Parmenides von Elea

Parmen(e)ides von Elea (* um 540/535 v. Chr.; † um 483/475 v. Chr.) war ein griechischer Philosoph.

Darstellung in einem Gemälde von Raffael

Parmenides stammte aus Elea in Süditalien und gilt als Schüler des Xenophanes, sowie als Begründer der Eleatischen Schule, zu der auch Zenon von Elea und Melissos gehörten.

Er war einer der bedeutendsten Vorsokratiker. Sein einziges Werk ist ein Lehrgedicht, das unter dem Titel Über das Sein bekannt geworden ist. Es ist in wenigen, bei Simplikios überlieferten Fragmenten (ca. 150 Zeilen) erhalten geblieben. Die überlieferten Fragmente zeigen eine ursprüngliche Gliederung des Werkes in drei Teile: das Proömium, den Abschnitt aletheia („Wahrheit“) und den Abschnitt doxa („Meinung“). Das Gedicht stellt in erzählender Abfolge die Reisen des Erzählers „jenseits der ausgetretenen Pfade“ dar, bis er schließlich von einer ungenannten Göttin über die Natur der Wahrheit und Wirklichkeit, aber auch des Scheins aufgeklärt wird. Von aletheia haben sich schätzungsweise 90% erhalten, von doxa nur geringe Reste; beide werden als die gesprochenen Offenbarungen der Göttin ohne jede erzählende Erläuterung präsentiert.

Der gängigen Interpretation zufolge ging es Parmenides darum, die Alltagswahrnehmung der Welt (in „doxa“ beschrieben) als eine Scheinwahrheit aufzudecken, während die wirkliche Welt („aletheia“) „das Sein“ sei: ein unveränderliches, ungeschaffenes, unzerstörbares Ganzes (Platon spricht diese ontologischen Prädikate den Ideen zu; ebenso finden wir diese Vorstellung beim Gottesbegriff des Aristoteles und im Neuplatonismus wieder, der einen großen Einfluss auf die christliche Theologie und die Philosophie des Mittelalters ausgeübt hat). Für Parmenides bestand ein Dualismus zwischen Erscheinung und Wirklichkeit. Die beobachteten Phänomene der Bewegung und Veränderung waren für ihn nur Erscheinungsformen einer in Wahrheit statischen, ewigen Wirklichkeit.

Parmenides präsentiert seine Lehre in Form einer kritischen Beweisführung, mit ihm beginnt die Epoche der begriffsanalytisch und logisch argumentierenden Philosophie, an die Platon anschließt. (In der griechischen Literatur wird Parmenides' Name erstmals bei Platon genannt, und sein Werk blieb durch Platons und in seiner Nachfolge Aristoteles' wiederholte Hinweise auf ihn lebendig. Aufnahme, aber auch radikale Kritik parmenideischer Gedanken bestimmt Platons Ideenlehre in ihrer Entwicklung, aber auch Aristoteles Werk enthält Eleatische Gedanken.)

Mit Blick auf den bei Parmenides ebenfalls anwesenden mystisch-religiösen Kontext haben einige der heutigen Interpreten des Parmenides, etwa Alexander P. Mourelatos, Charles H. Kahn und der umstrittene Peter Kingsley, in Deutschland Klaus Heinrich und natürlich zuerst Martin Heidegger, die rational-logische Deutung des Parmenides in Zweifel gezogen. So habe man bislang dem apokalyptischen Kontext zu wenig Beachtung geschenkt, in den Parmenides seine Darlegungen gestellt habe. Daher sei seine Lehre in einen modernen, metaphysischen Zusammenhang gestellt worden, der dem ursprünglichen Werk nicht gerecht werde.

Unbestritten ist der Einfluss des Parmenides auf Platon, über den Parmenides maßgeblich die abendländische Philosophie beeinflusst hat. Platon selbst nennt ihn „unseren Vater Parmenides“ und lässt ihn in seinem Parmenides-Dialog auftreten, wo er sich dialektisch mit Sokrates auseinandersetzt. In Theaitetos erklärt Sokrates, Parmenides sei unter allen Weisen der Einzige gewesen, der geleugnet habe, dass alles Bewegung und Veränderung sei.

Werke

Textausgaben:

  • Hermann Diels: Parmenides. Lehrgedicht. Mit einem neuen Vorwort von Walter Burkert und einer revidierten Bibliographie von Daniela de Cecco. Berlin: Academia, 2003. (= International Pre-Platonic Studies Bd. 3). (zuerst 1897)
  • Ernst Heitsch: Parmenides. Die Fragmente. Griechisch-deutsch. Hrsg., übers. u. erl., Zürich: Artemis, 1995
  • Uvo Hölscher: Parmenides. Vom Wesen des Seienden. Die Fragmente griechisch und deutsch, hrsg., übs. u. erl. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 1969.
  • G.S. Kirk; J.E. Raven; M. Schofield: Die Vorsokratischen Philosophen. Einführung, Texte und Kommentare. Stuttgart/Weimar: Metzler, 1994, S. 263-289.
  • Jaap Mansfeld: Die Fragmente des Lehrgedichts. Übersetzung und Gliederung. Stuttgart: Reclam, 1985
  • Kurt Riezler: Parmenides. Text griechisch-deutsch (Übersetzung, Einführung und Interpretation). Mit einem Nachwort von Hans-Georg Gadamer, Frankfurt am Main 2001 (3), ISBN 978-3-465-03151-2
  • Leonardo Tarán: Parmenides. A text with translation, commentary, and critical essays. Princeton 1965.

Studien:

  • Guido Calogero: Studien über den Eleatismus. Darmstadt: Wissenschaftl. Buchgesell., 1970.
  • Karl Reinhardt: Parmenides und die Geschichte der griechischen Philosophie. 2. Aufl. Bonn 1959. (zuerst 1916; klassische Studie)

Sekundärliteratur:

  • Karl R. Popper: Die Welt des Parmenides - Der Ursprung des europäischen Denkens. München: Piper, 1998
  • Margarete Lünstroth: Teilhaben und Erleiden in Platons Parmenides. Untersuchungen zum Gebrauch von METECHEIN und PASCHEIN, Vertumnus, Band 6, Edition Ruprecht: Göttingen 2008, ISBN 978-3-7675-3080-5

Weblinks

Textausgaben
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