Persia

PERSIA


Die Persia im Hafen von Aden (Postkarte)
Schiffsdaten
Flagge: Vereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Schiffstyp: Passagierschiff
Bauwerft: Caird & Company Ltd., Greenock, Schottland
Reederei: Peninsular and Oriental Steam Navigation Company
Technische Daten
Baunummer: 295
Schiffsvermessung: 7.974 BRT
Länge über alles: 152,3 m
Breite über alles: 16,5 m
Max. Tiefgang: 7,5 m
Verdrängung:
Maschine
Reisegeschwindigkeit: 18 Knoten (33, 3 Km/h)
Schrauben: 3
Schornsteine: 2
Masten: 2
Sonstiges
Passagiere 314 Erste Klasse
212 Zweite Klasse
Besatzung: ca. 300
Stapellauf: 13. August 1900
Jungfernfahrt: 1900
Letzte Fahrt: 18. Dezember 1915

Die Persia war ein 1900 in Dienst gestelltes Passagierschiff der britischen Reederei Peninsular and Oriental Steam Navigation Company (kurz P & O genannt), das Passagiere, Fracht und Post von England nach Indien beförderte. Sie galt als einer der luxuriösesten Ozeandampfer von P & O.

Die Persia wurde 1915 im Mittelmeer von dem deutschen U-Boot U 38 ohne Vorwarnung torpediert und versenkt, wobei der größte Teil der Passagiere und Mannschaftsmitglieder ums Leben kam. Der Persia-Zwischenfall markiert nach der Versenkung der RMS Lusitania im Mai 1915 den zweitgrößten Verlust von Menschenleben bei der Versenkung eines britischen Passagierdampfers durch ein deutsches U-Boot im Ersten Weltkriegs. Sie war das erste Schiff, das die Reederei P & O im Ersten Weltkrieg verlor

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Die Persia war das zuletzt fertig gestellte in einem Quintett von Schwesterschiffen, das P & O für ihren Passagier- und Frachtverkehr nach Asien in Auftrag gab. Die anderen waren die China (1896), India (1896), Egypt (1897) und Arabia (1898). Da sie auf ihren Überfahrten regelmäßig große Mengen an Gold, Juwelen und anderen Edelmetallen transportierte, bekam sie den Beinamen Gold ship of the Empire (Goldschiff des Empires).

Der Passagier- und Frachtdampfer bediente für P & O die Route LondonBombay via Mittelmeer, Sueskanal, Rotes Meer und Indischer Ozean. Sie vollendete mehr als 70 Überfahrten auf dieser Strecke, die allgemein „Empire Run“ genannt wurde. Das Schiff führte nur zwei statt der sonst üblichen drei Preisklassen und lief mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 18 Knoten.

Die letzte Fahrt

Abfahrt

Am Sonnabend, dem 18. Dezember 1915 legte die Persia unter dem Kommando von Commander W. H. S. Hall, RNR, mit etwa 560 Menschen an Bord von Tilbury bei London ab. Der größte Teil der Passagiere waren Briten, doch waren auch viele Perser und Inder an Bord, die sich auf dem Heimweg befanden. Aufgrund des Krieges befanden sich zahlreiche britische Militärangehörige zum Teil mit Familie an Bord, die auf dem Weg zu ihren Dienststellen in Indien waren. Aber auch Geschäftsreisende, Urlauber, Missionare und Soldatenfrauen standen auf der Passagierliste, unter Anderem eine fünfköpfige Gruppe belgischer Nonnen auf dem Weg zurück in ihren Konvent in Karachi und eine Gruppe von Mitarbeitern des indischen Maharajas Jagatjit Singh von Kapurthala. Zur Ladung zählten auch Gold und Juwelen des Maharajas.

Zu den bekannteren Persönlichkeiten an Bord zählten unter Anderem:

  • Colonel Charles Clive Bigham, britischer Anwalt und Regierungsbeamter, Sohn von John Bigham, 1st Lord Mersey (überlebte)
  • John Douglas-Scott-Montagu, Lord Beaulieu, britischer Adeliger, konservativer Politiker, Gründer der Zeitschrift The Car Illustrated Magazine, Berater des Mechanical Transport Service (überlebte)
  • Eleanor Thornton, britische Society-Angehörige, Sekretärin und Geliebte von Lord Beaulieu, stand Modell für die „Spirit of Ecstasy“ von Rolls Royce (kam ums Leben)
  • Isabella Fladgate, angehende britische Schauspielerin (kam ums Leben)
  • Inder Singh, Berater des Maharajas von Kapurthala (kam ums Leben)
  • Robert N. McNeely, amerikanischer Senator, designierter Konsul von Aden (kam ums Leben)
  • Walter E. Smith, britischer Parlamentsabgeordneter (überlebte)
  • Dr. Elizabeth Stephens Imprey, britische Ärztin, designierte Leiterin des „Lady Dufferin Hospital“ in Lahore (Pakistan) (kam ums Leben)
  • Thomas Burns, schottischer Unternehmer, Eigentümer und Betreiber von Minen in Kalkutta (kam ums Leben)
  • Helen Codrington, Ehefrau von Lieut. Colonel Harry de Burgh Codrington, Mitglied des Versorgungsunternehmens Indian Supply & Transport Corps. (kam ums Leben)
  • Lieut. John Elmsley Bourchier Torkington, hochrangiger Offizier in der British Indian Army (kam ums Leben)

Den Passagieren war die Gefahr, auf hoher See von einem U-Boot angegriffen zu werden, bewusst, da im Verlauf des U-Boot-Kriegs bereits mehrere unbewaffnete britische Handelsschiffe versenkt worden waren. Besonders die Versenkung der Lusitania sieben Monate zuvor war noch allen im Gedächtnis. Die Persia umrundete Spanien und erreichte ihren ersten Anlaufhafen, Gibraltar, am 22. Dezember. 36 Passagiere schifften sich aus, andere kamen an Bord. Das nächste Ziel war Marseille an der Côte d'Azur, wo die Persia am 26. Dezember einlief. Die Insel Malta wurde am 28. Dezember erreicht. Hier lag die Persia mehrere Stunden vor Anker, was viele Passagiere für einen Strandaufenthalt nutzten. Der nächste Stopp der Reise sollte Port Said in Ägypten sein. Von dort sollte das Schiff durch den Suez-Kanal, das Rote Meer und den Indischen Ozean nach Indien reisen und dort die Häfen Bombay und Karachi anlaufen.

Versenkung

Am Donnerstagmorgen, dem 30. Dezember 1915, befand sich die Persia 71 Meilen südlich des Kaps Martello (Kreta) mit Kurs auf Ägypten. Das Schiff war für die Feiertage festlich geschmückt worden, in den Speisesälen standen große Weihnachtsbäume. Es hatte während der Fahrt zwei Sicherheitsübungen mit Rettungsbooten gegeben, zudem waren alle Passagiere und Crewmitglieder informiert worden, bei welchem Boot sie sich im Notfall einzufinden hatten. Dies war ein direktes Resultat aus der Lusitania-Katastrophe, wo aufgrund fehlender Notfallübungen die Evakuierung des schnell sinkenden Liners in einem Desaster geendet hatte.

Um 11.50 Uhr Ortszeit sichtete Kapitän Max Valentiner an Bord des deutschen U-Boots U 38 durch sein Periskop die Schornsteine und Masten der Persia, die ihn backbords passierte. Valentiner beobachtete den Dampfer eine Weile und konnte Geschütze an Deck erkennen. Die Menschen an Deck hielt er daher für Soldaten, was ihm als Rechtfertigung zur Torpedierung ohne Vorwarnung genügte. Er gab den Befehl zum Angriff.

An Bord der Persia saßen die Passagiere gerade beim Mittagessen, als um 13.05 Uhr das Torpedo der U 38 die Backbordwand des Dampfers durchschlug und eine heftige Explosion verursachte. Die Wucht der Detonation war so stark, dass in den Speisesälen das Geschirr von den Tischen rutschte. Die Weihnachtsbäume kippten um und stürzten auf die Passagiere, die sich sofort erhoben und an Deck liefen. Allen war klar, was passiert war, das Bootsdeck war nach wenigen Augenblicken voller Menschen. Die Persia, die während des Untergangs immer noch Fahrt machte, neigte sich nach backbord und sank so schnell, dass die meisten Passagiere gar keine Chance hatten, ein Rettungsboot zu besteigen. Die meisten rutschten aufgrund der Schlagseite einfach ins Wasser oder wurden durch hohe Wellen vom Bootsdeck gespült. Das Schiff hob sein Heck hoch aus dem Wasser und glitt dann mit zunehmender Geschwindigkeit unter die Oberfläche. Fünf Minuten nach dem Angriff war es verschwunden und hinterließ ein breites Feld von Trümmern, Deckstühlen und Schwimmern.

In der kurzen Zeit hatten nur vier Rettungsboote ordnungsgemäß bemannt und abgefiert werden können, eines war danach gekentert und trieb kieloben im Wasser. Augenzeugenberichten zufolge wurden mehrere vollbesetzte Boote, die noch an den Davits hingen, mit in die Tiefe gerissen, als der Dampfer unterging. Die drei schwimmfähigen Boote wurden zusammengebunden und am Abend des 31. Dezember von der HMAS Mallow von der Royal Navy aufgenommen, die die Überlebenden nach Alexandria brachte. Das gekenterte Boot, an dessen Kiel sich elf Überlebende klammerten, trieb weit ab und wurde erst am 1. Januar gefunden. Die Geretteten wurden nach Malta befördert.

Von den 519 Menschen an Bord überlebten 175 (99 Besatzungsmitglieder und 76 Passagiere, darunter fünfzehn Frauen). Nur zwei der neunzehn Kinder überlebten das Unglück. 343 Menschen starben. Die Versenkung der Persia gilt damit als größter Verlust von Menschenleben bei der Versenkung eines zivilen Schiffs im Ersten Weltkrieg nach der Lusitania.

Entdeckung des Wracks

Das Wrack der Persia war 88 Jahre lang verschollen und wurde erst im Sommer 2003 vom britischen Forscherehepaar Alec und Moya Crawford vom schottischen Bergungsunternehmen Deep Tek Ltd. gefunden. Es befindet sich in einem relativ guten Zustand und liegt in fast 3000 Metern Tiefe aufrecht auf dem Meeresboden. Die Schornsteine sind abgebrochen, ansonsten ist es fast intakt. Die begehrte Gold- und Diamantenfracht des Maharadschas, die die Crawfords hatten finden wollen, ist bis heute unentdeckt geblieben.

Weblinks

Siehe auch


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