Oberste Heeresleitung


Oberste Heeresleitung
Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff
Die Versammlung der Obersten Heeresleitung an deren Sitz im Schloss Wilhelmshöhe

Die Oberste Heeresleitung (OHL) war die höchste Kommandoebene des deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg.

Oberster Befehlshaber des Heeres war zwar laut Gesetz Kaiser Wilhelm II., jedoch entschied die aus Generälen bestehende OHL recht unabhängig. Speziell gegen Ende des Krieges ging die Regierungsgewalt de facto von der OHL aus.

Zwischen der OHL und dem für den Seekrieg zuständigen Admiralstab gab es zumindest bei den Vorbereitungen des Krieges keine ausreichende Abstimmung. Die Kaiserliche Marine war beispielsweise unzureichend über den Schlieffen-Plan informiert, der den Angriff durch Belgien auf Frankreich vorsah.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war Helmuth von Moltke Generalstabschef. Dieser musste jedoch nach der gescheiterten Offensive an der Marne abtreten. Sein Nachfolger wurde der preußische Kriegsminister Erich von Falkenhayn. Doch auch dessen Konzept der Abnutzungsschlacht, wie es bei der Schlacht bei Verdun zum Einsatz kam, scheiterte.

Die dritte und letzte OHL wurde ab August 1916 vom überaus populären, konservativen, späteren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg und dessen Stabschef Erich Ludendorff angeführt. Während Hindenburg vor allem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig war, zog eigentlich Ludendorff die Fäden. Als besondere Dienststellung wurde für Ludendorff die Funktion des Ersten Generalquartiermeisters geschaffen, um diesen faktisch gleichberechtigt neben Hindenburg zu stellen. Die Macht der 3. OHL ging so weit, dass das Deutsche Reich 1917 und 1918 Züge einer Militärdiktatur trug. Auf Ludendorff geht auch die Wiederaufnahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges zurück, was den unmittelbaren Eintritt der USA in den Krieg auslöste.

Im Oktober 1918 drängte die OHL die neue Regierung, unverzüglich einen Waffenstillstand zu unterschreiben, da sie überzeugt war, die deutsche Front könne jeden Tag zusammenbrechen. Wenige Tage vor Kriegsende, am 26. Oktober 1918, wurde Ludendorff vom Kaiser wegen seines Befehls zur – aussichtslosen – Endschlacht des Westheeres entlassen; sein Nachfolger als Generalquartiermeister, unter Hindenburg, wurde Wilhelm Groener.

Unter Groeners Kommando fiel die Revolution des Heimatheeres zwischen 29. Oktober und 9. November sowie die beginnende Revolte in Teilen des Feldheeres, unter anderem im Großen Hauptquartier im belgischen Spa, die eine völlige Machtentblößung und militärische Handlungsunfähigkeit der OHL zur Folge hatte. Groener und Hindenburg entschieden sich, sich scheinbar „auf den Boden der Tatsachen“ zu stellen und die Liquidation des Kriegsendes militärtechnisch und -bürokratisch zu koordinieren und dabei vorübergehend mit der sozialistischen Reichsregierung zusammenzuarbeiten (sog. Ebert-Groener-Pakt).

Mittelfristiges Ziel blieb aber, die Unterstützung der Truppen zurückzugewinnen, die Machtposition der OHL zu renovieren und zu konsolidieren und als innenpolitische Ordnungsmacht auf die politische Bühne der jungen Republik zurückzukehren – ein Ziel, das mittels der Verbreitung der Dolchstoßlegende einerseits und dem Einflussgewinn unter den ersten beiden Reichsregierungen bis zum Frühjahr 1919 auch gelang. Allerdings verlor die OHL als Institution mit Kriegsende ihre äußere Existenzberechtigung – personelle, ideologische und strategische Kontinuitäten zu den zunehmend einflussreichen Nachfolgeorganisationen bestanden aber und belasteten die Weimarer Republik schwer.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

  • Ulrich Kluge: Soldatenräte und Revolution. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1975, ISBN 3-325-35965-9 (formal falsche ISBN).
  • Erich von Falkenhayn: Die oberste Heeresleitung 1914–1916 in ihren wichtigsten Entschliessungen. E. S. Mittler und Sohn, Berlin 1920.

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