Pfälzischer Erbfolgekrieg

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Pfälzischer Erbfolgekrieg


Der Pf√§lzische Erbfolgekrieg (1688‚Äď1697), auch Orl√©ansscher Krieg oder Neunj√§hriger Krieg genannt, wurde durch den Tod des Kurf√ľrsten von der Pfalz Karl II., Sohn von Karl I. Ludwig, ausgel√∂st. Der Krieg fand in der Region der Kurpfalz sowie gro√üen Teilen S√ľdwestdeutschlands statt und geh√∂rt zu den franz√∂sischen Reunionskriegen, mit denen die franz√∂sische Politik im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts eine aggressive milit√§rische Expansion zu betreiben suchte, daher auch die fr√ľher √ľbliche Bezeichnung ‚ÄěRaubkriege‚Äú. Er wird von Historikern zu den Kabinettskriegen gez√§hlt.

Kampfgebiete im Pfälzer Erbfolgekrieg 1688/89, visualisiert auf den heutigen deutschen Grenzen

Inhaltsverzeichnis

Anlass

Kurf√ľrst Karl I. Ludwig, der Sohn Friedrichs V., des Winterk√∂nigs, hatte urspr√ľnglich beabsichtigt, das politische Verh√§ltnis zum angrenzenden Frankreich durch die Hochzeit seiner Tochter Elisabeth Charlotte (Liselotte von der Pfalz) mit Herzog Philipp von Orl√©ans, dem Bruder des franz√∂sischen ‚ÄěSonnenk√∂nigs‚Äú Ludwig XIV., zu stabilisieren.

Frankreich sah einen strategischen Vorteil darin, dass Kaiser und Reich im T√ľrkenkrieg gebunden waren. Klares Kriegsziel war die Sicherung und der Ausbau franz√∂sischer Gebiete auf Reichsboden und die Gewinnung der Rheingrenze.

Um die finanziellen Belastungen des Wiederaufbaus nach dem Drei√üigj√§hrigen Krieg zu bew√§ltigen, hatte Kurf√ľrst Karl Ludwig 1657 einen Freundschafts- und Subsidienvertrag mit Frankreich geschlossen, den der franz√∂sische K√∂nig Ludwig XIV. als politischen Hebel im Reich benutzen wollte. Zwar wurde dieser Vertrag schon 1660 nicht mehr verl√§ngert, doch war der Kurf√ľrst schon 1663 wieder auf franz√∂sische Hilfe angewiesen, um seine Rechte im Wildfangstreit 1664 bis 1666 mit den Nachbarn im Reich durchzusetzen.

Im Zusammenhang mit dem Ziel der franz√∂sischen Politik, die Kurpfalz enger an Frankreich zu binden, ist auch das Heiratsprojekt zwischen Karl Ludwigs Tochter Elisabeth Charlotte und dem Bruder Ludwigs XIV, dem Herzog Philippe von Orleans, zu sehen. Das Projekt geht auf die Vermittlung Anna Gonzagas, der Schw√§gerin des Kurf√ľrsten, und ihre Verbindungen zum franz√∂sischen Hof zur√ľck. Ludwig XIV. beabsichtigte damit eine enge politische Verbindung mit der Kurpfalz einzugehen, um seinen Einfluss im Reich zu wahren; dass der Sohn des Kurf√ľrsten seiner Schwester an Vitalit√§t erheblich nachstand und sich von daher gewisse Chancen auf ein Erbe er√∂ffneten, mag unzweifelhaft eine Rolle gespielt haben. Der Ehevertrag sah zwar den Verzicht der pf√§lzischen Braut auf ihre territorialen Anspr√ľche im Reich vor, aber die allodialen Besitzungen blieben davon ausgenommen.

Schon die folgenden Jahre sollten dem franz√∂sischen K√∂nig zeigen, dass Karl Ludwig keineswegs der feste und unverbr√ľchliche B√ľndnispartner und Sachwalter franz√∂sischer Interessen war, den er sich erhofft hatte. In der sich anbahnenden Auseinandersetzung des Holl√§ndischen Kriegs konnte es f√ľr den Kurf√ľrsten keine wirkliche Entscheidung zu Gunsten Frankreichs geben, so dass er sich auf die Seite des Kaisers schlug.

Nach dem Tod des Kurf√ľrsten 1680, dem kinderlosen Tod seines Sohnes, des gerade 34j√§hrigen Kurf√ľrsten Karl II., 1685 und dem Regierungsantritt des Herzogs Philipp Wilhelm von Pfalz-Neuburg als Kurf√ľrst in Heidelberg √§nderte sich die politische Lage f√ľr Frankreich. Der neue Kurf√ľrst trat bereits 1686 der Augsburger Allianz bei, in der sich die Niederlande, der Kaiser, K√∂nig Karl II. von Spanien und Herzog Viktor Amadeus von Savoyen gegen die franz√∂sische Reunionspolitik verb√ľndet hatten. Auch sonst machte er, besonders in seiner Heiratspolitik, keinen Hehl aus seiner antifranz√∂sischen Haltung. Seine Tochter Maria heiratete 1687 K√∂nig Peter II. von Portugal, ihre Schwester Maria Anna K√∂nig Karl II. von Spanien. Das musste f√ľr Ludwig XIV. wie eine Neuauflage der habsburgisch-spanischen Koalition des 16. Jahrhunderts wirken.

Dazu kam, dass der Kaiser seit dem Sieg √ľber die t√ľrkischen Belagerer von Wien 1683 in Ungarn gro√üe milit√§rische Erfolge errang und √ľber kurz oder lang Frankreich vor erhebliche Probleme stellen konnte. Zudem hatte Ludwig XIV. durch seine Einmischung in den K√∂lner Bistumsstreit erhebliche Sympathien im Reich verloren. Eine milit√§rische Auseinandersetzung, um die Reunionen auf dem linken Rheinufer zu sichern, war also gewisserma√üen das Gebot der Stunde.

Anlass f√ľr die franz√∂sische Politik war der Anspruch auf das Erbe der Liselotte von der Pfalz, das im Heiratsvertrag nur unzureichend umschrieben war. Kurf√ľrst Karl Ludwig hatte zwar Verf√ľgungen in Geld und Naturalien in seinem Testament anerkannt, w√§hrend Kurf√ľrst alle Anspr√ľche in seinem Testament wiederum abgelehnt und Liselotte enterbt hatte, aber Ludwig XIV. lie√ü dieses Testament durch das Pariser Parlament f√ľr nichtig erkl√§ren. Da es dem K√∂nig nur vordergr√ľndig um das pf√§lzische Erbe ging, war es hier nur notwendig, die Auseinandersetzung selbst am Laufen zu halten.

Kriegsverlauf

Zeittafel

1688
  • 24. September: Franz√∂sische Truppen besetzen K√∂ln
  • 19 Oktober: Franz√∂sische Truppen besetzen Mainz
  • 29. Oktober: Einnahme von Philippsburg durch franz√∂sische Truppen
  • Oktober/November: Belagerung von Koblenz, die Stadt konnte aber nicht eingenommen werden
  • Ende Dezember: Jakob II. von England flieht nach seiner Absetzung nach Frankreich
1689
  • 22. M√§rz: Jakob II. landet in Irland
  • 21. April: Marie II. und Wilhelm III. werden zu K√∂nigin und K√∂nig von Gro√übritannien und Irland gekr√∂nt
  • 11. Mai: Franz√∂sischer Seesieg in der Schlacht in der Bucht von Bantry
  • 12. Mai: Allianz zwischen den Vereinigten Niederlanden und Kaiser Leopold I.
  • Mai: Franz√∂sische Truppen dringen in Katalonien bis Gerona vor.
  • Juni: Verw√ľstung der Pfalz durch franz√∂sische Truppen
  • 10. September: Franz√∂sische Niederlage bei Mainz, R√ľckeroberung der Stadt durch kaiserliche Truppen
  • 10. Oktober: Franz√∂sische Niederlage bei Bonn
1690
  • 1. Juli: Der Marschall von Luxembourg erringt bei Fleurus einen Sieg
  • 10. Juli: Franz√∂sischer Seesieg am Cap B√©veziers (Beachy Head)
  • 11. Juli: Niederlage Jakobs II. in der Schlacht am Boyne
  • 18. August: Marschall de Catinat schl√§gt den Herzog von Savoyen in der Schlacht von Staffarda
1691
  • 25. M√§rz: Marschall de Catinat bem√§chtigt sich der Stadt Nizza
  • 8. April: Ludwig XIV. nimmt Mons ein
  • Mai ‚Äď August: Tourville patrouilliert zum Schutz der K√ľsten Frankreichs
  • 16. Juli: Tod von Louvois
  • 3. Oktober: Endg√ľltige Niederlage der Jakobiten bei Limerick (Irland)
1692
  • 19 Mai: Seeschlacht bei La Hogue
  • 29. Mai ‚Äď 3. Juni: Die bei La Hogue eingeschlossene franz√∂sische Flotte erleidet schwere Verluste durch die britisch-niederl√§ndische Flotte. Die Schlacht von La Hogue ist die entscheidende Seeschlacht w√§hrend des Kriegs
  • 30. Juni: Franz√∂sische Einnahme von Namur
  • 3. August: Marschall de Luxembourg schl√§gt Wilhelm III. in der Schlacht von Steenkerke
  • 17. September: Marschall de Lorges schl√§gt den Herzog Karl von W√ľrttemberg bei Pforzheim
1693
  • 22. Mai: Franz√∂sische Truppen nehmen Heidelberg ein und zerst√∂ren die Stadt
  • 9. Juni: Marschall de Noailles nimmt Rosas in Katalonien ein
  • 26-29. Juni: Tourville schl√§gt den englischen Admiral George Rooke in der Schlacht von Lagos an der portugiesischen K√ľste
  • 29. Juli: Marschall de Luxembourg schl√§gt Wilhelm III. in der Schlacht von Neerwinden
  • 4. Oktober: Marschall de Catinat schl√§gt den Herzog von Savoyen und den Prinzen Eugen bei La Marsaille
  • Im Alter von 55 Jahren und nach 43 Jahren im Krieg verzichtet Ludwig XIV. darauf, pers√∂nlich den Krieg zu f√ľhren.
1694
  • Mai: Offensive des Marschalls de Noailles in Katalonien
  • 18. Juni: Britische Truppen versuchen bei Camaret, in der N√§he von Brest, zu landen
  • Ende Juni: Jean Bart bem√§chtigt sich eines niederl√§ndischen Konvois bei Texel
  • August: Marschall de Luxembourg riegelt die franz√∂sische Nordgrenze ab.
1695
  • 4. Januar: Tod des Marschalls de Luxembourg
  • August: Briten beschie√üen Dunkerque
  • 14.-15. August: Marschall de Villeroy beschie√üt Br√ľssel, die Stadt brennt ab
  • September: Wilhelm III. von Oranien erobert Namur zur√ľck
1696
  • Juni: Jean Bart kapert niederl√§ndische Handelsschiffe an der Dogger Bank
  • 29. August: Friede von Turin zwischen Frankreich und Savoyen
1697
  • 3. Mai: Franz√∂sische Truppen nehmen Cartagena ein (in Neu-Granada/ Kolumbien)
  • 10. August: Der Herzog de Vend√īme und Admiral d'Estr√©es nehmen Barcelona ein
  • September ‚Äď Oktober: Der Friede von Rijswijk beendet den Krieg

Deutschland

Frankreich versuchte seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, indem es 1688 in die Pfalz und das linksrheinische Gebiet einfiel.

Schon im Verlauf der ersten Kriegswochen ergaben sich die Festungen Philippsburg, Mainz und Mannheim den Angreifern, auch Heidelberg wurde kaum verteidigt und den Franzosen √ľbergeben. Franz√∂sische Truppen griffen weit dar√ľber hinaus bis Ulm und Mergentheim aus, um das Land auszupl√ľndern und Kontributionen einzutreiben. So wurden Heidelberg, Mannheim, Speyer, Worms und weitere Orte verw√ľstet. Bei dem Versuch, die Kaiserdome in Speyer und Worms zu zerst√∂ren, brannte der Wormser Dom v√∂llig aus und der Speyerer Dom wurde so stark besch√§digt, dass das westliche Langhaus einst√ľrzte und der Westbau teilweise abgetragen werden musste.

Bei den militärischen Operationen in Deutschland kam es zu keiner einzigen Feldschlacht. Das Ziel der Franzosen war vielmehr, den Gegner durch gezielte Zerstörungen unter Druck zu setzen. Ziel der Reichsarmee war es, den Franzosen ein weiteres Vordringen auf deutsche Gebiete (Schwaben, Franken) unmöglich zu machen, was teilweise auch gelang. Eigene offensive Aktionen auf linksrheinische Gebiete fanden dagegen nicht statt.

Der Schw√§bische Reichskreis fand mit seiner schwerf√§lligen Organisation nur langsam zum milit√§rischen Widerstand, kurs√§chsische Truppen konnten allerdings die Franzosen aus dem Neckartal und dem Odenwald wieder hinausdr√§ngen. In dieser Situation, wo die franz√∂sischen Truppen sich einer erstarkenden milit√§rischen Kraft des Reichs gegen√ľber sahen, wurde der Plan einer systematischen Zerst√∂rung der Pfalz umgesetzt, um das Aufmarschgebiet im Vorfeld der franz√∂sischen Festungen f√ľr die Reichstruppen unbrauchbar zu machen.

Ab dem Januar 1689 wurden planm√§√üig 11 D√∂rfer des Oberamts Heidelberg s√ľdlich des Neckars niedergebrannt, nachdem die Bewohner vertrieben waren. Vor dem Widerstand kurs√§chsischer Truppen bei Weinheim wichen die Franzosen zur√ľck und legten unter Ausschreitungen gegen die Bev√∂lkerung Handschuhsheim in Schutt und Asche. In Heidelberg wurden nur die Befestigungen von Schloss und Stadt gesprengt, der franz√∂sische Stadtkommandant Graf Tess√© begn√ľgte sich seinen Oberen gegen√ľber mit einigen kleineren Feuern in der Stadt, die letztlich nur 34 H√§user zerst√∂rten. Mannheim dagegen wurde als Festungsstadt dem Erdboden gleichgemacht.

Die franz√∂sischen Truppen wandten sich daraufhin nach S√ľden und setzten ihr Zerst√∂rungswerk am mittleren Oberrhein (Durlach und Pforzheim) und im Kraichgau (Bretten) fort.

Nachdem die verb√ľndeten Reichstruppen im September 1689 Mainz zur√ľckerobern konnten (siehe Belagerung von Mainz (1689)), gingen die Franzosen auch dazu √ľber, das linksrheinische Gebiet n√∂rdlich einer Linie Philippsburg ‚Äď Neustadt ‚Äď Kaiserslautern ‚Äď Mont Royal planm√§√üig zu zerst√∂ren, vor allem die pf√§lzischen Ober√§mter Oppenheim und Alzey, aber auch die Reichsst√§dte Speyer und Worms samt ihren romanischen Bischofskirchen. Der milit√§rische Effekt der verbrannten Erde wurde allerdings durch einen ungeheuren Einbruch der √∂ffentlichen Meinung zu Ungunsten Frankreichs und seines Zerst√∂rungswerks erkauft.

Im vierten Kriegsjahr, 1692, als milit√§rische Erfolge ausblieben, Ludwig XIV. allerdings auf einen ‚Äěmedienwirksamen‚Äú Erfolg angewiesen war, wurden die Kampfhandlungen durch einen Vorsto√ü an den n√∂rdlichen Oberrhein wieder aufgenommen. Einerseits, um einen schnellen Erfolg verbuchen zu k√∂nnen, andererseits, um die Reichstruppen unter Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden √ľber die taktischen Ziele im Unklaren zu lassen, wurde Heidelberg nach kurzer Belagerung am 22. Mai 1693 erneut eingenommen.

Die franz√∂sischen und vor allem die jakobitischen Truppen, im Gef√ľhl ihres schnellen und lang erwarteten Siegs, fielen stark alkoholisiert und durch ihre eigenen Offiziere kaum gehindert √ľber die Heidelberger Bev√∂lkerung her und richteten ein Massaker an, bei dem Br√§nde ausbrachen, die schlie√ülich binnen Kurzem die ganze Stadt in Schutt und Asche legten. Auch das 1689 nur an wenigen Stellen begonnene Zerst√∂rungswerk am Schloss wurde vollendet.

Die antifranz√∂sische Publizistik im Reich sch√∂pfte vor allem aus den Berichten aus Heidelberg selbst und nannte den franz√∂sischen K√∂nig schlimmer als die T√ľrken. Dieser, obwohl die fl√§chige Zerst√∂rung der Stadt so nicht beabsichtigt gewesen war, lie√ü die Eroberung und Zerst√∂rung durch ein Te Deum und die Pr√§gung einer Medaille mit der Aufschrift ‚ÄěHeidelberga deleta‚Äú feiern.

In den folgenden Jahren zog sich der Krieg hin, Markgraf Ludwig Wilhelm, der ‚ÄěT√ľrkenlouis‚Äú, konnte, vor allem durch die Verschanzung der Eppinger Linien, die Franzosen an einem weiteren Vordringen hindern. Zu kriegsentscheidenden Feldschlachten kam es nicht.

Französische Unternehmungen gegen Großbritannien

Die Schlacht von Barfleur, 29. Mai 1692 von Richard Paton, gemalt im 18. Jahrhundert

Mit franz√∂sischer Hilfe gelang es 1689 dem vormaligen englischen K√∂nig Jakob II. (gest√ľrzt 1688 durch Wilhelm von Oranien) zun√§chst, fast ganz Irland zu erobern. Diese Eroberungen gingen aber schnell wieder verloren, nachdem der als Wilhelm III. auf den K√∂nigsthron gekommene Oranier auf der irischen Insel landete. Jakob II. floh nach Frankreich.

1692 versuchten die Franzosen ein zweites Mal, Jakob II. auf den englischen Thron zur√ľckzubringen. Diesmal sollten Truppen direkt nach England √ľbersetzen, 30.000 Mann und eine gro√üe Transportflotte standen zur Verf√ľgung. Es gelang aber den Engl√§ndern und Holl√§nder in den Seeschlachten von Barfleur und La Hougue (28. Mai bis 2. Juni), die franz√∂sische Flotte zu schw√§chen, womit ein √úbersetzen nach England unm√∂glich wurde. Jedoch errang Admiral Tourville schon 1693 vor Lagos erneut einen Seesieg f√ľr Frankreich.

Italien

Relativ leichtes Spiel hatte Frankreich in Italien, da die √Ėsterreicher gegen die T√ľrken gebunden waren. Es gelang hier in kurzer Zeit, ganz Savoyen zu erobern. Dieses Faustpfand hatte in den sp√§teren Friedensverhandlungen aber wenig Wirkung, Frankreich musste auch diese Eroberung im Vertrag von Vigevano 1696 wieder aufgeben.

Niederlande

Schlacht von Fleurus

In den Niederlanden f√ľhrte Frankreich gegen ein verb√ľndetes Heer aus Deutschen (aus verschiedenen Reichsteilen, z. B. Brandenburg[1]), Engl√§ndern und Niederl√§ndern Krieg. Das franz√∂sische Heer wurde von dem Marschall von Luxemburg gef√ľhrt und errang drei Siege in Feldschlachten:

  • Schlacht von Fleurus am 1. Juli 1690 gegen die verb√ľndeten Deutschen und Holl√§nder unter dem F√ľrsten von Waldeck: Frankreich verlor 3.000 Mann, die Verb√ľndeten 9.000
  • Schlacht von Steenkerke am 3. August 1692 gegen die verb√ľndeten Truppen unter der F√ľhrung des englischen K√∂nigs Wilhelm III.[2]
  • Schlacht von Neerwinden am 29. Juli 1693, erneut gegen Wilhelm III.: Frankreich verlor 9.000 Mann, die Verb√ľndeten 19.000.[3]

Auch auf diesem Schauplatz gab es keinen wirklichen Sieger. Den Verb√ľndeten gelang es trotz ihrer milit√§rischen Unterlegenheit, die Stellung weitestgehend zu behaupten und den Franzosen gelang es, weiterhin das Kriegsgeschehen auf Reichsgebiet auszutragen.

Seekrieg

Der Kampf zwischen Frankreich einerseits und England mit seinen Verb√ľndeten Spanien und den Niederlanden andererseits fand haupts√§chlich zur See statt. Schauplatz waren insbesondere der √Ąrmelkanal, aber auch Westindien (Eroberung von Cartagena durch die Franzosen 1697) und Neufundland.

In der franz√∂sischen Geschichte hinterlie√üen die Erfolge des Kaperkapit√§ns Jean Bart einen bleibenden Eindruck. Zusammen mit anderen Kaperkapit√§nen gelang es ihm zwischen 1692 und 1697, insgesamt √ľber 4.000 Schiffe zu erbeuten.

Auf den Friedensschluss hatten diese Auseinandersetzungen zur See wenig Einfluss.

Friedensschluss

1697 wurde der Pf√§lzische Erbfolgekrieg durch den Frieden von Rijswijk beendet. Die ehemalige deutsche Reichsstadt Stra√üburg, Lothringen und das gesamte Elsass wurden endg√ľltig franz√∂sisch.

Der schlie√ülich 1697 in Rijswijk geschlossene Friede kam nicht durch eine milit√§rische Entscheidung am Oberrhein zu Stande, sondern durch Verhandlungen der Seem√§chte Gro√übritannien und der Niederlande mit Frankreich. Der Kaiser musste die ausgehandelten Bedingungen akzeptieren, und auch Kurf√ľrst Johann Wilhelm konnte mit seinen Forderungen nach Ersatz der Kriegssch√§den, vor allem f√ľr die Zerst√∂rung von Mannheim, Heidelberg und Frankenthal, nicht durchdringen.

Frankreich konnte zwar seine Annexionen von 1648 im Elsass samt dem 1681 eingenommenen Stra√üburg behalten, musste jedoch seine Reunionen au√üerhalb des Elsass zur√ľckgeben, auch das besetzt gehaltene Germersheim.

Im Zusammenspiel zwischen dem Kaiser, Frankreich und dem (katholischen) Kurf√ľrsten wurde die sog. ‚ÄěRijswijker Klausel‚Äú in den Vertrag aufgenommen, die den von den Franzosen eingef√ľhrten konfessionellen Stand in den zur√ľckgegebenen linksrheinischen Gebieten festschrieb. In ihr zeigte sich der gegenreformatorische Kurs des Pfalz-Neuburger Kurf√ľrsten Johann Wilhelm.

Auswirkungen

Obwohl der Gewinn des Elsass mit einigen Unterbrechungen bis heute Bestand hat, war der Krieg f√ľr Frankreich kein Erfolg, denn es konnte keine weiteren territorialen Forderungen durchsetzen. Er belastete insbesondere den Staatshaushalt immens und einige in vorherigen Kriegen erworbene Anspr√ľche gingen verloren. Zeit zur Konsolidierung der Staatsfinanzen hatte Frankreich kaum, denn schon 1700 zog durch den Tod des spanischen K√∂nigs der n√§chste gro√üe Krieg, der Spanische Erbfolgekrieg, Europa in seinen Bann.

Gro√übritannien konnte hier den Grundstein f√ľr seine sp√§tere Vorherrschaft zur See legen, da die franz√∂sische Flotte nach der Seeschlacht von La Hougue (1692) geschw√§cht war und gleichzeitig auch die verb√ľndeten Niederl√§nder gro√üe Verluste hinnehmen mussten.

Das brutale und in der Kriegsgeschichte der Neuzeit beispiellose Vorgehen der franz√∂sischen Armee in Deutschland (insbesondere die planvollen Zerst√∂rungen des General M√©lac) erzeugte antifranz√∂sischen Unmut, der sp√§ter Eingang in den deutschen Nationalismus des 19. und 20. Jahrhunderts fand, insbesondere die Vorstellung einer ‚Äědeutsch-franz√∂sischen Erbfeindschaft‚Äú.[4]

Siehe auch

Literatur

Zum Landkrieg in Deutschland:

  • Georg Ortenburg (Hrsg.), Siegfried Fiedler: Kriegswesen und Kriegf√ľhrung im Zeitalter der Kabinettskriege. Bernhard & Graefe Verlag, Augsburg 1986, ISBN 3-7637-5478-4.
  • Max Plassmann: Krieg und Defension am Oberrhein. Die vorderen Reichskreise und Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden (1693-1706). Duncker & Humblot, Berlin 2000, ISBN 3-428-09972-9.

Zum Landkrieg in Irland:

  • Michael McNally: Battle of the Boyne 1690 - The Irish campaign for the English crown. Osprey Publishing, 2005, ISBN 1-84176-891-X.

Zum Landkrieg in den Niederlanden:

  • John A Lynn: The French Wars 1667‚Äď1714 - The Sun King at war. Osprey Publishing, 2005, ISBN 1-84176-361-6.

Zum Seekrieg:

  • Helmut Pemsel: Seeherrschaft Band I. Bernhard & Graefe Verlag, Augsburg 1996, ISBN 3-89350-711-6.
  • Heinz Neukirchen: Seemacht im Spiegel der Geschichte. Transpress Verlag, Berlin 1982.

Zu Mélac

  • Michael Martin: M√©lac! In: DIE ZEIT. 20/2004.

Weblinks

 Commons: Nine Years' War ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ 1. Garderegiment zu Fu√ü.
  2. ‚ÜĎ http://blae.net/douglas/Battles/steinkirk.htm
  3. ‚ÜĎ Battle of Landen. in der engl. Wikipedia
  4. ‚ÜĎ M. Martin: M√©lac! In: Die Zeit. 20/2004.

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Synonyme:

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