Oberlausitz

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Oberlausitz
Historische Karte der Oberlausitz

Die Oberlausitz (Oberlausitzer Mundart√Ąberlausitz, obersorbisch Hornja ŇĀuŇĺica, niedersorbisch G√≥rna ŇĀuŇĺyca, polnisch ŇĀuŇľyce G√≥rne) ist eine Region, die zum gr√∂√üten Teil zu Sachsen sowie zu kleineren Teilen zu Polen und Brandenburg geh√∂rt. In Sachsen umfasst die Oberlausitz in etwa die Landkreise G√∂rlitz und Bautzen mit einer n√∂rdlichen Grenze zwischen Hoyerswerda und Lauta und in Brandenburg den s√ľdlichen Teil des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Der seit 1945 polnische Teil der Oberlausitz zwischen den Fl√ľssen Queis im Osten und der Lausitzer Nei√üe im Westen geh√∂rt administrativ zur Woiwodschaft Niederschlesien (poln. DolnoŇõlńÖskie); nur ein kleiner Zipfel um ŇĀńôknica (Lugknitz) geh√∂rt zusammen mit dem polnischen Teil der Niederlausitz zur Woiwodschaft Lebus. Im S√ľden entspricht die Grenze der Oberlausitz der s√§chsisch-tschechischen Grenze von Steinigtwolmsdorf im Westen bis nach Zittau und √∂stlich davon der polnisch-tschechischen Grenze bis zur Tafelfichte.

Die alte Hauptstadt der Oberlausitz ist Bautzen. Gr√∂√üte Stadt der Region ist aber das zwischen Deutschland und Polen geteilte G√∂rlitz-Zgorzelec. Ihren Namen hat die Oberlausitz Ende des 15. Jahrhunderts von ihrem n√∂rdlichen Nachbarland Niederlausitz bekommen. Urspr√ľnglich wurde nur dieses Lausitz genannt, was sich vom dort lebenden slawischen Volksstamm der Lusici ableitete (vom alten sorbischen Wort Ňāug f√ľr Sumpf). Das Gebiet der jetzigen Oberlausitz trug zun√§chst den slawischen Namen Milska,- benannt nach dem Slawenstamm der Milzener. Sp√§ter, um 1410, wurde der Name Lausitz auch f√ľr das von den deutschen Eroberern so genannte Land Budissin √ľbernommen. Von da an unterschied man zwischen Ober- und Niederlausitz. In beiden Lausitzen ist das westslawische Volk der Sorben beheimatet.

Inhaltsverzeichnis

Geographie und Natur

H√ľgellandschaft bei Ringenhain in der Oberlausitz
H√ľgellandschaft bei Ringenhain in der Oberlausitz

Geomorphologisch wird die Oberlausitz durch das einheitliche Lausitzer Granitmassiv gepr√§gt; lediglich der Norden und Nordosten ist pleistoz√§n geformt. Der Norden des Landes wird von der flachen Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft eingenommen. Die UNESCO hat dieses Gebiet 1996 zum Biosph√§renreservat erkl√§rt,- insbesondere zum Schutz des Fischotters. Der mittlere Teil ist h√ľgelig, w√§hrend der S√ľden vom Lausitzer Bergland gepr√§gt ist. Die h√∂chsten Erhebungen des heute deutschen Teils der Oberlausitz befinden sich im Zittauer Gebirge,- einem Teil des Lausitzer Gebirges, welches sich jedoch gr√∂√ütenteils in Tschechien befindet. Die wichtigsten Berge der Oberlausitz sind: Lausche (793 m), Hochwald (749 m), Landeskrone (420 m), L√∂bauer Berg (448 m), Kottmar (583 m), Czorneboh (561 m), Bieleboh (499 m), Valtenberg (587 m) und M√∂nchswalder Berg (447 m). Der h√∂chste Punkt der historischen Oberlausitz liegt mit 1123 m etwa 500 m √∂stlich des Gipfels am Hang der Tafelfichte im Dreil√§ndereck Oberlausitz‚ÄďSchlesien‚ÄďB√∂hmen.

Oberlausitzer H√ľgellandschaft in Richtung Osten

Alle gr√∂√üeren Fl√ľsse der Oberlausitz flie√üen von S√ľden nach Norden. Im Westen bildete die Pulsnitz fr√ľher die Landesgrenze zu Sachsen. Die Spree nimmt ihren Ausgang ganz im S√ľden des Landes und flie√üt durch Bautzen. Die Lausitzer Nei√üe (poln. Nysa ŇĀuŇľycka) bildet heute die deutsch-polnische Grenze. Sie entspringt im b√∂hmischen Isergebirge, tritt nahe Zittau auf Oberlausitzer Gebiet, durchflie√üt G√∂rlitz und verl√§sst das Land bei Bad Muskau in Richtung Niederlausitz. Die meisten kleineren Flie√ügew√§sser sind als Wasser benannt,- oft in Kombination mit einem durchflossenen Ort. Auff√§llig sind die Skala genannten felsigen Engt√§ler einiger Flie√ügew√§sser wie dem Hoyerswerdaer Schwarzwasser oder dem L√∂bauer Wasser. Sie haben sich w√§hrend der Elsterkaltzeit in der h√ľgeligen Zone vor dem Bergland tief in den anstehenden Fels eingeschnitten.

Die Ostgrenze der alten Oberlausitz wurde vom Queis markiert, der auch an Lauban vorbeistr√∂mt und weiter n√∂rdlich auf schlesischem Gebiet in den Bober m√ľndet. Besonders das mittlere offene H√ľgel- und Gefildeland zwischen Kamenz und L√∂bau mit Bautzen im Zentrum, das Oberlausitzer Gefilde, war gut f√ľr die Landwirtschaft geeignet und ist heute noch sehr ertragreich.

Im 19. Jahrhundert wurde in der n√∂rdlichen Oberlausitz und im Osten zu beiden Seiten der Nei√üe und um Hoyerswerda herum Braunkohle gefunden. Besonders der Abbau im Tagebau hat gro√üe Teile der alten Kulturlandschaft zerst√∂rt. Derzeit wird noch im Tagebau Nochten s√ľdlich von Wei√üwasser und im polnischen Teil bei Tur√≥w Kohle gef√∂rdert. Viele der alten Braunkohletagebaue wurden seit den 1970er Jahren rekultiviert, wobei vor allem nach 1990 besonders viel Wert auf die Neugestaltung der Altindustrielandschaft gelegt wird. Die neu entstandenen und entstehenden Seen werden bereits als ‚ÄěLausitzer Seenplatte‚Äú bezeichnet (siehe auch: Lausitzer Braunkohlerevier).

Einwohner

In der Oberlausitz leben heute etwa 780.000 Menschen,- knapp 157.000 davon im polnischen Teil √∂stlich der Nei√üe. Ein Teil des Landes geh√∂rt zum Siedlungsgebiet der Sorben. Zwischen Kamenz, Bautzen und Hoyerswerda sprechen etwa 20.000 Menschen Sorbisch. Aber auch die deutsche Bev√∂lkerung vor Ort ist kulturell nicht homogen. Die kulturellen Grenzen lassen sich recht gut an den unterschiedlichen Dialektregionen ausmachen. W√§hrend im Bautzener Becken ein recht gutes Hochdeutsch gesprochen wird, spricht der S√ľden die Oberlausitzer Mundart,- einen alten fr√§nkischen Dialekt. Im Osten hingegen wird teilweise noch Schlesisch gesprochen. Die gr√∂√üte Verdichtung der Bev√∂lkerung weist die deutsch-polnische Doppelstadt G√∂rlitz-Zgorzelec auf. Hier leben zur Zeit 91.000 Einwohner, davon 33.000 im polnischen Teil.

Im deutschen Teil der Oberlausitz nimmt die Bev√∂lkerungszahl seit mehr als zehn Jahren ab. Junge Leute verlassen die Region, weil die Arbeitslosigkeit in Ostsachsen besonders hoch ist. Dies und die niedrige Geburtenrate f√ľhren zur starken √úberalterung der Bev√∂lkerung. In Ermangelung von Arbeitspl√§tzen gibt es in den Oberlausitzer Gemeinden kaum Zuzug von Ausl√§ndern.

Auch die polnische Oberlausitz ist, abgesehen von Zgorzelec, LubaŇĄ (Lauban) und Bogatynia (Reichenau), d√ľnn besiedelt. Das Gebiet geh√∂rt zu den strukturschwachen Regionen Polens. Nur das Kohlekraftwerk Tur√≥w bietet in gr√∂√üerem Umfang Industriearbeitspl√§tze.

Geschichte

Ur- und Fr√ľhgeschichte

Nach dem gegenw√§rtigen Stand der ur- und fr√ľhgeschichtlichen Forschung ist das Gebiet der Oberlausitz bereits von J√§gern der Mittelsteinzeit genutzt worden. F√ľr das Neolithikum l√§sst sich die Kultur der Stichbandkeramik nachweisen, gefolgt von der Trichterbecherkultur, der Kugelamphoren-Kultur und dann der Schnurkeramischen Kultur des Endneolithikums. Das keramische Formenspektrum der Schnurkeramik l√§sst sich auch noch in der Bronzezeit, die mit der Aunjetitzer Kultur beginnt, beobachten. Ist die Bev√∂lkerungszahl w√§hrend des Neolithikums aufgrund der Sesshaftigkeit bereits stark angestiegen, so wird durch das neue kulturpr√§gende Material Bronze ein weiterer Entwicklungsschub bef√∂rdert. Mit der mittleren Bronzezeit bildet sich im Bereich der Ober- und Niederlausitz die Lausitzer Kultur heraus. An die Lausitzer Kultur schlie√üt sich die eisenzeitliche Billendorfer Kultur an.

F√ľr die j√ľngere Bronzezeit lassen Funde einen Weg erkennen, der die Siedlungsgebiete um Bautzen und Zittau verbindet. An diesem Weg hat die befestigte H√∂hensiedlung auf dem Schafberg bei L√∂bau im 10. Jahrhundert v. Chr. eine besondere Rolle gespielt. Eine weitere bedeutende H√∂hensiedlung entstand auf dem Felsen √ľber der Spree, wo im weiteren Verlauf der Geschichte die Ortenburg als Herrschafts- und Verwaltungszentrum der Region um Bautzen errichtet wurde. Die Landnahme durch die Slawen setzte seit dem 7. Jahrhundert in den Altsiedellandschaften ein. Im Gebiet zwischen den heutigen St√§dten Kamenz und L√∂bau lie√ü sich der Stamm der Milzener nieder. Ihr Zentrum war die Burgsiedlung an der Stelle der heutigen Ortenburg in Bautzen. Auch im Nei√üetal hat es schon fr√ľh eine slawische Besiedlung gegeben. Die b√§uerliche sorbische Bev√∂lkerung errichtete zahlreiche Burgwallanlagen, die einerseits Stammesmittelpunkte und Fluchtburgen, andererseits aber bereits die Wohnsitze des slawischen Adels waren, was auf fr√ľhfeudale Entwicklungsans√§tze hindeutet.

Deutsche Ostexpansion und Ostsiedlung

Die sp√§tere Oberlausitz, auf der Karte als brandenburgischer Besitz (ca. 1253‚Äď1319) eingezeichnet
Die spätere Oberlausitz, damals Land Bautzen genannt, aus dem 1268 das Görlitzer Land abgespalten wurde

Die selbst√§ndige Entwicklung der Milzener wurde im 10. Jahrhundert durch die Ostexpansion des fr√ľhfeudalen deutschen Staates gewaltsam unterbrochen. K√∂nig Heinrich I. leitete mit seinen Kriegsz√ľgen von 921/922 und 928/929 die Periode der milit√§rischen Unterwerfung der Sorben ein. Die Milzener wurden 932 zu Tributzahlungen gezwungen. Nach 936 konnten sie infolge der nach Heinrichs Tod ausbrechenden Spannungen die Fremdherrschaft wieder absch√ľtteln. Erst 939 gelang es K√∂nig Otto I. die Milzener erneut zu besiegen. In der Folge wurde das Gebiet der Milzener trotz weiter k√§mpferischer Auseinandersetzungen Teil der Ostmark unter Markgraf Gero und nach deren Aufteilung ab 965 Teil der Mark Mei√üen. Alle wichtigen Ringwallburgen in den Grenzgebieten wurden ausgebaut und als Ausgangspunkt f√ľr weitere Eroberungen vorbereitet. An die Stelle der Milzenerburgen traten deutsche Burgwarde (1006 erstmals erw√§hnt) wie zum Beispiel die Ortenburg in Bautzen oder die Burgen in Doberschau und G√∂da. Im Jahre 1002 erw√§hnte Thietmar von Merseburg erstmals die Stadt Bautzen. Bis in die zweite H√§lfte des 10. Jahrhunderts dauerten die K√§mpfe fort. Erst um 990 konnte Markgraf Ekkehard I. von Mei√üen die Milzener endg√ľltig unterwerfen. Kirchlich war die Oberlausitz dem 968 gegr√ľndeten Bistum Mei√üen zugeordnet worden. Im Jahr 1007 erhielt das Bistum die erste Schenkung im Milzenerland, die Burgen Ostrusna (vermutlich Ostritz) und Godobi (G√∂da). F√ľr 1091 ist eine weitere Schenkung an die Mei√üner Kirche bezeugt. Kaiser Heinrich IV. √ľbereignete ihr f√ľnf weitere D√∂rfer im Gau Milsca (Milzenerland), vier davon s√ľdlich von G√∂da.

Bald wurde die deutsche Feudalherrschaft vom erstarkenden polnischen Feudalstaat bedroht, der sein Expansionsstreben nach Westen richtete. 1002 erzwang Herzog BolesŇāaw I. Chrobry (der Tapfere) vom deutschen K√∂nig Heinrich II. die Belehnung mit dem Gau Milsca. Im Frieden von Bautzen, der am 30. Januar 1018 zwischen den beiden Herrschern nach mehreren wechselhaften und erbitterten Kriegsz√ľgen geschlossen wurde, verblieben das Milzenerland und die Mark Lausitz (die heutige Niederlausitz) zun√§chst beim Herzogtum Polen, lehnsfrei. Erst 1031 kam es nach dem Sieg K√∂nig Konrads II. √ľber den polnischen K√∂nig Mieszko II. Lambert erneut unter die Herrschaft der Mei√üener Markgrafen.

1076 √ľbertrug K√∂nig Heinrich IV. das Bautzener Land Herzog Vratislav II. von B√∂hmen als Reichslehen, nachdem es wegen seiner Reichsgutpolitik mit dem s√§chsisch-th√ľringischen Regionaladel, darunter auch mit dem Mei√üener Markgrafen, Auseinandersetzungen gegeben hatte. Der Schwiegersohn des b√∂hmischen Herzogs, Graf Wiprecht I. von Groitzsch, f√ľhrte von 1084 bis 1108 die Regierung √ľber das Milzenerland selbst√§ndig von der Ortenburg aus. F√ľr das Jahr 1144 ist belegt, dass die provincia Zagost, das s√ľd√∂stlich von G√∂rlitz gelegene Gebiet um Seidenberg, Teil des Landes Budissin war. Auch in dieser Region war das Bistum Mei√üen mit Besitz ausgestattet worden. Damit hatte das sp√§ter 'Oberlausitz' genannte Land seine gr√∂√üte Ausdehnung nach Osten schon im 12. Jahrhundert erreicht, und der Queis blieb auf Dauer die Grenze zu Schlesien.

1156 ging Kaiser Friedrich I. Barbarossa ein B√ľndnis mit dem b√∂hmischen Herzog Vladislav II. ein. Daf√ľr versprach er ihm neben der K√∂nigskrone die Belehnung mit der Burg und dem Land Budissin; beides wurde zwei Jahre sp√§ter in die Tat umgesetzt. Damit begann die erste dauerhafte b√∂hmische Periode in der Geschichte der Oberlausitz, die sich f√ľr die Entwicklung des Landes als folgenreich erweisen sollte.

Im ersten Jahrhundert der b√∂hmischen Herrschaft entstanden ‚Äď abgesehen vom √§lteren Bautzen ‚Äď alle bedeutenden St√§dte der Oberlausitz, und auch alle bedeutenden kirchlichen Institutionen des Landes wurden in dieser Zeit gegr√ľndet. Bischof Bruno II. richtete zwischen 1213 und 1218 das Kollegiatstift St. Petri in Bautzen ein, das auch von K√∂nig PŇôemysl Ottokar I. und seinen Nachfolgern reich dotiert wurde; K√∂nigin Kunigunde stiftete 1234 das Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal, das 1244 der Di√∂zese Prag unterstellt wurde, und Bernhard von Kamenz gr√ľndete 1248 das zweite Zisterzienserinnenkloster St. Marienstern.

Durch Rodungen hatten seit etwa 1100 vor allem sorbische Bauern das Kulturland erweitert. In dieser Zeit entstanden neue Orte im Gebiet um Hoyerswerda. Unter den b√∂hmischen K√∂nigen intensivierte sich Mitte des 12. Jahrhunderts der Landesausbau in der Oberlausitz, der von den K√∂nigen und den Mei√üener Bisch√∂fen quasi im Wettbewerb betrieben wurde. Im Rahmen der deutschen Ostsiedlung wurden deutsche Bauern ins Land geholt; diese rodeten gro√üe Waldgebiete und legten zahlreiche neue D√∂rfer an. Nicht selten wurden auch sorbische Weiler durch deutsche Siedler erweitert. Die neu angesiedelten Bauern waren rechtlich besser gestellt als die alteingesessene slawische Bev√∂lkerung. (Die Masse der sorbischen Bauern waren H√∂rige und Leibeigene, die Fronarbeit verrichten mussten. So blieb es im Altsiedelland auch nach der deutschen Eroberung.) Weil durch Rodung die Herrschaftsgebiete der Adligen erst einen Wert bekamen, erhielten die deutschen Siedler ihre Bauerng√ľter als Erbe. Sie mussten nur geringe Zinsen an die Grundherren zahlen und wenige Dienste f√ľr sie verrichten. Auch hatten sie mehr Boden zur Verf√ľgung als die Bauern im sorbischen Altsiedelgebiet. Die neuen (meist deutschen) Dorfgemeinden konnten ihre Angelegenheiten au√üerdem relativ autonom regeln. Soweit sorbische Bauern beim Landesausbau beteiligt waren, genossen sie auch immer dieselben Rechte und Privilegien wie die deutschsprachigen Kolonisten.

Durch Einwanderung aus den westlich der Elbe gelegenen Regionen war mit der Zeit ein eigener Oberlausitzer Adel entstanden. Dieser hielt das Land f√ľr den K√∂nig oder den Markgrafen unter Kontrolle und bekam als Gegenleistung Lehen zugewiesen. Der Adel bestand nur aus solchen Lehensleuten, denn nach der Eroberung geh√∂rte das ganze Land dem K√∂nig. Freie Landherren mit Allodialbesitz, die in B√∂hmen den gr√∂√üten Teil des Adels ausmachten, gab es im Land Budissin nicht. Die Entstehung eines Ministerialadels war in der Oberlausitz unm√∂glich, da es hier zu keiner Zeit eine Hofhaltung des Landesherren und damit auch keine Dienstmannen gegeben hat. 1241 wurden die Grenzen zwischen den Besitzungen des Bistums Mei√üen und der Krone B√∂hmens in der Oberlausitzer Grenzurkunde vertraglich geregelt.

Zwischen 1253 (Tod K√∂nig Wenzels I.) und 1262 (erste bekannte askanische Urkunde) waren die Askanier in den Besitz des Landes Budissin gelangt. Weder der genaue Zeitpunkt der Erwerbung noch die Rechtsform des Besitzes ‚Äď Lehen, Heiratsgut oder Pfandherrschaft ‚Äď lassen sich mit Sicherheit feststellen. Mit der Einsetzung von Landv√∂gten als Stellvertreter des Landesherren schufen die Askanier das bedeutendste landesherrliche Amt in der Oberlausitz. Im Prinzip wurden die Befugnisse der Burggrafen und Landrichter aus der b√∂hmischen Zeit in einer Hand vereinigt und sogar noch erweitert. Der Landvogt war als Stellvertreter des Landesherrn der h√∂chste Beamte. Er entschied in Lehenssachen, stand dem obersten Gericht vor und war milit√§rischer Oberbefehlshaber. Im Gro√üen und Ganzen blieben die grundlegenden Befugnisse der Landv√∂gte bis nach dem Drei√üigj√§hrigen Krieg erhalten, wobei sich in dieser langen Zeit die Verwaltungspraxis √∂fters √§nderte (vgl. auch Landv√∂gte der Oberlausitz).

W√§hrend der Herrschaft der Askanier war die von Markgraf Otto IV. von Brandenburg 1268 vorgenommene Teilung der Oberlausitz in die L√§nder Bautzen (Budissin) und G√∂rlitz das bedeutendste Ereignis. Die nur bis 1329 reichende Selbst√§ndigkeit, die in Gestalt des Herzogtums G√∂rlitz zwischen 1377 und 1396 noch einmal auflebte, hatte dauerhaft zur Zweiteilung der adligen Landesgemeinde und der Verwaltung gef√ľhrt. Im Land G√∂rlitz wurden fortan eigene Zusammenk√ľnfte des Adels abgehalten, und dies blieb auch nach der Wiedervereinigung beider L√§nder so. G√∂rlitz gewann als Mittelpunkt des √∂stlichen Landesteils rasch an Bedeutung und entwickelte sich zur wirtschaftlich st√§rksten Stadt der gesamten Oberlausitz.

Nach dem Aussterben der brandenburgischen Askanier 1319 beanspruchten die F√ľrsten der benachbarten Territorien, darunter auch der b√∂hmische K√∂nig Johann aus dem Hause Luxemburg, die Oberlausitz f√ľr sich. Nach der den Oberlausitzer St√§nden nahe stehenden historiographischen Tradition haben diese sich ‚Äěum Schutzes willen, freywillig und ungezwungen K√∂nig Johanni Lucemburgico ergeben‚Äú, was sich aber nicht sicher nachweisen l√§sst. Jedenfalls wurde der K√∂nig von B√∂hmen 1319 von Kaiser Ludwig IV. mit dem Land Bautzen belehnt; die √∂stliche Landesh√§lfte fiel dagegen als Heiratsgut an den schlesischen Herzog Heinrich I. von Jauer, der das Land G√∂rlitz (mit Ausnahme der Gegend um Lauban) 1329 an den b√∂hmischen K√∂nig abtrat. Im selben Jahr inkorporierte Johann terra et civitas goerlic der Krone B√∂hmen. Das hei√üt, die Oberlausitz wurde staatsrechtlich eng und dauerhaft mit dem K√∂nigreich B√∂hmen verbunden, ohne dass seine innere Ordnung angetastet worden w√§re.

Der Sechsstädtebund

Altmarkt mit Rathaus und Nikolaikirche von Löbau

1346 gr√ľndeten die f√ľnf k√∂niglichen St√§dte der Oberlausitz und das damals noch b√∂hmische Zittau den Sechsst√§dtebund. Die vereinigten Kr√§fte der St√§dte sollten den Landfrieden sichern und gegen das adlige Raubrittertum vorgehen. Dies war auch im Sinne des Landesherren, Kaiser Karl IV., der die St√§dte mit zahlreichen Privilegien unterst√ľtzte. Die Sechsst√§dte konnten sich in der Folgezeit erfolgreich gegen den Adel durchsetzen. Mit ihrer wirtschaftlichen Prosperit√§t stieg auch ihr politischer Einfluss. Sie konnten durch den Ankauf zahlreicher D√∂rfer in den folgenden 200 Jahren einen bedeutenden Anteil des flachen Landes unter die direkte Herrschaft der Stadtr√§te bringen. Au√üerdem setzten sie im Rahmen der so genannten Weichbildverfassung ihre Gerichtshoheit auch √ľber gro√üe Teile der Ritterschaft und deren Besitzungen durch.

Der Berg und die Burgruine Oybin
Die Oberlausitz im 15. Jahrhundert
Die Oberlausitz, zusammen mit der Niederlausitz als Teil von Kursachsen ab 1635

Als in B√∂hmen Anfang des 15. Jahrhunderts die hussitische Revolution ausbrach, stellte sich die Oberlausitz gegen die tschechische Reformation. Im B√ľndnis mit Kaiser Sigismund und den Niederlausitzern f√ľhrte man Krieg gegen die Heere der Hussiten. Kamenz, Reichenbach, L√∂bau, Zittau und Lauban wurden von den Hussiten erobert und verw√ľstet. Nur die beiden gr√∂√üten St√§dte Bautzen und G√∂rlitz konnten der Belagerung standhalten. Durch den Krieg lockerten sich die Bindungen der Oberlausitz an die B√∂hmische Krone und aufgrund der Schw√§che des K√∂nigtums konnten die St√§nde des Markgraftums ihre inneren Angelegenheiten weitgehend ohne k√∂nigliche Eingriffe regeln. In dieser Zeit entwickelte sich der Oberlausitzer Landtag als wichtigstes Instrument st√§ndischer Freiheit.

1469 sagten sich die Oberlausitzer St√§nde vom b√∂hmischen K√∂nig Georg von Podiebrad los, weil dieser dem utraquistischen (kalixtiner) Bekenntnis anhing, das der Papst auch in seiner gem√§√üigten Form als ketzerisch verurteilt hatte. Die Oberlausitzer erkannten den Gegenk√∂nig Matthias Corvinus von Ungarn an, der alle b√∂hmischen Nebenl√§nder (M√§hren, Schlesien und die Lausitzen) unter seine Herrschaft bringen, B√∂hmen selbst aber nie erobern konnte. Bis zum Frieden von Olm√ľtz (1479) nahmen auch die Oberlausitzer an dem Krieg um die B√∂hmische Krone teil. Matthias versuchte die Verwaltung seiner L√§nder effizienter zu gestalten. In Schlesien setzte er deshalb einen Oberlandeshauptmann ein, dem auch die beiden Lausitzen unterstellt wurden. Die Oberlausitzer St√§nde sahen in dieser Ma√ünahme eine Gef√§hrdung ihrer Autonomie.

Mit dem Tod von Matthias Corvinus wurde die Oberlausitz 1490 auch real wieder ein Bestandteil des böhmischen Königreiches. Der im Land verhasste Landvogt Georg von Stein, wurde sofort nach dem Tod seines Herren von der Bautzener Ortenburg vertrieben.

Ende des 15. Jahrhunderts hatte sich das politische System des Markgraftums weitgehend gefestigt. Stellvertreter des abwesenden Landesherren war der Landvogt, welcher traditionell aus dem Adel eines der böhmischen Kronländer berufen wurde. Vor 1620 ist lediglich einmal ein Oberlausitzer Landvogt geworden. In Bautzen und Görlitz gab es noch je einen Amtshauptmann. Diese drei Beamten bildeten mit einigen Sekretären die gesamte königliche Verwaltung.

Machtzentrum des Landes war der st√§ndische Landtag. Schon seit dem 15. Jahrhundert konnten sich Pr√§laten, Adel und St√§dte ohne Einwilligung des K√∂nigs versammeln und selbstst√§ndig Beschl√ľsse fassen. Damit waren sie (neben dem K√∂nig) mehr oder weniger Gesetzgeber in der Oberlausitz. Die Macht der St√§dte hatte bewirkt, dass es nur zwei stimmberechtigte St√§nde gab:

  1. der Landstand, bestehend aus den Herren, den vier geistlichen Stiften Domstift zu Bautzen, St. Marienstern, St. Marienthal und dem Kloster der Magdalenerinnen zu Lauban sowie der Ritterschaft,
  2. die Sechsstädte.

Die St√§dte hatten weitgehende Gerichtsbefugnisse auch √ľber die Untertanen vieler Ritter und √ľber die Adligen selbst. H√∂chstes Gericht war das Gericht von Land und St√§dten, das von beiden St√§nden gemeinsam gebildet wurde. Eine dort gef√§llte Entscheidung war endg√ľltig. An die Gerichte des K√∂nigs in Prag durfte nicht appelliert werden.

Zwischen Adel und Städten gab es ständig Konflikte, die im Prinzip drei Themen betrafen:

  1. wollte der Adel die Obergerichtsbarkeit der Städte loswerden,
  2. stritten beide St√§nde √ľber die Anteile, die sie jeweils von den landesherrlichen Steuern aufzubringen hatten.
  3. wollte der Adel die Aufteilung des Landstands in Herren, Ritter und Pr√§laten mit jeweils einer separaten Stimme durchsetzen. Bis zum Jahr 1547 konnten die St√§dte in allen drei Fragen die Oberhand behalten, die b√∂hmischen K√∂nige hatten alle Vorst√∂√üe des Adels gegen die St√§dte zur√ľckgewiesen.

Herausbildung des Namens Oberlausitz

Im Unterschied zur sp√§teren Niederlausitz, dem alten Land der Lusitzi, fehlte der sp√§teren Oberlausitz, dem Land der Milzener, ein einheitlicher Landschaftsname.[1] F√ľr das Gebiet zwischen der Pulsnitz im Westen und dem Queis im Osten waren bis ins 16. Jahrhundert verschiedene Bezeichnungen gebr√§uchlich: ‚Äědas ganze Land Budissin‚Äú oder ‚Äědie L√§nder Budissin und G√∂rlitz‚Äú.

Dass die Gr√ľndung des Sechsst√§dtebundes im Jahr 1346 schon bald zu einem neuen Landesnamen f√ľhrte, hing damit zusammen, dass ihm nicht nur die k√∂niglichen St√§dte Bautzen, G√∂rlitz, Lauban, L√∂bau und Kamenz angeh√∂rten, sondern auch das bis dahin b√∂hmische Zittau, das erst infolge dieses Bundes in das Bautzener Markgraftum eingegliedert wurde.[2] In dieser Zeit setzte sich auch f√ľr das Markgraftum die Bezeichnung ‚ÄěLand der Sechsst√§dte‚Äú oder kurz ‚ÄěSechsst√§dte‚Äú durch, in der griechischen Form ‚ÄěHexapolis‚Äú oder ‚Äěterra hexapolitana‚Äú.[3]

Die Herausbildung des heutigen Landesnamens vollzog sich nicht aus einer Bekundung der St√§dte und St√§nde als Tr√§ger einer regionalen Identit√§t, sondern von au√üen. Seit dem 15. Jahrhundert wurde der Name Lusatia von der heutigen Niederlausitz immer √∂fter auf die heutige Oberlausitz ausgedehnt. Erstmals wurde der Name Lusatia in der Matrikel der 1409 gegr√ľndeten Universit√§t Leipzig f√ľr gesamte heutige Lausitz verwendet. 1474 untertitelte man erstmals in der Kanzlei des Ungarnk√∂nigs Matthias Corvinus das Sechsst√§dteland als Lusatia superior, also Oberlausitz. Erst in der Mitte des folgenden Jahrhunderts wurde nach und nach der Landesname von den Einwohnern, den regionalen Identit√§tstr√§gern, selbst gebraucht.[3]

Reformation

Der Simultandom St. Petri in Bautzen

Nur wenige Jahre nach Luthers Thesenanschlag in Wittenberg (1517) breitete sich das reformatorische Gedankengut auch in die Oberlausitz aus. In G√∂rlitz, Zittau und Bautzen wurden die ersten evangelischen Predigten 1520 beziehungsweise 1521 gehalten. Der Adel und die Stadtr√§te hatten f√ľr die neue kirchliche Bewegung allerdings wenig √ľbrig und versuchten, ihre Ausbreitung zu verhindern. Auch der K√∂nig wandte sich mit scharfen Mandaten gegen die reformatorischen Bestrebungen in den Lausitzen. In G√∂rlitz und Bautzen gaben die st√§dtischen Obrigkeiten aber bald dem Druck der Bev√∂lkerung nach und f√ľhrten die Reformation in den Jahren 1523 und 1524 offiziell ein. Die Ver√§nderungen hin zum neuen Kirchenwesen wurden aber nur in kleinen vorsichtigen Schritten vollzogen. Insbesondere das Bautzener Kollegiatstift widersetzte sich erfolgreich und blieb auf Dauer katholisch. Insgesamt dauerte es Jahrzehnte, bis sich die lutherische Lehre in den meisten Pfarreien des Landes endg√ľltig durchgesetzt hatte. Das lag daran, dass in der Oberlausitz nicht der Landesf√ľrst die Reformation einf√ľhrte, sondern alle Ortsobrigkeiten (die R√§te der St√§dte und die adligen Grundherren) f√ľr die unter ihrem Patronat stehenden Kirchen die neue Konfession anordneten und somit selbst√§ndig √ľber die Hinwendung zum Protestantismus entschieden.

Die Zeit der Habsburgerherrschaft (1526‚Äď1635)

Nach dem Tod des b√∂hmischen und ungarischen K√∂nigs Ludwig II. in der Schlacht von Moh√°cs w√§hlten die b√∂hmischen St√§nde Ferdinand I. zum K√∂nig, der damit auch Landesherr der Oberlausitz wurde. Allerdings hatten die St√§nde ihn schon vorher als ihren Erbherren anerkannt, weil er der Schwager Ludwigs II. war. Zum Landvogt setzte der neue K√∂nig Zdislav Berka von Dub√° ein, der am Prager Hof auch das Amt des Landhofmeisters verwaltete. Zun√§chst √§nderten sich die inneren Verh√§ltnisse der Oberlausitz unter der neuen Herrschaft nur geringf√ľgig. Nach wie vor bestimmte der Streit zwischen dem Landadel und den Sechsst√§dten das politische Leben. Die Auseinandersetzungen wurden dabei mit allen Mitteln der Diplomatie gef√ľhrt. Beide Seiten versuchten den K√∂nig auf ihre Seite zu ziehen. Ferdinand f√§llte jedoch widerspr√ľchliche Entscheidungen. So kamen auf Vermittlung der k√∂niglichen Beamten 1530 und 1534 in Prag zwei Vertr√§ge zustande. Einmal wurden die St√§dte beg√ľnstigt und einmal der Adel. Auf diese Weise konnte kein dauerhafter Ausgleich gefunden werden.

Karte der Oberlausitz (1635), nach einer Vorlage von Bartholomäus Scultetus

Ferdinands inkonsequente Oberlausitz-Politik war der schwierigen Gesamtsituation geschuldet, in der sich der √∂sterreichische Habsburger befand. Einerseits hatte er Konflikte mit den m√§chtigen utraquistischen St√§nden in B√∂hmen zu bestehen, andererseits brauchte er die Hilfe der St√§nde aller seiner L√§nder, um den T√ľrkenkrieg finanzieren zu k√∂nnen. So stiegen auch die k√∂niglichen Steuerforderungen stetig, die Ferdinands Kommissare nun beinahe j√§hrlich auf den Oberlausitzer Landtagen vorbrachten. Der K√∂nig konnte es sich deshalb nicht leisten, die St√§nde dauerhaft zu ver√§rgern. An einen Ausbau der landesherrlichen Gewalt war unter diesen Umst√§nden nicht zu denken. Auch gegen den immer weiter um sich greifenden Protestantismus konnte der katholische K√∂nig nicht aktiv eingreifen.

Umgebindehaus in Ebersbach - typische Bauform in der Oberlausitz

1537 besuchte Ferdinand I. das einzige Mal in seiner langen Regierung die Oberlausitz. Er hielt sich kurz in Bautzen und Görlitz auf und nahm auf der Ortenburg die Landeshuldigung entgegen. Bei dieser Gelegenheit bekamen Land und Städte ihre alten Privilegien bestätigt, so dass die wenige Jahre zuvor ausgehandelten Prager Verträge obsolet wurden.

1546 wurde die Oberlausitz in den Schmalkaldischen Krieg hineingezogen, an dem K√∂nig Ferdinand auf Seiten seines Bruders Karl V. teilnahm. W√§hrend die utraquistischen St√§nde B√∂hmens dem K√∂nig offen den Gehorsam verweigerten und nicht gegen die Protestanten des Schmalkaldischen Bundes ins Feld zogen, verhielten sich Land und St√§dte der Oberlausitz abwartend. Die mehrheitlich evangelischen St√§nde sahen sich dann 1547 aber doch gen√∂tigt, Ferdinand Geld und Truppen zur Verf√ľgung zu stellen, obwohl der Wittenberger Theologe Johannes Bugenhagen alle Protestanten der b√∂hmischen L√§nder in seiner ‚ÄěChristlichen Vermahnung‚Äú eindringlich aufgefordert hatte, nicht gegen ihre Glaubensgenossen zu k√§mpfen.

Durch einen Zufall zogen sich die Sechsst√§dte den Zorn K√∂nig Ferdinands zu. Sie hatten ihre Truppen nur f√ľr zwei Monate bewilligt und diese zogen, als die Zeit um war, aus dem Heerlager an der Elbe ab. Das war nun gerade am Vorabend der Entscheidungsschlacht bei M√ľhlberg. Der Befehl, die S√∂ldner weiter bereitzuhalten, hatte die St√§dte nicht rechtzeitig erreicht. Als der Krieg gegen die F√ľrsten des Schmalkaldischen Bundes gewonnen war, lud Ferdinand I. die Vertreter der Sechsst√§dte nach Prag vor, wo sie sich vor ihm zu verantworten hatten. In einer Art Schauprozess wurden die St√§dte verurteilt und verloren all ihre Privilegien sowie ihren gesamten Landbesitz. √úberdies mussten sie die enorme Summe von 100.000 Gulden Strafe an den K√∂nig zahlen. Dieses Ereignis ging als der Oberlausitzer P√∂nfall in die Geschichte ein. Die gro√üe Macht der St√§dte war gebrochen, von nun an hatten sie kein √úbergewicht √ľber den Landstand mehr.

Die folgenden Jahre waren von den Anstrengungen der St√§dte gekennzeichnet, alte Positionen zur√ľckzugewinnen. So wurden zahlreiche Landg√ľter, die man im P√∂nfall an den K√∂nig abgetreten hatte, zur√ľckgekauft und zahlreiche alte Privilegien bei der Prager Hofkanzlei erneut erworben. Seit 1560 konnten alle Sechsst√§dte ihre R√§te und Richter wieder selbst einsetzen. Im selben Jahr einigten sich die St√§nde mit dem K√∂nig auf die so genannte Abhandlung. In diesem Dokument wurden die umfangreichen Rechte der St√§nde festgeschrieben und von Ferdinand I. offiziell anerkannt.

Im Jahr 1562 erteilte Ferdinand I. den St√§nden die so genannte Obergerichtsgnade. Seitdem hatte der gesamte Adel und auch wieder die St√§dte die vollst√§ndige Gerichtsgewalt √ľber ihre Untertanen. Damit kamen die von Ferdinand vorgenommenen √Ąnderungen an der Oberlausitzer Landesverfassung zum Abschluss. Der um die Mitte des 16. Jahrhunderts geschaffene Zustand blieb im Gro√üen und Ganzen unver√§ndert bis 1815 in Kraft und bestimmte das Verh√§ltnis der St√§nde untereinander und auch zu ihrem Landesherren. Bereits 1544 hatte der Kaiser in der nach ihm benannten Decisio Ferdinandea dem Adel das Privileg des Vorritts zugestanden und die Rechte der gro√üen Oberlausitzer Herrschaften Muskau, Seidenberg und Hoyerswerda definiert. 1548 wurde das neu geschaffene Prager Appellationsgericht als letzte Berufungsinstanz f√ľr die Oberlausitzer Gerichtsbarkeit festgeschrieben und ein Jahr sp√§ter wurde mit der Landeshauptmannschaft ein wichtiges neues Amt geschaffen. Der Landeshauptmann sollte die k√∂niglichen Rechte ‚Äď vor allem in Bezug auf die Steuern und Abgaben ‚Äď durchsetzen. Er wurde immer aus dem einheimischen Adel berufen und unterstand der B√∂hmischen Kammer in Prag.

1549 wurde mit Christoph von Dohna zum ersten Mal ein einheimischer protestantischer Adliger zum Landvogt berufen. Der Besitzer der Herrschaft K√∂nigsbr√ľck machte sich aber in kurzer Zeit beim Adel und den St√§dten unbeliebt, weil er korrupt war und die Gerichte nicht ordnungsgem√§√ü verwaltete. Die St√§nde verklagten Dohna deshalb beim K√∂nig in Prag (die Klageschrift umfasste √ľber 100 Punkte), aber noch vor dem Ende des Prozesses starb der Landvogt (1560) und bis zum Drei√üigj√§hrigen Krieg wurden nach alter Tradition nur noch b√∂hmische oder schlesische Adlige zu Landv√∂gten in Bautzen berufen.

Seit den f√ľnfziger Jahren kam es zu einer Stabilisierung der im Lande √ľbrig gebliebenen katholischen Institutionen. Dies war im Wesentlichen der Politik des 1559 ins Amt gekommenen Bautzener Domdekans, Johann Leisentrit zu verdanken. Kaiser Ferdinand hatte ihn zum Kommissar f√ľr Religionssachen in den beiden Lausitzen ernannt. Leisentrit war damit nominell die kirchliche Obrigkeit f√ľr Katholiken und Protestanten. Er nutzte diese Stellung, um die noch vorhandenen katholischen Pfarreien f√ľr seine Konfession zu erhalten, verhielt sich aber sonst den Evangelischen gegen√ľber tolerant. Als Kaiser Maximilian II. 1564 auch in der Oberlausitz die Nachfolge seines Vaters antrat, gestattete er den St√§nden erstmals offiziell die Confessio Augustana. Diese Zusicherung wurde auch von seinen Nachfolgern bei den Landeshuldigungen immer wieder neu gegeben.

Bildung und Kultur nahmen in der zweiten H√§lfte des 16. Jahrhunderts einen Aufschwung. In den St√§dten G√∂rlitz, Zittau und Bautzen wurden Gymnasien gegr√ľndet, die nicht nur von B√ľrgers√∂hnen sondern auch von den S√∂hnen des Oberlausitzer und zunehmend auch des b√∂hmischen und niederschlesischen Adels besucht wurden. Auch in den anderen St√§dten L√∂bau, Kamenz, Lauban und selbst in kleineren Landst√§dten wurden die Schulen ausgebaut. Bautzen wiederum erhielt als Druckort zumindest regionale Bedeutung. Der G√∂rlitzer B√ľrgermeister Bartholom√§us Scultetus erstellte Ende des 16. Jahrhunderts die erste Landkarte der Oberlausitz.

Ende des 16. Jahrhunderts versch√§rften sich in Europa und nicht zuletzt auch in B√∂hmen die konfessionellen Konflikte. In den L√§ndern der b√∂hmischen Krone war dies einmal den Fortschritten der Gegenreformation geschuldet, die der p√§pstliche Nuntius in Prag, der dortige Erzbischof und der Bischof von Olm√ľtz, besonders aber die Jesuiten langsam erzielten. Der andere Grund bestand im Erstarken des nicht in den Augsburger Religionsfrieden einbezogenen Calvinismus. In den b√∂hmischen und √∂sterreichischen L√§ndern war der religi√∂se Konflikt zus√§tzlich von der Auseinandersetzung um die Macht im Staat √ľberlagert. Sollte diese vornehmlich bei den mehrheitlich protestantischen St√§nden oder aber ganz in der Hand des Kaisers liegen? Obwohl in der Oberlausitz die St√§nde das politische √úbergewicht hatten und die Religionsfrage im Gro√üen und Ganzen gekl√§rt schien, wurde auch das kleine Markgraftum von den politischen Unruhen im benachbarten B√∂hmen angesteckt. Die protestantische Mehrheit war besorgt, dass die Gegenreformation auch auf die Oberlausitz √ľbergreifen k√∂nnte und die katholischen Domherren in Bautzen waren l√§ngst nicht mehr so kompromissbereit und entgegenkommend wie zur √Ąra Leisentrit.

Anfang des 17. Jahrhunderts verschlechterten sich die Beziehungen der St√§nde zum damaligen Landesherren Rudolf II.. Man war unzufrieden wegen der stetig steigenden Steuerforderungen wegen der T√ľrkenkriege, denn der Kaiser konnte dabei keine greifbaren Erfolge erzielen. Schon die Schaffung des Amts eines Kammerprokuratoren (dieser sollte die finanziellen Anspr√ľche des Landesherrn besser durchsetzen) im Jahr 1595 hatte das Missfallen der St√§nde erregt. Gemeinsam mit den Schlesiern beschwerte man sich au√üerdem √ľber die B√∂hmische Hofkanzlei und verlangte die Einrichtung einer eigenen Kanzlei f√ľr die deutschsprachigen Nebenl√§nder der Krone B√∂hmen.

Nachdem die Protestanten Schlesiens und B√∂hmens dem durch den habsburgischen Bruderzwist geschw√§chten Kaiser 1609 Majest√§tsbriefe abgetrotzt hatten und damit landesrechtlich anerkannt waren, wollten auch die Oberlausitzer solch eine Urkunde erlangen. Ihre Bem√ľhungen blieben aber erfolglos. Auch Kaiser Matthias, der Rudolf II. 1611 auf dem b√∂hmischen Thron nachfolgte, verweigerte den protestantischen Oberlausitzern den Majest√§tsbrief. Dies war einer der wichtigsten Gr√ľnde, dass sich die Oberlausitz 1618/19 nach dem Prager Fenstersturz dem b√∂hmischen St√§ndeaufstand anschloss.

Als die Unruhen in B√∂hmen begannen, verhielten sich die Oberlausitzer St√§nde zun√§chst passiv. Sie ignorierten die dringenden Aufforderungen der B√∂hmen, sie im Krieg gegen die Habsburger zu unterst√ľtzen. Erst nach dem Tod Kaiser Matthias im M√§rz 1619 √§nderten sie ihre Politik. Sie traten der B√∂hmischen Konf√∂deration bei und waren an der Absetzung Ferdinands II. und der Wahl Friedrich V. von der Pfalz zum K√∂nig von B√∂hmen beteiligt. Ziel der protestantischen St√§nde des Markgraftums war es, die Oberlausitz zu einem vollst√§ndig protestantischen Land zu machen. Sie wollten das katholische Bautzener Domstift beseitigen, in den wenigen noch katholischen Orten protestantische Pfarrer einf√ľhren und endlich eine eigene Landeskirche gr√ľnden. Das milit√§rische Risiko und die damit verbundenen Kosten f√ľr die Aufstellung von Truppen f√ľr den durch die katholische Liga bedr√§ngten Winterk√∂nig trugen sie allerdings nur ungern und als der Krieg auf die Oberlausitz √ľbergriff, waren sie nicht in der Lage, wirksamen Widerstand zu leisten. Ohne gr√∂√üere Kampfhandlungen konnte der mit Ferdinand II. verb√ľndete Kurf√ľrst Johann Georg von Sachsen zwischen September 1619 und Januar 1620 die Oberlausitz besetzten.

F√ľr seine milit√§rische Hilfe gegen die aufst√§ndischen b√∂hmischen L√§nder war dem s√§chsischen Kurf√ľrsten vom Kaiser finanzielle Entsch√§digung zugesagt worden. Wenn nicht bezahlt wurde, sollten die Lausitzen als Pfand an den Wettiner √ľbergeben werden. Ferdinand II. konnte nicht zahlen und musste 1623 die Pfandschaft √ľber beide Markgraft√ľmer einr√§umen. Die √úbergabe wurde im so genannten Immissionrezess geregelt. Dadurch entging die Oberlausitz der kaiserlichen Gegenreformation, die in den zwanziger Jahren des 17. Jahrhunderts in B√∂hmen und M√§hren zum Verbot der protestantischen Bekenntnisse und Kirchen f√ľhrte. In der Folgezeit kamen viele Glaubensfl√ľchtlinge aus B√∂hmen in die Oberlausitz. Sie siedelten sich vor allem in Zittau und den benachbarten Weberd√∂rfern im Lausitzer Bergland an und sorgten dort durch ihren Gewerbeflei√ü f√ľr einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Die Landesherren der Oberlausitz 1526‚Äď1635
Kaiser Ferdinand I. 1526‚Äď1564
Kaiser Maximilian II. 1564‚Äď1576
Kaiser Rudolf II. 1576‚Äď1611
Kaiser Matthias 1611‚Äď1619
K√∂nig Friedrich I. 1619‚Äď1620/21
Kaiser Ferdinand II. 1620/21‚Äď1635

Die Oberlausitz von 1635 bis zur Teilung 1815

Der Prager Frieden von 1635 band die beiden Lausitzen (Ober- und Niederlausitz) an das Kurf√ľrstentum Sachsen.

Die Oberlausitz wurde dem s√§chsischen Kurf√ľrsten Johann Georg I. formal durch den Traditionsrezess in G√∂rlitz am 14/24. April 1636 als erbliches b√∂hmisches Lehen √ľbergeben. Damit verbunden war die Regelung, dass die religi√∂sen Verh√§ltnisse des ‚ÄěMarkgraftums Oberlausitz‚Äú unangetastet blieben und die Landst√§nde ihre Rechte behielten. Die Oberlausitz verblieb somit staatsrechtlich ein eigenes Land und durfte mit den S√§chsischen Kernlanden nicht verschmolzen werden. Damit griff auch S√§chsisches Landesrecht nicht zwingend auf die Oberlausitz durch und musste durch die Versammlung der St√§nde auf dem Landtag beschlossen werden.

Die Religionsfreiheit (konkreter: der Standesherr bestimmte die Religion) hatte nicht nur zur Folge, dass die in der √ľberwiegend evangelischen Oberlausitz die beiden Kl√∂ster Marienstern (Panschwitz-Kuckau) und Marienthal (Ostritz) sowie das Domstift Bautzen erhalten blieben, sondern dass sich auch Religionsfl√ľchtlinge aus B√∂hmen ansiedelten. Bekannteste Ansiedlung ist die Herrnhuter Br√ľdergemeine.

1779 wurde die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften durch Adolph Traugott von Gersdorf und Karl Gottlob Anton, 1811 durch den Tuchkaufmann Johann Gottlieb Kretzschmar die "Ornithologische Gesellschaft zu G√∂rlitz" heutige Naturforschende Gesellschaft der Oberlausitz gegr√ľndet. In der Schlacht bei Bautzen am 20./21. Mai 1813 konnte Napoleon I. seinen letzten gr√∂√üeren Sieg erringen.

S√§chsische und preu√üische Oberlausitz (1815‚Äď1945)

Sächsisch-Preußische Grenzsteine in Königswartha (Rakecy)

Auf dem Wiener Kongress (1815) musste das K√∂nigreich Sachsen gro√üe Gebietsverluste zu Gunsten Preu√üens hinnehmen. Unter anderem musste die H√§lfte der Oberlausitz mit G√∂rlitz abgetreten werden. Die Oberlausitzer St√§nde hatten bis zuletzt versucht, die Teilung des Landes zu verhindern. Unter anderem hatten sie sich mit einer Bittschrift an den √∂sterreichischen Kanzler Metternich gewandt. Jedoch blieb diese Initiative ohne Erfolg. Die neue Grenze durchschnitt das Land von Nordwesten nach S√ľdosten. Sie verlief s√ľdlich von Ruhland und Wittichenau in Richtung Reichenbach/Oberlausitz, traf s√ľdlich von G√∂rlitz auf die Lausitzer Nei√üe und verlief entlang der Wittig bis zur b√∂hmischen Grenze. (Alle hier genannten Orte fielen an Preu√üen.) Die willk√ľrlich gezogene Grenze zerschnitt eine in 800 Jahren gewachsene politische, wirtschaftliche, kulturelle und kirchliche Einheit: Von den Sechsst√§dten geh√∂rten nunmehr zwei (G√∂rlitz und Lauban) zum preu√üischen Staat. Die Wirksamkeit der alten Oberlausitzer St√§ndeversammlung blieb auf das s√§chsische Restgebiet beschr√§nkt. Das Siedlungsgebiet der Obersorben war nun auf zwei Staaten aufgeteilt. Die kirchliche Autonomie der Protestanten fand in der Oberlausitz ihr Ende und sie wurden in die Kirche der preu√üischen Union, Kirchenprovinz Schlesien eingegliedert. Die wenigen Katholiken der Lausitzer Administratur wurden ebenfalls geteilt. Die D√∂rfer der beiden Kl√∂ster St. Marienstern und Marienthal lagen nun beiderseits der Grenze. Die katholischen Pfarreien der preu√üischen Oberlausitz wurden schlie√ülich 1821 dem F√ľrstbistum Breslau unterstellt. Die preu√üische Regierung begann nach 1815 in ihrem Teil der Oberlausitz sofort mit der dringend notwendigen Modernisierung der Verwaltung. Nach einigen Experimenten wurden in den zwanziger Jahren vier Landkreise gebildet, die alle in die Provinz Schlesien integriert wurden. Erst seit diesem verh√§ltnism√§√üig sp√§ten Zeitpunkt dehnte sich das schlesische Gebiet √ľber den Queis nach Westen aus. Vorher hatte die Oberlausitz nie zu Schlesien geh√∂rt, wenngleich beide L√§nder vom 13. bis 17. Jahrhundert zumeist von einem gemeinsamen Landesherren, dem b√∂hmischen K√∂nig, regiert worden waren.

Löbauer Eisenbahnviadukt der Strecke Dresden-Breslau

Vor allem im s√ľdlichen Teil der s√§chsischen Oberlausitz, aber auch im preu√üischen Teil der Oberlausitz konnte man nach 1815 erfolgreich an alte Traditionen vor allem bei der Herstellung von Textilien aber auch in vielen anderen Gewerben ankn√ľpfen. Die Region geh√∂rte zu den fr√ľhen Industriegebieten Deutschlands. Bereits seit 1836 fanden sich Gesch√§ftsleute aus Sachsen und Preu√üen zusammen, um die Eisenbahnstrecke Dresden‚ÄďBreslau quer durch die Oberlausitz zu planen und zu bauen. Baubeginn war 1844, zwei Jahre sp√§ter war der Oberlausitzer Anteil der Strecke bis L√∂bau fertig gestellt und im September 1847 verkehrten die Z√ľge durchgehend von Dresden nach Breslau.

Durch die s√§chsische Verfassung von 1831 wurde die rechtliche Sonderstellung der Oberlausitz beseitigt. Das traditionelle st√§ndische Herrschaftssystem wurde in den folgenden Jahren schrittweise durch die Institutionen des modernen Staats ersetzt. F√ľr das Gebiet der s√§chsischen Oberlausitz wurde die Kreishauptmannschaft Bautzen gebildet. Bis in die f√ľnfziger Jahre des 19. Jahrhunderts dauerte die Abl√∂sung der b√§uerlichen Bev√∂lkerung aus der Erbuntert√§nigkeit.

In der preußischen Oberlausitz profitierte vor allem Görlitz von der Integration in den größten deutschen Teilstaat. Eine breite Palette von Industriebetrieben siedelte sich an. Zu den größten Absatzmärkten Berlin und Breslau bestanden gute Bahnverbindungen.

Seit der Macht√ľbernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 waren die Sorben st√§ndig steigender Repressionen ausgesetzt. Als Instrument der Unterdr√ľckung konnten die neuen Machthaber auf die schon l√§nger bei der Amtshauptmannschaft Bautzen bestehende Wendenabteilung zur√ľckgreifen. Bis 1937 wurden nach und nach all ihre Vereine und die gesamte sorbische Presse verboten. Auch der Unterricht in der Muttersprache und ebenso sorbischsprachiger Religionsunterricht waren nicht mehr gestattet. 1940 wurden alle sorbischen katholischen Priester aus der Oberlausitz ausgewiesen. Die nationalsozialistischen Rassepolitik war gegen√ľber den Sorben nicht eindeutig. Neben Dem√ľtigung und Unterdr√ľckung stand bis in den Zweiten Weltkrieg hinein der Versuch, die Wenden in die ‚Äěgermanische Herrenrasse‚Äú zu integrieren. Deshalb wurden sie als wendische Deutsche bezeichnet, um sie von den anderen Slawen zu separieren. Die totale physische Vernichtung der Sorben analog zu den Juden ist nie geplant worden. Allerdings gab es √úberlegungen, das kleine slawische Volk zur G√§nze auf den besetzten Balkan zu deportieren.

W√§hrend des Zweiten Weltkriegs blieb die Oberlausitz von Luftangriffen weitgehend verschont. 1945 wurde sie allerdings Kampfgebiet. Zun√§chst betraf das die Stadt Lauban, die im Februar bereits von der Roten Armee eingenommen worden war, von den Deutschen aber noch einmal zur√ľckerobert wurde. Deshalb inszenierte der Reichspropagandaminister Joseph Goebbels in Lauban seinen letzten Wochenschauauftritt mit den √ľblichen Durchhalteparolen. Im April 1945 fanden die letzten Kampfhandlungen in der N√§he von Bautzen und Kamenz statt. Sie standen im Zusammenhang mit Aktionen der Roten Armee, die einerseits auf die Einnahme Berlins andererseits auf die Besetzung Dresdens und den Vorsto√ü nach B√∂hmen abzielten. Hoyerswerda wurde durch einen Irrtum, es handele sich um das Alu-Werk Lauta, durch die britische Luftwaffe bombardiert. W√§hrend es in Bautzen noch zu kriegsbedingten Zerst√∂rungen kam, konnten diese in Kamenz verhindert werden, denn einige B√ľrger setzten sich √ľber die Befehle der Nazibeh√∂rden hinweg und √ľbergaben die Stadt ohne Widerstand an die Russen. Anders als viele Deutsche empfanden die Sorben die Ankunft der Roten Armee durchweg als Befreiung, denn nun war ihre ethnische Diskriminierung und die Gefahr der Deportation vorbei.

Neueste Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg

Die Neiße bildet seit 1945 die deutsch-polnische Grenze. Blick von Polen auf das heute zweigeteilte Görlitz (polnischer Teil: Zgorzelec)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der √∂stlich der Nei√üe gelegene Teil der Oberlausitz zu Polen geschlagen. Die deutsche Bev√∂lkerung wurde ‚Äď soweit sie nicht schon in den letzten Kriegswochen geflohen war ‚Äď bis zum Ende des Sommers 1945 vertrieben. Bald darauf wurden Polen (vor allem Menschen, die aus den an die Sowjetunion gefallenen Gebieten vertrieben worden waren) angesiedelt. Im Ostteil der nunmehr geteilten Stadt G√∂rlitz wurden in den ersten Nachkriegsjahren auch tausende Fl√ľchtlinge aus dem griechischen B√ľrgerkrieg untergebracht. In den ersten Nachkriegskonferenzen vertrat die UdSSR die Forderung, die Oberlausitz der Tschechoslowakei zuzuschlagen, gab diese Position aber bald auf.

Der sorbische Dachverband Domowina geh√∂rte zu den ersten demokratischen Vereinigungen, die von den sowjetischen Besatzungsbeh√∂rden wieder zugelassen wurden. Die Oberlausitz westlich der Nei√üe wurde von der sowjetischen Besatzungsmacht dem Land Sachsen zugeteilt. Als die DDR-Regierung 1952 die L√§nder aufl√∂ste wurde der gr√∂√üte Teil des Landes dem Bezirk Dresden zugewiesen. Die Kreise Hoyerswerda und Wei√üwasser im Norden (mit mehreren Braunkohlegruben) wurde dem ‚ÄěEnergiebezirk‚Äú Cottbus zugeschlagen.

Obwohl der deutsche Teil der Oberlausitz seit 1990 gr√∂√ütenteils wieder zu Sachsen geh√∂rt, hat die vor knapp 200 Jahren erfolgte Teilung des Landes tiefe Spuren hinterlassen. Besonders im Osten des Landes gibt es heute Streitigkeiten um die historische Identit√§t. Eine Fraktion (verst√§rkt durch die 1945 ins Land gekommenen Vertriebenen und deren Nachfahren) betont das Erbe aus der preu√üisch-schlesischen Zeit und will sich bewusst von der s√§chsischen Oberlausitz absetzen. Diese Bestrebungen werden auch von lokalen Heimat- und Musikvereinen sowie Vertriebenen-Organisationen getragen, die f√ľr die Region gelegentlich den historisch und geographisch unspezifischen Begriff Schlesische Lausitz verwenden, der aus Vereinfachungsgr√ľnden auch in der Tourismusbranche Platz gefunden hat.

Die andere Seite verweist eher auf die jahrhundertelangen Gemeinsamkeiten vor dem Wiener Kongress und sieht in der Teilung von 1815 einen preu√üischen Willk√ľrakt, da die neue s√§chsisch-schlesische Grenze eine historisch gewachsene Einheit durchschnitt.

Einen weiteren Anhaltspunkt f√ľr dieses ambivalente Verh√§ltnis zu Sachsen und Brandenburg bot 2003 die h√∂chst umstrittene Entscheidung der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz zur Fusion mit der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg und nicht mit der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Hauptgrund war wohl, dass die EKBB und die EKsOl aus der gemeinsamen preu√üischen Geschichte heraus beides unierte Kirchen waren, die sowohl lutherische als auch reformierte Wurzeln haben.

Als 1990 die s√§chsische Verfassung ausgearbeitet wurde und die Neugliederung der Kommunalverwaltung erfolgte, konnte sich die schlesische Fraktion durchsetzen. Deshalb erw√§hnt die Pr√§ambel der s√§chsischen Verfassung die niederschlesischen Gebiete ausdr√ľcklich als einen Landesteil mit besonderen historischen Traditionen und der an der Nei√üe neu gebildete Landkreis bekam den Namen Niederschlesischer Oberlausitzkreis. Ein eigenst√§ndiger Regierungsbezirk ‚ÄěNiederschlesien‚Äú bzw. ‚ÄěOberlausitz‚Äú mit Sitz in G√∂rlitz, wie von einigen gefordert, wurde jedoch nicht gebildet. Mit der Kreisreform 2008 verschwanden sowohl die Bezeichnung Niederschlesien als auch die Bezeichnung Oberlausitz aus der administrativen Einteilung Sachsens.

Besondere Pflanzen

Wald-Nabeln√ľsschen

Die Pflanzenwelt der Oberlausitz wird durch die drei Regionen Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft im Norden, dem Oberlausitzer H√ľgelland in der Mitte und dem Lausitzer Bergland und dem Zittauer Gebirge im S√ľden gepr√§gt.

Zu besonderen Arten der Oberlausitz geh√∂ren der Besen-Beifu√ü und der Eichen-Lattich ebenso wie das Grauscheidige Federgras, die Violette K√∂nigskerze und der Hauswurz. Bei den Waldformationen treffen Wald-Nabeln√ľsschen, Attich und Breitbl√§ttrige Glockenblume aufeinander. Vorkommende Bergwaldvertreter sind Arten der Gei√üb√§rte, die Schlangenwurzel sowie Senecio nemorensis (Gei√ükraut) und der Behaarte K√§lberkropf.[4]

Literatur

  • Joachim Bahlcke (Hrsg.): Geschichte der Oberlausitz. Herrschaft, Gesellschaft und Kultur vom Mittelalter bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. 2. durchgesehene Auflage, Leipziger Universit√§tsverlag, Leipzig 2004, ISBN 978-3-935693-46-2.
  • Karlheinz Blaschke: Beitr√§ge zur Geschichte der Oberlausitz. Oettel, G√∂rlitz 2000, ISBN 3-932693-59-0.
  • Frank N√ľrnberger (Hrsg.): Oberlausitz. Sch√∂ne Heimat. Oberlausitzer Verlag, Spitzkunnersdorf 2004, ISBN 3-933827-42-6.
  • Frank N√ľrnberger: Bilder aus der Oberlausitz. Oberlausitzer Verlag, Spitzkunnersdorf 2009. ISBN 978-3-933827-98-2
  • Tino Fr√∂de: Privilegien und Statuten der Oberlausitzer Sechsst√§dte ‚Äď Ein Streifzug durch die Organisation des st√§dtischen Lebens in Zittau, Bautzen, G√∂rlitz, L√∂bau, Kamenz und Lauban in der fr√ľhen Neuzeit. Spitzkunnersdorf : Oberlausitzer Verlag, 2008. ISBN 978-3-933827-88-3
  • Arnold Freiherr von Vietinghoff-Riesch: Der Oberlausitzer Wald. Seine Geschichte und seine Struktur bis 1945. M. & H. Schaper. Hannover 1961. Reprint im Oberlausitzer Verlag Bautzen 2001.
  • Dr. Siegfried Schlegel (Autor, Hrsg.): Die Oberlausitz, ein liebenswertes St√ľck Deutschland - eine kleine Landeskunde, Bautzener Druck- und Verlagshaus 2008, ISBN 3-930625-45-8 (vom Freistaat Sachsen gef√∂rdert)
  • Collection derer dem statum des Marggrafthums Oberlausitz in Justiz-Polizey und anderen Sachen betreffenden Privilegien. 6 B√§nde und Register, Budissin 1770‚Äď1827.
  • Collectanea Lusatica. Sammlung Lausitzer Schriften und Akten. Findbuch. Bearbeitet von Tino Fr√∂de, Olbersdorf 1997.
  • Guido Erbrich, Rafael Ledschbor, Anja Pohontsch, Mirko Pohontsch: Wo Krabat das Zaubern lernte -Unterwegs in der sorbischen Oberlausitz 2010 ISBN 978-3-7420-2152-6
  • Kito Lorenc: Die wendische Schiffahrt. Zwei Dramen, Domowina-Verlag 2004, ISBN 3-7420-1988-0

Weblinks

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 Commons: Oberlausitz ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Martin Reuther: Die Oberlausitz als Geschichtsraum. Wesen und Eigenart. In: Bl√§tter f√ľr deutsche Landesgeschichte. Nr. 93, 1957, S. 102‚Äď128.
  2. ‚ÜĎ Lenka Bobkov√°: Zittau im Sechsst√§dtebund und die Politik Karls IV. In: Gunter Oettel, Volker Dudeck (Hrsg.): 650 Jahre Oberlausitzer Sechsst√§dtebund. 1346‚Äď1996. Bad Muskau 1997, S. 37‚Äď47 (Mitteilungen des Zittauer Geschichts- und Museumsvereins 25).
  3. ‚ÜĎ a b Hermann Knothe: Die verschiedenen Benennungen des jetzigen Markgrafthums Oberlausitz. In: Archiv f√ľr die s√§chsische Geschichte. Neue Folge, Nr. 1, 1875, S. 69‚Äď74.
  4. ‚ÜĎ Oscar Drude: Der Hercynische Florenbezirk: Grundz√ľge der Pflanzenverbreitung im mitteldeutschen Berg- und H√ľgellande vom Harz bis zur Rh√∂n, bis zur Lausitz und dem B√∂hmer Walde. Leipzig: Engelmann 1902
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