Normung

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Normung

Normung bezeichnet die planmäßigen Vorgänge und Tätigkeiten zum Schaffen und Inkraftsetzen von Regelungen, mit denen materielle Gegenstände und immaterielle Verfahren vereinheitlicht werden.

Normung kommt vor allem zur Anwendung, wenn gleichartige oder ähnliche Gegenstände in vielen unterschiedlichen Zusammenhängen an verschiedenen Orten von verschiedenen Personenkreisen gebraucht werden. Normung hat zum Ziel, innerhalb des Interessentenkreises national wie international durch Vereinheitlichungen und Standardisierungen technische Anwendungshemmnisse zu vermeiden und den Austausch von Waren und Dienstleistungen zu fördern. Weitere Folgen einer Normung sind Rationalisierung, Kompatibilität, Gebrauchstauglichkeit und Sicherheit bei der Verwendung von Produkten und Dienstleistungen.

Aus dem englischen Sprachgebrauch kommt der Begriff de-jure-standard, der sich mit dem deutschen Begriff ‚ÄěNorm‚Äú (zum Beispiel in DIN-Norm) deckt. Im Gegensatz dazu ist ein De-facto-Standard ein Ergebnis, das nicht durch ein wenigstens nationales Normungsverfahren (zum Beispiel unter Leitung des Deutschen Instituts f√ľr Normung (DIN)) erarbeitet wurde. Insoweit gibt es f√ľr den deutschen Term Norm mit dem englischen Term standard keine kompakte √úbersetzung in vergleichbarer Eingrenzung.

F√ľr De-facto-Standard wird der Begriff ‚ÄěIndustriestandard‚Äú, f√ľr seine Entstehung der Begriff Standardisierung verwendet. Insoweit sind auch s√§mtliche Standards von industriellen Interessengruppen De-facto-Standards, wie beispielsweise die Bluetooth-Protokolle der Bluetooth-SIG oder das IrDa-Protokoll der Infrared Data Association.

Auch Firmen k√∂nnen interne Normen (Werksnormen) erstellen. Diese k√∂nnen sie f√ľr Zulieferer als verbindlich vorschreiben.

Inhaltsverzeichnis

Durchf√ľhrung

Ein Normungsverfahren verläuft gewöhnlich in mehreren Stufen:

  1. Zunächst ist der Gegenstand des Normungsvorhabens zu bezeichnen und gegebenenfalls gegen ähnliche Gegenstände, die nicht einbezogen werden sollen, nachvollziehbar abzugrenzen.
  2. F√ľr die Ausarbeitung wird ein Gremium aus allen betroffenen Fach- und Interessentenkreisen (Wissenschaftler, Produzenten, Anwender und politische Amtstr√§ger) einberufen. Eine m√∂glichst breite Beteiligung aller Gruppen sichert die Akzeptanz und Anwendbarkeit der Normung eines Gegenstandes.
  3. Erste Entw√ľrfe und Verbesserungen einer Regelung werden ausgearbeitet.
  4. Der Entwurf einer Regelung wird einem √∂ffentlichen Stellungnahme- und Einspruchsverfahren unterworfen, dies soll eine breite Akzeptanz und Anwendbarkeit der Regelungen gew√§hrleisten. Das Online-Portal f√ľr Norm-Entw√ľrfe des DIN bietet einen kostenfreien Online-Zugang zu aktuellen Norm-Entw√ľrfen und die M√∂glichkeit, online Stellungnahmen zu den Norm-Entw√ľrfen abzugeben.
  5. Einspr√ľche und Vorschl√§ge werden gepr√ľft und gegebenenfalls in eine neue Regelungs-Version eingearbeitet.
  6. Die Schritte 3 bis 5 werden unter Umst√§nden so lange wiederholt, bis ein befriedigender Status erreicht ist und keine wesentlichen Einspr√ľche mehr erfolgen.
  7. Nach der Endbearbeitung wird das Ergebnis des Normungsverfahrens als ‚ÄěNorm‚Äú oder ‚ÄěStandard‚Äú in der f√ľr die jeweilige Organisation √ľblichen Weise dokumentiert und f√ľr den Interessentenkreis und die √Ėffentlichkeit zug√§nglich verf√ľgbar gemacht.

Die Ablaufschemen der Normungsvorg√§nge entsprechen dem Gesch√§ftsgang f√ľr die Normungsarbeit (DIN 820-4), k√∂nnen jedoch je nach Art der Norm und Tr√§gerorganisation Abweichungen aufweisen. Gemeinsam ist allen, dass Normen in einem mehrstufigen Verfahren in demokratischer Weise unter Einbeziehung aller betroffenen Kreise im Konsensprinzip erarbeitet werden. Nicht die Normungsorganisation normt, sondern die Fachleute bedienen sich ihrer, um Normen zu entwickeln und zu ver√∂ffentlichen.

Siehe hierzu:

Form und Inhalt einer Normung

Wesentliches Produkt eines Normungsverfahrens ist das Dokument, das die vereinbarten und festgeschriebenen Regelungen des Verfahrens enth√§lt und als ‚ÄěNorm‚Äú bezeichnet wird. Eine solche ‚ÄěNorm‚Äú ist nach EN 45020 ein ‚ÄěDokument, das mit Konsens erstellt und von einer anerkannten Institution angenommen wurde und das f√ľr die allgemeine und wiederkehrende Anwendung Regeln, Leitlinien oder Merkmale f√ľr T√§tigkeiten oder deren Ergebnisse festlegt, wobei ein optimaler Ordnungsgrad in einem gegebenen Zusammenhang angestrebt wird‚Äú.

Das Dokument als Printmedium kann einen sehr unterschiedlichen Umfang haben, es kann eine einzelne Seite mit blo√üen Begriffsbestimmungen sein oder mehrere Hefte umfassen. Eingangs werden meist eine Inhalts√ľbersicht und Begriffsdefinitionen gegeben, darauf folgt der Hauptteil mit den eigentlichen Regeln und Festlegungen von Eigenschaften von Ger√§ten, Bauteilen, Systemelementen, Schnittstellen, Prozessen, Mess- und anderen Verfahren. Zum Schluss werden oft noch Verweise auf weitere √ľber- oder untergeordnete und zu beachtende Normen zum gleichen Thema gegeben.

Bekannt sind zum Beispiel

  • Papierformate wie DIN A4, siehe die technische Norm EN ISO 216 (fr√ľher DIN 476);
  • die Verfahrensnorm EN ISO 9000 f√ľr Qualit√§tsmanagementsysteme;
  • die L√§nderk√ľrzel wie .de, .nl, .jp aus einer klassifikatorischen internationalen Norm;
  • der Zeichensatz US-ASCII, 7-Bit American Standard Code for Information Interchange, nach ANSI X3.4.

Vielfach sind als Ergebnis der Normung nicht nur auf einzelne Gegenst√§nde isolierte Regeln entstanden, sondern ein ineinandergreifendes Regelwerk, auf das in Einzelnormen gegenseitig verwiesen werden kann. So k√∂nnen in einer Norm f√ľr einen einzelnen Schraubentyp zu Materialien und besondere Ausf√ľhrungsarten auf andere Normen verwiesen werden, in der die anwendbaren Regeln bereits erarbeitet worden sind.

Bedeutung

Alltag

Die Normung stellt ein klassisches industriepolitisches Feld dar, das f√ľr das t√§gliche Leben und die Funktionsf√§higkeit unserer Wirtschaft von gro√üer Bedeutung ist. Bezogen auf die Wirtschaft unterst√ľtzen Normung und Standardisierung insbesondere die Freiz√ľgigkeit der M√§rkte und die Innovationsf√§higkeit der Unternehmen. Die im Normungsverfahren erstellten Regeln dienen zus√§tzlich einer allgemeinen Information √ľber den Stand der Technik des jeweiligen Gegenstandes oder Fachgebietes. Wer Normen anwendet, folgt Empfehlungen, die von Kreisen der Fachwelt aufgestellt wurden. Ihr Zustandekommen und ihre Anwendung qualifiziert sie als anerkannte Regeln der Technik.

Wirtschaft

Gemeinsame Normen und Standards erlauben den freien Handel von Waren und Dienstleistungen ohne zus√§tzliche Anpassungskosten. Normung f√∂rdert die Rationalisierung und Qualit√§tssicherung in Wirtschaft, Technik, Wissenschaft und Verwaltung. Die Kooperation und Vernetzung in der Normungsarbeit f√ľhrt einer wissenschaftlichen Studie zufolge allein in Deutschland zu einem j√§hrlichen volkswirtschaftlichen Nutzen in H√∂he von 16 Milliarden Euro und entspricht damit etwa einem Prozent des deutschen Bruttosozialprodukts. [1]

Rechtscharakter

Normen haben kraft Entstehung, Tr√§gerschaft, Inhalt und Anwendungsbereich den Charakter von Empfehlungen, deren Beachtung und Anwendung jedermann freisteht. Normen an sich haben keine rechtliche Verbindlichkeit. Normen k√∂nnen durch Rechts- und Verwaltungsvorschriften eines Gesetz- oder Verordnungsgebers oder durch Vertr√§ge, in denen ihre Einhaltung vereinbart wurde, verbindlich werden. Sie dienen h√§ufig der Ausf√ľllung unbestimmter Rechtsbegriffe, zum Beispiel des Begriffes ‚ÄěStand der Technik‚Äú, und erlangen dadurch rechtliche Bedeutung.

Politik

Die Normung stellt ein klassisches industriepolitisches Feld dar, das f√ľr das t√§gliche Leben und die Funktionsf√§higkeit unserer Wirtschaft von gro√üer Bedeutung ist. Bezogen auf die Wirtschaft unterst√ľtzen Normung und Standardisierung insbesondere die Freiz√ľgigkeit der M√§rkte und die Innovationsf√§higkeit der Unternehmen. Normung tr√§gt dazu bei, dass sich technisches Wissen und Innovationen schneller verbreiten, und st√§rkt damit die Wettbewerbs- und Konkurrenzf√§higkeit der Unternehmen. Normung wirkt dar√ľber hinaus staatsentlastend und deregulierend, weil die interessierten Kreise schneller, flexibler und sachkundiger als der Staat technische Standards setzen, auf die der Staat Bezug nehmen kann.[1]

Ebenen der Normungsarbeit

Nationale Normung

Die sogenannten ‚Äěinteressierten Kreise‚Äú (Unternehmen, Handel, Hochschulen, Verbraucher, Handwerk, Pr√ľfinstitute, Beh√∂rden) senden ihre Experten in Arbeitsgruppen (Aussch√ľsse) einer nationalen Normungsorganisation (zum Beispiel Deutsches Institut f√ľr Normung), in denen die Normungsarbeit organisiert und durchgef√ľhrt wird.

Nationale Normungsorganisationen √ľbernehmen auch regionale (hier europ√§ische) und internationale Normen, die anschlie√üend ‚Äď n√∂tigenfalls √ľbersetzt ‚Äď als nationale Normen erscheinen. So findet sich bei den Titeln die gleichzeitige Nennung von beispielsweise DIN oder √Ėnorm mit EN und ISO (zum Beispiel bei DIN EN ISO 9001). Sie besagt, dass eine Norm unter derselben Nummer gleichzeitig eine deutsche, europ√§ische und internationale Norm ist. DIN gleicht seine Nummerierung m√∂glichst an EN und ISO an (siehe die Liste der DIN-Normen). Neue Normen sind deshalb fast ausschlie√ülich DIN EN, DIN EN ISO oder DIN ISO. Bei wenigen traditionsreichen Normen deutschen Ursprungs wird die DIN-Nummer nach der R√ľck√ľbernahme bewahrt.

Europäische Normung

Die Europ√§ische Normung wird im Rahmen der drei Organisationen CEN, CENELEC und ETSI durchgef√ľhrt. CEN bezeichnet sich als ein ‚ÄěSystem formaler Prozesse zur Herstellung von Normen, das durch die 30 nationalen Mitgliedsorganisationen getragen wird‚Äú. Die nationalen Mitgliedsorganisationen stimmen √ľber Europ√§ische Normen ab und implementieren diese. Die Normungsorganisationen haben ‚Äď ausgenommen ETSI ‚Äď je Land nur ein Mitglied, das die gesamten Normungsinteressen dieses Landes zu vertreten hat. Bei Abstimmungen haben die Mitglieder entsprechend ihrer Wirtschaftskraft unterschiedliche Stimmen.

Deutsche Interessen in der Europ√§ischen Normung werden durch das DIN vertreten, deren Normenaussch√ľsse √ľber die Mitarbeit an einem europ√§ischen Normungsvorhaben entscheiden. Die fachliche Betreuung wird einem sogenannten ‚ÄěSpiegelausschuss‚Äú zugewiesen, der eine deutsche Meinungsbildung durchf√ľhrt und sie im europ√§ischen Gremium zu vertreten hat. Dies kann durch schriftliche Kommentare, Entsendung von Delegationen und/oder Benennung von Experten geschehen. Bei Vorliegen eines Normungsantrages in Deutschland hat das DIN zu √ľberpr√ľfen, ob zu diesem Thema ein europ√§ischer Normungsprozess besteht oder der Normungsvorschlag f√ľr diese Ebene in Betracht zu ziehen ist.

Ist der Schlussentwurf einer Europ√§ischen Norm in einer formellen Abstimmung von der Mehrheit der abstimmenden L√§nder angenommen worden, muss er von den Mitgliedsorganisationen in das nationale Normenwerk √ľbernommen werden.

Das Ziel der europ√§ischen Normung ist die Harmonisierung der nationalen Normen in den Mitgliedsl√§ndern durch einheitliche Einf√ľhrung von Europ√§ischen Normen. Durch die europ√§ische Normung sollen Handelshemmnisse abgebaut werden und gleiche Rahmen- und Wettbewerbsbedingungen f√ľr den europ√§ischen Binnenmarkt geschaffen werden.

Durch das Neues Konzept haben Europ√§ische Normen eine Funktion bei der Deregulierung des europ√§ischen Binnenmarktes. Verzeichnisse von DIN-Normen, bei deren Anwendung davon ausgegangen werden kann, dass die grundlegenden Sicherheitsanforderungen europ√§ischer Richtlinien erf√ľllt sind, werden im Bundesanzeiger ver√∂ffentlicht.

Internationale Normung

Die internationale Normung wird im Rahmen der drei Organisationen ‚ÄěInternationale Organisation f√ľr Normung‚Äú (ISO), ‚ÄěInternationale elektrotechnische Kommission‚Äú (IEC) und ‚ÄěInternationale Fernmeldeunion‚Äú (ITU) durchgef√ľhrt. ISO und IEC haben je Land nur ein Mitglied, das die gesamten Normungsinteressen dieses Landes zu vertreten hat. F√ľr Deutschland ist das DIN (‚ÄěDeutsches Institut f√ľr Normung e. V.‚Äú) Mitglied der ISO, f√ľr √Ėsterreich das √Ėsterreichische Normungsinstitut (√ĖNORM) und f√ľr die Schweiz die Schweizerische Normen-Vereinigung (SN).

Die Zusammenarbeit zwischen ISO und dem Europ√§ischen Komitee f√ľr Normung (CEN) regelt die Wiener Vereinbarung.

Ziel der Internationalen Normung ist es, internationale Vereinbarungen als Internationale Normen zu veröffentlichen. Ihre Aufgabe ist, die Normung und damit zusammenhängende Bereiche weltweit zu fördern, um den internationalen Waren- und Dienstleistungsverkehr zu erleichtern und die Zusammenarbeit auf allen Gebieten geistiger, wissenschaftlicher, technischer und wirtschaftlicher Tätigkeit auszubauen.

Die Mitarbeit in der internationalen Normung erfolgt nach √§hnlichen Prinzipien wie bei der Europ√§ischen Normung (siehe oben). Im Unterschied zur Europ√§ischen Normung haben die Mitglieder in der internationalen Normung nur je eine Stimme. Es besteht f√ľr die nationalen Mitglieder die M√∂glichkeit, jedoch keine Verpflichtung, internationale Normen in das nationale Normenwerk zu √ľbernehmen. Sollte eine internationale Norm in das nationale Normenwerk √ľbernommen werden, darf dies nur als vollst√§ndige, identische √úbernahme erfolgen.

√úbernahme internationaler Normen

Europ√§ische Normen m√ľssen von allen Mitgliedsstaaten des Europ√§ischen Komitees f√ľr Normung (CEN) und von CENELEC in das nationale Normenwerk √ľbernommen werden. Nationale Normen zum gleichen Gegenstand m√ľssen zur√ľckgezogen werden. Ziel ist die europaweite Harmonisierung der Normen und damit der Abbau von technischen Handelshemmnissen. Internationale Normen k√∂nnen von den nationalen Normungsorganisationen freiwillig als nationale Normen √ľbernommen werden. In Deutschland entscheidet der fachlich zust√§ndige Arbeitsausschuss im DIN √ľber die √úbernahme einer ISO-Norm. Bei √úbernahme wird die Norm ins Deutsche √ľbersetzt und mit einem nationalen Vorwort versehen.

Das europ√§ische CEN hat mit der ISO eine Vereinbarung getroffen, die vorsieht, dass ausgew√§hlte internationale Normen in das europ√§ische Regelwerk √ľbernommen werden. Wie oben ausgef√ľhrt, m√ľssen diese somit in das nationale Regelwerk √ľbernommen werden.

Träger der Normung

Normung wird auf den verschiedensten Stufen und in unterschiedlichen Zusammenh√§ngen durch nationale und internationale Organisationen betrieben, die unterschiedlichen Unternehmensstatus haben. Die kleinste Organisationseinheit sind dabei technische B√ľros in kommerziellen Firmen, die f√ľr den Bereich dieser Firma eigene Firmennormen erstellen.

Das Deutsche Institut f√ľr Normung (DIN) ist ein privater eingetragener Verein (e. V.), das Europ√§ische Komitee f√ľr Normung (CEN) ist eine private, nicht gewinnorientierte Organisation, die Internationale Organisation f√ľr Normung (ISO) und die Internationale Elektrotechnische Kommission (IEC) sind internationale Normierungsgremien, die aus Mitgliedern nationaler Komitees bestehen, die die Interessen ihres Landes vertreten und in die internationale Normungsarbeit einbringen.

Deutschland

Das Deutsche Institut f√ľr Normung (DIN) und die Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) sind die wichtigsten f√ľr die Normung zust√§ndigen Institutionen der Bundesrepublik Deutschland. Sie sind f√ľr die entsprechenden Aufgaben das deutsche Mitglied in den europ√§ischen und internationalen Normungsorganisationen.

Rechtsgrundlagen f√ľr die Wahrnehmung der Normungsaufgaben durch das DIN sind

  • die Satzung des DIN,
  • die Normen der Reihe DIN 820 ‚ÄěNormungsarbeit‚Äú und
  • der mit der Bundesrepublik Deutschland geschlossene Normenvertrag vom 5. Juni 1975.

Im Rahmen des Normenvertrages ist das DIN und damit gleichzeitig die DKE verpflichtet,

  • bei Normungsaufgaben das √∂ffentliche Interesse zu ber√ľcksichtigen;
  • daf√ľr Sorge zu tragen, dass die DIN-Normen bei der Gesetzgebung in der √∂ffentlichen Verwaltung und im Rechtsverkehr als Umschreibung technischer Anforderungen herangezogen werden k√∂nnen;
  • die in Betracht kommenden beh√∂rdlichen Stellen an der Durchf√ľhrung der Normungsarbeit zu beteiligen;
  • Antr√§ge der Bundesregierung auf Durchf√ľhrung von Normungsarbeiten, f√ľr die von der Bundesregierung ein √∂ffentliches Interesse geltend gemacht wird, bevorzugt zu bearbeiten.

Andererseits hat die Bundesregierung bereits im Rahmen des Normenvertrages die Absicht bekundet, in Rechtsvorschriften auf DIN-Normen Bezug zu nehmen, und zugesagt, sich in der Verwaltung und bei Ausschreibungen der DIN-Normen zu bedienen.

Internationale Organisationen

‚Üí Liste von Standards

Geschichte

In Deutschland entstand 1917 der ‚ÄěNormenausschuss der Deutschen Industrie‚Äú; heutiger Name: ‚ÄěDeutsches Institut f√ľr Normung e. V.‚Äú. In √Ėsterreich wurde 1920 das ‚Äě√Ėsterreichische Normungsinstitut‚Äú (ON) gegr√ľndet. Jedoch sind manche ‚ÄěNormen‚Äú viel √§lter. So wurde die erste ‚ÄěVDE-Vorschrift‚Äú √ľber Kabelschuhe und Klemmschrauben im Jahr 1896 herausgegeben. Der 1893 gegr√ľndete VDE (Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e.V) hat bereits im Jahr 1906 sein erstes ‚ÄěNormalien-Buch‚Äú ver√∂ffentlicht. 1970 wurde die elektrotechnische Sicherheitsnormung des VDE mit anderen Normungsaktivit√§ten des DIN in der DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE zusammengef√ľhrt.

Aus der Absicht heraus, die Industrialisierung durch Rationalisierung weiter voranzutreiben, wuchs in den einzelnen Staaten das Interesse an der Normung.

1926 wurde die International Federation of the National Standardizing Associations (ISA) gegr√ľndet. Die Arbeitsergebnisse der ISA galten als Vorschl√§ge oder Empfehlung f√ľr die nationalen Normaussch√ľsse.

An erster Stelle standen die ISA-Passungen, die eine Austauschbarkeit von Maschinenteilen erst ermöglichten.

Die ersten Bestrebungen, auf weltweiter Ebene eine Normung zu betreiben, sind weitaus √§lter. Elektrotechniker erkannten schon Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die Notwendigkeit nach kontinuierlichen, methodischen und internationalen Normungen. Bereits 1906 wurde die ‚ÄěInternationale Elektrotechnische Kommission‚Äú (IEC) gegr√ľndet.

Nach der Unterbrechung durch den Zweiten Weltkrieg entstand die Bezeichnung ‚ÄěInternationale Organisation f√ľr Normung‚Äú (ISO), die neue internationale Normungskommission als Nachfolgerin der ISA. Deutschland ist durch seine nationale Normungsorganisation DIN seit 1952 wieder Mitglied der ISO und des IEC. Die Gesch√§fte der ISO f√ľhrt das Zentralsekretariat aus, die des IEC ein Generalsekretariat, beide mit Sitz in Genf. Die nach Fachgebieten zusammengesetzten ‚ÄěTechnischen Komitees‚Äú (TC) leisten dabei die Normungsarbeit.

Kritik

Die Arbeit der Normengremien spiegelt die Interessen der Mitglieder wider. Dabei wird die Qualit√§t einer Norm durch die Qualifikation der Beteiligten bestimmt. Hingegen ist die Existenz einer Norm genauso wie die Existenz eines de-facto-standards allein noch kein Nachweis f√ľr eine bestimmte Marktdurchdringung und f√ľr eine besondere Position im technischen Wettbewerb.

Im Gegensatz zu unterstelltem Allgemeininteresse kann die Normung auch verwendet werden, um Abgrenzungen gegen√ľber Wettbewerbern aufzubauen. Beispiele sind Normenwerke in der Sicherheitstechnik, wie beispielsweise die Norm VDE0825 (Personen-Notsignal-Anlagen)[2] oder die Norm VDE0834 (Rufanlagen)[3], die Anforderungen fortschreiben, deren Anforderungen au√üerhalb Deutschlands selten voll erf√ľllt werden, wenngleich die Sinnf√§lligkeit der Anforderungen jeder technischen Kritik standh√§lt.

Siehe auch

Literatur

  • Martin Klein (Hrsg.): Einf√ľhrung in die DIN-Normen. Teubner, Stuttgart 2001, ISBN 3-519-26301-7.
  • Wolfgang Niedziella: Wie funktioniert Normung? VDE, Berlin 2007, ISBN 3-8007-3006-5.
  • Stefan Wiesendahl: Technische Normung in der Europ√§ischen Union. Erich Schmidt Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-503-09761-6.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ a b Deutsche Normungsstrategie (pdf)
  2. ‚ÜĎ Personen-Notsignal-Anlagen
  3. ‚ÜĎ [1]

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