Ostfriesland

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Ostfriesland
Karte Ostfrieslands
Ostfriesische Flagge mit Wappen

Ostfriesland (Ostfriesisches Plattdeutsch: Oostfreesland) ist eine Region in Niedersachsen im Ă€ußersten Nordwesten Deutschlands. Sie besteht aus den Landkreisen Aurich, Leer und Wittmund sowie der kreisfreien Stadt Emden.[1][2] Ostfriesland liegt an der KĂŒste der Nordsee und umfasst neben dem Festland auch die Ostfriesischen Inseln Borkum, Juist, Norderney, Baltrum, Langeoog und Spiekeroog.

Von der frĂŒheren politischen Einheit Ostfriesland ist heute ein Landschaftsverband ĂŒbrig geblieben. Auf seinem Gebiet leben ungefĂ€hr 465.000 Menschen auf 3144,26 Quadratkilometern. Die Region ist damit im Vergleich zum Bundesdurchschnitt dĂŒnn besiedelt. PrĂ€gend fĂŒr Ostfriesland ist, dass es nicht von einer grĂ¶ĂŸeren Stadt dominiert wird. Vielmehr sind es die fĂŒnf MittelstĂ€dte Emden, Aurich, Leer, Norden und Wittmund sowie fĂŒnf KleinstĂ€dte und eine Vielzahl von Dörfern, die die Struktur Ostfrieslands bestimmen. Das heutige Gebiet entspricht bis auf kleinere Arrondierungen dem Gebiet des frĂŒheren FĂŒrstentums Ostfriesland, das bis 1744 bestand.

Die Region war ĂŒber Jahrhunderte von der Landwirtschaft, der Fischerei und – besonders in den wenigen StĂ€dten – vom Handel geprĂ€gt. Dazu zĂ€hlte in den HafenstĂ€dten insbesondere der Seehandel. Deichbau und Melioration haben die landwirtschaftliche Nutzung weiter Teile der zuvor von der Tide beeinflussten Marsch und der Moore erst möglich gemacht. Inzwischen haben der Tourismus, vor allem auf den Inseln und in vielen KĂŒstenorten, sowie einige industrielle Kerne hohe Bedeutung fĂŒr die regionale Wirtschaft erlangt. Gleichwohl nimmt die Landwirtschaft auch weiterhin eine starke Stellung ein – kulturrĂ€umlich und auch wirtschaftlich. Trotz wirtschaftlicher Fortschritte in den vergangenen Jahrzehnten gilt Ostfriesland als strukturschwache Region mit einer großen AbhĂ€ngigkeit von einigen wenigen Branchen und einer kleinen Zahl grĂ¶ĂŸerer Unternehmen.

Durch die Jahrhunderte wĂ€hrende, landseitige relative Isolation durch große Moore im SĂŒden Ostfrieslands bei gleichzeitiger Hinwendung zur See hat die Region innerhalb Deutschlands eine teilweise recht eigenstĂ€ndige Entwicklung genommen. Auch enge Verbindungen zu den Niederlanden trugen dazu bei. Dies zeigt sich noch heute, etwa in kulturellen Belangen oder im politischen Raum, bei BemĂŒhungen, ostfrieslandweite Institutionen zu erhalten und, wo möglich und sinnvoll, nicht mit Institutionen außerhalb Ostfrieslands zu verschmelzen. Der Landstrich gilt als eine der Hochburgen der plattdeutschen Sprache: SchĂ€tzungsweise 50 Prozent der Einwohner sprechen noch Ostfriesisches Platt.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Lage und Gebiet

NiedersĂ€chsische NordseekĂŒste und regionale Bezeichnungen
Ostfriesland, Satellitenaufnahme
Ostfriesland mit der Ostfriesischen Inselkette (links)

Ostfriesland liegt an der NordseekĂŒste und ist die nordwestlichste Region Deutschlands. Im Allgemeinen wird unterschieden zwischen Ostfriesland im historisch-politischen Sinne (um das es im vorliegenden Artikel geht) und dem geografischen Begriff Ostfriesland, der zuweilen weiter gefasst ist (siehe dazu den Artikel Ost-Friesland). Das Ost in Ostfriesland bezieht sich darauf, dass es im östlichen Teil des alten Friesland liegt – im Gegensatz zum Westfriesland genannten Teil (der Provinz FryslĂąn und der nordhollĂ€ndischen Region Westfriesland in den Niederlanden). Neben diesen beiden Frieslanden gibt es das als Nordfriesland bezeichnete Gebiet im nordwestlichen Schleswig-Holstein, das jedoch außerhalb der im Heiligen Römischen Reich als Friesland bezeichneten Territorien liegt.

Ostfriesland umfasst die kreisfreie Stadt Emden sowie die Landkreise Aurich, Leer und Wittmund. Diese bilden – von kleineren Grenzkorrekturen abgesehen – das Gebiet des ehemaligen FĂŒrstentums Ostfriesland (1464–1744), das als Regierungsbezirk Aurich innerhalb Preußens, dann Hannovers, wiederum Preußens und spĂ€ter Niedersachsens bis 1978 fortbestand. Die Einwohner dieses Landstrichs sind die einzigen, die sich noch als Ostfriesen bezeichnen. Zudem sind die Stadt und die drei Kreise das Gebiet, das von der Ostfriesischen Landschaft, dem „Kulturparlament“ der Ostfriesen und dem Staatsarchiv Aurich betreut wird.

Ostfriesland wird begrenzt von den drei oldenburgischen Landkreisen Friesland (Grenze ist die sogenannte Goldene Linie), Ammerland und Cloppenburg im Osten sowie dem Landkreis Emsland im SĂŒden. Im Westen grenzt Ostfriesland an die Niederlande, im Norden an die Nordsee. Dem Festland vorgelagert sind die Ostfriesischen Inseln, von denen sieben bewohnt sind.

Die Inseln Wangerooge und Minsener Oog zĂ€hlen zu den Ostfriesischen Inseln (mit großem „O“), sind aber keine ostfriesischen Inseln (mit kleinem „o“), sondern oldenburgische. Hintergrund dieses verwirrenden Sprachgebrauchs ist der Unterschied zwischen „Ostfriesland“ (Betonung auf der zweiten Silbe) und „Ost-Friesland“ (Betonung auf der ersten Silbe): Nur der westliche grĂ¶ĂŸere Teil des Gebietes zwischen Ems und Jadebusen bildete bis zur GrĂŒndung des Regierungsbezirks Weser-Ems auch eine „Ostfriesland“ genannte politische Einheit (zuletzt als „Regierungsbezirk Aurich“). Der kleinere östliche Teil Ost-Frieslands war in seinem nördlichen Abschnitt, dem Jeverland, zunĂ€chst selbststĂ€ndig (als Herrschaft Jever, zu der auch Wangerooge gehörte), in seinem SĂŒdabschnitt, der Friesischen Wehde, bereits frĂŒher Teil Oldenburgs.

Ostfriesen fĂŒhlen sich als Teil der friesischen Kultur – als Friesen, die in den Nationalstaaten der Niederlande und Deutschlands an der NordseekĂŒste wohnen. Historisch reicht das hochmittelalterliche Siedlungsgebiet von der Lauwerszee (bei Groningen) bis zur Weser (Stedingen) und nördlich der Linie Wildeshauser Geest - HĂŒmmling - Hondsrug. Zur Sektion Ost des Friesenrates gehören daher neben Ostfriesland, dem Oldenburger Friesland und dem Saterland auch die Landstriche Butjadingen (Landkreis Wesermarsch) und Land Wursten (zwischen Bremerhaven und Cuxhaven).

Vor allem in kulturellen, aber auch in politischen und administrativen Belangen zeigt sich ein BemĂŒhen um den Erhalt historisch gewachsener Strukturen und ein Festhalten an organisatorischen Abgrenzungen zum Umland. An diesem ausgeprĂ€gten Eigenbewusstsein scheiterte etwa der Zusammenschluss der Landkreise Wittmund und Friesland im Zuge der niedersĂ€chsischen Landkreisreform zum 1. August 1977 – jedoch „beiderseitig“. Der Landkreis hieß Friesland, Kreisstadt war Wittmund. Nach Klagen vor dem Staatsgerichtshof in BĂŒckeburg wurde der Zusammenschluss zum 1. Januar 1980 zurĂŒckgenommen. Auch in der Polizeiorganisation – der Landkreis Wittmund wurde 2005 der Polizeiinspektion in Wilhelmshaven und damit der Polizeidirektion in Oldenburg zugeschlagen, wĂ€hrend die Kreise Aurich und Leer sowie die Stadt Emden zwei weitere Polizeiinspektionen innerhalb der Polizeidirektion OsnabrĂŒck bildeten – ließ sich eine ĂŒbergreifende Gliederung nicht durchsetzen. Die Regelung wurde 2007 nach vielerlei Bitten und politischen Interventionen zurĂŒckgenommen, der Kreis Wittmund der Polizeiinspektion Aurich angeschlossen.

Landschaftsformen

Dem Festland ist die Inselkette der Ostfriesischen Inseln vorgelagert. Sie erstreckt sich ĂŒber rund 90 Kilometer LĂ€nge von West nach Ost von der EmsmĂŒndung mit dem Dollart bis zur MĂŒndung der Jade in den Jadebusen. Die Inseln sind jeweils durch Seegaten voneinander getrennt, aber durch die davor liegenden Riffbögen und Platen miteinander verbunden. Zwischen den Inseln und dem Festland befindet sich ein ausgedehnter Wattbereich, der ĂŒber ein weit verzweigtes Flusssystem von Rinnen, Prielen und Baljen (schiffbare Priele) im Gezeitenrhythmus von Meerwasser ĂŒberflutet wird und wieder trocken fĂ€llt. Die Inseln, das umgebende Watt sowie das den Inseln vorgelagerte KĂŒstenmeer (Naturschutzgebiet „KĂŒstenmeer vor den ostfriesischen Inseln“) stehen in einer engen ökologischen Beziehung. Die Inselkette ist Teil des grĂ¶ĂŸten und global bedeutsamen Nordsee-Wattenmeeres, das sich von Den Helder (Niederlande) ĂŒber die niedersĂ€chsische, hamburgische und schleswig-holsteinische KĂŒste bis nach Esbjerg (DĂ€nemark) erstreckt und in verschiedenen Nationalparke aufgeteilt ist.[3] Ostfriesland hat innerhalb dessen mit seiner KĂŒste und den Inseln einen wesentlichen Anteil am Nationalpark NiedersĂ€chsisches Wattenmeer. Die Unterschutzstellung des deutsch-niederlĂ€ndischen Teils des Wattenmeers als Weltnaturerbe wurde im Juni 2009 von der UNESCO beschlossen.[4]

Die Ostfriesischen Inseln liegen am Rande des Festlandssockels. Sie sind keine Festlandsreste, sondern geologisch sehr junge Gebilde aus einem Strand- und DĂŒnenwall. Dieser grenzte zur Zeitenwende das Wattenmeer zur offenen See ab. Die heutige Kette der Sandinseln vor der sĂŒdlichen Nordsee von Texel bis Mellum ist im Gegensatz zu den Nordfriesischen Inseln auf altem, untergegangenem und mit marinen Sedimenten ĂŒberlagertem Festland entstanden. Das Insel-Watt-System ist ein sehr dynamisches System und stĂ€ndigen VerĂ€nderungen unterworfen, das sich vor allem in der VerĂ€nderung der Gestalt und Lage der Inseln Ă€ußert.[5][6] SeewĂ€rts finden sich auf den Inseln SandstrĂ€nde. Durch Strömung, Wellenschlag und Wind bilden sich zunĂ€chst PrimĂ€rdĂŒnen, die sich zu bis zu 20 Meter hohen WeißdĂŒnen weiterentwickeln. Es schließen sich DĂŒnenbereiche aus Ă€lteren Grau- und BraundĂŒnen an. Darauf folgen Marschen und Salzwiesen, regional auch als „Heller“ bezeichnet, die schließlich in das Watt zwischen Inselkette und Festland ĂŒbergehen. Salzwiesen werden noch gelegentlich bei besonders hohen WasserstĂ€nden ĂŒberflutet. Sie sind durch spezifische Pflanzenwelt aus Salzpflanzen (Halophyten) geprĂ€gt. Als erste Pionierpflanze siedelt sich meist der EuropĂ€ische Queller an (Quellerzone). Die oberen und unteren Salzwiesen werden teils extensiv beweidet, teils werden sie der natĂŒrlichen Sukzession ĂŒberlassen. An der FestlandkĂŒste sind stellenweise vor den Deichen noch natĂŒrliche Salzwiesen entwickelt.[3]

Vor mehr als tausend Jahren begannen die Bewohner, sich durch Deiche zu schĂŒtzen. Dennoch kam es bei großen Flutkatastrophen immer wieder zu erheblichen Landverlusten. Im Gegenzug versuchte man, Neuland aus dem Meer zu gewinnen, und es entstanden Polder. Die erfolgreichen Eindeichungen fĂŒhrten aber auch zu großen Verlusten natĂŒrlicher Salzwiesen, die sich aufgrund der eingeschrĂ€nkten Dynamik nicht mehr in vollem Ausmaß bilden konnten.

Ohne Deiche wĂŒrden weite Teile Ostfrieslands, vornehmlich die Marschen und die Moore an den AußenrĂ€ndern des ostfriesisch-oldenburgischen GeestrĂŒckens, zweimal tĂ€glich von den Fluten der Nordsee ĂŒberspĂŒlt. FĂŒr die Unterhaltung der Deiche im Rahmen des KĂŒstenschutzes sind mehrere Deichachten zustĂ€ndig, die jeweils Abschnitte des Deichbandes unter ihrer Aufsicht haben. Aus topografischen GrĂŒnden stellt jedoch auch das Wasser innerhalb des Deichbandes ein Problem dar: Wegen des kaum ausgeprĂ€gten GefĂ€lles muss Niederschlag ĂŒber mit Schöpfwerken ausgestattete Siele und bei Schleusungen vom Schiffen und Booten in die Ems und ihre NebenflĂŒsse beziehungsweise direkt in die Nordsee geleitet werden. Bei Ebbe kann dies durch natĂŒrlichen Sielzug geschehen. Ist es jedoch nötig, auch bei Flut zu entwĂ€ssern, kommen Pumpen zum Einsatz. Bei besonders ergiebigen RegenfĂ€llen kommt es fallweise auch vor, dass EntwĂ€sserungsgrĂ€ben (in Ostfriesland Schloote genannt) sowie KanĂ€le und kleinere FlĂŒsse (in Ostfriesland zumeist Tief genannt) ĂŒber die Ufer treten, weil die Pumpenleistungen nicht ausreichen oder es zu anderen Störungen im EntwĂ€sserungsnetz gekommen ist. FĂŒr die EntwĂ€sserung sind EntwĂ€sserungsverbĂ€nde, örtlich auch Sielachten genannt, zustĂ€ndig.

Der KĂŒstenraum des Festlandes ist Marschland, das weiter landeinwĂ€rts in Niedermoore, Geest und Hochmoore ĂŒbergeht. An Hochmoorresten ist insbesondere das Gebiet um das Ewige Meer bei der nach ihm benannten Ortschaft Eversmeer hervorzuheben. Es gilt als der grĂ¶ĂŸte Hochmoorsee Deutschlands. Dieser und Reste der ehemals großen Hochmoore sowie darin gelegene kleinere Moorseen wie das Lengener Meer sind heute Schutzgebiete. Durch WiedervernĂ€ssungsmaßnahmen soll der ursprĂŒngliche Charakter wieder hergestellt werden, nachdem diese FlĂ€chen ĂŒber lange Zeit stark entwĂ€ssert und schließlich verbuscht waren. Die AltmorĂ€nenlandschaft der Geest zeichnet sich durch vorwiegend sandiges Geschiebematerial der Saaleeiszeit aus und ist weitgehend als land- oder (in geringem Umfang) forstwirtschaftliche FlĂ€che kultiviert.

Nach Auflösung der Allmende entstand dank der den Bauern auferlegten Pflicht, ihre Parzellen abzugrenzen und das Ausbrechen des Weideviehs zu verhindern, die typische Wallheckenlandschaft mit kleinen WeideflĂ€chen, die von busch- und baumbestandenen ErdwĂ€llen umgeben sind. Deren Zugangsöffnungen werden mit den ebenso typischen, grob gezimmerten Holztoren (Plattdeutsch: hek) verschlossen. Inzwischen weicht allerdings das Holz zunehmend Stahl. Die kleineren Parzellen dienen meist der Viehhaltung, wĂ€hrend auf grĂ¶ĂŸeren Parzellen, auf denen der Maschineneinsatz lohnend ist, auch Pflanzenanbau betrieben wird.

Zu den grĂ¶ĂŸeren Waldgebieten gehören der Heseler Wald (Samtgemeinde Hesel), der Ihlower Forst (Gemeinde Ihlow), der Karl-Georgs-Forst (Friedeburg), der Egelser Wald und der Meerhusener Wald (beide Stadt Aurich). In den Samtgemeinden Hage und Esens befinden sich nennenswerte Waldareale, die nur wenige Kilometer hinter der KĂŒstenlinie liegen.

Weiterhin gibt es in Ostfriesland eine grĂ¶ĂŸere Anzahl natĂŒrlicher (Niedermoor-)Seen, deren grĂ¶ĂŸter das Große Meer bei Bedekaspel (SĂŒdbrookmerland) ist. Neben den bereits genannten Seen befinden sich noch weitere in Ostfriesland, insbesondere im StĂ€dtedreieck Emden-Aurich-Leer, darunter die Hieve (Hinte) und das Sandwater (Ihlow).

GrĂ¶ĂŸter Fluss Ostfrieslands ist die Ems, nach Elbe und Weser der kleinste der drei Ströme, die in Deutschland in die Nordsee mĂŒnden. Weitere FlĂŒsse sind die Leda (Landkreis Leer), die bei Leerort in die Ems mĂŒndet, ihr Nebenfluss JĂŒmme, sowie die Harle im Landkreis Wittmund, die in Harlesiel in die Nordsee fließt – allerdings durch ein Siel.

Das Kanalnetz in der Krummhörn

Ostfriesland ist zudem von einer Vielzahl kleinerer natĂŒrlicher GewĂ€sserlĂ€ufe durchzogen. Sie sind mit kĂŒnstlich angelegten KanĂ€len oder den erwĂ€hnten Tiefs verbunden. Der lĂ€ngste kĂŒnstliche Wasserlauf ist der Ems-Jade-Kanal. Weitere lĂ€ngere KanĂ€le sind der Ems-Seitenkanal zwischen Emden und Oldersum sowie der Nord- und der SĂŒdgeorgsfehnkanal. Am stĂ€rksten von FehnkanĂ€len durchzogen sind die Gemeinden Großefehn, Rhauderfehn und Ostrhauderfehn sowie die Stadt Wiesmoor, wĂ€hrend die KanĂ€le in Emden, die keine FehnkanĂ€le sind, die lĂ€ngsten in den ostfriesischen StĂ€dten sind. Die Marschen sind zudem von einer Vielzahl von sogenannten Tiefs durchzogen. Dabei handelt es sich teils um natĂŒrliche Tiefs, teils um kĂŒnstlich angelegte EntwĂ€sserungskanĂ€le. Die Tiefs waren in frĂŒheren Jahrhunderten der HauptverkehrstrĂ€ger. Beispielhaft kann hier die Gemeinde Krummhörn genannt werden, deren 19 Dörfer allesamt ans Kanalnetz angeschlossen und mit den Nachbargemeinden sowie der Stadt Emden verbunden sind.

Der höchste natĂŒrliche Punkt ist eine DĂŒne auf Norderney, die 24,4 Meter ĂŒber dem Meeresspiegel liegt. Auf dem Festland ist der höchste Punkt eine WanderdĂŒne im Naturschutzgebiet Hollsand in der Gemeinde Uplengen, die etwa 18,5 Meter ĂŒber dem Meeresspiegel liegt. Der tiefste Punkt befindet sich nahe der NordseekĂŒste in der Gemeinde Krummhörn. Hier liegt ein Teil des Freepsumer Meeres 2,5 Meter[7] unter dem Meeresspiegel. 1983 wurde dieser als tiefster Punkt Deutschlands in das Guinness-Buch der Rekorde eingetragen. Seit 1988 gilt jedoch eine Stelle (-3,54 m) in der Gemeinde Neuendorf-Sachsenbande in der Wilstermarsch in Schleswig-Holstein als tiefer gelegen.

Flora und Fauna

Strandhafer auf einer WeißdĂŒne
Moorbewohner: Wollgras
Heringsmöwe

An den StrĂ€nden der Inseln und der KĂŒste werden Tang und Seegras angespĂŒlt. In den DĂŒnen der Inseln sind viele Arten von Strandpflanzen vorhanden. Zu den typischen Vertretern gehören Pionierpflanzen wie der Strandhafer auf WeißdĂŒnen sowie Sanddorn auf BraundĂŒnen. Auf letzteren breitet sich oft auch großflĂ€chig die KrĂ€henbeere aus. Auf den höher gelegenen und bei Ebbe lĂ€nger trocken fallenden Abschnitten des Watts siedelt sich als Pionierpflanze der Queller an.

Auf den Inseln finden sich an SĂ€ugetieren Wanderratten, Igel und oft in hohen Populationsdichten Kaninchen.[8] Im 19. Jahrhundert wurden Hasen, RebhĂŒhner und Fasane ausgesetzt. Von diesen dreien hat sich lediglich der Hase den Insel-Bedingungen gut anpassen können.

Im Wattenmeer leben Seehunde und Kegelrobben. Das Watt bietet einer Vielzahl von Vogelarten Nahrung – in Form von Krebsen, Muscheln, Schnecken und WĂŒrmern wie zum Beispiel der Sandpier. Neben vielen Brutvögeln nutzen etwa zehn Millionen Zugvögel, darunter vor allem Watvögel wie der Knutt, GĂ€nse und Enten das Wattenmeer. Das Watt ist fĂŒr diese Vögel einer der wichtigsten Aufenthaltsorte auf ihrem bis SĂŒdafrika reichenden „Ostatlantischen Zugweg“. Viele von ihnen leben im Wattenmeer fĂŒr einen Großteil des Jahres und fĂŒllen ihre Fettreserven fĂŒr den krĂ€ftezehrenden Zug auf oder mausern sich wie beispielsweise die Brandgans. Die Insel Memmert ist mit rund 12.000 Brutpaaren der Silbermöwen die grĂ¶ĂŸte Kolonie dieser Art in Deutschland[8] und zudem der einzige bekannte Brutplatz fĂŒr die Englische Heringsmöwe in Deutschland. Auch Kormorane leben sowohl auf den Inseln als auch im Binnenland.

Die Marsch ist – ebenso wie die NiederungsflĂ€chen am Rande der Geest – aufgrund der Eingriffe des Menschen in die Natur und der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung relativ artenarm. Es finden sich Hasen und Fasane, FeldmĂ€use und – in großer Zahl – MaulwĂŒrfe. In der Marsch ist unter den Entenarten die Stockente verbreitet. An den BinnengewĂ€ssern finden sich auch weitere Entenarten, GĂ€nse, Reiher und SchwĂ€ne. Zu den in den BinnengewĂ€ssern vorkommenden Fischarten zĂ€hlen Aal, Hecht, Barsch, Zander und Karpfen.[9]

Die Geest ist deutlich artenreicher als die Marsch. Zwischen Äckern und GrĂŒnlandflĂ€chen finden sich die Wallhecken, die gĂŒnstigere Lebensbedingungen bieten als die Marsch. Dort sind viele Kleinvogelarten anzutreffen, aber auch Rebhuhn und Wachtel. Das Hochmoor hingegen dient nur wenigen Vogelarten als Lebensraum. Eine Ausnahme bildet das Birkhuhn. DafĂŒr gibt es in den Hochmooren Moorfrösche, Eidechsen und Kreuzottern. In den wenigen WĂ€ldern Ostfrieslands ist auch Damwild und Schwarzwild anzutreffen.

Klima

Bodennebel in Ostfriesland

Ostfriesland liegt in der warmgemĂ€ĂŸigten Zone mit ganzjĂ€hrigen NiederschlĂ€gen. Nach der Klimaklassifikation von Köppen befindet es sich in der Einteilung Cfb (Klimazone C: Warm-GemĂ€ĂŸigtes Klima; Klimatyp Cf: Feucht-GemĂ€ĂŸigtes Klima; Klimauntertyp b: warme Sommer). Die Temperaturen sind aufgrund der NĂ€he zur Nordsee relativ ausgeglichen; die Sommer sind warm, hĂ€ufig liegt die Höchsttemperatur ĂŒber 20 Â°C, die 30 Â°C-Marke wird nur an wenigen Tagen ĂŒberschritten. Die Winter sind im Allgemeinen mild und feucht mit sehr wenigen Eistagen,[10] leichter Frost ist aber jederzeit möglich. Nur selten gibt es Temperaturen unter −10 Â°C. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 8,4 Â°C im zentral gelegenen Aurich und 9 Â°C auf Norderney, wobei auf den Inseln die Temperaturen ausgeglichener sind. Durch den Speichereffekt des Meeres wird noch lange nach dem Hochsommer WĂ€rme abgegeben. Die Temperaturen sind daher im Winter milder. In den Hochmoorgebieten im Landesinneren liegen die Temperaturen zumeist etwas niedriger als in der kĂŒstennahen Marsch.

Im Laufe des Jahres fallen im Mittel rund 800 mm Niederschlag, auf den Inseln weniger. Ostfriesland liegt damit rund 100 mm ĂŒber dem deutschen Durchschnittswert. Der meiste Niederschlag fĂ€llt im Landesinneren in den Sommermonaten, vor allem im Juni und Juli. Auf den Inseln sind dagegen die Herbstmonate die niederschlagsreichsten. Die Zahl der Nebeltage mit Sichtweiten von weniger als einem Kilometer ist deutlich ĂŒberdurchschnittlich: 35 Tage auf den Inseln, 45 Tage auf dem Festland – mit noch höheren Werten in den Hochmoorgegenden. Die Zahl der Schneetage im Jahr liegt zumeist im einstelligen Bereich. Trotz des ĂŒberdurchschnittlichen Niederschlags und des oft auftretenden Nebels ist Ostfriesland relativ bewölkungsarm und sonnenreich.[11] Die Sonnenscheindauer liegt mit rund 1500 bis 1600 Stunden etwa im Mittel des nordwestdeutschen Raums, die Inseln liegen noch darĂŒber.[11]

In Ostfriesland weht der Wind stĂ€rker und hĂ€ufiger als im deutschen Durchschnitt. Zumeist kommt er aus westlichen Richtungen. Die mittlere Windgeschwindigkeit liegt auf dem Festland bei 5,5 bis 6 m/s, auf den Inseln sogar bei 7,5 bis 8 m/s. Sturm (Windgeschwindigkeit von mehr als 20 m/s) tritt ĂŒberdurchschnittlich hĂ€ufig auf: Auf den Inseln an 30, auf dem Festland an 22 Tagen im Jahr.[11] An der KĂŒste und auf den Inseln herrscht im Winterhalbjahr bei solchen Wetterlagen Sturmflutgefahr, besonders bei Winden aus Nordwest. Diese ist besonders groß, wenn zur Sturmlage noch die Springtide hinzukommt, die das Wasser ohnehin höher auflaufen lĂ€sst.

Die geringen Temperaturunterschiede, der stetige Wind sowie eine salz-, ozon- und jodreiche Luft von hoher Reinheit und Feuchte bilden das Reizklima, das Heilwirkungen hervorrufen kann. Hinzu kommen eine erhöhte Ultraviolett-Strahlung[11] und auf den Inseln eine ĂŒberdurchschnittliche Sonnenscheindauer.

Klimatabellen (langjĂ€hriges Mittel 1961–1990) von Aurich und Norderney zum Vergleich:


Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschlĂ€ge fĂŒr Aurich
Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) 1,0 1,3 3,7 6,9 11,5 14,6 16,0 15,9 13,2 9,6 5,2 2,2 Ø 8,4
Niederschlag (mm) 66,6 43,1 57,9 48,2 57,8 83,8 82,1 78,6 76,6 76,2 84,4 74,3 ÎŁ 829,6
Sonnenstunden (h/d) 1,11 2,16 3,19 5,19 6,36 6,37 6,03 6,15 4,02 2,55 1,33 0,55 Ø 3,8
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66,6 43,1 57,9 48,2 57,8 83,8 82,1 78,6 76,6 76,2 84,4 74,3
  Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez


Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschlĂ€ge fĂŒr Norderney
Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) 1,6 1,8 4,0 6,9 11,2 14,4 16,3 16,8 14,5 10,8 6,3 3,2 Ø 9
Niederschlag (mm) 60,0 40,7 52,8 41,2 48,7 62,7 76,0 72,8 72,2 80,2 87,6 74,5 ÎŁ 769,4
Sonnenstunden (h/d) 1,28 2,42 3,52 5,49 7,17 7,27 6,46 6,44 4,51 3,17 1,51 1,13 Ø 4,2
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Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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60,0 40,7 52,8 41,2 48,7 62,7 76,0 72,8 72,2 80,2 87,6 74,5
  Jan Feb MĂ€r Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

Einwohner

Zusammengefasste Anzahl der Geburten je Frau in Deutschland nach Landkreisen im Jahr 2003. Die drei ostfriesischen Landkreise (in der Grafik oben links) liegen noch ĂŒber dem Durchschnitt, in etwas schwĂ€cherer Form auch noch die Stadt Emden. Legende – grĂŒn: mehr als 1,7; gelb: 1,51 bis 1,7; orange: 1,41 bis 1,5; rosa: 1,31 bis 1,4; rot: 1,3 und weniger

In Ostfriesland leben etwa 465.000 Menschen auf 3144,26 Quadratkilometern. Daraus ergibt sich eine Einwohnerdichte von rund 148 Einwohnern pro Quadratkilometer. Damit liegt die Region deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 230 Einwohnern/kmÂČ und auch noch unter dem Durchschnitt des Landes Niedersachsen (168 Einwohner/kmÂČ).

Die grĂ¶ĂŸten StĂ€dte sind Emden (51.742 Einwohner), Aurich (40.651), Leer (34.128), Norden (25.147) und Wittmund (21.465). Die fĂŒnf MittelstĂ€dte verteilen sich ĂŒber die Region, lediglich Aurich und Wittmund haben eine gemeinsame Grenze – dies allerdings bedingt durch sehr umfangreiche Eingemeindungen bei der Kommunalreform 1972. Die am dichtesten besiedelte dieser StĂ€dte ist Leer. Sie erstreckt sich auf lediglich gut 70 Quadratkilometern, wĂ€hrend die anderen StĂ€dte viel mehr Raum in Anspruch nehmen (Wittmund: 210 kmÂČ, Aurich: 197,21 kmÂČ, Emden: 112,33 kmÂČ, Norden 106,33 kmÂČ). Die kleinste Einheitsgemeinde Ostfrieslands ist die Insel Baltrum mit 479 Einwohnern.

Zur Einwohnerzahl in grĂ€flicher beziehungsweise fĂŒrstlicher Zeit liegen keine Daten vor. Erst mit der Eingliederung Ostfrieslands in Preußen wurden ab 1750 Listen gefĂŒhrt. FĂŒr das Jahr 1744 variieren die SchĂ€tzungen zwischen 80.000 und 100.000 Einwohnern.[12]

Ostfriesland hat eine ĂŒberdurchschnittliche Geburtenrate. WĂ€hrend 2003 der Bundesdurchschnitt bei 1,37 Geburten pro Frau im gebĂ€rfĂ€higen Alter lag, lag er in den Landkreisen Aurich und Leer bei 1,6,[13] im Landkreis Wittmund noch etwas höher.[14] Allerdings reichen die Geburtenzahlen – wie im ĂŒbrigen Bundesgebiet – nicht aus, um den Bevölkerungsstand zu halten: Sie liegen unterhalb der Nettoreproduktionsrate.

Die Zuwanderung hat ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum das Geburtendefizit wieder ausgeglichen. Dabei handelte es sich in den 1990ern oftmals um Zuwanderer aus den neuen BundeslĂ€ndern sowie SpĂ€taussiedler aus Osteuropa. Allerdings spielen auch Senioren aus anderen Teilen Deutschlands, die in Ostfriesland und den Ostfriesischen Inseln ihren Ruhestand verbringen wollen, eine Rolle bei der Zuwanderung. Dies verstĂ€rkt allerdings noch – ĂŒber den ohnehin erwartbaren demografischen Wandel hinaus – die Überalterung. In einzelnen Gemeinden reicht die Zuwanderung jedoch inzwischen nicht mehr aus, um das Geburtendefizit auszugleichen. Ihre Einwohnerzahl sinkt.[15][16]

Der AuslĂ€nderanteil in Ostfriesland liegt unter dem Durchschnitt der Bundesrepublik von 8,8 Prozent.[17] In der Stadt Emden liegt der Anteil mit 5,4 Prozent noch am höchsten.[18] Im Landkreis Leer liegt der AuslĂ€nderanteil bei etwas mehr als 4 %.[19] Bemerkenswert ist im Landkreis Leer die Tatsache, dass von den rund 6700 AuslĂ€ndern fast 2100 aus den Niederlanden stammen. Dies ist mit den im Vergleich zum Nachbarland deutlich geringeren Baulandpreisen erklĂ€rbar. Der Landkreis Leer hat eine gemeinsame Landgrenze mit den Niederlanden, die A 280 fĂŒhrt ins Nachbarland. Im Landkreis Wittmund betrĂ€gt der AuslĂ€nderanteil 3,9 %,[20] im Landkreis Aurich 3,4 %.[21] Auch im Landkreis Aurich fĂŒhren NiederlĂ€nder (761) die Liste der grĂ¶ĂŸten AuslĂ€ndergruppen an.[22]

Jahr Einwohner
1823 142.114
1833 153.671
1842 167.469
1867 193.876
1871 193.044
1885 211.825
1895 228.040
1905 251.666
1925 290.517
Jahr Einwohner[23]
1939 295.687
1948 390.334
1950 391.570
1960 359.175
1970 402.094
1980 412.079
1990 415.261
2000 454.808
2007 465.170

Geschichte

→ Hauptartikel: Geschichte Ostfrieslands

FrĂŒhgeschichte

FrĂŒheste Siedlungsnachweise finden sich fĂŒr jungpalĂ€olithische RentierjĂ€ger der Hamburger Kultur. Es folgen Nachweise mesolithischer Besiedlung und spĂ€ter neolithischer Siedlungen der Glockenbecherkultur, der Megalithkultur und der Schnurkeramiker. Überregional bedeutende Funde aus der FrĂŒhzeit sind eine der Ă€ltesten befestigten Straßen der Welt, der Bohlenweg im Meerhusener Moor sĂŒdlich des Ewigen Meers samt Überresten von Wagen (ca. 2500 v. Chr.), die Ă€lteste Brandbestattung Nordwestdeutschlands (datiert auf 2700–2900 v. Chr.)[24] und der Pflug von Walle. Er galt zu Zeiten seiner Entdeckung als Ă€ltester erhaltener Pflug in Europa, da er zunĂ€chst in die Steinzeit datiert wurde. Dies wurde spĂ€ter revidiert. Inzwischen wird seine Entstehungszeit auf etwa 1000 Jahre v. Chr. geschĂ€tzt.[25] Aufgrund der relativ weit entwickelten Form des Hakenpfluges ist nach Ansicht einiger Wissenschaftler jedoch auch eine Datierung in der jĂŒngeren Bronze- oder der frĂŒhen Eisenzeit denkbar. Versuche, das Alter mit der Radiokarbonmethode zu bestimmen, schlugen fehl, weil die nach der Bergung genutzten Konservierungsmittel das Messergebnis verfĂ€lschten. Eine genaue Datierung des Fundes steht somit noch aus.[26]

Karte der germanischen StÀmme um 50 n. Chr. (ohne Skandinavien)

FĂŒr spĂ€tere Zeit ist die Siedlung germanischer StĂ€mme aus dem Großverband der IngwĂ€onen nachgewiesen. Dies waren Chauken[27] und Friesen. WĂ€hrend ursprĂŒnglich Chauken das Gebiet zwischen Ems und Weser bewohnten, begannen etwa um die Zeitenwende Friesen langsam in diesen Raum vorzudringen. Die Chauken wurden von diesen teils verdrĂ€ngt, teils in deren Stammesverband aufgesogen. Seit dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert werden die Chauken nicht mehr erwĂ€hnt. Von der Landseite her drĂ€ngten derweil sĂ€chsische StĂ€mme in die Geestgebiete vor. Die spĂ€teren Ostfriesen gingen aus der Mischung dieser Bevölkerungsgruppen hervor.

12 v. Chr. erreichten die Römer unter ihrem Feldherren Drusus erstmals Ostfriesland.[28] Wenige Jahre spÀter ankerte Germanicus in der Amisia (Ems). Das wohl zur Versorgung und zum Schutz der Schiffe angelegte Römerlager Bentumersiel (heute Gemeinde Jemgum, Landkreis Leer) zÀhlt zu den wenigen Orten in Niedersachsen, an denen archÀologische Funde auf die Anwesenheit römischer LegionÀre zu Beginn des 1. Jahrhunderts n. Chr. hinweisen.[29]

Völkerwanderung, Heerkönige, gescheiterte Christianisierung

Darstellung des Deichbaus im Oldenburger Sachsenspiegel

Im 5. Jahrhundert kam es zu einem starken RĂŒckgang der Besiedlung. Ursache dafĂŒr könnte der Anstieg des Meeresspiegels und die dadurch bedingte Überflutung der Marsch und die VernĂ€ssung der Geest sein. Der RĂŒckgang der Bevölkerung macht sich ausschließlich in archĂ€ologischen Funden bemerkbar, die fĂŒr das 5. und 6. Jahrhundert fast gĂ€nzlich fehlen. Gesichert ist, dass ein Teil der Bevölkerung mit den Angelsachsen nach England ĂŒbersetzte.[30]

In der Völkerwanderungszeit wurde die in Ostfriesland lebende Bevölkerung vermutlich in den föderativen Stammesverband der Sachsen eingegliedert. Auf eine kulturelle AnnÀherung deuten zudem Funde neuer Keramikformen hin, die aus dem Gebiet westlich der Weser stammen, wo zu dieser Zeit die Sachsen lebten. Zeugnisse kriegerischer Auseinandersetzungen, etwa Brandhorizonte, fehlen hingegen.[31]

Im 7. und 8. Jahrhundert begann eine Neubesiedlung, die sich im Rahmen einer weitlĂ€ufigen Expansion des friesischen Siedlungsgebiets abspielte. Diese reichte im Westen bis zur Sincfal (nördlich von BrĂŒgge) und umfasste SĂŒdholland, Utrecht und Westgelderland. Seit dem 8. Jahrhundert wurden auch Wursten und die nordfriesischen Inseln besiedelt, spĂ€ter das Festland gegenĂŒber. Funde aus dieser Zeit deuten dementsprechend darauf hin, dass die Siedler aus den friesischen Gebieten westlich der Lauwers stammten.[32]

Bis zu den ersten Deichbauten war eine Besiedlung nur in höher gelegenen Geestgebieten und auf so genannten Warften im regelmĂ€ĂŸig von der Nordsee ĂŒberfluteten Marschland möglich. Ab ca. 1000 n. Chr. ermöglichten Deichbauten die gesamte Marsch zu besiedeln. Hierauf spielt der Sinnspruch Deus mare, Friso litora fecit (Gott schuf das Meer, der Friese die KĂŒsten) an.[33]

Zwischen 650 und 700 entstand ein friesisches Heerkönigtum, das gelegentlich immer noch als Großreichsbildung missverstanden wird.[34] Unstreitig ist, dass diese Heerkönige sich gegen die frĂ€nkische Expansion zur Wehr setzten, was weite Teile des heutigen Westfriesland, Ostfriesland und Gebiete bis zur Weser womöglich zusammenfĂŒhrte (Magna Frisia). Der erste ĂŒberlieferte Name eines Heerkönigs ist Aldegisel, der offenbar ab 678 den christlichen Missionar Wilfrid unterstĂŒtzte.[35] Sein Sohn und Nachfolger Radbod hatte, wie sein Vater, seinen Machtschwerpunkt im Westen, im Raum Utrecht. Der wohl bekannteste der friesischen Könige stand 716 mit seinem Heerhaufen vor Köln und besiegte im selben Jahr den frĂ€nkischen Hausmeier Karl Martell,[36] der damit seine einzige Niederlage hinnehmen musste. Radbod († 719) wurde in wilhelminischer Zeit geradezu zu einem VorkĂ€mpfer germanischer Freiheit und, da er sich nicht taufen ließ, der anti-römischen KrĂ€fte stilisiert – sogar Industriekomplexe wie die Zeche Radbod im östlichen Ruhrgebiet wurden nach ihm benannt. Er ist bis heute Teil der Folklore.

Teil des Frankenreichs, Christianisierung

Nachfolger Radbods wurde Poppo. Er widersetzte sich vergeblich der RĂŒckeroberung des westlichen Frieslands durch die Franken, und nach 720 waren alle friesischen Landesteile westlich der Vlie in frĂ€nkischer Hand. EndgĂŒltig schlug Karl Martell die Friesen in der Schlacht an der Boorne (734). Poppo fand dabei den Tod. Karl der Große eroberte 785 nach dem Sieg ĂŒber die Sachsen ganz Friesland einschließlich der östlichen Gebiete bis zur Weser. Sachsen und Friesen, die gegen Karl gekĂ€mpft hatten, wurde das Ius paternae hereditatis, das Recht auf ihr vĂ€terliches Erbe und damit ihr freies Erbeigen entzogen.[37] Zur Absicherung seiner Eroberungen ließ Karl zudem das alte Friesische Recht aufzeichnen und mit frĂ€nkischen Gesetzen in einer Übersicht zusammenfassen, der Lex Frisionum. Hier finden sich erstmals Hinweise auf eine Teilung der friesischen Gebiete, welche bis heute Bestand hat.

In dieser Zeit wurde Ostfriesland Ziel mehrfacher NormanneneinfĂ€lle, bei denen die Bevölkerung auf sich allein gestellt war. Die Verteidigung des Landes organisierte Karl, indem er in Friesland entlang der KĂŒste und insbesondere an den FlussmĂŒndungen eine KĂŒstenwacht einrichtete, die sich auf die Selbsthilfe der waffenfĂ€higen und königstreuen Friesen stĂŒtzte. Diese wurden dafĂŒr vom MilitĂ€rdienst auf fremden Territorien freigestellt. Die Friesen entwickelten daraus den politischen Mythos, Karl der Große sei der Stifter der Friesischen Freiheit gewesen. Die von Karl so privilegierte Schicht dĂŒrfte jedoch dĂŒnn gewesen sein, da sie ausschließlich aus MĂ€nnern bestand, die königstreu waren und denen Karl daher das Ius paternae hereditatis nicht entzogen hatte. Erst als der Sohn Karls, Ludwig der Fromme, ihnen dieses 814 zurĂŒckgab, gelangten alle grundbesitzenden Friesen in den Genuss der Königsfreiheit. Diese zahlten dem König im Gegenzug dafĂŒr eine huslotha oder koninckhuere genannte Abgabe.[37]

Kloster Ihlow – Reste der Fundamente

Ostfriesland wurde in zwei Grafschaften geteilt. Zu dieser Zeit wurde die gescheiterte Christianisierung durch die Missionare Liudger und Willehad wieder aufgenommen. Ostfriesland wurde zu einem Teil dem Bistum Bremen, zum anderen dem Bistum MĂŒnster zugeschlagen. Im Zuge der Christianisierung entstand an der niederlĂ€ndischen und deutschen NordseekĂŒste eine Klosterlandschaft.[38] Ihren Höhepunkt fand die Bewegung im 12. und 13. Jahrhundert. Insgesamt lassen sich von Westfriesland ĂŒber Groningen bis Ostfriesland etwa 120 GrĂŒndungen der verschiedenen Orden nachweisen. In Ostfriesland selbst gab es mehr als 30 Klöster. Nach der Reformation wurden die Klöster sĂ€kularisiert und zum Teil als profane GebĂ€ude genutzt. Die meisten wurden jedoch abgebrochen und das so gewonnene Baumaterial, etwa die Ziegel, zum Hausbau oder zur Anlage von Befestigungen fĂŒr die StĂ€dte genutzt. Auch die Urkunden, VertrĂ€ge, Bild- und Schriftquellen, die in ihnen aufbewahrt wurden, gingen grĂ¶ĂŸtenteils verloren.[39]

Ablösung der Grafengerichte, Konsularverfassung, Friesische Freiheit

Upstalsboom, Àlteste bekannte Ansicht von C. B. Meyer (1790)

Gegen Ende der Karolingerzeit entstand ein Verbund zunehmend von den herrschaftlichen Gruppen im Kernland des Frankenreichs abgekoppelter Bezirke. Diese entsandten jĂ€hrlich gewĂ€hlte Vertreter, die so genannte „Redjeven“ (Rechtsprecher, RatsmĂ€nner), die sowohl die Gerichtsbarkeit ausĂŒbten als auch ihre Bezirke fĂŒhrten. Die Gruppe der Großen reichte zwar teilweise bis zur frĂ€nkischen Eroberung zurĂŒck, doch blieb der in Europa verbreitete Feudalismus in Ostfriesland wenig entwickelt. Vielmehr verstanden sich die Friesen als von grundherrlichen Bindungen freie Bauern, die weder an die Scholle gebunden waren, noch VasallitĂ€tsverhĂ€ltnisse entwickelten, wie sie in den karolingischen Herrschaftsgebieten entstanden waren. Zwar gab es Unfreie, aber ihre Zahl dĂŒrfte gering gewesen sein.

Die Ablösung der Grafengerichtsbarkeit durch die Konsularverfassung begann schon vor dem 12. Jahrhundert. Jedes Jahr versammelten sich vom 12. bis ins 14. Jahrhundert in der so genannten Friesischen Freiheit gewĂ€hlte Abgesandte der sieben friesischen Seelande am dritten Pfingsttag am Upstalsboom nahe Aurich. Die Zahl sieben ist hierbei lediglich symbolisch zu verstehen, tatsĂ€chlich waren es Abgesandte aus mehr Landstrichen. Am Upstalsboom wurde Recht gesprochen und politische Entscheidungen von ĂŒberregionaler Bedeutung getroffen. Die Abgeordneten wurden bereits zu Ostern in den Gauen gewĂ€hlt. Urkundlich nachgewiesen sind diese Versammlungen zwischen 1216 und 1231 und von 1323 bis 1327.

Ostfriesische HĂ€uptlinge

Ostfriesland zur Zeit der HĂ€uptlinge
Friesische Seelande um 1300
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Im Verlauf des 14. Jahrhunderts zerfiel die Redjeven-Verfassung zusehends, wozu auch der Ausbruch der Pest und Sturmflutkatastrophen beigetragen haben mögen, in deren Gefolge viele der bedeutenden Familien verarmten. Auch hatten Feudalherren wie die Bischöfe von MĂŒnster oder die Grafen von Oldenburg ihre Bestrebungen keineswegs aufgegeben, den Norden ihrem Herrschaftssystem einzufĂŒgen. Diese Situation machten sich einige einflussreiche Familien zu Nutze und schufen ein Herrschaftssystem, in dem sie als HĂ€uptlinge (hovedlinge) die Macht ĂŒber mehr oder weniger weite Gebiete gewannen.[40] Dabei etablierten sie weiterhin kein Feudalsystem, wie es im ĂŒbrigen Europa zu finden war, sondern eher ein Gefolgschaftssystem, das Ă€lteren Herrschaftsformen germanischer Kulturen im Norden Ă€hnelte, indem die Bewohner der jeweiligen Machtbereiche zwar in einem AbhĂ€ngigkeitsverhĂ€ltnis zum HĂ€uptling standen, diesem verschiedentlich verpflichtet waren, im Übrigen ihre Freiheit behielten und sich auch anderweitig niederlassen konnten.

Bis Ende des 14. Jahrhunderts bildeten die MachtkĂ€mpfe der verschiedenen HĂ€uptlingsfamilien ein lokales Problem. Nachdem die VitalienbrĂŒder durch den Deutschen Orden im Jahr 1398 von der Ostseeinsel Gotland vertrieben waren, fanden sie jedoch Aufnahme bei einigen der ostfriesischen Herrscher, die sie als Streitmacht einsetzten. Der wohl bekannteste SeerĂ€uber, der in Ostfriesland Unterschlupf fand, war Klaus Störtebeker. Er quartierte sich in Marienhafe ein, das damals noch an der Leybucht lag und somit Zugang zur offenen See hatte. Dadurch kam es zu erheblichen Spannungen mit der Hanse,[41] deren Heere in der Folgezeit mehrfach in Ostfriesland einmarschierten. Vor allem die StĂ€dte Hamburg und Bremen sahen sich durch die SeerĂ€uber geschĂ€digt.[42] Die Konflikte unter den HĂ€uptlingen wurden durch das Engagement der Hanse jedoch nicht beseitigt, sondern eher noch verkompliziert.[43] Die Hanse schlug 1401 eine erfolgreiche Seeschlacht vor Helgoland gegen die SeerĂ€uber. Teile Ostfrieslands, darunter Emden, wurden besetzt, vor allem von hamburgischen KrĂ€ften. Sie zogen erst 1453 wieder aus Emden ab.

Erst der Aufstieg der Cirksena um 1430, als Edzard Cirksena sich als AnfĂŒhrer eines Bundes der Freiheit durchgesetzt hatte, beendete diese von dauerhaften Fehden geprĂ€gte Phase, zugleich aber auch die Sonderstellung der regionalen Gesellschaftsverfassung. Ulrich Cirksena, ein Angehöriger eines der letzten einflussreichen HĂ€uptlingsgeschlechter, wurde 1464 von Kaiser Friedrich III. in den Reichsgrafenstand erhoben und mit Ostfriesland als Reichsgrafschaft belehnt.[44] Es gehörte zum Niederrheinisch-WestfĂ€lischen Reichskreis.

Die Herrschaft der Cirksena (1464–1744)

Unter der Herrschaft des 1662 in den erblichen FĂŒrstenstand erhobenen Hauses Cirksena entwickelte sich Ostfriesland gesellschaftlich und wirtschaftlich vorteilhaft. Die grĂ¶ĂŸte Ausdehnung erreichte die Grafschaft unter Edzard dem Großen, dem bedeutendsten Cirksena-Herrscher, unter dessen Herrschaft auch die Ausbreitung der Reformation in Ostfriesland begann und das Ostfriesische Landrecht konzipiert wurde. In dieser Zeit (1547–1625) lebte auch Ubbo Emmius, der bedeutende ostfriesische Humanist, Historiker und GrĂŒndungsrektor der UniversitĂ€t Groningen. Die Grafen konnten in Ostfriesland allerdings keine starke Adelsherrschaft wie in den anderen Staaten des Reiches durchsetzen, da die friesischen StĂ€nde ihre Freiheitsrechte weitgehend zu wahren und verteidigen wussten.

Ostfriesland um 1600, gezeichnet von Ubbo Emmius

Bereits um 1520 hielt die Reformation Einzug in Ostfriesland. Anders als in den meisten Regionen war es jedoch nicht die Obrigkeit, die hier federfĂŒhrend war. Zwar unterstĂŒtzte Graf Edzard I. die Verbreitung der neuen Lehre, war in seiner Position jedoch zu schwach, um ein bestimmtes Bekenntnis durchzusetzen. So existierten Katholizismus, lutherischer Protestantismus und Calvinismus in Ostfriesland nebeneinander, ohne dass dabei eine Konfession die Oberhand gewinnen konnte. Vielmehr setzte sich eine Spaltung des Landes in einen lutherischen Osten und einen calvinistischen Westen durch. Vor allem die Stadt Emden profitierte in den Folgejahren vom Zuzug von GlaubensflĂŒchtlingen aus den Niederlanden, die etwa Menno Simons aus Witmarsum fĂŒhrte – nach ihm wurden die Mennoniten benannt –, aber auch aus Frankreich und England. Zeitweise sah es so aus, als ob die Stadt ein drittes reformatorisches Zentrum neben Wittenberg und Genf werden könnte. Die Stadt agierte immer selbstbewusster gegenĂŒber dem Grafen. Die Spannungen gipfelten 1595 in der Emder Revolution, bei der Graf Edzard II. gezwungen wurde, seine Residenz nach Aurich zu verlegen und auf den Großteil seiner Rechte in Emden zu verzichten.

Schon Ocko I. tom Brok soll im 14. Jahrhundert Juden nach Ostfriesland geholt haben, wahrscheinlich reichen die Kontakte aber erheblich weiter zurĂŒck, zumal Friesen wie Juden sehr stark im Fernhandel tĂ€tig waren. Die Ă€lteste Synagogengemeinde entstand um 1550 in Emden; weitere Gemeinden entstanden in allen grĂ¶ĂŸeren Orten.

Die Schlacht von Jemmingen, dargestellt von Frans Hogenberg

1568 geriet Ostfriesland in die Auseinandersetzungen der niederlĂ€ndischen Freiheitskriege, als niederlĂ€ndische Truppen, die so genannten Geusen, unter ihrem AnfĂŒhrer Ludwig von Nassau-Dillenburg nach der Schlacht von Heiligerlee ins Rheiderland auswichen. Spanische Truppen unter Herzog Alba folgten ihnen. Am 21. Juli 1568 trafen die beiden VerbĂ€nde in der Schlacht von Jemgum aufeinander, die mit einem Sieg der Spanier endete. Albas Heer zog anschließend drei Tage lang plĂŒndernd, brandschatzend und vergewaltigend durch das Rheiderland.

Emden um 1575

WĂ€hrend des DreißigjĂ€hrigen Krieges litt Ostfriesland große Not durch die Truppen des Grafen von Mansfeld. Die einzige Ausnahme bildete Emden, da der kurz zuvor fertiggestellte Emder Wall die Stadt vor der Eroberung schĂŒtzte. Die Stadt erlebte zwischen 1570 und dem Ende des DreißigjĂ€hrigen Krieges ihre grĂ¶ĂŸte BlĂŒtezeit und wurde einer der wichtigsten europĂ€ischen Hafen- und Reedereistandorte. Dies war in erster Linie der großen Zahl niederlĂ€ndischer GlaubensflĂŒchtlinge geschuldet, die sich in der Seehafenstadt niederließen. Mehrere tausend Kaufleute, Reeder und Handwerker siedelten sich in der Stadt an, die Einwohnerzahl stieg um 1600 auf annĂ€hernd 15.000. Emden war damit in dieser Zeit eine der bedeutendsten HafenstĂ€dte (Nord-)Europas. Die Stadt war zudem durch das Wirken reformierter Prediger auch eine Hochburg des Calvinismus. Emder Kaufleute grĂŒndeten 1633 die erste Fehnsiedlung Ostfrieslands, (West-)Großefehn.[45]

Der 1618 ausgebrochene 30jĂ€hrige Krieg hatte fĂŒr Ostfriesland zunĂ€chst keine militĂ€rischen Folgen, und auch spĂ€ter fanden hier keine KĂ€mpfe statt. Stattdessen fungierte die Gegend als Ruheraum fĂŒr einige Truppen mit verheerenden Folgen, da diese sich an der Bevölkerung schadlos hielten. Von 1622 bis 1624 waren es die Truppen von Mansfeld, von 1637 bis 1651 waren es hessische Truppen.

Dem DreißigjĂ€hrigen Krieg folgte eine unvergleichliche Machtentfaltung der ostfriesischen StĂ€nde, die sich weitgehend unabhĂ€ngig vom jeweiligen Landesherrn machten. Der Versuch, die landesherrliche Macht wiederherzustellen, schlug fehl. Aus der Vertretung der ostfriesischen StĂ€nde ging spĂ€ter die Ostfriesische Landschaft hervor, die noch deren Wappen fĂŒhrt, sich inzwischen aber von einer politischen Institution zu einer Einrichtung der Kulturpflege gewandelt hat.

Das FĂŒrstentum Ostfriesland kam unter den Einfluss der Niederlande und lehnte sich politisch, kulturell und wirtschaftlich eng an diese an. Die Niederlande stationierten an zentralen Orten Truppen, darunter in Leerort bei Leer und in Emden.

WÀhrend des HollÀndischen Krieges von 1672 bis 1679 durchzogen Truppen verschiedener Staaten Ostfriesland, das den Abzug durch Zahlungen erkaufen musste.[46]

Kampf zwischen FĂŒrstenhaus und StĂ€nden, Brandenburg-Preußen

Die FĂŒrstin von Ostfriesland nutzte diese Situation aus und handelte 1676 einen Schutzvertrag mit dem FĂŒrstbischof von MĂŒnster aus, um ihren Herrschaftsanspruch gegen die StĂ€nde durchsetzen zu können. Anfang September 1676 marschierten schließlich acht mĂŒnsterische Kompanien Infanterie als Grenzschutz nach Ostfriesland ein. Die StĂ€nde benötigten nun ihrerseits eine Schutzmacht, um das innenpolitische Übergewicht der FĂŒrstin wieder ausgleichen zu können, wofĂŒr sich Brandenburg anbot. Dieses interessierte sich fĂŒr Ostfriesland, weil auf diese Art die Brandenburgisch-Afrikanische Compagnie von Königsberg an den strategisch viel besser gelegenen Hafen von Emden verlegt werden konnte, zumal dieser zu der Zeit als einer der besten Europas galt. Dabei nutzte KurfĂŒrst Friedrich Wilhelm 1682 die erneut aufflammenden Konflikte zwischen dem FĂŒrstenhaus und den ostfriesischen StĂ€nden. Vor allem die Stadt Emden war an einer SchwĂ€chung des FĂŒrstenhauses interessiert und einigte sich mit dem brandenburgischen Herrscher. Dieser ließ Truppen in Ostfriesland aufmarschieren. Im November 1682 landeten brandenburgische Truppen unter Wilhelm von Brandt vor Greetsiel. Am 6. November erfolgte die Einnahme der Burg Greetsiel, nachdem die StĂ€nde in Emden dies gebilligt hatten und die nur 16 Mann starke Garnison im Einvernehmen kapitulierte. Woraufhin am 22. April 1683 ein Handels- und Schifffahrtsvertrag mit den StĂ€nden Emdens ausgehandelt wurde. Fortan wurde Emden der Stammsitz der Brandenburgisch-Afrikanischen Compagnie und Vorposten Brandenburg-Preußens.

Georg Albrecht

1726/27 kam es zum so genannten Appell-Krieg, der sich in einem erneuten Konflikt zwischen dem FĂŒrsten Georg Albrecht und einem Teil der StĂ€nde Ă€ußerte, die sich in „gehorsame“ und „renitente“ aufspalteten. Der FĂŒrst ging als Sieger aus diesem Konflikt hervor. Selbst die an der Spitze der renitenten StĂ€nde stehende Stadt Emden unterwarf sich. Durch Verhandlungsfehler des Kanzlers von Georg Albrecht, Enno Rudolph Brenneysen, kam es jedoch nicht zu einer friedlichen Einigung der an dem Konflikt beteiligten Parteien. Obwohl Kanzler und FĂŒrst eine strenge Bestrafung der Renitenten forderten, wurden diese 1732 vom Kaiser amnestiert. Als FĂŒrst Georg Albrecht am 11. Juni 1734 starb, ĂŒbernahm Carl Edzard im Alter von 18 Jahren die AmtsgeschĂ€fte als letzter noch lebender Nachkomme von Georg Albrecht. Auch er konnte die Konflikte mit den StĂ€nden nicht lösen.

Zu dieser Zeit wurden die Weichen fĂŒr die MachtĂŒbernahme Preußens in Ostfriesland gestellt. Eine bedeutende Rolle nahm hierbei die Stadt Emden ein, die nach dem Appell-Krieg politisch isoliert und wirtschaftlich stark geschwĂ€cht war. Ziel der Emder Stadtspitze war es, die Stellung als stĂ€ndische Hauptstadt und Handelsmetropole zurĂŒckzugewinnen. Ab 1740 setzte sich die Meinung durch, dass dieses Ziel mit preußischer Hilfe erreicht werden könnte. Dazu sollte ein Vertragswerk geschaffen werden, das die preußische Anwartschaft anerkannte. Die wirtschaftliche Position Emdens sollte durch Schutzmaßnahmen und Förderungen gestĂŒtzt und die bestehenden Privilegien (etwa das Stapelrecht) der Stadt bestĂ€tigt werden. Die Verhandlungen auf preußischer Seite fĂŒhrte der Direktorialrat im niederrheinisch-westfĂ€lischen Reichskreis, Sebastian Anton Homfeld, der am 8. November 1740 ein erstes Gutachten ĂŒber die Verfahrensweise beim Eintritt des Erbfalls vorlegte.[47]

Homfeld galt als einer der fĂŒhrenden Vertreter der renitenten StĂ€nde. Nach anfĂ€nglichen Schwierigkeiten kam es am 14. MĂ€rz 1744 zum Abschluss von zwei VertrĂ€gen, die zusammenfassend als Emder Konvention bezeichnet werden. Zum einen war dies die Königliche Special-Declarations- und Versicherungsakte, zu anderen die Agitations- und Konventionsakte, in der vornehmlich wirtschaftliche Regelungen getroffen wurden. Des Weiteren stĂŒtzte sich Preußen auf die von Kaiser Leopold I. 1694 ausgestellte Expektanz, die das Recht auf Belehnung des FĂŒrstentums Ostfriesland fĂŒr den Fall fehlender mĂ€nnlicher Erben sicherstellte. Trotz des Widerstands des KurfĂŒrstentums Braunschweig-LĂŒneburg setzte sich Preußen im BemĂŒhen um Ostfriesland durch.

Von der ersten zur zweiten preußischen Herrschaft (1744–1871)

Fehnkanal in Ihlowerfehn. Der Ort entstand ab 1780.

Als am 25. Mai 1744 Carl Edzard, der letzte ostfriesische FĂŒrst aus dem Hause Cirksena, starb, machte König Friedrich II. von Preußen sein Nachfolgerecht geltend, das in der Emder Konvention geregelt war. Er ließ Ostfriesland von Emden ausgehend ohne Widerstand besetzen, worauf am 23. Juni das Land der Krone huldigte. Die Landeshauptstadt Aurich blieb Sitz der Landesbehörden, erhielt eine Kriegs- und DomĂ€nenkammer und wurde Regierungshauptstadt der preußischen Provinz Ostfriesland. Das gesamte Inventar des Schlosses, darunter die ostfriesische FĂŒrstenbibliothek und das Mobiliar, wurde in mehreren Auktionen versteigert, so dass davon heute kaum noch etwas erhalten ist.[48]

Die preußische Herrschaft brachte fĂŒr Ostfriesland einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung und die verstĂ€rkte Öffnung nach außen. Zudem profitierte die Stadt Emden von der Einrichtung eines Freihafens im Jahr 1751.[49] Der Emder Hafen ist damit einer der Ă€ltesten FreihĂ€fen Mitteleuropas. 1754 wurde per königlichem Befehl die Einrichtung einer Feuerversicherung angeordnet – die noch in öffentlichem Besitz befindliche Ostfriesische Landschaftliche Brandkasse. Auch das Postwesen wurde ausgebaut.[50] Mit dem Urbarmachungsedikt von 1765 begann die Moorkolonisierung und die GrĂŒndung vieler neuer Fehnsiedlungen. Preußen erkannte die selbststĂ€ndige Stellung Ostfrieslands innerhalb des Staates an und setzte einen weitgehend autonom regierenden Kanzler ein. Der erste Kanzler war der oben genannte, Ă€ußerst einflussreiche Sebastian Anton Homfeld aus einer rheiderlĂ€ndischen Honoratiorenfamilie, dem GerĂŒchte die Vergiftung des letzten ostfriesischen FĂŒrsten zuschreiben.

Karte des Königsreichs Holland mit Ostfriesland (rechts oben)

Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806 wurde Ostfriesland in das Königreich Holland und damit in den französischen Machtbereich eingegliedert. 1810 kam es als Departement Ems-Orientale (Osterems) unmittelbar zum französischen Kaiserreich. Das westliche Ostfriesland (Rheiderland) wurde aufgrund alter niederlĂ€ndischer AnsprĂŒche aus Ostfriesland ausgegliedert und dem niederlĂ€ndischen Departement Ems-Occidental mit der Hauptstadt Groningen zugeschlagen. Frankreich brachte moderne Rechtsvorstellungen nach Ostfriesland und unternahm die ersten Schritte zu einem umfassenden Umbau des Gesellschaftssystems. Auf Anordnung Napoleons mussten die Ostfriesen 1811 die bisher dort unbekannten Familiennamen annehmen und ihr bisheriges kompliziertes System der patronymischen Namensvererbung aufgeben – dies setzte sich aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts endgĂŒltig durch. Es wurden auch erstmals BĂŒrgermeister in den Dörfern eingefĂŒhrt. Die Dorfgesellschaften kannten bis dahin keine zentrale Verwaltungsstelle, da die Verantwortung auf die Olderlinge, Deichgrafen und andere lokale Honoratioren gleichmĂ€ĂŸig verteilt war. Außerdem wurde der Code civil eingefĂŒhrt. Zur Durchsetzung der Kontinentalsperre wurden zahlreiche französische Zollbeamte eingesetzt, deren Nachkommen teils noch immer in Ostfriesland leben. Einige Ostfriesen wurden in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit durch den England-Schmuggel wohlhabend, unter anderem mit Tee. Dennoch empfanden die meisten (auch die hier lebenden Juden, denen unter hollĂ€ndischer und spĂ€ter unter französischer Besetzung die BĂŒrgerrechte und die völlige Gleichberechtigung zugestanden wurde) die Fremdherrschaft als bedrĂŒckend und beteiligten sich an den Befreiungskriegen gegen Napoleon.

Nach der Niederlage Napoleons und dem Zusammenbruch seiner Herrschaft zogen in den Jahren 1813 bis 1815 erneut die Preußen ein. Ostfriesische Soldaten nahmen an den Schlachten von Ligny und Belle-Alliance (Waterloo) teil. Die Hoffnungen, preußisch zu bleiben, wurden jedoch durch den Wiener Kongress 1814/15 enttĂ€uscht. Preußen musste Ostfriesland an das Königreich Hannover abtreten. FederfĂŒhrend war dabei England, das die Festsetzung Preußens an der NordseekĂŒste verhindern wollte. Dazu heißt es in Artikel 27 der Schlussakte des Wiener Kongresses: „Der König von Preußen tritt an den König von Großbritannien und Hannover das FĂŒrstentum Ostfriesland ab unter den Bedingungen, die im Artikel 5 ĂŒber die Emsschifffahrt und den Handel im Emder Hafen gegenseitig festgelegt sind. Die StĂ€nde des FĂŒrstentums werden ihre Rechte und Privilegien behalten.“ Die folgende Zeit war geprĂ€gt von wirtschaftlichem Stillstand, teilweise RĂŒckschritt.

Auswandererzeitung Ostfriesische Nachrichten- Heimatblatt der Ostfriesen in Amerika

Zur Verwaltung des neuen Gebietes wurde am 17. Juni 1817 eine Provinzialregierung mit Sitz in Aurich gebildet. 1823 wurde daraus die Landdrostei Aurich als Mittelbehörde des Königreichs.[51] Zu dieser Zeit lebten etwa 142.000 Einwohner in Ostfriesland. Bis zum Ende der hannoverschen Zeit erhöhte sich die Einwohnerzahl um etwa 37 Prozent auf 194.033.[51] Die schlechten Wirtschaftsbedingungen – die trotz des Baus der Hannoverschen Westbahn 1854–1856, der zunĂ€chst Leer und Emden an das Eisenbahnnetz anschloss, lange andauerten – fĂŒhrten zu einer Auswanderungswelle von Ostfriesen in die USA, die etwa um 1848/50 ihren ersten Höhepunkt erreichte. Ziele der Ostfriesen waren vor allem die Staaten Illinois und Iowa, in denen es noch heute Regionen gibt, in denen Plattdeutsch gesprochen wird. Die Auswanderer zogen bevorzugt mit Menschen zusammen, mit denen sie schon in ihren Heimatdörfern zusammengelebt hatten. Von 1882 bis 1971 erschien in den USA die Zeitung Ostfriesische Nachrichten – Heimatblatt der Ostfriesen in Amerika.

Als das Land mit der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen 1866 wieder preußisch wurde und sich daraus ein Entwicklungsschub ergab, wurde dies in Ostfriesland allgemein beifĂ€llig aufgenommen. DarĂŒber hinaus setzte sich die kulturelle Verbindung mit Deutschland (Duitsland) endgĂŒltig durch und die Verwendung der hochdeutschen Sprache in der Schule wurde ĂŒblich (in manchen Gebieten wurde zuvor noch NiederlĂ€ndisch und auch Ostfriesisches Platt gesprochen).

Preußische Provinz im Deutschen Reich, Erster Weltkrieg (1871–1918)

Aufnahme vom Besuch Kaiser Wilhelm II. am 2. Juli 1902 zur Einweihung des neuen Emder Hafens

Ostfriesland war nun Teil der preußischen Provinz Hannover. Aus der Landdrostei wurde der preußische Regierungsbezirk Aurich gebildet, wobei die Bezeichnung Landdrostei ebenso wie die Ämterstruktur noch bis 1885 erhalten blieb.[51] In jenem Jahr wurden die Landkreise Aurich, Emden (ohne Stadt Emden), Leer, Norden, Weener und Wittmund gebildet. Als kreisfreie Stadt kam Emden hinzu.

In den Jahren 1880 bis 1888 wurde der Ems-Jade-Kanal erbaut. Seine Entstehung verdankte er dem Wunsch Preußens, seinen als Exklave im damaligen Großherzogtum Oldenburg gelegenen Kriegshafen Wilhelmshaven ĂŒber den Wasserweg mit dem preußischen Ostfriesland, zu dem Wilhelmshaven politisch gehörte, und hier insbesondere dem Emder Hafen zu verbinden.

Wirtschaftlich blieben Ackerbau und Viehzucht, insbesondere die Rinderzucht dominierend. Aurich und Leer waren zu dieser Zeit bedeutende ViehhandelsplĂ€tze. Die Industrialisierung fand hingegen nur sehr zögerlich statt. Bedeutung erlangten die Werften in Leer und Emden. Hier lagen auch die Handelszentren des Regierungsbezirks. Bei der wirtschaftlichen Förderung konzentrierte sich der preußische Staat auf Emden. Die Stadt entwickelte sich infolgedessen zum Seehafen des Ruhrgebiets und bedeutenden Umschlagplatz fĂŒr MassengĂŒter wie Erze und Kohle. Einen Anschub leistete dabei der 1899 fertiggestellte Dortmund-Ems-Kanal.[52] 1913 wurde in der Stadt die Große Seeschleuse eingeweiht. Mit einer BinnenlĂ€nge von 260 Metern galt sie damals als eine der grĂ¶ĂŸten Seeschleusen der Welt. Mit dem Bau wurde auch ein neues Hafenbecken angelegt, der Neue Binnenhafen. Die Einfuhr im Emder Hafen steigerte sich von 75.000 Tonnen im Jahr 1899 auf 1,5 Millionen Tonnen im Jahre 1913.[53] Dieser Entwicklung folgten die anderen StĂ€dte nur bedingt. Lediglich in Leer gab es ein bescheidenes Wachstum, nachdem der Hafen von 1901 bis 1903 modernisiert worden war.

Das Bevölkerungswachstum in der Region setzte sich fort. Im Jahre 1905 lebten 251.666 Menschen in Ostfriesland, etwa 30 Prozent mehr als zu Beginn der preußischen Herrschaft. Um die Jahrhundertwende setzte ein Wirtschaftswachstum ein, das bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges anhielt.[53] Wie im ĂŒbrigen Reich wurde in Ostfriesland der Beginn des Krieges begeistert gefeiert. Viele junge MĂ€nner meldeten sich freiwillig zum Dienst. Das in Aurich stationierte Ostfriesische Infanterie-Regiment Nr. 78. wurde zunĂ€chst in Richtung Belgien geschickt und kam im Verlaufe des Krieges sowohl an der Westfront als auch an der Ostfront zum Einsatz. Nach dem Ende des Krieges wurde es Mitte 1919 aufgelöst.

Einen Tag vor Abdankung des Kaisers wurde in Aurich und Emden am 8. November 1918 der erste Soldatenrat zur „Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung“ gegrĂŒndet. Wenig spĂ€ter folgten Leer, Norden, Esens, Wittmund und Dornum. Am 10. November 1918 wurde vor rund 100.000 begeisterten Demonstranten in Wilhelmshaven die Nordseestation und alle umliegenden Inseln und Marineteile sowie das dazugehörige Oldenburger Land zur sozialistischen Republik Oldenburg/Ostfriesland ausgerufen.[54] Zum PrĂ€sidenten wurde Bernhard Kuhnt ernannt – eine Episode, die jedoch ohne Folgen fĂŒr Ostfriesland blieb.

In der lÀndlichen, eher konservativ ausgerichteten Bevölkerung Ostfrieslands konnten sich die Arbeiter- und SoldatenrÀte nicht etablieren, so lösten sie sich dort nach der Wahl zur Weimarer Nationalversammlung nach und nach auf.[55]

Weimarer Republik

In der Weimarer Republik wurde in Person von Jann Berghaus 1922 erstmals wieder ein Ostfriese RegierungsprĂ€sident in Aurich. Diese Position hielt er bis zum Preußenschlag 1932 inne.[56]

Notgeld des Kreises Aurich 1923

Ostfriesland als vorwiegend lĂ€ndlich geprĂ€gte Region hatte nach dem Ersten Weltkrieg eine wirtschaftlich relativ gĂŒnstige Phase erlebt. Mit Ihren ÜberschĂŒssen bedienten die Bauern einen Markt, der schnell wuchs. WĂ€hrend industrialisiertere Regionen und StĂ€dte erst spĂ€ter von der Weltwirtschaftskrise getroffen wurden, ergriff diese die Region jedoch frĂŒh. Ab 1924 kam es zu einem starken Preisverfall bei Agrarprodukten um bis zu 40 Prozent. Dies fĂŒhrte beispielsweise in der stark von der Landwirtschaft abhĂ€ngigen Stadt Aurich zu einer fatalen Kettenreaktion. Der Wert der Höfe halbierte sich, die Landbevölkerung verarmte. Dadurch kam es hĂ€ufig zu Zwangsversteigerungen unter Wert, was mit einer gewissen Verzögerung die Banken in eine Krise fĂŒhrte und schließlich Handwerk und Handel mit sich riss. Rechnungen konnten nicht mehr bezahlt, Kredite nicht mehr bedient werden.[57] Maßnahmen der Bezirksregierung, um die Konjunktur durch staatliche Nachfrage wieder anzukurbeln, wie Investitionen in Deichbau- und Landgewinnungsprojekte, die Moorkultivierung und den Bau mehrerer Schöpfwerke, blieben wirkungslos.

Die Stadt Emden war zudem durch die Ruhrbesetzung durch Frankreich von ihrem Hauptmarkt, dem Ruhrgebiet, abgeschnitten. Die Ein- und Ausfuhr von Erz und Kohle nahmen deutlich ab. Dadurch kam die heimische Industrie, namentlich der Schiffbau, zum Erliegen. Die folgenden Jahre waren geprĂ€gt durch eine hohe Arbeitslosigkeit, Streiks, Rezession.[56] In dieser Zeit breitete sich der bis dato unbedeutende Antisemitismus in Ostfriesland aus, der sich unter anderem gegen den jĂŒdischen Viehhandel richtete, dem manche in der Zeit der damaligen Agrarkrise mit Vorurteilen und Misstrauen begegneten. Vor allem der Fall des Borkumer Pastors Ludwig MĂŒnchmeyer, der mit antisemitischen Hasstiraden das Publikum aufhetzte und anschließend im sogenannten MĂŒnchmeyer-Prozess gezwungen wurde, sein Amt als Pastor aufzugeben, erregte dabei reichsweites Aufsehen.

1932 wurde in Ostfriesland eine Kreisreform vorgenommen. Der Kreis Weener wurde aufgelöst und in den Landkreis Leer integriert. Der Kreis Emden wurde ebenfalls aufgelöst, nachdem die kreisfreie Stadt Emden bereits vier Jahre zuvor einige Gebiete des Kreises eingemeindet hatte. Der Großteil des Kreises Emden, darunter das Gebiet der heutigen Gemeinden Krummhörn, Hinte und Wirdum, kam zum Landkreis Norden, ein kleinerer Teil (Oldersum, Tergast) zum Landkreis Leer, der dadurch nahezu seine heutige GrĂ¶ĂŸe erreichte.

Bei den Reichstagswahlen von 1932 wĂ€hlten 44,2 % der Stimmberechtigten im Regierungsbezirk Aurich die NSDAP. Die Wahl von 1933 besiegelte schließlich das Ende der Demokratie auch in Ostfriesland.

Nationalsozialismus

„Ostfriesische Tageszeitung“ vom 1. Oktober 1942

Bei den Reichstagswahlen am 5. MĂ€rz erreichten die Nationalsozialisten 47,5 Prozent der in Ostfriesland abgegebenen Stimmen,[58] in einzelnen Orten wie etwa Oldersum sogar fast 70 Prozent. Mit Verleumdungskampagnen, teilweise auch mit roher Gewalt, wurden nach der so genannten Machtergreifung demokratisch gewĂ€hlte Politiker aus dem Amt gedrĂ€ngt: In Leer wĂ€hlte BĂŒrgermeister Dr. Erich vom Bruch nach massiven VorwĂŒrfen und Drohungen im Mai 1933 den Freitod, im Oktober wurde Emdens OberbĂŒrgermeister Dr. Wilhelm MĂŒtzelburg bedrĂ€ngt und nach körperlichen Misshandlungen durch Nationalsozialisten im wahrsten Sinne des Wortes „aus dem Rathaus geworfen“. Die Medien wurden gleichgeschaltet, was auf nur geringen Widerstand traf. Wichtigstes Organ der NSDAP in Ostfriesland war die 1932 gegrĂŒndete Ostfriesische Tageszeitung (OTZ), die zum Leitmedium wurde.

VerbĂ€nde und Vereine wurden nach dem FĂŒhrerprinzip strukturiert, jĂŒdische Mitglieder hinausgedrĂ€ngt und die freie Marktwirtschaft eingeschrĂ€nkt. Auch in die Verwaltungsstrukturen griffen die Nationalsozialisten ein: Ostfriesland zĂ€hlte nun zum Gau Weser-Ems der NSDAP.

Nach der Machtergreifung Anfang 1933 hatten vor allem die Juden unter Repressionen staatlicher Organe zu leiden. Sozialisten und Kommunisten wurden in Schutzhaft genommen und zum Teil in Konzentrationslagern inhaftiert.[59] Zwei Monate nach der Machtergreifung und vier Tage frĂŒher als in anderen Teilen des deutschen Reiches begann in Ostfriesland der Boykott jĂŒdischer GeschĂ€fte. Am 28. MĂ€rz 1933 postierte sich die SA vor den GeschĂ€ften. In der Nacht wurden in Emden 26 Schaufensterscheiben eingeworfen, was die Nationalsozialisten spĂ€ter den Kommunisten anlasten wollten.

JĂŒdische Gemeinden in Ostfriesland vor 1938

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 beteiligten sich ostfriesische SA-Truppen an den von der Reichsleitung der Nationalsozialisten befohlenen Ausschreitungen gegen die Juden, die spĂ€ter als Reichskristallnacht oder Novemberpogrome 1938 bezeichnet wurden. In dieser Nacht wurden die Synagogen von Aurich, Emden, Esens, Leer, Norden und Weener niedergebrannt. Die Synagoge in Bunde war schon vor 1938 an den Kaufmann Barfs verkauft und abgerissen worden. Die Synagoge von Jemgum war bereits um 1930 verfallen. In damals noch zu Ostfriesland gehörenden Neustadtgödens hatte ein Kaufmann das GebĂ€ude 1938 erworben und nutzte es als Farblager, weshalb die Nazis wahrscheinlich kein Feuer legten. Die Synagoge von Norderney wurde 1938 verkauft, die in Wittmund war im Juni 1938 auf Abbruch verkauft worden. Erhalten ist heute nur noch die Synagoge von Dornum, welche am 7. November 1938 an einen Tischler verkauft wurde. Alle mĂ€nnlichen Juden wurden zusammengetrieben und nach zum Teil stundenlanger Schikane ĂŒber Oldenburg in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert, aus dem sie erst nach Wochen zurĂŒckkehren konnten.

Die Diskriminierung hielt weiter an, und zwei Jahre spĂ€ter, im April 1940, meldeten die ostfriesischen StĂ€dte und Landgemeinden dem RegierungsprĂ€sidenten, frĂŒher als anderswo im Reich, dass sie „judenfrei“ seien.

Zweiter Weltkrieg

Die Kriegsvorbereitungen begannen auch in Ostfriesland sehr frĂŒh. Mit EinfĂŒhrung der allgemeinen Wehrpflicht wurden nach Aurich auch Emden und Leer GarnisonsstĂ€dte.

WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges war Emden als wirtschaftliches wie industrielles Zentrum Ostfrieslands mehrfach Ziel von Luftangriffen, die jedoch zunĂ€chst nur geringere SchĂ€den anrichteten. Am 27. September 1943 fanden in Esens 165 Menschen bei einem Bombenangriff den Tod. Das „Armen- und Arbeiterhaus“ wurde völlig zerstört, im Keller des GebĂ€udes starben 102 Schul- und Landjahrkinder. Esens – selbst ohne militĂ€rische Bedeutung – wurde als so genanntes „Target of Opportunity“ (Gelegenheitsziel) von verirrten Bombern getroffen, die eigentlich Emden als Ziel hatten.[60] Aurich wurde wĂ€hrend des Krieges dreimal bombardiert. Dabei kamen 17 Menschen ums Leben und 24 wurden verletzt. Am 6. September 1944 wurde Emden erneut bombardiert. Beim Angriff alliierter Bomber wurden rund 80 Prozent der Innenstadt und damit fast die gesamte historische Bausubstanz zerstört.[61] Emden gehört damit zu den zehn am stĂ€rksten vom Bombenkrieg in Mitleidenschaft gezogenen deutschen StĂ€dten, bezogen auf den Prozentsatz der zerstörten Wohnungen.[62]

Mahnmal mit den Namen der 188 Opfer des KZ Engerhafe

Gegen Ende des Krieges wurde 1944 das KZ Engerhafe errichtet. Die hier unter unmenschlichen Bedingungen Inhaftierten mussten PanzergrĂ€ben rund um die zur Festung erklĂ€rte Stadt Aurich ausheben. Kurz vor der Fertigstellung der „Rundumverteidigung Aurichs“ wurde das Lager am 22. Dezember 1944 aufgelöst. Innerhalb der zwei Monate seines Bestehens starben 188 HĂ€ftlinge.[63]

Ende April 1945 erreichten alliierte Bodentruppen Ostfriesland. Am 30. April wurde Leer von kanadisch-englischen Truppen eingenommen. Bis zum 2. Mai erreichten sie auch Oldersum und Großefehn.[64] Am 3. und 4. Mai 1945 verhandelte eine Delegation aus Aurich erfolgreich mit den heranrĂŒckenden Kanadiern ĂŒber die kampflose Übergabe der Stadt. Diese erfolgte am 5. Mai 1945, nachdem ein am 4. Mai bei LĂŒneburg unterzeichneter Vertrag zur bedingungslosen Kapitulation der drei in Nordwestdeutschland operierenden deutschen Armeen am selben Tag um acht Uhr in Kraft getreten war.

Nachkriegszeit

Nach historischem Vorbild in moderner Weise wieder aufgebautes Emder Rathaus (1962)

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Ostfriesland Teil der britischen Besatzungszone. Dabei waren auch kanadische Soldaten in Ostfriesland stationiert. In den Niederlanden gab es Überlegungen, einige Gebiete Deutschlands zu annektieren. Dabei wurde auch Ostfriesland ins Auge gefasst. Insbesondere auf den Dollart, die EmsmĂŒndung und Borkum hatten es die Niederlande abgesehen, um Emden vom Seehandel abzuschneiden. Diese PlĂ€ne scheiterten jedoch am Widerstand der Westalliierten.

Am 23. August 1946 zerschlugen die Briten das Land Preußen und bildeten aus dessen ehemaliger Provinz Hannover das Land Hannover, aus dem gemeinsam mit den LĂ€ndern Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe bereits am 1. November 1946 das Land Niedersachsen hervorging. Die politische Einheit Ostfrieslands blieb auch nach 1946 unter dem Namen „Regierungsbezirk Aurich“ erhalten; der Bezirk wurde zunĂ€chst Teil des Landes Hannover, spĂ€ter Niedersachsens.

Ostfriesland wurde von vielen FlĂŒchtlingen und Vertriebenen aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches bevölkert. Lebten 1945 noch etwa 295.600 Einwohner in der Region, waren es ein Jahr spĂ€ter bereits 364.500, 1948 bereits 390.334 Einwohner. 1950 wurde mit 391.570 Einwohnern das vorlĂ€ufige Maximum erreicht, unter ihnen stellten die Vertriebenen 16,3 Prozent.[65] Der Wiederaufbau nach dem Krieg dauerte in Emden aufgrund der massiven Zerstörungen am lĂ€ngsten. Noch zu Beginn der 1960er Jahre gab es in der Stadt Barackenlager.

Wirtschaftswunder, Verwaltungsreformen, kulturelles Eigenbewusstsein

Im Zuge der niedersĂ€chsischen Kommunalreform wurde 1972 die vormals ostfriesische Gemeinde Gödens in die oldenburgische Gemeinde Sande eingegliedert. Umgekehrt wurde der Ort Idafehn, der zuvor zur Gemeinde StrĂŒcklingen im Landkreis Cloppenburg gehört hatte, 1974 der Gemeinde Ostrhauderfehn im Landkreis Leer zugeschlagen. 1977 gab es letzte kleinere Änderungen im Bereich der Grenze zwischen den Gemeinden Ostrhauderfehn und Saterland. Innerhalb Ostfrieslands wurden viele kleine Gemeinden mit einer teils nur dreistelligen Einwohnerzahl zu grĂ¶ĂŸeren Gemeinden oder Samtgemeinden verschmolzen. Auch haben StĂ€dte in grĂ¶ĂŸerem Umfang umliegende Gemeinden eingegliedert. Damit war im Wesentlichen der heutige Zustand hergestellt.

Zum 31. Januar 1978 wurde der Regierungsbezirk Aurich mit den Bezirken OsnabrĂŒck und Oldenburg im Regierungsbezirk Weser-Ems zusammengefasst. Seit 1978 ist Ostfriesland somit keine eigenstĂ€ndige Verwaltungseinheit mehr. Lediglich die Ostfriesische Landschaft als Landschaftsverband ist weiterhin ostfrieslandweit tĂ€tig – politisch jedoch lediglich auf dem Gebiet der Kulturpolitik, wozu unter anderem die Pflege des Plattdeutschen, die Aufarbeitung der Geschichte Ostfrieslands, die Bewahrung des Kulturerbes und seit 2006 auch Teile des Regionalmarketings gehören. „Die Landschaft“, wie sie kurz genannt wird, ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und ein höherer Kommunalverband, jedoch explizit keine Gebietskörperschaft. Die Landschaftsversammlung als oberstes Organ setzt sich aus gewĂ€hlten Vertretern zusammen, die von den drei Kreistagen und dem Emder Stadtrat zu benennen sind und versteht sich als identitĂ€tsstiftende Institution aller Ostfriesen. Unter den Landschaften und LandschaftsverbĂ€nden in Niedersachsen ist die Ostfriesische Landschaft, 1464 ins Leben gerufen, mit weitem Abstand die Ă€lteste – alle anderen wurden erst im 20. Jahrhundert gegrĂŒndet.

1964 wurde mit dem Bau des bis heute wichtigsten Industriebetriebs begonnen, dem Volkswagenwerk Emden. 1977 lief dort der letzte in Deutschland gebaute VW KĂ€fer vom Montageband. 1984 wurde in Aurich der Windenergieanlagenhersteller Enercon gegrĂŒndet, der heute etwa 3000 BeschĂ€ftigte in Ostfriesland zĂ€hlt. In den 1980ern begann auch der Aufstieg Leers zum zweitgrĂ¶ĂŸten deutschen Seereedereistandort nach Hamburg.

Mit der Nordseehalle in Emden (1972), der Kunsthalle in Emden (1986), der Johannes a Lasco Bibliothek in Emden (1995) und kleineren Museen in anderen ostfriesischen Orten wurde die kulturelle Infrastruktur seit Anfang der 1970er deutlich ausgebaut.

Politik

Die Funktionen des ehemaligen Regierungsbezirks Aurich haben weitgehend die Landkreise Leer, Aurich und Wittmund sowie die kreisfreie Stadt Emden ĂŒbernommen, sofern sie nicht auf das Land Niedersachsen bzw. (bis zu dessen Auflösung im Jahr 2004) auf den Regierungsbezirk Weser-Ems ĂŒbergegangen sind.

Im Jahr 2005 begann in den ostfriesischen Kreistagen eine Diskussion ĂŒber einen möglichen Zusammenschluss zu einem „Landkreis Ostfriesland“. 2006 wurde von regionalen SPD- und CDU-Politikern stattdessen vorgeschlagen, einen Regionalrat zu bilden aus Vertretern der vier Landkreise und zwei kreisfreien StĂ€dte auf der ostfriesischen Halbinsel, also inklusive Friesland und Wilhelmshaven. Allerdings haben Friesland und Wilhelmshaven von einer Teilnahme abgesehen. Vertreter aus den drei ostfriesischen Kreistagen und dem Emder Stadtrat haben im August 2010 in einer konstituierenden Sitzung den Regionalrat gegrĂŒndet[66], erster Vorsitzender wurde der SPD-Bundestagsabgeordnete Garrelt Duin aus Hinte.[67] Ziel des Regionalrates ist es, die Interessen der Region mit einer Stimme gegenĂŒber dem Land Niedersachsen, dem Bund und der EU zu vertreten. Welche inhaltliche Verantwortung der Regionalrat darĂŒber hinaus ĂŒbernehmen soll, wird noch entschieden. Ab 2011 soll der Regionalrat von den Ostfriesen selbst gewĂ€hlt werden, als Termin ist die im Herbst stattfindende Kommunalwahl vorgesehen.[68] Damit gibt es ab September 2011 ein gesamtostfriesisches Gremium neben den Kreistagen und dem Emder Stadtrat.

Wahlen

Bei Wahlen ist Ostfriesland insgesamt eine traditionelle SPD-Hochburg.[69] Bei der Wahl 2005 erreichte die SPD im Bundestagswahlkreis Aurich – Emden mit 55,9 Prozent das höchste Zweitstimmenergebnis in ganz Deutschland. In diesem Wahlkeis wurde der heutige wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion und Vorsitzende des Seeheimer Kreises, Garrelt Duin, gewĂ€hlt und 2009 bestĂ€tigt. Auch im Bundestagswahlkreis Unterems (Landkreis Leer/nördlicher Landkreis Emsland) erreicht die SPD im ostfriesischen Teil besonders hohe Anteile, im Gegensatz zum katholisch geprĂ€gten Emsland, das ungefĂ€hr die andere HĂ€lfte dieses Wahlkreises bildet und wo die CDU die deutliche Mehrheit der Stimmen holte. Im Bundestagswahlkreis Friesland – Wilhelmshaven, zu dem auch der Landkreis Wittmund zĂ€hlt, gewann ebenfalls traditionell die SPD – auch wenn die CDU im Landkreis Wittmund selbst vor der SPD lag. Der Landkreis Wittmund war bis 2010 auch der einzige mit einem CDU-Landrat, in den anderen drei Kommunen stellt die SPD die Hauptverwaltungsbeamten. Im Landkreis Wittmund wurde Landrat Matthias Köring bei seiner Wahl 2010 von CDU, SPD und FDP unterstĂŒtzt.

Bei der Landtagswahl in Niedersachsen 2008 allerdings gelang es der CDU, erstmals seit Jahrzehnten ostfrieslandweit mehr WĂ€hlerstimmen auf sich zu vereinigen als die SPD – wenn auch der Vorsprung knapp war.[70] Die Sozialdemokraten mussten bei dieser Landtagswahl jedoch ohnehin das schlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl in Niedersachsen registrieren. Die SPD holte allerdings im Wahlkreis Emden/Norden mit 41,8 % der Stimmen ihr bestes Ergebnis landesweit (dieser war neben dem Wahlkreis Salzgitter der einzige, in dem die SPD ĂŒberhaupt mehr als 40 % der Stimmen holte) und gewann auch drei der fĂŒnf Direktmandate in den fĂŒnf ostfriesischen Wahlkreisen, die anderen beiden holte die CDU. Nach der Wahl wurde der Westerholter Hermann Dinkla (CDU) zum PrĂ€sidenten des 16. NiedersĂ€chsischen Landtags gewĂ€hlt.

Wappen und Flagge

Das grÀfliche Wappen

Das von Graf Rudolf Christian eingefĂŒhrte Wappen Ostfrieslands
Das 1678 von Kaiser Leopold I. verliehene Upstalsboomwappen
Flagge Ostfrieslands

Ein offizielles ostfriesisches Landeswappen gibt es heute nicht mehr, da Ostfriesland als Gebietskörperschaft nicht mehr existiert. In der öffentlichen Wahrnehmung und durchaus auch in der praktischen Verwendung ĂŒbernimmt heute jedoch nach wie vor das Wappen der ehemaligen ostfriesischen Grafen die Funktion eines ostfriesischen Landeswappens. Das populĂ€re sechsfeldrige Wappen wurde 1626 in seiner endgĂŒltigen Form von Graf Rudolf Christian eingefĂŒhrt.

Dieses Wappen vereint in sich die Wappen der wichtigsten ostfriesischen HĂ€uptlingsfamilien, in deren Nachfolge sich die Grafen und FĂŒrsten sahen. Es zeigt (unheraldisch von links oben bis rechts unten):

  • das Wappen der Cirksena aus Greetsiel, den goldenen, gekrönten Jungfrauenadler (die SpornrĂ€der sollen dem Norder Stadtwappen entnommen sein und werden als Hinweis auf die Herkunft der Ă€ltesten nachweisbaren Vorfahren gewertet),
  • das Wappen der tom Brok aus dem Brokmerland, einen goldenen, auf Haupt und FlĂŒgeln gekrönten Adler,
  • das Wappen der HĂ€uptlinge von Manslagt aus der Krummhörn, ein silbernes Feld, in ihm ein roter Balken, der mit fĂŒnf abwechselnd goldenen und silbernen Rauten besetzt ist; ĂŒber dem Balken zwei blaue und unter ihm ein blauer Sichelmond,
  • das Wappen des HĂ€uptlings Focko Ukena aus Leer und Moormerland, ein rechtsaufgerichteter silberner Löwe auf blauem Grund mit einer gestĂŒrzten goldenen Krone um den Hals,
  • das Wappen der Attena aus Esens, die ĂŒber die Herrschaft Wittmund verfĂŒgten, der rechtsaufgerichtete, rot bewehrte schwarze BĂ€r mit goldenem Halsband auf goldenem Grund,
  • das Wappen des Attena-HĂ€uptlings Hero Omken aus dem Harlingerland, zwei goldene schrĂ€ggekreuzte zweistrĂ€ngige Geißeln im blauen Feld.

Die drei gekrönten BĂŒgelhelme ĂŒber dem ostfriesischen Wappen sind Bestandteile der Wappen der Cirksena (mittlerer Helm, welcher als Helmzier eine goldene Lilie vor sechs goldenen Straußenfedern trĂ€gt) und des Harlingerlandes (rechter Helm mit zwei schrĂ€ggekreuzten Geißeln und eine Lilie) sowie der tom Brok (mit rot-goldener Helmdecke). Der Wappenspruch Eala Frya Fresena deutet auf die Tradition der friesischen Freiheit hin.

Das stÀndische Wappen

Aus der freiheitlichen Tradition der Friesen heraus entwickelte sich in der Grafschaft Ostfriesland eine starke Stellung der Standesversammlung. Die LandstĂ€nde hatten neben den Grafen und FĂŒrsten umfangreiche landesherrliche Rechte. Diesem Umstand trug Kaiser Leopold I. mit einem im alten Reich einmaligen Vorgang Rechnung, als er der Ostfriesischen Landschaft am 14. Januar (Julianischer Kalender) bzw. 24. Januar 1678 (Gregorianischer Kalender, dieser wurde in den protestantischen Landesteilen erst 1700 eingefĂŒhrt) ein eigenes Wappen verlieh. Dieses Upstalsboom-Wappen wird bis heute von der Landschaft verwendet.[71]

Auf einem roten Schild zeigt es einen grĂŒnen Eichenbaum auf einem grĂŒnen HĂŒgel (als Sinnbild fĂŒr den Upstalsboom), daneben stehend einen geharnischten Mann, eine Lanze in seiner rechten und einen Degen in seiner linken Hand, mit zwei weißen und zwei blauen Federn gezierten BĂŒgelhelm auf dem Haupt.

Die ostfriesische Flagge

Die ostfriesische Flagge zeigt drei gleich breite Querstreifen in den Farben schwarz, rot und blau. Diese Farben sind dem grĂ€flichen Wappen entnommen: Schwarz ist die Grundfarbe des Cirksena-Wappens, das Rot entstammt dem Wappen der tom Brok und Blau steht fĂŒr das Harlingerland.

Im Gegensatz zum grĂ€flichen Wappen hat die populĂ€re ostfriesische Flagge heute wieder offiziellen Status, da sie von der Ostfriesischen Landschaft im Jahr 1989 offiziell angenommen wurde.[72] Im privaten Gebrauch wird die Flagge fast ausschließlich mit dem grĂ€flichen Wappen verwendet und vor vielen HĂ€usern in Ostfriesland gehisst.

Kultur

Sprache

Zweisprachiges Ortsschild Aurich (Auerk)
Zweisprachiges Ortsschild LĂŒtetsburg (LĂŒtsbörg)
→ Hauptartikel: Ostfriesisches Platt

Die Volkssprache in Ostfriesland ist das Ostfriesische Platt, eine nordniedersĂ€chsische Variante der niederdeutschen Sprache. Ostfriesland gehört heute zu den wenigen noch relativ intakten Sprachgebieten des Niederdeutschen, gilt aber auch als dialektales RĂŒckzugsgebiet. Genaue Sprecherzahlen liegen nicht vor, aber es wird davon ausgegangen, dass noch die HĂ€lfte der Einwohner Ostfrieslands Platt beherrscht. Die Zweisprachigkeit wird von der Ostfriesischen Landschaft gefördert, beispielsweise durch Hilfe bei der zweisprachigen Unterrichtung in KindergĂ€rten und Grundschulen durch das PlattdĂŒtskbĂŒro.[73] Auch Vereine wie Oostfreeske Taal (Ostfriesische Sprache) sind auf diesem Gebiet aktiv, zudem geben regionale Verlage BĂŒcher auf Plattdeutsch heraus. In Zeitungen und Zeitschriften erscheinen regelmĂ€ĂŸig Artikel auf Plattdeutsch, und es gibt seit 1992 eine Zeitschrift namens Diesel, die vollstĂ€ndig in ostfriesischem Plattdeutsch erscheint und die neben Unterhaltung und Kulturnachrichten moderne Lyrik und Prosa veröffentlicht. Seit dem Jahr 2004 dĂŒrfen einige Gemeinden und StĂ€dte in Ostfriesland zweisprachige Ortsschilder aufstellen, dies sind unter anderem die StĂ€dte Aurich (Auerk) und Norderney (Nörderneei) sowie die Gemeinden Großheide (Grootheid), Wirdum (Wir’m) und LĂŒtetsburg (LĂŒtsbörg). In weiten Gebieten haben sich allerdings die plattdeutschen Ortsnamen erhalten (Beispiele: Möhlenwarf, Moorhusen, Suurhusen, Rechtsupweg), so dass keine zweisprachigen Schilder notwendig sind.

Die ursprĂŒngliche Volkssprache in Ostfriesland war jedoch nicht Niederdeutsch, sondern die zum Friesischen gehörende Ostfriesische Sprache. Diese wurde zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert durch das Niederdeutsche ersetzt. Mit der Reformation kamen schließlich die hochdeutsche Sprache und – besonders im calvinistischen Westen Ostfrieslands – auch das NiederlĂ€ndische ins Land. Im spĂ€ten 19. Jahrhundert hielt die deutsche Sprache auch in den calvinistischen Gemeinden Einzug. SpĂ€testens in dieser Zeit gerieten auch die abgelegensten Gebiete Ostfrieslands unter hochdeutschen Einfluss, und der zweite Sprachwechsel der Ostfriesen, vom Niederdeutschen zum Standarddeutschen, begann.[74]

Durch diese bewegte Sprachgeschichte hebt sich das Ostfriesische Platt in der Aussprache wie im Wortschatz von den Nachbardialekten ab. Das Friesische und das NiederlĂ€ndische haben ihre Spuren hinterlassen, aber auch der niederdeutsche Kern der Sprache gilt als relativ konservativ. Durch seine isolierte Lage bewahrt das ostfriesische Niederdeutsch manche alte niederdeutsche Wörter wie fuul (schmutzig), Penn ((Schreib-)Feder), quaad (böse); es enthĂ€lt außerdem noch eine Anzahl friesischer Wörter und Formen wie die Personalpronomen hör (sie) und hum (ihn/ihm), sowie Bezeichnungen wie Gulf (Scheunenteil), Heff (Wattenmeer), Jier (Jauche) usw., und schließlich (besonders im westlichen Teil) hat es eine Reihe niederlĂ€ndischer Wörter aufgenommen wie Bahntje (Anstellung, Posten), Patries (Rebhuhn) oder Ühr (Stunde).

Die alte Ostfriesische Sprache hat sich nur außerhalb Ostfrieslands erhalten. Im jahrhundertelang schwer zugĂ€nglichen Saterland, einer sĂŒdöstlich von Ostfriesland gelegenen ehemaligen „Insel“ im Moor, sprechen bis heute etwa 2000 Menschen Saterfriesisch. Im Gegensatz zu den Groninger Ommelanden, wo der Verlust der ostfriesischen Sprache auch zu einem Verlust der friesischen IdentitĂ€t fĂŒhrte, ist das friesische Selbstbewusstsein in Ostfriesland nach wie vor stark ausgeprĂ€gt und nicht so stark mit der Regionalsprache verknĂŒpft wie in Nord- oder Westfriesland.[75]

Der Standardgruß in Ostfriesland ist „Moin“ und wird zu jeder Tages- und Nachtzeit benutzt. Dabei gilt Moin in Ostfriesland auch durchaus als formelle Grußformel, wĂ€hrend in anderen Gegenden Norddeutschlands hĂ€ufig in formeller Umgebung auf „Guten Tag“ o. Ă€. zurĂŒckgegriffen wird.[76] Die Herkunft des recht jungen Grußes Moin ist nach wie vor ungeklĂ€rt, er trat allerdings zuerst in Ost- und Nordfriesland auf. GestĂŒtzt wird die These, dass der Ursprung von Moin in Ostfriesland zu suchen ist, durch die erste schriftliche ErwĂ€hnung des Grußes in Wiard LĂŒpkes Ostfriesischen Wörterbuch aus dem Jahr 1932.[77] Die gĂ€ngigsten Theorien gehen von einer Herkunft aus dem niederlĂ€ndischen/niederdeutschen „Mojen Dag“ („Schönen Tag“)[78] oder von einer schrittweisen VerkĂŒrzung von „En goden Mörgen“ („Einen guten Morgen“) aus.[79] Gegen die erste Herleitung spricht allerdings, dass das „oi“ in Moin mit einem kurzen o gesprochen wird ([mɔÉȘn]), wĂ€hrend es in moi lang ist ([mo:i]). Gegen die zweite Theorie spricht die Verwendung des Grußes rund um die Uhr, und nicht nur am Morgen. Parallel zu Moin existieren lokal begrenzt weitere traditionelle Grußformeln, etwa „Mui“ im Rheiderland oder „He“ auf Norderney.

SehenswĂŒrdigkeiten

Der schiefe Kirchturm von Suurhusen
Schloss LĂŒtetsburg
Norderburg in Dornum
Straßenzug in Rysum
Blumenhalle in Wiesmoor

→ siehe auch: Liste der historischen Kirchen in Ostfriesland

In Ostfriesland ist eine große Zahl von BaudenkmĂ€lern erhalten geblieben. Entsprechend der Struktur Ostfrieslands sind diese nicht nur in den StĂ€dten zu finden, sondern auch in vielen Dörfern.

Unter den architektonisch herausragenden Sakralbauten sind die Ludgerikirche in Norden, die grĂ¶ĂŸte Kirche Ostfrieslands, sowie die Neue Kirche und die Große Kirche in Emden zu nennen. Letztere verbindet die bis in Mittelalter zurĂŒckreichende historische Bausubstanz der im Zweiten Weltkrieg zerstörten reformierten „Moederkerk“ mit einem Neubau aus den 1990ern und beherbergt heute die Johannes a Lasco Bibliothek. Zahlreiche weitere GotteshĂ€user Ostfrieslands stammen aus dem Mittelalter, viele Dorfkirchen sind im romanischen und gotischen Stil erbaut.[80] Ein Unikat ist die Suurhuser Kirche, die den schiefsten Kirchturm der Welt beherbergt und daher im Guinness-Buch der Rekorde steht.

Eine Vielzahl von beachtenswerten Profanbauten ist insbesondere in den ostfriesischen StÀdten zu finden. Aus allen Epochen seit ungefÀhr 1450 finden sich stilprÀgende GebÀude. Eine Vielzahl von historischen GebÀuden befindet sich beispielsweise in den InnenstÀdten von Aurich und Leer. Sogar in der Stadt Emden, die wÀhrend eines Bombenangriffs im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört wurde, sind noch GebÀude vergangener Jahrhunderte vorhanden. Daneben hat Emden eine Vielzahl von Bunkern aus dem Krieg aufzuweisen, die heute auf verschiedenste Art genutzt werden.

Zu den herausragenden Museen der Region gehören die Kunsthalle in Emden, das Ostfriesische Landesmuseum in Emden und Teemuseen in Norden und Leer. Ostfriesische Wohnkultur des 18. und 19. Jahrhunderts kann im Haus Samson in Leer besichtigt werden. Daneben gibt in vielen Orten Heimat- und Regionalmuseen wie das Historische Museum Aurich oder kleinere themenbezogene Museen wie das Ostfriesische Landwirtschaftsmuseum in Campen oder das Moormuseum Moordorf, das sich der Geschichte der Moorkolonisation widmet. In Emden und Leer gibt es MuseumshÀfen mit historischen Schiffen.

Ostfriesland war frĂŒher reich an Klöstern. Das bedeutendste unter ihnen war das Kloster Ihlow. An dessen StĂ€tte in Ihlowerfehn erinnert seit 2009 eine stilisierte Rekonstruktion von Klosterkirche und Garten mit angeschlossener Ausstellung an die Bedeutung der Klöster fĂŒr den Landesausbau Ostfrieslands. Aus touristischer ErwĂ€gung dient der Kirchturm gleichzeitig als eine der wenigen öffentlich zugĂ€nglichen Aussichtsplattformen Ostfrieslands.

Über ganz Ostfriesland verteilt finden sich zahlreiche Wehr- und Prachtbauten der ehemaligen HĂ€uptlings- und Adelsfamilien des Landes. Allein in Leer stehen vier dieser so genannte Burgen, die sich teils in Privatbesitz, teils in Besitz der öffentlichen Hand befinden. Die Ă€lteste unter ihnen ist die bald nach 1450 erbaute Harderwykenburg. Auch das Schloss LĂŒtetsburg nahe Norden befindet sich in Privatbesitz, im ausgedehnten anliegenden Park sind jedoch SpaziergĂ€nge möglich. Im benachbarten Hage befindet sich die Burg Berum. Die Ă€lteste erhaltene HĂ€uptlingsburg Ostfrieslands ist das Steinhaus in Bunderhee.[81] Weitere Burgen und Schlösser finden sich auch in Hinte, Pewsum, Stickhausen und Dornum. Im Auricher Schlossbezirk sind Gerichte und das NiedersĂ€chsische Landesamt fĂŒr BezĂŒge und Versorgung untergebracht.

Die grĂ¶ĂŸte Veranstaltungshalle Ostfrieslands, die Nordseehalle in Emden, hat eine MaximalkapazitĂ€t von 5500 Personen. DarĂŒber hinaus gibt es nennenswerte Veranstaltungshallen in Aurich (Stadthalle und seit Mai 2009 auch ein Neubau mit dem Sponsoring-Namen Sparkassen-Arena, maximal 3000 Personen) und Leer (Ostfrieslandhalle).

Ein Theater findet sich in Emden (Neues Theater, 1972), in den anderen Orten werden fĂŒr TheaterauffĂŒhrungen, Kabarettveranstaltungen u. Ă€. zumeist andere öffentliche GebĂ€ude wie beispielsweise Schulen genutzt, in Aurich auch die Stadthalle.

Viele Dörfer sind in den vergangenen Jahrzehnten im Zuge der Dorferneuerung aufgewertet worden. Zu den Dörfern mit gut erhaltenen historischen Ortskernen zĂ€hlen beispielsweise die beiden Krummhörner Orte Rysum (Landessieger 1995 im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“) und Greetsiel, das Uplengener Dorf Hollen (Zweiter Bundessieger 1993 und 1995 beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“) oder auch Westgroßefehn, das 1633 Ausgangspunkt der Kolonisierung des Großefehns war. Die Gemeinde Großefehn ist von kilometerlangen, schnurgerade verlaufenden FehnkanĂ€len durchzogen, desgleichen die Gemeinden Rhauderfehn, Ostrhauderfehn, weite Teile der Gemeinde Moormerland und kleinere Teile anderer Gemeinden. Greetsiel und die RheiderlĂ€nder Ortschaft Ditzum sind auch als KutterhĂ€fen touristische Anziehungspunkte.

In Ostfriesland gibt es eine große Zahl von MĂŒhlen, hauptsĂ€chlich HollĂ€nderwindmĂŒhlen, von denen die meisten besichtigt werden können. Die grĂ¶ĂŸte dieser Art in Deutschland mit einer Kappenhöhe von 30,2 Metern steht in Hage. Auch die Ă€lteste erhaltene HollĂ€nderwindmĂŒhle Deutschlands, die PeldemĂŒhle in Wittmund aus dem Jahr 1741, befindet sich in Ostfriesland. Zu BerĂŒhmtheit gebracht haben es auch die unmittelbar nebeneinander stehenden, in rot und grĂŒn gehaltenen ZwillingsmĂŒhlen von Greetsiel. Außerdem befindet sich in Dornum die einzige BockwindmĂŒhle Ostfrieslands.

Die Gemeinde Krummhörn beherbergt sowohl den grĂ¶ĂŸten Leuchtturm an der deutschen NordseekĂŒste in Campen (65 Meter) als auch den kleinsten in Pilsum (zwölf Meter). Der gelb-rot gestreifte Turm wurde insbesondere durch den Otto-Waalkes-Film „Otto – Der Außerfriesische“ bekannt und gilt – spĂ€testens – seitdem als ein Markenzeichen Ostfrieslands.

Als Wahrzeichen der Blumenstadt Wiesmoor gilt die Blumenhalle. Die 1969 erbaute Ausstellungshalle zeigt auf einer FlĂ€che von 1500 Quadratmeter mehr als 10.000 Blumen. Die Stadt verfĂŒgt ĂŒber viele Baumschulen und große Gartenbau-Betriebe, weite Teile der AnbauflĂ€che liegen unter Glas. Seit 1952 findet jĂ€hrlich am ersten Septemberwochenende das den Blumen gewidmete BlĂŒtenfest statt.

Zu den ĂŒberregional beachteten Veranstaltungen zĂ€hlen das Festival Musikalischer Sommer in Ostfriesland, bei dem viele der zumeist klassischen Konzerte in Kirchen stattfinden, sowie das Internationale Filmfest Emden-Norderney, nach der Zahl der Besucher das grĂ¶ĂŸte Filmfestival Niedersachsens. Das grĂ¶ĂŸte Volksfest Ostfrieslands mit jĂ€hrlich etwa einer halben Million Besucher ist der Gallimarkt in Leer. Die Verleihung der Marktrechte jĂ€hrte sich 2008 zum 500. Mal.

Orgellandschaft

Orgel in Rysum (1457/1531)

Ostfriesland ist nicht zuletzt wegen seiner reichen Orgellandschaft bekannt.[82] In den ca. 170 alten Kirchen finden sich an die 100 historische Orgeln aus allen Epochen seit der SpĂ€tgotik. Eine der Ă€ltesten Orgeln der Welt, die noch in ihrem Grundbestand erhalten und spielbar ist, steht in Rysum (1457).[83] Weitgehend vollstĂ€ndig erhaltene Instrumente aus dem 17. Jahrhundert mit Pfeifenmaterial aus dem 16. Jahrhundert stehen in Osteel (1619), Westerhusen (1642–1643) und Uttum (ca. 1660). Auch der bekannte Orgelbauer Arp Schnitger hat mit Neubauten, etwa in Norden und Weener, seine Spuren in Ostfriesland hinterlassen; seine Orgeln in Wittmund (St. Nicolai) und Leer (Lutherkirche) wurden spĂ€ter durch Neubauten ersetzt. Im 18. Jh. erlebte die Orgelkultur einen weiteren Höhepunkt, als die Orgelbauer Johann Friedrich Wenthin und Hinrich Just MĂŒller miteinander konkurrierten und sich selbst kleine Dorfkirchen wertvolle Orgeln anschafften. Als zwischen ca. 1850 und 1950 das Niveau im ostfriesischen Orgelbau seinen Tiefpunkt erreichte, hatte man kein Geld, sich zeitgemĂ€ĂŸere Instrumente anzuschaffen, sodass die alten Orgeln meist erhalten blieben. In den vergangenen 50 Jahren wurden fast alle Originalinstrumente restauriert, was vor allem dem fĂŒhrenden Orgelbauer JĂŒrgen Ahrend (Leer-Loga) zu verdanken ist.[84] Heute ist das Organeum in Weener ein wichtiges Orgelzentrum, um Experten, aber auch einer breiten Öffentlichkeit die SchĂ€tze der alten Orgeln auf vielfĂ€ltige Art und Weise zu erschließen. Auch bei Veranstaltungen wie dem „Krummhörner OrgelfrĂŒhling“ oder der „Nachtorgel“ in der Gemeinde Dornum werden die Instrumente einem breiteren Publikum bekannt gemacht.[85][86]

Essen und Trinken

Eine Tasse Ostfriesentee
GrĂŒnkohl mit Pinkel und Kassler
→ Hauptartikel: Ostfriesische Teekultur

Eine der auffĂ€lligsten Besonderheiten Ostfrieslands ist der hohe Teekonsum, der mit etwa 2,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr etwa zehnmal höher ist als im restlichen Deutschland. Schon im 17. Jahrhundert kam der erste Tee vor allem durch die NiederlĂ€nder und die Briten nach Ostfriesland. Nur 100 Jahre spĂ€ter war der Tee in Ostfriesland bereits in allen Gesellschaftsschichten weit verbreitet und sorgte mit dafĂŒr, dass der vorher große Bierkonsum deutlich verringert wurde. 1806 wurde die heute noch existierende Teehandelsfirma BĂŒnting (Teil der BĂŒnting-Gruppe in Leer) gegrĂŒndet und mischte den echten Ostfriesentee. Zwei weitere Firmen (Thiele & Freese in Emden sowie Onno Behrends in Norden) stellen ebenfalls Tee mit der geschĂŒtzten Bezeichnung Echter Ostfriesentee her. GĂ€sten wird in Ostfriesland traditionell Tee als BegrĂŒĂŸungsgetrĂ€nk angeboten. Nach der alten Sitte „Dree is Oostfresenrecht“ („Drei ist Ostfriesenrecht“) werden fĂŒr gewöhnlich mindestens drei Tassen Tee getrunken. Wenn nicht so viel Tee (oder kein weiterer mehr) gewĂŒnscht wird, ist der Löffel in die Tasse zu legen.

Eine Reihe von Spirituosen wird in der Region hergestellt, darunter ein 32-prozentiger KrĂ€uterbitter namens Kruiden. Der wohl bekannteste Schnaps Ostfrieslands, Doornkaat, wird seit 1992 nicht mehr in Norden hergestellt, sondern bei Berentzen im emslĂ€ndischen HaselĂŒnne. Die Produktion ostfriesischer SchnĂ€pse findet heute vornehmlich in Betrieben in Leer (Folts & Speulda) und Friedeburg (Heiko Blume) statt.

Das fĂŒr Ostfriesland bekannteste Hauptgericht ist zur Winterzeit der GrĂŒnkohl mit Pinkel und/oder mit Kassler sowie durchwachsenem Speck. Um die deftige, wĂŒrzige ostfriesische Variante des GrĂŒnkohls zu erreichen, muss das Fleisch zwingend im GrĂŒnkohl und niemals davon getrennt gegart werden. Der GrĂŒnkohl wird traditionell erst geerntet, nachdem er mindestens einem Tag Frost ausgesetzt war; dadurch erreicht er seinen unverwechselbaren Geschmack.

Als klassisches „Seemannsgericht“ steht daneben Labskaus auf dem Speiseplan – inzwischen auch in gutbĂŒrgerlichen Restaurants. Labskaus wird traditionell mit Matjes oder Rollmops gegessen. Matjes wird bis heute in vielerlei Variationen in Emden hergestellt. Beliebt sind auch Fischbrötchen. In den Sielorten werden Krabben angelandet, die regional gerne auf Schwarzbrot gegessen werden. Den Fischreichtum in Ostfrieslands BinnengewĂ€ssern nutzen Angler zur Selbstversorgung mit Fisch. Dieser wird oft gerĂ€uchert.

Eine andere SpezialitĂ€t Ostfrieslands sind die ausschließlich zu Silvester gebackenen Neujahrshörnchen, plattdeutsch Rullekes/Nijaahrskook, zu Hörnchen geformte, harte Waffeln. Auch nur zu Silvester gibt es die sogenannten Speckendicken, ein in der Pfanne gebratenes GebĂ€ck.

Weitere regionale SpezialitÀten sind der Snirtjebraten und Buttermilchbrei.

Bauen und Wohnen

Gulfhof im Landkreis Aurich: Gut zu sehen ist der gegenĂŒber dem vorderen Wohnteil deutlich breitere Scheunenteil

In Ostfriesland ist das selbstbewohnte Einfamilienwohnhaus weit verbreitet. Viele junge Leute bauen ihr Haus unter Mithilfe der Familie selbst. Gerade bei personalintensiven Gewerken, wie z. B. beim Dachdecken, gesellen sich oft noch viele Bekannte dazu. Hier kommt der hohe Anteil von Handwerkern unter der ostfriesischen Bevölkerung zum Tragen.

Die typische Form des ostfriesischen Bauernhauses ist das Gulfhaus. Es entstand im 16. und 17. Jahrhundert zunĂ€chst in den Marschen, wo durch bessere EntwĂ€sserungssysteme auch der Ackerbau möglich wurde – zuvor war dort nur Viehhaltung möglich. Da der Marschboden sehr fruchtbar ist, sind – auch sonst gute Bedingungen vorausgesetzt – reiche Ernten möglich. In der Marsch finden sich daher deutlich mehr grĂ¶ĂŸere Gulfhöfe, dort auch Plaats genannt, als auf der Geest. Auch viele kleinere LandarbeiterhĂ€user sind nach dem gleichen Prinzip aufgebaut wie die großen Höfe. Im Vorderteil eines Gulfhofs befinden sich die WohnrĂ€ume, im deutlich grĂ¶ĂŸeren hinteren Teil der Platz fĂŒr das Erntegut und das Vieh. Jener Teil ist deutlich breiter als das Vorderhaus und deutlich weiter gen Erdboden gezogen. Auch die kleinsten Ecken werden ausgenutzt, an den tief gezogenen Seiten findet das Vieh seinen Platz, das Erntegut wird zumeist in der Mitte des Scheunenteils gelagert. Der Zugang zum Scheunenteil erfolgt zum einen innerhalb des GebĂ€udes durch eine Verbindung vom Wohntrakt, zum anderen durch Tore auf einer der dem Wohntrakt zugewandten Seite des (breiteren) Scheunenteils sowie auf der RĂŒckseite des Scheunenteils. Die Dachlast wird von einem innerhalb der Scheune stehenden HolzstĂ€nderwerk getragen.

Sowohl bei EinfamilienhĂ€usern als auch bei Höfen und ebenfalls bei vielen öffentlichen GebĂ€uden und manchen BetriebsgebĂ€uden findet der typische rote Klinker noch stets am hĂ€ufigsten Verwendung. Bei reinen Zweckbauten wird aus KostengrĂŒnden jedoch oft auf Klinker verzichtet.

BrÀuche

Klaasohm auf Borkum
25 Jahre alt und unverheiratet? Dies zieht die Bezeichnungen „Alte Socke“ (MĂ€nner) und „Alte Schachtel“ (Frauen) nach sich.

Zu den FesttagsbrĂ€uchen zĂ€hlt das Aufstellen des Maibaums am Vorabend des 1. Mai, das in eine große eurasische Traditionslinie gehört, in Ostfriesland aber eine eigene Form und eigene Regeln ausgeprĂ€gt hat. Neben Nachbargemeinschaften sind es auch Vereine oder ganze Dörfer, die ihren Maibaum aufstellen. Der Maibaum muss bis zum Morgengrauen des 1. Mai bewacht werden, was sich durch dauerndes Handanlegen eines der Besitzer ausdrĂŒckt. Ansonsten kann der Maibaum durch drei symbolische Spatenstiche „geklaut“ werden und ist am nĂ€chsten Tag meist durch einen Kasten Bier und Schnaps wieder auszulösen. Weitere BrĂ€uche sind das Martinisingen und das Brautpfadlegen zu Himmelfahrt. Einige besondere Traditionen haben sich zudem auf den ostfriesischen Inseln erhalten, zum Beispiel Klaasohm auf der Insel Borkum in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember – eine Veranstaltung, deren Ausrichtung lediglich Borkumer MĂ€nnern vorbehalten ist.

Zu Ostern ist das Eiertrullern oder EiertrĂŒllen weit verbreitetet. Es wird am Ostersonntag von Kindern (und Erwachsenen) mit den zu Ostern erhaltenen hart gekochten Eiern am Deich, auf den Ostfriesischen Inseln in den DĂŒnen, oder anderen zur VerfĂŒgung stehenden Erhebungen (zum Beispiel Plytenberg, Eierberge in Tannenhausen) gespielt.

Insbesondere in Neubaugebieten fĂ€llt beim Richten des Dachstuhls den zukĂŒnftigen Nachbarn die Aufgabe zu, in der Nacht zuvor einen Sparren zu verstecken. Das Bauherrenpaar muss diesen dann suchen, durch Schnaps auslösen und wird darauf von den Nachbarn durch die Siedlung zu ihrem Haus getragen, in das der noch fehlende Sparren eingesetzt und anschließend das Richtfest gefeiert wird.

Auch das Bogenmachen zum Anlass einer (Jubel-)Hochzeit ist sehr beliebt. Hierzu trifft sich die Nachbargemeinschaft meist einige Tage vorher. Die MĂ€nner bauen das Bogengestell, welches dann mit Tannenzweigen bestĂŒckt wird, wĂ€hrend die Frauen im Haus die Rosen und Girlanden aus Papier herstellen. Ausrichter ist zumeist ein unmittelbarer Nachbar. Dieser Bogen wird anschließend gemeinsam zu dem (Jubel-)Paar getragen und an dessen Hauseingang befestigt, woran sich oft noch eine Stehparty auf der Hauseinfahrt anschließt.

Ebenfalls sehr verbreitet sind „Strafen“ fĂŒr diejenigen, die an ihrem 30. Geburtstag noch unverheiratet sind. MĂ€nner mĂŒssen an ihrem 30. Geburtstag Treppe fegen, Frauen Klinken putzen. Zumeist werden hierzu Rathaus- oder Kirchentreppen bzw. -tĂŒren herangezogen. Erst durch das „FreikĂŒssen“ einer Jungfrau bzw. eines „Jungmannes“ wird man von dieser Pflicht entbunden. Gewissermaßen als „Vorwarnung“ werden an ihrem 25. Geburtstag unverheiratete MĂ€nner als „Alte Socke“ oder „Alte Flasche“ und die Frauen als „Alte Schachtel“ bezeichnet und erhalten oft auch einen entsprechend behangenen Bogen. Dieser ist idealerweise von der Straße aus gut einsehbar, damit jeder von dieser „Nachricht“ Notiz nimmt.

Eine regionale Besonderheit ist der Beruf des Knochenbrechers (plattdeutsch Knakenbreker), der laut volkstĂŒmlicher ostfriesischer Bezeichnung ein traditioneller, alternativer Heilkundler ist.

Bildung und Forschung

Die Fachhochschule Emden/Leer hat ihren Sitz und ihren kopfstĂ€rksten Standort in Emden. Ein weiterer Standort befindet sich in Leer, dort ist die Seefahrtsschule beheimatet, die dem Emder Fachbereich Wirtschaft angegliedert ist. An den beiden ostfriesischen Fachhochschul-Standorten sind knapp 3900 Studenten eingeschrieben, davon etwa 330 in Leer. Eine Berufsakademie fĂŒr den ostfriesischen Raum befindet sich in Leer. Eine UniversitĂ€t gibt es in Ostfriesland nicht, die nĂ€chstgelegene ist die Carl von Ossietzky-UniversitĂ€t in Oldenburg.

Neben öffentlichen Bibliotheken in StĂ€dten und Gemeinden gibt es weitere, fĂŒr jedermann zugĂ€ngliche Bibliotheken in Emden (Johannes a Lasco Bibliothek, Schwerpunkt Geschichte der Reformation) sowie die Bibliothek der Ostfriesischen Landschaft in Aurich, die schwerpunktmĂ€ĂŸig regionalgeschichtliche Literatur fĂŒhrt und einen Bestand von zirka 115.000 BĂ€nden und 640 laufenden Zeitschriften umfasst. Die Ostfriesische Landschaft fördert die historische Regionalforschung.[87]

Das fĂŒr ganz Ostfriesland zustĂ€ndige Staatsarchiv Aurich hat seinen Sitz an der Oldersumer Straße in Aurich. Stadtarchive gibt es in Emden, Leer, Norden, Norderney und Wittmund.

Die Stiftung Stipendium Gerlacianum und die Gerhard ten Dornkaat Koolman-Stiftung fördern Wissenschaft und Kultur in der Region.

Sport

Boßelstatue in Bensersiel

In Ostfriesland entwickelten sich eigenstĂ€ndige Sportarten wie Boßeln, Klootschießen und Schleuderballspiel, diese drei Sportarten werden auch als sogenannter „Friesensport“ zusammengefasst. Das hiervon verbreitetste Boßeln wird als Mannschaftssportart in vielen Vereinen und Ligen mit allwöchentlichen Punktspielen und Meisterschaften bis zur niedersĂ€chsischen Ebene gespielt. Es gibt auch Europameisterschaften im Boßeln und Klootschießen.

Weit verbreitet sind Wassersportarten, die auf den zahlreichen GewĂ€ssern (Hochsee, Binnenmeere, FlĂŒsse und KanĂ€le) betrieben werden, darunter Segeln, Motorboot fahren, Rudern, Paddeln, Angeln und Surfen. Bekannte Surfreviere finden sich vor Norderney und auf dem Großen Meer.

In strengeren Wintern, wenn die Meere und KanĂ€le zufrieren, ist auch das Schlittschuhlaufen („Schöfeln“) eine traditionell beliebte Sportart. FrĂŒher wurden die typischen ostfriesischen Schlittschuhe mit breiten Kufen in dem Ort Breinermoor hergestellt und werden daher Breinermoorkes genannt.

Auf professioneller Ebene in ihren jeweiligen Sportarten waren bis zum Sommer 2009 der ehemalige Fußball-Drittligist Kickers Emden und der ehemalige Handball-Zweitligist OHV Aurich vertreten. Seit der Saison 2009/2010 spielt Kickers Emden in der fĂŒnftklassigen Oberliga Niedersachsen-West, der OHV Aurich in der drittklassigen Regionalliga. Das grĂ¶ĂŸte regelmĂ€ĂŸig genutzte Stadion Ostfrieslands ist das Ostfriesland-Stadion des BSV Kickers Emden (7200 PlĂ€tze); das grĂ¶ĂŸte Stadion ĂŒberhaupt hingegen das seltener genutzte Motodrom Halbemond, dessen Zuschauer-KapazitĂ€t von 50.000 PlĂ€tzen bei Speedway-Rennen jedoch zudem nicht annĂ€hernd ausgeschöpft wird.

Nach einer Erhebung des NiedersĂ€chsischen Landesamtes fĂŒr Statistik (Stichtag: 31. Dezember 2001) weist Ostfriesland mit Ausnahme des Kreises Leer eine ĂŒberdurchschnittliche Dichte an Mitgliedschaften in Sportvereinen innerhalb Niedersachsens auf. Mitgliedschaften ist in diesem Fall nicht gleichzusetzen mit Mitgliedern, da ein und dieselbe Person natĂŒrlich auch Mitglied in zwei oder mehr Sportvereinen sein kann. Der Kreis Wittmund erreicht den höchsten Wert unter den niedersĂ€chsischen StĂ€dten und Kreisen, die drei ostfriesischen Landkreise und die Stadt Emden zusammen einen ĂŒberdurchschnittlichen Wert.[88]

Religionsgemeinschaften

Die Ludgeri-Kirche in Norden, Ostfrieslands grĂ¶ĂŸtes Gotteshaus

Die ostfriesische Bevölkerung ist ĂŒberwiegend protestantisch. In der Krummhörn, der KĂŒstengemeinde zwischen Norden und Emden, sowie entlang der niederlĂ€ndischen Grenze (Rheiderland) herrscht das reformierte Bekenntnis vor. In Emden und Leer sind Reformierte ebenfalls stark vertreten – in Emden etwa gibt es lediglich einige Hundert Lutheraner mehr. Leer ist Sitz der Reformierten Kirche. Die anderen ostfriesischen Regionen sind lutherisch geprĂ€gt. Die Landkreise Aurich und Wittmund haben die höchsten Anteile von Lutheranern an der Gesamtbevölkerung in ganz Deutschland.[89] In Ostfriesland leben etwa 266.000 Lutheraner und rund 80.000 Reformierte[89] – zusammen also etwa 346.000 der rund 465.000 Einwohner Ostfrieslands.

In Emden haben um das Jahr 1600 herum bedeutende reformierte Prediger gewirkt, unter ihnen Johannes a Lasco. Die Stadt galt seinerzeit als „Genf des Nordens“ und beherbergte einige Tausend FlĂŒchtlinge aus den Niederlanden, die aus der heutigen „Großen Kirche“ in Emden die „moederkerk“ (dt.: Mutterkirche) des nordwesteuropĂ€ischen Calvinismus machten.

Freikirchen in Ostfriesland

Evangelische Freikirchen sind in Ostfriesland ebenfalls ĂŒberdurchschnittlich stark vertreten. Die Geschichte der Emder Mennonitengemeinde reicht in die Reformationszeit zurĂŒck. Die Baptistengemeinden (offizieller Name heute: Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden) entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ausgangspunkt waren die Gemeinden in Jever und Westoverledingen-Ihren. In Ostfriesland existieren fĂŒnf evangelisch-altreformierte Gemeinden, die in den Jahren von 1854 bis 1861 gegrĂŒndet wurden. Es folgte die Evangelisch-methodistische Kirche, die mit ihren ostfriesischen GemeindegrĂŒndungen ebenfalls im 19. Jahrhundert begann. Freie evangelische Gemeinden begannen erst Anfang der 1950er Jahre mit ihrem Wirken. Weiterhin ist in Ostfriesland die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten mit zwei Gemeinden vertreten. In Bagband-Hesel gibt es seit den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Gemeinde der SelbststĂ€ndigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK).

Mit Ausnahme der SELK gehören die lutherischen Kirchengemeinden zur Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover, die reformierten Gemeinden aber zur Synode evangelisch-reformierter Kirchen in Nordwestdeutschland und Bayern oder zur schon genannten Evangelisch-altreformierten Kirche. Die Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinden Ostfrieslands gehören zum Landesverband Baptisten im Nordwesten und bilden hier den Regionalverband Ems-Jade. Die mennonitischen Gemeinden Emden, Leer und Norden gehören zur Konferenz der nordwestdeutschen Mennonitengemeinden.

Reformierte Kirche und Friedhof von Bedekaspel

Weitere Religionsgemeinschaften sind die Neuapostolische Kirche mit 16 lokalen Gemeinden und die Zeugen Jehovas, die mit ihren KönigreichssĂ€len ebenfalls in allen grĂ¶ĂŸeren Orten vertreten sind.

Die Römisch-katholische Kirche ist trotz des Zuzugs vieler katholischer FlĂŒchtlinge in der Nachkriegszeit eine Minderheitskirche geblieben. Ostfriesland wurde dort bis vor wenigen Jahren noch als Diaspora bezeichnet, was aber im Zuge der Ökumene aufgegeben wurde. Die katholischen Kirchengemeinden gehören zum Dekanat Ostfriesland des Bistums OsnabrĂŒck. Knapp sieben Prozent der Ostfriesen gehören der katholischen Kirche an.

Fast 90 Prozent der Einwohner Ostfrieslands sind Mitglieder einer christlichen Kirche.[89]

Genaue Zahlen zum Anteil der Muslime in Ostfriesland liegen nicht vor. 2009 wurde in unmittelbarer NĂ€he des Emder Hauptbahnhofes in einer umgebauten GaststĂ€tte die erste Moschee Ostfrieslands eröffnet.[90] Sie trĂ€gt den Namen EyĂŒp-Sultan-Moschee.[91] Zuvor mussten glĂ€ubige Muslime zu den nĂ€chstgelegenen Moscheen in Papenburg oder Oldenburg fahren.

JĂŒdische Gemeinden bestanden in Ostfriesland ĂŒber einen Zeitraum von ca. 400 Jahren von ihren AnfĂ€ngen im 15. Jahrhundert bis zu ihrem Ende 1942. Die wenigen heute in Ostfriesland lebenden Juden sind Teil der jĂŒdischen Gemeinde in Oldenburg.

→ Siehe auch Freikirchen in Ostfriesland, Geschichte der Juden in Ostfriesland, Liste der römisch katholischen Kirchen im Dekanat Ostfriesland und evangelisch-lutherischer Sprengel Ostfriesland

Wirtschaft

Geschichtlicher Hintergrund

Immer wieder im Laufe der Geschichte haben sich in Ostfriesland Zeiten relativer Armut mit Phasen relativen wirtschaftlichen Aufschwungs abgelöst, wobei insbesondere im KĂŒstenraum, wo eine kleine Schicht wohlhabender Hofbesitzer einem kopfstarken Landarbeiter-Proletariat gegenĂŒberstand, hĂ€ufig ein erhebliches SozialgefĂ€lle festzustellen war. Als Reaktion auf die Ă€rmlichen VerhĂ€ltnisse suchten junge Leute vielfach als Wanderarbeiter, beispielsweise in den Niederlanden, ein Auskommen (die so genannten „HollandgĂ€nger“) oder sie verließen ihre Heimat ganz. Viele Ostfriesen wanderten in die Vereinigten Staaten von Amerika aus, wo unter ihnen noch heute ein starker Gemeinschaftssinn zu finden ist.

Seit dem 20. Jahrhundert und bis heute ist zudem eine deutliche Tendenz zur Bildungswanderung festzustellen: Wer nicht an der regionalen Fachhochschule ein Studium aufnehmen kann (oder – wegen beschrĂ€nkter Auswahlmöglichkeiten – will) oder sich fĂŒr einen dualen Studiengang/Berufsausbildung an der regionalen Berufsakademie entscheidet, ist gezwungen, Ostfriesland zu Studienzwecken zu verlassen. Nur ein kleiner Teil kehrt nach dem Studium zurĂŒck („Brain Drain“).

Landwirtschaft und Fischerei

Holstein Friesian
Kochen der Krabben auf einem Greetsieler Kutter
Miesmuschel

Die Landwirtschaft war jahrhundertelang der Haupterwerbszweig der Ostfriesen, wenn auch in den StĂ€dten der Handel und seit etwa Mitte des 19. Jahrhunderts, noch mehr im 20. Jahrhundert, auch die Industrie einen bedeutenden Anteil an der Wertschöpfung erlangte – und noch heute innehat.

Auch im 21. Jahrhundert spielt die Landwirtschaft in Ostfriesland eine große Rolle. So zĂ€hlt der Landwirtschaftliche Hauptverein fĂŒr Ostfriesland, die Interessenvertretung der ostfriesischen Landwirte, 7500 Mitglieder.[92] Der Anteil der BeschĂ€ftigten in der Land- und Forstwirtschaft reicht von 0,4 % in der Stadt Emden bis zu 2,7 % im Landkreis Aurich (Bundesdurchschnitt: 0,9 %).[93]

Besonders die Milchwirtschaft ist stark ausgeprĂ€gt. Durch die großen FlĂ€chen an fruchtbarem Weideland bieten sich gute Bedingungen fĂŒr die Milchviehhaltung. Ostfriesland zĂ€hlt mit anderen norddeutschen Regionen sowie dem bayrischen Voralpenland zu den Hauptregionen fĂŒr Milchviehhaltung in Deutschland, die Landkreise Aurich und Leer zĂ€hlen zu den zwölf grĂ¶ĂŸten Milcherzeuger-Landkreisen Deutschlands.[94] Trotz der hohen Bedeutung der Milchviehhaltung findet sich nur noch eine grĂ¶ĂŸere Molkerei in Ostfriesland, die Firma RĂŒcker in Aurich. Weitere grĂ¶ĂŸere Molkereien sind in den Nachbarlandkreisen Ammerland und Emsland zu finden, darunter Nordmilch und die Molkerei Ammerland. Diese werden auch von ostfriesischen Milchbauern beliefert.

Ostfriesland hat als landwirtschaftlich geprĂ€gte Region einige eigenstĂ€ndige Nutztierrassen hervorgebracht. Hervorzuheben sind dabei das Ostfriesenpferd, das Ostfriesische Milchschaf, das mittlerweile nur noch in wenigen reinen Exemplaren vertretene schwarzbunte Rind, die Emder Gans sowie die HĂŒhnerrasse Ostfriesische Möven in verschiedenen FarbschlĂ€gen. Das zum Typ des Niederungsviehs gehörende schwarzbunte Rind gehört zu den bedrohten alten Rassen. Es wurde seit langem durch Hochleistungszuchten wie die Holstein Friesian, eine in den USA entstandene Hybridrasse, verdrĂ€ngt.

In den Poldergegenden am KĂŒstensaum (vom Rheiderland ĂŒber die Krummhörn und das Norderland bis zum Harlingerland) finden sich auch Getreide-, Kartoffel- und GemĂŒsebauern. In den Moor- und Geestgegenden des Binnenlands hingegen ist die Viehwirtschaft vorherrschend.

Die Landwirtschaft hat auch wesentlichen Anteil an der kulturrÀumlichen Entwicklung Ostfrieslands. So entstanden die Moorkolonien mit ihren typischen FehnkanÀlen durch die Arbeit derer, die sich in den Mooren eine (landwirtschaftliche) Existenz aufbauen wollten. Zum Transport der Waren wurden eigene Schiffstypen wie Beispielsweise die Mutte entwickelt. Die Wallhecken in der Mitte Ostfrieslands entstanden als Einfriedungen von Feldern.

Die zunehmende Bedeutung der regenerativen Energieerzeugung hat vielen Landwirten ein zusĂ€tzliches Einkommen ermöglicht – sei es durch Windkraftanlagen oder durch Biomasse-Kleinkraftwerke. Letztere fĂŒhren allerdings teilweise bereits zu einer FlĂ€chenkonkurrenz zwischen Nutzpflanzen mit hohem Energiewert fĂŒr die Stromerzeugung (etwa Mais) und anderen Pflanzen. Auf mehreren Feldern in Ostfriesland finden sich (Stand: Januar 2008) auch erste grĂ¶ĂŸere Freiland-Photovoltaikanlagen.

In mehreren kleinen HÀfen in Ostfriesland befinden sich Flotten von Krabbenkuttern, vor allem in Ditzum, Greetsiel, Norddeich, Dornumersiel und Neuharlingersiel. Die Krabbe (eigentlich: Nordseegarnele) ist die einzige marine Garnele mit fischereiwirtschaftlicher Bedeutung in Deutschland.[95] Daneben werden auch Miesmuscheln gefischt. Hochseefischerei wird von Ostfriesland aus nach Einstellung der Emder Heringsfischerei nicht mehr betrieben. Der Walfang wurde bereits weit vor dem 20. Jahrhundert beendet. Wohl aber findet in nennenswertem Umfang Sportfischerei statt, besonders in den zahlreichen BinnengewÀssern.

Industrie

Enercon-Windkraftanlage
Gasanlandestation an der Knock in Emden, gemeinsam betrieben von StatoilHydro und ConocoPhillips unter dem Namen Gassco

In Ostfriesland fand im Vergleich zu anderen Teilen Deutschlands die Industrialisierung erst recht spĂ€t statt. Zu den ersten Industrien gehörten Schiffbaubetriebe, Ziegeleien und einzelne Textilindustriebetriebe, vornehmlich Webereien in Leer. Durch den Ausbau Emdens zum Seehafen des Ruhrgebietes wurde die Industrialisierung vorangetrieben, Emden ist industrieller Schwerpunkt Ostfrieslands. Einen weiteren Schub erhielt die Industrialisierung in der Region durch den Bau des Volkswagenwerks Emden 1964. Das VW-Werk ist mit 9100 BeschĂ€ftigten sowie allein 1000 Mitarbeitern in einem angrenzenden Zuliefererpark der grĂ¶ĂŸte industrielle Arbeitgeber der Region. Ein weiteres Industrieunternehmen mit einer vierstelligen Mitarbeiterzahl ist der Windenergieanlagenhersteller Enercon mit Werken in Aurich (auch Unternehmenssitz), Emden und Georgsheil.

Neben dem Automobilbau ist der Schiffbau ein wichtiges Standbein fĂŒr den regionalen Arbeitsmarkt. Viele Ostfriesen, besonders aus dem sĂŒdlichen Landkreis Leer, finden Arbeit bei der Meyer Werft im benachbarten Papenburg, wo rund 2500 Menschen beschĂ€ftigt sind. Kleinere Werften gibt es darĂŒber hinaus in Emden (Cassens-Werft), Leer und Oldersum; Bootsbauer in weiteren Orten der Region. Schiffbau-Zulieferer finden sich in der gesamten Region.

Enercon, der grĂ¶ĂŸte deutsche Hersteller von Windkraftanlagen, hat seinen Hauptsitz in Aurich und beschĂ€ftigt in Aurich, Emden und Georgsheil direkt mehr als 3000 Personen, rund 2800 davon in Aurich. In Emden sind zwei grĂ¶ĂŸere Unternehmen im Bereich der Offshore-Windenergiegewinnung tĂ€tig: die Bard Holding (auch Firmensitz) sowie die Schaaf Industrie AG, die auf dem GelĂ€de der ehemaligen Werft Nordseewerke TĂŒrme fĂŒr Wndenergieanlagen auf See herstellt. Beide Unternehmen beschĂ€ftigen in Emden eine grĂ¶ĂŸere dreistellige Zahl von Menschen.

In Ostfriesland werden nicht nur Windenergieanlagen hergestellt, die Region ist auch selbst eine Hochburg der Windenergie-Nutzung in Deutschland. Wegen der krĂ€ftigen Winde an der KĂŒste und der teilweise recht dĂŒnnen Besiedlung gibt es viele große Windparks in der Region. Der Gesamtverbrauch der Strommenge betrug 2007 in Ostfriesland 2160 Millionen Kilowattstunden. Rechnerisch wurden 84,8 % dieses Verbrauchs aus Windenergie in der Region gewonnen, weitere 11 % aus Biomasse und zusammen 1 % aus Photovoltaik, KlĂ€rgas, Deponiegas und anderen regenerativen Energiequellen. Der Anteil regenerativ erzeugter Energie am Gesamtverbrauch der Region betrug somit 96,8 %.[96]

In Emden und Dornum befinden sich die beiden Anlandestationen fĂŒr norwegisches Nordsee-Erdgas, das ĂŒber die Pipelines Norpipe, Europipe I und Europipe II zugefĂŒhrt wird. Damit wird rund 30 Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs ĂŒber Ostfriesland importiert und weitergeleitet.[97] Emden ist Sitz der Deutschland-Zentrale des norwegischen Konzerns StatoilHydro. In Etzel im Landkreis Wittmund befindet sich ein Untertage-Erdgasspeicher mit derzeit 40 Kavernen zu je rund 500.000 Kubikmetern SpeicherkapazitĂ€t. Ein Ausbau auf 130 Kavernen lĂ€uft derzeit (Stand: Oktober 2008).[97]

Im Bezirk der Industrie- und Handelskammer fĂŒr Ostfriesland und Papenburg, der neben Ostfriesland auch die emslĂ€ndische Stadt Papenburg umfasst, hat die Zahl der IndustriebeschĂ€ftigten 2007 um 0,4 % auf 22.154 Arbeitnehmer zugenommen.[98] Die Exportquote liegt mit 45,4 % ĂŒber dem Durchschnitt des Landes Niedersachsen.[98] FĂŒr die Exportquote waren vor allem das Emder VW-Werk, die beiden Großwerften Meyer Werft und Nordseewerke, Enercon und die jeweiligen Zulieferer verantwortlich.

Neben den genannten Betrieben finden sich in Ostfriesland Elektroindustrie, Stahl- und Maschinenbau, Nahrungsmittelindustrie und eine Vielzahl von Betrieben des Bauhaupt- und Baunebengewerbes.

In den einzelnen StĂ€dten und ihrem Umland, von wo aus viele Arbeitnehmer einpendeln, ergibt sich durch die AbhĂ€ngigkeit von den großen Unternehmen eine Monostruktur. So arbeiten von den gut 22.000 IndustriebeschĂ€ftigten im IHK-Bezirk allein rund 15.500 bei den grĂ¶ĂŸten vier Unternehmen, davon wiederum allein 9100 bei VW – die Zulieferer noch nicht eingerechnet. Versinnbildlicht wird diese Monostruktur durch den oft zu hörenden Ausspruch Wenn VW hustet, bekommt Ostfriesland eine LungenentzĂŒndung.

Dienstleistungen

Strand auf Borkum
Fischerdorf Greetsiel

Touristisch erschlossen sind in erster Linie die Ostfriesischen Inseln, welche breite SandstrĂ€nde zum Baden bieten. Auf den Inseln begann der Tourismus bereits am Ende des 18. Jahrhunderts (Norderney war 1797 erstes deutsches Nordseeheilbad). Davon profitierten dann auch die FĂ€hrorte wie Norddeich oder Bensersiel. Abseits von den Inseln und den KĂŒstenorten spielte der Tourismus im Landesinneren lange Zeit keine große Rolle. Seit Mitte der 1970er Jahre Ă€ndert sich dies aber zunehmend, und die Regionen im Binnenland versuchen, ihre Orte ebenfalls touristisch zu vermarkten. Die Anlegung von Wander- und Radwanderwegen, Paddelrouten sowie touristischen Themenrouten hat dazu beigetragen. Auch der Kulturtourismus gewann in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung, unter anderem seit Eröffnung der Kunsthalle in Emden (1986).

Leer ist ein bedeutender Reederei-Standort: Nach Hamburg ist hier der zweitgrĂ¶ĂŸte Teil der deutschen Seehandelsflotte beheimatet. Als Einkaufsorte der Region dienen vor allem Aurich und Leer, in geringerem Maße auch Emden, gefolgt von Norden und Wittmund. Besonders der Einzelhandel in den kĂŒstennahen StĂ€dten Norden und Wittmund profitiert dabei auch von den Urlaubern. Aurich hat eine EinzelhandelszentralitĂ€t von 153 % (2007),[99] Leer liegt bei 170 % und Emden bei 116 %.[100]

GrĂ¶ĂŸere öffentliche Dienstleister sind unter anderem die Bundesbehörden Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nordwest (WSD) Aurich und das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Emden. Wichtige Landesbehörden sind der NiedersĂ€chsische Landesbetrieb fĂŒr Wasserwirtschaft, KĂŒsten- und Naturschutz (NLWKN), der in Norden seinen Hauptsitz und in Aurich eine Betriebsstelle hat. Im Auricher Schlossbezirk befindet sich außerdem der Hauptsitz der Landesweiten BezĂŒge- und Versorgungsstelle (LBV) der Oberfinanzdirektion (OFD) Niedersachsen. Die Hochschule Emden/Leer (3900 Studierende, 364 BeschĂ€ftigte) hat ihre Standorte in Emden und Leer. Der Haupt- und Verwaltungssitz der Hochschule ist in Emden.

Drei ostfriesische StĂ€dte sind GarnisonsstĂ€dte: Aurich, Leer und Wittmund. In der Auricher BlĂŒcher-Kaserne hat die 4. Luftwaffendivision ihr Hauptquartier. In der Nachbarstadt Wittmund ist das Richthofengeschwader stationiert, das unter anderem die Alarmrotte fĂŒr den norddeutschen Raum stellt. In der Leeraner von Lettow-Vorbeck-Kaserne ist das Kommando Schnelle EinsatzkrĂ€fte SanitĂ€tsdienst beheimatet.

Das fĂŒr alle fĂŒnf ostfriesischen Amtsgerichtsbezirke (Aurich, Emden, Leer, Norden, Wittmund) zustĂ€ndige Landgericht Aurich hat seinen Sitz im historischen Auricher Schloss. In direkter NĂ€he am Schlossplatz befindet sich die Hauptstelle der Staatsanwaltschaft Aurich, die ebenfalls fĂŒr ganz Ostfriesland zustĂ€ndig ist. Die jeweils ĂŒbergeordneten Behörden sind das Oberlandesgericht Oldenburg und die Generalstaatsanwaltschaft Oldenburg. Das fĂŒr ganz Ostfriesland zustĂ€ndige Sozialgericht hat seinen Sitz an der Kirchstraße in der Auricher Altstadt. Das fĂŒr die Landkreise Aurich und Leer sowie die kreisfreie Stadt Emden zustĂ€ndige Arbeitsgericht Emden hat seinen Sitz im Behördenviertel in Emden. FĂŒr den Landkreis Wittmund ist das Arbeitsgericht Wilhelmshaven zustĂ€ndig.

Die Bundesagentur fĂŒr Arbeit Emden ist fĂŒr die Betreuung der Arbeitslosen in der kreisfreien Stadt Emden und den Landkreisen Aurich und Wittmund zustĂ€ndig. Die Bundesagentur fĂŒr Arbeit Leer ist fĂŒr die Arbeitslosen in den Landkreisen Leer und Emsland zustĂ€ndig.

Medien

In Ostfriesland gibt es eine große Vielfalt an Tageszeitungen mit eigenstĂ€ndigen Lokalredaktionen. Die Auflagen der Zeitungen (Daten aus dem vierten Quartal 2007, jeweils verkaufte Auflage[101]) reichen von 37.222 (Ostfriesen-Zeitung) bis hinunter zu einer kleinen vierstelligen Zahl bei den InselblĂ€ttern Borkumer Zeitung und Norderneyer Badezeitung (Auflage: 1.733). Die Ostfriesen-Zeitung ist die einzige regionsweit erscheinende Tageszeitung, wĂ€hrend die beiden Inselzeitungen lediglich auf den jeweiligen Inseln erscheinen. Die Verbreitungsgebiete der ĂŒbrigen Titel orientieren sich oftmals, aber nicht ausschließlich an (teils ehemaligen) Verwaltungsgrenzen der Landkreise.

Die Ostfriesen-Zeitung ist in einem Teil des Landkreises Leer (Stadt Leer sowie nördlicher und östlicher Landkreis Leer) de facto die einzige Tageszeitung. Im SĂŒdosten des Landkreises Leer, im Overledingerland, erscheint zudem der General-Anzeiger (Auflage: 9.577). General-Anzeiger und Ostfriesen-Zeitung sind in dem Verlagshaus Zeitungsgruppe Ostfriesland wirtschaftlich und grĂ¶ĂŸtenteils auch redaktionell zusammengefasst. Im Rheiderland, dem Gebiet des frĂŒheren Landkreises Weener, hat die Rheiderland-Zeitung (5.592) ihren Auflagenschwerpunkt.

Die Emder Zeitung (Auflage: 10.730) hat ihren Schwerpunkt in der kreisfreien Stadt Emden und ihren Umlandgemeinden. Der Ostfriesische Kurier (13.931) erscheint in erster Linie im Gebiet des ehemaligen Landkreises Norden, die Ostfriesischen Nachrichten (13.768) vornehmlich im Altkreis Aurich (StĂ€dte Aurich, Wiesmoor sowie die Gemeinden Großefehn, Ihlow und SĂŒdbrookmerland). Der Anzeiger fĂŒr Harlingerland (14.036) hat den Schwerpunkt seiner verkauften Auflage im Landkreis Wittmund.

Zwei Zeitungen (Ostfriesische Nachrichten, Rheiderland-Zeitung) beziehen den sogenannten Mantel von der in OsnabrĂŒck erscheinenden Neuen OsnabrĂŒcker Zeitung, wĂ€hrend fast alle anderen Verlage ihren Mantel von der in Oldenburg erscheinenden Nordwest-Zeitung beziehen. Lediglich die Emder Zeitung ist eine Vollzeitung, nach Auflage eine der kleinsten Deutschlands.

Das Ostfriesland Magazin ist die Monatszeitschrift fĂŒr Ostfriesland. Daneben erscheint ostfrieslandweit das Magazin 53 Grad, eine Anspielung auf den Breitengrad durch Ostfriesland. Die Zeitschrift erscheint zweimonatlich. In mehreren StĂ€dten und Gemeinden gibt es darĂŒber hinaus AnzeigenblĂ€tter mit verschiedenen Erscheinungsweisen.

Der BĂŒrgerrundfunksender Radio Ostfriesland mit Hauptsitz in Emden und Studios in Aurich und Leer sendet neben seinem Musikprogramm tĂ€glich Nachrichten und Features aus der Region, teils auch komplett Sendungen auf Plattdeutsch. Der in Wilhelmshaven beheimatete Sender Radio Jade sendet ebenfalls bis nach Ostfriesland. Auf Norderney hat sich aus einem ehemaligen Piratensender das Privatradio SWS (Sturmwellensender) entwickelt, das in den Sommermonaten ein Programm fĂŒr die KĂŒste, besonders aber die Insel Norderney selbst, ausstrahlt.

Der Friesische Rundfunk ist ein privater regionaler Fernsehsender. Er war zunÀchst in Hinte beheimatet, ist inzwischen aber ins frieslÀndische Sande umgezogen.

Die terrestrische Rundfunkversorgung Ostfrieslands wird ĂŒber den Grundnetzsender Ostfriesland in Aurich-Popens sichergestellt.

Verkehr

Über Jahrhunderte waren Wasserstraßen fĂŒr Ostfriesland die wichtigsten Verkehrswege – zumindest fĂŒr den Fernhandel und den ĂŒberörtlichen Handel innerhalb Ostfrieslands. Aufgrund ihrer peripheren Lage wurde die Region erst spĂ€t an das Eisenbahn- und spĂ€ter das Autobahnnetz angeschlossen.

Die wichtigsten Verkehrsverbindungen folgen zum einen ungefĂ€hr dem Lauf der Ems in Richtung SĂŒden und queren zum anderen Ostfriesland in Ost-West-Richtung in Höhe der StĂ€dte Leer und Oldenburg.

Straßenverkehr

Verkehr in Ostfriesland
Ostfriesisch-oldenburgischer „GrenzĂŒbergang“ bei Middoge

Drei Autobahnen fĂŒhren durch Ostfriesland, eine weitere weiter östlich ist zumindest fĂŒr das östliche Ostfriesland (Landkreis Wittmund) von großer Bedeutung.

Die 1988 auf dem ostfriesischen Abschnitt fertiggestellte Bundesautobahn A 28 ist eine Ost-West-Verbindung von Leer ĂŒber Oldenburg bis zur A 1 bei Stuhr. Die A 28 ist die wichtigste Ost-West-Verbindung in Ostfriesland und verbindet die Region mit dem Ballungsraum Bremen/Oldenburg sowie darĂŒber hinaus mit Hamburg und Hannover.

Die im Dezember 2004 vollendete A 31 verbindet den Nordseehafen Emden mit der im Ruhrgebiet gelegenen A 2/A 3 bei Bottrop. Sie wird auch als Ostfriesenspieß oder Emslandautobahn bezeichnet. Ihr Bau wurde teilweise von den Regionen Emsland und Ostfriesland, durch Spenden von Privatleuten und Firmen aus den genannten beiden Regionen sowie von den Niederlanden finanziert, fĂŒr die die A 31 eine wichtige grenznahe Verbindung ist. Dieses Finanzierungsmodell ist bislang ohne Beispiel in Deutschland.

Die vier Kilometer lange A 280 verlĂ€ngert die niederlĂ€ndische A7, die von Zaandam ĂŒber Groningen nach Deutschland fĂŒhrt, zur A 31. Sie verbindet somit das deutsche und das niederlĂ€ndische Autobahnnetz. Die A 280 in ihrer GesamtlĂ€nge, gefolgt von einem TeilstĂŒck der A 31 und der A 28 in ihrer GesamtlĂ€nge sind Bestandteil der Europastraße 22.

Daneben ist die A 29, die Wilhelmshaven mit der A 1 bei Ahlhorn verbindet, der wichtigste Zubringer fĂŒr das östliche Ostfriesland, im Wesentlichen also den Landkreis Wittmund. Die A 29 verlĂ€uft jedoch an keiner Stelle ĂŒber ostfriesischen Boden.

Nach der A 28 ist die Bundesstraße B 210 die zweite wichtige Ost-West-Verbindung in Ostfriesland. Sie fĂŒhrt von Emden ĂŒber Aurich, Wittmund, Jever und Schortens nach Wilhelmshaven. FĂŒr den Landkreis Wittmund ist sie eine der beiden Verbindungsstraßen zur A 29. Eine weitere Ost-West-Verbindung ist die B 436 von Weener zur A 29 bei Sande im Landkreis Friesland. Zwischen Weener und Hesel fĂŒhrt die B 436 ĂŒber dieselbe Trasse wie frĂŒher die – in Ostfriesland inzwischen entwidmete – B 75, die durch die A 28 ersetzt wurde.

In der Zeit vor der Eröffnung der Autobahnen in Ostfriesland haben – neben der frĂŒheren B 75 – besonders zwei Bundesstraßen eine wichtige Rolle fĂŒr den ĂŒberregionalen Verkehr gespielt: die B 70 und die B 72. Die B 70 ist eine der lĂ€ngsten Bundesstraßen in Nordwestdeutschland und verbindet Ostfriesland mit dem Niederrhein. Die B 70 fĂŒhrt auf ihrem Weg von Neermoor nach Wesel fast immer entlang der Ems. WĂ€hrend die B 70 heute in Neermoor endet, fĂŒhrte sie in frĂŒheren Jahrzehnten weiter ĂŒber Emden bis nach Norddeich. Die B 72 fĂŒhrt von der A 1 bei Cloppenburg ĂŒber Aurich bis an die KĂŒste nach Norddeich und wurde vor Eröffnung der A 28 ausgebaut, weil sie ein wichtiger Zubringer im Urlauberverkehr war. Zwischen Friesoythe (Landkreis Cloppenburg) und der Anschlussstelle Filsum an der A 28 verlĂ€uft die B 72 als Kraftfahrstraße im „2 zu 1“-System. Sie stellt weiterhin eine Alternative zur kompletten Fahrt auf der Autobahn dar, wenn das Fahrtziel der Raum OsnabrĂŒck ist.

Die B 438 fĂŒhrt von Folmhusen (Gemeinde Westoverledingen) ĂŒber Collinghorst, Rhaudermoor, Westrhauderfehn (Gemeinde Rhauderfehn) und Ostrhauderfehn, Idafehn (Gemeinde Ostrhauderfehn) nach Wittensand (Saterland). Sie verbindet die B 70 mit der B 72 und erschließt den sĂŒdlichen Landkreis Leer. Die B 461 fĂŒhrt von der Kreisstadt Wittmund zu den SielhĂ€fen in den Wittmunder Stadtteilen Carolinensiel und Harlesiel. Sie ist damit eine der wenigen Bundesstraßen in Deutschland, die sich in ganzer LĂ€nge innerhalb einer Gemeinde befinden.

Der am stĂ€rksten befahrene Abschnitt einer Bundesstraße in Ostfriesland ist die B 72/210 am westlichen Stadtrand Aurichs, im Stadtteil Extum. Dort fahren tĂ€glich knapp 28.000 Fahrzeuge vorbei.[102] Auf dem östlichen Innenstadtring Aurichs (B 72) sind es noch fast 26.300 Fahrzeuge, darunter knapp 1400 LKW, was den höchsten Wert fĂŒr Lastwagen auf Ostfrieslands Bundesstraßen darstellt. Auf der B 210 im Emder Stadtteil Harsweg, der Hauptausfallstraße in nördliche Richtung, wird der dritthöchste Wert erreicht: fast 23.100 Fahrzeuge. Der vierthöchste Wert wird am sĂŒdlichen Stadteingang Nordens nahe dem Bahnhof beobachtet (22.200 Fahrzeuge).

Viele der KĂŒstenorte – darunter auch jene FĂ€hrorte, die nicht an einer Autobahn (Emden) oder Bundesstraße (Norddeich, Harlesiel) liegen – sind durch Landesstraßen an das ĂŒberörtliche Verkehrsnetz angeschlossen. Die Nummerierung der Landesstraßen in Niedersachsen beginnt in Ostfriesland mit der L 1 von Oldersum nach Aurich.

Der straßengebundene Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) mit Bussen wird durch den Verkehrsverbund Ems-Jade (VEJ) sichergestellt.

Bahnverkehr

Blick auf das GebÀude und einen Teil der Gleise im Emder Hauptbahnhof
Die FriesenbrĂŒcke ĂŒber die Ems bei Weener – Deutschlands lĂ€ngste Eisenbahn-KlappbrĂŒcke

Die wichtigsten Eisenbahnlinien Ostfrieslands sind die elektrifizierten Hauptbahnstrecken von Emden in Richtung Oldenburg/Bremen und in Richtung MĂŒnster, die im Regional- (RE, RB) und Fernverkehr (IC) der Deutschen Bahn AG befahren werden.

Die Emslandstrecke (Kursbuchstrecke 395) von Emden ĂŒber Leer nach MĂŒnster ist zweigleisig und – wegen der frĂŒheren Erztransporte zwischen Emden und dem Ruhrgebiet – fĂŒr den Schwerstlastverkehr ausgelegt. Die Bahnstrecke Oldenburg–Leer (Kursbuchstrecke 390) ist hingegen lediglich eingleisig. Im Bundesverkehrswegeplan ist ein zweigleisiger Ausbau lediglich als „weiterer Bedarf“ festgehalten.

InterCity-Zugverbindungen bestehen vom Bahnhof Norddeich Mole in Richtung Berlin/Leipzig sowie in Richtung Köln/Luxemburg. Teilweise enden ZĂŒge am Bahnhof Emden Außenhafen statt in Norddeich. Die IC-Linie von Norddeich/Emden-Außenhafen ĂŒber Emden und Leer nach Luxemburg (IC-Linie 35) wird im Zwei-Stunden-Takt bedient, die Strecke von Norddeich ĂŒber Emden und Leer nach Berlin/Cottbus bzw. Leipzig (IC-Linie 56) im Vier-Stunden-Takt. Regional-Express-Verbindungen bestehen von Norddeich nach Hannover sowie von Emden nach MĂŒnster. Einige der Verbindungen nach MĂŒnster enden nicht am Emder Hauptbahnhof, sondern am Bahnhof Emden Außenhafen, abgestimmt auf die FĂ€hrzeiten nach Borkum. Die Strecke zwischen dem Emder Hauptbahnhof und dem Außenhafen ist die Kursbuchstrecke 396.

Zwischen Emden und Wittmund verlief die Strecke der Ostfriesischen KĂŒstenbahn. Sie ist eine eingleisige Strecke. FĂŒr den regelmĂ€ĂŸigen Personenverkehr wird heute der Abschnitt Emden-Norddeich genutzt. Zwischen Norden und Dornum verkehren im Ausflugsverkehr ZĂŒge der Museumseisenbahn KĂŒstenbahn Ostfriesland (MKO). Der Streckenabschnitt zwischen Dornum und Esens ist abgebaut.

Die Strecken Wilhelmshaven–Oldenburg(–OsnabrĂŒck, nicht auf ostfriesischem Gebiet) und Esens–Wilhelmshaven werden von der NordWestBahn GmbH betrieben. Von Esens aus fahren tĂ€glich ZĂŒge ĂŒber Wittmund nach Wilhelmshaven, wobei Anschluss in Richtung Oldenburg besteht. Die Strecke zwischen Esens und der Kreisgrenze zum Landkreis Friesland bildet heute den östlichen Abschnitt der Ostfriesischen KĂŒstenbahn.

Die Bahnstrecke Abelitz–Aurich wurde nach ihrer zwischenzeitlichen Stilllegung 1996 im April 2008 wieder reaktiviert. Allerdings wird diese Strecke (zumindest vorerst) ausschließlich fĂŒr den GĂŒterverkehr genutzt, vor allem als Verbindung fĂŒr Enercon in den Emder Hafen.

Die internationale Schienenverbindung von Leer ĂŒber Weener und Neuschanz nach Groningen (Bahnstrecke Leer–Groningen, Kursbuchstrecke 397) wurde auf deutscher Seite lange Zeit durch Busse bedient. Inzwischen wird die Strecke vom Transportunternehmen Arriva befahren. Leer ist damit der Knotenpunkt des ostfriesischen Eisenbahnnetzes mit Strecken in alle vier Himmelsrichtungen. Die Stadt bezeichnet sich deswegen als Tor Ostfrieslands. Im Zuge dieser Strecke wird die FriesenbrĂŒcke ĂŒber die Ems befahren, Deutschlands lĂ€ngste Eisenbahn-KlappbrĂŒcke.

Schiffsverkehr und HĂ€fen

Ein mit Autos beladenes RoRo-Schiff verlĂ€sst den Emder Außenhafen, rechts die Westmole

Die Ems ist der wichtigste Transportweg zu Wasser. An ihrem rechtsseitigen Ufer liegen die drei SeehĂ€fen (flussaufwĂ€rts geordnet) Emden, Leer und Papenburg – wobei letzteres bereits zum Landkreis Emsland zĂ€hlt. Mit gut sechs Millionen Tonnen Jahresumschlag ist der Emder Hafen der grĂ¶ĂŸte dieser drei. Emden ist nach Bremerhaven und ZeebrĂŒgge (Belgien) der drittgrĂ¶ĂŸte Autoverladehafen Europas mit rund einer Million umgeschlagenen Fahrzeugen pro Jahr – fast ausschließlich solche der Volkswagen AG. Daneben werden Forstprodukte und FlĂŒssigkreide umgeschlagen, beides fĂŒr die Nordland Papier in Dörpen. Diese GĂŒter werden per Binnenschiff ĂŒber die Ems weitertransportiert. Zunehmende Bedeutung fĂŒr den Emder Hafen erhĂ€lt der Umschlag von Enercon-WindmĂŒhlen, die nach Übersee exportiert werden. Zu den weiteren UmschlagsgĂŒtern zĂ€hlen Baustoffe und Magnesiumchlorid. Auch fĂŒr die Meyer-Werft in Papenburg ist die Ems von immenser Bedeutung, werden auf ihr doch die Schiffe der Werft gen See ĂŒberfĂŒhrt. Einerseits als Maßnahme des KĂŒstenschutzes, andererseits aber auch zum Aufstauen der Ems bei ÜberfĂŒhrungen großer Kreuzfahrtschiffe der Meyer-Werft, wurde nahe Gandersum das Emssperrwerk errichtet. Die Leda hat lediglich auf dem kurzen Abschnitt zwischen ihrer MĂŒndung in die Ems und dem Leeraner Hafen Bedeutung fĂŒr die Seeschifffahrt.

Der Ems-Jade-Kanal, einst als innerostfriesische Verbindung zwischen Emden und Wilhelmshaven angelegt, hat heute fast ausschließlich fĂŒr die Sportschifffahrt Bedeutung. Lediglich der Transport von Baustoffen vom Emder Hafen zum Binnenhafen von Aurich fĂ€llt noch ein wenig ins Gewicht. Der Ems-Seitenkanal wurde einst als ErgĂ€nzung zum Dortmund-Ems-Kanal angelegt, wird aber ebenfalls nur noch fĂŒr die Sportschifffahrt genutzt. Der Dortmund-Ems-Kanal selbst, einst wichtiger Transportweg fĂŒr Erz von Emden ins Ruhrgebiet, verlĂ€uft nicht ĂŒber ostfriesischen Boden. Er beginnt (aus nördlicher Perspektive betrachtet) erst im Emsland, bis dort benutzen Binnenschiffe die Ems.

In frĂŒheren Jahrhunderten waren die FehnkanĂ€le in Ostfriesland wichtige Transportwege. Auch sie dienen heute allein der Erholung auf dem Wasser. Zu den lĂ€ngsten FehnkanĂ€len Ostfrieslands zĂ€hlt der Nordgeorgsfehnkanal.

FĂ€hrhĂ€fen zu den Inseln sind – von West nach Ost – Emden (nach Borkum), Norddeich-Mole (nach Juist und Norderney − Mit 825.000 beförderten Personen sowie 180.000 Fahrzeugen[103] war die Verbindung die zweitwichtigste deutsche FĂ€hrverbindung im 1. Halbjahr 2004), Neßmersiel (nach Baltrum), Bensersiel (nach Langeoog), Neuharlingersiel (nach Spiekeroog) und Harlesiel (nach Wangerooge). Weitere kleinere HĂ€fen (teils eher Marinas) mit schleusenfreier Verbindung zur Ems und zur Nordsee befinden sich in Pogum, Ditzum, Midlum, Jemgum, Bingum, Weener, Oldersum und Petkum an der Ems sowie in Dornumersiel am Wattenmeer. Die HĂ€fen von Greetsiel und Carolinensiel können durch Schleusen erreicht werden. FĂŒr die Fischerei sind vor allem die HĂ€fen in Ditzum, Greetsiel, Norddeich, Dornumersiel und Neuharlingersiel von Bedeutung. In Oldersum ist am Hafen zudem eine kleinere Werft ansĂ€ssig.

Flugverkehr

Ostfriesland verfĂŒgt ĂŒber zivile FlugplĂ€tze in Leer-NĂŒttermoor, Emden und Norden-Norddeich. Außerdem verfĂŒgen alle Inseln mit Ausnahme Spiekeroogs ĂŒber FlugplĂ€tze. Diese dienen dem Personentransport von und zu den Inseln, teils auch dem GĂŒtertransport mit leichteren Waren. Die meisten Flugbewegungen werden auf dem Flugplatz in Leer verzeichnet, der besonders von GeschĂ€ftsreisenden aus Leer und Papenburg hĂ€ufig genutzt wird. Der Emder Flugplatz ist fĂŒr die ansĂ€ssigen Betriebe, vor allem das VW-Werk, ebenfalls von Bedeutung. Der Norddeicher Flugplatz hingegen dient dem Inselverkehr. In Emden ist die Ostfriesische Lufttransport (OLT) beheimatet. Die OLT betreibt in Emden und Bremen Flugzeugwerften, die grĂ¶ĂŸere in Bremen. Der nĂ€chstgelegene internationale Verkehrsflughafen ist der Flughafen Bremen.

Persönlichkeiten

Wolfgang Petersen
Otto Waalkes
Ubbo Emmius

Ostfriesland hat im Laufe der vergangenen Jahrhunderte – und bis heute – eine Reihe von bekannten Persönlichkeiten hervorgebracht. Den meisten ist gemeinsam, dass sie ihre Karriere anderenorts begannen oder fortsetzten – was als Hinweis auf die periphere Lage des Landstrichs und auf das Fehlen einer Metropole verstanden werden kann.

Der international bekannteste Ostfriese dĂŒrfte der aus Emden stammende Filmregisseur Wolfgang Petersen sein. Zu den national bekanntesten Ostfriesen gehören darĂŒber hinaus die ebenfalls aus Emden stammenden Komiker Otto Waalkes und Karl Dall. Besonders Otto hat in vielen Musikalben und Filmen stets seine Herkunft betont. Der Frontmann der Techno-Band Scooter, H. P. Baxxter, heißt mit bĂŒrgerlichem Namen Hans-Peter Geerdes und stammt aus Leer.

Der in Emden geborene Journalist Henri Nannen hat das Magazin Stern gegrĂŒndet und damit einen wesentlichen Beitrag zur Presselandschaft im Nachkriegsdeutschland geleistet. Der Fernsehjournalist und langjĂ€hrige ARD-Korrespondent in Paris, Heiko Engelkes, wurde in Norden geboren.

Zu den bedeutendsten deutschen Philosophen der Gegenwart zĂ€hlt der gebĂŒrtige Auricher Hermann LĂŒbbe. Ebenfalls in Aurich geboren wurde Rudolf Eucken, der 1908 als zweiter Deutscher den Literatur-Nobelpreis gewann und damit der einzige Ostfriese ist, der bislang diese Ehrung erhielt. Die aus Pewsum stammende Hermine Heusler-Edenhuizen war 1911 die erste offiziell anerkannte und niedergelassene FrauenĂ€rztin in Deutschland. In frĂŒheren Jahrhunderten haben der Universalgelehrte Ubbo Emmius aus Greetsiel gewirkt, der unter anderem GrĂŒndungsrektor der UniversitĂ€t Groningen war, sowie der Astronom Johann Fabricius aus Resterhafe, der unabhĂ€ngig von Galileo Galilei die Sonnenflecken entdeckte. Der Leeraner Historiker Onno Klopp hat es als letzter Historiograph der Welfen im 19. Jahrhundert zu Bekanntheit gebracht.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Garrelt Duin aus Hinte ist Sprecher des Seeheimer Kreises der Sozialdemokraten. Ulf Thiele aus Uplengen fungiert als niedersÀchsischer CDU-GeneralsekretÀr. Der ehemalige Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Reinhold Robbe (SPD), stammt aus Bunde.

Dieter Eilts aus Upgant-Schott, frĂŒherer Fußballprofi bei Werder Bremen, hat zum Gewinn der Europameisterschaft 1996 beigetragen. Der gebĂŒrtige Norderneyer Bernd Flessner ist mit 14 deutschen Meistertiteln der erfolgreichste deutsche Windsurfer. Um die Gesundheit von Sportlern kĂŒmmert sich einer der bekanntesten deutschen Sportmediziner, der gebĂŒrtige Leerhafer Hans-Wilhelm MĂŒller-Wohlfahrt. Die frĂŒhere Box-Weltmeisterin Heidi Hartmann wurde ebenso wie der iranische Fußball-Nationalspieler Ferydoon Zandi in Emden geboren, die Leichtathletin Silvia Rieger stammt aus Hinte.

Eine Reihe von bekannten Persönlichkeiten wurde zwar nicht in Ostfriesland geboren, ist der Region aber verschiedentlich verbunden gewesen. Dazu zÀhlt der SeerÀuber Klaus Störtebeker, der sich im 14. Jahrhundert die Lage Ostfrieslands an Seewegen bei gleichzeitiger Abgeschiedenheit auf dem Landwege zunutze machte und in Ostfriesland Unterschlupf fand, vor allem in Marienhafe.

Der aus Diedenshausen bei Siegen stammende Rechtsgelehrte Johannes Althusius war einer der bedeutendsten Nicht-Ostfriesen, die in Ostfriesland gewirkt haben. Als Stadtsyndikus von Emden lenkte er maßgeblich die Geschicke der Stadt in der Zeit ihrer grĂ¶ĂŸten BlĂŒte um 1600. Althusius gilt auch als einer der ersten Deutschen, die sich wissenschaftlich mit Politik befasst haben.

Der spĂ€tere Regierende BĂŒrgermeister von Berlin, Ernst Reuter, gebĂŒrtig aus Nordschleswig, verbrachte einen Teil seiner Jugend in Leer. Er besuchte dort die Volksschule und das Gymnasium.

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder hat sich auf der Insel Borkum einen Zweitwohnsitz eingerichtet. Auf Norderney lebte und arbeitete bis 2008 der aus dem schleswig-holsteinischen Wedel stammende Kunstmaler Ole West.

Siehe auch

 Portal:Ostfriesland – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Ostfriesland

Ostfriesland in den Medien

Weblinks

 Commons: Ostfriesland â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary Wiktionary: Ostfriesland â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikisource: Ostfriesland â€“ Quellen und Volltexte

Literatur

Als Standardwerk zur Landesbeschreibung gilt das zwölfbĂ€ndige Kompendium Ostfriesland im Schutze des Deiches. BeitrĂ€ge zur Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des ostfriesischen KĂŒstenlandes, das von der Deichacht Krummhörn in Pewsum zunĂ€chst im Selbstverlag herausgegeben und in spĂ€teren Auflagen in den Leeraner Verlagen Rautenberg und zum Teil Schuster erschienen ist.

  • Band I: K.-H. Sindowski: Geologische Entwicklung von Ostfriesland, H. Voigt/G. Roeschmann: Die Böden Ostfrieslands, P. Schmidt: Die vor- und frĂŒhgeschichtlichen Grundlagen der Besiedlung Ostfrieslands nach der Zeitenwende, W. Reinhardt: Die Orts- und Flurformen Ostfrieslands in ihrer siedlungsgeschichtlichen Entwicklung, H. Wiemann: BeitrĂ€ge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte Ostfrieslands.
  • Band II: H. Homeier: Der Gestaltwandel der ostfriesischen KĂŒste im Laufe der Jahrhunderte – Ein Jahrtausend ostfriesischer Deichgeschichte, E. Siebert: Entwicklung des Deichwesens vom Mittelalter bis zur Gegenwart, J. Kramer: Neue Deiche, Siele und Schöpfwerke zwischen Dollart und Jadebusen.
  • Band III: G. Siebels: Die Pflanzenwelt der ostfriesischen Halbinsel, G. Siebels: Die Tierwelt Ostfrieslands, J. Köppe: Ostfriesische Tierzucht.
  • Band IV: G. Kiesow: Ostfriesische Kunst.
  • Band V: H. Schmidt: Politische Geschichte Ostfrieslands.
  • Band VI: M. Smid: Ostfriesische Kirchengeschichte.
  • Band VII (Geschichte der Stadt Emden 3): E. Siebert: Von 1750 bis 1890, W. Deeters: Von 1890 bis 1945, Bernard Schröer: Von 1945 bis zur Gegenwart.
  • Band VIII: H. Wiemann/J. Engelmann: Alte Straßen und Wege in Ostfriesland.
  • Band IX: O. Minssen: Friedrich von ThĂŒnen (1785-1865) – Leben und Werk eines friesischen Hausmannes.
  • Band X (Geschichte der Stadt Emden 1): K. Brandt: ArchĂ€ologische Quellen zur frĂŒhen Geschichte von Emden, H. van Lengen: Geschichte der Stadt Emden von den AnfĂ€ngen bis zum Ende des Mittelalters, H. Schmidt: Geschichte der Stadt Emden von 1500 bis 1575, W. Deeters: Geschichte der Stadt Emden von 1575 bis 1611.
  • Band XI (Geschichte der Stadt Emden 2): Bernd Kappelhoff: Emden als quasiautonome Stadtrepublik 1611 bis 1749.
  • Band XII: M. Wilken/U. Hangen/W. Deeters: Deiche und Deichachten in der Krummhörn.

Weitere Literatur:

Ostfriesland in belletristischen Texten

Seit Mitte der 1980er-Jahre wurde Ostfriesland insbesondere als Schauplatz fĂŒr Krimis von mehreren Autoren entdeckt. Den Anfang machte dabei der aus Nordrhein-Westfalen stammende, aber seit den 1970ern in Ostfriesland lebende Theodor J. Reisdorf. Ihm folgte unter anderem der ebenfalls aus NRW stammende und in Ostfriesland lebende Klaus-Peter Wolf, wohingegen die Autorin Sandra LĂŒpkes zwar in Göttingen geboren wurde, aber auf der Insel Juist aufwuchs.

Eine Auswahl an belletristischen Texten mit dem Sujet Ostfriesland:

  • Erskine Childers: Das RĂ€tsel der Sandbank (Orig.: The Riddle of the Sands, 1903 erschienen, gilt als einer der ersten Spionageromane und befasst sich mit einer möglichen deutschen Invasion Englands)
  • Sophie Wörishöffer: Onnen Visser, der Schmugglersohn von Norderney (im spĂ€ten Kaiserreich eines der beliebtesten JugendbĂŒcher ĂŒber Ostfriesland unter französischer Herrschaft).
  • Hansjörg Martin: Kein Schnaps fĂŒr Tamara (spielt in Norden, starke Anspielungen an dortige GeschĂ€ftsleute), auch Fernsehfilm.
  • Krimis mit Lokalkolorit von Theodor J. Reisdorf: Land, Leute und Leichen (1982), Inselschönheit (1984), Jadedistel (1986), Der Mord macht die Musik (1987), Du sollst nicht begehren (1990), Die toten MĂ€dchen von Jever (1991), Tödliche Teestunde Rezension (1992), Die Tote vom Nordstrand (1993), Mord im Fischerhafen (1995), Todestörn vor Juist (1996), Das DĂŒnengrab (1997), Tod vor Borkum (1999), Friesischer Tod (2000), Mörderische Friesenhochzeit (2001), Letzter Törn nach Spiekeroog (2003), Der Tote im Maisfeld (2005), Friesische Todessinfonie (2006).
  • Krimis mit Lokalkolorit von Klaus-Peter Wolf: Ostfriesenkiller (2007), Ostfriesenblut (2008), Ostfriesengrab (2009).
  • Krimis mit Lokalkolorit von Sandra LĂŒpkes: Die Sanddornkönigin (2001), Der Brombeerpirat (2002), Fischer, wie tief ist das Wasser (2003), Das HagebuttenmĂ€dchen (2004), Halbmast (2005), Die Wacholderteufel (2006), Das Sonnentau-Kind (2007), Die BlĂŒtenfrau (2008).

Ostfriesland in Film und Fernsehen

  • Britta, zweiteiliges ARD-Fernsehspiel aus dem Jahr 1978. Der Autor und Regisseur Berengar Pfahl hatte den Löwenanteil der Handlung nach Ostfriesland verlegt und es dabei verstanden, LebensumstĂ€nde und LebensgefĂŒhl der Region, insbesondere das der Jugendlichen zu transportieren. So war die Produktion auch in weiten Teilen Ostfrieslands ein Straßenfeger.
  • Otto – Der Außerfriesische, Kinofilm von und mit Otto Waalkes aus dem Jahr 1989, in dem er seine Heimat Ostfriesland davor bewahrt, dass dort eine Teststrecke fĂŒr HochgeschwindigkeitszĂŒge errichtet wird. In jenem Film bewohnt Otto den Pilsumer Leuchtturm, der es nicht zuletzt durch diesen Film zu BerĂŒhmtheit gebracht hat und als „Markenzeichen“ Ostfrieslands gilt. Otto Waalkes hat sein Ostfriesentum zudem im Kabarett und in weiteren Spielfilmen zum Thema gemacht.
  • Frankie, Johnny und die Anderen, Kinofilm von Hans-Erich Viet (1992). Im Sumpf des Rheiderlandes: FĂŒnf Freunde, angefĂŒhrt von Frankie (Detlef Kuper) versuchen, ihre Langeweile mit dem Erlernen fernöstlicher Kampfsportarten und Meditation zu vertreiben, und planen schließlich ein Bombenattentat auf die Dorfkirmes.
  • Sonne und Sturm, Folge der ARD-Reihe Tatort (2003), die in dem fiktiven KĂŒstenort „Nordersiel“ spielt, jedoch in Greetsiel gedreht wurde.
  • Doktor Martin, komödiantische Vorabendfamilienserie im ZDF. Ausstrahlung seit Juli 2007. Doktor Martin, gespielt von Axel Milberg, ist ein Arzt, der wegen einer Blutphobie einen Neuanfang im Fischerdorf Neuharlingersiel sucht.

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. ↑ Satzung der Ostfriesischen Landschaft, Artikel I (GrundsĂ€tze), Absatz 2: „Ostfriesland umfasst die kommunalen Gebietskörperschaften Landkreise Aurich, Leer und Wittmund sowie Stadt Emden.“
  2. ↑ Homepage des Interfriesischens Rats: Das östliche Friesland innerhalb des deutschen Bundeslandes Niedersachsen von der niederlĂ€ndischen Grenze bis jenseits der WesermĂŒndung. Es wird hĂ€ufig Ost-Friesland genannt oder insgesamt (nicht ganz korrekt) als Ostfriesland bezeichnet. Es umfasst das eigentliche Ostfriesland, das oldenburger Friesland (Friesische Wehde, Jeverland, Wilhelmshaven), das ehemalige RĂŒstringen (Butjadingen u.a.), das Land Wursten und andere Gebiete. (Hervorhebungen nachtrĂ€glich fĂŒr das Zitat)
  3. ↑ a b R. Pott: Farbatlas NordseekĂŒste und Nordseeinseln. Ulmer, 1995, ISBN 3-8001-3350-4
  4. ↑ Nationalpark Nds. Wattenmeer auf niedersachsen.de
  5. ↑ Hansjörg Streif: Das ostfriesische KĂŒstengebiet. – Sammlung geologischer FĂŒhrer Bd. 57, 2. Aufl. 1990, 376 S.; Borntraeger (Berlin/Stuttgart), ISBN 3-443-15051-9
  6. ↑ J. Walter: Die Ostfriesischen Inseln, Seminar zur Regionalen Geografie, 2001. PDF
  7. ↑ Niedersachsen.de: Niedersachsen – Ein Land stellt sich vor
  8. ↑ a b Rack, a. a. O., S. 42
  9. ↑ Rack, a. a. O., S. 43
  10. ↑ Im Landesinneren in Aurich durchschnittlich 20, auf der Insel Norderney sogar nur zwölf Tage. Vgl. Rack, a. a. O., S. 30.
  11. ↑ a b c d Rack, a. a. O., S. 32
  12. ↑ Thorsten Melchers: Ostfriesland: Preußens atypische Provinz? Preußische Integrationspolitik im 18. Jahrhundert, Carl von Ossietzky-UniversitĂ€t Oldenburg, Diss., 2002, S. 25, verfĂŒgbar auch zum Download
  13. ↑ Vgl. diese Kurzmeldung des NDR.
  14. ↑ Grafik auf der Homepage des Berlin-Instituts fĂŒr Bevölkerung und Entwicklung, pdf-Datei
  15. ↑ Manfred Stolle: Einwohnerzahl von Holtriem sinkt seit Jahren, Ostfriesen-Zeitung, 29. Januar 2010
  16. ↑ Ein weiteres Beispiel ist die Gemeinde Krummhörn, in der die Einwohnerzahl inzwischen auf weniger als 13.000 gesunken ist (Ostfriesischer Kurier, 20. November 2008, S. 17) und der die Kreisverwaltung Aurich einen weiteren RĂŒckgang der Einwohnerzahl prognostiziert (Ostfriesischer Kurier, 22. Januar 2009, S. 5)
  17. ↑ AuslĂ€nderzahlen der Statistischen Ämter
  18. ↑ Statistik-Info der Stadt Emden, pdf-Datei
  19. ↑ AuslĂ€nderstatistik des Landkreises Leer, pdf-Datei
  20. ↑ nls.niedersachsen.de: Landkreis Wittmund
  21. ↑ nls.niedersachsen.de: Landkreis Aurich
  22. ↑ Ostfriesischer Kurier, 28. August 2008, S. 9
  23. ↑ Industrie und Handelskammer fĂŒr Ostfriesland und Papenburg: Tabelle A 2- Bevölkerungsentwicklung in Ostfriesland und Papenburg
  24. ↑ ArchĂ€ologischer Dienst der Ostfriesischen Landschaft: Die Steinzeit
  25. ↑ Stadt Aurich: Walle
  26. ↑ Wolfgang Schwarz: Die Urgeschichte in Ostfriesland, Leer 1995, ISBN 3-7963-0323-4, S. 106
  27. ↑ Plinius: Naturalis historia XVI 1, 2–4
  28. ↑ Norbert Fiks: Die Römer in Ostfriesland, E-Book zum Download
  29. ↑ E. Strahl, NiedersĂ€chsisches Institut fĂŒr historische KĂŒstenforschung: Bentumersiel
  30. ↑ Karl-Ernst Behre, Hajo van Lengen: Ostfriesland. Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft, Aurich 1995, ISBN 3-925365-85-0, S. 72
  31. ↑ Behre, van Lengen, a. a. O., S. 72
  32. ↑ Behre, van Lengen, a. a. O., S. 75
  33. ↑ Franz Kurowski: Das Volk am Meer – Die dramatische Geschichte der Friesen, TĂŒrmer-Verlag 1984, ISBN 3-87829-082-9, S. 12
  34. ↑ Dieter Lang, Gert Richter: Deutschland: PortrĂ€t einer Nation. Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen. (Bd. 6), Bertelsmann-Lexikothek-Verlag, 1988, ISBN 3-570-08716-6
  35. ↑ F. M. Stenton: Anglo-Saxon England, 3. Auflage, Oxford: Oxford University Press 1971, ISBN 978-0-19-280139-5, S. 136.
  36. ↑ Rudolf Vierhaus: Deutsche biographische EnzyklopĂ€die, Veröffentlicht von Walter de Gruyter, 2., ĂŒberarbeitete und erweiterte Ausgabe, MĂŒnchen und Leipzig, 2005 bis 2008, ISBN 978-3-598-25030-9, S. 157
  37. ↑ a b Behre, van Lengen, a. a. O., S. 113 f.
  38. ↑ Horst Haider Munske, Nils Århammar: Handbuch des Friesischen: Handbook of Frisian Studies, Max Niemeyer Verlag, TĂŒbingen 2001, ISBN 3-484-73048-X, S. 543
  39. ↑ Behre, van Lengen, a. a. O., S. 241
  40. ↑ Heinrich Schmidt: Das östliche Friesland um 1400. Territorialpolitische Strukturen und Bewegungen, in: Wilfried Ehbrecht (Hrsg.): Störtebeker – 600 Jahre nach seinem Tod, Trier 2005, S. 87.
  41. ↑ Thomas Hill: Die Stadt und ihr Markt: Bremens Umlands- und Aussenbeziehungen im Mittelalter(12.–15. Jahrhundert), 2004, ISBN 3-515-08068-6, S. 292
  42. ↑ Heinrich Schmidt: Politische Geschichte Ostfrieslands, Leer 1975, S. 79.
  43. ↑ Schmidt (2005), S. 92.
  44. ↑ Niedersachsen.de: Geschichte der Regionen: Ostfriesland
  45. ↑ Siegfried LĂŒderitz: Westgroßefehn, in: Arbeitsgruppe der Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft, pdf-Datei
  46. ↑ Thorsten Melchers: Ostfriesland: Preußens atypische Provinz? Preußische Integrationspolitik im 18. Jahrhundert, Carl von Ossietzky-UniversitĂ€t Oldenburg, Diss., 2002, S. 122, verfĂŒgbar auch zum Download
  47. ↑ Melchers, a. a. O., S. 168
  48. ↑ Martin Tielke: Die neue Bibliothek der Ostfriesischen Landschaft in Aurich
  49. ↑ Homepage des Zolls ĂŒber FreihĂ€fen
  50. ↑ Melchers, a. a. O., S. 473
  51. ↑ a b c HGIS Germany: Landdrostei Aurich (1823–1865)
  52. ↑ HGIS Germany: Regierungsbezirk Aurich
  53. ↑ a b Franz Kurowski: Das Volk am Meer – Die dramatische Geschichte der Friesen, TĂŒrmer-Verlag 1984, ISBN 3-87829-082-9, S. 386 f
  54. ↑ Martin Wein: Stadt wider Willen. Kommunale Entwicklung in Wilhelmshaven/RĂŒstringen 1853–1937. Tectum, Marburg 2006, S. 262
  55. ↑ Herbert Reyer: Revolution und demokratischer Neubeginn in der Stadt und dem Landkreis Aurich in den Jahren 1918–1920 in: Ostfriesland zwischen Republik und Diktatur, Aurich 1998, S.85f
  56. ↑ a b Biographisches Lexikon fĂŒr Ostfriesland: Jann Berghaus
  57. ↑ Arbeitsgruppe der Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft, Rudolf Nassua: Die Weltwirtschaftskrise und ihre Folgen in Aurich
  58. ↑ Kurowski, a.a.O, S. 390
  59. ↑ Kurowski, a.a.O, S. 391
  60. ↑ Siehe hierzu auch die Dokumentation von Gerd Rokahr: Der Bombenangriff auf Esens am 27. September 1943, erschienen als Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im „MĂŒllerhaus“, der StĂ€dtischen Galerie Esens vom 27. September bis 2. November 2003
  61. ↑ Kurowski, a.a.O., S. 393
  62. ↑ Gottfried Kiesow: ArchitekturfĂŒhrer Ostfriesland. Verlag Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2010, ISBN 978-3-86795-021-3, S. 36.
  63. ↑ Der verdrĂ€ngte Herbst von Engerhafe, Ostfriesland-Magazin (Ausgabe 11/1994)
  64. ↑ Rudolf Nassua: Das Kriegsende in Ostfriesland, in: Arbeitsgruppe der Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft pdf-Datei
  65. ↑ Kurowski, a.a.O., S. 394
  66. ↑ Satzung des Regionalrats Ostfriesland. 25. August 2010, abgerufen am 29. Mai 2011
  67. ↑ Garrelt Duin leitet neuen Regionalrat Ostfriesland, General-Anzeiger (Rhauderfehn), 26. August 2010, abgerufen am 29. Mai 2011
  68. ↑ Regionalrat wird 2011 gewĂ€hlt, General-Anzeiger (Rhauderfehn), 21. August 2009, abgerufen am 29. Mai 2011
  69. ↑ Klaus von Beyme: Das politische System der Bundesrepublik Deutschland: Eine EinfĂŒhrung, VS Verlag, Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-33426-3, S. 100, eingesehen bei Google Books, 22. Mai 2011
  70. ↑ Ostfriesen-Zeitung, 28. Januar 2008, S. 9
  71. ↑ ostfriesischelandschaft.de: Geschichte der Ostfriesischen Landschaft
  72. ↑ Satzung der Ostfriesischen Landschaft, Artikel V (Wappen, Flagge und Dienstsiegel), Absatz 2: Die Farben der Flagge der Ostfriesischen Landschaft sind in drei gleich breiten Querstreifen schwarz-rot-blau.
  73. ↑ Ostfriesischer Kurier, 21. November 2008, S. 26.
  74. ↑ Gertrud Reershemius: Niederdeutsch in Ostfriesland. Zwischen Sprachkontakt, SprachverĂ€nderung und Sprachwechsel. Stuttgart 2004.
  75. ↑ Nils Århammar: Das Nordfriesische, eine bedrohte Minderheitensprache in zehn Dialekten: eine Bestandsaufnahme. In: Horst Haider Munske (Hrsg.): Sterben die Dialekte aus? VortrĂ€ge am InterdisziplinĂ€ren Zentrum fĂŒr Dialektforschung an der Friedrich-Alexander-UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg, 22. Oktober – 10. Dezember 2007 2008.
  76. ↑ Werner König: dtv-Atlas Deutsche Sprache. 15. Auflage. MĂŒnchen 2005, S. 242.
  77. ↑ Reinhard Goltz: Moin Moin. Plattdeutsche Wort-Geschichten. Hamburg 2006, S. 73.
  78. ↑ Mattias Laage: Was soll das eigentlich heißen: moin, moin ?, eingesehen am 21. August 2010.
  79. ↑ Moin. In Schleswig-Holstein von A bis Z. eingesehen am 21. August 2010.
  80. ↑ ostfriesland.de: Kirchen
  81. ↑ ostfriesland.de: Burgen und Schlösser
  82. ↑ „Ems-Dollart Region: The most concentrated region of well-preserved historic organs in the world. [S. 170]. 
 With its wealth of historic instruments, the region became an early focus for scholars and builders
 The emergence of the Ems-Dollart organs as cultural treasures of worldwide significance was made possible by four important events: (1) the founding of the JĂŒrgen Ahrend and Gerhard Brunzema workshop (Leer) in 1954, which quickly established itself as the leading shop for restoration and conservation; (2) the establishment of the Norddeutsche Orgelakademie (Bunderhee) by Harald Vogel (1977) which serves as a central research facility for study of the area’s historic instruments and makes access to them possible for visiting builders, players, and scholars
 [S. 172f.]“. Cleveland Johnson: Ems-Dollart Region. In: The Organ. An Encyclopedia. Douglas E. Bush, Richard Kassel (Hrsg.). Routledge, New York u. London 2006, ISBN 0-415-94174-1, (online)
  83. ↑ reformiert.de – MenĂŒpunkte Arbeitsbereiche/Orgellandschaft (direkter Link funktioniert nicht)
  84. ↑ „Ostfriesland ist in den letzten Jahrzehnten zu einem Zentrum der europĂ€ischen Orgelkultur geworden.“ (Harald Vogel / Reinhard Ruge / Robert Noah / Martin Stromann: Orgellandschaft Ostfriesland. Verlag Soltau-Kurier Norden, Norden 1995, ISBN 3-928327-19-4, S. 8)
  85. ↑ nachtorgel.de
  86. ↑ Krummhörner OrgelfrĂŒhling
  87. ↑ ostfriesischelandschaft.de: Zentrale Dienste
  88. ↑ Nds. Landesamt fĂŒr Statistik, Statistische Monatshefte 2/2003, S. 72–75, pdf-Datei
  89. ↑ a b c sprengel-ostfriesland.de: Statistik
  90. ↑ Emder Zeitung vom 4. Oktober 2009.
  91. ↑ Sonntagsblatt vom 4. Oktober 2009: Schon Seit Wochen Leben in der Gemeinde, S. 12.
  92. ↑ lhv.de: Statistisches
  93. ↑ regis-online.de: Zahlen und Fakten
  94. ↑ Leer liegt mit 384.000 Tonnen (Erhebungsjahr: 2006) auf dem achten Rang, Aurich mit 335.000 Tonnen auf dem elften. Zum Vergleich: Die drei höchsten Werte wurden ermittelt im Landkreis Cuxhaven (564.000 Tonnen), im Landkreis UnterallgĂ€u (451.000 Tonnen) und im Landkreis Schleswig-Flensburg (448.000 Tonnen). Quelle: NiedersĂ€chsisches Landesamt fĂŒr Statistik, zitiert in: Ostfriesischer Kurier, 14. August 2008, S. 12
  95. ↑ Ursula Elisabeth Adriane Fittschen: Identifizierung von Naturstoffprofilen aus der Nordseekrabbe, Köln 2001
  96. ↑ Jahresbericht 2007 der IHK fĂŒr Ostfriesland und Papenburg, Anlage
  97. ↑ a b Das Gas kommt via Ostfriesland, Ostfriesland-Magazin, Ausgabe 10/2008, S. 126/127
  98. ↑ a b Jahresbericht 2007 der IHK fĂŒr Ostfriesland und Papenburg, S. 5
  99. ↑ Ostfriesischer Kurier, 13. Februar 2008, S. 12
  100. ↑ Emder Zeitung, 6. August 2008, Seite 4
  101. ↑ ivw.de
  102. ↑ Ostfriesischer Kurier, 24. Januar 2007, S. 9
  103. ↑ 1. Halbjahr 2004: Knapp 2,9 Mill.FahrgĂ€ste auf der Vogelfluglinie. Statistisches Bundesamt Deutschland. Abgerufen am 1. Mai 2009.

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   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Ostfriesland — Ostfriesland, ehemal. deutsches FĂŒrstentum, jetzt nebst dem Harlingerland den preuß. Reg. Bez. Aurich bildend, von Nachkommen der alten Friesen, den Ostfriesen, bewohnt, 1454 Reichsgrafschaft, 1654 ReichsfĂŒrstentum. Edzard I., d. Gr. (1491 1528) 
   Kleines Konversations-Lexikon

  • Ostfriesland — Ostfriesland, jetzt zum Königreich Hannover gehöriges FĂŒrstenthum von 52 Âœ Quadrat M. mit 165,000 Ew., durch Oldenburg, Holland und die Nordsee begrenzt. An der KĂŒste ist der Boden fruchtbar; hier gedeiht das bekannte treffliche Rindvieh, im… 
   Damen Conversations Lexikon

  • Ostfriesland — Ostfriesland, vgl. Friesen, Hannover, Harlingerland und Aurich 
   Herders Conversations-Lexikon

  • Ostfriesland — OÌŁst|fries|land; s: Gebiet im nordwestlichen Niedersachsen. * * * OÌŁstfriesland,   KĂŒstenlandschaft zwischen Ems und Weser in Niedersachsen; von einem flachen GeestrĂŒcken durchzogen; nach Norden, SĂŒden und Westen schließen sich Nieder und… 
   Universal-Lexikon

  • Ostfriesland — 1. In OstfrĂȘsland Ă€ten se BrĂŒggen, lopen up MĂŒlen un hebben Schapen in de Taske. – StĂŒrenburg, 25a. In einer Handschrift von Cadovius MĂŒller aus dem Jahre 1691 lautet das Sprichwort: »In Freeslauhn itet man Brugge, gungt up MĂŒhlen uhn hailt di… 
   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Ostfriesland — OÌŁst|fries|land 
   Die deutsche Rechtschreibung

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  • Ostfriesland-Stadion — Blick ĂŒber das Spielfeld auf die HaupttribĂŒne Daten Ort 
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  • Ostfriesland (1985) — Ostfriesland Ostfriesland im Jahr 2009 p1 
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