Pfalz (Region)

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Pfalz (Region)
Weltkulturerbe:
der Speyerer Dom
Höchster Berg der Pfalz:
der Donnersberg
Wichtiger Wirtschaftszweig:
der Weinbau

Die Pfalz ist eine Region in S√ľdwestdeutschland und liegt im S√ľden des Bundeslandes Rheinland-Pfalz. Sie umfasst 5451,13 km¬≤ und hat etwa 1,4 Mio. Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

√úberblick

Im Westen grenzt die Pfalz an das Saarland, im Nordwesten an den Hunsr√ľck, nord√∂stlich an Rheinhessen mit dem Alzeyer H√ľgelland, die √∂stliche Grenze zu Hessen und Baden bildet der Rhein, und im S√ľden erstreckt sich das franz√∂sische Elsass.

Der zum Biosph√§renreservat Pf√§lzerwald-Nordvogesen geh√∂rende Pf√§lzerwald bedeckt ein Drittel der Region und ist mit 1771 km¬≤ die gr√∂√üte zusammenh√§ngende Waldfl√§che Deutschlands. Der h√∂chste Berg der Pfalz ist der im Nordpf√§lzer Bergland gelegene Donnersberg (687 m √ľ. NN); der tiefste Punkt (87,3 m) liegt auf der Gemarkung der Stadt Frankenthal und befindet sich nur wenige hundert Meter vom Rhein entfernt.

Gew√§sser machen lediglich 1,26 Prozent der Fl√§che der Pfalz aus. 61 Prozent davon liegen in den am Rhein gelegenen St√§dten und Kreisen; hier ist die Landschaft stark von Altrheinarmen und Baggerseen gepr√§gt. Die Pf√§lzische Hauptwasserscheide verl√§uft inmitten des Pf√§lzerwaldes etwa von S√ľds√ľdwest nach Nordnordost. Die nach Osten entw√§ssernden gro√üen Wasserl√§ufe ‚Äď Lauter (am Oberlauf Wieslauter), Queich und Speyerbach ‚Äď flie√üen direkt zum Rhein; der Schwarzbach nimmt seinen Weg nach Westen, sein Wasser erreicht schlie√ülich √ľber Blies, Saar und Mosel ebenfalls den Rhein. Der Glan tritt im Westen in die Pfalz ein und flie√üt in nord√∂stlicher Richtung durch das Nordpf√§lzer Bergland. Bei Meisenheim verl√§sst er die Pfalz wieder und m√ľndet schlie√ülich in die Nahe. Mit anteiligen 68 km auf Pf√§lzer Boden ist der Glan, abgesehen vom Grenzfluss Rhein (gut 80 km), der l√§ngste Wasserlauf der Region.

Geographische Einteilung

Einteilung der Pfalz in ihrer engsten Definition (ohne Saarpfalz, Kurpfalz und die Gemeinden, die bei der Kreisreform 1969 an den Landkreis Bad Kreuznach √ľbergingen)

Geographisch wird die Pfalz unterteilt in die West- und die Nordpfalz, die beide mehr mittelgebirgsartigen Charakter haben, sowie die Vorder- und die S√ľdpfalz, die √ľberwiegend in der Ebene zwischen dem Oberrhein und der Haardt, dem √∂stlichen Rand des Pf√§lzerwaldes, liegen und dichter besiedelt sind. Den √úbergang zwischen Ebene und Gebirge bildet das schmale H√ľgelland beiderseits der 85 km langen Deutschen Weinstra√üe, das den gr√∂√üten Teil des pf√§lzischen Weinbaugebietes ausmacht.

  • Nordpfalz ‚Äď Die Nordpfalz ist ein h√ľgeliges bis bergiges Land, das g√§nzlich innerhalb des Nordpf√§lzer Berglandes liegt und vom Massiv des Donnersberges √ľberragt wird. Sie ist sehr d√ľnn besiedelt, die gr√∂√üten Orte Eisenberg, Kirchheimbolanden und Rockenhausen haben jeweils weniger als 10.000 Einwohner. Einziger Landkreis ist der Donnersbergkreis (Kfz-Kennzeichen KIB, Verwaltungssitz Kirchheimbolanden), der 1969 durch Zusammenlegung der vorherigen Kreise Kirchheimbolanden und Rockenhausen geschaffen wurde.
  • Vorderpfalz ‚Äď Traditionell wird als Vorderpfalz der √∂stlich vor der Haardt liegende Landesteil bezeichnet, die folgende Definition ist eher die zu organisatorischen Zwecken h√§ufig verwendete, die den Kreisgrenzen folgt; diese verlaufen allerdings nicht am Westrand der Ebene, sondern westlich davon innerhalb des Pf√§lzerwaldes. Landkreise der Vorderpfalz (mit Kfz-Kennzeichen) sind demnach der Kreis Bad D√ľrkheim (D√úW) und der Rhein-Pfalz-Kreis (RP, Verwaltungssitz Ludwigshafen), hinzu kommen die kreisfreien St√§dte Frankenthal (Pfalz) (FT), Ludwigshafen am Rhein (LU), Neustadt an der Weinstra√üe (NW) und Speyer (SP). In der Vorderpfalz liegt auch das bev√∂lkerungsreichste Dorf Deutschlands, Ha√üloch, das mehr als 20.000 Einwohner hat.

Touristische Einteilung

Herbstmorgen bei Barbelroth (S√ľdpfalz)
Zum Erntedank geschm√ľckter Brunnen in Gleisweiler

Abweichend von der geographischen Untergliederung teilt die Tourismusbranche die Pfalz in vier Regionen ein und verwendet auch eigene Schöpfungen bei Namen und Schreibweise:

  • Urlaubsregion Pf√§lzer Bergland ‚Äď Die ‚ÄěUrlaubsregion Pf√§lzer Bergland‚Äú ist weitgehend mit dem Nordpf√§lzer Bergland identisch.
  • Ferienregion Deutsche Weinstra√üe ‚Äď Die ‚ÄěFerienregion Deutsche Weinstra√üe‚Äú umfasst das H√ľgelland an der Deutschen Weinstra√üe, zu dem im Westen noch die Haardt und im Osten auch gr√∂√üere Teile der Rheinebene hinzugenommen werden.
  • Urlaubsregion Rheinebene ‚Äď Die ‚ÄěUrlaubsregion Rheinebene‚Äú ist im Westen um die der ‚ÄěFerienregion Deutsche Weinstra√üe‚Äú zugerechneten Gebietsanteile verkleinert.

Klima

Mandelbl√ľte in der Vorderpfalz
Bl√ľhendende Kastanienw√§lder am Haardtrand. Im Hintergrund das Hambacher Schloss

Die Pfalz zeichnet sich durch ein gem√§√üigtes und humides Klima aus, das √ľberwiegend vom Atlantik her bestimmt wird. Die mittlere Jahrestemperatur betr√§gt etwa 10 Grad Celsius. Von Westen oder S√ľdwesten einflie√üende feuchte Luftmassen steigen in den Mittelgebirgslagen der West- und Nordpfalz auf, es kommt zu ergiebigen Niederschl√§gen. Auf der Ostseite des Pf√§lzerwaldes, am Haardtrand und in der Rheinebene, sinkt die Luft wieder ab, erw√§rmt sich und wird dabei recht trocken. Das milde Wetter erm√∂glicht hier die Anpflanzung mediterraner Gew√§chse im Freiland. So verbreiten manche Orte entlang der Weinstra√üe durch Mandelb√§ume, Feigen, Pinien, Zypressen, Palmen und bestimmte Bananensorten ein s√ľdl√§ndisch anmutendes Flair. Am Rande des Pf√§lzerwaldes, zur Rheinebene und den Weinbergen hin, gibt es ausgedehnte Edelkastanien - W√§lder. Wegen dieses s√ľdlichen Flairs und dem sanfth√ľgeligen Landschaftsbild wird die √∂stliche Pfalz in der Werbebranche gerne als die ‚Äědeutsche Toskana‚Äú bezeichnet.[1]

Geschichte

Name

Der Name Pfalz leitet sich urspr√ľnglich von dem r√∂mischen H√ľgel Palatin ab, auf dem sich in der Antike der Palast des Kaisers befand. Eine Pfalz (lat. palatium) bezeichnete im Mittelalter einen tempor√§ren Verwaltungssitz, an dem der durch sein Herrschaftsgebiet reisende Monarch Station machte. Die Verwaltung einer Pfalz oblag einem Pfalzgrafen (lat. comes palatinus). Den Pfalzgrafen bei Rhein kam schon fr√ľh eine herausragende Stellung zu, da der s√ľdwestdeutsche Raum zu den Stammlanden der damals herrschenden Adelsgeschlechter, vor allem der Karolinger, Salier und Staufer, geh√∂rte. Sp√§ter wurde die Bezeichnung Pfalz auf das ganze vom Amtsinhaber verwaltete Gebiet √ľbertragen.

Kelten, Römer und Germanen

Während des 1. Jahrtausends v. Chr., in der Latènezeit, war das Gebiet der heutigen Pfalz von Kelten bewohnt. Kurz vor der Zeitenwende eroberten die Römer alle linksrheinischen Gebiete und förderten die Ansiedlung von Germanen. Die Römer wurden in der Spätzeit ihrer Herrschaft um 400 durch eindringende Germanen vom Stamm der Alemannen abgelöst, diese im Verlauf eines knappen Jahrhunderts durch ebenfalls germanische Franken.

Vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches

Speyer mit dem Dom, Stich von Merian, 1640
13. Jahrhundert: Reichskleinodien auf der Reichsburg Trifels
Region der Burgen, hier die Wachtenburg

Im Mittelalter wurden im pf√§lzischen Raum zahlreiche Burgen gebaut. Damals z√§hlten weite Teile der Pfalz zu den Stammlanden der zun√§chst karolingischen, sp√§ter salischen und staufischen Kaiser, bis die anf√§nglich personengebundenen Lehen erblich wurden. Der Trifels bei Annweiler, ab 1113 Reichsburg Trifels, beherbergte bis 1298 mehrmals und √ľber l√§ngere Zeit die Reichskleinodien; sie war damit eine der wichtigsten Burgen im gesamten Reich. Ab 1214 wurde das Adelshaus der Wittelsbacher mit seinen verschiedenen Linien die bestimmende Kraft der Region und stellte bei der K√∂nigswahl eine Kurstimme. Der gr√∂√üte Teil der sp√§teren Pfalz geh√∂rte bis 1803 zum wittelsbachischen Kurf√ľrstentum Pfalz bei Rhein, kurz Kurpfalz.[2] Diese f√ľhrte sp√§testens seit dem fr√ľhen 13. Jahrhundert den Pf√§lzer L√∂wen im Wappen.

Pfälzer Löwe

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bestanden in der Region allerdings mehrere Territorien: neben den schon genannten linksrheinisch-pf√§lzischen Gebieten des Pf√§lzer Kurf√ľrsten waren dies vor allem das f√ľr eine wittelsbachische Seitenlinie geschaffene Herzogtum Pfalz-Zweibr√ľcken und das Hochstift Speyer. Das Gebiet um Kirchheimbolanden unterstand dem Haus Nassau. Daneben existierten kleinere reichsgr√§fliche und ritterschaftliche Territorien (z. B. Leiningen und Sickingen) und nicht zuletzt die Freien Reichsst√§dte Speyer sowie Landau. Die Kurpfalz (einschlie√ülich ihrer gro√üen rechtsrheinischen Anteile um Mannheim, Heidelberg, Weinheim sowie im Odenwald und an der Bergstra√üe) wurde noch vor der Franz√∂sischen Revolution mit dem sp√§teren K√∂nigreich Bayern vereinigt, als dort die altbayerische Linie der Wittelsbacher ausstarb und 1777 Kurf√ľrst Carl Theodor aus der Linie Pfalz-Sulzbach das Erbe in M√ľnchen antrat. Die Vereinigung mit dem Herzogtum Pfalz-Zweibr√ľcken wurde dann 1799 vollzogen, als Carl Theodor kinderlos starb und der aus Zweibr√ľcken stammende sp√§tere bayerische K√∂nig Maximilian als Alleinerbe alle wittelsbachischen Territorien in Deutschland vereinte.

W√§hrend der Reformation trat die Herrscherfamilie der Kurpfalz zum protestantischen, genauer zum calvinistischen Glauben √ľber; erst der aus einer Seitenlinie stammende Philipp Wilhelm brachte 1690 dem Adelshaus den katholischen Glauben zur√ľck. Auf diese Weise bestanden in der historischen Kurpfalz drei Konfessionen, die katholische, die lutherische und die reformierte (calvinistische), nebeneinander, was im Alten Reich einen seltenen Ausnahmefall darstellte.

Ebenfalls aus einem konfessionellen Konflikt entstand der Drei√üigj√§hrige Krieg (1618-48), in dem die Pfalz zu den am meisten in Mitleidenschaft gezogenen Territorien √ľberhaupt geh√∂rte und etwa drei F√ľnftel ihrer Bev√∂lkerung verlor. Wenige Jahre sp√§ter erfolgte im Pf√§lzischen Erbfolgekrieg 1689 die Pl√ľnderung und Zerst√∂rung der Pfalz durch Truppen des franz√∂sischen Generals M√©lac, der den Auftrag seines Kriegsministers Louvois ausf√ľhrte: ‚ÄěBr√Ľlez le Palatinat!‚Äú (‚ÄěBrennt die Pfalz nieder!‚Äú)

In den Jahren 1717 bis 1732 erlebte die Pfalz ihre bis dahin gr√∂√üte Auswanderungswelle, als etwa 3000 Mennoniten aus religi√∂sen Gr√ľnden nach Nordamerika √ľbersiedelten[3]. Viele Nachfahren der ausgewanderten Pf√§lzer sprechen mit dem Pennsylvania Dutch noch heute eine vorwiegend auf pf√§lzischen Dialekten aufbauende Sprachvariante, die sie ‚ÄěMudderschbrooch‚Äú oder ‚ÄěDeitsch‚Äú nennen.

Französische Zeit

Zeitgen√∂ssische 20-Franc-M√ľnze mit dem Bildnis Kaiser Napoleons

Im Verlauf der franz√∂sischen Revolutionskriege wurden in den 1790er Jahren die gesamten linksrheinischen Gebiete und damit auch die heutige Pfalz von franz√∂sischen Truppen besetzt. √úber verschiedene Abkommen vom Frieden von Lun√©ville (1801) bis zum Reichsdeputationshauptschluss (1803) wurde das linksrheinische Deutschland formal und v√∂lkerrechtlich Teil der Franz√∂sischen Republik. Die meisten pf√§lzischen Territorien wurden mit anderen Gebietsteilen (unter Einschluss dessen, was nach 1815 als ‚ÄěRheinhessen‚Äú bezeichnet werden sollte) im neugebildeten D√©partement du Mont-Tonnerre (Donnersberg) zusammengefasst und als integrierter Bestandteil des franz√∂sischen Staates verwaltet. Die rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz dagegen gingen im Gro√üherzogtum Baden auf. Als Napoleon, der sich 1804 zum franz√∂sischen Kaiser erhoben hatte, nach seinen siegreichen Schlachten gegen Preu√üen und dessen Verb√ľndete 1807 nach Paris zur√ľckreiste, wurde ihm im pf√§lzischen Neustadt, das nunmehr ‚Äěfranz√∂sische‚Äú Kantonshauptstadt war, ein triumphaler Empfang bereitet.

Bayerische Zeit

‚Üí Hauptartikel: Rheinkreis
Das Gebiet der Pfalz als bayerische Provinz

Nach den Napoleonischen Kriegen und dem Wiener Kongress (1815) kam die territorial neu umrissene linksrheinische Pfalz 1816 als Rheinkreis an das K√∂nigreich Bayern.[4] Es handelte sich dabei um eine Entsch√§digung f√ľr die Gebiete rechts des Inn und die Stadt Salzburg, welche Bayern im M√ľnchner Vertrag vom 14. April 1816 an √Ėsterreich abgetreten hatte.[5] Versuche, auch die rechtsrheinischen Gebiete der Kurpfalz (mit Mannheim und Heidelberg) f√ľr das Haus Wittelsbach zur√ľckzugewinnen, waren nicht erfolgreich.

Kreishauptstadt der Pfalz wurde Speyer. Im Jahr 1835 verf√ľgte der bayerische K√∂nig Ludwig I., dass die Verwaltungseinheiten der mittleren Ebene nicht mehr entsprechend dem franz√∂sischen Vorbild nach Fl√ľssen, sondern nach historischen Bezugspunkten benannt werden sollten. Der ‚ÄěRheinkreis‚Äú wurde daher in ‚ÄěPfalz‚Äú umbenannt.[6] Der w√§hrend der bayerischen Zeit aufgekommene Name Hinterpfalz f√ľr die Westpfalz wird heute offiziell nicht mehr verwendet. ‚ÄěRheinpfalz‚Äú stand lange Zeit f√ľr das pf√§lzische Weinbaugebiet; seit dem 27. August 1993 lautet die Bezeichnung f√ľr dieses Anbaugebiet ebenfalls ‚ÄěPfalz‚Äú.

Innerhalb des K√∂nigreichs Bayern genoss die Pfalz eine rechtliche und administrative Sonderstellung, da die bayerische Regierung wesentliche Errungenschaften der franz√∂sischen Zeit beibehielt. So blieb in der Pfalz die Grundherrschaft aufgehoben (was im rechtsrheinischen Bayern erst 1848 geschah), die Trennung von Verwaltung und Justiz war bis auf die unterste Ebene (Landkommissariate und Landgerichte) durchgesetzt und die v√∂llige Gewerbefreiheit in Kraft. √úberdies galt der Code civil bis zum Inkrafttreten des B√ľrgerlichen Gesetzbuchs (BGB) im Jahr 1900 als Zivilrecht der Pfalz. Ein Historiker beschreibt die Beziehung zwischen dem rechtsrheinischen Bayern und der sonderberechtigten Pfalz als ein Verh√§ltnis von ‚ÄěHauptstaat und Nebenstaat‚Äú.[7] Unter dem Einfluss der franz√∂sischen Julirevolution von 1830 kam es 1832 auf dem Hambacher Schloss beim damaligen Neustadt an der Haardt zu einer gro√üen Freiheitskundgebung, die als Hambacher Fest in die Geschichte einging. Die Forderungen nach politischen Mitspracherechten gingen weiter, als die bayerische Verfassung von 1818 vorsah. Es handelte sich aber um keine urspr√ľnglich auf die Pfalz, sondern auf Deutschland und die deutsche Nation bezogene Veranstaltung.

Nach der gescheiterten Märzrevolution von 1848 und der Frankfurter Nationalversammlung organisierten pfälzische Revolutionäre im Mai 1849 einen Aufstand gegen die bayerische Regierung. Ziel war die Schaffung einer Pfälzischen Republik und die Annahme der Paulskirchenverfassung. Die Erhebung wurde innerhalb weniger Wochen von preußischen Truppen fast kampflos niedergeschlagen.

Die Herrschaft des bayerischen Königshauses wurde durch Bauprojekte wie die königliche Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben und die umfassende Restauration des Doms zu Speyer zum Ausdruck gebracht.

Folgen des Ersten Weltkrieges

Pirmasens:
Gedenktafel zum Separatistensturm von 1924
Berlin 1924:
Treuekundgebung f√ľr die Pfalz

Nach dem Ersten Weltkrieg war die Pfalz entsprechend den Waffenstillstands- und Friedensbedingungen bis 1930 von franz√∂sischen Truppen besetzt, wenngleich die Zugeh√∂rigkeit zu Bayern fortbestand. Der Versailler Vertrag von 1919 verf√ľgte die Abtrennung westlicher Gebiete der Pfalz, die dem neu gebildeten Saargebiet zugeordnet wurden, das seinerseits unter Verwaltung des V√∂lkerbundes gestellt wurde. Diese Gebietsteile bilden im heutigen Saarland den Saarpfalz-Kreis. W√§hrend der franz√∂sischen Besetzung kam es in der Pfalz zu separatistischen Bewegungen. Diese begannen am 6. November 1923 mit Aufst√§nden in Kaiserslautern, Neustadt und Landau und gipfelten im Sturm auf das Bezirksamt in Pirmasens am 12. Februar 1924. Sie f√ľhrten zur Ausrufung der Autonomen Pfalz durch Heinz Orbis, die aber keinen Bestand hatte. Die franz√∂sischen Truppen r√§umten im Sommer 1930 die Pfalz, nachdem der Young-Plan im Berliner Reichstag angenommen worden war.[8]

Infolge der Weltwirtschaftskrise ab 1929 wuchs in der l√§ndlich gepr√§gten Region der Unmut der Bev√∂lkerung, der sich in den Wahlerfolgen antidemokratischer Parteien niederschlug: Trotz der demokratischen Tradition konnte sich in der Pfalz gegen Ende der Weimarer Republik die NSDAP mit ihrem langj√§hrigen Gauleiter Josef B√ľrckel schnell etablieren und erzielte √ľberdurchschnittlich hohe Wahlergebnisse.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die in der ‚ÄěRoten Zone‚Äú (vor dem ab 1938 gebauten Westwall) gelegenen grenznahen D√∂rfer komplett evakuiert und deren Bev√∂lkerung vor√ľbergehend nach Th√ľringen ausgesiedelt.

Folgen des Zweiten Weltkrieges

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Pfalz Teil der Franz√∂sischen Besatzungszone und ging dann nach Verordnung Nr. 57 des franz√∂sischen Oberkommandos im 1946 neu gebildeten Bundesland Rheinland-Pfalz auf. Dies umfasst neben der Pfalz noch das seit dem Wiener Kongress zu Hessen geh√∂rige Rheinhessen (Hauptstadt Mainz), das fr√ľher zur preu√üischen Rheinprovinz geh√∂rige moselfr√§nkische Rheinland (mit den Mittelgebirgen Hunsr√ľck, Eifel und Westerwald) sowie den westlichen Teil des ehemaligen Herzogtums Nassau (heute Westerwaldkreis und Rhein-Lahn-Kreis). In den an die Pfalz angrenzenden Teilen dieser Gebiete hatten zahlreiche Orte, darunter etwa die heutigen Kreisst√§dte Alzey, Bad Kreuznach, Birkenfeld, Ingelheim und Simmern mitunter sehr lange und bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zu den pf√§lzisch-wittelsbachischen Vorg√§ngerterritorien Kurpfalz und Pfalz-Zweibr√ľcken geh√∂rt (vergleiche auch Abschnitt Kultur sowie Liste der Wappen mit dem Pf√§lzer L√∂wen). Die historischen Gemeinsamkeiten d√ľrften, verst√§rkt durch die teilweise Zugeh√∂rigkeit dieser Gebiete zum pf√§lzischen Sprachraum, die Integration der Pfalz in das Land Rheinland-Pfalz erleichtert haben.

Die Zeit des westdeutschen ‚ÄěWirtschaftswunders‚Äú bis Mitte der 1960er Jahre bedeutete f√ľr die Pfalz eine Zeit des tiefgreifenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels. Die kleinb√§uerlich gepr√§gte Landwirtschaft ging stark zur√ľck zugunsten des gro√üfl√§chigen Wein- und Gem√ľseanbaus sowie der Ansiedlung von Industrie- und Dienstleistungsbetrieben. Zugleich verlor auch die konfessionelle Spaltung der Bev√∂lkerung erheblich an Bedeutung.

Neuere Entwicklung

Ein Volksbegehren im Jahr 1956 f√ľr eine R√ľckgliederung nach Bayern fand nicht die notwendige Unterst√ľtzung in der Bev√∂lkerung. Seit dem Staatsvertrag zur Verbandsgr√ľndung einer l√§nder√ľbergreifenden europ√§ischen Metropolregion[9] vom 26. Juli 2005 zwischen Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-W√ľrttemberg versuchen Wirtschaft und auch Politik, den gesellschaftlich und wirtschaftlich zusammengeh√∂renden Raum von (linksrheinischer) Pfalz und (rechtsrheinischer) Kurpfalz in der Metropolregion Rhein-Neckar wieder enger zu verbinden.

Verwaltungsstrukturen

Regierungsbezirk Pfalz

Innerhalb des neuen Bundeslandes war die Pfalz zun√§chst ein eigenst√§ndiger Regierungsbezirk mit dem Sitz der Bezirksregierung in Neustadt an der Weinstra√üe. Er bestand aus den kreisfreien St√§dten Landau, Neustadt, Speyer, Frankenthal, Ludwigshafen, Pirmasens, Zweibr√ľcken und Kaiserslautern sowie den Landkreisen Germersheim, Bergzabern, Landau, Neustadt, Frankenthal, Ludwigshafen, Speyer, Pirmasens, Zweibr√ľcken, Kaiserslautern, Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen.

Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz

1968 wurde der Regierungsbezirk Pfalz mit dem Regierungsbezirk Rheinhessen zum Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz zusammengelegt. W√§hrend die Landeshauptstadt Mainz als Sitz einer Bezirksregierung entfiel, wurde die Verwaltung in Neustadt ausgebaut. Auch die Landkreise wurden im Zeitraum von 1969 bis 1972 neu zugeschnitten: Die Landkreise Landau, Bergzabern, Neustadt, Frankenthal, Speyer, Zweibr√ľcken, Rockenhausen und Kirchheimbolanden wurden aufgel√∂st. Neu gebildet wurden die Landkreise Landau-Bad Bergzabern, ab 1978 S√ľdliche Weinstra√üe, Bad D√ľrkheim und der Donnersbergkreis. Die √ľbrigen Landkreise wurden um Gebiete der aufgel√∂sten erweitert; lediglich der Zuschnitt des Landkreises Germersheim blieb fast unver√§ndert. Auch die kreisfreien St√§dte wurden ‚Äď mit Ausnahme von Speyer ‚Äď durch Eingemeindungen vergr√∂√üert. Mit der Verwaltungsreform wurden zudem die Grenzen der Pfalz im Norden leicht ver√§ndert: So wurde der Landkreis Kusel um Gemeinden erweitert, die vorher dem rheinl√§ndischen Landkreis Birkenfeld angeh√∂rt hatten; einzelne Gemeinden des erloschenen Landkreises Rockenhausen wurden dem rheinl√§ndischen Landkreis Bad Kreuznach zugeschlagen, und eine Gemeinde des ehemaligen Landkreises Kirchheimbolanden geh√∂rt heute zum rheinhessischen Landkreis Alzey-Worms.

ADD und SGD

Mit der Umstrukturierung der Landesverwaltung zum 1. Januar 2000 wurden die Regierungsbezirke in Rheinland-Pfalz aufgel√∂st. Die Bezirksregierungen wurden in Aufsichts- und Dienstleistungsdirektionen (ADD) beziehungsweise Struktur- und Genehmigungsdirektionen (SGD) √ľberf√ľhrt. Diese sind nunmehr landesweit f√ľr ausgew√§hlte Aufgabenbereiche und nicht mehr f√ľr alle Aufgaben innerhalb ihres bisherigen Bezirks zust√§ndig. In Neustadt befindet sich nun die SGD S√ľd.

Bezirksverband Pfalz

Wappen des Bezirksverbandes

Die Region der Pfalz ist in Landkreise und kreisfreie St√§dte untergliedert. Diese sind Mitglieder des Bezirksverbandes Pfalz, einer K√∂rperschaft des √∂ffentlichen Rechts, die auf fr√ľheren Verwaltungsstrukturen basiert: Der Conseil g√©n√©ral, im Jahr 1800 von Frankreich √ľbernommen, m√ľndete 1816, als nach Ende der √Ąra Napoleons die Pfalz dem K√∂nigreich Bayern zugeschlagen wurde, im durch Bayern genehmigten 20-k√∂pfigen Landrath, der schlie√ülich zum Bezirkstag Pfalz, dem Parlament des Bezirksverbandes Pfalz, wurde.

Der Bezirksverband verwaltet verschiedene kulturelle und soziale Einrichtungen in der Region und fördert die Zusammenarbeit zwischen den Landkreisen und kreisfreien Städten.

Wirtschaft und Infrastruktur

Wirtschaft

Weinberge in Neustadt an der Weinstraße

Bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. wurde die Weinrebe von den R√∂mern in die Pfalz eingef√ľhrt und dort Weinbau betrieben. Heute liegt in der Pfalz das gleichnamige Weinbaugebiet, welches das zweitgr√∂√üte Deutschlands ist und √ľber viele traditionelle Familienbetriebe verf√ľgt. Vor allem entlang der Deutschen Weinstra√üe ist neben dem Weinbau der Tourismus ein starker Wirtschaftsfaktor. Im Jahr 2006 wurden nach Angaben der Pfalz-Touristik, die ihren Sitz in Neustadt hat, in der Pfalz im Tourismusgewerbe rund 283 Mio. Euro umgesetzt. Dabei liegen die Stadt Bad D√ľrkheim und der gleichnamige Landkreis mit rund 100 Mio. Euro vorn, bedingt vor allem durch das Volksfest D√ľrkheimer Wurstmarkt. Die Pfalz verzeichnete 2006 1,5 Mio. √úbernachtungen; im Durchschnitt gab jeder Besucher pro Tag 77,86 Euro aus.

In Ludwigshafen ist die BASF gr√∂√üter Arbeitgeber. In W√∂rth am Rhein, das in einem eng mit Karlsruhe und damit Baden-W√ľrttemberg verbundenen Wirtschaftsraum liegt, werden in einem Werk von Daimler Lastkraftwagen gebaut, die weltweit exportiert werden.

Ramstein Air Base

Die Westpfalz profitiert weniger von den positiven Tendenzen in der pf√§lzischen Wirtschaft. In und um Kaiserslautern bieten die Adam Opel GmbH sowie die US-Streitkr√§fte, welche die Ramstein Air Base sowie das Landstuhl Regional Medical Center betreiben, wichtige Arbeitspl√§tze. Da jedoch die USA ihre Pr√§senz in der Westpfalz immer mehr verringern und die Schuhindustrie in der Region Pirmasens sich seit Jahren in einer schwierigen Phase befindet, stagnieren dort die Bev√∂lkerungszahlen bzw. sind sogar r√ľckl√§ufig. So b√ľ√üte Kaiserslautern im Jahr 2000 seinen Status als Gro√üstadt ein, und Pirmasens verlor ab den 1970er Jahren fast 15.000 Einwohner. Trotzdem siedeln sich im Umfeld der Technischen Universit√§t Kaiserslautern vermehrt junge, innovative Firmen an, die vorwiegend im IT-Bereich Arbeitspl√§tze schaffen.

Ein wichtiger Wirtschaftszweig der Nordpfalz war einst der Bergbau. Da die dortigen Ressourcen l√§ngst aufgebraucht sind, leidet auch diese Teilregion der Pfalz unter einem Bev√∂lkerungsr√ľckgang.

Verkehr

Theodor-Heuss-Rheinbr√ľcke (A 6) am Nordostrand der Pfalz
Bahnstrecke Saarbr√ľcken‚ÄďMannheim, deren Hauptteil die Pf√§lzische Ludwigsbahn ist

Der √ľberregionale Stra√üenverkehr findet auf verschiedenen Autobahnen statt. Eine der √§ltesten auch in Deutschland ist die A 6 (Saarbr√ľcken‚ÄďMannheim), die vom √§u√üersten Westen quer durch die Region in den Nordosten f√ľhrt. Vorder- und S√ľdpfalz sind durch die A 61 (Koblenz‚ÄďSpeyer) und die A 65 (Ludwigshafen am Rhein‚ÄďKarlsruhe) gut erschlossen; die teilweise fertiggestellte A 650 (Ludwigshafen‚ÄďBad D√ľrkheim) hat nur lokale Bedeutung. Der Westpfalz stehen Teile der A 8 (Saarlouis‚ÄďPirmasens, dort kein Weiterbau nach Karlsruhe mehr vorgesehen) und der A 62 (Nonnweiler‚ÄďPirmasens, streckenweise erst zweispurig) zur Verf√ľgung. Die Nordpfalz ist durch die seit 2004 geschlossene A 63 (Kaiserslautern‚ÄďMainz) angebunden. Der vierspurige Ausbau der B 10 zwischen Pirmasens und Landau nach Verzicht auf die A 8 begann um das Jahr 2000.

Die wichtigsten Fernstrecken der Deutschen Bahn verlaufen im Nordosten ‚Äď die Verbindung Mannheim‚ÄďLudwigshafen‚ÄďMainz‚ÄďK√∂ln ‚Äď sowie von West nach Ost quer durch die Pfalz ‚Äď die Pf√§lzische Ludwigsbahn auf der Strecke Saarbr√ľcken‚ÄďKaiserslautern‚ÄďLudwigshafen‚ÄďMannheim.

Das gr√∂√üte Luftverkehrsaufkommen in der Pfalz besitzt der Flugplatz Zweibr√ľcken, der bis 1991 verschiedenen westlichen Staaten als Milit√§rflugplatz diente und eine 2950 m lange Start- und Landebahn aufweist. Seit 2006 findet dort Linien- und Charterverkehr statt, eine neue Abfertigungshalle wurde 2007 in Betrieb genommen.

Kultur

Bekenntnis zur Pfalz auf einem Auto

Kulturell kann die Pfalz nicht eindeutig eingegrenzt werden. Die heutigen geographischen Grenzen kamen im Wesentlichen 1815/16 zustande (s. Geschichte), davor gab es ‚Äědie Pfalz‚Äú nicht. Eine pf√§lzische Identit√§t, wie sie noch heute fortbesteht, entwickelte sich erst nachtr√§glich mit Blick auf die vom Wiener Kongress geschaffenen ‚Äěvollendeten Tatsachen‚Äú.[10] So sind etwa die Grenzen der pf√§lzischen Dialekte (vergleiche Kurpf√§lzische Dialekte) ebenso wie diejenigen anderer Kulturg√ľter unter Umst√§nden weiter zu ziehen.

Bevölkerung

Die alteingesessenen Pf√§lzer, die auf humorvolle Art gerne als ‚ÄěP√§lzer Krischer‚Äú bezeichnet werden oder sich auch selbst so nennen, gelten als ein ‚Äěunverf√§lschter‚Äú Menschenschlag. Ihnen wird pers√∂nliche Offenheit, nat√ľrliche Neugier und Geselligkeit nachgesagt, aber auch Direktheit und Dickk√∂pfigkeit. Als wichtige Eigenschaft sei die sprichw√∂rtliche Pf√§lzer Gem√ľtlichkeit genannt ‚Äď man setzt sich gerne zusammen an einen Tisch und speist und trinkt gemeinsam. Konsumwein wird traditionell aus Schoppengl√§sern getrunken, die eine Kapazit√§t von einem halben Liter haben. Oft handelt es sich dabei um das traditionelle Pf√§lzer ‚ÄěDubbeglas‚Äú, ein konisches Trinkgef√§√ü mit Eindellungen, das nicht so leicht aus der Hand rutscht. In beschaulicher Runde, etwa auf dem D√ľrkheimer Wurstmarkt oder anderen Weinfesten, ist es nicht un√ľblich, dass der Schoppen reihum gereicht wird.

Pf√§lzer werden eher als konservativ-liberal und tolerant angesehen. Wenn allerdings etwas nicht so l√§uft, wie es soll, k√∂nnen auch mal die ‚ÄěDonnerkeile‚Äú fliegen ‚Äď Dunnerkeidel ist ein gebr√§uchlicher pf√§lzischer Fluch. So waren Pf√§lzer ma√ügeblich am Bauernkrieg (1525), am Hambacher Fest (1832) und an der M√§rzrevolution (1848) beteiligt. Auf Grund der beiden letztgenannten Ereignisse gilt die Pfalz auch als ein Stammland der fr√ľhen deutschen National- und Demokratiebewegung. Andererseits hat die Pfalz als deutsches Grenzgebiet Jahrhunderte hindurch immer wieder Heimsuchungen durch Kriege erfahren, was wohl auch zu dem engen Zusammenhalt der Pf√§lzer gef√ľhrt hat. W√§hrend noch in den 1920er und 30er Jahren trotz dieser demokratischen Tradition die Verbitterung √ľber die franz√∂sische Besatzungsherrschaft und die wirtschaftlichen Probleme zu gro√üen Wahlerfolgen der Nationalsozialisten f√ľhrten, wurde die Pfalz nach 1945 zu einem Vorreiter der deutsch-franz√∂sischen Auss√∂hnung und der europ√§ischen Integration.

F√ľr den Typus des pf√§lzischen Politikers, der stets nahe an den Problemen der ‚Äěkleinen Leute‚Äú ist, aber gerne auch als provinziell verspottet wird, stehen in der Bundesrepublik u. a. Helmut Kohl und Kurt Beck.

F√ľr die genealogische Aufarbeitung des Pf√§lzer Raumes engagiert sich u. a. der Verein Pf√§lzisch-Rheinische Familienkunde.

Sprache

→ Hauptartikel: Pfälzische Dialekte
Gaststätte an der Deutschen Weinstraße

Die pf√§lzischen Dialekte geh√∂ren zu den westmitteldeutschen, genauer rheinfr√§nkischen Mundarten und sind noch weit verbreitet. Um ihre Bewahrung bem√ľhen sich die Pf√§lzer Mundartdichter, die regelm√§√üig in vier landesweiten Wettbewerben um Preise k√§mpfen: in Bockenheim, Dannstadt, Gonbach und Herschberg. W√§hrend der franz√∂sischen Zeit um 1800 gingen zahlreiche Ausdr√ľcke aus dem Nachbarland in den pf√§lzischen Wortschatz √ľber, die heute noch in der Mundart lebendig sind. Als Beispiele seien genannt ‚Äď alle auf der ersten Silbe betont ‚Äď ‚ÄěTrottwa‚Äú (trottoir, Gehweg), ‚ÄěBarreblee‚Äú (parapluie, Regenschirm) oder ‚ÄěSch√§sslong‚Äú (chaiselongue, Sofa).

Musik

Als inoffizielle Hymne der Region gilt ein 1869 entstandenes hochdeutsches Gedicht von Eduard Jost, das 1877 als Pfälzerlied vertont wurde. Seit den 1980er Jahren setzt die regionale Musik auch wieder vermehrt auf Texte in pfälzischer Mundart. Die Musik ist häufig rockig, oft bestehen die Gruppen nur aus Gitarristen und Sängern. Besonders auf Weinfesten und unter heimatorientierten Jugendlichen sind Bands wie GRABOWSKY oder die Anonyme Giddarischde sehr beliebt. Letztere haben auch die Mundarthymne Palzlied verfasst, die sich auf das oben genannte hochdeutsche Lied bezieht.

Kunst

‚Üí Liste: Rheinland-pf√§lzische K√ľnstler

Max Slevogt, Pfalzmaler
(1917 von Emil Orlik)

Die Landschaften und Bauwerke der Pfalz, besonders die Rebenh√ľgel entlang der Weinstra√üe und die Burgen des Pf√§lzerwaldes, haben eine Reihe von Malern und anderen K√ľnstlern inspiriert. Viele von ihnen haben in ihren Werken die Sch√∂nheiten und das Lebensgef√ľhl in der Pfalz vermittelt. In der Liste der Bildenden K√ľnstler in Rheinland-Pfalz sind diejenigen enthalten, die aus der Pfalz stammen oder diese zur Wahlheimat erkoren haben. N√§heres hierzu vermittelt z. B. Im Licht der Pfalz von Clemens J√∂ckle.[11]

In den Jahren 2009 und 2010 erregte ein Strafprozess Aufsehen, in dem es um den Diebstahl von rund 400 Werken ‚Äď √ľberwiegend Grafiken, Skizzen und Zeichnungen ‚Äď sowie von pers√∂nlichen Dingen aus dem Nachlass des Impressionisten Max Slevogt (1869‚Äď1932) ging, der als einer der bedeutendsten Pfalzmaler gilt. Eine Vertrauensperson der betagten Erben des K√ľnstlers hatte sich die Wertgegenst√§nde im Sch√§tzwert von 1,5 Mio. Euro nach und nach angeeignet und wurde rechtskr√§ftig zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Die fast vollz√§hlig sichergestellten Werke sollen in der Max-Slevogt-Galerie, die sich in der historischen Villa Ludwigsh√∂he bei Edenkoben befindet, mit den anderen Werken des K√ľnstlers zusammengef√ľhrt werden.[12]

K√ľche

‚Üí Hauptartikel: Pf√§lzer K√ľche
Läwwerknepp mit Sauerkraut, hier mit Brot und Wildkräutern als Dekoration

Die traditionelle Pf√§lzer K√ľche ist teilweise recht deftig und umfasst u. a. grobe Bratw√ľrste, Saumagen, Leberkn√∂del, ‚ÄěHandkees mit Musik‚Äú (Handk√§se mit Zwiebeln, K√ľmmel, Essig und √Ėl) sowie ‚ÄěFl√§√§schknepp‚Äú (in hei√üem Wasser gegarte Fleischkl√∂√üe), die typischerweise mit Meerrettichso√üe, Sauerkraut oder Weinknorzen, einer besonderen Art Roggenbr√∂tchen, serviert werden. Legend√§r sind die ‚ÄěGebreedelde‚Äú, die Pf√§lzer Bratkartoffeln, die h√§ufig mit Majoran gew√ľrzt und mit Speckst√ľckchen oder Leberwurst angereichert werden. Auch ‚ÄěGrumbeere (oder: Gequellde) mit wei√üem Kees‚Äú (Pellkartoffeln mit Quark) sind in der Pfalz ein beliebtes Gericht, ebenso Reibekuchen unter der Bezeichnung ‚ÄěGrumbeerpannekuche‚Äú. Als kleine St√§rkung, etwa bei der Arbeit im Wingert oder auf einem Ausflug, gelten Weck, Worscht un Woi, also Br√∂tchen, Fleischwurst und Wein. Backwaren sind z. B. Damp(f)nudle, die √ľblicherweise mit Weinso√üe gereicht werden, Quetschekuche, der mit salziger Grumbeersupp gegessen wird, und K√§rscheplotzer.

Sport

Fritz-Walter-Stadion mit dem Logo des 1. FC Kaiserslautern
Fritz Walter, Fußballer (1956)

Es gibt namhafte Sportler, die in der Pfalz geboren, aufgewachsen oder heimisch geworden sind. Als Beispiele aufgef√ľhrt seien die Fu√üballer Fritz Walter, Weltmeister 1954, Hans-Peter Briegel, Europameister 1980, J√ľrgen Kohler, Weltmeister 1990, und Miroslav Klose, Vizeweltmeister 2002. Der beinamputierte Leichtathlet Wojtek Czyz gewann zehn Goldmedaillen (Stand 2010), der Weitspringer Christian Reif wurde 2010 Europameister mit 8,47 m. Popul√§r waren in der zweiten H√§lfte des 20. Jahrhunderts auch Ringer Wilfried Dietrich und Boxer Karl Mildenberger.

Sportlichkeit ist allerdings keine typisch pf√§lzische Eigenschaft. Heimatverbundenheit √§u√üert sich dagegen vor allem bei der Beziehung zwischen dem Fu√üballclub 1. FC Kaiserslautern, der viermal die Deutsche Meisterschaft gewann, und seinen aus der gesamten Region kommenden Anh√§ngern. Das Fritz-Walter-Stadion auf dem Betzenberg in Kaiserslautern ist die bekannteste Sportst√§tte der Pfalz.

Literatur

  • Kurt Baumann: Von Geschichte und Menschen der Pfalz. Ausgew√§hlte Aufs√§tze von Kurt Baumann. Band 73, Ver√∂ffentlichungen der Pf√§lzischen Gesellschaft zur F√∂rderung der Wissenschaften, Speyer 1984.
  • Kurt Baumann und Paul Stroh: 1870. Diesseits und jenseits der Grenze. Verlag Arbogast, Otterbach, Kaiserslautern 1976.
  • Michael Geiger, G√ľnter Preu√ü und Karl-Heinz Rothenberger (Hrsg.): Pf√§lzische Landeskunde. Beitr√§ge zu Geographie, Biologie, Volkskunde und Geschichte. 3 B√§nde, Historisches Seminar der Universit√§t Landau, Landau in der Pfalz 1981.
  • Hansj√∂rg Gruber: Die Entwicklung der pf√§lzischen Wirtschaft 1816‚Äď1834 unter besonderer Ber√ľcksichtigung der Zollverh√§ltnisse. In: Ver√∂ffentlichungen des Instituts f√ľr Landeskunde. Band 6, Saarbr√ľcken 1962, ISBN 978-3-923877-06-5.
  • Sabine Kienitz: Die franz√∂sische Sprachenpolitik in der besetzten Pfalz 1918‚Äď1926. In: Mathias Beer, Dietrich Beyrau, Cornelia Rauh-K√ľhne (Hrsg.): Deutschsein als Grenzerfahrung. Minderheitenpolitik in Europa zwischen 1914 und 1950. Klartext Verlag, Essen 2009, ISBN 9783837500974.
  • Michael Konrad: Saach bloo√ü. Geheimnisse des Pf√§lzischen. Rheinpfalz Verlag, Ludwigshafen am Rhein 2006, ISBN 3-937752-02-1 (mehrere Folgeb√§nde).
  • Hans Erich Kubach: Die Pfalz. Reihe Deutsche Lande ‚Äď Deutsche Kunst. 2 Auflage. M√ľnchen, Berlin 1966.
  • K. H. Rothenberger, K. Scherer, F. Staab, J. Keddigkeit (Hrsg.): Pf√§lzische Geschichte. Band 1 und 2, Institut f√ľr pf√§lzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern 2002, ISBN 3-927754-43-9.
  • Johann Christoph Wagner: Der Pfaltz am Rhein Staat- Land- Staedt- und Geschicht-Spiegel. Verlegt bei Koppmayer, Augsburg 1690 (Online bei uni-mannheim.de).

Weblinks

 Commons: Pfalz ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Pfalz ‚Äď Quellen und Volltexte
 Wikisource: Topographia Palatinatus Rheni ‚Äď Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ SWR-Fernsehen, Reihe Fahr mal hin: Die Toskana der Pfalz ‚Äď Rund um Bad D√ľrkheim. 15. Juli 2008, abgerufen am 16. August 2010.
  2. ‚ÜĎ Institut f√ľr Fr√§nkisch-Pf√§lzische Geschichte und Landeskunde an der Universit√§t Heidelberg: Karte der Kurpfalz. Abgerufen am 23. M√§rz 2008.
  3. ‚ÜĎ Astrid von Schlachta: Gefahr oder Segen? Die T√§ufer in der politischen Kommunikation. G√∂ttingen 2009, S. 427.
  4. ‚ÜĎ Adam Sahrmann: Pfalz oder Salzburg? Geschichte des territorialen Ausgleichs zwischen Bayern und √Ėsterreich von 1813‚Äď1819. M√ľnchen und Berlin 1921
  5. ‚ÜĎ Bayerische Landeszentrale f√ľr politische Bildungsarbeit: Die Besatzung der Rheinlande nach der Franz√∂sischen Revolution. In: Themenheft 02/2006. Einsichten und Perspektiven, Bayerische Zeitschrift f√ľr Politik und Geschichte, abgerufen am 6. April 2008.
  6. ‚ÜĎ Wilhelm Volkert, Richard Bauer: Handbuch der bayerischen √Ąmter, Gemeinden und Gerichte 1799‚Äď1980. M√ľnchen 1983, S. 38
  7. ‚ÜĎ Heiner Haan: Bayern und die Pfalz 1816‚Äď1870. In: 7. Forschungsbericht. Universit√§t Regensburg, 1994‚Äď1997, abgerufen am 23. M√§rz 2008.
  8. ‚ÜĎ Helmut Gembries: Franz√∂sische Besetzung der Pfalz, 1918/19‚Äď1930. Historisches Lexikon Bayerns, 9. Februar 2010, abgerufen am 7. Juni 2010.
  9. ‚ÜĎ Staatsvertrag: Staatsvertrag zwischen den L√§ndern Baden-W√ľrttemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz √ľber die Zusammenarbeit bei der Raumordnung und Weiterentwicklung im Rhein-Neckar-Gebiet. Metropolregion Rhein-Neckar, 26. Juli 2005, abgerufen am 23. M√§rz 2008. (Link nicht mehr abrufbar)
  10. ‚ÜĎ Celia Applegate: Zwischen Heimat und Nation: Die pf√§lzische Identit√§t im 19. und 20. Jahrhundert. Deutsch von Susanne Hagemann, Bezirksverband Pfalz, Institut f√ľr pf√§lzische Geschichte, 2007 (√úbersetzung von A Nation of Provincials. University of California Press, 1990); insbes. Kap. 1 und 2
  11. ‚ÜĎ Clemens J√∂ckle: Im Licht der Pfalz. √úber die Entdeckung der Pfalz als Mallandschaft. In: Karl-Friedrich Gei√üler u. a. (Hrsg.): Die Pfalz macht Spa√ü. Verlag K. F. Gei√üler, Edenkoben 1998, ISBN 3-933086-12-4, S. 82‚Äď87.
  12. ‚ÜĎ Die Rheinpfalz, Ludwigshafen: Urteil im Slevogt-Prozess best√§tigt, 30. September 2010

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