Operation Irene

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Operation Irene
Schlacht von Mogadischu
Teil von: UNOSOM II
Black-Hawk-Hubschrauber (Super64) √ľber Mogadischu
Black-Hawk-Hubschrauber (Super64) √ľber Mogadischu
Datum 3. Oktober‚Äď4. Oktober 1993
Ort Mogadischu, Somalia
Ausgang unerwartet hohe Verluste der US-Truppen
Folgen Abzug der US-Truppen aus Somalia
Konfliktparteien
somalische Milizionäre
Befehlshaber
Mohammed Farah Aidid William Garrison
Truppenstärke
ca. 2000 160 US-Soldaten
Verluste
Faktenlage unklar, schätzungsweise 1000 Gefallene 19 Gefallene während des Einsatzes
(18 US-Soldaten
1 UN-Soldat aus Malaysia)
93 Verwundete

Die Schlacht von Mogadischu war eine Auseinandersetzung zwischen US-Soldaten sowie Soldaten einer UNO-Mission aus Malaysia und Pakistan und somalischen Milizion√§ren im somalischen B√ľrgerkrieg. Sie fand am 3. und 4. Oktober 1993 in Mogadischu statt. Der Tod von 18 US-Soldaten[1] f√ľhrte zu einer grundlegenden √Ąnderung der Interventionspolitik der US-Regierung unter Bill Clinton hin zu ‚ÄěNo Dead!‚Äú. Die Schlacht ist in der westlichen Welt auch unter den Namen Operation Irene (dem Go-Code) bekannt oder als Schlacht um das schwarze Meer nach dem Stadtteil Mogadischus, in dem sie gr√∂√ütenteils stattfand. Der Operationsname war Gothic Serpent.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Die UNO-Mission

Im April 1992 begann die UNO-Mission UNOSOM I, die die Nahrungsversorgung der Bev√∂lkerung in Somalia sicherstellen und zu einem Ende des B√ľrgerkriegs f√ľhren sollte. Sp√§ter wurden rund 500 pakistanische Blauhelmsoldaten dort stationiert. W√§hrend in Sachen Versorgung trotz wiederholter √úberf√§lle und Diebstahls von Hilfsg√ľtern einige Erfolge erzielt wurden, erreichten die 50 UNOSOM-Beobachter keinen Friedensschluss.

Ab August 1992 beteiligte sich das US-Milit√§r an der UNO-Mission: Milit√§rflugzeuge brachten Hilfsg√ľter in das Land und in die Fl√ľchtlingslager in Nord-Kenia. Ein kleines Team begann mit der Vorbereitung einer Milit√§roperation, die die Verteilung der Hilfsg√ľter sch√ľtzen und ein Ende des B√ľrgerkriegs herbeif√ľhren sollte. Ebenfalls im August wurde die UNO-Truppe im Land um 3500 Mann aufgestockt.

Operation Restore Hope

US-Soldaten während eines Einsatzes im Norden von Mogadischu, Januar 1993

‚ÜíHauptartikel: Operation Restore Hope

Dennoch verschlechterte sich die Sicherheitslage rapide. Die Nahrungslieferungen wurden immer wieder gepl√ľndert, im November beschossen Bewaffnete ein mit Hilfsg√ľtern beladenes Schiff, das abdrehen musste, bevor seine Fracht gel√∂scht werden konnte. Die Hungersnot nahm immer katastrophalere Z√ľge an. Nicht zuletzt auf Grund der drastischen Bilder aus Somalia in den Medien verabschiedete der UNO-Sicherheitsrat im Dezember 1992 eine Resolution √ľber die Aufstellung der Unified Task Force (UNITAF) unter US-F√ľhrung. Sie sollte in S√ľdsomalia die √∂ffentliche Ordnung wiederherstellen, um die Verteilung von Hilfsg√ľtern zu erm√∂glichen. Der Milit√§reinsatz erhielt die Bezeichnung Operation Restore Hope (Operation Wiederherstellung der Hoffnung).

Zur Speerspitze des Einsatzes wurde die Tripoli Amphibious Task Unit bestimmt, deren Soldaten sich gerade auf dem Weg zu einem Man√∂ver am Persischen Golf befanden. Am fr√ľhen Morgen des 9. Dezember 1992 landeten 44 Marines und Navy SEALs an der K√ľste nahe dem Hafen sowie dem Flughafen von Mogadischu.

Bis M√§rz 1993 gelang es den Soldaten und verschiedenen Diplomaten weitgehend ohne den Einsatz von Gewalt, die K√§mpfe in Somalia einzud√§mmen und ein funktionierendes System zur Nahrungsmittelverteilung einzurichten. Parallel dazu begannen die Truppen mit dem Aufbau einer Basis in Mogadischu, sprachen sich mit den zahlreichen Hilfsorganisationen ab, die ihre Arbeit begannen, und wiesen die √ľbrigen Teile des internationalen Blauhelmkontingents ein.

Im März 1993 sahen die US-Truppen ihre Aufgabe als beendet an. Auf Drängen der UNO wurde die Operation jedoch verlängert.

Operation Continue Hope

Verantwortungsbereiche der Leitnationen von UNSOMII (1993)
Ein UH-1N w√§hrend der Operation Continue Hope √ľber Mogadischu

UNOSOM II wurde im M√§rz 1993 vom UNO-Sicherheitsrat beschlossen. Die unter dem Namen Operation Continue Hope verzeichnete Operation sollte UNOSOM I mit erweiterten Aufgaben fortsetzen. √úber die Unterst√ľtzung der humanit√§ren Hilfe hinaus sollten politische Strukturen in Somalia wieder aufgebaut und das gesamte Land befriedet werden, inklusive des Nordens Somalias (Somaliland), der sich im Mai 1992 f√ľr unabh√§ngig erkl√§rt hatte. Neben 3000 Soldaten f√ľr die eigentliche UNO-Mission stellte die USA eine schnelle Eingreiftruppe (Quick Reaction Force ‚ąí QRF) von 800 Mann. Letztere setzte sich aus einem leichten Infanterie-Bataillon und zwei Helikopter-Bataillonen der 10. US-Gebirgsj√§gerdivision zusammen.

Schon kurz nach Beginn von UNOSOM II zeigten sich erste Probleme: Die Truppen waren zu klein dimensioniert, um im gesamten Land auf Dauer die Ordnung aufrecht zu erhalten. Au√üerdem funktionierte die Koordination zwischen den verschiedenen beteiligten Nationalit√§ten schlecht. Auch den Versuchen, mit den B√ľrgerkriegsparteien zu verhandeln, war von Anfang an wenig Erfolg beschieden. Im Mai 1993 trafen sich auf Vermittlung des wichtigsten Clanf√ľhrers Mohammed Farah Aidid UNO-Vertreter und Anf√ľhrer von B√ľrgerkriegs-Truppen zu Verhandlungen √ľber einen Waffenstillstand. Als keine Einigung erzielt wurde, trafen sich am 4. Juni rund 200 Vertreter von Clans, um einen eigenen Waffenstillstand zu schlie√üen. Im Zuge dieser Vereinbarung k√ľndigten sie die Zusammenarbeit mit der UNO auf, die daraufhin den Waffenstillstand f√ľr ung√ľltig erkl√§rte. Am Tag darauf kontrollierten pakistanische Blauhelme ein Geb√§ude mit einem Waffenlager von Aidids SNA, in dem sich deren Radiosender befand. In der Annahme, der Radiosender solle von der UNO zerst√∂rt werden, er√∂ffneten Aidids Truppen die K√§mpfe, die 24 Pakistanern das Leben kosteten. Nach einer UNO-Resolution, die das Vorgehen der Milizen verurteilte und die Festnahme der Schuldigen verlangte, f√ľhrten die UNO-Truppen Mitte Juni einen Luftschlag gegen Aidids Hauptquartier aus.

Versch√§rft wurden die Auseinandersetzungen zwischen US-Truppen und Somaliern, nachdem Kampfhubschrauber in der Annahme, Aidid befinde sich darunter, am 12. Juli eine vermeintliche Versammlung von Aidid-Anh√§ngern beschossen hatten und dabei vermutlich 50 Menschen get√∂tet hatten. Es wurde unterstellt, dass es sich um Friedensverhandlungen von Clan-√Ąltesten gehandelt hatte - was aber nicht verifiziert werden konnte, da Journalisten vor Ort von Somaliern get√∂tet wurden.

Das Desaster von Mogadischu

Die Ausgangslage

Die ‚Äěgr√ľne Linie‚Äú, Stra√üe in Mogadischu und Trennlinie zwischen Nord und S√ľd

Die Hauptlast der Fahndung nach Aidid ruhte zun√§chst auf der schnellen Eingreiftruppe der 10. US-Gebirgsj√§gerdivision unter dem Kommando von General Thomas Montgomery. Die Kommandeure vor Ort forderten vom US-Verteidigungsministerium gepanzerte Unterst√ľtzung an, die jedoch verweigert wurde. Daf√ľr wurde Ende August eine Einsatzgruppe (Task Force, TF) bestehend aus Mitgliedern der Delta Force und US Army Rangers des 75th Ranger Regiment unter dem Kommando von General William Garrison nach Mogadischu verlegt. Die Task Force Ranger (TFR) sollte die schnelle Eingreiftruppe bei der Jagd nach Aidid entlasten.

Auch die CIA beteiligte sich mit bereits im Land befindlichen Agenten der Special Activities Division an der Informationsbeschaffung √ľber den Aufenthalt Aidids, konnte jedoch keine brauchbaren Ergebnisse liefern. Dennoch √ľberfiel die TFR mehrfach vermeintliche Aufenthaltsorte Aidids.

Parallel zur Jagd verhandelte das UNO-Kommando vor Ort mit Aidid, um einen Waffenstillstand nach UNO-Bedingungen zu erm√∂glichen. Im gleichen Zeitraum nahmen Angriffe auf die UNO-Truppen sowie auf die schnellen Eingreiftruppen zu. Unter anderem stellte dies eine Reaktion Aidids und seiner SNA-Miliz auf die Angriffe durch die TFR dar, die zwar nicht ihn pers√∂nlich trafen, aber zur Verhaftung mehrerer Vertrauter f√ľhrten. Gleichzeitig versch√§rften sich die Aufl√∂sungserscheinungen innerhalb des UNO-Kontingents. Verschiedene Staaten zogen ihre Soldaten zur√ľck oder weigerten sich, die amerikanische Jagd nach Aidid zu unterst√ľtzen.

Am 3. Oktober 1993 kam es schlie√ülich zu einem katastrophal gescheiterten √úberfall der Amerikaner auf einen St√ľtzpunkt Aidids.

Der Plan

Geplant war, dass Mitglieder der amerikanischen Spezialeinheit Delta Force am fr√ľhen Nachmittag wichtige Berater Aidids oder den Clanchef selbst festnehmen sollten. Die Gesuchten sollten sich angeblich um 15 Uhr in einem Geb√§ude nahe dem Hotel Olympic im Bakara-Bezirk in Mogadischu zu Gespr√§chen treffen. Dieses Geb√§ude w√ľrden M√§nner der Delta Force, die um 15:45 Uhr aus MH-6 Little Bird-Helikoptern direkt am und auf dem Geb√§ude abgesetzt werden sollten, st√ľrmen. Um 15:46 Uhr w√ľrden sich Rangers aus MH-60 Black Hawks abseilen und die vier Eckpunkte des Geb√§udes sichern, um das Eindringen feindlicher Milizen oder die Flucht der im Geb√§ude befindlichen Menschen zu verhindern. Nach der Festnahme sollte ein aus Humvees und 5-Ton-Trucks bestehender Konvoi alle Soldaten sowie die Gefangenen aufnehmen und zum US-St√ľtzpunkt bringen. Die kalkulierte Operationsdauer betrug maximal eine Stunde, weswegen die Soldaten darauf verzichteten, Nachtsichtger√§te und Wasser mitzuf√ľhren.

Der Verlauf

√úbersicht Verlauf

Um 15:40 Uhr begann die TFR mit dem Anflug auf ihr Ziel. Zun√§chst verlief die Operation wie geplant. Doch bald stellte sich heraus, dass die SNA-Miliz dieses Mal deutlich schneller reagierte als bei vorherigen √úberf√§llen der Task Force. Kurz nach Beginn der Aktion gab es die ersten Verwundeten unter den Rangers. Dennoch gelang das Verladen der Festgenommenen und eines Teils der TFR (Teile des 4. Zuges, "Chalk 4") in den Fahrzeugkonvoi. Auf dem R√ľckweg nahm der Widerstand der Miliz ungeahnte St√§rke an. Zwei Fahrzeuge wurden von raketengetriebenen Granaten (RPG) zerst√∂rt.

Kurz darauf wurde ein MH-60 ‚ÄěBlack Hawk‚Äú-Hubschrauber (Rufname: Super Six-One), der √ľber dem Kampfgebiet flog, von einer RPG getroffen. Der Hubschrauber mit sieben Mann Besatzung st√ľrzte knapp 300 Meter vom Zielgeb√§ude entfernt ab. Sofort wurden ein Helikopter-Rettungsteam und die noch nicht eingesammelten Bodentruppen dorthin geschickt. Die Besatzung eines Hughes MH-6-'Little-Bird'-Kampfhubschraubers (Rufname: Star Four-One), der bei der Absturzstelle landete, barg zwei Leichtverletzte und flog sie aus. Ein weiterer Hubschrauber setzte ein CSAR-Team (Combat Search and Rescue) aus der TFR ab, wurde allerdings selbst beschossen und musste besch√§digt zum St√ľtzpunkt zur√ľckkehren. Das Rettungsteam sa√ü am Hubschrauberwrack fest und wurde von einer schnell gr√∂√üer werdenden Menge aus SNA-Milizion√§ren und bewaffneten Zivilisten angegriffen, unter ihnen Frauen und Kinder. W√§hrend sich der Rettungstrupp gegen die Angreifer wehrte, bem√ľhte sich der Fahrzeugkonvoi, zur Absturzstelle durchzubrechen. Allerdings konnten sich die Soldaten in den Stra√üen Mogadischus nur schwer orientieren, wurden aus der Luft ungenau dirigiert, lagen unter st√§ndigem Beschuss und konnten ohne Panzerfahrzeuge und schwere Waffen die Stra√üensperren nicht durchbrechen. Als die Sinnlosigkeit ihrer Versuche deutlich wurde, entschied Colonel Daniel McKnight, kommandierender Offizier der Fahrzeugkolonne, zur Basis zur√ľckzukehren, um sich neu zu formieren und aufzumunitionieren. Der Konvoi hatte mittlerweile so viele Verletzte und Tote, dass der Aufenthalt an der Absturzstelle nach Einsch√§tzung McKnights mehr geschadet als genutzt h√§tte.

Zum gleichen Zeitpunkt, etwa 17 Uhr, wurde ein weiterer Black Hawk (Super Six-Four) abgeschossen. Er schlug rund einen Kilometer vom urspr√ľnglichen Einsatzort der TFR entfernt auf. Im Hauptquartier stellte Garrison unterdessen einen provisorischen Trupp aus Stabspersonal und leichten Infanteristen der schnellen Eingreiftruppe zusammen, der mit nur leicht gepanzerten Fahrzeugen in die Stadt geschickt wurde. Dieser Versuch scheiterte daran, dass fast s√§mtliche Stra√üen in und aus der Stadt durch Sperren verriegelt waren. Die Soldaten kamen unter massiven Beschuss und fanden keinen Weg um die Blockaden. Kurz nach dem Absturz wurde ein neuer Luftrettungsversuch √ľber der zweiten Absturzstelle gestartet: Ein Black Hawk setzte zwei Mitglieder der Delta Force ab, wurde dann aber in der Luft von einer raketengetriebenen Granate getroffen und konnte nur mit M√ľhe in der N√§he des Flughafens bruchlanden. Die beiden abgesetzten Soldaten, Master Sergeant Gary Gordon und Sergeant First Class Randall Shughart, versuchten, das Wrack zu verteidigen, wurden aber, ebenso wie die √ľberlebende Besatzung von Super Six-Four, von einer √úbermacht der Somalier √ľberrannt und get√∂tet. Beide wurden posthum mit der Medal of Honor ausgezeichnet. Ihre Leichen wurden durch die Stra√üen geschleift. Diese Bilder gingen um die Welt. Nur ein Crewmitglied √ľberlebte dieses Gefecht: Michael J. Durant, der Pilot. Er war elf Tage in somalischer Gefangenschaft, bevor er freigelassen wurde.

Als es dunkel wurde, befanden sich noch 99 TFR-Soldaten in Mogadischu. Sie verschanzten sich nahe der ersten Helikopter-Absturzstelle und wehrten sich gegen die Angriffe der Somalier. Erst zu diesem Zeitpunkt wandte sich General Garrison an die pakistanischen und malayischen Blauhelm-Truppen und bat um Hilfe. Es gelang bis 23:30 Uhr einen Konvoi aus vier pakistanischen Panzern, 24 malaysischen gepanzerten Mannschaftstransportern, zwei leichten US-Infanterie-Kompanien und rund 50 TFR-Mitgliedern in Bewegung zu setzen. Rund zweieinhalb Stunden lang kämpfte sich der Verband bei Dunkelheit und unter Beschuss durch Mogadischu. Der genaue Standort der abgeschnittenen Rangers war unbekannt, so dass sich der Rettungskonvoi in zwei Teile spaltete, die sich jeweils zu einer der beiden Helikopter-Absturzstellen durchkämpften. Bei Super Six-One gelang das Zusammentreffen mit den verschanzten Rangern. Der zweite Trupp fand bei Super Six-Four keine Überlebenden mehr.

Obwohl die Wiedervereinigung der beiden Teile des Panzerkontingents nicht gelang, konnten sich dennoch alle Fahrzeuge und die Geretteten zum pakistanischen St√ľtzpunkt zur√ľckziehen.

Folgen

Insgesamt starben in dem √ľber zw√∂lfst√ľndigen Feuergefecht 18 US-amerikanische Soldaten, ein Malaysier und eine nicht genau zu ermittelnde Zahl Somalier, die um 1000 liegen d√ľrfte. 84 US-Amerikaner (rund zwei Drittel der eingesetzten Bodentruppen), sieben Malaysier und zwei Pakistaner wurden verwundet. Ein weiterer US-Soldat wurde zwei Tage sp√§ter durch einen Anschlag get√∂tet, weshalb viele Quellen die Anzahl der US-amerikanischen Verluste mit 19 angeben.

Insbesondere die Fernsehbilder get√∂teter und durch die Stra√üen Mogadischus geschleifter US-Soldaten f√ľhrten in den USA zu einem Wandel der √∂ffentlichen Meinung √ľber das Engagement in Somalia. Erst nach dieser Schlacht beschloss die US-Regierung, gepanzerte Truppentransporter, Panzer und AC-130H Gunship-Flugzeuge nach Somalia zu entsenden. Auf der anderen Seite verbot US-Pr√§sident Bill Clinton am 6. Oktober alle weiteren Milit√§roperationen gegen Aidid au√üer zur Selbstverteidigung der Truppen in Somalia und k√ľndigte an, dass bis Ende M√§rz 1994 alle US-Soldaten aus dem Land abgezogen werden sollten. Gleichzeitig wurde der ehemalige Botschafter Robert B. Oakley als Sondergesandter nach Somalia entsandt, um auf politischem Weg ein Ende des B√ľrgerkrieges herbeizuf√ľhren. Am 15. Dezember 1993 erkl√§rte Verteidigungsminister Les Aspin seinen R√ľcktritt aus ‚Äěpers√∂nlichen Gr√ľnden‚Äú. Ausschlaggebend d√ľrften aber die Ereignisse in Mogadischu gewesen sein. Der R√ľcktritt wurde zum 4. Februar 1994 wirksam.

Am 25. M√§rz 1994 wurden fast alle US-Soldaten aus Somalia abgezogen. Auf Schiffen vor der K√ľste blieb ein kleines Marineinfantrie-Kontingent zur√ľck, um falls n√∂tig die 1000 US-amerikanischen Zivilisten im Land zu evakuieren. UNOSOM II endete am 31. M√§rz 1995 ohne Erfolg, nachdem die verbleibenden UNO-Truppen vollkommen die Kontrolle √ľber Mogadischu verloren hatten. Zu diesem Termin wurden auch die letzten verbleibenden US-Truppen abgezogen.

Das Desaster von Mogadischu √ľbte bleibenden Einfluss auf die US-Politik aus, der dazu f√ľhrte, dass sich die USA in den Folgejahren nur zur√ľckhaltend an Blauhelm-Eins√§tzen beteiligten. Unter anderem dr√ľckte sich dies im Nicht-Eingreifen w√§hrend des V√∂lkermords in Ruanda im April 1994 und in der fast ausschlie√ülich auf Luftangriffen basierenden Strategie der NATO w√§hrend der Jugoslawienkriege aus.

Dar√ľber hinaus d√§mpfte der Abzug aus Somalia als Konsequenz der Schlacht den Glauben an ein zwangsl√§ufiges ‚ÄěEnde der Geschichte‚Äú (Francis Fukuyama, ‚ÄěThe End of History and the Last Man‚Äú, 1992). Den westlichen Gesellschaften, allen voran der der Vereinigten Staaten, wurde die strategische Komplexit√§t und das Risiko der Demokratisierung und des sogenannten Nation Building verdeutlicht, nachdem dieser Glaube zuvor durch den Zusammenbruch der Sowjetunion und den Erfolg des multilateral gef√ľhrten 2. Golfkrieges gen√§hrt worden war.

Als Garrison am 2. Januar 1996 von Aidids Tod infolge einer Schussverletzung erfuhr, gab er √∂ffentlich seinen R√ľcktritt bekannt.

Der Action-Film Black Hawk Down von Ridley Scott basiert auf den Ereignissen des 3. Oktober 1993. In Somalia ist jener Tag als Maalintii Rangers (‚ÄěTag der Rangers‚Äú) bekannt.

Analyse

Bei der Erforschung der Ursachen f√ľr den desastr√∂sen Verlauf des √úberfalls haben US-Milit√§rkreise eine Reihe von Gr√ľnden herausgearbeitet. Demnach existierten 1993 keinerlei Richtlinien f√ľr das Vorgehen von US-Truppen in einer Operation, die sowohl friedenserhaltende als auch milit√§rische Komponenten besa√ü. Dar√ľber hinaus war das Einsatzziel nicht klar genug definiert und wandelte sich im Verlauf der Mission mehrfach.

Auf taktischer Ebene wird bem√§ngelt, dass Garrison sich zu einer pers√∂nlichen Jagd auf Aidid habe hinrei√üen lassen, obwohl keine verl√§sslichen nachrichtendienstlichen Erkenntnisse √ľber dessen Aufenthaltsort vorlagen. Neben der schlechten Informationslage war die Vorausberechenbarkeit des amerikanischen Vorgehens der Hauptgrund f√ľr das Scheitern. Die US-Truppen hatten schon mehrere √úberf√§lle nach dem gleichen Muster durchgef√ľhrt, bei denen die einzige Variation zwischen einem Betreten oder Verlassen der Kampfzone per Konvoi oder Hubschrauber und in deren Kombination bestanden hatte. Dadurch war die SNA-Miliz in der Lage, sich auf ihren Gegner einzustellen und die eigentlich √ľberlegenen US-Truppen zu schlagen. Das Problem wurde dadurch versch√§rft, dass der gescheiterte √úberfall im Herzen des von der SNA kontrollierten Gebietes stattfand. Dar√ľber hinaus behinderten die Befehlsstrukturen den Einsatz. Die Koordination zwischen den einzelnen Befehlsebenen, der TFR, der QRF und dem Oberkommando in den USA funktionierte zu langsam. Der Beobachtungshubschrauber konnte z.¬†B. aus Gr√ľnden der Geheimhaltung keine Daten direkt vom Aufkl√§rungsflugzeug anfordern, sondern musste dazu stets die Genehmigung des Stabes einholen.

Des Weiteren wurden mehrere operative Fehler begangen. So waren erst kurz zuvor die schwer bewaffneten Flugzeuge vom Typ AC-130H Gunship auf Betreiben von General Montgomery abgezogen worden. Durch diese ‚ÄěAbr√ľstung‚Äú sollte Aidid zu Verhandlungen bewegt werden. Am 3. Oktober fehlten die Maschinen, die den Bodentruppen schlagkr√§ftigen Feuerschutz aus der Luft h√§tten geben k√∂nnen. √Ąhnliches gilt f√ľr gepanzerte Fahrzeuge, die von Montgomery angefordert, aber vom Verteidigungsminister Les Aspin abgelehnt worden waren. In Washington wurden unverh√§ltnism√§√üig hohe Verluste unter der Zivilbev√∂lkerung bef√ľrchtet, falls Panzer eingesetzt worden w√§ren. Garrison selbst hat zu verantworten, dass die Bodentruppen unzureichend ausger√ľstet waren. Sie verf√ľgten kaum √ľber schwere Waffen wie Granatwerfer oder √ľber Tr√§nengas, das gegen die angreifenden Somalier sinnvoll h√§tte eingesetzt werden k√∂nnen. Au√üerdem wurde zugelassen, dass die Rangers nur einen Teil ihrer Keramik-Panzerung trugen, was zwar ihre Beweglichkeit erh√∂hte, aber einige Menschenleben gekostet haben d√ľrfte. Schlie√ülich waren nicht nur die Operation selbst, sondern auch die meisten Rettungsversuche ineffektiv, vor allem der Versuch, mit einem leichten Fahrzeugkonvoi in die Stra√üen Mogadischus einzubrechen oder das Absetzen von lediglich zwei Mitgliedern der Delta Force zur Sicherung eines abgeschossenen Helikopters. Zu den √ľbrigen UNO-Truppen, die √ľber schwerere Waffen verf√ľgten, wurde zu sp√§t Kontakt aufgenommen.

Literatur

  • Clifford E. Day: Critical Analysis on the Defeat of Task Force Ranger. M√§rz 1997 (PDF Dokument ; Stand: 06. M√§rz 2009; Abschlussarbeit eines Studenten am Air Command and Staff College).¬†
  • Mark Bowden: Black Hawk Down. Kein Mann bleibt zur√ľck. Heyne, M√ľnchen 2003, ISBN 3-453-86831-5.¬†
  • Mathias Weber: Der UNO-Einsatz in Somalia. Denzlingen 1997.¬†

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ 18 Soldaten w√§hrend des Kampfeinsatzes! Nr. 19 starb nach den Kampfhandlungen am 6. Oktober 1993 durch einen M√∂rserangriff, siehe Abschnitt Folgen

2.052538888888945.3246166666677Koordinaten: 2¬į¬†3‚Ä≤¬†9‚Ä≥¬†N, 45¬į¬†19‚Ä≤¬†29‚Ä≥¬†O


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