Olympische Sommerspiele 1960

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Olympische Sommerspiele 1960
XVII. Olympische Sommerspiele
Logo der Olympischen Sommerspiele 1960
Austragungsort Rom, ItalienItalien Italien
Teilnehmende Nationen 83
Teilnehmende Athleten 5.352 (4.741 Männer, 611 Frauen)
Wettbewerbe 150 in 17 Sportarten
Eröffnung 25. August 1960
Schlussfeier 11. September 1960
Eröffnet durch Giovanni Gronchi
Präsident
Olympischer Eid Adolfo Consolini (Sportler)
erst ab 1972 (Kampfrichter)
Olympische Fackel Giancarlo Peris
Medaillenspiegel
Platz Land G S B Total
1 Sowjetunion 1955UdSSR UdSSR 43 29 31 103
2 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 34 21 16 71
3 ItalienItalien Italien 13 10 13 36
4 Deutschland Mannschaft GesamtdeutschGesamtdeutsche Mannschaft Deutschland 12 19 11 42
5 AustralienAustralien Australien 8 8 6 22
6 TurkeiT√ľrkei T√ľrkei 7 2 - 9
7 Ungarn 1957Ungarn Ungarn 6 8 7 21
8 JapanJapan Japan 4 7 7 18
9 PolenPolen Polen 4 6 11 21
10 TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei 3 2 3 8
… … … … … …
18 Osterreich√Ėsterreich √Ėsterreich 1 1 - 2
… … … … … …
24 SchweizSchweiz Schweiz - 3 3 6
Vollständiger Medaillenspiegel

Die Olympischen Sommerspiele 1960 (offiziell Spiele der XVII. Olympiade genannt) fanden vom 25. August bis 11. September 1960 in Rom statt. In die Organisation flossen die Erfahrungen ein, die die italienischen Veranstalter vier Jahre zuvor bei der Durchf√ľhrung der Olympischen Winterspiele in Cortina d‚ÄôAmpezzo gesammelt hatten. Die Spiele standen im Zeichen des Gegensatzes von alt und neu. Au√üer in Athen 1896, 1906 und 2004 wurden nie antike Sportst√§tten mit moderner Sportarchitektur so eng verbunden wie bei diesen Spielen. Die Caracalla-Thermen und die Ruinen der Maxentiusbasilika standen den von Pier Luigi Nervi neu errichteten Bauten gegen√ľber, wobei das Olympiastadion als modernes Stadion mit antiken Elementen ausgestattet wurde.

Der d√§nische Segler Paul Elvstr√łm konnte als erster Sportler der Neuzeit seine vierte Goldmedaille in einem Einzelwettbewerb bei vier aufeinander folgenden Spielen gewinnen, sofern man Ray Ewrys Erfolg bei den Zwischenspielen 1906 au√üer acht l√§sst. Noch l√§nger erfolgreich war der ungarische S√§belfechter Alad√°r Gerevich, der bei seinen sechsten Olympischen Spielen seine sechste Goldmedaille mit der Mannschaft gewinnen konnte. Mit dem √§thiopischen Marathonl√§ufer Abebe Bikila gewann erstmals ein Schwarzafrikaner Olympisches Gold.

Inhaltsverzeichnis

Wahl des Austragungsortes

Rom war bereits f√ľr die Austragung der Olympischen Spiele 1908 vorgesehen. Das Organisationskomitee war jedoch v√∂llig unt√§tig geblieben und l√∂ste sich im Januar 1906 sogar auf. Sp√§testens nach dem Ausbruch des Vesuvs am 7. April 1906 w√§ren die Spiele in Rom ohnehin nicht mehr finanzierbar gewesen, da s√§mtliche verf√ľgbaren Geldmittel in den Wiederaufbau der √∂stlichen Vororte von Neapel flossen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) vergab daraufhin die Spiele von 1908 an London.[1] Rom bewarb sich danach erfolglos um die Spiele 1924, 1936, 1940 und 1944.

Die Entscheidung f√ľr Rom fiel auf der IOC-Sitzung am 16. Juni 1955 in Paris. Insgesamt sieben St√§dte hatten sich beworben. In der ersten Runde schieden Br√ľssel, Tokio und Mexiko-Stadt aus. In der zweiten Runde scheiterten Budapest und Detroit und in der dritten Runde konnte sich Rom gegen√ľber Lausanne durchsetzen. Die beiden St√§dte, die nach Rom die n√§chsten Ausrichter werden sollten, fielen 1955 in der ersten Runde heraus. Der engste Mitbewerber Lausanne, der Sitz des IOC, bewarb sich 1960 zum sechsten und letzten Mal.

Organisation

Das Nationale Olympische Komitee Italiens, das Comitato Olimpico Nazionale Italiano (CONI), wurde seit 1946 von Giulio Onesti geleitet, der treibenden Kraft hinter den Olympiabewerbungen f√ľr Cortina 1956 und Rom 1960. Nach der erfolgreichen Wahl 1955 wurde eine Kommission eingesetzt, der die beiden italienischen IOC-Mitglieder Paolo di Revel und Giorgio de Stefani sowie Mario Saini vom CONI angeh√∂rten. Diese Kommission kl√§rte insbesondere, dass die Verantwortlichkeit f√ľr den Sportst√§ttenbau beim Ministerium f√ľr √∂ffentliche Arbeit lag. Das eigentliche Veranstalterkomitee wurde im November 1958 gegr√ľndet. Pr√§sident war der damalige Verteidigungsminister Giulio Andreotti. Das Exekutivkomitee des Veranstalters leitete Giulio Onesti, sein Stellvertreter war Bruno Zauli. Marcello Garroni war Generalsekret√§r und Mario Saini Technischer Direktor.

Exakte Aufzeichnungen √ľber die Gesamtausgaben und -einnahmen liegen nicht vor. Die meisten Kosten √ľbernahm der italienische Staat, insbesondere die Kosten im Bereich der Infrastruktur. Gr√∂√üte Einzelposition auf der Kostenseite war der Ausbau des Flughafens Fiumicino. Die Gesamteinnahmen werden auf 7,2 Millionen US-Dollar gesch√§tzt, davon machten die Fernsehrechte 394.000 US-Dollar aus. Die gr√∂√üte Erl√∂sposition waren die Zuschauereinnahmen mit 2,6 Milliarden Lire, das entsprach 4,2 Millionen US-Dollar. [2] Daneben wurden Ertr√§ge aus Sonderbriefmarken und Sonderm√ľnzen erzielt. Die staatlichen Gelder des Fu√üball-Totos wurden zwei Jahre lang weitgehend in den Sportst√§ttenbau geleitet.

Fackellauf

Die Olympische Fackel von 1960

Die Olympische Fackel wurde am 12. August um 9:30 Uhr in Olympia entz√ľndet. Erster Fackell√§ufer war der griechische Zehnk√§mpfer Penaghoitis Epitropoulos, der bei den Spielen in Rom den 23. Platz belegen sollte. Bis zum n√§chsten Tag wurde die Flamme 330 Kilometer √ľber Pyrgos, Patras, Korinth, Megara, Eleusis und Athen nach Pir√§us getragen. Dort wurde die Flamme am 13. August um 23:00 Uhr von einem Ruderboot auf den Gro√üsegler Amerigo Vespucci gebracht. Nach rund 900 Kilometern Seereise kam die Flamme am 18. August um 21:00 in Syrakus an. Von dort wurde sie √ľber Catania nach Messina getragen. Die √úberfahrt √ľber die Stra√üe von Messina erfolgte in einem Ruderboot. Dann begann in Reggio Calabria der Lauf √ľber Cosenza, Matera, Avellino, Salerno, Neapel und Caserta nach Rom. Insgesamt wurden in Italien 1532,8 Kilometer gelaufen; am 24. August erreichte die Flamme Rom. 330 L√§ufer beteiligten sich in Griechenland und 1199 L√§ufer in Italien am Fackellauf. Am 25. August entz√ľndete der Leichtathlet Giancarlo Peris, ein achtzehnj√§hriger Sch√ľler mit griechischen Vorfahren, das Feuer im Olympiastadion.

Die Fackel war von Amedeo Maiuri nach einer in Tarquinia gefundenen etruskischen Fackel entworfen worden. Bei einer Länge von 40 Zentimetern wog die Fackel 580 Gramm.

Wettkampfstätten

Das Foro Italico und der Tiber im Jahr 2007

Die Sportanlagen waren auf zwei Hauptstandorte verteilt. Das Foro Italico liegt im Norden der Stadt zwischen dem Monte Mario und dem Tiber. Hier befinden sich das Olympiastadion, das Schwimmstadion (Stadio del Nuoto) und das Marmorstadion (Stadio dei Marmi). Im Olympiastadion war Austragungsort der Eröffnungs- und Schlussfeier sowie der Leichtathletik-Wettbewerbe. Im Marmorstadion fand ein Teil des Hockeyturniers statt. Auf der anderen Tiberseite befindet sich der Palazzetto dello Sport, in dem die Wettbewerbe im Gewichtheben und das Basketballturnier ausgetragen wurden. Im gleichen Viertel liegt das Stadio Flaminio, wo ein Teil des Fußballturniers stattfand.

Im S√ľden der Stadt liegt das Stadtviertel E. U. R., das f√ľr die Weltausstellung 1942 (Esposizione Universale di Roma) konzipiert worden war. Der dortige Palazzo dello Sport war Austragungsort des Boxturniers. Im Kongresspalast (Palazzo dei Congressi) traten die Fechter an. Au√üerdem war hier das Radstadion (Velodromo) f√ľr die Bahnradwettbewerbe errichtet worden. Teile des Wasserballturniers wurden im Schwimmbad Piscina delle Rose ausgetragen und auf Sportpl√§tzen in E. U. R. fanden weitere Hockeyspiele statt.

Der Architekt Pier Luigi Nervi war zusammen mit Annibale Vitellozzi verantwortlich f√ľr das Gesamtkonzept und die Gestaltung des Foro Italico mit dem Ausbau des Olympiastadions. Nervi errichtete auch den Palazzo dello Sport und den Palazetto dello Sport. Das Velodromo entstand nach Pl√§nen des deutschen Architekten Herbert Sch√ľrmann.

Auch in anderen Stadtteilen Roms fanden Olympische Wettbewerbe statt, so auf dem Forum Romanum. Dort wurden in der Maxentiusbasilika die Ringerwettbewerbe ausgetragen. F√ľr die Wettbewerbe im Turnen richtete man die Caracalla-Thermen her und versah sie mit einem Segeltuchdach gegen die Sonneneinstrahlung. Der Marathonlauf begann am Campidoglio (Kapitol). √úber den Viale Cristoforo Colombo f√ľhrte die Strecke in den S√ľden nach Citinia und von dort zur Via Appia Antica, auf der stadteinw√§rts die letzten Kilometer gelaufen wurden. Das Ziel war am Konstantinsbogen.

Au√üerhalb Roms auf dem Albaner See (Lago Albano) bei Castel Gandolfo wurde die Regattastrecke f√ľr Ruderer und Kanuten eingerichtet. Die Olympischen Segelwettbewerbe fanden vor Neapel statt. Neapel war auch eine der Gastgeberst√§dte f√ľr das Olympische Fu√üballturnier, au√üerdem wurde in Florenz, Grosseto, L‚ÄôAquila, Livorno und Pescara gespielt. Das Stadio San Paolo in Neapel war mit einem angegebenen Fassungsverm√∂gen von 90.000 Zuschauern die gr√∂√üte Sportst√§tte, das Olympiastadion in Rom fasste 80.000 Zuschauer.

Unterk√ľnfte

Das Olympische Dorf (Villagio Olimpico) f√ľr die Teilnehmer der Olympischen Spiele und f√ľr die Teilnehmer der Sommer-Paralympics 1960 wurde auf dem Campo Parioli errichtet. Der Campo Parioli liegt im Stadtteil Parioli gegen√ľber dem Foro Italico auf der anderen Seite des Tibers. In unmittelbarer N√§he des Olympischen Dorfs befinden sich der Palazzetto dello Sport und das Stadio Flaminio. Der Ausbau des Olympiadorfes kostete zusammen mit der notwendigen Infrastruktur rund 13,5 Milliarden Lire. Die Wohnanlagen dienten nach den Paralympics als Wohnungen f√ľr italienische Staatsbeamte.

Teilnehmer

Teilnehmende Nationen 1960 in Rom. Gr√ľn markiert sind die Nationen, die schon einmal an Olympischen Spielen teilgenommen hatten, blau sind diejenigen, die 1960 zum ersten Mal teilnahmen
Anzahl der Athleten

Insgesamt nahmen 5352 Sportler aus 83 L√§ndern an den Olympischen Spielen teil, darunter 611 Frauen. Die Mannschaft Chiles wurde vom Veranstalter finanziell besonders unterst√ľtzt, nachdem im Mai ein schweres Erdbeben in S√ľdchile eine Million Menschen obdachlos gemacht hatte. Erstmals dabei waren Marokko, Sudan und Tunesien sowie San Marino. Ghana hatte schon vor der Unabh√§ngigkeit 1952 als Goldk√ľste teilgenommen.

1958 hatten sich Jamaika, Barbados sowie Trinidad und Tobago zusammengeschlossen. Sie traten gemeinsam als Westindische Föderation an. Die Mannschaft bestand aus acht Jamaikanern und sechs Athleten aus Trinidad und Tobago, Barbados entsandte erst 1968 erstmals Sportler zu den Olympischen Spielen.[3] Manchmal wird der Sprinter James Wedderburn auch Barbados zugeordnet.[4]

Ebenfalls 1958 hatten sich √Ągypten und Syrien zur Vereinigten Arabischen Republik zusammengeschlossen und traten auch zusammen unter diesem Namen an.

Europa (3447)
Amerika (828)
Asien (529)
Afrika (320)
Ozeanien (228)
(In Klammern: Zahl der teilnehmenden Athleten)

Vier Fälle erwiesen sich im Vorfeld als besonders problematisch.

Problemfall Deutschland

Briefmarke der Post der DDR (1960): Olympische Sommerspiele 1960

Wie schon 1956 traten die BRD und die DDR mit einer gemeinsamen Mannschaft an. Ein neues Problem war die Flagge, nachdem die DDR 1959 als Emblem Hammer und Zirkel in die Flagge aufgenommen hatte. Die Olympiamannschaft trat als Kompromiss mit der deutschen Fahne an und hatte als Emblem im roten Feld die Olympischen Ringe in wei√üer Farbe. Die Regierung der BRD protestierte gegen diesen Vorschlag, aber letztlich setzte sich die Kompromissformel auf Druck des IOC durch. In den meisten Sportarten fanden Qualifikationswettbewerbe zwischen den Athleten aus der DDR und aus der BRD statt. In der gemeinsamen Mannschaft standen letztlich 173 Sportler aus der BRD und 119 aus der DDR. Gegen√ľber Melbourne hatte sich die Mannschaftsst√§rke damit mehr als verdoppelt. W√§hrend f√ľr Melbourne nur Sportler aufgestellt wurden, die eine Endkampfchance hatten, wurden nach Rom alle Athleten geschickt, die sich bei den innerdeutschen Wettk√§mpfen durchsetzen konnten. Gemeinsame Mannschaften in Mannschaftssportarten wurden nicht gemeldet. Ausnahmen von dieser Regel gab es in Sportarten wie Turnen, wo zum Mannschaftsergebnis Einzelleistungen addiert werden. Die Kanustaffel, bestehend aus zwei BRD-Kanuten und zwei DDR-Kanuten, gewann sogar Olympisches Gold, beide Damenstaffeln im Schwimmen erreichten als gemischte Teams Medaillen. Als Delegationschef der Deutschen Mannschaft fungierte Gerhard St√∂ck (West), sein Stellvertreter war Manfred Ewald (Ost).

Problemfall China

F√ľr das IOC als besonders knifflig und langwierig erwies sich die Frage, ob die Volksrepublik China oder Taiwan oder beide oder sogar beide in einer gemeinsamen Mannschaft antreten d√ľrfen. Nachdem die Volksrepublik China 1952 an den Spielen in Helsinki teilnehmen wollte ‚Äď wegen Visumproblemen trat dann nur ein Schwimmer an ‚Äď, hatte Taiwan seine Sportler zur√ľckgezogen. 1956 in Melbourne hatte die Volksrepublik f√ľr einen Start verlangt, dass Taiwan von den Olympischen Spielen ausgeschlossen werden m√ľsse, was das IOC abgelehnt hatte. In Melbourne waren 21 Sportler aus Taiwan am Start. Im Vorfeld der Spiele von Rom hatte sich der Konflikt etwas entsch√§rft, nachdem die Volksrepublik China am 25. August 1958 aus dem IOC und aus allen Einzelverb√§nden ausgetreten war. Trotzdem gab es im Vorfeld der Spiele in Rom Streit: Sollte Taiwan unter dem Namen Republik China antreten d√ľrfen oder nicht. IOC-Pr√§sident Avery Brundage legte sich recht fr√ľh darauf fest, dass der Name China nur mit der Erg√§nzung Taiwan erw√§hnt werden d√ľrfe, da die Republik China eben nicht ganz China vertrete.

Problemfall Korea

Im IOC versuchten die Vertreter Bulgariens und der Sowjetunion die Aufnahme Nordkoreas durchzusetzen, was auf den erbitterten Widerstand S√ľdkoreas stie√ü. Auch der Kompromissvorschlag einer gemeinsamen Mannschaft wurde von S√ľdkorea kategorisch abgelehnt, da wegen der geschlossenen Grenze kein innerkoreanischer Sportverkehr m√∂glich sei. Das IOC vertagte schlie√ülich die Frage der Aufnahme Nordkoreas, Nordkorea nahm nicht an den Spielen in Rom teil.

Problemfall Apartheid

1955 hatte der Amateurboxverband AIBA als erster die Tatsache aufgegriffen, dass in einigen L√§ndern sportlicher Kontakt zwischen schwarzen und wei√üen Sportlern verboten war. Avery Brundage hatte dies als unvereinbar mit dem Olympischen Geist bezeichnet. Auf der IOC-Tagung 1959 wurde das Thema ausf√ľhrlich besprochen, der Vertreter S√ľdafrikas erkl√§rte, dass sein Land keinen schwarzen Sportler an der Reise zu den Olympischen Spielen hindern werde. An den Olympischen Spielen in Rom nahmen 55 Sportler aus S√ľdafrika teil, es handelte sich ausnahmslos um wei√üe Athleten. Vor den Olympischen Sommerspielen 1964 wurde S√ľdafrika aus der Olympischen Bewegung ausgeschlossen und kehrte erst nach dem Ende der Apartheid 1992 zur√ľck.

Medaillen und Auszeichnungen

1957 lehnte das IOC auf der 54. Session den Antrag ab, die Sieger mit einem Olivenkranz auszuzeichnen. Trotzdem gab es eine Neuerung bei den Siegerehrungen: Die Medaillen wurden nicht mehr in einer Schatulle √ľberreicht, sondern waren an einer Bronzekette befestigt, die den Athleten um den Hals gelegt wurde. Die Kette bestand aus stilisierten Olivenbl√§ttern. Bei unechten Mannschaftswettbewerben erhielt die siegreiche Mannschaft nur eine Medaille, jedes Team-Mitglied erhielt aber das Olympische Diplom. Als unechte Mannschaftswettbewerbe wurden Entscheidungen wie der Mannschaftswettbewerb der Military-Reiter oder der Modernen F√ľnfk√§mpfer betrachtet, die sich aus der Addition der Einzelleistungen ergaben, ohne dass √ľber den Einzelwettbewerb hinausgehende Leistungen zu erbringen waren.

Die Medaillen wurden von der Werkstatt Aristici Florentini in Florenz hergestellt. Sie hatten einen Durchmesser von 68 mm, waren 3,6 mm dick und wogen 102 Gramm. Die Vorderseite zeigte einen siegreichen Athleten und als Inschrift die italienische Bezeichnung der Sportart, die R√ľckseite zeigte die Siegesg√∂ttin und die Inschrift Giochi Olimpici Roma 1960 (Olympische Spiele Rom 1960). Das Siegerdiplom f√ľr die sechs Besten jeder Sportart zeigte das von Armando Testa entworfene Logo der Spiele, eine W√∂lfin, die Romulus und Remus s√§ugt. Jedes Diplom enthielt den Namen des Sportlers, das NOK des Sportlers sowie Platzierung und Disziplin.

Sportarten, Zeitplan, Besucherzahlen

Nach Übereinkunft mit der römisch-katholischen Kirche stellte das Organisationskomitee den Zeitplan so auf, dass die ersten beiden Sonntage veranstaltungsfrei waren. Am zweiten Sonntag fand allerdings im Feldhockey ein Entscheidungsspiel statt, da die Niederlande und Neuseeland nach der Vorrunde punktgleich waren. Am dritten Sonntag wurden der Preis der Nationen und die Abschlussfeier ausgetragen.

Zeitplan der Olympischen Sommerspiele 1960
August und September 25 26 27 28 29 30 31 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 Zuschauer
Eröffnung 57.382
Basketball 1 76.310
Boxen 10 83.529
Fechten 1 1 1 1 1 1 1 1 20.939
Feldhockey 1 23.604
Fußball 1 252.759
Gewichtheben 2 2 2 1 8.008
Kanu 7 5.366
Leichtathletik 2 4 7 3 3 4 4 6 1 448.338
Moderner F√ľnfkampf 2 3.765
Radsport 2 1 2 1 31.022
Reiten 1 1 2 1 64.465 *
Ringen 8 8 26.729
Rudern 7 18.434
Schießen 1 1 2 1 1 3.718
Schwimmen 3 2 3 2 3 3 4 181.432
Segeln 5 3.233
Turnen 2 2 4 6 44.443
Ausstellungen 15.586
Training 12.430
Abschluss 54.599
August und September 25 26 27 28 29 30 31 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 Zuschauer

(* Besucherzahl beim Reiten wurde als Differenz zur Gesamtzuschauerzahl von 1.436.091 errechnet.)

Insgesamt wurden 150 Disziplinen ausgetragen, eine weniger als vier Jahre zuvor. Sechs Disziplinen kamen neu oder wieder ins Programm, sieben Disziplinen wurden gestrichen, zwei Disziplinen wurden ausgetauscht. G√§nzlich neu waren die Lagenstaffeln f√ľr M√§nner und Frauen beim Schwimmen und der Mannschaftswettbewerb im Florettfechten der Frauen. Ebenfalls neu waren der Zweierkajak der Frauen und die 4x500-Meter-Staffel der M√§nner im Kajak, wobei die Staffel ab 1964 durch den Viererkajak ersetzt wurde. Der 800-Meter-Lauf der Frauen wurde nach 1928 zum zweiten Mal ausgetragen. Im Radsport wurde die Mannschaftswertung beim Stra√üenrennen durch das 100-km-Mannschaftsfahren abgel√∂st. Im Segeln wurde der Sharpie durch den Flying Dutchman ersetzt.

Gestrichen wurden alle vier Wettbewerbe der Kanuten √ľber 10.000 Meter. Die Gruppengymnastik mit Handger√§ten der Frauen stand in ver√§nderter Form 1996 in der Rhythmischen Sportgymnastik wieder auf dem Programm. Der Schie√üwettbewerb auf den laufenden Hirsch lebte 1972 als Schie√üen auf die Laufende Scheibe wieder auf. Schlie√ülich wurde im Dressurreiten kein Mannschaftswettbewerb ausgetragen, zum einzigen Mal seit 1928.

Als Demonstrationssportarten wurden f√ľnf historische Spiele vorgef√ľhrt.[5] Im heutigen Sprachgebrauch d√ľrfte es sich dabei aber eher um einen Teil des Rahmenprogramms gehandelt haben.

Zeremonien

Am Tage vor der Eröffnung fand auf dem Petersplatz ein Gottesdienst statt, an dem 100.000 Zuschauer teilnahmen, darunter Sportler aller Mannschaften außer der Sowjetunion. Papst Johannes XXIII. erteilte allen Teilnehmern der Olympischen Spiele seinen Segen.

Die Er√∂ffnungsfeier am 25. August im vollbesetzten Olympiastadion begann mit dem Einmarsch der Nationen. Die Mannschaft Nationalchinas/Taiwans folgte einem Schild mit der Aufschrift Taiwan, ein Taiwaner marschierte mit einem weiteren Schild mit der Aufschrift ‚Äěunder Protest‚Äú vorne weg. Fahnentr√§ger der Mannschaft aus den Vereinigten Staaten war zum ersten Mal ein Farbiger, der Zehnk√§mpfer Rafer Johnson. Der Fahnentr√§ger der sowjetischen Mannschaft, der Gewichtheber Juri Wlassow, demonstrierte seine St√§rke und trug die Fahne mit einem ausgestreckten Arm. Die Fahne der gesamtdeutschen Mannschaft trug der westdeutsche Reiter Fritz Thiedemann. Den Olympischen Eid sprach Adolfo Consolini, Diskuswurf-Olympiasieger von 1948. Unmut erregte die Rede von Giulio Andreotti, des Pr√§sidenten des Organisationskomitees, da er ein umfangreiches Manuskript vorbereitet hatte, welches er in voller L√§nge vorlas. Nach ihm sprach IOC-Pr√§sident Avery Brundage, der auf dem Weg zum Rednerpult demonstrativ sein Manuskript in eine Anzugtasche steckte.[6] Brundage dankte dem Veranstalter nur kurz f√ľr die Vorbereitungen und bat danach Staatspr√§sident Giovanni Gronchi, die Spiele zu er√∂ffnen.

Der Zeitplan f√ľr die Schlussfeier am 11. September baute darauf auf, dass vorher der zweite Umlauf im Mannschaftswettbewerb der Springreiter stattfinden sollte. Nachdem im ersten Umlauf einige Mannschaften durch das Ausscheiden des dritten Reiters geplatzt waren, wurden kurzerhand die Regeln ge√§ndert. Im zweiten Umlauf durften demnach auch Reiter antreten, deren Mannschaft bereits ausgeschieden war, sonst w√§re die Veranstaltung zu schnell vorbei gewesen.[7] Die eigentliche Schlussfeier fand im Anschluss statt, Hauptredner war Avery Brundage.

Wettbewerbe

Basketball

Erstmals fand vor dem Basketball-Turnier eine Qualifikation statt. Eine Woche vor den Spielen qualifizierten sich in Bologna noch f√ľnf Mannschaften f√ľr die Teilnahme in Rom, elf Teams waren gesetzt. Das eigentliche olympische Turnier wurde in drei Runden ausgetragen, wobei die Ergebnisse der zweiten Runde in die dritte Runde mitgenommen wurden. Ein echtes Endspiel gab es nicht, da die Mannschaften aus den USA und der Sowjetunion bereits in der zweiten Runde aufeinander getroffen waren. Die USA gewannen dieses Spiel mit 81:57. In der dritten Runde siegten beide Teams gegen Brasilien und Italien. Beim f√ľnften Olympischen Basketball-Turnier siegte zum f√ľnften Mal die US-Auswahl. Zehn Mitglieder der 1960er-Mannschaft wechselten sp√§ter in die NBA, vier Mitglieder des Teams wurden nach ihrer Karriere in die Hall of Fame aufgenommen: Walt Bellamy, Jerry Lucas, Oscar Robertson und Jerry West.

Ergebnis√ľbersicht siehe Basketball

Boxen

Das Boxturnier im Palazzo dello Sport war in der Vorrunde von zahlreichen Fehlurteilen gepr√§gt. 17 Kampfrichter wurden danach ausgeschlossen. Als st√§rkste Staffel erwies sich die italienische, die sieben Medaillen erboxte, davon drei in Gold. Ebenfalls drei Goldmedaillen erhielt die Staffel aus den Vereinigten Staaten, wobei der Finalsieg des Amerikaners Edward Crook im Mittelgewicht mit 3:2 gegen den Polen Tadeusz Walasek zu Tumulten auf den Trib√ľnen f√ľhrte. Den Val-Barker-Pokal f√ľr den technisch besten Boxer des Turniers erhielt der italienische Weltergewichtler Nino Benvenuti, der Ende der 1960er Jahre bei den Profis mehrfach Weltmeister im Mittelgewicht wurde. Die erfolgreichste Profikarriere sollte allerdings der 18-j√§hrige Olympiasieger im Halbschwergewicht vor sich haben: Cassius Clay wurde unter diesem Namen Boxweltmeister im Schwergewicht und unter seinem sp√§teren Namen Muhammad Ali zum wohl ber√ľhmtesten und gr√∂√üten Boxer aller Zeiten.

Im Finale des Halbweltergewichts verlor der Ghanaer Clement Quartey gegen Bohumil Nńõmeńćek aus der Tschechoslowakei. Quartey gewann damit die Silbermedaille, die erste olympische Medaille f√ľr einen Schwarzafrikaner √ľberhaupt. F√ľnf Tage sp√§ter gewann im Marathonlauf der erste Schwarzafrikaner Olympisches Gold.

Ergebnis√ľbersicht siehe Boxen

Fechten

Im S√§belfechten und im Degenfechten dominierten die Mannschaften, die seit Jahren erfolgreich waren. Die ungarischen S√§belfechter hatten seit 1928 bei allen Spielen Mannschaftsgold erfochten. Alad√°r Gerevich war seit 1932 dabei, P√°l Kov√°cs seit 1936 und Rudolf K√°rp√°ti seit 1948. In Rom erk√§mpfte Gerevich seine siebte Goldmedaille, Kov√°cs seine sechste und K√°rp√°ti seine f√ľnfte und sechste, da er auch im Einzel siegte. Ebenfalls seine sechste Goldmedaille gewann Italiens Edoardo Mangiarotti mit der italienischen Degenmannschaft, Giuseppe Delfino gewann die Einzelwertung. Michael Alexander, der sp√§tere britische Botschafter in √Ėsterreich, gewann Silber mit der britischen Degenmannschaft. Im Florettfechten hingegen erreichten die Franzosen nach drei Einzelsiegen keinen Podestplatz mehr. Die Mannschaft der Sowjetunion um Einzelsieger Wiktor Schdanowitsch dominierte das Turnier. Bei den Damen gewann mit Heidi Schmid 32 Jahre nach Helene Mayer 1928 wieder eine deutsche Fechterin. Die erstmals ausgetragene Mannschaftswertung gewann die sowjetische Mannschaft vor den Ungarinnen und den Italienerinnen.

Ergebnis√ľbersicht siehe Fechten

Feldhockey

Die Mannschaft Indiens hatte seit 1928 sechsmal in Folge das Olympische Hockeyturnier gewonnen. Bei den Asienspielen 1958 hatten die Inder allerdings gegen Pakistan verloren. Diese beiden Mannschaften standen sich auch im Finale von Rom gegen√ľber. Durch ein Tor von Nasir Ahmad in der sechsten Minute siegte die pakistanische Mannschaft. Es war die erste Goldmedaille f√ľr Pakistan bei Olympischen Spielen. F√ľr Indien beendete die Niederlage eine olympische Serie von drei√üig Siegen mit einem Torverh√§ltnis von 196:8.

Kurioserweise war das Turnier mit dem Finale noch nicht beendet. Bei den Spielen um Platz 5 bis 8 endete die Partie zwischen Australien und Kenia Unentschieden. Daraufhin hatte der Schiedsrichter per Los die Australier aufsteigen lassen. Nach einem Protest der Kenianer wurde die Partie einen Tag nach dem Finale wiederholt, die Australier gewannen dieses Wiederholungsspiel. Am Tag der Schlussfeier spielten Australier und Neuseel√§nder dann noch den f√ľnften Platz aus, es gewannen die etwas ausgeruhteren Neuseel√§nder.

Ergebnis√ľbersicht siehe Feldhockey

Fußball

Zugelassen zur Teilnahme waren nur Amateurfußballer, wobei dies in den westlichen Ländern mit Profifußball in der Regel alle Erstligaspieler ausschloss. In den Ostblockstaaten wurden auch die obersten Ligen als Amateurligen im Olympischen Sinne definiert. Zugelassen waren außerdem nur Spieler, die nicht an der Weltmeisterschafts-Endrunde 1958 in Schweden teilgenommen hatten, weshalb die Mannschaften Jugoslawiens, Ungarns, der CSSR und der Sowjetunion bereits in der Qualifikation auf einige Asse verzichten mussten. Ungarn und Jugoslawien qualifizierten sich trotzdem in der erstmals ausgetragenen Qualifikationsrunde.

Die Überraschung des Turniers war die dänische Auswahl, die in der Vorrunde Argentinien und Polen besiegte; im Halbfinale siegten die Dänen mit 2:0 gegen die letztlich drittplatzierten Ungarn. Im Finale unterlagen die Dänen schließlich der jugoslawischen Auswahl. In der jugoslawischen Mannschaft standen im Finale acht Spieler auf dem Feld, die zwei Monate zuvor im Finale der Fußball-Europameisterschaft gegen die Sowjetunion gespielt hatten.

Ergebnis√ľbersicht siehe Fu√üball

Gewichtheben

Vier Jahre zuvor in Melbourne hatten die Heber aus den USA viermal Gold gewonnen, die Sowjetunion nur dreimal. In Rom verteidigte der Bantamgewichtler Charles Vinci seinen Titel, blieb aber einziger Sieger aus den USA. F√ľnf Heber aus der Sowjetunion gewannen ihre Gewichtsklasse, wobei Arkadi Worobjow im Mittelschwergewicht seinen Titel verteidigte. Eine Klasse darunter siegte Ireneusz PaliŇĄski aus Polen. Er war damit der erste Olympiasieger seit den √Ągyptern Fayad und Shams 1948, der nicht aus den USA oder der Sowjetunion kam. In der obersten Gewichtsklasse l√∂ste Juri Wlassow die seit 1948 erfolgreichen US-Heber ab und leitete eine Siegesserie ein, die bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion nur durch den Olympiaboykott 1984 unterbrochen wurde.

Mit Ausnahme des Polen, der vom Ausfall des Favoriten Plukfelder profitierte, stellten alle Olympiasieger den bestehenden Weltrekord ein oder √ľbertrafen ihn. Im Leichtgewicht gewann Wiktor Buschujew vor Tan Howe Liang aus Singapur und Abdul Wahid Aziz aus dem Irak. Sowohl f√ľr Singapur als auch f√ľr den Irak ist dies die bislang einzige Medaille bei Olympischen Spielen.

Ergebnis√ľbersicht siehe Gewichtheben

Kanu

Ruder- und Kanuregatten fanden auf dem Albaner See statt

Bei der Regatta auf dem Albaner See (Lago Albano) wurden die bis heute √ľblichen Hoffnungsl√§ufe f√ľr die in den Vorl√§ufen unterlegenen Kanuten eingef√ľhrt. Mit Bronze im Kajakeiner und Gold im Kajakzweier gelang es dem Schweden Gert Fredriksson auch bei seinen vierten Olympischen Spielen, zwei Medaillen zu gewinnen. Die meisten Medaillen gingen an die ungarischen Kanuten, f√ľr die aber nur J√°nos Parti im Einerkanadier Gold errang. Die Kanuten aus der Sowjetunion gewannen mit vier Medaillen zwei weniger als die Ungarn, davon aber dreimal Gold. F√ľr Deutschland erhielt Therese Zenz im Einer und im Zweier Silber, jeweils hinter Antonina Seredina. Die erstmals und letztmals ausgetragene Kajakstaffel gewann eine gesamtdeutsche Mannschaft. Zwei Kanuten aus dieser Mannschaft, Friedhelm Wentzke (West) und G√ľnter Perleberg (Ost), sollten vier Jahre sp√§ter nach der Flucht Perlebergs in den Westen gemeinsam im Viererkajak Silber gewinnen.

Sowohl bei den Kanuregatten als auch bei den Ruderregatten wurden erstmals Bojen aneinander befestigt und dadurch die einzelnen Bahnen bis zum Ziel getrennt. Diese Verwendung von Bojenketten zur Bahnabgrenzung heißt noch heute nach dem Austragungsort Albano-System.

Ergebnis√ľbersicht siehe Kanu

Leichtathletik

Seit 1912 die 4x100-Meter-Staffel der M√§nner erstmals ausgetragen worden war, hatten die Vereinigten Staaten immer mindestens eine Goldmedaille auf den drei Sprintstrecken gewonnen. Diese Serie endete 1960. √úber 100 Meter siegte der deutsche Armin Hary in 10,2 Sekunden. In der Sprintstaffel erreichte Armin Hary seine zweite Goldmedaille, nachdem die US-Stafette wegen √úberschreitung der Wechselmarke disqualifiziert worden war. √úber 200 Meter gewann der Italiener Livio Berruti und stellte mit 20,5 Sekunden den Weltrekord ein. Auf der langen Sprintstrecke gen√ľgte die Einstellung des Weltrekordes nicht f√ľr Gold: Der US-Amerikaner Otis Davis und der Deutsche Carl Kaufmann unterboten beide den Weltrekord um 0,3 Sekunden, Davis gewann Gold vor Kaufmann. Auch in der 4x400-Meter-Staffel lief Davis vor Kaufmann √ľber die Ziellinie. Im H√ľrdenlauf konnten mit Lee Calhoun (110 Meter) und Glenn Davis (400 Meter) die Olympiasieger von Melbourne ihren Titel verteidigen.

Auf den Mittelstrecken dominierten L√§ufer aus Ozeanien. √úber 800 Meter √ľbersprintete der noch weitgehend unbekannte Neuseel√§nder Peter Snell den favorisierten Belgier Roger Moens. √úber 1500 Meter gewann mit Weltrekord und Riesenvorsprung der Australier Herb Elliott, der als Erwachsener nie ein Rennen √ľber 1500 Meter oder die Meile verlor. Auch √ľber 5000 Meter siegte mit dem Neuseel√§nder Murray Halberg ein L√§ufer vom f√ľnften Kontinent. Hans Grodotzki aus der DDR erhielt sowohl √ľber 5000 Meter als auch √ľber 10.000 Meter Silber. Im Marathonlauf gewann der barfu√ü laufende √Ąthiopier Abebe Bikila die erste Olympische Goldmedaille durch einen Schwarzafrikaner, hinter ihm holte Rhadi Ben Abdesselam als Zweitplatzierter die erste Medaille f√ľr Marokko √ľberhaupt.

In den technischen Disziplinen galten meist US-Athleten als Favorit: Im Stabhochsprung gewann der Favorit Don Bragg, der letzte Weltrekordler vor Einf√ľhrung des Kunststoffstabes. Im Hochsprung hingegen kam es zu einem Favoritensturz: John Thomas unterlag den Sowjetspringern Robert Schawlakadse und Waleri Brumel. Ralph Boston konnte im Weitsprung den Olympischen Rekord von Jesse Owens √ľbertreffen. Im Diskuswurf gewann Al Oerter seine zweite Goldmedaille, w√§hrend Parry O‚ÄôBrien nach zweimal Gold im Kugelsto√üen dieses Mal nur Silber gewann. Mit dem Polen J√≥zef Szmidt im Dreisprung und dem sowjetischen Geher Wolodymyr Holubnytschyj gewannen zwei Athleten aus dem Ostblock ihre erste Goldmedaille, die ihre Disziplin √ľber Jahre pr√§gen sollten. Als spannender Wettkampf ging der Zehnkampf zwischen dem schwarzen Amerikaner Rafer Johnson und dem Taiwaner Yang Chuan-Kwang in die Leichtathletikgeschichte ein. Am Schluss gewann Johnson knapp vor Yang, beide hatten √ľber 500 Punkte Vorsprung auf den drittplatzierten Russen Wassili Kusnezow.

Hatten die US-Sprinter entt√§uscht, so wurde die Sprinterin Wilma Rudolph zu einem der gr√∂√üten Stars der Spiele von Rom. Die wegen ihres eleganten Laufstils als ‚ÄěSchwarze Gazelle‚Äú bezeichnete L√§uferin siegte auf beiden Strecken mit klarem Vorsprung und lief auch als Schlussl√§uferin der Staffel als erste ins Ziel. Die anderen Frauenwettbewerbe wurden weitgehend von Athletinnen aus der Sowjetunion dominiert. Ljudmila Schewzowa gewann die 800 Meter, die nach 32 Jahren wieder auf dem Programm standen. Die ukrainischen Press-Schwestern siegten im H√ľrdenlauf (Irina) und im Kugelsto√üen (Tamara); die beiden Schwestern dominierten die Leichtathletik in den fr√ľhen 1960er Jahren. Im Diskuswerfen konnte Nina Ponomarjowa vor Tamara Press gewinnen. Im Speerwurf gewann Elvńęra OzoliŇÜa vor der Olympiasiegerin von 1952, Dana Z√°topkov√°. Au√üer dem Gold f√ľr Wilma Rudolph und ihre Staffelkameradinnen ging nur eine Goldmedaille nicht in die Sowjetunion. Die √ľberragende Hochspringerin Iolanda Bala»ô aus Rum√§nien siegte mit vierzehn Zentimetern Vorsprung auf ihre Konkurrentinnen. Wie der Stabhochspringer Don Bragg versuchte sie die Aufstellung eines neuen Weltrekordes, in beiden F√§llen war aber nach dem Olympiasieg nicht mehr die notwendige Anspannung vorhanden.

Ergebnis√ľbersicht siehe Leichtathletik

Moderner F√ľnfkampf

Der amtierende Weltmeister Igor Nowikow aus der Sowjetunion und der ungarische Vizeweltmeister Andr√°s Balcz√≥ vergaben ihre Siegchancen bereits im Reiten und im Schie√üen. Obwohl sie im Schwimmen und im Gel√§ndelauf aufholten, beendeten sie den Wettkampf auf den Pl√§tzen 5 und 4. Sieger wurde mit Ferenc N√©meth ein F√ľnfk√§mpfer, der vor und nach Rom keinen gro√üen Erfolg erringen konnte. In der Mannschaftswertung gewannen die Ungarn mit rund 500 Punkten Vorsprung vor der Mannschaft aus der Sowjetunion.

Ergebnis√ľbersicht siehe Moderner F√ľnfkampf

Radsport

Die Bahnwettbewerbe wurden von den italienischen Gastgebern dominiert, die in allen vier Wettbewerben Gold holten. Sante Gaiardoni siegte dabei sowohl im Sprint als auch im Zeitfahren. In drei Wettbewerben gewannen deutsche Radfahrer die Silbermedaille.

Im erstmals ausgetragenen 100-km-Mannschaftszeitfahren auf der Stra√üe siegten ebenfalls die Italiener vor den Deutschen um die DDR-Radsportlegende T√§ve Schur. Der Viererwettbewerb wurde √ľberschattet vom Tod des d√§nischen Radfahrers Knud Enemark Jensen. Offizielle Todesursache war eine Gehirnverletzung nach Hitzschlag und Sturz vom Rad. Sp√§ter wurde festgestellt, dass Jensen mit Amphetaminen gedopt war. Jensen war der zweite Sportler, der im Einsatz bei Olympischen Spielen starb; der erste war 1912 der portugiesische Marathonl√§ufer Francisco L√°zaro gewesen. Vier Tage nach dem Mannschaftszeitfahren wurde das Einzelrennen auf einem Rundkurs durch den Stadtteil Flaminio gestartet. Der Italiener Livio Trap√® und der Russe Wiktor Kapitonow konnten sich nach acht von zw√∂lf Runden vom Feld absetzen. Trap√®s Ausrei√üversuch in der Schlussrunde wurde vom Russen gekontert, der das einzige Radportgold f√ľr einen Nichtitaliener erringen konnte.

Ergebnis√ľbersicht siehe Radsport

Reiten

Seit 1928 stand im Dressurreiten die Mannschaftswertung im Olympischen Programm, 1960 wurde dieser Wettbewerb nicht ausgetragen, aber 1964 wieder aufgenommen. Den Einzelwettbewerb gewann der Russe Sergei Filatow vor dem Schweizer Gustav Fischer und dem Deutschen Josef Neckermann, Vierter wurde der Schwede Henri Saint Cyr, der 1952 und 1956 Gold erhalten hatte.

Der Geländeritt in der Military erwies sich als sehr schwer, zum einen wegen der Hitze und zum anderen wegen eines anspruchsvollen Parcours in den Albaner Bergen. Die Einzelwertung gewann der Australier Lawrence Morgan, das Mannschaftsergebnis wurde aus den Einzelleistungen addiert, die Australier erhielten Gold vor den Schweizern.

Zwei italienische Br√ľder dominierten das Einzelspringen auf der Piazza di Siena: Raimondo D‚ÄôInzeo siegte vor Piero D‚ÄôInzeo. Das Mannschaftsspringen, der Preis der Nationen, wurde als letzte Veranstaltung der Spiele unmittelbar vor der Abschlussfeier im Olympiastadion ausgetragen. Raimondo D‚ÄôInzeo war auch hier der beste Einzelreiter, aber Piero D‚ÄôInzeo und der dritte Italiener Antonio Oppes patzten, sodass der Weg f√ľr die deutsche Equipe (mit Halla und Meteor) frei war, die Italiener gewannen Bronze hinter der Mannschaft aus den Vereinigten Staaten.

Ergebnis√ľbersicht siehe Reiten

Ringen

In den Tonnengew√∂lben der Maxentiusbasilika waren die Ringermatten ausgelegt. Auf dem Platz davor standen die Zuschauertrib√ľnen.

Ringen ist insbesondere in seiner griechisch-r√∂mischen Variante schon namentlich mit der r√∂mischen Geschichte eng verbunden, auch wenn in der Antike eher im freien Stil gerungen wurde. Die Ringerwettbewerbe fanden in historischer Kulisse in der Maxentiusbasilika neben dem Kolosseum statt. F√ľr die Ringer und vor allem f√ľr die Kampfrichter war es allerdings ein Problem, dass die wei√üen Matten die Sonnenstrahlen reflektierten. Gro√üe Hitze bei K√§mpfen in der Mittagszeit und unaufmerksame Kampfrichter beeintr√§chtigten insbesondere die K√§mpfe in der ersten Woche. Die Wettk√§mpfe begannen mit dem griechisch-r√∂mischen Turnier, je drei Sieger kamen aus der T√ľrkei und der Sowjetunion; Rum√§nien und Bulgarien stellten einen Olympiasieger. Im Freistilturnier stellten noch weniger L√§nder Olympiasieger: Vier T√ľrken, drei Ringer aus den USA und ein Deutscher waren erfolgreich. Der Schwergewichtler Wilfried Dietrich hatte bereits in Melbourne und auch jetzt in Rom jeweils Silber in der griechisch-r√∂mischen Kampfweise gewonnen. Sein Freistil-Gold vor dem t√ľrkischen Titelverteidiger Hamit Kaplan machte ihn zum popul√§rsten Ringer der Bundesrepublik Deutschland.

Ergebnis√ľbersicht siehe Ringen

Rudern

Bei den Regatten auf dem Albaner See gewannen die deutschen Ruderer in sieben Bootsklassen drei Goldmedaillen und eine Silbermedaille. Im Einer f√ľhrte der Ostberliner Achim Hill lange, wurde aber vom Titelverteidiger Wjatscheslaw Iwanow in dessen typischem Endspurt √ľberholt. Achim Hill war der erste Medaillengewinner im Rudern aus der DDR. Juri Tjukalow, der 1952 den Einer und 1956 zusammen mit Alexander Berkutow den Doppelzweier gewonnen hatte, wurde diesmal Zweiter im Doppelzweier; die beiden Russen unterlagen dem Boot aus der Tschechoslowakei. In Deutschland ging der Sieg im Zweier mit Steuermann und im Vierer mit Steuermann etwas unter, da der Olympiasieg im Achter die meiste Aufmerksamkeit erhielt. Das von Karl Adam in Ratzeburg zusammengestellte Boot leitete eine zehnj√§hrige Erfolgsserie des Deutschlandachters ein. In dem Achter von 1960 sa√üen der sp√§tere Philosoph Hans Lenk und der sp√§tere Bild-Reporter Karl-Heinrich von Groddeck, die beide, wenn auch auf unterschiedliche Weise, den Nachruhm des Achters von 1960 bekr√§ftigten.

Ergebnis√ľbersicht siehe Rudern

Schießen

Die Schie√üwettbewerbe fanden auf zwei Schie√üanlagen in Rom statt, der Wettbewerb mit dem freien Gewehr wurde in Cesano ausgetragen, 30 Kilometer von Rom entfernt. Die sechs Entscheidungen gewannen Sch√ľtzen aus f√ľnf L√§ndern. Zweimal Gold erhielten Sportler aus der Sowjetunion, je einmal Gold erhielten Sportler aus den USA, Rum√§nien, Deutschland und √Ėsterreich. F√ľr Deutschland siegte der 18-j√§hrige Peter Kohnke aus Bremerv√∂rde im Wettbewerb mit dem Kleinkalibergewehr in der liegenden Position. Der 35-j√§hrige Hubert Hammerer gewann mit dem freien Gewehr die einzige Olympische Goldmedaille f√ľr √Ėsterreich bei den Spielen in Rom. Die knappste Entscheidung war das Schie√üen mit der Schnellfeuerpistole. Drei Sch√ľtzen mussten ins Stechen um die Medaillen, am Ende bewies William McMillan aus den USA die besten Nerven.

Ergebnis√ľbersicht siehe Schie√üen

Schwimmen

Die Wettbewerbe zeigten den erwarteten Zweikampf zwischen den Schwimmern Australiens und der USA. Bei den M√§nnern siegten vier Australier; Murray Rose √ľber 400 Meter Freistil und der R√ľckenschwimmer David Theile hatten ihre Wettbewerbe bereits in Melbourne 1956 gewonnen. Gold f√ľr die Schwimmer aus den USA gab es auf den Einzelstrecken im Brust- und im Schmetterlingsstil sowie in beiden Staffeln. Der beste Freistilschwimmer der Vereinigten Staaten, Jeff Farrell, trat nur in den Staffeln an, da er sich f√ľr die Einzelrennen nicht qualifizieren konnte; sechs Tage vor den US-Trials war er am Blinddarm operiert worden. Weltrekorde bei den M√§nnern schwammen beide Staffeln und Michael Troy √ľber 200 Meter Schmetterling.

Bei den Damen erhielten die Schwimmerinnen aus den Vereinigten Staaten f√ľnf Goldmedaillen, darunter beide Staffeln in Weltrekordzeit. Christina von Saltza gewann zweimal Gold mit der Staffel und das 400-Meter-Freistilschwimmen. √úber die 100-Meter-Freistil-Distanz siegte die australische Titelverteidigerin Dawn Fraser. Sie war die erste und bis 2008 einzige erfolgreiche Titelverteidigerin auf dieser prestigetr√§chtigen Strecke; vier Jahre sp√§ter in Tokio gewann sie zum dritten Mal. Die 200-Meter-Bruststrecke war der einzige Wettbewerb der Schwimmentscheidungen, in dem Gold nicht an die USA oder Australien ging. Die Britin Anita Lonsbrough schwamm Weltrekord vor den Deutschen Wiltrud Urselmann und Barbara G√∂bel, dahinter schlugen zwei niederl√§ndische Schwimmerinnen an.

Ergebnis√ľbersicht siehe Schwimmen

Wasserspringen

Siegerehrung im Kunstspringen der Damen

Im Kunstspringen der M√§nner siegte mit Gary Tobian zum neunten Mal in Folge ein US-Springer, die Serie sollte erst 1972 enden. Tobian gewann mit Silber auch im Turmspringen eine Medaille, verlor aber knapp gegen seinen Landsmann Robert Webster. Bei den Damen hatten seit 1924 nur noch Springerinnen aus den Vereinigten Staaten Gold erhalten, seit 1948 hatte das Kunst- und Turmspringen jeweils dieselbe Springerin gewonnen. Nur die zweite Serie hielt auch in Rom, da Ingrid Kr√§mer aus Dresden beide Goldmedaillen f√ľr die gesamtdeutsche Mannschaft gewann. Sie war die erste deutsche Wasserspringerin, die mit Olympischem Gold ausgezeichnet wurde.

Ergebnis√ľbersicht siehe Wasserspringen

Wasserball

Die Italiener gewannen alle Spiele des Turniers mit Ausnahme des letzten gegen die Ungarn. Das Unentschieden gen√ľgte den Italienern aber, da sie die Sowjetunion zuvor im entscheidenden Spiel besiegt hatten. Die Sowjetunion gewann Silber vor den Ungarn. In der ungarischen Mannschaft standen noch acht Mitglieder des Siegerteams von 1956, vier von ihnen hatten bereits 1952 Gold erhalten.

Mit den Italienern gewann zum ersten Mal seit 1924 wieder die Mannschaft des Gastgebers das Wasserballturnier. Nach den Italienern gelang dies bis 2007 nur noch der Sowjetunion 1980.

Ergebnis√ľbersicht siehe Wasserball

Segeln

H√∂hepunkt der Wettbewerbe in der Bucht von Neapel war aus sportlicher Sicht die vierte Goldmedaille in Folge, die der D√§ne Paul Elvstr√łm im Finn-Dinghy gewinnen konnte. Er war gleichzeitig auch der deutlichste Sieger aller Segelklassen in Neapel. In der erstmals ausgetragenen Flying-Dutchman-Klasse gewann der Norweger Peder Lunde, der aus einer Seglerdynastie stammt; sein Gro√üvater war 1924 Olympiasieger geworden und seine Eltern hatten 1952 zusammen mit seinem Onkel Silber ersegelt. Im Mittelpunkt des √∂ffentlichen Interesses stand allerdings das griechische Boot in der Drachenklasse, da in diesem Boot der griechische Kronprinz Konstantin sa√ü. Dem 20-j√§hrigen Studenten gelang mit seiner Crew der Olympiasieg.

Ergebnis√ľbersicht siehe Segeln

Turnen

Bei den Olympischen Spielen 1956 hatte mit Takashi Ono erstmals ein Japaner Gold im Turnen gewonnen. In Rom siegten die japanischen Turner in der Mannschaftswertung vor den Turnern aus der Sowjetunion und aus Italien und leiteten damit eine Siegesserie ein, die bis 1976 anhalten sollte. Im Zw√∂lfkampf war mit Boris Schachlin noch einmal ein Turner aus der Sowjetunion erfolgreich, wobei Ono wie schon vier Jahre zuvor mit dem knappestm√∂glichen R√ľckstand von 0,05 Punkten verlor. Der Zw√∂lfkampf der M√§nner diente gleichzeitig als Qualifikation f√ľr die erstmals ausgetragenen Ger√§tefinales. In den sechs Einzelentscheidungen wurden acht Goldmedaillen verteilt, weil am Seitpferd und im Pferdsprung bei Punktgleichheit je zwei Goldmedaillen vergeben wurden. Eine Goldmedaille erhielt der Finne Eugen Ekman, drei Goldmedaillen gingen nach Japan, vier in die Sowjetunion, davon allein drei an Boris Schachlin. Mit vier Goldmedaillen sowie zweimal Silber und einmal Bronze war Schachlin der erfolgreichste Teilnehmer der Spiele in Rom, lediglich im Finale am Boden war er nicht vertreten.

Auch die erfolgreichste Teilnehmerin war eine sowjetische Turnerin. Larissa Latynina konnte ihren vier Goldmedaillen von Melbourne drei weitere hinzuf√ľgen und gewann dazu zwei Silberne und einmal Bronze. Sie erhielt also in allen sechs Wettbewerben von Rom eine Medaille; zusammen mit ihren Erfolgen vier Jahre sp√§ter in Tokio ist Latynina die erfolgreichste Olympiateilnehmerin √ľberhaupt. In Rom gewann sie neben der Mannschaftswertung den Achtkampf und am Boden. Zwei weitere Ger√§tefinals gingen ebenfalls an sowjetische Turnerinnen. Die Tschechin Eva Bos√°kov√° gewann am Schwebebalken mit Gold die einzige Einzelmedaille, die nicht in die Sowjetunion ging. Die Tschechoslowakei gewann auch Silber in der Mannschaftswertung, wobei Bos√°kov√° nur die zweitbeste Turnerin ihrer Mannschaft war, beste war die junge Vńõra ńĆ√°slavsk√°. Am Stufenbarren zeigte die Japanerin Keiko Ikeda eine √úbung, die nach Meinung des Publikums und der Berichterstatter von den Kampfrichtern zu gering bewertet wurde. Ein minutenlanges Pfeifkonzert f√ľhrte dazu, dass die n√§chste Turnerin Polina Astachowa f√ľnfmal antrat, bis sie ihre K√ľr durchturnte.[8] Astachowa gewann vor Latynna, die Japanerin wurde auf Platz 5 eingeordnet.

Ergebnis√ľbersicht siehe Turnen

Herausragende Sportler und Leistungen

Die erfolgreichsten Teilnehmer
Rang Sportler Land Sportart Gold Silber Bronze Gesamt
1 Boris Schachlin Sowjetunion 1955UdSSR UdSSR Turnen 4 2 1 7
2 Larissa Latynina Sowjetunion 1955UdSSR UdSSR Turnen 3 2 1 6
3 Takashi Ono JapanJapan Japan Turnen 3 1 2 6
4 Christina von Saltza Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Schwimmen 3 1 ‚Äď 4
5 Wilma Rudolph Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten Leichtathletik 3 ‚Äď ‚Äď 3

Bis 1960 hatten bei den Olympischen Spielen der Neuzeit sechs Athleten sechs und mehr Goldmedaillen gewonnen: die Leichtathleten Paavo Nurmi (9) und Ray Ewry (8, mit den Olympischen Zwischenspielen 1906 w√§ren es 10), der Turner Wiktor Tschukarin (7), die Fechter Nedo Nadi (6) und Alad√°r Gerevich (6) sowie der Bogensch√ľtze Hubert van Innis (6). In Rom gewannen Alad√°r Gerevich und Larissa Latynina ihre siebte Goldmedaille. Ihre jeweils sechste Goldmedaille gewannen der Turner Boris Schachlin, der Kanute Gert Fredriksson sowie die Fechter P√°l Kov√°cs, Rudolf K√°rp√°ti und Edoardo Mangiarotti. Von diesen zw√∂lf bis dahin gr√∂√üten Olympioniken der Neuzeit konnten Hubert van Innis 1920 in Antwerpen und Edoardo Mangiarotti 1960 in Rom ihren letzten Olympiasieg vor heimischem Publikum erringen.

J√ľngster Olympiasieger in Rom wurde mit 13 Jahren und 283 Tagen der deutsche Steuermann beim Rudern Klaus Zerta. √Ąltester Olympiasieger mit 50 Jahren und 179 Tagen war Alad√°r Gerevich. √Ąltester Medaillengewinner war der schweizerische Segler Manfred Metzger mit 55 Jahren und 104 Tagen.

Berichterstattung

1960 wurden erstmals Fernsehrechte f√ľr die Olympischen Spiele vergeben. Nachdem der US-Sender ABC die Rechte an den Winterspielen in Squaw Valley f√ľr 50.000 US-Dollar erworben hatte, wollte auch das r√∂mische Organisationskomitee f√ľr einen √§hnlichen Preis abschlie√üen. Nach Intervention des IOC wurden die Rechte ausgeschrieben. Der US-Sender CBS erwarb f√ľr 394.000 US-Dollar die Exklusivrechte. Die Filmaufnahmen von Rom wurden mit dem Flugzeug in die USA gebracht, wo sie am n√§chsten Tag ausgestrahlt wurden. Insgesamt sendete die CBS 16 Stunden und vierzehn Minuten, also weniger, als in neueren Zeiten pro Tag gesendet wird.

F√ľr 274.000 US-Dollar erwarben die europ√§ischen Sender von der CBS √úbertragungsrechte. Die BBC sendete 24 Stunden und 57 Minuten, davon √ľber 18 Stunden direkt. Der DFF (DDR) sendete insgesamt 4:41 Stunden, die ARD (BRD) 3:51 Stunden. Insgesamt wurden in 38 L√§ndern Sendungen von den Olympischen Spielen ausgestrahlt. Akkreditiert waren insgesamt 2194 Journalisten, davon 943 von der Presse aus 64 Staaten und vom Rundfunk 153 aus 60 Staaten.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Karl Lennartz: Olympische Spiele 1908 in London. Agon-Sportverlag, Kassel 1998, ISBN 3-89784-112-6 (S. 35)
  2. ‚ÜĎ Wechselkurse 1960: 675 italienische Lire entsprachen einem US-Dollar oder vier D-Mark. Die genauen Zuschauergesamteinnahmen (nach Kluge, Seite 497) von 2.659.123.600 Lire entsprachen also 4.254.597,70 US-Dollar (oder 17 Millionen D-Mark)
  3. ‚ÜĎ Kluge, Seite 598, Anmerkung 26
  4. ‚ÜĎ Kamper, Mallon, Seite 344
  5. ‚ÜĎ Lennartz, Borgers, H√∂fer, Seite 304
  6. ‚ÜĎ Hagelstange, Seite 36‚Äď38
  7. ‚ÜĎ Meisel, Grampp, Seite 335
  8. ‚ÜĎ Kaiser, Seite 344

Literatur

  • Volker Kluge: Olympische Sommerspiele. Die Chronik II. Sportverlag Berlin 1998 ISBN 3-328-00740-7 (Hauptquelle zu allen Kapiteln au√üer dem Kapitel Medaillen und Auszeichnungen)
  • Karl Lennartz, Walter Borgers, Andreas H√∂fer: Olympische Siege. Medaillen Diplome Ehrungen. Sportverlag Berlin 2000 ISBN 3-328-00865-9 (Hauptquelle zum Kapitel Medaillen und Auszeichnungen)
  • Rudolf Hagelstange: R√∂misches Olympia. Kaleidoskop eines Weltfestes. Piper Verlag M√ľnchen 1960 (Zeitgen√∂ssische Schilderung mit literarischem Anspruch)
  • Heribert Meisel, Carl Grampp: Olympia 1960. S√ľdwest Verlag M√ľnchen 1960 (Zeitgen√∂ssische Schilderung mit journalistischem Anspruch)
  • Rupert Kaiser: Olympia Almanach. AGON Sportverlag Kassel 2004 ISBN 3-89784-246-7 (Standardwerk, hier haupts√§chlich zum Nachschlagen verwendet)
  • Erich Kamper/Bill Mallon: Who‚Äôs Who der Olympischen Spiele 1896‚Äď1992. Mailand 1992 ISBN 3-928562-47-9 (Standardwerk, hier haupts√§chlich zum Nachschlagen verwendet)
  • German Olympic team. Deutsche Olympia-Mannschaft Rom 1960. Gemeinsame Publikation der NOK f√ľr Deutschland und NOK f√ľr Ostdeutschland, 146 Seiten.

Weblinks


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