Persönlichkeit

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Persönlichkeit

Der Begriff Pers√∂nlichkeit umfasst die einzigartigen psychologischen Eigenschaften eines Individuums, in denen es sich von anderen unterscheidet. ‚ÄěTemperament‚Äú und ‚ÄěCharakter‚Äú sind √§ltere Bezeichnungen f√ľr Teilaspekte. Es werden zahlreiche Pers√∂nlichkeitseigenschaften unterschieden. Die normale menschliche Variation von Pers√∂nlichkeitsmerkmalen steht dabei ebenso im Interesse der Forschung wie die Identifikation von Pers√∂nlichkeitsst√∂rungen. Kernfragen sind beispielsweise die Stabilit√§t oder Ver√§nderung von Pers√∂nlichkeitsmerkmalen, ihre dispositionelle Funktion (Bedeutung f√ľr zuk√ľnftiges Verhalten) oder die Art ihrer Repr√§sentation und Manifestation (Konstrukte oder Rekonstrukte).

In der Philosophie werden eher die Begriffe Personalität und Person verwendet (vgl. Philosophische Anthropologie).

Inhaltsverzeichnis

Persönlichkeit in der Philosophie

Vor Beginn der Neuzeit steht der Begriff der Pers√∂nlichkeit vor allem im Kontext zur Theologie und bezieht sich auf die Trinit√§t der drei g√∂ttlichen Pers√∂nlichkeiten. Der Begriff l√∂st sich erst mit John Locke von der Theologie: ‚ÄěPers√∂nlichkeit kommt nur intelligenten Akteuren zu, die zu einem Gesetz f√§hig sind, sowie zu Gl√ľck und Leiden. Diese Pers√∂nlichkeit erstreckt sich √ľber ihre gegenw√§rtige Existenz hinaus in die Vergangenheit, allein durch das Bewusstsein, wodurch sie ihre eigenen, fr√ľheren Handlungen betreffen, und sie f√ľr diese verantwortlich ist, und diese zu ihr geh√∂ren und ihr zugeschrieben werden.‚Äú ‚ÄĒ (orig.: ‚Äě[Person] belongs only to intelligent agents, capable of a law, and happiness and misery. This personality extends itself beyond present existence to what is past, only by consciousness, whereby it becomes concerned and accountable, owns and imputes to itself past actions.‚Äú[1])

Immanuel Kant unterscheidet dann explizit zwischen Person und Pers√∂nlichkeit, letztere ist ‚Äědie Freiheit und Unabh√§ngigkeit von dem Mechanism der ganzen Natur, doch zugleich als ein Verm√∂gen eines Wesens betrachtet, welches eigenth√ľmlichen, n√§mlich von seiner eigenen Vernunft gegebenen, reinen praktischen Gesetzen, die Person also, als zur Sinnenwelt geh√∂rig, ihrer eigenen P. unterworfen ist, sofern sie zugleich zur intelligibelen Welt geh√∂rt.‚Äú[2] Erst in der Pers√∂nlichkeit erscheint der Mensch f√ľr Kant selbst in seiner W√ľrde. Ihre Autonomie gibt die M√∂glichkeit zur freien sittlichen Selbstbestimmung.

Die Bildung der Persönlichkeit steht im Zentrum der Bildungstheorie von Friedrich Schiller und Wilhelm von Humboldt.

Der Begriff der Person fand zunehmendes Interesse in der Diskussion √ľber Menschenw√ľrde und Menschenrechte, √ľber die Selbstbestimmung im Hinblick auf lebensverl√§ngernde Ma√ünahmen und in der Auseinandersetzung √ľber Willensfreiheit. Die in den Neurowissenschaften sichtbare Tendenz zur Naturalisierung der Person steht im Gegensatz zur √úberzeugung, dass eine eigengesetzliche geistig-seelische Personalit√§t existiert. (‚Üí Leib-Seele-Problem)

Persönlichkeit in der Psychologie

Siehe auch: → Persönlichkeitseigenschaft → Persönlichkeitstheorie

Definitionen

Pers√∂nlichkeit ist einer der wichtigsten Begriffe der Psychologie. Viele Fragen und empirische Forschungsans√§tze sind durch die Absicht bestimmt, allgemein zu erkl√§ren und im Einzelfall zu verstehen, wie sich eine Pers√∂nlichkeit mit ihren Eigenschaften unter bestimmten Anlage- und Umweltbedingungen entwickelt, wie sie sich ver√§ndert, wie sie in der psychologischen Praxis zutreffend beschrieben, in einzelnen Verhaltensweisen vorhergesagt und eventuell beeinflusst werden kann. Wegen dieser umfassenden Bedeutung kann es nicht verwundern, dass es keine √ľberzeugende Definition des Begriffs gibt.

Die Lehrb√ľcher der Psychologie schildern zahlreiche Auffassungen, und oft wird Gordon Allport (1961) zitiert, der 49 andere Definitionen vorstellte und seine eigene dann als f√ľnfzigste anschloss: ‚ÄěPers√∂nlichkeit ist die dynamische Ordnung derjenigen psychophysischen Systeme im Individuum, die seine einzigartigen Anpassungen an seine Umwelt bestimmen.‚Äú (Allport, 1959, S. 49).

Inzwischen wurden viele weitere Definitionen vorgeschlagen, in denen sich die unterschiedlichen Auffassungen und Absichten sowie die Menschenbilder der Autoren spiegeln.

Welche Funktionen wesentlich und welche Kr√§fte in dem dynamischen System Pers√∂nlichkeit entscheidend sind, wird in den einzelnen Pers√∂nlichkeitstheorien sehr unterschiedlich gesehen. Mit der Absicht, das Besondere einer Pers√∂nlichkeit in einem Eigenschaftsprofil zu beschreiben und auf die innere Organisation zur√ľckzuf√ľhren, unterscheidet sich die Pers√∂nlichkeitspsychologie von der haupts√§chlich auf die Vielfalt der Einzelmerkmale ausgerichteten und systematisch beschreibenden Differentiellen Psychologie. Beide Sichtweisen erg√§nzen sich wechselseitig. Die Differenzielle Psychologie liefert die beschreibende (deskriptive) Grundlage aller Pers√∂nlichkeitstheorien und f√ľr alle Aufgabenstellungen der Angewandten Psychologie, die sich ja in der Regel auf wichtige Unterschiede zwischen den Menschen bezieht.

Wichtige Themen der Persönlichkeitsforschung sind die Persönlichkeitsentwicklung, die Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt (Interaktionismus), die Grundlagen in der Biopsychologie, die Geschlechtsunterschiede (Gender Studies), die Persönlichkeit im Kulturvergleich (Kulturpsychologie).

Geschichte

Die Fragestellungen der Pers√∂nlichkeitspsychologie haben eine sehr lange Vorgeschichte in der Temperamentenlehre, der Erfahrungsseelenkunde und Menschenkenntnis, und in der Charakterkunde (Charakterologie). In Deutschland waren lange die Begriffe Charakter und Charakterkunde √ľblich (siehe: Ludwig Klages, Philipp Lersch, Robert Hei√ü) sowie der biografische Ansatz von Hans Thomae). William Stern pr√§gte den Begriff Personologie im Unterschied zur Differentiellen Psychologie. Zu den Pionieren der Pers√∂nlichkeitsforschung in den angloamerikanischen L√§ndern geh√∂ren Henry A. Murray (1893-1988), Gordon Allport (1897-1967), Joy Paul Guilford (1897-1987), Raymond B. Cattell (1905-1998); Hans Eysenck (1916-1997), Walter Mischel (geb. 1930). Deren Forschungsprogramme √ľbten einen starken Einfluss auf die neuere deutsche Pers√∂nlichkeitspsychologie aus. Eine eigenst√§ndige Forschungsrichtung ist hier nur in der von Hans Thomae und Mitarbeitern entwickelten biographischen Pers√∂nlichkeitsforschung zu sehen.

Historiker der Psychologie und Fachpsychologen haben verschiedentlich versucht, die relative Bedeutung und den Einfluss einzelner Persönlichkeitstheoretiker zu vergleichen. Ein hoher Rang wurde auch Autoren, die nicht im engeren Sinn Persönlichkeitsforscher waren, eingeräumt, u.a. Sigmund Freud, Carl Rogers und Burrhus Frederic Skinner (Amelang 2004; Fisseni 1998).

Persönlichkeitseigenschaften

Die Pers√∂nlichkeitseigenschaften sind theoretische Konzepte, die aus den empirischen Daten der Differentiellen Psychologie abgeleitet werden. Eigenschaften gelten nicht mehr ‚Äď wie fr√ľher oft angenommen ‚Äď als starre Charakterz√ľge, sondern als relativ √ľberdauernde Verhaltenstendenzen (Dispositionen), die sich √ľber verschiedene Situationen und einen l√§ngeren Zeitraum hinweg manifestieren. (Zur Definition und Methodik siehe: Pers√∂nlichkeitseigenschaften).

Entwicklung der Persönlichkeit

Wie Pers√∂nlichkeitsmerkmale in der fr√ľhen Kindheit und Jugend entstehen und wie sie sich auch im mittleren und h√∂heren Lebensalter, d.h. √ľber die ganze Lebensspanne, ver√§ndern k√∂nnen (plastisch sind), ist ein wichtiges Thema der Entwicklungspsychologie. Wichtige Beitr√§ge kommen einerseits aus der Humangenetik und Entwicklungsbiologie des Menschen sowie der Ethnologie und Kulturanthropologie, andererseits aus den verschiedenen Arbeitsrichtungen der Psychologie. Zu nennen sind vor allem (vgl. Oerter und Montada 2008):

  • Psychodynamische Ans√§tze von Sigmund Freud, Alfred Adler und C. G. Jung u.a.
  • Stufenmodelle der psychosozialen Entwicklung und Identit√§tsfindung (Erik H. Erikson, James E. Marcia u.a.)
  • Strukturierung durch Entwicklungsaufgaben und kritische Lebensereignisse (Robert J. Havighurst, Sigrun-Heide Filipp)
  • Biografische Pers√∂nlichkeitsforschung (Henry A. Murray, Hans Thomae u.a.)
  • sozial-kognitive und handlungstheoretische Konzepte,
  • Bindungstheorien (John Bowlby, Mary D. Ainsworth),
  • Perspektive der lebenslangen Entwicklung (Paul Baltes),
  • sowie wichtige L√§ngsschnittstudien im sozialwissenschaftlichen und im medizinischen Bereich, z.B. √ľber Krankheitsdispositionen, Risiken, Umwelteinfl√ľsse.

Viele der bisherigen Forschungsergebnisse stammen noch nicht aus gr√ľndlichen L√§ngsschnittstudien an denselben Individuen √ľber viele Jahre und Jahrzehnte, sondern wurden gewonnen, indem Personen aus verschiedenen Altersgruppen gleichzeitig (in einer sogenannten Querschnittstudie) untersucht werden. Gro√üe L√§ngsschnittanalysen ein und derselben Kohorte haben dagegen das Problem, dass sich die Lebensbedingungen w√§hrend der langen Beobachtungszeit tiefgreifend √§ndern k√∂nnten.

Gegenw√§rtig existiert noch keine Theorie der Pers√∂nlichkeitsentwicklung, welche die vielf√§ltigen Einfl√ľsse zusammenfassen kann: das Zusammenwirken der genetischen (angeborenen) oder fr√ľh erworbenen Unterschiede der Konstitution mit den vielf√§ltigen Einfl√ľssen von Umweltbedingungen, Erziehungseinfl√ľssen, Identit√§tsfindung und Selbstverwirklichung, als Prozess von Individuation und Sozialisation.

Persönlichkeitstheorien

Die Lehr- und Handb√ľcher der Pers√∂nlichkeitspsychologie stellen Dutzende von Pers√∂nlichkeitstheorien dar und teilen diese nach verschiedenen Gesichtspunkten ein. So k√∂nnen nach Asendorpf (2007) sieben Paradigmen, d.h. Forschungsans√§tzen mit typischen Grundbegriffen, Fragestellungen und Methoden, unterschieden werden:

  • das psychoanalytische Paradigma,
  • das behavioristische Paradigma,
  • das Eigenschaftsparadigma,
  • das Informationsverarbeitungsparadigma,
  • das neurowissenschaftliche Paradigma,
  • das dynamisch-interaktionistische Paradigma,
  • das evolutionspsychologische Paradigma.

Demgegen√ľber gliedert Fisseni (1998) in seiner auch historisch breiteren √úbersicht nach

  • psychodynamischen Pers√∂nlichkeitstheorien,
  • konstitutionstypologischen Pers√∂nlichkeitstheorien,
  • philosophisch-ph√§nomenologischen Ans√§tzen,
  • Schichttheorien,
  • humanistischer Psychologie,
  • kognitiven Pers√∂nlichkeitstheorien,
  • faktorenanalytischen Pers√∂nlichkeitstheorien,
  • interaktionalen Theorien.

Insgesamt behandelt er 29 Theorien und erwähnt noch Dutzende anderer.

Diese Vielfalt von Theorien kann irritieren, denn sie zeigt, wie vorl√§ufig diese Entw√ľrfe sind, aber auch wie schwierig eine umfassende Pers√∂nlichkeitstheorie ist. Als wichtige Gr√ľnde dieses Pluralismus sind zu nennen: Unterschiede des Menschenbildes, die Wissenschaftskonzeption der Psychologie und die Absichten und der Geltungsbereich der Theorie. (siehe: Pers√∂nlichkeitstheorien)

Personenwahrnehmung und Alltagspsychologie

Die wissenschaftliche Persönlichkeitsforschung hat eine Entsprechung in der populären Psychologie. Auch in dieser Alltagspsychologie (engl. folk psychology) werden Eigenschaftsbegriffe gebildet und psychologische Erklärungsversuche der individuellen Verschiedenheiten versucht. Im Unterschied zu den wissenschaftlichen Theorien wird von subjektiven Theorien oder impliziter Persönlichkeitstheorie gesprochen.

Ein psychologisch wichtiger Bereich ist die Person-Wahrnehmung: Wie werden andere Menschen wahrgenommen, d.h. im Unterschied zur Dingwahrnehmung als Personen, die ja ebenfalls Wahrnehmende sind und sich deshalb dieses Beobachtet-Werdens in der Wechselbeziehung bewusst sind? (Kommunikationsforschung) Wie entsteht der Eindruck von einer anderen Person aufgrund des Aussehens, der Kleidung, der Sprache, als ‚Äěerster Eindruck‚Äú vom Verhalten und den typischen Eigenschaften dieser Pers√∂nlichkeit? Welchen Anteil haben Gef√ľhle der Sympathie und der Antipathie oder die k√∂rperliche Attraktivit√§t? Wie wirken sich popul√§re Vorurteile, stereotype Vorstellungen vom ‚Äěnormalen‚Äú Menschen sowie soziale Bedingungen (eng. social perception) auf diese Bewertungen aus? ‚Äď Welche Zusammenh√§nge bestehen zwischen der Fremdwahrnehmung und dem Selbstbild eines Menschen? Diese Fragen regten in der Pers√∂nlichkeitspsychologie und Sozialpsychologie sowie in der Interaktions- und Kommunikationsforschung viele empirische Untersuchungen an (Argyle 1983; Asendorpf 2007; Forgas, 1992; Mummendey 1995; Hassebrauck und Niketta 1993; Henss 1998).

An die Personwahrnehmung schlie√üen sich alltagspsychologische Erkl√§rungsversuche an, wie Pers√∂nlichkeitseigenschaften und die Unterschiede zwischen den Menschen zustande kommen (Laucken 1973; Herkner 1996). Spekulativ werden dem fremden und dem eigenen Verhalten bestimmte Ursachen (Motive) zugeschrieben (siehe: psychologische Attributionstheorie). Die subjektiven Theorien als sogenannte Menschenkenntnis haben im Alltag die wichtigen Funktionen, das Verhalten der Menschen verstehbar, voraussagbar und auch kontrollierbar zu machen. Die subjektiven Theorien der Alltagspsychologie sind von den fachpsychologischen Theorien abzugrenzen, wenn auf genaue Begriffe, kritisches Methodenbewusstsein und unerl√§ssliche empirische √úberpr√ľfungen geachtet wird. Subjektive Theorien dienen der Orientierung des Einzelnen in der pers√∂nlichen Lebenswelt, Pers√∂nlichkeitstheorien hingegen verlangen systematisches, gesichertes Wissen.

Die populären Persönlichkeitskonzepte sind auch deswegen interessant, weil sie in die wissenschaftliche Psychologie hineinwirken und umgekehrt auch Forschungsergebnisse durch die Medien als psychologisches Alltagswissen vermittelt werden. Psychologen werden in ihren Interviews und Fragebogen sowie in ihrer gesamten Berufspraxis häufig auf solche Vorstellungen stoßen. Alltagspsychologische Konzepte von Persönlichkeit und Persönlichkeitseigenschaften können in vieler Hinsicht Einfluss nehmen, beispielsweise in der Schule, im betrieblichen Personalwesen, in Kliniken oder Alters- und Pflegeheimen.

Persönlichkeitsdiagnostik, Assessment

Die Pers√∂nlichkeitsdiagnostik soll die f√ľr eine psychologische Fragestellung interessierenden Pers√∂nlichkeitsmerkmale erfassen (siehe: Psychologische Diagnostik). Dazu geh√∂ren Begutachtungen und Prognosen in Schulpsychologie, Personalwesen, klinischer Psychologie. Gelegentlich wird die Diagnostik von individuellen F√§higkeiten einschlie√ülich der Intelligenz von der Pers√∂nlichkeitsdiagnostik im engeren Sinn unterschieden. Da mit dem Begriff Diagnostik h√§ufig eine medizinische Aufgabenstellung gemeint ist, wird heute oft der englische Begriff Assessment (Erfassung, Beurteilung) gebraucht. Assessment bedeutet gezielte Erfassung von psychologischen Unterschieden f√ľr einen bestimmten praktischen Zweck, insbesondere die Vorhersagen von Kriterien aufgrund bestimmter Pr√§diktoren (Prognose). Zum Verst√§ndnis der Strategien und der einzelnen Tests, Fragebogen usw. ist es notwendig, mit den Prinzipien der Differenziellen Psychologie und der Pers√∂nlichkeitstheorien vertraut zu sein. (siehe auch: Assessment-Center, Ambulantes Assessment, Psychologische Diagnostik, Psychologische Tests)

Doppelte Persönlichkeit

Der Begriff einer doppelten Pers√∂nlichkeit, eines Doppel-Ichs oder der Verdopplung der Pers√∂nlichkeit ist gleichbedeutend mit Verdopplung des Charakters[3] oder auch mit Doppeltem Bewusstsein.[4] Solche Beschreibungen sind nicht nur in der psychiatrisch-psychologischen Fachliteratur h√§ufig[5] [6], sondern auch in der allgemeinen Literatur beliebt.[7] Hierunter werden mehrfach hintereinander auftretende Zust√§nde verstanden, in denen der Mensch ein jeweils sicheres Identit√§tsgef√ľhl mit dem eigenen Ich besitzt, jedoch von der jeweils anderen Existenzform keine Kenntnis besitzt. Jung betont, dass sich der soziale Charakter einerseits nach den sozialen Bedingungen und Notwendigkeiten orientiert, andererseits nach den sozialen Absichten und Bestrebungen des Subjekts. Die Begriffe doppeltes und alternierendes Bewusstsein werden nicht streng voneinander geschieden. Bereits H. Sch√ľle (1880) bemerkte, dass es sich um eine Ausdrucksform der Hysterie handelte. Heute geht der Begriff doppelte Pers√∂nlichkeit in der multiplen Pers√∂nlichkeitsst√∂rung auf. In der Psychologie wird auch von der Ich-Spaltung gesprochen, welche eine vorherrschende doppelte Pers√∂nlichkeit mit Hinblick auf fr√ľhkindliche Erfahrungen betrachtet.

Literatur

Philosophie

  • Tilman Borsche: Stichwort. Individuum, Individualit√§t. In: Joachim Ritter Karlfried Gr√ľnder u.a. (Hrsg.). Historisches W√∂rterbuch der Philosophie. Buchgesellschaft, Darmstadt 1976 (S. 310-323).
  • Gerd J√ľttemann: Psychologie als Humanwissenschaft. Vandenhoeck und Rupprecht, G√∂ttingen 2004, ISBN 978-3-525-46215-7
  • Regine Kather: Person. Die Begr√ľndung menschlicher Identit√§t. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2007, ISBN 3-534-17464-X.
  • Bernard N. Schumacher und Francois-Xavier Putallaz (Hrsg.): Der Mensch und die Person. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2008.

Psychologie

  • Gordon W. Allport: Pers√∂nlichkeit. Struktur, Entwicklung und Erfassung der menschlichen Eigenart. (2. Aufl.). Beltz, Meisenheim a. Gl. 1959.
  • Manfred Amelang: 100 Jahre Psychologie: Differenzielle Psychologie, Pers√∂nlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik. Zeitschrift f√ľr Differenzielle und Diagnostische Psychologie, 2004, Volume 25, 265-276.
  • Manfred Amelang und Lothar Schmidt-Atzert: Psychologische Diagnostik und Intervention (4. Aufl.). Springer, Berlin 2006, ISBN 978-3-540-28507-6
  • Michael Argyle: The psychology of interpersonal behavior. Penguin, Harmondsworth 1983.
  • Jens B. Asendorpf: Psychologie der Pers√∂nlichkeit (4. Aufl.). Springer, Berlin 2007, ISBN 978-3-540-71684-6
  • Klaus Boerner: Das psychologische Gutachten. Ein praktischer Leitfaden (7. Aufl.). Beltz, Weinheim 2004, ISBN 3-407-22163-0.
  • David M. Buss (Ed.): The handbook of evolutionary psychology. Wiley, Hoboken, NJ. 2005.
  • Charles S. Carver und Michael F. Scheier: Perspectives on personality (5th ed.). Allyn and Bacon, Boston 2004, ISBN 0-205-37576-6
  • Ekkehard Crisand, Horst-J. Rahn: Psychologie der Pers√∂nlichkeit (9. Aufl.). Hamburg 2010, ISBN 978-3-937444-64-2.
  • Hermann-Josef Fisseni: Pers√∂nlichkeitspsychologie: auf der Suche nach einer Wissenschaft; ein Theorien√ľberblick (4. Aufl.). Hogrefe, G√∂ttingen 1998, ISBN 3-8017-0981-7.
  • Hermann-Josef Fisseni: Lehrbuch der psychologischen Diagnostik: mit Hinweisen zur Intervention.(3. Aufl.). Hogrefe, G√∂ttingen 2004, ISBN 3-8017-1756-9.
  • Joseph P. Forgas: Soziale Kommunikation und Interaktion. Eine Einf√ľhrung in die Sozialpsychologie (4. Aufl.). Weinheim: Psychologie Verlags Union, Weinheim 1999, ISBN 3-621-27145-7.
  • Manfred Hassebrauck, Reiner Niketta (Hrsg.).Physische Attraktivit√§t. Hogrefe, G√∂ttingen 1993, ISBN 3-8017-0600-1.
  • Roland Henss: Gesicht und Pers√∂nlichkeitseindruck. Hogrefe, G√∂ttingen 1998, ISBN 978-3-8017-1146-7.
  • Werner Herkner: Lehrbuch Sozialpsychologie (5. Aufl.). Huber, Bern 1996, ISBN 3-456-81989-7.
  • Oliver P. John, Richard W. Robins und Lawrence A. Pervin: Handbook of personality: Theory and Research (3rd. ed.). Guilford Press, New York 2008.
  • Uwe Peter Kanning: Die Psychologie der Personenbeurteilung. Hogrefe, G√∂ttingen 1999, ISBN 3-8017-1312-1.
  • Julius Kuhl: Motivation und Pers√∂nlichkeit. Interaktionen psychischer Systeme. Hogrefe, G√∂ttingen 2001, ISBN 3-8017-1307-5.
  • Uwe Laucken (1973) Naive Verhaltenstheorie. Ein Ansatz zur Analyse des Konzeptrepertoires, mit dem im allt√§glichen Lebensvollzug das Verhalten der Mitmenschen erkl√§rt und vorhergesagt wird. Klett, Stuttgart 1974, ISBN 3-12-925260-6.
  • Dan P. McAdams (Ed.): Identity and story: creating self in narrative. APA, Washington, D.C. 2006, ISBN 1-59147-356-X.
  • Hans Dieter Mummendey: Psychologie der Selbstdarstellung. (2. Aufl.). Hogrefe, G√∂ttingen 1995, ISBN 3-8017-0709-1.
  • Rolf Oerter und Leo Montada: Entwicklungspsychologie (6. Aufl.). PVU, Weinheim 2008, ISBN 978-3-621-27607-8.
  • Kurt Pawlik und Manfred Amelang (Hrsg.): Differentielle Psychologie und Pers√∂nlichkeitsforschung. Enzyklop√§die der Psychologie. Themenbereich C, Serie 8 (4 B√§nde). Hogrefe, G√∂ttingen 1995-2000, ISBN 3-8017-0533-1
  • Lawrence A. Pervin, Daniel Cervone und Oliver P. John: Pers√∂nlichkeitstheorien. Reinhardt, M√ľnchen 2005, ISBN 3-8252-8035-7.
  • Gerhard Stemmler, Dirk Hagemann, Manfred Amelang, Dieter Bartussek: Differentielle Psychologie und Pers√∂nlichkeitsforschung (7. Aufl.). Kohlhammer, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-17-021008-0.
  • Hans Thomae: Das Individuum und seine Welt: eine Pers√∂nlichkeitstheorie. Hogrefe, G√∂ttingen 1968.
  • Hannelore Weber und Thomas Rammsayer (Hrsg.): Handbuch der Pers√∂nlichkeitspsychologie und Differentiellen Psychologie. Hogrefe, G√∂ttingen 2005, ISBN 3-8017-1855-7.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Locke, John: An essay conc. human underst., London 1690, II, 27, 17.
  2. ‚ÜĎ Kant, Immanuel: Kritik der praktischen Vernunft. I, 1, 3. Akad.-A. 5, 87.
  3. ‚ÜĎ Jung, Carl Gustav: Definitionen. In: Gesammelte Werke. Walter-Verlag, D√ľsseldorf 1995, Paperback, Sonderausgabe, Band 6, ISBN 3-530-40081-5, Seite 497, ¬ß 800
  4. ‚ÜĎ Peters, Uwe Henrik: W√∂rterbuch der Psychiatrie und medizinischen Psychologie. Urban & Schwarzenberg, M√ľnchen 3. Auflage 1984, Seite 595, Stw. Verdopplung der Pers√∂nlichkeit
  5. ‚ÜĎ Janet, Pierre: Les obsessions et la Psychasth√©nie. 2. Auflage Paris 1908, Seite 319-322
  6. ‚ÜĎ Dessoir, Max: Vom Jenseits der Seele, die Geheimwissenschaft in kritischer Betrachtung. L√∂wit, Wiesbaden 1979, 362 Seiten
  7. ‚ÜĎ Stevenson, Robert Louis: Dr. Jeckyll and Mr. Hyde. [1865]

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