Nobelpreis

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Nobelpreis
Alfred Nobel (1833–1896), Stifter des Nobelpreises
Das Stockholmer Konzerthaus am Heumarkt (Hötorget), in dem die feierliche Überreichung aller Preise mit Ausnahme des Friedenspreises stattfindet.
Das Rathaus von Oslo, in dem der Friedensnobelpreis ĂŒberreicht wird.

Der Nobelpreis [noˈbɛl-] ist eine seit 1901 jĂ€hrlich vergebene Auszeichnung, die von dem schwedischen Erfinder und Industriellen Alfred Nobel gestiftet wurde. In seinem Testament legte er fest, dass mit seinem Vermögen eine Stiftung gegrĂŒndet werden sollte, deren Zinsen „als Preis denen zugeteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den grĂ¶ĂŸten Nutzen geleistet haben“. Das Geld sollte zu fĂŒnf gleichen Teilen auf die Gebiete Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und fĂŒr FriedensbemĂŒhungen verteilt werden. Die Nobelstiftung wurde am 29. Juni 1900, vier Jahre nach dem Tod Alfred Nobels, gegrĂŒndet, die ersten Preise dann 1901 verliehen. Der Nobelpreis gilt heute als die höchste Auszeichnung in den berĂŒcksichtigten Disziplinen und wird jedes Jahr an Nobels Todestag, dem 10. Dezember, verliehen. Der Friedensnobelpreis wird in Oslo verliehen, alle anderen Preise vom schwedischen König in Stockholm.

Seit 1969 gibt es mit dem Preis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel eine Auszeichnung, die hĂ€ufig als Nobelpreis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften oder Wirtschaftsnobelpreis bezeichnet wird. Der Preis wird zusammen mit den Nobelpreisen verliehen, unterliegt denselben Vergabekriterien und ist mit der gleichen Summe dotiert, die allerdings nicht aus den Zinsen von Nobels Vermögen, sondern durch die schwedische Reichsbank finanziert wird.

Inhaltsverzeichnis

Preiskategorien

Kategorie Vergabekriterium und vergebende Institution
Nobelpreis fĂŒr Physik Vergeben von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften an „denjenigen, der auf dem Gebiet der Physik die bedeutendste Entdeckung oder Erfindung gemacht hat“.
Nobelpreis fĂŒr Chemie Vergeben von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften an „denjenigen, der die wichtigste chemische Entdeckung oder Verbesserung gemacht hat“.
Nobelpreis fĂŒr Physiologie oder Medizin Vergeben von der Nobelversammlung des Karolinska-Instituts an „denjenigen, der die wichtigste Entdeckung in der DomĂ€ne der Physiologie oder Medizin gemacht hat“.
Nobelpreis fĂŒr Literatur Vergeben von der Schwedischen Akademie an „denjenigen, der in der Literatur das Herausragendste in idealistischer Richtung produziert hat“.
Friedensnobelpreis Vergeben vom fĂŒnfköpfigen norwegischen Nobelkomitee, das vom norwegischen Parlament gewĂ€hlt wird, „an denjenigen, der am meisten oder am besten auf die VerbrĂŒderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt hat“.
Preis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel Der Preis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel wird oft als Wirtschaftsnobelpreis bezeichnet, geht aber nicht auf das Testament Nobels zurĂŒck. Er wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank anlĂ€sslich deren 300-jĂ€hrigen Bestehens gestiftet. Er wird von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften nach denselben Prinzipien wie die Nobelpreise vergeben und auch in derselben Zeremonie ĂŒbergeben. Strittig ist allerdings, ob die Auszeichnung zu Recht im Einklang mit den ĂŒbrigen Nobelpreisen genannt wird.

Alfred Nobels Testament

Nobels Testament vom 27. November 1895 (Vorderseite)

Alfred Nobel schrieb mehrere Testamente, das letzte am 27. November 1895, das er im Schwedisch-Norwegischen Club in Paris unterzeichnete.

Darin lĂ€sst er zahlreichen Verwandten und anderen Menschen seines Umfeldes Zuwendungen aus seinem 31 Millionen schwedischen Kronen umfassenden Vermögen zukommen, beispielsweise als lebenslange Rente. FĂŒr den verbleibenden Rest seines Vermögens, ungefĂ€hr 94 % des gesamten Wertes, verfĂŒgte er die Einrichtung eines Preises fĂŒr die Kategorien Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin und Literatur. Außerdem sollte alljĂ€hrlich jemand ausgezeichnet werden, der sich besonders fĂŒr die VerbrĂŒderung der Völker, die Abschaffung oder Reduzierung von Armeen sowie den Frieden eingesetzt hat.

Motivation und Inspiration zur Stiftung des Preises

Das Testament selbst erklĂ€rt nicht, wieso Alfred Nobel die Einrichtung eines solchen Preises wĂŒnschte. Auch sonst sind keine unmittelbaren Äußerungen von ihm zu dem Preis ĂŒberliefert. Jedoch sagte er einmal

„Ich bin besonders der Ansicht, dass große ererbte Vermögen ein UnglĂŒck sind, die das Menschengeschlecht nur in Apathie fĂŒhren.“

– Alfred Nobel[1]

Sein Entschluss, sein Vermögen zu Stiftungszwecken zu verwenden, war bei ihm offenbar ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum gereift. Oft wird demgegenĂŒber behauptet, Alfred Nobel habe den Preis aufgrund eines schlechten Gewissens gestiftet, weil seine Erfindungen fĂŒr den Krieg genutzt wurden und er Eigner von RĂŒstungsunternehmen war. Dagegen spricht allerdings, dass mit Ausnahme des Ballistit keine von Nobels Entwicklungen zu seinen Lebzeiten im Krieg verwendet wurde. GegenĂŒber Bertha von Suttner, die eine der ersten TrĂ€gerinnen des Friedensnobelpreises werden sollte, Ă€ußerte er sogar:

„Vielleicht werden meine Fabriken die Kriege schneller beenden als deine Friedenskongresse, denn wenn sich zwei gleich starke Armeen gegenseitig in einer Sekunde vernichten können, werden alle zivilisierten Nationen davor zurĂŒckschrecken und ihre Truppen auflösen.“

– Alfred Nobel[1]

Diese Position vertrat er noch mehrfach. Insofern waren Bertha von Suttners Versuche, ihn fĂŒr die Friedensarbeit zu gewinnen, erfolgreich, weil er Mitglied im österreichischen Friedensverband wurde und Geld fĂŒr Friedenszwecke spendete. Er stellte sogar fĂŒr einige Jahre den tĂŒrkischen Diplomaten Aristarchi Bey als Assistenten ein, um sich von ihm zu Friedensfragen informieren zu lassen. Auch aus dieser Sicht ist es nicht ĂŒberraschend, dass er einen Teil des Preises FriedensbemĂŒhungen zukommen lassen wollte.[1]

Auszug aus dem Testament

Der schwedische Originaltext mit Übersetzung des entscheidenden Ausschnitts des Testaments lautet:

”Jag undertecknad Alfred Bernhard Nobel förklarar hĂ€rmed efter moget övervĂ€gande min yttersta vilja i afseende Ă„ den egendom jag vid min död kan efterlemna vara följande:
Öfver hela min Ă„terstĂ„ende realiserbara förmögenhet förfares pĂ„ följande sĂ€tt: Kapitalet av utredningsmĂ€nnen realiseradt till sĂ€kra vĂ€rdepapper skall utgöra en fond, hvars rĂ€nta Ă„rligen utdelas som prisbelöning Ă„t dem som under det förlupna Ă„ret hafva gjort menskligheten den största nytta. RĂ€ntan delas i fem lika delar som tillfalla: en del till den som inom fysikens omrĂ„de har gjort den vigtigaste upptĂ€ckt eller uppfinning; en del den som har gjort den vigtigaste kemiska upptĂ€ckt eller förbĂ€ttring; en del den som har gjort den vigtigaste upptĂ€ckt inom fysiologiens eller medicinens domĂ€n; en del som inom litteraturen har produceradt det utmĂ€rktaste i idealisk rigtning; och en del Ă„t den som har verkat mest eller best för folkens förbrödrande och avskaffande eller minskning av stĂ„ende armĂ©er samt bildande och spridande av fredskongresser. Prisen för fysik och kemi utdelas av Svenska Vetenskapsakademien; för fysiologien eller medicinska arbeten av Carolinska Institutet i Stockholm; för litteratur av Akademien i Stockholm samt för fredsförfĂ€ktare af ett utskott af fem personer som vĂ€ljas af Norska Stortinget. Det Ă€r min uttryckliga vilja att vid prisutdelningarna intet afseende fĂ€stes vid nĂ„gon slags nationstillhörighet sĂ„lunda att den vĂ€rdigaste erhĂ„ller priset antingen han Ă€r skandinav eller ej. ”

„Ich, Alfred Bernhard Nobel, erklĂ€re hiermit nach reifer Überlegung meinen Willen bezĂŒglich meines Eigentums, das ich nach meinem Tod hinterlassen kann, wie folgt:
Mit meinem verbleibenden realisierbaren Vermögen soll auf folgende Weise verfahren werden: das Kapital, das von den Nachlassverwaltern in sichere Wertpapiere realisiert wurde, soll einen Fonds bilden, dessen Zinsen jĂ€hrlich als Preis an diejenigen ausgeteilt werden sollen, die im vergangenen Jahr der Menschheit den grĂ¶ĂŸten Nutzen erbracht haben. Die Zinsen werden in fĂŒnf gleiche Teile aufgeteilt: ein Teil an denjenigen, der auf dem Gebiet der Physik die bedeutendste Entdeckung oder Erfindung gemacht hat; ein Teil an denjenigen, der die wichtigste chemische Entdeckung oder Verbesserung gemacht hat; ein Teil an denjenigen, der die wichtigste Entdeckung in der DomĂ€ne der Physiologie oder Medizin gemacht hat; ein Teil an denjenigen, der in der Literatur das Herausragendste in idealistischer Richtung produziert hat; und ein Teil an denjenigen, der am meisten oder am besten auf die VerbrĂŒderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt hat. Die Preise fĂŒr Physik und Chemie werden von der schwedischen Wissenschaftsakademie vergeben; fĂŒr physiologische oder medizinische Arbeiten vom Carolinska-Institut in Stockholm; fĂŒr Literatur von der Akademie in Stockholm sowie fĂŒr Friedensverfechter von einem Ausschuss von fĂŒnf Personen, die vom norwegischen Storting gewĂ€hlt werden. Es ist mein ausdrĂŒcklicher Wille, dass bei der Preisverteilung die Zuteilung nicht an irgendeiner NationalitĂ€t festgemacht wird, so dass der WĂŒrdigste den Preis erhĂ€lt, ob er Skandinavier sei oder nicht.“

– Alfred Nobel : Testament vom 27. November 1895[2]

Dies ist die einzige Äußerung von Nobel selbst ĂŒber den Preis. Weder ĂŒber seine Motivation, den Preis zu stiften, noch ĂŒber die vielen organisatorischen Details, die zur Preisvergabe nötig sind, ist etwas ĂŒberliefert.

Daher blieb die Ausgestaltung des Preises zu großen Teilen den Nachlassverwaltern, heute in Form der Nobelstiftung, ĂŒberlassen.

Reaktionen

Oskar II. von Schweden war erst skeptisch gegenĂŒber dem Preis, nahm aber ab 1902 die Übergabe vor.

Zu Beginn war der Entschluss Alfred Nobels keineswegs unumstritten. Seine Verwandtschaft stellte das Testament in Frage, und auch die Öffentlichkeit kritisierte die Idee des Preises. Auch von Seiten des damaligen Königs Oskar II. kam Kritik. Zum Einen war er der Ansicht, dass man eine solche große Geldmenge nicht an AuslĂ€nder abgeben sollte, so dass ihm die ausdrĂŒckliche Vorschrift, Skandinavier nicht zu bevorzugen, nicht gefiel. Zum Anderen war die Vergabe des Friedenspreises durch eine norwegische Institution allgemein ein sensibles Thema, da sich die spĂ€tere Auflösung der schwedisch-norwegischen Union schon abzeichnete.

Das Testament wurde am 5. Juni 1898 von den Erben Nobels anerkannt, wodurch die GrĂŒndung der Nobelstiftung im Jahr 1900 möglich wurde.

Wahl der Kategorien

Ein weiterer Aspekt des Testaments ist, dass weder bekannt ist, warum Nobel sich auf die genannten fĂŒnf Kategorien festgelegt hat, noch, warum er andere nicht als preiswĂŒrdig erachtete.

So gibt es keinen Nobelpreis fĂŒr Mathematik (siehe dazu auch den Abschnitt Vergleichbare Preise). Über die GrĂŒnde kann nur spekuliert werden. Als mögliche Ursache wurde gesehen, dass der Praktiker Nobel diese „Hilfswissenschaft“ nie besonders leiden konnte; sie gehörte fĂŒr ihn vermutlich nicht zu den Kategorien, die die Menschheit voranbringen. Eine Anekdote besagt, dass Alfred Nobel einst von seiner Verehrten zugunsten eines Mathematikprofessors – es ist teilweise von Magnus Gösta Mittag-Leffler die Rede – zurĂŒckgewiesen wurde und Nobel in Verbitterung einen geplanten Preis fĂŒr Mathematik nachtrĂ€glich aus dem Testament strich. Historisch belegt ist das allerdings nicht. Ähnlich ist es mit der Behauptung, dass Alfred Nobel angeblich von seiner Frau mit einem Mathematiker betrogen wurde. Dies kann jedoch schon alleine deswegen nicht sein, da er nie verheiratet war.[3] Ein spĂ€teres Angebot des Nobelkomitees auf Einrichtung eines Nobelpreises fĂŒr Mathematik ist von fĂŒhrenden Mathematikern abgelehnt worden, wohl um die Konkurrenz unter den Wissenschaftlern nicht zusĂ€tzlich zu steigern.

Auch den Nobelpreis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften gibt es eigentlich nicht, auch wenn der Preis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel meist als solcher bezeichnet wird. Nobel war als Naturwissenschaftler kein Freund der „weichen Geisteswissenschaften“. Stattdessen konzentrierte er sich mit den Preisen fĂŒr Medizin, Chemie und Physik auf Fachgebiete, deren Leistungen objektivierbar sind. Seine Abneigung gegen die Wirtschaftswissenschaften zeigt sich in einem Brief, den vier Urenkel seines Bruders Ludvig 2001 veröffentlichten. Darin schreibt Alfred Nobel: „Ich habe keine Wirtschafts-Ausbildung und hasse sie von Herzen.“ Entsprechend drĂ€ngten Nobels Nachfahren die Schwedische Akademie der Wissenschaften, den erst 1968 nachtrĂ€glich von der schwedischen Nationalbank gestifteten „Preis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel“ separat von den Nobelpreisen zu behandeln, bis heute ohne Erfolg.

Sein Engagement fĂŒr Literatur und Frieden, beides Gebiete abseits der exakten Wissenschaften, geht vermutlich auf eine Anregung seiner langjĂ€hrigen Brieffreundin, Friedensaktivistin und Pazifistin Bertha von Suttner zurĂŒck.[4]

Zweiter Vergabeort Oslo

Es ist nicht bekannt, welche GrĂŒnde den Schweden Alfred Nobel dazu bewogen haben, einem Komitee des norwegischen Parlaments (Storting) die Aufgabe der Auswahl des FriedensnobelpreistrĂ€gers zuzuweisen. Norwegen und Schweden waren zur Zeit der Stiftung des Preises noch in einer Personalunion unter schwedischer FĂŒhrung verbunden, und die Außenpolitik lag beim schwedischen Reichstag. Es wird vermutet, dass Nobel dem Storting eher die fĂŒr die Auswahl notwendige NeutralitĂ€t zugetraut hat. 1905 löste sich die Union auf, und Norwegen wurde ein selbstĂ€ndiges Königreich.

Nobelstiftung

Das Logo der Nobelstiftung

Als zentrale Institution fĂŒr den Nobelpreis wurde von den Vollstreckern des Testaments, Rudolf Lilljequist und Nobels letzter Assistent Ragnar Sohlman, die Nobelstiftung eingerichtet. Die GrĂŒndung der Stiftung war nicht ohne Schwierigkeiten. So war das Testament in einigen Punkten unklar formuliert, was rechtliche Probleme mit sich brachte. Die Vorbereitungen fĂŒr die Errichtung der Stiftung dauerten insgesamt fĂŒnf Jahre. Vor allem Sohlman oblag die Aufgabe, Firmenanteile und andere BesitztĂŒmer Nobels zu verkaufen. Nobel hatte zum Zeitpunkt seines Todes 355 Patente registriert. Er hatte 100 Fabriken in 20 LĂ€ndern aufgebaut. Das Vermögen der Stiftung betrug letztendlich 31 Millionen schwedische Kronen und wuchs bis 2006 auf 3,6 Milliarden Kronen an.[1]

Die Nobelstiftung wird von sechs Direktoren geleitet und ĂŒbernimmt insbesondere die Verwaltung des Nobelpreises und die Ausrichtung der FestivitĂ€ten. Weiterhin veranstaltet sie Symposien zu wissenschaftlichen Themen.

Die Statuten wurden bei der Errichtung der Stiftung am 29. Juni 1900 durch ein Dekret des Königs festgelegt. Sie dĂŒrfen zwar verĂ€ndert werden, aber nur auf Vorschlag eines der Preisvergabekomitees oder eines Stiftungsvorstandsmitglieds. Bei der Abstimmung hat die Königliche Wissenschaftsakademie zwei Stimmen, die anderen Institutionen je eine Stimme.

Da das Testament Nobels nur wenige Details der Vergabeprozedur festlegt, sind die Statuten der Stiftung in vieler Hinsicht maßgeblich. Hier sind unter anderem die Geheimhaltungspflicht fĂŒr 50 Jahre, die BeschrĂ€nkung auf drei PreistrĂ€ger je Kategorie sowie das Verbot der Vergabe an Verstorbene enthalten.

Anfang des Jahres 2008 betrug das Vermögen der Stiftung rund 3,4 Milliarden schwedische Kronen (etwa 315 Millionen Euro).[5] Nach Angaben des Direktors der Nobelstiftung, Michael Sohlman, in einem Radio-Interview, sei dies durch die Spekulationen bzw. durch die Finanzkrise 2008 erheblich geschrumpft. Anfang 2008 waren 64 Prozent des Vermögens hauptsÀchlich in amerikanische und europÀische Aktien investiert. 20 Prozent lagen in festverzinslichen Papieren, zwölf Prozent gingen in Immobilien und Hedgefonds.[6]

Les Prix Nobel

Seit 1901 wird von der Nobelstiftung die Jahrbuchserie „Les Prix Nobel“ herausgegeben, in der die Berichte von den Preisverleihungszeremonien, Biographien der PreistrĂ€ger und deren Nobelvorlesungen publiziert werden. Es erscheint jedes Jahr im Oktober fĂŒr das jeweils vorangegangene Jahr. Bis 1988 waren die Texte in der Sprache, in der die jeweilige Nobelvorlesung usw. vorgetragen worden waren. Seither sind die Texte vorwiegend auf Englisch.[7]

Preisumfang

Alle PreistrÀger erhalten eine Urkunde, eine Goldmedaille und einen Geldbetrag.

Preisgeld

Alfred Nobel legte fest, dass sein Vermögen von TreuhĂ€ndern in „sichere Wertpapiere“ angelegt werden sowie der Zinsertrag zu fĂŒnf gleichen Teilen auf die Nobelpreise verteilt werden soll. Die Statuten der Nobelstiftung legen weiterhin fest, dass mindestens 60 Prozent der ErtrĂ€ge als Preis ausgeteilt werden mĂŒssen.[8]

Seit 2001 betrÀgt das Preisgeld 10 Millionen Schwedische Kronen je Kategorie. Der Wirtschaftspreis ist immer genauso hoch dotiert.

Werden mehrere Personen ausgezeichnet, wird der Preis nicht notwendigerweise zu gleichen Teilen an die PreistrĂ€ger vergeben. Bei zwei PreistrĂ€gern wird das Preisgeld ĂŒblicherweise gleichmĂ€ĂŸig geteilt. Bei drei PreistrĂ€gern wird der Preis entweder in drei gleichen Teilen ausgeteilt, oder einer der PreistrĂ€ger erhĂ€lt die HĂ€lfte des Geldes, wĂ€hrend die anderen beiden sich die andere HĂ€lfte teilen.

Letzteres wird oft dadurch bedingt, dass maximal zwei Leistungen prĂ€miert werden dĂŒrfen. So wurde der Preis in Physik im Jahr 2005 beispielsweise in zwei Teile geteilt, die zwei verschiedene Leistungen prĂ€mierten. Einen Teil, und damit die HĂ€lfte des Preisgeldes, erhielt Roy J. Glauber. Der andere Teil wurde an John Lewis Hall und Theodor HĂ€nsch vergeben, die dann je ein Viertel des Preisgeldes erhielten. Aber auch wenn nur eine Leistung ausgezeichnet wird, kann das Geld nach diesem Muster verteilt werden, so z.B. im Jahr 2011, als Saul Perlmutter die HĂ€lfte des Physikpreises erhielt, wĂ€hrend Brian P. Schmidt und Adam Riess sich die andere HĂ€lfte teilten.[9]

Da der Zinsertrag des Stiftungsvermögens schwankt, gab es in der Vergangenheit oft auch RĂŒckgĂ€nge des Preisgeldes. Zu Beginn wurde das Geld weitgehend in staatliche Obligationen investiert, die mit der Zeit immer weniger Geld abwarfen. Über viele Jahre blieb der absolute Wert des Preises annĂ€hernd gleich, so dass durch Inflation der reale Wert des Geldes absank. Mit der Zeit wurden aber auch die vom schwedischen Staat getroffenen Regelungen gelockert. 1946 wurde die Nobelstiftung von der Steuer befreit. 1953 liberalisierte die Nobelstiftung ihre Investitionsregeln, wodurch das Vermögen der Stiftung vergrĂ¶ĂŸert werden konnte. Seither investiert die Stiftung das Geld im Wesentlichen so, wie es am ertragreichsten erscheint. 1969 kam die Stiftung des Wirtschaftspreises hinzu.

Im Jahr 1901 war jede der einzelnen Preiskategorien mit 150.800 Schwedischen Kronen dotiert, was dem heutigem Wert von 7 Millionen Kronen entsprechen wĂŒrde. Bis 1955 blieb die Preissumme stets unter 200.000 Kronen und erreichte ihren Tiefpunkt im Jahr 1923, wenn man den inflationsbereinigten Kaufwert betrachtet. Der reale Kaufwert des Preises sank teilweise auf ungefĂ€hr 2 Millionen Kronen ab. Der Preis hatte den geringsten absoluten Wert im Jahr 1919, als er nur mit 133.127 Kronen dotiert war. Seit 1953 steigt die Preisdotierung kontinuierlich, wird aber nur noch stufenweise erhöht. 1991 hatte das Preisgeld erstmals wieder einen höheren realen Wert als bei der ersten Preisvergabe im Jahr 1901. Da die Preissumme seit 2001 konstant ist, sinkt der reale Wert des Preises inflationsbedingt. Da die PreistrĂ€ger aber zumeist aus dem Ausland kommen, spielt der schwankende Wechselkurs der Krone eine grĂ¶ĂŸere Rolle als die Inflation.

Heute liegt das Vermögen der Nobelstiftung deutlich ĂŒber Nobels Vermögen. Ende 2009 betrug es 3,1 Milliarden Kronen, wĂ€hrend Nobels hinterlassenes Vermögen von 31 Millionen Kronen einem heutigen Kaufwert von ca. 1,65 Milliarden Kronen entsprĂ€che. 71 Prozent des Geldes ist im Ausland investiert, 29 Prozent in Schweden. 53 Prozent des Geldes liegen in Aktien. Die Nobelstiftung gibt drei bis vier Prozent der Einnahmen wieder aus.[10]

Medaillen

Die Statuten der Nobelstiftung schreiben vor, dass die PreistrĂ€ger „eine Goldmedaille, die das Abbild des Testamentsverfassers und eine angemessene Inschrift tragen soll“ erhalten.[11]

Die Nobelpreismedaillen fĂŒr Physik, Chemie, Medizin und Literatur wurden von dem schwedischen Bildhauer und Graveur Erik Lindberg entworfen, die Medaille des Friedenspreises von dem norwegischen Bildhauer Gustav Vigeland. Bei letzterer ĂŒbernahm aber auch Lindberg die Übertragung des Entwurfs auf die Medaillen.

Auf der Vorderseite der von Lindberg kreierten Medaillen ist ein PortrĂ€t von Alfred Nobel sowie dessen Name, Geburts- und Sterbedatum (in römischen Zahlen) eingraviert. Die RĂŒckseite unterscheidet sich je nach Kategorie, wobei Physik und Chemie dasselbe Motiv haben. Dort ist auch der volle Name des PreistrĂ€gers eingraviert. Bei der ersten Preisvergabe 1901 war das Design der Medaillen noch nicht ganz fertig, so dass die Medaillen erst ab 1902 das heutige Design haben.

Die Vorderseite der Medaille fĂŒr den Friedenspreis hat ein davon leicht unterschiedliches Design, aber die Elemente PortrĂ€t, Name, Geburts- und Sterbedatum sind ebenso enthalten.

Die Medaille fĂŒr den Wirtschaftspreis unterscheidet sich von allen anderen. Sie wurde von Gunvor Svensson-Lundqvist entworfen und enthĂ€lt auf der Vorderseite das Symbol der Wissenschaftsakademie, ein PortrĂ€t Alfred Nobels sowie die Inschrift „Sveriges Riksbank till Alfred Nobels Minne 1968“ („Die Schwedische Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel 1968“). Der Name des PreistrĂ€gers wird auf dem Rand eingeprĂ€gt, wodurch dieser nicht sofort ersichtlich ist. Im Jahr 1975 fĂŒhrte dies bei Leonid Witaljewitsch Kantorowitsch und Tjalling Koopmans zu Problemen. Ihre Medaillen wurden verwechselt und die PreistrĂ€ger fuhren mit jeweils der falschen Medaillen nach Hause. Erst vier Jahre spĂ€ter konnten die Medaillen nach diplomatischen BemĂŒhungen getauscht werden.[12]

Die in Schweden vergebenen Medaillen wurden bis 2010 im Myntverket in Eskilstuna geprÀgt, die in Norwegen vergebenen Medaille von Den Kongelige Mynt in Kongsberg.

Das Myntverket, nach eigenen Angaben im Jahr 995 gegrĂŒndet und seit 2002 im Besitz der finnischen MĂŒnze Rahapaja Oy, wurde im Jahr 2011 geschlossen. Die PrĂ€gung des schwedischen Geldes war schon zuvor ins Ausland verlegt worden, aber arbeitete mit den verbliebenen sechs Mitarbeitern nicht profitabel, so dass der Betrieb auf Beschluss der Muttergesellschaft eingestellt wird. Hierdurch verliert Schweden die letzte MĂŒnzprĂ€geinstitution, was die weitere Herstellung der Nobelmedaillen in Schweden unmöglich machen wird. Wo die schwedischen Medaillen kĂŒnftig geprĂ€gt werden sollen, steht noch nicht fest. Die Nobelstiftung sieht die norwegische MĂŒnze als naheliegend.[13]

Die Medaillen der PhysiknobelpreistrĂ€ger Max von Laue (1914), James Franck (1925) und Niels Bohr (1922) haben eine besondere Geschichte. Bohr hatte die Medaillen von Franck und Laue, die der politischen Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt waren, zur Aufbewahrung erhalten, damit diese nicht von den deutschen Behörden konfisziert wĂŒrden. Bohr und der dĂ€nische Arzt August Krogh stellten ihre Medaillen im MĂ€rz 1940 fĂŒr eine Auktion zugunsten eines Fonds zur UnterstĂŒtzung Finnlands zur VerfĂŒgung, wo sie von einem anonymen KĂ€ufer erworben wurde. Als die Deutschen in DĂ€nemark einmarschierten, wollte Bohr die Medaillen von Franck und von Laue nicht in die HĂ€nde der Nazis fallen lassen. Der ungarische Chemiker George de Hevesy, der zu dieser Zeit in Bohrs Labor arbeitete, schlug Bohr vor, die Medaillen zu vergraben, was Bohr aber nicht wollte, da sie ausgegraben werden könnten. Letztlich lösten sie die Medaillen in Königswasser auf, als die Deutschen in Kopenhagen einmarschierten. In der Tat durchsuchten die Nazis das Labor Bohrs, konnten aber nichts finden. Nach dem Krieg schickte Bohr das zersetzte Gold der Medaillen nach Stockholm, wo die Nobelstiftung neue Medaillen fĂŒr Franck und von Laue herstellen ließ. Bohrs Medaille wurde von ihrem KĂ€ufer dem Historischen Museum in Frederiksborg ĂŒbergeben und ist heute dort ausgestellt.[14]

Urkunde

Nobelpreisurkunde Wilhelm Conrad Röntgens, angefertigt von Sofia Gisberg, 1901

Das Design der Urkunden wird durch die preisvergebenden Körperschaften festgelegt. Jede Urkunde wird von einem KĂŒnstler und einem Kalligrafen speziell fĂŒr den Laureaten angefertigt.[15]

Nominierung und Auswahl

Um fĂŒr einen Nobelpreis in Frage zu kommen, muss man nominiert werden, wobei das Nominierungsrecht nicht jedem zusteht. Die Bestimmungen hierzu sind in den Statuten der Nobelstiftung festgelegt und werden ggf. von den mit der Auswahl der PreistrĂ€ger befassten Institutionen prĂ€zisiert. Auf den Wirtschaftspreis finden sie analog Anwendung.[16]

Es können nur lebende Personen nominiert werden. Bis 1974 war es möglich, eine Person mit dem Nobelpreis auszuzeichnen, die nach dem Stichdatum der Nominierung (Ende Januar) verstarb. So wurden Erik Axel Karlfeldt 1931 und UN-GeneralsekretĂ€r Dag Hammarskjöld 1961 posthum geehrt. Mahatma Gandhi hingegen wurde 1948 noch vor dem Stichdatum erschossen, weswegen er den Preis nicht bekam. Es gab auch keine Nachfolgeorganisation, die den Preis an seiner Stelle hĂ€tte entgegennehmen können. 1948 wurde der Friedensnobelpreis letztendlich nicht vergeben, weil es „keinen geeigneten lebenden Kandidaten“ gebe[17]. 1974 wurden die Statuten dahingehend geĂ€ndert, dass eine Person nur noch dann posthum geehrt werden kann, wenn sie zwischen Bekanntgabe (Oktober) und Verleihung (10. Dezember) stirbt, so geschehen 1996 im Fall von William Vickrey. 2011 starb der Immunologe Ralph M. Steinman drei Tage vor Bekanntgabe der Preisverleihung an seine Person.[18] Hiervon hatte die Nobelversammlung am Karolinska Institut jedoch keine Kenntnis gehabt. Der Vorstand der Nobelstiftung kam zu dem Schluss, dass der Zweck der Regel ist, eine absichtliche posthume Vergabe zu verhindern. Da man die Entscheidung aber im guten Glauben getroffen habe, Steinman sei am Leben, erhalte er den Preis trotzdem.[19]

Es ist nicht möglich, sich selbst zu nominieren.[20]

Die Nominierungsfrist ist der 1. Februar. Die Nominierungen, die in den zwölf vorangegangenen Monaten eingereicht wurden, werden bei der Auswahl berĂŒcksichtigt.[20]

Der Preis kann generell auch an Institutionen und VerbĂ€nde vergeben werden, aber jede Vergabeinstitution kann selbst entscheiden, ob der ihr anvertraute Preis hierfĂŒr zur VerfĂŒgung stehen soll.[21] Bislang macht hiervon lediglich der Friedensnobelpreis gebrauch.

Nominierungsrecht

Das Recht, eine Nominierung auszusprechen, haben je nach Preiskategorie unterschiedliche Personen:

  • GrundsĂ€tzlich frĂŒhere PreistrĂ€ger der jeweiligen Kategorie
  • FĂŒr Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin und Wirtschaftswissenschaften sind die Mitglieder des jeweiligen Nobelkomitees, der Akademie der Wissenschaften, Professoren der jeweiligen Fachrichtung an bestimmten skandinavischen UniversitĂ€ten und weitere ausgesuchte Individuen und LehrkrĂ€fte an ausgewĂ€hlten weiteren UniversitĂ€ten nominierungsberechtigt.
  • FĂŒr den Nobelpreis in Literatur können VorschlĂ€ge von Literatur- und Linguistikprofessoren, Mitgliedern der Schwedischen Akademie und Ă€hnlicher Institutionen, und den PrĂ€sidenten reprĂ€sentativer Schriftstellervereinigungen eingereicht werden.
  • VorschlĂ€ge fĂŒr den Friedensnobelpreis kann jedes Mitglied eines nationalen Parlaments oder einer Regierung sowie eines internationalen Gerichts machen, außerdem Professoren der Fachrichtungen Sozialwissenschaft, Geschichte, Philosophie, Recht und Theologie sowie die Leiter von Friedensforschungsinstituten und Ă€hnlichen Organisationen.

Interpretation der Kriterien

Der Wortlaut des Testaments legt nahe, dass der prĂ€miert werden soll, der eine Leistung im Jahr vor der Preisvergabe erbracht hat. Dies stellt insbesondere in den wissenschaftlichen Kategorien ein Problem dar. Viele wichtige Erkenntnisse werden erst Jahre oder gar Jahrzehnte spĂ€ter allgemein anerkannt. Eine schnelle PrĂ€mierung der Leistungen wĂŒrde auch die Gefahr beinhalten, dass letztlich unbedeutende oder sogar falsche Forschungsergebnisse den Preis erhalten wĂŒrden.

Die Statuten legen das Testament so aus, dass die neuesten Leistungen des jeweiligen Feldes prĂ€miert werden sollen und Ă€ltere Leistungen nur dann, wenn deren Bedeutung erst kĂŒrzlich offenkundig geworden sind.[22] Weiterhin sollen nur Leistungen ausgezeichnet werden, die nach Erfahrung und PrĂŒfung durch Experten von so herausragender Bedeutung sind, wie das im Testament beabsichtigt ist.[23]

Daher wird der Preis oft erst Jahrzehnte nach der eigentlichen Leistung vergeben, um sicherzustellen, dass die gewĂŒrdigte Leistung den von Nobel gesetzten MaßstĂ€ben gerecht wird.

Dies bedingt auch, dass die meisten PreistrĂ€ger der wissenschaftlichen Preise zum Zeitpunkt der Auszeichnung schon aus dem Berufsleben ausgeschieden sind. Vereinzelt stellt dies sogar ein Problem dar. Werner Forßmann, der PreistrĂ€ger in der Kategorie Medizin im Jahr 1956, arbeitete zum Zeitpunkt seiner Auszeichnung schon lange nicht mehr in der kardiologischen Forschung, sondern in einer gewöhnlichen urologischen Praxis in Bad Kreuznach, was nun nicht mehr angemessen schien. Daraufhin wurde er zum chirurgischen Chefarzt am evangelischen Krankenhaus in DĂŒsseldorf, wo er sich schon bald mit dem dortigen Kuratorium ĂŒberwarf und es nach der Probezeit zur KĂŒndigung kam, die aber wegen des großen Prestige des Nobelpreises wieder zurĂŒckgenommen wurde.[24] Beim Physik-NobelpreistrĂ€ger Theodor HĂ€nsch stellte sich schon bald nach der Auszeichnung im Jahr 2005 das Problem, dass er im Oktober 2006 hĂ€tte pensioniert werden sollen und bestenfalls bis zu seinem 68. Lebensjahr hĂ€tte weiterarbeiten dĂŒrfen. Zeitweise erwog er daher sogar, in die USA zu gehen. Die bayerische Landesregierung sicherte ihm aber eine Lösung auf Basis einer privaten Anstellung zu.[25]

Manchmal kann eine Leistung auch nicht mehr ausgezeichnet werden, weil der PreistrĂ€ger verstorben ist. So erhielt Oswald T. Avery nie einen Nobelpreis, obwohl seine Erkenntnis, dass die DNS der TrĂ€ger der Erbinformation ist, mit Sicherheit eine Jahrhunderterkenntnis war. Es dauerte jedoch zu lange, bis die Wissenschaft diese Erkenntnis akzeptierte. Er wurde in den Jahren 1932 bis 1953 (Daten fĂŒr 1954 und 1955 liegen noch nicht vor) insgesamt 36mal nominiert.[26]

Geheimhaltungspflicht

GemĂ€ĂŸ den Statuten der Stiftung werden Informationen ĂŒber Nominierte und Nominierende sowie diesbezĂŒgliche Meinungen und Untersuchungen seitens des Komitees fĂŒr einen Zeitraum von 50 Jahren unter Verschluss gehalten. Erst dann können die Akten auf Antrag eingesehen werden, wobei jeder Fall zu prĂŒfen ist und der Zugang fĂŒr geschichtliche Forschung reserviert bleibt.[27]

EinschrÀnkungen in der Auswahl der PreistrÀger

Neben der BeschrÀnkung auf lebende PreistrÀger und der maximalen Anzahl von PreistrÀgern und prÀmierten Leistungen gilt noch die Vorschrift, dass die Leistung vorher publiziert worden sein muss.[28]

Nichtvergabe des Preises

Sollte sich kein Vorschlag unter den Nominierungen befinden, der die dargelegten Bedingungen erfĂŒllt, wird das Preisgeld bis in das darauffolgende Jahr aufbewahrt. Sollte auch dann kein wĂŒrdiger PreistrĂ€ger gefunden werden, geht das Geld zurĂŒck an die Stiftung.[23]

Dies ist die einzige Möglichkeit gemĂ€ĂŸ der Statuten, den Preis nicht zu vergeben. Sowohl die verspĂ€tete Vergabe als auch die Möglichkeit, den Preis gar nicht zu vergeben, wurde schon zahlreiche Male genutzt, insbesondere in Kriegszeiten. Am hĂ€ufigsten war dies beim Friedensnobelpreis der Fall, der insgesamt 12-mal zurĂŒckgestellt und 19-mal gar nicht vergeben wurde.

Das Preisgeld wurde bei Nichtvergaben in den Jahren 1914 bis 1932 immer in den speziellen Fonds der jeweiligen Preiskategorie gegeben. Ab 1933 bis 1948 wurde das Preisgeld in so einem Fall zu einem Drittel in den Hauptfonds ĂŒberfĂŒhrt, wĂ€hrend die anderen zwei Drittel an den speziellen Fonds der jeweiligen Preiskategorie gingen. Seither kamen beide Varianten zum Einsatz, was aber nur noch den Friedensnobelpreis betraf, weil die anderen Preise zuletzt wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs nicht vergeben wurden. Den ersten Verzicht auf eine Vergabe des Preises gab es im Jahr 1914, als in den Kategorien Literatur und Frieden niemand ausgezeichnet wurde. Die bislang letzte Nichtvergabe war der Friedensnobelpreis 1972.

Die Möglichkeit der verspĂ€teten Vergabe kam einige Mal in Kriegszeiten zum Einsatz, aber auch gehĂ€uft in der Zeit zwischen den Weltkriegen. In den 1920er Jahren trat dies in jeder Preiskategorie mehr als einmal auf. So wurde bei den Nobelpreisen fĂŒr das Jahr 1925 nur der Medizinnobelpreis ohne Verzögerung vergeben. In den wissenschaftlichen Kategorien hat es seit dem Zweiten Weltkrieg aber keine ZurĂŒckstellung des Preises mehr gegeben. Beim Literaturnobelpreis wurde zuletzt 1949 davon Gebrauch gemacht. Die erste verspĂ€tete Vergabe war der Friedensnobelpreis 1912, die bislang letzte der Friedensnobelpreis 1976, der erst 1977 vergeben wurde.

Der Wirtschaftspreis hat gemĂ€ĂŸ den Statuten dieselben Vergaberichtlinien, aber weder die Möglichkeit der ZurĂŒckstellung noch die der Nichtvergabe wurde bislang genutzt.

PreistrÀger

→ Hauptartikel: Liste der NobelpreistrĂ€ger

Anzahl der PreistrÀger

Der Preis darf auf bis zu zwei Leistungen verteilt werden. Wurde eine Leistung von zwei oder drei Personen erbracht, so darf der Preis auf diese aufgeteilt werden. Jedoch darf der Preis nie an mehr als drei Personen gleichzeitig gehen.[21]

Wie die folgende Tabelle zeigt, wird die Aufteilung von Nobelpreisen in den einzelnen Disziplinen sehr unterschiedlich gehandhabt.

Kategorie Verleihungen Anzahl der PreistrÀger nicht verliehen
1 2 3 gesamt Ø
Medizin 102 38 31 33 199 1,95 9
Physik 105 47 29 29 192 1,83 6
Chemie 103 63 22 18 161 1,56 8
Frieden 92 62 28 2 124 1,35 19
Literatur 104 100 4 — 108 1,04 7
Gesamt (ohne Wirtschaft) 506 310 114 82 784 1,55 49
Wirtschaft 43 22 16 5 69 1,60 —
Gesamt (mit Wirtschaft) 549 332 130 87 853 1,55 49

Der Literaturnobelpreis wird so gut wie nie geteilt (zuletzt 1974), die wissenschaftlichen Kategorien jedoch hÀufig, bei Physik und Medizin sogar in mehr als der HÀlfte der Preisvergaben. Mit Ausnahme des Literaturnobelpreises geht bei allen Preisen die Tendenz in Richtung Preisteilung.

Dies ist dadurch zu erklĂ€ren, dass literarische Leistungen fast ausschließlich von Einzelpersonen erbracht werden. Zumindest wurde bislang noch nie eine Gemeinschaftsleistung prĂ€miert. Daher ist eine Aufteilung auf drei PreistrĂ€ger sehr unwahrscheinlich, weil dann mindestens zwei PreistrĂ€ger fĂŒr dieselbe Leistung geehrt werden mĂŒssten. Eine Aufteilung auf zwei Personen mit jeweils eigenstĂ€ndiger Leistung ist nach den Statuten nur denkbar, wenn beide Leistungen gleich bedeutend waren im jeweiligen Jahr und es keine Leistung gab, die noch grĂ¶ĂŸer war. In den wissenschaftlichen Kategorien werden hingegen Leistungen oft von vielen Forschern gemeinsam erbracht, so dass eine Aufteilung in der Regel angebracht ist.

Mehrfache PreistrÀger

Neben Marie Curie der einzige PreistrÀger in zwei verschiedenen Kategorien: Linus Pauling

Bisher ist der Preis nur vier Menschen zweimal verliehen worden – Marie Curie (1903 fĂŒr Physik und 1911 fĂŒr Chemie), Linus Carl Pauling (1954 fĂŒr Chemie und 1962 fĂŒr Frieden), John Bardeen (1956 und 1972 jeweils fĂŒr Physik) und Frederick Sanger (1958 und 1980 jeweils fĂŒr Chemie). Pauling ist hierbei der einzige, der keinen der Preise mit jemand anderem teilen musste.

Organisationen wurden ebenso mehrfach mit dem Preis geehrt. Das Hochkommissariat der Vereinten Nationen fĂŒr FlĂŒchtlinge (UNHCR) erhielt 1954 und 1981 den Friedensnobelpreis. Seine VorgĂ€ngerorganisation, das Internationale Nansen-BĂŒro fĂŒr FlĂŒchtlinge (Hochkommissariat des Völkerbundes), wurde 1938 mit diesem Preis ausgezeichnet, sein Leiter Fridtjof Nansen 1922. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz wurde fĂŒr seine FriedensbemĂŒhungen sogar dreimal (1917, 1944, 1963) ausgezeichnet, 1963 zusammen mit der Liga der Rotkreuz-Gesellschaften. Der GrĂŒnder des IKRK und der Rotkreuz-Bewegung, Henry Dunant, erhielt 1901 zusammen mit dem französischen Pazifisten FrĂ©dĂ©ric Passy den ersten Friedensnobelpreis.

Frauenanteil

Marie Curie, bislang die einzige Frau, die den Preis zweimal erhalten hat

Bis 2010 wurden insgesamt 773 Nobelpreise der fĂŒnf klassischen Kategorien vergeben, davon gingen 710 an MĂ€nner, 40 an Frauen und 23 an Organisationen. AbzĂŒglich der MehrfachpreistrĂ€ger wurden damit 707 MĂ€nner, 39 Frauen und 20 Organisationen geehrt. Hinzu kommen noch 66 mĂ€nnliche PreistrĂ€ger und eine weibliche PreistrĂ€gerin des Wirtschaftspreises.

Kategorie Insgesamt Frauen MÀnner Organisationen VerhÀltnis
Frauen:MĂ€nner
Erste Vergabe
an eine Frau
Bislang letzte Vergabe
an eine Frau
Physik 192 (191) 2 190 (189) 0 1:95 (1:94,5) 1903 1963
Wirtschaft 69 1 68 0 1:68 2009 2009
Chemie 161 (160) 4 157 (156) 0 1:39,25 (1:39) 1911 2009
Medizin 199 10 189 0 1:18,9 1947 2009
Literatur 108 12 96 0 1:8 1909 2009
Frieden 124 (121) 15 86 23 (20) 1:5,73 1905 2011
Insgesamt (ohne Wirtschaft) 784 (777) 43 (42) 721 (718) 23 (20) 1:16,77 (1:17,10) 1903 2011
Insgesamt (mit Wirtschaft) 853 (833) 44 (43) 789 (786) 23 (20) 1:17,93 (1:18,23) 1903 2011

Die MehrfachpreistrÀger sind in der Tabelle mehrfach gezÀhlt. In Klammern stehen die Anzahl der physisch verschiedenen PreistrÀger.

Nach Nobels Testament sollen ausschließlich die WĂŒrdigsten den Preis bekommen. Das Geschlecht wird nicht erwĂ€hnt.

DemgemĂ€ĂŸ wurden auch schon frĂŒhe Nobelpreise an Frauen vergeben. Jedoch ist die Verteilung ĂŒber die Jahre sehr unregelmĂ€ĂŸig. Der Literaturpreis wurde von 1909 bis 1966 insgesamt sechsmal an eine Frau vergeben und danach erst wieder 1991. Ähnlich ist es beim Friedenspreis, der 1905, 1931 und 1946 an Frauen vergeben wurde, dann erst wieder 1976. In der Chemie wurde nach 1964 erst 2009 wieder eine Frau mit dem Preis ausgezeichnet. Beim Medizinpreis erhielt bis 1976 lediglich Gerty Cori die Auszeichnung, zwischen 1977 und 1988 dann vier Frauen, seither aber wieder in grĂ¶ĂŸeren AbstĂ€nden. Der Physikpreis hat den niedrigsten Frauenanteil. Hier wurde seit ĂŒber 40 Jahren keine Frau mehr ausgezeichnet. Der Preis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften war lange Zeit eine reine MĂ€nnerdomĂ€ne, bis er schließlich 40 Jahre nach der ersten Verleihung an Elinor Ostrom ging. Der Frauenanteil liegt hier aber höher, da der Preis erst seit 1969 vergeben wird.

Die Preise in den naturwissenschaftlichen Kategorien können nur an Wissenschaftler gehen und werden ĂŒblicherweise lange nach der prĂ€mierten Leistung vergeben, so dass die bisherigen PreistrĂ€ger meist aus Forschergenerationen kamen, in denen der Frauenanteil sehr gering war. Bei den anderen Gebieten ist das Feld möglicher PreistrĂ€ger weiter gefasst. Das Vergabekomitee fĂŒr den Friedensnobelpreis kann auch Organisationen auszeichnen. Der Literaturpreis kann an Schriftsteller unabhĂ€ngig von Qualifikation und Genre vergeben werden.

Marie Curie ist die einzige zweifache PreistrĂ€gerin. Sie erhielt ihren ersten Preis fĂŒr Physik 1903, zusammen mit ihrem Ehemann Pierre und Antoine Henri Becquerel. Allerdings geschah dies auf Anregung ihres Mannes, der dem Nobelpreiskomitee per Brief erklĂ€rte, dass seine Frau einen gleich großen Anteil an der Leistung hatte.[29] Den zweiten Preis fĂŒr Chemie erhielt sie 1911. In beiden Preiskategorien war sie jeweils die erste weibliche PreistrĂ€gerin. Außer ihr hat nur Linus Carl Pauling zwei Nobelpreise in verschiedenen Kategorien erhalten.

Das bislang frauenstĂ€rkste Jahr war 2009. Es erhielten inklusive Wirtschaftspreis fĂŒnf Frauen und acht MĂ€nner den Preis, darunter auch die erste weibliche PreistrĂ€gerin in Chemie seit 45 Jahren und die erste WirtschaftspreistrĂ€gerin ĂŒberhaupt.

Insgesamt 19 Frauen waren alleinige NobelpreistrĂ€gerinnen. Der Friedensnobelpreis wurde bislang als einziger ausschließlich unter Frauen geteilt. Dies geschah im Jahr 1976, als Betty Williams und Mairead Corrigan ausgezeichnet wurden, sowie 2011, als Ellen Johnson Sirleaf, Leymah Gbowee und Tawakkul Karman gemeinsam den Preis erhielten. Weiterhin teilten sich Elizabeth Blackburn und Carol W. Greider mit Jack Szostak im Jahr 2009 den Medizinnobelpreis. Die Sprecherin der Internationale Kampagne fĂŒr das Verbot von Landminen, Jody Williams, erhielt eine HĂ€lfte des Friedensnobelpreises 1997, die Organisation als solche die andere HĂ€lfte. Alle anderen PreistrĂ€gerinnen teilten sich den Preis mit einem oder mehreren MĂ€nnern.

Im Jahr 2005 nominierte die Kampagne 1000 Women for the Nobel Peace Prize 2005 1000 Frauen aus 151 LĂ€ndern fĂŒr den Friedensnobelpreis.

JĂŒngste und Ă€lteste NobelpreistrĂ€ger

Doris Lessing, Àlteste PreistrÀgerin bislang

Der Wirtschaftswissenschaftler Leonid Hurwicz war bislang der Ă€lteste PreistrĂ€ger. Er erhielt den Wirtschaftspreis im Jahr 2007 im Alter von 90 Jahren. Zwei Jahre jĂŒnger ist die Ă€lteste TrĂ€gerin, die Schriftstellerin Doris Lessing, die 88-jĂ€hrig im Jahr 2007 den Literaturnobelpreis erhielt.

Der jĂŒngste EmpfĂ€nger des Nobelpreises war der Physiker William Lawrence Bragg, der 1915 25-jĂ€hrig den Preis erhielt, die jĂŒngste Frau ist Tawakkul Karman, die ihren Friedensnobelpreis 2011 mit 32 Jahren empfing.

Seit dem Tode Józef Rotblats 2005 ist Rita Levi-Montalcini die Àlteste lebende Person, die einen Nobelpreis erhalten hat. Seit dem 4. Mai 2008 ist sie auch diejenige Person, die das höchste Lebensalter aller jemaligen NobelpreistrÀger erreicht hat. Bis zu jenem Zeitpunkt hatte Tadeus Reichstein diese Position inne.

Louis de Broglie, der 1929 den Physiknobelpreis erhielt, starb 57 Jahre und 4 Monate nach der Preisverleihung, wodurch er der PreistrÀger ist, der am lÀngsten nach Entgegennahme des Preises lebte. Unter den noch lebenden PreistrÀgern sind es die PhysikpreistrÀger von 1957, Chen Ning Yang und Tsung-Dao Lee, bei denen die lÀngste Zeitspanne seit der Preisverleihung vergangen ist. Unter den weiblichen PreistrÀger sind es Betty Williams und Mairead Corrigan, die FriedensnobelpreistrÀgerinnen von 1976, bei denen seit der Preisverleihung die lÀngste Zeit vergangen ist. Nach Kategorien aufgeteilt liegen die jeweiligen lÀngsten Zeitspannen bei 54 Jahren und mehr in den naturwissenschaftlichen Kategorien, wÀhrend es beim Friedenspreis nur 39 und beim Literaturnobelpreis nur 37 Jahre sind.

NationalitÀt der PreistrÀger

Nobel hat in seinem Testament ausdrĂŒcklich vorgesehen, dass Skandinavier bei der Preisvergabe nicht bevorzugt werden dĂŒrften, sondern nur der WĂŒrdigste ausgewĂ€hlt werden soll. Ob dieser Vorgabe Folge geleistet wurde, ist umstritten.

Da die Preisvergabe von NordeuropĂ€ern entschieden wird, liegt der Verdacht nahe, dass bevorzugt Menschen und Organisationen aus deren Kulturkreis, also EuropĂ€er und Nordamerikaner, mit dem Preis bedacht werden. Diese LĂ€nder fĂŒhren die Statistiken in allen Preiskategorien an. Insbesondere Schweden brachte mehr PreistrĂ€ger hervor als andere europĂ€ische Nationen vergleichbarer GrĂ¶ĂŸe. Das Land stellte in jeder Kategorie in mindestens vier Jahren PreistrĂ€ger. Mit Ausnahme des Chemiepreises, wo die Schweiz öfter an Preisen beteiligt war, liegen nur deutlich bevölkerungsreichere LĂ€nder vor Schweden. Bezogen auf die anderen skandinavischen LĂ€nder lĂ€sst sich ein solches Ungleichgewicht jedoch nicht feststellen.

Besonders augenfĂ€llig ist die Dominanz der Vereinigten Staaten. Sie fĂŒhren die Statistik in allen Kategorien mit Ausnahme der Literatur an. In den Wirtschaftswissenschaften sind bis 2009 unter den 64 PreistrĂ€gern gerade einmal 21, die nicht aus den USA stammen. Aber auch ohne BerĂŒcksichtigung des Wirtschaftspreises finden sich seit dem Zweiten Weltkrieg kaum noch Jahre, in denen kein Amerikaner ausgezeichnet wurde. Dies war nur in den Jahren 1948, 1957 und 1991 der Fall, wobei sich 1948 unter den PreistrĂ€gern ein gebĂŒrtiger US-Amerikaner befand. Vor dem Zweiten Weltkrieg ist das Bild genau umgekehrt: bis 1922 wurden nur sechs Amerikaner mit einem Nobelpreis ausgezeichnet, davon drei Friedensnobelpreise. In den 1920er und 1930er Jahren finden sich noch sieben Jahre, in denen kein Amerikaner ausgezeichnet wurde. Dies ist zu erklĂ€ren mit dem kontinuierlichen wirtschaftlichen und damit auch wissenschaftlichen Aufstieg der USA, wĂ€hrend in Europa der Wiederaufbau noch andauerte. Zudem befinden sich unter den PreistrĂ€gern zahlreiche Immigranten, die aus Europa geflĂŒchtet waren oder wegen der AttraktivitĂ€t der Wissenschaftsinstitutionen in die USA gingen und dann spĂ€ter die StaatsbĂŒrgerschaft annahmen. 1973 waren beispielsweise beide US-amerikanischen PreistrĂ€ger Immigranten.

Die NationalitĂ€t eines PreistrĂ€gers wird in den offiziellen Listen der Nobelstiftung festgehalten. Diese gibt der PreistrĂ€ger in der Regel selbst an. Bei den FestivitĂ€ten wird dann ein Vertreter des jeweiligen Landes, meist der Botschafter, eingeladen und erhĂ€lt einen Platz unter den EhrengĂ€sten. Beim Friedensnobelpreis fĂŒhrt das norwegische Nobelinstitut eigene Listen, die teilweise von denen der Nobelstiftung abweichen.

Diese Praxis bedingt unter anderem, dass Angaben in den Nobellisten gelegentlich umstritten oder verwirrend sind. Bei manchen doppelten StaatsbĂŒrgern wird nur eine NationalitĂ€t angegeben, so z. B. bei Elizabeth Blackburn, die auch australische StaatsbĂŒrgerin ist, aber in den Nobellisten nur als Amerikanerin mit australischem Geburtsort gefĂŒhrt wird. Auch wird bei PreistrĂ€gern, die zwischen mehreren Nationen standen, wie z. B. dem gebĂŒrtigen ElsĂ€sser Albert Schweitzer, die Angabe nur einer NationalitĂ€t als unzureichend oder, je nach Standpunkt des Betrachters, als falsch empfunden. Ein weiterer Grund fĂŒr Diskrepanzen sind die zahlreichen staatlichen VerĂ€nderungen im 19. und 20. Jahrhundert. So wird bei manchen PreistrĂ€gern der Geburtsort mit der damaligen und heutigen Staatszugehörigkeit genannt, wĂ€hrend bei anderen nur eines von beiden genannt wird. Ein Beispiel hierfĂŒr ist GĂŒnter Blobel, dessen heute in Polen liegender Geburtsort als Ort in Deutschland verzeichnet ist. Mutter Teresa wurde in Skopje geboren, das damals zum Osmanischen Reich gehörte und heute die Hauptstadt von Mazedonien ist. Ihre Familie war jedoch albanisch, weswegen sie oft als Albanerin gesehen wird. In der offiziellen Nobelliste ist aber keiner der drei Staaten genannt, sondern der Geburtsort wird als der TĂŒrkei zugehörig ausgewiesen, vermutlich, weil dies schon vor der GrĂŒndung des tĂŒrkischen Staates eine ĂŒbliche Bezeichnung fĂŒr das Osmanische Reich war. Ihre NationalitĂ€t wird als indisch ausgewiesen, weil sie zum Zeitpunkt der Preisvergabe indische StaatsbĂŒrgerin war.

Da der Friedensnobelpreis schon mehrfach an PreistrĂ€ger ging, die in ihrer Arbeit auf eine Lösung eines Konflikts ĂŒber die staatliche Zugehörigkeit eines Gebietes hingearbeitet haben, lĂ€uft schon die Angabe der NationalitĂ€t Gefahr, als tendenziös angesehen zu werden. So wurde bei der Vergabe an den 14. Dalai Lama Tendzin Gyatsho als NationalitĂ€t Tibet angegeben, obwohl dieser Staat nur in Form einer Exilregierung existiert. 1998 und 1976 wurden Leistungen fĂŒr die Beilegung des Nordirlandkonfliktes prĂ€miert. Hier entschied sich das Nobelinstitut fĂŒr Nordirland als NationalitĂ€t, obwohl diese Region niemals ein eigenstĂ€ndiger Staat war und auch die GrĂŒndung eines solchen von keiner Konfliktpartei angestrebt wird. Die Nobelstiftung hingegen nennt nach der formalen derzeitigen Zugehörigkeit das Vereinigte Königreich als NationalitĂ€t.

Politische Konflikte

Der Nobelpreis an sich ist zwar politisch neutral, aber immer wieder fĂŒhrt die Auswahl der PreistrĂ€ger zu Konflikten mit Regierungen, denen der Ausgezeichnete missliebig ist.

In besonderem Maße gilt dies fĂŒr den Friedensnobelpreis. Zwar hĂ€lt sich das Komitee meist mit eindeutigen Bewertungen zurĂŒck, aber schon die Auswahl wird oft als Aussage fĂŒr oder gegen eine bestimmte Politik gesehen. In EinzelfĂ€llen wird auch deutliche Kritik geĂŒbt, so z.B. durch die Vergabe an Jimmy Carter im Jahr 2002. Bei der Bekanntgabe sprach sich der Komiteevorsitzende Gunnar Berge ausdrĂŒcklich gegen die Irakpolitik des damaligen US-PrĂ€sidenten George W. Bush aus.[30]

Zeit des Nationalsozialismus

Aufgrund der Vergabe des Nobelpreises 1935 an den Pazifisten Carl von Ossietzky kam es zu einem Konflikt mit dem nationalsozialistischen Regime in Deutschland. Der Diktator Adolf Hitler verfĂŒgte 1937 per Erlass eine Doktrin, wonach Reichsdeutschen die Annahme des Nobelpreises „fĂŒr alle Zukunft“ untersagt war. Stattdessen wurde ein Deutscher Nationalpreis fĂŒr Kunst und Wissenschaft eingefĂŒhrt und 1937 und 1938 verliehen.

Ab 1934 setzten sich verschiedene Interessengruppen fĂŒr die Vergabe des Friedensnobelpreises an Carl von Ossietzky ein, der 1933 verhaftet und ins Konzentrationslager verschleppt wurde. 1934 wurde die Nominierung zu spĂ€t und von einer nicht nominierungsberechtigten Institution eingereicht. Ein neuerlicher Versuch 1935 war aussichtsreich, aber die deutsche Regierung ĂŒbte erheblichen Druck aus, um die Vergabe zu verhindern. Das Nobelpreiskomitee verzichtete auf eine Vergabe des Preises im Jahr 1935 und stellte den Preis gemĂ€ĂŸ den Statuten zurĂŒck, so dass er auch noch 1936 rĂŒckwirkend zuerkannt werden konnte.

Der schwerkranke Ossietzky wurde 1936 vom KZ in ein Krankenhaus verlegt und am 7. November aus der Haft entlassen. Die internationale Kampagne zeigte Wirkung und Ossietzky wurde am 23. November der Friedensnobelpreis von 1935 zugesprochen. Trotz DrÀngens der Gestapo und Hermann Görings persönlich entschloss er sich, den Preis anzunehmen. Die Ausreise zur Preisverleihung nach Norwegen wurde ihm verweigert, und er starb 1938 in Berlin.

Um sicherzustellen, dass sich ein solches politisches Desaster fĂŒr das Regime nicht noch einmal wiederholte, wurde daher das Verbot der Annahme eines Nobelpreises erlassen. Von diesem Verbot waren mehrere deutsche Wissenschaftler betroffen. Richard Kuhn erhielt 1938 den Preis in Chemie, konnte ihn aber erst 1948 entgegennehmen. 1939 erhielten Adolf Butenandt in Chemie und Gerhard Domagk in Medizin Nobelpreise. Letzterer geriet sogar in Haft, weil er sich fĂŒr den Preis bedankte. 1947 konnte er ihn dann doch entgegennehmen, erhielt aber das Preisgeld nicht, da er hierfĂŒr den Preis innerhalb eines Jahres hĂ€tte annehmen mĂŒssen.

Erzwungene Ablehnung von Boris Pasternak

Dem Schriftsteller Boris Pasternak wurde 1958 der Literaturnobelpreis zugesprochen. ZunĂ€chst nahm er an, aber unter dem Druck der sowjetischen Regierung lehnte er den Preis doch ab. Doktor Schiwago, sein bekanntestes Werk, war 1957 nur im Ausland erschienen, weil er in der Sowjetunion wegen des „konterrevolutionĂ€ren Geistes“ und „pathologischen Individualismus“ zur Veröffentlichung abgelehnt wurde. Die Verleihung des Nobelpreises an Pasternak wurde von offizieller Seite als unfreundlicher Akt angesehen. Man schloss Pasternak aus dem Schriftstellerverband aus.

Bei einer Ausreise zur Annahme des Preises hĂ€tte Pasternak befĂŒrchten mĂŒssen, dass er nicht nach Russland zurĂŒckkehren darf. Er wollte das Land jedoch keinesfalls verlassen, so dass er die Annahme verweigerte. Er starb 1960. Doktor Schiwago durfte erst 1987 in der Sowjetunion publiziert werden. Boris Pasternaks Sohn nahm 1989 den Preis in einer speziellen Zeremonie in Stockholm entgegen.[31][32]

Maßnahmen der chinesischen Regierung gegen die Verleihung an Liu Xiaobo

Mit der Vergabe des Friedensnobelpreies 2010 an den chinesischen Menschenrechtler Liu Xiaobo, der zu jenem Zeitpunkt wegen „Untergrabung der Staatsgewalt“ eine 11-jĂ€hrige Haftstrafe absaß, widersetzte sich das Komitee dem Druck aus dessen Heimatland.[33] Die chinesische Regierung reagiert kĂŒhl und bezeichnete den PreistrĂ€ger als „Kriminellen“. Dem Druck, die Verleihung zu boykottieren, folgten 20 Staaten, die vorwiegend enge Beziehungen zu China unterhalten und diese nicht gefĂ€hrden wollten. Liu Xiaobo wurde nicht aus der Haft entlassen, und auch seine Frau konnte den Preis nicht entgegennehmen, weil sie, wie zahlreiche andere chinesische Aktivisten, mit einem Ausreiseverbot belegt wurde.[34] Dass der PreistrĂ€ger nicht teilnehmen konnte, hatte es zuletzt bei der Vergabe an Carl von Ossietzky im Jahr 1936 gegeben.

Bei der Verleihung blieb der Stuhl des PreistrĂ€gers symbolisch leer. China blockierte die Übertragung der Zeremonie im Land. Der Komiteevorsitzende Jagland mahnte die Freilassung von Liu Xiaobo an. Der Preis wird in Oslo aufbewahrt, bis er abgeholt werden kann.[35] Seit 2010 wird in China der Konfuzius-Friedenspreis vergeben, der als Gegenpreis zum Friedensnobelpreis gewertet wird.[36][37]

Bekanntgabe

Pressekonferenz in der Schwedischen Akademie der Wissenschaften

Da es keine öffentliche Nominierung gibt und die PreistrĂ€ger schon vor der Preisverleihung bekanntgegeben werden, ist in der öffentlichen Wahrnehmung nicht der Tag der Übergabe des Preises ausschlaggebend, sondern der Tag der Bekanntgabe. Auch hier gibt es festgelegte Traditionen. Die Bekanntgabe der Preise findet traditionell Anfang bis Mitte Oktober statt. Die Preise werden ĂŒblicherweise in folgender Reihenfolge bekanntgegeben:

  • Medizin: Die Bekanntgabe findet an einem Montag Anfang Oktober im Wallenberghörsaal des Karolinska-Instituts statt. Sie ist prinzipiell fĂŒr die Öffentlichkeit zugĂ€nglich. Allerdings erhalten mittlerweile Besucher mit Presseausweis bevorzugt Einlass, wĂ€hrend alle anderen Besucher nur RestplĂ€tze erhalten. Die Veranstaltung war zuvor so gut besucht, dass nicht alle Besucher einen Sitzplatz finden. Traditionell wird die Bekanntgabe in den Sprachen verlesen, die Alfred Nobel selbst sprach: Schwedisch, Englisch, Französisch, Deutsch und Russisch. An die Bekanntgabe schließt sich eine PrĂ€sentation der Arbeit der PreistrĂ€ger sowie eine Pressekonferenz an. Unterdessen werden die offiziellen Pressemitteilungen ausgegeben.
  • Physik: Die Bekanntgabe findet im GebĂ€ude der Akademie der Wissenschaften statt, wobei es sich um eine Pressekonferenz handelt, zu der normalerweise nur Pressevertreter zugelassen sind, so dass die Anzahl der Zuhörer kleiner ist. Die Bekanntgabe erfolgt auf Schwedisch und auf Englisch. Im Anschluss wird die Arbeit des bzw. der PreistrĂ€ger prĂ€sentiert. Sofern möglich, wird eine Telefonverbindung zu einem der PreistrĂ€ger hergestellt, damit er vor der anwesenden Presse einige Fragen beantworten kann. Sollte einer oder mehrere der PreistrĂ€ger nicht aus einem englisch- oder schwedischsprachigen Land kommen, sind die Pressemitteilungen auch in deren Sprache verfĂŒgbar. Als Termin wird ĂŒblicherweise der Tag nach der Bekanntgabe des Medizinpreises gewĂ€hlt.
Bekanntgabe der NobelpreistrÀger in Chemie 2008
  • Chemie: Der Ablauf ist im Wesentlichen derselbe wie bei Physik. Der Termin ist ĂŒblicherweise der Tag nach der Bekanntgabe des Physikpreises.
  • Frieden: Einige Tage spĂ€ter wird der PreistrĂ€ger des Friedenspreises in Oslo bekanntgegeben. Üblicherweise wird hierfĂŒr ein Freitag gewĂ€hlt.
  • Literatur: WĂ€hrend die Termine der Pressekonferenzen fĂŒr die anderen Preise schon Wochen vorher feststehen, wird der Termin der Bekanntgabe fĂŒr den Literaturpreis traditionell erst kurz vor deren Stattfinden öffentlich gemacht. Üblicherweise wird ein Termin nach dem Chemienobelpreis gewĂ€hlt. Ort der Bekanntgabe ist ein Saal im oberen Stockwerk der Schwedischen Akademie in der Altstadt Stockholms. Zur Zeit der Bekanntgabe tritt der StĂ€ndige SekretĂ€r der Akademie aus einer TĂŒr und verliest nach einer sehr kurzen BegrĂŒĂŸung stehend den PreistrĂ€ger sowie die PreisbegrĂŒndung. Dies erfolgte in der Zeit des StĂ€ndigen SekretĂ€rs Horace Engdahl (bis 2008) wie beim Medizinpreis in den Sprachen, die Nobel selbst sprach: Schwedisch, Englisch, Französisch, Deutsch und Russisch. Der seit 2009 amtierende Peter Englund trĂ€gt nur noch in schwedisch, englisch sowie der Sprache des jeweiligen PreistrĂ€gers vor. Anschließend gibt er eine kurze Pressekonferenz. Eine weitere Vorstellung des PreistrĂ€gers findet nicht statt, aber es werden Pressemitteilungen verteilt, in denen der PreistrĂ€ger portrĂ€tiert wird. Die Bekanntgabe ist fĂŒr die Öffentlichkeit frei zugĂ€nglich und daher auch so gut besucht, dass sich die Zuhörer dicht um die TĂŒr drĂ€ngen. Unmittelbar nach der Bekanntgabe wird ĂŒblicherweise begeistert fĂŒr den PreistrĂ€ger applaudiert.
  • Wirtschaft: Der Preis fĂŒr Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel hat wie der Literaturnobelpreis keinen festen Platz in diesem Ablauf. Teilweise findet die Bekanntgabe vor dem Friedenspreis statt, teilweise danach, aber in jedem Fall nach den drei naturwissenschaftlichen Preisen. Das Verfahren ist Ă€hnlich wie bei Physik und Chemie, jedoch findet die Pressekonferenz ĂŒblicherweise am frĂŒhen Nachmittag statt, wĂ€hrend die anderen beiden Pressekonferenzen am spĂ€ten Morgen stattfinden.

Alle Termine sind mit dem Hinweis „at the earliest“ (frĂŒhestens) versehen, so dass es auch Verzögerungen geben kann. Diese treten gelegentlich ein, wenn beispielsweise ein PreistrĂ€ger nicht rechtzeitig kontaktiert werden kann.

Die PreistrĂ€ger werden ĂŒblicherweise noch vor der Öffentlichkeit telefonisch informiert, auch um sie auf den zu erwartenden Ansturm der Presse vorzubereiten. Wegen der Zeitverschiebung erreichen diese Anrufe die US-amerikanischen PreistrĂ€ger oft mitten in der Nacht. Da die PreistrĂ€ger bestenfalls wissen, dass sie nominiert sind, kommt die Nachricht in der Regel höchst unerwartet und nicht selten in denkwĂŒrdigen Situationen. Der ChemienobelpreistrĂ€ger 1991, Richard R. Ernst, war auf einem Flug nach Moskau, als er in das Cockpit gebeten wurde, wo er die Nachricht erhielt. GĂŒnter Grass war gerade beim Zahnarzt.[38] Willy Brandt befand sich in einer Sitzung des Deutschen Bundestags, als der BundestagsprĂ€sident Kai-Uwe von Hassel die Sitzung unterbrach und die Nachricht aus Oslo verkĂŒndete. Manchmal gelingt es den Verantwortlichen jedoch nicht, die PreistrĂ€ger zu erreichen. Dies war beispielsweise bei George E. Smith der Fall, der beim ersten Presseinterview davon erfuhr.[39]

Preisvergabe

Die Verleihung der Preise in Stockholm und Oslo findet jedes Jahr am 10. Dezember, dem Todestag Alfred Nobels, statt. Um die Verleihung der Preise ist seit 1901 eine Reihe von Traditionen gewachsen.

Stockholm

Stockholms Stadshus – Veranstaltungsort fĂŒr das Nobelbankett direkt nach der Preisverleihung

Die PreistrÀger sind Mittelpunkt einer ganzen Nobelwoche, die einige Tage vor dem 10. Dezember beginnt und am 13. Dezember endet. Sie sind im Grand HÎtel Stockholm nahe der Altstadt in Stockholm untergebracht.

Nobelvorlesung

Nobelvorlesung in der Aula Magna

Nach den Statuten der Nobelstiftung[40] soll der PreistrĂ€ger, wenn möglich, eine Vorlesung ĂŒber die prĂ€mierte Arbeit halten. Diese soll vor der PreisĂŒbergabe oder bis spĂ€testens sechs Monate danach gehalten werden. Die Vorlesungen in Stockholm werden traditionell alle am 8. Dezember abgehalten.

  • Die Vorlesungen der PreistrĂ€ger in den Kategorien Physik, Chemie und Wirtschaft finden ĂŒblicherweise am 8. Dezember in der Aula Magna der UniversitĂ€t Stockholm statt. Es handelt sich um eine zusammenhĂ€ngende Veranstaltung, bei der alle drei Kategorien direkt nacheinander prĂ€sentiert werden. Die Vorlesungen sind hĂ€ufig weniger FachvortrĂ€ge, sondern humorvolle RĂŒckblicke auf die Karriere des jeweiligen PreistrĂ€gers, oft auch verbunden mit der Hervorhebung wichtiger Mitarbeiter. Die Veranstaltung ist öffentlich. An die Besucher werden kostenlos Poster ausgegeben, die die prĂ€mierten Leistungen anschaulich prĂ€sentieren. FĂŒr jede Kategorie gibt es zwei Poster, eines auf Englisch und eines auf Schwedisch.
  • Die Vorlesung der PreistrĂ€ger in der Kategorie Medizin findet ebenso am 8. Dezember in den VorlesungssĂ€len des Karolinska-Instituts statt. Auch das KI erstellt Poster. Die Veranstaltung ist öffentlich.
  • Die PreistrĂ€ger in Literatur halten ihre Vorlesung in dem Saal der Schwedischen Akademie (Literatur), ebenso am 8. Dezember. Die Veranstaltung ist nicht öffentlich. Die Vorlesungen beziehen sich hĂ€ufig weniger auf das Werk der PreistrĂ€ger, sondern sind oft allgemeine Betrachtungen mit politischen Untertönen.

Kann der PreistrĂ€ger aus gesundheitlichen oder persönlichen GrĂŒnden nicht anwesend sein, so kann er ersatzweise auch eine Vorlesung schreiben oder per Video schicken. Dies tat beispielsweise Harold Pinter, LiteraturnobelpreistrĂ€ger 2005, da er aus gesundheitlichen GrĂŒnden nicht anreisen konnte.

Preisverleihung

Preisverleihung 2010

Höhepunkt der Nobelwoche ist der 10. Dezember, an dem zunĂ€chst am frĂŒhen Abend die Preisverleihung durch den schwedischen König erfolgt. Dieser Tag ist in Schweden der sogenannte Nobeltag, welcher zu den Tagen gehört, an dem die schwedische Flagge gehisst werden soll.

Bei der ersten Preisverleihung im Jahre 1901 fanden alle Feierlichkeiten im Spiegelsaal des Stockholmer Grand Hotels statt. Es waren 113 MĂ€nner anwesend, die einmal auf den König, Oskar II., und einmal auf den Kronprinz, den spĂ€teren Gustav V., anstießen und dann ein vierfaches Hurra anstimmten. Das Bankett fand ebenfalls dort statt. Der König selbst war jedoch nicht anwesend und nahm erst ab 1902 die PreisĂŒbergabe vor.

Seit 1926 findet die Preisverleihung im Konserthuset am Hötorget statt. Beim Einzug der königlichen Familie wird die schwedische Königshymne gesungen. Es werden Ansprachen ĂŒber die von den PreistrĂ€gern geleistete Arbeit gehalten. Diese sind grĂ¶ĂŸtenteils auf Schwedisch, aber die letzten SĂ€tze sowie die Aufforderung, den Preis entgegenzunehmen, werden auf Englisch oder in der Muttersprache des PreistrĂ€gers vorgetragen. Der König ĂŒbergibt darauf die Preismedaille und eine Urkunde. Nach Abschluss der PreisĂŒbergabe wird die schwedische Nationalhymne gesungen. Darauf folgt der Auszug der königlichen Familie.

Weiterhin gibt es ein musikalisches Rahmenprogramm.

Das Konserthuset hat nur sehr begrenzten Platz, so dass die Auswahl der GĂ€ste noch eingeschrĂ€nkter ist als beim anschließenden Bankett. Die königliche Familie, die PreistrĂ€ger, der Vorsitzende der Nobelstiftung sowie die einzelnen Vorsitzenden der Vergabegremien sitzen auf der BĂŒhne. In den ersten Reihen sitzen ungefĂ€hr 90 Mitglieder der Vergabeorganisationen, ehemalige PreistrĂ€ger und Redner.

Nobelbankett

Panorama der Blauen Halle beim Nobelbankett 2005. Die GĂ€ste gehen nach dem Dinner nach oben in den Goldenen Saal zum Tanz.
Gedeckter Tisch beim Nobelbankett 2005 mit dem Tafelservice, das nur bei dieser Veranstaltung verwendet wird

Anschließend fahren die PreistrĂ€ger zum Nobelbankett, das seit 1930 mit wenigen Ausnahmen im Stadshuset abgehalten wird; ursprĂŒnglich wurde hierzu der Goldene Saal genutzt. Da dieser zu klein wurde, findet es nun im Blauen Saal im unteren Stockwerk statt. Der Goldene Saal dient als KĂŒche und wird spĂ€ter fĂŒr den Tanz freigegeben.

Am Ehrentisch des Banketts sitzen die PreistrĂ€ger, die königliche Familie, hohe ReprĂ€sentanten der Nobel-Gremien sowie auslĂ€ndische EhrengĂ€ste, z. B. die Botschafter der LĂ€nder, aus denen die PreistrĂ€ger stammen. Diese besonderen EhrengĂ€ste marschieren zu Beginn in einer Prozession ein. Weitere GĂ€ste der Nobelbanketts sind am Preisvergabeprozess Beteiligte sowie EhrengĂ€ste aus aller Welt. Weiterhin darf eine begrenzte Anzahl Studenten schwedischer UniversitĂ€ten teilnehmen. Das Recht, diese Eintrittskarten zu erwerben, wird hierbei in einer jĂ€hrlichen Lotterie verlost. Studenten haben darĂŒber hinaus zeremonielle Aufgaben als Begleitpersonen bei der Prozession sowie als Ordner. Insgesamt nehmen ĂŒber 1000 Menschen am Bankett teil. Die Zahl ist aber wegen des beschrĂ€nkten Platzes im Stadshuset streng begrenzt; sogar ehemaligen PreistrĂ€gern wird eine Eintrittskarte verwehrt, wenn die PlĂ€tze gefĂŒllt sind.

Das mehrgĂ€ngige MenĂŒ wird bis zuletzt geheim gehalten und ist, im Gegensatz zu allen anderen offiziellen Dokumenten des Nobelpreises, ausschließlich auf Französisch verfĂŒgbar. Die Bewirtung der GĂ€ste fĂŒhren mehrere hundert Angestellte durch, die dies teilweise schon lange vorher geprobt haben.

Der König sowie der Vorsitzende der Nobelstiftung bringen zum Gedenken an Alfred Nobel einen Toast aus. Nach dem Essen halten die PreistrĂ€ger kurze Dankesansprachen. Gibt es in einer Kategorie mehrere PreistrĂ€ger, so hĂ€lt einer stellvertretend fĂŒr seine MitpreistrĂ€ger die Ansprache.

Hinzu kommt ein aufwÀndiges musikalisches Begleitprogramm zwischen den GÀngen sowie Tanz nach dem Ende des Essens. Dort sind dann auch die Preismedaillen in Vitrinen ausgestellt zu sehen.

Nach dem Ende des Banketts richtet traditionell die Studentenvereinigung einer der Stockholmer Hochschulen ein aufwĂ€ndiges Fest aus, das unter einem bestimmten Thema steht. Die meisten PreistrĂ€ger nehmen auch hier noch teil, wobei sie dazu angehalten sind, ihre GesangskĂŒnste zum Besten zu geben.

Abschluss der Nobelwoche

In den Tagen vor und nach der Preisverleihung nehmen die PreistrÀger an zahlreichen Veranstaltungen teil. Beispielsweise besuchen sie Schulen.

Am 13. Dezember ist in Schweden das Luciafest, zu dem Kinder frĂŒhmorgens eine Prozession mit Kerzen veranstalten. Die NobelpreistrĂ€ger werden dabei von einer solchen Prozession geweckt. Dies ist das traditionelle Ende der Nobelwoche.

Oslo

Ebenfalls am 10. Dezember wird der Friedensnobelpreis am frĂŒhen Nachmittag in Oslo verliehen. Zwar gibt es auch in Norwegen Tage, an denen die norwegische Flagge an öffentlichen GebĂ€uden zu hissen ist. Im Gegensatz zu Schweden gehört der 10. Dezember aber nicht dazu.[41]

Die Verleihung in Oslo findet seit 1990 im Rathaus statt. Von 1926 bis 1946 wurde sie im Nobelinstitut abgehalten, ab 1947 dann im Auditorium der UniversitĂ€t Oslo. Die Übergabe selbst findet in Anwesenheit des norwegischen Königs statt und wird vom Vorsitzenden des norwegischen Nobelkomitees durchgefĂŒhrt. Anschließend hĂ€lt der PreistrĂ€ger die in den Nobelstatuten vorgeschriebene Vorlesung[40] in Form einer lĂ€ngeren Rede.

Im Anschluss findet auch in Oslo ein Bankett statt.

Kritik

Die Entscheidungen der Vergabekomitees werden hĂ€ufig kontrovers diskutiert. Vor allem in den Preiskategorien Frieden und Literatur kommt es nahezu jedes Jahr zu vereinzelter bis heftiger Kritik. Bei den naturwissenschaftlichen Kategorien ist Kritik jedoch selten und beschrĂ€nkt sich meist darauf, dass die anderen an der prĂ€mierten Leistung beteiligten Wissenschaftler nicht berĂŒcksichtigt wurden. (Siehe unten.)

Bedeutung der Leistung

Henry Kissinger, FriedensnobelpreistrÀger 1973

Beim Friedensnobelpreis rĂŒhrt die Kritik meist daher, dass er hĂ€ufig in relativ kurzem Abstand zum entsprechenden Ereignis vergeben wird, so dass eine historische AbwĂ€gung und die Einbeziehung der Langzeitfolgen nicht möglich sind. Ein Beispiel sind Henry Kissinger und LĂȘ Đức Thọ, die den Nobelpreis dafĂŒr zugesprochen bekamen, dass sie einen Krieg mit Millionen von Opfern beendeten, den sie in eigener Mitverantwortung begonnen hatten. Nur Henry Kissinger akzeptierte den Preis, LĂȘ Đức Thọ verweigerte die Annahme, da damals aus seiner Sicht immer noch kein Frieden in Vietnam herrschte. Auch die Vergabe an Jassir Arafat fĂŒr seine Rolle im Friedensprozess in Nahost wurde im Nachhinein in Frage gestellt. Ein weiteres Beispiel ist die umstrittene Vergabe des Preises 1985 an die International Physicians for the Prevention of Nuclear War (IPPNW), denen von Seiten konservativer und christdemokratischer europĂ€ischer Politiker zu enge ideologische Verbindungen zum Ostblock vorgeworfen wurde.[42][43] Barack Obama erhielt den Friedensnobelpreis im Jahr seines Amtsantritts als US-PrĂ€sident 2009 ohne dass er bis dahin grĂ¶ĂŸere außenpolitische Erfolge vorweisen konnte.

Der Literaturnobelpreis steht ebenfalls hĂ€ufig in der Kritik. So wurde die Entscheidung fĂŒr Harold Pinter im Jahr 2005 von manchen Literaturkritikern heftig kritisiert. Bei der Auswahl Orhan Pamuks im Jahr 2006 war die Reaktion in dessen Heimatland TĂŒrkei unterkĂŒhlt, da er dort ein politisch sehr umstrittener Schriftsteller ist. Allerdings gab es in beiden Beispielen auch eine Vielzahl positiver Stimmen.

1938 wurde die US-Amerikanerin Pearl S. Buck mit dem Literaturpreis ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wurde damals mit UnverstĂ€ndnis aufgenommen und wird auch heute noch oft als Fehlentscheidung angesehen, da Bucks Werke wenig literarischen Wert hĂ€tten. Aus dieser Kritik heraus entstand die sogenannte „Lex Buck“. Es handelt sich dabei um die ungeschriebene Regel, nur Autoren auszuzeichnen, die mindestens einmal zuvor nominiert worden waren. Nach Aussagen des ehemaligen StĂ€ndigen SekretĂ€rs der Schwedischen Akademie, Horace Engdahl, kommt diese Richtlinie zum Einsatz.[44] Wie oft sie eingehalten wird, ist allerdings wegen der Verschlussfristen der Nobelstiftung frĂŒhestens 50 Jahre nach Preisvergabe endgĂŒltig festzustellen. Aus den bisher von der Nobelstiftung veröffentlichten Daten, die bis in das Jahr 1950 reichen, ist abzulesen, dass sowohl William Faulkner (1949) als auch Bertrand Russell (1950) ihre Nobelpreise nach nur einmaliger Nominierung erhielten. Allerdings handelte es sich hierbei um eine außergewöhnliche Situation: nach den Statuten kann der Preis ein Jahr zurĂŒckgestellt werden, wenn sich kein geeigneter PreistrĂ€ger findet. Dies war im Jahr 1949 trotz 35 Nominierungen anscheinend der Fall. HĂ€tte man unter den 54 Nominierungen von 1950 – bis dahin ein Rekord – keinen wĂŒrdigen PreistrĂ€ger fĂŒr 1949 gefunden, wĂ€re der Preis an die Stiftung zurĂŒckgegangen.[45]

Anzahl der PreistrÀger

Ein weiteres Problem, vor allem im Bereich der Naturwissenschaften, ist die BeschrĂ€nkung auf drei PreistrĂ€ger. So können wissenschaftliche Leistungen heute oft nicht mehr einzelnen Wissenschaftlern zugeordnet werden. Im Bereich der Elementarteilchenphysik etwa werden neue Erkenntnisse an Großbeschleunigern gewonnen, an denen hunderte von Wissenschaftlern arbeiten. Die Verleihung erfolgt in solchen FĂ€llen jedoch nicht an die entsprechenden Institutionen oder die einzelnen Wissenschaftler. Vielmehr werden stellvertretend einzelne ausgezeichnet, bei denen man dann unter UmstĂ€nden streiten kann, inwieweit sie tatsĂ€chlich zum Projekt beigetragen haben.

Beim Friedensnobelpreis kann dieses Problem am ehesten umgangen werden, da hier die Verleihung an Organisationen durchaus ĂŒblich ist (beispielsweise an das Rote Kreuz). Beim Literaturnobelpreis existiert das Problem zumindest im Prinzip, da natĂŒrlich auch Schriftstellerkollektive eventuell nobelpreiswĂŒrdige Leistungen erbringen könnten.

Lobbyarbeit

Eine ErklĂ€rung fĂŒr die auffallend große Anzahl der US-amerikanischen PreistrĂ€ger wird unter anderem mit dem Argument geliefert, dass die Amerikaner die beste Lobbyarbeit betreiben. Schon lange vor der Nominierung einigen sich die grĂ¶ĂŸten UniversitĂ€ten auf nur wenige Kandidaten, so dass die schwedischen Nobeljuroren immer wieder erstaunt sind, wenn sie mit dem Wunsch nach geeigneten VorschlĂ€gen telefonisch die Ivy-League-FakultĂ€ten befragen und regelmĂ€ĂŸig dieselben Namen zu hören bekommen. Durch diese hĂ€ufige Namensnennung kommt die Nobelversammlung kaum umhin, die genannten Kandidaten zu berĂŒcksichtigen.[46]

Vergleichbare Preise und Preise mit Bezug zum Nobelpreis

Jakob von UexkĂŒll, GrĂŒnder des Right Livelihood Award
Fields-Medaille – oft als Nobelpreis fĂŒr Mathematik bezeichnet
Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften, die neben zwei Nobelpreisen auch den Crafoord-Preis vergibt.

Viele andere Preise werden aus verschiedenen BeweggrĂŒnden als dem Nobelpreis vergleichbar angesehen. Weiterhin gibt es einige Preise, die in direktem oder indirektem Bezug zum Nobelpreis stehen.

Right Livelihood Award

Der Right Livelihood Award wird seit 1980 jĂ€hrlich fĂŒr Leistungen im Bereich der Ökologie und Entwicklung vergeben. Üblicherweise gibt es vier PreistrĂ€ger. Dieser Preis wird besonders im deutschen Sprachraum als Alternativer Nobelpreis bezeichnet. Er hat aber keinerlei Bindungen an den Nobelpreis und wird international wenig beachtet. Der GrĂŒnder, der deutsch-schwedische Philatelist Jakob von UexkĂŒll, trug der Nobelstiftung seine Idee zu, zwei weitere Nobelpreise fĂŒr Ökologie und im Zusammenhang mit der Armut einzurichten. Theoretisch wĂ€re eine solche Einrichtung nach dem Muster des Wirtschaftspreises, d.h. durch einen Anhang an die Nobelstatuten und eine komplett externe Finanzierung, möglich gewesen. Die Nobelstiftung lehnte dies jedoch ab. Ein Hauptgrund hierfĂŒr ist die Kritik am Wirtschaftspreis nach dessen Einrichtung. Jedoch wĂ€re auch die Finanzierung unsicher gewesen, da von UexkĂŒll nur einen Teil der erforderlichen Mittel hĂ€tte aufbringen können.

Von UexkĂŒll beschloss daher, einen solchen Preis in Eigenregie zu vergeben. Er grĂŒndete die Stiftung Right Livelihood Award Foundation, die sich aus Einzelspenden finanziert und heute ihren Sitz in Stockholm hat. In Anlehnung an den Nobelpreis wird der Right Livelihood Award jedes Jahr am 9. Dezember ĂŒbergeben, wobei die RĂ€umlichkeiten des schwedischen Reichstags verwendet werden.

Preise in anderen Fachbereichen

Da der Nobelpreis nur wenige Fachgebiete abdeckt, gibt es zahlreiche andere Preise, die in ihren jeweiligen Disziplinen von herausragender Bedeutung sind und damit eine Àhnliche Rolle spielen wie der Nobelpreis.

Die folgenden Preise genießen eine solche Reputation:

Preise mit indirektem Bezug zum Nobelpreis

Weiterhin gibt es einige Preise, die wie der Nobelpreis einen Bezug zu den am Nobelpreis beteiligten Institutionen bzw. zu den skandinavischen LĂ€ndern haben und deswegen in seine NĂ€he gerĂŒckt werden:

  • Der Abelpreis wurde vom norwegischen Parlament, aus dessen Mitte auch das Komitee fĂŒr den Friedensnobelpreis bestimmt wird, fĂŒr Leistungen in der Mathematik gestiftet. Die Benennung der PreistrĂ€ger ĂŒbernimmt aber ein Komitee von Fachleuten. Im Gegensatz zur Fields-Medaille, welche nur fĂŒr Leistungen vor Vollendung des 40. Lebensjahrs vergeben werden darf, gibt es beim Abelpreis keine AltersbeschrĂ€nkung.
  • Der Polar Music Prize wird fĂŒr Leistungen in der Musik vergeben und wird wie der Nobelpreis auch vom schwedischen König ĂŒberreicht. Der Stifter Stikkan Anderson beauftragte die Königlich Schwedische Musikakademie mit der Vergabe, was auch eine Parallele zum Nobelpreis darstellt, da dieser mit Ausnahme der Kategorie Frieden auch von königlichen Akademien vergeben wird.
  • Auch der Birgit-Nilsson-Preis, der weltweit höchstdotierte Musikpreis, wird vom schwedischen König ĂŒberreicht.
  • Der Crafoord-Preis wird von der Königlichen Schwedischen Wissenschaftsakademie, die die PreistrĂ€ger in Physik, Chemie und Wirtschaft bestimmt, jĂ€hrlich rotierend in den Disziplinen Mathematik, Geowissenschaften, Biologie und Astronomie vergeben. Der Preis ist als eine ErgĂ€nzung des Nobelpreises gedacht, um Fachgebiete zu fördern, die nicht von ihm abgedeckt werden.
  • The World's Children's Prize for the Rights of the Child wird manchmal als Kinder-Nobelpreis bezeichnet. Er wurde von der schwedischen Regierung gestiftet. Schirmherrin ist die schwedische Königin.

Asiatische Preise

Weiterhin gibt es einige in Asien verliehenen Preise, die dort ein dem Nobelpreis vergleichbares Ansehen genießen:

  • Der Ramon Magsaysay Award wird oft als der asiatische Friedensnobelpreis bezeichnet.
  • Der Japan-Preis ist ein Wissenschaftspreis mit sehr hohem Ansehen in Asien.
  • Der seit 2004 vergebene Shaw Prize in den Disziplinen Astronomie, Lebenswissenschaften/Medizin und Mathematik ist mit einer Million US-Dollar dotiert.

Alternativ- und Gegenpreise

Einige Preise wurden als Alternative oder Gegenpreis zum Nobelpreis etabliert.

Ig-Nobelpreis

→ Hauptartikel: Ig-Nobelpreis

Der Ig-Nobelpreis ist ein satirischer Preis und wird fĂŒr unnĂŒtze, unwichtige oder skurrile wissenschaftliche Arbeiten verliehen. Entgegen dem Namen wird der Preis nicht mehr als negativ gesehen und viele PreistrĂ€ger nehmen ihn gerne an. Bei der Preisverleihung ĂŒbernehmen echte NobelpreistrĂ€ger die Übergabe. Seit 2010 gibt es mit Andre Geim sogar einen Wissenschaftler, der sowohl den Ig-Nobelpreis als auch den Nobelpreis erhalten hat.

Literatur

  • Frank Ammoneit u. a.: Harenberg-Lexikon der NobelpreistrĂ€ger. Alle PreistrĂ€ger seit 1901, ihre Leistungen, ihr Leben, ihre Wirkung. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage. Harenberg, Dortmund 2001, ISBN 3-611-00612-2.
  • Kenne Fant: Alfred Nobel. Idealist zwischen Wirtschaft und Wissenschaft („Alfred Bernhard Nobel“). BirkhĂ€user, Basel 1995, ISBN 3-7643-5059-8.
  • Bernhard Kupfer: Lexikon der NobelpreistrĂ€ger. Patmos-Verlag, DĂŒsseldorf 2001, ISBN 3-491-72451-1.
  • Peter Neulen (Hrsg.): Der Brockhaus Nobelpreise. Chronik außergewöhnlicher Leistungen. 2. Auflage. Brockhaus Verlag, Mannheim 2004, ISBN 3-7653-0492-1.

Weblinks

 Commons: Nobel Prize â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Nobelpreis â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Wikinews Wikinews: Portal:Nobelpreise â€“ in den Nachrichten

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d Tore FrĂ€ngsmyr, Alfred Nobel, deutsche Fassung herausgegeben vom Schwedischen Institut, ISBN 978-91-520-0955-0
  2. ↑ Guido Valentin: Det hĂ€nde 1897; A.-B. Bokverk, Stockholm 1943
  3. ↑ http://nobelprizes.com/nobel/why_no_math.html
  4. ↑ Der Wirtschafts-Nobelpreis ist eine umstrittene Auszeichnung, FAZ.NET, 11. Oktober 2004
  5. ↑ So geht Nobels Welt zugrunde. In: Der Tagesspiegel. 8. Dezember 2008
  6. ↑ Nobel-Stiftung. Noble Sorgen. Handelsblatt, 10. Dezember 2008
  7. ↑ http://nobelprize.org/nobel_organizations/nobelfoundation/publications/lesprix.html
  8. ↑ § 1 der Statuten der Nobelstiftung
  9. ↑ http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/physics/laureates/2011/
  10. ↑ http://www.dn.se/ekonomi/nobelprisets-varde-sjunker-for-varje-ar-1.1186259
  11. ↑ § 9 der Statuten der Nobelstiftung
  12. ↑ Seite zu den Medaillen auf nobelprize.org (englisch)
  13. ↑ http://www.svd.se/nyheter/inrikes/nobelpriser-kan-tillverkas-utomlands_6213379.svd
  14. ↑ Birgitta Lemmel: The Nobel Prize Medals and the Medal for the Prize in Economics. 2006
  15. ↑ Birgitta Lemmel: The Nobel Prize Diplomas. 2006
  16. ↑ Statuten des Wirtschaftspreises
  17. ↑ http://nobelprize.org/nobel_prizes/peace/articles/gandhi/
  18. ↑ The Rockefeller University: Rockefeller University scientist Ralph Steinman, honored today with Nobel Prize for discovery of dendritic cells, dies at 68. 3. Oktober 2011.
  19. ↑ Ralph Steinman Remains Nobel Laureate bei nobelprize.org (schwedisch; abgerufen am 3. Oktober 2011)
  20. ↑ a b § 7 der Nobelstiftungstatuten
  21. ↑ a b § 4 der Statuten der Nobelstiftung
  22. ↑ § 2 der Statuten der Nobelstiftung
  23. ↑ a b § 5 der Statuten der Nobelstiftung
  24. ↑ Der Geburtstag des Mediziners Werner Forßmann 29. August 1904. WDR ZeitZeichen 29. August 2009 [1]
  25. ↑ NobelpreistrĂ€ger HĂ€nsch bleibt in MĂŒnchen. 31. Januar 2006
  26. ↑ Suche nach Oswald T. Avery in der Nominierungsdatenbank der Nobelstiftung
  27. ↑ § 10 der Statuten der Nobelstiftung
  28. ↑ § 3 der Statuten der Nobelstiftung
  29. ↑ WDR Zeitzeichen vom 4. Juli 2009 anlĂ€sslich des 75. Todestags von Marie Curie
  30. ↑ http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,217735,00.html
  31. ↑ http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/kalenderblatt/1190723/
  32. ↑ https://www.faz.net/artikel/C30437/doktor-schiwago-als-die-cia-pasternak-den-nobelpreis-gab-30036771.html
  33. ↑ http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,722008,00.html
  34. ↑ https://www.faz.net/artikel/C31497/nobelpreisverleihung-china-verweigert-kritikern-die-ausreise-30321120.html
  35. ↑ https://www.stern.de/panorama/menschenrechtler-liu-xiaobo-friedensnobelpreis-fuer-einen-leeren-stuhl-1632987.html
  36. ↑ http://www.tagesschau.de/ausland/konfuziuspreis100.html
  37. ↑ http://www.sueddeutsche.de/politik/nobelpreis-fuer-liu-xiaobo-das-symbol-des-leeren-stuhls-1.1034535
  38. ↑ The Magic Call
  39. ↑ Bei Anruf Nobelpreis. auf: Zeit Online. 6. Oktober 2009
  40. ↑ a b §9 der Statuten der Nobelstiftung
  41. ↑ Offisielle flaggdager (norwegisch)
  42. ↑ Nobelpreis: DĂŒnnes Eis. In: Der Spiegel. Nr. 50, 1985 (online).
  43. ↑ Deutschlandfunk Kalenderblatt vom 8. Mai 2007
  44. ↑ Berliner Zeitung, An der „Lex Buck“ kommt keiner vorbei, 10. Dezember 2004
  45. ↑ Nominations 1901–1950 – Nominations for the Nobel Prize in Literature each year (1901–1950). Nobelprize.org
  46. ↑ Big Science, große Lobby. In: SĂŒddeutsche Zeitung. Nr. 256, 2008, S. 12

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