4WD

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4WD
Der urspr√ľngliche Zweck des Allradantriebs ist eine weitgehende Gel√§ndetauglichkeit des Fahrzeugs
Allradantrieb (und Allradlenkung) im Autosport: Ein Fiat-Stilo-Prototyp bei einem Eisrennen der Trophée Andros

Der Allradantrieb (umgangssprachlich auch kurz Allrad genannt) ist eine Antriebsart von Fahrzeugen, bei der die Antriebskraft ‚Äď im Gegensatz zum Front- oder Heckantrieb ‚Äď an alle bodenber√ľhrenden R√§der geleitet wird. Weitere und teilweise weltweit gebr√§uchliche Bezeichnungen f√ľr den Allradantrieb sind AWD (All Wheel Drive) sowie bezogen auf vierr√§drige Fahrzeuge 4√ó4 (engl. Four by Four) und 4WD (Four Wheel Drive). Im amerikanischen Englisch ist vereinzelt auch FWD f√ľr Four Wheel Drive gebr√§uchlich, w√§hrend dieses K√ľrzel im europ√§ischen Englisch f√ľr Front Wheel Drive (dt. Vorderradantrieb) steht.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Allradantrieb hilft, schwierige Wege zu bewältigen

Ein Allradantrieb wird in Fahrzeugen aus verschiedenen Gr√ľnden eingesetzt. Fr√ľher wie heute dient er zur Erh√∂hung der Traktion und um eine gewisse Gel√§ndeg√§ngigkeit √ľberhaupt zu erm√∂glichen, doch kam vor einigen Jahren auch der Einsatz auf der Stra√üe (zur Verfeinerung des Fahrverhaltens) dazu. Durch den Antrieb aller bodenber√ľhrenden R√§der wird der Schlupf jedes einzelnen Rades minimiert. Daher wird der Allradantrieb h√§ufig in Fahrzeugen verbaut, die f√ľr einen Einsatz in schwierigem Gel√§nde oder auf unbefestigten Wegen konzipiert wurden.

Au√üer in Gel√§ndewagen wird der Allradantrieb zunehmend auch in reinen Stra√üenfahrzeugen eingesetzt. Hier bietet der Allradantrieb durch die erh√∂hte Traktion die M√∂glichkeit, die zunehmenden Motorleistungen auf die Stra√üe zu √ľbertragen und den Vorteil einer verbesserten Fahrstabilit√§t. Gerade bei Stra√üenfahrzeugen bieten einige Hersteller neben dem Modell mit Allradantrieb auch ein gleichartiges mit nur einer angetriebenen Achse (Front- oder Heckantrieb) an. Durch einen geeigneten Aufbau und die Verteilung der Antriebsmomente zwischen den Achsen wird h√§ufig dem Allradfahrzeug ein √§hnliches Verhalten diktiert wie dem einachsig angetriebenen Wagen. Es ist so m√∂glich, ein heckdominantes Fahrverhalten (√úbersteuern im Grenzbereich), ein neutrales Verhalten oder ein frontdominantes Fahrverhalten (Untersteuern im Grenzbereich) zu realisieren.

Allgemein wird auch der Grenzbereich etwas erweitert gegen√ľber Fahrzeugen mit reinem Front- oder Heckantrieb. Beim √úberschreiten physikalischer Grenzen ist ein Fahrzeug mit Allradantrieb auch ohne ausreichende Erfahrung etwas leichter zu beherrschen als ein Fahrzeug mit konventionellem Antrieb, da es relativ neutrale Fahreigenschaften hat (das bedeutet, dass das Fahrzeug weder √ľber- noch untersteuert).

Allradantrieb wird meist in Fahrzeugen mit Front- oder Heckmotor eingesetzt, da seine Verwendung in Verbindung mit einem Mittelmotor-Fahrzeug (hauptsächlich Sport- oder auch Rennwagen) wegen der begrenzten Platzverhältnisse sehr schwierig zu realisieren und somit kostspielig ist. Dieses Problem tritt auch bei einem quer eingebauten Frontmotor mit Allradantrieb auf. Derzeit zum Kauf angebotene Fahrzeuge mit Allradantrieb und Mittelmotor sind die Lamborghini-Modelle Gallardo und Murciélago, der Bugatti Veyron und der Audi R8.

Nachteile des Allradantriebs sind das durch ihn selbst bedingte erh√∂hte Fahrzeuggewicht, die h√∂heren Produktionskosten, ein gewisser Mehrverbrauch (der jedoch durch die heutige Technik etwas reduziert wurde) und gelegentlich kleinere Kofferr√§ume. Ferner kann der Allradantrieb, gerade auf nassen, vereisten oder verschneiten Fahrbahnen, schnell ein falsches Sicherheitsgef√ľhl suggerieren. Mit Allrad hat das Fahrzeug zwar eine bessere Traktion, aber zum Bremsen verwenden alle Fahrzeuge, ob mit oder ohne Allradantrieb, immer alle R√§der, sodass Allradfahrzeuge keine k√ľrzeren Bremswege haben.

Geschichte des Allradantriebs in der √úbersicht

Anfänge und Meilensteine

Der von Ferdinand Porsche 1900 präsentierte Lohner-Porsche
Der Spyker 60 H.P. von 1903 in der Louwman Collection
Der Dernburg-Wagen von 1907
Der Mitsubishi PX33 von 1934

Nach heutigem Kenntnisstand geht der Ursprung allradangetriebener Fahrzeuge auf das Jahr 1827 zur√ľck, als John Hill und Timothy Burstall in England ein dampfgetriebenes Transportfuhrwerk mit Heckantrieb und einem √ľber eine ‚Äď zur damaligen Zeit noch un√ľbliche ‚Äď Kardanwelle zuschaltbaren Vorderachsantrieb konstruierten. Weitere Versuche bei dampfgetriebenen Gef√§hrten anderer Konstrukteure folgten, doch konnte sich der Allradantrieb hier aufgrund technischer Probleme nicht durchsetzen.

  • 1900 stellte Ferdinand Porsche das als Lohner-Porsche bekannte Elektromobil mit Allradantrieb vor. Dieses skurrile Gef√§hrt war mit je einem Elektromotor an seinen vier R√§dern ausgestattet.
  • 1903 wurde in den Niederlanden von den zwei Br√ľdern Jacobus und Hendrik-Jan Spń≥ker mit dem Spyker 60 H.P. das erste Verbrennungsmotor-Automobil mit Allradantrieb als Rennwagen f√ľr den Automobilsport konstruiert.
  • 1907 baute die Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) im Auftrag des Reichskolonialamtes ein Allradfahrzeug, das in der ehemaligen Kolonie Deutsch-S√ľdwestafrika durch die Landespolizei eingesetzt wurde. Dieser Wagen wurde nicht nur √ľber alle vier R√§der angetrieben, sondern auch √ľber die vier R√§der gelenkt. Erster prominenter Passagier war der Staatssekret√§r des Reichskolonialamtes Bernhard Dernburg, auf dessen Reise durch das Schutzgebiet. In Zusammenhang mit dem 100-j√§hrigen Jubil√§um des Wagens wurde er von der Daimler AG als Dernburg-Wagen bezeichnet.
  • 1915 begannen Renault und Latil, die ersten Zugmaschinen mit Allradantrieb zu bauen.
  • 1934 wurden von Mitsubishi vier Prototypen eines Cabriolets mit Allradantrieb unter der Bezeichnung PX33 gebaut. Auch eine Diesel-Variante wurde erprobt. Das Projekt wurde jedoch gestoppt.
  • 1935 stellte die B√ľssing AG den ersten deutschen Lkw mit Allradantrieb vor.
  • Ebenfalls 1935 wurde mit dem Tempo G1200 das erste Fahrzeug mit Allradantrieb vorgestellt, bei dem jede Antriebsachse durch einen eigenen Verbrennungsmotor angetrieben wurde.
  • 1940 wurde, nach einem Entwurf der Firma American Bantam, unter dem Namen Willys der erste Gel√§ndewagen f√ľr milit√§rische Zwecke vorgestellt und ab 1941 f√ľr die US-Streitkr√§fte in Serie produziert. 1945 folgte eine auf diesem Fahrzeug basierende zivile Variante mit der Modellbezeichnung Jeep CJ-2A.
  • 1945 wurde der Unimog vorgestellt, ein vielseitig einsetzbares √§u√üerst gel√§ndeg√§ngiges Nutzfahrzeug, das ausschlie√ülich mit Allradantrieb gebaut wird (zeitweilig auch als so genannter Triebkopf mit nur einer Achse und zwei R√§dern)
  • 1966 begann die Kleinserienproduktion (320 St√ľck wurden hergestellt) des ersten Stra√üenfahrzeugs mit permanentem Allradantrieb ‚Äď des Jensen FF.
  • 1972 stellte Subaru den Leone 4WD Station Wagon als erstes Gro√üserien-Stra√üenfahrzeug mit zuschaltbarem Allradantrieb vor.
  • 1980 pr√§sentierte Audi auf dem Genfer Auto-Salon mit dem quattro das erste Gro√üserien-Stra√üenfahrzeug (11.452 St√ľck wurden insgesamt produziert) mit permanentem Allradantrieb.

Aktuelle Situation

Neben den Gel√§ndewagen sind heutzutage auch nicht gel√§ndeg√§ngige Fahrzeugtypen, darunter sogar Sportwagen aus Gr√ľnden der erh√∂hten Traktion und Fahrsicherheit, oder auch wegen besserer Vermarktungsm√∂glichkeiten, mit einem Allradantrieb ausgestattet. Am h√§ufigsten anzutreffen ist der Allradantrieb jedoch bei Gel√§ndewagen, SUVs und Lkw, sowie bei land- und forstwirtschaftlichen Traktoren.

Bei Stra√üenfahrzeugen erfreut sich der Allradantrieb besonders in der oberen Mittelklasse immer gr√∂√üerer Beliebtheit. Bei einigen Fahrzeugherstellern wird er eingesetzt, um die Nachteile des Frontantriebs der Serienmodelle bei immer st√§rker werdenden Motorleistungen zu kompensieren. Auch wenn in dieser Fahrzeugklasse der Hinterradantrieb mit √ľber 60 Prozent der zugelassenen Fahrzeuge vorherrschend ist, werden zunehmend auch diese Modelle mit Allradantrieb ausgestattet. Ein Beispiel hierf√ľr ist die aktuelle E-Klasse. Von allen mit Allradantrieb ausgestatteten Fahrzeugen von Daimler unter der Marke Mercedes-Benz liegt ihr Anteil bei √ľber 10 Prozent (Stand 2005).

Der Anteil der mit Allradantrieb ausgestatteten Fahrzeuge dieser Fahrzeugklasse stieg insgesamt von 2002 bis 2004 von sieben auf zwölf Prozent.

Technik

Ein Antrieb

Die derzeit h√§ufigste Variante besteht aus einem einzelnen Antrieb (meist Verbrennungsmotor), dessen Leistung auf mehrere Achsen und R√§der verteilt werden soll. F√ľr eine grunds√§tzliche Betrachtung der technischen Grundlagen reicht es zun√§chst aus, sich auf Fahrzeuge zu beschr√§nken, welche die Antriebsleistung auf zwei Achsen aufteilen. Andere Konfigurationen lassen sich aus diesen Grundprinzipien ableiten. Allradantriebe kann man aus technischer Sicht in zwei Grundtypen einteilen:

  • Differenzialgesteuerte oder permanente Allradantriebe besitzen ein Zentraldifferenzial (auch: L√§ngsdifferenzial, Mittendifferenzial), welches die Antriebsleistung permanent auf beide Achsen aufteilt und manchmal als Sperrdifferenzial ausgef√ľhrt ist. Das Zentraldifferenzial ist ein Planetengetriebe (gelegentlich auch als Differenzial ausgef√ľhrt, da dies ein spezielles Planetengetriebe mit einer 50:50-Drehmoment-Aufteilung ist), das aus Stirnr√§dern, Kegelr√§dern, Schnecke- und Schneckenrad oder Kronenr√§dern aufgebaut ist. Alternativ k√∂nnen auch Differenziale ohne Verzahnung (wie zum Beispiel Gleitsteindifferenziale) eingesetzt werden.
  • Kupplungsgesteuerte Allradantriebe werden auch durch Begriffe wie zuschaltbar, Hang-On oder On-Demand gekennzeichnet. Bei diesen Systemen wird eine Achse permanent angetrieben, die andere Achse wird nur unter bestimmten Voraussetzungen √ľber die Kupplung mit Antriebsleistung versorgt. Die Kupplung selbst kann eine einfache Klauenkupplung (manuelle Zuschaltung), eine Visco-Kupplung, eine Fliehkraftkupplung oder eine elektronisch gesteuerte Reiblamellenkupplung sein. Der Vorteil kupplungsgesteuerter Allradantriebe liegt vor allem in den niedrigeren Systemkosten und in der M√∂glichkeit das Fahrzeug mit einem markentypischen Fahrverhalten als Frontantrieb oder als Heckantrieb im Normalbetrieb auszulegen und erst bei Bedarf zu einem allradtypischen Fahrverhalten zu √§ndern.

Ein Allradantrieb erfordert beim Fahrzeug zwei Achsdifferenziale, die beim Permanent-Allrad ihrerseits wieder mit einem Längsdifferenzial verbunden sind. Vor allem beim Lkw sind zusätzlich noch Sperren des hinteren Quer- oder des Längsdifferenzials möglich.

Differenzialgesteuerter (permanenter) Allradantrieb

Der permanente Allradantrieb mit Zentraldifferenzial

Bei Fahrzeugen mit permanentem Allradantrieb wird die Motorleistung st√§ndig auf alle vier R√§der √ľbertragen und durch die Differenziale wird der vollst√§ndige Drehzahlausgleich ohne Leistungsverluste gew√§hrleistet. Um Verspannungen im Antriebsstrang zu vermeiden, wird ein zus√§tzliches Zentraldifferenzial zwischen Vorder- und Hinterachse eingebaut. Der Nachteil hierbei ist jedoch, dass bei fehlender Bodenhaftung eines einzelnen Rades oder einer Achse das √ľbertragbare Antriebsmoment durch dieses Rad oder diese Achse begrenzt wird, wodurch ein Fahrzeug im Extremfall nicht mehr aus eigener Kraft bewegt werden kann. Aus diesem Grund wird bei Fahrzeugen mit permanentem Allradantrieb h√§ufig entweder das Zentraldifferenzial als Sperrdifferenzial ausgef√ľhrt (beispielsweise die Torsen-Differenziale in aktuellen Audi-quattro-Modellen mit l√§ngseingebautem Motor), oder es kommen elektronische Traktionshilfen wie ASR zum Einsatz. In klassischen Gel√§ndewagen, wie z. B. dem Land Rover Defender steht dagegen ein manuell sperrbares Mittendifferenzial zur Verf√ľgung, welches je nach Untergrundbeschaffenheit durch den Fahrer gesperrt werden kann.

Durch die Bauart des Zentraldifferenzials kann das Antriebsmoment gleichm√§√üig (50:50) oder auch ungleichm√§√üig auf beide Achsen aufgeteilt werden. Die Wahl der Verteilung bestimmt das Fahrverhalten ma√ügeblich. Da an Steigungen und beim Beschleunigen durch die dynamische Achslastverschiebung zus√§tzlich Gewicht auf die Hinterachse verlagert wird, ist es √ľblich, auch beim Antriebsmoment einen h√∂heren Anteil auf die Hinterachse zu √ľbertragen. Daher werden in vielen Fahrzeugen die Drehmoment-Aufteilungen zwischen Vorderachse und Hinterachse von 45:55 (V:H) bis 33:67 gew√§hlt. Diese Verteilung ist zun√§chst zwar fest, wird aber durch die Sperre des Zentraldifferenzials wieder erweitert. Bei einem Zentraldifferenzial mit elektronischer Reiblamellenkupplung k√∂nnen sich aufgrund √§u√üerer Gegebenheiten sogar Kraftverteilungen von 100:0 und 0:100 einstellen.

Kupplungsgesteuerter (zuschaltbarer) Allradantrieb

Der per Klauenkupplung zuschaltbare Allradantrieb

Bei Fahrzeugen mit zuschaltbarem Allradantrieb wird bei normalen Fahrbedingungen nur eine Achse angetrieben. Erst, wenn die Situation es erfordert, wird der Antrieb der zweiten Achse zugeschaltet. Dadurch wird die Traktion des Fahrzeugs bei glatter Fahrbahn oder losem Untergrund erhöht.

Das Zuschalten der zweiten Antriebsachse erfolgt auf verschiedene Arten:

  • Im einfachsten Falle wird eine Klauenkupplung manuell zugeschaltet
  • Das Schalten von Radnaben verbindet die Antriebswellen mit dem Rad (dies erfordert es, das Fahrzeug zu verlassen)

Durch den fehlenden Drehzahlausgleich der starren Verbindung kann es zu Verspannungen im Antriebsstrang und gelegentlichen Ger√§uschen beim Einparken kommen. Bei Kurvenfahrt folgen die Vorderr√§der einem gr√∂√üeren Radius und m√ľssen sich schneller drehen als die Hinterr√§der, werden aber gezwungen, sich genauso schnell wie die Hinterr√§der zu drehen. Das f√ľhrt ‚Äď je nach Auslegung des Fahrwerks ‚Äď zu reduziertem √úbersteuern bzw. verst√§rktem Untersteuern. Dieses kosteng√ľnstig zu produzierende Allradsystem wurde h√§ufig in der Kleinwagenklasse verwendet. Als Beispiele hierf√ľr seien der Fiat Panda 4x4 (der Jahre 1983‚Äď2003), Subaru Justy und Subaru Vivio sowie der Citro√ęn AX 4x4 genannt.

Fahrzeuge mit zuschaltbarem Allradantrieb weisen gegen√ľber Fahrzeugen mit permanentem Allradantrieb keinen Minderverbrauch auf, weil auch bei nicht angetriebener zweiter Achse sich deren Antriebsstrang mitdreht und deshalb Panschverluste und Reibungsverluste auftreten. Nur wenn zus√§tzlich Freilaufnaben verbaut sind, k√∂nnen diese Verluste vermieden werden.

Der zuschaltbare Allradantrieb wird heute fast ausschließlich in Fahrzeugen angeboten, die auf normalen Straßen bewegt werden und zusätzlich bedingt geländetauglich sein sollen (SUVs). Wegen seiner technischen Einfachheit und Robustheit wird der zuschaltbare Allradantrieb bei Wagen verwendet, die unter rauhen Bedingungen eingesetzt werden; so hatte z. B. der Toyota Landcruiser J10 in Europa permanenten Allradantrieb mit Einzelradaufhängung vorn, in Afrika und arabischen Ländern jedoch Zuschaltallrad und Starrachsen. Der Toyota J7 und der 2008 vorgestellte Iveco Massif werden ausschließlich mit zuschaltbarem Allradantrieb gefertigt.

Der per Visco-Kupplung zuschaltende Allradantrieb

Bei automatischen Systemen gibt es im Wesentlichen zwei Arten:

  • Passive Systeme bauen auf einer Kupplung auf, welche in Abh√§ngigkeit von der Drehzahldifferenz zwischen den Achsen das Drehmoment auf die zweite Achse umleiten. Die Kupplung kann eine Visco-Kupplung oder Fliehkraftkupplung sein. Teilweise sind diese Kupplungen in ihrem √úbertragungsverhalten auch von au√üen beeinflussbar (geregelte Viscokupplung und Haldex-Kupplung).
  • Aktive Systeme basieren meist auf einer elektronisch angesteuerten Reiblamellenkupplung, die nicht mehr von Drehzahl- oder Drehmomentunterschieden, sondern von einem √ľbergeordneten Fahrdynamikregler situationsabh√§ngig gesteuert werden

Mischform

Der Allradantrieb 4MATIC im Mercedes W124

Eine Sonderstellung nehmen Systeme ein, die zwar nicht permanent sind, aber dennoch √ľber ein Zentraldifferenzial verf√ľgen, das bei zugeschaltetem Allradantrieb die Verteilung der Antriebskraft √ľbernimmt. Bei dieser Mischform ist der Allradantrieb differenzialgesteuert, kann jedoch mit Kupplungen auch weg- und zugeschaltet werden. Diese komplizierte L√∂sung wird wegen des hohen Aufwandes sehr selten verwendet.

Ein Beispiel f√ľr ein derartiges Fahrzeug ist der Mercedes W124 4MATIC. Hier erfolgt der Antrieb auf das Zentraldifferential. Um mit reinem Hinterradantrieb zu fahren, wird das Zentraldifferenzial gesperrt und die Vorderachse weggeschaltet. Je nach Stellung der beiden Kupplungen (offen oder geschlossen) sind folgende Betriebsarten m√∂glich: reiner Hinterradantrieb, Allradantrieb mit L√§ngsausgleich, Allradantrieb mit L√§ngssperre. Die elektronische Steuerung wertet die ABS-Daten aus und w√§hlt die Antriebsart. Das ausgekl√ľgelte 4MATIC-System wurde auch nach dem W124 weiterhin von Mercedes angeboten, allerdings √§nderte man seine doch etwas aufw√§ndige Technik f√ľr das Nachfolgemodell W210.

Ein anderes Beispiel ist der IFA W50-LA. Hier wird im Normalfall nur die Hinterachse angetrieben. Der Fahrer kann jedoch auch andere Antriebsarten schalten. Die Schaltung erfolgt mit zwei Klauenkupplungen im Verteilergetriebe, angetrieben wird entweder direkt die Hinterachse (Hinterradantrieb) oder das Zentraldifferenzial (permanentem Allradantrieb mit Längsausgleich). Zusätzlich kann das Zentraldifferenzial gesperrt werden.

√Ąhnliche Funktionen bietet auch der Allradantrieb Super Select einiger Mitsubishi-Gel√§ndewagen, beispielsweise des Pajeros. Der Fahrer kann zwischen reinem Hinterradantrieb, Allradantrieb √ľber das Zentraldifferenzial mit L√§ngsausgleich und zus√§tzlicher Visco-Sperre und Allradantrieb mit voll gesperrtem L√§ngsdifferenzial w√§hlen. Falls notwendig kann auch eine Gel√§ndeuntersetzung zugeschaltet werden.

Auch der Allradantrieb Select-Trac der Marke Jeep basiert auf einem ähnlichen Konzept.

Mehrere Antriebe

Verbrennungsmotoren

Das Konzeptauto Peugeot Hoggar, ein W√ľstenbuggy mit je einem 181-PS-Dieselmotor pro Achse

Eine Sonderform des Allradantriebs stellt eine Variante dar, bei der jede Fahrzeugachse durch einen eigenen Motor angetrieben wird. Zu den Fahrzeugen, die mit dieser Antriebsart ausgestattet wurden, z√§hlen zum Beispiel der Tempo G1200 (4000 produzierte Fahrzeuge) und der Citro√ęn 2 CV 4√ó4 "SAHARA" (694 produzierte Exemplare). In den 1980ern experimentierte auch der √∂sterreichische Formel-V-Spezialist Kurt Bergmann, in Kooperation mit VW-Motorsport, mit dieser Sonderform des Allradantriebs (siehe: Allradantrieb im Automobilsport). Drei seiner Fahrzeuge vom Typ VW Golf wurden zwar beim ber√ľhmten Pikes-Peak-Bergrennen in den USA eingesetzt, doch die Fahrzeugart selbst gelangte nie in die VW-Produktion und auch die BiMotor-Entwicklung wurde von Volkswagen danach nicht mehr weiterverfolgt. Rund 20 Jahre sp√§ter ist das Doppelmotor-Allrad-Konzept aber wieder einmal en vogue, wie der auf dem Audi TT basierende Bimoto der Firma MTM mit bis zu 1000 PS Leistung eindr√ľcklich unter Beweis stellt. 1998 wurde auf dem Autosalon in Genf ein Bimoto-Fahrzeug der A-Klasse von Mercedes als so genanntes Concept-CarZ pr√§sentiert. Auch der im Jahre 2003 vorgestellte Hoggar, ein Concept-Car bzw. eine Buggy-Studie von Peugeot mit Front-, Heck- oder Allradantrieb, geh√∂rt zur seltenen Spezies der Doppelmotor-Exoten.

Elektromotoren

Extraterrestrischer Allradantrieb-Einsatz: David Scott, der Kommandeur von Apollo 15, auf dem "Mondauto"

Eine weitere Sonderform ist der Allradantrieb durch separate Elektromotoren an jedem bodenber√ľhrenden Rad, die dort als so genannte Radnabenmotoren eingesetzt werden. Bereits im Jahr 1900 entwickelte Ferdinand Porsche im Auftrag der Automobilfabrik Jacob Lohner & Co ein als Lohner-Porsche bekanntes Fahrzeug mit dieser Technik. Allerdings hatten bei diesem Elektromobil alleine die Bleiakkumulatoren ein Gewicht von nicht weniger als 1800¬†kg.

Beim als Mondauto bekannten Lunar Roving Vehicle fand diese Variante des Allradantriebs ebenfalls Verwendung. Hier kam an jedem Rad ein 180 W leistender Elektromotor zum Einsatz. Das High-Tech-Gefährt wurde 1969 entwickelt und kam erstmals im Juli 1971 auf dem Mond zum Einsatz.

Anfang der 2000er-Jahre wurde die Entwicklung von Allradfahrzeugen mit Radnabenmotoren weiter vorangetrieben. Durch immer kompakter werdende Stromspeicher wird der Einsatz dieser Technik in Fahrzeugen erleichtert. Die Firma Peugeot stellte 2005 mit dem Peugeot Quark ein allradangetriebenes Konzeptfahrzeug vor.

Im gleichen Jahr pr√§sentierte Mitsubishi den auf dem Lancer Evolution IX basierenden Mitsubishi Lancer Evolution MIEV (Mitsubishi In-wheel motor Electric Vehicle). Das Fahrzeug verf√ľgt √ľber eine Gesamtleistung von 200 kW (50 kW pro Motor) und √ľber ein maximales Drehmoment von 518 Nm. Es erreicht eine H√∂chstgeschwindigkeit von 180 km/h und hat eine Reichweite von 250 km. Bei der Shikoku EV Rallye 2005, einer japanischen Rennveranstaltung f√ľr Elektrofahrzeuge, sollte der Lancer Evolution MIEV erstmals an den Start gehen. Mitsubishi plant, dieses Antriebskonzept bis zum Jahr 2010 zur Serienreife zu entwickeln.[1]

Ebenfalls aus Japan stammen die Forschungsfahrzeuge KAZ und Eliica (Electric Lithium Ion Car) der Keio University, die beide durch Radnabenmotoren angetrieben werden. Diese werden wiederum von Lithium-Ionen-Akkus gespeist. Besonderheiten der Fahrzeuge sind zum Einen die Anzahl der R√§der ‚Äď acht ‚Äď zum Anderen die erreichten H√∂chstgeschwindigkeiten von bis zu 370 km/h.

Hybridantrieb

Der Lexus RX400h nutzt sein Hybridkonzept auf besondere Weise f√ľr den Allradantrieb: Auf die Vorderachse wirkt das Hybridtriebwerk aus Benzin- und Elektromotor, die Hinterr√§der werden von einem eigenen Elektromotor angetrieben. Dadurch entfallen Kardanwelle und Mitteldifferenzial als koppelnde Elemente.

Die Schw√§che dieses Konzepts zeigt sich jedoch, wenn bei Bergauffahrt die Vorderr√§der den Grip verlieren: bei gr√∂√üeren Steigungen im Gel√§nde ist der Elektromotor an der Hinterachse dann mit dem Fahrzeuggewicht √ľberfordert. Allerdings treten solche Steigungen √ľblicherweise nicht im normalen Stra√üenverkehr auf.

Eine hydrostatisch angetriebene Achse

Bei MAN-Lastkraftwagen mit Hydrodrive¬ģ wird die Vorderachse nicht mechanisch, sondern hydrostatisch angetrieben. Der Antrieb kann bei Geschwindigkeiten bis zu 30 km/h genutzt werden.

Bezeichnungen

Speziell bei Lastkraftwagen kommen oft auch Varianten mit mehr als zwei Achsen vor. Um kenntlich zu machen, wie viele Achsen bzw. Räder angetrieben werden, hat sich die folgende Schreibweise etabliert:

\mathrm{Zahl\ der\ R\ddot ader}\ \times\ \mathrm{Zahl\ der\ angetriebenen\ R\ddot ader}

Diese Schreibweise wird auch als Antriebsformel bezeichnet.

Der Standard-Pkw h√§tte demnach die Antriebsart 4√ó2, der Allrad-Pkw oder Gel√§ndewagen 4√ó4 (engl. four by four; 4WD ist das K√ľrzel f√ľr four wheel drive; FWD wird h√§ufig f√§lschlich ebenfalls mit four wheel drive √ľbersetzt, steht jedoch f√ľr front wheel drive bzw. Frontantrieb, so wie RWD die englische Abk√ľrzung f√ľr rear wheel drive bzw. Heckantrieb ist und AWD all wheel drive Allradantrieb bedeutet und somit ‚Äď neben 4√ó4 und 4WD ‚Äď ebenfalls als Abk√ľrzung verwendet wird), der dreiachsig angetriebene Baustellen-Lkw 6√ó6 oder der Dreiachs-Reisebus mit nur einer angetriebenen Achse entsprechend 6√ó2 bzw. mit zwei angetriebenen Achsen 6√ó4. Au√üerdem gibt es Baustellen-Lkw mit allen vier angetriebenen Achsen, somit 8√ó8.

Die meisten Militärfahrzeuge besitzen einen Allradantrieb, bei entsprechenden Lkw und Panzerwagen sind häufig auch die Antriebsformeln 6×6 bzw. 8×8 zu finden.

Allradantrieb in Pkw

Der Audi quattro wurde als erstes Großserienfahrzeug mit permanentem Allradantrieb gebaut
  • Das erste Allrad-Pkw-Serienfahrzeug der Welt war der von 1966 bis 1971 gebaute Jensen FF, der √ľber einen permanenten Allradantrieb der Firma Ferguson Research verf√ľgte. Der FF ('Formula Ferguson') wurde aber nur in einer kleinen St√ľckzahl von 320 Exemplaren produziert. Die Firma Ferguson Research stattete, neben dem eigenen Jensen FF, auch einige Fahrzeuge von Ford mit Allradantrieb aus. Aufgrund der geringen St√ľckzahl haben diese Ford-Sonderfahrzeuge jedoch keine gr√∂√üere Bedeutung f√ľr die Geschichte des Allradantriebs in Pkw.
  • 1972 stellte Subaru den Subaru Leone Station Wagon AWD vor. Dieses Modell war der erste Pkw mit zuschaltbarem Allradantrieb, das in Gro√üserie gefertigt wurde.
  • 1980 wurde der Audi quattro als erstes Gro√üserienfahrzeug mit permanentem Allradantrieb vorgestellt.

Einf√ľhrung des permanenten Allradantriebs in Pkw nach Fahrzeugherstellern

Allrad-Winzling: Fiat Panda 4x4 bei einem Rallye-Einsatz
Ein Supersportwagen mit Allradantrieb: Porsche 959
Der VW Golf IV R32 mit 4Motion-Allradantrieb
Jahr Hersteller Modell/Baureihe Großserie Kleinserie
1966 Jensen Jensen FF x (320 St√ľck)
1980 Audi Audi quattro x
1982 Renault Renault 18 Combi 4x4 x
1983 Alfa Romeo Alfa 33 4x4 x
1985 BMW BMW 325iX x
1985 Lancia Lancia Delta HF 4WD x
1985 Subaru Subaru XT Coupé x
1985 Volkswagen VW Passat Syncro x
1986 Ford Ford Scorpio 4x4 x
1987 Mazda Mazda 323 4WD x
1987 Mercedes-Benz Mercedes W124 4MATIC x
1987 Porsche Porsche 959 x (292 St√ľck)
1988 Opel Opel Vectra 4x4 x
1988 Porsche Porsche 911 Carrera 4 x
1989 Citro√ęn Citro√ęn BX x
1991 Bugatti Bugatti EB110 x (ca. 300 St√ľck)
1991 Lamborghini Lamborghini Diablo VT x
1992 Fiat Tempra 4x4 x
2004 Jaguar Jaguar X-Type x

Andere Bezeichnungen f√ľr Pkw mit Allradantrieb

Straßenversion des Rallye-WM-Siegers Subaru Impreza

Zus√§tzlich zu den Standardbezeichnungen haben einzelne Pkw-Hersteller spezielle Bezeichnungen eingef√ľhrt und sich zum Teil sogar rechtlich sch√ľtzen lassen, wie beispielsweise:

Allradantrieb in SUVs

AMC Eagle ‚Äď das erste Fahrzeug dieser Kategorie

Als SUV (Sports Utility Vehicle) werden im deutschsprachigen Raum seit Mitte der 1990er-Jahre Fahrzeuge bezeichnet, die den Fahrkomfort eines Stra√üenfahrzeugs und die Gel√§ndetauglichkeit eines Gel√§ndewagens unter einen Hut bringen sollen. Deswegen sind SUVs in den meisten F√§llen zwar mit einem Allradantrieb erh√§ltlich, eignen sich aber trotzdem nur bedingt f√ľr einen Einsatz abseits asphaltierter Stra√üen.

  • 1980 wurde der AMC Eagle, ein so genanntes Crossover-Fahrzeug (als Mischung eines Gel√§ndewagens mit einem Stra√üenfahrzeug), mit anf√§nglich permanentem Allradantrieb vorgestellt. Nach heutiger Verwendung des Begriffs SUV (zumindest im deutschsprachigen Raum) mit hoher Wahrscheinlichkeit das erste Fahrzeug dieser Kategorie.
  • 1990 wurde der Golf II Country, nach einem √§hnlichen Prinzip gebaut, vorgestellt.
  • 1996 erschien der Subaru Outback, der als erster Wagen die Eigenschaften eines SUVs im heutigen Sinn aufwies.
  • 1997 wurde die M-Klasse von Mercedes-Benz vorgestellt. Diese Baureihe war die erste, die auch offiziell mit dem Begriff SUV bezeichnet wurde.

Allradantrieb in Geländewagen

Ur-Jeep: Ein Willys MB von 1945
Heutzutage bauen die US-Streitkräfte auf den HMMWV
Im Geländewagen-Motorsport ist Allradantrieb ein absolutes Muss

Gel√§ndewagen sind fast ausschlie√ülich mit einem Allradantrieb ausger√ľstet. Sie haben ihre Wurzeln im milit√§rischen Bereich.

Sonderform

1935 stellte die Firma Tempo einen Gel√§ndewagen namens Tempo G1200 vor, der auf dem Lieferwagen Tempo V600 basierte. Dieses Fahrzeug verf√ľgte √ľber zwei Motoren mit jeweils 600 cm¬≥ Hubraum und zwei 4-Gang-Getriebe. Dadurch konnte der G1200 wahlweise mit Front- oder Heckantrieb gefahren werden. In schwierigem Gel√§nde war es aber auch m√∂glich, beide Motoren gleichzeitig zu nutzen und somit einen Allradantrieb zu simulieren. Der Tempo G1200 wurde von 1937 bis 1944 insgesamt 4000-mal produziert.

Geländewagen nach heutigem Verständnis

1940 fragte die US-Armee wegen des Zweiten Weltkrieges bei 135 Firmen an, ob diese in der Lage seien, ein gel√§ndeg√§ngiges Milit√§rfahrzeug nach bestimmten Vorgaben zu konstruieren. Ein Prototyp wurde bereits kurze Zeit sp√§ter erwartet. Die einzigen Unternehmen, die diese Aufgabe erf√ľllen konnten oder wollten, waren American Bantam, Ford und Willys-Overland. Kurz darauf stellte American Bantam seinen Prototypen vor. Auf Grundlage der Pl√§ne f√ľr das Fahrzeug entwickelte Willys-Overland den Quad und Ford den Pygmy.

Die Wahl der US-Armee fiel auf den Willys, da dieser die gestellten Anforderungen deutlich √ľbertraf. Dieser wurde ab 1941 zun√§chst in einer Kleinserie als Willys MA produziert und wenige Monate sp√§ter durch die nur geringf√ľgig √ľberarbeitete Version Willys MB ersetzt. Um die gro√üe Nachfrage befriedigen zu k√∂nnen, wurde ein Vertrag mit der Firma Ford abgeschlossen, die den Willys als Ford GPW nach Vorgabe von Willys-Overland fertigte.

Der Willys ist auch der Ur-Jeep. Er machte den Begriff Jeep weltweit bekannt. Heutzutage wird Jeep h√§ufig als Synonym f√ľr fast alle Gel√§ndewagen gebraucht. Den Begriff Jeep lie√ü sich Willys-Overland 1950 sch√ľtzen; heutzutage geh√∂rt die Marke Jeep zu Chrysler.

1945 wurde mit dem Jeep CJ-2A der erste zivile Geländewagen auf Grundlage des Willys MB von Willys-Overland vorgestellt.

Am 17. Juni 1970 stellte Land Rover, damals unter dem Dach der staatlichen British Leyland, den Range Rover vor, den ersten in Gro√üserie produzierten Gel√§ndewagen mit einem permanenten Allradantrieb. Das gleiche Antriebsprinzip √ľbertrug der Hersteller 1984 auf den Nachfolger des klassischen Land Rover, den Defender, sowie auf den 1989 erschienenen Discovery.

Einf√ľhrung des Allradantriebs in Gel√§ndewagen nach Fahrzeugherstellern

Auch Päpste werden mit Allradantrieb chauffiert: Hier der inzwischen verstorbene Johannes Paul II. im Fiat Campagnola auf dem Petersplatz des Vatikans
Jahr Hersteller Modell/Baureihe Großserie Kleinserie
1941 Willys-Overland Willys MA/MB Militärfahrzeug
1941 Volkswagen Typ 128 Schwimmwagen Militärfahrzeug
1945 Willys-Overland Jeep CJ-2A x
1948 Rover Land Rover x
1951 Alfa Romeo Alfa Romeo Matta x
1951 Fiat Fiat Campagnola x
1956 Auto Union F91/4 Munga Militärfahrzeug
1970 British Leyland Range Rover x
1976 Lada Lada Niva x
1979 Mercedes-Benz
Steyr Daimler Puch
G-Modell x

Allradantrieb in Lkw

Moderner IVECO-Lkw mit Allradantrieb (Baufahrzeug, Kipper)
√Ąlterer Magirus-Deutz-Lkw mit Allradantrieb (Katastrophenschutz-
Fahrzeug, DMF
)

Der erste Lkw mit Allradantrieb wurde 1935 von B√ľssing (damals unter B√ľssing-NAG firmierend) vorgestellt und trug die Bezeichnung Typ 504. Bereits 1931 hatte dieses Unternehmen mit dem Typ G 31 einen Lkw mit drei Achsen entwickelt, von denen zwei angetrieben wurden (6x4-Prinzip). Nur wenig sp√§ter kamen auch Allrad-Lkw anderer Nutzfahrzeughersteller auf den Markt. Beispielsweise das ab 1941 von Magirus-Deutz (damals unter Kl√∂ckner-Deutz firmierend) gebaute Modell A330, das sp√§ter als A3000 bezeichnet wurde, und das gel√§ndeg√§ngige Modell 33G1 der Henschel-Werke. Beide wurden in erster Linie an die deutsche Wehrmacht geliefert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg l√∂ste die Bauwirtschaft das Milit√§r als Hauptabnehmer von Allrad-Lkw in Deutschland ab: Durch den Wiederaufbau nach dem Krieg und durch das Wirtschaftswunder wurden √ľberall gel√§ndeg√§ngige Baufahrzeuge gebraucht, sodass die meisten damaligen Lkw-Hersteller Allradfahrzeuge in ihr Angebot aufnahmen. Bis Mitte der 1960er-Jahre waren f√ľr Allrad-Lkw in Deutschland Hauber die √ľbliche Bauart, Frontlenker mit Allradantrieb setzten sich erst Ende der 1960er-Jahre bis Anfang der 1970er-Jahre durch. Auch heutzutage ist der Allradantrieb bei Lkw weit verbreitet, au√üer in der Bauwirtschaft und beim Milit√§r auch bei Feuerwehren und anderen Hilfsdiensten wie Rotes Kreuz und THW. Bedeutende Hersteller in Europa sind beispielsweise MAN, Mercedes-Benz und IVECO.

Allradantrieb in der Landtechnik

Allrad-Traktor von MAN (Typ AS 330A; Baujahr 1951)
Fendt Favorit 3 mit Allradantrieb, Bauzeit 1964‚Äď1967

Im Jahr 1857 wurde dem Erfinder John S. Hall vom Patentamt der USA ein Patent f√ľr einen Dampftraktor mit Allradantrieb erteilt. Eine praktische Umsetzung dieser Idee fand wegen der sehr eigenwilligen Konstruktion vermutlich nicht statt, zumindest ist heute davon nichts mehr bekannt. Fehlende Differenziale, kombiniert mit einer Knicklenkung, h√§tten das Gef√§hrt in Kurven nahezu unfahrbar gemacht.

Der erste Traktor mit Allradantrieb wurde 1907 von der Gasmotoren-Fabrik Deutz AG hergestellt. Aufgrund der aufwändigen Technik war das Fahrzeug jedoch zu teuer und daher ein Misserfolg. Die Gasmotoren-Fabrik Deutz AG stieg erst 1926 richtig in den Traktorenmarkt ein, allerdings nicht mehr mit allrad- sondern mit heckangetriebenen Fahrzeugen (vgl. Hauptartikel Deutz-Fahr).

Ab 1923 wurde der Lanz HP-Bulldog mit Allradantrieb und Knicklenkung von der Heinrich Lanz AG produziert. Der HP-Bulldog verf√ľgte √ľber einen Frontantrieb mit zuschaltbarem Heckantrieb.

1948 wurde der erste MAN Ackerdiesel mit Allradantrieb entwickelt, der 1949 in die Produktion gelangte. Auch andere Firmen wie Fendt brachten in den Nachkriegsjahren allradgetriebene Traktoren auf den Markt. All diesen Fahrzeugen ist gemein, dass sie sich aufgrund der hohen Preise ‚Äď bedingt durch die hohen Produktionskosten der aufw√§ndigen Technik ‚Äď nicht wirklich durchsetzen konnten. Viele Modelle verschwanden bald darauf wieder vom Markt.

Die Marktsituation änderte sich erst 1951, als der Hersteller Same mit dem 25 PS starken Same DA 25 den ersten in Großserie produzierten Allradtraktor vorstellte. Dies hatte einen enormen Anstieg des Anteils allradgetriebener Fahrzeuge auf dem Traktormarkt zur Folge. Andere Hersteller folgten und so trat der Allradantrieb bei Traktoren seinen Siegeszug an.

Heute liegt der Marktanteil der Traktoren mit Allradantrieb in der Leistungsklasse √ľber 74¬†kW bei nahezu 100¬†%. Auch bei kleineren landwirtschaftlichen Arbeitsger√§ten ist der Allradanteil mit 70¬†% recht hoch.

Allradantrieb bei Zweirädern

Motorrad der Marke ‚ÄěZyklon‚Äú um 1900
Segway im Gelände

Die ersten Entwicklungen zu Zweirädern mit Frontantrieb brachten schon 1900 das erste Hybridallradmotorrad hervor - das Vorderrad wurde per Motor angetrieben, das Hinterrad mit Muskelkraft. Den letzten Stand der Entwicklung stellen elektrische AWD Systeme aus dem Jahr 2008 dar.

Mechanische AWD Systeme

In den 1950er-Jahren gab es Versuche, Motorr√§der mit der Allradtechnik auszur√ľsten. Systeme mit flexiblen Antriebswelle erwiesen sich wegen zu hohem Verschlei√ü als untauglich. Seit 1958 gibt es Allrad-Motorr√§der der Marke ROKON‚ĄĘ (USA), bei denen beide R√§der durch Ketten angetrieben werden. Seit 1994 gibt es von der Firma Christini (Philadelphia) Weiterentwicklungen [2] des Systems. Das Fronttriebsystem dieser Motorr√§der ist leicht an den zus√§tzlichen Wellen vor der Motorradgabel erkennbar.

Hydraulische AWD Systeme

Seit dem Jahr 1999 gibt es auch hydraulisch angetriebene Allrad-Motorr√§der. Die schwedische Firma √Ėhlins entwickelte ein System. Mit einer damit ausgestatteten Yamaha TT 600 R 2WD gewann der Italiener Antonio Colombo die Sardinien Rallye 99. [3] Bei diesem System dr√ľckt eine Hydraulikpumpe, die im Getriebe des Motors untergebracht ist, √Ėl durch flexible Druckleitungen zum Vorderrad. Das √Ėl treibt dort einen kleinen Hydraulikmotor an, bevor es gefiltert wieder zur Pumpe zur√ľckflie√üt. Die Leitungen sind, √§hnlich wie eine Tachowelle, federnd verlegt. Bei diesem System werden bis zu 15 Prozent der Motorleistung auf das Vorderrad √ľbertragen. Der so aufgebaute Allradantrieb im Motorrad verspricht vor allem eine h√∂here Kurvenstabilit√§t und eine leichtere Fahrzeugkontrolle. Derzeit wird er von vielen Herstellern forciert entwickelt, eine Serienreife erlangte er jedoch noch nicht. Der Einsatz beschr√§nkte sich bisher auf den Motorsport.

Elektrische AWD Systeme

Ein System f√ľr elektrischen AWD Antrieb f√ľr Motorr√§der wurde im Jahr 2008 von der Firma KTM patentiert. [4] Das System hat weniger Mechanik und ist durch elektronische Regelm√∂glichkeiten an den Fahrbetrieb abstimmbar. [5] Neue Erkenntnisse erm√∂glichen die Erzeugung der notwendigen Drehmomente durch die Elektromotoren.

mehrspurige Zweiräder

Eine exotische Allradanwendung stellt der Segway Personal Transporter dar. Er ist per Definition ein ‚Äúzweir√§driges aber mehrspuriges Motorfahrzeug‚ÄĚ. Er z√§hlt nicht zu den Zweir√§dern. Die Zuslassungsfragen derzeit offen. Es werden spezielle Modelle mit breiten Reifen f√ľr den Betrieb im Gel√§nde angeboten.

Allradantrieb im Automobilsport

F√ľr diverse Formen des Automobilsports ist der Allradantrieb heutzutage ein absolutes Muss. Audi beispielsweise revolutionierte in den fr√ľhen 1980ern mit dem Audi quattro den Rallyesport ‚Äď die ersten vierradgetriebenen Rennwagen gab es allerdings bereits einige Jahrzehnte fr√ľher. In der folgenden Auflistung finden sich die innovativsten Allradautos bzw. die wichtigsten Allradentwicklungen der Rennsportgeschichte.

Der Spyker 60 H.P. von 1903

1903: Spyker 60 H.P. ‚Äď erster Rennwagen mit permanentem Allradantrieb

Der Spyker 60 H.P. (sprich: Speiker; das y [statt ń≥] im Firmennamen hatte man f√ľr den internationalen Markt gew√§hlt) genannte Wagen der beiden niederl√§ndischen Br√ľder Jacobus und Hendrik-Jan Spń≥ker aus Amsterdam gilt heutzutage als das erste Automobil und Rennauto mit einem Sechszylinder-Motor (8,6 Liter Hubraum), permanentem Allradantrieb und Bremsen f√ľr alle vier R√§der.

Mit dem vom Belgier Joseph Laviolette entwickelten 60 H.P. bestritt Jacobus Spń≥ker selbst Rennen und gewann 1906 √ľberlegen das Bergrennen des Birmingham Motor Club in England ‚Äď im Regen. Mehr als 100 Jahre nach seiner Entstehung kann man den Spyker 60 H.P. in der Louwman Collection (vormals: Nationaal Automobiel Museum) in Raamsdonksveer bei Geertruidenberg besichtigen.

Ab 1931: Ettore Bugatti baut Allrad-Rennwagen mit der Bezeichnung Bugatti Type 53

Der als genial geltende Ettore Bugatti baute mindestens zwei Allrad-Fahrzeuge (Bugatti Type 53, 8-Zylinder-Reihenmotor, 4972 cm¬≥ Hubraum und ca. 224 kW/300 PS) f√ľr Bergrennen, zumindest einer davon wurde von seinem Sohn Jean Bugatti gefahren, u.¬†a. 1932 bei der schon damals ber√ľhmten britischen Bergpr√ľfung Shelsley Walsh.

Bekannt ist, dass Ren√© Dreyfus im M√§rz 1934 auf einem T53 4WD das Bergrennen La Turbie von Nizza gewann und dass Robert Benoist im April 1935 bei zwei weiteren franz√∂sischen Bergrennen (bei Reims und bei Nancy) siegreich war. Die zwei Autos existieren auch heute noch. Einer der beiden ist Bestandteil der ber√ľhmten Collection Schlumpf, der andere geh√∂rt einem privaten Sammler. Es soll allerdings noch einen dritten T53 mit Allradantrieb gegeben haben, √ľber dessen Verbleib jedoch nichts mehr bekannt ist.

1932: Mit dem Miller 4x4 kommt erstmals ein Allrad-Rennwagen beim Indy 500 zum Einsatz

Der Konstrukteur und Rennfahrer Harry Miller setzte in Indianapolis einen Miller 4x4 mit einem V8-Motor ein, der 5 Liter Hubraum besaß. Im Jahre 1934 kam dieses Fahrzeug auch beim Grand Prix von Tripolis und auf der AVUS zum Einsatz.

Der Cisitalia CIS 360 im Porsche-Museum in Stuttgart

Ab 1947: Porsche baut mit dem CIS 360 einen F1-Boliden mit Allradantrieb

Porsche entwickelte in Gm√ľnd f√ľr den italienischen Industriellen und Rennwagen-Konstrukteur Piero Dusio ein 1,5-l-Fahrzeug mit 12-Zylinder-Mittelmotor (bei seinen Leistungsangaben standen PS-Zahlen zwischen 280 und 550 bei etwa 10.500 U/min im Raum), das, via Porsche-Synchromesh-Getriebe und entsprechendem Antriebsstrang, √ľber einen w√§hrend der Fahrt abkoppelbaren Vorderradantrieb verf√ľgte. Der Name des innovativen Formel-1-Wagens lautete Cisitalia CIS 360.

Mehr als 20 Jahre sp√§ter wurde aus wiederentdeckten, noch vorhandenen Ersatzteilen ein zweiter CIS 360 zusammengebaut, der somit unter Sammlern als so genanntes Bitsa car gilt. Das Original von Piero Dusio verbrachte, nach dessen finanziellem Ruin in Italien, unter dem Namen Autoar (f√ľr Auto Motores Argentinos) in den 1950ern einige Jahre in Buenos Aires und befindet sich heute im Porsche-Museum in Stuttgart. Der aus Ersatzteilen entstandene zweite CIS 360 steht (angeblich ohne Kurbelwelle und deswegen noch immer nicht komplett fertiggestellt) als Cisitalia-Porsche 360 seit Anfang der 1970er im Museum der britischen Rennstrecke Donington Park.

1961: Mit dem P99 baut Ferguson Research den ersten einsatzfähigen F1-Rennwagen

Die Firma Harry Ferguson Research Ltd. setzte erstmals einen allradgetriebenen Formel-1-Wagen namens Ferguson-Climax P99 ('Project 99') mit 1,5-l-Motor unter Rennsport-Veteran Jack Fairman beim Gro√üen Preis von Gro√übritannien in Aintree ein. Sp√§ter √ľbernahm Stirling Moss das Steuer und wurde am Ende disqualifiziert. Dies war der einzige Auftritt des P99 4WD bei einem offiziellen GP. Noch im selben Jahr gewann Stirling Moss damit das nicht zur F1-WM z√§hlende Oulton Park Gold Cup Race ‚Äď nach h√§ufigen Regenschauern mit mehr als 40 Sekunden Vorsprung auf den Brabham-Cooper. Trotzdem, seine zweitbeste Zeit im vom Regen verschont gebliebenen Training, ganze zwei Zehntelsekunden hinter Bruce McLaren und dessen Cooper, demonstrierte eindeutig die Kapazit√§ten dieses Allrad-Boliden ‚Äď auch auf trockener Fahrbahn.

Im Winter 1962/1963 bestritten Graham Hill und Innes Ireland mit dem P99 (jetzt mit einem 2,5-l-Motor ausger√ľstet) die Tasman Series von Australien und Neuseeland und 1964 gewann Peter Westbury damit die British Hill-Climb Championship (die 'Britische Bergmeisterschaft'). Der P99 ist jetzt Bestandteil der Rennwagen-Sammlung von Donington Park.

1961: Der Cannonball von Howard Parkin ist das erste Autocross-Rennfahrzeug mit Allradantrieb

Der Brite Howard Parkin konstruierte mit seinem so genannten Cannonball ('Kanonenkugel') das erste allradgetriebene Fahrzeug im Autocross. Bis in die 1970er war der einsitzige Open Special fast unschlagbar und sicherte Parkin bei √ľber 60 Rennen den Gesamtsieg, der jeweils durch die Tagesbestzeit (FTD bzw. Fastest Time of the Day) ermittelt wurde.

Der BRM P67 in Donington Park

1964: Der BRM P67 ‚Äď ein weiterer Formel-1-Renner mit Allradantrieb

Der junge Techniker Mike Pilbeam bekam von seinem Team BRM die Möglichkeit geboten, einen F1-4x4-Rennwagen zu bauen. Aus einem veralteten P56-Fahrgestell, einem V8-Motor mit 1500 cm³ Hubraum und 147 kW/200 PS und einem Formula-Ferguson-System erstellte Pilbeam den BRM P67, den Richard Attwood während des Trainings zum Britischen Grand Prix von Brands Hatch testete.

Unmittelbar danach entschied sich BRM gegen den allradgetriebenen P67 und setzte seine Jetons weiterhin auf Zweiradantrieb. Einige Jahre sp√§ter √ľbernahm Privatfahrer Peter Lawson das Fahrzeug, nun mit einem weit potenteren 2,1-l-Tasman-Motor ausger√ľstet, und wurde damit v√∂llig √ľberlegen Britischer Bergmeister 1968. Der BRM-Monoposto steht heutzutage ebenfalls in der Donington-Kollektion.

1964: Der STP-Oil Novi V8 4WD kommt in Indianapolis zum Einsatz

Bobby Unser bestritt das Rennen in Indianapolis mit einem STP-Oil Novi V8 mit Allradantrieb. Das Auto wurde jedoch bei einem Unfall beschädigt und Unser musste aufgeben. Dasselbe Auto fiel 1965 in Indy erneut aus, diesmal mit technischen Problemen.

1968: Vier Lotus 56 von Colin Chapman fahren in Indianapolis mit Gasturbinen und Allradantrieb

Lotus setzte zusammen mit Andy Granatelli insgesamt vier mit Gasturbinen ausger√ľstete Lotus 56 mit Allradantrieb in Indianapolis ein. Mike Spence, den man als Ersatzfahrer f√ľr den gestorbenen Jim Clark ins Team aufgenommen hatte, verungl√ľckte in einem der vier Autos w√§hrend des Trainings ebenfalls t√∂dlich.

Joe Leonard und Graham Hill qualifizierten sich mit ihren 56ern als Schnellster und Zweitschnellster. Während Leonard im Rennen ständig in den Top 3 rangierte und in Runde 192 mit defekter Benzinpumpe das Handtuch werfen musste, wurde Hill durch einen Unfall nach einem Aufhängungsschaden aus dem Wettbewerb katapultiert.

1969: Triumph 1300 4WD und Capri 3000GT 4WD ‚Äď die ersten beiden Rallycross-Allradautos

Am 8. Februar brachten die beiden britischen Firmen Ford und BMC ‚Äď am selben Tag, aber auf verschiedenen Rennstrecken ‚Äď die ersten allradgetriebenen Fahrzeuge im Autosport Rallycross an den Start. W√§hrend der Triumph 1300 4WD von BMC-Pilot Brian Culcheth sein Rennen in Lydden (bei Dover) gewann und der Sieg auch anerkannt wurde, bekam Ford-Werksfahrer Roger Clark seinen Gesamtsieg mit dem Ford Capri 3000GT 4WD in Croft (bei Darlington) schon bald nach dem Rennen wieder aberkannt, weil der Rallycross Special mit Ferguson-Antrieb damals "nicht dem g√ľltigen Reglement entsprach".

Der Triumph verschwand danach wieder in der Versenkung, doch Ford hatte Blut geleckt und baute einen weiteren Capri f√ľr Roger Clarks Bruder Stan. Ein drittes Capri-4WD-Projekt, von Privatfahrer Rod Chapman, wurde werksseitig ebenfalls unterst√ľtzt und nach einigen Monaten kontinuierlicher Weiterentwicklung waren die "Ford-Biester" so stark und der Konkurrenz derma√üen √ľberlegen, dass sie erst 5 oder 10 Sekunden (4WD Penalty) nach ihren Gegnern starten durften. Trotzdem gelang es den Capri-Piloten zumeist, am Ende doch die Nase vorne zu haben und ihre jeweiligen Rennen zu gewinnen.

Während Ford selbst seine inzwischen gut 250 PS starken 3000GT 4WD im Herbst 1971 einmottete, um sich von nun an verstärkt dem neuen Ford Escort zu widmen, war Chapman auch 1972 noch mit seinem Allrad-Capri auf britischen Rallycross-Strecken erfolgreich.

Mario Andretti 1969 auf dem N√ľrburgring im Lotus 63 4WD

Ab 1969: Vier Formel-1-Teams testen Allrad-Monopostos

Bis einschließlich 1971 (Lotus) beschäftigten sich in der Formel 1 die Teams von Lotus, Matra, McLaren und selbst Motorenbauer Cosworth mit allradgetriebenen 3-l-Boliden. Lotus baute zwei Lotus-Ford 63 (V8-Motor, 2993 cm³, 430 PS bei 9000 U/min), die mit Gasturbinen von Pratt & Whitney ausgestattet werden sollten, aufgrund von Terminproblemen jedoch Cosworth-Motoren erhielten.

Nachdem Graham Hill das Auto f√ľr den Niederl√§ndischen Grand Prix in Zandvoort getestet hatte, Joakim Bonnier beim britischen, Mario Andretti beim deutschen und John Miles beim italienischen Grand Prix damit ausgefallen waren, stellten sich immer mehr Probleme f√ľr Colin Chapman und seinen Konstrukteur Maurice Phillippe ein. Gl√ľcklich wurde das Lotus-Team mit dem 63er nicht ‚Äď daran √§nderte auch dessen gr√∂√üter Erfolg, ein zweiter Platz unter Jochen Rindt beim nicht zur F1-WM z√§hlenden Oulton Park Gold Cup Race 1969, nicht viel. Rindts 63/I geh√∂rt heute zur Sammlung von Donington.

Colin Chapman versuchte sich dann 1971 doch noch einmal am Allrad-Konzept und stellte seinen Lotus 56B vor, eine Art Wiederverwertung des Indy-Wagens von 1968. Nachdem aber auch dieses Gasturbinen-Fahrzeug keine F1-Erfolge in Aussicht stellte, obwohl es in Zandvoort unter Nachwuchsfahrer David Walker den verregneten 71er-GP der Niederlande vielleicht sogar h√§tte gewinnen k√∂nnen, wenn Walker nicht in viel versprechender Position damit von der Piste geflogen w√§re, gab auch das Lotus-Team seine Allrad-Ambitionen endg√ľltig auf.

Genau wie Lotus hatte auch Matra einen Allrad-Renner zum Testen nach Zandvoort gebracht ‚Äď genau wie Lotus setzte auch Matra ihn nicht im eigentlichen Rennen ein. Jackie Stewart war mit dem zweiradgetriebenen MS80 im Training um knapp zweieinhalb Sekunden schneller als im vierradgetriebenen MS84, worauf die Wahl des Wagens keiner weiteren Frage bedurfte. Zwei Wochen sp√§ter, beim Franz√∂sischen GP in Clermont-Ferrand, war Stewart im MS84 sogar sechs Sekunden langsamer und wieder optierte er f√ľr den MS80. Weitere zwei Wochen sp√§ter, beim GB-GP in Silverstone, brachte Jean-Pierre Beltoise seinen MS84 als Neunter ins Ziel. Beim GP von Kanada im Mosport Park schaffte es Matra-Pilot Johnny Servoz-Gavin, sich mit seinem sechsten Platz den einzigen je durch ein Allrad-Fahrzeug gewonnenen F1-WM-Punkt zu sichern. Allerdings stellte sich schon bald nach der Zieldurchfahrt heraus, dass das Frontdifferenzial seines MS84 nicht funktioniert hatte und er dadurch einzig mit Heckantrieb unterwegs gewesen war ‚Ķ

Der McLaren M9A in Donington

McLaren war ziemlich optimistisch, plante gleich eine kleine Serie von 4x4-Fahrzeugen, baute am Ende aber nur einen einzigen mit der Typbezeichnung McLaren-Ford M9A-1 (V8-Motor, 2999 cm¬≥, 321 PS bei 9000 U/min). Der Motor kam von Cosworth, den Antrieb entwickelte Jo Marquardt und als Testpilot fungierte Derek Bell beim Britischen GP in Silverstone. 1971 √ľbernahm die Donington Collection den M9A, nachdem Bruce McLaren Motor Racing schon l√§ngst das Interesse daran verloren hatte.

Der Cosworth 4WD in Donington

Auch die Motorenbauer von Cosworth versuchten sich 1969 an einem Allrad-F1-Boliden, der allerdings nie einen echten Renneinsatz erlebte. Keith Duckworth, der ‚Äěworth‚Äú in Cosworth, beauftragte Robin Herd, das Fahrzeug zu entwickeln, das den ultimativen Rahmen f√ľr seinen neuen DFV-GP-Motor (V8, 2993 cm¬≥, 430 PS bei 9000 U/min) abgeben sollte. Die aerodynamische Frontpartie des Cosworth 4WD war f√ľr damalige Verh√§ltnisse revolution√§r, doch genau wie die anderen Allrad-F1-Renner hatte auch der "Cossie" Probleme mit seinem zu hohen Gewicht. Mike Costin, der "Cos" in Cosworth, und Trevor Taylor testeten den Rennwagen ausf√ľhrlich, gaben das Projekt aber bereits im Teststadium entnervt wieder auf und 1971 landete auch dieser Allradler im Donington-Museum.

Bis zum noch heute geltenden Allradantriebsverbot f√ľr die Formel 1, das 1983 in Kraft trat, gab es drei weitere 4WD-Versuchsfahrzeuge von March (March 2-4-0) und Williams (Williams FW07D und FW08B), die allerdings nie in der F1-WM eingesetzt wurden. W√§hrend der March-Wagen sp√§ter bei einigen Bergrennen auftauchte, nahmen die Williams-Prototypen an keinem einzigen offiziellen Wettbewerb teil.

1971: DAF baut mit dem 55 Coup√© 4WD einen Allradler f√ľr den Rallycross-Fahrer Jan de Rooy

Die Sportabteilung des niederl√§ndischen Autowerkes DAF baute in nur 10 Tagen f√ľr den Rallycross-Fahrer Jan de Rooy ein DAF 55 Coup√© mit einem genial-einfachen aber √§u√üerst effektiven Allradantrieb. Ein anf√§nglich rund 96 kW/130 PS starker Gordini-Motor wurde an die Stelle montiert, wo sich normalerweise der Beifahrersitz befindet. √úber eine Sportvariomatic, die auf dem Platz des Fahrersitzes befestigt wurde, trieb der Motor jeweils einen Antriebsriemen f√ľr die Kardanwellen zur Vorder- und Hinterachse an. Dort leiteten Sperrdifferenziale vom BMW 2002 die Kraft stufenlos an alle vier R√§der weiter.

Der Fahrersitz mitsamt de Rooy thronte √ľber der Variomatic und f√ľr die n√∂tige Kopffreiheit des Piloten hatte man ein Loch in das Dach des Autos geschnitten und durch eine kleine Kuppel um gut 10 cm erh√∂ht. F√ľr 1972 baute DAF dann gleich zwei 555 Coup√©s (die dritte 5 stand f√ľr die Gruppe 5 laut FIA-Reglement) f√ľr Jan de Rooy (Jahre sp√§ter ein ber√ľhmter Allrad-Trucker der Rallye Paris-Dakar) und seinen Bruder Harry de Rooy auf, die jetzt 147 kW/200 PS starke Ford-BDA-Motoren hatten und die nun am daf√ľr bestimmten Platz unter der K√ľhlerhaube werkelten. Neu war au√üerdem, dass der Variomatic-Allradantrieb eine so genannte disconnecting control besa√ü, mit dem der Hinterradantrieb jederzeit stillgelegt werden konnte. Weil ab Ende 1972 (bis einschlie√ülich 1981) Allradantrieb im Rallycross verboten war, wurden beide DAF im Jahre 1973 von den De-Rooy-Br√ľdern nur noch mit Heckantrieb gefahren.

1980: Der Audi quattro gibt sein Rallyesport-Deb√ľt

Im November wurde der neue Audi quattro erstmals in Rallye-Ausf√ľhrung eingesetzt, jedoch nur als so genannter Vorauswagen bei der zur Rallye-EM z√§hlenden Algarve-Rallye in Portugal.

Franz Wittmann gewann im quattro auch die Jänner-Rallye 1984

1981: Erster offizieller Einsatz des Audi quattro bei der Jänner-Rallye

Der √Ėsterreicher Franz Wittmann gewann in seinem Heimatland die zur Rallye-EM z√§hlende J√§nner-Rallye und beendete so den ersten offiziellen Sport-Einsatz eines Audi quattro mit einem Sieg.

Bei der rund 14 Tage sp√§ter stattfindenden Rallye Monte Carlo, dem ersten Lauf zur FIA Rallye-Weltmeisterschaft, fielen die beiden quattros von Hannu Mikkola (nach Bremsversagen) und Mich√®le Mouton (wegen verschmutztem Benzin) zwar vorzeitig aus, doch hatten sie bereits hier eine ganz neue √Ąra f√ľr den gesamten Rallyesport eingel√§utet ‚Äď denn ohne Allradantrieb ging in dieser Motorsport-Szene danach nichts mehr.

Ab 1981: Die Doppelmotor-Allradler von Kurt Bergmann und VW-Motorsport

Der Wiener "Formel-V-Papst" Kurt Bergmann (Kaimann) experimentierte, in Kooperation mit VW-Motorsport, mit mindestens f√ľnf allradgetriebenen Doppelmotor-Fahrzeugen und produzierte, nach einem VW Jetta (das "doppelte Jettchen", 220 PS, 1981), einem VW Scirocco (der "Twin-Scirocco", 360 PS, 1982) und zwei VW Golf (390 PS, 1985; 500 PS, 1986), f√ľr das ber√ľhmte Pikes-Peak-Bergrennen 1987 in den USA den ultimativen Prototypen auf Basis eines weiteren VW Golf. Der BiMotor-Golf wurde dort (wie bereits 1985 und 1986) unter dem deutschen Rallyefahrer Jochi Kleint eingesetzt, verf√ľgte √ľber zwei GTI-16V-Motoren, die mit KKK-Turboladern best√ľckt insgesamt 652 PS produzierten, fiel aber nur noch drei Kurven vor der Ziellinie mit einem schleichenden Aufh√§ngungsschaden vorne rechts endg√ľltig aus.

1982: Mit seinem quattro gewinnt das Ingolstädter Autowerk Audi die Markenwertung der Rallye-WM

Audi gewann Ende November bei der RAC-Rallye von Gro√übritannien, durch einen Doppelsieg von Mikkola und Mouton, mit seinem quattro die Markenwertung der Rallye-WM. Den ersten FIA-Titel mit einem Audi quattro hatte sich allerdings bereits einige Wochen zuvor schon Franz Wurz aus √Ėsterreich gesichert, der am 3. Oktober in Buxtehude im Urquattro Rallycross-Europameister werden konnte.

Martin Schanche (links) und Erich Zakowski präsentierten den Allrad-XR3 1983 in Brands Hatch
Der Xtrac Escort Mk3 mit dem Martin Schanche FIA Rallycross-Europameister 1984 wurde

1983: Xtrac ‚Äď der erste Allrad-Rennwagen mit beeinflussbarer Kraftverteilung

Der Norweger Martin Schanche (aka ‚ÄěMister Rallycross‚Äú) stellte im Dezember 1983 beim British Rallycross Grand Prix in Brands Hatch seinen neuen Ford Escort XR3 T16 4x4 (Spitzname: ‚ÄěMj√łlner‚Äú oder ‚ÄěThors Hammer‚Äú) vor, den ersten Rennwagen mit einem w√§hrend der Fahrt manuell beeinflussbaren Allradantrieb. Der von Schanche initiierte sowie finanzierte und in Kooperation mit dem Briten Mike Endean entwickelte variable Xtrac-Antrieb basierte auf einem permanenten Differenzial-gesteuerten Allradantrieb, dessen L√§ngsdifferenzial √ľber eine hydraulisch bet√§tigte Lamellensperre verf√ľgte. Durch stufenlose Ansteuerung der Kupplung konnte das Drehmoment des 560 PS starken Zakspeed-Motors auch abweichend von der 28:72-Prozent-Grundaufteilung an die Vorder- und Hinterachse weitergeleitet werden ‚Äď bis hin zum starren Durchtrieb. 1984 wurde Schanche mit seinem Xtrac-Escort-Mk3 auf Anhieb FIA Rallycross-Europameister. Das Auto ist, in den Zustand von Dezember 1983 zur√ľckversetzt, jetzt Eigentum von ‚ÄěMister Xtrac‚Äú Mike Endean, der seit seiner Pensionierung auf der Insel Jersey lebt.

Da auch die Sportabteilung von Opel (damals unter der Leitung von Karl Heinz Goldstein) gro√ües Interesse an Endeans Xtrac-System hatte, war der Engl√§nder ab 1984 auch an der Entwicklung des Opel Kadett f√ľr die geplante Gruppe S beteiligt, die sp√§ter jedoch von der FIA wieder verworfen wurde. Opel setzte zwei Xtrac-Kadett bei der Paris-Dakar 1986 ein, bei der sich der inzwischen leicht modifizierte variable Rallycross-Antrieb ohne Probleme bew√§hrte, w√§hrend die Sto√üd√§mpfer der Werks-Prototypen gleich serienweise zu Bruch gingen und letztendlich die R√ľsselsheimer zum vorzeitigen R√ľckzug aus der W√ľstenrallye zwangen. Nach dem Opel-Intermezzo wurde die Firma Xtrac als Entwickler und Zulieferer ein wichtiger Partner f√ľr diverse Werke und Teams in der Rallye-Weltmeisterschaft und der Formel 1.

Die Straßenversion des Ford RS 200 der Gruppe B …
… und das gut 650 PS starke Rallycross-"Monster" von Martin Schanche im Jahre 1992

Ab 1984: Die ‚ÄěGruppe-B-Monster‚Äú dominieren die Rallye-WM

Ausgel√∂st durch die kontinuierlichen Erfolge des Audi quattro und seiner Weiterentwicklung Audi quattro A2 begann in der Rallye-Weltmeisterschaft eine Art Wettr√ľsten. Hatte man zuvor haupts√§chlich zweiradgetriebene Serien-Stra√üenautos zu potenten Rallye-Fahrzeugen aufgep√§ppelt, so wurden nun reine Allrad-Rennmaschinen entwickelt und f√ľr die Gruppe B der FIA homologiert. Daf√ľr mussten mindestens 200 Exemplare des betreffenden Modells produziert und der FIA pr√§sentiert werden. Der Gro√üteil dieser Kleinserienfahrzeuge wurde danach an Liebhaber f√ľr den Stra√üeneinsatz oder an Auto-Sammler verkauft, aus nur etwa 10 Prozent der Produktion schufen die Werksteams dann extreme Rallye-Ger√§te. Peugeot 205 Turbo 16 E2, Ford RS 200 und Lancia Delta S4 hie√üen die wichtigsten Vertreter der Turbo-Mittelmotor-Fraktion, w√§hrend die Audi Sport quattro S1 √ľber einen Turbo-Frontmotor und die MG Metro 6R4 √ľber einen Sauger-Heckmotor verf√ľgten. Ihre Leistung war irgendwo zwischen 300 und 400 kW (ca. 400 und 550 PS) angesiedelt. Diese regelrechten "Allradmonster" konnten nur von einigen wenigen Weltklasse-Piloten wirklich gez√§hmt und am Limit bewegt werden.

Lancia Delta S4 der Gruppe B

Nach mehreren schweren und zum Teil auch t√∂dlichen Unf√§llen zog die FIA 1986 die Notbremse und verbannte die √úberflieger f√ľr immer aus der Rallye-WM. Von 1987 bis einschlie√ülich 1992 fanden dann gut zwei Dutzend dieser ultimativen Gruppe-B-Renner, zum Teil sogar noch weiter leistungsgesteigert bis √ľber 480 kW/650 PS, in der Rallycross-EM ihr letztes internationales Bet√§tigungsfeld. Heutzutage stehen die meisten Gruppe-B-Boliden in Garagen von Sammlern und in Rennsport-Museen. Nur hin und wieder sieht man noch einige von ihnen in Aktion, speziell bei diversen Bergrennen, Rallycross-Rennen in Gro√übritannien und Irland oder auch bei den so genannten Youngtimer-Rallyes.

Der Paris-Dakar-Porsche-959 des Jahres 1986 von René Metge

1985: Der Porsche 959 mit elektronisch gesteuertem variablen Allradantrieb

Die Firma Porsche stellte den Medien den Porsche 959 f√ľr die Gruppe B vor. Die Stra√üenversion des Supersportwagens hat einen 6-Zylinder-Boxermotor mit 2,85 Liter Hubraum, dem zwei Turbolader zu mindestens 331 kW/450 PS verhelfen. Der 959 verf√ľgt √ľber einen elektronisch gesteuerten variablen Allradantrieb, bei dem nach Wahl von drei verschiedenen Automatikprogrammen die Vorderr√§der √ľber eine hydraulisch geregelte Lamellen-Kupplung stufenlos zugeschaltet werden. In einer vierten Einstellung wird die Motorleistung "f√ľr besonders tiefes Gel√§nde" gleichm√§√üig auf alle vier R√§der verteilt. Anfang 1986 gewann der Franzose Ren√© Metge mit einem Vorserienauto in Rallye-Raid-Ausf√ľhrung (davon gab es dem Vernehmen nach vier St√ľck) des sp√§ter insgesamt nur 292-mal gebauten und in seiner Basisversion 420.000 DM teuren High-Tech-Wagens die ber√ľhmt-ber√ľchtigte Paris-Dakar.

Einsatz von Rennwagen mit Allradantrieb in weiteren Automobilsportarten

Bergrennen

Wegen der hohen Schwerpunktlage, die bei Rallyes auf unbefestigten Pisten Vorteile bietet, wurden die ersten Evolutionsstufen der Baureihen des Mitsubishi Lancer und des Subaru Impreza fast ausschlie√ülich im Rallyesport eingesetzt. Etwa ab der Evolutionsstufe 7 des Mitsubishi (ab 2001) begannen einzelne Fahrer und Teams mit aussichtsreichen Eins√§tzen bei Bergrennen. Gegen√ľber den schon zuvor am Berg erfolgreichen Lancia Delta S4 und Ford RS200 der Gruppe B boten die Autos von Subaru und Mitsubishi den Vorteil einer aktuellen Homologation und eines relativ g√ľnstigen Preises, da beide bereits in der seriennahen Gruppe N konkurrenzf√§hig waren. Beide Fahrzeuge sind etwa gleich schnell; manchmal entscheiden nur Zuf√§lle ‚Äď wie die N√§he zu einem Tuner ‚Äď √ľber die Frage, welches Auto zum Einsatz kommt.

2007 und 2008 belegte ein Fahrer auf einem Mitsubishi Evo 9 jeweils den 1. Platz in der Europa-Bergmeisterschaft (Kategorie 1). Bei einzelnen Rennen ist der Subaru dem Mitsubishi allerdings schon n√§her ger√ľckt. Lediglich in der Gruppe A kann ein heckgetriebener BMW M3 noch immer mithalten. Mitentscheidend sind neben den Vorteilen des Antriebskonzepts die weitreichenden Nachhomologationen der beiden japanischen Hersteller sowie deren Turbomotoren.

Sonstige Einsatzbereiche des Allradantriebs

Der Allradantrieb wird auch eingesetzt:

  • in Aufsitz-Rasenm√§hern ‚Äď zur besseren Bew√§ltigung von Hanglagen
  • in Schubkarren mit Radnabenmotor ‚Äď wobei hier der Begriff Allradantrieb relativ zu betrachten ist, da eine moderne Schubkarre in der Regel ohnehin nur √ľber ein einziges Rad verf√ľgt
  • in so genannten Quads (spezielle einsitzige Gel√§ndefahrzeuge, die einem Motorrad mit vier R√§dern entsprechen)

Zulassungszahlen

In Deutschland sind laut Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) im Jahr 2009 nur ca. 4,9 Prozent aller Personenkraftwagen mit einem Allradantrieb ausgestattet: Insgesamt gibt es zurzeit 2,0 Millionen Allrad-Pkw bei einem Gesamtbestand von 41,32 Millionen angemeldeter Pkw.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Spiegel Online: MITSUBISHI LANCER EVOLUTION MIEV - Motoren-Quartett Auf: www.spiegel.de. 11. Mai 2007, 12:30 Uhr
  2. ‚ÜĎ Entwicklungsgeschichte AWD f√ľr Motorr√§der, Christini, (Philadelphia)
  3. ‚ÜĎ Allradmotorrad gewinnt Sardinien Rallye
  4. ‚ÜĎ Patent f√ľr AWD mit elektrischem Antrieb f√ľr Motorr√§der, KTM
  5. ‚ÜĎ Entwicklungsgeschichte AWD f√ľr Motorr√§der KTM

Weblinks


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