Oberland am Rennsteig

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Oberland am Rennsteig
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Oberland am Rennsteig hervorgehoben
50.4511.199722222222580
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Sonneberg
Höhe: 580 m ü. NN
Fläche: 39,42 km²
Einwohner:

2.358 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 60 Einwohner je km²
Postleitzahl: 96523
Vorwahlen: 03675 für Hüttengrund und Blechhammer (PLZ 96515), 036703 für Spechtsbrunn (PLZ 98743), 036762 für alle übrigen Ortsteile (PLZ 96523)
Kfz-Kennzeichen: SON
Gemeindeschlüssel: 16 0 72 022
Gemeindegliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Schulplatz 2
96523 Oberland am Rennsteig
Webpräsenz: www.oberland-am-rennsteig.com (Tourismusverein Oberland am Rennsteig)
Bürgermeister: Wolfgang Wiegand (CDU)
Lage der Gemeinde Oberland am Rennsteig im Landkreis Sonneberg
Bachfeld Effelder-Rauenstein Föritz Goldisthal Judenbach Lauscha Mengersgereuth-Hämmern Neuhaus am Rennweg Neuhaus-Schierschnitz Oberland am Rennsteig Schalkau Scheibe-Alsbach Siegmundsburg Sonneberg Steinach (Thüringen) Steinheid ThüringenKarte
Über dieses Bild

Oberland am Rennsteig ist eine Gemeinde in Thüringen im Landkreis Sonneberg.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Die Gemeinde Oberland am Rennsteig liegt im Thüringer Schiefergebirge und berührt im Norden den Rennsteig. Die Gemeinde ist nicht in sich geschlossen, sie hat eine Ausdehnung von 13 km und besteht aus mehreren, früher selbstständigen Gemeinden bzw. Orten. Die Gebirgstäler entstanden im Bereich eines Streifens geomorphologisch wenig widerstandsfähiger Gesteine aus dem Silur und Devon. Während in Hüttengrund geologisch die Grauwacke ansteht, finden sich in Haselbach, Hasenthal und Spechtsbrunn die Schichten des Tonschiefers. Der Schiefer eignete sich aufgrund seiner speziellen Struktur vorrangig zur Herstellung von Griffeln. Eiszeitliche Einschlüsse oder Fossilien, die im Sedimentgestein abgelagert wurden, sind nachweisbar. Die Orte liegen alle auf der Luvseite des Thüringer Waldes. Hohe Niederschlagswerte werden durch Stauung der Luftmassen in den engen Tälern bedingt. Die Kerbsohlentäler sind geprägt durch große Fichtenbestände und üppige Buchenwälder, die sich bis an die Ortschaften erhalten konnten. Auf den kargen Bergwiesen, die heute meist nur für private Zwecke genutzt werden, wachsen teilweise geschützte Pflanzen. Auf den Höhen des Rennsteiges bei Spechtsbrunn wurden die Waldbestände zugunsten einer bescheidenen landwirtschaftlichen Nutzung der Flächen zurückgedrängt. Heute sind die Bergwiesen recht ertragreiche Weideflächen.

Nachbargemeinden

Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Piesau - Gräfenthal - Tettau - Judenbach - Sonneberg - Steinach - Lauscha.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen:

  • Blechhammer (im Steinachtal)
  • Hüttengrund (im Steinachtal)
  • Eschenthal (im Ölsetal)
  • Friedrichsthal (im Ölsetal)
  • Georgshütte (im Ölsetal)
  • Haselbach mit Hohenofen, Sitz der Gemeindeverwaltung
  • Vorwerk
  • Schneidemühle (im Ölsetal)
  • Hasenthal (im Ölsetal)
  • Spechtsbrunn (am Rennsteig)

Geschichte

Die Gemeinde besteht seit dem 1. Januar 1997, mit dem Zusammenschluss der seit 1994 bestehenden Gemeinde Engnitzthal und der Gemeinde Haselbach.[2]

Haselbach

Haselbacher Wappen
Haselbacher Dorfkapelle, zirka 1940, im Hintergrund Dorfkino und Gaststätte
Thüringer Waldziege, im Dialekt: Hebbele

Der Ort wurde nach dem kleinen Gewässer gleichen Namens benannt. Lange vor der Besiedlung mögen Forstleute, Waldarbeiter und Köhler diesen Wasserlauf als „Bach bei den Haselsträuchern“ bezeichnet haben.

Haselbach ist eine vergleichsweise junge Siedlung. Die Gründungsurkunde datiert auf das Jahr 1682. Im 18. Jahrhundert entstand das eigentliche Dorf. Die Bewohner lebten in ärmlichen Verhältnissen von Landwirtschaft und Holzarbeit. Auch die Nähe des Baumannschen Hochofens verschaffte Lohn und Brot. Die Messerfabrik der Gebrüder Bock entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Feine und teure Produkte gingen in den Handel. Über 100 Jahre später wurde in dieser Fabrik ein Durchmachkaliber für Griffel erfunden, die in der heimischen Griffelindustrie reißenden Absatz fand. Mit dem Niedergang der Eisenindustrie kam die Griffelherstellung, bedingt durch die nahe gelegenen Schieferbrüche des Griffelschiefer nach Haselbach. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts stellten die Dorfbewohner auch Spielwaren her. Das erste Schulgebäude entstand 1865, wurde aber bereits 1877 an einen Christian Langhammer verkauft, der darin eine Bierwirtschaft einrichtete. Dagegen kaufte die Gemeinde das Bocksche Wirtshaus auf und errichtete dort zwei Unterrichtssäle.

Im Jahre 1896 gründete Joseph Schuller im Rögitzgrund eine Rohrglashütte. Sie stellte erst Glasrohre, Glasmärbel und Verpackungsgläser, später Glasfaser und –gewebe her und war über viele Jahrzehnte die Grundlage des Haselbacher Erwerbslebens. Heute finden wir dort die moderne Firma Vitrulan.

Während es Zweiten Weltkrieges mussten 41 Frauen und Männer aus Russland, der Ukraine und Polen bei der Glasfabrik Wernerhütte Zwangsarbeit verrichten. An der ehemaligen Schule in Haselbach erinnerte eine Gedenktafel an die Opfer des Todesmarsches der Sonneberger KZ-Häftlinge.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand Uranbergbau statt, davon zeugt noch am Waldrand eine Halde der Wismut.

Durch die Abgase der Industriebetriebe gab es in den Wäldern Rauchschäden. Es wurde versucht dem durch Pflanzen von anderen Bäumen, wie Roteiche, Lärche und der rauchhärteren Omorikafichte entgegenzuwirken. Die landwirtschaftliche Nutzung bestand hauptsächlich in der Nutzung der Gebirgswiesen als Grün- und Weideland. Auch heute finden sich auf den Wiesen Weidetiere. Beliebt sind die zotteligen Hochlandrinder, die sich gut mit den klimatischen Verhältnissen hier abfinden.

Haselbach lag während der Teilung Deutschlands zeitweise im Grenzgebiet der DDR und konnte nur mit besonderen Ausweisen betreten werden. Nachdem es 1972 aus der Sperrzone ausgegliedert wurde, blieb ein Teil des Waldes innerhalb der Sperrzone, u.a. war das beliebte Fohlenhaus auf dem Großen Först nicht mehr frei zugänglich. Heute findet jährlich am Pfingstsonntag das schon traditionelle Fohlenhausfest statt.

Haselbach hatte bis zum Beginn der 1970er Jahre ein eigenes Kino, das später als Sporthalle genutzt wurde. Eine eigene Dorfblaskapelle spielte Ständchen. Jährlich fand die Haselbacher Kärwa statt. Die Mitglieder des TSV 1921 versuchen seit wenigen Jahren die alte Tradition wieder zu beleben. Bis kurz nach der Wiedervereinigung hatte Haselbach eine achtklassige Schule mit zwei Schulgebäuden. Die Schüler der höheren Klassen besuchten großenteils die Schule in Steinach. Auch ein Kinderferienlager mit Schwimmbad bei der ehemaligen Großhütte Pechgraben war bei den einheimischen Kindern beliebt.

Heute ist Haselbach ein moderner Ort, der größte der Gemeinde. Ein Einkaufsmarkt, ein Kindergarten, die Feuerwehr und die Gemeindeverwaltung sind hier zu finden. Die heutige Wirtschaftsstruktur ist vor allem durch die Glasherstellung beeinflusst. Hierbei ist vor allem die industrielle Glasherstellung aber auch die Herstellung von Christbaumschmuck in mittelständischen Unternehmen und in Familienbetrieben zu nennen. Kunstvolle Glasplastiken aus Haselbach sind ebenso begehrt.

Mehrere Handwerksbetriebe, sowie die Gastronomie, die Dienstleistung und der Handel konnten sich in Haselbach profilieren.

Hohenofen

Hohenofen liegt unmittelbar nördlich von Haselbach. Der Ort gehörte zum Landkreis Saalfeld und wurde 1922 nach Haselbach (Landkreis Sonneberg) eingemeindet und kam dann mit Haselbach am 1. Januar 1997 zu der neuen Gemeinde „Oberland am Rennsteig“. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts errichteten die Erben des Hammerwerksbesitzers Baumann in Friedrichsthal am Ausgang des Giftigsgrundes einen Hochofen für ihre Werke. Analog dazu entstand die kleine Gemeinde Hohenofen. Hohenofen gehörte wie Vorwerk zum Amt Gräfenthal. Der Rögitzfluss im Giftggrund bildete damals die natürliche Grenze. Hohenofen besaß ein eigenes Schulgebäude, dass heute, gut erhalten, einer etablierten Glasbläserfamilie gehört. An das Schulgebäude schloss sich zu DDR-Zeiten eine Rollerstrecke an. Viele Mädchen und Jungen trainierten Sommers und Winters Langlauf. Einigen gelang es, an die Sportschulen Thüringens zu kommen.

Am 17. März 1827 erteilte Herzog Bernhard von Sachsen-Meiningen an den Landrat Müller die Genehmigung zum Bau einer Tafelglashütte auf dem Gelände des ehemaligen Baumannschen Hochofens, die zu Ehren der Herzogin und Landesmutter „ Marienthal“ genannt wurde. In dieser Glashütte wurde ein besonders gutes und gesuchtes Tafelglas produziert. 1849 bestand Marienthal aus 2 Wohnhäusern und einem sogenannten Werkhaus. Es beherbergte 46 Einwohner, meistens böhmische Tafelglasmacher. Viele Einwohner von Hohenofen lebten im 19. Jahrhundert von der Griffelmacherei. Heute ist von der Marienglashütte nur noch das "Herrenhaus" erhalten. Es beherbergt einen Gottesdienstraum, der von der Gemeinde in den Wintermonaten genutzt wird. Auf dem Gelände der Hütte entstand eine Parkanlage mit Spiel- und Parkplatz. Jährlich findet am ersten Augustwochenende die Hohenofener Kerwa statt. An den Vorbereitungen sind fast alle Einwohner von Hohenofen beteiligt.

Vorwerk

Vorwerk, auf der Höhe zwischen Haselbach und Hasenthal gelegen, wurde schon 1560 als „der Herren Vorbergk“ erwähnt. Es gehörte früher zu Hasenthal. Vorwerk lag auf dem Gebiet des Amtes Gräfenthal und war eine eigenständige Gemeinde. Im Jahre 1922 wurde der Ort nach Haselbach eingemeindet. Ein landwirtschaftliches Unternehmen und Handwerksbetriebe sind heute dort ansässig.

Hüttengrund

Am 16. August 1604 erhält Thomas Paul vom Herzog Casimir zu Coburg das Recht auf Erbauung eines zweiten Hammers unterhalb und eines dritten Hammers oberhalb des Ölsetümpfels, die als Nebenbetrieb des Hüttenwerkes Hüttensteinach angelegt wurden. Aus diesen Hämmern wurden später Blechhämmer, wodurch Blechhammer seinen Namen erhielt. Ursprünglich bildete der Hüttengrund, der von der Heymannsmühle bis zur Bollersmühle, dem Zusammenfluss von Rögitz und Ölse, reichte, eine politische Gemeinde, die 1848 in Hüttensteinach und Hüttengrund (heute zu Sonneberg gehörig) aufgeteilt wurde.

Bei Beginn der Zeit des Nationalsozialismus wurden politische Gegner verfolgt, so der KPD-Zeitungsverantwortliche Karl Müller, der im KZ Nohra interniert wurde. Während des Zweiten Weltkrieges mussten 54 Frauen und Männer aus Russland, der Ukraine und Frankreich bei der Firma Peters & Rauschert Zwangsarbeit verrichten.[3]

Seit dem Jahre 1961 wird im heutigen Hartsteinwerk Hüttengrund Grauwacke abgebaut. Die Aufbereitung des Gesteins zu Packlager, Schotter, Split etc. erfolgt in modernen Anlagen. Die Eisenbahnlinie Sonneberg- Neuhaus/ Rwg. war dafür eine wichtige Grundlage.

Blechhammer

Wappen Hüttengrund, Blechhammer.JPG

Blechhammer, das zum ersten Mal im Jahr 1604 erwähnt wird, liegt an der Straße zwischen Haselbach und Sonneberg im Steinachtal. Blechhammer ist eigentlich ein Ortsteil von Hüttengrund. Es liegt an der Mündung der Engnitz in die Steinach. Diese politische Gemeinde wurde 1848 gegründet. Davor wurde unter dem Hüttengrund das Tal der Steinach von der Dorstenbrücke hinter Köppelsdorf bis zur Einmündung der Engnitz und weiter das Ölsetal bis nach Friedrichsthal verstanden. Blechhammer wurde charakterisiert durch 3 Hammerwerk. Ursprünglich gab es dort einen Oberhammer und etwa 300 m entfernt einen Unterhammer, beide arbeiteten als Blechhämmer, was schließlich dem Ort gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Namen gab. Allerdings stellten beide Hämmer den Betrieb bereits vorher in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein, der Oberhammer 1840 und der Unterhammer 1860. Beide Anlagen wurden als Sägewerke für Holz fortgeführt. Etwa 300 m unterhalb vom Unterhammer wurde von 1836 bis 1840 unter der technischen Leitung von Joseph Chillingworth, der aus Redditch stammte, ein Eisenwalzwerk, die Bernhardshütte, errichtet, die eine theoretische Kapazität von 120.000 Zentnern Eisen im Jahr hatte, allerdings wegen begrenzter Ressourcen an Eisenerz nur etwa bis 20.000 Zentner herstellen konnte. Es sollte ein Musterwerk für ganz Mitteldeutschland werden. Das Roheisen kam aus der Heinrichshütte Wurzbach, dem Hochofen Georgshütte und den Obersteinacher Eisenhüttenwerken. Die Steinkohle kam aus dem Stockheimer Revier. Das Werk wurde zum größten Industrieunternehmen im damaligen Sonneberger Land. Später stellte die Bernhardshütte zunächst Glas und später Sanitärporzellan her.

Im Jahr 1929 wird bei Bauarbeiten die Riesenhammerwelle aus eigener Produktion aus dem Jahre 1840 gefunden. Sie ist heute als technisches Denkmal zu besichtigen.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 164 Frauen und Männer aus Russland, der Ukraine, Polen und Frankreich Zwangsarbeit verrichten: in der Porzellanfabrik Bernhardshütte und bei der Firma Emil Stauch. An einem Nebengebäude des Wohnhauses Steinacher Straße 33 erinnert eine Gedenktafel an die Opfer des Todesmarsches der KZ-Häftlinge von Sonneberg.

In der DDR-Zeit gab es in Blechhammer einen Betriebsteil des VEB Stern-Radio Sonneberg.

Der Deutsche Alpenverein legt im Jahr 1995 den Klettergarten bei Blechhammer an.

Blechhammer ist heute durch die Südthüringen-Bahn mit der Region verbunden. Ein Baumarkt, Handwerksbetriebe, Gastronomie und Privatquartiere prägen das kürzlich durch den Straßenbau völlig neu entstandene Ortsbild. Am dritten Septembersonntag lädt der traditionelle Steinachtallauf alle Sportfreunde in den kleinen Ort.

Georgshütte

Georgshütte erhielt 1860 vom damaligen Erbprinzen und späteren Herzog Georg II. von Sachsen- Meiningen seinen Ortsnamen.

Der Hochofen in Georgshütte wurde 1741 errichtet, der lange Zeit zu den Baumännischen Hammerwerken in Friedrichsthal gehörte. Die Blütezeit des Eisenwalzwerkes Bernhardshütte war auch für den Blauofen in Georgshütte von großer Bedeutung, denn er belieferte die Bernhardshütte mit Roheisen und wurde kurz nach deren Schließung ebenfalls stillgelegt. Auf dem Gelände entstand später das Sägewerk Georgshütte, dass mittlerweile abgebrochen wurde. Ein Kleinmöbelhersteller konnte sich in der Ortsmitte bis zum Tode des Besitzers bis ca. 1994 recht erfolgreich entwickeln. Lagerräume entstanden auf dem Betriebsgelände. Ein Großbrand Ende 2010 brachte auch diesen Gewerbezweig zum Erliegen.

Das Tal von Georgshütte bis Friedrichsthal nannte man früher das „ Tal der alten Leute“, das Lebensalter in diesem Gebiet war überdurchschnittlich hoch.

Friedrichsthal

Der Ortsname Friedrichsthal entstand zu Ehren des Herzogs Friedrich Wilhelm von Sachsen-Altenburg. Die Erbauer des Hammerwerkes erhielten 1661 die entsprechende Konzession, das Hammerwerk zu errichten. Auf beiden Seiten der Ölse und am Fuße des Hammer- und Zinnberges entstanden Häuserzeilen. Einst war die Ölse Grenzfluss. Der eine Teil von Friedrichsthal gehörte zum Verwaltungsamt Sonneberg, der andere nach Gräfenthal. Später teilte der Fluss die Landkreise Sonneberg und Saalfeld.

Die Familie Baumann hatte den Hammer lange Zeit in ihrem Besitz. 1808 ließ Gottlieb Mylius, dessen Vater mit der Baumannschen Tochter Juliane Friederike verheiratet war, Kupfermünzen zu 2 und 24 Kreuzer prägen, die als vollwertiges Geld bis zur Einführung der Reichswährung (1873) in vielen Orten der Umgebung kursierten. 1837 ging das Hammerwerk ein. Der in Friedrichtsthal geborene Enkelsohn, Heinrich Mylius, machte sich einen Namen als bürgerlicher Demokrat, Mundartdichter und Erfinder des Tretkurbelfahrrades. Eine Schneidemühle in Friedrichsthal wurde bis zur Einführung der so genannten Sperrzone betrieben. Auf deren Gelände entstand zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein Zuchtbetrieb für Hochlandrinder.

Eschenthal

Wappen Eschenthal.jpg

Eschenthal war eine Häusergruppe und lag im obersten Teil vom Hüttengrund. In der Nähe, ebenfalls im obersten Teil vom Hüttengrund, befand sich das 1661 errichtete Eisenwerk Friedrichsthal. Die Eisenwerker aus Georgshütte siedelten sich in Eschenthal an. Der Ort liegt am Fuße des Eschenberges und an der Mündung des verlorenen Wassers, welches früher zum Flößen von Holz diente. Im Jahre 1901 schlossen sich Friedrichsthal, Eschenthal, Georgshütte und die Obere Bollersmühle zur Gemeinde Eschenthal zusammen. Eine einklassige Schule wurde errichtet, die bis 1958 bestand.

Auf dem „ Großen Först“ zwischen Haselbach und Eschenthal wurde vor mehr als 250 Jahren das Fohlenhaus errichtet. Es diente als Unterkunft für die Hirten, die das herrschaftliche Vieh zu hüten hatten. An dieser Stelle hatte 1526 bis 1531 der berüchtigte Raubritter Hans Thomas von Absberg mit seinem Gefolge ein geeignetes Versteck gefunden. Geeignet deshalb, weil er auf der nur wenige Kilometer entfernten Heer- und Handelsstraße als Rache für die Wegnahme seiner väterlichen Burg Kaufmannszüge überfallen konnte. Er war auch als Handabschneider bekannt, da er jeweils einem gefangenen Kaufmann die Hand abschnitt und diesen unter Erpressung von Lösegeld in die Handelsstätte zurückschickte.

Auf dem Friedhof Eschenthal erinnert ein Gedenkstein an zwei KZ-Häftlinge von einem Todesmarsch des KZ-Außenkommandos Sonneberg, die im April 1945 von SS-Männern im Steinbruch erschossen wurden. An der Ortsstraße wurde ein Ehrenhain mit einer Gedenktafel an die Opfer des Todesmarsches der KZ-Häftlinge von Sonneberg errichtet.

Hasenthal

Wappen Hasenthal.jpg

Die Besiedlung Hasenthals begann mit großer Sicherheit um das Jahr 1400. Die Reichserbsmarschälle von Pappenheim erwarben die Hasenthaler Wälder nach 1440. Die ersten Siedler waren Köhler, deren Holzkohle aus Buchenholz zur Gewinnung von Roheisen und Kupfer mehr und mehr gefragt war. Der Ortsname Hasenthal soll nach einem ehemaligen Hochofenbesitzer Hase entstanden sein. Diese Deutung lässt sich urkundlich nicht nachweisen. Die urkundliche Ersterwähnung existiert seit dem 29. August 1488 im Staatsarchiv Weimar. 1488 belehnt Sebastian von Pappenheim den Leipziger Bürger Hans von Leimbach mit den Hasenthaler Gütern, dazu zählt auch die Saigerhütte.

Die Hasenthaler Saigerhütte war die höchstgelegene thüringische Hütte und zugleich auch die kleinste. Versaigert wurde in Hasenthal vor allem Schwarzkupfer aus Schlema, Ilmenau und Saalfeld und nur in geringem Maße Kupfer aus dem Mansfeld. Das erzgebirgische Kupfer konnte in Hasenthal versaigert werden, weil Hans von Leimbach seit 1487 das Amt eines kurfürstlichen Zehntners in Schneeberg ausübte. Hans von Leimbach widmete sich jedoch bald schon anderen Handelstätigkeiten zu und schenkte der Hasenthaler Saigerhütte keine große Aufmerksamkeit. Nach dem Tode Leimbachs blieben die erzgebirgischen Lieferungen aus, das Ilmenauer Bergwerk geriet in Schulden. Bereits im Jahre 1514 ist die Hasenthaler Saigerhütte wieder stillgelegt. Sie war unrentabel geworden. Dazu beigetragen haben sicherlich auch die klimatischen Bedingungen in Hasenthal. Von Oktober bis April herrschte damals der Winter. Die Transporte waren äußerst schwierig, es fehlte das notwendige Wasser.

Bis weit ins 16. Jahrhundert wurde in Hasenthal Eisenverhüttung betrieben.

Weitere Erwerbsquellen waren die Herstellung von Holzkohle, die Gewinnung von Harz zur Herstellung von Pech, die Förderung von Eisensteinen und eine geringe Landwirtschaft.

Eine genaue Darstellung über unseren Heimatort finden wir in der „Beschreibung des Herzoglich Sachsen-Saalfeldischen Amtes Gräfenthal, Anno 1790“ des damaligen Coburg-Saalfeldischen Rates und Amtmannes Joharm Gottfried Göbel:

Das Amtsdorf Hasenthal stößt an keine andere Dorfflur an, sondern ist rings-um von herrschaftlichen Waldungen umgeben. Es ist im Osten vom Spechtstein, im Süden vom Hofberg, im Westen vom Limberg und im Norden von den Oelsethälern umschlossen. Das Dorf besteht aus 121/2 Bauerngütern. 12 Klein-häuslern, 20 ledigen Wiesen und 20 ledigen Aeckern. Es hat 16 Güter-Besitzer, 12 Kleinhäusler und 3 Mietbewohner. Die Einwohnerzahl beträgt 166 Seelen, nämlich 34 Ehepaare, 3 Witwer. 7 Witwen, 19 Burschen und 11 Mädchen über 14 Jahren, 27 Kinder männlichen und 31 weiblichen Geschlechts.

Durch die Erschließung des ersten Griffelbruches im Jahr 1812 kam es zu einer raschen Entwicklung Hasenthals.

Heute ist der Ort vor allem durch die Kunststoffindustrie geprägt. Wir finden Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe, Cafès in Schneidemühle und Hasenthal Land, einen Kindergarten und die Staatliche Grundschule. An der Staatlichen Grundschule in Hasenthal erinnert eine Gedenktafel an die Opfer des Todesmarsches der KZ-Häftlinge von Sonneberg.

Sehenswert ist das Bauernhaus aus dem Jahre 1783.

Heute wird Hasenthal geprägt durch zwei kunststoffverarbeitende Betriebe und einige Handwerksbetriebe. Mitte August stellt der Kirmes- und Trachtenverein das Dorf auf den Kopf. Seit über zehn Jahren wird eine traditionelle Plankermes gefeiert.

Spechtsbrunn

Wappen Spechtsbrunn.jpg

Spechtsbrunn entstand bereits um 1300. Der Ortsname ist nicht auf einen Specht, sondern auf eine sumpfige, morastige Stelle (Specke), die mit Reisigbündeln und einem Knüppeldamm passierbar gemacht wurde, zurückzuführen.

Spechtsbrunn ist einer der ältesten Orte in der Rennsteigregion. Die urkundliche Ersterwähnung stammt aus dem Jahre 1414 mit dem Erwerb der Gräfenthaler Wälder durch die Grafen von Orlamünde. 1438 werden die Reichserbmarschälle von Pappenheim mit der Adelsherrschaft Gräfenthal belehnt.

Der Ort liegt an der Alten Heer- und Handelsstraße zwischen Nürnberg und Leipzig. Die Einwohner hatten im Mittelalter besondere Rechte, aber auch die Pflicht, für einen „reibungslosen Verkehr“ auf der Straße zu sorgen. Sie hatten das Privileg, Strauchdiebe ohne Gerichtsurteil zu hängen oder ihnen Asyl zu gewähren. Kriegsdienst musste nur insoweit geleistet werden, als dass die Männer abends wieder zuhause sein konnten. Dafür hatten sie für Ordnung auf der Handelsstraße zu sorgen und Vorspanndienste zu leisten. Das erklärt auch die hohe Zahl an Ochsen, die stets in Spechtsbrunn gehalten wurden. Die Heer- und Handelsstraße von Nürnberg nach Leipzig prägte den Ort über viele Jahrhunderte.

1525 führt Sebastian von Pappenheim die Reformation in der Herrschaft Gräfenthal ein. Somit gehört Spechtsbrunn zu den ersten evangelisch-lutherischen Orten Deutschlands.

Im 19. Jahrhundert waren die Spechtsbrunner ziemlich bemittelt. Sie verdienten ihren Lebensunterhalt mit Viehzucht und Viehhandel, als Fuhrleute oder als Griffelmacher.

Der Bergbau in der Umgebung bestand aus der Gewinnung von Griffelschiefer und der Herstellung von Schiefergriffeln im Hausgewerbe und später industriemäßig in einer modernen Großhütte auf der Grube „Brand“ (bis 1930). Die Thüringisch-Fränkische Schieferstraße führt von Steinach, Haselbach und Hasenthal kommend auch durch Spechtsbrunn.

Im Jahre 1912 wurde eine Porzellanfabrik gegründet, die bis 1990 existierte. Heute hat Spechtsbrunn das größte Gewerbegebiet in Oberland am Rennsteig. Mehrere Industriezweige konnten sich hier ansiedeln.

Sonnenskiloipe auf der Brandwiese bei Spechtsbrunn

Wichtig für Spechtsbrunn ist der Tourismus. Mehrere Gaststätten und Pensionen, sowie Privatquartiere sind zu finden. Der Gast erlebt Spechtsbrunn als Rennsteigwanderer, Rennsteigradwanderer oder im Winter auf dem ausgedehnten Skiwanderwegenetz. Die Naturparkroute Thüringer Wald, eine 430 km lange Touristenstraße quer durch den Freistaat, führt den Gast zu einigen Routenangeboten. Im Winter ist die Region ein Wintermärchen mit Sonne, Schnee und vielen Angeboten.

Altar der Matthäuskirche zu Spechtsbrunn

Sehenswert ist die Dorfkirche (1746/1747) mit reicher Bemalung (Thüringer Bauernbarock) und wertvoller Orgel des Herstellers Sauer (Frankfurt/Oder). Herzog Georg II. nannte die Spechtsbrunner Kirche die schönste Dorfkirche seines Sachsen-Meininger Landes. Am 21.September 2008 wurde die Kirche nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten neu geweiht. Sie erhielt den Namen Matthäuskirche.

Auch ein Besuch des Naturparkinformationszentrums auf der „Kalten Küche“ lohnt sich. Hier kreuzen sich der Rennsteig und die Alte Heer- und Handelsstraße unmittelbar an der Grenze zwischen dem Freistaat Thüringen und dem Freistaat Bayern. Der ehemalige Grenzstreifen, das "Grüne Band", wurde touristisch ausgebaut und kann hier noch hautnah erlebt werden.

Spechtsbrunn ist Station des Pilgerweges "Via Porta" vom katholischen Kloster Waldsassen in Bayern zur evangelischen Bruderschaft im Kloster Volkenroda in Thüringen.

Der Name „Kalte Küche“ entstand aus den Begriffen „Calde“ (Grenze) und „Kuchel“ (Kapelle) - also „Kapelle an der Grenze“. Bis zur Reformationszeit stand hier eine Wegekapelle, welche von einem Einsiedlermönch betreut wurde. Heute bietet das Naturparkinformationszentrum hier ein Schaufenster zur Region.

Mit der Errichtung eines Mahnmals an der Schildwiese, direkt auf der Landesgrenze, möchte der 2009 stattgefundene Rennsteigkirchentag sein Motto "Grenzenlos glauben" weiter tragen.

Das Rennsteigfest am letzten Aprilwochenende möchte immer wieder an die Neueröffnung des Rennsteiges am 28. April 1990 erinnern, der fast vier Jahrzehnte durch die Teilung Deutschlands nicht mehr durchgängig passierbar war.

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat Oberland am Rennsteig besteht aus 14 Mitgliedern.

  • CDU 7 Sitze
  • Freie Wähler/SPD 2 Sitze
  • Die Linke 3 Sitze
  • Feuerwehrverein Haselbach 2 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kulinarische Spezialitäten

  • Thüringer Klöße (Grüne Klöße)
  • Grieß- und Stärkeklöße (aus gekochten Kartoffeln, mit Grieß und Kartoffelstärke)
  • Kaninchenbraten (Hosenküh) - fast jeder Haushalt hielt Kaninchen
  • Thüringer Rostbratwürste
  • Thüringer Rostbrätl
  • Sauerkraut, welches mit geriebenen rohen Kartoffeln angedickt wird
  • Verschiedenartige „Brüh“ und „Zamet“. „Brüh“ ist eine Art Suppe, die aus Fleischbrühe und Waldpilzen oder Gemüse (aber ohne Kartoffeln) zubereitet wird und mit Zamet serviert wird, zum Beispiel Schwammebrüh = Pilzsuppe aus Waldpilzen, Porrees-Brüh (Porreesuppe), Bannebrüh (eine Art Bohnensuppe). „Zamet“ ist eine spezielle Art Kartoffelbrei, der aus Kartoffeln, Kartoffelstärke und Milch zubereitet wird
  • Öwaschicharuhm un Mahlpflöck (Kohlrabisuppe mit Mehlklößen)
  • Schnibbl-Supp (eine Gemüsesuppe aus geschnippeltem frischen Gemüse)
  • Spint (eine Art Schlachteplatte aus Kesselfleisch, Wellfleisch, Schnitzfleisch)
  • Flache runde Pfannkuchen (Pfaakuchn) mit dickem Rand ohne Füllung
  • Hirschhornkuchen (ein flacher Kuchen mit Hirschhornsalz gebacken, mit Schokoladenüberzug)

Wirtschaft und Infrastruktur

In der Gemeinde Oberland am Rennsteig konnten sich mehrere Unternehmen im mittelständischen und im handwerklichen Bereich ansiedeln. Das Produktionsprofil umfasst die glas- und kunststoffverarbeitende Industrie, die Verpackungsindustrie, sowie den Maschinenbau. Das größte Gewerbegebiet befindet sich in Spechtsbrunn. Mit dem Hartsteinwerk Hüttengrund und seiner Produktion von Baustoffen und Zuschlagstoffen aus der Grauwacke hat die Gemeinde Oberland am Rennsteig einen hochleistungsfähigen Betrieb in dieser Branche. Zu einer guten Infrastruktur gehören außerdem die Staatliche Grundschule Hasenthal, ein Kindergarten des Diakoniewerkes Sonneberg und Hildburghausen/Eisfeld, zwei Kindergärten der AWO, drei Ortsfeuerwehren, zwei Jugendclubs, und mehrere Versorgungseinrichtungen für Waren des täglichen Bedarfs. Handwerksbetriebe verschiedener Branchen werden von den Bürgern gern in Anspruch genommen. Dank einer regen Vereinstätigkeit von insgesamt 17 eingetragenen Vereinen und weiteren Interessengruppen, insbesondere im Seniorenbereich, wird das kulturelle, sportliche und gesellige Leben in Oberland am Rennsteig gepflegt. In der Gemeinde Oberland am Rennsteig hat der Tourismus einen gebührenden Stellenwert. In den Orten Hüttengrund, Blechhammer, Haselbach und Spechtsbrunn gibt es Ferienwohnungen, Ferienhäuser, private Gästezimmer, Gasthäuser mit Pensionen und ein Feriendorf mit Finnhütten.

Verkehr

Landstraßen erster und zweiter Ordnung verbinden die Orte untereinander und führen nach Steinach, Sonneberg, Piesau und Lichte, Kleintettau und Tettau und nach Gräfenthal. Die Südthüringenbahn zwischen Sonneberg und Neuhaus/Rennweg schließt auch die Orte Blechhammer und Hüttengrund mit Haltepunkten ein.

Sonstiges

In Haselbach, Blechhammer und Hüttengrund wird die itzgründische Mundart gesprochen, in Hasenthal und Spechtsbrunn ist der Thüringer Dialekt zu Hause.

Feuersalamander und Molche waren in den 1960er Jahren noch häufig und kommen jetzt selten vor.

Auf den Gebirgswiesen, die vielfach als Fauna-Flora-Habitat ausgewiesen wurden, wachsen seltene Pflanzenarten. Der ehemalige Grenzstreifen birgt auch Jahrzehnte nach der Wende etliche geschützte Pflanzen und Tiere. Das Naturparkinformationszentrum bietet eine Rucksackschule "Vom Todesstreifen zum Lebensraum" und eine Audioroute im Grünen Band des ehemaligen Grenzstreifens an.

Literatur

  • Zwischen Rennsteig und Sonneberg, AKADEMIE-VERLAG Berlin, 1983, Reihe Werte unserer Heimat, Heimatkundliche Bestandsaufnahme in der Deutschen Demokratischen Republik, Band 39, Lizenznummer 202 200/153/83, ohne ISBN
  • Der Landkreis Sonneberg, Historisches in Wort und Bild, Wolfgang Wiegand, Hanns Arthur Schönau, Geiger-Verlag, Horb am Neckar, 1.Auflage, 1991, ISBN 3-89264-635-X

Quellen

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung nach Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften (Hilfe dazu)
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997
  3. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 286, ISBN 3-88864-343-0

Weblinks

 Commons: Oberland am Rennsteig – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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