Produktivität

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Produktivität

Produktivit√§t ist eine volkswirtschaftliche Kennzahl f√ľr Leistungsf√§higkeit. Sie bezeichnet das Verh√§ltnis zwischen produzierten G√ľtern und den daf√ľr ben√∂tigten Produktionsfaktoren.

Inhaltsverzeichnis

Definitionen

Allgemeinsprachliche Definitionen

Im Allgemeinen ist die Produktivität als die Summe von produktiven Maßnahmen und Verhaltensweisen in der Regel bezogen auf ein System oder einen Prozess mit Input und Output definiert. Sie ist begrifflich eng verwandt mit der Konstruktivität und das Gegenteil von Destruktivität.

Volkswirtschaftliche Definitionen

In der Volkswirtschaftslehre wird unter Produktivit√§t das (Mengen-)Verh√§ltnis zwischen dem, was produziert wird (Output), und den daf√ľr beim Produktionsprozess eingesetzten Mitteln (Produktionsfaktoren - Input) verstanden[1]:

\mbox{Produktivität}=\frac{\mbox{Ausbringungsmenge}}{\mbox{Einsatzmenge}}=\frac{\mbox{Output}}{\mbox{Input}}

Dabei wird der Output als Menge pro Zeiteinheit angegeben, also als eine Stromgröße betrachtet. Der Input kann auch eine Stromgröße sein, beispielsweise die Anzahl der Arbeitsstunden in einem Jahr oder Abschreibungen auf den Kapitalstock in einem Jahr. Er kann auch eine Bestandsgröße sein, beispielsweise durchschnittliche Anzahl der Erwerbstätigen in einem Jahr oder durchschnittlicher Kapitalstock eines Jahres.

Da die erzeugten G√ľter ganz unterschiedlicher Art sind und sich die Zusammensetzung der Produktion nach verschiedenen G√ľtern im Zeitablauf auch noch ver√§ndern kann, ist es notwendig, die verschiedenen G√ľter mit Preisen zu bewerten, um den Gesamtoutput als eindimensionale Gr√∂√üe angeben zu k√∂nnen. Hierzu werden die G√ľter zu Marktpreisen bewertet, sofern solche existieren. G√ľter, f√ľr die es keine Marktpreise gibt, werden zu Herstellungskosten bewertet. Des Weiteren werden beim Output reine Preisver√§nderungen mit Hilfe von Preisbereinigungsverfahren herausgerechnet. Eine Methode ist etwa das Rechnen in konstanten Preisen eines Basisjahres.

Das gleiche Bewertungsproblem ergibt sich auch bei dem Produktionsfaktor Kapital, da sich der Kapitalstock aus verschiedenen G√ľtern zusammensetzt. Beim Produktionsfaktor Arbeit wird dagegen auf die physischen Mengen wie Anzahl der Erwerbst√§tigen oder Anzahl der Arbeitsstunden zur√ľckgegriffen.

Die Produktivität lässt sich nach den unterschiedlichen Produktionsfaktoren untergliedern:

  • \mbox{Arbeitsproduktivit√§t}=\frac{\mbox{Ausbringungsmenge}}{\mbox{Eingesetzte Arbeitsstunden}}


  • \mbox{Maschinenproduktivit√§t}=\frac{\mbox{Ausbringungsmenge}}{\mbox{Eingesetzte Maschinenstunden}}


  • \mbox{Materialproduktivit√§t}=\frac{\mbox{Ausbringungsmenge}}{\mbox{Faktoreinsatzmenge eines Faktors}}

Faktorproduktivität

Bei der Ermittlung der Faktorproduktivit√§t wird die Menge der erzeugten G√ľter ins Verh√§ltnis zur Einsatzmenge eines Faktors gesetzt.

Diese so statistisch gemessenen Produktivit√§ten kann man nicht urs√§chlich in dem Sinne verstehen, dass etwa eine steigende Arbeitsproduktivit√§t zeigt, dass die Arbeiter "flei√üiger" werden und dass sinkende Kapitalproduktivit√§t zeigt, dass das Kapital immer weniger bringt. Vielmehr ist steigende Arbeitsproduktivit√§t Folge davon, dass je Arbeiter immer mehr "Kapital", gemeint sind eigentlich Produktionsmittel, eingesetzt werden. Typischerweise steigt deshalb langfristig die Arbeitsproduktivit√§t, w√§hrend die "Kapital"-Produktivit√§t stagniert oder gar zur√ľckgeht.

In der neoklassischen Theorie gilt die Annahme, dass die Produktionsfaktoren gem√§√ü ihrer Produktivit√§t entlohnt werden - was nicht hei√üt, dass dieses auch in der Praxis geschieht. Gr√ľnde hierf√ľr k√∂nnen in Marktfehlern und Externalit√§ten liegen. Mit Hilfe der statistisch gemessenen Produktivit√§ten kann √ľberpr√ľft werden, ob dieses der Fall ist.

Arbeitsproduktivität

Die bekannteste und meistbenutzte Faktorproduktivität ist die Arbeitsproduktivität. Dieses liegt vorwiegend daran, dass die Menge an eingesetzter Arbeit leichter zu ermitteln ist als etwa die Abnutzung oder der Bestand des eingesetzten Kapitals, also von Maschinen, Gebäuden und (bei gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsbetrachtungen) Infrastruktureinrichtungen.

Die volkswirtschaftliche Formel f√ľr die Arbeitsproduktivit√§t je Arbeitsstunde lautet:

Arbeitsproduktivität Pi = BIPreal / Arbeitsvolumen = BIPreal / (Et * h)

wobei BIPreal das reale Bruttoinlandsprodukt, Et die Anzahl Erwerbstätiger und h die Anzahl der geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen ist (siehe Entwicklung der Arbeitsproduktivität).

Die volkswirtschaftliche Formel f√ľr die Arbeitsproduktivit√§t je Erwerbst√§tigen lautet:

Arbeitsproduktivität Pi = BIPreal / Et

oder Arbeitsproduktivität = Ergebnis ÷ Arbeitsaufwand

Kapitalproduktivität

Das Statistische Bundesamt weist eine Kapitalproduktivität aus, indem es das Bruttoinlandsprodukt in konstanten Preisen (zuletzt des Jahres 1995) ins Verhältnis setzt zum Kapitalstock. Letzterer ist das Bruttoanlagevermögen ebenfalls berechnet in konstanten Preisen.

Die Addition von verschiedenen Kapitalarten zu einem Gesamtkapitalstock beruht auf zweifelhaften Annahmen, die im Zuge der Kapitalkontroverse kritisiert wurden.

Empirische Befunde

OECD-Wirtschaftsdaten grafisch dargestellt

Laut OECD, Economic Outlook No. 77, Juni 2005 ergibt sich folgendes:

In den OECD-L√§ndern, also in etwa den Industriel√§ndern, ist die potentielle Produktion (Produktion bei normaler Auslastung des Kapitalstocks) jahresdurchschnittlich von 1983 bis 1992 um 2,9 % gestiegen. Dieses verlangsamte sich etwas auf jahresdurchschnittlich 2,6 % 1993 bis 2002.

Die Besch√§ftigung wuchs in diesen angegebenen Zeitr√§umen jahresdurchschnittlich 2,4 % und 1,1 %. Der Besch√§ftigungszuwachs hat sich also in der OECD verlangsamt.

F√ľr die Arbeitsproduktivit√§t ergibt sich daraus ungef√§hr ein Wachstum von 0,5 % im ersten und 1,5 % im zweiten Zeitabschnitt. Das Arbeitsproduktivit√§tswachstum hat sich demnach beschleunigt.

Der Kapitalstock wuchs um 3,7 % bzw. um 3,1 % jahresdurchschnittlich, also rascher als die Produktion. Die Kapitalproduktivit√§t hat sich demnach vermindert, jahresdurchschnittlich um 0,8 % 1983 bis 1993 und um 0,5 % 1993 bis 2002.

In aller Regel nimmt die Arbeitsproduktivit√§t mittel- und langfristig zu, w√§hrend die Kapitalproduktivit√§t eher sinkt wie hier in den OECD-L√§ndern. Eine bemerkenswerte Ausnahme sind die USA, f√ľr welche die OECD ein Wachstum der Kapitalproduktivit√§t 1983 bis 1992 von jahresdurchschnittlich 0,1 % und von 1993 bis 2002 von ebenfalls 0,1 % angibt.

Eine langfristig sinkende Kapitalproduktivit√§t ist problematisch, da dieses bedeutet, dass langfristig die gesamtwirtschaftliche Kapitalrentabilit√§t (Kapitaleinkommen im Verh√§ltnis zum Kapitalstock) nur gehalten werden kann, wenn der Anteil der Arbeitseinkommen am BIP verkleinert wird, wobei dieses nat√ľrlich sp√§testens dann ein Ende h√§tte, wenn diese Lohnquote den Wert null erreicht h√§tte.

Grenzproduktivität

Volks- und betriebswirtschaftlich interessant ist neben der bisher betrachteten Durchschnittsproduktivität der Faktoren auch ihre Grenzproduktivität:

\frac{\delta x}{\delta r_i}

Diese gibt an, um wie viel sich der Output erh√∂ht, wenn der Faktoreinsatz um eine Einheit steigt, bei Konstanz der anderen Faktoren. Die Grenzproduktivit√§t des Faktors Arbeit kann z.‚ÄĮB. daran gemessen werden, um welchen Betrag der Output w√§chst, wenn eine zus√§tzliche Arbeitsstunde geleistet wird. Grenzproduktivit√§ten sind von besonderem Interesse, weil sie auf vollkommenen Faktorm√§rkten den Marktpreis f√ľr den Faktor bestimmen. In der Regel nach der Wertgrenzproduktivit√§t. WGP = Grenzproduktivit√§t x Outputpreis. Und im Optimum ist WGP=Faktorpreis. Zur Ermittlung der Optimalen Faktoreinsatzmenge.

In den meisten Fällen geht man von einer positiven, aber abnehmenden Grenzproduktivität aus, d. h. bei einer Erhöhung des Inputs wird der Output ansteigen. Die Höhe des Anstiegs wird aber mit steigendem Ausgangsniveau des Inputs geringer.

Mathematisch kann die Grenzproduktivität eines Faktors als partielle Ableitung der Produktionsfunktion nach diesem Faktor ermittelt werden.

Totale Faktorproduktivität

Empirisch l√§sst sich beobachten, dass das Wachstum des Outputs Y sich nicht nur aus dem Wachstum der Inputs Arbeit A und Kapital K erkl√§ren l√§sst, sondern dass sozusagen ein unerkl√§rlicher Rest √ľbrig bleibt. Dieser Teil der Wachstumsrate von Y, der nicht durch Ver√§nderungen in den Einsatzmengen von A oder K erkl√§rt werden kann, wird als totale Faktorproduktivit√§t bezeichnet. Sie kann als Ma√ü f√ľr den technischen Fortschritt gedeutet werden, der unabh√§ngig vom Einsatz der Produktionsfaktoren f√ľr ein Wachstum des Outputs Y sorgt.

Entwicklung der Arbeitsproduktivität

Oben ist die Gleichung der Arbeitsproduktivität angegeben:

Pi = \frac{BIP_{real}}{Arbeitsvolumen}

Die absoluten Zahlen der Arbeitsproduktivit√§t sind oft weniger aussagef√§hig als die Entwicklung der Arbeitsproduktivit√§t bezogen auf ein Basisjahr. Dazu wird die vorstehende Gleichung f√ľr beliebige Jahre durch ein Basisjahr dividiert:

Pi_{rel}= \frac{Pi}{Pi_{Basis}} =  \frac{\frac{BIP}{Arbeitsvolumen}}{\frac{BIP_{Basis}}{Arbeitsvolumen_{Basis}}} =  \frac{\frac{BIP}{BIP_{Basis}}}{\frac{Arbeitsvolumen}{Arbeitsvolumen_{Basis}}} = \frac{ BIP_{rel}}{AV_{rel}}

Die verwendeten Daten werden vom deutschen Statistischen Bundesamt herausgegeben und sind in der WP unter den Stichworten BIP und Arbeitsvolumen (abgek√ľrzt AV) zu finden. Zus√§tzlich ist auch die j√§hrliche Steigerung der Arbeitsproduktivit√§t (őĒPi) angegeben.

relative Arbeitsproduktivität in Deutschland zum Basisjahr 1995
Jahr BIPrel BIPrel AV AVrel Pirel őĒPi
  Basis Basis Mio. h Basis Basis %
  1960 1995   1995 1995  
             
1950            
1951 0,49 0,16        
1952 0,53 0,18        
1953 0,59 0,20        
1954 0,64 0,21        
1955 0,69 0,23        
1956 0,77 0,26        
1957 0,83 0,28        
1958 0,88 0,30        
1959 0,92 0,31        
1960 1,00 0,34   1,22 0,28  
1961 1,04 0,35 56470 1,22 0,29 3,83
1962 1,09 0,37 55690 1,20 0,30 6,27
1963 1,12 0,38 55020 1,19 0,32 4,00
1964 1,2  0,41 55371 1,20 0,34 6,46
1965 1,26 0,43 55329 1,20 0,36 5,07
1966 1,3  0,44 54483 1,18 0,37 4,77
1967 1,29 0,44 51764 1,12 0,39 4,44
1968 1,36 0,46 51507 1,11 0,41 5,95
1969 1,46 0,50 51812 1,12 0,44 6,72
1970 1,58 0,54 52075 1,13 0,47 7,67
1971 1,63 0,56 51428 1,11 0,50 4,46
1972 1,7  0,58 51029 1,10 0,52 5,10
1973 1,78 0,61 50800 1,10 0,55 5,17
1974 1,79 0,61 49402 1,07 0,57 3,40
1975 1,77 0,60 47122 1,02 0,59 3,66
1976 1,86 0,63 47271 1,02 0,62 4,75
1977 1,91 0,65 46959 1,02 0,64 3,37
1978 1,97 0,67 46837 1,01 0,66 3,41
1979 2,05 0,70 47368 1,02 0,68 2,89
1980 2,08 0,71 47611 1,03 0,69 0,94
1981 2,08 0,71 47047 1,02 0,69 1,19
1982 2,07 0,71 46268 1,00 0,70 1,19
1983 2,1  0,72 45572 0,99 0,72 2,99
1984 2,16 0,74 45642 0,99 0,74 2,69
1985 2,2  0,75 45663 0,99 0,76 1,80
1986 2,26 0,77 46003 0,99 0,77 1,96
1987 2,29 0,78 45988 0,99 0,78 1,36
1988 2,38 0,81 46474 1,00 0,80 2,84
1989 2,47 0,84 46645 1,01 0,83 3,40
1990 2,61 0,89 47412 1,03 0,87 3,95
1991 2,75 0,94 47990 1,04 0,90 4,09
1992 2,81 0,96 48140 1,04 0,92 1,86
1993 2,78 0,95 46773 1,01 0,94 1,82
1994 2,86 0,98 46438 1,00 0,97 3,61
1995 2,91 1,00 46025 1,00 1,00 2,66
1996 2,94 1,01 45455 0,98 1,02 2,29
1997 2,99 1,02 45365 0,98 1,04 1,90
1998 3,06 1,05 45744 0,99 1,05 1,49
1999 3,12 1,07 46096 1,00 1,07 1,18
2000 3,22 1,10 46691 1,01 1,09 1,88
2001 3,26 1,12 46715 1,01 1,10 1,19
2002 3,26 1,12 46225 1,00 1,11 1,06
2003 3,25 1,11 45909 0,99 1,11 0,37
2004 3,29 1,13 46129 1,00 1,12 0,74
2005 3,32 1,14        
Anmerkung:

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ REFA (1971) Methodenlehre des Arbeitsstudiums, Teil 1 Grundlagen; Carl Hanser, M√ľnchen (ISBN 3-446-14234-7), S. 43 ff.

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