Nixdorf Computer

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Nixdorf Computer
Nixdorf Computer AG
Logo der Nixdorf Computer AG.svg
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gr√ľndung 1. Oktober 1968
Auflösung 1. Oktober 1998
Sitz Paderborn
Mitarbeiter 31.037 weltweit (1988)
Umsatz 5,347 Mrd. DM (1988)
Produkte Computer, Kassensysteme, Geldautomaten, Telefone

Die Nixdorf Computer AG wurde 1968 als Nachfolger des Labors f√ľr Impulstechnik (LFI) in Essen von Heinz Nixdorf gegr√ľndet. Das Unternehmen geh√∂rte zu den bedeutendsten und innovativsten Computerherstellern in Europa.

Inhaltsverzeichnis

Vorg√§ngerunternehmen Labor f√ľr Impulstechnik

Als Werkstudent beim amerikanischen B√ľromaschinenhersteller Remington Rand Corp. t√§tig, arbeitete Nixdorf an der Entwicklung einfacher Z√§hlger√§te, sogenannten Multiplikations- und Saldierwerken, mit. Die Weiterentwicklung des Rechnerprojektes wurde nach einigen Monaten von der Unternehmensleitung jedoch gestoppt ‚Äď der Marktwert der Rechenmaschinen wurde nicht erkannt ‚Äď woraufhin Nixdorf, der das Marktpotential erkannte, sein Konzept eines Elektronenrechners auf Rundfunkr√∂hrenbasis mehreren Gro√üunternehmen vorstellte. Bei den Rheinisch-Westf√§lischen Elektrizit√§tswerken (RWE) stie√ü Nixdorf auf Interesse und Vertrauen, sodass er mit einem Entwicklungsauftrag in H√∂he von 30.000 D-Mark ausgestattet wurde und am 1. Juli 1952 das Labor f√ľr Impulstechnik gr√ľndete. Noch 1952 konnte der erste Elektronenrechner auf Rundfunkr√∂hrenbasis f√ľr die Buchhaltung der RWE ausgeliefert und im folgenden Jahr die Weiterentwicklung betrieben werden. Die Innovations- und Expansionsphase des jungen Unternehmens verlief in gro√üen Schritten, sodass das LFI sich vom Produzenten von Rechenmaschinen f√ľr die RWE AG in den 1950er Jahren schnell zum Zulieferer elektronischer Rechenwerke f√ľr bedeutende B√ľromaschinenhersteller wie die Exacta B√ľromaschinen GmbH ‚Äď ab 1963 Wanderer-Werke ‚Äď in K√∂ln und die Compagnie des Machines Bull in Paris entwickelte. So war das Unternehmen 1954 gezwungen, aus den zu Anfang von der RWE zur Verf√ľgung gestellten Arbeitsr√§umen aufgrund von Platzmangel auszuziehen und neue R√§umlichkeiten anzumieten. Stetig wurden neue Elektronenrechner entwickelt, wie der elektronisch multiplizierende Buchungsautomat Multitronic 6000 oder der 1963 vorgestellte Wanderer Conti, welcher einst der weltweit erste Tischrechner mit eingebautem Drucker war. 1965 folgte die von Wanderer vertriebene Logatronic, den das LFI 1967 zum Nixdorf-Universalcomputer 820 weiterentwickelte. Die rasche Expansion des Unternehmens brachte es mit sich, dass bereits 1957 erste R√§ume in Nixdorfs Geburtsstadt Paderborn angemietet wurden. Ein Jahr sp√§ter zog Nixdorf mit dem gesamten Unternehmen von Essen nach Paderborn um und das erste Werksgeb√§ude wurde 1961 an der Pontanusstra√üe errichtet, in dem heute das Technische Rathaus der Stadt Paderborn untergebracht ist. 1967 sah Nixdorf die M√∂glichkeit, nicht mehr nur als Zulieferer zu fungieren, sondern den Vertrieb der Produkte selbst in die Hand zu nehmen. So wurden erste Gesch√§ftsstellen gegr√ľndet und das LFI zeigte durch die Errichtung eines zweiten Betriebswerkes in Berlin Pr√§senz. Ins Bewusstsein der √Ėffentlichkeit geriet das Unternehmen 1968 mit dem Kauf und der √úbernahme des gr√∂√üten Kunden, den Wanderer-Werken in K√∂ln.

Gr√ľndung und Entwicklung der Nixdorf Computer AG

Heinz Nixdorf (Unternehmensgr√ľnder)
Einf√ľhrung der Aktien der Nixdorf Computer AG an der D√ľsseldorfer B√∂rse im Jahr 1984. Im Gespr√§ch Dr. F. Wilhelm Christians (Aufsichtsratsvorsitzender Deutsche Bank), Dr. Herbert Zapp (Vorstandsmitglied Deutsche Bank), Heinz Nixdorf und Dr. Gerhard Schmidt (Aufsichtsratsvorsitzender NCAG).

Mit dem Erwerb der Wanderer-Aktien und somit den Wanderer-Werken ‚Äď der Kaufpreis betrug 17,2 Millionen D-Mark ‚Äď besa√ü Nixdorf nicht mehr nur leistungsf√§hige Entwicklungs- und Produktionsabteilungen, sondern er verf√ľgte zugleich auch √ľber eine eigene Vertriebsstruktur. Mit der Aktien√ľbernahme bei Wanderer durch Nixdorf im April 1968 erfolgte zum 1. Oktober desselben Jahres der Zusammenschluss zwischen den ehemaligen Wanderer-Werken und dem Labor f√ľr Impulstechnik zur Nixdorf Computer AG (NCAG) mit Sitz in Paderborn. Der sich schnell einstellende Erfolg der NCAG basierte auf der Erschlie√üung eines neuen Computermarktes: der Mittleren Datentechnik beziehungsweise der dezentralen elektronischen Datenverarbeitung. Massenhersteller wie IBM setzten weiterhin auf Gro√ürechner und zentralisierte Datenverarbeitung, wobei Gro√ürechner f√ľr kleine und mittlere Unternehmen zu teuer waren und die Gro√ühersteller diesen Markt nicht bedienen konnten. Nixdorf stie√ü in diese Marktnische mit dem modular aufgebauten Nixdorf 820 vor, brachte dadurch den Computer direkt an den Arbeitsplatz und erm√∂glichte kleineren und mittleren Betrieben die Nutzung der elektronischen Datenverarbeitung zu einem erschwinglichen Preis.

In der Folgezeit konnten auch Gro√üunternehmen als Kunden gewonnen werden, die das Nixdorf-System aus Kostengr√ľnden in ihren Auslandsdependancen verwandten. Die Hard- und Softwarepakete wurden individuell auf den Kunden zugeschnitten, wobei Schulungen die Kunden im Umgang mit der dezentralen EDV vertraut machten. Wesentliche Mitbewerber im Bereich der Mittleren Datentechnik waren Kienzle Apparate, Triumph-Adler, Olivetti, Philips, NCR und Dietz Computer. Noch 1968 fanden mit einem 100-Millionen-Mark-Auftrag des amerikanischen B√ľromaschinenherstellers Victor Comptometer, der 1972 √ľbernommen wurde, Computer aus Paderborn den Weg nach √úbersee. Neben dem steten innerdeutschen Ausbau des Vertriebsnetzes fasste die NCAG sp√§ter auch Fu√ü in den USA und Japan.

In den 1970er Jahren stieg die NCAG zum Marktf√ľhrer in der Mittleren Datentechnik in Deutschland auf und entwickelte sich zum viertgr√∂√üten Computerhersteller in Europa mit Fertigungsst√§tten in Deutschland, Irland, Spanien, USA und Singapur. 1972 war der westf√§lische Computerhersteller in 22 L√§ndern weltweit vertreten. Die weltweite Expansion f√ľhrte am Unternehmenssitz zu regen Baut√§tigkeiten: In den Paderauen ‚Äď heute Heinz-Nixdorf-Aue ‚Äď wurde 1971 die neue Hauptverwaltung an der F√ľrstenallee bezogen. (Heute beherbergt das Geb√§ude das Heinz Nixdorf MuseumsForum und das Heinz-Nixdorf-Institut der Universit√§t Paderborn.) Am ehemals Unteren Frankfurter Weg ‚Äď heute Heinz-Nixdorf-Ring ‚Äď entstanden neue Fertigungsst√§tten, die mit dem Deutschen Architekturpreis f√ľr Industriebauten ausgezeichnet wurden.

Ab 1975 brachte die NCAG eine dringend erforderliche neue Generation der Datenerfassungs- und Datenverarbeitungssysteme heraus: die 88xx-Reihe. Das alte 820-System hatte sich endg√ľltig √ľberlebt. Neben dem Datenverarbeitungssektor hatte die NCAG seit 1971 kontinuierlich weitere Marktsegmente erschlossen. Das eine Segment betraf elektronische Kassensysteme und Bankenterminals. In Schweden konnte das zu der Zeit gr√∂√üte Datenverarbeitungsnetz mit Bankenterminals aus dem Hause Nixdorf realisiert werden. Das andere Segment war der Bereich der Datenerfassungssysteme, wobei eine Datenspeicherung auf elektromagnetischen B√§ndern erfolgte und nicht mehr wie zuvor auf Lochkarten. Die Anlage bescherte Mitte der 1970er Jahre die n√∂tigen Erfolge, als sich das Unternehmen in einer durchaus wirtschaftlich kritischen Lage befand. Ein ad√§quates Nachfolgemodell der Nixdorf 820 fehlte zun√§chst, denn in Zeiten der stetigen Expansion und des wirtschaftlichen Erfolgs wurde die Produktentwicklung schlichtweg vernachl√§ssigt.

Mit der Einf√ľhrung des 88xx-Systems fand die Erfolgsgeschichte der NCAG eine Fortsetzung und ein Jahr nach dem 25-j√§hrigen Betriebsjubil√§um ‚Äď im Jahr 1978 ‚Äď √ľberstieg der Gesamtumsatz erstmals die Milliarden-Mark-Grenze. Weltweit besch√§ftigte die NCAG zu dem Zeitpunkt √ľber 10.000 Mitarbeiter.

Um die Lehrlinge der NCAG ad√§quat am Computer auszubilden, richtete Nixdorf 1969 eine werkseigene Berufsschule ein, aus dessen Tr√§gerverein 1972 das Bildungszentrum f√ľr informationsverarbeitende Berufe (b.i.b.) hervorging. Des Weiteren war nach einer Direktive von Nixdorf Sportunterricht f√ľr die Auszubildenden Pflicht. Als Ansprechpartner im Bereich Sport stand Kurt Bendlin, Gewinner der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt 1968, zur Verf√ľgung. Um der Belegschaft M√∂glichkeiten zum Sporttreiben zu geben, errichtete Nixdorf 1984 den Ahorn-Sportpark auf dem Betriebsgel√§nde der NCAG. Der Sportpark stand auch der Paderborner B√ľrgerschaft zur Verf√ľgung und kann bis heute kostenlos genutzt werden.

Um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Hierarchie-Ebenen an das stetig wachsende Unternehmen anzupassen, wurde ab Ende der 1970er-Jahre das einw√∂chige Nixdorf-Auftakt-Programm (NAP) durchgef√ľhrt. Diese viertelj√§hrlich stattfindenden Auftaktveranstaltungen an wechselnden Tagungsorten ‚Äď meist jedoch im Tagungshotel Sauerland Stern Hotel in Willingen ‚Äď bestand eingangs aus einer Besichtigung der Verwaltung und der Fabrikation in Paderborn und wurde dann am Tagungsort mit Fachreferaten aus einzelnen Unternehmensbereichen fortgesetzt. In Arbeitsgruppen mussten die neuen Mitarbeiter in den anschlie√üenden Tagen an verschiedenen Probleml√∂sungen arbeiten. Prim√§re Ziele des NAP waren die Netzwerkbildung der Mitarbeiter untereinander, die Identifikation und Integration neuer Mitarbeiter sowie die Wissensvermittlung in einer lebendigen und praxisnahen Form, um so eine bestm√∂gliche und auch langfristige Wertsch√∂pfung f√ľr das Unternehmen zu erzielen.

Das rasante Wachstum erforderte die Akquirierung neuer Geldmittel. 1978 lehnte Nixdorf ein Angebot der Volkswagen AG ab, die sich mehrheitlich an der NCAG beteiligen wollte. Die Zusage erhielt dagegen die Deutsche Bank, die f√ľr eine Beteiligung in H√∂he von 25 Prozent 200 Millionen D-Mark zahlte. Weiteres Kapital, rund 300 Millionen D-Mark, konnte 1984 mit dem Gang an die D√ľsseldorfer B√∂rse gewonnen werden und ein Jahr sp√§ter erbrachte die Emission von Bezugsrechten weitere 700 Millionen D-Mark. Im In- und im Ausland wurden Mitte der 1980er Jahre die Produktionskapazit√§ten st√§ndig erweitert.

1985 stieg der Umsatz auf fast 4 Milliarden D-Mark, der Gewinn belief sich auf 172 Millionen D-Mark. Besch√§ftigt waren zu diesem Zeitpunkt 23.300 Mitarbeiter in 44 L√§ndern. Das Folgejahr wurde √ľberschattet durch den Tod des Unternehmensgr√ľnders. Am 17. M√§rz 1986 erlag Nixdorf den Folgen eines Herzinfarktes auf der Computermesse CeBIT in Hannover.

Entwicklung der Nixdorf Computer AG nach dem Tod des Unternehmensgr√ľnders

Die Nachfolge von Nixdorf trat noch im April 1986 Klaus Luft an, der im ersten Jahr nach dem Tod von Nixdorf nochmals Rekorde vermelden konnte. Der Umsatz stieg auf √ľber 5 Milliarden D-Mark, und das Unternehmen besch√§ftigte √ľber 30.000 Mitarbeiter weltweit. Bei der Gr√ľndung des DAX im Jahr 1988 geh√∂rte die Nixdorf Computer AG zu den dort gelisteten Unternehmen. Jedoch konnte sie dem grundlegenden Wandel in der Computer- und Elektronikbranche nicht folgen. Wichtige Markttrends wie der Siegeszug der Personal Computer wurden verpasst, und ein rascher Preisverfall kennzeichnete den mittlerweile hart umk√§mpften Massenmarkt der Mittleren Datentechnik. Dar√ľber hinaus geriet das Unternehmen durch den pl√∂tzlichen Tod Nixdorfs in eine Nachfolgekrise. Seitens des Managements wurde massiv investiert, obwohl auf der Einnahmeseite keine entsprechenden Mittel vorhanden waren. Ende des Jahres 1989 musste der Vorstandsvorsitzende Klaus Luft auf Druck des Aufsichtsrats nach dreieinhalb Jahren seine Position mit sofortiger Wirkung r√§umen. Die Eigent√ľmer waren aufgrund der riesigen Verluste im operativen Gesch√§ft gezwungen, das Unternehmen zu ver√§u√üern.

√úbernahme durch Siemens

Am 1. Oktober 1990 √ľbernahm Siemens die Mehrheit der Nixdorf-Stammaktien und f√ľhrte die Nixdorf Computer AG mit dem Bereich der Daten- und Informationstechnik der Siemens AG zur Siemens Nixdorf Informationssysteme AG (SNI) zusammen. 1992 erh√∂hte Siemens den Anteilsbesitz an der SNI auf 100 Prozent und gliederte diese in die Siemens AG ein. Nach einer schmerzhaften Gesundschrumpfung mit dem Verlust mehrerer Tausend Arbeitspl√§tze in Paderborn in den fr√ľhen 1990er Jahren konnte sich SNI etwa ab Mitte des Jahrzehnts als gr√∂√üter europ√§ischer Computerkonzern stabilisieren. 1995 wurde das Dienstleistungs- und L√∂sungsgesch√§ft in den Bereichen Informationstechnologie und Telekommunikation aus dem Unternehmen SNI herausgel√∂st und zusammen mit Teilen der Siemens AG in die Siemens Business Services GmbH und Co OHG (SBS), damals mit Sitz in Paderborn und M√ľnchen √ľberf√ľhrt. Am 1. Oktober 1998 wurde die SNI als Aktiengesellschaft aufgel√∂st und vollst√§ndig in die Siemens AG integriert, wobei weitere Teile zur SBS wanderten. Der Name Siemens Nixdorf lebte noch ein Jahr weiter in Form der Siemens Nixdorf Banking and Retail Systems GmbH.

Gr√ľndung neuer Gesellschaften

Am 1. Oktober 1999 wurden die handels- und bankenspezifischen Aktivit√§ten der SNI aus dem Siemens-Konzern aufgrund einer Portfoliobereinigung herausgel√∂st und von den Kapitalbeteiligungsgesellschaften Kohlberg Kravis Roberts und Goldman Sachs Capital Partners √ľbernommen. Dabei wurde der Name in Wincor Nixdorf International GmbH ge√§ndert. Seit Mitte 2004 ist das Unternehmen an der Frankfurter B√∂rse notiert und tr√§gt den Namen Wincor Nixdorf AG. Die Gesch√§ftsfelder umfassen Geldautomaten, Kassensysteme und Leergutautomaten.

Aus der Computersparte der SNI und dem Tochterunternehmen Fujitsu Computers Europe des japanischen Technologiekonzerns Fujitsu wurde 1999 das Joint Venture Fujitsu Siemens Holding gegr√ľndet. Unter dem Markennamen Fujitsu Siemens Computers wurden Computersysteme vertrieben. Siemens verkaufte zum 1. April 2009 seine Unternehmensanteile an Fujitsu. Der an Fujitsu verkaufte Unternehmensteil hei√üt heute als Fujitsu Technology Solutions GmbH und hat seinen Sitz weiterhin in Deutschland (M√ľnchen).

Bereits in den 1990er Jahren entstand durch gezieltes Outsourcing aus SNI und durch Eigeninitiative von fr√ľheren Nixdorf- und SNI-Mitarbeitern ein wachsendes Umfeld an spezialisierten IT-Zulieferern und ‚ÄďAnbietern, die den vor allem durch das Internet entstandenen neuen Marktverh√§ltnissen gut entsprachen. Wichtige Beispiele sind die Orga Kartensysteme GmbH, heute Sagem Orga und die Paragon AG.

Produkte

Systemfamilien 620 bis 880

  • Systemfamilie 620 (Datenerfassung, von 1974 bis 1984): Das Datensammelsystem Nixdorf 620 wurde in der zentralen und dezentralen Datensammelerfassung in Wirtschaft und Verwaltung eingesetzt und st√§ndig von Nixdorf weiterentwickelt. 1982 war die NCAG mit diesem System bei einem Marktanteil von etwa 40 Prozent Marktf√ľhrer f√ľr Datensammelsysteme in Deutschland. Dieses System basierte auf Entwicklungen des US-amerikanischen Computerherstellers Entrex.
Nixdorf 820 von 1968
  • Nixdorf 820 (von 1968 bis 1979): Vorl√§ufer des Nixdorf-Universalcomputers 820 war die vom Labor f√ľr Impulstechnik (LFI) entwickelte und durch Wanderer vertriebene Logatronic. Das Rechenwerk der Systemfamilie 820 beruhte auf Halbleiterbasis, wobei fr√ľhzeitig Siliziumtransistoren zum Einsatz kamen. Als Systemschreibwerk kam eine IBM-Kugelkopfschreibmaschine zum Einsatz, die von anderen Herstellern vergleichbarer Systeme aufgrund des hohen Preises nicht verwendet wurde. Im Gegensatz zu Mitbewerbern, die ihre Computer in Schreibtische oder Schreibmaschinentische integrierten, entwickelte die NCAG f√ľr die 820 ein Pultchassis mit eigenst√§ndigem Design. Die unterschiedlichen Kundenw√ľnsche f√ľhrten zu einer Vielzahl an Modellvarianten der 820, beispielsweise als Fakturier-, Abrechnungs- oder Magnetkontencomputer, wobei konsequent eine Ausrichtung an jeweiligen Marktsegmenten erfolgte.
  • Nixdorf 840 (von 1973 bis 1979): Weiterentwicklung des 820-Computers. Neben den bekannten Einsatzm√∂glichkeiten der 820 war mit dem 840-System eine direkte Datenverarbeitung und eine Datenfern√ľbertragung und somit eine Kombination und Kommunikation mit anderen EDV-Anlagen (Rechenzentrum) m√∂glich. Als Ausgabeger√§t wurden Nadeldrucker eingesetzt.
  • Nixdorf 880 (von 1972 bis 1975): Erstes NCAG-System mit Direkt-Zugriffs-Speicher (Magnetplatten). Die kurze Produktionsdauer begr√ľndet sich mit der Neuentwicklung von Produktfamilien im Bereich der Magnetplattensysteme.
  • Systemfamilie 700 (Kassensysteme, von 1971 bis 1981): Die Systemfamilie 700 umfasste die Nixdorf-Kassensysteme 705 und 710 sowie das Terminalsystem 720. Von vornherein waren die unterschiedlich leistungsstarken Einzelsysteme mit einer CPU mit Mikroprozessor, mit einem Spezialdrucker gem√§√ü Kassenanforderungen und mit einem Datensicherungssystem bei Netzausfall ausgestattet.

Systemfamilie 88xx und weitere Produkte

  • Nixdorf 8810 (ab 1986): PC-System mit Mikroprozessor. Ausstattung: 5 1/4-Zoll Floppy-Disk-Laufwerk und 14-Zoll-Farbbildschirm. Software MS-DOS. Das Einsatzgebiet des Nixdorf 8810 Personal Computers war auf die Datenverarbeitung und -fern√ľbertragung ausgelegt. Angewandt wurde der PC von Freiberuflern und mittleren Wirtschaftsunternehmen.
  • Nixdorf 8811 Datentelefon (von 1975 bis 1979, Vorl√§ufermodelle mit W√§hlscheibe bereits ab 1973): Das Datentelefon, ausgestattet mit Tastenwahl und LED-Display, erm√∂glichte den Dialog zwischen Telefon und Computer, sodass Informationen direkt vom Rechner √ľber das System 8811 ausgegeben werden konnten. Als Datenausgabeger√§t war ein ger√§uscharmer Drucker (Metalleinbrennverfahren) vorgesehen und eine optional erh√§ltliche alphanumerische Tastatur erweiterte den Zeichenvorrat von 20 auf 55 Zeichen. Die Post verweigerte jedoch trotz des innovativen Charakters eine Genehmigung, sodass das Datentelefon wirtschaftlich kein Erfolg war.
  • Nixdorf 8812 Kassensystem (ab 1976): Konsequente Weiterentwicklung der Nixdorf-Kassensysteme 705 und 710. Die mit einem Mikrorechner ausgestattete 8812 wurde im Handel und in der Gastronomie/Hotellerie eingesetzt. Weitere Ausstattungsmerkmale umfassten eine internationale 10er-Tastatur, eine Bedienanzeige mit je einem alphanumerischen und einem numerischen Anzeigefeld sowie einer Druckstation f√ľr Bon und Journal. Ein Anschluss des Handelsterminals 8812 an das Zentralsystem 8862 war gegeben.
  • Nixdorf 8812/200 Kassensystem (ab 1986): Entwicklung auf der Grundlage der 8812. Ausgestattet war dieses Kassensystem mit einem 9-Zoll-Bildschirm, einer Kundenanzeige, einem Banking-POS-Terminal mit integriertem Kartenleser, einem Strichcodeleser, einem station√§ren Scanner sowie einem Handscanner und einem Mini-Nadeldrucker.
  • Nixdorf 8814 (88SP) Voice-Mail-System: zwischen 1985 und 1990 produziert.
  • Nixdorf 8815 Textverarbeitungssystem (ab 1977): Als Zentraleinheit fungierte ein Minicomputer, als Speichermedium wurden Disketten verwandt. Die Ausgabe erfolgte √ľber Nadeldrucker. Alle Funktionselemente waren individuell verstellbar auf einer h√∂henverstellbaren Arbeitsplatte untergebracht.
  • Nixdorf 8818 Digitales Vermittlungssystem ISDN (ab 1982): Mit der 1982 vorgestellten Nixdorf 8818 DVS war die NCAG der erste deutsche Hersteller eines digitalen Vermittlungssystems, zugleich war das 8818-System das erste von der Post in Deutschland zugelassene digitale Vermittlungssystem. Zwischen 30 und 3000 Telefone oder Terminals konnten an die 8818 angeschlossen werden. Im Verbundnetzwerk konnte das System 8818 bis ca. 12'000 Nebenstellen bedienen. Die Vermittlungskapazit√§t bei den Modellen 80-600 erm√∂glichte 246 Teilnehmern, beim Modell 3000 sogar bis zu 512 Teilnehmern, das gleichzeitige Sprechen, bzw. Telefonkonferenzen mit bis zu sechs Teilnehmern. Ein Rufnummernspeicher von zehn Rufnummern sowie eine schnelle Wahlwiederholung stand jedem Benutzer zur Verf√ľgung. Der H√∂hepunkt des Systems war mit der Einf√ľhrung des Software Release 5.1 und 5.2 erreicht, mit dem die volle Netzwerkf√§higkeit des Systems und die Mehrkundenf√§higkeit eingef√ľhrt wurde. Netzwerkf√§higkeit bedeutet, dass verschieden disloziert installierte Systeme alle Teilnehmerfunktionalit√§ten in jeder Anlage zur Verf√ľgung stehen. Alle miteinander vernetzten (max. 255) Anlagen (stern- oder maschenf√∂rmig) verhalten sich wie eine einzige physikalische Anlage mit system√ľbergreifenden Leistungsmerkmalen (zum Beispiel R√ľckruf von einem Knoten in den anderen), Rufmitnahme, Rufnummernportierung und Leistungsmerkmale von einem Knoten in den Anderen transferieren.) Mehr- und Anlagenf√§higkeit bedeutet, dass in einer physikalischen Anlage verschiedene unabh√§ngige oder miteinander verkn√ľpfbare Firmenkonfigurationen programmiert werden k√∂nnen.
  • Nixdorf 8820 Terminalsystem (von 1975 bis 1984): Frei programmierbare Anlage f√ľr Datenerfassung und Terminalbetrieb. Als Massendatentr√§ger wurden Floppy-Discs eingesetzt. Eingesetzt wurde das System in Versandabteilungen um ein- und ausgehende Waren zu erfassen, zu bewerten und zu kontrollieren.
  • Nixdorf 8830/35 (von 1974 bis 1982): Die Systeme der 883X-Serie waren die letzten Entwicklungsstufen der 820 und 840 Systemfamilie. Es handelte sich um Einplatzmagnetplattensysteme in kompakter Bauweise, ausgestattet mit Bildschirm und Nixdorf-Nadeldrucker.
  • Nixdorf 8850 Datenkommunikationssystem/Datensammelsystem (ab 1982): Weiterentwicklung des Datensammelsystems 620 mit gesteigerter Kapazit√§t und mit bis zu 24 Arbeitspl√§tzen.
  • Nixdorf 8840 Textverarbeitungssystem (ab 1979 bis 1990): Die elektronische Schreibhilfe Multitext 8840 war als Mehrplatz-System konzipiert, wobei jeder Schreibplatz mit einem Typenrad-Drucker ausgestattet werden konnte. Routinearbeiten, wie das Verfassen von Standardbriefen, Vordrucken, Serienbriefen, etc. wurden durch das Speichern auf Magnetplatten der Zentraleinheit erleichtert. Der Drucker erm√∂glichte durch das Typenrad das Schreiben von bis zu zehn Kopien.
  • Nixdorf 8862 Handelsinformationssystem (ab 1976): Das Zentralsystem 8862 verband die Komponenten 8812 untereinander und erm√∂glichte eine Kontrolle und Abfrage des Warenkreislaufs von der Bestellung √ľber die Ausgabe bis zur Inventur.
  • Nixdorf 8864 Bankenterminal (ab 1975): Einsatz im Bereich Handel und Banken als Multi-Job-Computer. Dialogverkehr, Bestandsf√ľhrung, Datensammlung, etc. in der Terminalzentraleinheit m√∂glich. Als Speicher waren Disketten, Magnetplatten und Magnetb√§nder vorgesehen. Spezielle Peripherieeinheiten wie Scheckleser und Geldausgabeger√§te waren speziell auf die Kundenw√ľnsche der Banken zugeschnitten.
  • Nixdorf 8870 M (von 1983 bis 1986/87): Eigenentwicklung der NCAG als Festplatten-Dialog-Computer. Baut auf der 8870/g und /u-Reihe auf. Eingestellt aufgrund der Markteinf√ľhrung der Quattro.
  • Nixdorf 8870/g (von 1973 bis 1982): Nachfolger der Nixdorf 880. Computersystem mit Magnetplattenspeicher und maximal vier Bildschirmarbeitspl√§tzen. Einsatzgebiet der 8870/g war die Lagerstands√ľberwachung, das Bestellwesen, die Buchhaltung, Lohn- und Gehaltsabrechnung, St√ľcklistenorganisation und Datenerfassung und -verarbeitung.
  • Nixdorf 8870/u (von 1976 bis 1986/87): Eigenst√§ndiges Datenverarbeitungssystem f√ľr Datenerfassung und Datenverarbeitung. Einsatz als Einplatz- oder Mehrplatzsystem (bis zu 24 Bildschirmarbeitspl√§tze). Seit 1977 Auslieferung der 8870-Systeme mit der Anwendersoftware COMET, die jeweils auf die kundenspezifischen Betriebsbed√ľrfnisse angepasst und auf die einzelnen Aufgabengebiete zugeschnitten wurde.
  • Nixdorf 8890: Als gro√üe 8870/u wurde dieses IBM-370-kompatible System ab 1985 vertrieben. Neben MVS und VM konnten auch die Comet-Programme unver√§ndert auf der 370-Architektur ablaufen. Dadurch sollte eine Abwanderung der Kunden zu Mitbewerbern unterbunden werden.
  • Nixdorf BT01 (ab 1987): BTX-Telefon mit separatem Farbbildschirm und alphanumerischer Tastatur. Datenverarbeitung im Bereich Text, Bild und Sprache m√∂glich.
  • Nixdorf LK 3000 Pocket Computer (1979)
  • AKT ‚Äď Automatischer Kassentresor (an 8864)
  • Digifon, digitales Telefon (nur f√ľr System 8818, kein Standardverfahren).
  • IBAS ‚Äď erste ISDN-Klein-Nebenstellenanlage (Entwicklung wegen Siemens-√úbernahme nicht vollendet).
  • Octophon, digitales Telefon f√ľr die Deutsche Bundespost (nur f√ľr System 8818, kein Standard-Verfahren).
  • Tankstellen-Systeme mit Steuerung der Zapfs√§ulen-Anzeige und Daten√ľbermittlung an die Kasse.
  • Targon /31 /32 /35 Systemfamilien: Ab 1988 wurden diese Systeme in Banken, Industrie und Handel eingesetzt. Alle 3 Systemfamilien wurden unter AT&T Unix System V betrieben. Die Targon /31 und /32-Systeme basierten auf der Motorola 680xx-Prozessorenfamilie und wurden als ‚Äěkleiner‚Äú Server positioniert. Zu diesem Zeitpunkt wurden bereits die heutigen Client-Server-Strukturen mit diesem System abgedeckt. So war es 1990 m√∂glich, Microsoft Windows 3.11 als Client mit einer Targon/31 als Print- und File-Server zu betreiben.
    • Die Targon /32 Familie wurde als fehlertolerantes System konstruiert. CPU-, Speicher- und Festplattentausch waren im laufenden Betrieb m√∂glich.
    • Targon /35 bediente die gro√üen Unix-Installationen und war keine Eigenentwicklung von Nixdorf, sondern ein Zukauf von der Firma Pyramid.

Literatur

  • Kemper, Klaus, Heinz Nixdorf ‚Äď eine deutsche Karriere, Landsberg/Lech 1986. Verlag Moderne Industrie, ISBN 3-478-30120-3, Neuauflage in 2001.
  • Heinz Nixdorf Stiftung, Heinz Nixdorf ‚Äď Lebensbilder, Paderborn 2004. (im Heinz Nixdorf MuseumsForum zu erwerben, keine ISBN, als PDF-Datei online)
  • Hanewinkel, Lorenz, Computerevolution. Mein Weg mit Konrad Zuse und Heinz Nixdorf, Verlag Druckerei Kleine, Paderborn 2010, ISBN 3-9807412-7-3.
  • Gesch√§ftsberichte der Nixdorf Computer AG von 1968‚Äď1991, Archiv des Heinz Nixdorf MuseumsForums.

Weblinks


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