Palästina (Region)

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Palästina (Region)
Satellitenbild: Region Palæstina

Die Region Pal√§stina liegt an der s√ľd√∂stlichen K√ľste des Mittelmeeres und bezeichnet Teile der Gebiete des heutigen Israel, Golan, Gazastreifen, Westjordanland und Jordanien. Diese Region hat eine bewegte Geschichte, was sich in ihren vielen Namen spiegelt. Pal√§stina wird auch Kanaan, Eretz Israel und Terra Sancta/Heiliges Land, selten auch Cisjordanien genannt (arabisch ‚ÄŹŔĀŔĄō≥ō∑ŔäŔÜ‚Äé Filastńęn [filas'tňĀiňźn] o. Falastńęn [falas'tňĀiňźn], hebr√§isch: ◊ź◊®◊• ◊ô◊©◊®◊ź◊ú Eretz Jisra'el/Land Israel, in alt√§gyptischen Texten Retenu oder Retinu). F√ľr das Judentum, den Islam und das Christentum besitzt die Region eine besondere geschichtliche und religi√∂se Bedeutung.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Gebrauch des Landesnamens

Der Name Pal√§stina geht auf das Volk der Philister zur√ľck. Als Herkunftsregion der Philister wird meist die Insel Kreta genannt; ein endg√ľltiger Beweis konnte aber bis heute nicht erbracht werden. Ein Teil der Philister war vermutlich aus der Region Kreta zuerst nach Osten an die K√ľste des Mittelmeeres gelangt, und zwar mit den Seev√∂lkern, die im 12. Jh. v. Chr. √Ągypten angriffen. Vorher hatten sie mit ihren Schiffen verschiedene L√§nder an der asiatischen K√ľste attackiert. Ramses III. konnte den Angriff auf √Ągypten abwehren. Daher lie√üen sich die Philister in der K√ľstenebene bei Gaza nieder. Ein anderer Teil der Philister kam √ľber Land in das sp√§tere Philisterland. Nach ihnen benannten assyrische Texte des 8. Jahrhunderts v. Chr. die Region etwa des heutigen Gazastreifens bis Ashkalon ‚ÄěPalastu‚Äú. Der griechische Historiker Herodot (5. Jh. v. Chr.) verwendete die Bezeichnung ‚ÄěSyria palaistine‚Äú f√ľr den gesamten K√ľstenstreifen zwischen Ph√∂nikien (der Levante d. h. vor allem Libanon), dessen S√ľdgrenze er vermutlich am Karmelgebirge zog und der Gegend von Gaza, in der die Stadt Kadytis lag (s. Herodot III, 5). Das griechische Wort ‚ÄěPalaistine‚Äú wurde im Lateinischen zu ‚ÄěPalaestina‚Äú.

Als K√∂nig Alexander der Gro√üe 332 v. Chr. das Gebiet des heutigen Gazastreifens eroberte, h√∂rte die Geschichte der Philister auf. Von da an gab es kein philist√§isches Reich mehr. Kaiser Augustus √ľbertrug das ehemalige Philisterland an K√∂nig Herodes, der wiederum gab es seiner legend√§ren Schwester Salome, die daraus eine kleine j√ľdische K√ľstenprovinz machte.

Nach der Niederschlagung des 3. j√ľdischen Aufstands (Bar-Kochba-Aufstand, 132‚Äď135) benannte der r√∂mische Kaiser Hadrian das Land nach dem nicht mehr gebr√§uchlichen Namen Philist√§a f√ľr die gesamte Provinz Jud√§a um, zerst√∂rte deren Hauptstadt Jerusalem und baute auf den Ruinen der Stadt das ‚ÄěAelia Capitolina‚Äú auf. Sein Wunsch und Befehl war es, dass Jerusalem und Jud√§a f√ľr immer vergessen sein sollten. Darum wollte er auch nicht l√§nger den alten Namen des Landes Jud√§a beibehalten, um jede Erinnerung daran auszul√∂schen. Juden wurde das Betreten der Stadt und ihrer Umgebung verboten. Sie wurden aus ihrer Heimat vertrieben (siehe Diaspora) und entlang der Stra√üen nach Jerusalem zu zehntausenden gekreuzigt, so dass angeblich daher die W√§lder um Jerusalem verschwanden.

In der Spätantike wurden auch einige Gebiete östlich des Jordan geographisch zur Provinz Palaestina gerechnet, die im 4. Jahrhundert in drei Teile aufgegliedert wurde. Militärisch blieb Palaestina jedoch eine Einheit.

Als die Araber im Jahre 636 von der arabischen Halbinsel in diese Region kamen, teilten sie das Land in ‚ÄěDjunds‚Äú auf, die Milit√§rdistrikte darstellten. Das Gebiet, das den wichtigsten Teil der r√∂mischen Provinz Jud√§a (Pal√§stina Prima) bildete, erhielt den arabischen Namen ‚ÄěDjund Urdun‚Äú (Jordanien) und ‚ÄěDjund Dimashq‚Äú (Damaskus). Unter den Arabern wurde das Land abwechselnd von Damaskus, Bagdad und Kairo aus regiert.

Die Kreuzfahrer errichteten die Kreuzfahrerstaaten, darunter das Königreich Jerusalem, und nannten diese Region Heiliges Land. Seit 1517 war es Teil des Osmanischen Reiches.

Palästina (Cisjordanien & Transjordanien) um 1922

Der Name Pal√§stina wurde im 20. Jahrhundert f√ľr das britische V√∂lkerbundsmandat f√ľr Pal√§stina verwendet, das seinerseits in das kleinere Cisjordanien (neulateinisch f√ľr diesseits des Jordanflusses) vom Jordanfluss westw√§rts bis zum Mittelmeer und das gr√∂√üere Transjordanien (jenseits des Jordanflusses) im Osten aufgeteilt war, das bis 1950 die offizielle Staatsbezeichnung Jordaniens war.

Vor allem im franz√∂sischen und englischen Sprachraum ist mit Cisjordanien das ganze Gebiet westlich des Jordanflusses gemeint, und die Verwendung der Bezeichnung Cisjordanien f√ľr das Westjordanland allein ist eher selten. Dies hat Gr√ľnde im √§lteren historischen Sprachgebrauch und in der Geschichte des britischen V√∂lkerbundmandats f√ľr Pal√§stina. Im deutschen Sprachraum wird Cisjordanien selten als Bezeichnung f√ľr Westjordanland allein genommen.

Herkunft des Begriffs Palästinenser

→ Hauptartikel: Palästinenser

Das Adjektiv pal√§stinisch bezieht sich in der Regel auf das antike Pal√§stina, so zum Beispiel der Begriff ‚Äěpal√§stinische Juden‚Äú. Das Wort pal√§stinensisch hingegen kam erst seit etwa Mitte der 1970er Jahre als Selbstbezeichnung der heutigen arabischen Bev√∂lkerung von Ost-Jerusalem, Gazastreifen und Westjordanland in Gebrauch und verbreitete sich dann weltweit √ľber die Medien. Die Besatzung des Gazastreifens durch das arabische √Ągypten und die Besatzung des Westjordanlandes durch das arabische K√∂nigreich Jordanien wechselten im Zuge des Sechstagekrieges zu einer Besatzung der beiden pal√§stinensischen Gebiete durch den j√ľdischen Staat Israel. Erst durch diese politischen Entwicklungen und die Entstehung der PLO begannen die arabischen B√ľrger beider weiterhin besetzten Gebiete zunehmend Pal√§stina und Pal√§stinenser als Begriffe ihrer erhofften eigenst√§ndigen arabischen Nation zu propagieren (z. B. ‚Äěpal√§stinensischer Aufstand‚Äú). F√ľr arabische Israelis wird der Begriff Pal√§stinenser auch von diesen selbst kaum verwendet.

Geosphäre

Geologie

Pal√§stina ist in Nord-S√ľd-Richtung vom Jordangraben, einem Teil des Gro√üen Afrikanischen Grabenbruchs durchzogen, an dem die Afrikanische Platte und die Arabische Platte auseinanderdriften. In der Erdgeschichte wurde das Land der Region Pal√§stina mehrmals vom Meer √ľberflutet (Transgression) und wieder freigegeben (Regression). Der Boden wurde abwechselnd vom Meer und vom Land beeinflusst. Dies und die Abtrennung des Meeres √ľber dem heutigen Jordangraben durch tektonische Anhebung der Region hinterlie√ü verbreitete Salzeinlagerungen. Im Bereich des Jordangrabens entstanden mehrere Seen, zuletzt existierte nur noch der Lisan-See, dessen Reste der See Genesaret und das Tote Meer darstellen. Zwischen dem Jordangraben und der Ebene am Mittelmeer entstanden von S√ľden betrachtet das jud√§ische und das samaritische Gebirge, die Ebene Jesreel und das galil√§ische Gebirge. Neben der Gesteinsbildung und Formung durch verschiedene Arten der Sedimentation und tektonische Beanspruchung wurden auch Schichten vulkanisch gebildet.

Hydrologie

Niederschlagswasser an der westlichen Seite dieser Gebirge flie√üen in westlicher Richtung zum Mittelmeer. Aus den n√∂rdlichen Gebirgen Hermon, Galilee und Golan stammen der Jordan und seine Zufl√ľsse n√∂rdlich des See Genezareth. Dort ist sein Wasser noch salzarm. Er durchflie√üt den See Genesareth. Sein wichtigster Nebenfluss, der Jarmuk nimmt jedoch gr√∂√üere Anteile des Wassers aus dem Golan auf und m√ľndet mehrere Kilometer s√ľdlich des Sees Genesareth in den Jordan. Gro√üe Wassermengen werden aus dem See Genesareth entnommen um √ľber den National Water Carrier vor allem die Bew√§sserung der Felder in der K√ľstenebene zu erm√∂glichen. Dem Jarmuk wird etwa 10 km oberhalb der M√ľndung viel Wasser entnommen um √ľber den Ost-Ghor-Kanal das Ostjordanland zu versorgen.

Infolge der tektonischen Beanspruchung der Region sind die Gesteinsschichten nicht durchg√§ngig und gegeneinander abgedichtet, sondern durch zahlreiche St√∂rungen stellenweise in vertikaler Richtung durchl√§ssig, insbesondere die St√∂rungszone des Grabenbruchs selbst. Dies erm√∂glicht ein Austreten von salzhaltigem Wasser aus den durchl√§ssigen Gesteinsschichten. Es gibt vermutlich mehrere Generationen dieser Solen. Die genauen Abl√§ufe der Entstehung und des Transportes der Solen jetzt und in der Erdgeschichte sind nicht vollst√§ndig gekl√§rt. Die geologischen Gegebenheiten und die Wege und Zusammensetzungen der W√§sser sind an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Jahreszeiten sehr unterschiedlich und komplex und auch von menschlichen Aktivit√§ten beeinflusst. Hoher Druck presst die Solen, durch undichte Stellen in den sonst wasserundurchl√§ssigen Schichten, nach oben, soweit sie nicht durch einen ausreichenden Gegendruck des dar√ľberliegenden, leichteren, salz√§rmeren Grundwassers aufgehalten werden k√∂nnen. An der St√∂rungzone des Grabenbruches jedoch trifft kaltes Grundwasser aus Niederschl√§gen in tieferen Grundwasserleitern auf hei√üe Solen, steigt vermischt mit dem Salzwasser durch Konvektion auf und tritt oben aus.

Die Wege des Wassers sind unterschiedlich lang, das salzhaltige Wasser tritt zum Teil Jahre sp√§ter und weit entfernt wieder zu Tage. Salzhaltiges Wasser flie√üt oft unterhalb der Wasseroberfl√§che in einen der beiden Seen oder den Jordan. So gibt es mehrere salzhaltige Quellen am Ufer des See Genesareth und unter seiner Wasseroberfl√§che. Durch den Bau des ‚ÄěSalt Water Carrier‚Äú, der das Wasser der bekannten salzigen Quellen am See Genesareth sammelte und direkt in den unteren Jordan einleitete wurde der Salzgehalt des Sees herabgesetzt, der Salzgehalt im Jordan unterhalb des Seeauslasses jedoch dramatisch erh√∂ht. Zwischenzeitlich wurde diese Einleitung in den unteren Jordan wieder stark herabgesetzt. Der erh√∂hte Salzgehalt im See Genesareth im Vergleich zu seinen bekannten Zufl√ľssen wird jetzt vor allen durch unbekannte Salzwasserzufl√ľsse unterhalb der Wasseroberfl√§che verursacht. Weiterer Zufluss salzhaltigen Wassers in Form von Grundwasser, √ľber Wasserl√§ufe und Zufl√ľsse auch in den unteren Jordan, und die starke Verdunstung lassen den Salzgehalt des Jordan in seinem Lauf nach S√ľden immer weiter ansteigen. An der Allenby-Bridge in der N√§he von Jericho, etwa dreizehn Kilometer vor der M√ľndung in das Tote Meer wurden 1995 Salzgehalte f√ľr den Sommer von 2 bis 4 g/l genannt. 2004 wurden bis zu stellenweise 11,1 g/l im Fr√ľhjahr und Sommer genannt. Der Jordan m√ľndet in das Tote Meer, das keinen Abfluss besitzt, sondern durch Verdunstung Wasser abgibt und seit seiner Entstehung das Salz ansammelt. Der Salzgehalt im Toten Meer liegt deshalb bei etwa 250 g/l.

Topographie und Klima

Der Jordan mit seiner typischen Pflanzengesellschaft

Gemäß den Unterschieden in der Topographie und im Klima unterscheidet man verschiedene Großräume:

  • Die K√ľstenebene: Direkt am Mittelmeer befindet sich eine sandige Zone mit Wanderd√ľnen und Sumpfgebieten. Weiter √∂stlich ist ein sehr fruchtbarer Landstrich mit sehr dunklem Boden. Das Klima ist mediterran, die vom Meer kommenden Winde bringen ausreichend Feuchtigkeit mit. Die Wasserl√§ufe, die das Gebiet durchziehen, f√ľhren im Norden ganzj√§hrig Wasser, im S√ľden jedoch nur in der Regenzeit.
  • Das Bergland: Westlich des Jordan gehen die Niederschlagsmengen von Norden nach S√ľden stark zur√ľck, denn die hohen Berge in Jud√§a halten die vom Meer kommenden Wolken zur√ľck. Galil√§a ist deshalb der fruchtbarste Teil des Berglandes. Im mittleren Bergland wurde schon zu biblischer Zeit Terrassenlandwirtschaft betrieben. Der n√∂rdliche Teil des Berglandes war zu biblischer Zeit noch von W√§ldern bedeckt, die inzwischen durch landwirtschaftliche Bewirtschaftung stark zur√ľckgegangen sind. Im S√ľden geht das Bergland in die Negev-W√ľste √ľber.
  • Der Jordangraben: Der n√∂rdliche Teil ist auch hier der fruchtbarste. N√∂rdlich des Sees Genesareth befanden sich in biblischer Zeit eine ausgedehnte Sumpflandschaft und gro√üe Waldgebiete. Im unteren Jordantal reichen die Niederschl√§ge f√ľr diese Landschaftsformen nicht mehr aus. Da der Salzgehalt des Jordan nach S√ľden ansteigt, wachsen im s√ľdlichen Jordantal auch salztolerante B√§ume wie die Euphrat-Pappel und die Tamariske. Diese sind auch an Nebenfl√ľssen verbreitet. Am Toten Meer selbst wachsen nur noch salztolerante Pflanzen. Die h√∂here Pflanzenarten versorgen sich aus dem Grundwasser und Niederschlagswasser, denn bereits bei deutlich geringeren Salzgehalten als im Toten Meer ist selbst den salztolerantesten h√∂heren Pflanzen kein Bestehen m√∂glich.
  • Die Hochebene: √Ėstlich des Jordan ist das Klima semi-arid bis arid, die dem Jordan zustr√∂menden Fl√ľsse trocknen im Sommer gr√∂√ütenteils aus. Die Hochebene ist von Sandstein gepr√§gt, der das darunterliegende Vulkangestein √ľberzieht und durch Erosion zur Entstehung der Sandw√ľsten gef√ľhrt hat. In den Oasen am Toten Meer und am unteren Jordan findet man hingegen gelegentlich eine tropische Flora.

Geschichte

Palästina um 1904, historische Siedlungsgebiete.

Anfänge

In der Region sind seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. Stadtstaaten nachweisbar. Hier im fruchtbaren Halbmond trafen die Verkehrswege von drei Kontinenten aufeinander. Dadurch entwickelte sie sich zum Brennpunkt f√ľr religi√∂se und kulturelle Einfl√ľsse aus √Ągypten, Syrien, Mesopotamien und Kleinasien.

√Ągyptische Vormacht

Durch die Einwanderung von Amoritern, Hethitern und Hurritern im 2. Jahrtausend v. Chr. sahen sich die √Ągypter in ihrer Vormachtstellung bedroht und dr√§ngten diese St√§mme zur√ľck. Diese gingen schlie√ülich im Volk der Kanaaniter auf.

Ab dem 12. Jahrhundert v. Chr. verlor √Ągypten immer mehr an Macht. Neue Einwanderer kamen in die Region, darunter nach Pentateuch die Israeliten (die aber aufgrund neuerer Forschungen auch israelischer Arch√§ologen wie Israel Finkelstein eine autochthone und von den Kanaanitern der Ebene abstammungsm√§√üig nicht unterscheidbare Bev√∂lkerung des galil√§ischen Berglandes bildeten), andere semitische Nomadenst√§mme aus Mesopotamien, dem Sinai und aus den umliegenden W√ľstenzonen (s. a. Hebr√§er/Habiru in √§gypt. u. hurritischen Quellen). Dazu kamen mit den Seev√∂lkern die Philister, die haupts√§chlich die s√ľdliche K√ľstenzone um Gaza und Askalon besiedelten. Es ist jedoch unklar, ob es sich bei den ‚ÄěPhilistern‚Äú um die Ansiedlung einer gr√∂√üeren Bev√∂lkerungsgruppe handelte. Zahlreiche Forscher nehmen inzwischen an, dass sich lediglich einige griechische oder zypriotische H√§ndler niederlie√üen, deren charakteristische Keramik sehr schnell in das einheimische Inventar √ľbernommen wurde.

Die meisten Arch√§ologen gehen heute davon aus, dass es auf Grund der Konstanz der materiellen Kultur keine nennenswerte Einwanderung israelitischer Gruppen in dieser Zeit gegeben habe. Dies schlie√üt jedoch fr√ľhere Einwanderungen nicht aus. Dies gilt insbesondere f√ľr die aram√§ischen St√§mme (zu denen auch die Israeliten geh√∂rten) aus dem Norden und noch fr√ľher aus dem Osten die Amoriter. Als fr√ľheste sprachlich identifizierbare Bev√∂lkerungsschicht gelten die Hurriter.

Das vorstaatliche Israel

Die These der Amphiktyonie von Martin Noth

Eine der wichtigsten Thesen zum vorstaatlichen Israel ist diejenige der ‚ÄěAmphiktyonie‚Äú von Martin Noth. Er geht in seinem Buch ‚ÄěDas System der zw√∂lf St√§mme Israels‚Äú von dem in der Bibel vielfach erw√§hnten Umstand aus, dass das vorstaatliche Israel als eine aus zw√∂lf St√§mmen zusammengesetzte Einheit gesehen wird. Letztlich wird dies darauf zur√ľckgef√ľhrt, dass der Erzvater Jakob (Israel) zw√∂lf S√∂hne gehabt habe, von denen zehn als Stammv√§ter der zw√∂lf St√§mme Israel gelten ‚Äď die Stammv√§ter der zwei letzten St√§mme sind aufgrund der Landlosigkeit des Stammes Levi Kindeskinder Jakobs (Gen. 46, 1‚Äď26; 49,1‚Äď27 und Num 26,5‚Äď51). Dieses in der Bibel bezeugte Ph√§nomen ist von Noth mit der Erscheinung der Amphiktyonie in der griechischen Welt verglichen worden. Analogien sieht Noth in der Zahl zw√∂lf bzw. sechs. Au√üerdem nimmt die Stellung eines Zentralheiligtums eine gro√üe Bedeutung f√ľr ihn ein. Dieses Heiligtum sieht er in der Bundeslade. Ferner weist er auf die Liste in Ri 10,1‚Äď5, die einen bestimmten Turnus intendiere. Schlie√ülich sieht er im Bericht vom sog. Landtag zu Sichem das entscheidende Ereignis in der Geschichte der altisraelischen Amphiktyonie. Dazu geh√∂rt auch die Erweiterung von sechs auf zw√∂lf St√§mme mit √úbernahme des JHWH-Glaubens.

Kritik an der These

Es hat im Laufe der Forschungsgeschichte immer wieder Kritik an dieser These gegeben. Dabei stellen sich folgende Fragen:

  1. Kann eine geschichtliche Erscheinung eines bestimmten Lebens- und Kulturbereiches als Analogie √ľberhaupt benutzt werden?
  2. Fehlt nicht ein Name f√ľr den altisraelischen St√§mmeverband?
  3. Kann die mobile Lade als zentrales Kultheiligtum verstanden werden?
  4. War der St√§mmeverband die Bezugsgr√∂√üe f√ľr die Richter, oder waren es eher die St√§dte und deren Einzugsbereich?

Die These von der segmentären Gesellschaft

Als Alternative gilt die These der segment√§ren Gesellschaft. Sie wurde vor allem von dem Ethnosoziologen Christian Sigrist (*1935) in seinem Buch ‚ÄěRegulierte Anarchie‚Äú (1967/1994, dritte Auflage, 2005 vierte Auflage) gepr√§gt, der dabei die Theorien des Soziologen √Čmile Durkheim zu segment√§ren Gesellschaften erweitert und einer Revision unterzieht. Er vergleicht die Gesellschaft des vorstaatlichen Israel mit der sozialen Struktur afrikanischer St√§mme, die w√§hrend der englischen Kolonialzeit beobachtet wurde. Entscheidend f√ľr diese Gesellschaft ist das Fehlen einer zentralen Spitze. Sie sind organisiert nach Stammesverb√§nden, die gleichrangig nebeneinander stehen und zusammen die Gesellschaft bilden. Hierbei wirkt das Geschichtsbewusstsein entscheidend und konstitutiv. Vor allem die Bedeutung der Verwandtschaftsbeziehungen verbindet die Gesellschaften Afrikas und die des vorstaatlichen Israels auffallend. Allerdings steht die These in der Gefahr, die schriftlichen Quellen au√üer Acht zu lassen.

Fazit

So scheint eine Synthese aus mehreren Theorien, wie sie Sch√§fer-Lichtenberger vorschl√§gt, plausibler. Wichtig erscheint hierbei allerdings, dass das f√ľr die vorstaatliche Zeit zu postulierende Einheitsbewusstsein Israels eine bedeutende religi√∂se Komponente anzunehmen ist, zentral verbunden mit einer Verpflichtung auf ein allgemein verbindliches Recht.

Ob es ein Einheitsbewusstsein, wie es vor allem der Pentateuch schildert, in so fr√ľher Zeit tats√§chlich gab, muss stark bezweifelt werden. So bezeugt auch das sicherlich als eines der √§ltesten Teile der Bibel anzusehende in sehr altert√ľmlichem Hebr√§isch geschriebene Lied der Deborah im Buch Richter zum Teil andere und nicht die 12 St√§mme umfassende Stammesnamen. Daneben werden nicht in den sp√§teren 12 St√§mmen aufgegangene V√∂lker wie die Keniter, Edomiter und Midianiter bez√ľglich Verwandtschaft und Glauben als sehr nah verwandt dargestellt. Die Einheitsideologie vor allem des Pentateuch wird von Historikern daher als eine Sch√∂pfung des 7. Jahrhunderts v. Chr. angesehen. Insbesondere nach der Zerst√∂rung des K√∂nigreiches Israel durch die Assyrer war das vorerst vor Eroberung verschonte K√∂nigreich Judah bem√ľht, sich als legitimer Nachfolger aller israelitischer St√§mme darzustellen. Entsprechend wurde auch eine vor mehreren Jahrhunderten bestehende feste Ordnung aller St√§mme im Rahmen eines vereinten K√∂nigreiches unter F√ľhrung der Vorfahren des K√∂nigreiches Judah (David und Salomon) und des gemeinsamen Herausf√ľhrens aus √Ągypten durch Moses konstruiert. Soweit unumg√§nglich wurden anderslautende Ueberlieferungen des in der Vergangenheit m√§chtigeren K√∂nigreiches Israel angepasst, erweitert und gek√ľrzt mitaufgenommen und dabei zum Zwecke der eigenen Legitimation neu interpretiert.

Klar kommt dies in der Stellung des Zentralheiligtums in Jerusalem zum Ausdruck, die erst unter K√∂nig Josiah tats√§chlich gefestigt war. Vorher wurde selbst nach Zeugnis der Bibel auch im K√∂nigreich Judah dezentral vor allem auf den H√∂hen geopfert. Dass noch fr√ľher Bewohner des vor allem unter den Omriden weitaus m√§chtigeren K√∂nigreiches Israel eine zentrale religi√∂se Autorit√§t in Jerusalem anerkannten, ist √ľberaus unwahrscheinlich. Vielmehr d√ľrften neben den Stammes-Heiligt√ľmern verschiedene Zentral-Heiligt√ľmer √ľber die Stammesgrenzen hinaus Gl√§ubige angezogen haben, wobei neben Jahwe auch andere G√∂tter wie Baal und Aschera verehrt und ihnen Opfer dargebracht wurden.

Der Bericht von den 12 St√§mmen wird demnach als ein √§tiologischer Mythos betrachtet, wie er auch im alten Griechenland typisch war. Er diente dazu, die Zusammengeh√∂rigkeit und Abh√§ngigkeit der Bev√∂lkerung sowie den gemeinsamen Ursprung der Nation zu erkl√§ren. Der Zahl Zw√∂lf wird magische Bedeutung zugeschrieben (vgl. z. B. die 12 mal 40 Jahre (= eine Generation) ergeben 480 Jahre, wie sich bei anderen Jahresangaben der Bibel auftauchen, hinter der sich sowohl tats√§chliche Verwandtschaft wie auch konstruierte und postulierte Zusammengeh√∂rigkeit verbirgt.

Die ‚Äě12 K√∂nige der Meerl√§nder‚Äú

In den Inschriften von Asarhaddon und Assurbanipal wird immer wieder die Bezeichnung ‚Äě12 K√∂nige der Meerl√§nder‚Äú erw√§hnt. In dieser Sammelbezeichnung werden z. B. die L√§nder Edom, Moab und Juda genannt. Die ‚Äě12 K√∂nige der Meerl√§nder‚Äú bildeten immer wieder B√ľndnisse, um unter anderem gegen die Oberherrschaft Assyriens zu k√§mpfen.

Das Israelitische Reich

Die schriftliche Hauptquelle f√ľr die Geschichte Pal√§stinas ist die hebr√§ische Bibel, die in ihren wesentlichen Teilen wohl w√§hrend des Babylonischen Exils in Babylonien im 6. Jahrhundert v. Chr. entstand. Eine erste bedeutende Sammlung und Redaktion der Schriften erfolgte wohl bereits im 8. Jahrhundert nach der Eroberung des K√∂nigreichs Israel durch die Assyrer. Ihre Angaben sind in der historischen Bibelkritik umstritten. Abgesehen von den internen Widerspr√ľchen (z. B. unterschiedlicher Eroberungsgeschichte im Buch Josua und im Buch Richter) stimmen viele der heutigen umfangreichen arch√§ologischen Erkenntnisse nicht mit den Berichten der Bibel √ľberein. Dies bedeutet nicht, dass die Geschichten um Adam, Noah, Abraham, Moses, David und Salomon vollkommen frei erfunden wurden. Sie stellen vielmehr Interpretationen vorgefundener Verh√§ltnisse zum Zeitpunkt der Aufstellung und Abfassung der Geschichten dar, die sich nach damaliger Ansicht so am plausibelsten ordnen und erkl√§ren lie√üen (und damit auch sinnstiftend wurden). So stellen insbesondere die Stammestafeln nicht w√∂rtlich die tats√§chliche Abstammung dar, sondern sie sind Ausdruck, wie stark sich die Israeliten mit anderen V√∂lkern verwandt f√ľhlten und warum sich zwischen einzelnen V√∂lkern so starke Animosit√§ten finden lassen.

Dabei wurden auch nicht mehr v√∂llig verstandene archaische lokale Gebr√§uche, imposante Ruinen untergegangener St√§dte (z. B. Jericho, Ai, Hazor), Naturph√§nomene (Sodom und Gomorra) und andere urspr√ľnglich nicht verbundene Einzelgeschichten miteinander zu einem sinnstiftenden Gesamtwerk verwoben. Entsprechende Mythenbildungen sind auch aus anderen Regionen der Welt (z. B. bei den Griechen und in der r√∂mischen Fr√ľhgeschichte) bekannt, wo die Historizit√§t von Herakles und Romulus heute von kompetenten Historikern klar bezweifelt wird. Trotzdem sind diese Geschichten wichtig f√ľr das Kennenlernen des Selbstverst√§ndnisses dieser V√∂lker.

Zunehmend sind auch au√üerbiblische Zeugnisse (wie die 1868 entdeckte moabitische Mescha-Stele oder die 1896 aufgefundene Merenptah-Stele) verf√ľgbar, die neben ihrer arch√§ologischen und naturwissenschaftlichen Bedeutung die biblischen Berichte erhellen.

Die Israelitenst√§mme wanderten demnach in das Gebiet teilweise wahrscheinlich schon etwa 1800‚Äď1700 v. Chr. (vgl. Geschichte von Abraham, Versklavung in √Ągypten und der Befreiung daraus durch Moses (bis 1270 v. Chr.)) ein. Josua eroberte nach dem gleichnamigen Buch der Bibel etwa um 1200 v. Chr. Teile des damals Kanaan genannten Gebietes. Es lag damals chronologisch klar im Einflussgebiet √Ągyptens ‚Äď im Sinai und im S√ľden befand man sich auf √§gyptischem Gebiet. Eine Auswanderung aus √Ągypten in √§gyptisch dominiertes Land ergibt zwar keinen Sinn. Das √Ągyptische Joch k√∂nnte sich aber auf eine sp√§te bereits unklare Erinnerung an eine vormalige Herrschaft der √Ągypter beziehen. Daneben ist es denkbar, dass kleine Gruppen von Israeliten fr√ľher am Nil t√§tig waren (Josefslegende), zumal in der Hyksoszeit.

Ein Gro√üteil der modernen Forschung geht heute davon aus, dass es eine Wieder-Einwanderung der Israeliten in Kanaan mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gegeben hat. Der biblische Bericht von Exodus und Landnahme ist nach Ansicht einiger Wissenschaftler eine literarische Fiktion. Viele der St√§dte, deren Einnahme die Erz√§hlungen der Tora schildern, lagen zur fraglichen Zeit l√§ngst in Ruinen (z. B. Jericho) oder existierten noch gar nicht. Der arch√§ologische Befund belegt eher, dass die Israeliten einheimische Beduinenst√§mme waren, die die Schw√§cheperiode der in der Bronzezeit starken kananitischen St√§dte in der Ebene und √Ągyptens um 1200 ausnutzen und nacheinander die bestehenden Siedlungen √ľbernehmen, soweit diese nicht vorher schon verlassen wurden.

Die Israeliten organisierten sich nach diesen ‚Äď sp√§ten ‚Äď Berichten als ein lockerer 12-St√§mmebund um ein Stammesheiligtum. In Zeiten der Gefahr waren die St√§mme unter F√ľhrung eines Richters zu gegenseitiger Hilfe verpflichtet (Buch der Richter). Diese Richter waren sporadisch berufene charismatische F√ľhrergestalten. Man glaubte, dass Gott in Zeiten der Gefahr einen Menschen mit besonderen F√§higkeiten ausstattet, um dem Volk zu helfen. Ihre Macht war nicht, wie bei Stammesoberh√§uptern, durch ihre Herkunft begr√ľndet, und auch nicht erblich, sondern beruhte auf ihrer pers√∂nlichen √úberzeugungskraft.

Der Kampf gegen die Philister erwies sich allerdings als besonders schwierig. Diese hatten an der s√ľdlichen Mittelmeerk√ľste einen aus f√ľnf Stadtstaaten bestehenden Bund gegr√ľndet und fielen von dort ins Landesinnere ein. Sie waren milit√§risch besser organisiert und setzten bereits Eisenwaffen ein, so dass die Israeliten um 1050 v. Chr. eine schwere Niederlage erlitten. Die Bedrohung durch die Philister veranlasste nach der Bibel die Israelitischen St√§mme dazu, sich zu vereinigen unter einer charismatischen F√ľhrergestalt als K√∂nig.

Karte von 1759: ‚ÄěTerra Sancta sive Pal√¶stina‚Äú

Der erste namentlich in der Bibel erw√§hnte K√∂nig des mythologisierten Vereinten K√∂nigreiches war Saul. Er konnte sich zeitweise gegen die Philister behaupten; letztlich aber wurde er von ihnen geschlagen. Sein Nachfolger David besiegte die Philister um 1000 v. Chr. und eroberte den Thron Sauls. Die Erstarkung Israels und die Schw√§che der angrenzenden Reiche erm√∂glichten es David laut Angaben der Bibel, einen gro√üen, unabh√§ngigen Staat zu schaffen, dessen Hauptstadt er nach Jerusalem verlegte. Bei der Eroberung durch die Israeliten war Jerusalem ein altes (bereits in den Amarna-Briefen zur Zeit des Pharao Echnaton erw√§hntes), aber unbedeutendes Dorf mit wenigen hundert jebusitischen Einwohnern und etwa zwei Hektar Ausdehnung auf einer Kuppe s√ľdlich des heutigen Tempelberges an der Nahtstelle zwischen Juda und Israel. Zur Zeit Davids wird Jerusalem nach Aussage der Bibel kultisches Zentrum der Juden und Aufbewahrungsort der Bundeslade. Wie sehr die Gr√∂√üe und Macht dieses Reiches in der sp√§teren √úberlieferung √ľbertrieben wurde, ist Gegenstand wissenschaftlicher Diskussion: Das Reich Davids hatte ‚Äď glaubt man der Bibel ‚Äď etwa die vierfache Gr√∂√üe des heutigen Israel. Nach den arch√§ologischen Befunden d√ľrfte es sich stattdessen eher um ein kleines Stammesgebiet mit Zentrum um Jerusalem gehandelt haben. Die wesentlich bedeutenderen St√§dte und Stadtstaaten des Nordens und an der K√ľste sind in Wahrheit vermutlich niemals unter die Vorherrschaft Jerusalems gekommen.

Unter der Herrschaft von Davids Sohn und Nachfolger K√∂nig Salomo genoss das Land wohl eine Zeit des Friedens und des Wohlstandes, wobei der erste Tempel in Jerusalem am Standort eines fr√ľheren jebusitischen Heiligtums errichtet wurde. Nach Salomos Tod im Jahr 922 v. Chr. weigerten sich die n√∂rdlichen St√§mme, den Sohn Salomos als neuen K√∂nig anzuerkennen. So soll das Reich wieder zerfallen sein. Das K√∂nigreich Israel im Norden mit dem Hauptheiligtum Sichem, das eine wesentlich glaubw√ľrdigere Stellung als Zentralheiligtum der Israeliten als Jerusalem einnahm, nahm in der Folge auf Grund der politischen Schw√§che der Gro√üreiche √Ągyptens und Assyriens unter der Omridendynastie einen starken Aufschwung. Juda im S√ľden blieb hingegen so unbedeutend, dass Assyrien es sp√§ter nicht einmal in der Siegesstele erw√§hnte und vorderhand unbehelligt lie√ü.

Die umliegenden Reiche erstarkten und fingen an, sich erneut auszudehnen. Vor allem Assyrien begann im ausgehenden 8. Jahrhundert, die wohlhabenden St√§dte des Nordens anzugreifen, und besiegte das Nordreich Israel nach 200 Jahren Bl√ľte zwischen 722 und 721 v. Chr. Gro√üe Teile der Bev√∂lkerung wurden an den Euphrat deportiert und stattdessen Assyrer angesiedelt, wie dies von Assyrien auch in anderen eroberten Gebieten praktiziert wurde. Die Bev√∂lkerung nannte man von nun an nach der Hauptstadt Samaria Samariter .

Jerusalem im K√∂nigreich Judah konnte so in der Folgezeit erstmals stark wachsen. Als die Macht der Assyrer schwand, war die Chance gekommen, von Jerusalem aus unter der ideologischen F√ľhrung der Jahwepriesterschaft und dem K√∂nig Josia das Land wieder zu einigen. Es gab starke Bem√ľhungen, die heterogenen Bev√∂lkerungsgruppen und St√§mme √ľber die alten Traditionen zu einen und auf die israelitische Vergangenheit einzuschw√∂ren, was aber nur teilweise gelang. In dieser Zeit erfuhr die Biblische Schrift ihre erste umfassende Redaktion. Die alten Geschichten und B√ľcher wurden zusammengetragen und unter einer nationalen Ideologie redaktionell bearbeitet mit dem Ziel, ein einiges K√∂nigreich Israel zu schaffen. Das gelang nur zum Teil. Nach √ľber 100 Jahren erstarkte Babylon zur Gro√ümacht und versuchte, die Macht Jerusalems zu brechen.

Das S√ľdreich Juda wurde 586 v. Chr. durch die Babylonier unter Nebukadnezar II. besiegt und die Bev√∂lkerung nach Babylon umgesiedelt. Jerusalem wurde zerst√∂rt und viele der dort lebenden Juden (insbesondere aus der Oberschicht) verbannt. Die Juden im babylonischen Exil konnten allerdings ihre nationale und religi√∂se Identit√§t bewahren. Hier liegen die Wurzeln des Judentums mit der anstelle des verlorengegangenen Tempels neu geschaffenen Synagoge des pharis√§ischen Judentums im Gegensatz zum nun an den Tempel gebundenen sadduz√§ischen Amt des Hohen Priesters der Oberschicht. Als Kyros der Gro√üe von Persien Babylon 539 v. Chr. erobert hatte, erlaubte er den Juden, nach Jud√§a zur√ľckkehren, und gab ihnen eine relative Selbst√§ndigkeit. Die Juden als Nachfahren des K√∂nigreiches Judah bauten die Stadtmauern von Jerusalem, der Stadt Davids, wieder auf. Dabei distanzierten sie sich scharf gegen die als vermischt mit Neuank√∂mmlingen im Lande geltenden Samaritaner im Gebiet des fr√ľheren Nordreiches. Diese k√∂nnen sich allerdings am ehesten als Nachfahren der Israeliten bezeichnen ‚Äď wenn auch in heute sehr geringer √ľberlebender Anzahl, aber mit ihrer eigenen √úberlieferung der Bibel, dem Samaritanischen Pentateuch. Die anderen kanonischen Schriften der j√ľdischen Bibel mit ihrer zum Teil stark jerusalemzentrierten heftigen Polemik gegen das Nordreich Israel (wie etwa die Chronik) und zum Teil auch gegen die Samaritaner selbst (insbesondere B√ľcher Esra und Nehemia) werden dagegen nicht als g√∂ttlich inspiriert anerkannt.

Literatur

  • Clauss, Manfred: Das alte Israel, M√ľnchen 1999.
  • Finkelstein, Israel/Silberman, Neil A.: Keine Posaunen vor Jericho. Die arch√§ologische Wahrheit √ľber die Bibel, 5. Aufl., M√ľnchen 2003.

Hellenistische Herrschaft

Im Jahr 332 v. Chr. nahm Alexander der Gro√üe die Region in Besitz, ohne auf nennenswerten Widerstand zu sto√üen. Er lie√ü die Eroberung von Gener√§len zu Ende bringen, die auch die Grundlage f√ľr die hellenistische Herrschaft schufen. Nach dem Tode Alexanders (323 v. Chr.) wurde das Land von den Diadochenkriegen √ľberzogen und wechselte mehrfach den Besitzer. 301 fiel es Ptolemaios I. von √Ągypten zu und blieb bis 200 v. Chr. unter ptolem√§ischer Herrschaft, allerdings nicht unangefochten. Die Seleukiden, eine andere makedonische Dynastie, erhob ebenfalls Anspr√ľche.

Eine Auswirkung der hellenistischen Herrschaft war die Ver√§nderung der ethnischen Zusammensetzung der Bev√∂lkerung. Bis zur Eroberung des Landes lebten in der Region Jud√§er, Ph√∂nizier, Samariter, Edomiter und Nabat√§er in ihren angestammten Gebieten. Das Landesinnere war vorwiegend von den Jud√§ern und Samaritanern bewohnt, die n√∂rdliche K√ľstenebene von Ph√∂niziern, der S√ľden von Nabat√§ern, die die Edomiter etwas nach Norden abgedr√§ngt hatten. Dazu kamen die griechischen (makedonischen) Besatzer, die sich hier ansiedelten.

Die hellenistische Kultur beeinflusste besonders das Leben in den St√§dten, die sich die sozialen Verhaltensweisen der Polis zu eigen machten. Am st√§rksten passten sich die Ph√∂nizier an. Die Orte im Landesinneren behielten dagegen weitestgehend ihren semitischen Charakter. Obwohl die ptolem√§ische Besatzungsmacht hohe Steuern erhob, erlaubte es eine z√ľgellose Ausbeutung und Versklavung der Einheimischen nicht.

Die Region profitierte in dieser Zeit von der wirtschaftlichen Bl√ľte, die das Ptolem√§erreich gerade erlebte. Die Handelsbeziehungen dehnten sich aus und in die Landwirtschaft wurden neue Methoden eingef√ľhrt.

Im 2. Jahrhundert v. Chr. revoltierten die Juden jedoch unter F√ľhrung der Makkab√§er gegen die Seleukiden. Sie errichteten zwischen 141 v. Chr. und 63 v. Chr. einen unabh√§ngigen j√ľdischen Staat, bis das Land von Pompeius f√ľr Rom erobert wurde und zu einer r√∂mischen Provinz wurde, die von j√ľdischen K√∂nigen regiert wurde.

Römische Herrschaft

Der j√ľdische Aufstand wurde in den Jahren 66 bis 73 unter dem Befehl des sp√§teren Kaisers Titus niedergeschlagen. Dabei wurde der Tempel in Jerusalem im Jahre 70 n. Chr. zerst√∂rt, und f√ľr den Gro√üteil der Juden begann die Diaspora. Zehntausende Juden wurden entlang der Stra√üen von Jerusalem gekreuzigt und die W√§lder der Stadtumgebung abgeholzt. Auch nach dem gescheiterten Bar-Kochba-Aufstand von 132 bis 135 n. Chr. wurden viele Juden get√∂tet oder von den siegreichen R√∂mern als Sklaven verkauft. Jud√§a wurde von den R√∂mern in Syria Palaestina umbenannt, um die Verbundenheit der Juden mit der Region und die Erinnerung an das j√ľdische K√∂nigreich abzubrechen.

Dioecesis Orientis um 400

Pal√§stina erlangte neue Bedeutung, als der r√∂mische Kaiser Konstantin I. das Christentum 313 zur religio relicita (= gleichberechtigten Religion) erkl√§rte. Seine Mutter Helena besuchte Jerusalem und Pal√§stina, das Heilige Land der Christen, wurde gef√∂rdert, je st√§rker die Christianisierung des R√∂mischen Reiches voranschritt. Die Sp√§tantike war f√ľr Pal√§stina insgesamt eine Art ‚ÄěGoldenes Zeitalter‚Äú, gepr√§gt durch Wohlstand, Sicherheit und eine kulturelle Bl√ľte. Allerdings kam es 529 zu einem gro√üen Aufstand in Samaria, den Kaiser Justinian I. blutig niederschlagen lie√ü. Der gr√∂√üte Teil der Bev√∂lkerung war um diese Zeit bereits christianisiert. Die ostr√∂mische Herrschaft wurde durch die Besetzung der persischen Sassaniden (614‚Äď629) unterbrochen und endete endg√ľltig, als muslimische Araber in Pal√§stina einfielen und 638 Jerusalem eroberten.

Islamisierung

Im Jahr 638 wird Jerusalem von der Armee des zweiten Kalifen Umar ibn al-Chattab erobert. 691 errichten die Muslime auf dem Tempelberg den Felsendom. Von diesem Zeitpunkt an gab es neben einer j√ľdischen und einer christlichen auch eine muslimische Pr√§senz in Pal√§stina.

Die Islamisierung wurde durch die Behandlung der Nichtmuslime als Dhimmi beg√ľnstigt. Es dauerte mehr als 100 Jahre, bis die Mehrheit der Bev√∂lkerung zum Islam konvertiert war.

Die Region profitierte nun vom Handel des Reiches und von seiner religiösen Bedeutung während der ersten Kalifendynastie der Umayyaden von Damaskus, unter denen die arabischen Eroberungen ihren Höhepunkt erreichten. Nachdem die Abbasiden im Jahr 762 Bagdad zum politischen Zentrum gewählt hatten, nahm die Bedeutung Palästinas ab. Das Gebiet war wiederholt Schauplatz von Kämpfen und wurde von Seldschuken, Fatimiden (siehe Kalifat) und europäischen Kreuzfahrern beherrscht. Palästina profitierte jedoch auch von den Errungenschaften der muslimischen Welt, als diese ihr goldenes Zeitalter der Wissenschaft, Kunst, Philosophie und Literatur erlebte. Erst unter den Mamluken brach die Weiterentwicklung Palästinas ab.

Mit dem Beginn der Kreuzz√ľge am Ende des 11. Jahrhunderts wurden in Outremer vier Kreuzfahrerstaaten errichtet, darunter das K√∂nigreich Jerusalem. Somit verlagerte sich der Konflikt zwischen Islam und den Nachfolgestaaten des Westr√∂mischen Reiches nach Pal√§stina.

Osmanische Herrschaft

Familie in Ramallah um 1900

Die osmanischen T√ľrken besiegten die Mamluken 1516 und beherrschten Pal√§stina mit kurzen Unterbrechungen 400 Jahre lang. Das Land war in verschiedene Bezirke unterteilt. Den christlichen und j√ľdischen Gemeinden wurde ein gro√ües Ma√ü an Autonomie zugebilligt. W√§hrend des 16. Jahrhunderts erlebte Pal√§stina eine erneute Bl√ľte bis zum Abstieg des Osmanischen Reiches im 17. Jahrhundert. W√§hrend dieser Zeit der osmanischen Herrschaft war Pal√§stina nur d√ľnn bev√∂lkert und stagnierte wirtschaftlich. Joseph Nasi, ein Berater des osmanischen Sultan Suleiman des Pr√§chtigen setzte sich daf√ľr ein, die Gegend um Tiberias ab 1561 mit europ√§ischen Juden neu zu besiedeln; doch das Projekt gestaltete sich aus √∂konomischen Gr√ľnden schwierig und scheiterte im Zuge der T√ľrkenkriege vollst√§ndig. Am Anfang des 19. Jahrhunderts lebten zwischen 275.000 und 300.000 Menschen im Land. 90 % von ihnen waren muslimische Araber, 7.000 bis 10.000 Juden und 20.000 bis 30.000 christliche Araber. Zwischen 1831 und 1840 dehnte Muhammad Ali Pascha (t√ľrkisch Mehmed Ali), Vizek√∂nig und Begr√ľnder des modernen √Ągypten, seine Herrschaft √ľber Syrien aus.

1881, zu Beginn der j√ľdischen Einwanderung lebten 457.000 Menschen in Pal√§stina. 400.000 waren Muslime, 13.000‚Äď20.000 Juden und 42.000 ‚Äď meist griechisch-orthodoxe ‚Äď Christen. Hinzu kamen einige tausend Juden, die zwar dauerhaft in Pal√§stina lebten, aber keine osmanischen B√ľrger waren. Die im Lande wohnenden Juden (der alte Jischuw), sowohl Sephardim als auch Aschkenasim, waren meist orthodox und recht arm; sie wurden von Glaubensgenossen aus dem Ausland unterst√ľtzt. Siedlungszentren waren die vier St√§dte Jerusalem, Hebron, Safed und Tiberias. Etwa ein Drittel der Bev√∂lkerung lebte um diese Zeit in St√§dten. Jerusalem z√§hlte 30.000 Seelen (davon waren die H√§lfte Juden), Gaza 19.000, Jaffa 10.000 und Haifa 6.000.

In den 1880er Jahren begann der franz√∂sische Baron Edmond Rothschild sich f√ľr den aufkommenden Zionismus zu engagieren. 1882 erwarb er Grundst√ľcke in Pal√§stina und f√∂rderte die Gr√ľndung von Zichron Ja'akow und Rischon leTzion. 1889 √ľbergab er 25.000 Hektar pal√§stinensischen Agrarlandes samt den sich darauf befindenden Ansiedlungen an die Jewish Colonization Association. Zudem erm√∂glichte er russischen Juden, infolge des dortigen Antisemitismus und der Pogrome nach Pal√§stina umzusiedeln und legte dort Weinanbaugebiete an, scheiterte aber beim Versuch dort eine Parf√ľmindustrie aufzubauen.

Im Jahre 1897 berief Theodor Herzl den ersten Zionistenkongress in Basel ein und legte damit einen wichtigen Grundstein f√ľr die sp√§tere Gr√ľndung eines j√ľdischen Staates. Seit der zweiten Alija erhielt die Idee des Zionismus vermehrt politische Bedeutung. Im religi√∂sen und historischen Bewusstsein der Juden (und abgeschw√§chter Weise im Bewusstsein des Okzidents) war Israel immer das ‚ÄěHeilige Land‚Äú geblieben, das mit der Bibel und der Geschichte des j√ľdischen Volkes verbunden ist. Die Bed√ľrfnisse der arabischen Bev√∂lkerung spielten in dieser Tradition kaum eine Rolle. F√ľhrende Zionisten waren sich der Problematik allerdings bewusst und strebten neben einer internationalen Legitimation auch eine Einigung mit den Arabern an. Die Region stand schon zu dieser Zeit, in der noch kolonialistische Denkweisen herrschten, im geopolitischen und strategischen Interesse der Gro√üm√§chte. Im 19. Jahrhundert engagierten sich europ√§ische Staaten auf der Suche nach Rohstoffen und neuen Absatzm√§rkten im Nahen Osten.

Nach Angaben der Jewish Colonization Association f√ľr das Jahr 1903 lebten im Jahre 1898, 5200 Juden in Pal√§stina in landwirtschaftlichen Mustersiedlungen (siehe auch ‚ÄěAltneuland‚Äú, 1904, Heft 11, Seite 339).

Altneuland 1904, Heft 11, Seite 339), j√ľdische Einwohnerzahl landwirtschaftlicher Siedlungen im Jahre 1898

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts besa√üen viele Landbewohner nicht mehr ihren eigenen Grund, sondern bestellten ihn als P√§chter. Beinahe alle Gro√ügrundbesitzer (Effendis) waren Stadtpatrizier, einige lebten au√üerhalb des Landes, viele in Beirut, Damaskus und Paris. Zwischen 1904 und 1914 erfolgte die zweite Alijah. Bereits im Jahre 1909 wird mit Tel Aviv die erste moderne j√ľdische Stadt gegr√ľndet.

Erster Weltkrieg und die Balfour-Deklaration

Aufgrund des Eintrittes des Osmanischen Reichs in den Ersten Weltkrieg auf Seiten der Mittelm√§chte ging Gro√übritannien von der Politik ab, das Osmanische Reich als Bollwerk gegen die Ausbreitung Russlands zu erhalten. In einer Korrespondenz zwischen Hussein ibn Ali (Hedschas) und dem britischen Hochkommissar in √Ągypten Henry McMahon wurde 1915/1916 den Arabern die Selbst√§ndigkeit versprochen, sollten sie Gro√übritannien im Kampf gegen die Osmanen unterst√ľtzen.

1916 wurde im geheimen Sykes-Picot-Abkommen mit Frankreich und dem zaristischen Russland eine Vereinbarung √ľber die Aufteilung des Osmanischen Reichs getroffen, welche 1918 von den siegreichen Bolschewiki publiziert wurden. In der Balfour-Deklaration 1917 wurde das Wohlwollen der britischen Regierung f√ľr eine j√ľdische Heimstatt in Pal√§stina erkl√§rt.

Der Sieg der Briten im Ersten Weltkrieg beendete 1917 die osmanische Herrschaft. Von √Ągypten her eroberte General Allenby S√ľdpal√§stina. Nach der Kapitulation des Osmanischen Reichs besetzten Gro√übritannien und Frankreich die von ihnen im Sykes-Picot-Abkommen ausgehandelten Gebiete: Frankreich den Libanon und Syrien; Gro√übritannien Pal√§stina und den Irak. Der amerikanische Pr√§sident Thomas Woodrow Wilson vertrat die Auffassung, Gebietsgewinne durch den Weltkrieg sollten m√∂glichst verhindert werden. Allerdings war man der Ansicht, man k√∂nne die vorher von den unterlegenen M√§chten kontrollierten L√§nder nicht sich selbst √ľberlassen. Der damalige s√ľdafrikanischen Premier Jan Christiaan Smuts schlug vor, in diesen Gebieten ein Mandat einzurichten. Pal√§stina geh√∂rte wie Syrien in die Kategorie A, das hei√üt: die Unabh√§ngigkeit war mittelfristiges Ziel. Die Staaten wurden als relativ entwickelt angesehen, aber noch nicht als reif f√ľr diesen Schritt.

Auf der Konferenz von Sanremo 1920 wurde Pal√§stina von den Siegerm√§chten Gro√übritannien als Mandatsgebiet √ľbertragen. Im Jahre 1922 √ľbertrug der V√∂lkerbund auf der Friedenskonferenz von Paris das Mandat f√ľr Pal√§stina f√ľr das Gebiet, das heute gemeinsam von Israel und Jordanien eingenommen wird, an Gro√übritannien. Zu den Mandatsbedingungen geh√∂rte, dass die Briten die Verwirklichung der Balfour-Deklaration erm√∂glichen sollen, in der sie am 2. November 1917 die ‚ÄěGr√ľndung einer nationalen Heimst√§tte f√ľr das j√ľdische Volk‚Äú versprochen hatten, deren Grenzen jedoch nicht bestimmt waren. Hierzu wurde die Mandatsmacht aufgefordert, die j√ľdische Einwanderung zu erm√∂glichen, die j√ľdischen Einwanderer geschlossen anzusiedeln und hierf√ľr auch das ehemalige osmanische Staatsland zu verwenden. Es sollte dabei ausdr√ľcklich daf√ľr Sorge getragen werden, dass ‚Äěnichts getan werden soll, was die b√ľrgerlichen und die religi√∂sen Rechte bestehender nichtj√ľdischer Gemeinschaften in Pal√§stina oder die Rechte und die politische Stellung, deren sich die Juden in irgendeinem anderen Lande erfreuen, pr√§judizieren k√∂nnte‚Äú.

Britisches Mandat

Britisches Mandat Palästina,1920

1920 wurde Gro√übritannien durch die Konferenz von San Remo ein Pal√§stina-Mandat zuerkannt, das auch das Transjordanien genannte Gebiet √∂stlich des Jordan mit einschloss. Das Mandat diente dazu, auf seinem Territorium das Projekt einer nationalen Heimst√§tte f√ľr das j√ľdische Volk gem√§√ü der Balfour-Deklaration umzusetzen. Im Juni 1922, noch vor Inkrafttreten des Mandats, teilte Winston Churchill das Mandatsgebiet in Pal√§stina westlich des Jordan, wo die j√ľdische Heimst√§tte errichtet werden sollte, und Transjordanien √∂stlich des Jordan, auf dessen Gebiet ein autonomes arabisches Emirat eingerichtet wurde. Die offizielle Verabschiedung des Mandats durch den V√∂lkerbund geschah am 24. Juli 1922. Die genaue Ausgestaltung der Grenzen wurde dabei der Mandatsmacht Gro√übritannien √ľberlassen. Im April 1923 erkannte Gro√übritannien den Emir Abdallah ibn al-Hussain offiziell als legitimen Herrscher des autonomen Emirats Transjordanien an. Damit war die Region Pal√§stina, in der die j√ľdische Heimst√§tte errichtet werden sollte, endg√ľltig auf das Gebiet westlich des Jordan beschr√§nkt. Bis zur vollst√§ndigen Selbst√§ndigkeit Jordaniens im Jahre 1946 gab es allerdings in den Gebieten von Pal√§stina und Transjordanien noch einheitliche Mandatsgesetze, W√§hrung und P√§sse. Das zionistische Lager, das urspr√ľnglich auch Teile des Ostjordanlands f√ľr seine Heimst√§tte vorgesehen hatte, war gespalten √ľber die Abtrennung Transjordaniens vom Mandatsgebiet. Der Zionistische Weltkongress war bereit, sich auf das Gebiet westlich des Jordans zu beschr√§nken, falls daf√ľr im Gegenzug Emir Abdallah die Gr√ľndung des j√ľdischen Staates auf diesem Gebiet anerkannte. Eine andere Gruppe, die von Wladimir Jabotinsky repr√§sentiert wurde, lehnte diese Einschr√§nkung ab und forderte weiterhin die verst√§rkte Besiedlung auch der Gebiete √∂stlich des Jordan.

Das nicht eingehaltene Versprechen der arabischen Unabh√§ngigkeit richtet den bisher anti-osmanischen arabischen Nationalismus gegen die Mandatsm√§chte. Die im Zusammenhang mit der Balfour-Deklaration zunehmende Anzahl j√ľdischer Einwanderer werden von den Arabern als Helfer der neuen Kolonisatoren aufgefasst.

Das Ziel der arabischen Bev√∂lkerungsmehrheit war ein arabischer Staat im gesamten Gebiet mit eingeschr√§nkter (oder unterbundener) j√ľdischer Einwanderung. In diesem Staat sollten Juden allenfalls eingeschr√§nkte Rechte (siehe Dhimma) genie√üen. Der Landkauf durch Juden sollte unterbunden werden. Diese Position wird im Wesentlichen noch heute von der pal√§stinensischen, islamistischen Hamas vertreten, die PLO gab sie 1993 auf.

Die Ziele der j√ľdischen Bev√∂lkerungsminderheit waren eine Forcierung der Einwanderung, ein m√∂glichst gro√üer j√ľdischer Staat und ‚Äď zu diesem fr√ľhen Zeitpunkt ‚Äď eine Beibehaltung des britischen Mandats. Diese positive Einstellung zur britischen Mandatsmacht √§nderte sich in den 1930er- und 1940er-Jahren. Zwischen 1924 und 1932 kam es zur vierten Immigrationswelle, von 1933 bis 1939 kam die f√ľnfte, wodurch die j√ľdische Bev√∂lkerung in Pal√§stina stark wuchs.

Unruhen im April 1920

Am 1. Mai 1919 verk√ľndete Generalleutnant Sir Louis Bols in Nablus die √úbergabe der Milit√§rverwaltung an eine zivile Verwaltung. Dies klang nicht nach der den Arabern versprochenen Unabh√§ngigkeit. Auch Ger√ľchte einer internationalen Konferenz, bei der √ľber eine Aufteilung der von den Alliierten besetzten Gebiete geredet werden sollte, sch√ľrten bei den Arabern die Angst, get√§uscht zu werden. Am 27. Februar und am 8. M√§rz 1920 kam es zu anti-britischen und anti-j√ľdischen Demonstrationen. Einige Polizisten warnten vor einem arabischen Aufstand. W√§hrend des Nebi-Musa-Festes im April des Jahres 1920 demonstrierten j√ľdische Immigranten in Jerusalem f√ľr die Erlaubnis, aufgrund der angespannten Situation die j√ľdischen Siedlungen selbst verteidigen zu d√ľrfen. Unter F√ľhrung des sp√§ter als ‚ÄěGro√ümufti von Jerusalem‚Äú bekannten Haddsch Muhammad Amńęn al-Husainńę rotteten sich Mengen der Pilger des Nebi-Musa-Festes zusammen. Es kam zu antij√ľdischen Unruhen, in deren Verlauf vier Araber und f√ľnf Juden get√∂tet und 22 schwer verletzt wurden. Al-Husseini wurde in diesem Zusammenhang zu zehn Jahren Haft verurteilt. Ein Jahr sp√§ter jedoch wurde er durch den britischen Hohen Kommissar, Lord Herbert Louis Samuel, freigelassen und mit Billigung der neu eingerichteten britischen Zivilregierung zum ‚ÄěGro√ümufti‚Äú von Pal√§stina ernannt. Al-Husainńę wurde nicht offiziell ernannt, der britische Gouverneur bedeutete ihm lediglich, dass die Briten nichts dagegen untern√§hmen, wenn er sich an den Schreibtisch seines k√ľrzlich verstorbenen Halbbruders setzen w√ľrde; jener war der einzige, der jemals den Titel des Gro√ümufti erhalten hatte.

Arabischer Aufstand

In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Unruhen, die die britische Mandatsmacht stellenweise unter gro√üen Druck setzte und Zugest√§ndnisse an die Araber erzwang. Als es 1921 zu ersten Aufst√§nden kam, wurde die j√ľdische Einwanderung erstmals minimal eingeschr√§nkt und als in den Jahren 1936‚Äď1939 der gro√üe arabische Aufstand die Briten herausforderte, wurde die j√ľdische Einwanderung komplett verboten. Die Problematik der eingeschr√§nkten Einwanderung kritisierte Chaim Weizmann, Pr√§sident des Zionistenkongresses, vor der Peel-Kommission folgenderma√üen: ‚ÄěIn diesem Teil der Welt (Europa) gibt es 6.000.000 Menschen [‚Ķ] f√ľr die die Welt geteilt ist in Orte, an denen sie nicht leben k√∂nnen, und Orte, die sie nicht betreten k√∂nnen.‚Äú

Siedlungspolitik

Wie im Mandatstext vorgegeben, wollte London die j√ľdische Einwanderung f√∂rdern, ohne die Rechte der arabischen Bewohner zu schm√§lern. In erster Linie sollte dieses Ziel durch die Errichtung gut geordneter Siedlungen erreicht werden. J√ľdische Siedlungen und St√§dte wie Tel Aviv entstanden neben den historischen Siedlungen der Araber. Hierbei war auch von Bedeutung, dass der Direktor des britischen Programmes zur landwirtschaftlichen Entwicklung unabh√§ngig von der Mandatsverwaltung arbeitete und nur dem britischen Hochkommissar unterstand. Durch das fortdauernde Misstrauen zwischen den j√ľdischen Einwanderern und der arabischen Bev√∂lkerung sowie dem mangelnden Einvernehmen blieb die Siedlungsfrage problematisch. Der wehrhafte Charakter der j√ľdischen Siedlungsbewegung, der Kibbuzim und Moshavim zu Wehrd√∂rfern machte, fand hierin seinen Ursprung.

Peel- und Woodhead-Kommissionen

Im Jahre 1937 legte die britische Peel-Kommission erstmals einen Teilungsplan vor, der, gem√§√ü der prozentualen Bev√∂lkerungsverteilung, Galil√§a und einen K√ľstenstreifen als j√ľdischen und den gr√∂√üeren, auch die W√ľstenregionen umfassenden Rest als arabischen Teil vorsah. Dieser Vorschlag wurde von den Arabern abgelehnt. Die j√ľdische Seite war gespalten. Die Mehrheit, zu der auch Golda Meir geh√∂rte, lehnte den Vorschlag ab, aber eine starke Minderheit um David Ben Gurion sah in diesem Kleinststaat die Basis f√ľr eine sp√§tere Expansion. Zitat: ‚Äě[‚Ķ] nachdem wir eine gro√üe Macht aufgebaut haben, werden wir die Teilung des Landes beseitigen und √ľber ganz Erez Israel expandieren‚Äú (Brief an seinen Sohn); ‚Äědas Ja zur Teilung verpflichtet uns nicht zum Verzicht auf Transjordanien‚Äú (Ben Gurion, Memoiren Bd. 4, S. 151). Die Teilung des Landes wurde von der Woodhead-Kommission, die 1939 das MacDonald-Wei√übuch ver√∂ffentlichte, wieder verworfen. Mit dieser Wendung versuchte das Vereinigte K√∂nigreich die Araber als B√ľndnispartner gegen die ‚ÄěAchsenm√§chte‚Äú zu gewinnen. Das Wei√übuch wurde von den im Lande lebenden Juden abgelehnt, da es die Aufl√∂sung der Kampfeinheiten, wie etwa der Hagana, verlangte.

Zweiter Weltkrieg

Im Zweiten Weltkrieg k√§mpften schlie√ülich 27.500 j√ľdische Soldaten aus Pal√§stina in der britischen Armee. Diese bildeten sp√§ter einen wichtigen Teil der israelischen Armee. M√§nner wie Mosche Dajan oder Jitzchak Rabin k√§mpften z. B. gegen das vom Vichy-Regime verwaltete Syrien. Zu Kampfeins√§tzen in Deutschland kam es jedoch kaum. Ben Gurion vertrat das Konzept des Pal√§stina-Zentrismus, das davon ausging, in Europa nicht handlungsf√§hig zu sein. Gleichzeitig versuchten die Juden deshalb, die illegale Einwanderung zu verst√§rken und somit den europ√§ischen Juden einen Fluchtort zu geben, denn zwischen 1939 und 1944 konnten nur 15.000 legal einwandern.

Die Araber hofften w√§hrend des Krieges zu gro√üen Teilen auf einen Sieg Deutschlands. Bekanntestes Beispiel ist der Gro√ümufti von Jerusalem Hadsch Mohammed Amin al-Husseini, der enge Kontakte zum Deutschen Reich pflegte, und nach seiner Flucht aus Pal√§stina (1937) im Jahre 1941 an einem pro-deutschen Putschversuch im Irak beteiligt war. Ab 1941 lebte er als pers√∂nlicher Gast Hitlers in Deutschland und war als SS-Mann am Aufbau von moslemischen Hilfstruppen der Wehrmacht und der Waffen-SS in Bosnien beteiligt. Auch in √Ągypten gab es pro-deutsche Bestrebungen, die etwa von Anwar as-Sadat unterst√ľtzt wurden.

In den letzten Kriegsjahren versuchte Ben Gurion die Kontakte in die USA zu verbessern, die er als neue Macht im Nahen Osten aufsteigen sah, während bei Chaim Weizmann der Fokus weiterhin auf dem Vereinigten Königreich lag.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges stellte sich die Frage nach dem zuk√ľnftigen Status Pal√§stinas und der j√ľdischen Einwanderung erneut. Earl G. Harrison sollte im Auftrag Harry S. Trumans Gro√übritannien davon √ľberzeugen, die Lage der Juden zu verbessern. Die Briten lehnten jedoch ab und wollten den USA das Mandat √ľbertragen. In der Folge wurde das Anglo-American Committee of Inquiry gegr√ľndet, das vorschlug, zumindest 100.000 Juden die Einreise zu erm√∂glichen, das Mandat zehn weitere Jahre fortzusetzen und Verhandlungen zwischen Arabern und Juden zu beginnen. Das Komitee tagte an mehreren Orten und h√∂rte viele Zeugen, zu denen auch Albert Einstein geh√∂rte. Abermals machten die Briten die Entwaffnung der j√ľdischen Milizen, unter ihnen der Hagana zur Voraussetzung, was abermals abgelehnt wurde. Die Folge dieser Politik war ein bewaffneter Aufstand der drei gr√∂√üten Gruppen Hagana, Irgun und Lechi gegen milit√§rische Ziele der Briten. Zwischen September 1945 und Juli 1946 wurden Landebahnen, Kasernen und Eisenbahnlinien angegriffen. Die Leitung der Operationsabteilung unterstand Golda Meir. Die Hagana versuchte mit allen Mitteln die illegale Einwanderung zu verst√§rken, attackierte britische Radaranlagen, die den Schiffsverkehr √ľberwachten und befreite Fl√ľchtlinge aus den Internierungslagern. Die Briten internierten zeitweise mehrere 10.000 Holocaust-Fl√ľchtlinge auf Zypern. Leon Uris verarbeitete dies in seinem Roman Exodus, dessen Hauptperson Ari Ben Canaan zumindest teilweise auf Jitzchak Rabin basiert.

In den Jahren 1945 und 1946 h√§uften sich die Terroranschl√§ge j√ľdischer Untergrundbewegungen auf britische Einrichtungen in Pal√§stina. Polizeistationen und Milit√§rcamps waren bevorzugte Objekte dieser Angriffe. Aber auch die D√∂rfer der Templer in Pal√§stina waren immer wieder Ziele f√ľr √úbergriffe. Die britische Verwaltung konnte diesen Zustand nicht l√§nger dulden. Die Palestine Police plante darum zusammen mit dem britischen Milit√§r eine Operation, die die j√ľdischen Gruppen schw√§chen sollte. Darum begann die britische Armee mit massiven Schl√§gen gegen die j√ľdischen Untergrundbewegungen. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich 100.000 Mann der britischen Armee in Pal√§stina. Es gab Ausgangssperren in den gr√∂√üeren St√§dten; das Geb√§ude der Jewish Agency wurde durchsucht und Akten beschlagnahmt. 4.000 Juden, unter ihnen etwa Mosche Scharet und Jitzchak Rabin, wurden verhaftet. Golda Meir wurde als Frau verschont. Ben Gurion hielt sich gerade in Frankreich auf. Als Antwort darauf planten die drei gro√üen Untergrundorganisationen einen Terror-Anschlag auf den S√ľdfl√ľgel des King David Hotel in Jerusalem, in dem sich das Hauptquartier des Vereinigten K√∂nigreichs befand, auch um die beschlagnahmten Akten zu vernichten. Im letzten Moment zog sich die Hagana zur√ľck und der Irgun unter F√ľhrung des sp√§teren Premierministers Menachem Begin f√ľhrte den Anschlag alleine aus. Es kamen bei dem Anschlag 91 Menschen ums Leben.

Seit Mai 1946 verfolgte David Ben Gurion eine neue Strategie, um Druck auf die USA auszu√ľben. Er f√∂rderte nach Pogromen etwa in Polen die Einwanderung von osteurop√§ischen Juden nach Deutschland, √Ėsterreich und Italien, damit diese in den Einflussbereich der Amerikaner k√§men und diese damit zum Handeln zw√§ngen. Dies wurde als die Bricha-Bewegung bekannt. Die Hagana begann, osteurop√§ische Juden schon in Deutschland im Hebr√§ischen zu unterrichten. Im Lande wurden j√ľdische Siedlungen an strategisch wichtigen Orten eingerichtet. Beispielsweise wurden an Jom Kippur 1946 zehn Siedlungen im N√∂rdlichen Negev gegr√ľndet. Gleichzeitig begannen die Vorbereitungen f√ľr den Krieg. Man begann milit√§risch nicht mehr in kleinen Einheiten wie im Widerstand gegen die Mandatsmacht zu denken. Wichtige Organisatoren der Hagana zu dieser Zeit waren Mosche Sneh, Jisrael Galili und Jaakow Dori; Chef der Operationsabteilung der Hagana war Jigael Jadin.

Es ist unter Historikern immer noch umstritten, wer oder was den R√ľckzug der Briten letztlich bewirkte. Es gab unbestreitbar wichtige britische Interessen in der Region. Die Interessen der Briten in diesem Gebiet lagen insbesondere in der Mittellage zu Indien begr√ľndet. Und tats√§chlich, als Indien 1947 geteilt und unabh√§ngig wurde, versuchte das Vereinigte K√∂nigreich das Mandat erst an die USA dann an den V√∂lkerbund zur√ľckzugeben. Ein wichtiger Punkt waren die √Ėlreserven der Region ‚Äď eine Pipeline ging etwa von dem Irak in den wichtigen Hafen Haifas. Die Lage des Landes am Mittelmeer und in relativer N√§he zum Suez-Kanal war ebenfalls von strategischer Bedeutung. Der britische Generalstab sah die Region deshalb f√ľr den Fall eines Dritten Weltkrieges als unverzichtbar an. Allerdings waren sich die Briten der Tatsache bewusst, dass sie weder von Juden noch von Arabern im Land gew√ľnscht waren. Sie erkannten, dass zumindest die Juden im Land bereits ein halbstaatliches Gebilde, mit regem kulturellem Leben aufgebaut hatten. Das milit√§rische Engagement war zudem sehr kostspielig, auch kam es zu nicht unerheblichen Verlusten an Menschenleben. Die √∂ffentliche Meinung im K√∂nigreich stand dem Mandat, besonders aufgrund der Meldungen √ľber den j√ľdischen Widerstand, zunehmend ablehnend gegen√ľber. Hinzu kam der Druck der USA. Die Abh√§ngigkeit des K√∂nigreiches von amerikanischer Wiederaufbauhilfe in Milliardenh√∂he gerade nach dem harten Winter wird deshalb sicherlich eine Rolle gespielt haben.

UNSCOP

Die UNSCOP (United Nations Special Committee on Palestine) unter dem schwedischen Juristen Emil Sandstr√∂m verfolgte die Ereignisse des Exodus-Zwischenfalls und sprach sich in √ľberw√§ltigender Mehrheit f√ľr eine Teilung des Landes aus. Nur Jugoslawien, Indien und der Iran sprachen sich f√ľr einen f√∂deralistischen Staat aus. Im April 1947 schlie√ülich schlugen die UNO in einem Teilungsplan die Gr√ľndung eines j√ľdischen und eines arabischen Staats vor. Dem gingen intensivste diplomatische Bem√ľhungen der j√ľdischen Pal√§stinenser, angef√ľhrt von Abba Eban voraus. W√§hrend Westeuropa und der Sowjetische Block der Teilung zustimmten, musste die dritte Welt und der s√ľdamerikanische Block √ľberzeugt werden. Die s√ľdamerikanischen Staaten, unter Einfluss des Vatikans, wollten schlie√ülich nur einem Plan zustimmen, der Jerusalem unter internationale Verwaltung stellte. Dies wurde von den Juden schweren Herzens akzeptiert. Die Zustimmung Trumans war wegen intensiven Drucks aus dem amerikanischen Au√üen- und Verteidigungsministerium nicht sicher, obwohl er die amerikanische Bev√∂lkerung hinter sich wusste. Truman setzte sich nach Lobbyarbeit Weizmanns jedoch immerhin daf√ľr ein, die Negev-W√ľste dem j√ľdischen Staat zuzuschlagen. Das britische Commonwealth enthielt sich der Stimme.

UN-Teilungsplan

Die Pal√§stinafrage wurde von dem damaligen Generalsekret√§r Trygve Lie als bedeutender Testfall f√ľr die Zukunft der Organisation angesehen. Am 29. November 1947 stimmte die Generalversammlung der Vereinten Nationen mit Zweidrittelmehrheit (31 pro, 13 contra, 10 Enthaltungen, 1 abwesend) f√ľr den Teilungsplan, der Pal√§stina in einen j√ľdischen und arabischen Staat teilen sollte. Jerusalem sollte unter internationale Verwaltung kommen und die beiden Staaten sollten in einer Wirtschaftsunion zusammengefasst werden. Mit dem Ziel, tats√§chlich einen unabh√§ngigen j√ľdischen Staat zu gr√ľnden und den √úberlebenden der Shoa eine Heimat zu schaffen, akzeptiert die j√ľdische Bev√∂lkerung den Plan. Die Araber lehnten den Plan dagegen ab und es kam zu ersten kriegerischen Auseinandersetzungen, die als die erste Phase des Pal√§stinakrieges interpretiert werden k√∂nnen. Wichtige Ziele f√ľr die Juden waren dabei, die Stra√üen, besonders jene zwischen Jerusalem und Tel Aviv, offen zu halten, sowie f√ľr den Schutz jeder einzelnen Gemeinde zu sorgen, damit diese nicht aufgegeben werden mussten. Die Hagana musste allerdings immer noch illegal operieren und die Amerikaner und Briten verh√§ngten ein Waffenembargo. Die Briten zeigten sich auch sonst wenig kooperationsbereit, indem sie sich weigerten Urkunden und andere legale Papiere zu √ľbergeben und die UN nicht ins Land lie√üen.

Die Strategie der Hagana war zu dieser Zeit nur defensiv, Vergeltungsschl√§ge sollten aus Angst, die internationale Unterst√ľtzung kurz vor der Staatsgr√ľndung zu verlieren, nach Willen der F√ľhrer um Ben Gurion nur mit Begrenzung ausgef√ľhrt werden.

Am 9. April 1948 kam es allerdings zu einem Massaker in dem pal√§stinensischen Dorf Deir Jassin. Der Ort wurde von Truppen des Irgun Menachem Begins angegriffen, also nicht der Hagana, die der politischen Mitte zuzurechnen war. Zwischen 107 und 120 Pal√§stinenser, darunter Kinder, Frauen und Greise, wurden get√∂tet bzw. ermordet. Die Aktion erf√ľllte ihren Zweck ‚Äď Panik unter der arabischen Bev√∂lkerung auszul√∂sen. Bis zum Beginn des Pal√§stinakrieges flohen bereits zwischen 250.000 und 300.000 Pal√§stinenser oder wurden vertrieben.

Waffen konnten nur von der Tschechoslowakei bezogen werden. Der Verkauf begann noch zu vorkommunistischen Zeiten und in der Folge wurden auch von der Tschechoslowakei produzierte deutsche Waffen geliefert, unter anderem auch Messerschmitt-Flugzeuge. Die finanziellen Mittel hierf√ľr wurden nach Spendenkampagnen der Jewish Agency (besonders Golda Meir tat sich hier hervor) vornehmlich von amerikanischen Juden bereitgestellt.

Kurz vor dem Ende des Mandats erlitt die j√ľdische Diplomatie eine herbe Niederlage, als das Au√üenministerium der USA eine Sondersitzung der UNO einberief, um den Teilungsbeschluss zur√ľckzunehmen bzw. die Teilung zu verschieben. Zuvor gab es bereits massiven Druck auf den Pr√§sidenten. George F. Kennan etwa bezeichnete die Teilung als Katastrophe und auch der republikanische Pr√§sidentschaftskandidat Thomas E. Dewey lehnte sie ab.

Unabhängigkeitskrieg

Der so genannte Unabh√§ngigkeitskrieg wurde durch den Angriff der arabischen Staaten auf den neu gegr√ľndeten Staat Israel ausgel√∂st, in dessen Verlauf die israelische Armee die Oberhand √ľber die milit√§risch schlecht vorbereiteten und unkoordiniert agierenden arabischen Truppen gewann. Bis zum Ende des Krieges verloren bis zu 750.000 Pal√§stinenser ihre Heimat ‚Äď das war zu diesem Zeitpunkt ein Drittel des gesamten Volkes. Der israelische Historiker Benny Morris hat 1987 nachgewiesen, dass es sich zum Teil um direkte, fast immer um indirekte Vertreibung gehandelt hat. Die verlassenen St√§dte und fast 400 D√∂rfer wurden sofort von j√ľdischen Einwanderern besiedelt. D√∂rfer, die man nicht ben√∂tigte, wurden zerst√∂rt, um eine R√ľckkehr der Araber unm√∂glich zu machen. Die Waffenstillstandslinie deckte sich ziemlich genau mit den Grenzen, welche die Jewish Agency 1946 der UNO vorgeschlagen hatte.

Staat Israel

Am 14. Mai 1948 kam es zur Staatsgr√ľndung des heutigen Israel, weil der 15. ein Schabbath war und die Fahrt zum Versammlungsort die Ruhe verletzt h√§tte. Von vielen Pal√§stinensern wird dies auch als (unerf√ľllter) Unabh√§ngigkeitstag Pal√§stinas angesehen. Der umgehende Angriff mehrerer arabischer Staaten auf Israel f√ľhrte zum Pal√§stinakrieg, in dem Israel sein Territorium √ľber die Grenzen des UNO-Teilungsplans hinaus ausdehnen konnte. Jordanien besetzte, in Absprache mit der israelischen Regierung (Golda Me√Įr), das Westjordanland, √Ągypten den Gazastreifen. Bis 1967 wurde von der arabischen Seite keine Anstrengung unternommen, in diesen Gebieten einen unabh√§ngigen arabischen Staat zu gr√ľnden.

1964 wurde die PLO gegr√ľndet mit dem Ziel, den Traum der Pal√§stinenser von einem eigenen Staat zu verwirklichen und den j√ľdischen Staat Israel zu zerst√∂ren. Im Sechstagekrieg 1967 eroberte und besetzte Israel das zu Jordanien geh√∂rende Westjordanland und den zu √Ągypten geh√∂renden Teil Pal√§stinas. Nach israelischer Lesart war das Westjordanland ‚Äějordanisch besetztes Gebiet‚Äú. Bis 1967 geh√∂rte die Westbank aber nach allgemeiner Sichtweise zur international anerkannten Grenze Jordaniens (Westjordanien genannt), wie auch zahlreiche Zeitungsausschnitte deutscher Zeitungen aus dem Jahr 1967 belegen (z. B. ‚ÄěBerliner Allgemeine Zeitung‚Äú vom 21. Juli 1967; ‚ÄěDarmst√§dter Echo‚Äú vom 29. Juli 1967; ‚ÄěM√ľnchener Abendzeitung‚Äú vom 31. Juli 1967 uvm.). Die UNO-Resolution 242 von 1967 l√§sst au√üerdem auch keinen Zweifel daran, dass die Staatengemeinschaft damals von Israel den R√ľckzug aus diesen von ihm besetzten Gebieten forderte und bis heute fordert. Von nun an war es das Ziel der PLO, die 1967 den Arabern verloren gegangenen Gebiete zur√ľckzuerhalten und in diesen einen unabh√§ngigen Staat ‚ÄěPal√§stina‚Äú zu gr√ľnden. In mehreren Erkl√§rungen ab 1988 hat die PLO ihr urspr√ľngliches Ziel, die Zerst√∂rung des Staates Israel und die Errichtung eines Staates ‚ÄěPal√§stina‚Äú auf dem gesamten Territorium des historischen Pal√§stina aufgegeben. Der Verwirklichung eines lebensf√§higen Staates im Westjordanland und Gaza steht nach Ansicht der Pal√§stinenser die Siedlungspolitik entgegen, die Israel ohne R√ľcksicht auf vielfachen Protest der UNO und anderer Organisationen durchf√ľhrt.

Im Jahre 1974 wurde die PLO von der UNO als einzig legitime Vertreterin des palästinensischen Volkes anerkannt. Im Oslo-Abkommen von 1994 wurde den Palästinensern ein Autonomiestatus gewährt. Die international ausgearbeitete Roadmap for Peace sieht als wichtigstes Ziel die Errichtung eines lebensfähigen Palästinenserstaates im Westjordanland sowie im Gazastreifen vor.

Siehe auch

Literatur

  • Fabio Maniscalco, Protection, conservation and valorization of Palestinian Cultural Patrimony, monographic collection ‚ÄěMediterraneum‚Äú, n. 5, Massa Publisher 2005
  • Texte aus der Umwelt des Alten Testaments , Band 1/Alte Folge, G√ľtersloher Verlagshaus

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