Prämonstratenser

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Prämonstratenser
Das Wappen des Ordens der Prämonstratenser-Chorherren

Die Pr√§monstratenser (lateinisch: Candidus et Canonicus Ordo Praemonstratensis), mit dem Ordensk√ľrzel OPraem, sind der gr√∂√üte r√∂misch-katholische Orden regulierter Chorherren; er ist ein Zusammenschluss selbst√§ndiger Kanonien/ Kl√∂ster und wurde im Jahre 1120 von Norbert von Xanten mit 13 Gef√§hrten in Pr√©montr√© bei Laon, auf Fernbesitz der Abtei Pr√ľm, gegr√ľndet. Vor allem in Belgien und den Niederlanden werden die Pr√§monstratenser nach ihrem Gr√ľnder auch Norbertijnen ‚ÄěNorbertiner‚Äú genannt. Der weibliche Zweig sind die Pr√§monstratenserinnen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Abtei Prémontré (um 1780)
Norbert von Xanten
Pr√§monstratenser-Chorherr (17. Jh.)
Habit der Prämonstratenser (außerhalb der österreich-ungarischen Tradition)

Der Ordensgr√ľnder Norbert von Xanten war einer der im 12. Jahrhundert recht zahlreichen Wanderprediger, die in Nachahmung des Lebensstils Jesu und seiner J√ľnger besitzlos umherzogen. Norbert schlossen sich zahlreiche Anh√§nger, M√§nner wie Frauen, an, mit denen er 1120 im Tal von Pr√©montr√© bei Laon eine Gemeinschaft gr√ľndete, die sich am Ideal des gemeinsamen Lebens im Stil der Urkirche orientierte und aus der sich bald auf der Grundlage der Augustinusregel eine kl√∂sterliche Gemeinschaft entwickelte. Norbert selbst behielt sein Leben als Wanderprediger bei und gr√ľndete weitere Kl√∂ster.

Eine Besonderheit ‚Äď in dieser Zeit allerdings nicht einzigartig ‚Äď der ersten pr√§monstratensischen Gemeinschaften war, dass es sich bei ihnen um Doppelkl√∂ster handelte, in denen also Frauen und M√§nner, wenn auch in zwei voneinander organisatorisch getrennten Konventen, lebten. Obwohl Norbert mit Bernhard von Clairvaux befreundet und von den Idealen der Zisterzienser beeinflusst war, machen u. a. die Doppelkl√∂ster deutlich, dass es sich bei den Pr√§monstratensern im Ursprung um eine sehr eigenst√§ndige Bewegung handelte. Ein weiterer Unterschied zu den an der Benediktsregel orientierten M√∂nchsorden ist, dass die Pr√§monstratenser das kontemplative monastische Leben mit der nach au√üen gerichteten Seelsorge verbanden (vita mixta).

Der junge Orden erlebte eine schwere Krise, als Norbert sein armes, aber auch von allen Institutionen unabhängiges Leben als Wanderprediger aufgab und Bischof von Magdeburg wurde. Norbert reagierte auf die Enttäuschung, die sein Sinneswandel unter seinen Anhängern hervorgerufen hatte, indem er seine dominierende Stellung in der Bewegung, deren alleiniger Leiter er bisher war, aufgab. Jeder Konvent durfte sich einen eigenen Oberen wählen. Besondere Bedeutung gewann der erste Abt von Prémontré, Hugo von Fosses, ein alter Weggefährte Norberts. Erst durch Hugos organisatorisches Wirken entstand der Prämonstratenserorden im eigentlichen Sinn.

Neben den canonici lebten in den Niederlassungen der Norbertiner auch Laienbr√ľder (conversi). √Ąhnlich wie auch die Zisterzienser trugen die Pr√§monstratenser in den ersten Jahrhunderten nach ihrer Entstehung zur Verbesserung der Landwirtschaft bei. Sp√§ter setzte sich mehr ein aristokratischer Zug durch, und die Handarbeit wurde allm√§hlich zur√ľckgedr√§ngt. Wichtig blieben aber das Schreiben und Kopieren von B√ľchern, und auch die Lehrt√§tigkeit gewann an Bedeutung.

Die Doppelkl√∂ster, urspr√ľnglich ein wesentliches Merkmal des Ordens, waren bald umstritten. In Pr√©montr√© selbst wurde diese Struktur schon 1137 oder 1141 aufgel√∂st und die Schwesternkommunit√§t ausgesiedelt. So ging man nach und nach fast √ľberall vor: Aus den Doppelkl√∂stern wurden jeweils zwei auch r√§umlich deutlich voneinander getrennte Kl√∂ster, eines f√ľr M√§nner und eines f√ľr Frauen. In der zweiten H√§lfte des 12. Jahrhunderts ging der Orden sogar noch weiter: Nun sollten nur noch M√§nnerkl√∂ster neu in den Orden aufgenommen werden, und die bereits bestehenden Pr√§monstratenserinnenkonvente sollten anderen Orden angegliedert werden. Diese Ma√ünahme wurde jedoch nie konsequent durchgef√ľhrt.

Als der Orden 1126, nur sechs Jahre nach seiner Gr√ľndung, vom Papst anerkannt wurde, gab es bereits neun Ordensh√§user, und danach erstanden in schneller Folge mehrere hundert in ganz Westeuropa. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts soll es mehr als 1.300 M√§nner- und 400 Frauenkl√∂ster gegeben haben.

Im deutschsprachigen Raum entstand das erste Pr√§monstratenserstift bereits 1122. In diesem Jahr √ľbergab Gottfried von Cappenberg seine Burg und sein Verm√∂gen an den Orden zur Gr√ľndung von Kloster Cappenberg. Noch im selben Jahr stiftete Graf Walram II. Paganus von Limburg (1119‚Äď1139) das Pr√§monstratenserkloster Wenau als Doppelkloster f√ľr M√§nner und Frauen. Ein anderes Pr√§monstratenserinnenkloster in Deutschland war das Frauenkloster D√ľnnwald bei K√∂ln, das 1143 von den Pr√§monstratensern √ľbernommen wurde. 1235 oder 1236 beschloss Bischof Eckbert von Bamberg, ein Pr√§monstratenserkloster in Griffen in K√§rnten zu gr√ľnden, dessen Chorherren aus dem Stift Ve√üra in Th√ľringen beordert wurden. Dieses Kloster war das einzige Pr√§monstratenserkloster in K√§rnten, und es blieb die einzige Niederlassung der Pr√§monstratenser in Inner√∂sterreich. 1245 wurde im Ortsteil Michelfeld der unterfr√§nkischen Stadt Marktsteft bei Kitzingen ein Stift f√ľr Pr√§monstratenserinnen gegr√ľndet. Dieser Frauenkonvent unterstand dem Abt von Oberzell bei W√ľrzburg. Der Bischof von W√ľrzburg behielt sich das Recht vor, die Wahl der Priorin zu best√§tigen. 1261 erfolgte dann die p√§pstliche Best√§tigung des Klosters. Wegen Verfalls der kl√∂sterlichen Zucht √ľbersiedelten die Nonnen im Jahre 1305 nach T√ľckelhausen, einem Stadtteil von Ochsenfurt.

Im Osten widmeten sich die Pr√§monstratenser vor allem der Kolonisierung und Christianisierung der Wenden und anderer Slawen √∂stlich von Elbe und Oder. Verbreitet war der Orden auch in B√∂hmen und M√§hren. Der Olm√ľtzer Bischof Heinrich Zdik berief den Orden im 12. Jahrhundert nach B√∂hmen und errichtete ihm das Kloster Strahov in Prag.

Im Laufe der Zeit wurden viele Regeln und Gebr√§uche nachl√§ssiger interpretiert und gehandhabt, und das f√ľhrte zu verschiedenen Reformen und dem Aufkommen von halb-unabh√§ngigen Gemeinschaften. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Orden als Folge von Reformation und mehreren S√§kularisationswellen fast ganz verschwunden, und nur noch acht H√§user bestanden (alle in √Ėsterreich-Ungarn). Anfang des 20. Jahrhunderts gab es dann schon wieder 20 Ordensh√§user mit etwa 1.000 Priestern. Heute hat der Orden etwa 100 Niederlassungen und ist auf allen Kontinenten pr√§sent.

Charakter der Gemeinschaft

Die Pr√§monstratenser z√§hlen ebenso wie die Augustiner-Chorherren und die Kreuzherren zu den Regularkanonikern. Das hei√üt, es handelt sich um eine Gemeinschaft von Priestern mit Ordensgel√ľbde und nicht um M√∂nche. Sie folgen der Augustinusregel, sind also ein augustinischer Orden, und legen das Armuts-, Enthaltsamkeits- und Gehorsamsgel√ľbde ab. Auch ihre Lebensweise folgt weitgehend den monastischen Standards. Dazu geh√∂rt etwa die Einhaltung des Stundengebets oder das gemeinschaftliche Mahl im Refektorium.

Generaläbte der Prämonstratenser

Der h√∂chste Repr√§sentant des Pr√§monstratenser-Ordens ist der Generalabt. Er ist der oberste Vorgesetzte aller Funktionstr√§ger und Mitglieder des Ordens. Er vertritt den Orden nach au√üen und vor dem Heiligen Stuhl. Seine Hauptaufgabe nach innen ist der Zusammenhalt und die Verbindung der √ľber die ganze Welt verstreuten Ordensh√§user der Pr√§monstratenser. Sitz des Generalabtes ist das Generalat in der Curia generalitia in Rom. Von hier aus leitet der Generalabt mit seinen Offizialen die Geschicke des Ordens. Er f√ľhrt noch immer den Titel Dominus Praemonstratensis (Herr von Pr√©montr√©).

Der Generalabt der Prämonstratenser wird vom Generalkapitel gewählt, das alle sechs Jahre zusammentritt. Vor der Französischen Revolution war der Abt von Prémontré der Generalabt des Ordens. Generaläbte seit 1869 waren: (Die Zahl bezieht sich auf die Amtsfolge der Prämonstratenser-Generaläbte)[1]

  • 56. Hieronymus von Zeidler (Strahov), 1869‚Äď1870
  • 57. Sigismund Stary (Strahov), 1883‚Äď1905
  • 58. Norbert Schachinger (Schl√§gl/√Ėsterreich), 1906‚Äď1922
  • 59. Gummarus Crets (Averbode/Belgien), 1922‚Äď1937
  • 60. Hubertus Noots (Tongerlo/Belgien), 1937‚Äď1962
  • 61. Norbertus Calmels (Frigolet/Frankreich), 1962‚Äď1982
  • 62. Marcel van de Ven (Berne/Niederlande), 1982‚Äď1996
  • 63. Hermenegild Jozef Noyens (Tongerlo/Belgien), 1996‚Äď2003
  • 64. Thomas Handgr√§tinger (Windberg/Deutschland), seit 2003

Bedeutende Prämonstratenser

Literatur

  • Joachim Ehlers: Adlige Stiftung und pers√∂nliche Konversion. Zur Sozialgeschichte fr√ľher Pr√§monstratenserkonvente. In: Klaus Zernack (Hrsg.): Geschichte und Verfassungsgef√ľge. Frankfurter Festgabe f√ľr Walter Schlesinger. Wiesbaden 1973.
  • Ingrid Ehlers-Kisseler: Die Anf√§nge der Pr√§monstratenser im Erzbistum K√∂ln (Rheinisches Archiv 137), B√∂hlau, K√∂ln / Weimar / Wien 1997.
  • Norbert Backmund: Monasticon Praemonstratense, Tomi Primi Editio Secunda, Pars prima et Secunda, Berlin / New York 1983.
  • Charles L. Hugo: Sacri et canonici ordinis praemonstratensis annales, 2 Bde, Nancy 1734‚Äď1736, (Nachdruck Averbode 1999).
  • Wilhelm Kohl: Die fr√ľhen Pr√§monstratenserkl√∂ster Nordwestdeutschlands im Spannungsfeld der gro√üen Familien. In: Lutz Fenske: Institutionen, Kultur und Gesellschaft im Mittelalter. Festschrift f√ľr Josef Fleckenstein zu seinem 65. Geburtstag. Sigmaringen 1984, S. 393‚Äď414.
  • Hildegard Kroll: Expansion und Rekrutierung der Pr√§monstratenser 1120‚Äď1150. In: Analecta Praemonstratensia, 54. Jg., 1978, S. 36‚Äď56.
  • Burkhard Gehle: Die Pr√§monstratenser in K√∂ln und D√ľnnwald. Gr√ľner, Amsterdam 1978.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Eintrag im Ordenslexikon Liste: General√§bte der Pr√§monstratenser von ORDEN online, Stand vom 19. Februar 2008

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