Palazzo Venezia


Palazzo Venezia
Palazzo Venezia

Der Palazzo Venezia, Palazzo di Venezia oder auch Palazzo Barbo ist ein an der Piazza Venezia in Rom gelegener Palast. Der Palast beherbergt das Museo di Palazzo Venezia und die Nationale Kunstbibliothek (Biblioteca di Archeologia e Storia dell'Arte).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Wappen Papst Paul II. am Palazzo Venezia mit der Inschrift Paulus Venetus PP. II.

Der venezianische Kardinal Pietro Barbo ließ 1455 einen kleineren Palast neben der Kirche San Marco, seiner Titularkirche, durch einen Neubau erweitern, der 1467 vollendet war. 1464 wurde Barbo als Paul II. zum Papst gewählt. Zunächst verlegte er seine päpstliche Residenz hierhin, zog aber 1470 in den Vatikan zurück.

Der Palast ging in der Folge in die Hände seines Neffen, Kardinal Marco Barbo, über. Von 1567 bis 1797 war der Palast unter dem Namen Palazzo San Marco im Besitz der Republik Venedig und diente den venezianischen Botschafter beim Heiligen Stuhl als Amtssitz. Während dieser Zeit beherbergte der Palast eine Reihe illustrer Gäste, wie Borso d’Este, Herzog von Ferrara oder den französischen König Charles VIII. Kaiser Karl V. traf sich hier mit Papst Paul III. Farnese und vereinbarte mit ihm die Einberufung des Konzils von Trient. Papst Clemens VIII. leitet hier 1597 das letzte von ihm einberufene Konsistorium.

Mit dem Frieden von Campo Formio (1797) gelangte auch der römische Palast der Serenissima in österreichischen Besitz. Während der kurzen Oberherrschaft Napoleons über Italien zwischen 1806 und 1814 verwahrloste der Palast, der Innenhof wurde als Markt benutzt, bis er während der Zeit der Restauration unter die Obhut der französischen Museumsverwaltung kam. 1814 kehrten die österreichischen Besitzer wieder zurück, der Palast wurde vorübergehend als Botschaft genutzt, die jedoch bald wegen der Baufälligkeit des Gebäudes verlegt wurde. Der Bau wurde anschließend unter Leitung des Wiener Architekten Anton Barvitius restauriert. 1916 fiel der Palazzo an den italienischen Staat. Bis 1943 war er Regierungssitz Mussolinis, der vom Balkon des Palastes seine Reden an die Römer hielt und unter anderem 1940 den Eintritt Italiens in den Krieg gegen Frankreich und Großbritannien proklamierte.

Architektur

Der Palast hat während seiner verwickelten und langjährigen Baugeschichte immer wieder gravierende Veränderungen erfahren. Der ursprüngliche Kardinalspalast mit seinem mächtigen Turm über einem quadratischen Grundriss und der anschließende Palast entsprach dem damals für römische Stadtpaläste üblichen Bautyp.

Piazza Venezia, links der Palazzo Venezia, rechts das Gebäude der Assecurazioni Generali, vorne der Treppenaufgang zum Monumento Vittorio Emanuele II.

Für die folgenden Umbauten und Erweiterungen als päpstliche Residenz werden Giuliano da Maiano, Batolomeo Bellano und Bernardo Rosselino vermutet. Die Hypothese, dass auch Alberti am Konzept beteiligt war, teilt der Palast mit anderen römischen Bauten der Zeit, es gibt aber dafür keinerlei Belege. Als Baumeister wird in der neueren Literatur Francesco da San Sepolcro genannt [1] Zunächst wurde das Areal des alten Kardinalspalastes von rund 700 m² auf 11.000 m² erweitert, einschließlich der Anlage eines Gartens, der von den päpstlichen Gemächern einzusehen war. Er wurde begrenzt von einer mit Zinnen bekrönten Loggia die wenig später durch eine weitere aufgestockt wurde.

Die heutige exponierte Lage des Palastes ergab sich erst durch die Neugestaltung der Piazza Venezia im Zuge der Errichtung des monumentalen Nationaldenkmals für Viktor Emanuel II. , die zwischen 1885 bis 1911 ausgeführt wurde und für die Teile der alten Nachbarbebauung abgerissen wurden. Ab 1911 wurde als Gegenstück zum Palazzo Venezia das Gebäude der Versicherungsgesellschaft Assicurazioni Generali, ebenso mit mächtigem Turm und mit Zinnen ausgestattet und einem Portal, das wie das des Palazzo mit dem geflügelten Markuslöwen bekrönt wird, erbaut.

Markuslöwe an der Front der Assecurazioni generali an der Piazza Venezia

Zur Piazza Venezia ist die breitgelagerte Front mit dem alten zinnenbekrönte Eckturm bestimmend. Die Nordseite des Palastes erstreckt sich entlang der Via del Plebiscito, auf der Westseite wird der Palastbezirk mit dem dahinterliegenden Garten allein durch eine Mauer mit Wehrgang begrenzt. An der Südseite schließt sich die Kirche San Marco an, die beim Bau des Palazzo in den Komplex miteinbezogen wurde.

Der Palazzo gilt als erstes großes Bauwerk der Frührenaissance in Rom. Seine von drei Fensterreihen aus weißem Marmor geschmückte, bräunliche Fassade mit abschließendem Zinnenkranz verleiht ihm einen mittelalterlichen Charakter. Die Fenster des oberen Stockwerks tragen die Form des welfischen Kreuzes. Der eigentliche Aspekt der Renaissance wird erst in der Hofloggia ersichtlich. Dort wurde die Säulenordnung des Kolosseums, typisches Merkmal der Antikenrezeption, übernommen.

Das Museum

Schon seit dem Mitte des 15. Jahrhunderts wurden im Palazzo antike Statuen aus dem Besitz Kardinal Barbos, der ein begeisterter Sammler antiker Fundstücke war, ausgestellt. Vermutlich wurden die meisten Antiken nach seinem Tod von Barbos Nachfolger Sixtus IV. in die Engelsburg überführt, ihr weiterer Verbleib ist nicht mehr nachzuweisen. 1503 wurde jedoch mit der Ernennung Domenico Grimanis eine neue Sammlung von Antiken im Palazzo begonnen. Grimani, einer der bedeutendsten Kunstsammler und Mäzene der Renaissance, richtete eine erstrangige Sammlung im Palast ein. Nach seinem Tod 1523 bemächtigte sich die Serenissima des Erbes, das den rechtmäßigen Grimani-Erben erst nach juristischen Auseinandersetzungen mit der Republik teilweise zurückerstattet wurde. Einige Stücke gelangten in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in den Vatikan. Ende des 18. Jahrhunderts schließlich wurden die letzten Antiken auf Veranlassung des venezianischen Botschafters nach Venedig gebracht.

Das Museum zeigt neben Beispielen aus seinem Lapidarium eine bedeutende Waffensammlung, einer Sammlung von Wandteppichen, Münzen und Medaillen, Stoffen, Gläsern, Emailarbeiten sowie einer Sammlung von Silberarbeiten und Holzschnitzereien.

Die Gemäldesammlung umfasst Bilder aus dem 13.–18. Jahrhundert, darunter Filippo Lippis „Mariä Verkündung mit Stiftern“ und Werke von Carlo Maratta, Guercino, Guido Reni, Domenichino, Giorgione und Giotto.

Einzelnachweise

  1. Barberini, Maria Giulia: Le origini: La dimora privata del cardinale Pietro Barbo e il palazzo di Paolo II in: Palazzo Venezia, il Palazetto e il suo lapidario. Roma 2006. S. 17.

Literatur

  • Centro Stampa Editoriale (Hrsg.): Rom und der Vatikan. Casa Editrice Perseus, ISBN 88-7280-521-X.
  • Maria Giulia Barberini, Giulia Quintiliani, Filippo Raimondo: Palazzo Venezia, il Palazetto e il suo lapidarium. Roma 2006.

Weblinks


 Commons: Palazzo Venezia in Rom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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