Plutarch

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Plutarch

Plutarch (griechisch Î Î»ÎżÏÏ„Î±ÏÏ‡ÎżÏ‚, lateinisch: Plutarchus; * um 45 in Chaironeia; † um 125) war ein griechischer Schriftsteller und Verfasser zahlreicher biographischer und philosophischer Schriften. Durch große literarische und philosophische Bildung und umfassende Gelehrsamkeit gilt er in der griechischen Literaturgeschichte als einer der wichtigsten Vertreter des Attizismus. Sein bekanntestes Werk, die Parallelbiographien, stellt jeweils die Lebensbeschreibung eines Griechen und eines Römers vergleichend einander gegenĂŒber – daher wird er auch zu den Geschichtsschreibern gerechnet. Durch solche Vergleiche versuchte Plutarch einerseits, das Gemeinsame und AllgemeingĂŒltige herauszuarbeiten, anderseits die Gleichwertigkeit griechischer und römischer Kultur zu betonen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Historischer Kontext

Plutarch lebte zu einer Zeit, in der das römische Reich den Höhepunkt seiner Expansion erreichte. Er erhielt seine Ausbildung unter der Herrschaft Neros, dem er 66 auch persönlich begegnete. Der Hauptteil seines Lebens fĂ€llt in die Regierungszeit der Flavier (69 bis 96), seine Parallelbiographien entstanden nach 96. Er dĂŒrfte wĂ€hrend der Regierungszeit Hadrians gestorben sein.[1] Nach seinem Tod errichteten die Einwohner Delphis zusammen mit denen seiner Heimatstadt Chaironeia eine BĂŒste mit seinem PortrĂ€t.

Zur Zeit Plutarchs gab es fĂŒr Rom keine ernsthaften Ă€ußeren Gegner mehr. Die griechischen Stadtstaaten hatten bereits mit der Eroberung Korinths durch den römischen Feldherrn Lucius Mummius 146 v. Chr. ihre politische Freiheit verloren und waren in römische Provinzen eingegliedert worden. Sie behielten eine begrenzte lokale Autonomie, standen jedoch unter der Amtsgewalt römischer Statthalter. Athen blieb zwar weiterhin der Mittelpunkt von Philosophie und Bildung, bĂŒĂŸte seine Bedeutung fĂŒr den Handel jedoch nahezu vollstĂ€ndig ein. Die griechische Kultur erlebte hingegen in den ersten Jahrhunderten n. Chr. eine neue BlĂŒte. Die Kaiser Tiberius, Nero und Hadrian förderten den Wiederaufbau der zerstörten StĂ€dte, insbesondere Athens. Sie versuchten, durch die Wiederbelebung des kommunalen Lebens und durch Förderung der Kultur eine Aussöhnung zu bewirken, die es ermöglichen sollte, dass alle Völker des römischen Reiches dieses als ihre gemeinsame Heimat anerkennen konnten. Dies fĂŒhrte zu einer Verbesserung der Situation der Griechen und ihrer Kultur im Reich. Latein war zwar Amtssprache, Griechisch blieb aber Hoch- und Kultursprache im gesamten östlichen Mittelmeerraum und damit ĂŒber die Grenzen des ursprĂŒnglich griechischen Sprachgebiets hinaus. FĂŒr die Eliten Roms war es fast selbstverstĂ€ndlich, auch Griechisch zu beherrschen. Viele vornehme Römer studierten in Athen, und die Kaiser wendeten sich den griechischen KulturgĂŒtern zu. Eine Romanisierung der griechischen Bevölkerung blieb, anders als in vielen anderen Teilen des Reiches, aus. Der Aufschwung beschrĂ€nkte sich allerdings weitgehend auf die StĂ€dte, wĂ€hrend viele lĂ€ndliche, darunter auch agrarisch fruchtbare, Regionen verarmten und aufgrund der Abwanderung ihrer Einwohner in die StĂ€dte verödeten.

Familie und Ausbildung

Plutarch stammte aus Chaironeia in Böotien, wo er gemeinsam mit zwei BrĂŒdern, Lamprias und Timon, aufwuchs. Seine Familie lebte seit mindestens drei Generationen in Chaironeia. Sie gehörte zur alteingesessenen örtlichen Oberschicht und legte großen Wert auf Bildung. Die Familientradition wird jedoch in Plutarchs Werken nur bis zum Großvater Nikarchos ĂŒberliefert. In seinen Schriften Ă€ußert Plutarch sich besonders positiv ĂŒber seinen Großvater Lamprias, der hĂ€ufig als Dialogpartner in seinen Moralia erscheint. Hingegen wird sein Vater Autobulos nĂŒchterner dargestellt, da dieser in der Philosophie weniger versiert gewesen sei. Seine Mutter erwĂ€hnt Plutarch nicht, was auf ihren frĂŒhen Tod schließen lĂ€sst.[2] Der Wohlstand seiner Familie erlaubte es ihm, zahlreiche Reisen zu unternehmen und in Athen, dem antiken Zentrum philosophischer Bildung, bei dem platonischen Philosophen Ammonios zu studieren, der sein weiteres intellektuelles Leben prĂ€gte. Außerdem wurde er mit verschiedenen anderen athenischen Philosophenschulen bekannt, vor allem der Stoa. Er verfasste lĂ€ngere Streitschriften gegen Epikureer und Stoiker, die wichtige Quellen fĂŒr die Geschichte dieser beiden Schulen sind. Nach seiner Ausbildung in Athen kehrte er nach Chaironeia zurĂŒck.

Leben in Chaironeia

Ruinen des Apollontempels in Delphi, wo Plutarch ab 95 n. Chr. als Priester tÀtig war

Plutarch lebte mit seiner Ehefrau Timoxena auf dem ererbten vĂ€terlichen Gut und fĂŒhrte mit ihr eine glĂŒckliche Ehe. Das genaue Datum der Heirat ist aus den Quellen nicht erkennbar. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass er die Ehe gemĂ€ĂŸ der ĂŒblichen Praxis in recht jungen Jahren geschlossen hat, wohl vor Vollendung des 25. Lebensjahres.[3] Mit seiner Frau hatte Plutarch vier Kinder, drei Söhne und als jĂŒngstes eine Tochter, die sich die Mutter besonders gewĂŒnscht hatte, und die deshalb nach ihr Timoxena benannt wurde. Allerdings starb die Tochter schon im Alter von zwei Jahren, und auch der Ă€lteste Sohn Soklaros muss kurz nach dem 12. Lebensjahr gestorben sein, weil er in den Schriften Plutarchs spĂ€ter nicht mehr erwĂ€hnt wird. Vermutlich haben nur die beiden Söhne Autobulos, benannt nach dem Großvater, und Plutarchos den Vater ĂŒberlebt.[4]

Nach der RĂŒckkehr von seinen Studien in Athen ĂŒbernahm Plutarch zahlreiche politische Ämter, vornehmlich in seiner Heimatstadt Chaironeia und zeitweise auch in der Provinz Achaia (Griechenland). Er war unter anderem Leiter der Baupolizei und des öffentlichen Bauwesens in Chaironeia und hatte dort auch zahlreiche priesterliche Ämter inne. Seit etwa 95 versah er ein Priesteramt am Apollontempel von Delphi. ZusĂ€tzlich leitete er in seinem Heimatort eine private Akademie. An dieser Akademie beteiligten sich zunĂ€chst Angehörige seiner eigenen Familie sowie Freunde und deren Verwandte, spĂ€ter auch Familien von außerhalb, die ihre Söhne zur Schule Plutarchs nach Chaironeia schickten. An der Akademie bildete sich bald ein großer Freundes- und Bekanntenkreis. Hier wurde Unterricht in Philosophie erteilt, zum einen durch VortrĂ€ge, zum anderen in Dialogform. Die Werke Platons spielten hierbei eine wichtige Rolle. Die Ethik stand im Mittelpunkt. Außerdem wurden Themen aus Politik, Mathematik, Musik und Astronomie diskutiert.

Reisen

Plutarch verbrachte den grĂ¶ĂŸten Teil seines Lebens in Chaironeia und fĂŒhlte sich seinem Heimatort verbunden, unternahm jedoch zahlreiche Reisen, auf denen er die griechische Heimat, Kleinasien (Sardeis oder Ephesos), das Ă€gyptische Alexandria und mehrmals Rom besuchte.

In Rom hielt er vor grĂ¶ĂŸerem Publikum philosophische VortrĂ€ge in griechischer Sprache. Er scheint gewisse Lateinkenntnisse besessen zu haben, die jedoch erst in seinen spĂ€teren Werken in Form von LektĂŒre lateinischer Autoren ihren Niederschlag fanden. In Rom knĂŒpfte er zahlreiche freundschaftliche Kontakte zu prominenten Römern. Von seinem Freund Mestrius Florus, einem Freund des Kaisers Vespasian, nahm er den römischen Gentilnamen Mestrius an. Sein römischer Name ist daher Mestrius Plutarchus. Allerdings ist offen, wann dies geschah und ob die Verleihung des römischen BĂŒrgerrechts bei einem seiner Aufenthalte in Rom oder schon vorher erfolgte. Plutarch selbst erwĂ€hnt in seinen erhaltenen Schriften seinen römischen Namen und sein römisches BĂŒrgerrecht nicht, was darauf zurĂŒckgefĂŒhrt wurde, dass er sich dafĂŒr zu sehr als Grieche gefĂŒhlt habe.[5] Allerdings gibt Plutarch Auskunft ĂŒber eine gemeinsame Reise mit Mestrius Florus zu den SchauplĂ€tzen der BĂŒrgerkriegsepoche des Vierkaiserjahres.[6]

Eine enge Freundschaft bestand zu Quintus Sosius Senecio, dem er die Parallelbiographien widmete und der ein Freund und Vertrauter des Kaisers Trajan war. Durch Sosius Senecio soll Plutarch konsularische Privilegien (ornamenta consularia) erhalten haben, die ihm angeblich Mitbestimmungsrechte bei dem Statthalter in Illyrien gaben. Die Verleihung ist erstmals bei Eusebius und in der byzantinischen Suda[7] erwĂ€hnt und hat im Mittelalter zu gefĂ€lschten Schriftzeugnissen ĂŒber eine angebliche Korrespondenz Plutarchs mit Trajan gefĂŒhrt, in der er als Tutor des Kaisers erscheint. In der Forschung werden sowohl die Verleihung als auch Plutarchs angebliches TutorenverhĂ€ltnis zu Trajan stark bezweifelt.[8] Die Ernennung selbst oder die damit verbundenen Vorrechte sind in den als echt geltenden Schriften Plutarchs nirgendwo erwĂ€hnt.

Werke

Die Werke Plutarchs werden gewöhnlich in zwei große Schriftengruppen unterteilt, die biographischen und die philosophischen Arbeiten. Es existiert eine Liste aus dem 3. bis 4. Jahrhundert, die die Werke Plutarchs einzeln auffĂŒhrt. Sie ist als „Lampriaskatalog“ bekannt. Wenngleich dieser Katalog in wissenschaftlicher Hinsicht nicht sehr zuverlĂ€ssig und nach Ziegler unvollstĂ€ndig geblieben ist,[9] gibt er doch darĂŒber Auskunft, welche Werke verloren gegangen sind.[10]

Biographien

Kaiserbiographien

Die biographischen Arbeiten Plutarchs begannen mit den Caesaren- bzw. Kaiserviten, Biographien der römischen Kaiser von Augustus bis Vitellius (nur die von Galba und Otho sind erhalten, von Tiberius und Nero nur Fragmente: Ein Fragment der Nerobiographie gibt Plutarch sogar selbst (vgl. Plut. Galba 2,1). Ein Fragment der Tiberius-Biographie gibt Damaskios in der Vita des Isidor.[11] Diese Caesarenviten wurden wahrscheinlich unter den Flaviern oder unter Nerva (96–98 n. Chr.) veröffentlicht.

Es weist vieles darauf hin, dass die einzig erhaltenen Kaiserbiographien: „Galba und Otho als ein Werk verstanden werden muss“.[12] Somit gehören sie nicht zum Kanon der erhaltenen Einzelbiographien (Aratos von Sikyon und Artaxerxes II.: Die Einzelbiographien ĂŒber Hesiod, Pindar, Krates, Daiphantos sind verloren). Dazu passt, dass in Galba-Otho, anders als in einer Biographie, der Charakter nicht fĂŒr sich selber steht. Vielmehr wirkt Galba-Otho als Illustration des Einhaltens oder Nicht-Einhaltens des von Plutarch propagierten moralisch begrĂŒndeten FĂŒhrungsstils eines Princeps (Plut, Galba 1,3; Plut.mor. 328D-E). In der Perspektive platonischen Staatsdenkens (Plat.rep. 375E, 410D-E; 411E-412A; 442B-C) legt Plutarch hier im Rahmen der BĂŒrgerkriegsepoche nach dem Tod Neros die Aspekte des Prinzipats als Verfassungsprinzip offen und hinterfragt das Prinzipat ethisch am Beispiel des Verhaltens der Autokratoren, um zugleich einen Eindruck von der Tragik der MilitĂ€rfĂŒhrer, den Autokratoren, zu geben, die „wie auf der BĂŒhne“ (Plut, Galba 1,3-5) um den Thron buhlten und sich gegenseitig vernichteten.

Galba-Otho ist unterschiedlich ĂŒberliefert worden. So ist Galba-Otho als Appendix der Parallelbiographien, aber vor allem als Opera XXV und XXVI innerhalb der Moralia-Ausgabe des Maximus Planudes ĂŒberliefert worden; ferner auch in anderen Handschriften der Moralia. Man kann deswegen annehmen, dass Galba-Otho schon sehr frĂŒh und möglicherweise von Plutarch selbst als Illustration eines moralisch-ethischen Ansatzes gesehen wurde.[13]

Parallelbiographien

Es folgten die BĂ­oi parĂĄlleloi (ÎżáŒ± ÎČÎŻÎżÎč Ï€Î±ÏÎŹÎ»Î»Î·Î»ÎżÎč, Vitae parallelae, „Parallele Lebensbeschreibungen“), die Plutarch seinem Freund Q.Sosius Senecio gewidmet hat. Sie wurden ab 96 begonnen. In diesen Vitenpaaren wird jeweils ein herausragender Grieche mit einem Römer verglichen. In den Bioi paralleloi behandelt Plutarch die wichtigsten StaatsmĂ€nner der Vergangenheit von Theseus bis Marcus Antonius. Es handelt sich um 23 Biographienpaare, die jeweils einen Griechen und einen Römer zusammenstellen, deren Leben Ähnlichkeiten aufweisen (z. B. Alexander der Große und Caesar, Demosthenes und Cicero). Plutarch beschreibt seine Figuren mit negativen und positiven Eigenschaften, und einige große antike Persönlichkeiten werden mit genĂŒgend moralischen MĂ€ngeln geschildert, um als abschreckende Beispiele zu dienen, z. B. Demetrios. In den meisten FĂ€llen ist die Beurteilung jedoch ausgewogener. Die 22 erhaltenen Paare sind:

Alexander - Caesar, Dion - Brutus, Demetrios - Antonius, Agesilaos - Pompeius, Nikias - Crassus, Theseus - Romulus, Lykurgos - Numa, Solon - Poplicola, Aristeides - Cato Maior, Themistokles - Camillus, Kimon - Lucullus, Perikles - Fabius Maximus, Alkibiades - Coriolanus, Lysandros - Sulla, Pelopidas - Marcellus, Timoleon - Aemilius Paulus, Demosthenes - Cicero, Phokion - Cato Minor, Eumenes - Sertorius, Pyrrhos - Marius, Philopoimen - Flamininus, Agis/Kleomenes - Gracchen.

In welcher Reihenfolge die BĂ­oi paralleloi geschrieben wurden, ist nur teilweise bekannt. Das verlorene Vitenpaar Epameinondas - Scipio bildet den Beginn der Reihe. Es ist unsicher, ob es sich bei Scipio um den Hannibalsieger oder um den Aemilianus handelte. Plutarch bietet in drei Vitenpaaren durch Selbstzitate und Querverweise Aufschluss ĂŒber die Abfolge. So soll Demosthenes - Cicero das fĂŒnfte Paar sein, Perikles - Fabius Maximus das zehnte und Dion - Brutus das zwölfte Paar der BĂ­oi paralleloi.[14]

Außerhalb der Parallelviten, jedoch von Ă€hnlichem Umfang, schrieb Plutarch einzelne Biographien; erhalten sind die Darstellungen von Aratos von Sikyon, die an Polykrates von Sikyon und dessen Söhne gerichtet ist, und die des persischen Großkönigs Artaxerxes II.

Intention der Biographien

Plutarch sieht sich als Biograph, keineswegs als Historiker, und grenzt seine biographische Arbeit deutlich von der Geschichtsschreibung ab.

So schreibt er beispielsweise in der Einleitung seiner Doppelbiographie zu Alexander und Caesar (Alex. 1,2-3):

„Denn ich bin nicht Geschichtsschreiber, sondern Biograph, und es sind durchaus nicht immer die großen Heldentaten, in denen sich die TĂŒchtigkeit oder die Verworfenheit offenbart. Oft sagt ein unbedeutender Vorfall, ein Ausspruch oder ein Scherz mehr ĂŒber den Charakter eines Menschen aus als die blutigsten Schlachten, die grĂ¶ĂŸten Heeresaufgebote und die Belagerungen von StĂ€dten.“

Plutarch kam es vor allem darauf an, den Charakter der Personen, ihre Tugenden und Fehler deutlich werden zu lassen (vgl. Nik.1; Kim. 2,2-5). Seine Vitae, wie sie in lateinischer Sprache heißen (lat. 'Leben' pl.), verfolgten bestimmte Absichten: Zum einen wollte er mit seinen Parallelbiographien unterhalten; des Weiteren wird in ihnen die moralische QualitĂ€t der dargestellten Person herausgearbeitet. Schließlich wollte er den Römern und Griechen die Kultur des jeweils anderen Volkes vermitteln. In den Hintergrund tritt dabei der Anspruch der chronologischen und geographischen Richtigkeit. Plutarch wĂ€hlte daher sein Material so aus, dass es dazu dient, das Persönlichkeitsbild des Einzelnen zu verdeutlichen. Sein Interesse gilt den Familien und dem Privatleben der Protagonisten. Allerdings möchte er das Historische nicht aus seinen Biographien verbannen. Sind Großereignisse fĂŒr die Persönlichkeit wichtig, werden diese auch von ihm erwĂ€hnt, z. B. nennt er historische AblĂ€ufe in seiner Nikias-Biographie, um daran dessen Charakter zu verdeutlichen. Das Historische wird in der Arbeit Plutarchs also nicht ausgeschlossen, aber reduziert.

„Die von Thukydides und Philistos berichteten Ereignisse, die zu ĂŒbergehen unzulĂ€ssig wĂ€re, weil sie ja im höchsten Maß den Charakter und den von vielen großen SchicksalsschlĂ€gen umwölkten GemĂŒtszustand des Mannes [Nikias] enthalten, habe ich in KĂŒrze und nur soweit es nötig ist durcheilt, um nicht nachlĂ€ssig und trĂ€ge zu erscheinen, was aber von anderen gelegentlich aufgezeichnet oder auf alten Weihgeschenken und VolksbeschlĂŒssen gefunden wurde und den meisten unbekannt ist, das habe ich mich zusammenzutragen bemĂŒht, nicht um die Geschichte damit zu befrachten, sondern als Beigabe fĂŒr die Erkenntnis des Charakters und der Sitten.“

– Nik. 1,5

Plutarch möchte einerseits bekannten Historikern wie Thukydides oder Philistos nicht nacheifern. ZusĂ€tzlich setzt er bei seinen Lesern voraus, dass sie sich mit deren Werken auskennen. Jedoch hĂ€lt er es anderseits fĂŒr nötig, die Hauptereignisse zumindest kurz zu erwĂ€hnen.

„Das im Einzelnen genau zu berichten ist allerdings Sache der Ereignisgeschichte, was aber Bemerkenswertes in den Taten und Leiden der Kaiser vorgefallen ist, darf ich nicht ĂŒbergehen.“

– Galba 2,5

Außerdem möchte er die bekannten Fakten durch entlegenes Quellenmaterial ergĂ€nzen. Damit sind fĂŒr manche antike Persönlichkeiten oder Hintergrundberichte die Biographien Plutarchs, die auf zumeist verlorenen historischen Werken beruhen, heute die ausfĂŒhrlichste Quelle, zumal Plutarch Zugriff auf heute verlorene Werke hatte und diese auch teilweise benennt.

Plutarch schrieb seine biographischen Schriften vorwiegend aus moralischen BeweggrĂŒnden. Dies verdeutlicht er auch im folgenden Zitat:

„Dass ich mich daran machte, Biographien zu schreiben, beruht auf Anregungen, die mir von anderen zugetragen wurden, dass ich dabei blieb und bald Gefallen daran fand, geschah aus eigenem Antrieb, da ich, die Geschichte gleichsam als Spiegel benutzend, mein Leben zu ordnen und den Tugenden jener MĂ€nner anzugleichen versuchte.“

– Aem. 1,1

Die mĂ€chtigen StaatsmĂ€nner der Vergangenheit sollten nicht nur ihm Vorbild sein, sondern ebenso wollte er das gesamte Volk des Reiches auf den Pfad der Moral und der GrĂ¶ĂŸe fĂŒhren. Mit der GegenĂŒberstellung eines Römers und eines Griechen beabsichtigte Plutarch, den Römern wie den Griechen die Kultur des jeweils anderen Volkes zu vermitteln. Der Schriftsteller war bemĂŒht die Gleichwertigkeit der Völker darzulegen und zur Versöhnung der beiden großen Völker der Antike beizutragen.

Quellenarbeit

Plutarch las zwar die von ihm zitierten Autoren (so beispielsweise Ktesias von Knidos, Dinon von Kolophon, Herakleides von Kyme, Timagenes von Alexandria, Theophanes von Mytilene und Gaius Asinius Pollio) meist selbst, allerdings sind seine Zitate selten wörtlich. Meistens stammen sie aus seinem GedĂ€chtnis und sind deshalb teilweise fehlerhaft. Zudem ĂŒbernahm er manche Zitate von dritten, ohne dies zu vermerken. Jedoch vermag Plutarch in den Biographien mit den ihm vorliegenden Quellen kritisch umzugehen, vor allem bei Darstellungen legendenhafter Persönlichkeiten, wie des griechischen Helden Theseus, des mythenhaften RomgrĂŒnders Romulus oder des legendĂ€ren Gesetzgebers Spartas Lykurg.

„... da schien es mir das Gegebene, den GrĂŒnder des herrlichen, vielbesungenen Athen dem Vater des unbesieglichen, ruhmreichen Rom gegenĂŒberzustellen und zu vergleichen. Sei es mir also gestattet, mit verstandesmĂ€ĂŸiger Kritik das Sagenhafte auszuscheiden und den historischen Kern lauschend zu erfassen; wo aber die Sage allzu selbstherrlich das Glaubhafte ĂŒberwuchert und die Anwendung der kritischen Methode nicht mehr zulĂ€ĂŸt, da werde ich freilich mild gesinnte Leser brauchen, die die ErzĂ€hlung von den alten Zeiten wohlwollend aufnehmen“

– Thes.1,3; Übers. K. Ziegler

Bei seinen Aufenthalten in Rom hatte Plutarch keine Zeit gehabt, sich ausfĂŒhrlich mit der lateinischen Sprache zu beschĂ€ftigen. Erst spĂ€ter begann er, lateinische Autoren zu lesen, als er fĂŒr seine römischen Persönlichkeiten bei griechischen Autoren keine ausreichenden Informationen fand. Plutarch rĂ€umt selbst ein, dass seine Kenntnis der lateinischen Sprache unzureichend sei. Er konnte anscheinend auch kein klares und anschauliches Bild von ihm wohlbekannten Orten wiedergeben, nicht einmal von seinem Heimatort Chaironeia.[15] Bei ErwĂ€hnungen von Alexandria in den Biographien finden sich ebenfalls keine eigenen Beobachtungen der Stadt. Da geographische und topographische Beschreibungen wichtiger Gegenstand antiker Literatur sind, scheint hierbei seine literarische Gestaltungskraft nicht stark entwickelt gewesen zu sein.

Drei Haupttechniken der Quellenwiedergabe werden bei Plutarch deutlich[16]:

1. Auswahl und Auslassung
Im verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig knappen Rahmen einer Biographie war es Plutarch kaum möglich, das gesamte Quellenmaterial, das ihm beispielsweise fĂŒr das Leben Alexanders und Caesars zur VerfĂŒgung stand, auszuschöpfen. Jedoch sind Streichungen von historischen Informationen nicht immer auf einen sehr großen Umfang an Quellenmaterial zurĂŒckzufĂŒhren.
Plutarch ließ Fakten ebenfalls weg, wenn er sie entweder fĂŒr unwichtig oder gar nachteilig in Bezug auf das Charakterbild des Helden erachtete.
Ein Beispiel: Die NichterwĂ€hnung der römisch-parthischen VertrĂ€ge ĂŒber die Euphratgrenze in der Biographie des Pompeius kann nicht als mangelnde Kenntnis des Schriftstellers gedeutet werden. Es ist vielmehr eine bewusste Handlung, die in Plutarchs Zuneigung zu dem Triumvirn begrĂŒndet liegt.
2. VerkĂŒrzung und ErgĂ€nzung
In seinen Werken finden sich zahlreiche Beispiele, in denen er von ausfĂŒhrlichen Beschreibungen zu einem gerafften Überblick wechselt. Beispiel: Die knappe Schilderung des Syrienfeldzuges (Kap.39) und die ausfĂŒhrliche Darstellung der Schlacht von Pharsalos (Kap.68f. und 71f.) in der Pompeiusvita. Bestimmte FeldzĂŒge werden sehr detailliert dargestellt, andere hingegen sehr oberflĂ€chlich.
Das Mittel der ErgÀnzung verwendete Plutarch, vor allem um trockenen Berichten mehr Lebendigkeit zu verleihen.
3. VerÀnderung und Erfindung
Fast immer gab Plutarch die in seinen Quellen ĂŒberlieferten Fakten einigermaßen korrekt wieder. Er schmĂŒckte sie allerdings mit eigenen Gedanken aus. Bei abweichenden oder widersprĂŒchlichen Quellen zog er die Quellen vor, die ihm sachlich ĂŒberzeugender erschienen. Ausnahmen sind jedoch kĂŒnstlerische und moralische Gesichtspunkte. Hier bevorzugte er oft eine weniger glaubwĂŒrdige Quelle, wenn diese seinen moralisch-biographischen Absichten besser entgegenkam.

Philosophische Werke

Die zweite große Gruppe sind die philosophischen Schriften. Von den knapp 260 Schriften, die unter Plutarchs Namen gefĂŒhrt wurden, waren weit mehr als die HĂ€lfte philosophischer Art. In der Sammlung Moralia sind 78 Schriften (darunter auch einige unechte) zusammengestellt. Diese behandeln vor allem Fragen der Ethik, so zum Beispiel Über Neid und Hass. Es fallen aber auch zahlreiche Werke unter andere Kategorien. Hierunter sind folgende Themenfelder zu nennen:

Politik und Religion in den Moralia

Bei den religionsphilosophischen Schriften ist vor allem die Osirisvorstellung der Ă€gyptischen Mythologie von Bedeutung: Über Isis und Osiris. Diese Schrift war bis zur Entzifferung der Hieroglyphen eine der Hauptquellen fĂŒr die Ă€gyptische Religion und ist bis heute eine durch die Ă€gyptischen Zeugnisse nicht ersetzte Gesamtdarstellung des Mythos von Isis und Osiris. Auch verfasste er grundlegende Werke zu allen Fragen des Orakelvollzugs und zur delphischen Theologie: Über das E in Delphi, Über die erloschenen Orakel, Über die nicht mehr metrisch gebundenen Orakel der Pythia; zugleich sind sie von großer Klage ĂŒber das Schwinden der Orakel geprĂ€gt.

Plutarch stand den Religionen anderer Völker freundlich gegenĂŒber, da er meinte, dass alle Völker auf ihre Art und Weise einem Gott dienten. Dagegen bekĂ€mpfte er den Unglauben und den stark verbreiteten Aberglauben seiner Zeit.[17]

Weiterhin finden sich unter den Moralia auch einige politische Schriften. Nach dem sogenannten Lampriaskatalog, einem aus der Antike erhaltenen Verzeichnis seiner Schriften, soll Plutarch insgesamt elf politische Schriften verfasst haben, von denen allerdings nur fĂŒnf erhalten sind. Hier sind u. a. zu nennen: Über Monarchie, Demokratie und Oligarchie, An einen ungebildeten Herrscher, Regeln der Staatskunst oder Soll ein Greis politisch tĂ€tig sein?. In Regeln der Staatskunst wird der weise Politiker ermahnt, seine Stadt zu Eintracht und ZurĂŒckhaltung anzuhalten und dadurch Eingriffe der römischen Verwaltung zu vermeiden. Außerdem rĂ€t Plutarch in den Werken Regeln der Staatskunst und Soll ein Greis politisch tĂ€tig sein? einem Bekannten aus Sardeis, sich nicht ĂŒber GebĂŒhr um ein stĂ€dtisches Amt zu bemĂŒhen, jedoch entsprechende Angebote anzunehmen. Des Weiteren beurteilt er in seinem Werk Über die GemĂŒtsruhe die Karrierechancen junger Griechen fĂŒr das öffentliche Leben in Rom eher kĂŒhl und distanziert.[18]

Persönliche Werke

Ein weiteres Themenfeld in den Moralia sind pĂ€dagogische Texte: Über die Kindererziehung oder Über das Zuhören. Es finden sich auch Schriften mit sehr persönlichem Inhalt in den Moralia, denn Plutarch schrieb nach dem Tod seiner Tochter Timoxena eine Trostschrift an die Ehefrau. Darin nimmt er Stellung zur Rolle der Frau, fĂŒr die er eine Erziehung Ă€hnlich der des Mannes befĂŒrwortet. Die Partnerschaft solle auf einer geistigen und sittlichen Lebensgemeinschaft grĂŒnden und nicht nur der Produktion von Kindern und der Befriedigung der Geschlechtslust dienen.

Plutarchs Schriften zeigen die besondere Verehrung fĂŒr Platon, den er als den „Göttlichen“[19] bezeichnet. Ihm folgte Plutarch in fast allen Lehren. Auch die Moralia sind teilweise in Form platonischer Dialoge aufgebaut. Er war somit Platoniker, empfing aber auch EinflĂŒsse von Peripatos und Stoa. Allerdings kritisierte er die Stoa vor allem in ihrer rigiden Ethik. Die Lehre Epikurs, die eine als Abwesenheit von Unlust definierte Lust als höchstes anzustrebendes Gut annahm, lehnte er vollkommen ab.

Sonstige Werke

Weitere Themenfelder in den Moralia sind Schriften zu Logik und Erkenntnistheorie sowie zur Rhetorik. Hierher gehört vor allem das Werk Über die GeschwĂ€tzigkeit. Allerdings sind viele rhetorische Schriften verloren gegangen, jedoch wird Plutarchs Stellung zur Rhetorik in den erhaltenden Schriften deutlich.

Die Sammlung der Moralia enthĂ€lt auch Werke zur Naturphilosophie, beispielsweise Welche Tiere sind vernĂŒnftiger, die Wasser- oder die Landtiere?. In den tierphilosophischen Schriften sieht Plutarch sich als AnhĂ€nger der Seelenwanderungslehre und bringt zahlreiche Belege fĂŒr die Intelligenz der Tiere. Dadurch stellt er sich gegen die Peripatetiker und Stoiker, die das Bestehen eines RechtsverhĂ€ltnisses des Menschen zur Tierwelt ablehnten.[20] Weitere Werke, die zum Themenbereich der Naturphilosophie gehören, behandeln das Fatum. Dazu gehört vor allem die erhaltene Schrift Über das VerhĂ€ngnis.

Plutarch schrieb außerdem einige erklĂ€rende Schriften zu Homer, Hesiod, Empedokles und Platon.

Neun BĂŒcher in den Moralia behandeln die Auseinandersetzungen mit Leben und Lehren der Sieben Weisen (Symposiaca ton hepta sophon, „Das Gastmahl der Sieben Weisen“). Es ist ein dialogischer Text ĂŒber die ĂŒberlieferten Lehren der sagenumwobenen Sieben Weisen Griechenlands.

In den Schriften Über das primĂ€r Kalte oder Über das Mondgesicht nahm Plutarch zu wissenschaftlichen Problemen Stellung. Die naturwissenschaftlichen Schriften stehen in peripatetischer Tradition. Diese Arbeiten sind teilweise sehr dilettantisch verfasst, da sich hier ernsthafte Forschung mit religiösen und mythologischen Spekulationen vermischt.

Alltagsgeschichtliche Aspekte

Die Moralia sind auch eine wichtige Quelle zu einigen Aspekten des antiken Alltagslebens. So beschreibt Plutarch die ideale Sitzordnung im Speisesaal, dem Triclinium, unterschiedliche Trinksitten und Teile der Unterhaltung bei Tisch, darunter Themen fĂŒr GesprĂ€che, Musik und Tanz.

Titelseite aus: „Auserlesene Moralische Schriften von Plutarch“, Gedruckt bei FĂŒeßlin und Compagnie, ZĂŒrich 1768

Nachwirkung

Plutarch zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er nicht „provinziell“ dachte, sondern fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse nachgerade als Kosmopolit bezeichnet werden kann: Er verbrachte zwar fast sein ganzes Leben in seiner Geburtsstadt, kam aber dennoch viel in der Welt herum. Da er schon zu Lebzeiten ein berĂŒhmter und angesehener Mann war, wurden bereits kurz nach seinem Tod Schriften unter seinem Namen gefĂ€lscht. Die literarischen Werke Plutarchs wurden im Laufe der Geschichte vielfach neu bearbeitet, und berĂŒhmte Autoren beschĂ€ftigten sich mit ihnen, vor allem, weil Plutarch eine der wichtigsten Quellen fĂŒr große griechische und römische Persönlichkeiten ist und der literarische Stoff ĂŒber Helden und Heldensagen immer wieder neu aufbereitet wurde und die Menschen schon von jeher begeistert hat.

Die Texte, die die byzantinischen Gelehrten im 9. Jahrhundert gesammelt haben, sind uns bis heute im Wesentlichen erhalten. Photios besaß beispielsweise den zweiten Band einer zweibĂ€ndigen Ausgabe der Biographien. Außerdem existierte noch eine etwas anders geordnete Ausgabe in drei BĂ€nden. Sonst wurden die weiteren Schriften in frĂŒherer Zeit nicht gesammelt, sondern waren meist einzeln oder in kleineren Gruppen im Umlauf. Erst im Jahre 1296 wurden diese Schriften von dem byzantinischen Gelehrten Maximos Planudes zu einer Sammlung zusammengestellt.

Das literarische Werk Plutarchs fand im mittelalterlichen Abendland keine Beachtung, bis es schließlich in lateinischen Übersetzungen (die erste 1471) verbreitet wurde. Dadurch stieg Plutarch zu einem der meistgelesenen Autoren der Weltliteratur auf.

Die Parallelbiographien wurden im 16. Jahrhundert ins Deutsche, Italienische und Spanische ĂŒbersetzt. Im Jahre 1559 wurden sie von Jacques Amyot (ab 1570 Bischof von Auxerre) ins Französische ĂŒbertragen als Les vies des hommes illustres grecs et romains, comparĂ©es l’une avec l’autre par Plutarque. Es ist eine 46 historische Figuren paarweise (z. B. Alexander und Caesar) verknĂŒpfende Biographiensammlung. Der sehr frei ĂŒbersetzte Text traf offenbar den Geschmack der französischen Leser und wurde sofort ein großer Bucherfolg. Noch zu Lebzeiten Amyots erschienen zahlreiche Nachdrucke und vier von ihm ĂŒberarbeitete Neuauflagen. Der Plutarque wurde auch in den nĂ€chsten Jahrhunderten immer wieder nachgedruckt, war eine verpflichtende LektĂŒre fĂŒr alle Gebildeten und eine wichtige Stoffquelle fĂŒr die Autoren der französischen Klassik im 17. Jahrhundert. 1572 ĂŒbersetzte Amyot auch die Moralia, die von Montaigne bewundert wurden und die in Frankreich bedeutsame Gattung Moralistik beeinflussten.

1579 wurde Plutarch von Thomas North aus dem Französischen ins Englische ĂŒbersetzt, was der Heldenverehrung der Elisabethaner entgegenkam. In dieser Zeit orientierte sich William Shakespeare vor allem in seinen Dramen Julius Caesar, Coriolanus und Antonius und Cleopatra zu großen Teilen an Plutarchs BĂ­oi paralleloi. Philemon Holland war der erste, der die Moralia im Jahre 1603 vollstĂ€ndig aus dem Griechischen ins Englische ĂŒbersetzte. Im 16. Jahrhundert ĂŒbten die Moralia großen Einfluss auf den französischen Schriftsteller Michel de Montaigne aus, fĂŒr dessen Essais Plutarchs Werke, „seit dem er Französisch ist“[21], als Vorbild dienen.

Im 17. und 18. Jahrhundert waren Plutarchs Parallelbiographien die meistgelesene Schrift aus der Antike. Beispielsweise beschĂ€ftigte sich Friedrich Schiller mit Plutarchs Werken. In Die RĂ€uber (1. Akt, 2. Szene) gibt Karl Moor seinem Ärger Ausdruck mit „Mir ekelt vor diesem tintenklecksenden SĂ€kulum, wenn ich in meinem Plutarch lese von großen Menschen“. Mit diesem Zitat verdeutlicht Schiller auch inhaltliche Merkmale des Sturm und Drang wie Kraftmeiertum, Freiheit und die Lust, große MĂ€nner zu zeigen, aber auch große Bösewichte. In dieser Zeit ĂŒbersetzte der deutsche Altphilologe Johann Friedrich Salomon Kaltwasser (1752–1813) das gesamte erhaltene Werk Plutarchs erstmals ins Deutsche. Die Begeisterung fĂŒr Plutarch ergriff auch Friedrich Nietzsche: In den UnzeitgemĂ€ĂŸen Betrachtungen fordert er die Menschen auf: „SĂ€ttigt eure Seelen an Plutarch und wagt es, an euch selbst zu glauben, indem ihr an seine Helden glaubt“.

Ausgaben

  • Plutarchi vitae parallelae. Teubner, (Stuttgart und) Leipzig.
    • Band 1 Fasc. 1, hrsg. Konrat Ziegler, 3. Auflage, 1960 (enthĂ€lt: Theseus, Romulus, Solon, Publicola, Themistokles, Camillus, Aristides, Cato der Ältere, Kimon, Lucullus)
    • Band 1 Fasc. 2, hrsg. Konrat Ziegler und Hans GĂ€rtner, 1994. ISBN 3-8154-1671-X (enthĂ€lt: Perikles, Fabius Maximus, Nikias, Crassus, Coriolanus, Alkibiades, Demosthenes, Cicero)
    • Band 2 Fasc. 1, hrsg. Konrat Ziegler, 1964 (enthĂ€lt: Phokion, Cato der JĂŒngere, Dion, Brutus, Timoleon, Aemilius Paulus, Eumenes, Sertorius)
    • Band 2 Fasc. 2, hrsg. Konrat Ziegler und Hans GĂ€rtner, 1994. ISBN 3-8154-1674-4 (enthĂ€lt: Philopoimen, Titus, Pelopidas, Marcellus, Alexander d. Gr., Caesar)
    • Band 3 Fasc. 1, hrsg. Konrat Ziegler und Hans GĂ€rtner, 1996. ISBN 3-8154-1675-2 (enthĂ€lt: Demetrios, Antonius, Pyrrhos, Marius, Aratos, Artaxerxes, Agis und Kleomenes, Ti. und C. Gracchus)
    • Band 3 Fasc. 2, hrsg. Konrat Ziegler und Hans GĂ€rtner, 2. Auflage, 1973 (enthĂ€lt: Lykurg, Numa, Lysandros, Sulla, Agesilaos, Pompeius, Galba, Otho)
    • Band 4: Indices, hrsg. Konrat Ziegler und Hans GĂ€rtner, 2. Auflage, 1980
  • Plutarque: ƒuvres morales. Les Belles Lettres, Paris (kritische Edition mit französischer Übersetzung)
    • Band 1 Teil 1, hrsg. Jean Sirinelli und AndrĂ© Philippon, 1987. ISBN 2-251-00368-1 (enthĂ€lt: Introduction gĂ©nĂ©rale, De liberis educandis, De audiendis poetis)
    • Band 1 Teil 2, hrsg. Robert Klaerr, AndrĂ© Philippon und Jean Sirinelli, 1989. ISBN 2-251-00370-3 (enthĂ€lt: De audiendo, De adulatore, De profectibus in virtute, De capienda ex inimicis utilitate, De amicorum multitudine, De fortuna, De virtute et vitio)
    • Band 2, hrsg. Jean Defradas, Jean Hani und Robert Klaerr, 1985. ISBN 2-251-00372-X (enthĂ€lt: Consolatio ad Apollonium, De tuenda sanitate praecepta, Coniugalia praecepta, Septem sapientium convivium, De superstitione)
    • Band 3, hrsg. François Fuhrmann, 1988. ISBN 2-251-00399-1 (enthĂ€lt: Regum et imperatorum apophthegmata, Apophthegmata Laconica)
    • Band 4, hrsg. Jacques Boulogne, 2002. ISBN 2-251-00499-8 (enthĂ€lt: Mulierum virtutes, Quaestiones Romanae, Quaestiones Graecae, Parallela Graeca et Romana)
    • Band 5 Teil 1, hrsg. Françoise Frazier und Christian Froidefond, 1990. ISBN 2-251-00359-2 (enthĂ€lt: De Romanorum fortuna, De Alexandri fortuna aut virtute, De gloria Atheniensium)
    • Band 5 Teil 2, hrsg. Christian Froidefond, 1988. ISBN 2-251-00400-2 (formal falsche ISBN) (enthĂ€lt: De Iside et Osiride)
    • Band 6, hrsg. Robert FlaceliĂšre, 1974 (enthĂ€lt: De E Delphico, De Pythiae oraculis, De defectu oraculorum)
    • Band 7 Teil 1, hrsg. Jean Dumortier und Jean Defradas, 1975 (enthĂ€lt zehn kleine Schriften)
    • Band 7 Teil 2, hrsg. Robert Klaerr und Yvonne VerniĂšre, 1974 (enthĂ€lt: De cupiditate divitiarum, De vitioso pudore, De invidia et odio, De se ipsum citra invidiam laudando, De sera numinis vindicta)
    • Band 8, hrsg. Jean Hani, 1980. ISBN 2-251-10268-X (enthĂ€lt: De fato, De genio Socratis, De exilio, Consolatio ad uxorem)
    • Band 9 Teil 1, hrsg. François Fuhrmann, 1972 (enthĂ€lt: TischgesprĂ€che, BĂŒcher 1–3)
    • Band 9 Teil 2, hrsg. François Fuhrmann, 1978 (enthĂ€lt: TischgesprĂ€che, BĂŒcher 4–6)
    • Band 9 Teil 3, hrsg. Françoise Frazier und Jean Sirinelli, 1996. ISBN 2-251-00449-1 (enthĂ€lt: TischgesprĂ€che, BĂŒcher 7–9)
    • Band 10, hrsg. Robert FlaceliĂšre und Marcel Cuvigny, 1980. ISBN 2-251-10271-X (enthĂ€lt: Amatorius, Amatoriae narrationes)
    • Band 11 Teil 1, hrsg. Marcel Cuvigny, 1984. ISBN 2-251-00360-6 (enthĂ€lt: Maxime cum principibus philosopho esse disserendum, Ad principem ineruditum, An seni sit gerenda respublica)
    • Band 11 Teil 2, hrsg. Jean-Claude CarriĂšre und Marcel Cuvigny, 1984. ISBN 2-251-00377-0 (enthĂ€lt: Praecepta gerendae reipublicae, De unius in republica dominatione, populari statu et paucorum imperio)
    • Band 12 Teil 1, hrsg. Marcel Cuvigny und Guy Lachenaud, 1981. ISBN 2-251-10354-6 (enthĂ€lt: De vitando aere alieno, Vitae decem oratorum, Aristophanis et Menandri comparatio, De malignitate Herodoti)
    • Band 12 Teil 2, hrsg. Guy Lachenaud, 2. Auflage, 2003. ISBN 2-251-00433-5 (enthĂ€lt: De placitis philosophorum)
    • Band 15 Teil 1, hrsg. Michel Casevitz und Daniel Babut, 2004. ISBN 2-251-00522-6 (enthĂ€lt: De stoicorum repugnantiis, Synopsis)
    • Band 15 Teil 2, hrsg. Michel Casevitz und Daniel Babut, 2002. ISBN 2-251-00507-2 (enthĂ€lt: De communibus notitiis)

Übersetzungen

Biographien
  • Konrat Ziegler (Hrsg.): Große Griechen und Römer. 6 BĂ€nde, ZĂŒrich 1954-1965 (zahlreiche Nachdrucke)
  • Eduard Eyth: Die großen Griechen und Römer. Doppelbiographien. Wunderkammer Verlag, Neu-Isenburg 2008
Moralia
  • Bruno Snell (Hrsg.): Plutarch. Von der Ruhe des GemĂŒtes und andere philosophische Schriften. Artemis, ZĂŒrich 1948
  • Konrat Ziegler (Hrsg.): Plutarch. Über Gott und Vorsehung, DĂ€monen und Weissagung. Artemis, ZĂŒrich 1952
  • Rudolf SchottlĂ€nder (Hrsg.): Plutarch. Lebensklugheit und Charakter. Aus den Moralia. VMA, Wiesbaden 1979
  • Hans-Josef Klauck (Hrsg.): Plutarch. Moralphilosophische Schriften. Reclam, Stuttgart 1997. ISBN 3-15-002976-7 (Auswahl aus den Moralia)
  • Herwig Görgemanns (Hrsg.): Plutarch. Drei religionsphilosophische Schriften: Über den Aberglauben, Über die spĂ€te Strafe der Gottheit, Über Isis und Osiris. Artemis, DĂŒsseldorf 2003. ISBN 3-7608-1728-9
  • Herwig Görgemanns u.a. (Hrsg): Plutarch. Dialog ĂŒber die Liebe. Amatorius. Mohr Siebeck, TĂŒbingen 2006. ISBN 3-16-148824-5 (unkritischer griechischer Text, deutsche Übersetzung, Kommentar, Essays)
  • Ulrich Berner u.a. (Hrsg.): Plutarch. Ist "Lebe im Verborgenen" eine gute Lebensregel?, Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 2000. ISBN 3-534-14944-0 (unkritischer griechischer Text, deutsche Übersetzung, Kommentar, Essays)
  • Otto Apelt (Hrsg.): Plutarch. Moralische Schriften, Meiner, Leipzig 1926
    • Band 1: Streitschriften wider die Epikureer
    • Band 2: Parallelschriften zu Seneca's Dialogen (enthĂ€lt: Von der BezĂ€hmung des Zorns, Von der GemĂŒtsruhe, Trostschreiben an Apollonius, Trostschreiben an seine Gattin, Vom Zufall, Vom VerhĂ€ngnis)

Literatur

  • Carsten Binder: Plutarchs Vita des Artaxerxes. Ein historischer Kommentar. de Gruyter. Berlin 2008, ISBN 978-3-11-020269-4. (Rezension)
  • Lukas de Blois u.a. (Hrsg.): The Statesman in Plutarch’s Works. Band 1: Plutarch’s Statesman and his Aftermath: Political, Philosophical, and Literary Aspects. Band 2: The Statesman in Plutarch’s Greek and Roman Lives. Brill, Leiden 2004-2005, ISBN 90-04-13873-0 (zahlreiche AufsĂ€tze).
  • Timothy E. Duff: Plutarch’s Lives. Exploring Virtue and Vice. Oxford University Press, Oxford 1999, ISBN 0-19-925274-2.
  • Herbert Heftner: Plutarch und der Aufstieg des Pompeius. Ein historischer Kommentar zu Plutarchs Pompeiusvita, Teil 1, Kap. 1–45. Lang, Frankfurt am Main u. a. 1995, ISBN 3-631-47735-X.
  • Judith Mossman (Hrsg.): Plutarch and His Intellectual World. Duckworth, London 1997, ISBN 0-7156-2778-3.
  • Anastasios G. Nikolaidis: The Unity of Plutarch's Work. de Gruyter, Berlin 2008, ISBN 978-3-11-020249-6 (enthĂ€lt zahlreiche AufsĂ€tze ĂŒber viele Aspekte von Plutarchs Werken; Rezension).
  • Christopher Pelling: Plutarch and History. Eighteen Studies. Classical Press of Wales, London 2002, ISBN 0-7156-3128-4.
  • Barbara Scardigli: Die Römerbiographien Plutarchs. C. H. Beck, MĂŒnchen 1979, ISBN 3-406-07400-6.
  • Hans Weber: Die Staats- und Rechtslehre Plutarchs von Chaironeia. Bouvier, Bonn 1959.
  • Konrat Ziegler: Plutarchos von Chaironeia. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XXI,1, Stuttgart 1951, Sp. 636–962 (auch separat bei DruckenmĂŒller, Stuttgart 1949; 2., durch NachtrĂ€ge ergĂ€nzte Auflage 1964).
Rezeption
  • Marianne Pade: The Reception of Plutarch’s Lives in Fifteenth-Century Italy. 2 BĂ€nde, Museum Tusculanum Press, Kopenhagen 2007, ISBN 978-87-635-0532-1.

Weblinks

 Wikisource: Plutarch â€“ Quellen und Volltexte
 Wikisource: Plutarch â€“ Quellen und Volltexte (Englisch)
 Wikisource: Plutarch â€“ Quellen und Volltexte (Griechisch)
 Wikiquote: Plutarch â€“ Zitate
 Commons: Plutarch â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. ↑ Carsten Binder: Plutarchs Vita des Artaxerxes. Ein historischer Kommentar. Berlin 2008, S. 2.
  2. ↑ Die verwandtschaftlichen VerhĂ€ltnisse finden sich ausfĂŒhrlich erlĂ€utert und mit einem Stammbaum dargestellt bei: Konrat Ziegler, Plutarchos von Chaironeia, 2., durch Nachtr. erg. Aufl. (Stuttgart 1964), Sp. 6 ff.
  3. ↑ Konrat Ziegler, Plutarchos von Chaironeia, 2., durch Nachtr. erg. Aufl. (Stuttgart 1964), Sp. 12 f.
  4. ↑ Konrat Ziegler, Plutarchos von Chaironeia, 2., durch Nachtr. erg. Aufl. (Stuttgart 1964), Sp. 13 f.
  5. ↑ Konrat Ziegler, Plutarchos von Chaironeia, 2., durch Nachtr. erg. Aufl. (Stuttgart 1964), Sp. 14 ff.
  6. ↑ Plut, Otho 14.
  7. ↑ Suda Stichwort Î Î»ÎżÏÏ„Î±ÏÏ‡ÎżÏ‚, Adler-Nummer: pi 1793, Suda-Online
  8. ↑ Christian HĂŒnemörder: Plutarchos. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 9, Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-01479-7, Sp. 1160.
  9. ↑ Konrat Ziegler, Plutarchos von Chaironeia, 2., durch Nachtr. erg. Aufl. (Stuttgart 1964), Sp. 65.
  10. ↑ Der Lampriaskatalog in: Konrat Ziegler, Plutarchos von Chaironeia, 2., durch Nachtr. erg. Aufl. (Stuttgart 1964), Sp. 61–65.
  11. ↑ Konrat Ziegler, Plutarchos von Chaironeia, Stuttgart 1964, Sp. 258.
  12. ↑ Konrat Ziegler, Große Griechen und Römer (Bd.1), ZĂŒrich 1954, S. 36; Konrat Ziegler, Plutarchos von Chaironeia, 2., durch Nachtr. erg. Aufl. (Stuttgart 1964), Sp. 258; Friedrich Leo, Die griechisch-römische Biographie nach ihrer litterarischen Form, Leipzig 1901, S. 156; Mathis-Christian Holzbach, Plutarch: Galba-Otho und die Apostelgeschichte, Berlin 2006, S. 13.
  13. ↑ Mathis-Christian Holzbach, Plutarch: Galba-Otho und die Apostelgeschichte, Berlin 2006, S. 24.
  14. ↑ Zur viel diskutierten Frage der relativen Chronologie der Biographien: Konrat Ziegler, Art. Plutarchos, in: Der Kleine Pauly, Band 4, hrsg. v. Konrat Ziegler, Göttingen 1972, Sp. 950.
  15. ↑ Konrat Ziegler, Plutarchos von Chaironeia, 2., durch Nachtr. erg. Aufl. (Stuttgart 1964), Sp. 18.
  16. ↑ Herbert Heftner: Plutarch und der Aufstieg des Pompeius. Ein historischer Kommentar zu Plutarchs Pompeiusvita, Teil 1, Kap. 1–45. Frankfurt am Main 1995, S. 14f.
  17. ↑ Hans Weber, Die Staats- und Rechtslehre Plutarchs von Chaironeia, Bonn 1959 (Schriften zur Rechtslehre und Politik Bd. 16), S. 19.
  18. ↑ Christian HĂŒnemörder: Plutarchos. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 9, Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-01479-7, Sp. 1159.
  19. ↑ Hans Weber: Die Staats- und Rechtslehre Plutarchs von Chaironeia, Bonn 1959 (Schriften zur Rechtslehre und Politik Bd. 16), S. 18f.
  20. ↑ Konrat Ziegler: Plutarchos. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 4, Stuttgart 1972, Sp. 947.
  21. ↑ Michel de Montaigne, Essais, nach der Ausgabe von Pierre Coste, ins Deutsche ĂŒbersetzt v. Johann Daniel Tietz, ZĂŒrich 1996, Bd. 1, S. 818.
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