im Jahr 1896 besch√§ftige sich Tesla mit der damals neu entdeckten R√∂ntgenstrahlung; 1897 widmete er sich wieder intensiv den Ideen zur drahtlosen Energie- und Nachrichten√ľbertragung [9], die bis zu einem gewissen Grad in Konkurrenz zu den Arbeiten des Funkpioniers Guglielmo Marconi standen. Tesla besch√§ftigte sich zu der Zeit auch mit anderen Themen, wie einem 1,1 Meter langen unbemannten U-Boot, das drahtlos ferngesteuert werden konnte und mit Sprengstoff beladen im Spanisch-Amerikanischen Krieg eingesetzt werden sollte, aber nie zum Einsatz kam.[10][11][12]

Ende 1898 zog Tesla in das New Yorker Luxushotel Waldorf-Astoria und konnte dessen wohlhabenden Besitzer, John Jacob Astor IV, als Investor gewinnen. Teslas Finanzen wurden 1898 f√ľr ihn verst√§rkt zum Problem, da seine Ausgaben die unregelm√§√üigen Eink√ľnfte aus Lizenzen und gelegentlichen Vortr√§gen √ľberstiegen. Westinghouse unterst√ľtzte Tesla mit einem Kredit, daf√ľr musste dieser allerdings auf einen Teil der Lizenz-Einnahmen aus seinen Patenten verzichten. Au√üerdem war sein New Yorker Labor f√ľr die immer gr√∂√üeren Aufbauten zur Erprobung seiner drahtlosen Energie√ľbertragung zu klein geworden.

Tesla in seinem Labor in Colorado Springs, Dezember 1899. Die Aufnahme stellt eine Mehrfachbelichtung dar: Während der Blitzentladungen befand sich Tesla nicht im Raum

√úber seinen Patentanwalt inspiriert, der Anteile an dem Elektrizit√§tswerk El Paso Electric Company in Colorado Springs besa√ü, baute Tesla ab Mai 1899 in dem damals nur d√ľnn besiedelten Gebiet um Colorado Springs ein gr√∂√üeres Labor auf. Tesla wollte mit den geplanten Anlagen bis zur Weltausstellung Paris 1900 drahtlos ‚ÄěNachrichten und Energie‚Äú von der Ostk√ľste der USA zu einer geplanten Empfangsstation nach Frankreich √ľbertragen. Das aus Holz aufgebaute Labor beinhaltete verschiedene Spulen und Aufbauten und in der Mitte einen bis auf 50 m H√∂he ausziehbaren Eisenmast, der dazu dienen sollte, Blitzentladungen einzufangen. Tesla bezeichnete in seinem damals gef√ľhrten Tagebuch dieses Gebilde als magnifying transmitter, war aber gleichzeitig bem√ľht, m√∂glichst wenig Information dar√ľber nach au√üen dringen zu lassen. Sein Labor in Colorado Springs durfte von Au√üenstehenden nicht betreten werden.

Bei seinen Experimenten mit Blitzentladungen beschrieb er auch die im niederfrequenten Bereich in der Atmosphäre auftretenden stehenden Wellen, die heute als Schumann-Resonanz bezeichnet werden. Er konnte diese Beobachtungen aber nicht systematisch einordnen, auch waren um 1900 der Aufbau der Atmosphäre und die Ionosphäre noch unbekannt. Erklärungen seiner Beobachtungen erfolgten erst 50 Jahre später durch Winfried Otto Schumann.

Bei seinen Versuchen in Colorado Springs wurden durch k√ľnstliche und nat√ľrliche Blitzentladung wiederholt Teile des Labors in Brand gesetzt. Im Oktober 1899 steigerte Tesla die Leistung soweit, dass der Generator der El Paso Electric Company durchbrannte und die Stadt Colorado Springs tagelang keinen Strom hatte. Zu der Zeit war Tesla der √úberzeugung, ein funktionierendes ‚ÄěWelt-Energie-System‚Äú gefunden zu haben. Im Dezember 1899 entstanden im Labor und in der Umgebung davon einige Aufnahmen f√ľr Werbezwecke, die vom Chef-Fotografen des damals renommierten Century Magazine, Dickenson V. Alley, gemacht wurden. Tesla zog am 7. Januar 1900 nach New York und lie√ü das Labor, wie es war. Er bezahlte weder die offenen Stromrechnungen noch die L√∂hne seiner Arbeiter ‚Äď f√ľnf Jahre sp√§ter wurde Tesla wegen dieser Schulden angeklagt und die Einrichtungen und Materialien des Labors als Baumaterial verkauft.

Jahre von 1900 bis 1910

Nikola Tesla liest vor einer riesigen Spiralspule

Am 20. M√§rz 1900 erhielt Tesla sein erstes Patent √ľber die drahtlose Energie√ľbertragung[13], das heute als erstes Patent der Funktechnik gilt, obwohl er damit Energie zur Beleuchtung √ľbertragen wollte. Einen Monat sp√§ter, am 26. April 1900, meldete Guglielmo Marconi sein Patent zur drahtlosen Telegraphie an ‚Äď Marconi sollte es gelingen, die erste drahtlose transatlantische Funkverbindung zwischen Nordamerika und Europa zu realisieren.

Nach 1900 wurden die Arbeiten von Tesla zunehmend skurriler, mit einem Hang zum Transzendentalismus und Bereichen der Metaphysik. Mitte 1900 ver√∂ffentliche er im Century Magazines einen ausschweifenden Artikel unter dem Titel The Problem of Increasing Human Energy, in dem er eine apokalyptische Prophezeiung √ľber die Gegenwart und Zukunft der Menschheit zeichnet. Darin kommt auch seine Phantasie zu einer kabellosen Energie√ľbertragung f√ľr die gesamte Menschheit vor. Unter anderem behauptet er darin, dass ‚Äědie Energie eines Menschen durch die H√§lfte seiner Masse, multipliziert mit dem Quadrat einer noch unbekannten Geschwindigkeit‚Äú sei. Die Steigerung jener menschlichen Energie sei durch ‚ÄěEssen, Frieden und Arbeit‚Äú m√∂glich. Der Artikel, der auch ein Patent von Tesla zu einem ‚ÄěWelt-Energie-System‚Äú[14] referenziert, rief heftige Kritik in Fachkreisen und den Medien hervor, unter anderem in gro√üen US-Zeitungen, in denen er als Tr√§umer und unpraktischer Erfinder bezeichnet wurde.[15]

Die betreffenden Arbeiten werden noch heute in Bereichen der Parawissenschaft hinsichtlich m√∂glicher neuer Energieformen referenziert. Tesla lie√ü sich davon aber nicht beeindrucken und behauptete in der Januar-Ausgabe 1901 des auflagenstarken US-Magazin Collier's Weekly, bereits 1899 Erstkontakt mit Au√üerirdischen gehabt zu haben. Im M√§rz 1901 meldete er sein Patent f√ľr einen Apparat zum Gebrauch von Strahlungsenergie mit US-Pat Nr. 685.957 an, der ‚ÄěRaumenergie‚Äú auffangen und in elektrische Energie umwandeln soll.[16] Auch diese Arbeiten werden bis heute in Teilen der Parawissenschaft als Quelle referenziert.

Ende 1900 verschlechterte sich die finanzielle Situation Teslas wieder. Sein bisheriger Investor, der Hotelier Astor, hatte wegen Teslas Eskapaden kein Interesse mehr. In der Folge brachte sich Telsa verstärkt in der gehobenen New Yorker Gesellschaft ein und verbrachte Zeit auf verschiedenen Gesellschaften. Im Februar 1901 gelang es ihm, den Bankier J.P. Morgan als neuen Investor zu gewinnen.

‚Üí Hauptartikel: Wardenclyffe Tower

Mit Hilfe der Investition von J.P. Morgan konnte Tesla 1901 beginnen, den nicht vollendeten und nie in Betrieb gegangenen Wardenclyffe Tower am Nordurfer von Long Island zu bauen. Im Verlauf des Projektes kam es zu Diskrepanzen mit seinem Geldgeber, unter anderem weil Tesla gegen√ľber J.P. Morgan das Projekt als Hochleistungs-Funksender zur Nachrichten√ľbertragung darstellte, er in Wirklichkeit aber mit dem Turm seinen Traum von der weltweiten drahtlosen Energie√ľbertragung realisieren wollte. Morgan hatte Interesse an einem Konkurrenzfunksystem zu Marconi, um damit beispielsweise B√∂rsennachrichten aus Europa schneller verf√ľgbar zu haben. Als Tesla J.P. Morgan √ľber die eigentliche Aufgabe des Wardenclyffe Tower im September 1902 informierte, stieg dieser aus dem Projekt aus. Die gesch√§ftliche Beziehung zu J.P. Morgan zerbrach 1904 endg√ľltig.

Im Jahr 1905 kam das Projekt Wardenclyffe Tower zum Stillstand und die Finanzprobleme Teslas wurden immer prek√§rer. Er konnte die Mitarbeiter nicht mehr bezahlen, und es kam zu Gerichtsverfahren aus seiner Zeit in Colorado Springs. Ende 1905 und die folgenden Jahre bis 1908 zog sich Tesla immer mehr zur√ľck, schrieb zwar noch gelegentlich Artikel, experimentierte an sich selbst mit Elektroschock-Therapieverfahren und verfiel zeitweise dem Alkohol.

Seine Lage verbesserte sich 1908 durch die Erfindung der Tesla-Turbine, eine Form der Scheibenl√§uferpumpe, die beim im Goldbergbau reich gewordenen John Hays Hammond Interesse weckte. Mit dem neuen Investor konnte er die Firma Tesla Propulsion Company in New York gr√ľnden. Ab 1909 begann er, einen Teil seiner Schulden zur√ľckzuzahlen. Allerdings konnte die Tesla-Turbine mit der damaligen Werkstofftechnik nicht serienreif gestellt werden und wird auch heute wegen praktischer Fertigungsprobleme kaum benutzt. In den Jahren nach 1910 versch√§rften sich seine finanziellen Probleme wieder.

Jahre bis zu seinem Tod 1943

Blue Portrait von 1913

Im Jahr 1913 lie√ü sich Tesla in mehreren Sitzungen von Elisabeth Vilma Lwoff-Parlaghy in √Ėlfarben portr√§tieren, wozu er im Studio extra Gl√ľhlampen mit blauem Lichtfilter installierte. Das Bild wurde unter der Bezeichnung Blue Portrait bekannt und 1913 und 1916 in New York auf Verkaufsausstellungen pr√§sentiert.[17] Es fanden sich aber keine K√§ufer und das Gem√§lde verblieb im Eigentum der K√ľnstlerin. Nach der Versteigerung des Nachlasses der Malerin galt es als verschollen, bis es Anfang der 2000er Jahre im Fundus des Husumer NordseeMuseum-Nissenhaus wiederentdeckt wurde.[18]

Ende 1913 versuchte Tesla, Prototypen seiner Tesla-Turbine an die in Deutschland ans√§ssigen Bergmann Elektrizit√§tswerke zu verkaufen, scheiterte jedoch an den Transportkosten. Im Spannungsfeld vor dem Ersten Weltkrieg versuchte er im gleichen Jahr Geldgeber im Deutschen Kaiserreich zu finden, ver√∂ffentlichte Zeitschriftenartikel √ľber verschiedene Waffengattungen wie ‚Äěautomatische Lufttorpedos‚Äú und lie√ü dabei Bewunderung f√ľr verschiedene deutsche Waffengattungen erkennen. 1914, nach der Kriegserkl√§rung Deutschlands an Russland, wurden alle deutschen √úberseekabel durch die britische Marine gekappt ‚Äď die verbleibende Nachrichtenverbindung war eine von der amerikanischen Tochterfirma der Telefunken betriebenen Funkstation in Sayville. Diese Funkstation hatte allerdings eine zu geringe Sendeleistung, um ohne Relaisschiff im Atlantik Nachrichten nach Europa √ľbertragen zu k√∂nnen. Tesla nahm 1914, auch wegen seiner finanziellen Probleme, den Auftrag zur Verbesserung dieser kriegswichtigen Station an. Dies f√ľhrte dazu, dass der amerikanische Geheimdienst auf ihn aufmerksam wurde.

Tesla verfasste au√üerdem verschiedene Ver√∂ffentlichungen, so im August 1917 in der Zeitschrift Electrical Experimenter einen Artikel, der sich mit phantastischen Waffensystemen gegen U-Boote besch√§ftigte. Er wollte dazu ‚Äěkonzentrierte Strahlen hoher Frequenz‚Äú aussenden.

F√ľr seine Leistungen wurde Tesla 1916 die AIEE Edison Medal verliehen. In den 1930er-Jahren wurde er mit insgesamt zw√∂lf Ehrendoktorw√ľrden bedacht,[10] unter anderem von der Universit√§t Prag, im Jahr 1937 von der Technischen Hochschule Graz[19] und den Universit√§ten in Br√ľnn, Bukarest und Paris. Allein in den USA konnte er in etwa 50 Berufsjahren 112 Patente anmelden.

Um 1930, in Folge der Weltwirtschaftskrise, konnte er kaum noch f√ľr seinen Lebensunterhalt aufkommen und lebte auf Kredit in New Yorker Hotels. 1933 erkl√§rte sich die Westingshouse Company bereit, Tesla einen monatlichen Betrag f√ľr seine beratenden T√§tigkeiten zu zahlen. Am 1. Januar 1934 zog er in das Hotel New Yorker. Am Ende seines Erfinderlebens zog er sich mehr und mehr zur√ľck und besch√§ftige sich unter anderem um 1935 mit ‚ÄěStrahlenkanonen‚Äú.

Tesla wurde am Morgen des 8. Januar 1943 im Alter von 86 Jahren im Hotel New Yorker vom Personal tot aufgefunden; der Arzt trug als Todeszeitpunkt den 7. Januar 1943 im Totenschein ein.[10] Seine Unterlagen und Eigentum im Hotelzimmer wurden von US-Beamten des Alien Property Custodian beschlagnahmt, obwohl Tesla amerikanischer Staatsb√ľrger war ‚Äď man f√ľrchtete, dass seine Unterlagen ins Ausland verbracht werden k√∂nnten. Die Urne mit seiner Asche befindet sich heute im Nikola-Tesla-Museum in Belgrad.

Namensgebungen

Nikola-Tesla-Museum in Belgrad
100 Serbische Dinar (2007) mit Darstellung Nikola Teslas
B√ľste Teslas im Massachusetts Institute of Technology

Nach Nikola Tesla ist seit 1960 die physikalische Einheit der magnetischen Flussdichte, das Tesla, abgek√ľrzt mit dem Gro√übuchstaben T, benannt:

\mathrm{1\,T = 1\,\frac{N}{A\,m} =1\,\frac{V\,s}{m^2}}.
  • TESLA war der Name eines gro√üen elektrotechnischen Staatsbetriebs in der ńĆSSR, der bis zu seiner Umbenennung zu Ehren Nikola Teslas am 7. M√§rz 1946 Electra hie√ü. Durch dessen Exporte wurde Tesla in RGW-Staaten ein bekannter Markenname.
  • Ein gro√ües, jedoch nicht verwirklichtes Teilchenbeschleuniger-Projekt bei Hamburg erhielt das Akronym TESLA ‚Äď unter anderem, weil es Neuland in Supraleitung und Magnettechnik beschreiten sollte. Die Pl√§ne f√ľr TESLA sind in die Planungen f√ľr den International Linear Collider (ILC) aufgegangen.
  • Nikola Tesla ist Namenspatron von Tesla Motors, einem kalifornischen Hersteller von Elektroautos mit Wechselstrommotor.
  • Ein Mondkrater und ein Asteroid sind nach ihm benannt.

Tesla-Museen, Banknoten, Gedenkm√ľnzen und Statuen

Museen
Einrichtungen
Banknoten und M√ľnzen
Porträts und Statuen

Erw√§hnung in Filmen und B√ľchern

Nikola Teslas Schaffen fand Erw√§hnung in diversen Filmen, TV-Serien und B√ľchern, darunter

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Die Familie Tesla
  2. ‚ÜĎ Patent US335786: Arc lamp with carbon electrodes controlled by electromagnets or solenoids and a clutch mechanism; Corrects earlier design flaws common to the industry..
  3. ‚ÜĎ Patent US334823: Commutator for Dynamo Electric Machines.
  4. ‚ÜĎ Patent US381968: Mode and plan of operating electric motors by progressive shifting; Field Magnet; Armature; Electrical conversion; Economical; Transmission of energy; Simple construction; Easier construction; Rotating magnetic field principles.
    Patent US381969: Novel form and operating mode; Coils forming independent energizing circuits; Connected to an alternating current generator; Synchronous motor..
    Patent US381970: Current from a single source of supply in the main or transmitting circuit induce by induction apparatus.
    Patent US382279: Rotation is produced and maintained by direct attraction; Utilizes shifting poles; Induction magnetic motor..
    Patent US382280: New method or mode of transmission; Dynamo motor conversion with two independent circuits for long distance transmission; Alternating current transmission..
    Patent US382281: Improvements in electromagnetic motors and their mode or methods of their operations.
    Patent US382282: Method of Converting and Distributing Electric Currents.
  5. ‚ÜĎ Nikola Tesla: A NEW SYSTEM OF ALTERNATING CURRENT MOTORS AND TRANSFORMERS. American Institute of Electrical Engineers, Mai 1888 (HTML-Version bei 21st Century Books).
  6. ‚ÜĎ Gerhard Neidh√∂fer: Michael von Dolivo-Dobrowolsky und der Drehstrom: Anf√§nge der modernen Antriebstechnik und Stromversorgung. 2. Auflage. VDE-Verlag, 2008, ISBN 978-3-8007-3115-2.
  7. ‚ÜĎ Patent US433702: Electrical Transformer Or Induction Device.
  8. ‚ÜĎ Patent US514168: Means for Generating Electric Currents.
  9. ‚ÜĎ Patent US649621: Apparatus for Transmission of Electrical Energy.
  10. ‚ÜĎ a b c Michael Krause: Wie Nikola Tesla das 20. Jahrhundert erfand. 1. Auflage. Wiley, 2010, ISBN 978-3-527-50431-2.
  11. ‚ÜĎ Patent US613809: Method of and Apparatus for Controlling Mechanism of Moving Vehicle or Vehicles.
  12. ‚ÜĎ Patent US725605: System of Signaling.
  13. ‚ÜĎ Patent US645576: System of Transmission of Electrical Energy.
  14. ‚ÜĎ Patent US787412: Art of Transmitting Electrical Energy through the Natural Mediums.
  15. ‚ÜĎ Chicago Daily News, Ausgabe vom 6. Januar 1901
  16. ‚ÜĎ Patent US685957: Apparatus for the Utilization of Radiant Energy.
  17. ‚ÜĎ Nikola Tesla‚Äôs ‚ÄěBlue Portrait‚Äú by Princess Vilma Lwoff-Parlaghy
  18. ‚ÜĎ Wiederentdeckung des ‚Äěblue portrait‚Äú nach 85 Jahren
  19. ‚ÜĎ TU-Graz: Ein Pionier der Elektrotechnik abgefragt am 18. Dezember 2010
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