Artillerie

ÔĽŅ
Artillerie
Artilleriebeschuss der Stadt Falludscha
Deutsche Artillerie ca. 1900
Taktisches Zeichen, Artillerietruppe (Rohrartillerie)

Artillerie bezeichnet im Milit√§rwesen den Sammelbegriff f√ľr gro√ükalibrige Gesch√ľtze und Gesch√ľtztypen sowie Raketen, als auch die Truppengattung des Heeres. Angeh√∂rige der Waffengattung werden als Artilleristen bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Waffengattung

Abgrenzung

Der Name Artillerie, entlehnt im 17. Jahrhundert aus dem Franz√∂sischen, geht auf das Altfranz√∂sische artill(i)er (mit Ger√§tschaft ausr√ľsten) zur√ľck, wahrscheinlich einer Ableitung vom altfranz√∂sischen tire (Ordnung, Reihe).

Die Artillerie ist in vielen Streitkr√§ften, insbesondere in der Teilstreitkraft Heer, eine Waffengattung. Die Abgrenzung anhand der Waffenart ‚Äď gro√ükalibrige Rohrwaffe ‚Äď ist nach dem Aufkommen von Raketenartillerie nicht mehr eindeutig.

Die Truppengattungsdefinition ist weitgehend durch eine funktionelle Sichtweise ersetzt. Im Allgemeinen werden im Heer nur Bodentruppen zur Artillerie gez√§hlt, die feindliche Bodenziele mittels gro√ükalibriger Gesch√ľtze und Raketenwerfern durch Steilfeuer bek√§mpfen. Unterschieden wird die Artillerie heute zumeist in Panzerartillerie mit Panzerhaubitzen seltener Panzerkanonen als gepanzerte Selbstfahrlafetten, Feldartillerie mit gezogenen oder selbstfahrenden Gesch√ľtzen sowie die Raktenartillerie mit Boden-Boden-Werfersystemen kurzer, mittlerer und grosser Reichweite wie das SARS ATACMS. Sonderformen sind luftverlastbare Luftlandeartillerie und zerlegt auf Tragtieren transportierbare Gebirgsartillerie.

Die Flugziele bek√§mpfende Flakartillerie z√§hlt in vielen Heeren als eigene Truppengattung oder ist Teil der Luftstreitkr√§fte, wo zumeist keine Truppengattungen eingeteilt sind. Die Marineartillerie ist eine Laufbahnverwendung jedoch keine Truppengattung, da die Marine diese meist keine definiert. Eine Unterteilung erfolgt in die Schiffsartillerie die als organischer Teil einer Schiffklasse angesehen wird und in fr√ľheren Zeiten in die K√ľstenartillerie.

Die Organisation f√ľr Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) definiert den Begriff ‚ÄěArtillerie‚Äú im Vertrag √ľber Konventionelle Streitkr√§fte in Europa (KSE-Vertrag) von November 1990 in Artikel II wie folgt: ‚ÄěArtillerie‚Äú bezeichnet gro√ükalibrige Systeme, die Bodenziele in erster Linie durch Schie√üen im indirekten Richten bek√§mpfen k√∂nnen. Solche Artilleriesysteme bieten Truppenteilen der verbundenen Waffen die unerl√§√üliche Unterst√ľtzung durch Feuer im indirekten Richten. Gro√ükalibrige Artilleriesysteme sind Kanonen, Haubitzen sowie Artilleriewaffen, welche die Eigenschaften von Kanonen und Haubitzen miteinander verbinden, und M√∂rser sowie Mehrfachraketenwerfersysteme mit einem Kaliber von 100 Millimetern und dar√ľber. Au√üerdem fallen alle k√ľnftigen gro√ükalibrigen Systeme zum Schie√üen im direkten Richten, wenn sie sekund√§r zum Schie√üen im indirekten Richten geeignet sind, unter die Artillerieobergrenzen.[1]

Unterteilung

Man unterscheidet historisch:

  • Wurfmaschinen, die von der Antike bis zum 16. Jahrhundert verwendet wurden.
  • Die Rohrartillerie wird seit dem 15. Jahrhundert benutzt. Sie ist mit Gesch√ľtzen ausgestattet und bildete im Laufe der Geschichte verschiedene Untergruppen heraus:
    • Festungs- und Belagerungsartillerie,
    • Feldartillerie als historischer Truppengattungsverbund mit
      • Fu√üartillerie (die Gesch√ľtze waren bespannt, also von Pferden gezogen; die Artilleristen gingen zu Fu√ü und waren in Deutschland um 1900 mit Bajonett und Gewehr bewaffnet) - Infanteriegro√üverb√§nden unterstellt
      • Fahrende Artillerie (die Bedienmannschaft hatte auf Protze und Lafette eigene Sitze; bewaffnet mit Bajonett und Pistole, jedoch kein Gewehr) - Infanteriegro√üverb√§nden unterstellt
      • Berittene Artillerie (umgangssprachlich auch Fliegende Artillerie; schneller man√∂vrierbar als die Fahrende Artillerie, Artilleristen g√§nzlich beritten; bewaffnet mit Kavalleries√§bel) - Kavalleriegro√üverb√§nden unterstellt

modern wird Artillerie unterschieden in Rohrartillerie

Bedeutung haben in modernen Streitkr√§ften √ľberwiegend nur noch die Panzerartillerie, die Raketenartillerie, die aufkl√§rende Artillerie, sowie in kleinerem Ma√üe die fahrende Feldartillerie sowie die Festungsartillerie.

Schlachtruf

Deutsche Gesch√ľtzmannschaft im Ersten Weltkrieg, 1914

Jede deutsche Waffengattung hat ihren eigenen Schlachtruf ‚Äď so auch die Artilleristen: Zu-Gleich! Er dient im deutschen Sprachraum gleichzeitig zur Erkennung, Verbr√ľderung und Motivation. Er erkl√§rt sich aus der ‚Äď teilweise heute noch notwendigen ‚Äď gemeinsamen Anstrengung der Gesch√ľtzbesatzung bei verschiedenen Anl√§ssen.

Dabei geht es einerseits um das Ansetzen des Geschosses (manchmal ‚Äď bei Kaliber 155 mm ‚Äď immerhin bis √ľber 50 kg schwer), um es anschlie√üend mit einem so genannten Ansetzer in das Rohr zu dr√ľcken, andererseits um das Reinigen des Rohres nach dem Schie√üen, wof√ľr vor allem im Feld eine Stange mit B√ľrstenkopf durch das Rohr gezogen wird. Zum Dritten gab es Gesch√ľtze, bei denen das Rohr auf dem Transport um einige Meter zur√ľckgezogen und zum Schie√üen wieder nach vorn gezogen werden musste, was per Hand erfolgte. All dies ist nur unter der gemeinsamen und gleichzeitigen Anstrengung der Bedienungsmannschaft m√∂glich.

Ein weiteres Ziel ist das m√∂glichst gleichzeitige Abfeuern der Geschosse mehrerer Gesch√ľtze, so dass nur ein lauter Knall h√∂rbar wird, was dem Feind die Ortung erschwert. Der Ruf dient daher auch zur gemeinsamen Koordinierung. Die urspr√ľngliche Bedeutung kommt aber aus der Zeit, in der die Gesch√ľtze noch von Pferden gezogen wurden. Wenn diese dann im Dreck oder Schlamm feststeckten, mussten die marschierenden Kanoniere die Gesch√ľtze mit anschieben. Daf√ľr kam der Ruf Zu Gleich auf. Erst sp√§ter wurde er f√ľr die anderen T√§tigkeiten benutzt.

Schutzpatron

Die Heilige Barbara von Nikomedien, die auch die Schutzheilige der Bergleute ist, ist Schutzpatronin der Artillerie.

Ihr Namenstag am 4. Dezember wird traditionell gefeiert. Dabei √ľbernimmt der j√ľngste Offizier des Verbandes die Rolle der Barbara. Als Barbara verkleidet tritt er bei der Barbarafeier auf und f√ľhrt so durch den Abend. Auf der Feier werden ernste und nicht so ernstzunehmende Vorf√§lle des letzten Jahres in der Einheit, dem Verband oder sonstige Einrichtung (z.B. Artillerieschule) auf eine lustige Art und Weise aufgearbeitet. Wenn ein Artilleriesoldat Alkohol zu sich nimmt, so spricht man davon, ‚Äěder heiligen Barbara zu huldigen‚Äú.

Verwendete Munition

Je nach Ziel k√∂nnen unterschiedliche Munitionssorten bzw. Z√ľnder verwendet werden:

  • Historisch:
    • Kanonenkugel, meistens ein Volleisengeschoss
    • Ketten und durch Ketten verbundene Kugeln (gegen die Takelage von Segelschiffen)
    • Kart√§tsche, eine Art Schrotladung
    • Schrapnell, mit Kugeln gef√ľlltes Geschoss, welche vor dem Ziel durch eine dahinterliegende Treibladung aus Schwarzpulver ausgesto√üen werden. Wird gegen Weichziele eingesetzt. Gebr√§uchlich bis etwa 1916, Vorl√§ufer eines Splittersprenggeschosses
    • Einheitsgeschoss (in Deutschland), ein Zwitter aus Schrapnell und Sprenggranate
    • Karkasse (Geschoss), ein K√§fig aus Bandstahl, gef√ľllt mit gl√ľhenden Kohlen (Brandgeschoss).
  • Sprenggeschoss, wirkt durch Spreng- und Splitterwirkung, je nach Z√ľnder kann das Geschoss √ľber dem Ziel, im Moment des Aufschlages oder mittels Verz√∂gerung nach Eindringen in das Ziel zur Detonation gebracht werden. Bei geeigneten Fallwinkeln und Beschaffenheit des Bodens k√∂nnen bei Verz√∂gerungsz√ľndern auch Abpraller entstehen.
  • Panzerbrechendes Geschoss, urspr√ľnglich als Vollkugel, hat heute einen massiven Kern mit weicher Spitze zum Durchschlagen von Panzerungen. Panzerbrechende- oder Sprenggeschosse werden auch verwendet, um im Ausnahmefall gepanzerte Fahrzeuge unmittelbar zu bek√§mpfen (direktes Richten). Feld- und Panzerhaubitzen verf√ľgen hierzu meist √ľber ein separates Panzerzielfernrohr. Das Ziel wird nur durch einen direkten Treffer zerst√∂rt.
  • Cargogeschosse:
    • Bombletgeschoss, st√∂√üt √ľber dem Ziel eine Anzahl von einzelnen Hohlladungs-Sprengk√∂rpern aus, die sich dadurch verteilen. Diese sind zus√§tzlich mit einem Splittermantel versehen und wirken √§hnlich wie Handgranaten.
    • SMArt (Suchz√ľndermunition Artillerie) Munition, dient zur gezielten Bek√§mpfung einzelner, gepanzerter Fahrzeuge. Ein Geschoss enth√§lt zwei Subgeschosse die autonom fungieren und getrennte Ziele bek√§mpfen k√∂nnen. Ein Problem liegt allerdings darin, dass
      • nur bis zum Aussto√ü der 1. Submunition die Ballistik genau bestimmt werden kann,
      • der Aussto√üpunkt der 2. Submunition nicht genau bestimmt werden kann,
      • die Windrichtung und Windgeschwindigkeit im Ziel (ggf. > 30 km entfernt) ziemlich genau bekannt sein muss. Diese Daten k√∂nnen der ‚ÄěZielmeldung‚Äú beigef√ľgt werden (siehe auch ‚ÄěSystem ADLER‚Äú) oder auch durch ein Wettermodell (z. B. ‚ÄěWeModArt‚Äú der Bundeswehr) errechnet werden und
      • die Ziele sich nach dem Aussto√ü der Submunition im ‚ÄěFootprint‚Äú, der mit dem Sinken des an einer Art Fallschirm h√§ngenden Geschosses immer kleiner wird (Radius ca. 150 Meter), befinden m√ľssen.
    • STRIX Selbstzielsuchende Munition 12‚ÄČcm Fest Mw
  • Nukleargeschoss: Der Einsatz ist der deutschen Bundeswehr grunds√§tzlich verboten, allerdings war in Zeiten des Kalten Krieges (und theoretisch auch heute noch) ein Einsatz von Nukleargeschossen durch die Artillerie der Bundeswehr im Rahmen der Nuklearen Teilhabe m√∂glich und zul√§ssig.
  • Nebelgeschoss: Nebelgeschosse k√∂nnen (je nach verwendetem Nebel) dem Gegner nicht nur die optische Sicht nehmen und Bewegungen verschleiern, sondern auch die Sicht durch Sichtverst√§rker (W√§rmebild etc.) beeintr√§chtigen bzw. ganz st√∂ren.
  • Leuchtgeschoss: Das Leuchtgeschoss dient zur Beleuchtung des Gefechtsfeldes. Da technische Unterst√ľtzungsger√§te wie Restlichtverst√§rker etc. immer mehr auf dem Vormarsch sind, wird dieses Geschoss √ľber kurz oder lang aussterben. Es werden derzeit bei der Bundeswehr auch nur noch Restbest√§nde verschossen.
  • Spezielle Munition, die beispielsweise Flugbl√§tter enth√§lt. W√§hrend des Kalten Kriegs wurden auch Geschosse auf beiden Seiten entwickelt, die Giftk√∂der oder mit Erregern von Seuchen behaftete K√∂der enthielten, um √ľber den Umweg der Tiere bzw. Nutztiere die Bev√∂lkerung zu infizieren.
  • Minen werden mittels Artillerieraketen verschossen, wenn sie nicht durch Minenverlegeger√§te oder von Hand direkt vor Ort verlegt werden.
  • F√ľr Ausbildungszwecke existieren Exerzier- und √úbungsgeschosse. Exerziergeschosse (Schweiz: Manipuliermunition) dienen nur dem √úben am Ger√§t (Ansetzvorgang simulieren), bei der neuen Panzerhaubitze 2000 kann damit im Simulator ein Schie√üen simuliert werden und das Geschoss wird nur mit Pressluft durch das Rohr gedr√ľckt und f√§llt am Ende in eine Auffangvorrichtung. √úbungsgeschosse (Schweiz: √úbungsmunition) werden tats√§chlich verschossen und sind mit Gips gef√ľllt. Der Aufschlag wird durch den Gipsstaub geortet.
  • reichweitengesteigerte Geschosse wie z. B. das Base-Bleed-Geschoss

Einsatzgrundsätze

Aufstellung

Artilleriegesch√ľtze wurden urspr√ľnglich offen aufgestellt und direkt gerichtet (mit Sicht auf das Ziel) und feuerten in der Regel auf Kernschussweite. Mit fortschreitender Entwicklung der Gesch√ľtze, was zu h√∂herer Reichweite und Zielgenauigkeit f√ľhrte, wurden offene Artilleriestellungen einfache Ziele f√ľr die feindliche Artillerie. Aus diesem Grunde stellten w√§hrend des Russisch-Japanischen Krieges 1904/05 erstmals die Japaner ihre Artillerie in gedeckten Positionen auf (z. B. hinter einem Berg oder H√ľgel), von denen sie das Gefechtsfeld und den Zielsektor nicht mehr direkt beobachten konnten. Die europ√§ischen Armeen folgten dieser Vorgehensweise des indirekten Richtens rasch.

Deshalb wird die Rohrartillerie sp√§testens seit den ersten Monaten des Ersten Weltkrieges ausschlie√ülich in gedeckter Stellung eingesetzt, d. h. aus der Feuerstellung ist das Ziel nicht zu sehen. Trotz der zur√ľckgezogenen Aufstellung kann der Standort der Artillerie geortet werden, wie fr√ľher akustisch durch Schallmessverfahren mit Triangulation, durch Radarerfassung der Flugbahn der Geschosse oder durch bildgebende Aufkl√§rung wie fr√ľher CL289. Daher mussten und m√ľssen die Feuerstellungen oft gewechselt werden, so dass sich die Form der Selbstfahrlafette (Panzerhaubitze) durchgesetzt hat.

Durch die hohe Reichweite kann aus mehreren Artilleriestellungen auf das gleiche Ziel geschossen, und der Schwerpunkt des Feuerkampfes rasch verlegt werden. (Die Reichweite der Panzerhaubitze 2000 liegt bei 30 km mit dem 155-mm-NATO-Standard-Geschoss und 40 km mit dem reichweitengesteigerten Geschoss.) Die Stellungen der Rohrartillerie der Bundeswehr werden nach dem Ein-Drittel-Zwei-Drittel-Prinzip erkundet. Damit sollten die Stellungsr√§ume ein Drittel der mittleren Kampfentfernung hinter der Front liegen. Dadurch verbleiben zwei Drittel der mittleren Kampfentfernung f√ľr Feuerauftr√§ge.

Zielaufklärung

Kanadische 25 Pfund Schnellfeuer-Feldartillerie (87,6 mm), Zweiter Weltkrieg

Durch den √úbergang von der offenen Stellung in die verdeckte Stellung musste indirekt gerichtet werden, d. h. die Zielaufkl√§rung erfolgt bei der Rohrartillerie meist durch vorgeschobene Beobachter (heute: Artilleriebeobachter) oder mit technischem Hilfsmittel, dem Artilleriebeobachtungsradar (M113 ABRA), die die Position der Ziele ermitteln und das Schie√üergebnis korrigieren.

Diese Beobachter verf√ľgen heutzutage meist √ľber technische Mittel zur Entfernungs- und Richtungsmessung (Laserortung), teilweise k√∂nnen diese Ger√§te per Datenstrecke die Zielkoordinaten direkt an die Feuerleitrechner √ľbertragen. Die Feuerleitrechner ermitteln anhand der Zielkoordinaten und der Stellungskoordinaten die Schussrichtung, Rohrerh√∂hung sowie die zu verwendende Treibladung eines Gesch√ľtzzuges. Je nach Zielgr√∂√üe wird das Feuer verschiedener Gesch√ľtzz√ľge zusammengefasst, dabei kann das Feuer so koordiniert werden, dass die ersten Geschosse der verschiedenen Stellungen gleichzeitig im Ziel eintreffen. Weiterhin erfolgt die Zielaufkl√§rung auch durch die technischen Mittel der aufkl√§renden Artillerie oder durch Meldungen der Kampftruppe.

Wird nur nach Karte geschossen, so spricht man von Planschießen.

Durch die Verbesserung der technischen Aufkl√§rung ist es teilweise m√∂glich, ein Geschoss im Fluge zu vermessen und die Koordinaten der Feuerstellung zu errechnen. Durch die dadurch auftretende h√∂here Gef√§hrdung werden die Gesch√ľtze in den Feuerstellungen in gro√üen Abst√§nden (aufgelockerte Feuerstellung) aufgestellt und eine Feuerstellung wird nach Erf√ľllung eines Feuerauftrages rasch gewechselt (Stellungswechsel).

Durch den Zwang zu hoher Beweglichkeit werden fast nur noch Gesch√ľtze auf Selbstfahrlafetten, nach M√∂glichkeit unter Panzerschutz (Panzerhaubitze), eingesetzt. Aus Gewichtsgr√ľnden kommen f√ľr Spezialaufgaben noch leichte Feldgesch√ľtze zum Einsatz (Luftverlastbarkeit) wie die amerikanische M119 oder in der Bundeswehr fr√ľher die Gebirgshaubitze Modell 56 in der Luftlande-Artilleriebatterie 9.

Neuerdings denkt man wieder an ‚Äěleichte‚Äú Artilleriegesch√ľtze, die aufgrund der vermehrten Auslandseins√§tze der Bundeswehr luftverlastbar sein m√ľssen. Die grundlegende Technik soll der PzH 2000 entsprechen; allerdings sind wegen der erforderlichen Gewichtseinschr√§nkungen (nur ca. 50 % des Gewichts der PzH 2000) bestimmte Einschr√§nkungen hinzunehmen. Diesen Forderungen entspricht die schwedische gesch√ľtzte Selbstfahrlafette Artilleriesystem ARCHER, mit dem die Bedarfsl√ľcke f√ľr Brigadeartillerie in den Infanteriebrigaden gedeckt werden k√∂nnte.

Leichte Mörser (Granatwerfer) sind organisatorisch meist direkt der Kampftruppe, insbesondere der Infanterie, zugeordnet.

Feuerleitung

Rakete von Kazimieras Simonavińćius, Artis Magnae Artilleriae

Da die Gesch√ľtze keine unmittelbare Sicht zum Ziel haben, muss die Erh√∂hung und die Richtung des Gesch√ľtzes/Werfers errechnet werden. Dazu kommen heutzutage ausschlie√ülich Feuerleitrechner zum Einsatz, es kann aber auch mittels Schusstafel manuell gerechnet werden.

Durch Anpassung der Rohrerhöhung und der Treibladung lassen sich Ziele hinter Deckungen bekämpfen, bzw. der Auftreffwinkel der Geschosse verändern.

Um sichere Schie√ügrundlagen f√ľr das indirekte Richten zu besitzen, muss das Gesch√ľtz bzw. der Werfer eine vermessene Stellung beziehen. Die traditionelle Vermessung durch Vermessungstrupps wird allerdings zunehmend von GPS abgel√∂st. Das eigentliche herk√∂mmliche Zielen erfolgt mit Hilfe von Festlegepunkten. Hierbei werden die Festlegewerte (Grundrichtung und Nordrichtung) des Gesch√ľtzes/Werfers beim Richten √ľber die Festlegepunkte unterlegt und dienen somit als Basis der folgenden Feuerauftr√§ge.

Basierend auf diesen Koordinaten und den Zielkoordinaten werden

In diese Berechnung werden innenballistische Einfl√ľsse (nur Rohrartillerie)

  • Pulvertemperatur
  • individueller Korrekturfaktor eines jeden Rohres

und au√üenballistische Einfl√ľsse

einbezogen.

Bei Gefechten mit sich bewegendem Gesch√ľtz und Ziel (zum Beispiel auf See) m√ľssen noch Korrekturen f√ľr Kurs und Geschwindigkeit des eigenen und des Zielschiffes angebracht werden. Au√üerdem m√ľssen noch die Schiffsbewegungen durch Wellengang ausgeglichen werden.

Stehen die obigen Daten nicht oder nur eingeschr√§nkt zur Verf√ľgung, so wird durch Einschie√üen ein entsprechender Korrekturfaktor ermittelt. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden zur Feuerleitung Zentrale Leitst√§nde benutzt, die zun√§chst optisch, sp√§ter auch √ľber Radar die Zieldaten ermittelten. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen auch Zentrale Leitst√§nde in Gebrauch, die die Gesch√ľtze automatisch richteten.

Die Feuerleitung der Artillerie hatte auch einen Einfluss auf die Entwicklung der Informatik. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg war die Berechnung von Flugbahnen ein enormes Problem. Die Feuerleitung wurde noch anhand von Tabellen vorgenommen. Um eine numerische Berechnung möglich zu machen, wurde unter John von Neumann der erste Großcomputer entwickelt und in Betrieb genommen, der ENIAC. Er konnte die Flugbahn eines Projektils in wenigen Minuten bestimmen.

Heute erfolgt die technische und taktische Feuerleitung in der deutschen Artillerie mit dem F√ľhrungs- und Waffeneinsatzsystem ‚ÄěADLER‚Äú (Artillerie-, Daten-, Lage, Einsatz- und Rechnerverbund). Das System ‚ÄěADLER‚Äú wurde 1995 in die Deutsche Artillerie eingef√ľhrt. Seit 2006 ist die verbesserte Version ‚ÄěADLER II‚Äú im Einsatz. Die o. a. Daten werden dabei automatisch berechnet, wobei alle innen- und au√üenballistischen Einfl√ľsse sowie die ‚ÄěZieldaten‚Äú ebenfalls automatisch ber√ľcksichtigt werden.

Dar√ľber hinaus ist ‚ÄěADLER‚Äú ein F√ľhrungs- und Informationssystem, das alle Verb√§nde, Einheiten und Teileinheiten der Artillerie miteinander verbindet und so einen verzugsarmen Informationsaustausch aller relevanten Daten erm√∂glicht. Dies gilt auch f√ľr definierte Artilleriesysteme verb√ľndeter Streitkr√§fte. Durch weitere Produktverbesserung (PV) wurde zudem die NetOpF√ľ-F√§higkeit verbessert. So wurde das F√ľhrungs- und Informationssystem (F√ľInfoSys) Heer um das ADLER-Modul erweitert. Damit ist eine einheitliche Anbindung aller Sensoren des Systemverbundes Artillerie sowie die Feuerunterst√ľtzung gew√§hrleistet.

Geschichte

√úbersicht Artillerie von 1741
Schwere Feldhaubitze 18
(bis 1945 Deutsches Standard-Artilleriegesch√ľtz) Kaliber 15 cm; hier ohne Schutzschild
Briefmarke 1943

Als Artillerie ‚Äď in unterschiedlichsten Abwandlungen: Arkeley, Artollerei, Archiley, Artellarey ‚Äď wurden bereits vor der Erfindung des Schie√üpulvers die mittelalterlichen Kriegsmaschinen bezeichnet. Die ersten Pulvergesch√ľtze wurden bei Belagerungen gebraucht, wo sie in den Mauern der Burgen und St√§dte die Ziele fanden, deren Zerst√∂rung man mit ihrer Hilfe leichter und aus gr√∂√üerer Ferne zu bewerkstelligen hoffte, als dies mit den bisherigen Kriegsmaschinen m√∂glich war. Bald indes hat sich auch der Verteidiger der Gesch√ľtze bedient und seine Mauern durch Ansch√ľttung eines Erdwalles dahinter zu ihrer Aufstellung geeignet gemacht. Die Rohre, ohne Schildzapfen, wurden auf Holzunterlagen gelegt und ihr R√ľcklauf durch eine dahinter angebrachte Verpf√§hlung aufgehoben. Diese Unbeholfenheit in ihrer Bewegung musste naturgem√§√ü die Anwendung von schweren Gesch√ľtzen sehr beschr√§nken. Man fertigte deshalb auch leichtere Gesch√ľtzrohre, legte sie aus Bockgestelle oder in Laden, diese auf Unterlagen, die ein Heben der M√ľndung oder des Bodenst√ľcks mittels der seitlichen Richth√∂rner gestatteten. Die Bockgestelle erhielten dann R√§der, wurden also fahrbar, oder man transportierte die Rohre in ihren Gestellen auf besonderen Wagen und erm√∂glichte so ihre Verwendung in der Feldschlacht. Der erste bestimmt nachgewiesene Gebrauch der Feuerwaffen findet sich in der Chronik von Metz vom Jahr 1324. Die Engl√§nder sollen bereits 1346 bei der Schlacht von Cr√©cy einige (drei oder sechs) leichte Kanonen in freier Feldschlacht verwendet haben, welche Angabe jedoch vielfach bestritten wird. Ein sachlicher Unterschied zwischen Feld-, Festungs- und Belagerungsartillerie bestand anfangs nicht, man nahm mit ins Feld, was sich transportieren lie√ü, und zwar m√∂glichst viel, um den Ritter mit seinem schweren Panzer zu Falle zu bringen. Die Zahl der in Feldschlachten verwendeten Gesch√ľtze hatte sich zu Anfang des 15. Jahrhunderts erheblich gesteigert, denn die Hussiten eroberten in der Schlacht bei Riesenberg 1431 bereits 150 Gesch√ľtze. Den tiefgreifendsten und nachhaltigsten Ansto√ü erfuhr das Gesch√ľtzwesen durch die Reichsst√§dte, namentlich N√ľrnberg, die bei ihrem Emporbl√ľhen in ihrer eignen Wehrkraft die sicherste St√ľtze f√ľr ihre Selbst√§ndigkeit erblickten. Sie hatten ihren St√ľckgie√üer, ihren Zeugmeister und errichteten Zeugh√§user zur Aufbewahrung ihrer Vorr√§te, die um Mitte des 15. Jahrhunderts in N√ľrnberg au√üerordentlich gro√ü gewesen sind. 1445 lie√ü diese Stadt durch ihren Meister Hans von der Rosen eine 519 Zentner schwere Hauptb√ľchse gie√üen. Nat√ľrlich wollte auch jeder St√ľckgie√üer, von denen viele zur Zunft der B√ľchsenmeister geh√∂rten, selbst√§ndig sein und Gesch√ľtze nach seiner Art herstellen, woraus die zahllosen Kaliber und speziellen Konstruktionen der Gesch√ľtzrohre wie ihrer Lafetten entstanden. Einheitlicher war nur das Gesch√ľtzwesen der F√ľrsten, von denen Karl der K√ľhne von Burgund ihm besonderes Interesse widmete; er soll zuerst Gesch√ľtze mit Schildzapfen sowie solche aus Gusseisen gehabt haben. Auch seine Lafetten waren schon verh√§ltnism√§√üig leicht fahrbar, woraus sich seine bedeutende Artillerie erkl√§rt, denn in der Schlacht bei Grandson am 3. M√§rz 1476 fielen den Schweizern 400 Gesch√ľtze in die H√§nde. Bei ihrer geringen Beweglichkeit und dem gro√üen Werte, den man auf die Erhaltung der Gesch√ľtze legte, gab man ihnen eine Bedeckung aus den tapfersten Truppen. Wie damals ein Kampf nur durch das Handgemenge entschieden wurde, so konnten Gesch√ľtze nur im Kampf Mann gegen Mann gewonnen oder erobert werden, was bei deren tapferer Verteidigung dem Sieger zu besonderem Ruhm gereichte. Deshalb wurden auch die Gesch√ľtze zu den Troph√§en der Schlacht gerechnet, ein Gebrauch, der heute noch nicht erloschen ist.

Um die Entwickelung der Artillerie erwarb sich Kaiser Maximilian I. gro√ües Verdienst, indem er ein bestimmtes System in die Kaliber (6-, 12-, 24-Pf√ľnder) brachte und die Lafettenkonstruktion (durch Martin Merz, ‚Ć 1501) so vervollkommte, dass ihre Prinzipien f√ľr die fernern Zeiten Geltung behielten. Er hatte auf seinem Zug nach Venedig 1509 schon 106 Gesch√ľtze mit R√§derlafetten, die gegen Mitte dieses Jahrhunderts auch ein Marschlager erhielten, beim Schie√üen auf Holzbettungen abgeprotzt standen und daher R√ľcklauf hatten, eine bahnbrechende Erkenntnis im Gebrauch der Artillerie. Eine organisierte Artillerietruppe bestand noch nicht; sie war eine Zunft, die auf den Schultern der B√ľchsenmeister ruhte, sowohl in der Praxis als in der Theorie, die ein wunderbares Gemisch abergl√§ubischer Behauptungen und Gebr√§uche bildete. Die B√ľchsenmeister unterschied man als Feuerwerker, welche mit Wurfgesch√ľtzen umzugehen und Kunstfeuer anzufertigen, auch den Mineurdienst zu verrichten wussten, B√ľchsenmeister, welche mit Kartaunen schossen, und die Schlangensch√ľtzen; sie luden und richteten das Gesch√ľtz, w√§hrend die √ľbrigen Verrichtungen bei der Bedienung von Handlangern, den Schanzbauern, ausge√ľbt wurden. Die Schanzbauer, unter dem Schanzbauerhauptmann und dem Schanzmeister, verrichteten Pionierdienste (Schanzen-, Wege- und Br√ľckenbau) und geh√∂rten zur Artillerie. Die St√ľckknechte sa√üen als Fahrer auf den Zugpferden der Gesch√ľtze.

Im elisabethanischen England wurde um ca. 1580 an Stelle der auf den bisherigen Kriegsschiffen bereits vorhandenen unterst√ľtzend eingesetzten Gesch√ľtze eine leistungsf√§hige Schiffsartillerie hoher Reichweite als Hauptbewaffnung entwickelt. Die daraus resultierende ver√§nderte Taktik des Seegefechts revolutionierte den Seekrieg. Erstmals zeigte sich die √úberlegenheit des Konzeptes 1588 gegen√ľber der Spanischen Armada. Statt der bisherigen Nahk√§mpfe auf geenterten, im Gefecht h√§ufig geruderten, Schiffen und des Rammens wurden zur See von nun an Artilleriegefechte unter Segel ausgetragen.

Dem Drei√üigj√§hrigen Krieg aber blieb es vorbehalten, die Bedeutung der Feldartillerie in der ihr von Gustav Adolf gegebenen technischen Vervollkommnung, ihrer Organisation und taktischen Verwendung in au√üerordentlicher Weise zu heben. Er erleichterte die Gesch√ľtze und dadurch ihre Beweglichkeit, gab den Infanterieregimentern die Regimentskanonen und vereinigte die √ľbrigen Gesch√ľtze zu gr√∂√üeren Batterien auf den Fl√ľgeln der Truppenstellungen, h√§ufig maskiert, so dass sie den Feind mit ihrem Feuer √ľberraschten, wie in der Schlacht bei Breitenfeld die Reiterei Isolanis. Den √úbergang √ľber den Lech erzwang er sich mit 72 Gesch√ľtzen in drei Batterien, und vor Frankfurt an der Oder brachte er 200 Gesch√ľtze aller Kaliber ins Feuer. Die Franzosen waren jedoch die ersten, welche ein f√∂rmlich organisiertes Artilleriekorps besa√üen, das 1695 bereits aus 16 Bataillonen bestand. Wie in allen Zweigen des Kriegswesens, war Friedrich der Gro√üe auch Reorganisator der Artillerie. Die Regimentskanonen lie√ü er durch Leute der Infanterie bedienen, im √ľbrigen trennte er die Feld- von der Festungsartillerie, formierte die Artillerie zu Bataillonen, deren 1762 bereits sechs √† f√ľnf Kompanien bestanden, und errichtete 1759 die erste Batterie reitender Artillerie. Die Einteilung in Kompanien und Batterien bezog sich nicht auf eine bestimmte Anzahl Gesch√ľtze, wie heutzutage; eine solche fand erst Anfang des 19. Jahrhunderts durch den Prinzen August von Preu√üen nach Vorgang der Franzosen, bei denen sechs bis acht Gesch√ľtze eine Batterie bildeten, statt; die Regimentsartillerie l√∂ste er auf, formierte die Artillerie zu Brigaden, lie√ü die Festungsartillerie eingehen und die Kompanie abwechselnd Feld- und Festungsartillerie sein, eine Einrichtung, die bis 1852 bestanden hat; er errichtete die Artilleriehandwerksst√§tten, die Artilleriepr√ľfungskommission, die Stellung als Artillerieoffizier vom Platz in den Festungen und f√ľhrte die fahrenden Artilleristen (Fahrer) an Stelle der St√ľckknechte ein.

Eine neue Epoche begann f√ľr die Artillerie mit der Einf√ľhrung der gezogenen Gesch√ľtze. Angeregt durch die Versuche Wahrendorffs mit einem Verschluss f√ľr Hinterladung 1840 und Cavallis, der damit ein Zugsystem und Langgeschosse verband, begannen in Preu√üen die Versuche mit gezogenen Hinterladekanonen und gepresster Geschossf√ľhrung auf Anregung des Prinzen Adalbert von Preu√üen schon 1851, die aber erst zehn Jahre sp√§ter zur Einf√ľhrung kamen. Inzwischen hatte Frankreich sich beeilt, seine Feldartillerie mit gezogenen Vorderladekanonen nachdem System La Hitte zu bewaffnen, um ihr dadurch im Feldzug 1859 in Oberitalien die √úberlegenheit √ľber die √∂sterreichische Armee zu sichern, was auch erreicht wurde. Infolgedessen kamen in √Ėsterreich 1863 gezogene Vorderladekanonen nach Lenks Bogenzugsystem zur Einf√ľhrung. Hier entstanden, um schnellere Bewegungen der Feldartillerie zu erm√∂glichen, die Kavallerie- oder fahrenden Batterien, bei denen die Bedienungsmannschaften auf wurst√§hnlichen Reitsitzen der Lafetten und Munitionswagen (Wurstwagen) sa√üen; in Preu√üen, wo sie auf den Handpferden und dem Protzkasten sa√üen, wurde mit dem System C/64 mit seinen Gussstahlachsen, Gussstahlrohr, R√§dern mit Bronzenaben und den Achssitzen etc. ein solches Ma√ü von Beweglichkeit erreicht, dass diese Gesch√ľtze nicht nur das Fahren in den schnellsten Gangarten der Pferde, in welcher sie der Kavallerie zu folgen verm√∂gen, gestatten, die Biegsamkeit zwischen Protze und Lafette erm√∂glicht auch ein Anpassen an so erhebliche Unebenheiten des Terrains, dass die Artillerie im allgemeinen mit ihren Gesch√ľtzen dahin zu kommen vermag, wo sich Kavallerie bewegen kann. Diese technische Vervollkommnung des Artilleriematerials gestattete eine taktische Verwendung der Feldartillerie, welche sie den beiden Hauptwaffen k√§mpfender Armeen, der Infanterie und Kavallerie, als dritte Hauptwaffe ebenb√ľrtig zur Seite stellte.

‚ÄěH√∂hepunkt‚Äú der Rohrartillerie war der Erste Weltkrieg (1914‚Äď1918). Hier kamen alle Gattungen der Artillerie zum Einsatz. Dadurch √§nderte sich das Gesicht des Krieges nachhaltig: der jetzt besonders wirksame Einsatz von Granaten machte Bewegung in offenem Gel√§nde sehr risikoreich und erzwang den Bau von Grabensystemen. Trotzdem gingen ca. 3/4 der Verluste der Kriegsparteien auf die Artillerie zur√ľck, da auch neue Artillerie-Techniken und Taktiken, (etwa die ‚ÄěFeuerwalze‚Äú), sowie der verst√§rkte Einsatz von Sprenggeschossen erprobt und eingef√ľhrt wurden.

Im Ersten Weltkrieg verschoss die Artillerie der Kriegsparteien zusammen etwa 850 Millionen Schuss. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde durch eine h√∂here Mobilit√§t der Infanterie und Ausbau der Panzertruppen die Wirksamkeit der Artillerie beschr√§nkt und die mobile Kriegsf√ľhrung wieder erm√∂glicht. Dementsprechend wurden auch die Mobilit√§t und der Panzerschutz der Artillerie st√§ndig erh√∂ht.

Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurde neben der bis dahin eingesetzten Rohrartillerie die Raketenartillerie weiter entwickelt. Bei den Verb√§nden des deutschen Heeres tauchte im Jahre 1940 erstmals der ‚ÄěNebelwerfer‚Äú (sechs kreisf√∂rmig angeordnete Rohre, die auf einer Lafette montiert waren) auf. √Ąhnliche Entwicklungen fanden zeitgleich auch bei den japanischen Streitkr√§ften und den Alliierten statt.

Von 1952 bis 1963 waren die USA auch im Besitz von Gesch√ľtzen mit Nukleargeschossen. Das 280-mm-Gesch√ľtz M65, auch ‚ÄěAtomic Annie‚Äú genannt, wurde bei √úbungen 1953 in der W√ľste von Nevada getestet.

Im Laufe der Truppenreduzierung der 1990er Jahre war die Artillerie als Waffengattung, obwohl ihre aufklärende Komponente gerade in den Auslandseinsätzen wertvolle Dienste zur Informationsbeschaffung leistet, besonders stark betroffen.

Artillerie im Spätmittelalter

siehe Hauptartikel Artillerie im Landsknechtsheer

Artillerie im Ersten Weltkrieg

siehe Hauptartikel Artillerie im Deutschen Kaiserreich

Artillerie √Ėsterreich-Ungarns

siehe Hauptartikel √Ėsterreichisch-Ungarische Artillerie

Artillerie in der Wehrmacht

siehe Hauptartikel Artillerietruppe (Wehrmacht)

Artillerie in der Bundeswehr

siehe Hauptartikel Artillerietruppe (Bundeswehr)

Museale Rezeption

Haubitze M1916 im Heeresgeschichtlichen Museum

Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien verf√ľgt √ľber eine der gr√∂√üten Artillerie- und Gesch√ľtzrohrsammlungen der Welt. Sie umfasst rund 550 Gesch√ľtze und Rohre und z√§hlt damit zu den bedeutendsten Sammlungen dieser Art. Der Bogen spannt sich dabei vom schmiedeeisernen Gesch√ľtz des Mittelalters, darunter auch der weltber√ľhmte ‚ÄěPumhart von Steyr‚Äú, bis hin zur Haubitze M 1916 aus dem Ersten Weltkrieg.[2]

Siehe auch

Literatur

  • M. Christian Ortner: Die √∂sterreichisch-ungarische Artillerie von 1867 bis 1918. Technik, Organisation und Kampfverfahren. Verlag Militaria, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-12-0
  • Patrick d‚ÄôArcy: Versuch einer Theorie der Artillerie. Dresden 1766 (Digitalisat)
  • Franz Kosar: Artillerie im 20. Jahrhundert, Verleger: Bernard und Graefe, Bonn 2004, ISBN 3-7637-6249-3
  • Hans Mehl: Schiffs- und K√ľstenartillerie: Marinegesch√ľtze aus 500 Jahren,Verlag Mittler, Hamburg 2001, ISBN 3-8132-0774-9
  • Martin Guddat:Kanoniere, Bombardiere, Pontoniere: die Artillerie Friedrichs des Grossen, Mittler Verlag, Bonn 2001, ISBN 3-8132-0383-2
  • Terry Gander, Hans Joachim Zurek: Artillerie heute, Podzun-Pallas-Verlag, Friedberg 1990, ISBN 3-7909-0405-8
  • Carl von Decker: Versuch einer Geschichte des Gesch√ľtzwesens und der Artillerie in Europa, von ihrem Ursprunge bis auf die gegenw√§rtigen Zeiten, LTR-Verlag, Wiesbaden 1981, ISBN 3-88706-027-X
  • Georg Ortenburg: Waffe und Waffengebrauch im Zeitalter der Einigungskriege.Bernard und Graefe Verlag, Koblenz 1990, ISBN 3-7637-5809-7
  • H.-G.Krause: 50 Jahre (1958-2008) Panzerartilleriebataillon 215. Verlag Augustdorfer-Militaerliteratur, [www.//augustdorfer-militaerliteratur.eu], Augustdorf 2009, ISBN 978-3-00-027808-2
  • H.-G.Krause: Aus der Geschichter der Lippischen Artillerie - Die Beobachtungsabteilung 6 - 1936-1942 - Vom Anfang in Lemgo bis zum Ende im Nirgendwo an der Weichsel. Verlag Augustdorfer-Militaerliteratur, [www.//augustdorfer-militaerliteratur.eu], Augustdorf 2009, ISBN 978-3-00-029231-6
  • Karl Windthorst: Das Mindensche Feldartillerie - Regiment Nr. 58 im Weltkriege 1914 - 1918. Dortmund, 1930.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ http://www.osce.org/documents/doclib/1990/11/13752_de.pdf
  2. ‚ÜĎ Manfried Rauchensteiner, Manfred Litscher (Hg.): Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien. Graz, Wien 2000 S. 93-95.

Weblinks

 Commons: Artillerie ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikimedia Foundation.

Synonyme:

Schlagen Sie auch in anderen W√∂rterb√ľchern nach:

  • ARTILLERIE ‚ÄĒ Le mot ¬ęartillerie¬Ľ appara√ģt avec Joinville au XIIIe si√®cle pour d√©signer l‚Äôensemble des engins de guerre. Il vient sans doute du vieux fran√ßais artillier (garnir d‚Äôengins), par alt√©ration du mot art ou, peut √™tre, plus anciennement encore, du… ‚Ķ   Encyclop√©die Universelle

  • artillerie ‚ÄĒ ARTILLERIE. sub. f. (On mouille les L.) Tout l attirail de guerre, qui comprend les canons, les mortiers, les bombes, etc. L artillerie fut bien servie √† ce si√©ge l√†. On manquoit de grosse artillerie. La grosse artillerie ne put arriver assez √†… ‚Ķ   Dictionnaire de l'Acad√©mie Fran√ßaise 1798

  • artillerie ‚ÄĒ Artillerie. subst. m. Equipage de guerre qui comprend les canons, les mortiers, les bombes, &c. Le parc de l artillerie. Grand Maistre de l artillerie. Lieutenant, Commissaire de l artillerie. on ne put attaquer la ville parce qu on manquoit de… ‚Ķ   Dictionnaire de l'Acad√©mie fran√ßaise

  • Artillerie ‚ÄĒ (franz., seit Anfang des 17. Jahrh. Artolorey, Arckalei, Archallei, abgeleitet von ars und tirare, von arcus und tollere, ars tollendi, ars und telum etc.), Hauptwaffengattung des Heeres neben Infanterie und Kavallerie, dann das gesamte Material… ‚Ķ   Meyers Gro√ües Konversations-Lexikon

  • artillerie ‚ÄĒ Artillerie, f. penac. Est un mot general √† tous autres instruments de guerre, dont l on use tant en offendant qu en deffendant, hors l esp√©e, dague, bocquier et harnois du corps de l homme. Par ainsi tout instrument de trait, soit de feu ou autre ‚Ķ   Thresor de la langue fran√ßoyse

  • Artillerie ‚ÄĒ Sf Gesch√ľtze , (Truppengattung) erw. fach. (15. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus frz. artillerie Gesch√ľtz , einer Ableitung von afrz. artill(i)er mit Ger√§tschaft ausr√ľsten , dessen Herkunft nicht ganz sicher gekl√§rt ist. T√§terbezeichnung:… ‚Ķ   Etymologisches W√∂rterbuch der deutschen sprache

  • Artillerie ‚ÄĒ (nach Einigen v. lat. Ars tollendi, die Kunst, schwere K√∂rper fortzuschleudern; nach And. von dem mittellat. Artillaria, dem Diminutiv von Ars, dem Inbegriff von Sachen, die zur Anfertigung geringerer Kunstfertigkeit bed√ľrfen; daher Artillator,… ‚Ķ   Pierer's Universal-Lexikon

  • Artillerie ‚ÄĒ Artillerie: Das seit dem sp√§ten 15. Jh. bezeugte Fremdwort ist aus frz. artillerie ¬ĽGesamtheit der Gesch√ľtze, des schweren Kriegsmaterials; mit Gesch√ľtzen ausger√ľstete Truppe¬ę entlehnt, das seinerseits von afrz. artill‚ÄĻi‚Äļer ¬Ľmit Kriegsger√§t… ‚Ķ   Das Herkunftsw√∂rterbuch

  • Artillerie ‚ÄĒ Artillerńęe (frz.), die mit Gesch√ľtzen ausger√ľstete und zu deren Handhabung bestimmte dritte Hauptwaffengattung, die im Verein mit Infanterie und Kavallerie den fechtenden Teil der Heere bildet. Die der A. angeh√∂rigen Personen hei√üen Artilleristen ‚Ķ   Kleines Konversations-Lexikon

  • Artillerie ‚ÄĒ (ars telorum oder ars tollendi, die Schie√ükunst, die Kunst schwere K√∂rper zu heben, vielleicht keines von beiden), ist die Wissenschaft von dem Gebrauch und der Einrichtung der Gesch√ľtze und personificirt die Mannschaft, welche dieses √ľbt,… ‚Ķ   Herders Conversations-Lexikon


Share the article and excerpts

Direct link
… Do a right-click on the link above
and select ‚ÄúCopy Link‚ÄĚ

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.