Paul V.

Paul V. in einem Gemälde von Michelangelo Merisi da Caravaggio
Wappen von Papst Paul V., moderne Nachzeichnung
Paul V. in einer Darstellung von Crispyn de Passe (1564–1637)

Paul V. (* 17. September 1552 in Rom; † 28. Januar 1621 in Rom), geboren als Camillo Borghese, war von 1605 bis 1621 Papst der katholischen Kirche. Er ist, wie Clemens VIII., in der von ihm gestalteten Cappella Paolina der Basilika Santa Maria Maggiore bestattet, die das römische Gnadenbild Salus populi romani beherbergt, das einer sogenannten Lukas-Madonna nachempfunden ist.

Inhaltsverzeichnis

Familie

Camillo Borghese stammte aus dem römischen Adelsgeschlechts der Borghese. Er war der Sohn von Graf Marcantonio Borghese aus Siena, der 1541 mit seiner Familie nach Rom umsiedelte.

Er war das älteste von sieben Kindern, wovon aber drei vor seiner Wahl zum Papst verstarben. Sein Bruder Francesco (1556–1620) war Graf von Rignano und General der Päpstlichen Armee. Sein Bruder Giovanni Battista (Giambattista Borghese 1554–1609) war Gouverneur von Borgo und Kastellan der Engelsburg. Der Sohn aus der Ehe seiner Schwester Ortensia mit Francesco Caffarelli, der spätere einflussreiche Kardinal Scipione Caffarelli-Borghese, wurde von ihm adoptiert, damit dieser den Stamm-Familiennamen Borghese tragen durfte.[1] Noch vor seiner Kardinalserhebung fungierte er als Taufpate des späteren Jesuitengenerals Alessandro Luigi Gottifredi (1595-1652).

Leben

Camillo Borghese studierte Jura und Philosophie, bevor er in den Dienst der Kurie eintrat. Am 5. Juni 1596 erhob ihn Papst Clemens VIII. zum Kardinal mit der Titelkirche Sant'Eusebio. 1599 wechselte er zur Titelkirche Santi Giovanni e Paolo. 1597 wurde er residierender Bischof von Jesi. Im Jahr 1603 wurde er noch Kardinalvikar von Rom und Inquisitor. Am 16. Mai 1605 wählte das Konklave ihn, das jüngste Mitglied des Kardinalskollegiums, zum neuen Papst. Er hatte bereits Chancen auf die direkte Nachfolge Clemens VIII. gehabt, galt aber noch als zu jung. Nach dem raschen Tod des Medici-Vorgängers Leo XI. (Magis ostensus quam datus) einigte man sich auf den Hoffnungsträger. Den Papstnamen wählte er in Erinnerung an Paul III., den Förderer seiner Familie. Nach der Wahl ernannte er als sogenannten Kardinalnepoten seinen Neffen Scipione Caffarelli-Borghese zum Kardinal und Kardinalstaatssekretär. Durch die Erringung des Papstamtes schloss die Familie Borghese zu den alten römischen Adelsfamilien Colonna und Orsini auf und überholte sie bald in Bezug auf das Familienvermögen.

Während seines Pontifikats wurde die bekannte Villa Borghese angelegt. Gleich zu Beginn seines Pontifikats kam es zu einem Konflikt mit der Republik Venedig. Venedig hatte ein Gesetz erlassen, das verbot, Immobilien an die Kirche zu veräußern, und das gleichzeitig den Klerus unter die Rechtsprechung der Republik stellte. Paul V. verhängte daraufhin den Kirchenbann über den Senat der Republik Venedig und das Interdikt über die ganze Republik. Im Jahr 1607 überlebte Paul V. ein Attentat. Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges unterstützte er die katholische Liga unter der Führung von Herzog Maximilian von Bayern finanziell. Er förderte die Wirtschaft im Kirchenstaat und ließ in Rom eine neue Wasserleitung, die Acqua Paola, erbauen und gründete 1605 die päpstlichen Bank Banco di Santo Spirito, die erste Bank Roms überhaupt.. Weiterhin gilt Papst Paul V. als geistiger Vater des bekannten vatikanischen Geheimarchivs. Ebenso wurde in seinem Auftrag die Fassade von St. Peter erbaut: Die dort angebrachten Lettern zeugen heute noch von ihm. Im übrigen folgte das Pontifikat im Wesentlichen den Vorgaben Clemens VIII. Wichtig wurde die Nichtentscheidung Pauls V. im Gnadenstreit (1607), an die sich bis heute alle Nachfolger hielten. Er ließ Ende des Jahres 1620 zur Feier der Schlacht am Weißen Berge eine Prozession abhalten, auf der er selbst zusammenbrach und sich nicht mehr erholte.

Weblinks

 Commons: Paul V. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


Vorgänger Amt Nachfolger
Leo XI. Papst
16051621
Gregor XV.

Einzelnachweise

  1. „Giovanni Battista Borghese's funeral 'apparato' of 1610 in S. Maria Maggiore, Rome“, The Boston Globe, .jstor.org, eingesehen am 19. Juni 2009

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