Parti socialiste (Frankreich)

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Parti socialiste (Frankreich)
Parti socialiste
Logo der Parti socialiste
Portrait MA.JPG
Partei­vorsitzende Martine Aubry
Gr√ľndung 1969
Gr√ľndungs¬≠ort Alfortville
Farbe(n) rosa, rot
Parlamentsmandate 186 von 577 (Nationalversammlung, 102 von 343 (Senat)
Internationale Verbindungen Sozialistische Internationale
Europapartei SPE
EP-Fraktion S&D
Website www.parti-socialiste.fr

Die Parti socialiste (abgek√ľrzt: PS, deutsch: Sozialistische Partei) ist eine politische Partei in Frankreich. Sie verfolgt eine demokratisch-sozialistische bzw. sozialdemokratische Programmatik und geh√∂rt der Sozialdemokratischen Partei Europas sowie der Sozialistischen Internationalen an. In der F√ľnften Republik stellte sie bislang einen Staatspr√§sidenten und mehrere Premierminister.

Inhaltsverzeichnis

Parteigeschichte

Siehe auch: Geschichte der französischen Linken

Die PS ist 1969 aus der Section fran√ßaise de l‚ÄôInternationale ouvri√®re (SFIO; franz√∂sische Sektion der Arbeiter-Internationale) und der Parti Radical Socialiste bzw. Parti Socialiste Unifi√© entstanden, und wurde im Mai 1969 beim Parteitag in Alfortville auf Initiative von Alain Savary gegr√ľndet. Auf dem darauffolgenden Parteitag in Issy-les-Moulineaux im Juli 1969 wurde der Gr√ľndungsprozess abgeschlossen und Alain Savary zum Generalsekret√§r gew√§hlt.

Traditionell war die franz√∂sische Linke in die gr√∂√üere kommunistische Parti communiste fran√ßais und mehrere kleine sozialistische Str√∂mungen und Parteien gespalten, wobei die Arbeiterschaft sich vorwiegend in der PCF organisierte, w√§hrend die stark antikommunistische SFIO im Laufe der Nachkriegsgeschichte sich immer st√§rker zu einer Honoratiorenpartei entwickelte. In den 1960er Jahren, als der sozialistische Pr√§sidentschaftskandidat Gaston Defferre nur noch 5 % erreichte, erneuerten sich die sozialistischen und sozialdemokratischen Str√∂mungen in Frankreich in ca. 120 verschiedenen Clubs. Im Mai 1968, als Paris und ganz Frankreich zeitweilig durch eine Welle von Streiks stillstanden, offenbarte sich die Schw√§che dieser mangelnden programmatischen und organisatorischen Einheit der sozialistischen Linken, die zur Gr√ľndung der PS f√ľhrte. Erst die Einigung der nichtkommunistischen Linken in der PS als damals drittst√§rkste politische Kraft erm√∂glichte die Reaktivierung des B√ľndnisses mit der PCF, aus dem letztlich die Pr√§sidentschaft Fran√ßois Mitterrands resultierte.

Die √Ąra Mitterrand

1971 fusionierte die PS mit der F√©d√©ration de la Gauche D√©mocrate et Socialiste bzw. der Convention des Institutions R√©publicaines (CIR). Fran√ßois Mitterrand war 1971 bis 1981 Erster Sekret√§r der PS. Die Partei erlebte unter seiner F√ľhrung beim Parteitag in √Čpinay eine Neuorientierung. 1972 unterzeichneten Mitterrand und Georges Marchais ein gemeinsames Regierungsprogramm von Sozialisten und Kommunisten, das die Grundlage f√ľr gemeinsame erfolgreiche Wahlk√§mpfe war und auf einer Ablehnung des Kapitalismus basierte.

Mit der Wahl Fran√ßois Mitterrands zum Pr√§sidenten 1981 gelangte die Partei erstmals an die Macht. Nach einer politischen Ausrichtung auf die Stimulierung des Konsums (mit Verstaatlichungen, Gehaltserh√∂hungen und Arbeitszeitverk√ľrzung) schlug die Partei 1983 eine neue Richtung ein. Aufgrund der schlechten konjunkturellen Lage und der von Jacques Delors dagegen eingeleiteten Ma√ünahmen, √ľber die sich die Partner nicht einig werden konnten, kam es zum Bruch der Regierungskoalition zwischen Sozialisten und Kommunisten.

Seit dieser Zeit ist die Sozialistische Partei sowohl in der Nationalversammlung als auch im politischen Leben Frankreichs im Allgemeinen die größere und tonangebende politische Kraft der Linken.

Die PS wurde traditionell durch vier Strömungen, Courants, formiert, die sich zusammensetzt aus

  • dem Courant Mitterrand, der gr√∂√üten, linkspragmatischen Str√∂mung mit Anh√§ngern des ehemaligen CIR, der heute durch Lionel Jospin, Laurent Fabius, S√©gol√®ne Royal, Bertrand Delano√ę und Manuel Valls repr√§sentiert wird
  • dem Courant Mauroy/Defferre, dem "B√ľrgermeisterfl√ľgel", der sich aus ehemaligen SFIO-Mitglieder rekrutierte und von Pierre Mauroy und Gaston Defferre repr√§sentiert wurde,
  • dem Courant Rocard, rechtssozialdemokratischen Mitgliedern des ehemaligen PSU und des Gewerkschaftsbundes CFDT unter F√ľhrung Michel Rocards sowie
  • dem orthodox-marxistisch orientierten Fl√ľgel unter Jean-Pierre Chev√®nement, der sich im Centre d'√Čtudes, de Recherches et d'√Čducation Socialistes (C√ČR√ČS) organisiert hatte.

Als der Pr√§sident 1990 eine Beteiligung Frankreichs am Zweiten Golfkrieg bef√ľrwortete, verlie√üen Jean-Pierre Chev√®nement und seine Anh√§nger, die einen bewaffneten Konflikt ablehnen, die Partei und gr√ľndeten die Bewegungen Mouvement des citoyens und La Gauche Socialiste.

Mitterrand sind neue Impulse auf dem Weg zur europ√§ischen Einigung zu verdanken, die durch das positive Ergebnis beim Referendum √ľber den Vertrag von Maastricht best√§tigt werden. Allerdings steht diese immer st√§rker im Zeichen einer liberalen Philosophie. Ironischerweise illustriert sich das Versagen der Sozialisten am eindeutigsten anhand der stetig steigenden Arbeitslosenzahlen im Verlauf der beiden Amtszeiten von Fran√ßois Mitterrand. Dieser Misserfolg ist wohl die Hauptursache f√ľr eine gravierende Niederlage der Partei bei den Parlamentswahlen 1993. Ein weiterer wichtiger Grund war das vom fr√ľheren Pr√§sidenten Fran√ßois Mitterrand ausgerufene Referendum √ľber den Vertrag von Maastricht, dies im Bestreben, die b√ľrgerlichen Rechten zu schw√§chen, unter bewusster Inkaufnahme der M√∂glichkeit eines Erstarkens des rechtsextremen Front National (FN).

Im Jahr 1993 erhielt zudem der Jugendverband Mouvement des Jeunes Socialistes (MJS) seine strukturelle Unabhängigkeit von der Partei.

Mitterrands Nachfolge

Martine Aubry bei einer Rede (2008)

W√§hrend der Pr√§sidentschaft Chiracs gelingt es der Sozialistischen Partei nach vorgezogenen Neuwahlen 1997 wieder die Regierungsmehrheit auf sich zu vereinigen, sodass Chirac gezwungen ist, eine Cohabitation einzugehen. Unter Lionel Jospin als Premierminister (1997 bis 2002) tritt eine Konjunkturerholung ein. In dieser Zeit kommt es au√üerdem zur Umsetzung des Vertrags von Amsterdam, zur Einf√ľhrung des Euro, Umsetzung des PACS und Privatisierungen staatlicher Unternehmen.

Inzwischen formierten sich in der PS neue Strömungen, wie

Am 21. April 2002 durchlebt die Partei bei den Pr√§sidentschaftswahlen ein wahres Trauma, als es ihrem Kandidaten, Ministerpr√§sidenten und langj√§hrigen Ersten Sekret√§r der PS, Lionel Jospin, gerade einmal gelingt, 16 % der W√§hlerstimmen auf sich zu vereinigen. Er unterliegt damit im ersten Wahlgang nicht nur Jacques Chirac, sondern auch dem rechtsradikalen Jean-Marie Le Pen, sodass sich die Anh√§nger der Partei gezwungen sehen, mit Chirac einen Pr√§sidentschaftskandidaten zu unterst√ľtzen, der f√ľr eine der Partei fremde Politik steht, um Jean-Marie Le Pen abzuwehren. Dies war f√ľr die meisten Beobachter im In- und Ausland √ľberraschend, zumal die PS bei dem sozialdemokratischen Gewerkschaftsbund CFDT sowie vielen Literaten, beispielsweise Michel Houellebecq, Pr√§ferenz genie√üt. Diese Ablehnung gegen√ľber seiner Politik bewirkte den R√ľckzug Lionel Jospins aus der aktiven Politik.

Von der Niederlage bei den Wahlen 2002 gepr√§gt, steht der Parteitag von Dijon 2003 sowohl im Zeichen einer R√ľckbesinnung auf die Grundwerte als auch der Besorgnis angesichts steigender Popularit√§t des rechtsradikalen Front National. So kommt es zu einer Distanzierung vom traditionellen Sozialismus franz√∂sischer Pr√§gung mit seiner im europ√§ischen Vergleich weiter links angesiedelten Philosophie, hin zu einer st√§rker sozialdemokratisch orientierten Richtung, f√ľr die Guy Mollet zum Symbol wird.

Bei den Regionalwahlen 2004 gewannen die Sozialisten in allen franz√∂sischen Regionen mit Ausnahme des Elsass und werden durch das Abschneiden bei den Europawahlen wenige Monate sp√§ter best√§tigt. Allerdings l√§sst sich nicht eindeutig feststellen, ob hinter diesen f√ľr die Partei positiven Ergebnissen nicht eher eine Ablehnung der Politik der Regierung als Motiv steht: Die strafrechtlich relevanten Skandale des Pr√§sidenten Jacques Chirac und des Vorsitzenden seiner Partei Alain Jupp√© werden von Beobachtern ebenfalls als Grund f√ľr ihren Wiederaufschwung aufgefasst.

Die Debatte um die Europäische Verfassung

Die Debatte um die Europ√§ische Verfassung spaltete die Partei, da die Debatte sowohl parteiintern als auch vom politischen Gegner dazu genutzt wurde, Einfluss im Hinblick auf die Pr√§sidentschaftswahlen 2007 zu gewinnen bzw. die Partei zu schw√§chen. Bei einem parteiinternen Referendum Ende 2004 sprach sich die Mehrheit der Parteimitglieder zun√§chst f√ľr eine Ratifizierung der Europ√§ischen Verfassung aus.

Beim Referendum am 29. Mai 2005 √ľber die Europ√§ische Verfassung war die PS tief gespalten: W√§hrend Parteichef Fran√ßois Hollande f√ľr die Annahme pl√§dierte, wirkten Henri Emmanuelli und Laurent Fabius gegen die Annahme der Verfassung. Als beim Referendum die Bef√ľrworter unterlagen, wurden bei der darauf folgenden Parteiversammlung am 4. Juni 2005 Mitglieder, die sich entgegen der mehrheitlichen Ansicht der Partei f√ľr eine Ablehnung der Verfassung stark gemacht hatten - obwohl Vertreter der Mehrheitsmeinung innerhalb der Bev√∂lkerung - aus der Parteif√ľhrung auf nationaler Ebene ausgeschlossen. Fran√ßois Hollande in seiner Funktion als Parteivorsitzender k√ľndigt f√ľr den 18. November 2005 einen vorgezogenen Parteitag an.

Konkreter und √ľber personengebundene Str√∂mungen hinweg l√§sst sich der franz√∂sische Sozialismus in vier Hauptfraktionen unterteilen:

  • Diejenigen, die die Hauptaufgabe der Sozialisten in einer fortschrittlicheren Verwaltung des liberalen Systems sehen, nach dem Beispiel Tony Blairs, f√ľr den eine Anpassung an das System notwendig erscheint, um es in der Folge gerechter zu gestalten. In Gro√übritannien verzeichnet diese gedankliche Str√∂mung zwar Erfolge (Verbesserung der Lage auf dem Arbeitsmarkt und des √∂ffentlichen Dienstes), massive Armut und ungleichm√§√üige Einkommensverteilung und Behandlung lassen sich aber nicht ausgleichen
  • Diejenigen, denen gesellschaftliche Ver√§nderungen nach Beispiel Zapateros mehr bedeuten, als soziale Ver√§nderungen
  • Diejenigen, die alles auf den Kampf f√ľr einen sozialen Ausgleich und strukturelle Ver√§nderungen der Marktwirtschaft nach dem Beispiel Jospins setzen
  • Diejenigen, die als Marxisten des linken Fl√ľgels daran festhalten, der Kapitalismus sei als Gesellschaftsform √ľberholt ‚Äď geteilter Meinung √ľber die Ergebnisse des Referendums, aber dadurch insgesamt in ihrer Linie best√§rkt.

Ab 2007: tiefe Krise und Erholung

Als Kandidatin der Parti Socialiste f√ľr die Pr√§sidentschaftswahl 2007 setzte sich in einer Urwahl S√©gol√®ne Royal gegen Laurent Fabius und Dominique Strauss-Kahn durch. Royal profilierte sich im Wahlkampf teilweise gegen ihre Partei und f√ľhrte einen stark auf ihre Person zugeschnittenen Wahlkampf. Sie konnte damit ein gutes Wahlergebnis erreichen: Mit 25,87 Prozent erreichte sie im ersten Wahlgang das beste Ergebnis eines Pr√§sidentschaftskandidaten der PS seit Fran√ßois Mitterrand, im zweiten Wahlgang unterlag sie Nicolas Sarkozy (UMP) mit 47 zu 53 Prozent.

Im Anschluss an die Pr√§sidentschaftswahl und die ebenfalls verlorene, unmittelbar folgende Parlamentswahl versch√§rften sich die Richtungsstreitigkeiten innerhalb der Parti Socialiste, auch bedingt durch die anfangs gro√üe Popularit√§t Sarkozys und seinen Ansatz, f√ľhrende Politiker der franz√∂sischen Linken in seine Regierung einzubinden. Die Auseinandersetzungen eskalierten auf dem Parteikongress in Reims 2008. Bei der Abstimmung √ľber das Arbeitsprogramm erhielt die Str√∂mung um S√©gol√®ne Royal mit 29 Prozent die meisten Stimmen, war aber deutlich von einer eigenen Mehrheit entfernt. Auch den Str√∂mungen um Bertrand Delano√ę (25 Prozent), Martine Aubry (24 Prozent) und Beno√ģt Hamon (19 Prozent) gelang es nicht, sich auf eine gemeinsame Arbeitsgrundlage zu einigen.

Bei der Urwahl des Ersten Sekret√§rs der PS, die unmittelbar auf den Kongress von Reims folgte, bewarben sich Martine Aubry, Beno√ģt Hamon und S√©gol√®ne Royal. Der amtierende Erste Sekret√§r Fran√ßois Hollande hatte bereits im Vorfeld des Kongresses erkl√§rt, nicht wieder f√ľr das Amt zu kandidieren, der nach Umfragen favorisierte Pariser B√ľrgermeister Bertrand Delano√ę verzichtete auf eine Kandidatur und rief zur Wahl von Martine Aubry auf. Den ersten Wahlgang am 20. November 2008 gewann S√©gol√®ne Royal mit 42,9 Prozent der Stimmen vor Martine Aubry (34,5 Prozent) und Beno√ģt Hamon (22,6 Prozent). F√ľr die Stichwahl am folgenden Tag rief Hamon zur Wahl von Aubry auf.[1] Das erste Ergebnis f√ľr diese Stichwahl sah Martine Aubry als Siegerin mit 42 Stimmen Vorsprung vor Royal (50,02 zu 49,98 Prozent).[2] Das Lager um Royal warf der Parteif√ľhrung (die Aubry unterst√ľtzt hatte) und dem Lager Aubrys daraufhin vor, die Wahlen manipuliert zu haben. Die Parteif√ľhrung lie√ü daraufhin eine Nachz√§hlung vornehmen, die den Sieg Aubrys best√§tigte, mit etwas gr√∂√üerem Abstand von 102 Stimmen; dieses Ergebnis best√§tigte anschlie√üend auch der Parteitag.[3] Die Ank√ľndigung des Lagers um Royal, das Ergebnis vor √∂ffentlichen Gerichten anzufechten, wurden im Laufe der folgenden Monate fallengelassen. Spekuliert wurde in den Medien, dass es zu einer Spaltung der PS in zwei oder sogar vier Gruppen kommen k√∂nnte, was allerdings Vertreter aller Str√∂mungen ausschlossen.[4]

Die Auseinandersetzungen um den Parteikongress von Reims gelten als einer der Ursachen f√ľr die schwere Niederlage der Parti Socialiste bei den Europawahlen 2009: Die PS kam nur noch auf 16,5 Prozent der Stimmen (-12,4 Prozentpunkte gegen√ľber 2004) und konnte die f√ľhrende Position im linken Lager nur knapp vor den Gr√ľnen (16,3 Prozent) behaupten.

Martine Aubry und der F√ľhrung der PS, in die Aubry alle bedeutenden Str√∂mungen au√üer der um Royal einband,[5] gelang es aber, die Parti Socialiste wieder zu stabilisieren. Beg√ľnstigt wurde sie dabei auch dadurch, dass die Regierung von Nicolas Sarkozy an Beliebtheit verlor und einige ihrer Ma√ünahmen, insbesondere Reformen im Sozialbereich, auf massive Proteste in der Bev√∂lkerung stie√üen.

Bei den Regionalwahlen 2010 konnte die PS ihr Ergebnis von 2004 noch leicht steigern. Im ersten Wahlgang erhielt sie 29 Prozent der Stimmen. Im Gesamtergebnis gewann die politische Linke unter F√ľhrung der PS alle Regionen des europ√§ischen Frankreichs mit Ausnahme des Elsass und gewann dabei Korsika hinzu. Auch bei den Kantonalwahlen 2011 konnte die PS gemeinsam mit den anderen Parteien der Linken nochmals hinzugewinnen.[6] Im Ergebnis f√ľhrte dies dazu, dass die Linke bei der Senatswahl 2011 erstmals die Mehrheit im franz√∂sischen Senat gewann, wobei die PS 28 Senatoren hinzugewinnen konnte.

F√ľr die Nominierung des Pr√§sidentschaftskandidaten 2012 entschied sich die Parti Socialiste f√ľr Vorwahlen, an denen auch Nichtmitglieder teilnehmen konnten (primaires citoyennes). Es bewarben sich Martine Aubry, Jean-Michel Baylet von der PRG, Fran√ßois Hollande, Arnaud Montebourg, S√©gol√®ne Royal und Manuel Valls. Die Vorwahlen gewann Fran√ßois Hollande in der Stichwahl gegen Martine Aubry.

Heutige Lage der Partei in der französischen Politik

Mit knapp 233.000 Mitgliedern ist die PS die zweitgrößte Partei Frankreichs (nach der konservativen UMP).

Seit 1958, Anfang der F√ľnften Republik, wurde nur ein Sozialist zum Pr√§sidenten gew√§hlt, n√§mlich Fran√ßois Mitterrand 1981. 1988 wurde er wiedergew√§hlt und blieb also insgesamt 14 Jahre im Amt. Sechs Mitglieder der Partei bekleideten das Amt des Premier Ministre, f√ľnf unter Mitterrands Pr√§sidentschaft (Pierre Mauroy 1981-1984, Laurent Fabius 1984-1986, Michel Rocard 1988-1991, √Čdith Cresson 1991-1992 und Pierre B√©r√©govoy 1992-1993) und Lionel Jospin 1997-2002 unter Jacques Chiracs Pr√§sidentschaft.

In der Nationalversammlung hat die PS seit 2002 nicht mehr die Mehrheit der Mandate, und besitzt seit 2007 204 der 577 Mandate.

Im Senat stellt die PS ab 1. Oktober 2011 erstmals in der Geschichte des Parlaments die st√§rkste Fraktion und verf√ľgt gemeinsam mit anderen linken Parteien erstmals √ľber die Mehrheit.

Auf der lokalen Ebene war die PS in den letzten Jahren sehr erfolgreich. 22 der 26 Regionen und 53 der 100 Départements haben einen sozialistischen Vorsitzenden.

Seit M√§rz 2008 leben 3/5 der Franzosen in einer Gemeinde, in deren Rat die PS eine Mehrheit der Sitze hat. B√ľrgermeister von Gro√üst√§dten wie Paris, Lyon, Toulouse, Strasbourg, Nantes oder Lille sind Sozialisten.

2011 h√§lt die PS erstmals nach US-amerikanischem Vorbild primaires citoyennes ab, um ihren Kandidaten f√ľr die Pr√§sidentenwahl 2012 zu bestimmen.

Erste Sekretäre

  • 1969 ‚Äď 1971: Alain Savary
  • 1971 ‚Äď 1981: Fran√ßois Mitterrand - bis zu seiner Pr√§sidentschaft von 1981 bis 1995
  • 1981 ‚Äď 1988: Lionel Jospin ‚Äď trotz einer Niederlage 1986 bei den Parlamentswahlen bleibt er bis zum Erfolg der Partei bei den Pr√§sidentschaftswahlen 1988 im Amt
  • 1988 ‚Äď 1992: Pierre Mauroy
  • 1992 ‚Äď 1993: Laurent Fabius ‚Äď R√ľcktritt nach einer Niederlage bei den Parlamentswahlen
  • 1993 ‚Äď 1994: Michel Rocard ‚Äď R√ľcktritt nach einer Niederlage bei den Europawahlen
  • 1994 ‚Äď 1995: Henri Emmanuelli
  • 1995 ‚Äď 1997: Lionel Jospin ‚Äď bis zu seiner Wahl zum Premierminister nach dem Wahlsieg der Linken bei vorgezogenen Parlamentswahlen aufgrund der Aufl√∂sung durch den Pr√§sidenten Jacques Chirac
  • 1997 ‚Äď 2008: Fran√ßois Hollande ‚Äď Wahl beim Parteitag von Brest (1997), Wiederwahl in Grenoble (2000), Dijon (2003) und Le Mans (2005)
  • seit 2008: Martine Aubry ‚Äď Aubry lie√ü ihr Amt wegen ihrer Teilnahme an den Vorwahlen f√ľr die Pr√§sidentschaftskandidatur 2012 zwischen dem 30. Juni und dem 16. Oktober 2011 ruhen; Die Amtsgesch√§fte wurden in dieser Zeit von Harlem D√©sir als Premier secr√©taire d√©l√©gu√© wahrgenommen.

Innerparteiliche Strömungen

  • Courant Nouveau Parti Socialiste ‚Äď unter der Leitung von Vincent Peillon und Arnaud Montebourg
  • Courant D√©mocratie et Socialisme ‚Äď unter der Leitung von G√©rard Filoche
  • Courant Un Monde d¬īavance ‚Äď unter der Leitung von Beno√ģt Hamon
  • Courant Nouveau Monde ‚Äď unter der Leitung von Henri Emmanuelli und Jean-Luc M√©lenchon
  • Forces Militantes ‚Äď unter der Leitung von Marc Dolez
  • Courant R√©former (Aubryistes) ‚Äď unter der Leitung von Martine Aubry
  • Courant Utopia
  • Courant Gauche Socialiste ‚Äď unter der Leitung von Julien Dray
  • Courant L' espoir √† Gauche - unter der Leitung von S√©gol√®ne Royal

Einige heutige Persönlichkeiten der Partei

Liste der Parteitage

  • Mai 1969: in Alfortville
  • Juli 1969: in Issy-les-Moulineaux
  • Juni 1971: in √Čpinay
  • Juni 1973: in Grenoble
  • Januar / Februar 1975: in Pau
  • Juni 1977: in Nantes
  • April 1979: in Metz
  • Januar 1981: in Cr√©teil
  • Oktober 1981: in Valence
  • Oktober 1983: in Bourg-en-Bresse
  • Oktober 1985: in Toulouse
  • April 1987: in Lille
  • M√§rz 1990: in Rennes
  • Dezember 1991: in der Arche de la D√©fense
  • Juli 1992: in Bordeaux
  • Oktober 1993: in Bourget
  • November 1994: in Li√©vin
  • November 1997: in Brest
  • November 2000: 2. Parteitag von Grenoble
  • Mai 2003: in Dijon
  • November 2005: Le Mans
  • November 2008: Reims

Au√üerdem findet jedes Jahr Ende August in La Rochelle eine ‚ÄěSommeruniversit√§t‚Äú (Universit√© d'√©t√©) statt, ein Kongress mit etwas offeneren Debatten als auf den regul√§ren Parteitagen.

Literatur

  • Pierre Bezbakh: Geschichte des franz√∂sischen Sozialismus. Von der Franz√∂sischen Revolution bis 2008. Vorw√§rts-Buch, Berlin 2009, ISBN 978-3-86602-073-3
  • Christina R√ľther: Europ√§isierung politischer Parteien? Optionen und Restriktionen am Beispiel der Parti socialiste von 1971 bis 2005. Dissertation, KU Eichst√§tt-Ingolstadt 2009 (Volltext)

Weblinks

 Commons: Parti socialiste ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Samuel Potier: Duel serr√© entre Aubry et Royal pour la direction du PS. Le Figaro.fr, 21. November 2008, abgerufen am 30. September 2011 (franz√∂sisch).
  2. ‚ÜĎ Le PS s'enfonce dans la crise apr√®s l'√©lection sur le fil de Martine Aubry. Agence France-Presse, 21. November 2008, abgerufen am 30. September 2011 (franz√∂sisch).
  3. ‚ÜĎ Martine Aubry nouvelle Premier secr√©taire du PS apr√®s un long psychodrame. Agence France-Presse, abgerufen am 30. September 2011 (franz√∂sisch).
  4. ‚ÜĎ Fran√ßois-Xavier Bourmaud: Les socialistes ne veulent pas croire √† la scission. Le Figaro.fr, 24. November 2008, abgerufen am 30. September 2011 (franz√∂sisch).
  5. ‚ÜĎ L'√©quipe et la ligne politique d'Aubry vot√©es au PS. Le Figaro.fr, 6. Dezember 2008, abgerufen am 30. September 2011 (franz√∂sisch).
  6. ‚ÜĎ Stefan Simons: Rechtsruck bringt Sarkozy in die Bredouille. Spiegel Online, 21. M√§rz 2011, abgerufen am 30. September 2011.

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