Paul Michel (Germanist)

Paul Michel

Paul Michel (* 19. März 1947 in der Stadt Zürich im Kanton Zürich) ist emeritierter Professor für ältere Deutsche Literatur an der Universität Zürich und ein führender Vertreter der Enzyklopädiekritik.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Paul Michel studierte in Zürich und Münster (Westfalen) Germanistik und Kunstgeschichte. 1976 promovierte er bei Max Wehrli. Er arbeitete während über einem Jahrzehnt in verschiedenen Funktionen am Deutschen Seminar der Universität Zürich. 1986 wurde Paul Michel habilitiert. In den Jahren 1985 bis 1989 war er Hauptlehrer im Fach Deutsch an der Kantonsschule Zürcher Unterland in Bülach. Im Anschluss wurde er per Wintersemester 1989/90 als Extraordinarius für das Fachgebiet „Deutsche Literatur bis 1700“ an die Universität Zürich berufen. Auf das Wintersemester 1999/2000 wurde er zum Ordinarius befördert, Ende Sommersemester 2007 wurde er emeritiert.

Leistungen

Paul Michel leitete zusammen mit Hans Weder von 1995 bis 1999 ein Nationalfondsprojekt zur Geschichte der Exegese und Hermeneutik. Von 2002 bis 2006 leitete er zusammen mit Madeleine Herren ein von der Gebert Rüf Stiftung gefördertes Projekt zum Thema „Allgemeinwissen und Gesellschaft. Enzyklopädien als Indikatoren für Veränderungen der gesellschaftlichen Bedeutung von Wissen, Bildung und Information“. Im Zusammenhang mit diesem Projekt publizierte Paul Michel diverse Aufsätze zum Thema Enzyklopädiekritik, unter anderem solche mit Bezug auf das Internet als Wissensspeicher. Zudem ist Paul Michel seit 1990 Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Symbolforschung.

Seine Dissertation thematisiert unter dem Titel „Formosa deformitas“ die Ästhetik des Hässlichen im Mittelalter. Seine Habilitationsschrift beschäftigt sich mit den formalen und funktionalen Zusammenhängen von Metapher, Gleichnis, Allegorie und Allegorese, weshalb sie den Titel „Alieniloquium“ trägt - nach einem Zitat von Isidor von Sevilla (etym I, xxxvii, 21f.): „Allegoria est alieniloquium. Aliud enim sonat, et aliud intellegitur“ (deutsch: „Allegorie meint ein Anders-Sprechen. Dieses sagt etwas, und etwas anderes wird verstanden“).

Werke

  • Paul Michel (1976): Formosa deformitas. Bewältigungsformen des Häßlichen in mittelalterlicher Literatur. Dissertation, Universität Zürich. Bonn: Bouvier (Studien zur Germanistik, Anglistik und Komparatistik 57).
  • Paul Michel (1987): Alieniloquium. Elemente einer Grammatik der Bildrede. Habilitationsschrift, Universität Zürich. Bern, Frankfurt, New York: Lang (Zürcher germanistische Studien 3).
  • Hans Weder und Paul Michel (2000, Hrsg.): Sinnvermittlung. Studien zur Geschichte von Exegese und Hermeneutik I. Zürich u.a.: Pano.
  • Paul Michel (2002): Ordnungen des Wissens. Darbietungsweisen des Materials in Enzyklopädien, in: Populäre Enzyklopädien. Von der Auswahl, Ordnung und Vermittlung des Wissens. hg. Ingrid Tomkowiak, Zürich: Chronos Verlag, S. 35-83.
  • Paul Michel und Madeleine Herren (2007, Hrsg.): Allgemeinwissen und Gesellschaft. Akten des internationalen Kongresses über Wissenstransfer und enzyklopädische Ordnungssysteme. Aachen, Shaker Verlag (online einsehbar auf: www.enzyklopaedie.ch/kongress/publikation.htm)
  • Regula Forster und Paul Michel (2007, Hrsg.): Significatio. Studien zur Geschichte von Exegese und Hermeneutik II. Zürich u.a.: Pano.
  • Paul Michel (2008): Physikotheologie – Ursprünge, Leistung und Niedergang einer Denkform. (= Neujahrsblatt auf das Jahr 2008, hg. von der Gelehrten Gesellschaft in Zürich), Zürich. (online einsehbar auf: www.symbolforschung.ch/files/pdf/Michel_Physikotheologie.pdf (PDF-Datei)

Weitere Literatur online

Weblinks



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