Ottersdorf

Ottersdorf
Stadt Rastatt
Wappen von Ottersdorf
Koordinaten: 48° 52′ N, 8° 9′ O48.8618.1541115Koordinaten: 48° 51′ 40″ N, 8° 9′ 15″ O
Höhe: 115 m ü. NN
Fläche: 7,69 km²
Einwohner: 2.490 (31. März 2008)
Eingemeindung: 1. Dez. 1971
Postleitzahl: 76437
Vorwahl: 07222

Ottersdorf ist ein Dorf im mittelbadischen Teil der Oberrheinebene mit 2.490 Einwohnern (Stand 31. März 2008). Es liegt zwischen dem Rhein und der Großen Kreisstadt Rastatt, zu der es seit 1. Dezember 1971 als Ortsteil gehört. In der unmittelbaren Nachbarschaft liegen weiterhin die Dörfer Wintersdorf und Plittersdorf, mit denen es zusammen das sogenannte Ried bildet.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Das Gebiet um Ottersdorf wurde in seiner natürlichen Form in den Eiszeiten geschaffen. Der Rhein verläuft seither durch die Region, wechselte aber mehrfach seinen Flusslauf. So lag Ottersdorf zusammen mit den anderen Rieddörfern im Mittelalter über ein Jahrhundert lang auf einer Rheininsel. Erst seit der Rheinbegradigung im 19. Jahrhundert ist Ottersdorf mitsamt den anderen Rieddörfern endgültig rechtsrheinisch und damit Teil Badens.

Geschichte

Gründung und erste Belege

Es ist anzunehmen, dass das Gebiet um Ottersdorf nicht von den Alemannen besiedelt wurde, als diese im 5. Jahrhundert in das Elsass kamen – möglicherweise, weil ihnen das Gebiet zu feucht war. Nach der Zurückdrängung der Alemannen durch die Franken unter König Chlodwig im Jahre 496 blieben diese in der Region. Die Franken kamen vom Niederrhein her und waren im Wasserbau versiert – es mag sein, dass sie das zur Besiedlung bewogen hat. Ein weiterer Hinweis sind die Ortsnamen im Ried. So gibt es auch ein Wintersdorf bei Trier und ein Plittersdorf bei Bonn. Es ist möglich, dass die fränkischen Soldaten den neu gegründeten Dörfern die Namen ihrer Heimatorte gaben. Eine Ansiedlung im 6. Jahrhundert kann daher angenommen werden. Die ersten urkundlichen Erwähnungen der Siedlungen im Ried stammen aus dem 8. Jahrhundert.

Ottersdorf wird zum ersten Mal in einer Kaufurkunde erwähnt, bei der es sich zwar wahrscheinlich um eine Fälschung aus dem 12. Jahrhundert handelt. Die beschriebenen Vorgänge werden allerdings als authentisch angesehen. Es wird darin der Kauf von 40 Morgen neugerodetem Land in Ottersdorf durch die Kaiserin Adelheid beurkundet, der irgendwann zwischen 984 und 996 abgewickelt worden sein muss. Dies wurde als Anlass genommen, das 1000-jährige Ortsjubiläum im Jahr 1994 zu feiern. Besagtes Land wurde der damaligen Abtei Selz geschenkt, zu dessen Einflussbereich das ganze Ried lange Zeit gehörte. Der genaue Verbleib der 40 Morgen ist unbekannt.

In den folgenden Jahrhunderten sind schriftliche Zeugnisse rar. Die erste echte Urkunde über Ottersdorf stammt aus dem Jahr 1318. Zu der Zeit verkauften die zwei Ritter Albert Röder von Schauenburg und Albert Röder von Staufenberg (bei Offenburg) ihre Einkünfte aus dem Kirchenzehnten an den Straßburger Priester Johannes von Steinbach. Hierbei werden erstmals alle fünf Riedorte erwähnt, darunter auch Ottersdorf.

Ab ungefähr 1310 bis um 1464 lag das Ried und damit Ottersdorf auf einer Rheininsel. Hierdurch ergaben sich zwei Möglichkeiten zur Durchfahrt des Rheins, was zu Zollstreitigkeiten führte, da man so eine Zollstelle umfahren konnte. Daher wurde ein Rheinarm geschlossen, was in einer Urkunde von 1493/1494 berichtet wird.

Im Jahr 1595 kam es zu einem Weidestreit mit dem Nachbardorf Wintersdorf. Den Ottersdorfer Bauern wurde vorgeworfen, sie würden unberechtigt ihr Vieh auf Rübenfelder der Wintersdorfer treiben. Letztere forderten daher, dass sie auch ihr Vieh über die Ottersdorfer Rübenfelder treiben dürfen. Ein Zollschreiber aus Hügelsheim wurde dazu bestellt, um den Streit zu schlichten. Es stellte sich heraus, dass die Rübenäcker der beiden Dörfer direkt nebeneinander lagen. Allerdings führte ein Allmandweg durch das umstrittene Gebiet. Weiterhin hätten die Wintersdorfer teilweise auch Äcker auf Ottersdorfer Gemarkung. Der Unparteiische empfahl, den Ottersdorfern für das laufende Jahr ihre Äcker zu belassen, da der Rhein viel Land überspült hatte und die Ottersdorfer aus der Not heraus die Rüben gesät hätten. Für die kommenden Jahre empfahl er, dass die beiden Dörfer gemeinsam festlegten, wo Rüben anzubauen seien.

Ottersdorf während der Kriege vom 16. bis 18. Jahrhundert

Bereits im Jahr zuvor, 1594, war die katholische Markgrafschaft Baden-Baden von der evangelischen Markgrafschaft Baden-Durlach besetzt worden. Markgraf Georg Friedrich von Baden-Durlach war ein Verfechter der Protestanten und rüstete auf, was mit Hilfe angeblich freiwilliger Spenden finanziert wurde – auch in Ottersdorf wurden diese eingetrieben. Als der Dreißigjährige Krieg im Jahr 1618 ausbrach, wurde auch Ottersdorf in Mitleidenschaft gezogen. Nachdem der Markgraf am 6. Mai 1622 bei Wimpfen eine Niederlage gegen die bayerischen Truppen hatte einstecken müssen, fielen diese schon im Juni in die Markgrafschaft ein. Allerdings wurde das Ried durch den damals breiteren Altrhein vor einer Besetzung bewahrt. Markgraf Wilhelm von Baden trat sein Erbe an, und die Besetzung durch Baden-Durlach war somit beendet. Die zwischenzeitlich entstandenen Schäden wurden aufgelistet und Baden-Durlach in Rechnung gestellt. Der Mangel an vielen Dingen ist bis zum Ende des Krieges 1648 dokumentiert.

Zu Beginn des Holländischen Kriegs (1672 bis 1679) hatte Ottersdorf ungefähr 200 Einwohner in 39 Haushalten. Nach dem Krieg waren es lediglich 35 Bürger. Am schwersten in Mitleidenschaft gezogen wurde das Dorf allerdings im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688 bis 1697): Es wird berichtet, dass am Vormittag des 30. August 1689 die drei Rieddörfer von der Besatzung von Fort Louis niedergebrannt worden seien. Daraufhin lagen fast alle Häuser in Schutt und Asche. Es folgten Plünderungen durch Husaren und die französische Armee. Teilweise wurden die Schäden erst dreißig Jahre später beseitigt.

Auch in den folgenden Kriegen wurde Ottersdorf in Mitleidenschaft gezogen. Auch wenn diese nicht mehr so verheerend waren wie 1689, so waren die wirtschaftlichen Schäden doch erheblich.

19. Jahrhundert

Katholische Kirche in Ottersdorf
Altes Rathaus (bis 1910), seit 1986 Filiale der Volksbank
Wilhelmstraße 20, bis 1840 Schulhaus
Rathaus, von 1840 bis 1910 Schulhaus

Ab 1820 entstanden drei Gebäude, die noch heute das Ortsbild prägen. Diese sind das Pfarrhaus (1826), die Kirche (1833/1834) und das Rathaus (1839/1840). Waren bis dahin kaum Steinhäuser im Dorf gestanden, wurden ab jetzt keine reinen Holzhäuser mehr errichtet. Das einzige mittelalterliche Gebäude zu jener Zeit, die Kirche, wurde durch den erwähnten Neubau ersetzt. Die Skizzen der alten Kirche gingen im Zweiten Weltkrieg verloren.

Ebenfalls ab 1820 gibt es jährliche Berichte, die die Vorgänge im Dorf recht genau belegen. Im Rahmen des Neubaus der Bundesfestung in Rastatt zogen viele Festungsarbeiter nach Ottersdorf. Die Gemeinde musste große Mengen Land abholzen lassen, damit man von der Festung aus freies Schussfeld haben würde.

1832 wurde in ganz Baden eine Gemeindereform durchgeführt, wodurch der vormalige Titel des Schultheißen abgeschafft und die Einrichtung des Bürgermeisters beschlossen wurde. Daher gab es auch in Ottersdorf ab diesem Jahr Bürgermeister.

Das Jahr 1847 war wie in vielen Teilen des Landes von großer Not geprägt, was auch Auslöser der Märzrevolution war. Die Revolutionsjahre 1848 und 1849 selbst verliefen nicht ruhig in Ottersdorf. Es gab großen Streit mit dem Pfarrer Georg Philipp Hehn, der auch von der politischen Wende im Land beeinflusst war. Hehn war offenkundig Gegner der Republik, was anscheinend nicht dem Willen der Ottersdorfer entsprach. Letztendlich wurde Hehn am 4. April 1848 gewaltsam vertrieben. Ottersdorfer nahmen auch auf Seiten der Revolutionäre an den Kampfhandlungen teil. Im Juni 1849 wurde in Ottersdorf eine Bürgerwehr aufgestellt, die zunächst aus 26 Männern bestand. Bei der Belagerung der Bundesfestung Rastatt, die letztendlich das Ende der Revolution besiegelte, quartierten sich preußische Truppen im Ort ein, die man versorgen musste. In der Folge mussten alle Waffen abgegeben werden, und es wurden Ermittlungen angestellt, wer an der Revolution teilgenommen hatte.

Der Deutsch-Französische Krieg verlief für Ottersdorf glimpflich – es wurden 20 Dorfbewohner eingezogen, die aber alle zurückkehrten.

Im anschließenden Kaiserreich erlebte Ottersdorf einen Wandel. Die Zahl der Pendler und Feierabendwirte nahm zu. Die Kirche wurde renoviert, eine Postagentur wurde eingerichtet, ein Schulhaus gebaut, und die Zahl der Einwohner stieg über 1000.

Erster Weltkrieg

Bei Beginn des Ersten Weltkrieges verschlechterte sich die Situation nach und nach. So mussten schon 1914 die 226 Kinder der Ottersdorfer Schule von nur zwei Lehrern unterrichtet werden. Anfangs spendeten die Einwohner reichliche Lebensmittel für die Armee. Die ersten Toten waren bald zu beklagen – am 7. Oktober 1914 wurden die ersten beiden Ottersdorfer Soldaten auf dem Friedhof beerdigt. 7 weitere sollten ihnen folgen. 40 Ottersdorfer Soldaten sind in fremder Erde bestattet worden. Der Soldat Otto Groß starb 1921 an den Folgen von im Krieg erlittenen Gasvergiftungen. Zum Kriegsende hin wurde die Verbitterung über den Kaiser und die Reichsregierung immer größer. Bis zum 21. November 1918 war die Plittersdorfer Schiffbrücke für die rückkehrenden deutschen Truppen geöffnet, so dass sie auch durch das Ried zurück ins Land strömten. Einige Soldaten wollten sogar aus Verärgerung über den Kaiser ein Straßenschild „Wilhelmstraße“ herunterschlagen.

Zwischenkriegszeit

1921 wurde Ottersdorf mit elektrischen Straßenlampen ausgestattet und nach und nach die meisten Häuser an das Stromnetz angeschlossen. Ein Zahnarzt eröffnete seine Praxis und die Turnerschaft Ottersdorf wurde gegründet. Die Arbeitslosigkeit stieg zu Beginn der 1930er-Jahre überall, so dass viele Ottersdorfer im Elsass arbeiteten. Die NSDAP erhielt ab 1930 zunehmend Stimmen bei Reichstagswahlen.

Als die Nationalsozialisten 1933 die Regierung übernahmen, wurden drei Vereine aufgelöst, die von den Machthabern als sozialistisch angesehen wurden. Dies waren im Einzelnen der Arbeitergesangverein „Freundschaft“, der Arbeiterfahrradverein „Solidarität“ und der Arbeiterturnverein „Frei Heil“ (gegründet 1913). Ihr Vermögen wurde vom Staat eingezogen, Turngeräte gingen an die Turnerschaft Ottersdorf. Die NSDAP richtete Ortsgruppierungen ein und hielt vierteljährlich, später monatlich Versammlungen ab. Auch wenn bei der Volksabstimmung vom 19. August 1934 über die Ernennung Hitlers zum Reichspräsidenten noch 187 Ottersdorfer mit Nein stimmten, so nahm die Vereinnahmung des dörflichen Lebens durch die nationalsozialistische Propaganda zu: der Volkstrauertag wurde von NS-Gruppierungen besucht, Filmvorführungen mit propagandistischen Filmen durchgeführt und das Winterhilfswerk sammelte im Ort.

Beim Bau des „Westwalls“ wohnten ab 12. Juli 1938 viele Arbeiter aus anderen Teilen Deutschlands im Ort. 25 Bunker wurden in dieser Zeit auf Ottersdorfer Gemarkung errichtet, die 1939 mit unterirdischen Fernsprechkabeln verbunden wurden. Hitler selbst besichtigte die Anlagen am 18. Mai 1939 und fuhr hierbei durch die Riedorte Plittersdorf, Ottersdorf und Wintersdorf. Im Zusammenhang mit den Baumaßnahmen entstanden 1938 beim Sportplatz Baracken.

Zweiter Weltkrieg

Wegen der Grenznähe verschickte man schon kurz nach Kriegsbeginn viele Kinder zu deren Schutz ins Landesinnere. Schon ab 28. August 1939 wurden Lebensmittelkarten eingeführt, was bis zum 1. März 1950 Bestand hatte. Daher wurden alle brauchbaren Grundstücke in dieser Zeit in Äcker umgewandelt. Anfangs war die Unterstützung des Nazi-Regimes noch recht groß, aber als 1941 der Krieg gegen Russland begann, schwand sie langsam. Dies wurde auch dadurch verstärkt, dass Maßnahmen wie das Einschmelzen der größten Kirchenglocken durchgeführt wurden. 1917 hatte man immerhin noch die historisch wertvolle größte Glocke verschont. Gleichzeitig nahmen die Bombenangriffe in der Gegend zu. Ende 1942 kamen 12 Menschen in Iffezheim um. Am 16. Januar 1945 fand der heftigste Angriff statt, bei dem Dutzende von Bomben im Bereich um den Friedhof abgeworfen wurden. Ein Blindgänger dieses Angriffs wurde über fünfzig Jahre später bei der Errichtung des Neubaugebiets Muhrwinkel entdeckt. Zur Entschärfung musste er zunächst mit flüssigem Stickstoff abgekühlt, konnte dann aber sicher entfernt werden.

Während des Krieges war nur ein polnischer Kriegsgefangener in Ottersdorf tätig. Er arbeitete bei der Wagnerei Götz. Ab 1943 kamen zunehmend Kinder, Ausgebombte und alte Leute aus weiter nördlich gelegenen Großstädten nach Ottersdorf, weil hier die Bedrohung für sie geringer war.

Im Herbst 1944 wurden unter Heranziehung von Jugendlichen des Ortes Verteidigungsanlagen gebaut, da die Westfront immer näher rückte. Am 12. Dezember 1944 kam es zu einem ersten Granatenbeschuss. Tags darauf wurde Seltz im Elsass von amerikanischen Truppen besetzt. Bei der folgenden deutschen Gegenoffensive Operation Nordwind wurden diese aber nochmals bis Hagenau zurückgedrängt, so dass auch am 17. Januar 1945 die Beschießung Ottersdorfs aufhörte. Am 18. März 1945 fiel Seltz erneut in die Hände der Amerikaner. In Ottersdorf wurden Panzersperren aus Baumstämmen errichtet, aber am 11. April 1945 wurde von der Ortsverwaltung bekanntgegeben, dass man die Gegenstände aus den Schutzbunkern mitnehmen dürfe. Tags darauf wurde der Ort von französischen Truppen besetzt.

Besatzungszeit

Der französische Ortskommandant wählte zunächst das Pfarrhaus zu seinem Sitz. Es wurden Listen über die Bestände der Dorfbewohner gemacht. Deutsche Soldaten und Volkssturmleute wurden als Gefangene abtransportiert. Manche von ihnen kehrten erst 1948 zurück. 1955 kehrte der letzte Kriegsgefangene, Friedrich Jung, zurück.

Bis zum 28. Juni 1945 war der Kohlenhändler Anton Müller als kommissarischer Bürgermeister eingesetzt. Ihm folgte bis 6. Oktober 1946 der Maschinenbaumeister Karl Schreiner. Zu der Zeit war die Gründung von Parteien wieder erlaubt, so dass auch am 15. September 1946 die erste Gemeinderatswahl stattfinden konnte. Dieses Gremium wählte auch den Bürgermeister. Als Sieger ging Wendelin Götz hervor, der 1948 – dann in einer Direktwahl – wiedergewählt wurde und letztendlich bis 1978 (ab 1971 nur noch als Ortsvorsteher) im Amt blieb. Die Besatzer waren in der Bevölkerung sehr unbeliebt, da die verhängten Maßnahmen der Militärregierung oft sehr hart für die Zivilbevölkerung waren und seitens der Franzosen nach der schmachvollen Niederlage 1940 eine starke Abneigung gegenüber den Deutschen bestand.

Zahlreiche heute im Dorf integrierte Familien kamen erst nach dem Krieg als Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone nach Ottersdorf.

Nachkriegszeit

Leichenhalle von 1968 mit Anbau von 1987

1950 zog die Gemeindeverwaltung in das heutige Rathaus um. Das alte Rathaus beherbergt seit 1986 die örtliche Filiale der Volksbank. In den folgenden Jahren begann der langsame Ausbau des Ortes. 1959 wurde das Neubaugebiet Blumenstraße (heute Nordstraße) und Rosenstraße erschlossen, 1963 das Feuerwehrhaus gebaut. Erst 1966 wurde der Ort an die Kanalisation angeschlossen. Im folgenden Jahr wurde auch der erste öffentliche Fernsprecher eingerichtet und das Clubhaus des Fußballvereins sowie die Leichenhalle beim Friedhof gebaut. Erst 1970 wurde eine freiwillige Müllabfuhr eingerichtet. 1971 fusionierte Ottersdorf schließlich mit Rastatt. Seither ist der Ort nur noch ein Ortsteil der Stadt und hat einen Ortsvorsteher statt eines Bürgermeisters. 1978 wurde Erich Stüber Nachfolger von Wendelin Götz als Ortsvorsteher. Im gleichen Jahr überschritt der Ort die Marke von 2000 Einwohnern. Bis 1988 wurde das Neubaugebiet Streibelgrund komplett erschlossen. 1994 wurden im Ort Erdgasleitungen verlegt.

1994 beging Ottersdorf sein 1000jähriges Bestehen mit umfangreichen Feierlichkeiten, darunter auch das mittlerweile traditionelle Aufstellen des Maibaums am Kirchplatz. Ende 2006 überschritt die Einwohnerzahl die 2.500er-Marke, wenn auch nur vorübergehend.[1]

Bevölkerung

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohnerzahlen
30. Juni 2003 2.328
30. Juni 2004 2.335
Ende 2006 2.500
30. Juni 2007 2.380
31. März 2008 2.490[1]

Zuzüge im Zeitraum von 2004 bis 2008: 944

Wegzüge im gleichen Zeitraum ähnlich hoch.

Demographie

Die folgenden Angaben beziehen sich auf die Bevölkerungsstatistik mit Stand vom 31. März 2008.[1]

Geschlechter

Anteil an der Bevölkerung:

  • Frauen: 51,12 %
  • Männer: 48,88 %

Religion

  • katholisch: 65,6 %
  • evangelisch: 15,4 %
  • „verschieden denkend“: 16,06 %
  • Muslime/Sonstige: 0,04 %

Anteil der Kinder, die nicht getauft sind: 2,69 %

Kriminalität

  • 2006: 43 Straftaten
    • Diebstähle: 20
      • davon schwere Diebstähle: 14
    • Vermögensdelikte: 3
    • Sachbeschädigungen: 11
    • Straßenkriminalität: 20
  • 2007: 59 Straftaten
    • Diebstähle: 30
      • schwere Diebstähle: 26
    • Vermögensdelikte: 10
    • Sachbeschädigungen: 3
    • Straßenkriminalität: 27
  • 2009: 34 Straftaten[2]
  • 2010: 42 Straftaten[2]
    • davon Diebstähle: 15

Politik

Seit der Eingemeindung in die Stadt Rastatt gibt es einen Ortschaftsrat für die Belange des Ortsteils, der auch den Ortsvorsteher wählt, welcher dieses Amt nebenberuflich ausübt. Weiterhin werden die Ottersdorfer von zwei Gemeinderäten im Gemeinderat der Stadt Rastatt vertreten.

Traditionell ist die CDU stärkste Partei. Weitere Parteien im Ortschaftsrat sind die SPD und die Freien Wähler.

Ergebnisse der Ortschaftsratswahlen

Partei 2009 2004
Stimmen Anteil Sitze Stimmen Anteil Sitze
CDU 4525 46,25% 5 4583 47,48% 5
SPD 2939 30,22% 3 2701 27,98% 3
FW 2262 23,26% 2 2368 24,53% 2

Ortschaftsräte :

CDU: Stefan Lott (Ortsvorsteher), Klaus Groß, Johann Butz, Tobias Bailer, Armin Fritz

SPD: Nicole Maier-Rechenbach (1.stellv. Ortsvorsteherin), Peter Krupp, Daniela Galant

FWG: Rainer Fritz (2. stellv. Ortsvorsteher), Kurt Schneider

Bildung

Ottersdorf verfügt über eine Grundschule sowie einen städtischen Kindergarten.

Grundschule Ottersdorf

Altes Schulhaus (ab 1910), rechts im Hintergrund der Anbau von 1955
Anbau des Schulhauses (1980), rechts Mehrzweckhalle von 1955

Vermutlich wurde schon seit dem 15. Jahrhundert Unterricht durch die jeweiligen Pfarrer erteilt. Die ersten Lehrer, von denen auch urkundliche Zeugnisse vorliegen, wurden ab 1704 angestellt. Im Jahr 1836 wurde eine Hauptlehrerstelle eingerichtet, ab 1858 zusätzlich eine Unterlehrerstelle. Letztere sollte 1874 in eine zweite Hauptlehrerstelle umgewandelt werden. Der Gemeinderat und der Ortsschulrat erbaten sich Zeit, um eine Wohnung für den Lehrer einzurichten. So wurde ab 1875 ein zweiter Hauptlehrer eingestellt. Waren es 1838 erstmals über 100 Schüler, so wurde die 200er-Grenze erstmals im Jahr 1888 überschritten. 1911 wurde neuerlich eine Unterlehrerstelle geschaffen. 1914 kam vorübergehend eine neue hinzu, die aber wegen des Ersten Weltkrieges bis 1919 unbesetzt blieb. Später wuchs die Ottersdorfer Schule weiter an Lehrkräften.

In Folge der Gemeindereform wurde Wintersdorf eine Hauptschule zugeteilt, während Ottersdorf die Grundschule erhielt. Seit dem Schuljahr 1967/1968 gehen daher auch die Wintersdorfer Grundschüler in die Ottersdorfer Schule. Die Schülerzahlen stiegen in den 1970er-Jahren auf rund 230, fielen aber seither und pendeln nun zwischen 150 und 200.

Die Schule war bis 1840 in dem Haus Wilhelmstraße 20 untergebracht. Bis 1910 wurde der Unterricht im heutigen Rathaus abgehalten. Seit 1910 wird das heutige Gebäude am Ortsausgang Richtung Wintersdorf genutzt, das 1955 mitsamt einer Turnhalle erweitert wurde. 1974 wurde die Turnhalle in eine Mehrzweckhalle umgebaut. 1980 erhielt die Schule einen Anbau, der später für einen kleinen Skandal sorgte, da das Gebäude hochgradig mit Formaldehyd belastet war.

Kindergarten

Altes Kindergartengebäude, links am Rand ein Teil des Anbaus von 1987
Die „Kinderschule Ottersdorf“, die den bisherigen Kindergarten im September 2008 abgelöst hat

Obwohl die Einrichtung eines Kindergartens schon seit 1907 im Gespräch war, kam es wegen Geldmangels nicht dazu. Erst 1937 wurde ein Kindergarten von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt eingerichtet. Genutzt wurden Räumlichkeiten im heutigen Rathaus. Da das Personal nach einem Granatenbeschuss am 12. Dezember 1944 zu militärischen Hilfsdiensten herangezogen wurde, musste der Kindergarten schließen. Nach dem Krieg wurde er unter Leitung der katholischen Kirche neu eröffnet. Als Gebäude diente das ehemalige Heim der Hitlerjugend in der Lindenstraße. Seit der Fusion Ottersdorfs mit Rastatt 1971 wurde der Kindergarten überwiegend von der Stadt getragen. Im Zuge des Umbaus im Jahr 1987 ging die Trägerschaft endgültig an die Stadt Rastatt über.

Da die Fläche für die Zahl der Kinder nicht mehr dem Standard entsprach, wurde unter dem Projektnamen Kinderschule Ottersdorf ein neuer Kindergarten neben der Grundschule in 13 Monaten Bauzeit errichtet, wobei es sich laut Aussage des Ortsvorstehers um das größte kommunale Gebäude in den letzten 50 Jahren handelt. Am 8. September 2008 wurde der Betrieb aufgenommen, die offizielle Einweihung fand am 12. September statt. Zu den Einrichtungen gehören ein Mehrzweckraum sowie ein Raum, in dem die Kinder spielend Französisch lernen sollen. Nach einem endgültigen Namen für die Einrichtung wird noch gesucht.

Der alte Kindergarten sollte in drei Grundstücke aufgeteilt und verkauft werden.[3] Letztendlich kaufte ein Investor das Areal. Es sollen dort Doppelwohnhäuser entstehen.[4]

Das bislang dort befindliche Wahllokal wurde in das katholische Gemeindehaus verlegt.[5] Mittlerweile wurde das Gebäude abgerissen. Ab Mai 2010 sollen auf dem Areal acht Doppelhaushälften gebaut werden.[6]

Religion

Es gibt heute zwei Kirchengemeinden in Ottersdorf.

Katholische Pfarrgemeinde Sankt Ägidius

Zwar finden sich über Ottersdorf erst 1371 Aufzeichnungen über eine Kirche. Ab diesem Zeitpunkt wurde Ottersdorf allerdings zum Zentrum des kirchlichen Lebens der damals noch fünf Riedorte.

Von der früheren Kirche ist eine Beschreibung aus dem Jahr 1777 erhalten, das in lateinischer Sprache berichtet. Offenkundig waren die Innenproportionen des Gebäudes sehr ungünstig, da das Kirchenschiff breiter als lang und das Langhaus teilweise um den Kirchturm herum gebaut war. 1833 riss man es ab und baute die heutige Kirche Sankt Ägidius im romanischen Stil.

Ihr Turm hat eine Höhe von 28 Metern. Er ist heute mit vier Glocken ausgestattet ist.

Bislang wurde die Kirche zweimal restauriert. 1884 führte dies der Dekorationsmaler Flick aus Bühl durch, im Jahr 1938 dann Josef Wagenbrenner aus Rastatt. 1978 erhielt die Kirche an der Nordseite einen Anbau nach Plänen des damaligen Pfarrers Wolfgang Storf. Heute dient er als Sakristei.

Aus ungeklärten Gründen wurde die Kirche nach dem Bau nur gesegnet, nicht geweiht. Erst 150 Jahre später, am 25. November 1984, wurde die Weihe nachgeholt.[7]

Evangelische Kirchengemeinde „Paul Gerhardt“

Wie im Gebiet um Rastatt üblich ist die Mehrheit der Bevölkerung katholisch. Bis zum Zweiten Weltkrieg gab es fast keine Protestanten in Ottersdorf – 1904 lebte gerade mal ein evangelischer Christ im Ort. Im Laufe des Krieges kamen einige durch Einheirat hinzu. Durch die anschließenden Wanderbewegungen nahm ihr Anteil zu.

Den evangelischen Christen war zwar angeboten worden, die katholische Kirche für Gottesdienste zu nutzen, aber die kleine Menge kam sich dort recht verloren vor. 1952 entstanden die ersten größeren Gemeindestrukturen, wodurch die Ottersdorfer Teil der „Evangelischen Gemeinde Wintersdorf“ wurden, die wiederum eine Filialgemeinde von Rastatt war. Die Protestanten in Ottersdorf sind seither in einer Kirchengemeinde zusammen mit den evangelischen Christen in den Orten Wintersdorf, Iffezheim und Hügelsheim. 1964 wurde der Grundstein für eine eigene Kirche in Iffezheim gelegt. 1980 benannte man sich in „Evangelische Paul-Gerhardt-Gemeinde Iffezheim, Hügelsheim, Ottersdorf, Wintersdorf“ um. Bis 1987 fanden Gottesdienste in Räumen der Grundschule statt. Überlegungen zu einer eigenen Kirche gab es schon länger, aber erst durch ein Angebot der Volksbank, deren ehemalige Filiale in der Weststraße zu kaufen, wurde dies möglich. Es wurden ein Gemeinderaum und eine Wohnung für die Kirchendienerin geschaffen, was aber bald zu klein wurde. Nach weiteren Umbauten verfügt die Gemeinde heute über ein Gemeindezentrum mit zusätzlichem Gemeinderaum und einer kleinen Kirche.

Vereine

Im dörflichen Leben spielen Vereine eine erhebliche Rolle.

Frühere Vereine

Im 19. Jahrhundert war der bedeutendste nichtkirchliche Verein der sogenannte Veteranenverein, der am 6. Juni 1865 gegründet wurde. Er nahm an verschiedenen gesellschaftlichen Veranstaltungen teil und fungierte als Kasse, die den Witwen verstorbener Mitglieder eine Prämie auszahlte. Ab etwa 1894 bis 1914 hieß er Militärverein, von 1929 bis 1935 Militär- und Kriegerverein. Anschließend wurde er im Rahmen der Gleichschaltung in Nazi-Deutschland zur Kriegerkameradschaft Ottersdorf, die letztendlich bis 1939 bestand.

Opfer des Hitler-Regimes wurden die von den Nazis als sozialistisch angesehenen Vereine (siehe Geschichte), die zwangsweise aufgelöst wurden.

Offenbar hatte Ottersdorf über lange Zeiten einen guten Kirchenchor, da sich hierzu viele Belege aus dem 19. Jahrhundert finden lassen. Eine Rechnung für Singerstühle aus dem Jahr 1727 deutet darauf hin, dass es wohl schon viel früher Kirchenmusik im Ort gab.

Es finden sich ebenso Berichte über einen Ottersdorfer Gesangsverein, der jedoch auch nur eine Abteilung des Veteranenvereins gewesen sein könnte. Bis zur Gründung des heutigen Männergesangvereins finden sich wiederholt Berichte über Männerchöre aus Ottersdorf.

Am 22. Januar 1893 wurde der Katholische Männerverein gegründet, der in den folgenden Jahren gesellschaftliche Veranstaltungen durchführte. 1911 beteiligte er sich am Festumzug des Militärvereins. Anschließend trat er anscheinend nur noch bei Beerdigungen von Mitgliedern in Erscheinung und verschwand 1914 letztendlich ganz.

Es gab auch einen Katholischen Arbeiterverein, über den wenig bekannt ist. Sicher ist, dass er irgendwann vor 1902 gegründet worden sein muss und irgendwann gegen 1914 verschwand.

Im Jahr 1894 bildete sich der Pfeifenklub, der fast vollständig aus Junggesellen bestand und schon bald als sozialdemokratisch galt. Der Verein verschrieb sich nach eigenen Angaben der „Pflege gemütlichen Zusammenseins“. Er wurde offenbar von Pfarrverweser Götz „lebhaft angefeindet“, wie es in einem Bericht aus dem Jahre 1896 heißt. Dort wird auch davon berichtet, dass sich der Verein aufgelöst habe.

Im Laufe des späten 18. sowie dem ganzen 19. Jahrhundert finden sich Berichte über Musikkapellen in Ottersdorf, die zu unterschiedlichen Anlässen spielten. Diese Belege verlieren sich zum Ersten Weltkrieg hin, wohl weil die Mitglieder der Kapellen schon alt oder verstorben waren.

Am 20. November 1898 wurde vom Rastatter Gewerbeverein eine Handwerkerversammlung abgehalten, um dort die Gründung eines ähnlichen Vereins anzustoßen. Der daraus entstandene Handwerkerverein bestand über den Ersten Weltkrieg hinaus. Parallel dazu gab es als Konkurrenz den Junghandwerkerverein, der in den Jahren von 1922 bis 1934 erwähnt wird. Der Handwerkerverein hatte nie viele Mitglieder (meist um die 20) und fiel letztendlich wohl der Gleichschaltung der Nazis zum Opfer.

Weiterhin gab es in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts Gründungen von Bauernvereinen und einem Entenzüchterverein.

Zusätzlich gab es einige Genossenschaften. So gab es von 1912 bis 1953 eine Bäuerliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft Ottersdorf, von 1922 bis 1963 eine Dreschgenossenschaft und von 1935 bis 1969 eine Milchgenossenschaft. Erstere beiden fusionierten mit der örtlichen Genossenschaftsbank.

Diese war ursprünglich auch als Verein organisiert und 1901 als Kreditverein Ottersdorf gegründet worden. 1961 wurde sie in Raiffeisenkasse Ottersdorf, 1971 in Raiffeisenbank Ottersdorf umbenannt. Von 1964 bis 1986 befand sich die Bank in einem Gebäude in der Weststraße, das heute von der evangelischen Gemeinde genutzt wird. Nach mehreren weiteren Fusionen (1976 mit Wintersdorf zur Raiffeisenbank Rastatt, 1983 mit der Volksbank Rastatt) fand die bis heute letzte Fusion statt, bei der die Volksbank Rastatt in der heutigen Volksbank Baden-Baden · Rastatt aufging. Seit 1986 hat die örtliche Bankfiliale ihren Sitz im ehemaligen Rathaus direkt bei der Kirche.

TTF Ottersdorf

Die Tischtennisfreunde Ottersdorf, die sich 1981 konstituierten, haben sich im Mai 2011 aufgelöst. Am 24. Januar 1981 des Jahres startete man mit 45 Gründungsmitgliedern. Schon zum Jahresende hatte man 84 Mitglieder, weshalb man elf neue Tische erwarb. Die Mitgliederzahl wuchs weiter, so dass man zum zehnjährigen Bestehen schon bei rund 150 Mitgliedern war und 6 Mannschaften in allen Bereichen (Schüler, Jugend, Damen und Herren) hatte. Im Mai 2009 hatte der Verein 126 Mitglieder.[8] Eine ähnliche Anzahl hatte der Verein zum Zeitpunkt seiner Auflösung.

Die letzten zwei Jahre des Vereins waren von Querelen überschattet. Nach einem Vorstandswechsel war es zu internen Spannungen und Meinungsverschiedenheiten über die Ausrichtung des Vereins gekommen. Auf der letzten außerordentlichen Mitgliedsversammlung, an der knapp zwei Dutzend Vereinsmitglieder teilnahmen, wurde eine Verschlankung des Vorstandes und eine Beitragssenkung auf 15 Euro Jahresbeitrag beschlossen. Dennoch fand sich niemand, der bereit war, die Führung des Vereins zu übernehmen. Daher kandidierte die letzte Vereinsvorsitzende Nora Pallek erneut für das Amt, um nach dem Beschluss der Auflösung als Liquidatorin zu fungieren.[9]

Billardclub Ottersdorf

Der örtliche Billardclub wurde am 22. Oktober 1970 gegründet. Zu dieser Zeit stand lediglich ein Billardtisch im Gasthaus „Zum Schwert“ zur Verfügung. Schon bald hatte der Club an die 50 Mitglieder. Schwierige Zeiten brachen für den Verein an, als man ab 1987 aus „besonderen Gründen“ gezwungen war, den Spielbetrieb in Ottersdorf selbst einzustellen und stattdessen in Rastatt zu spielen. Aber schon 1988 konnte man im Gasthaus „Zur Linde“ einen Klubraum beziehen. Mitte der 1990er Jahre musste man aus Platzmangel in einen neuen Klubraum im Gasthaus „Zum Grünen Baum“ umziehen. Zu dieser Zeit hatte der Verein über 80 Mitglieder. Ab 2006 war Björn Bohe der 1. Vorsitzende. Der Billardclub befand sich seit Anfang 2005 in einer sehr schwierigen Situation. Sehr hohe laufende Kosten, immer weniger Interessenten am Billardsport und immer wieder schlechte Erfahrungen mit den Klubräumen. Der BCO zählte 2007 nur noch 6 Aktive. Der BCO hat sein momentanes Vereinslokal im Gasthaus „DA MEMO“ (ehemals Gasthaus „Linde“) Trotz solcher Umstände gelang dem BCO zum wiederholten Male der Gewinn der Landesmeisterschaft. Die Mannschaft war damit die erfolgreichste im Ort. Die Spieler: Björn Bohe, Norbert Engler, Klaus Götzmann, K.-H. Weidlich, Roland Kutschera, Ferdinand Liedtke, Joachim Vogt.

Die Auflösung wurde am 6. Juli 2011 beschlossen und satzungsbedingt am 18. Juli 2011 auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung endgültig. Der Grund für die Entscheidung war eine unzureichende Spieleranzahl. Zuletzt gab es nur noch drei aktive Spieler und zwei Jugendliche im Training. Wegen krankheitsbedingter Ausfälle und Ligaregularien konnte weder eine Oberliga- noch eine Verbandsligamannschaft weitergeführt werden. Der Verein hatte 48 Mitglieder bei seiner Auflösung.[10] Die endgültige Auflösung nach einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde am 29. Juli 2011 bekannt. Bei der Versammlung war nochmals die Sachlage diskutiert worden, aber es konnte keine Lösung gefunden werden. Es wurden Liquidatoren bestimmt. Das Vereinsvermögen wir dem Deutschen Sportbund überlassen, der dies ausschließlich für gemeinnützige Zwecke verwenden darf.[11]

ASV Ottersdorf

Vereinsheim des ASV Ottersdorf

Die an Angelsport interessierten Ottersdorfer gründeten im Jahr 1979 eine „Interessengemeinschaft“, die am 3. Juli 1981 bei einer Gründungsversammlung in dem neu gegründeten Angelsportverein Ottersdorf 1981 e. V. (üblicherweise kurz ASV Ottersdorf) aufging. Er etablierte sich recht schnell im Ort und beschloss schon 1986, sich ein Vereinsheim zu bauen. Zu dieser Zeit hatte der Verein schon über 200 Mitglieder. Bis das Vereinsheim aber bezogen werden konnte, sollte es noch bis 1991 dauern.

Freiwillige Feuerwehr Ottersdorf

Feuerwehrhaus von 1984

Schon aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind Belege darüber bekannt, dass Brandschutzmaßnahmen getroffen wurde. Wann die erste Feuerspritze angeschafft wurde, ist nicht bekannt, jedoch wird im Jahr 1819 eine solche erwähnt. 1868 wurde dann eine neue Feuerspritze angeschafft, die bis heute noch erhalten ist. Sie wurde Ende der 1980er Jahre restauriert und kommt bei festlichen Umzügen zum Einsatz.

Eine Feuerwehr wurde allerdings erst viel später eingerichtet. Erste Bestrebungen hierzu sind aus dem Jahr 1894 bekannt. Aber erst am 30. Juli 1937 fand eine Gründungsversammlung statt, bei der 28 Männer beitraten. Während des Zweiten Weltkrieges mussten viele Feuerwehrmänner als Soldaten dienen, so dass eine Ersatzmannschaft mit älteren Männern sowie eine weibliche Feuerwehr mit 41 Frauen aufgestellt wurde. Seit der Fusion Ottersdorfs mit der Stadt Rastatt 1971 ist die Feuerwehr die Abteilung 7 der Freiwilligen Feuerwehr Rastatt. Eine weitere Folge der Fusion war, dass ab 1977 nach und nach die im Zweiten Weltkrieg angelegten Tiefbrunnen durch Unterflurhydranten ergänzt bzw. ersetzt wurden. Heute sind noch 7 Tiefbrunnen nutzbar. Bis 1964 war die Feuerwehr in dem Gebäude des alten Rathauses untergebracht. Danach zog es in ein Nebengebäude des heutigen Rathauses um. In den Jahren 1983 und 1984 entstand dann das heutige Feuerwehrhaus. 1971 erhielt die Wehr ein Löschgruppenfahrzeug LF 8, das mittlerweile nach über 30-jähriger Nutzung durch ein neues Löschgruppenfahrzeug LF 8/6 ersetzt werden konnte. Das alte Fahrzeug wurde von der Feuerwehr im elsässischen Wintzenbach aufgekauft, mit der seither eine grenzüberschreitende Freundschaft gepflegt wird. 1988 kam zu den Beständen der Wehr noch ein Mannschaftstransportfahrzeug hinzu. Seit dem 25. Mai 1990 existiert zudem eine Jugendfeuerwehr, die erfolgreich Jugendarbeit betreibt. Mittlerweile sind große Teile der aktiven Mannschaft, so auch der derzeitige Abteilungskommandant, ehemalige Mitglieder der Jugendfeuerwehr.

Fußballverein Ottersdorf

Schon in den 1920er Jahren wurden in Ottersdorf Fußballspiele ausgetragen, zu der Zeit noch unter dem Dach des Turnvereins. Als offizielles Gründungsjahr des FVO - ebenfalls noch als Abteilung der Turnerschaft - gilt das Jahr 1935. Nach einer zwangsläufigen Unterbrechung des Spielbetriebs durch den Zweiten Weltkrieg wurde 1946 der Spielbetrieb wieder aufgenommen. 1951 wurde beschlossen, die Fußballabteilung auszulagern, wodurch der Fußballverein Ottersdorf entstand. 1968 baute man sich am Sportplatz ein Clubhaus. Hinzu kamen seitens der Stadt Rastatt ein zusätzlicher Hartplatz im Jahr 1972 und ein renoviertes Rasenspielfeld im Jahr 1975. In den Jahren 1966/1967 hatte der Verein eine der stärksten Mannschaften seiner Geschichte, die in die höchste Bezirksklasse aufstieg. Aber auch heute ist der FVO oft erfolgreicher als viele Clubs der Umgebung. In den letzten Jahren spielte der Verein immer wieder in der Bezirksliga. Auch im Jugendbereich hat man einige Erfolge zu verzeichnen. Eine Damenmannschaft hatte man vorübergehend Anfang der 1970er Jahre. Sie wurde 1971 Bezirksmeister, musste aber bald wieder aufgelöst werden, weil nicht genügend Spielerinnen vorhanden waren und die Kosten für Auswärtsspiele jenseits des Bezirks zu hoch gewesen wären. Seit 1995 gibt es wieder eine Damenmannschaft, die allerdings in der Saison 2010/11 vom Spielbetrieb aussetzte, da mehrfach Spiele mangels einer spielfähigen Mannschaft abgesagt werden mussten. Seit 2001 gibt es auch wieder eine Mädchenmannschaft, die derzeit aber an keinem aktiven Spielbetrieb teilnimmt. Ralf Metzger ist der heutige Vorstand.

MGV Freundschaft

1899 kam die Idee auf, einen Gesangverein zu gründen, was im Jahr 1900 in die Tat umgesetzt wurde, zunächst in Form eines reinen Männerchors[12]. 1903 weihte man die eigene Fahne und 1911 gewann man ein Wertungssingen in Renchen. Die Aktivitäten wurden vom Ersten Weltkrieg unterbrochen, da die meisten Mitglieder zum Militär mussten. Letztendlich kehrten 22 von ihnen nicht mehr zurück. Der Verein nahm seine Aktivitäten aber nach dem Krieg wieder auf, wurde aber 1933 zwangsweise verboten, da er dem Arbeiter-Sängerbund angehörte und damit von dem Nazi-Regime als sozialistisch eingestuft wurde. Erst 1938 gelang die Neugründung des Vereins. Im Zweiten Weltkrieg verlor der Verein 11 seiner Mitglieder. 4 weitere waren vermisst. In der Nachkriegszeit wurden die Aktivitäten schon am 18. August 1946 wieder aufgenommen. Seither betreibt der Verein erfolgreich seine Arbeit im Ort. Seit 1969 singen auch Frauen mit.[12] In den letzten Jahren hat der Chor zunehmend mit Nachwuchssorgen zu kämpfen.

Herzgruppe Rastatt

Dieser Verein wurde am 16. September 1978 in Ottersdorf als Koronargruppe Rastatt gegründet, um Sport für Infarktpatienten anzubieten. Obwohl nicht direkt ein Ottersdorfer Verein, betrieb er besonders in den ersten Jahren die meisten seiner Aktivitäten in Ottersdorf. Er verfügt heute über mehr als 100 Mitglieder. 1983 schloss er sich mit anderen Gruppen aus der Umgebung zur Arbeitsgemeinschaft Ambulante Herzgruppen Landkreis Rastatt – Stadtkreis Baden-Baden zusammen.

Ottersdorfer Kirchenchor (Cäcilienverein)

Die ersten Dokumente über einen zur katholischen Gemeinde St. Ägidius Ottersdorf gehörenden Kirchenchor stammen aus dem Jahr 1893. Seither sind nahezu lückenlos Aufzeichnungen über die Aktivitäten des Vereins erhalten, der ohne Unterbrechung auch durch die Weltkriege hindurch aktiv blieb. Anfänglich übernahmen die Lehrer im Ort die Chorleitung. Da man 1928 hierfür niemand Geeignetes mehr finden konnte, übernahm der Vorstand selbst die Chorleitung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Chorleitung auch immer wieder von Kirchenmusikern übernommen, aber auch von eigenen Mitgliedern. Seit 1987 hat der Chor eine Theatergruppe, die alle zwei Jahre ein neues Stück aufführt.[13]

Kleintierzuchtverein C 959 Ottersdorf

Der Kleintierzuchtverein wurde am 8. März 1958 gegründet und nahm noch im gleichen Jahr an einer Lokalschau teil. 1972 wurde ein Vereinsheim gekauft, das auf einem gepachteten Gelände errichtet wurde. 1979 konnte der Verein dann das Gelände selbst erwerben. In seiner Geschichte war der Verein bei zahlreichen Kreisschauen erfolgreich. Weithin bekannt ist er für sein Hähnchenfest, das 1983 erstmals durchgeführt wurde.

Musikverein Ottersdorf

1925 beschlossen sechs junge Männer aus Ottersdorf, ein Darlehen über 900 Reichsmark aufzunehmen und sich dafür Instrumente zu kaufen, um eine Musikkapelle zu gründen. Der daraus entstandene Musikverein hatte schon 4 Monate nach Gründung seinen ersten Auftritt und war bis zum Zweiten Weltkrieg aktiv. Der letzte Auftritt fand am 3. September 1939 statt, und fast genau ein Jahr später, am 2. September 1940, trafen sich die Mitglieder letztmalig. Nach Absprache mit der französischen Militärregierung konnte am 29. Mai 1948 die Wiedergründung des Musikvereins Ottersdorf stattfinden. Ab 1950 wurden auch passive Mitglieder aufgenommen, und 1955 wurde man zu einem eingetragenen Verein. Ab 1978 gab es auch eine aktive Mitgliedschaft für Musikerinnen und es wurde zunehmend Jugendwerbung durchgeführt. Die Jugend des Vereins zählt hierdurch mittlerweile mehr als 25 Mitglieder.

Obst- und Gartenbauverein

Der Verein wurde ursprünglich im Jahr 1937 gegründet. Auch er musste im Zweiten Weltkrieg seine Aktivitäten einstellen, wurde aber am 31. Mai 1957 neu gegründet und ist seither durchgehend im Ort aktiv. Heute zählt er über 150 Mitglieder.

Tennisclub „Rot-Gold Ottersdorf“

Obwohl erst am 9. April 1981 gegründet, konnte der Verein dank des Engagements der Mitglieder schon 1983 auf zwei eigenen Plätzen spielen. 1984 kam das Clubhaus hinzu. Auch sportliche Erfolge konnte man erzielen. So wurde man 1988 Meister in der 1. Kreisklasse und stieg in die 2. Kreisliga auf. Dort schaffte das Team als Vizemeister wiederum den Aufstieg in die 1. Kreisliga. Ebenfalls im Jahr 1989 wurde die Juniorenmannschaft des Vereins ungeschlagen Gruppensieger. Im Jahr darauf gelangen wiederum Plätze in der oberen Hälfte.

Turnerschaft Ottersdorf

Die 1926 gegründete Turnerschaft ist ein Traditionsverein des Ortes und auch Keimzelle des späteren Fußballvereins. Er konnte seine Aktivitäten bis 1939 aufrechterhalten, was danach aber unmöglich wurde, weil fast alle aktiven Sportler eingezogen wurden. Insgesamt 37 Mitglieder waren bei Kriegsende tot oder als vermisst gemeldet. Nachdem die Besatzungsmächte 1948 den Verein wieder zuließen, nahm man die Aktivitäten wieder auf. Verschiedene sportliche Erfolge stellten sich über die Jahre ein, darunter badische Meisterschaften und Teilnahmen bei deutschen Meisterschaften. Seit 1974 ist man auch vermehrt in der Leichtathletik aktiv. Mittlerweile haben Ottersdorfer Athleten an Länderkämpfen teilgenommen, einige badische Meisterschaften gewonnen und mehrere hunderte Kreismeistertitel eingeheimst. Der Verein hat heute an die 600 Mitglieder.

VdK Ortsgruppe Ottersdorf

Der Verband der Kriegs- und Wehrdienstopfer (VdK) wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als Selbsthilfeorganisation gegründet, so auch die Ortsgruppe Ottersdorf. Am 24. Februar 1951 fand die Gründungsversammlung im Gasthaus „Zum Goldenen Schwert“ statt. Anfänglich hatte man 26 Mitglieder, was bis 1965 auf die Zahl von 82 anwuchs, was gleichzeitig auch den Höchststand markierte. Seither sinkt die Zahl der Mitglieder, vor allem durch zahlreiche Todesfälle. 1993 hatte der Verein lediglich noch 44 Mitglieder.

Wirtschaft

Neben dem Pkw-Werk der Daimler AG, das teilweise auf Ottersdorfer Gemarkung liegt, gibt es in Ottersdorf einige mittelständische Betriebe. Das kleine Gewerbegebiet beherbergt:

  • Als größtes Unternehmen die Lawo AG, Hersteller digitaler Mischpulte und Kreuzschienen für Rundfunk, Fernsehen, Theater und Beschallung. Das 1970 gegründete Unternehmen beschäftigt heute weltweit ca. 170 Mitarbeiter.
  • Das Bauunternehmen Himmel, das seit 1975 im Industriegebiet Ottersdorf angesiedelt ist, beschäftigt heute ungefähr 23 Mitarbeiter und feierte am 29. Juli 2006 sein 100-jähriges Bestehen.
Gasthaus Zum Lamm und Eingang des Riedmuseums

Ottersdorf verfügt für einen Ort seiner Größe über eine Vielfalt an Gaststätten.

Literatur

  • Franz Ruf; Stadt Rastatt (Ortsverwaltung Ottersdorf) (Hrsg.): Geschichte des Rastatter Stadtteils Ottersdorf. Dürrschnabel, Elchesheim-Illingen o. J. [1994].
  • Martin Lott: Versuch einer Kategorisierung grammatischer Differenzen am Beispiel der Mundart von Ottersdorf. Kovač, Hamburg 1996, ISBN 978-3-86064-441-6.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c Auch in Ottersdorf ‚Keine heile Welt‘. In: Badisches Tagblatt, 24. Mai 2008; über Kriminal- und Bevölkerungsstatistik
  2. a b Badisches Tagblatt, „Breitere Gehsteige, neue Ampel“, 17. Juni 2011
  3. Neue Tagesstätte am Start. In: Badisches Tagblatt, 12. September 2008
  4. Schulweg soll sicherer werden. In: Badisches Tagblatt, 26. November 2009
  5. Neues Wahllokal erforderlich. In: Badisches Tagblatt, 14. November 2008
  6. Vier Doppelhäuser entstehen in Ottersdorf. In: Badisches Tagblatt, 24. April 2010
  7. Ottersdorfer Kirche feiert zwei Jubiläen auf einmal. In: Badisches Tagblatt, 16. April 2009
  8. Haussegen hängt schief. In: Badisches Tagblatt, 13. Mai 2009
  9. Aus für Tischtennisfreunde, Badisches Tagblatt, 23. Mai 2011
  10. Badisches Tagblatt, „Billard-Club Ottersdorf löst sich auf“, 6. Juli 2011
  11. Badisches Tagblatt, „Ottersdorfer Billard-Club ist Geschichte“, 29. Juli 2011
  12. a b Badisches Tagblatt, Rund hundert Sänger bieten beeindruckendes Finale, 2. November 2011
  13. Badisches Tagblatt, Alles dreht sich um verrückten Campingplatz, 2. November 2011

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