Ostfalen


Ostfalen
Ostfalen um das Jahr 1000

Der Ausdruck Ostfalen bezeichnet den östlichen Teil des alten Sachsens zwischen den Flüssen Leine, Elbe, Saale und Unstrut. Ostfalen ist zu unterscheiden von Ostwestfalen, das im alten Sachsen im sich westlich anschließenden Engern lag.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Am Ende der Sachsenkriege Karls des Großen stand die Niederlage der Sachsen 785 und die Taufe Herzog Widukinds. Die Zwangschristianisierung[1][2][3] der Sachsen folgte. Dazu wurden um 815 die Bistümer Hildesheim und Halberstadt eingerichtet, zur gemeinsamen Grenze wurde dabei die Oker. Die sächsischen Lande wurden in das Frankenreich integriert und in die Herrschaften Westfalen, Engern und Ostfalen aufgeteilt. Die Endung -falen ist germanischen Ursprungs und bezieht sich auf die Ebene, die (anfangs) durch die Weser in Ostfalen und Westfalen geteilt wurde.[4]

Nachdem 1180 über Heinrich den Löwen die Reichsacht verhängt wurde, folgte die Aufteilung Ostfalens in kleinere Herrschaftsgebiete, so zum Beispiel das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, welches Otto dem Kind 1235 als Reichslehen verliehen wurde. Weitere Herrschaftsbereiche Ostfalens waren zu dieser Zeit die weltlichen Gebiete der Bischöfe von Halberstadt und Hildesheim, des Erzbischofs von Magdeburg sowie das Stiftsgebiet Quedlinburg. Auch der Reichsbezirk Goslar und die Grafschaften Blankenburg und Wernigerode waren Teil Ostfalens.

Durch Erbteilung wurden die Herrschaftsgebiete immer kleiner und zahlreicher. So zerfiel auch das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg. Als größtes Einzelteil ging daraus das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel hervor.

Das damals schon schwach ausgeprägte „Ostfalen-Bewusstsein“ ging völlig verloren.

Gegenwärtige Verwendung des Begriffes in den verschiedenen Varianten

Während das westlich der Weser gelegene Gebiet die offizielle Bezeichnung Westfalen führt, ist Ostfalen nicht mehr geläufig. Der Begriff erscheint inzwischen auf Sprachwissenschaft und Heimatkunde reduziert. Der Name wurde zeitweise als Bezeichnung für den Ostfalengau um Hildesheim geführt. In jüngster Zeit versucht man in Südniedersachsen und im westlichen Sachsen-Anhalt den Namen neu zu beleben. So wird er heute je nach Interessenlage auf verschiedene Gebietsgrößen und Zusammensetzungen bezogen, dabei wird z. T. vom historischen Ostfalen abgewichen.

Verwendungsbeispiel für das Gebiet der historischen ottonischen Königslandschaft

Das Ostfalen-Portal definiert Ostfalen in Anlehnung an die Brockhaus-Definition (1. Hälfte 20. Jahrhundert):

„Ostfalen bezeichnet im Allgemeinen den durch den frühmittelalterlichen Stamm der ‚Ostfalen‘ beherrschten Raum, der am Ende des 8. Jahrhundert im Kern durch die karolingischen Bistümer Verden, Hildesheim und Halberstadt umschrieben wurde. Dieses Land um den Harz herum war die Heimat des ottonischen Königs- und Kaiserhauses (königsnahe Landschaft) und wurde durch zahlreiche Stiftsgründungen und Burgenorte geprägt. Romanik, Stadtrecht und Reformation, Bergwerks- und Technikgeschichte schufen Weltkulturerbe in Hildesheim, Goslar, Quedlinburg, Dessau-Roßlau und Eisleben. Als Kulturlandschaft bezeichnet Ostfalen heute einen Raum, der von drei Bundesländern erfasst wird: Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Das Ostfalen-Portal verbindet die Menschen von Hannover bis Magdeburg, Göttingen bis Halle mit ihrer gemeinsamen Kulturlandschaft.“

Verwendungsbeispiel Deuregio Ostfalen

Die zwischen Braunschweig und Magdeburg liegenden Bördekreis und Ohrekreis, welche 2007 zum Landkreis Börde fusionierten, sowie der Landkreis Helmstedt etablierten den Verein „Deuregio Ostfalen“. Die satzungsgemäße Aufgabe ist im § 2 der Satzung definiert und lautet: „Der Verein verfolgt ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke mit dem Ziel, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder und ihrer Einwohner durch geeignete Maßnahmen zu stärken und die kommunalen Lebensbedingungen zu verbessern“.

Insofern kommt der Deuregio Ostfalen die Rolle eines Moderators für eine Region zu. Daneben besteht das Ostfälische Institut. Dieses befasst sich mit der wissenschaftliche Aufarbeitung des Ostfälischen Platt. Dieses schließt auch die Förderung der Sprache ein. Dazu wird jährlich ein Literaturwettbewerb ausgerufen. Im Jahr 2010 geschieht dieses zum 17. Mal.

Weitere heutige Verwendungen des Begriffs Ostfalen

Bei der Umwandlung des VEB BKK Bitterfeld in die Aktiengesellschaft MIBRAG wurden Betriebsteile des ehemaligen BKW Harbke ausgegründet. Aus der Instandhaltungswerkstatt entstand eine GmbH. Am 27. Dezember 1990 wurden in die Urkundenrolle 373/1990 des Notar Dr.Michael Schneider aus Dortmund die Firma „Industriewerke Ostfalen GmbH“ eingetragen. Der Name sollte die wiedergewonnene, durch die Gründung der beiden deutschen Staaten verloren gegangene, Zugehörigkeit zur Region dokumentieren. Damit ist der Begriff „Ostfalen“ nach der Wende in den Focus gerückt und weiter aufgegriffen worden.

2004 kam man auf der Suche nach einer deutschland- und europaweit tragfähigen gemeinsamen Bezeichnung für die Region Braunschweig/Wolfsburg über Versuche wie „Region Mitte-Nord“ nicht hinaus. Der Terminus Ostfalen spielte keine Rolle. Parallel hält sich der Name „Braunschweiger Land“, gebunden an die Grenzen des früheren Freistaates und welfischen Herzogtums.

Der Vorschlag einer mit der Gebietsreform am 1. Juli 2007 in Sachsen-Anhalt etablierten Kommission, den neu entstandenen Landkreis Börde „Ostfalenkreis“ zu nennen, wurde nicht verwirklicht.

In der Gemeinde Barleben nördlich von Magdeburg, wurde der Name hingegen im „Technologiepark Ostfalen“ aufgegriffen.

2009 nannte sich die Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel in Ostfalia – Hochschule für angewandte Wissenschaften um.

Mundart

Hauptartikel: Ostfälisch

Der Begriff „Ostfälisch“ entstammt der Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts, die sich erstmals nahezu flächendeckend mit den Dialekten in diesem Raum befasste und dabei die hier (ansatzweise) beschriebenen Gemeinsamkeiten und Eigenheiten feststellte. Da diese sich zum Teil bis zu den (spärlichen) Schriftzeugnissen der altniederdeutschen Zeit zurückverfolgen lassen, wurde der seitdem untergegangene Name des östlichen Teils des ehemaligen altsächsischen Stammesherzogtums für diesen Zweck wiederbelebt.

Die Landkreise um die Städte Braunschweig und Wolfsburg (Peine, Gifhorn, Helmstedt,Wolfenbüttel) sowie die Landkreise Börde, Harz, Goslar und Hildesheim und Teile der Region Hannover zählen zum sprachlichen Gebiet Ostfalen. Dabei ist der Dialektraum nicht deckungsgleich mit dem historischen Ostfalen. So wurde und wird heute noch das ostfälische Platt auch im einst zum Bistum Minden zählenden Gebiet von Hannover und ehemals zum Mainzer Erzbistum gehörenden Göttingen gesprochen.

Weltkulturerbe

Im Gebiet des historischen Ostfalen gibt es drei Stätten, die den Titel UNESCO-Weltkulturerbe führen. Diese sind das Ensemble aus der Michaeliskirche und dem Dom St. Mariae in Hildesheim, das Bergwerk Rammelsberg mit der Altstadt von Goslar und die Altstadt von Quedlinburg.

Orte mit auffälligen Endungen

Im historischen Gebiet Ostfalen gibt es eine auffällige Häufung von Ortsnamen mit den Endungen -leben, -büttel und -rode. Da diese Endungen aber auch in anderen Landstrichen häufig sind, macht lediglich die Mischung dieser Orte etwas „typisch Ostfälisches“ aus. Im Gebiet zwischen Braunschweig und Magdeburg gibt es zahlreiche Ortsnamen mit der Endung -leben, um Braunschweig treten häufig solche mit -büttel auf und im Bereich zwischen Harz und Wolfsburg ist die Endung -rode oft anzutreffen.

Literatur

  • Theodor Müller: Ostfälische Landeskunde. Braunschweig 1952.
  • Robert Slawski: Ostfalen – Landschaft zwischen Harz und Heide. Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden 2007, ISBN 978-3-931656-90-4.

Quellen

  1. Simon Speck: Paderborn als Stützpunkt der Sachsenmission − 4.2: Zwangschristianisierung. S. 22, abgerufen am 12. Oktober 2009 (Monographie, deutsch, ISBN 978-3638665872).
  2. Ein Blick in die Geschichte unserer Region − Die Zeit der Franken. radio-unna.de, abgerufen am 12. Oktober 2009 (deutsch, Quelle: Internetrecherche): „Nach der Zwangschristianisierung wird Sachsen in Gaue eingeteilt, die als weiterentwickeltes Stammesrecht (lex saxonum) von Gaugrafen verwaltet werden.“
  3. Zeittafel der germanischen Völkerwanderung (Webarchiv). abgerufen am 2. März 2010 (html, deutsch, Zeittafel): „782: Blutgericht von Verden, Karl d.G. läßt 4.500 Sachsen enthaupten; 10.000 ins das [sic!] Frankenreic [sic!] deportieren, Zwangschristianisierung der Sachsen“
  4. Rätsel des Alltags: Jeder kennt Westfalen - gibt es auch Ostfalen?, RP-online.de, 9. August 2005

Siehe auch

Weblinks


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