Ortsteil

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Ortsteil

Ortsteil, je nach Art der Gebietsk√∂rperschaft (Verwaltungseinheit) auch Stadtteil, Gemeindeteil, Ortschaftsbestandteil oder Fraktion, ist in Siedlungsgeografie, Demographie und Raumplanung ein unspezifischer Sammelbegriff f√ľr abgegrenzte und mit eigenem Namen versehene Teile einer Siedlung (einem Ort, einer Ortschaft im allgemeinem Sinne).

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Städte und Gemeinden, und auch einzelne Orte, gliedern sich, teils mehrstufig, weiter auf, sowohl in kommunalrechtlich-administrativer Hinsicht, wie auch zu amtlich-statistischen Zwecken.

Zu den Allgemeinbegriffen f√ľr Ortsteile geh√∂ren:

Es kann sich bei Ortsteilen um urspr√ľnglich eigenst√§ndige D√∂rfer oder Vororte handeln, die durch eine Eingemeindung im Zuge einer Gebietsreform ihre Selbstst√§ndigkeit aufgeben mussten und zu Teilen einer benachbarten oder neu geschaffenen Kommune wurden, oder um neue Wohnviertel (Neubaugebiete), die als Siedlung einen eigenen Namen erhielten, wenn sie nach einem einheitlichen Plan und r√§umlich abgrenzbar zum vorhandenen Siedlungskern entstanden waren. Im l√§ndlichen Raum bilden die Kleinsiedlungen wie Weiler oder Geh√∂fte teils eigenst√§ndige Orte, sind aber auch Ortsteile ihrer nahen Zentralorte oder Gemeinden. Streusiedlungen bestehen aus Einzellagen.

Weniger von Ortsteilen und mehr von Teilorten und Teilst√§dten spricht man bei √ľberkommunalen (Makro-)Strukturen, etwa bei Umlandgemeinden einer Stadt in einer Stadtregion oder Gemeinden mit einem gemeinsamen Hauptort (Kommunalverband). In noch gr√∂√üerem Ma√üstab bilden die Einzelst√§dte einer Stadtagglomeration (Megastadt) eine gewisse Einheit. Dabei √ľberlagern sich historisch Gewachsenes und raum-/stadtplanerische Neuordnungen, so dass Siedlungen und Siedlungsr√§ume im allgemeinen eine recht komplexe, vielf√§ltige Ortsteilstruktur zeigen.

Nationales

Deutschland

Allgemeines

Je nach Regelung in der Gemeindeordnung des jeweiligen Landes k√∂nnen Ortsteile auch Ortsteilvertretungen (Ortschaftsrat, Ortsrat, Ortsbeirat, Dorfvorstand) und eigene Ortschaftsverwaltungen sowie einen Ortsvorsteher (Dorfvorsteher) beziehungsweise einen Ortsb√ľrgermeister haben. Hier spricht man dann meist von der Ortschaft (im rechtlichen Sinne).

Die Benennung neuer Ortsteile ist alleinige Angelegenheit der jeweiligen Gemeinde. Dabei muss sie verschiedene Stellen (zum Beispiel Archivverwaltung, Statistische √Ąmter, Post, Vermessungs√§mter usw.) anh√∂ren und darauf achten, dass innerhalb der Gemeinde keine gleichlautenden Ortsteilnamen auftreten.

In gr√∂√üeren St√§dten werden Ortsteile je nach Land als Stadtbezirke bezeichnet oder zu solchen zusammengefasst. Im Gegensatz zu Ortsteilen, die eine eigene Ortschaftsvertretung haben k√∂nnen, m√ľssen Stadtbezirke meist eine solche haben. Name, Wahlmodus und Zust√§ndigkeiten dieser Bezirksvertretungen variieren ebenfalls von Land zu Land.

Siehe auch: Gemeindearten

Einzelne Länder und Städte

In Baden-W√ľrttemberg ist auch der Begriff Teilort √ľblich, der in die nach der Gemeindereform 1972 geschaffene Unechte Teilortswahl eingeflossen ist.

In Berlin sind die Bezirke seit der Gebietsreform amtlich in insgesamt 95 Ortsteile unterteilt (vgl. die Liste der Bezirke und Ortsteile Berlins). Ortsteile haben keine Bedeutung f√ľr die Verwaltung der Stadt; sie orientieren sich an historisch entstandenen R√§umen, dienen der statistischen Erfassung und sollen die Identifikation der Bewohner mit ‚Äěihrem‚Äú Stadtgebiet f√∂rdern. Die Gr√∂√üe von Ortsteilen ist sehr unterschiedlich, der Ortsteil Neuk√∂lln hat etwa 160.000 Einwohner, im Ortsteil Stadtrandsiedlung Malchow leben etwa 1.200 Menschen.

In Brandenburg können nach §45 der Kommunalverfassung "Im Gebiet einer amtsfreie Gemeinde ... Ortsteile gebildet werden, wenn ausreichend große, räumlich getrennte, bewohnte Gemeindeteile vorhanden sind"[1]. In der Regel kann jede bei einem Gemeindezusammenschluss beteiligte Gemeinde nur einen Ortsteil bilden, außer sie hat schon vorher Ortsteile gebildet. Nach §28 (2) hat die Gemeindevertretung das Recht, bewohnte Gemeindeteile zu benennen. In der Regel werden die Orts- und Gemeindeteile in den Hauptsatzungen der Gemeinden benannt.

In Hamburg sind die sieben Bezirke amtlich in insgesamt 105 Stadtteile unterteilt. Der einwohnerstärkste Stadtteil hat 86.000 Einwohner, der flächenmäßig größte Stadtteil hat 50 km² Fläche.

In Hessen k√∂nnen die St√§dte und Gemeinden nach ¬ß 82 Abs. 1 der Hessischen Gemeindeordnung (HGO) durch Beschluss der Gemeindevertretung f√ľr ihr Gebiet Ortsbezirke bilden. Die Einrichtung und Abgrenzung der Ortsbezirke wird in der Hauptsatzung der Gemeinde geregelt. Ortsbezirke, die im Rahmen der Gebietsreform in Hessen geschaffen wurden, sind in der Regel identisch mit dem Gebiet der fr√ľher selbst√§ndigen Gemeinden. In jedem Ortsbezirk wird ein Ortsbeirat gew√§hlt, der Vorsitzende ist der Ortsvorsteher. Ein Ortsbezirk kann einen oder mehrere Stadtteile umfassen; die Grenzen der Ortsbezirke m√ľssen nicht mit den Grenzen der Stadtteile √ľbereinstimmen.

In Leipzig wird das Gebiet ehemals selbstst√§ndiger Gemeinden nach ihrer Eingemeindung als Stadtteil mit dem Gemeindenamen bezeichnet. Der Begriff Stadtteil ist also eine historische Kategorie. Die administrative Gliederung der Stadt (seit 1992) teilt zehn Stadtbezirke in 63 Ortsteile, die zum Teil mit den Stadtteilen √ľbereinstimmen, aber auch solche zusammenfassen oder zerteilen oder Namen benutzen, die im obigen Sinne keine Stadtteile sind.

In nordrhein-westfälischen Großstädten bilden Ortsteile inoffizielle Unterordnungen von Stadtteilen, die wiederum Teilmengen eines Stadtbezirks sind.

In Th√ľringen unterscheidet man zwischen Ortsteilen und Ortschaften. Alle kreisangeh√∂rigen Gemeinden und kreisfreien St√§dte k√∂nnen Ortsteile mit eigenem Ortsteilrat und eigenem Ortsteilb√ľrgermeister bilden. Schlie√üen sich benachbarte kreisangeh√∂rige Gemeinden zu einer Landgemeinde zusammen, so ist f√ľr die Ortsteile eine Ortschaftsverfassung einzuf√ľhren. Diese Ortsteile haben dann den Status einer Ortschaft.

√Ėsterreich

In √Ėsterreich werden die Ausdr√ľcke Gemeindeteil, Ortsteil, Ortschaft, Ortsverwaltungsteil synonym f√ľr die Untergliederung des Gemeindesprengels als Raum der Gebietsk√∂rperschaft Gemeinde verwendet ‚Äď die in der allgemeinen Rechtssprache auch Ortsgemeinde oder politische Gemeinde genannt wird. Die genaue Bezeichnung ist landesrechtlich uneinheitlich, so verwenden etwa K√§rntner Landesrecht den Ausdruck Ortsteil, Salzburger, Ober√∂sterreichisches und Tiroler Recht Gemeindeteil sowie Nieder√∂sterreichisches, Steirisches Landesrecht Ortschaft, und Burgenl√§ndisches etwa Ortsverwaltungsteil[2]. Das Bundesrecht benutzt alle Begriffe, Ortschaft meint im Sprachgebrauch der Statistik Austria speziell eigenst√§ndige Siedlungen (Orte, wie D√∂rfer und Weiler) bzw. Siedlungsr√§ume, in denen die D√∂rfer, Weiler, Ein√∂den und Streusiedlungen die Ortschaftsteile bilden. Kommunalrechtlich ist der Begriff Ortschaft eng mit den Postadressen verkn√ľpft (Konskriptionsnummernsystem der Monarchie), besonders kommunalrechtlich im Osten, im Westen √ľberwiegt der Aspekt der Verwaltungsgliederung der Gemeinde in Gemeindeteile ‚Äď in Teilen Tirols auch explizit Fraktion genannt.
Im l√§ndlichen Raum spricht man von auch Ortsgemeinde, bei den Statutarst√§dten von Stadtteil, in Wien von Gemeindebezirk, die sich weiter in die historischen Bezirksteile, die Gr√§tzl, aufteilen. W√§hrend in Wien damit der (Gemeinde-)Bezirksteil die kleinste Einheit der politischen Verwaltungsgliederung √Ėsterreichs ist, ist es im restlichen √Ėsterreich die Gemeinde selbst oder ihre Ortschaften, und (politischer) Bezirk der Oberbegriff.

H√§ufig wird der Ausdruck auch f√ľr die grundb√ľcherliche Verwaltungseinheit Katastralgemeinde verwendet (eine territoriale Gliederungseinheit). Tats√§chlich k√∂nnen jedoch in einer Katastralgemeinde mehrere Ortschaften und Gemeindeteile liegen, wie auch vice versa eine Ortschaft mehrere Katastralgemeinden umfassen kann. Dasselbe gilt f√ľr die statistischen Z√§hlsprengel und die Wahlsprengel, die teils Ortsteile, teils aber Sammelstrukturen √ľber mehrere Siedlungen sind.

Mancherorts besteht auch die M√∂glichkeit, f√ľr Gemeindeteile einen Ortsvorsteher als √∂rtlicher Vertreter des B√ľrgermeisters zu ernennen. Unabh√§ngig davon kann dieser auch Mitglied des Gemeinderates sein. Auch k√∂nnen Ortsaussch√ľsse gebildet werden.[3] Gebrauch gemacht wird davon in ‚Äď durch Eingemeindung entstandene Gro√ügemeinden, etwa in Streusiedlungsr√§umen mit oder ohne expliziten Hauptort, wo die Gemeindeteile √∂rtlich weit auseinanderliegen, aber auch Gemeinden mit st√§dtischem Kern und dessen Vor- und Umlandorten (etwa: Mistelbach mit 10 Ortsgemeinden[4], Feldkirch mit 7 Stadtteilen[5]). Umgekehrt k√∂nnen unabh√§ngige Gemeinden auch Gemeindeverb√§nde bilden und ein gemeinsames Gemeindeamt betreiben (so etwa die Marktgemeinde Mondsee mit 4 Landgemeinden) als Ortsteilen im weiteren Sinne.

Siehe auch:

Schweiz

In der Schweiz bestehen viele Gemeinden aus mehreren ‚ÄěOrtsteilen‚ÄĚ oder Stadtteilen, die als Ortschaften oder Orte bezeichnet werden.[6] Ortsteil steht f√ľr Orts- oder Stadt-Quartiere und nicht geographisch abgrenzbare Siedlungsgebiete. In den Kantonen Graub√ľnden und Tessin werden die Gemeindeteile Fraktionen (in Davos Fraktionsgemeinden), im Kanton Bern Viertelsgemeinde bzw. im Berner Oberland B√§uert, im Kanton Z√ľrich Aussenwacht (im Z√ľrcher Oberland) und, soweit administrativ eigenst√§ndig (bis 2010), Zivilgemeinde und in der Gemeinde Schwyz Filiale genannt.

Die Ortsteile genie√üen in der Regel keine eigene Autonomie. Ausnahmen bilden die Davoser Fraktionsgemeinden, die Berner B√§uerten sowie (bis Anfang 2010) die z√ľrcherischen Zivilgemeinden. In den St√§dten wird gelegentlich Quartierautonomie gefordert, was etwa durch die neue Z√ľrcher Kantonsverfassung von 2005 (Art. 88) ausdr√ľcklich erm√∂glicht wird, bislang ist es aber nicht zu einer Realisierung gekommen.

Italien

In Italien und in San Marino werden kleinere Ortschaften, die keine eigene Gemeinde bilden, frazione (dt. Fraktion) genannt. So ist zum Beispiel Mittewald eine Fraktion der Gemeinde Franzensfeste.

Die Teile größerer Städte werden als circoscrizione (Stadtviertel/Stadtbezirk) bezeichnet.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Ortsteil ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Kommunalverfassung des Landes Brandenburg, 18. Dezember 2007
  2. ‚ÜĎ : ‚ÄěDer Gemeinderat hat den Verwaltungssprengel des Gemeindegebiets in Ortsverwaltungsteile zu unterteilen, wenn dies aus kulturellen, historischen, geografischen, verwaltungs√∂konomischen oder wirtschaftlichen Gr√ľnden zweckm√§√üig und im Interesse der in diesem Ortsverwaltungsteil wohnhaften Gemeindemitglieder gelegen ist.‚Äú ¬ß 1 Abs. 3 Burgenl√§ndische Gemeindeordnung Vorlage:¬ß¬ß/Wartung/RIS-Suche LGBl. 55/2003
  3. ‚ÜĎ etwa Burgenland: ‚ÄěDurch die OrtsvorsteherInnen und Ortsaussch√ľsse wird den verschiedenen Ortsteilen der Gemeinde eine gewisse eigenst√§ndige Meinungsbildung erm√∂glicht und dadurch die Identit√§t der Ortsteile gef√∂rdert.‚Äú OrtsvorsteherInnen und Ortsaussch√ľsse. In: Kommunaler Werkzeugkoffer. Sozialdemokratischer Gemeindevertreterverband Burgenland, abgerufen am 11. Juni 2010.
  4. ‚ÜĎ Ortsgemeinden von Mistelbach, mistelbach.riskommunal.net
  5. ‚ÜĎ Ortsvorsteher und Stadtteile, feldkirch.at
  6. ‚ÜĎ SR 510.625 Art.3 Begriffe

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