Oberkassel (Bonn)

Oberkassel
Stadt Bonn
Koordinaten: 50° 43′ N, 7° 10′ O50.7130916666677.16785Koordinaten: 50° 42′ 47″ N, 7° 10′ 4″ O
Einwohner: 7.190 (30. Juni 2010)
Eingemeindung: 1. Aug. 1969
Postleitzahl: 53227
Vorwahl: 0228
Karte

Lage von Oberkassel in Bonn

Oberkassel
Wappen von Oberkassel
Kinkeldenkmal in Oberkassel
Lippisches Landhaus von Johann Conrad Schlaun

Oberkassel, amtliche Schreibweise bis 14. August 1936: Obercassel [1], ist Teil des Bonner Stadtbezirks Beuel und liegt am rechten Rheinufer am Rand des Siebengebirges. Oberkassel hat etwa 7.200 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Oberkassel ist der südlichste Ort des Bonner Stadtbezirks Beuel und liegt am rechten Rheinufer am Rand des Siebengebirges. Der Rhein bildet die Grenze zum Stadtbezirk Bad Godesberg. Im Norden grenzt Oberkassel an die Ortschaft Ramersdorf und teilt sich mit dieser auch das neue Entwicklungsgebiet Bonner Bogen. Im Nord-Osten grenzt es an den Ennert, im Südosten an den Dollendorfer Hardt. Im Süden grenzt Oberkassel an Oberdollendorf. Dies ist gleichzeitig auch die Stadtgrenze zwischen Bonn und der Stadt Königswinter die schon zum Rhein-Sieg-Kreis gehört.

Der höchste Punkt von Bonn und somit auch von Oberkassel ist der Paffelsberg mit 194,8 Metern.

Geschichte

Auf eine frühe Besiedelung des Raumes weist das 1914 in einem Steinbruch gefundene Doppelgrab von Oberkassel hin.

Als Cassele wurde Oberkassel 722/723 und eindeutig als Cassela 1144 zuerst erwähnt, der Name geht vermutlich auf das keltische Wort „Cassola“ zurück, das Sumpf, Bach und Moor bedeutet. Ebenso ist eine Ableitung des römischen „Castels“ denkbar. Zu Oberkassel gehören die vorher selbständigen Siedlungen Berghoven (erstmals 873 erwähnt), Büchel (erstmals 1202 erwähnt), Broich (erstmals 1306 erwähnt) und Meerhausen (erstmals 1442 erwähnt).

Der Buschhof wurde als Bauernhof 1144 der Pfarrei Vilich zugeschlagen, nach 1283 gehörte er dem Erzbischof von Köln, ab 1459 dem Kloster Engelthal und ab 1807 dem Grafen Salm-Reifferscheidt-Dyck, der mehrere Bauernhöfe aufkaufte. Die wirtschaftliche Grundlage der einzelnen Ortschaften ist zum Teil heute noch an der historischen Bebauung ablesbar. Neben den alten Hofanlagen, die als Kristallisationspunkte für die landwirtschaftlich geprägten Siedlungsbereiche dienten, haben insbesondere der Weinanbau und die Steinbruchtätigkeit ihre Spuren in Oberkassel hinterlassen. Dies zeigt sich nicht nur in der Ausformung der Landschaft, sondern auch in der Anlage der Wegeführungen z. B. von den Steinbrüchen zum Rhein und in den häufigen Winzerhäusern mit den notwendigen Kellern. Noch bis 1964 war Oberkassel Weinanbaugebiet.

1555 war Oberkassel Honschaft und Kirchspiel im bergischen Amt Löwenburg.[2]

Die kleinteilige Siedlungsstruktur veränderte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts in zunehmendem Maße.

Nach der Übernahme des Rheinlandes durch das Königreich Preußen wurde Oberkassel Sitz der gleichnamigen Bürgermeisterei im Kreis Siegburg, der die Verwaltung der Gemeinden Heisterbacherrott, Niederdollendorf, Oberdollendorf und Oberkassel zugeordnet war.

Die ländlich geprägte Bebauung des Ortes nahm in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts insbesondere entlang der Königswinterer Straße im Bereich der katholischen und evangelischen Kirche einen städtisch geprägten Charakter an. Die Königswinterer Straße ist die alte Oberkasseler Hauptstraße, die parallel zum Rhein verläuft und Teil der historischen rechtsrheinischen Talstrecke ist. Sie durchquert den Ort von der nördlichen bis zur südlichen Grenze. Die im Urkataster als Dorfstraße geführte Wegeverbindung von Beuel nach Königswinter ist bereits 1818 kartografisch verzeichnet. 1833 wurde sie innerhalb des Ortskerns gepflastert.

Durch die Entwicklung der wirtschaftlichen und materiellen Lebensgrundlagen wuchs die Bevölkerung von 240 Einwohnern im Jahr 1789 über 709 im Jahre 1861 auf 1884 Einwohner im Jahre 1890 sprunghaft an. In Rahmen dieser Entwicklung entstanden im Süden und Norden des alten Ortskerns zahlreiche Villen der ortsansässigen Fabrik- und Steinbruchbesitzer. Durch die reizvolle landschaftliche Lage am Rhein und am Fuße des Siebengebirges entwickelte sich der Ort zudem zu einem beliebten Wohnsitz auswärtiger Industrieller.

1870 erreichte der Neubau der Eisenbahntrasse auf der Rechten Rheinstrecke Oberkassel; über das Trajekt entstand eine Verbindung zur linksrheinischen Strecke.

Im Zuge der kommunalen Neugliederung des Bonner Raumes wurden zum 1. August 1969 das Amt und die Gemeinde Oberkassel aufgelöst. Während die Gemeinde Oberkassel in die neue Stadt Bonn aufging, kamen die drei anderen Gemeinden zur neuen Stadt Königswinter.[3]

Der berühmteste Oberkasseler der Neuzeit ist Gottfried Kinkel, der hier im Jahre 1815 geboren wurde.

Einwohnerentwicklung[4]

Jahr Einwohner
1816 733
1843 1.170
1871 1.578
1905 3.228
1961 5.593

Einrichtungen

In Oberkassel befindet sich ein Standort des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (die ehemalige Deutsche Agentur für Raumfahrtangelegenheiten sowie des Projektträgers im DLR) und der Hauptsitz der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation Deutsche Bundespost. Im Norden des Stadtteils befindet sich das Gelände des Bonner Bogens mit dem Luxushotel Kameha Grand Bonn.

Schule

In direkter Nachbarschaft zu diesen Einrichtungen befindet sich das Ernst-Kalkuhl-Gymnasium, ein von Ernst Kalkuhl 1880 gegründetes privates Gymnasium mit Internat. Zudem gibt es in Oberkassel die Gottfried-Kinkel-Grundschule. Die früher in Oberkassel vorhandene städtische Carl-Schurz-Schule – eine Hauptschule – wurde Anfang der 1990er Jahre geschlossen.

Verkehr

Im Osten Oberkassels verläuft die Bundesstraße 42, die an der Grenze zum Königswinterer Stadtteil Oberdollendorf eine Anschlussstelle hat. Der Südosten Oberkassels wird von der B 42 in einem 500 Meter langen Tunnel unterquert.

Der Bahnhof Bonn-Oberkassel liegt an der Rechten Rheinstrecke. Hier verkehren stündlich Züge der RB 27 und des RE 8.

Außerdem ist Oberkassel durch zwei Stadt- bzw. Straßenbahnlinien (Linie 62 und 66) mit den drei Haltestellen „Oberkassel Nord“, „Oberkassel Mitte“ und „Oberkassel Süd/Römlinghoven“ an das Nahverkehrssystem der Stadtwerke Bonn angeschlossen. Hierbei endet die Linie 62 im Süden von Oberkassel, die Linie 66 befährt die Siebengebirgsbahn weiter in südliche Richtung und stellt somit eine Verbindung zu Königswinter und Bad Honnef her. Nachts findet ein stündlicher Busverkehr durch die Linie N8 statt.

Am Rheinufer gibt es einen Schiffsanleger. Der Anleger wurde im Jahr 2000 mit Unterstützung der Oberkasseler Vereine um 1 km von Höhe Bahnhof stromaufwärts näher zum Ortskern hin verlegt. Betreiber ist die Bonner Personen Schiffahrt (BPS) am Rhein.

Sehenswürdigkeiten

Von Otto March erbaute evangelische Kirche

Wanderwege

Der Rheinsteig von Bonn nach Wiesbaden führt ebenso durch Oberkassel über die schönsten Teile des Siebengebirges wie der rechtsrheinische Rheinhöhenweg.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Statistik des Deutschen Reichs, Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I, Berlin 1939; Seite 268
  2. W. Harleß: Die Erkundigung über die Gerichtsverfassung im Herzogtum Berg vom Jahr 1555. In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins. 20. Band, Jahrgang 1884, Bonn 1885, S. 123.
  3. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970.
  4. Gemeindestatistik des Landes Nordrhein-Westfalen, Sonderreihe Volkszählung 1961; Heft 3c/ Düsseldorf 1964 und Heft 3d/ Düsseeldorf 1966.

Weblinks

 Commons: Oberkassel (Bonn) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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