Attentat auf JFK

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Attentat auf JFK

Bei einem Attentat kam am 22. November 1963 John F. Kennedy, der 35. Pr√§sident der Vereinigten Staaten von Amerika, in Dallas ums Leben. Knapp eineinhalb Stunden nach dem Attentat wurde Lee Harvey Oswald als Verd√§chtiger in einem Kino verhaftet und zwei Tage sp√§ter in Polizeigewahrsam von Jack Ruby erschossen. Die Umst√§nde der Ermordung des Pr√§sidenten und die Frage, ob Oswald √ľberhaupt der T√§ter war und ob er Mitt√§ter oder Hinterm√§nner hatte, waren Gegenstand mehrerer staatlicher Untersuchungen und zahlreicher Verschw√∂rungstheorien.

Präsident Kennedy im Oval Office, Aufnahme vom Juli 1963
Präsident Kennedy und Jackie nach der Landung aus Fort Worth auf dem Rollfeld von Love Field, Dallas, Texas

Inhaltsverzeichnis

Die Ereignisse in Dallas

Kennedys Reise durch Texas

Kennedys Texas-Reise, die ihn nach Houston, Fort Worth und Dallas f√ľhren sollte, war im September 1963 angek√ľndigt worden. Der Pr√§sident hatte drei Ziele im Auge:

  • Stimmung f√ľr seine Wiederwahl 1964 zu machen,
  • Spenden f√ľr den bevorstehenden Pr√§sidentschaftswahlkampf zu sammeln,
  • die notorischen Streitereien unter den texanischen Demokraten zu schlichten.

Letztere hatten dazu beigetragen, dass er 1960 auch in Texas nur eine äußerst knappe Mehrheit gewonnen hatte, obwohl Vizepräsident Lyndon B. Johnson aus Texas kam.

Die Stimmung war aufgeheizt. Ein selbst ernannter ‚ÄěErmittlungsausschuss frei und amerikanisch denkender B√ľrger‚Äú hatte am Tag seines Besuchs eine Anzeige geschaltet, in der Kennedy unter anderem vorgeworfen wurde, er h√§tte ‚Äědie Monroe-Doktrin zugunsten des ‚ÄöGeistes von Moskau‚Äô verschrottet‚Äú. Damit wurde auf die Kuba-Politik des Pr√§sidenten angespielt, die nach dem Debakel in der Schweinebucht und der Kubakrise deutlich vorsichtiger geworden war. Auch kursierte ein Flugblatt in Form eines Steckbriefs, auf dem Kennedy wegen Hochverrat gesucht wurde.

Anlass zu Besorgnis gab obendrein, dass Adlai Stevenson, der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, einen Monat zuvor in Texas von w√ľtenden Demonstranten bespuckt und mit Protestschildern geschlagen worden war. Am 18. November 1963 hatte zudem ein geplanter Autokorso Kennedys durch Miami abgesagt werden m√ľssen, da der Polizei Attentatspl√§ne bekannt geworden waren.

Präsident Kennedy kurz vor dem Attentat

Kennedy sah die Gefahr eines Anschlags, blieb aber gelassen. Zu seinem Assistenten Kenneth O’Donnell sagte er:

Wenn jemand wirklich den Pr√§sidenten der Vereinigten Staaten erschie√üen wollte, w√§re das keine schwierige Arbeit: Man m√ľsste nur eines Tages mit einem Gewehr mit Zielfernrohr auf ein hohes Geb√§ude hinauf, niemand k√∂nnte etwas gegen einen solchen Anschlag unternehmen. [1]

Hintergrund dieses Fatalismus soll die Tatsache gewesen sein, dass es damals noch keine Amtslimousinen mit kugelsicherem Dach gegeben hatte. Die Fahrtroute durch Dallas, die am 18. November offiziell bekannt gegeben worden war, f√ľhrte vom Flughafen Dallas Love Field durch die Innenstadt zum Dallas Trade Mart, wo Kennedy eine Rede halten wollte. Er entschied sich gegen die Empfehlung seines Sicherheitsdienstes f√ľr ein Auto mit offenem Verdeck, einen dunkelblauen 1961er Lincoln Continental X-100. Im Wagen sa√üen sechs Personen: Kennedy (rechts hinten), seine Frau Jacqueline Bouvier-Kennedy, der Gouverneur von Texas, John Connally, dessen Frau Nellie Connally, sowie die Secret-Service-Agenten William Greer als Chauffeur und Roy Kellerman.

Die Dealey Plaza mit dem Fahrtweg der Präsidentenlimousine

Das Attentat auf den Präsidenten

Als die Autokolonne des Pr√§sidenten nur noch f√ľnf Minuten vom Veranstaltungsort entfernt war, fuhr sie auf der Houston Street, die den Geb√§udekomplex der Dealey Plaza nach Westen begrenzt, auf das Schulbuchdepot des Staates Texas zu. Hier bogen die Wagen in einer 120¬į-Kurve nach links in westlicher Richtung in die Elm Street ein. Etwa auf halber H√∂he zwischen dem Schulbuchdepot und einem Grash√ľgel am Nordrand der Dealy Plaza stand Abraham Zapruder, ein Amateurfilmer aus Dallas, und filmte den vorbeifahrenden Wagen des Pr√§sidenten auf 8-mm-Film (Zapruder-Film).

Kurz zuvor hatte sich Nellie Connally, die Frau des Gouverneurs, angesichts der vielen freundlich winkenden Menschen am Stra√üenrand an den schr√§g hinter ihr sitzenden Pr√§sidenten mit den Worten gewandt: ‚ÄěMr. President, man kann nicht sagen, dass Dallas Sie nicht liebt‚Äú, und Kennedy hatte zugestimmt: ‚ÄěNein, das kann man ganz sicher nicht sagen‚Äú.[2] Das waren seine letzten Worte, denn kurz darauf fielen gegen 12:30 Uhr mehrere Sch√ľsse.

Dieses Bild stellt den Moment dar, in dem das Feuer auf die Präsidentenlimousine eröffnet wird. Pfeil: Präsident Kennedy

Einer der Sch√ľsse traf Kennedy und verletzte anschlie√üend auch John Connally (Magic-Bullet-Theorie). Eine andere Kugel traf James Tague, der unterhalb der Gleis√ľberf√ľhrung stand. Er wurde durch einen Streifschuss im Gesicht verletzt. Zeugen am Tatort sahen ein Gewehr, das vom sechsten Stock eines Lagerhauses abgefeuert wurde, und einige Zeugen sahen ein Gewehr im Fenster, kurz nachdem die Sch√ľsse abgegeben worden waren. Gleich viele Zeugen, die an der Stra√üe Richtung der Gleis√ľberf√ľhrung oder direkt auf der √úberf√ľhrung standen, h√∂rten mindestens einen Schuss vom Grash√ľgel her kommend.

Die meisten der Wunden bei Kennedy und Connally sollen dem Warren-Report (siehe unten) zufolge von einer einzigen Kugel beim dritten Schuss verursacht worden sein. Diese Theorie trug zu Zweifeln an der offiziellen Version des Geschehens bei. Connally sank auf den Scho√ü seiner neben ihm sitzenden Frau, die ihn an sich dr√ľckte und so den Kollaps seiner Lunge verhinderte. Da Kennedy aus gesundheitlichen Gr√ľnden ein Korsett trug[3], blieb er aufrecht sitzen, sodass ein weiterer Schuss ihn in den Kopf traf. Jackie Kennedy versuchte in Panik, die Limousine √ľber das Heck zu verlassen, anscheinend, um instinktiv ein St√ľck vom Sch√§del ihres Mannes zur√ľckzuhalten, das auf das Heck des Wagens geflogen war. Der Secret-Service-Mann Clint Hill, der inzwischen auf den Wagen aufgesprungen war, dr√§ngte sie in ihren Sitz zur√ľck, danach beschleunigte der Chauffeur.

Kennedy wurde in die Notaufnahme des Parkland Memorial Hospital gebracht, wo man zuerst alles versuchte, um ihn zu retten, nach einigen Minuten jedoch als sterbend einstufte. Man hielt seinen Herzschlag noch aufrecht, bis ein katholischer Priester ihm die Sterbesakramente gespendet hatte. Um 13 Uhr stellten die √Ąrzte Kennedys Tod fest. In Dallas wurde eine erste Leichenschau durchgef√ľhrt.

Secret-Service-Agenten setzten nach einer kurzen Auseinandersetzung mit der Polizei von Dallas gegen geltendes Recht durch, dass der Leichnam an Bord der Air Force One geschafft und zur Obduktion ins Bethesda Naval Hospital nach Washington geflogen wurde. Vor dem Flug legte Lyndon B. Johnson an Bord der Air Force One den Amtseid als 36. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ab.

Der Tod des charismatischen Pr√§sidenten traf die amerikanische √Ėffentlichkeit wie ein Schock. Fast jeder Zeitgenosse erinnerte sich sp√§ter noch genau, wo er war, als er von den Ereignissen in Dallas h√∂rte. Umfragen ergaben, dass mehr als die H√§lfte der Bev√∂lkerung in der Folge an physischen Trauersymptomen wie Appetit- oder Schlafmangel, Nervosit√§t oder √úbelkeit litten.[4]

Lee Harvey Oswald
Der Polizist J.D. Tippit

Die Verhaftung Oswalds

Wenige Minuten nach dem Mord gab die Polizei eine Personenbeschreibung des mutma√ülichen Attent√§ters durch. Die Herkunft gezielter Verdachtsmomente und deren Begr√ľndung, bezogen auf eine bestimmte Person innerhalb dieses Fahndungsaufrufes, sind bis heute ungekl√§rt. Wie sich sp√§ter herausstellen sollte, handelte es sich bei dem Gesuchten um den f√ľnfundzwanzigj√§hrigen Lee Harvey Oswald, der sich √∂ffentlich als Marxist-Leninist bezeichnet, mehrere Jahre in der Sowjetunion gelebt hatte und seit dem 15. Oktober 1963 im Schulbuchlager einer Gelegenheitsarbeit nachging.

Laut Warren-Report war Oswald um 13:00 Uhr in seine Mietwohnung zur√ľckgekehrt.[5] Um 13:04 Uhr hatte Oswald seine Wohnung bereits wieder verlassen und wartete an der Beckley-Avenue-Bushaltestelle, deren Buslinie in n√∂rdliche Richtung f√ľhrt.[6] Nach offiziellen Angaben wurde Oswald jedoch zu Fu√ü zwischen 13:06 Uhr und 13:10 Uhr[7] vom Polizisten J. D. Tippit in Oak Cliff, einem Wohngebiet von Dallas, das in s√ľdlicher Richtung und 15 Gehminuten[8] von der Bushaltestelle entfernt liegt, gestellt. Weil angeblich die Beschreibung des Gesuchten auf Oswald zutraf, hielt Tippit Oswald an. Vier Augenzeugen berichteten, wie Oswald Tippit nach einem kurzen Wortwechsel mit drei Sch√ľssen aus einem Trommel-Revolver der Firma Smith & Wesson, Kaliber .38, niedergestreckt habe. Dann habe Oswald dem auf dem Boden liegenden Tippit in den Kopf geschossen. Bei seiner anschlie√üenden Flucht habe Oswald seine Jacke ausgezogen und zur√ľckgelassen. Die Aussagen der Zeugen waren teilweise widerspr√ľchlich. Ebenso gibt es Augenzeugen, die Oswald als Sch√ľtzen auf Tippit √ľberhaupt nicht identifizierten, obwohl sie dem Geschehen von allen Zeugen am n√§chsten waren.[9]. Eine ballistische Untersuchung ergab, dass einer der vier Sch√ľsse auf Tippit aus dem Oswald zugeordneten Revolver abgegeben worden war.[10] Welcher Person und Waffe die drei √ľbrigen Kugeln zugeordnet wurden, ist bis heute nicht aufgekl√§rt worden. Andere Zeugen berichteten √ľber die weitere Flucht des mutma√ülichen T√§ters, einige verfolgten ihn sogar. Die Polizei wurde auf ein Kino, das Texas Theatre in Oak Cliff, einem Stadtteil von Dallas, aufmerksam gemacht, in dem Oswald ohne Gegenwehr festgenommen wurde.

In der Zwischenzeit hatte die Polizei das Schulbuchdepot durchsucht und im sechsten Stock unter B√ľcherkisten versteckt ein Repetiergewehr mit Zielfernrohr gefunden.[11] Officer und Waffenexperte[12] Seymour Weitzman identifizierte die aufgefundene Waffe eindeutig als ein deutsches Pr√§zisionsgewehr der Marke Mauser 7.65¬†mm.[13] Die Deputy Sheriffs Roger Craig und Eugene Boone kamen zweifelsfrei zum selben Ergebnis. Roger Craig erkannte deutlich den im Metall eingravierten Schriftzug ‚ÄěMauser‚Äú.[14] Eugene Boone gab dazu eine eidesstattliche Erkl√§rung ab, in der er die Waffe als Mauser identifizierte.[15] Diese Information der Polizei gab der Bezirksstaatsanwalt von Dallas, Henry Wade, somit an die Medien weiter,[16] die dar√ľber ausf√ľhrlich berichteten.[17] Ebenso wurden drei leere Patronenh√ľlsen gefunden. Einen Tag sp√§ter revidierte die Polizei die Angaben zur Tatwaffe und teilte mit, dass es sich um ein Repetiergewehr der Marke Mannlicher-Carcano handele. Fingerabdr√ľcke Oswalds wurden auf dieser Waffe durch das FBI-Labor in Washington nicht gefunden.[18] Nachdem das FBI die Waffe wieder an die Polizei von Dallas zur√ľckgegeben hatte, meldete diese sp√§ter jedoch, dass sie einen ‚ÄěHandfl√§chenabdruck Oswalds gefunden‚Äú h√§tten.[19] Die Kugel, die angeblich in Conallys Oberschenkel stecken geblieben war und sp√§ter auf dessen Krankenhaustrage aufgefunden wurde, passte offiziellen Angaben zufolge zu ihrem ballistischen Profil. Dem zuerst genannten und von der Polizei sichergestellten deutschen Pr√§zisionsgewehr der Marke Mauser wurde schlie√ülich keine Bedeutung mehr beigemessen.

Das Mannlicher-Carcano-Gewehr und den Revolver hatte Oswald in den Monaten zuvor unter dem falschen Namen Alek Hidell auf Postf√§cher in New Orleans und Dallas bestellt. Es war, wie sich sp√§ter herausstellte, dieselbe Waffe, mit der bereits am 10. April 1963 ein missgl√ľcktes Attentat auf Edwin Walker ver√ľbt wurde, einen rechtsgerichteten General a. D., der Mitglied der John Birch Society war und im Jahr zuvor vergeblich bei den texanischen Gouverneurswahlen kandidiert hatte.

Oswald wurde durch das FBI und die Polizei von Dallas in deren Hauptquartier zw√∂lf Stunden lang unter irregul√§ren Umst√§nden ohne Rechtsbeistand vernommen. Die Aussagen Oswalds wurden entgegen den Vorschriften nicht protokolliert, eine Tonbandaufzeichnung fand ebenfalls nicht statt. Au√üerdem hatte die Presse weitgehend freien Zutritt, da Polizeichef Jesse Curry bef√ľrchtete, dass die √Ėffentlichkeit andernfalls vermuten w√ľrde, man habe etwas zu vertuschen.[20] Nicht nur die Beamten, auch Oswald hatte die Gelegenheit, vor Presse und Fernsehkameras zu sprechen. Hier wie auch bei den Vernehmungen stritt er jede Verwicklung in die Morde an Kennedy und Tippit ab und rief: ‚ÄěIch bin nur ein S√ľndenbock!‚Äú (‚ÄěI'm just a patsy!‚Äú).

Die Ermordung Oswalds

Jack Ruby erschießt Lee Harvey Oswald

Weil zu bef√ľrchten war, dass man bei weiterer intensiver Berichterstattung der Presse √ľber Oswald keine unvoreingenommenen Geschworenen mehr finden k√∂nne, die noch nichts √ľber den Fall wussten, wurde beschlossen, Oswald ins Bezirksgef√§ngnis von Dallas zu √ľberstellen. Obwohl es bereits Morddrohungen gegen Oswald gegeben hatte, wurde der Termin mit der gleichen Gro√üz√ľgigkeit gegen√ľber der Presse bekannt gegeben wie die ersten Verh√∂re. Der Transfer verz√∂gerte sich jedoch, weil das urspr√ľnglich daf√ľr vorgesehene Fahrzeug zu klein war, um auch die Wachen aufzunehmen, und durch Oswalds Bitte, seinen Pullover mitnehmen zu k√∂nnen. Am 24. November 1963 um 11:21 Uhr betrat Oswald mit seinen Wachen schlie√ülich die Garage im Tiefgeschoss des Polizeihauptquartiers, fast genau gleichzeitig mit Jack Ruby, einem Nachtclub-Besitzer aus Dallas mit Verbindungen zur Cosa Nostra, der wenige Augenblicke zuvor ins Geb√§ude gelangt war. Mit den Worten: ‚ÄěDu hast meinen Pr√§sidenten get√∂tet, du Ratte‚Äú, feuerte Ruby vor laufenden Fernsehkameras auf ihn.[21] Oswald wurde mit Bauchschuss ins Parkland Memorial Hospital gebracht, wo er kurz darauf an inneren Blutungen starb.

Jack Ruby wurde im M√§rz 1964 wegen Mordes zum Tode verurteilt. Er starb im Januar 1967 an einer Lungenembolie, wie Kennedy und Oswald im Parkland Memorial Hospital. Ruby selbst machte √ľber seine Motive unterschiedliche Angaben. Kurz nach seinen Sch√ľssen auf Oswald soll er nach Zeugenaussagen erkl√§rt haben, er habe geschossen, um der von ihm verehrten Jackie Kennedy eine Zeugenaussage im Prozess zu ersparen, und weil er als Jude den Verdacht entkr√§ften wollte, hinter der Ermordung des Pr√§sidenten stecke eine j√ľdische Verschw√∂rung: Die Anzeige eines ‚ÄěErmittlungsausschusses‚Äú gegen Kennedy war mit einem j√ľdisch klingenden Namen unterschrieben.[22].

Grab von John F. Kennedy auf dem Nationalfriedhof Arlington

Ein Jahr nach seiner Verurteilung deutete Ruby in einem Fernsehinterview dagegen an, dass er selbst das Opfer einer Verschwörung sei:

Die Welt wird niemals die wahren Tatsachen erfahren: mit anderen Worten, meine wahren Motive. [‚Ķ] Ungl√ľcklicherweise werden diese Leute, die so viel zu gewinnen haben und ein starkes Motiv hatten, mich in diese Lage zu bringen, in der ich bin, niemals zulassen, dass die wahren Tatsachen ans Tageslicht der Welt kommen. [23] [24]

In der Folgezeit vertrat Ruby immer wieder die paranoide These, Ziel dieser Verschw√∂rung sei es, die amerikanischen Juden als Schuldige am Tod Kennedys darzustellen und so einen Vorwand f√ľr einen neuen Holocaust zu schaffen. Noch auf dem Sterbebett betonte er, am Mord an Oswald sei er ganz allein verantwortlich.[25]: Nach Aussage seines Bruders Earl wollte er alles tun, ‚Äěsodass die Menschen √ľberzeugt werden, dass es von seiner Seite keinen Plan gab, keine Verschw√∂rung irgendeiner Art. Es gibt nichts zu verbergen, es gab niemanden sonst‚Äú.[26]

Untersuchungen

CIA-interne Untersuchung

Als die Staatsanwaltschaft von Dallas am Tag der Tat bekannt gab, Oswald habe den Pr√§sidenten erschossen, begann die CIA sofort mit einer √úberpr√ľfung ihrer Erkenntnisse √ľber den Verd√§chtigen, der 1959 die sowjetische Staatsb√ľrgerschaft angenommen hatte, 1962 repatriiert worden war und k√ľrzlich beim Betreten der kubanischen und sowjetischen Botschaften in Mexiko beobachtet worden sein soll. Innerhalb der CIA wurde der Ermittler John Whitten mit der weiteren Untersuchung beauftragt. Der sich √ľbergangen f√ľhlende James Jesus Angleton glaubte an ein Komplott des sowjetischen Staatschefs Nikita Chruschtschow und blockierte Whittens Untersuchungen. Das FBI kooperierte ebenfalls nicht. Der KGB-√úberl√§ufer Yuri Nosenko widersprach einer Verwendung Oswalds durch das KGB. Richard Helms, damaliger Leiter f√ľr klandestine Aktivit√§ten und sp√§terer CIA-Chef, √§u√üerte, der Mord sei entweder das Werk eines Verwirrten mit einem billigen Gewehr und einem 7-Dollar-Zielfernrohr, oder die Wahrheit sei viel schrecklicher. Der Whitten-Bericht wurde dem neuen Pr√§sident Johnson vorgelegt, der ihn jedoch vernichtete.[27] Johnson wurde aus Kreisen des Justizministeriums nahegelegt, den Mord durch eine unabh√§ngige Kommission untersuchen zu lassen. Nachdem Johnson den Vorschlag abgelehnt hatte, stellte er die Warren-Kommission zusammen. Die damals geheimen Erkenntnisse Nosenkos wurden der Warren-Kommission mitgeteilt, durften im Bericht jedoch nicht erw√§hnt werden.[28]

Die Warren-Kommission

Die Warren-Kommission (offizieller Name: Kommission des Pr√§sidenten √ľber die Ermordung von Pr√§sident Kennedy) wurde von Kennedys Amtsnachfolger Johnson am 29. November 1963 einberufen, um die Umst√§nde des Attentats zu untersuchen. Sie ist nach ihrem Vorsitzenden Earl Warren benannt, der damals Oberster Richter am Supreme Court war.

Die Kommission umfasste neben Warren sechs Mitglieder:

Die Warren-Kommission tagte nur selten. Als eifrigstes Mitglied erwies sich der in Attentaten erfahrene Ex-CIA-Chef Dulles, der insistierte, die Tat m√ľsse das Werk eines einzigen T√§ters gewesen sein. Nach zehnmonatiger Arbeit, die sich auf die Ermittlungsergebnisse der Polizei von Dallas und des FBI st√ľtzte, wurde im September 1964 der √ľber 850 Seiten starke Abschlussbericht, der so genannte ‚ÄěWarren-Report‚Äú ver√∂ffentlicht (offiziell: Report of the President's Commission on the assassination of President John F. Kennedy). Mehr als 600 Zeugen waren befragt, etwa 3000 Beweisst√ľcke sichergestellt worden. Beigef√ľgt waren 26 B√§nde mit Protokollen und Beweisst√ľcken.

Der Warren-Report kam zu dem Ergebnis, dass Oswald der alleinige T√§ter war und es keine Verschw√∂rung gegeben habe. Oswald habe drei Sch√ľsse aus dem sechsten Stock des Schulbuchdepots auf die Pr√§sidentenlimousine abgegeben und John F. Kennedy get√∂tet. Au√üerdem sei er f√ľr den Tod des Streifenpolizisten Tippit verantwortlich. Am Morgen des 22. November habe er seine Arbeit um 8:00 Uhr im Schulbuchlager aufgenommen und eine l√§ngliche braune T√ľte dabeigehabt, in der er angeblich Gardinenstangen transportiert habe. Oswald sei nach dem Attentat unter anderem dadurch aufgefallen, dass er bereits nach drei Minuten den Tatort verlassen habe. Auch habe es keines Meistersch√ľtzen bedurft, um innerhalb von 4,8 bis maximal sieben Sekunden drei Sch√ľsse durch eine Baumgruppe hindurch auf ein fahrendes Ziel abzugeben. Der erste Schuss sei fehlgegangen, der zweite habe Kennedys Halswunde und s√§mtliche Verletzungen des vor ihm sitzenden Conally verursacht, der dritte sei der t√∂dliche Kopftreffer gewesen. Hinter der Ermordung Oswalds konnte die Kommission ebenfalls keine Verschw√∂rung erkennen; Ruby habe spontan und allein gehandelt. Dar√ľber hinaus kritisierte der Warren-Bericht die offenkundigen Schwachstellen im Personenschutz des Pr√§sidenten. Letzteres f√ľhrte dazu, dass dieser zuk√ľnftig deutlich verbessert wurde.

Der Warren-Report blieb f√ľr viele Zeitgenossen unbefriedigend. Vor allem die Geschichte der von Kritikern so genannten ‚Äěmagischen Kugel‚Äú, die zu sieben Verletzungen an Kennedy und Connally gef√ľhrt haben soll, ohne dabei nennenswert verformt worden zu sein, stie√ü auf verbreiteten Unglauben. Es wurde auch bald bekannt, dass die Kommission Indizien, die auf mehr als nur einen T√§ter deuteten, gar nicht n√§her verfolgt hatte. Johnson, der an eine kubanische Verschw√∂rung gegen Kennedy glaubte, hatte Warren und Dulles angewiesen, lediglich die Alleint√§terschaft Oswalds zu belegen.[29] W√ľrde diese Verschw√∂rung publik, k√∂nne ein Krieg unvermeidlich werden:

Wenn gewisse Ger√ľchte nicht zum Verstummen gebracht werden, k√∂nnten sie die Vereinigten Staaten in einen Krieg hineinziehen, der das Leben von vierzig Millionen kosten k√∂nnte,

soll der Pr√§sident zu Warren gesagt haben. Und kurz vor seinem Tod √§u√üerte er gegen√ľber dem Journalisten Howard K. Smith: ‚ÄěKennedy versuchte, Castro zu erwischen, aber Castro erwischte ihn zuerst‚Äú.[30]

Die Ermittlung von Staatsanwalt Jim Garrison

Ausgehend von diesen Unstimmigkeiten und M√§ngeln des Warren-Reports begann der Staatsanwalt Jim Garrison aus New Orleans im Herbst 1963 mit eigenen Untersuchungen. Er kam zu dem Ergebnis, Kennedy sei Opfer einer Verschw√∂rung aus dem Umfeld der CIA geworden. Verwickelt seien Oswald, der Pilot David Ferrie, bei dem Oswald in seiner Jugend eine vormilit√§rische Ausbildung absolviert hatte, und Clay Shaw, ein undurchsichtiger Gesch√§ftsmann, von dem Garrison (wie sich 1979 herausstellte: zu Recht) annahm, er arbeite f√ľr die CIA. [31]

Garrison lie√ü Shaw am 1. M√§rz 1967 verhaften und behielt ihn bis zum Prozessbeginn knapp zwei Jahre sp√§ter in Untersuchungshaft. Eine Reihe der von Garrison gesammelten Indizien lie√ü die Vermutung zu, Oswald sei indirekt im Auftrag der CIA t√§tig gewesen, in einer inoffiziellen Gruppe, der auch sein M√∂rder Ruby angeh√∂rte. Garrison und seine Beamten hatten auch mehrere, auf den ersten Blick Oswald belastende Begebenheiten untersucht und fanden Indizien f√ľr die Annahme, dass ein falscher Oswald diese Spuren gelegt hatte. [32] Garrison f√ľhrte w√§hrend des Prozesses den Zapruder-Film zum ersten Mal √∂ffentlich vor, der zwar der Warren-Kommission vorgelegen hatte, der √Ėffentlichkeit aber nur in einigen Einzelbildern bekannt war, die die Zeitschrift LIFE ver√∂ffentlicht hatte. Im Film sieht man, dass Kennedys Kopf beim t√∂dlichen Schuss nach hinten schnellt, obwohl der angebliche Sch√ľtze doch hinter ihm vom Schulbuchdepot und nicht vor ihm vom Grash√ľgel geschossen haben soll.

Der Weg, den die ‚Äěmagische Kugel‚Äú nach Darstellung Garrisons h√§tte nehmen m√ľssen

Auch stellte Garrison die Theorie der magischen Kugel der Warren-Kommission als abstrus hin. Nach dieser Theorie h√§tte Garrisons Darstellung zufolge ein Kupfermantel-Geschoss mehrere Knochen und Gewebeteile mehrere Person durchschlagen, dabei mehrfach die Richtung √§ndern und in nahezu fabrikneuem Zustand ohne Anhaftungen von Blut und Gewebeteilen bleiben k√∂nnen, was ohne Verletzung grundlegender physikalischer Gesetze nicht m√∂glich sei. Garrisons Anklage wurde zudem durch mehrere Zeugen gest√ľtzt, die aussagten, sie h√§tten Oswald zusammen mit Shaw oder Ferrie gesehen oder gar geh√∂rt, wie sie bei einer Party √ľber den geplanten Mord sprachen.

Garrisons Position vor Gericht war geschw√§cht, weil sein Zeuge David Ferrie zwei Jahre vor Prozessbeginn an einem geplatzten Hirn-Aneurysma verstorben war, kurz nachdem er bei ihm um Personenschutz nachgesucht hatte. Zudem wurde bekannt, dass der zweite Hauptzeuge seine Aussagen unter Einfluss von Hypnose und dem Schlafmittel Thiopental gemacht hatte. Die Geschworenen kamen am 29. Januar 1969 zu dem einstimmigen Ergebnis, dass Shaw nicht schuldig im Sinne der Anklage gewesen sei. Auf Garrisons Ermittlungen und dem Prozess basiert Oliver Stones Film JFK ‚Äď Tatort Dallas.

Der Ausschuss von Ramsey Clark

1968 befasste sich ein Ausschuss unter dem Vorsitz des damaligen Justizministers Ramsey Clark mit den medizinischen Befunden des toten Pr√§sidenten. Der Ausschuss kam zu dem Ergebnis, dass Aufbewahrung und Herkunft der ihm vorgelegten Beweisst√ľcke nicht immer l√ľckenlos dokumentiert waren, best√§tigte aber dennoch auf ihrer Grundlage die Ergebnisse der Warren-Kommission, wonach Kennedy von zwei Kugeln get√∂tet worden sei, die von einem hinter und oberhalb von ihm gelegenen Standpunkt aus abgefeuert worden sein m√ľssten.[33]

House Select Committee on Assassinations (HSCA)

Weil die Verschw√∂rungstheorien √ľber Mordanschl√§ge gegen Kennedy, seinen Bruder Robert Kennedy und gegen Martin Luther King nicht zum Schweigen gebracht worden waren, wurde 1976 ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss des Repr√§sentantenhauses mit weiteren Nachforschungen betraut, das House Select Committee on Assassinations (HSCA). Nach dreij√§hriger Arbeit legte es 1979 einen Bericht vor, der die Ermittlungen des FBI und den auf ihnen basierenden Warren-Report als ‚Äěgrob fehlerhaft‚Äú (engl.: seriously flawed) kritisierte.[34] Als Ursache f√ľr diese Fehler benannte der Bericht die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Geheimdienste sowie ‚ÄěZeitdruck und der Wunsch der nationalen F√ľhrer, die Bef√ľrchtungen der √Ėffentlichkeit zu beschwichtigen, es habe eine Verschw√∂rung gegeben‚Äú.

Das Komitee best√§tigte zwar die Ergebnisse der Warren-Kommission, wonach Oswald dreimal auf Kennedy geschossen und ihn mit dem dritten Schuss get√∂tet habe. Es erkl√§rte es aber f√ľr sehr wahrscheinlich, dass es noch einen weiteren, unidentifizierten Sch√ľtzen gegeben habe, der einen vierten Schuss vom Grash√ľgel an der Dealey Plaza abgegeben, aber daneben geschossen habe. Hinter dem Kennedy-Attentat stecke also eine ‚ÄěVerschw√∂rung‚Äú (das englische Wort conspiracy ist in diesem Zusammenhang gleichbedeutend mit der kriminellen Vereinigung des deutschen Strafrechts). Die Komitee-Mitglieder konnten aber nicht angeben, wer darin verwickelt war. Auf Grundlage der ihnen vorliegenden Indizien kamen sie zu dem Schluss, dass weder die sowjetische noch die kubanische Regierung noch das FBI in den Mord verwickelt waren. Eine Verwicklung der Mafia oder von Castro-feindlichen Exilkubanern sei allerdings nicht auszuschlie√üen.

Grundlage f√ľr die Annahme eines zweiten Sch√ľtzen waren Aufzeichnungen des Funkkontaktes eines Motorradpolizisten in Kennedys Eskorte mit einer Polizeistation, die mit einem DictaBelt-Kunststoffband gemacht worden waren. Auf der Aufzeichnung sind keine unmittelbaren Sch√ľsse zu h√∂ren, die Ermittler verglichen vielmehr die Impulsmuster der Aufzeichnung mit solchen, die mit einem typgleichen Gewehr gemacht worden waren, und kamen zu dem Schluss, dass mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein vierter Schuss zu h√∂ren sei.

Der Pr√ľfungsausschuss f√ľr Attentatsdokumente

Im Herbst 1964 hatte Pr√§sident Johnson angeordnet, dass die Akten der Warren-Kommission f√ľr 75¬†Jahre (d. h. bis 2039) gesperrt werden sollten. 1992 beschloss dagegen der Kongress ein Gesetz, wonach alle Akten mit Bezug auf das Attentat auf Kennedy sp√§testens 2017 der √Ėffentlichkeit zug√§nglich gemacht werden m√ľssen. Dies geschah nach Oliver Stones Verfilmung des Garrison-Prozesses, der die Kritik an der Geheimhaltung neu entflammte. Bis 1998 sammelte und ver√∂ffentlichte ein ‚ÄěAusschuss zur Sichtung der Morddokumente‚Äú (engl.: Assassination Records Review Board; kurz: ARRB) etwa 400.000 Blatt an Dokumenten. Ein Gro√üteil der Akten vor allem des HSCA, der Polizeibeh√∂rden, der Geheimdienste und des Milit√§rs gelten aber weiterhin als geheim und bleiben f√ľr die √Ėffentlichkeit gesperrt. Das ARRB, dessen Aufgabe lediglich die Zug√§nglichmachung der Akten war, f√ľhrte dennoch mehrere Untersuchungen durch und kritisierte in einem Bericht, √§hnlich wie der Clark-Ausschuss, vor allem den schlampigen Umgang mit Dokumenten und Beweisst√ľcken aus der Obduktion des Pr√§sidenten, die als regelrechte ‚ÄěTrag√∂die‚Äú bezeichnet wurde.

Zweifel an der offiziellen Darstellung

An der offiziellen Darstellung des Mordes an Kennedy, an der Alleintäterschaft Oswalds, an dessen Motiven sowie an den Motiven von dessen Mörder Ruby wurden immer wieder Zweifel geäußert. Daraus wurden auch eine Reihe von Theorien entwickelt, wie eine Verschwörung aufgebaut und motiviert gewesen sein könnte.

Tatverdächtiger Oswald

Der Tatverdächtige Oswald war beim Betreten des Lagerhauses gesehen worden, wie er einen in Papier eingewickelten Gegenstand trug. Auf das Paket angesprochen, hatte er gesagt, es handele sich um eine Gardinenstange. Das Papier fand sich im Lagerhaus, nicht aber eine Gardinenstange. Der Verdacht gegen Oswald wurde erhärtet, nachdem man ihm auch den Mord an Tippit zur Last gelegt hatte. Auf der angeblichen Tatwaffe wurde ein Handabdruck Oswalds gefunden. Zudem existiert ein Foto, auf dem Oswald mit der angeblichen Tatwaffe zu erkennen war.

Gegen die Annahme einer Täterschaft Oswalds wird eingewandt:

  • Oswald hatte stets die Ermordung Kennedys abgestritten und war nur zwei Tage sp√§ter selbst ermordet worden. Eine gerichtliche Untersuchung war mithin nicht mehr m√∂glich.
  • Schon wenige Minuten nach dem Attentat wurde Oswald zur Fahndung ausgeschrieben, wobei ungekl√§rt ist, woher man zu diesem Zeitpunkt bereits von Oswalds angeblicher T√§terschaft wissen konnte.
  • Ein Nitrattest, mit dem man Schmauchspuren am K√∂rper h√§tte nachweisen k√∂nnen, verlief negativ.
  • Nur anderthalb Minuten nach den Sch√ľssen wurde Oswald im Erdgeschoss des Schulbuchdepots gesehen, als er eine Cola trank. Nach Zeugenaussagen machte er dabei keinen atemlosen Eindruck.

Nach der Version der Warren-Kommission h√§tte er innerhalb von anderthalb Minuten aus dem sechsten Stockwerk die t√∂dlichen Sch√ľsse abfeuern, dann die Treppe ins Untergeschoss rennen, dort eine Cola bestellen und diese trinken m√ľssen, ohne au√üer Atem gekommen zu sein.

  • Auf einem Foto, das am 14. Dezember 1963 in der Dallas Post ver√∂ffentlicht wurde, ist ein Mann, der Oswald zumindest √§hnelt, zum Zeitpunkt des Attentats an der T√ľr des Schulbuchdepots zu sehen. Das Foto stammt von James Altgens, der die Pr√§sidentenlimousine von vorn rechts fotografierte und so ebenfalls das Schulbuchdepot ablichtete. Bei dem vermeintlichen Oswald soll es sich um Billy Lovelady handeln, einen Kollegen Oswalds.[35]
  • Die Akte aus der Dienstzeit Oswalds bei den Marines wurde im Jahre 1973 vernichtet.

In den Ermittlungen selbst kamen wenig Zweifel auf, dass Oswald auf den Pr√§sidenten geschossen habe. Intensiv verfolgt wurde dagegen die Frage, ob er allein gehandelt habe oder ob weitere Sch√ľtzen beteiligt gewesen seien:

‚ÄěEin Sch√ľtze‚Äú

Zeugenaussagen und Indizien, die f√ľr einen Einzelsch√ľtzen sprechen:

  • Einige Wunden, die Kennedy und Gouverneur Connally erlitten, und die Position des Fahrzeugs beim Zeitpunkt der Sch√ľsse deuten darauf hin, dass Kugeln von oben und hinten abgegeben wurden.
  • Die Kugel, die auf Connallys Trage im Parkland Memorial Hospital gefunden wurde, und die beiden kleinen Kugelfragmente, die sich im Vordersitz der Pr√§sidenten-Limousine fanden, geh√∂rten zum aufgefundenen 6,5-Millimeter-Mannlicher-Carcano-Gewehr. Es wurden keine Spuren von Munition anderer Waffen gefunden.
  • Die Windschutzscheibe in der Limousine war von einem Kugelfragment auf der Innenseite angeschlagen worden, woraus geschlossen werden kann, dass diese Fragmente von hinten und nicht von vorne kamen.

‚ÄěMehrere Sch√ľtzen‚Äú

Zeugenaussagen und Indizien, die auf das Vorhandensein mindestens eines weiteren Sch√ľtzen hindeuten:

  • √úber f√ľnfzig Zeugen, darunter Abraham Zapruder, sagten aus, sie h√§tten Sch√ľsse geh√∂rt, die von vorne abgegeben wurden, n√§mlich von dem Grash√ľgel an der Dealey Plaza. Ungef√§hr dieselbe Anzahl von Zeugen sagte, dass die Sch√ľsse von hinten abgegeben wurden, also von dem Schulbuchdepot.[36] Viele Zeugen gaben an, sie h√§tten hinter dem Zaun auf dem Grash√ľgel Rauch aufsteigen sehen.[37] U.a. Polizisten wurden dabei beobachtet, wie sie sofort nach den Sch√ľssen auf den Grash√ľgel zuliefen.[38]
  • Einige Zeugen berichteten, sie h√§tten zwei Sch√ľsse nahezu gleichzeitig geh√∂rt, obwohl das Nachladen beim fraglichen Gewehr rund zwei Sekunden dauert.
  • Zeugen berichten von M√§nnern, die nach den Sch√ľssen vom Grash√ľgel zum nahe gelegenen Rangierbahnhof liefen. Verfolgende Zeugen wurden dort von M√§nnern zur√ľckgewiesen, die sich als zum Secret Service geh√∂rig auswiesen. Auf dem G√ľterbahnhof wurden angebliche Landstreicher in einem G√ľterzug festgenommen, die √ľber gutes Schuhwerk verf√ľgten und frisierte Haare trugen. Diese Spur war von der Warren-Kommission nicht weiter verfolgt worden.[39]
  • Das Szenario von mindestens zwei Sch√ľtzen wird auch von Zeugen gedeckt. Viele Zeugen, die vor Kennedy standen, h√∂rten Sch√ľsse von links, also von vorne. Andere, die sich hinter dem Pr√§sidenten befanden, h√∂rten Sch√ľsse von hinten. Nimmt man nur einen Sch√ľtzen an, muss sich die eine Gruppe von Zeugen geirrt haben. Das Szenario mindestens zweier Sch√ľtzen ist dagegen mit allen Aussagen konsistent.
Die ‚Äěmagische‚Äú Kugel, welche zwei K√∂rper, ein Handgelenk, festes Gewebe und Knochen durchschlagen und in einem fast unversehrten Zustand auf einer Trage gefunden worden sein soll.
  • Eine Schw√§che der so genannten ‚ÄěTheorie der magischen Kugel‚Äú der Warren-Kommission und der HSCA ist, dass sich die einzige Wunde, die im Autopsiebericht von Kennedy genannt wurde, auf der R√ľckseite unterhalb des Halses befand und weniger als einen Fingerbreit tief war. Nach der ‚ÄěTheorie der magischen Kugel‚Äú h√§tte sie vorne an der Kehle austreten m√ľssen, bevor sie Conally h√§tte verwunden k√∂nnen.
  • Eine weitere Schw√§che dieser Theorie ist, dass die auf Connallys Trage aufgefundene Kugel trotz wiederholten Durchschlags durch menschliche K√∂rperteile nahezu unversehrt blieb, w√§hrend entsprechende Munition normalerweise selbst bei Aufprall auf Fleisch erheblich deformiert wird.
  • Dar√ľber hinaus lieferte die mit ersichtlichen M√§ngeln behaftete Mannlicher-Carcano, welche zum Zeitpunkt des Attentats bereits 23¬†Jahre alt war (Baujahr 1940),[40] in Bezug auf ihre Bauart bereits vor dem Ersten Weltkrieg viel Z√ľndstoff f√ľr Diskussionen. Kritisiert wurde vor allem die Munition mit ihrer geringen ballistischen Leistung, der zu geringen Durchschlagskraft aufgrund der abgerundeten Spitze des Geschosses und die entschieden zu kurze effektive Reichweite. Die als technisch veraltet geltende Waffe und deren Munition wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg √ľberarbeitet und verbessert.[41]
  • Die Gr√∂√üe der Hinterkopfwunde, die von Zeugen beschrieben wurde, legt nahe, dass es sich um eine Austrittswunde handelt. Dann h√§tte ein zweiter Sch√ľtze den t√∂dlichen Kopfschuss von vorne abgegeben.
  • Eine metallurgische Untersuchung der Texas A&M University aus dem Jahr 2007 ergab, dass die in Kennedys Leiche gefundenen Kugelfragmente wahrscheinlich von verschiedenen Projektilen stammten, sodass ein einzelner Sch√ľtze vermutlich ausgeschlossen sei. Die Wissenschaftler, darunter auch ein Beamter des FBI, bezeichneten die vorangegangene Untersuchung, die nur eine einzige Patronenart festgestellt hatte, als ‚Äěgrunds√§tzlich fehlerhaft‚Äú.[42]
  • Waffentechnische Untersuchungen italienischer Experten kamen 2007 zu dem Ergebnis, dass es ihrer Ansicht nach unm√∂glich sei, drei Sch√ľsse aus einem Mannlicher-Carcano-Gewehr in weniger als neunzehn Sekunden abzugeben. Der Warren-Kommission nach soll der Sch√ľtze nur maximal sieben Sekunden ben√∂tigt haben. [43]
  • Der Sch√ľtze im Schulbuchlager h√§tte eine bessere M√∂glichkeit gehabt, auf Kennedy zu schie√üen, als dessen Wagen auf ihn zurollte, anstatt zu warten, bis er sich von ihm entfernte.
  • Die Wahl eines umst√§ndlichen Repetiergewehrs, im Falle des Carcano-Gewehrs sogar eines als besonders unpr√§zise geltenden, gegen√ľber Scharfsch√ľtzen- oder Maschinengewehren ist schwer nachvollziehbar.
  • Normalerweise ist der erste Schuss eines Sch√ľtzen immer der beste, weil dieser dann Zeit zum Zielen hat und die Gelegenheit, auf den richtigen Augenblick zu warten, auf seine Atmung zu achten und den Schuss ‚Äěerf√ľhlen‚Äú kann (Brechen des Schusses). Dieser Schuss unter guten Voraussetzungen soll jedoch vollends daneben gegangen sein, w√§hrend die hektisch und unter Stress und Zeitdruck abgegebenen Sch√ľsse 2 und 3 angeblich trafen.
  • Es ist unklar, wie beim ersten Schuss vom Schulbuchgeb√§ude gezielt worden sein soll, da eine immergr√ľne Lebenseiche den Blick versperrte.

Weitere Sachverhalte, die Anlass zu Zweifeln geben

  • Die beiden offiziellen Regierungsuntersuchungen best√§tigten, dass das Sicherheitspersonal rund um Kennedys
    Die gesäuberte Präsidentenlimousine
    Fahrzeugkolonne deutlich gegen√ľber dem √ľblichen Grad reduziert worden war. Daraus schlie√üen Kritiker, die Ermordung des Pr√§sidenten k√∂nne von Personen, die einflussreiche Positionen im Staatswesen innehatten, koordiniert worden sein.
  • Die Pr√§sidenten-Limousine wurde auf Befehl von Pr√§sident Johnson unmittelbar ges√§ubert und wiederhergestellt, anstatt sie als Beweisst√ľck f√ľr ballistische Untersuchungen zu sichern. Dieses Vorgehen hat m√∂glicherweise wichtige Beweise vernichtet.
  • Der Transport der Leiche nach Washington verstie√ü gegen texanisches Recht, das die Untersuchung durch den √∂rtlichen Leichenbeschauer vorschrieb.
  • Gouverneur Connallys Hut, den er in der rechten Hand hielt, als eine Kugel in sein Handgelenk eindrang, verschwand aus der Beweiskette, nachdem er zuletzt am Abend des 22. November in einem Polizeib√ľro in Dallas gesehen worden war.
  • Die Polizei von Dallas hatte das Schulbuchdepot bis 12:39 Uhr nicht abgeriegelt, da Polizisten und Zeugen zun√§chst den Grash√ľgel und den Parkplatz durchsucht hatten.
  • Die Dealey Plaza selbst war nicht abgesperrt worden. Fotos zeigen, dass noch neun Minuten nach dem Attentat Fahrzeuge die Elm Street herunterfahren.
  • W√§hrend auf der restlichen Route die Schaulustigen in drei Reihen gedr√§ngt standen, war die Plaza nahezu menschenleer und bot ein perfektes Schussfeld, etwa vom Grash√ľgel.
  • Mehrere Autopsiefotos fehlen. Die Authentizit√§t der R√∂ntgenfotos der Autopsie in Washington wird bezweifelt.
  • Der Marinearzt, der die Autopsie in Washington leitete, hatte noch nie eine Autopsie durchgef√ľhrt. Nicht einmal die Kleidung wurde auf Einschussl√∂cher untersucht.
  • Die verwirrende Zahl von immer neuen Verschw√∂rungstheorien wird von einigen Konspirologen wie Mathias Br√∂ckers als Indiz f√ľr eine absichtsvolle Verwirrung durch Desinformation der √Ėffentlichkeit und damit wiederum f√ľr eine Verschw√∂rung gedeutet.[44]
  • Zweifel an der offiziellen Darstellung werden auch dadurch gen√§hrt, dass die Untersuchungen einseitig gef√ľhrt oder behindert wurden und dass von Regierungsseite wiederholt die Unwahrheit gesagt wurde. Erst auf √∂ffentlichen Druck wurden Kommissionen wie HSCA und ARRB eingesetzt.
  • Der Sohn des ehemaligen CIA-Agenten E. Howard Hunt erkl√§rte, sein Vater habe ihm kurz vor dessen Tod seine Beteiligung an dem Attentat gestanden und eine Verwicklung von Lyndon B. Johnson hervorgehoben.[45]

Gegenargumente

Den zahlreichen Ungereimtheiten in der offiziellen Darstellung werden auch zahlreiche Argumente entgegengehalten: [46]

  • Praktische Versuche bewiesen, dass die Abgabe dreier erfolgreicher Sch√ľsse aus einem Carcano-Gewehr inklusive Nachladen unter Idealbedingungen unter 6¬†Sekunden prinzipiell m√∂glich ist.[47]
  • Es gibt ein Foto, auf welchem Oswald mit der mutma√ülichen Tatwaffe zu erkennen ist. Oswalds Einlassung, es handele sich dabei um eine F√§lschung, wurde von seiner Frau widersprochen, welche sich als Urheberin des Fotos bezeichnete. Die Echtheit des Fotos ist umstritten. Negative sind nicht bekannt. F√ľr die Echtheit des Fotos spricht, dass ein Freund eine Kopie des Fotos mit der Unterschrift Oswalds besa√ü.[48] Der durch das Foto nahegelegte Besitz Oswalds an dem abgebildeten Carcano-Gewehr ist jedoch nur dann relevant, wenn dieses die Tatwaffe gewesen war und nicht eine Mauser, wie es urspr√ľnglich von der Dallas-Polizei gemeldet und vereinzelt bezeugt worden war.
Die ‚ÄěTheorie der magischen Kugel‚Äú bei korrigierter Sitzordnung, jedoch mit nicht √ľbereinstimmender Schussbahn zur Garrison-Darstellung
  • Die Kritik an der ‚ÄěTheorie der magischen Kugel‚Äú geht von einer falschen Sitzordnung Kennedys und Connallys aus: Dieser sa√ü auf einem Notsitz unmittelbar vor dem Pr√§sidenten, aber deutlich niedriger. Bei einer jeweils versetzten Sitzposition soll es einer Theorie zufolge m√∂glich sein, dass eine einzelne Kugel bei minimaler Ablenkung durch eine zerschmetterte Rippe des Gouverneurs alle sieben Wunden verursacht haben k√∂nnte.[49] Ein praktischer Beweis f√ľr diese These steht noch aus.
  • Die unterschiedlichen Aussagen der Ohrenzeugen, was die Richtung betrifft, aus der die Sch√ľsse kamen, k√∂nnten durch Echoeffekte erkl√§rt werden. Diese These wirft jedoch die Folgefrage auf, weshalb nur eines statt drei Echos erzeugt wurde.
  • Die Deutung und zeitliche Einordnung der DictaBelt-Aufnahme, mit der der HSCA sich von einem vierten Schuss √ľberzeugen lie√ü, sind au√üerordentlich umstritten: J√ľngste Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass auf dem Band keine Sch√ľsse, sondern atmosph√§rische St√∂rungen zu h√∂ren sind.[50]
  • Eine Kugel kann nach Aussage des Clark-Berichts von 1968, wenn sie in ein rundes Objekt wie einen Sch√§delknochen eindringt, durchaus eine Wunde hinterlassen, die gr√∂√üer ist als sie selbst.[51]
  • Die beobachtete R√ľckw√§rtsbewegung des Kopfes kann durch die Sprengwirkung des Treffers oder durch eine neurologische Reaktion auf die Verletzung erkl√§rt werden.[52]
  • Die fehlende Austrittswunde der angeblichen magischen Kugel an Kennedys Hals k√∂nnte durch den Luftr√∂hrenschnitt zu erkl√§ren sein, den die √Ąrzte in der Notaufnahme vornahmen.

Verschwörungstheorien

Im Folgenden werden Anhaltspunkte sowohl f√ľr die Version der Warren-Kommission vorgestellt, es habe nur einen Sch√ľtzen gegeben, als auch daf√ľr, dass Oswald nicht allein handelte oder, wie er selber sagte, nur der ‚ÄěS√ľndenbock‚Äú f√ľr die im Hintergrund agierenden Drahtzieher war. Die popul√§rsten Verschw√∂rungstheorien im Zusammenhang mit dem Attentat schlie√üen sich nicht gegenseitig aus, da sie sich zum Teil aufeinander beziehen:

Lyndon B. Johnson

Vize-Pr√§sident Lyndon B. Johnson wird ein Motiv an Kennedys Tod nachgesagt, da er hierdurch selbst Pr√§sident wurde und einen Politikwechsel herbeif√ľhren konnte. Kennedy hatte zuvor mit Personen aus seinem engsten Umfeld dar√ľber diskutiert, ob man Johnson vor der Wahl im Jahre 1964 nicht fallen lassen sollte. √Ąhnliche Ger√ľchte verbreitete Richard Nixon in einer Zeitung aus Dallas, denn dieser sei in einer Reihe Skandale verwickelt. Die Ermittlungen hier√ľber ‚Äěverschwanden‚Äú nach seinem Amtsantritt.[53]

Johnson strich die von Kennedy angeordneten R√ľckzugspl√§ne von CIA-Agenten aus S√ľdostasien und f√ľhrte stattdessen sein Land in den Vietnamkrieg, welcher der schw√§chelnden texanischen R√ľstungsindustrie wie Bell Helicopters lukrative Auftr√§ge bescherte. Insgesamt verdiente Johnson √ľber entsprechende Firmenbeteiligungen ca. eine Milliarde Dollar am Krieg, w√§hrend die hiervon beanspruchte Staatskasse schlie√ülich die Bindung an die Goldreserven aufgeben musste.

Als texanischer Gastgeber hatte Johnson selbst auf eine √Ąnderung des Fahrtziels hingewirkt und damit die neue Fahrtroute √ľber die Dealey Plaza bewirkt. Im sechsten Stockwerk des Schulbuchdepots wurde ein zun√§chst unidentifizierter Fingerabdruck auf einem Pappkarton gefunden. Dieser Fingerabdruck wies spezifische √Ąhnlichkeiten mit Fingerabdr√ľcken von Malcolm Wallace auf. Wallace, ein verurteilter M√∂rder, war seit 1950 mit Johnson befreundet und hatte eine Aff√§re mit Johnsons Schwester Josepha Johnson.[54] 1998 unterschrieb der Fingerabdrucksexperte A. Nathan Darby eine beglaubigte Erkl√§rung, in der eine 14-Punkt-√úbereinstimmung im Vergleich der Abdr√ľcke festgestellt wurde.[55]

Verschwörung des militärisch-industriellen Komplexes

Der so genannte milit√§risch-industrielle Komplex der USA, der sich angeblich auf eine Eskalation des Vietnam-Krieges vorbereitete, nachdem sich Frankreich 1954 aus Indochina zur√ľckgezogen hatte, soll gewusst haben, dass Kennedy bereits einen R√ľckzugsplan ab dem Jahr 1965 erwog. Zus√§tzlich habe es starke Ver√§rgerung im amerikanischen Milit√§r- und Geheimdienstapparat √ľber den Umstand gegeben, dass Kennedy keine offene Milit√§runterst√ľtzung f√ľr die Schweinebucht-Invasion auf Kuba gew√§hrt hatte, die von der CIA mit organisiert worden war. Im Gegenteil hatten die USA im Rahmen der Kuba-Krise der Sowjetunion zugesagt, von weiteren Versuchen der Invasion Kubas abzusehen. Vor dem gestiegenen Einfluss des milit√§risch-industriellen Komplexes in den USA hatte bereits Kennedys Vorg√§nger Dwight D. Eisenhower gewarnt.

CIA-Verschwörung

Kennedy soll die CIA nicht unter Kontrolle gehabt haben. Die f√ľr die CIA arbeitenden Exilkubaner hatte er sich nach der fehlgeschlagenen Invasion in der Schweinebucht vom April 1961 zum Feind gemacht, weil er die von den Beteiligten erhoffte Luftunterst√ľtzung durch die Air Force verweigert hatte. W√§hrend der Aktion versuchte der stellvertretende CIA-Direktor Charles Cabell vergeblich, von Kennedy eine Einsatzerlaubnis zu erhalten. Kennedy √ľbernahm sp√§ter in der √Ėffentlichkeit die volle Verantwortung f√ľr das fehlgeschlagene Unternehmen, entlie√ü aber CIA-Direktor Allen Dulles und seinen Stellvertreter Cabell.[56]

Nach dem Kennedy-Mord wurde Dulles Mitglied der Warren-Kommission, wo er vertiefte Untersuchungen in Richtung CIA verhinderte. Die CIA war unter Druck geraten, weil sie die Repatriierung des bekennenden Marxisten-Leninisten Oswald nicht verhindert hatte, obwohl dieser mit der Tochter eines KGB-Offiziers verheiratet war. Ferner hatten CIA-Agenten Oswald angeblich beim Betreten der kubanischen und der sowjetischen Botschaften in Mexiko beobachtet.[57]

Im Januar 1967 gab die CIA Hinweise zum Umgang mit der Kritik am Warren-Report an ihre Mitarbeiter mit dem Ziel, die um sich greifenden Verschwörungstheorien zu diskreditieren und ihnen entgegenzuwirken.[58]

Verschw√∂rung des organisierten Verbrechens (Ostk√ľste)

Ein naheliegendes Mordmotiv hatte das organisierte Verbrechen. Das Attentat k√∂nnte in dieser Perspektive eine Vergeltungsma√ünahme f√ľr eine steigende Zahl von Razzien und Aktivit√§ten des FBI gewesen sein.

Es ist dokumentiert, dass FBI-Chef J. Edgar Hoover die Existenz eines landesweiten Mafia-Syndikats in den USA bestritt, jedoch gute Kontakte zu Unterweltgr√∂√üen wie Frank Costello pflegte. Angeblich soll die Mafia J. Edgar Hoover erpresst haben, weil dieser homosexuell gewesen sei. Kennedys Bruder Robert hatte sich demgegen√ľber im Kefauver-Komitee pressewirksam als K√§mpfer gegen das landesweit organisierte Verbrechen profiliert. Pikanterweise hatte ausgerechnet Kennedys Vater Joseph P. Kennedy w√§hrend der Alkoholprohibition mit der italo-amerikanischen Mafia gemeinsame Gesch√§fte gemacht, aber auch gewaltsame Konflikte ausgetragen. Ausgerechnet Costello hatte sich im Wahlkampf zugunsten der Kennedys engagiert, Italoamerikaner zur Wahl des Katholiken Kennedy aufgefordert und die knapp entschiedenen Wahlen in f√ľnf Bundesstaaten entscheidend manipuliert, wovon sich das Syndikat Wohlgefallen erhoffte. Als Kennedy Pr√§sident wurde, verelffachten sich jedoch die Zahl der Anklagen von Mobstern unter dem von Robert F. Kennedy gef√ľhrten Justizministerium. Zudem zeigte sich die Regierung Kennedy undankbar gegen√ľber dem Engagement der Mafia bei der CIA-gesteuerten Invasion in der Schweinebucht sowie bei der Operation Mongoose, in welcher bei verschiedenen Anschlagsversuchen auf Castro zusammengearbeitet wurde. Hintergrund war eine Interessenkonvergenz gewesen, da Kennedy Castro aus politischen Gr√ľnden beseitigen wollte, w√§hrend die Mafia ihre Milliardenverluste zu kompensieren suchte, die dadurch entstanden waren, dass Castro 1959 die Gl√ľcksspiel- und Drogeninfrastruktur der Mafia beschlagnahmt hatte.[59] Kennedy jedoch hatte nach der Kuba-Krise eine Milit√§raktion ausgeschlossen. Nach der Ermordung von Kennedy fiel die Rate der Anklagen gegen die Mafia wieder auf das Ma√ü vor dessen Wahl zur√ľck.

Verschw√∂rung des organisierten Verbrechens (S√ľdstaaten)

Dem Historiker John Davies zufolge soll der S√ľdstaatenmafioso Carlos Marcello den Kennedy-Mord organisiert haben, da er auf diese Weise seinen Privatkrieg mit Justizminister Robert Kennedy beenden konnte. Robert Kennedy hatte den in den USA aufgewachsenen ‚ÄěBig Boss‚Äú der in Louisiana ans√§ssigen S√ľdstaatenmafia mit allen Mitteln bek√§mpft und wegen fehlender Staatsb√ľrgerschaft zun√§chst illegal ausweisen lassen. Marcello, der f√ľr Wahlk√§mpfe von Vize-Pr√§sident Lyndon B. Johnson und Richard Nixon gespendet hatte, hatte im Rahmen seiner Feindschaft zu den Kennedys die Bekanntschaft mit dem mysteri√∂sen David Ferrie gemacht, der wegen seiner paramilit√§rischen Erfahrungen der geeignete Planer f√ľr eine solches Attentat gewesen sei. Einem FBI-Zeugen gegen√ľber soll Marcello den Mord angek√ľndigt haben, der in gewisser Weise dem ebenfalls mysteri√∂sen Mord an Louisianas Gouverneur Huey Long √§hnelte, bei dem der angebliche Attent√§ter ebenfalls umgehend get√∂tet wurde. Der Kennedy-Mord ereignete sich in Texas, also innerhalb des Reviers Marcellos, und fand w√§hrend des laufenden Prozesses um Marcellos Aufenthaltsgenehmigung statt. Infolge des Wegfalls von Robert Kennedys Autorit√§t und des Desinteresses Pr√§sident Johnsons verlief das Verfahren im Sande. Der Verd√§chtige Oswald wurde von dem Mafioso Jack Ruby erschossen, der die Polizisten-Bar ‚ÄěCarrussel Club‚Äú leitete und f√ľr Marcello entsprechende Kontakte zur damals f√ľr Korruption auf allen Ebenen bekannten Polizei von Dallas pflegte. Lousianas Staatsanwalt Jim Garrison, der den Kennedy-Mord der CIA in der Person von Clay Shaw anlastete und den bisher einzigen Prozess in diesem Fall im Sinne der Anklage verlor, ging Marcello nie an, bekam von diesem jedoch Aufenthalte in Las Vegas spendiert und den g√ľnstigen Kauf einer Immobilie vermittelt.[60].

Gegen die Mafia als alleinige Drahtzieherin des Attentats wird eingewandt, sie sei kaum in der Lage gewesen, die zahlreichen Unregelm√§√üigkeiten bei den diversen Untersuchungen kontrolliert zu haben.[61] Zudem sei ein generalstabsm√§√üig durchgef√ľhrter Mordanschlag, der die Handschrift des Milit√§rs trage, f√ľr die Mafia untypisch, da deren Methoden erfahrungsgem√§√ü deutlich primitiver seien.[62] Marcellos Biograph Davis wiederum verweist auf Marcellos Kontakt zum Paramilit√§r Ferrie, der unstreitig Oswald das Schie√üen beigebracht hatte und definitiv √ľber das Know-how eines entsprechenden Komplotts verf√ľgt h√§tte.

Verschwörung der Kubaner

Kennedys politischer Gegenspieler Fidel Castro wurde oft als Drahtzieher des Attentats verd√§chtigt. Seit dessen Machtergreifung 1959 in Kuba versuchte die CIA mittels der Mafia erfolglos, Castro ermorden zu lassen.[63] Die Geheimdienste hatten in der Operation Mongoose Sabotagen und terroristische Anschl√§ge auf Kuba ver√ľbt, die bislang 25 Kubanern das Leben gekostet hatte. Im September 1963 warnte Castro √∂ffentlich, dass f√ľhrende Politiker der USA nicht sicher w√ľrden leben k√∂nnen, wenn sie glaubten, ihn t√∂ten lassen zu k√∂nnen. Nach der Kuba-Krise hatten John und Robert Kennedy der CIA 1962 zun√§chst befohlen, weitere Mordanschl√§ge auf Castro auszusetzen. Das Programm war jedoch wiederaufgenommen worden. Am 22. November soll ein CIA-Agent beauftragt worden sein, Castro mit einer vergifteten F√ľllfederhalterwaffe zu ermorden. Seit der zweiten Jahresh√§lfte 1963 hatte Kennedy √ľber Hintergrundkan√§le Castro angeboten, die diplomatischen und auch die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Kuba zu normalisieren. Die CIA habe diese Anweisung allerdings ignoriert, ohne dass der Pr√§sident oder sein Bruder davon wussten.

2006 erhob der deutsche Journalist Wilfried Huismann mit seinem Dokumentarfilm ‚ÄěRendezvous mit dem Tod‚Äú den Anspruch, zu beweisen, Oswald selbst habe sich bei seiner Mexiko-Reise im September 1963 freiwillig in der kubanischen Botschaft erboten, Kennedy umzubringen. Daf√ľr seien ihm 6500 US-Dollar gegeben worden. Der Film erkl√§rt weiterhin, die US-Regierung habe diese Spur absichtlich nicht weiter verfolgt, um keinen Krieg heraufzubeschw√∂ren, wie ihn ein Gro√üteil der √Ėffentlichkeit bei Bekanntwerden eines kubanischen Attentats mit Sicherheit gefordert h√§tte. In den deutschen Medien wurde Huismanns These jedoch mit erheblicher Kritik aufgenommen, unter anderem, weil die angebliche √úbergabe des Mordlohns in der kubanischen Botschaft in Mexiko-Stadt stattgefunden haben soll, die aber, wie die Kubaner sehr wohl wussten, von den Amerikanern abgeh√∂rt wurde.[64]

Eine wesentliche Schwäche dieser These besteht im angeblichen Motiv. Kuba hätte von Kennedys Ermordung keinen strategischen Vorteil zu erwarten gehabt, da in der US-Politik bei der harten Haltung gegen Kuba weitgehend Einigkeit herrschte, Kennedy sogar als eher gemäßigt galt. Im Gegenteil hätte eine kubanische Urheberschaft Castro international isoliert und eine militärische Reaktion provoziert.

Der gr√∂√üte Kritikpunkt an dieser Dokumentation liegt in der Verwendung des vorgebrachten Beweismaterials, welches die These st√ľtzen soll. So wurde eine Idee f√ľr ein Kennedy-Buch zu einem Geheimdossier umfunktioniert und angebliche Aussagen von Zeugen als Beweis herbeigezogen, die bei ihrer eidesstattlichen Befragung best√§tigten, dass es keinen Anhaltspunkt f√ľr eine kubanische Tatbeteiligung gegeben hatte.[65]

Verschwörung der Finanzwelt

Amerikanische Verschw√∂rungstheoretiker wie Jim Marrs verbreiten die These, das Motiv des Mordes an Kennedy sei dessen Unterschrift unter die Executive Order No. 11110 gewesen. Mit dieser Verordnung vom 4. Juni 1963 sei das Finanzministerium der Vereinigten Staaten erm√§chtigt worden, unabh√§ngig von dem Federal Reserve System silberbasiertes Papiergeld auszugeben. Damit seien die Privatbankiers, die die Fed kontrollierten, um ihr Monopol der Geldsch√∂pfung gebracht worden, und h√§tten entsprechend reagiert. Unmittelbar nach Kennedys Ermordung sei die Verordnung wieder aufgehoben und bereits in Umlauf gebrachte Dollarnoten der Regierung aus dem Verkehr gezogen worden.[66] Diese Annahmen sind aber nachweislich falsch: Wie der Finanzwissenschaftler G. Thomas Woodward feststellt, vergr√∂√üerte die Verordnung keineswegs die Macht des Finanzministeriums, sondern modifizierte lediglich die bereits bestehenden Vorschriften im bimetallischen W√§hrungssystem der USA und erm√§chtigte das Federal Reserve System, das im Umlauf befindliche silberbasierte Geld durch selbstemittiertes Geld auch in kleiner St√ľckelung zu ersetzen. Dadurch sei die Macht des Federal Reserve System bei der Geldemission faktisch gest√§rkt worden.[67] Die Verordnung wurde 1987 von Pr√§sident Ronald Reagan aufgehoben.[68]

Stand der Diskussion

Einzelbild aus dem Zapruder-Film und der Blick aus dem sechsten Stock des Schulbuchlagers

T√§terschaft und Hintergr√ľnde des Kennedy-Attentats sind bis heute umstritten. Umfragen zeigen, dass eine gro√üe Mehrheit der Amerikaner nicht an eine Alleint√§terschaft Oswalds glaubt.[69] Nach Ansicht von Mathias Br√∂ckers wurde trotz der offenen Kontroverse in den Vereinigten Staaten lange Zeit die Alleint√§terthese in den Medien pr√§feriert.[70] In den letzten Jahren kamen im deutschen √∂ffentlich-rechtlichen Fernsehen auch Stimmen zu Wort, die die Alleint√§terschaft Oswalds bezweifeln.[71]

Das 1993 erschienene Buch des amerikanischen Anwalts und Sachbuchautors Gerald Posner, das den Anspruch erhebt, im Sinne der Alleint√§terschaft den ‚ÄěFall abgeschlossen‚Äú[72] zu haben, stie√ü nicht auf ungeteilte Zustimmung. So warf man dem Autor vor, in allzu engem Kontakt mit der CIA gearbeitet zu haben, insgesamt hundert nachweisliche Fehler und Irrt√ľmer f√§nden sich in seinem Buch.[73] Gegen diese Kritik erhob sich wiederum Widerspruch, mehrere Irrt√ľmer konnte Posner in einer zweiten Auflage seines Buches tilgen.[74] 2001 ver√∂ffentlichte der Geschichtsprofessor David R. Wrone, einer der sch√§rfsten Kritiker Posners, eine detaillierte Bild-f√ľr-Bild-Analyse des Zapruder-Films, die ihn zu dem Schluss brachten, dass die t√∂dlichen Sch√ľsse auf den Pr√§sidenten aus mehreren Richtungen kamen.[75] √Ąhnlich wie Wrone postuliert ein Gro√üteil der in letzter Zeit ver√∂ffentlichten Literatur, dass es mindestens einen zweiten Sch√ľtzen gegeben habe.[76] 2007 ver√∂ffentlichte Staatsanwalt Vincent Bugliosi schlie√ülich ein umfangreiches Werk, das wiederum der Alleint√§terthese zum Durchbruch verhelfen will.[77] Viele der zahlreichen historischen oder politikwissenschaftlichen Darstellungen √ľber Leben und Politik Kennedys gehen auf diese weiterhin offene Kontroverse entweder nicht n√§her ein[78] oder folgen der Alleint√§terthese.[79]

Nachweise


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