Otto Hesse


Otto Hesse
Otto Hesse, Fotografie um 1860

Otto Hesse (Ludwig Otto Hesse; * 22. April 1811 in Königsberg (Preußen); † 4. August 1874 in München) war ein deutscher Mathematiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Hesse wurde in Königsberg als Sohn von Johann Gottlieb Hesse (1791-1829), einem Kaufmann und Brauereibesitzer und dessen Frau Anna Karoline Reiter (1788-1865) geboren. Er studierte von 1833-1837 in seiner Heimatstadt an der Albertus-Universität Königsberg bei Carl Gustav Jacob Jacobi und war dort beim Corps Masovia aktiv. Zu seinen Lehrern zählten auch Friedrich Wilhelm Bessel und sein Corpsbruder Friedrich Julius Richelot.[1] Außerdem besuchte er die physikalischen Vorlesungen von Ludwig Moser und Franz Ernst Neumann. 1837 bestand er das Oberlehrerexamen für Mathematik und Physik. Nach einer längeren Fußreise durch Deutschland, Österreich und die Schweiz unterrichtete er Physik und Chemie an der neugegründeten Gewerbeschule Königsberg. Bei Jacobi promovierte er 1840 über das Thema De octo punctis intersectionis trium superficium secundi ordinis und habilitierte sich im selben Jahr an der philosophischen Fakultät der Albertina. 1841 heiratete er Marie Sophie Emilie Dulk, die älteste Tochter des Pharmazeuten und Chemieprofessors Friedrich Philipp Dulk und Schwester des Dramatikers Albert Dulk. Das Ehepaar hatte einen (früh verstorbenen) Sohn und 5 Töchter. Von 1840 an lehrte Hesse zunächst als Privatdozent an der Albertina, seit 1845 als außerordentlicher Professor, zunächst ohne staatliches Gehalt. 1848 beteiligte er sich an der Organisation der Bürgerwehr, 1850 wurde er stellvertretender Stadtverordneter in Königsberg. Eine ordentliche Professur erhielt er 1855 in Halle, doch bereits 1856 wechselte er nach Heidelberg. Zugunsten des wissenschaftlich-geselligen Lebens, unter anderem mit Robert Wilhelm Bunsen und Hermann von Helmholtz und als enges Mitglied im Kreise um den Schriftsteller Scheffel, beschränkte er sich auf seine gut besuchten Vorlesungen, bis er schließlich 1868 nach München an die dortige neu gegründete Polytechnische Schule berufen wurde. 1869 wurde er zum außerordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gewählt, der 1871 eine Ehrenmitgliedschaft in der Londoner Mathematical Society folgte.

Wissenschaftlich war er am produktivsten in seiner Königsberger Zeit. Hesse beschäftigte sich insbesondere mit der analytischen Geometrie und den Determinanten. Er führte die Hesse-Matrix und deren Determinante und die Hessesche Normalform der Ebene ein. Nach dem späteren Urteil von Felix Klein aus dem Jahre 1926 bekam ihm der Wechsel nach Heidelberg nicht: „Im übrigen war Heidelberg für Hesses Entwicklung nicht günstig. Er erlag dem Reiz der Neckarstadt, die zwar ein Platz geistiger Anregung, sehr viel weniger aber der angestrengten Arbeit ist. [… dort] verlebte er wohl manche vergnügte Stunde […], aber seine mathematische Produktivität ging darüber in die Brüche. […] In München wandte er sich wieder der schaffenden Tätigkeit zu, aber nur mit geteiltem Erfolg. Die Sicherheit, Richtiges und Falsches zu scheiden war ihm abhanden gekommen.[2]

Eine Randnotiz wert sind die familiären Verbindungen. Zwei Töchter Hesses waren nacheinander mit dem Bildhauer Julius Zumbusch verheiratet, eine weitere mit dem österreichisch-schweizerischen Sozialdemokraten Heinrich Scheu, Bruder von Andreas Scheu und Josef Franz Georg Scheu. Heinrich Scheu wiederum war in erster Ehe mit Anna Dulk verehelicht, Tochter von Albert Dulk, dem Bruder von Hesses 1877 verstorbener Ehefrau.

Schriften

  • Vorlesungen über analytische Geometrie des Raumes. Leipzig (3. A. 1876)
  • Vorlesungen aus der analytischen Geometrie der geraden Linie, des Punktes und des Kreises. Leipzig (1881). Hrsg. A. Gundelfinger
  • Die Determinanten elementar behandelt. Leipzig (2. A. 1872)
  • Die vier Species. Leipzig (1872)

Seine Gesammelten Werke wurden 1897 von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften herausgegeben.

Literatur

  • Moritz Cantor: Hesse, Otto. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 12, Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 306 f.
  • Ludwig Otto Hesse's gesammelte Werke, hrsg. von der mathematischen-physikalischen Classe der Königlich Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 1897. Darin enthalten sein Lebenslauf, S. 711-721 [1]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Verzeichnis sämtlicher Mitglieder des Corps Masovia 1823 bis 2005. Potsdam 2006
  2. Felix Klein: Vorlesungen über die Entwicklung der Mathematik im 19. Jahrhundert. In: Grundlehren der mathematischen Wissenschaften. Die Grundlehren der Mathematischen Wissenschaften in Einzeldarstellungen mit besonderer Berücksichtigung der Anwendungsgebiete. 24/25, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 1979 (reprint), Die parallellaufende Entwicklung der Algebra, die Invariantentheorie, S. 159 (http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN375425993, abgerufen am 1. April 2011).

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Otto Hesse — This article is about the mathmetician. For the baseball player, see Otto Hess (baseball) . Otto Hesse Ludwig Otto Hesse (22 April 1811 – 4 August 1874) was a German mathematician. Hesse was born in Königsberg, Prussia, and died in Munich,… …   Wikipedia

  • Otto Hesse — Ludwig Otto Hesse Ludwig Otto Hesse Ludwig Otto Hesse (né le 22 avril 1811 – mort le 4 août 1874) est un mathématicien Allemand. Il est né à Königsberg, en Prusse (désormais Kaliningrad en Russie) et est mort à …   Wikipédia en Français

  • Otto Hesse (Landrat) — Otto Hesse (* 1821 in Liebenburg, Königreich Hannover; † 31. Januar 1904 in Blankenburg (Harz)) war ein preußischer Landrat. Otto Hesse wurde 1821 in Liebenburg im Königreich Hannover als Sohn des dortigen Amtmanns Carl Christian Hesse geboren… …   Deutsch Wikipedia

  • Ludwig Otto Hesse — Otto Hesse Ludwig Otto Hesse (22 abril 1811 – 4 agosto 1874) fue un matemático alemán. Hesse nació en Königsberg, Prussia, y murió en Munich, Bavaria. Trabajó en la teoría de invariantes. La matriz hessiana y la forma normal de Hesse son… …   Wikipedia Español

  • Ludwig Otto Hesse — Ludwig Otto Hesse, Fotografie um 1860 Ludwig Otto Hesse (* 22. April 1811 in Königsberg (Preußen); † 4. August 1874 in München) war ein deutscher Mathematiker. Inhaltsverzeichnis …   Deutsch Wikipedia

  • Ludwig Otto Hesse — (22 avril 1811 à Königsberg, Prusse – 4 août 1874 à Munich, Allemagne) est un mathématicien allemand qui a travaillé sur les invariants algébriques. Il a donné son nom à la courbe de Hesse, à la matrice hessienne et à la forme normale de …   Wikipédia en Français

  • Hesse — bezeichnet: einen Einwohner des Bundeslandes Hessen einen Ort im Elsass, siehe: Hesse (Elsass) einen Ort in Lothringen, siehe: Hesse (Moselle) küchensprachlich die Unterschenkel von Rindern, siehe Hesse (Fleisch) eine Pferderasse, siehe:… …   Deutsch Wikipedia

  • Hesse (disambiguation) — Hesse may refer to:Place names* The German State of Hesse ( Bundesland Hessen ), or an inhabitant there of (1946 present)* Greater Hesse was a German territory created by the US military administration in at the end of World War II (1945 1946)*… …   Wikipedia

  • Hesse (homonymie) — Hesse Cette page d’homonymie répertorie les différents sujets et articles partageant un même nom. Sommaire 1 Toponyme 1.1  Allemagne 1.2  Fr …   Wikipédia en Français

  • Hesse — Cette page d’homonymie répertorie les différents sujets et articles partageant un même nom. Sur les autres projets Wikimedia : « Hesse », sur le Wiktionnaire (dictionnaire universel) …   Wikipédia en Français


Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”

We are using cookies for the best presentation of our site. Continuing to use this site, you agree with this.