Papst Cornelius

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Papst Cornelius

Cornelius († Juni 253 in Centumcellae heute Civitavecchia, Italien) war Bischof von Rom von MĂ€rz 251 bis Juni 253.

Sein Name bedeutet: der HorntrÀger (latein.) oder: aus dem altrömischen Geschlecht der Cornelier (latein.).

Inhaltsverzeichnis

Leben

Im Jahre 251 wurde er nach einer Sedisvakanz von ĂŒber einem Jahr, wĂ€hrend einer kurzen Ruhephase der Christenverfolgung durch Kaiser Trajanus Decius, gewĂ€hlt. Novatian warf ihm vor, dass er sich bei der Verfolgung unter Decius gegen Geld eine Bescheinigung verschafft habe, dass er den Göttern geopfert habe. Drei sĂŒditalienische Bischöfe weihten Novatian zum Gegenbischof. Da Novation eine Wiederaufnahme der Abgefallenen (lat. lapsi) ablehnte, Cornelius aber eine milde Haltung vertrat, kam es zum endgĂŒltigen Bruch und zur wahrscheinlich ersten Kirchenspaltung? (Siehe hippolytisches Schisma im Jahre 217). Auf einer Synode in Rom im Herbst 251, an der 60 Bischöfe teilnahmen, wurden Novatian und seine AnhĂ€nger exkommuniziert (Novatianisches Schisma).

Cornelius baute die Hierarchie der Kirche aus und war ein guter Bekannter des Cyprian, der ihn gegen die Angriffe des Novatian unterstĂŒtzte. Eine wichtige Quelle fĂŒr den Streit mit Novatian stellt der Briefwechsel zwischen Cornelius und Cyprian dar; in der Briefsammlung Cyprians sind die Briefe ep. 49 und ep. 50 von Cornelius an Cyprian gerichtet; 8 weitere Briefe (ab ep. 44) sind von Cyprian an Cornelius gerichtet.

Unter Kaiser Trebonianus Gallus wurde er 253 nach Centumcellae (Civitavecchia) in Exil geschickt, wo er auch starb. Sein Bildnis ist auf einem WandgemÀlde der Calixtuskatakombe zu sehen.

Cornelius gehört zusammen mit den Heiligen Quirinus, Hubertus und Antonius zu den „Vier heiligen MarschĂ€llen“ Gottes. Sein Gedenktag ist der 16. September, was jedoch nicht sein Todestag ist. Gebotener Gedenktag (Niederlegung der Gebeine): 14. September. Er starb im Juni 253.

MĂ€rtyrer oder nicht?

Cornelius, der in der katholischen Kirche schon immer als Heiliger verehrt wurde, gilt auch als MĂ€rtyrer, obwohl insoweit die Situation nicht eindeutig ist. Nach der Legenda aurea heilte Cornelius eine seit fĂŒnf Jahren gelĂ€hmte Frau und wurde in Rom mit anderen Christen zu Tode gemartert. In anderen aber ebenfalls nicht sicheren Quellen wird prĂ€zisiert, er sei mit dem Schwert enthauptet worden, weil er sich weigerte, dem Gott Mars zu opfern. In Veröffentlichungen aus den letzten Jahrzehnten wird in der Regel bezweifelt, wenn nicht sogar abgelehnt, dass Papst Cornelius als MĂ€rtyrer starb. Er starb anscheinend im Jahre 253 wĂ€hrend seiner Verbannung in Centumcellae an Erschöpfung. Anscheinend wurde er zunĂ€chst nicht offiziell als MĂ€rtyrer betrachtet, obwohl Cyprian ihn als solchen grĂŒĂŸte. Er ist nicht in der Depositio Martyrum aufgefĂŒhrt, einer Auflistung von MĂ€rtyrern aus dem 4. Jahrhundert. Sein Leichnam wurde - anscheinend gegen Ende des 3. Jahrhunderts - in die Calixtus-Katakombe ĂŒberfĂŒhrt, die an prominenter Stelle liegt, nĂ€mlich an der Via Appia Antica vor den ehemaligen Stadtmauern Roms. An dieser Straße waren auch die meisten Vertreter des berĂŒhmten Patriziergeschlechts der Cornelier bestattet. Seit dem 3. Jahrhundert war die Calixtus-Katakombe die wichtigste christliche BegrĂ€bnisstĂ€tte Roms. Das Grab des Cornelius liegt etwas abseits von den ĂŒbrigen PapstgrĂ€bern in dem frĂŒher selbstĂ€ndigen Coemeterium (= Grabanlage) der Lucina, unmittelbar an der Via Appia.

Auf einer Marmorplatte fĂŒr Cornelius, die spĂ€ter in der Lucina-Krypta gefunden wurde, war das Wort MARTYR von spĂ€terer Hand hinzugefĂŒgt worden. Jedenfalls wurde Cornelius von einem bestimmten Zeitpunkt an in den Katakomben als MĂ€rtyrer verehrt. Auch Im Kanon der Messe wird Cornelius unter den zwölf in der römischen Mutterkirche besonders verehrten MĂ€rtyrer der ersten vier Jahrhunderte genannt.

Aus dem Geschlecht der Cornelier?

Unklar ist des Weiteren, ob Cornelius dem Patriziergeschlecht der Cornelier entstammte, das zu den angesehensten im römischen Reich gehörte. Allein aus dem Namen kann dies nicht hergeleitet werden. Damals trug eine große Anzahl Menschen den Namen eines der berĂŒhmten römischen Geschlechter, ohne dass ein VerwandtschaftsverhĂ€ltnis bestand. In Rom war es nĂ€mlich ĂŒblich, dass Freigelassene den Namen desjenigen trugen, der ihnen die Freiheit verschafft hatte. Dies dĂŒrfte eine weit grĂ¶ĂŸere Zahl gewesen sein als die der eigentlichen Angehörigen des betreffenden Geschlechts. So soll allein der Politiker und Feldherr Lucius Cornelius Sulla rund 10.000 Menschen freigelassen haben, die dann den Namen Cornelius trugen. Nach dem Liber Pontificalis war Papst Cornelius Römer und Sohn eines gewissen Castinus, der zum Corneliergeschlecht gehörte. Wenn auch diese Quelle als nicht verlĂ€sslich gilt, sprechen mehrere Indizien dafĂŒr, dass Papst Cornelius tatsĂ€chlich ein Angehöriger dieses Geschlechts war.

Wiederentdeckung der Cornelius-Gruft

Das Cornelius-Grab war viele Jahrhunderte verschollen, wie ĂŒberhaupt im Mittelalter die Katakomben weitgehend aus dem Bewusstsein geraten waren. Mitte des 19. Jahrhundert wurde es von dem ArchĂ€ologen Giovanni Battista de Rossi entdeckt. Beim Durchstöbern von Schutt in einem verlassenen Kirchlein nahe der Via Appia fand er 1849 das BruchstĂŒck einer Marmortafel, die die Inschrift ...NELIUS MARTYR trug. De Rossi kombinierte sogleich, dass dies CORNELIUS bedeutete und dann auch die Gruft dieses Papstes nicht weit sein konnte. 1852 stieß er bei der weiteren Suche auf einen Raum, der spĂ€ter zweifelsfrei als die Gruft des Papstes Cornelius identifiziert werden konnte. Wie sich herausstellte, hatte er eine der bedeutendsten Katakomben, nĂ€mlich die Calixtus-Katakombe, wieder entdeckt. In der Grabnische fand sich ein weiteres BruchstĂŒck der Marmorplatte mit den Buchstaben COR und EP, das genau zu dem drei Jahre vorher gefundenen Fragment passte und nun die Inschrift CORNELIUS MARTYR EP (= Cornelius MĂ€rtyrer Bischof) ergab. Die Auffindung des verschollenen Cornelius-Grabes in der Calixtus-Katakombe erregte seinerzeit großes Aufsehen und gilt als Beginn der wissenschaftlichen Katakombenforschung.

Darstellungen in der Kunst

Cornelius - Mosaik aus dem 12. Jahrhundert in der Apsis der Kirche von Santa Maria in Trastevere, Rom

Die frĂŒhesten Abbildungen von Papst Cornelius stammen aus dem 6. Jahrhundert. Es handelt sich um ein Fresko nahe seinem Grab in der Calixtus-Katakombe, das ihn zusammen mit dem heiligen Cyprian zeigt. Cornelius ist dargestellt mit Tonsur, ohne Tiara, ein geschlossenes Buch vor sich in den HĂ€nden haltend. In Ă€hnlicher Weise ist Cornelius auf einem Mosaik aus dem 6. Jahrhundert zu sehen, und zwar in der „Prozession der MĂ€rtyrer“ in der Kirche S. Apollinare Nuovo in Ravenna, hier mit einer Krone in verhĂŒllten HĂ€nden. Eine weitere Abbildung, vielleicht noch Ă€lter, könnte das Fragment eines PortrĂ€ts aus dem Kloster S. Paolo fuori le Mura in Rom sein. Seine frĂŒhe Verehrung in Rom bezeugt auch eine Darstellung im Mosaik der Apsis der Kirche S. Maria in Trastevere aus dem 12. Jahrhundert sowie ein Bild im VorgĂ€ngerbau des heutigen Petersdomes. Etwa zur gleichen Zeit wurde Cornelius in den Miniaturen der „Leidensgeschichte von Stuttgart“ mit Heiligenschein und in bischöflichem Ornat wiedergegeben. Aus dem 14. Jahrhundert stammen ein Fresko in der Severinskirche in Köln und ein Cornelius-Reliquiar in der Kirche von KornelimĂŒnster. In der Alten Pinakothek in MĂŒnchen ist ein um 1440/45 von Stephan Lochner geschaffenes Altarbild ausgestellt, das Cornelius zwischen Antonius dem Einsiedler und Maria Magdalena zeigt. Es dĂŒrfte eine der frĂŒhesten Darstellungen sein, auf denen Cornelius mit einem Horn zu sehen ist. Eine andere frĂŒhe Darstellung mit Horn befindet sich im Aachener Domschatz, die um 1460 wahrscheinlich von dem so genannten Aachener Meister gemalt wurde. In der Kathedrale von Burgos in Spanien ist das GemĂ€lde eines unbekannten deutschen Malers vom Ende des 15. Jahrhunderts zu sehen, das Cornelius mit einem anderen Heiligen und Christus in der Mitte als Schmerzensmann zeigt. In der Sixtinischen Kapelle in Rom ist eines der von Sandro Botticelli (1481–1482) gemalten elf Papstbildnisse das des Cornelius.

Aufgrund der großen PopularitĂ€t des Heiligen ist darĂŒber hinaus noch eine Vielzahl weiterer Bilder und Statuen geschaffen worden, vor allem vom 16. Jahrhundert an. Es gibt auch eine Anzahl neuzeitlicher Darstellungen. Zu erwĂ€hnen sind das nach 1945 von Professor G. FĂŒnders geschaffene Glasfenster im Hauptchor der Pfarrkirche von DĂŒlken und der so genannte Jahrhundertbogen von 1989 des Bildhauers W. Klenk neben dem Kirchturm der Pfarrkirche von Lippborg oder die ĂŒberlebensgroße Cornelius-Statue außen an der 1951 eingeweihten Pfarrkirche von Alsdorf-Hoengen. Die bemerkenswerteste Darstellung dĂŒrfte wohl das 1985 von dem niederlĂ€ndischen KĂŒnstler Siem van Bleisem geschaffene GemĂ€lde in der Pfarrkirche von Limmen in Nordholland sein.

Die meisten Darstellungen zeigen Cornelius als Papst, vor allem kenntlich gemacht durch die Tiara, die dreifache Papstkrone, und den Papststab mit dem dreifachen Kreuz. Da es eine Anzahl heiliger PĂ€pste gab, bekam er wie viele andere Heilige im Mittelalter zur eindeutigen Kenntlichmachung noch ein so genanntes Attribut. In seinem Fall war es ein Horn, abgeleitet von seinem Namen, in dem das lateinische Wort cornu = Horn steckt. Bei einer Anzahl von Darstellungen hĂ€lt Cornelius aber kein Horn in der Hand, sondern ein Schwert, weil er der Legende nach enthauptet wurde, oder eine Palme als Zeichen fĂŒr sein MĂ€rtyrertum. Einige Bilder zeigen auch Szenen von seinem legendenhaften MĂ€rtyrertod. Oft ist er auch mit einem Buch dargestellt, teilweise sowohl mit Buch wie mit Horn. Manche Darstellungen zeigen ihn als Patron des Hornviehs mit einem Rind.

BeschĂŒtzer des Hornviehs

Viele Jahrhunderte hindurch galt – und gilt in geringerem Umfang noch heute – Cornelius vor allem als Helfer bei Erkrankungen von Haustieren und/oder bei Epilepsie und anderen Nervenkrankheiten. Dies geht jedoch nicht auf das Leben des Papstes zurĂŒck, auch nicht in seiner legendenhaften Form. Als Schutzpatron bei Viehkrankheiten gilt er wegen seines Namens, in dem das lateinische Wort cornu = Horn steckt. Dies hat sich erhalten in den Sprachen, die aus dem Lateinischen hervorgegangen sind. So nennt sich im Französischen das Hornvieh „bĂȘtes Ă  cornes“. Auch bei anderen Heiligen wird deren Helfereigenschaft allein aus ihrem Namen hergeleitet wie zum Beispiel Valentin bei der „fallenden Krankheit“ oder Epilepsie, Lucia und Klara bei Augenleiden, Blasius als Patron der HornblĂ€ser, Lambertus als Helfer gegen Lahmheit, Allerdings ist in der deutschen Sprache corn nicht gleich Horn wie im Lateinischen, Italienischen und Französischen. Im deutschen Sprachgebiet war also die Verbindung zum Hornvieh nicht gegeben. Vermutlich hatte die in der Bretagne schon frĂŒh einsetzende Verehrung des Heiligen als Schutzpatron des Hornviehs Ausstrahlungen auf den niederlĂ€ndisch-deutschen Sprachraum. Die seit der Mitte des 15. Jahrhundert zu beobachtenden Darstellungen des Heiligen mit einem Horn in der Hand dĂŒrften diesen Trend verstĂ€rkt haben. UrsprĂŒnglich war Cornelius nur der Schutzheilige fĂŒr das Hornvieh; dies dehnte sich dann im Laufe der Zeit auf andere Haustiere aus.

Es wurde Brauch, aus dem Horn geweihtes Wasser zu trinken, wie es von vielen Wallfahrtsorten des heiligen Cornelius bekannt ist. DarĂŒber hinaus hat man das Horn vielfach wegen seiner Seltenheit als ReliquiengefĂ€ĂŸ genommen. Man sah die Hörner oft als Klauen des legendĂ€ren Greifen an, eines vogelĂ€hnlichen Monsters, um das sich viele Geschichten rankten. Laut Legende war das Cornelius-Horn in KornelimĂŒnster eine Greifenklaue, die Cornelius als TrinkgefĂ€ĂŸ benutzt habe. Mehrere Orte haben im Wappen ein Horn, das auf die dortige Verehrung des Heiligen zurĂŒckgeht, so KornelimĂŒnster, Wallscheid, Monschau-Rohren und Riveris Riveris sowie Wanroy in den Niederlanden.

Im 14./15. Jahrhundert waren auch spezielle Pilgerhörner aus Ton in Gebrauch, „Heiltumshorn“ oder „Aachenhorn“ genannt. Da sich an die alle sieben Jahre stattfindende „Heiltumsfahrt“ nach Aachen auch jeweils ein Abstecher nach KornelimĂŒnster anschloss, dĂŒrfte mit dem „Aachenhorn“ das Cornelius-Horn in KornelimĂŒnster gemeint sein. Das Horn war aber nicht allein das Attribut des heiligen Cornelius. Auch die Heiligen Hubertus von LĂŒttich, Oswald, König von Northumbria, Blasius von Sebaste und Eustachius wurden mit einem Horn abgebildet.

Helfer bei der Kornelkrankheit

Daneben war Cornelius lange Zeit der wichtigste Heilige bei der Fallsucht (Epilepsie) und anderen Nervenkrankheiten. Seine Anrufung war so populĂ€r, dass die Epilepsie auch als „Kornelkrankheit“ oder „Corneliuskrankheit“ bekannt war. Vereinfacht ist zu sagen: In den romanisch sprechenden LĂ€ndern war Cornelius - wegen der sprachlichen Gleichheit von Corn = Horn = Hornvieh - vor allem der Schutzpatron bei Viehkrankheiten, wĂ€hrend im niederlĂ€ndisch/deutschsprachigen Raum die Hilfe bei der Fallsucht im Vordergrund stand. Die Verehrung als Fallsuchtpatron trat erst relativ spĂ€t auf, im Allgemeinen erst im 15. Jahrhundert und spĂ€ter. Sie war besonders stark mit volkstĂŒmlichem Brauchtum durchsetzt, weil die Epilepsie bis in die jĂŒngste Zeit geheimnisvoll und von magischen KrĂ€ften verursacht erschien. Das Volk trennte nicht stark zwischen ihr und Krankheiten mit Ă€hnlichen Erscheinungsformen. So wurde Cornelius bei allen krampfartigen AnfĂ€llen bis hin zum Keuchhusten angerufen. Da man den Ursprung dieser Krankheiten im Kopf sah, rief man schließlich bei allen Erkrankungen des Kopfes wie Schlaganfall, Ohrenschmerzen und Blindheit Cornelius als Helfer an. Traten Ă€hnliche Erscheinungsbilder beim Vieh auf, galt das gleiche, insoweit völlig unabhĂ€ngig von seinem Patronat fĂŒr das Hornvieh. So wurde Cornelius in Nusbaum-Freilingen in der Eifel als Helfer gegen Pferde- und Schweinekrankheiten angerufen, in den belgischen Orten Aalbeke bei Menen, Rossem bei Wolverthem, in Bekkerzeel und Erps als Schutzpatron gegen HĂŒhnerkrankheiten.

Bei der Fallsucht ist die ErklĂ€rung des Patronats schwieriger. Das Schrifttum schweigt sich zu dieser Frage weitgehend aus. Die ErklĂ€rung könnte vielleicht darin liegen, dass eine der wichtigsten Taten dieses Papstes darin bestand, dass er fĂŒr die - vom Glauben - Abgefallenen eintrat und daher auch als FĂŒrsprecher fĂŒr die an der Fallsucht Leidenden ausgewĂ€hlt wurde? In der Cornelius-Litanei der Pfarre Lamersdorf, Kreis DĂŒren, wird von der „fallenden Krankheit“ gesprochen. Im NiederlĂ€ndischen heißt Fallsucht vallende ziekte, die Abgefallenen afgevallenen. Eine andere ErklĂ€rung wĂ€re die, dass laut Legende Cornelius eine Nervenkranke geheilt hat, nĂ€mlich Sallustia, die Frau des Hauptmanns Cerealis, die „15 Jahre bettlĂ€gerig war durch LĂ€hmung infolge einer Nervenkrankheit“. Der wahrscheinlichste Grund dĂŒrfte aber sein, dass das Haupt des Cornelius in KornelimĂŒnster aufbewahrt wird und der Kopf als Sitz der Nervenkrankheiten galt; vielleicht auch noch, weil er der Legende nach enthauptet worden war. Es gibt Ă€hnlich gelagerte FĂ€lle wie zum Beispiel beim heiligen Apollinaris, der in Remagen wegen Fallsucht angerufen wird, weil sich dort sein Haupt befindet, und bei Johannes dem TĂ€ufer, im Mittelalter Patron gegen Kopfleiden und KrĂ€mpfen, weil er enthauptet worden war. HĂ€ufig wurden im Rheinland Johannes der TĂ€ufer und Papst Cornelius gemeinsam als Fallsuchtspatrone verehrt, wobei mit der Zeit Johannes durch Cornelius ersetzt wurde.

Neben KornelimĂŒnster beanspruch(t)en auch andere Orte, das Haupt des Papstes Cornelius zu besitzen. So fĂŒhrt eine gefĂ€lschte Urkunde, das so genannte Silvester-Agritiusdiplom, in den Gesta Trevirorum bereits um das Jahr 1000 unter den angeblich von der heiligen Helena, der Mutter Konstantins des Großen, nach Trier gebrachten Reliquien das Haupt des Cornelius auf. DarĂŒber hinaus glaubten in der Trierer Gegend zwei Zisterzienserinnenklöster, nĂ€mlich das auf dem Helenenberg und das ehemalige Kloster Machern a. d. Mosel im Besitz seines Hauptes zu sein, und zwar bereits seit dem 13. Jahrhundert. Auch in der Klosterkirche St. Veit im bayerischen Freising befand sich laut einer Urkunde bereits aus dem Jahre 860 eine Kopfreliquie des Cornelius (und des Cyprian), die bis 1803 an bestimmten Festtagen ausgestellt wurde. Ferner glaubten Rom, CompiĂšgne in Frankreich, Ninove in Belgien sowie einige andere Orte das Haupt des Heiligen oder doch Teile davon zu besitzen. Als ErklĂ€rung fĂŒr dieses PhĂ€nomen ist zu vermuten, dass bei den meisten dieser Orte die Entwicklung in umgekehrter Reihenfolge verlief: Da der Heilige dort vor allem wegen der Fallsucht verehrt wurde, fĂŒhrte dies zu der Annahme, man besitze das Haupt.

Namensformen

Die PopularitĂ€t von Papst Cornelius zeigt sich auch darin, dass sich in verschiedenen Sprachen eine eigene Form dieses Namens bildete. In der deutschen Sprache hat man zwar die ursprĂŒngliche Form nicht verĂ€ndert, aber immerhin die Schreibweise im 19. Jahrhundert und vor allem nach der Rechtschreibreform von 1901 eingedeutscht und Cornelius mit K geschrieben. So schreibt sich KornelimĂŒnster inzwischen mit K und dementsprechend ihren Patronatsheiligen ebenfalls mit K. Auch im offiziellen katholischen Schrifttum wird fast immer „Kornelius“. geschrieben. Im Französischen heißt der Papst Corneille. In der Bretagne nennt man ihn CornĂ©ly oder CornĂ©li. Im Italienischen und Spanischen ist aus Cornelius Cornelio geworden. Dies gilt sowohl fĂŒr die berĂŒhmten Politiker und Schriftsteller der Römer aus dem Geschlecht der Cornelier, fĂŒr den Hauptmann Cornelius aus der Apostelgeschichte, fĂŒr Papst Cornelius (papa Cornelio im Italienischen) wie fĂŒr spĂ€tere TrĂ€ger des Namens Cornelius. Die Portugiesen schreiben CornĂ©lio (also mit Akzent auf dem e). Im NiederlĂ€ndischen wurde der Name zu Cornelis, offiziell blieb es aber bei Cornelius. Im Englischen heißt der Papst unverĂ€ndert Cornelius (wird aber englisch ausgesprochen), im Griechischen in lateinischer Schrift Kornilios und im Polnischen Korneliusz (sz wird dort sch ausgesprochen). Im FlĂ€mischen sind oder waren neben dem halboffiziellen Cornelis (Anfangsbuchstabe auch K) mit der Verkleinerungsform Cornelisje, (ausgesprochen kornelische) die Formen Sint Knilles oder Sinterkurnellis im Umlauf. In Nordholland wird auch die populĂ€re Kurzform Cor verwendet. In Luxemburg gibt es im moselfrĂ€nkischen Dialekt die Bezeichnung St. Cornilli; im nordluxemburgischen Eppeldorf wurde Cornelius einfach Conni genannt. Die Bewohner des deutschsprachigen Teils von Belgien nahe KornelimĂŒnster nennen mundartlich den Ort Krinelle-Mönster und die Messe zu Ehren des Heiligen KornĂ€llesmess.

Die GrĂŒnde fĂŒr die große PopularitĂ€t des heiligen Cornelius sind nicht ganz eindeutig. Er war nur gut zwei Jahre Papst und es ist nur wenig ĂŒber ihn bekannt. Sie dĂŒrfte weitgehend darauf beruhen, dass er als Helfer bei Vieh- und Nervenkrankheiten in frĂŒheren Jahrhunderten erhebliche Bedeutung fĂŒr das Leben der Menschen hatte. Er stand aber schon vorher in hohem Ansehen. Dies zeigt sich unter anderem daran, dass im Jahre 875 der damalige Papst Johannes VIII. die Gebeine des Cornelius Karl dem Kahlen bei der Kaiserkrönung zum Geschenk machte. Cornelius und Cyprian dĂŒrften auch im 9. Jahrhundert zu den Familien-Patronen des karolingischen Königshauses gehört haben. Dies strahlte wohl auch aus auf den mit dem Königshaus verbundenen Adel, so dass dieser bei KirchengrĂŒndungen die Verehrung der beiden Heiligen besonders förderte, wie die Patronate in Bad Buchau, CompiĂšgne und Metelen vermuten lassen. VerstĂ€rkt wurde die hohe WertschĂ€tzung wohl auch dadurch, dass Cornelius zu den wenigen Personen gehört, die im Mess-Kanon aufgefĂŒhrt sind.

Verbreitung des Kults

Im Laufe des 9. Jahrhunderts tauchten Cornelius-Reliquien fast schlagartig an ganz verschiedenen Stellen im Norden auf, ohne dass eine bestimmte AbhĂ€ngigkeit der einzelnen KultstĂ€tten voneinander nachzuweisen wĂ€re. Die KlĂ€rung dieser sehr verwickelten VerhĂ€ltnisse ist kaum möglich. Das wichtigste und grĂ¶ĂŸte Gebiet des Cornelius-Kultes seit dem 11. Jahrhundert sind die Rheinlande sowie die Niederlande in den alten Grenzen (also einschließlich des flĂ€misch sprechenden Teils Belgiens).

In dem Werk von Professor Dr. Zender RĂ€ume und Schichten mittelalterlicher Heiligenverehrung, 1973, sind in den von ihm untersuchten LĂ€ndern etwa 630 Cornelius-KultstĂ€tten aufgefĂŒhrt. Hiervon entfallen rund 210 oder etwa 33% auf Belgien, 185 oder rund 30% auf Deutschland, etwa 80 oder 13% auf Frankreich, rund 70 oder 11% auf die Niederlande und 20 oder 3% auf Luxemburg, jeweils in den heutigen politischen Grenzen. Im Gegensatz zu vielen anderen Heiligen ließ im Volk die Cornelius-Verehrung erst seit den 1970er Jahren nach, als die allgemeine Verweltlichung immer stĂ€rker wurde.

Gemeinsam verehrt mit Cyprian

Sehr hĂ€ufig wird Cornelius gemeinsam mit dem heiligen Cyprian verehrt. Sie gelten als „liturgische Zwillinge“. Eines der frĂŒhesten Zeugnisse hierfĂŒr ist das Fresko in der Gruft des Cornelius in der Calixtus-Katakombe, das wahrscheinlich im 6. Jahrhundert entstand und beide Heilige nebeneinander auf demselben Bild zeigt. Als Kaiser Karl der Kahle von seiner Kaiserkrönung 875 in Rom die Gebeine des Cornelius nach CompiĂšgne ĂŒberfĂŒhrte, brachte er möglicherweise auch die des Cyprian mit. Cyprians Haupt und Arm, die als die wichtigsten Reliquien eines Heiligen gelten, befinden sich heute in KornelimĂŒnster ebenso wie SchĂ€deldecke und Arm des Cornelius. Der Grund fĂŒr die gemeinsame Verehrung ist wahrscheinlich ihr (anscheinend) gemeinsamer Todes- oder BegrĂ€bnistag, der 14. September, verstĂ€rkt dadurch, dass Cyprian nachhaltig beim damaligen Schisma fĂŒr Cornelius eintrat und ihn in der Verbannung tröstete. SpĂ€ter wurde der Festtag der beiden Heiligen wegen anderer Feiertage auf den 16. September verlegt. In der Volksfrömmigkeit war offenbar die Verehrung des Cornelius stĂ€rker ausgeprĂ€gt als die des Cyprian, der als Schutzpatron gegen die Pest angerufen wurde.

Italien

In Rom genoss Cornelius ganz besondere Verehrung, zumindest bis die Gebeine 875/76 von Kaiser Karl dem Kahlen nach CompiĂšgne ĂŒberfĂŒhrt wurden. Papst Leo der Große errichtete im 5. Jahrhundert zu Ehren des Cornelius eine Basilika. Ende des 8. Jahrhundert sollen seine Gebeine von Papst Hadrian I. in das Gebiet von Capracoro in Agro Veiente verbracht worden sein. Unter Papst Gregor IV. wurden die Gebeine zur Kirche Santa Maria in Trastevere ĂŒberfĂŒhrt. Schon dieser Papst sandte einige der Gebeine an die Abtei Fulda in Deutschland und nach Cysoing in Nordfrankreich. In Trastevere wurde den Gebeinen anscheinend große Verehrung zuteil. Sie wurden innerhalb der Kirche nochmals umgebettet. Von dort brachte Kaiser Karl der Kahle 875/76 den Großteil der Gebeine nach CompiĂšgne in Frankreich, das er zur Hauptstadt seines Reiches ausersehen hatte.

Frankreich

Um noch weitere angesehene Reliquien zu erhalten, tauschte der Kaiser - so die ĂŒberwiegende Meinung - SchĂ€deldecke und rechten Arm des Cornelius sowie ein StĂŒck der SchĂ€deldecke des Cyprian gegen eine HĂ€lfte des Grabtuchs Christi aus dem Kloster im spĂ€teren KornelimĂŒnster. In CompiĂšgne ruht aber noch heute der wohl grĂ¶ĂŸte Teil der Gebeine der beiden Heiligen. Infolge des Reliquientausches entwickelte sich spĂ€ter, von KornelimĂŒnster ausgehend, das Rhein-Maas-Gebiet zum Mittelpunkt der Cornelius-Verehrung. In Frankreich selbst sind CompiĂšgne und die Bretagne die bedeutsamsten StĂ€tten der Cornelius-Verehrung. Über das ganze Land verteilt sind es insgesamt mehr als 80 Orte, davon allein 26, in denen Papst Cornelius Pfarrkirchen- oder Klosterpatron war oder ist. Vier Orte haben sogar anscheinend ihren Namen aufgrund der Cornelius-Verehrung erhalten, nĂ€mlich Cornilly – frĂŒher Corneliacum genannt –, St. Cornier-des-Landes, St. Corneille bei Montfort-le-Rotrou/Sarthe und St. Corneille-au-Bois. Nach einer allerdings nicht sehr wahrscheinlichen Annahme soll die erste Cornelius-Reliquie nördlich der Alpen bereits 801/806 nach Lyon gekommen sein; von dort sei sie 875/877 nach CompiĂšgne ĂŒberfĂŒhrt worden. Sicher ist jedoch, dass die Verehrung des Cyprian in SĂŒdfrankreich schon sehr frĂŒh, noch vor der Jahrtausendwende, intensiv eingesetzt hat. Im Gegensatz zu Deutschland, Belgien und den Niederlanden wird in Frankreich Cornelius nahezu ausschließlich als BeschĂŒtzer des Viehs verehrt, nicht oder kaum als Patron gegen die Fallsucht und andere Nervenkrankheiten.

Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland sind es heute 32 Kirchen, deren Patron Papst Cornelius ist – meist zusammen mit Cyprian. Sie befinden sich alle im westlichsten Gebiet und verteilen sich auf sieben BistĂŒmer, davon neun im Bistum Trier, acht im Bistum Aachen, fĂŒnf im Bistum Rottenburg-Stuttgart, vier im Bistum MĂŒnster, drei im Bistum Köln, zwei im Bistum Freiburg und eine im Bistum Augsburg.

Eine Sonderstellung in Bezug auf Cornelius nimmt Fulda ein, obwohl der Ort weitab von den traditionellen Zentren seiner Verehrung liegt. Er dĂŒrfte die Ă€lteste KultstĂ€tte des Heiligen in Deutschland sein, allerdings insoweit in gewisser Konkurrenz mit St. Severin in Köln und Bad Buchau. Auch kamen die Reliquien in Fulda nicht etwa ĂŒber CompiĂšgne/KornelimĂŒnster oder Köln dorthin, sondern direkt aus Rom. Möglicherweise sind auch schon sehr frĂŒh Cornelius-Reliquien nach Bayern gekommen. Sie blieben dort aber ohne grĂ¶ĂŸere Auswirkungen auf den Heiligenkult. Schon in einer Urkunde von 860 wird erwĂ€hnt, dass in Freising in der ehemaligen Klosterkirche S. Vitus Reliquien vom Kopf des Cornelius und auch des Cyprian ruhen. Bis 1803 wurde das Haupt des Cornelius bei bestimmten Festen ausgestellt. Auch an anderen Orten Bayerns gibt es Cornelius-Reliquien, so in Bamberg, Regensburg (Kloster Sankt Emmeram) und Probstried. Insgesamt gesehen war Cornelius im bayerisch-österreichischen Raum selten, dagegen im schwĂ€bisch-alemannischen Gebiet hĂ€ufiger, insbesondere in der heutigen Schweiz. In der Mitte und im Osten Deutschlands (in den frĂŒheren Grenzen) hat sich eine Cornelius-Verehrung kaum ausgebildet. Einige KultstĂ€tten finden sich aber auch hier, so in Halberstadt (Kirche St. Stephan), Hildesheim (Dom), Braunschweig (Blasiuskirche), Erfurt, Glogau (Dom), Breslau (Dom) und in Kieth/Mecklenburg.

Bedingt durch die Strömungen der AufklĂ€rung und des Rationalismus ging in der 2. HĂ€lfte des 18. Jahrhunderts die Heiligenverehrung allgemein deutlich zurĂŒck. Viele Anzeichen sprechen aber dafĂŒr, dass die Cornelius-Verehrung davon weniger betroffen war und im 19. Jahrhundert und in der 1. HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts zumindest im Rheinland sogar wieder einen gewissen Aufschwung nahm. Viele liturgische Texte scheinen in diesem Zeitraum entstanden oder doch ĂŒberarbeitet worden zu sein.

Belgien

Auf dem Gebiet des heutigen Belgien, wo mit Abstand die meisten Cornelius-KultstĂ€tten liegen, ist umstritten, wie weit diese auf CompiĂšgne in Frankreich oder auf KornelimĂŒnster in Deutschland zurĂŒckgehen. Wahrscheinlich war auch hier der Einfluss von KornelimĂŒnster bestimmend. Überwiegend wurde Cornelius um Beistand gegen die Fallsucht angerufen. Im nördlichen, flĂ€mischen Teil Belgiens sind heute vier Kirchen Cornelius geweiht, nĂ€mlich in Ninove, Gebrode, Horebeke und Ruien. Neben Ninove, wo die im 12. Jahrhundert gegrĂŒndete PrĂ€monstratenser-Abtei von Anfang an Cornelius und Cyprian als Patrone hatte, war Ronse ein Hauptort der Cornelius-Verehrung. Schon im Jahre 860 sollen seine Reliquien von KornelimĂŒnster hierhin gebracht worden sein. Verehrt wird Cornelius in der St.-Hermeskerk, der Hauptkirche der Stadt.

Niederlande

In den Niederlanden gibt es elf Kirchengemeinden, die Cornelius zum Patron haben und nach ihm benannt sind, nĂ€mlich in Achtmaal, Beuningen, (Maastricht-)Borgharen, Den Hout, Lamswaarde, Limmen, Luttenberg, Swartbroek, Vortum en Mullem, Wanroy, Steenbergen Welberg. Insgesamt sind 28 Wallfahrtsorte zu Ehren des Heiligen bekannt. Die meisten dieser Orte liegen im SĂŒdosten der Niederlande in den Provinzen Limburg und Nordbrabant, also in relativer NĂ€he zu KornelimĂŒnster. Allerdings ist ein großer Teil der Niederlande protestantisch, so dass insoweit keine Verehrung des Heiligen mehr in Betracht kommt, selbst wenn dies möglicherweise vor der Reformation der Fall war.

weitere LĂ€nder

Im Großherzogtum Luxemburg sind drei Orte bekannt, an denen heute Cornelius verehrt wird, und zwar Angelsberg, Eppeldorf und Winseler. Wahrscheinlich war die Verehrung in frĂŒheren Zeiten ausgeprĂ€gter. Die Untersuchung von Professor Zender ĂŒber die Heiligenverehrung im Mittelalter fĂŒhrt fĂŒr Luxemburg 20 KultstĂ€tten auf. In Österreich hat Ă€hnlich wie in Bayern eine Cornelius-Verehrung nur in geringem Umfang bestanden. Bei Professor Zender sind nur zwei Orte zu finden: das 1138 gegrĂŒndete Zisterzienserstift Zwettl in Niederösterreich, das bereits im 13. Jahrhundert eine Cornelius-Reliquie besaß, sowie Hall in Tirol, wo sich Reliquien aus dem niederlĂ€ndischen Bereich im Heiltum des Ritters Waldauf befanden und Cornelius als einer der vier Marschalle verehrt wurde. Hinzu kommt die Pfarrkirche St. Corneli in Tosters. In England gibt es nur Spuren einer frĂŒheren Cornelius-Verehrung. In der Kirche von Portlemouth (Devon) befindet sich im Lettner ein GemĂ€lde des Heiligen, gekleidet als Papst und in den HĂ€nden das Papstkreuz und ein Horn haltend. FĂŒr zwei Kirchen sind auch Reliquien des Heiligen bezeugt, nĂ€mlich fĂŒr die Kathedrale von Exeter bereits im Jahre 1030 und fĂŒr die Kathedrale von Durham in Nordengland im 14. Jahrhundert. In Cornwall gibt es einen Ort namens Cornelly. FrĂŒher soll er S. Cornelius geheißen haben mit Cornelius als Kirchenpatron. In DĂ€nemark gibt es zwei Minoritenkirchen mit Cornelius-Reliquien: in Roskilde, dort zusammen mit denen des Cyprian, und in Kopenhagen. In der deutschsprachigen Schweiz ist oder war als Teil des alemannischen Raums der Cornelius-Kult weit verbreitet. Professor Zender zĂ€hlt 22 Orte auf. Über die Verehrung des Cornelius in Spanien ist wenig bekannt. Es gibt zwei Orte, deren Pfarrkirche Cornelius und Cyprian geweiht ist: San CebriĂĄn de Campos, etwa 20 km nördlich der Stadt Palencia und San CebriĂĄn de MudĂĄ, etwa 20 km nordwestlich des Stausees Aguilar de Campoo gelegen. Im Dommuseum der Kathedrale von Burgos hĂ€ngt ein GemĂ€lde mit Papst Cornelius vom Ende des 15. Jahrhunderts, dessen Inschriften teilweise in Deutsch abgefasst sind.

Wie weit es eine Cornelius-Verehrung in weiteren LĂ€ndern gibt, bleibt offen. Östlich von Deutschland dĂŒrfte nicht viel zu erwarten sein, da schon in Deutschland selbst nach Osten hin die Cornelius-KultstĂ€tten sehr stark abnehmen. Allerdings ist in Polen und Ungarn Cornelius als Vorname nicht unbekannt.

VerehrungsbrÀuche

Fast alle Kirchen, in denen Cornelius verehrt wird, besitzen eine Cornelius-Reliquie, manchmal auch zwei und mehr. An seinem Festtag, dem 16. September, wurde vielfach innerhalb der Kirche oder auch um die Kirche eine Prozession oder ein Umzug abgehalten, wobei Reliquien des Heiligen oder eine Statue umher getragen wurden. Hierbei sang und betete man auch spezielle Cornelius-Lieder oder -Litaneien. In vielen Orten wurde mit der Cornelius-Reliquie ein Cornelius-Segen erteilt, hĂ€ufig auch – vor allem in Belgien und den Niederlanden – ein spezieller Kindersegen. Kinder sah man als besonders gefĂ€hrdet durch KrĂ€mpfe und Ă€hnliche Beschwerden an. Weit verbreitet war die Abgabe von Cornelius-Wasser und Cornelius-Brot. Zur Verehrung legen die GlĂ€ubigen an vielen Orten die Hand auf den BehĂ€lter mit den Reliquien; in frĂŒheren Zeiten wurde dieser meist gekĂŒsst. Vielfach ist unter bestimmten Bedingungen ein Ablass mit dem Besuch der Kirche verbunden. Der Festtag des Heiligen wurde hĂ€ufig als eine Art Volksfest begangen zusammen mit einer Kirmes. An vielen Orten gab es spezielle BrĂ€uche. Nachstehend die bemerkenswertesten hiervon:

„Aufwiegen“ des Körpergewichts

An mehreren Wallfahrtsorten wurde das Wiegen praktiziert. Seinen Ursprung soll dieser Brauch in KornelimĂŒnster gehabt haben. Dort pflegten frĂŒher kranke Pilger Weizen entsprechend ihrem Körpergewicht mitzubringen und diesen dem hl. Cornelius zu opfern. Von diesem Weizen wurde dann Brot gebacken und kostenlos an die Pilger verteilt. Auch heute noch erhalten Pilger und Besucher bei der jĂ€hrlichen Korneli- Oktav ein kleines trockenes, ohne Salz gebackenes Weißbrötchen, das so genannte „Kornelibrötchen“, kostenlos zur StĂ€rkung. Man gab sie frĂŒher auch dem Vieh ins Fressen. Auch in den niederlĂ€ndischen Wallfahrtsorten Heerlerheide, Dieteren und Posterholt war frĂŒher das Wiegen in Übung, um als Epileptiker von seiner Krankheit zu genesen. So musste in Heerlerheide der Kranke soviel Korn sammeln, wie er wog und den Gegenwert dieses Korns in Geld in den Opferstock der Kirche legen. Anschließend durfte er ein Jahr lang freitags nur eine Mahlzeit einnehmen. Den Namenstag des Cornelius hatte er als Sonntag zu begehen und musste jedes Jahr der Kirche einen Silberpfennig bringen. Ähnlich war es in Sint Pieters-Voeren in Belgien. Cornelius wurde auch dort vor allem von Epileptikern angerufen. Der Kranke opferte sein Gewicht in Korn oder den Gegenwert in Geld. Am Corneliustag war fĂŒr ihn Arbeitsruhe, er hatte einen silbernen Pfennig zu opfern und - er oder ein Stellvertreter - zu fasten. In Achtmaal (Niederlande) hielt man zur Genesung von KrĂ€mpfen dem Patienten einen silbernen Franken an die Stirne und legte ihm Sauerteig auf die FĂŒĂŸe; der Franken wurde anschließend geopfert. In Hekelgem (Belgien) wurde das Opfergeld vom Kranken vor dem Opfer in das Weihwasser des Krankenzimmers getaucht.

Bei Kinderkrankheiten

In Leur (Niederlande) brachten MĂŒtter ihre Kleinen bei der „kindjeskermis“, die am Corneliusfest (16. September) oder dem nĂ€chstgelegenen Sonntag stattfand, zur Kirche, um sie mit einer Reliquie des Heiligen segnen zu lassen. In Machern an der Mosel wurden die Reliquien der Heiligen Cornelius und Valentin zum Segnen von Wasser benutzt, das in neun Tagen dreimal tĂ€glich zu trinken war. Dadurch sollten Kinder gesund werden oder sie wĂŒrden sterben. In Meerlo (Niederlande) reihten die GlĂ€ubigen in der Kirche die so genannten „S. Cornelius-kralen“, geweihte Samenkörner der Pfingstrose, auf einer Schnur auf und hĂ€ngten sie Kindern um den Hals als Mittel gegen KrĂ€mpfe. Dazu sollte der Betroffene neun Tage lang tĂ€glich die Corneliuslitanei beten. In Bokhoven (Niederlande) ließen viele Mitglieder der dortigen Cornelius-Bruderschaft schon ihre Neugeborenen als Mitglieder aufnehmen und nannten dies „sich gegen KrĂ€mpfe einschreiben lassen“; den Kindern wurde dann eine Cornelius-Medaille ans Hemdchen geheftet. In Gutschoven (Belgien) opferte man Haare und Flechten von Kindern sowie Kinderkleidchen. Die Pilger dort ließen ein Kuhhorn weihen und gaben daraus den Kindern geweihtes Wasser zu trinken. In Diegem (Belgien) wurde bei KinderkrĂ€mpfen ein lebendes Kaninchen geopfert. Im niederlĂ€ndischen Lamswaarde bekamen die Kinder am Corneliusfest jeweils neue Sachen zum Anziehen.

An verschiedenen Orten wurde Cornelius noch bei weiteren Leiden angerufen, so bei Lahmheit, ansteckenden Krankheiten, Pest, Fieberkrankheiten, Kopfleiden, Blindheit, HirnhautentzĂŒndung, Mutterkornpilz, Ohrenschmerzen, Halskrankheiten, Keuchhusten, KrĂ€tze, Warzen, Blutungen, Bruchleiden, Kinderlosigkeit (Ninove in Belgien), Stress und Beziehungsproblemen, gegen Schlaganfall und plötzlichem Tod, zur Erhaltung der Keuschheit und als Patron der Liebenden (Neuss-Selikum).

Bei Tierleiden

In der Bretagne, wo man Cornelius vor allem als Schutzpatron des Hornviehs verehrte, wurden bei den Wallfahrten nach PlumĂ©lieu beim Corneliusfest die Rinder gesegnet und die Pilger opferten Vieh. Sie erhielten dafĂŒr geweihte BĂ€nder, mit denen man gegen Fieber, Kolik und Zittern ĂŒber den Leib des Tieres strich. Ein anderer Brauch war, ein Tier aufzuziehen und es ganz oder zur HĂ€lfte nach zwei bis drei Jahren dem Heiligen zu schenken. Das Tier wurde dann bei der Wallfahrt verkauft und der Erlös je nach Gelöbnis ganz oder teilweise an die Kirche gegeben. In Passchendaele in Belgien opferte man am Festtag des Cornelius KĂŒhe und Pferde. Ein Priester segnete sie, dann kaufte man sie zurĂŒck und ließ sie frei im Hof herumlaufen. Sie durften nicht verkauft werden, sondern starben eines natĂŒrlichen Todes. In Denderbelle (Belgien) wie auch an mehreren anderen Orten wurde „een levend hart“ (= ein lebendes Herz) geopfert. Gemeint war damit ein lebendes Tier, das zugunsten der Kirche verkauft wurde; in Denderbelle war es ein Huhn. Auch in LĂŒtzkampen-Welchenhausen pflegten SchafzĂŒchter und SchĂ€fer lebende Schafe und LĂ€mmer, so genannte Kapellenschafe, sowie Wolle zu opfern. Die geopferten Schafe wurden dann von ihnen unentgeltlich weitergefĂŒttert. Den Erlös aus dem Verkauf der Tiere lieferte man an die Kapelle ab. Ähnlich war es in Scheid. In Aalbeke (Belgien) wurden fĂŒr jeden Pilger zwei HĂŒhner gesegnet; eines wurde geopfert, das andere blieb auf dem Hof als Schutz.

Andere Heilige namens Cornelius

Außer dem römischen Hauptmann Cornelius aus der Apostelgeschichte und Papst Cornelius gibt es noch eine ganze Anzahl weiterer Heiliger dieses Namens. Das wohl umfangreichste Werk in deutscher Sprache hierzu, nĂ€mlich das VolstĂ€ndige Heiligen-Lexikon von 1858 fĂŒhrt 22 Heilige namens Cornelius auf, zusĂ€tzlich drei Cornelia und zwei Cornelianus. Ein Teil von ihnen ist wiederum nach Papst Cornelius benannt. HeiligenbĂŒcher aus jĂŒngerer Zeit weisen viel weniger Heilige seines Namens auf, dort in der Regel mit K geschrieben. Sie schwanken zwischen neun und ein oder zwei Kornelius in heutigen Werken; meist sind es dann Papst und Hauptmann. DarĂŒber hinaus gibt es noch eine Anzahl Heilige mit dem Vornamen Cornelius. Über die meisten von ihnen ist nur wenig bekannt. ErwĂ€hnt seien hier drei von ihnen:

Cornelius von Damaskus, dessen Gedenktag am 28. Mai begangen wird, gilt als Patron der Schauspieler und Gaukler. Er soll beschlossen haben, die Christen genau zu studieren, um sie auf der BĂŒhne verspotten zu können. Durch das Studium sei er aber bald selbst ein ĂŒberzeugter Christ geworden.

Cornelius McConchailleach wurde 1120 in Armagh in Nordirland geboren und 1174 auf den Bischofssitz dieser Diözese berufen. Er starb 1176 auf der RĂŒckkehr von einer Reise nach Rom in LĂ©menc nahe ChambĂ©ry in Frankreich in der dortigen Priorei. Von dort, wo in einer Kapelle seine Gebeine ruhen, verbreitete sich seine Verehrung in der gesamten Region bis nach Grenoble. Im 17. Jahrhundert hatte sie ihren Höhepunkt. Nach anderen Quellen lautet sein ursprĂŒnglicher Name nicht Cornelius, sondern Conor, und zwar abgeleitet von dem keltischen Namen Conchoard. In Frankreich wurde er unter dem Namen Concors und Concord verehrt.

John Cornelius, der um 1557 in Cornwall als Sohn irischer Eltern geboren wurde, katholischer Priester. UrsprĂŒnglich nannte er sich John Conor O’Mahoney; Conor wurde dann latinisiert zu Cornelius. Wegen seiner priesterlichen TĂ€tigkeit wurde er zum Tode verurteilt und 1594 in Dorchester mit drei anderen Katholiken, die ihn unterstĂŒtzt hatten, als HochverrĂ€ter gehĂ€ngt.

Siehe auch

Literatur

  • Albert AltenĂ€hr OSB: Das Grab des hl. Cornelius in der Calixtus-Katakombe zu Rom, als Manuskript vervielfĂ€ltigt, Aachen 1991.
  • Peter Jan Margry und Charles Caspers: Bedevaartsplaatsen in Nederland. Amsterdam 1987.
  • Matthias Zender: RĂ€ume und Schichten mittelalterlicher Heiligenverehrung in ihrer Bedeutung fĂŒr die Volkskunde. Die Heiligen des mittleren Maaslandes und der Rheinlande in Kultgeschichte und Verbreitung. 2. Auflage, Bonn 1973.
  • J. E. Stadler und F. J. Heim (Hrsg.): VolstĂ€ndiges Heiligen-Lexikon oder Lebensgeschichten aller Heiligen, Seligen etc etc aller Orte und aller Jahrhunderte, deren Andenken in der katholischen Kirche gefeiert oder sonst geehrt wird..., 1858
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Cornelius. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Hamm 1975, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 1130–1131.
  • John Chapman: Pope Cornelius. In: The Catholic Encyclopedia. Band 4, Robert Appleton Company, New York 1908.

Weblinks


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