Offener Kanal

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Offener Kanal

Ein Offener Kanal bezeichnet einen Hörfunk- oder Fernsehsender, dessen Programm BĂŒrger gestalten und verantworten. Die Offenen KanĂ€le gehören zum Bereich der BĂŒrgermedien. In den drei BundeslĂ€ndern Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gibt es BĂŒrgerrundfunk.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Der jeweilige Offene Kanal stellt die erforderliche Infrastruktur, Produktionstechnik, RĂ€umlichkeiten und passende Bildungsangebote meist kostenfrei oder gegen geringes Nutzungsentgelt oder UnkostenbeitrĂ€ge allen BĂŒrgern im örtlichen Sendegebiet zur VerfĂŒgung. Ziel des Systems der Offenen KanĂ€le ist es, die Rundfunklandschaft aus öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk um eine dritte SĂ€ule der Medienvielfalt zu ergĂ€nzen. In Deutschland tragen die Landesmedienanstalten und/oder örtliche TrĂ€gervereine Offene KanĂ€le, teilweise werden diese aus RundfunkgebĂŒhren finanziert (Die offenen KanĂ€le in Hessen, Hamburg und Schleswig-Holstein erhalten z.B. je rund 1 % der von der GEZ vereinnahmten RundfunkgebĂŒhren).

Geschichte

Offene KanĂ€le in Deutschland entstanden im Zusammenhang mit der EinfĂŒhrung privat-kommerziellen Rundfunks ab 1984 und als Gegenbild dazu. Ausgangspunkt der durch die Expertenkommission Offener Kanal getragenen Diskussion seit Ende der 1970er Jahre sind die Erfahrungen mit Public Access Channels in den USA. Der Name Offener Kanal wurde von einem nichtkommerziellen Lokal-TV-Sender in Wil/Schweiz ĂŒbernommen.

Als Graswurzelbewegung entstanden Offene KanĂ€le in den 1980er Jahren als Folge der „Entdeckung“, dass Medienkompetenz nicht nur bedeutet, das FernsehgerĂ€t bedienen zu können. Vielmehr sollten die BĂŒrger selbst wissen, wie Rundfunkmedien funktionieren und mit eigenen Sendungen zur Meinungsvielfalt beitragen. Die QualitĂ€t der Programme und damit die gesellschaftliche Akzeptanz ist je nach Sender sehr verschieden. Daher wird derzeit in vielen deutschen BundeslĂ€ndern die Struktur der Offenen KanĂ€le stĂ€rker an die Aufgabenbereiche lokaler Berichterstattung und Aus- und Fortbildung angepasst. Die örtlichen TrĂ€ger erhalten hĂ€ufig mehr Freiheiten, um die ausgestrahlten Inhalte stĂ€rker zu strukturieren und ein attraktives BĂŒrgerprogramm zu gestalten. In einigen deutschen BundeslĂ€ndern gab es Bestrebungen, die Offenen KanĂ€le abzuschaffen und durch privatwirtschaftliche Ausbildungssender zu ersetzen. So wurde der Offene Kanal im Saarland im MĂ€rz 2002 eingestellt, in Hamburg wurde der dortige OK durch das die an die Hamburg Media School angeschlossene TIDE GmbH mit einem Radio- (TIDE 96.0) und einem Fernsehprogramm (TIDE TV) ersetzt. Auch die BundeslĂ€nder Baden-WĂŒrttemberg, Sachsen und Bayern haben keine Offenen KanĂ€le.

In Deutschland gibt es derzeit 63 Offene KanĂ€le (Stand 12/2005), die meisten als Offene FernsehkanĂ€le und einige als Offene RadiokanĂ€le. 54 Offene KanĂ€le senden ausschließlich ein TV-Programm. Sieben Offene KanĂ€le bieten nur Hörfunk an. Mehrere Offene KanĂ€le senden sowohl ein Radio- als auch ein Fernsehprogramm. In AbhĂ€ngigkeit von den mediengesetzlichen Vorgaben der LĂ€nder lassen sich unterschiedliche OK-TrĂ€gerkonstrukte differenzieren. FĂŒnf Landesmedienanstalten sind unmittelbar TrĂ€ger und Betreiber von 13 Offenen KanĂ€len. 50 Offene KanĂ€le werden von einem Verein getragen.

Im Ausland hat man beispielsweise in Luxemburg, DĂ€nemark, Australien, SĂŒdkorea, Brasilien, Fidschi und Belgien Offene KanĂ€le.

Zugangsberechtigte Nutzergruppen

Nicht jeder der Offenen KanĂ€le Deutschlands steht allen BĂŒrgern offen, dies ist lediglich bei den offenen KanĂ€len in Berlin und in Sachsen-Anhalt der Fall. Die Offenen KanĂ€le in Schleswig-Holstein[1], Rheinland-Pfalz[2] und Mecklenburg-Vorpommern[3] sind nur Nutzern mit Wohnsitz im jeweiligen Bundesland zugĂ€nglich. In Hessen ist der Zugang auf Bewohner des Sendegebietes des jeweiligen OK beschrĂ€nkt[4], gleiches gilt fĂŒr ThĂŒringen[5]. Rheinland-Pfalz hat nach Änderung des Landesmediengesetzes 2005 den Zugang zur Technik auf Bewohner des Sendegebietes des jeweiligen OK beschrĂ€nkt. In Nordrhein-Westfalen soll der Zugang laut gesetzlichen Vorgaben auf die Bewohner des Sendegebietes beschrĂ€nkt sein[6], in einzelnen Offenen KanĂ€len werden aber Ausnahmen zugelassen. In Bremen können neben den Einwohnern des Bundeslandes auch Bewohner der umliegenden niedersĂ€chsischen Gemeinden, in denen das Programm empfangen werden kann, als Nutzer zugelassen werden[7].

Offene KanÀle in Deutschland

Berlin (Fernsehen und Radio)

In Berlin sendet der Offene Kanal seit August 1985. Seit Mai 2009 firmiert er unter dem Namen Alex Offener Kanal Berlin. Alex ist ein partizipativer BĂŒrgersender der Region Berlin-Brandenburg mit offenem Zugang, der am 27. Mai 2009 aus dem Offenen Kanal Berlin (OKB) hervorgegangen ist. Alex ist eine trimediale Plattform, die sowohl im Fernsehen als auch im Radio sendet. Im Internet ist Alex eine Plattform fĂŒr beide Medien mit einer umfangreichen Mediathek. Ein Livestream steht fĂŒr beide Medien zur VerfĂŒgung.

Das Fernsehprogramm wird in Teilen des Berliner Kabelnetzes auf dem Sonderkanal 8 verbreitet. Das Radio wird seit 2003 neben der Kabelfrequenz 92,60 MHz am Nachmittag auch ĂŒber die Antennenfrequenz 97,2 MHz ausgestrahlt. Alex ist eine Einrichtung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg und wird aus RundfunkgebĂŒhren finanziert.

Bremen (Fernsehen und Radio)

Die Offenen KanĂ€le wurden im Zuge der Änderung des Landesmediengesetzes im Jahr 2005 um die Eigenschaften eines BĂŒrgerrundfunks ergĂ€nzt und entsprechend umbenannt.

In Bremen gab es bis zum 1. April 2008 drei Offene KanÀle:

Im Zuge der Neuordnung der BĂŒrgerrundfunksender im Lande Bremen zum 1. April 2008 firmieren diese drei Sender, zusammen mit dem BĂŒrgerrundfunk WesermĂŒndung Nordenham, unter dem gemeinsamen Namen:

Hamburg (Fernsehen und Radio)

Der Offene Kanal in Hamburg wurde im Juli 2003 durch den nichtkommerziellen BĂŒrger- und Ausbildungskanal Tide ersetzt. Tide nahm am 2. April 2004 den regulĂ€ren Sendebetrieb auf. Zwar ist auch Tide bĂŒrgeroffen, allerdings: Beim Offenen Kanal hatte jeder BĂŒrger das Recht auf Ausstrahlung in eigener Sendeverantwortung. Das Recht nahm ihm das Hamburger Landesmediengesetz vom 2. Juli 2003. Die oppositionelle SPD sprach von einer „staatlichen Sanktion gegen ein öffentliches Rundfunkangebot“[8] und kritisiert ĂŒberdies, dass sowohl Tide als teilweise auch dessen TrĂ€ger, die Hamburg Media School, aus RundfunkgebĂŒhren finanziert werden. Sendungserstlinge laufen dort zudem zunĂ€chst in einem Testprogramm namens „Elbe-Seiten-Kanal“.

Hessen

Geschichte der Offenen KanÀle in Hessen

Im Jahre 1990, ein Jahr nach GrĂŒndung und Einrichtung der Hessischen Landesanstalt fĂŒr privaten Rundfunk (LPR Hessen), beschĂ€ftigte sich das Entscheidungsgremium in mehreren Sitzungen mit der Frage, ob und wie Offene KanĂ€le in Hessen einzurichten seien. Im FrĂŒhjahr 1991 standen die Konditionen fest: In unmittelbarer Nachbarschaft zur LPR Hessen, die ihren Sitz in Kassel hat, sollte ein Offener Kanal ausschließlich im Fernsehen als auf drei Jahre befristetes Pilotprojekt entstehen. Aufgrund der Erfahrungen, die in diesem Projekt gesammelt und ausgewertet wĂŒrden, ließe sich nach Ablauf der Pilotphase ĂŒber das weitere Vorgehen entscheiden.

Mit dieser Maßgabe nahm der Offene Kanal Kassel im mittlerweile zum KulturBahnhof avancierten alten Hauptbahnhof am 1. Juni 1992 seinen Sendebetrieb auf. Bereits einige Monate zuvor hatte er seine TĂŒren fĂŒr die nutzungsberechtigte Bevölkerung in Kassel und sieben Umlandgemeinden fĂŒr Beratung, Information, Kurse und Technik-Ausleihe geöffnet.

Die guten Erfolge der Angebote des Offenen Kanals – das immense Interesses der Bevölkerung – hatten zum Ergebnis, dass die Versammlung der LPR Hessen im September 1994 die Kasseler Pilotphase fĂŒr beendet und damit den Offenen Kanal zur Dauereinrichtung erklĂ€rte. Gleichzeitig beschloss sie, im Jahr 1995 und folgenden nach Maßgabe der vorhandenen Haushaltsmöglichkeiten Mittel fĂŒr weitere Offene KanĂ€le bereitzustellen. So wurden in der Folgezeit Offene KanĂ€le in Gießen, Offenbach/Frankfurt und in Fulda eingerichtet.

Mit der im Januar 2006 vollzogenen Namenserweiterung zu „Medienprojektzentren Offener Kanal“ hat die LPR Hessen der Öffentlichkeit vorgestellt, wie sich die Arbeitsbereiche in ihren Einrichtungen verlagert haben: Neben dem „Offener Kanal“ genannten BĂŒrgerfernsehen sind im Laufe der letzten Jahre durch eine Vielzahl von medienpĂ€dagogischen Angeboten „Medienprojektzentren“ gewachsen, die beides unter einem Dach vereinen:

Das lokale bzw. regionale Fernsehen fĂŒr jedermann und jedefrau mit der Aufgabe, möglichst vielen gesellschaftlichen Gruppen, Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen die Gelegenheit – und die dafĂŒr notwendige UnterstĂŒtzung – zu geben, eigene FernsehbeitrĂ€ge zu produzieren und zu verbreiten.

Das Schwerpunktangebot medienpÀdagogisch begleiteter Projektarbeit mit dem Ziel der Vermittlung von Medienkompetenz an vorrangig Kinder, Jugendliche und Multiplikatoren.

Fernsehen

In Hessen gibt es folgende Medienprojektzentren Offener Kanal, die seit 2009 auch ĂŒberregional im jeweiligen analogen bzw. digitalen Kabelnetz senden:

Radio

Die nichtkommerziellen Lokalradios, die in Hessen seit 1997 auf Sendung sind, unterscheiden sich deutlich von privat-kommerziellen (z. B. FFH) und öffentlich-rechtlichen Hörfunkprogrammen (z. B. hr3). Nichtkommerzielle Lokalradios mĂŒssen nicht zwingend große Hörerkreise erreichen und sind damit nicht dem „Mainstream“ verpflichtet. Sie sollen gerade solche Themen aufgreifen, die in anderen Medien kaum Beachtung finden und möglichst vielen unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft ein öffentliches Forum bieten. Nichtkommerzielle Lokalradios tragen damit zur Meinungsvielfalt in der Region bei.

Die Radios finanzieren sich aus MitgliedsbeitrÀgen, Spenden und Fördermitteln der LPR Hessen - Werbung ist in den Programmen verboten.

Die LPR Hessen unterhÀlt acht nichtkommerzielle Lokalradios in Hessen (freie Radios).

Mecklenburg-Vorpommern

Fernsehen

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es einen Offenen Kanal im Kabelnetz mit einem Außenstudio:

  • rok-tv (Rostock)
  • Außenstudio: FiSCH-TV (Schwerin, nicht zu verwechseln mit dem Satellitensender Fisch TV) zusammen mit dem Schweriner Jugendring e.V.

Radio

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es einen Offenen Kanal mit 2 Außenstudios.

NB-Radiotreff 88,0 (Neubrandenburg) mit Außenstudios in Greifswald mit dem Sender radio 98eins durch den Verein „radio 98eins e. V.“ und in Malchin mit der Welle Kummerower See gestĂŒtzt durch den Verein „dfb e. V.“.

Außerdem gibt es eine NKL-Ă€hnliche Rundfunkstation: LOHRO (Rostock)

Niedersachsen

Die Offenen KanĂ€le Niedersachsens wurden im April 2002 zusammen mit den nichtkommerziellen Lokalradios in die neue Kategorie BĂŒrgerrundfunk ĂŒberfĂŒhrt. Zu ihnen gehören: radio aktiv - Hameln, Ems-Vechte-Welle - Lingen, StadtRadio - Göttingen, Radio Okerwelle - Braunschweig, tv38 - Wolfsburg/Braunschweig, h1 - Hannover,[10] Radio ZuSa - Uelzen, Radio Tonkuhle - Hildesheim, osradio 104,8 - OsnabrĂŒck, Oldenburg eins - Oldenburg, radio Ostfriesland - Emden, LeineHertz 106einhalb - Hannover [11] [12]

Nordrhein-Westfalen

Fernsehen

In Nordrhein-Westfalen startete im Jahr 1985 der Offene Kanal Dortmund (heute: floriantv). Damit ist NRW nach Rheinland-Pfalz das zweite Bundesland, in dem ein Offener Kanal auf Sendung ging.

Nach einem Entschluss der Landesmedienkommission NRW auf Vorschlag der LfM NRW wird die Förderung von Offenen KanĂ€len in Nordrhein-Westfalen grundlegend geĂ€ndert.[13] Statt wie bisher die Offenen KanĂ€le mit einer Sockelfinanzierung und zusĂ€tzlichen Projektfinanzierungen zu unterstĂŒtzen, fĂ€llt die Sockelfinanzierung nunmehr gĂ€nzlich weg; da den Offenen KanĂ€len Werbung und Sponsoring untersagt sind (lt. Landesmediengesetz NRW[14]), sind diese somit in erster Linie auf Spenden und Projektgelder angewiesen. Durch die so fehlenden Gelder ist es fĂŒr die Offenen KanĂ€le kaum möglich die Einspeisung in die Kabelkopfstationen zu bezahlen. Außerdem stellt die LfM NRW durch die stark begrenzten Mittel die Wirtschaftlichkeit fĂŒr einen Sendebetrieb in Frage, was jedoch Voraussetzung fĂŒr die Erteilung einer Lizenz wĂ€re. Aus diesem Grund haben bereits einige Offene KanĂ€le in NRW den Sendebetrieb eingestellt bzw. angekĂŒndigt, dies bis zum Ende des Jahres 2008 zu tun.

Die LfM NRW plant statt der Offenen KanĂ€le einen Ausbildungs- und Erprobungskanal zu initiieren der NRW-weit im digitalen Kabelfernsehen empfangen werden soll.[13] Auch wenn es hierfĂŒr (noch) keine gesetzliche Grundlage gibt (vgl. Landesmediengesetz NRW[14], Rundfunkstaatsvertrag[15]) ist die UniversitĂ€t Dortmund mit dem Aufbau eines solchen Senders beauftragt worden.[16] Die bisherigen Offenen KanĂ€le und weitere Institutionen (z. B. Schulen, Hochschulen) sowie BĂŒrgergruppen sollen zukĂŒnftig lediglich Programmzulieferer (unter redaktioneller Kontrolle der UniversitĂ€t Dortmund) sein. Dies ist de facto das Ende der Offenen KanĂ€le in Nordrhein-Westfalen.

Diese Umstrukturierung wird von der LfM durch diverse Punkte aus der sogenannten „Volpers-Studie“[17] begrĂŒndet, die die LfM selbst in Auftrag gegeben hat. So argumentiert die LfM beispielsweise „Auf der Basis der gegenwĂ€rtigen [
] FördermodalitĂ€ten werden die Entwicklungspotentiale des BĂŒrgerfernsehens als sehr gering eingeschĂ€tzt“, geht aber nicht darauf ein, dass die LfM fĂŒr eben diese FördermodalitĂ€ten verantwortlich ist. Die Autoren der Studie sind u. a. der Meinung, dass mit den eingerĂ€umten finanziellen SpielrĂ€umen bereits das maximal Mögliche erreicht werde.

In Nordrhein-Westfalen gibt bzw. gab es folgende Offenen FernsehenkanÀle im jeweiligen Kabelnetz:

Mit Sendebetrieb im Kabelnetz / Lizenz Sendebetrieb eingestellt und/oder keine Lizenz

Radio

In Nordrhein-Westfalen gibt es keine Offenen RadiokanĂ€le, sondern BĂŒrgerfunk.

Rheinland-Pfalz (Fernsehen)

Rheinland-Pfalz ist das „Ursprungsland“ der Offenen KanĂ€le. Alleine hier gab es zeitweise bis zu 25 Einrichtungen. Der erste Offene Kanal Deutschlands ging am 1. Januar 1984 in Ludwigshafen auf Sendung.

Die Offenen KanĂ€le in Rheinland-Pfalz werden meist drei von drei Gruppen getragen: Die notwendige Produktions- und Sendetechnik stellt grĂ¶ĂŸtenteils die Landeszentrale fĂŒr Medien und Kommunikation (LMK) bereit. Die Kommune ĂŒberlĂ€sst in der Regel kostenfrei die RĂ€ume und der jeweilige TrĂ€gerverein gewĂ€hrleistet durch seine (ehrenamtlichen) Mitarbeiter den Betrieb vor Ort.

In Rheinland-Pfalz wurde die Ausrichtung der Offenen KanĂ€le nach einer Novellierung des Landesmediengesetzes im April 2005 auf die zwei SĂ€ulen „Lokales“ und „Bildung“ geĂ€ndert. Auch wurde die VerknĂŒpfung mit weiteren regionalen Partnern durch Medienkompetenznetzwerke verstĂ€rkt.

Zur Bereinigung der Kabelnetzstrukturen und zur Erhöhung der Reichweite des BĂŒrgerrundfunks in Rheinland-Pfalz bei gleichzeitiger Kostensenkung wurden seit 1. Juni 2007 mehrere kleinere Sender in grĂ¶ĂŸeren Kabelinseln zusammengefĂŒhrt. Das erste auch digital im Kabelnetz verfĂŒgbare Regionalprogramm in Rheinland-Pfalz ist OK54 BĂŒrgerrundfunk aus Trier.

Folgende BĂŒrgerrundfunksender sind im jeweiligen Kabelnetz empfangbar:

Anm: * = keine eigene Kabelfrequenz - Kanalpartagierung mit einem anderen BĂŒrgerrundfunksender

Sachsen-Anhalt (Fernsehen)

In Sachsen-Anhalt gibt es folgende Offenen TV-KanÀle im jeweiligen Kabelnetz:

Schleswig-Holstein

Die Offenen KanĂ€le in Schleswig-Holstein sollen aus AkzeptanzgrĂŒnden in der nĂ€chsten Zeit umstrukturiert und die Aufgabenbereiche Fortbildung und lokale Berichterstattung verstĂ€rkt werden. Auch eine Umbenennung von „Offener Kanal Stadtname“ zu „Stadtname TV“ oder „Stadtname FM“ ist aus diesem Grunde geplant und wurde in Kiel bereits umgesetzt.

Fernsehen

In Schleswig-Holstein gibt es folgende Offenen KanÀle im jeweiligen Kabelnetz:

  • Offener Kanal Flensburg
  • Kiel TV

Radio

In Schleswig-Holstein gibt es die folgenden Offenen KanÀle:

ThĂŒringen

Fernsehen

In ThĂŒringen gibt es folgende Offenen KanĂ€le im jeweiligen Kabelnetz:

  • Offener Kanal Eichsfeld (Leinefelde)
  • Offener Kanal Gera (Gera)
  • SRB Offener Kanal Saalfeld-Rudolstadt (Saalfeld) TV nur noch eingeschrĂ€nkt

Hörfunk

In ThĂŒringen gibt es die folgenden Offenen RadiokanĂ€le:

In ThĂŒringen gibt es neben den Offenen KanĂ€len noch weitere Formen von BĂŒrgermedien, unter anderem nichtkommerzielle Lokalradios (NKL). Entsprechend Landesmediengesetz existieren NKL da, wo ein Offener Kanal Radio prĂ€sent ist. Dies ist in Erfurt und Weimar der Fall, wo sich Radio F.R.E.I. bzw. Radio Lotte die Frequenz mit dem Offenen Kanal Radio Funkwerk teilen. Zwischen OK und NKL bestehen Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten. In zukĂŒnftiger Entwicklung ist eher davon auszugehen, dass sich ein NKL mehr dem OK als umgekehrt annĂ€hert. WĂ€hrend in den OK einige Grundelemente ĂŒberholungsbedĂŒrftig sind, unterliegt das NKL einem Programmauftrag. Somit hat und bietet ein OK erheblich mehr Entfaltungsmöglichkeiten und Freiheitsgrade als ein NKL. Dies entspricht den Anforderungen unserer heutigen Mediengesellschaft deutlich besser. Vergleichbar ist dies auch bei einigen privaten aber auch öffentlich-rechtlichen Programmanbietern zu erkennen. Diese beziehen den Konsumenten und Rezipienten immer aktiver in das Programm ein. Damit befindet er sich fast in der Rolle eines Nutzers, was wiederum dem OK Grundgedanken entspricht.

Offene KanĂ€le in Österreich

Die InitialzĂŒndung fĂŒr Offene KanĂ€le in Österreich erfolgte im Rahmen eines Symposions im Rahmen des Kulturfestivals „Steirischer Herbst“ unter dem Titel „Publikum macht Programm“ mit Prof. Robert Jungk im Jahre 1975. Dabei wurden zukĂŒnftige Entwicklungen des Mediums Fernsehen diskutiert. Zwei Richtungen kristallisierten sich dabei heraus, eine KĂŒnstlergruppe (Peter Noever, Valie Export, Peter Weibel, Richard Kriesche u.a.), die Offene KanĂ€le als Kunstplattform sehen wollte und eine Gruppe, die das Medium Fernsehen BĂŒrgergruppen als Kommunikationsplattform zur VerfĂŒgung stellen wollte (Gruppe Grund 100 – mit Dominique Belloir-Verbizh, Rainer Verbizh und Ernst Kopper, die Grazer Peter Hueber, Irmtraud und Herbert Prepeluh sowie Till Römer – Berlin). Wollte man anfĂ€nglich noch ein gemeinsames Konzept verfolgen – Schaffung von freien Medienzentren in allen LandeshauptstĂ€dten – wurde diese Bestrebung vom Bund nicht gefördert und es wurden schließlich einzelne Pilotprojekte zur Förderung eingereicht. Anfang 1976 kam vom Bundesministerium fĂŒr Unterricht und Kunst (Minister Fred Sinowatz) und dem Land Burgenland die Förderung fĂŒr das Projekt „Lokales Fernsehen Burgenland“ fĂŒr die Dauer von 6 Monaten. Im Mattersburger Kulturzentrum wurde ein Videostudio eingerichtet, das jedem offen stand (Betreuerteam Dominique Belloir-Verbizh, Rainer Verbizh, Leo Kellermann, Gerhard Weiss, Irmtraud Prepeluh und Herbert Prepeluh). Nach Abschluss des Pilotprojekts im Burgenland ĂŒbersiedelte ein Teil des Arbeitsteams nach Graz, das achtmonatige Projekt „Lokales Fernsehen Steiermark“ unter fortgesetzter Förderung vom Bund und zusĂ€tzlicher UnterstĂŒtzung der SteiermĂ€rkische Landesregierung, der Stadt Graz und der Gemeinde Radkersburg konnte beginnen. Zugleich wurde der gemeinnĂŒtzige Verein „Videoinitiative Graz“ von Peter Hueber, und Herbert Prepeluh gegrĂŒndet, und im Rahmen des Projekts wurde ein fĂŒr alle zugĂ€ngliches Videostudio eröffnet. Schulen, KĂŒnstlergruppen, BĂŒrgerinitiativen, Randgruppen aber auch Einzelpersonen stand dieses Studio praktisch rund um die Uhr zur VerfĂŒgung. BeitrĂ€ge wurden auf öffentlichen PlĂ€tzen und in GasthĂ€usern prĂ€sentiert und sorgten fĂŒr rege öffentliche Diskussionen und fĂŒr weitere Videoproduktionen. Die Videoinitiative Graz fĂŒhrte in den Jahren 1977-1981 das offene Medienstudio in Graz fort; weiters wurden weiter partizipatorische Medienprojekte mit öffentlicher UnterstĂŒtzung und wechselnde Projektteams durchgefĂŒhrt, so das Projekt „Arbeiter machen Fernsehen“ 1979 in MĂŒrzzuschlag und Knittelfeld (Peter Hueber, Herbert Prepeluh, Hans Kronberger, Sepp Auer und GĂŒnther Dick); oder die Dokumentation zum Ersten Österreichischen Schriftstellerkongreß 1981 in Wien (von Walter Grond). Peter Hueber wurde 1982-83 zu mehreren Tagungen nach Deutschland eingeladen, um bei „WerkstĂ€tten Offener Kanal“ auf Einladung der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung in Bonn (Christian Longolius) ĂŒber die Erfahrungen seiner Gruppe zu berichten. Die Arbeiten der Video Initiative Graz wurden dabei als Modellprojekte fĂŒr die deutschen Offene KanĂ€le beurteilt.

Man ging Ende der siebziger Jahre davon aus, dass Offene KanĂ€le in Österreich rascher realisiert werden als in Deutschland. Vergleiche dazu die Arbeit, die Garleff Zacharias-Langhans im Auftrag der Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung Bonn erstellte: BĂŒrgermedium Video: Ein Bericht ĂŒber alternative Medienarbeit (Berlin: Volker Spiess, 1977). Doch die weitere Realisierung wurde in Österreich verzögert.

Zwar startete 1984 die Video Initiative Graz einen weiteren Versuch mit einem Offenen Kanal. Im Auftrag des Bundesministeriums fĂŒr Wissenschaft und Forschung testete man in Salzburg ein „Offenes Studio: Vorversuch Offener Kanal“. Die Video-Initiative Graz konnte ihre Pionierarbeit mit Offenen KanĂ€len in der Folge aufgrund mangelnder finanzieller UnterstĂŒtzung allerdings nicht mehr fortsetzen.

1997 starteten BĂŒrger in Eigeninitiative ihr Wohnpark TV in Wien - Alt Erlaa, das seither laufend betrieben wird.

Seit 1998 werden im Rahmen der Medienwerkstatt Linz, einer Einrichtung der Volkshochschule, Arbeiterkammer und der Stadt Linz, Fernseh- und Radiosendungen in Form eines Offenen Kanals produziert. Die Radiosendungen werden auf Radio Oberösterreich und FRO gesendet, die Fernsehsendung EINBLICK wird tÀglich im Kabelnetz der Liwest auf Sonderkanal o8 S gesendet und alle 2 Wochen gewechselt.

Im Januar 2000 wurde der Arbeitskreis Offene KanĂ€le Österreich durch eine Gruppe von Medienwissenschaftern gegrĂŒndet, um Informations- und Forschungsarbeit zu leisten und Offene FernsehkanĂ€le in Österreich dauerhaft zu etablieren.

Im Juni 2003 organisierte der Arbeitskreis Offene KanĂ€le Österreich eine Podiumsdiskussion „Zur Bedeutung Offener FernsehkanĂ€le fĂŒr Österreich“[19] in der Urania (Wien). An der Veranstaltungen nahmen Mediensprecher der vier Parlamentsparteien und Medienexperten teil. Die Veranstaltung gab wichtige Impulse fĂŒr die Realisierung eines Offenen Fernsehkanals in Wien.

Die Podiumsdiskussion fĂŒhrte im November 2003 zur GrĂŒndung der Plattform Offener Kanal Wien, die als Verband der Produktionsgruppen und Interessenvertretung fungieren soll. Rund 60 Gruppen bereiteten Redaktionen fĂŒr einen Offenen Kanal Wien vor.

In der oberösterreichischen Gemeinde Engerwitzdorf wurde ein Gemeindesender unter dem Namen Buntes Fernsehen Engerwitzdorf im Sommer 2004 in Form eines Offenen Kanals gestartet. Initiator ist die Telekom Austria.

In Wien ging ein Community-Sender unter dem Namen Okto am 28. November 2005 auf Sendung.

Offene KanÀle in Luxemburg

In Luxemburg existiert ein landesweiter TV-Privatsender .dok, der seit 2003 in den Kabelnetzen des Landes auf Sendung ist und gegen Bezahlung Sendezeit, Produktionsmaterial und Personal jedem nach Wunsch zur VerfĂŒgung stellt.

Quellen

  1. ↑ OK-Satzung Schleswig-Holstein § 2 Absatz 1
  2. ↑ Satzung der Landeszentrale fĂŒr Medien und Kommunikation fĂŒr Offene KanĂ€le in Rheinland-Pfalz (OK-Satzung) vom 27. Juni 2005, § 5 Absatz 2
  3. ↑ Satzung der Landesrundfunkzentrale Mecklenburg-Vorpommern (LRZ) zur Gestaltung, DurchfĂŒhrung und Finanzierung der Offenen KanĂ€le in Mecklenburg-Vorpommern" § 3 Absatz 1
  4. ↑ Satzung der Hessischen Landesanstalt fĂŒr privaten Rundfunk (LPR Hessen) ĂŒber die Nutzung Offener KanĂ€le (OK-Satzung) § 4 Absatz 1
  5. ↑ siehe ThĂŒringer Landesmediengesetz § 36 Absatz 1
  6. ↑ Landesmediengesetz NRW § 75 Absatz 3
  7. ↑ Satzung der Bremischen Landesmedienanstalt § 2 Absatz 1
  8. ↑ SPD-Landesorganisation Hamburg, Medien in Hamburg: Positionspapier zum Standort der Medienwirtschaft vom 5. MĂ€rz 2005, S. 7
  9. ↑ http://www.lpr-hessen.de/default.asp?m=3&s=2300
  10. ↑ h1-BeitrĂ€ge TOP 10
  11. ↑ LBM, Landesverband BĂŒrgermedien e.V. Niedersachsen
  12. ↑ Norddeutsche Kooperation (NOKO BĂŒrgermedien)
  13. ↑ a b Konzept Landesweiter AEK NRW
  14. ↑ a b Landesmediengesetz NRW
  15. ↑ Rundfunkstaatsvertrag
  16. ↑ LfM beauftragt TU Dortmund mit ProjekttrĂ€gerschaft des Lernsenders
  17. ↑ BĂŒrgerfernsehen in Nordrhein-Westfalen von Helmut Volpers und Petra Werner
  18. ↑ http://i284.photobucket.com/albums/ll14/reiereiersilberstern/okpb.png?t=1230330693
  19. ↑ „Zur Bedeutung Offener FernsehkanĂ€le fĂŒr Österreich“

Siehe auch

Weblinks


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