Pompeji

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Pompeji
Blick in eine enge pompejianische Gasse
Zwei Bewohner Pompejis, Terentius Neo (frĂŒher als Paquius Proculus gedeutet) und seine Frau, auf einem Fresko; 1. Jh., Museum Neapel
Paar beim Liebesspiel, Wandmalerei
Die Lage der antiken Stadt Pompeji

Pompeji (lateinisch Pompeii, griechisch Î ÎżÎŒÏ€Î·ÎÎ± Pompeia, italienisch PompeĂŻ) war eine antike Stadt in Kampanien, am Golf von Neapel gelegen, die wie Herculaneum und Stabiae beim Ausbruch des Vesuvs am 24. August 79 n. Chr. untergegangen ist.

In seiner etwa siebenhundertjĂ€hrigen Geschichte wurde Pompeji von Oskern, Samniten, Griechen, Etruskern und Römern bewohnt und geprĂ€gt. Bei einem Ausbruch des Vesuvs wurde die Stadt im Jahre 79 verschĂŒttet, dabei weitgehend konserviert und im Laufe der Zeit vergessen. Nach ihrer Wiederentdeckung im 18. Jahrhundert begann die zweite Geschichte der Stadt, in deren Verlauf Pompeji zu einem zentralen Objekt der ArchĂ€ologie und der Erforschung der antiken Welt wurde. Pompeji, eine der am besten erhaltenen antiken Stadtruinen, wurde zu einem bekannten und in der Neuzeit stark rezipierten Begriff, der viele Lebensbereiche beeinflusste.

Inhaltsverzeichnis

Geografische Lage

Pompeji liegt in der italienischen Landschaft Kampanien, am Fuße des Vesuvs, an der MĂŒndung des Flusses Sarno in den Golf von Neapel direkt an der Autobahn A3.

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Pompeji (Italien)
Pompeji
Pompeji

Die Stadt wurde auf einem durch frĂŒhere AusbrĂŒche entstandenen Lavaplateau angelegt, das im SĂŒden und Teilen des Westens steil, zum Norden und Osten hin jedoch nur leicht abfiel. Rekonstruktionen haben ergeben, dass die Stadt in der Antike viel nĂ€her am Meer lag (zur Zeit 700 Meter entfernt) als heute. Die MĂŒndung des schiffbaren Sarno war offenbar durch Lagunen geschĂŒtzt und diente schon frĂŒh griechischen und phönizischen Seeleuten als sicherer Hafen und Umschlagplatz fĂŒr ihre Waren. Zudem war der Boden im Umland nicht zuletzt wegen der frĂŒheren AusbrĂŒche des Vesuvs sehr fruchtbar.[1]

Geschichte

FrĂŒhe Stadtgeschichte

Besiedlungsphasen Pompejis
rot: Siedlungskern
blau: erste Erweiterungsphase
grĂŒn: zweite Erweiterungsphase
gelb: letzte Erweiterungsphase

Neuere Ausgrabungen haben ergeben, dass es nahe der heutigen Stadt Nola eine seit dem frĂŒhen 1. Jahrtausend v. Chr. bestehende Siedlung gab, die man am Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. aufgab, um sie nĂ€her an die FlussmĂŒndung zu verlegen.[2] Diese neue Siedlung – Pompeji – wurde nach mythologischer Überlieferung vom Halbgott Herakles gegrĂŒndet, in Wirklichkeit wohl von den Oskern. Der Ortsname ist mit dem oskischen Zahlwort pompe „fĂŒnf“ zu verbinden. Die Bevölkerung der Stadt bestand laut Strabon in historischer Zeit aus Oskern, Etruskern, Pelasgern und Samniten. Über die Geschichte der rasch wachsenden Stadt ist wĂ€hrend der Zeit der Auseinandersetzungen zwischen den Griechen und Etruskern in Kampanien nichts bekannt. Allerdings haben Funde belegt, dass man wahrscheinlich nach beiden Seiten hin Kontakte pflegte, wobei die Beziehung zu den Etruskern offenbar bedeutender war. Wahrscheinlich ist allerdings, dass die Pompejaner zunĂ€chst unter griechischem Einfluss standen, was ihre Übernahme der griechischen Götterwelt und einen dorischen Tempel erklĂ€rt. Im Jahre 525 v. Chr. dehnten die Etrusker ihren Machtbereich bis nach Pompeji aus. Sie ĂŒbernahmen unter anderem den in Pompeji gepflegten Apollon-Kult. Nach der Niederlage der Etrusker gegen die Flotten von Cumae und Syrakus in der Schlacht von Cumae im Jahr 474 v. Chr. hatten erneut die Griechen die Vorherrschaft ĂŒber Kampanien inne. Seit dem spĂ€ten 5. Jahrhundert v. Chr. (zwischen 425 v. Chr. und 420 v. Chr.) stand Pompeji unter samnitischer Herrschaft. Im Jahre 310 v. Chr. konnte die Stadt einen PlĂŒnderungszug römischer Flottensoldaten noch abwehren, die die Nachbarstadt Nuceria Alfaterna einnehmen sollten.[3] 290 v. Chr. musste sich Pompeji wie auch alle anderen samnitischen StĂ€dte dem römischen BĂŒndnissystem anschließen. Aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. wurden mehrere oskische Inschriften gefunden. Nach und vor allem wĂ€hrend des 2. Jahrhunderts v. Chr. ging es der kampanischen Stadt wirtschaftlich sehr gut. Es konnten viele öffentliche Projekte wie Markthallen- oder Tempelbauten realisiert werden. Auch private Bauten hatten zum Teil stattliche Dimensionen.

Römisches Pompeji

Darstellung der Krawalle wĂ€hrend der Gladiatorenspiele zwischen Pompejanischen und Nucerianer „Schlachtenbummlern“ auf einem pompejanischen WandgemĂ€lde

Sowohl wĂ€hrend der Samnitenkriege als auch wĂ€hrend des Bundesgenossenkrieges stand Pompeji auf Seiten der Gegner Roms. Sulla belagerte die Stadt 89 v. Chr., Spuren der Artillerie sind noch heute zu sehen. Es wurden auch Inschriften in oskischer Sprache an den HĂ€userwĂ€nden gefunden, die den ortsunkundigen Verteidigern den Weg weisen sollten. Pompeji unterlag schließlich den Römern und wurde 80 v. Chr. von Sulla in eine römische Kolonie umgewandelt. Die Stadt hieß nun Colonia Veneria Cornelia Pompeianorum. Etwa 2000 römische Veteranen mit ihren Familien wurden offenbar in einem grĂ¶ĂŸeren geschlossenen Gebiet im SĂŒdwesten der Stadt angesiedelt. In der aktuellen Forschung ist jedoch umstritten, ob dazu Teile der Stadt oder einzelne HĂ€user enteignet wurden. Man kann davon ausgehen, dass viele der Siedler außerhalb der Stadt Land zugewiesen bekamen und daher nicht in der Stadt lebten. Aus dieser Zeit stammen lateinische Inschriften, die auf eine „Selbstromanisierung“ hinweisen. Als gesichert gilt, dass es zunĂ€chst Konflikte zwischen den neu angesiedelten Römern und der alteingesessenen Oberschicht gab, die sich ĂŒber Jahrzehnte hinzogen. Bis zur augusteischen Zeit scheinen die alten Familien ihren Einfluss wieder zurĂŒckgewonnen zu haben. In Anlehnung an das römische Kaiserhaus wurde auch der von Augustus vorgesehene Nachfolger in seinem Amt, sein Neffe Marcellus, zum Schutzpatron der Stadt auserkoren und wie Augustus in der Stadt kultisch verehrt. Ebenfalls in augusteischer Zeit scheint sich die mondĂ€n anmutende Kleinstadt zu einem Treffpunkt der römischen Oberklasse entwickelt zu haben.

Im Jahre 59 n. Chr. kam es nach einem Bericht des Historikers Tacitus[4] im bis zu 20.000 Zuschauer fassenden Amphitheater wĂ€hrend eines Gladiatorenkampfes zu blutigen Krawallen mit Besuchern aus der Nachbarstadt Nuceria. Darauf verbot Kaiser Nero fĂŒr zehn Jahre jegliche Spiele in Pompeji. Die Ursachen fĂŒr diese Auseinandersetzungen sind möglicherweise bei ĂŒber Pompeji und Nuceria hinausreichenden politischen Problemen zu suchen.

Ein großes Erdbeben, von dem sich Pompeji zum Zeitpunkt seines Unterganges noch nicht wieder ganz erholt hatte, erschĂŒtterte am 5. Februar 62 die Region um den Vesuv und richtete in Pompeji große SchĂ€den an. Lange Zeit glaubte man in der Forschung, dass es in Folge dieses Erdbebens zu einer Verarmung und Proletarisierung der Stadt kam, was neuere Forschungen jedoch fĂŒr unwahrscheinlich halten.

Die Bevölkerung Pompejis, das in antiken Quellen uneinheitlich als urbs, oppidum oder municipium bezeichnet wurde und zur tribus Menenia gehörte, wird auf 8.000 bis 10.000[5] Einwohner zur Zeit des Untergangs geschÀtzt.

Untergang

Das Erdbeben des Jahres 62, das möglicherweise durch die Sackung einer Scholle des Herddaches oder das Aufreißen einer Spalte im Untergrund verursacht worden war, lockerte den Schlotpfropfen des Vulkans. Dessen Widerstand wurde durch die eingeschlossenen aufsteigenden Gase und durch das stetige Anwachsen des Dampfdrucks in der Magmakammer immer mehr vermindert. Zur Mittagszeit am 24. August 79 ĂŒberwand der Innendruck den Widerstand des Pfropfens, der schlagartig zertrĂŒmmert und ausgeschleudert wurde. Unmittelbar darauf wurden in kurzer Zeit riesige Mengen von Bimsstein und Asche ausgeworfen. Die ebenfalls ausgeworfenen, vom Herddach stammenden Trias-Dolomite sind ein Beleg dafĂŒr, dass der Schlot bis tief hinab leer geschossen wurde. Danach blies ein Gasstrahl zerriebenes Material der Schlotwandungen aus.

Bereits mehrere Tage vor dem Ausbruch hatte es Vorzeichen fĂŒr eine AktivitĂ€t des Vesuvs gegeben, weshalb ein Teil der Einwohner die Stadt vorsichtshalber schon verlassen hatte. Die Eruption schleuderte Unmengen von Asche, Lava und Gasen in die AtmosphĂ€re. Diese Wolke wurde vom Wind ĂŒber das Land in Richtung Pompeji getragen. Kurz nach Beginn des Ausbruchs begann es Bimsstein zu regnen. Unter dem Bimssteinstaub befanden sich grĂ¶ĂŸere StĂŒcke, die mit hoher Geschwindigkeit auf die Erde prallten. Dieser Bimsstein brachte zahllose DĂ€cher zum Einsturz, blockierte TĂŒren und schloss die Bewohner der Stadt ein.

WĂ€hrend einer kurzen Ruhepause verstĂŒrzte der Schlot. Die nĂ€chste Eruption rĂ€umte ihn wieder und die Gewalt des Ausbruchs nahm rasch zu. Der Schlot verstĂŒrzte erneut und wurde ein weiteres Mal gerĂ€umt. Das gasreiche Magma der Tiefe stieg im Schlot empor, wurde durch heftige Explosionen zerstĂ€ubt und in steigernder Folge von starken Aschen-Eruptionen gefördert. Der damit erreichte Höhepunkt des Ausbruchs wurde vermutlich von heftigen vulkanischen Beben begleitet. Gleichzeitig verwandelte ein wolkenbruchartiger Eruptionsregen auf dem Westhang des Vulkans große Aschemengen in Schlammströme.

Durch den Auswurf enormer Massen pyroklastischen Materials waren der Schlot und der obere Teil der Magmakammer entleert worden, so dass das Dach der Magmakammer lĂ€ngs der Bruchlinien zusammensackte. Aus einer dieser Bruchlinien drang Magma bis zur OberflĂ€che und ergoss sich ĂŒber das SumpfgelĂ€nde am Nordfuß des Monte Somma. Durch den Zusammensturz der Gipfelregion entstand eine Caldera von sechs km Durchmesser, in der sich in der Folgezeit der Kegel des heutigen Vesuvs bildete.

Als sich der Vesuv nach seinem achtzehnstĂŒndigen Ausbruch wieder beruhigt hatte, waren die meisten Menschen in Pompeji bereits erstickt oder von herabfallendem Gestein erschlagen worden. Dennoch hatten einige die Katastrophe bis zu diesem Zeitpunkt ĂŒberstanden. Die wenigen, die noch lebten, fielen aber nur kurze Zeit spĂ€ter Glutlawinen zum Opfer. Eines dieser Opfer war der berĂŒhmte römische Schriftsteller Plinius der Ältere, der, getrieben von naturwissenschaftlichem Interesse und dem Wunsch zu helfen, mit seiner Flotte (er war der PrĂ€fekt der römischen Flotte in Misenum) zum Ort der Katastrophe gefahren war. Vor Stabiae kam er in den SchwefeldĂ€mpfen um. Zeuge der Katastrophe war sein Neffe Plinius der JĂŒngere, der den Ablauf in erhaltenen Briefen detailgetreu schildert. Der spezifische Verlauf des Vulkanausbruchs wird deshalb auch als Plinianische Eruption bezeichnet.

Pompeji lag ĂŒber 1500 Jahre lang unter einer bis zu 25 Meter hohen Decke aus vulkanischer Asche und Bimsstein begraben. Neben Pompeji wurden auch weitere StĂ€dte wie Herculaneum, Stabiae und Oplontis vollstĂ€ndig verschĂŒttet.

Wiederentdeckung und neuzeitliche Erforschung

FrĂŒhe Ausgrabungen

Schon kurz nach dem Untergang der Stadt wurden aus verschiedenen GebĂ€uden WertgegenstĂ€nde geborgen. So konnten etwa mehrere Marmorstatuen gehoben werden. In den folgenden fast 17 Jahrhunderten war das GelĂ€nde der frĂŒheren Stadt nur sporadisch besiedelt. GrabrĂ€uber hatten jedoch im Verlauf der Jahrhunderte mehrfach in den einfach zu erreichenden Ruinen nach wertvollen StĂŒcken gesucht und diese geplĂŒndert.

Chronologie der Ausgrabungen in Pompeji

Im Jahre 1592 entdeckte Domenico Fontana bei Kanalbauarbeiten mehrere Inschriften, Marmortafeln, MĂŒnzen und Ähnliches, fĂŒr die sich jedoch niemand interessierte. Das GelĂ€nde wurde von den Einheimischen La Civita – die Stadt – genannt. Ein Kavalleriegeneral, FĂŒrst d'Elboeuf, hörte davon, kaufte an der Stelle Land und begann mit planlosen Ausgrabungen. Dabei wurden unter anderem drei Marmorstatuen – Die Herculanerinnen – gefunden. Diese kamen zunĂ€chst in den Besitz des Prinzen Eugen in Wien, spĂ€ter an den sĂ€chsischen Hof des KurfĂŒrsten Friedrich August II., wo dessen Tochter Maria Amalia Christina Gefallen an ihnen fand. Als sie nach Neapel verheiratet wurde, bat sie ihren Mann um die Wiederaufnahme der Ausgrabungen. Am 6. April 1748 wurden die Grabungen schließlich vom spanischen Ingenieuroffizier Oberst Rocque JoaquĂ­n de Alcubierre, der schon 1738 in Herculaneum nach SchĂ€tzen gegraben und bereits an den ersten Ausgrabungen FĂŒrst d’Elboeufs in Pompeji teilgenommen hatte, mit Genehmigung des neapolitanischen Königshauses offiziell begonnen. ZunĂ€chst hatten die Ausgrabungen jedoch nur das Ziel, besondere SchaustĂŒcke und WertgegenstĂ€nde zu bergen. Alcubierre hatte bei seinen Grabungen nur wenig Erfolg und wandte sich 1750 wieder Herculaneum zu. Jedoch stellte er fest, dass er wohl eine grĂ¶ĂŸere Siedlung entdeckt haben musste. Da er sie fĂŒr Stabiae hielt, nannte er das entdeckte Theater Teatro Stabina. Vier Jahre spĂ€ter wurden die Ausgrabungen wieder aufgenommen, jetzt unter der Aufsicht der Akademie von Herculaneum. Die Objekte, nach denen man suchte, waren in erster Linie Statuen, Schmuck und Edelmetalle sowie in besonderem Maße Wandmalereien, die herausgelöst und nach Portici in ein extra errichtetes Museum gebracht wurden.

Ausgrabungen am Isis-Tempel

Im Jahre 1763 fand man ein Schild mit der Inschrift respublica Pompeianorum. Damit war die Stadt ohne Zweifel als Pompeji identifiziert. Seit 1763 konnte man das Grabungsgebiet auch besuchen. Zu den ersten SchaustĂŒcken gehörten das Theater, der Isistempel, das Herculaner Tor und die Diomedesvilla vor der Stadt. Die neapolitanischen Könige Karl III. und Ferdinand IV. beanspruchten das exklusive Vorrecht auf die gefundenen SchĂ€tze. So war es Besuchern verboten, die Ruinen zu zeichnen. Noch schlimmer fĂŒr die spĂ€tere Forschung war, dass beide die Zerstörung von Wandmalereien anordneten, nur damit sich niemand ihrer bemĂ€chtigen konnte. Erst der öffentliche Protest Johann Joachim Winckelmanns zwang das Königshaus, von dieser Praxis abzusehen. Nicht verhindert werden konnte, dass ausgewĂ€hlte StĂŒcke an andere europĂ€ische KönigshĂ€user verschenkt wurden. Unter der europĂ€ischen Elite kursierte eine Serie von PrachtbĂ€nden, die das Stichwerk AntichitĂ  di Ercolano enthielten. Dank dieser BĂŒcher weiß man heute immerhin, welche KunstschĂ€tze zu jener Zeit verloren gingen.

Durch den Einfluss der Werke Winckelmanns und ein dadurch ausgelöstes geĂ€ndertes Bewusstsein in der bĂŒrgerlichen Gesellschaft war die Auseinandersetzung mit den Hinterlassenschaften der Römer nun eine Auseinandersetzung mit der eigenen, europĂ€ischen Kultur. Diese VerĂ€nderung setzte nach 1760 ein. Von nun an wurde die Antike zu einer Art Ideal erhoben. Man stellte sich die Antike als einzige Ansammlung von Prachtbauten vor. Da die Befunde Pompejis dieser Vorstellung meist nicht gerecht wurden und der Bedarf des königlichen Museums gedeckt war, schlief das Interesse an weiteren Ausgrabungen in Pompeji vorerst ein, die Ausgrabungen gingen nur langsam voran. Nach dem Tode Alcubierres 1780 wurde Francesco La Vega neuer Grabungsleiter. Prominente Besucher Pompejis in dieser FrĂŒhzeit der Ausgrabungen waren unter anderem Johann Wolfgang Goethe („Es ist viel Unheil in der Welt geschehen, aber wenig, das der Nachwelt so viel Freude gemacht hĂ€tte“)[6] und Wolfgang Amadeus Mozart.

Einen großen Fortschritt bei der Erforschung gab es, als die Franzosen Neapel 1799 besetzten und 1806 bis 1815 die Herrschaft ĂŒber Italien innehatten. Die Leitung der Ausgrabungen lag nun in französischer Hand und ging planmĂ€ĂŸiger vonstatten. Als Erstes wurde das Land, auf dem Pompeji liegt, enteignet. Zeitweise wurden in dieser Zeit bei den Grabungen bis zu 700 Arbeiter eingesetzt. Teile des Forums wurden ergraben, ebenso die von Norden kommende Hauptstraße Via Mercurio und die sich anschließende zum Forum fĂŒhrende Via del Foro. Somit wurden die schon ergrabenen Bereiche im Norden und SĂŒden miteinander verbunden. Auch in West-Ost-Richtung wurden Teile der Via dell'Abbondanza freigelegt. Die geplante komplette Ausgrabung der Stadtmauer, die einen Gang durch die Stadt ermöglichen sollte, konnte bis zum Abzug der Franzosen 1815 nicht realisiert werden. Dennoch konnte nun erstmals ein Eindruck von der GrĂ¶ĂŸe und dem Erscheinungsbild der antiken Kleinstadt gewonnen werden. In den folgenden Jahren mussten die AusgrĂ€ber andauernd mit Geldmangel kĂ€mpfen. Die Grabungen schritten wieder nur langsam voran, trotzdem konnte man bedeutende Funde verzeichnen. So fand man die HĂ€user des Fauns, des Meleagers, des tragischen Dichters und der Dioskuren.

Giuseppe Fiorelli und der Beginn der wissenschaftlichen Erforschung

Ausgrabung eines Hauses gegen Ende des 19. Jahrhunderts
Erhaltene AbdrĂŒcke von Opfern des Vulkanausbruchs

Mit der Ernennung Giuseppe Fiorellis zum Soprintendente im Jahre 1863 begann eine neue Epoche in der Erforschung der Stadt. Die folgenden zwölf Jahre unter seiner Leitung sollten prĂ€gend werden. In der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts machten die Grabungstechniken große Fortschritte. Die Arbeit wurde immer wissenschaftlicher und stetig verbessert. So wurden etwa GipsabgĂŒsse der Toten angefertigt. Dabei wurden, wenn die AusgrĂ€ber HohlrĂ€ume entdeckten, die die Leichen im erhĂ€rteten Gestein hinterlassen hatten, jene vorsichtig mit Gips ausgefĂŒllt. Nach dem Erstarren konnte man die Toten als Gipsmodelle erkennen. Ihr Ausdruck reicht vom offensichtlichen Todeskampf bis hin zu einem friedlichen Eindruck des Einschlafens. Im Laufe der Zeit wurden diese Methoden verfeinert, sodass man auch kleinere HohlrĂ€ume ausgoss, die von vormals organischem Material hinterlassen worden waren. Das konnten ehemalige Holzmöbel sein oder auch Wurzeln. Auch den oberen Stockwerken der Bauten schenkte man nun Beachtung, die Obergeschosse wurden zum Teil auch rekonstruiert. HĂ€user grub man nun von oben und nicht von der Seite kommend aus. Das fĂŒhrt zu eindeutigen wissenschaftlichen Befunden und verhindert das EinstĂŒrzen der WĂ€nde, was bis dahin wegen der Last des Erdreiches im Inneren der HĂ€user oft geschehen war. Man kĂŒmmerte sich nun auch um die Sicherung und den Erhalt der schon ausgegrabenen Teile der Stadt, die bisher meist nur notdĂŒrftig oder gar nicht rekonstruiert worden und erneut dem Verfall preisgegeben waren.

Die Restaurierung wurde vor allem unter Fiorellis Nachfolger Michele Ruggiero ein bedeutender Bestandteil der Arbeit. Fiorelli fĂŒhrte auch Methoden der wissenschaftlichen Dokumentation ein. Er unterteilte die Stadt in die noch heute gĂŒltigen neun Bereiche (Regionen) und HĂ€userblöcke (insulae) und nummerierte die EingĂ€nge. Fiorelli gab mit dem Giornale degli Scavi auch das erste Periodikum mit aktuellen Ausgrabungsberichten heraus. Unter Fiorellis Nachfolgern wurden die letzten Reste der bislang unausgegrabenen FlĂ€chen westlich der Via Stabiana freigelegt. Damit war der gesamte Westen der Stadt archĂ€ologisch untersucht.

1889 untersuchten der ArchĂ€ologe Friedrich von Duhn und der Architekt Louis Jacobi tiefere Schichten der Stadt und stießen auf einen dorischen Tempel aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Zwischen 1907 und 1911 fand man vor den Mauern der Stadt zwei Nekropolen aus samnitischer Zeit (5. Jahrhundert v. Chr.). Vittorio Spinazzola leitete zwischen 1911 und 1924 die Erforschung der kompletten Via dell'Abbondanza (auch Basarstraße genannt) bis zum Sarno-Tor. Spinazzolas Rekonstruktionen der Fassaden der GebĂ€ude an dieser Straße sind in der Wissenschaft jedoch Ă€ußerst umstritten. Um die Mauerwerke, Fresken, Mosaiken, Inschriften usw. zu schĂŒtzen, errichtete man auf den Mauern schon seit Ende des 19. Jahrhunderts geneigte kleine ZiegeldĂ€cher. Dabei achtete man jedoch nicht auf die ursprĂŒnglichen Raumhöhen oder gar auf Obergeschosse. Auch wurden Wasser- und Stromleitungen verlegt, zum Teil, um fĂŒr die Besucher Effekte durch Springbrunnen oder Licht zu erzeugen. Auch die Bepflanzungen der Innenhöfe der HĂ€user zu dieser Zeit mit LorbeerbĂ€umen und Palmen hat mehr geschadet als genutzt und stellt die ArchĂ€ologen noch heute vor Probleme. Auch bei den Mauern kann man heute kaum noch zwischen Originalteilen und neuen Mauerteilen unterscheiden. Doch das grĂ¶ĂŸte Problem ist mittlerweile die BaufĂ€lligkeit der Rekonstruktionen aus dieser Zeit.

Moderne ArchÀologie: Von den 1920er Jahren bis heute

In den 1920er-Jahren wurde unter Amedeo Maiuri, der fĂŒr fast 40 Jahre Ausgrabungsleiter in Pompeji war, erstmals in Ă€lteren Schichten als der von 79 n. Chr. gegraben, um auch Erkenntnisse ĂŒber die Siedlungsgeschichte zu erlangen. Der Zweite Weltkrieg brachte weitere Zerstörungen, als alliierte Flugzeuge im September 1943 Pompeji bombardierten. Vor allem die damals neu ausgegrabenen Bereiche waren betroffen.[7] Unter Maiuri fanden in den 1950er-Jahren die letzten Grabungen in großem Stil statt, die jedoch nur unzureichend wissenschaftlich dokumentiert wurden. Nach Maiuris Grabungen war auch der Bereich sĂŒdlich der Via dell'Abbondanza und der Verlauf der Stadtmauer nahezu komplett freigelegt. Die Konservierung wurde jedoch strĂ€flich vernachlĂ€ssigt und stellt die heutigen ArchĂ€ologen vor große Schwierigkeiten. Ausgerechnet dieser Bereich, der doch wegen seiner dichten Bebauung mit WerkstĂ€tten, Herbergen und Kneipen ein genaues Bild vom Leben der Stadt zeichnen könnte, wirkt heute – nicht zuletzt nach einem fragwĂŒrdigem Wiederaufbau in den 1980er- und 1990er-Jahren nach dem schweren Erdbeben vom 23. November 1980, das große Zerstörungen in Pompeji angerichtet hatte – leblos und steril. Auch die Ausgrabung des GrĂ€berfeldes vor dem Noceraner Tor fĂ€llt in diese Zeit. Seitdem beschrĂ€nkte man sich, abgesehen von kleineren Sondierungen oder gezielten Sondagen und Grabungen, auf die schon ausgegrabenen Gebiete. Mittlerweile sind etwa zwei Drittel der Stadt freigelegt. Weitere Ausgrabungen im großen Stil sind derzeit nicht absehbar. Heute versuchen die ArchĂ€ologen zu rekonstruieren, zu dokumentieren und vor allem den immer schneller voranschreitenden Verfall aufzuhalten. Pompeji wird auch zunehmend zu einem internationalen Forschungsprojekt. So ist etwa auch das Deutsche ArchĂ€ologische Institut seit langem in Pompeji tĂ€tig. Zu nennen ist besonders das von Volker Michael Strocka geleitete Forschungsprojekt HĂ€user in Pompeji oder die Erforschungen der Casa dei Postumii (1997 bis 2002) durch Jens-Arne Dickmann und Felix Pirson.

Die Funde aus Pompeji sind seit 1787 im Museo Archeologico Nazionale in Neapel, neuere Funde auch vor Ort im Antiquarium zu sehen.

Grabungsleiter, Direktoren und Superintendent der historischen StÀtte von Pompeji

EingerĂŒckt die verantwortlichen Direktoren fĂŒr Pompeji. Zeitweise waren mehr als eine Person fĂŒr die archĂ€ologische StĂ€tte von Pompeji verantwortlich oder die Amtsinhaber wechselten sich als Grabungsleiter und Museumsdirektoren in Neapel ab. Seit 1961 sind die Superintendenten von Neapel und Caserta fĂŒr Pompeji zustĂ€ndig, daneben gibt es immer auch örtliche Leiter fĂŒr Pompeji wie auch fĂŒr Herkulaneum, Oplontis, Stabiae und Boscoreale.

  • 1738–1780 Rocque JoaquĂ­n de Alcubierre
    • 1750–1760 Karl Weber als verantwortlicher Assistent
  • 1764/1778–1797 Francesco La Vega
  • 1799–1804 Christoph Saliceti
  • 1804–1814 Pietro La Vega
  • 1807–1838 Michele Arditi
    • 1814–1825 Antonio Bonnucci
    • 1825–1828 Nicola d’Apuzzo
    • 1827–1837 Carlo Bonucci
    • 1837–1848 Pietro Bianchi

Stadtentwicklung und Infrastruktur

Straßen, VerkehrsfĂŒhrung, Stadttore und Stadtmauer

Hauptstraßen in Pompeji: 1. Via Marina; 2. Via dell'Abbondanza; 3. Via di Porta Nocera; 4. Via di Nola; 5. Via di Stabia; 6. Via di Mercurio; 7. Via del Foro

Die Stadtentwicklung Pompejis ist bis heute nur ungenĂŒgend erforscht, da sich die Ausgrabungen zumeist auf den Horizont des Zeitpunktes des Unterganges im Jahr 79 n. Chr. beschrĂ€nkten. Tiefere Sondierungen sind bisher nur an wenigen Stellen und bei ausgesuchten Projekten und Objekten vorgenommen worden. Somit kann man ĂŒber die Entwicklung der Stadt bisher nur Teilaussagen treffen. Bei der neueren Erforschung der Stadt steht jedoch auch die Erforschung tieferer Schichten im Vordergrund.

Noch heute kann man auf dem Plan Pompejis die Keimzelle (Siedlungsnukleus) der Stadt erkennen, die auf einem Lavaplateau in exponierter Stellung errichtet wurde. Den Umriss dieser ursprĂŒnglichen Siedlung im SĂŒdwesten der Stadt erkennt man anhand der StraßenfĂŒhrung, die anders als beim Rest der Stadt nicht geradlinig und in Form eines Rasters angelegt wurde. SpĂ€tere große Straßen, vor allem die Via dell'Abbondanza, wurden in das Altstadtgebiet fortgefĂŒhrt, doch selbst bei diesen Arbeiten konnte man die Achsen nicht ganz geradlinig erweitern.

Die systematische Anlage der Straßen außerhalb der Altstadt lĂ€sst eine geplante Erschließung des neuen Siedlungsgebietes vermuten. In der Forschung ist umstritten, wann diese Anlage erfolgte. Neuere Untersuchungen geben Hinweise darauf, dass dies schon recht frĂŒh geschehen sein muss und dass im Zuge der Anlage des Straßensystems auch schon die Stadttore und die Stadtmauer geplant wurden.

Blick auf das Noceraner Tor

Bei genauer Betrachtung fĂ€llt auf, dass die Stadt Pompeji von fĂŒnf großen Straßen durchzogen war. In West-Ost-Richtung (decumanus genannt) lag im Norden eine im Westteil als Via della Fortuna, im Ostteil als Via di Nola bezeichnete Straße, die im Osten ins Nolaner Tor mĂŒndete, im Westen in eine kurz vor der Stadtmauer verlaufende kleinere Straße. Parallel zu dieser Straße verlĂ€uft im SĂŒden vom Hafentor kommend die recht kurze Via Marina, die hinter dem Forum als Via dell'Abbondanza fast die ganze Stadt durchlĂ€uft und die Stadt durch das Sarno-Tor verlĂ€sst. In Nord-SĂŒd-Richtung verlĂ€uft im Westteil der Stadt die Via del Foro, die, nachdem sie die Via della Fortuna gekreuzt hat, Via di Mercurio genannt wird. Nachdem sie das Forum passiert hat, wird sie leicht nach Westen versetzt als Strada delle Scuole fortgefĂŒhrt und mĂŒndet nach kurzem Weg in eine kleinere Straße, die kurz vor der Stadtmauer parallel zur Mauer verlĂ€uft. Die mittlere Nord-SĂŒd-Straße ist die Via Stabiana. Sie ist die einzige Straße, die absolut gerade von einem Tor zum anderen durch die gesamte Stadt verlĂ€uft. Im Norden endet sie am Vesuv-Tor, im SĂŒden am Stabianer Tor. Die dritte und östlichste der drei Straßen ist die vom Noceraner Tor kommende Via di Porta Nocera. Von ihr ist vor allem der sĂŒdliche Teil bis zur Via dell'Abbondanza ausgegraben. Es ist jedoch sicher, dass sie im Norden auf kein Stadttor trifft. Das einzige Stadttor, das nicht an einer der großen Straßen lag, war das Herculaner Tor, das sich in der Nordwestecke befand.

Trotz der geplanten Anlage des grĂ¶ĂŸten Teiles der Stadt weichen weite Teile der StraßenfĂŒhrungen – vor allem im Nordwesten und SĂŒdosten – von der Ausrichtung der Nord-SĂŒd-Achse der Stadt (Via Stabiana) ab. Im Nordwesten orientiert sich die StraßenfĂŒhrung an der Via di Mercurio, im SĂŒdosten am Noceraner Tor. Auch in den unmittelbar an der Altstadt angrenzenden Stadtteilen gibt es an der Altstadt orientierte Abweichungen von der Hauptachse.

Die StraßenfĂŒhrung legt nahe, dass Bereiche nördlich der Altstadt schon im Laufe des 6. Jahrhunderts v. Chr. angelegt und partiell bebaut wurden. Die Erweiterung des Stadtgebietes ĂŒber die Via Stabiana hinaus nach Osten erfolgte wohl nicht vor dem Ende des 4. Jahrhunderts. Auch hier gibt es zwei unterschiedliche StraßenfĂŒhrungen. Somit kann man auch hier davon ausgehen, dass die Siedlung nach Osten in zwei Schritten erfolgte. Vor allem der zweite legt nahe, dass hier eine grĂ¶ĂŸere Menge Menschen gleichzeitig angesiedelt wurde. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um frĂŒhere Bewohner der von Hannibal 215 v. Chr. zerstörten Stadt Nuceria Alfaterna handelte.

Das schnelle Anwachsen der Stadt schon im 6. Jahrhundert v. Chr. wĂ€hrend der ersten drei Siedlergenerationen erklĂ€rt auch die Entscheidung, eine erste, noch recht niedrige Verteidigungsmauer zu errichten. Dieses Bauwerk aus der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. wurde jedoch schon zu Beginn des 5. Jahrhunderts v. Chr. wieder abgerissen und durch einen massiven Bau aus zwei Kurtinen mit verfĂŒlltem Zwischenraum ersetzt. Unklar ist, ob die Errichtung der Mauer einer realen Bedrohung durch benachbarte Siedlungen oder im Hinterland siedelnde StĂ€mme geschuldet war. Neueste Funde am Rande der Altstadt deuten darauf hin, dass es eventuell schon wĂ€hrend einer frĂŒhen Besiedlungsphase eine Mauer um die Altstadt gegeben hatte. Das wĂŒrde auch erklĂ€ren, warum die Via dell'Abbondanza am Rande der Altstadt einen leichten Knick nach Norden macht – hier ist ein frĂŒheres Stadttor anzunehmen, durch das die Straße ursprĂŒnglich einmal gefĂŒhrt wurde. Jedoch sprechen die Funde fĂŒr eine Errichtung der Altstadtmauer erst im 5. Jahrhundert v. Chr. Damit wĂ€re diese jĂŒnger als der erste Mauerring. Daher kann man annehmen, dass die Altstadt ein zusĂ€tzlich befestigter Schutz- und RĂŒckzugsort war.

Obwohl erst wenige Befunde zur vorrömischen Besiedlung vorliegen, kann man jetzt schon sagen, dass in der Zeit, in der die Samniten ĂŒber die Stadt herrschten (5./4. Jahrhundert v. Chr.), so gut wie keine stĂ€dtebauliche Entwicklung erkennbar ist. Als die Römer ihren Einfluss auch auf Kampanien ausweiteten und in Pompeji zu plĂŒndern versuchten, entschloss man sich in der Stadt zum Bau einer dritten Stadtmauer. Diese wurde aus Kalksteinquadern errichtet, die an besonders gefĂ€hrdeten Stellen wie an der Nordseite der Stadt zusĂ€tzlich durch einen angeschĂŒtteten Erdwall verstĂ€rkt wurde. In diese Zeit fĂ€llt auch die Errichtung des Sarno-Tores und des Noceraner Tores. Also scheint dieses GelĂ€nde erst zu dieser Zeit in die Stadt eingebunden worden zu sein. Jetzt hatte Pompeji endgĂŒltig die Form, die es bis zu seinem Untergang behalten sollte. Die Stadtmauern wurden noch zweimal verstĂ€rkt, zuerst wĂ€hrend der Bedrohung durch Hannibal und ein zweites Mal wĂ€hrend der Auseinandersetzungen mit Rom im Bundesgenossenkrieg. Letzte VerĂ€nderung an der Mauer war die Errichtung von zwölf TĂŒrmen im SĂŒdosten, Osten und Norden. Die TĂŒrme wurden jeweils am Ende von Straßen errichtet, damit die Verteidiger schnellstmöglich zu ihnen gelangen konnten.

Es fĂ€llt auf, dass ursprĂŒnglich keine Sackgassen in der Stadt zu finden waren. Erst durch Umbauten in der Kaiserzeit wurden einige wenige vorherige Durchgangsstraßen zu Sackgassen. Damit waren auch kleinere Nebenstraßen Durchgangsstraßen und man kann davon ausgehen, dass diese zum Teil stark frequentiert wurden. So gelangte man problemlos von jedem Punkt der Stadt zur Stadtmauer, was im Verteidigungsfall von nicht geringer Bedeutung war. Die Bebauung reichte auch nur im durch die Steilwand gesicherten Westen und SĂŒdwesten (Altstadt) bis an die Mauer heran. Dadurch bildete sich ein nahezu durchgĂ€ngiger Mauerring. Ein weiterer positiver Punkt dieser Planung war ein ungehinderter Verkehr in der Stadt – wo keine Sackgassen sind, gibt es weniger RĂŒckstaus.

Anzumerken ist, dass die Straßen in erster Linie von Lasttieren und LasttrĂ€gern benutzt wurden. FĂŒr die normalen FußgĂ€nger gab es auf den Hauptstraßen meist Fußwege. Trotz der tiefen Radspuren muss man annehmen, dass es keinen so regen Verkehr mit Fuhrwerken gab, wie man es sich vor allem frĂŒher vorgestellt hat. Die tiefen Radspuren haben sich ĂŒber etwa 150 Jahre in den im Laufe des 1. Jahrhunderts v. Chr. gepflasterten Straßengrund gefressen. Ein weiterer Beleg fĂŒr einen ĂŒberschaubaren Wagenverkehr ist, dass man in den Seitenstraßen nur geringe Abnutzungsspuren der Straßen durch WagenrĂ€der fand. Vermutlich wurden schwere Lastkarren schon vor der Stadt auf kleinere, zweirĂ€drige Karren, Lasttiere und TrĂ€ger umgeladen aufgrund Ă€hnlicher Verkehrsvorschriften wie in Herculaneum. Auf dort gefundenen Gesetzestafeln (Tabulae Heracleenses) wird der Verkehr mit gezogenen Karren in die Nachtstunden verbannt. TagsĂŒber war es nur Zulieferern von öffentlichen Bauvorhaben erlaubt, die Straßen zu befahren. DafĂŒr gibt es Hinweise auf einen massiven Einsatz von Lasttieren. In der ganzen Stadt finden sich hunderte in die Bordsteinkanten gebohrte, ösenartige Löcher, die dem Anleinen der Tiere und als Halterungen fĂŒr SonnendĂ€cher gedient haben dĂŒrften.

Fußwege gab es in Pompeji meist nur in den großen Hauptstraßen. In den Nebenstraßen reichte die Bebauung im Regelfall bis an die Straße, so dass sich der komplette Verkehr auf dieser abspielte. BĂŒrgersteige waren auch keine öffentlichen Anlagen, sondern waren von den Anwohnern errichtet worden. Das merkt man daran, dass die Breite der BĂŒrgersteige bei verschiedenen Insulae ein und derselben Straße unterschiedlich ist und dass sich die Pflasterweisen der Gehwege meist an den GrundstĂŒcksgrenzen Ă€ndern. Die Gehwege waren offenbar nicht fĂŒr den Verkehr an sich gedacht, sondern zum Verweilen, zum Plausch oder zur Betrachtung der Auslagen von LĂ€den. Sie waren eine Art „verkehrsberuhigte Zone“.

Namen fĂŒr die Straßen sind nicht ĂŒberliefert. Die heutigen Namen sind neuzeitliche Erfindungen, obwohl Straßennamen wie Via dell Foro („Forumsstraße“) durchaus möglich gewesen sein können. Ortsunkundige Besucher hatten sicher Probleme, sich in der Stadt zurechtzufinden. Wer zu einem bestimmten Ort wollte, musste sich durchfragen oder von einem FĂŒhrer durch das Straßengewirr leiten lassen.

Wasserversorgung

Öffentlicher Laufbrunnen

Über Jahrhunderte war die Wasserversorgung der Bevölkerung Pompejis eines der grĂ¶ĂŸten Probleme. Frei zugĂ€nglich war Wasser nur vom Sarno oder von Quellen am Vesuv zu bekommen. Wollte man Wasser in der Stadt bekommen, musste man Zisternen anlegen oder – wegen der Lage auf einem Plateau – sehr tiefe Brunnen graben. Diese Brunnen stellten eine beachtliche technische Leistung dar. Ein an einer der höchsten Stellen gefundener Brunnen am Herculaner Tor war 35 Meter tief. Im Stadtgebiet wurden mehrere Brunnen gefunden, meist zentral an Straßenkreuzungen gelegen. Eine noch grĂ¶ĂŸere Anzahl gab es jedoch auf GrundstĂŒcken oder, vor allem in spĂ€terer Zeit, sogar innerhalb von GebĂ€uden. Es ist allerdings unklar, ob diese Brunnen nur der privaten Versorgung dienten. Nach der Errichtung des AquĂ€dukts wurden die Brunnen aufgegeben und – zum Teil als Abfallgrube genutzt – im Laufe der Zeit verfĂŒllt. Man vermutet, dass die meisten GebĂ€ude vor der Erbauung des AquĂ€dukts auch ĂŒber eine Zisterne verfĂŒgten. Es ist anzunehmen, dass dieses Wasser jedoch in erster Linie als Nutzwasser – etwa zum Waschen, zur BewĂ€sserung der GĂ€rten oder zum TrĂ€nken der Nutztiere – verwendet wurde. Es gab bisher jedoch keine genaueren Untersuchungen der Zisternen, da diese zumeist sehr instabil sind und das Risiko fĂŒr die ArchĂ€ologen zu groß ist, bei der Untersuchung verschĂŒttet zu werden. Bei der Untersuchung der Insula Arriana Polliana fanden die AusgrĂ€ber eine riesige Zisterne, die ĂŒber die gesamte Breite des GebĂ€udes reichte (30 Meter). In vier der sechs LĂ€den (tabernae) die sich dort befanden, fand man Löcher, durch die man Wasser aus der Zisterne schöpfen konnte.

Im 1. Jahrhundert v. Chr. wurde ein AquĂ€dukt errichtet, der die Versorgung der Stadt mit Frischwasser stark verbesserte. Östlich des Vesuvs zweigte man eine Leitung von der schon bestehenden Serino-Leitung ab. Der Pompejaner AquĂ€dukt, der bis nach Pompeji ĂŒberwiegend unterirdisch verlief, traf an der am höchsten gelegenen Stelle beim Vesuv-Tor auf die Stadt. Dort wurde ein VerteilergebĂ€ude, das so genannte Wasserkastell, errichtet, in dem das Wasser durch zwei große Bleisiebe grob gereinigt und auf drei ZulĂ€ufe verteilt wurde. Von hier floss es in Bleirohren, die bis zu 30 Zentimeter Durchmesser haben konnten, in die Stadt. Der erste Zulauf speiste die öffentliche Wasserversorgung, der zweite die Thermen und der dritte die privaten AnschlĂŒsse in den HĂ€usern. Die beiden letzteren AnschlĂŒsse konnten bei Wasserknappheit gesperrt werden.

Das Wasser wurde ĂŒber ein Netz von HochbehĂ€ltern verteilt (bisher 13 bekannt), die bis zu sechs Meter hoch sein konnten und wie die Rohre aus Blei gefertigt waren. Ihre wichtigste Funktion war der Druckausgleich. WasserschĂ€den scheint es aufgrund des hohen Wasserdruckes bei den Bleirohren des Öfteren gegeben zu haben, was diverse Reparaturspuren an den Leitungen belegen.

Trotz vieler AnschlĂŒsse in Privathaushalten waren öffentliche Laufbrunnen am wichtigsten fĂŒr die Versorgung der Bevölkerung mit Wasser. Meist waren diese Brunnen an Kreuzungen positioniert. Bisher wurden 42 Brunnen lokalisiert, was eine recht große Dichte in der Wasserversorgung anzeigt.

So sehr man sich in der Stadt um die Versorgung mit Wasser mĂŒhte, sowenig kĂŒmmerte man sich um seine Entsorgung. Da es in der Stadt ein natĂŒrliches GefĂ€lle gab, leitete man die AbwĂ€sser einfach ĂŒber die Straßen ab.

Öffentliche Bauten

Forum

Blick ĂŒber das Forum
Blick ĂŒber das Forum

Das Forum befindet sich inmitten der Altstadt Pompejis. Seine Bauten stammen aus verschiedenen Zeiten – das Ensemble vermittelt deshalb keinen geschlossenen, homogenen Eindruck. Die FreiflĂ€che des Forums ist eine rechteckige Anlage. Vor allem in der vorrömischen Zeit wird dieser Platz als Markt gedient haben. ZunĂ€chst hatte das Forum auch eine wichtige Funktion als Versammlungsort, jedoch ist anzunehmen, dass seit dem Bau des ersten Theaters die Volksversammlungen dort abgehalten wurden. Außer an der Nordseite ist die Anlage von einer zweistöckigen Portikus umgeben, mit dessen Errichtung etwa um das Jahr 100 v. Chr. begonnen wurde. Eine Inschrift in lateinischer Sprache – aber noch mit der ErwĂ€hnung des aus oskischer Zeit stammenden und in der römischen Zeit nicht mehr gebrĂ€uchlichen QuĂ€storenamtes – legt nahe, dass der Bau kurz nach dem Bundesgenossenkrieg, aber noch vor der Errichtung der römischen Kolonie, also zwischen 89 und 80 v. Chr., fertig gestellt wurde. Die Bebauung an der Westseite erfolgte wahrscheinlich auf dem Grund frĂŒherer privater WohnhĂ€user.

Älterer Plan des Forums von August Mau

Kapitol

Einziges GebĂ€ude auf dem Platz war das am Nordende gelegene capitolium (Kapitol), der Tempel fĂŒr die Kapitolinische Trias. ZunĂ€chst war dieser nur dem obersten römischen Gott Jupiter geweiht. Errichtet wurde er in der Mitte des 2. Jahrhundert v. Chr. als auch der Apollontempel (s. u.) renoviert wurde. Zu dieser Zeit löste der römische Jupiter den griechischen Apoll als höchsten Stadtgott ab. Damit lehnte sich Pompeji schon sehr frĂŒh an Rom an. Die GrĂ¶ĂŸe des Tempels ĂŒbertraf die des Apollotempels; seine exponierte Lage bezeugt die herausragende Stellung. Auch die Bauweise orientierte sich an römischen Vorbildern, nicht an griechischen wie beim Apollotempel. Die Ausstattung scheint besonders reich gewesen zu sein, selbst in der cella standen Statuen. Zu Beginn des 1. Jahrhunderts v. Chr. weitete man die Funktion des Tempels zur Verehrung von Jupiter, Juno und Minerva aus.

Macellum

→ Hauptartikel: Macellum von Pompeji

In der Nordostecke befand sich das Macellum von Pompeji. Im Zuge der Umbauten des Forums im 2. Jahrhundert v. Chr. hatte das Forum seine Funktion verĂ€ndert. Es war nun nicht mehr, wie vormals ĂŒblich, der zentrale Marktplatz der Stadt. Diese Aufgaben ĂŒbernahmen andere PlĂ€tze. Einer dieser Orte war das Macellum. Am Beginn des 1. Jahrhunderts wurde der Bau von Grund auf erneuert, wĂ€hrend des Erdbebens von 62 n. Chr. jedoch stark zerstört. Im Zentrum der Halle befand sich eine Tholos, an der Kopfseite (Osten) drei RĂ€ume, im mittleren konnte ein Platz fĂŒr den Kaiserkult lokalisiert werden. Auch im VorgĂ€ngerbau gab es vermutlich schon einen Kultbereich fĂŒr den Gott der HĂ€ndler, Mercurius. Im Macellum wurde in erster Linie mit Lebensmitteln, vor allem mit Fleisch und Fisch gehandelt. Es wurden zahlreiche Reste von Knochen und GrĂ€ten, aber auch von Stallungen gefunden. In den tabernae an Nord- und Westseite fand man Reste von Obst, Getreide und Backwaren. Nach dem Untergang Pompejis wurden aus dem Kultraum in der Mitte der Ostseite durch einen Mauerdurchbruch ein Teil des dortigen Statuenbestandes geborgen.

Die FlĂ€che sĂŒdlich des Macellums war lange Zeit nicht mit öffentlichen GebĂ€uden, sondern mit PrivathĂ€usern bebaut. Dies war wohl vor allem deshalb unproblematisch, weil die zum Forum hin gelegene HĂ€userfront aus (in die WohnhĂ€user integrierten) tabernae bestand. Somit konnten es sich die reichen Familien, denen die GrundstĂŒcke in dieser besten Lage gehörten, noch bis in die frĂŒhe Kaiserzeit leisten, hier zu wohnen. Erst in dieser Zeit wurden die PrivathĂ€user zugunsten reprĂ€sentativer öffentlicher GebĂ€ude aufgegeben. Neben dem Macellum wurde ein kleineres Heiligtum zu Ehren der Kaiserfamilie errichtet. Dem schloss sich ein kleiner Tempel des Genius Augusti an, was zumindest eine fragmentierte Inschrift nahe legt. Gestiftet wurde das Heiligtum von der Priesterin Mamia.

GebÀude der Eumachia

Das grĂ¶ĂŸte und mit der prĂ€chtigsten Fassade verzierte Bauwerk am Forum war das GebĂ€ude der Eumachia. Es wurde nach der Stifterin des GebĂ€udes, der hochrangigen Priesterin Eumachia, benannt. Auf zwei Inschriften weist sie sich und ihren Sohn als Stifter des GebĂ€udes aus, anders als ĂŒblich wird jedoch nicht gesagt, wofĂŒr der Bau gedacht war. Es ist anzunehmen, dass das bebaute GrundstĂŒck schon vorher den Eumachiern, einer alteingesessenen, reichen pompejanischen Familie gehört hatte, die hier am Forum ihr Haus hatten. Geweiht war das GebĂ€ude der Göttin Concordia. Eine gefundene Statue stellte die symbolische Concordia Augusta dar. Aufgrund der Stiftung einer Statue der Eumachia durch die Wollfabrikanten der Stadt nahm man, wohl fĂ€lschlicherweise, an, dass das GebĂ€ude als Wollmarkt diente. In neuerer Zeit wurden ein Sklavenmarkt oder ein Ort zur Versteigerung von Waren als Verwendung des GebĂ€udes angenommen. Am wahrscheinlichsten ist jedoch seine Nutzung als Festsaal fĂŒr Feierlichkeiten zur Ehrung der Concordia.

Wahllokal und Amtslokale

Das Wahllokal wurde in der ersten Zeit als römische Kolonie errichtet. Über die Funktion des kleinen Baues kann man nur mutmaßen. FrĂŒher wurde es als comitium bezeichnet, jedoch war das GebĂ€ude als Versammlungsort fĂŒr die Volksversammlung zu klein. Darum nehmen neuere Deutungen an, dass hier womöglich die Stimmen von Entscheidungen der Volksversammlung ausgezĂ€hlt wurden.

An der SĂŒdseite des Forums befanden sich drei Amtslokale. Der östliche und der mittlere Bau stammen aus vorrömischer Zeit und scheinen gleichzeitig mit der Basilika (siehe unten) oder etwas spĂ€ter errichtet worden zu sein. Der westliche Bau wurde wohl im Zuge der Erhebung Pompejis zur römischen Kolonie errichtet. Möglicherweise waren es drei GebĂ€ude, weil die Verwaltung einer Stadt aus drei SĂ€ulen bestand: QuĂ€storen (Finanzverwaltung), Ädile (Bauwesen, Öffentliche Ordnung) und die duumviri iure dicundo, die beiden höchsten rechtsprechenden Beamten der Stadt. Auch als Aufbewahrungsort fĂŒr Rechtsurkunden und VertrĂ€ge sowie als Sitzungssaal fĂŒr den Stadtrat könnten die GebĂ€ude genutzt worden sein.

Basilika

Blick vom Innenraum auf das Podium der Basilika

An der SĂŒdwestseite lag – mit der Stirnseite zum Forum orientiert – die Basilika. Sie wurde (etwa zur gleichen Zeit wie der Jupiter-Tempel und der Neubau des Apollo-Tempels) auf einem GelĂ€nde errichtet, auf dem vorher wohl PrivathĂ€user und – an der Forumsfront – LĂ€den gestanden hatten. Bei diesem Bau wurden in Pompeji erstmals in grĂ¶ĂŸeren Mengen gebrannte Ziegel verwendet. Um ein reprĂ€sentatives Aussehen zu erreichen, wurde der Bau am Ende mit Stuck ĂŒberzogen, der geglĂ€ttet und poliert wurde. Durch ein feines Netz von OberflĂ€chenreliefs ahmte man ein Quadermauerwerk nach. Diese Imitation von Architektur wird seit den Forschungen von August Mau als Erster Pompejanischer Stil bezeichnet. Ein Graffito, das die Konsuln des Jahres 78 v. Chr. nennt, datiert den Bau in eine noch vorrömische Zeit. Wozu die Basilika verwendet wurde, ist nicht bekannt.

Tempel des Apollon

Reste des Apollon-Tempel. Vorne der Altar. Im Hintergrund der Vesuv

Der Tempel des Apollon war das Ă€lteste GebĂ€ude am Forum. Es wurden Spuren fĂŒr einen VorgĂ€ngerbau aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. gefunden. Der ĂŒberlieferte Tempelbau stammt jedoch aus der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. und ist ganz offensichtlich nach stadtrömischen Vorbildern erbaut worden. Das ist insoweit interessant, weil es fĂŒr Pompeji, das zu diesem Zeitpunkt nur lose mit Rom verbunden war, keine Notwendigkeit gab, sich an Rom zu orientieren. Die Bauweise des Tempels zeugt von den griechischen Vorbildern Roms. UrsprĂŒnglich war der Apollotempel ein Symbol fĂŒr den Einfluss der Etrusker auf die Stadt, da Apollon einer ihrer wichtigsten Götter war. So war der Tempel auch zunĂ€chst das Hauptheiligtum der Stadt. Doch auch nach der Errichtung weiterer Tempel blieb der Apollonkult sehr beliebt. Man fand hier diverse private Weihgaben, aber auch Bronzestatuen von Apollon und Diana sowie Hermen von Mercurius und wohl seiner Mutter Maia. Vor dem Tempel wurde in der frĂŒhen Kaiserzeit eine Sonnenuhr errichtet.

Markthalle

Im Nordwesten gab es neben dem Macellum eine zweite Markthalle. Möglicherweise wurde hier mit Lebensmitteln und anderen Waren des tĂ€glichen Gebrauchs gehandelt. FĂŒr die Forschung besonders wichtig war der Fund eines Eichtisches fĂŒr Hohlmaße aus Eichenholz. Dieser stammt noch aus vorrömischer Zeit, da man an ihm oskische Beschriftungen fand. Aus augusteischer Zeit stammen weitere Beschriftungen, die augusteische Reformen im Messwesen umsetzten. Eine weitere Besonderheit waren die sich ganz im Norden der Halle befindenden Gemeinschaftslatrinen – die einzigen außerhalb der Thermen, die bisher in Pompeji gefunden wurden.

Statuen und Ehrenbögen

An allen Seiten inner- und außerhalb der Portikus fanden sich Basen von mindestens 25 Statuen. Es ist heute jedoch nicht mehr möglich zu rekonstruieren, welche Statuen hier standen. Nach der VerschĂŒttung wurden diese entweder gezielt oder von PlĂŒnderern mitsamt den Sockeln und Verkleidungen geborgen. Die Maße der Sockel lassen allerdings einige RĂŒckschlĂŒsse zu. Auf dem Forum standen offenbar ausschließlich lebensgroße Reiterstandbilder, wĂ€hrend innerhalb der Portikus die Fußstatuen vor den SĂ€ulen platziert wurden.

Der beste Platz war an der SĂŒdseite des Forums. Hier wurden vormals zehn Reiterstandbilder durch drei sehr große Statuenensembles ersetzt. In der Mitte stand nach Inschriften zu urteilen ein 12 v. Chr. gestiftetes Reiterstandbild des Augustus. Die beiden anderen Basen lassen darauf schließen, dass hier zwei Quadrigen standen. Solche Quadrigen stellten im Allgemeinen den Kaiser als Triumphator dar. Eine weitere große, vermutlich den Kaiser darstellende Reiterstatue stand in der Mitte des Forums. Im spĂ€ten 1. Jahrhundert v. Chr. gab es bereits kaum noch Platz fĂŒr weitere Statuen. An den LĂ€ngsseiten standen Abbilder der Honoratioren der Stadt, auf den engeren Stirnseiten die der Kaiserfamilie.

An der SĂŒdseite des Capitoliums wurden zu beiden Seiten Ehrenbögen errichtet. Ein Dritter kam in tiberischer Zeit an der nördlichen Ostseite hinzu. Der sĂŒdliche Bogen auf der Ostseite wurde spĂ€ter wieder abgetragen, wahrscheinlich infolge des Erdbebens von 62 n. Chr. Die Bögen dienten der Kaiserpropaganda. Vom tiberischen Bogen weiß man aus einer Inschrift, dass hier zwar kein Bild des Kaisers, wohl aber das eines Angehörigen des Kaiserhauses stand.

Tempel und Kultbauten

Plan von Pompeji mit Darstellung der Verteilung der öffentlichen Kultbauten – 1. Venus-Tempel; 2. Apollon-Tempel; 3. Jupiter-Tempel; 4. Macellum; 5. Laren-Heiligtum; 6. Tempel des Genius Augusti; 7. GebĂ€ude der Eumachia; 8. Forum Triangolare; 9. Isis-Tempel; 10. Aesculap- und Salus-Tempel; 11. Fortuna-Tempel

Forum Triangolare: Hercules-Minerva-Tempel und Heroon

Durch die FĂŒhrung der Straßen an der frĂŒheren Altstadtmauer, dem Steilrand im SĂŒden und den spĂ€teren weiteren Bauten im Westen entstand außerhalb der Altstadt von Pompeji und direkt am Stadtrand im SĂŒdwesten eine dreieckige Anlage, die modern als Forum Triangolare bezeichnet wird. Ein Großteil der FlĂ€che war unbebaut, es gab hier nur den Hercules-Minerva-Tempel, das Heroon sowie ein paar kleinere Bauten.

Der Hercules-Minerva-Tempel ist nach dem Apollon-Tempel der zweitĂ€lteste Tempel der Stadt. An seiner Stelle stand in der FrĂŒhzeit ein dorischer Tempel. Durch die exponierte Stellung am Steilrand war der Tempel auch schon vom Meer aus gut zu erkennen. Er hatte, was eine Seltenheit in der Antike war, eine ungerade Zahl von SĂ€ulen (sieben) an der Fassade. Dies wird der Nutzung des Tempels fĂŒr zwei Götter zugeschrieben. In seiner cella gab es zwei separate Basen fĂŒr Kultbilder. Aufgrund der Darstellungen auf Ziegeln am Dach geht man davon aus, dass diese beiden Götter Minerva und Hercules waren. Sie werden um 300 v. Chr. datiert. Daraus schließt man, dass das GebĂ€ude zu dieser Zeit umfassend renoviert wurde. Die Vermutung, dass eine der Gottheiten Minerva ist, wurde durch einen spĂ€teren Fund der oskischen Fassadenaufschrift dipinto bestĂ€tigt.

Im spĂ€ten 2. Jahrhundert v. Chr. wurde ein kleiner Tiefenbrunnen angelegt, ĂŒber dem ein kleiner Rundtempel (Monopteros) errichtet wurde. Eine oskische Inschrift weist den Tempel als Stiftung eines meddix (eine Art BĂŒrgermeister der Stadt) aus. Offenbar wurden der Brunnen als OrakelstĂ€tte verwendet. Zur selben Zeit wurden auch zwei SĂ€ulenreihen errichtet, eine im Westen, eine im Osten und ein monumentales Eingangstor im Norden.

Zwischen dem Hercules-Minerva-Tempel und dem Monopteros wurde in der FrĂŒhzeit der Kolonie (nach 80 v. Chr.) ein Heroon erbaut, ein vierseitig ummauerter Bezirk, in dem Hercules als Heros verehrt wurde.

Weitere kleine ErgĂ€nzungen kamen in der Kaiserzeit hinzu. Das waren eine halbrunde Sitzbank mit Blick auf das Meer, eine Sonnenuhr und eine Statue des Marcellus, die der Stadtrat auf einem hohen Sockel errichten ließ.

Isis- und Aeskulap-Salus-Tempel

Der Isis-Kult wurde erst im Laufe des 2. Jahrhunderts v. Chr. in Pompeji eingefĂŒhrt. Verehrt wurde Isis wohl vor allem von der einfachen Stadtbevölkerung. WĂ€hrend bei anderen Tempeln reiche, meist alteingesessene Familien als Stifter auftraten, belegen Inschriften, dass die Ausstattung des Isis-Tempels vor allem von Personen einfacher Herkunft finanziert wurde. Die PopularitĂ€t des Isiskultes zeigt auch, dass der Isis-Tempel nach dem Erdbeben von 62 n. Chr. als eines der wenigen öffentlichen GebĂ€ude sehr schnell wieder aufgebaut wurde. Als der Tempel in den 1760er Jahren als eines der ersten GebĂ€ude Pompejis ausgegraben wurde, war die Öffentlichkeit ĂŒberrascht angesichts des Fundes eines orientalischen Kultes in Italien. Dadurch wurde eine Ägypten-Faszination in Europa ausgelöst, die man selbst noch in Edward Bulwer-Lyttons 1837 veröffentlichen Roman ĂŒber den Untergang Pompejis erkennen konnte, da dieser dem Isiskult und seinem Priester einen großen Platz in der Geschichte einrĂ€umte.

Der Isis-Tempel – auch Iseum genannt – wurde gegen Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. an exponierter Stelle, in direkter Nachbarschaft zum Theater, als eine der ersten Anlagen dieser Art in Italien errichtet. Obwohl der Kult aus der Ă€gyptischen Mythologie stammte, war die Ausstattung römisch – ein weiteres Zeugnis einer sehr frĂŒhen Anlehnung an Rom. Nach Umbauten erhielt der kleine Tempel mehrere NebenrĂ€ume. Man stellte nicht nur ein Kultbild der Isis, sondern auch des Serapis, des Harpokrates und des Anubis auf. Entlang der PortikusrĂŒckwĂ€nde fanden sich Statuen und Hermen von Isis, Venus, Bacchus und des Schauspielers Norbanus Sorex. Über einen Zugang im SĂŒdosten des Tempels gelangte man unter die Erde, wo Nilwasser fĂŒr Reinigungshandlungen aufbewahrt wurde.

Östlich des Isis-Tempels befand sich ein weiterer kleiner Tempel fremdlĂ€ndischer Götter. ZunĂ€chst glaubte man, einen Tempel fĂŒr Zeus Melichios gefunden zu haben. Nach einem Statuenfund in der cella muss man jedoch davon ausgehen, dass es sich um einen Tempel fĂŒr Äskulap und Salus handelt. Der Tempel wurde im frĂŒhen ersten Jahrhundert errichtet, möglicherweise zur Zeit der KoloniegrĂŒndung und auf Initiative der Neusiedler. Da es offenbar problematisch war, einen Platz fĂŒr den Bau zu finden, wurde er zwischen Ă€ltere HĂ€user gezwĂ€ngt. Zahlreiche AltĂ€re und Kultbilder zeigen, dass der Kult sehr beliebt war. Ihre bescheidene AusfĂŒhrung zeigt jedoch auch, dass der Äskulap-Kult wohl eher bei den Ă€rmeren Schichten der Stadt verbreitet war.

Venus-Tempel

Anders als bei den Isis- und Aeskulap-Salus-Tempeln gab es beim Venus-Tempel einen großen Protektor. Seinen Bau setzt man um 80 v. Chr., zur Zeit der GrĂŒndung der römischen Kolonie, an. Errichtet wurde der große Tempel in der Altstadt, zwischen Basilika und Hafen-Tor und im SĂŒden an der Steilwand ausgerichtet. Vom ersten Bau ist heute nicht mehr viel erhalten, da der Tempel in der Kaiserzeit stark umgebaut und beim Erdbeben schwer beschĂ€digt wurde. Beim Untergang der Stadt wurde er immer noch renoviert, deshalb fehlt die Marmorverkleidung.

Die Errichtung eines Venus-Tempels zur Zeit der KoloniegrĂŒndung ist bezeichnend, war die Venus doch die persönliche Schutzgöttin des Eroberers Sulla, was sich nicht nur in der Errichtung des Tempels, sondern auch im neuen Namen der Kolonie, Colonia Cornelia Veneria Pompeianorum, widerspiegelte. Venus wurde somit zur neuen Schutzpatronin der Stadt. Allerdings ging die Verehrung auch auf eine frĂŒhere Verehrung der Venus Fisica, der Schutzgöttin der VertrĂ€ge zurĂŒck. Damit ist das unĂŒbliche Kultbild der Venus in langer Tunika, mit Mantel, Diadem und Szepter zu erklĂ€ren.

Fortuna-Tempel

Etwas nördlich des Forums wurde an der prestigetrĂ€chtigen Kreuzung der zum Forum fĂŒhrenden Via di Mercurio und der Via della Fortuna, etwa zur selben Zeit wie die dem Kaiserkult dienenden Bauwerke des Forums, der Fortuna-Tempel errichtet. Gestiftet wurde dieser Tempel der Fortuna Augusta von Marcus Tullius. Er wurde im Stil alter italienischer Tempel auf einem hohen Podest errichtet. Somit dominierte der Bau die umliegenden GebĂ€ude.

Vor allem Sklaven und Freigelassene praktizierten den Fortuna-Kult. Auch Mercurius wurde hier – wie schon im Macellum – verehrt. Oberstes Anliegen des Tempels war es wohl, die unteren Schichten an den Kaiserkult zu fĂŒhren, sie so einzubinden und damit die concordia (Einigkeit) zu stĂ€rken.

AltÀre in der Stadt

Vor allem an Kreuzungen fand man bei den Ausgrabungen viele kleinere AltĂ€re. Oftmals waren sie nur flĂŒchtig aufgemauerte Steinsockel oder Kultnischen, manchmal sogar nur als Wandmalerei an HĂ€userfassaden angebracht. Diese kleinen AltĂ€re fungierten als kleinere religiöse Zentren der Nachbarschaft. Hier wurde vor allem der Kult der lares compitales gepflegt.

Die Verteilung ĂŒber die Stadt weist grĂ¶ĂŸere LĂŒcken auf, was mehrere GrĂŒnde hatte. Zum einen wurden bei frĂŒheren Ausgrabungen solche AltĂ€re nicht oder nur unzureichend dokumentiert. Zum anderen sind viele der nur aufgemalten Fresken heute verloren. Auf erhaltenen Resten sieht man Opfer- und Prozessionsszenen. Bis heute sind diese AltĂ€re nur unzureichend dokumentiert worden.

Ein interessanter Aspekt dieser AltĂ€re ist, dass offenbar der von den Honoratioren auffĂ€llig gepflegte Kaiserkult bei der einfachen Bevölkerung doch hinter den Ă€lteren Kulten zurĂŒckstand.

Zu den öffentlich zugÀnglichen AltÀren kamen AltÀre in den PrivathÀusern, wo vor allem die Laren und Penaten verehrt wurde.

Thermen

Stabianer Thermen

Grundriss der Stabianer Thermen

Lange Zeit gab es eine Diskussion um die Entstehung der Ă€ltesten Thermenanlage der Stadt. Manche Forscher wollten sie schon im 5. oder gar 6. Jahrhundert v. Chr. ansetzen, womit sie mit den Thermen Olympias um die Stelle der Ă€ltesten öffentlichen Badeanlage gewetteifert hĂ€tte. Jedoch ist nur die Anlage eines frĂŒhen Sitzwannenbades gesichert. Dieses kann, da es außerhalb der frĂŒheren Stadtmauer errichtet worden ist, wohl auch erst im 3. Jahrhundert v. Chr. gebaut worden sein. Erst mehrere Generationen spĂ€ter wurde hier eine große Badeanlage errichtet.

Die Anlage lag gĂŒnstig an der Kreuzung der Via dell'Abbondanza und der Via Stabiana. Zentral gab es eine große PalĂ€stra. An der SĂŒdostseite befanden sich die BĂ€der. Vom Eingang an der Via Stabiana kam man in einen Umkleideraum. Im nĂ€chsten großen Raum, dem Apodyterion, der ein stuckiertes, großes Tonnengewölbe besaß, gab es Nischen, wo man die Kleidung aufbewahrte. Von hier aus betrat man das Tepidarium (das warme Bad). Daran schloss sich das Caldarium (das heiße Bad) an oder man konnte ins Laconicum (das Schwitzbad) gehen. Die RĂ€ume waren ungewöhnlich groß, selbst im Tepidarium gab es eine Wanne fĂŒr GanzkörperbĂ€der. Zur AbkĂŒhlung nutzte man wohl das Becken im Caldarium, da es zu dieser Zeit noch kein Kaltwasserbad gab.

In den ersten Jahren der Kolonie wurde das Bad mit öffentlichen Geldern renoviert und umgebaut. Unter anderem wurde ein destrictarium gebaut, ein Schwitzbad, wo man sich von Öl und Sand reinigen konnte. Bei weiteren Umbauten in der frĂŒhen Kaiserzeit wurde das Laconicum in ein Frigidarium (Kaltwasserbad) umgewandelt. Ebenso wurde die PalĂ€stra verkleinert und an der Westseite ein großes Schwimmbecken (natatio) gebaut.

Die Ausstattung des Bades war prĂ€chtig, auch wenn die Reparaturen nach dem Erdbeben von 62 n. Chr. auch hier noch nicht abgeschlossen waren. WĂ€hrend der Umbauten wurden auch im Norden und im SĂŒden weitere EingĂ€nge errichtet. Im Nordosten befand sich das Frauenbad. Es war etwas kleiner und besaß nur ein Tepidarium und ein Caldarium. Trotzdem mussten Frauen den doppelten Eintrittspreis bezahlen.

Das Laconicum wird von einem Konusgewölbe eingewölbt, einer FrĂŒhform der Kuppel. Die auf Anfang des 1. Jahrhunderts v. Chr. datierte Kuppelschale stellt das Ă€lteste bekannte Beispiel fĂŒr die Verwendung von Beton im spĂ€ter monumentalem römischen Kuppelbau dar, hier noch mit bescheidenem Durchmesser von 6,52 m.[8]

Forumsthermen

Plan von Pompeji mit der Lage der Thermen und der SportstĂ€tten – 1. Vorstadt-Thermen; 2. Forumsthermen; 3. Zentralthermen; 4. Stabianer Thermen; 5. Republikanische Thermen; 6. Forum Triangolare; 7. Samnitische PalĂ€stra; 8. Große PalĂ€stra

Die Forumsthermen befanden sich direkt nördlich ĂŒber dem Forum. Inschriften, die ĂŒber die öffentliche Finanzierung berichten, werden um das Jahr 70 v. Chr. datiert. Unterhalten wurden die Thermen wohl dadurch, dass sie an den AußenwĂ€nden im Norden, Westen und SĂŒden von GeschĂ€ften umgeben waren und dass die zweite Etage vermutlich als Wohnraum vermietet wurde.

ZunĂ€chst gab es nur einen MĂ€nnertrakt; der Frauentrakt wurde erst spĂ€ter und in kleiner Form ergĂ€nzt. Außerdem ist die zu den Thermen gehörige PalĂ€stra, die der KörperertĂŒchtigung dienen sollte, nur sehr klein. Daraus wird geschlossen, dass diese Thermen zunĂ€chst vor allem von Ă€lteren MĂ€nnern benutzt wurden, die auf dem Forum ihren GeschĂ€ften nachgingen.

Die Forumsthermen waren die einzigen, die nach dem Erdbeben von 62 n. Chr. schnell wieder repariert wurden und fast genauso aussahen wie vorher und 79 n. Chr. in Betrieb waren.

Vorstadtthermen

Unmittelbar außerhalb der Stadt am Hafentor im Westen wurde in der frĂŒhen Kaiserzeit eine weitere Therme errichtet. Sie war nach dem damals modernsten Wissen erbaut worden und hatten einige technische Raffinessen zu bieten. Besonders interessant waren große Fenster, die den Blick auf das Meer erlaubten.

Heute sind diese Thermen (auch Suburbane Thermen genannt) vor allem wegen ihrer erotischen Fresken bekannt. Jedoch ist die lange vertretende Ansicht, deshalb hier eine Forenprostitution vermuten zu können, nicht vertretbar. Vielmehr sind diese im Umkleideraum angebrachten Malereien als Hilfsmittel zum Wiederfinden der eigenen KleidungsstĂŒcke gedacht gewesen und orientierten sich an zeitgenössischer Literatur wie Ovids Ars amatoria.

Die Vorstadtthermen wurden durch RaubgrÀber stark beschÀdigt. Am Ende des ersten Jahrtausends waren sie sogar bewohnt. Sie wurden schon von Maiuri gefunden, wissenschaftlich ausgegraben und rekonstruiert jedoch erst von 1987 bis 1992.

Weitere Thermen

Relativ zentral, an der Kreuzung mehrerer wichtiger Straßen – unter anderem der Via Stabiana und der Via di Nola – gelegen, sollten nach dem Erdbeben von 62 n. Chr. neue Thermen, die Zentralthermen, errichtet werden. Beim Untergang 79 n. Chr. stand jedoch erst der Rohbau. Immerhin war schon zu erkennen, dass sich die Bauherren an stadtrömischen Vorbildern orientierten.

Die Republikanischen Thermen waren die zweitĂ€ltesten, noch vorrömischen, aber auch die kleinsten Thermen der Stadt. Sie lagen gegenĂŒber der Samnitischen PalĂ€stra. Es ist anzunehmen, dass diese Thermen vor allem von den dortigen Sportlern genutzt wurden. Möglicherweise gehörten die Badeanstalt zunĂ€chst sogar zur SportstĂ€tte, da sie zur Zeit ihrer Entstehung eher ungĂŒnstig lagen. Außerdem hatten sie keine eigene PalĂ€stra.

Die Thermen bestehen aus zwei separaten Trakten. Der grĂ¶ĂŸere hatte auch ein Schwitzbad. Hier ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das MĂ€nnerbad zu suchen. SpĂ€testens in augusteischer Zeit scheinen diese kleinen Thermen aufgegeben worden zu sein.

Sportanlagen

Forum Triangolare

Das Forum Triangolare und das Theaterviertel – GrĂŒn: Forum Triangolare mit Tempel; Rot: Großes Theater mit Theaterportikus; Gelb: teatrum tectum; Blau: Samnitische PalĂ€stra; Orange: Isis-Tempel; Pink: Äskulap-Salus-Tempel

Auf das Forum Triangolare wurde teilweise schon bei der Besprechung des Hercules-Minerva-Tempels und des Heroons eingegangen. Neben der Nutzung als eines der sakralen Zentren der Stadt wurde der Freiraum, den das Forum bot, als SportstĂ€tte fĂŒr die Jugend genutzt. Ziel war die Schulung der Jugendlichen und jungen MĂ€nner der Stadt fĂŒr eventuelle militĂ€rische EinsĂ€tze. Da das komplette Forum von einer Portikus umgeben war – nur zum Steilhang im SĂŒdwesten fehlte sie – war das Forum ein in sich geschlossenes Gebilde.

Über die Nutzung kann man heute nur Vermutungen anstellen, allerdings scheint es so gewesen zu sein, dass das Forum in vorrömischer Zeit und frĂŒher römischer Zeit zur sportlich-militĂ€rischen Schulung der jungen MĂ€nner der Stadt gedacht war. Durch die Errichtung einer Wand an der Ostseite des Platzes, etwa fĂŒnf Meter von der Portikus entfernt, schuf man eine leichter zu kontrollierende SportstĂ€tte. Es ist anzunehmen, dass die Wand als Begrenzung einer Laufbahn diente. Zwar war sie nur ein halbes Stadion lang, doch stĂŒtzt das die Deutung des GelĂ€ndes als campus. Am Nordende der Mauer befanden sich auch ein Wasserbecken zur Erfrischung und eine Statue des Marcellus. Dieser war bis zu seinem Tode Schutzpatron der Stadt und sollte wohl als eine Art Vorbild und AnfĂŒhrer der Jugend der Stadt dienen.

Samnitische PalÀstra

Im Nordosten grenzt an das Forum Triangolare die so genannte Samnitische PalÀstra an. Beide waren durch einen Zugang miteinander verbunden, so dass die PalÀstra, die eine ausgewiesene SportstÀtte war, einen Zugang zur Laufbahn hatte.

Als PalĂ€stra konnte der Bau durch den Fund einer oskischen Inschrift identifiziert werden, in der die vereiia erwĂ€hnt werden, eine alte vorrömische Bezeichnung fĂŒr junge MĂ€nner, die zu schulen waren. Gestiftet wurde die Anlage, wie aus der Inschrift ersichtlich war, von einem Vibius Atranus, der testamentarisch den Bau der Anlage verfĂŒgte. Weiterhin spricht auch die Verbindung zu den Republikanischen Thermen, die keine eigene PalĂ€stra hatten, fĂŒr eine Deutung als Sportanlage.

Die letzte noch heute zu besichtigende Anlage stammt aus der Kaiserzeit. An der Schmalseite im Westen gab es fĂŒnf, an den beiden LĂ€ngsseiten acht SĂ€ulen, die Ostseite war offen. In einer frĂŒheren Bauphase dehnte sich die PalĂ€stra noch weiter nach Osten aus, musste jedoch Platz an den Isis-Tempel abgeben. An der Westseite gibt es drei RĂ€ume, die als Umkleiden gedient haben.

Im Bau fand man eine Kopie des Doryphoros, einer berĂŒhmten SpeertrĂ€gerstatue. Vor der Statuenbasis befand sich ein Altar, was nahe legt, dass auch an dieser Stelle religiöse Handlungen vollzogen wurden.

Große PalĂ€stra (Campus)

Große PalĂ€stra – Blick vom Amphitheater

In römischer Zeit verloren die SportstĂ€tten auf dem Forum Triangolare und der Samnitischen PalĂ€stra zunehmend an Bedeutung, wie der Aspekt der WehrertĂŒchtigung generell. Seit der Augusteischen Zeit kam die sportliche KörperertĂŒchtigung aus reinem VergnĂŒgen vor allem bei der Jugend der Oberschicht in Mode. Um den neuen Erfordernissen gerecht zu werden, wurde direkt neben einer sehr großen FreiflĂ€che westlich des Amphitheaters eine riesige PalĂ€stra errichtet. Begrenzt wurde das GelĂ€nde von einer zum Amphitheater hin offenen, dreiflĂŒgeligen Portikus. Zum Amphitheater gab es als Begrenzung eine einfache Mauer mit drei DurchgĂ€ngen. Vor den Portiken standen Schatten spendende BĂ€ume, im Zentrum der Anlage befand sich ein großes Schwimmbecken. Eine Laufbahn und RĂ€umlichkeiten zum Umziehen und zur Aufbewahrung der SportgegenstĂ€nde fehlten. Auch auf diesem GelĂ€nde befindet sich wieder ein Ort fĂŒr den Kaiserkult, ein cella-Ă€hnlicher Raum.

In der Kaiserzeit war der Umgang mit scharfen Waffen in der Stadt den Gladiatoren vorbehalten. Sie hatten ihre TrainingsstĂ€tte sĂŒdlich der Theater, also gleich neben dem Forum Triangolare. ZunĂ€chst war dieser Bereich eine zum Theater gehörende, riesige Portikus, wo die TheatergĂ€nger flanieren konnten. In den anliegenden GebĂ€uden fanden die ArchĂ€ologen diverse von Gladiatoren genutzte GerĂ€tschaften.

Theater

Blick ins große Theater
Kleines Theater (Odeion)
Blick auf das Amphitheater
Seitenansicht des Amphitheaters
Graffito[9] mit Dipinti – „Fan“darstellung von GladiatorenkĂ€mpfen

Großes Theater

Im Verlauf des 2. Jahrhunderts v. Chr. wurde am sĂŒdlichen Ende des Lavaplateaus, östlich des Forum Triangolare, ein großes Theater errichtet. Es war das erste GebĂ€ude in der Nachbarschaft, alle anderen GebĂ€ude wurden erst spĂ€ter und abgestimmt auf das Theater errichtet. Vom ersten Bau sind heute keine nennenswerten Reste erhalten. Das GebĂ€ude entsprach zunĂ€chst der griechischen Tradition – es gab eine große runde FreiflĂ€che (orchestra) vor der BĂŒhne und das Theater ging leicht ĂŒber einen Halbkreis hinaus. Erst nach mehreren Umbauphasen wurde das Theater den römischen Theatergewohnheiten angepasst. So wurde etwa als erstes die BĂŒhne erhöht. In augusteischer Zeit wurde das BĂŒhnenhaus (scaenae) umgebaut, nĂ€her an die RĂ€nge gerĂŒckt, ein Graben fĂŒr den effektvollen Einsatz des Vorhanges angelegt und dabei trotzdem eine grĂ¶ĂŸere SpielstĂ€tte geschaffen. Zudem wurde die BĂŒhnenfassade neu errichtet und mit Marmor verkleidet. Nach dem Erdbeben von 62 n. Chr. bekam die Fassade noch ein etwas anderes Aussehen, als viele Nischen und SĂ€ulen angefĂŒgt wurden. Dabei wurde auch die vormals hufeisenförmige Orchestra (der Tanzplatz fĂŒr den Chor) verkleinert.

Ein weiterer wichtiger Anbau waren die seitlich angebrachten Ehrenlogen. Man hatte zwar von hier keinen guten Blick auf die BĂŒhne, wichtiger aber als das Geschehen auf der BĂŒhne zu sehen war, dass man gesehen wurde. Die Logen waren fĂŒr die Magistraten der Stadt und die Spielgeber bestimmt. Verantwortlich fĂŒr einen großen Teil der Umbauten waren Marcus Holconius Rufus und sein Sohn Marcus Holconius Celer, die Mitglieder einer der reichsten und bedeutendsten Familien der Stadt waren. Marcus Holconius Rufus wurde sogar mit einem Ehrensitz (bisellium) zu FĂŒĂŸen der untersten Stufen geehrt.

theatrum tectum (Odeion)

Das aus Inschriften unter dem Namen teatrum tectum (â€žĂŒberdachtes Theater“) bekannte kleinere Theater direkt sĂŒdöstlich des großen Theaters wurde wĂ€hrend der ersten Jahre als römische Kolonie erbaut. Verantwortlich dafĂŒr waren im Auftrag des Stadtrates die bekannten Beamten Marcus Porcius und Quinctius Valgus, die beide keine Einheimischen waren. Der wie antike Theater als Halbkreis angelegte Bau war nicht nur ĂŒberdacht, sondern auch in quadratischer Form errichtet worden. Somit erinnerte das GebĂ€ude an griechische Odeia. Das erklĂ€rt die bis heute noch oft, aber wohl falsch vertretene Ansicht, dass das teatrum tectum ein Ort fĂŒr musische Rezitationen gewesen sei, die ja eine bessere Akustik benötigten, als ein normales Theater bieten konnte. Allerdings ist das schon deshalb sehr unwahrscheinlich, weil die Errichtung mit dem Zuzug der römischen Kolonisten zu tun haben musste. Doch ist nicht anzunehmen, dass die ehemaligen Soldaten solcher Unterhaltung bedurft hĂ€tten. Wahrscheinlicher ist es, dass die damals noch in der Minderheit befindlichen Latein sprechenden Römer ein eigenes Theater bekamen, da das große Theater noch von den weiterhin oskisch sprechenden Pompejianern benutzt wurde. Außerdem kann man davon ausgehen, dass das kleine Theater als Versammlungsplatz genutzt wurde, um hier die Geschicke der Stadt zu regeln.

Amphitheater

Etwa zur selben Zeit wie das theatrum tectum wurde auch das Amphitheater errichtet. Es war das erste bekannte Amphitheater ĂŒberhaupt und hatte ein Fassungsvermögen von 20.000 PlĂ€tzen. Verantwortlich fĂŒr die Errichtung waren wieder die beiden schon beim kleinen Theater genannten Beamten. Erbaut wurde das GebĂ€ude direkt in der SĂŒdostecke der Stadt. Es war so hoch, dass es die Stadtmauer ĂŒberragte und von Neuankömmlingen als erstes gesehen wurde. So war es auch fĂŒr auswĂ€rtige Besucher leicht zu erreichen. Da man noch keine Erfahrungen mit solchen GebĂ€uden hatte, gab es noch nicht die ausgeklĂŒgelte Technik wie bei spĂ€teren Anlagen dieser Art, etwa dem Kolosseum in Rom. Selbst die Treppen zu den ZuschauerrĂ€ngen waren noch nicht in den Bau integriert, sondern außen angebracht.

Das GebĂ€ude trat hier hinter die Funktion zurĂŒck. Bezeichnet wurde es in einer Inschrift sogar als spectacula. Wie wichtig das Amphitheater und vor allem die dort stattfindenden Veranstaltungen waren, kann man aus der Unmenge von Graffiti ersehen, die man an den HĂ€userwĂ€nden der Stadt fand, etwa vielfach Kritzeleien der Fans der KĂ€mpfer wie: „Nikanor, siege!“;[10] „Spiculus aus der Gladiatorengruppe des Nero, ein Neuling, hat gesiegt: der Freigelassene Aptonetus, mit 16 KĂ€mpfen, ist umgekommen“.[11] Man findet auch ĂŒberall in der Stadt große AnkĂŒndigungen fĂŒr die Spiele: „Aus Anlass der Einweihung des Archives (werden Gladiatoren) des Gnaeus Alleius Nigidius Maius in Pompeji am 13. Juni (kĂ€mpfen). Festzug, Tierhetze, Athletenschaukampf und Sonnensegel wird es geben. Nigra leb wohl.“[12]

Wirtschaft

Obwohl Pompeji die wichtigste und aussagekrĂ€ftigste Quelle fĂŒr die Wirtschaftsgeschichte der Antike darstellt, ist die Auswertung der Funde in diesem Zusammenhang nicht immer einfach. In der Wissenschaft wurde lange debattiert, ob Pompeji nun eine Produzenten- oder Konsumentenstadt war. Nach aktuellen Erkenntnissen muss man von einer Mischform ausgehen.

Lebensmittelversorgung

Olivenpresse
BĂ€ckerei. Rechts sind GetreidemĂŒhlen zu sehen, in der Mitte ein Ofen

Die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln scheint zumindest teilweise durch externe Zulieferer aus der nĂ€heren Umgebung wie den Villae rusticae in Boscoreale erfolgt worden sein. Diese Betriebe waren wohl auf die Produktion bestimmter Erzeugnisse spezialisiert. So fand man in Boscoreale 18 in den Boden eingelassene TonfĂ€sser (dolia), eine große Weinpresse und ein unterirdisches Reservoir, das 10.000 Liter Wein fassen konnte. Der Weinanbau war seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. einer der wichtigsten Wirtschaftszweige der Gegend. Auch von den Eumachiern und den Holconiern ist bekannt, dass sie außerhalb der Stadt WeingĂŒter hatten und mit diesen einen betrĂ€chtlichen Gewinn erwirtschafteten. Der kampanische Wein wurde auch exportiert, nicht zuletzt ein betrĂ€chtlicher Anteil bei der Versorgung der Stadt Rom (20 bis 25 %) kam aus der Vesuvgegend.

Über den Flusshafen an der MĂŒndung des Sarno wurde die Stadt auch durch Waren versorgt. Nicht zuletzt Fisch kam von hier. Die Fischsoße Garum, die ein bedeutendes Lebensmittel der Zeit war, wurde hier in grĂ¶ĂŸeren Produktionsanlagen fĂŒr die Stadt hergestellt. Auch die Versorgung mit Fleisch kann nur von außerhalb erfolgt sein, da die Haltung einer grĂ¶ĂŸeren Anzahl Tiere innerhalb der Stadt nicht möglich war. Kleinere Mengen an Kleintieren konnten jedoch innerhalb der HĂ€user gehalten werden, jedoch ist ein Nachweis dafĂŒr nur schwer zu fĂŒhren.

Die Versorgung mit Obst und GemĂŒse hingegen konnte zumindest in einem kleinen Rahmen innerhalb der Stadt in zu den HĂ€usern gehörigen GĂ€rten erfolgen. NutzgĂ€rten sind bei vielen HĂ€usern auch zur Zeit des Untergangs 79 n. Chr. nachgewiesen. Vereinzelt gab es sogar grĂ¶ĂŸere innerstĂ€dtische AnbauflĂ€chen. Ob dies zur vollstĂ€ndigen Versorgung der Stadt reichte, kann nicht gesagt werden, ist jedoch wohl nicht anzunehmen.

Anders als mit Obst und GemĂŒse gab es wohl kaum eine Selbstversorgung mit Teigwaren. Wurden in den Villen außerhalb der Stadt meist HandmĂŒhlen gefunden, die fĂŒr eine Eigenversorgung mit Mehl sprechen, fand man diese in der Stadt kaum. Jedoch fĂ€llt auf, dass es innerhalb der Stadt sehr viele BĂ€ckereien gab, interessanterweise manche mit, andere ohne MĂŒhlen. Somit mussten vor allem kleinere BĂ€ckereien in der Altstadt und in offensichtlichen BallungsrĂ€umen der Stadt, die weder Platz fĂŒr MĂŒhlen noch fĂŒr die Lagerung grĂ¶ĂŸerer Mengen Getreides hatten, extern mit Mehl versorgt werden. Möglicherweise waren diese kleineren BĂ€ckereien Zweigstellen der grĂ¶ĂŸeren, die in der Regel drei, vereinzelt auch mehr MĂŒhlen besaßen.

Handwerk

GebrauchsgĂŒter und Baumaterialien mussten von außerhalb der Stadt importiert werden. FĂŒr die Herstellung z. B. von Ziegeln oder Tonwaren wie Amphoren wurden Tongruben benötigt. Sowohl von den Eumachiern als auch von den Holconiern ist bekannt, dass sie Tongruben betrieben. Die Ziegelei des Lucius Eumachius belieferte, was anhand von Stempeln ersichtlich ist, beispielsweise auch Boscoreale. Saisonbedingt wurden im Sommer und den Vorerntemonaten Amphoren, den Rest des Jahres ĂŒber Ziegel produziert.

Die langjĂ€hrige Annahme, Pompeji sei ein lokales Zentrum der Wollindustrie gewesen, kann heute nicht mehr aufrecht gehalten werden. FĂŒr viel mehr als eine stĂ€dtische Eigenversorgung waren die bisher gefundenen KapazitĂ€ten fĂŒr die Wollverarbeitung (ArbeitsflĂ€che, Kessel zum Erhitzen von FlĂŒssigkeiten, Becken und Tröge etwa zum FĂ€rben) nicht ausreichend. Auch die Weiterverarbeitung mit HeimwebstĂŒhlen ließ sich nur durch die Funde von etwa 50 Webgewichten in einem einzigen Haus nachweisen. Das ist bei weitem zu wenig fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Produktion. Durch Graffiti sind Berufe wie Tuchwalker (fullones), FĂ€rber (tinctores) und Filzer (coactiliarii) nachgewiesen. Jedoch sind Aussagen ĂŒber die Anzahl heute nicht mehr zu treffen, da die von ihnen benötigten, meist dĂŒnnwandigen GerĂ€tschaften heute in vielen WerkstĂ€tten wegen der frĂŒheren Ausgrabungsmethoden nicht mehr nachweisbar sind. Eine Eigenversorgung der Stadt mit diesen Waren ist wahrscheinlich. Dasselbe kann fĂŒr andere Wirtschaftszweige wie Gerbereien und die Metallverarbeitung angenommen werden. Vor allem bei den metallverarbeitenden Betrieben kann mittlerweile die Annahme, Capua sei das regionale Zentrum dafĂŒr gewesen und habe die anderen StĂ€dte mit solchen Waren versorgt, als falsch angesehen werden. In Pompeji wurden WerkstĂ€tten fĂŒr Metallwaren, sowohl fĂŒr den tĂ€glichen Bedarf als auch fĂŒr die Produktion von Waren des gehobenen Bedarfs, gefunden. So konnte eine Werkstatt nachgewiesen werden, in der Statuetten und sogar lebensgroße Statuen hergestellt wurden. Weitere Produktions- und Dienstleistungsbetriebe konnten festgestellt werden. So wurden eine Malerwerkstatt, ParfĂŒmerien und eine Tonlampenwerkstatt gefunden.

An vielen öffentlichen GebĂ€uden und auch an zahlreichen großen PrivathĂ€usern gab es Ladenreihen. Damit finanzierte die Stadt Projekte oder die Hausbesitzer hatten hierdurch eine nicht zu unterschĂ€tzende Nebeneinnahme. Exemplarisch fĂŒr dieses Zusammenspiel von Wohnen und Leben steht das Haus der Postumier. An drei Seiten des eine große GrundflĂ€che einnehmende GebĂ€udes befanden sich tabernae. Ein Teil dieser LĂ€den hatte Verbindungen zum eigentlichen Haus. Es ist davon auszugehen, dass hier Sklaven oder Freigelassene im Auftrag des Besitzers arbeiteten. Andere LĂ€den hatten keine Verbindung zum Inneren des GebĂ€udes, aber eine eingezogene Zwischendecke. Hier könnten die Betreiber der LĂ€den mitsamt ihrer Familie gelebt haben. Es findet sich auch ein Zugang zur zweiten Etage. Diese dĂŒrfte auch vom Besitzer vermietet worden sein. Einige der GeschĂ€fte konnten identifiziert werden. So gab es hier eine GarkĂŒche und eine Metallwerkstatt. Versorgt wurde die GarkĂŒche möglicherweise von einer großen zum GebĂ€ude gehörenden KĂŒche.

Prostitution

Blick ins Arbeitszimmer einer Prostituierten

Ein weiteres fĂŒr Pompeji nachgewiesenes Gewerbe war die Prostitution. Von besonderer Bedeutung ist, dass in der Stadt das einzige mit Sicherheit als lupanar zu identifizierende antike GebĂ€ude ĂŒberhaupt gefunden wurde. Die frĂŒhere Annahme, in der Stadt hĂ€tten sich weitaus mehr Bordelle befunden, konnte durch die Forschung bisher nicht bestĂ€tigt werden. Oftmals wurden Orte fĂ€lschlicherweise als Bordelle benannt, weil sich hier erotische oder sexuelle Darstellungen oder Graffiti obszönen Inhaltes oder mit Bezug zur Prostitution fanden. Diese waren jedoch allgegenwĂ€rtig und können nicht als Indiz fĂŒr derartige Betriebe genommen werden. Allerdings ist anzunehmen, dass Prostitution nicht nur in diesem einen GebĂ€ude stattfand. Prostituierte gingen wohl in eigenen Wohnungen oder in angemieteten Zimmern (oft direkt an der Straße mit direktem Zugang) ihrem Gewerbe nach. Außerdem waren auch viele Kellnerinnen nebenher in diesem Beruf tĂ€tig, so dass auch viele Gaststuben derartig verwendet wurden. Selbst in angeseheneren Gegenden lassen sich anhand von Graffiti Prostituierte nachweisen, die offenbar ihre Quartiere in den oberen, heute nicht mehr vorhandenen Etagen der HĂ€user hatten. Dank dieser Graffiti, die zu Hunderten ĂŒberliefert sind, sind auch viele Namen von Prostituierten bekannt, die hĂ€ufig aus dem Osten des Reiches stammten und Sklavinnen waren, und die Preisgestaltung. So ist etwa zu erfahren: Athenais 2 As, Sabina 2 As,[13] Die Haussklavin Logas, 8 As[14] oder Maritimus leckt die Scham fĂŒr 4 As. Er empfĂ€ngt auch Jungfrauen.[15] Dabei reichen die BetrĂ€ge von ein bis zwei As bis hin zu hohen BetrĂ€gen im Sesterzenbereich. Im unteren Preissegment kostete die Leistung nicht mehr als ein Brot oder ein Liter Wein.

PrivathÀuser

Wohnen im vorrömischen Pompeji

Ein Großteil der HĂ€user der Stadt waren einfache Wohnquartiere, oft mit einer angeschlossenen Werkstatt oder einem Laden. Seinen herausragenden Ruf hat Pompeji jedoch vor allem wegen seiner luxuriösen HĂ€user der Oberschicht. Viele dieser palastĂ€hnlichen Anlagen wurden schon in samnitischer Zeit angelegt und waren den römischen GebĂ€uden dieser Zeit weit voraus. Manche Bauten, etwa das Haus des Fauns, hatten eine GrundflĂ€che von 3000 mÂČ und ein darĂŒber liegendes zweites Stockwerk. Somit konnten sich diese HĂ€user sogar mit den PalĂ€sten der hellenistischen Herrscher im östlichen Mittelmeer messen. Erst mit der römischen Expansion im 2. Jahrhundert v. Chr. kam dieser Wohnluxus bis in die römische Hauptstadt.

Ein Zeichen der HĂ€user dieser Zeit war, dass auch in kleineren Anwesen versucht wurde, ein Peristyl oder wenigstens eine Portikus zu errichten. Die Bauweise der GebĂ€ude war recht streng. So wurde etwa versucht, die TĂŒren der Zimmer, die an das Atrium angrenzten, symmetrisch und in gleichen AbstĂ€nden anzuordnen. Viele TĂŒren bedeuteten, dass das Haus groß und sein Besitzer wohlhabend war. Deshalb wurden in kleineren Bauten oftmals ScheintĂŒren an die WĂ€nde gemalt. Einzelne Bauelemente wie bestimmte Mauertechniken wurden von öffentlichen Prachtbauten ĂŒbernommen. Neben den Malereien wurden die WĂ€nde aufwendig stuckiert. In der Forschung bezeichnet man diese Art der Wanddekoration als Ersten Pompejanischen Stil.

Anders als bei den grĂ¶ĂŸeren GebĂ€uden gab es bei den einfachen HĂ€usern nur wenige Entwicklungen. Viele von ihnen waren als ReihenhĂ€user angelegt. Kleine, offene Höfe waren normal, Atrien waren jedoch nicht vorhanden. Der Innenhof diente wohl auch zu kaum mehr als der Zucht von ein wenig GemĂŒse und Haltung von kleinen Haustieren wie HĂŒhnern oder möglicherweise auch einem Schwein oder einem Schaf. Die Befunde fĂŒr die einfachen HĂ€user sind bis heute, vor allem wegen des mangelnden Interesses der ArchĂ€ologen und der nachlĂ€ssigen Ausgrabungen frĂŒherer Zeiten, mangelhaft und zum Teil auch nicht mehr zu ergrĂŒnden.

Wohnen im republikanischen Pompeji

Silberschatz aus Pompeji; vorne von links: Patera (römisch Opferschale), Schöpflöffel fĂŒr Wein (simpulum), Patera, Spiegel: im Hintergrund zwei KrĂŒge und Schalen

Nachdem die römischen Veteranen und ihre Familien in Pompeji angesiedelt wurden, kam es mit großer Sicherheit zu massiven UmbrĂŒchen in der Stadt. Ob man das anhand der archĂ€ologischen Befunde nachweisen kann, ist eine der viel gestellten Fragen bei der Erforschung der Stadt.

Parallel mit den neuen Siedlern hĂ€lt auch eine neue Form der Wanddekoration, der Zweite Pompejanische Stil, Einzug: Die plastischen Stuckierungen des ersten Stils werden zugunsten großflĂ€chiger Fresken aufgegeben. Dennoch blieb das Ziel erhalten, eine architektonisch möglichst plastische aufwendig gegliederte Wand zu schaffen. WĂ€nde wurden dreigeteilt: Vorn gab es eine vorgelagerte SĂ€ulenstellung, in der Mitte halbhohe ScherwĂ€nde und als drittes gerahmte Ausblicke, die illusionistisch und naturalistisch zugleich waren. Es wurden beispielsweise Heiligtumsbezirke oder einfach nur schöne fantastische Landschaften dargestellt. Wichtiges Stilmittel war die Arbeit mit optischen TĂ€uschungen und VerkĂŒrzungen, die nur deshalb funktionierten, weil man die Maße und Proportionen des ersten Stils beibehielt.

Im Bereich des SĂŒdwestens und Westens wurde durch den Abriss der Stadtmauer Platz frei, außerdem ermöglichte die Lage am Steilabfall die Errichtung von TerrassenhĂ€usern. Zur Seeseite wurden Portiken oder große Salons mit großen Fenstern errichtet, die einen fantastischen Blick auf den Golf, die Insel und die Berge boten.

Innerhalb der Stadt war die Errichtung grĂ¶ĂŸerer GebĂ€udekomplexe schwieriger, da dazu mehrere beieinander liegende Parzellen aufgekauft werden mussten. Wenn dies geschah, wurden auf dem neuen Land zumeist neue WohnrĂ€ume und Peristyle errichtet. Eindrucksvollstes Beispiel fĂŒr ein so nach und nach gewachsenes GebĂ€ude ist das Haus des Labyrinths. Im SĂŒden befand sich das alte Atriumhaus, in der Mitte der Gartentrakt und weit entfernt vom Eingang im Norden ein Bereich aus neu errichteten Salons. GĂ€ste mussten demnach durch das gesamte Haus und sollten sicher durch den Reichtum der Ausstattung und den damit verbundenen Reichtum des Hausherrn beeindruckt werden.

In vielen HĂ€usern lassen sich kleinere und auch grĂ¶ĂŸere Umbauten im Laufe des 1. Jahrhunderts v. Chr. nachweisen. Unerforscht ist jedoch, inwieweit das auch auf die Bewohner kleinerer Anwesen zutrifft, weil hierfĂŒr wie so oft keine ausreichenden Befunde vorliegen.

Wohnen im kaiserzeitlichen Pompeji

Obwohl aus der Kaiserzeit kein echter Neubau eines großen Hauses bekannt ist, sind es dennoch die HĂ€user aus der Kaiserzeit, die die Vorstellung vom Wohnen in Pompeji prĂ€gen. AuffĂ€llig ist zumeist der Versuch der EigentĂŒmer, neben Resten der Ă€lteren Architektur und AusschmĂŒckung auch moderne, neuartige Elemente unterzubringen. So findet man hĂ€ufig das Zusammenspiel von kleinen Vorhallen und weitlĂ€ufigen Gartenanlagen und Fresken in leuchtenden Farben neben alten Architekturelementen.

Peristyl im Haus der Vettier

Eine erkennbare Neuerung in der frĂŒhen Kaiserzeit war beispielsweise die Aufwertung des Atriums. Jedoch wurde dieses nicht gleichmĂ€ĂŸig renoviert, sondern ein besonderer Wert auf den Blickfang (das impluvium) gelegt. HĂ€ufig wurden Böden und Einfassungen der RegenwasserbehĂ€lter erneuert sowie auch Wasserspiele errichtet, bei denen bevorzugt aus Öffnungen in Figuren (Mund, SchnĂ€bel) WasserfontĂ€nen in ein Auffangbecken schossen. Diese Wasserspiele wurden so aufgestellt, dass sie als Blickfang fĂŒr Besucher fungierten. Dahinter stand hĂ€ufig ein Marmortisch – in einfacheren HĂ€usern ein gemauerter, stuckierter Tisch. Seine Funktion ist nicht ganz klar, möglicherweise wurden auf ihm bestimmte Wertsachen prĂ€sentiert. HĂ€ufig wurde das Atrium zusĂ€tzlich in eine Gartenlandschaft verwandelt. All das war ein bedeutsamer Vorgang, weil dafĂŒr grĂ¶ĂŸere Umbauten vonnöten waren, fĂŒr die Versorgung der Wasserspiele Druckleitungen verlegt und beim Ädil eine Erlaubnis eingeholt werden musste. Die SpeisesĂ€le wurden in dieser Zeit großzĂŒgiger und möglichst mit Blick auf das Peristyl angelegt.

Auch bei der Wandmalerei gab es eine Erneuerung. Der Dritte Pompejanische Stil unterschied sich stark vom ersten und zweiten. GrundsĂ€tzlich wurde alles symmetrischer. Die Bildelemente waren jetzt einfarbig eingefasst und von einem miniaturisierten StĂ€nderwerk gegliedert. Die WĂ€nde waren stets dreigeteilt und zeigten im mittleren Teil, der der Blickfang war, oftmals Landschaften mit Heiligtumsszenen, aber auch in zunehmendem Maße mythologische Szenen. Besonders beliebt waren dionysische Themen und erotische Darstellungen.

Auch in der Bepflanzung des Gartentraktes war eine Hinwendung zum Symmetrisch-Geometrischen erkennbar. Neue Forschungen haben ergeben, dass vor allem niedrige Blumen und StrĂ€ucher sowie rabattenartig geschnittene Hecken gepflanzt wurden. Selbst die Bepflanzung mit ObstbĂ€umen folgte vorgegebenen Mustern, die nahe legen, dass hier Schaugarteneffekte erzielt werden sollten. Wege, die zum Begehen einluden, gab es nicht; die GĂ€rten sollten nur von außen betrachtet werden. Kleinere, unterlebensgroß dargestellte Statuetten und Hermen sollten einen entrĂŒckten Eindruck vermitteln.

Diese FĂŒlle von Elementen, die auf engem Raum zusammengepresst wurden, waren auch Hauptmerkmal der Malereien des Vierten Pompejanischen Stils. Die Malerei wirkt zierlich, oft zerbrechlich, und zumeist sind erotische, mythologische Szenen dargestellt. Die Figuren sind in aktueller Mode dargestellt, so dass man annehmen kann, die Hausbesitzer haben sich indirekt selbst darstellen lassen.

Genauere Beschreibungen verschiedener HÀuser siehe unter Liste von GebÀuden in Pompeji.

Nekropolen

Vor fast allen Stadttoren lagen grĂ¶ĂŸere und kleinere TotenstĂ€dte, die jeder Neuankömmling durchqueren musste. Die grĂ¶ĂŸten dieser Anlagen befanden sich vor dem Noceraner und vor allem dem Herculaner Tor. Je bedeutender die Bestatteten waren, desto dichter lag das Grab an der Stadt. In einem Gebiet von etwa 30 Metern vor der Stadt behielt sich der Stadtrat die Vergabe von EhrengrĂ€bern vor.

Besonders beliebt mĂŒssen die PlĂ€tze vor dem Herculaner Tor gewesen sein. Die Bauten standen hier sehr dicht aneinander gedrĂ€ngt. Die Grabbauten waren nicht nur Ort der Erinnerung und ein Statussymbol, sondern auch ein Ort politischer und sozialer Propaganda. Es finden sich diverse auffĂ€llige, zum Teil sehr eigenwillige Grabbauten – oft von angesehenen Familien der Stadt –, die noch mit den toten Mitgliedern der Familie um Aufmerksamkeit kĂ€mpften.

Um Platz fĂŒr neue Bauten zu machen, wurden alte Grabbauten oft abgerissen, weshalb Ă€ltere Bauten heute kaum mehr zu finden sind. Es finden sich jedoch ein paar Beispiele, die auch von der Pflege der GrĂ€ber alter, verehrter Honoratioren der Stadt zeugen. So ist ein großer kubischer Grabbau gefunden worden, wo man Marcus Porcius, einen der ersten Honoratioren der frisch gegrĂŒndeten Kolonie, bestattet hatte. Dieses Grab wurde auch noch mehr als hundert Jahre nach seinem Tode gepflegt, obwohl keine Nachkommen von ihm bekannt sind.

Neben diesem alten Grab wurden zu Beginn der Kaiserzeit zwei neue Bauten errichtet, die GrĂ€ber fĂŒr Aulus Veius und die Venus-Priesterin Mamia. Beide wurden in Form von halbrunden SitzbĂ€nken errichtet, die zum Meer hin ausgerichtet waren und zum Verweilen und Reden geradezu einluden. Um nĂ€her an der Stadtmauer zu stehen, verzichteten manche Bauherren sogar auf die Errichtung ihres Grabes an der Straße und wichen in die zweite Reihe aus. Direkt hinter den schon erwĂ€hnten GrĂ€bern befand sich das zweistöckige Monument der Istacidier. Vor dem Noceraner Tor errichteten die Eumachier ebenfalls einen besonders großen Bau, der jedoch in die Breite und nicht in die Höhe ragte. Der Bau diente ĂŒber mehrere Generation den Mitgliedern der Familie als Mausoleum.

In nachaugusteischer Zeit scheint dieser Wettbewerb jedoch ein Ende gefunden zu haben. Die Grabbezirke waren jetzt eher von einheitlicher Bauweise. Sie wurden mit niedrigen Mauern und EcktĂŒrmchen begrenzt. In der Mitte befand sich ein Sockelbau fĂŒr die Urnen. Diese Grabbezirke wurden nur noch zu bestimmten AnlĂ€ssen von den Verwandten betreten. Am wichtigsten war jetzt der Grabaltar, der aufwendig und mit edlem Marmor gestaltet war. Hier fanden sich auch die Inschriften, die die Verdienste und die Frömmigkeit (Pietas) der Verstorbenen pries. Gab es in republikanischer und augusteischer Zeit vor allem GrĂ€ber der Honoratioren der Stadt, finden sich hier spĂ€ter auch GrĂ€ber von Freigelassenen.

Offenbar wurden Grabbauten oft als Latrine missbraucht. Aus dem Gastmahl des Trimalchio weiß man, dass dieser sogar einen WĂ€chter an seinem Grab postieren wollte, um dies zu verhindern. Beredtes Zeugnis dafĂŒr ist auch eine Inschrift von einem Grabmal vor den Mauern Pompejis:

„Fremder, die Gebeine bitten dich, nicht an diesen GrabhĂŒgel zu pinkeln
und, wenn du dieser hier noch gefÀlliger sein willst, kack nicht!
Brennnessels Grab siehst Du hier. Verschwinde, Kacker!
Hier ist es fĂŒr dich nicht sicher, deinen Hintern zu öffnen.“[16]

Dokumentation und Rezeption

Vor allem in der FrĂŒhzeit der Dokumentation und Kartografie waren die Schöpfungen aus diesen Bereichen als eigenstĂ€ndige Kunstwerke zu betrachten, weshalb ihre Betrachtung unter Rezeptionsgesichtpunkten erfolgt.

Dokumentation

In der spĂ€teren Forschung wurde hĂ€ufig kritisiert, dass die wissenschaftliche Dokumentation vor der Zeit Fiorellis ungenĂŒgend gewesen sei. Richtig hingegen ist, dass die Dokumentation zwar unregelmĂ€ĂŸig, zum Teil jedoch schon auf hohem bildlichen Niveau erfolgte. Problematisch ist vor allem, dass frĂŒhere Dokumentationen heute fast nur noch in sehr schwer zugĂ€nglichen Quellen zu finden sind.

Seit den 1760er Jahren wurden nicht nur Fresken, sondern ganze WĂ€nde maßstabsgetreu und sehr sorgfĂ€ltig dokumentiert. Leider wurden viele dieser Arbeiten nie publiziert. So gab es Stiche der Villa des Diomedes, die jedoch nie veröffentlicht wurden. Seit den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts wurden stets Grabungszeichner beschĂ€ftigt. Da heute viele Grabungsbefunde – vor allem Wandmalereien – verfĂ€lscht oder gar verloren sind, sind diese genauen Dokumentationen wichtige Quelle fĂŒr die heutige Wissenschaft. Auch ein seit 1806 im Maßstab 1:48 gefertigtes Korkmodell der Stadt, das alle Mauertechniken, Wanddekorationen usw. zeigte, ist heute in den erhaltenen Resten von unschĂ€tzbarem Wert.

Durch die Einrichtung eines Grabungstagebuches und die BegrĂŒndung der ersten regelmĂ€ĂŸigen Publikation, Giornale degli Scavi di Pompei (1868–1879), wurden die Dokumentationen wissenschaftlich und ausfĂŒhrlich. Unter Fiorelli wurde auch erstmals das neue Medium Fotografie zur Dokumentation der Grabungen eingesetzt. Das im Londoner Kristallpalast errichtete Pompeian Court war eher ein idealisierter Bau denn eine Nachschöpfung pompejanischer Architektur.

Kartografie

Plan von Franceso Piranesi: Topographia delle fabbriche scoperte nella cittĂ  di Pompei (2. Fassung, 1788)

Bei der archĂ€ologischen Kartografie betrat man in Pompeji Neuland. Noch heute sind alte Karten wichtiges Hilfsmittel der ArchĂ€ologen, um zerstörte oder verfĂ€lschte Befunde rekonstruieren zu können. Schon Francesco La Vega erstellte einen ersten Plan, der zwar in der Darstellung der Gesamtlage Ă€ußerst fehlerhaft ist, jedoch Details sehr genau wiedergibt. Ebenso war es mit dem Stadtplan von Francesco Piranesi, dem einzigen Plan, der lange Zeit kĂ€uflich zu erwerben war. Er wurde zwischen 1785 und 1793 in drei verschiedenen Fassungen veröffentlicht.

In den 1820er Jahren entstandene geodĂ€tisch genaue PlĂ€ne wurden nicht veröffentlicht. Sie waren jedoch die Vorlage fĂŒr viele, meist im Maßstab 1:3000 publizierte PlĂ€ne der Stadt, die hĂ€ufig beschreibender Literatur beilagen. 1885 fertigte Giacomo Tascone auf Veranlassung Fiorellis hin einen neuen, genauen Plan im Maßstab 1:1000. Dieser ist in den GrundzĂŒgen bis heute gĂŒltig und Grundlage der meisten neueren PlĂ€ne. Auf photogrammmetrischer Grundlage wurde ein weiterer Plan im Maßstab 1:1000, das Corpus Topographicum Pompeianum gefertigt, der bisher jedoch nur in Teilen publiziert wurde.

Architektur

Das Pompejanum in Aschaffenburg, Prunkraum
Das Pompejanum in Aschaffenburg

In der Architektur wurde nur selten auf Vorbilder aus Pompeji zurĂŒckgegriffen. Einzige große Ausnahme ist das von Friedrich von GĂ€rtner erbaute Pompejanum in Aschaffenburg. Es ist der Casa dei Dioscuri nachempfunden. Einzelne VersatzstĂŒcke der Architektur wurden auch an anderer Stelle verwendet, so beim heute zerstörten Palais de Prince Napoleon in Paris.

Die Idee, eines der HĂ€user originalgetreu und vollstĂ€ndig in Neapel nachzubauen, ist immer wieder gescheitert. In der Überlegung waren die Casa di Pansa und das Haus des Fauns.

Weitaus hÀufiger wurden die Ornamentik und die Kleinkunst nachgebildet, wenn auch hÀufig in einer abgeÀnderten Form. Dennoch war die Einrichtung Pompejanischer Zimmer der erste Schritt der Rezeption im Wohnbereich. Diese Mode hatte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts Bestand.

Bildende Kunst

Ein Problem fĂŒr die Darstellung in bourbonischer Zeit waren die restriktiven Bestimmungen. Nicht nur die Besuche waren reglementiert, auch das Verbot des Zeichnens in den Ruinen fĂŒr GĂ€ste verhinderte weitere Darstellungen. Pietro Fabris steuerte fĂŒr den Reisebericht des britischen Botschafters William Hamilton Zeichnungen bei. Giovanni Battista Piranesi schuf kurz vor seinem Tod 1778 PlĂ€ne und Ansichten der Stadt, die von seinem Sohn Francesco erst 1804 veröffentlicht wurden. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstanden kleine Serien von kolorierten Veduten nach Vorlagen von Louis Jean Desprez und Philipp Hackert, die an die Besucher der AusgrabungsstĂ€tte verkauft wurden.

Brjullow: Der letzte Tag von Pompeji

François Mazois arbeitete ĂŒber mehrere Jahre an einer monumentalen Darstellung Pompejis, die vor allem die Architektur berĂŒcksichtigte und bis 1838 in vier BĂ€nden erschien. In der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts kamen auch erste Fotoserien – so von Brogi und Alinari – auf den Markt. Im Laufe der Zeit Ă€nderte sich die Darstellung immer mehr von der pittoresken Darstellung einzelner FundstĂŒcke zur Dokumentation und teilweisen Rekonstruktion der antiken Lebenswelt. Hier ragen vor allem die elfbĂ€ndige Reihe Pompei. Pitture e Mosaici und das deutsche Projekt HĂ€user in Pompeji heraus, die die bereits ergrabenen Teile der Stadt mit ĂŒppigen Darstellungen illustrieren.

In der Malerei wurde Pompeji von wenigen frĂŒhen Ausnahmen abgesehen erst im Laufe des 19. Jahrhundert zum Thema. Von besonders großer Wirkkraft war das GemĂ€lde Der letzte Tag von Pompeji (1827 bis 1833) des Russen Karl Pawlowitsch Brjullow, das nach seiner Fertigstellung mit großem Erfolg in mehreren europĂ€ischen StĂ€dten ausgestellt wurde. Brjullows GemĂ€lde, das als Familiendrama angelegt ist, besticht nicht nur durch seine intensive Darstellung, sondern auch mit detaillierter und genauer Darstellung des archĂ€ologischen Befundes. Der Einfluss des Bildes war so groß, dass es selbst fĂŒr die spĂ€teren Laterna magica Vorbild war. Auch der Roman von Bulwer-Lytton (siehe unten) wurde von dem GemĂ€lde inspiriert.

SpĂ€tere Maler, so ThĂ©odore ChassĂ©riau, lokalisierten historische Genreszenen in den Kulissen der Stadt. Auch die aufkommende Fotografie widmete sich sowohl in dokumentarischer (siehe oben) wie auch kĂŒnstlerischer Weise Pompeji. Lawrence Alma-Tadema etwa ergĂ€nzte eigene Skizzen mit Fotografien. Auch historische KostĂŒmszenen wurden in der Stadt nachgestellt.

Literatur

Die Ausgrabungen in Pompeji fanden erst mit einiger Verzögerung ihren Niederschlag in der Literatur. Einer der Ersten derer, die sich des Stoffes annahmen, war 1796 Friedrich Schiller mit seiner Elegie Pompeji und Herkulaneum. Hier wie auch bei Johann Isaak Gerning (mit der Ode Pompeji, 1802) und Johann Jakob JĂ€gle (mit der Elegie Pompeji, 1797) waren die Ausgrabungen in Pompeji (und auch in Herkulaneum) ein Symbol fĂŒr die Wiederbelebung der griechisch-römischen Antike. JĂ€gle deutete auch als erster die Wiederauferstehung der Stadt in einem christlich-religiösem Sinne der Auferstehung. Die meisten Werke dieser Zeit mit Bezug auf Pompeji waren durch einen Besuch des jeweiligen Verfassers inspiriert worden, darunter Gedichte von Friederike Brun, Gustav von Ingenheim, Giacomo Leopardi und Wilhelm Waiblinger.

Vielfach waren die EindrĂŒcke der Besucher anders als erwartet, und die Ruinen konnten der Vorstellung einer hohen Klassik nicht standhalten. Vor allem die fensterlosen GebĂ€ude und die oftmals auf die Besucher obszön wirkenden Malereien sorgten dafĂŒr, dass im Laufe der Zeit Pompeji etwas Verruchtes anhing. Die irrtĂŒmliche Annahme, der von Sulla verliehene Name Colonia Veneria Cornelia ließe darauf schließen, Pompeji sei eine Stadt der Göttin Venus, tat ein ĂŒbriges dazu. So verwundert es nicht, dass Karl Ludwig Nicolai als erster in seinem Briefroman Das Grab am Vesuv Pompeji als Kulisse fĂŒr verruchtes Treiben benutzte.

Im Laufe der Zeit bildeten sich vier Hauptthemen in der Literatur heraus:

  • Pompeji als Ort der Geschichtsreflektion;
  • Pompeji als Venusstadt;
  • Pompeji als christliches Auferstehungsmotiv;
  • Pompeji als Gegensatz zwischen der hohen Kunst und dem normalen Alltag.

Durch Edward Bulwer-Lyttons Werk Die letzten Tage von Pompeji (The Last Days of Pompeii, 1834) wurde das neue Genre des historisch-archĂ€ologischen Romans begrĂŒndet. Inspiriert wurde er durch das GemĂ€lde von Brjullow. Schon kurz nach dem Erscheinen wurde das Werk in mehrere andere Sprachen ĂŒbersetzt und entwickelte sich zu einem einflussreichen Bestseller, der stilgebend fĂŒr alle gleichartig gelagerten Romane wurde. Der Erfolg erklĂ€rt sich aus der Verbindung von gesicherten archĂ€ologischen Erkenntnissen, der sehr detailreichen Rekonstruktion der Überreste und nicht zuletzt mit Elementen der Gothic Novel. Der konstruierte Konflikt zwischen der alteingesessenen Priesterschaft und einer – bis heute nicht nachweisbaren – christlichen Gemeinde, der im Untergang der sĂŒndigen Stadt und der Rettung der Christen gipfelte, wurde von vielen Autoren, so Woldemar Kaden (In der Morgenröte, 1882) und Gustav Adolf MĂŒller (Das sterbende Pompeji, 1910), ĂŒbernommen. Seltener, wie in Thomas Grays Roman The Vestal or a Tale of Pompeji (1830), wurde Pompeji auch fĂŒr die Christen zum Grab. Die seit Fiorelli angefertigten GipsabdrĂŒcke der leidenden und sterbenden Pompejianer konnte den Eindruck des Strafgerichtes nur untermauern. Besonders extrem kam diese christliche Sicht auf die unmoralische Stadt in der Kinder- und Jugendliteratur zum Tragen. BĂŒcher wie Eduard Albertis Marcus Charinus, der junge Christ in Pompeji beschrieben nur noch den Konflikt zwischen gutem Christen und unmoralischen Heiden.

In der Literatur des 20. Jahrhunderts war Pompeji nicht mehr so hĂ€ufig Thema. Zum einen konnten es durch den aufkommenden Massentourismus viele Menschen selbst erfahren, zum anderen waren die Romane mittlerweile zu moralisierenden Klischees herabgesunken und konnten kein großes Publikum mehr erreichen. Erst gegen Ende des Jahrhunderts wurde durch ein AufblĂŒhen des historischen Romans auch Pompeji wieder hĂ€ufiger zum Schauplatz. Besonders bekannt sind Philipp Vandenbergs Der Pompejaner (1986) und Pompeji des britischen Autors Robert Harris (2003).

Film

Sehr bald nach seiner Erfindung wandte sich das neue Medium Film auch der Thematik Pompeji zu. Schon 1898 wurde erstmals in Pompeji gedreht, als auf dem Forum eine TanzauffĂŒhrung gefilmt wurde (Neapolitan Dance at the Ancient Forum of Pompeii). Eine weitere Aufnahme entstand 1900, als der Brite Robert W. Paul eine erste Version des Unterganges von Pompeji realisierte (The Last Days of Pompeii) Weitere Verfilmungen – oftmals nach der Vorlage von Bulwer-Lyttons Roman – folgten in den Jahren 1906, 1908, 1913, 1935 unter der Regie der Trickspezialisten Ernest B. Schoedsack und Merian C. Cooper, 1950 und 1962. Besonders populĂ€r wurden die Verfilmungen von Mario Bonnard und Sergio Leone mit Steve Reeves, Christine Kaufmann und Fernando Rey aus dem Jahr 1959 sowie die US-amerikanische Fernseh-Mini-Serie des Senders ABC von Regisseur Peter R. Hunt aus dem Jahr 1984. Hier wurde Bulwer-Lyttons Roman mit einem großen Staraufgebot detailreich wiedergegeben. Vielfach diente Pompeji jedoch nur als bekannte HĂŒlle fĂŒr eine beliebige Handlung, die weder mit Pompeji noch den literarischen Vorlagen zu tun hatte. So spielte der Film Warrior Queen (1987) aus der Werkstatt des Trashfilmers Joe D'Amato zwar dem Namen nach in Pompeji, das sich jedoch in keiner Weise dort wieder findet. Ebenso ist es bei etlichen Komödien, die in Pompeji angesiedelt wurden. Vor allem die britische Up-Filmreihe nutzte mehrfach die unkorrekt wiedergegebene Kulisse Pompejis als dem Wort nach bekannten Hintergrund fĂŒr ihren rustikalen Humor. Der polnische Filmemacher Roman Polanski plante die Verfilmung des Untergangs von Pompeji nach dem Bestseller von Robert Harris.

Ein besonderes Aufeinandertreffen zwischen moderner Popkultur und der antiken Kulisse gab es 1971, als die Rockband Pink Floyd ein Konzert in den Ruinen Pompejis gab. Das Konzert fand ohne Publikum statt, wurde aber fĂŒr den Musikfilm Live at Pompeii aufgenommen.

Bedeutung, Gegenwart und Zukunft

In den letzten Jahren stellten sich viele Annahmen zu Pompeji durch die neuere Forschung als falsch heraus. So ist schon die oft und viel verbreitete Aussage, mit Pompeji hĂ€tte man eine reprĂ€sentative römische Stadt vor sich, die mitten im Leben „versiegelt“ wurde, so nicht haltbar. So wurden schon in römischer Zeit und auch spĂ€ter die Befunde durch Raubgrabungen verĂ€ndert und FundstĂŒcke entfernt. Das hat ebenso zur VerfĂ€lschung der Befunde beigetragen wie die Verteilung des Abraums der Ausgrabungen der ersten hundert Jahre auf dem Umland oder gar im zuvor durchsuchten Haus. Da man zu dieser Zeit nur reprĂ€sentative StĂŒcke suchte, finden sich hier nun FundstĂŒcke an Orten, zu denen sie nicht originĂ€r gehören. Es stimmt auch nicht, dass die Bewohner Pompejis plötzlich und ohne Warnung vom Ausbruch des Vesuvs ĂŒberrascht wurden. Denn der Ausbruch hatte sich ĂŒber Tage angekĂŒndigt und viele Pompejaner hatten die Stadt samt Familie und Habe verlassen. Und schließlich war die Stadt durch das Erdbeben von 62 n. Chr. immer noch nicht wieder völlig aufgebaut, so dass auch deswegen untypische Befunde wie als LagerrĂ€ume genutzte WohnrĂ€ume, halbfertig wiederaufgebaute GebĂ€ude oder gar Ruinen vorhanden sind.

Das heute 44 Hektar umfassende ergrabene Stadtgebiet ist die grĂ¶ĂŸte bekannte zusammenhĂ€ngende Stadtruine der Welt. Sie stellt die heutigen ArchĂ€ologen vor scheinbar unlösbare Probleme. Sehr viele der GebĂ€ude sind in einem schlechten, zum Teil baufĂ€lligen Zustand. Die Rettung der Ruinen kann nur in internationaler Kooperation erfolgen. Auch der italienische Staat hat darauf reagiert und der Verwaltung Pompejis eine große EigenstĂ€ndigkeit und finanzielle Autonomie gewĂ€hrt. Seit 1997 ist Pompeji auch auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Die derzeit wichtigste Aufgabe fĂŒr die ArchĂ€ologen, Bauforscher, Denkmalpfleger und Restauratoren besteht darin, den Verfall der Stadt aufzuhalten und trotzdem den Zugang der Öffentlichkeit zur Stadt zu gewĂ€hrleisten. Trotz vieler Anstrengungen ist das aber nur noch bedingt zu leisten und große Teile der Stadt sind fĂŒr den Publikumsverkehr geschlossen.

Wegen drastischer Einsparungen im Kulturhaushalt durch die Regierung von Silvio Berlusconi nimmt der Verfall rapide zu. In den frĂŒhen Morgenstunden des 6. November 2010 stĂŒrzte die Schola Armaturarum nach RegenfĂ€llen und trotz vorheriger Warnungen von ArchĂ€ologen vor Ort ein. Dabei wurde das schon im Zweiten Weltkrieg beschĂ€digte GebĂ€ude an der Via dell’Abbondanza (III.3.6) vollstĂ€ndig zerstört.[17][18] Weitere EinstĂŒrze ereigneten sich in der Casa di Trebio Valente am selben Tag und in der Casa del Moralista am 30. November 2010.[19][20] Der Zustand von Pompeji wird in der italienischen Öffentlichkeit zunehmend als Symbol fĂŒr eine verfehlte Kulturpolitik diskutiert. Im Zusammenhang damit wird auch der RĂŒcktritt von Minister Sandro Bondi gefordert.[21] Auch nach schweren RegenfĂ€llen im Oktober 2011 kam es zu BeschĂ€digungen an einer Mauer.[22]

JĂ€hrlich besuchen etwa zwei Millionen Besucher die Stadt, die Pompejitouristen sind ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in der Region. In Deutschland setzt sich die Kulturinitiative Phoenix Pompeji e. V. fĂŒr den Erhalt von Pompeji und Herculaneum ein.

Siehe auch

Literatur

  • Egon Caesar Conte Corti: Untergang und Auferstehung von Pompeji und Herculaneum. Mit einem Anhang: Die jĂŒngsten Entdeckungen in den VesuvstĂ€dten. Hrsg. von Theodor Kraus. 9., ergĂ€nzte Auflage. Bruckmann, MĂŒnchen 1978, ISBN 3-7654-1714-9
Fesselnd und anschaulich geschriebene Darstellung des Weges von Pompeji aus seiner oskischen FrĂŒhzeit bis ins 20. Jahrhundert
Der bekannte britische Althistoriker legt eine reich bebilderte, aber etwas einseitige Monographie vor, die historischen Dimensionen der Arbeit ĂŒberragen die archĂ€ologischen bei Weitem, außerdem sind einige Wertungen und Gewichtungen fragwĂŒrdig.
  • Liselotte Eschebach (Hrsg.): GebĂ€udeverzeichnis und Stadtplan der antiken Stadt Pompeji. Böhlau, Köln-Weimar-Wien 1993.
Liselotte Eschebach legte aufgrund der Jahrzehnte langen ForschungstĂ€tigkeit ihres Mannes Hans Eschebach nach dessen Tod ein Buch vor, das alle bisher ausgegrabenen Bauten Pompejis knapp verzeichnet. Namen, Alternativnamen und Besonderheiten werden kurz und stichpunktartig beschrieben. Besonders gut sind die beigegebenen großen gefalteten StadtplĂ€ne.
Zankers Buch ist vor allem eine zum Teil recht essayistische Analyse des Lebens in der Stadt. Grundlage seines Werkes sind die archÀologischen Quellen. Das Buch ist sehr gut zum VerstÀndnis der politischen Dimensionen der Stadtarchitektur geeignet, ist jedoch keine Gesamtdarstellung.
Étienne bietet eine besonders ausfĂŒhrliche Darstellung der Geschichte der Stadt und ihrer Entdeckung. Dazu werden Wirtschaft, Verwaltung, Politik, öffentliches und privates Leben behandelt.
  • Filippo Coarelli (Hrsg.), Eugenio La Rocca, Mariette de Vos Raajimakers, Arnold de Vos: Pompeji. ArchĂ€ologischer FĂŒhrer. LĂŒbbe, Bergisch Gladbach 1993, 1999, ISBN 3-404-64121-3
Das Buch Coarellis ist das archĂ€ologische Pendant zu Étiennes Werk. In mehreren zusammengestellten RundgĂ€ngen durch die Stadt bringt der Autor dem Leser die Überreste der Stadt nĂ€her.
Dickmann bietet eine knappe Zusammenfassung aller Teilgebiete der Pompejiforschung, mit einem besonderen Gewicht auf der ArchÀologie.
  • Werner Krenkel: Pompejanische Inschriften, Koehler & Amelang, Leipzig 1963, 2. Auflage
  • Mary Beard: The Fires of Vesuvius: Pompeii Lost and Found. Harvard University Press, 2008. Auch unter dem Titel Pompeii: The Life of a Roman Town, ISBN 1-86197-516-3.
  • Umberto Pappalardo: Pompeji, Zabern, Mainz 2010 (Zaberns BildbĂ€nde zur ArchĂ€ologie)
  • Joseph Georg Wolf: Aus dem neuen pompejanischen Urkundenfund. Gesammelte AufsĂ€tze (Freiburger Rechtsgeschichtliche Abhandlungen Neue Folge Band 60), Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-13355-0.
  • Arno HĂŒttemann: Pompejanische Inschriften, Der heutige Bestand vor Ort im Stadtgebiet und in den Nekropolen. Lateinisch/Deutsch. Reclams Universal-Bibliothek 18769, Verlag Philipp Reclam jun., Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-018769-2.

Weblinks

Allgemeines:

Literatur:

 Wikisource: Pompeji â€“ Quellen und Volltexte

Bilder:

 Commons: Pompeji â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Fußnoten

  1. ↑ Zur Geografie siehe u. a. Jens-Arne Dickmann: Pompeji. ArchĂ€ologie und Geschichte. C. H. Beck, MĂŒnchen 2005, S. 15/16.
  2. ↑ Dickmann: Pompeji. S. 16.
  3. ↑ Dickmann: Pompeji. S. 19f.; Titus Livius 9,38,2f.
  4. ↑ Tacitus, annales 14, 17.
  5. ↑ Coarelli: Pompeji. ArchĂ€ologischer FĂŒhrer. S. 46.
  6. ↑ Italienische Reise Pompeji
  7. ↑ Siehe War in the Treasure House. In: Time vom 21. Februar 1944 und Allied bomb at Pompeii. In: The Times vom 9. November 1943.
  8. ↑ JĂŒrgen Rasch: Die Kuppel in der römischen Architektur. Entwicklung, Formgebung, Konstruktion. In: Architectura. Band 15, 1985, S. 117–139, hier S. 118.
  9. ↑ CIL 4, 10237.
  10. ↑ CIL 4, 3950.
  11. ↑ CIL 4, 1474.
  12. ↑ CIL 4, 7993.
  13. ↑ CIL 4, 4150
  14. ↑ CIL 4, 5203
  15. ↑ CIL 4, 8940
  16. ↑ CIL 4, 8899
  17. ↑ Haus im alten Pompeji eingestĂŒrzt. Neue ZĂŒrcher Zeitung, 7. November 2010, abgerufen am 7. November 2010 (deutsch).
  18. ↑ Pompei, crolla l'Armeria dei Gladiatori. La Repubblica, 6. November 2010, abgerufen am 7. November 2010 (italienisch).
  19. ↑ Pompei, la Uil denuncia nuovo crollo. La Repubblica, 3. Dezember 2010, abgerufen am 3. Dezember 2010 (italienisch).
  20. ↑ Scavi, crollano altri due muri. La Repubblica, 1. Dezember 2010, abgerufen am 3. Dezember 2010 (italienisch).
  21. ↑ Pompeji: Italien ruiniert die Ruinen. Die Presse, 1. Dezember 2010, abgerufen am 3. Dezember 2010 (deutsch).
  22. ↑ Mary Beard: Has another Pompeii wall collapsed?. 22. Oktober 2011. Ungenau in der Überschrift: Antike Mauer in Pompeji stĂŒrzt ein. In: Spiegel online. 22. Oktober 2011.

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