Atlantis AG

Atlantis
Betrieb eingestellt: 1972
IATA-Code: NO
ICAO-Code: -
Rufzeichen: Atlantis
Gründung: 1968
Sitz: Frankfurt am Main
Heimatflughafen: Flughafen Frankfurt
Flottenstärke: 8
Ziele: Mittelmeerraum, USA, Acapulco, Nairobi
Atlantis hat den Betrieb 1972 eingestellt. Die kursiv gesetzten Angaben beziehen sich auf den letzten Stand vor Einstellung des Betriebes.
Emblem der Atlantis AG

Die Fluggesellschaft Atlantis AG wurde im Frühjahr 1968 von ehemaligen Angestellten der Südflug gegründet. Atlantis war die erste deutsche Charterfluggesellschaft, die tägliche Flüge in die USA aufnahm. Der Heimatflughafen der Gesellschaft war Frankfurt am Main.

Inhaltsverzeichnis

Chronik

Nachdem die Fluggesellschaft Südflug am Anfang des Jahres 1968 von der Lufthansa übernommen wurde, verließen der ehemalige Südflug-Verkaufsleiter Tillman Uhlig und der Flugkapitän Werner Will gemeinsam das Unternehmen. Sie erwarben die 1966 gegründete Hamburger Nordseeflug GmbH, die mit zwei Douglas DC-3 einen Flugdienst nach Sylt unterhielt. Die DC-3 wurden direkt nach der Übernahme verkauft und der Name des Unternehmens in Atlantis geändert. Die neue Gesellschaft beantragte die Streckenrechte für die USA und erwarb eine gebrauchte Douglas DC-7C von Scandinavian Airlines System. Im Frühjahr 1968 wurden preisgünstige Flüge für Gastarbeiter nach Griechenland, Spanien und in die Türkei angeboten. Während der Ferienzeiten kamen Charterflüge von verschiedenen deutschen Flughäfen zu Zielen am Mittelmeer hinzu. Am 1. November 1968 erhielt die Gesellschaft ihr erstes Düsenflugzeug, eine Douglas DC-8-32 aus den Beständen der Südflug, die von der Lufthansa zunächst an einen amerikanischen Flugzeughändler und von diesem weiter an die Atlantis verkauft wurde. Eine zweite DC-8 wurde am 31. März 1969 auf gleiche Weise erworben.[1]

Am 30. September 1968 erhielt Atlantis von amerikanischer Seite die Genehmigung für transatlantische Charterflüge in die USA, deren Aufnahme für den 2. Dezember 1968 geplant war. Da im Frühjahr 1969 noch immer keine Zustimmung von Seiten des bundesdeutschen Verkehrsministeriums vorlag, erstritt man diese vor Gericht. Außerdem wurden 1969 weitere Kapitalgeber eingeworben, um das Flugmaterial finanzieren zu können. Dazu wurde die Flugkapital GmbH mit über 40 Millionen DM Anlagevolumen gegründet und die Gesellschaftsform zur Aktiengesellschaft geändert. Am 24. Mai 1969 begann der Flugverkehr in die USA. Bedient wurden zunächst die Strecken von Frankfurt/Main nach New York und Los Angeles. Im Januar, Februar und April 1970 erhielt das Unternehmen insgesamt drei Maschinen vom Typ Douglas DC-9-32 und setzte diese auf neuen Strecken in den Mittelmeerraum ein. Zwei der drei DC-9 wurden exklusiv für den Stuttgarter Reiseveranstalter Hetzel-Reisen betrieben und erhielten als einzige Flugzeuge der Atlantis einen Taufnamen (Schwabenland, Goldenes Horn).[2] Mit drei werksneuen Langstreckenmaschinen vom Typ Douglas DC-8-63CF, die 1970 und 1971 zur Flotte stießen, konnte der Flugverkehr über den Nordatlantik deutlich intensiviert und Chicago als weiteres Ziel angesteuert werden. Zusätzlich wurden zwei Großraumflugzeuge vom Typ McDonnell Douglas DC-10-30 bestellt, deren Auslieferungen für das Jahr 1973 geplant waren.

Am 19. März 1970 beantragte Atlantis die Linienflugrechte für die USA. Das Bundesverkehrsministerium lehnte diesen Antrag jedoch im Juli 1970 ab. Ein direkter Wettbewerb mit der staatlichen Lufthansa wurde damit verhindert. Dennoch blieb die Situation zwischen den beiden Gesellschaften angespannt, weil die Lufthansa in der Atlantis einen potentiellen Mitbewerber im Linienflugbereich sah, der auf Charterstrecken bereits mit der Lufthansa-Tochtergesellschaft Condor konkurrierte. Die Lufthansa verweigerte ihrem Konkurrenten die technische Unterstützung sowie die Anlieferung der Bordverpflegung. Gleichzeitig senkte man die Flugpreise auf den Routen, die parallel von Atlantis bedient wurden. Der zunehmende Preiskampf zwischen den beiden Gesellschaften trug zum wirtschaftlichen Niedergang von Atlantis bei. Obwohl 1971 mehr als 500.000 Passagiere befördert werden konnten, geriet die Gesellschaft in finanzielle Schwierigkeiten. Eine ungenügende Kapitaldeckung, Fehler in der Streckenplanung und mangelhafte Preisgestaltungen führten zu immer höheren Verlusten. Zwar setzte Atlantis im Sommer 1971 eine DC-8 für die französische Aéromaritime ein, es misslang jedoch die Flugzeugflotte während der nachfrageschwachen Wintermonate an dritte zu vermieten.[3][4] Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nahmen nach der Sommersaison 1972 weiter zu, so dass der Flugbetrieb am 19. Oktober 1972 eingestellt werden musste.[5] Am 20. Oktober 1972 meldete die Atlantis AG Konkurs an. Im Folgemonat begann der Verkauf der Flugzeuge.[6] Die letzten zwei DC-9 wurden 1973 in die USA verkauft.

Eingesetzte Flugzeuge

Einzelnachweise

  1. Der Spiegel, 25. November 1968 [1]
  2. jp airline-markings 72
  3. Foto der an Aeromaritime verleasten Atlantis DC-8 (D-ADIR) [2]
  4. Flight International, Index 1971 [3]
  5. Hamburger Abendblatt, 19. Oktober 1972 [4]
  6. Hamburger Abendblatt, 13. November 1972 [5]

Literatur

  • Jochen K.Beeck: Passagierflugzeuge der Fluggesellschaften Europas, Stuttgart 2003
  • Klaus Vomhof: Leisure Airlines of Europe, Newcastle-upon-Tyne 2001

Weblinks


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