Präsident

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Präsident

Ein Pr√§sident (v. lateinisch praesidere ‚Äöden Vorsitz haben‚Äė) ist entweder das Staatsoberhaupt einer Republik (Ausnahme: die Islamische Republik Iran, hier ist der Oberste Rechtsgelehrte das Staatsoberhaupt) oder der Vorsitzende eines Gerichts bzw. einer staatlichen oder privaten Organisation. Je nach Staatssystem wird das Amt durch eine allgemeine Wahl, durch ein Wahlkomitee, durch die Legislative oder durch andere Verfahren vergeben. Zum Teil werden auch in Diktaturen Pr√§sidenten ernannt. Die Pr√§sidentschaft bezeichnet die Amtszeit eines Pr√§sidenten oder die Situation, Pr√§sident zu sein.

Einige wenige Republiken kennen kein Staatsoberhaupt. Dazu z√§hlt beispielsweise die Schweiz. In der Schweiz √ľbt die Landesregierung die Funktion des Staatsoberhauptes als Kollektiv aus. Es gibt zwar einen Bundespr√§sidenten, der gleichzeitig Mitglied des Bundesrats ist. Er wird vom Parlament jeweils auf ein Jahr gew√§hlt. Allerdings ist er nur primus inter pares (erster unter Gleichen), der nur auf internationaler Ebene die repr√§sentative Funktion des Staatsoberhauptes aus√ľbt.

Die ehemaligen deutschen L√§nder W√ľrttemberg-Hohenzollern und Baden hatten einen Regierungschef mit der Amtsbezeichnung Staatspr√§sident, was jedoch in diesen beiden F√§llen nicht dar√ľber hinwegt√§uschen darf, dass das Amt und die Funktion voll und ganz dem eines Ministerpr√§sidenten der heutigen L√§nder Deutschlands entsprach. Genauso verh√§lt es sich bei den als Staatspr√§sident bezeichneten Regierungschefs einiger L√§nder der Weimarer Republik, wie zum Beispiel die Regierungschefs in Baden, Hessen und W√ľrttemberg. In Bayern wollte man Anfang der 1950er-Jahre einen Staatspr√§sidenten einf√ľhren, entschied sich jedoch, die Rolle des Staatsoberhauptes dem Ministerpr√§sidenten des Freistaates zu √ľberlassen, der fortan wie auch andere deutsche Landesregierungschefs seinen Amtssitz in der Staatskanzlei hat.

Als Pr√§sident des Rats der Europ√§ischen Union wird ein Vertreter eines Mitgliedstaates auf ministerialer Ebene bezeichnet, welcher den halbj√§hrlichen Vorsitz √ľber die Europ√§ische Union f√ľhrt. F√ľr diese Position wird h√§ufig auch der Begriff des EU-Ratsvorsitz verwendet. Im Allgemeinen spricht man folglich von der Ratspr√§sidentschaft beziehungsweise der ‚ÄěPr√§sidentschaft‚Äú eines EU-Mitgliedstaates. Seit dem Vertrag von Lissabon gibt es auch einen Pr√§sidenten des Europ√§ischen Rates, der f√ľr je zweieinhalb Jahre vom Europ√§ischen Rat ernannt wird.

Inhaltsverzeichnis

Der Präsident in der Demokratie

Die Stellung und die Befugnisse des Präsidenten werden meist durch eine geschriebene Verfassung festgelegt. Sie ist eingebunden in ein System der Gewaltenteilung oder zumindest in ein System der strikten Machtkontrolle durch die Verfassung.

Präsidentielle Demokratie

Hier vereinigt der Präsident die Funktion des Staatsoberhaupts und die des Regierungschefs. Er besitzt große Machtbefugnisse. Der Präsident wird dann meist direkt vom Volk gewählt, was seine starke Position legitimiert.

Typische präsidentielle Regierungssysteme sind die der USA (wobei der Präsident hier indirekt gewählt wird) und die meisten lateinamerikanischen Staaten.

Parlamentarische Demokratie

Hier ist der Pr√§sident nur Staatsoberhaupt. Er wird, je nach Staat, durch die Legislative (das Parlament) oder direkt durch das Volk gew√§hlt und hat haupts√§chlich repr√§sentative Funktionen. Die eigentliche F√ľhrung der Exekutive (Regierung) ist die Aufgabe eines je nach Land Premierminister, Ministerpr√§sident, Bundeskanzler, Regierungspr√§sident oder √§hnlich genannten Regierungschefs, dessen Regierung vom Vertrauen des Parlaments abh√§ngig ist.

Typische Parlamentarische Regierungssysteme sind die Deutschlands, Italiens und √Ėsterreichs, wobei der Pr√§sident in √Ėsterreich direkt vom Volk gew√§hlt wird.

Eine Sonderform bilden zum Beispiel die Systeme von S√ľdafrika, Botsuana, den F√∂derierten Staaten von Mikronesien oder auch Nauru. Hier ist die Exekutivgewalt an das Parlament gebunden, das hei√üt der vom Parlament gew√§hlte Regierungschef ist zugleich Staatsoberhaupt. Eine eindeutige Zuordnung zum pr√§sidentiellen oder parlamentarischen System ist somit schwierig.

Semipräsidentielle Demokratie

Hier konkurrieren Pr√§sident und Parlament um die Macht. Wird der Pr√§sident durch die Parlamentsmehrheit gest√ľtzt, hat er weitreichende Kompetenzen. Geh√∂ren Parlamentsmehrheit und Pr√§sident unterschiedlichen Parteien an, herrscht Kohabitation (frz. cohabitation) und die Macht des Pr√§sidenten ist eingeschr√§nkt.

Typische semipr√§sidentielle Regierungssysteme sind die Frankreichs, Polens, S√£o Tom√© und Pr√≠ncipe und Russlands, wobei Russland jedoch in der politischen Praxis eher dem pr√§sidentiellen System zuneigt, ganz abgesehen von der in Deutschland h√§ufig kritisierten Problematik der sogenannten ‚Äěgelenkten Demokratie‚Äú.

Titel ‚ÄěPr√§sident der Republik‚Äú

Präsident der Republik ist bzw. war der offizielle Titel des Staatsoberhaupts in:

Andere Systeme

In Diktaturen wird der Titel eines Pr√§sidenten h√§ufig von selbsternannten Anf√ľhrern angenommen ‚Äď ein Beispiel daf√ľr ist Ugandas Expr√§sident Idi Amin. Einige staatssozialistische Staaten kennen oder kannten ebenfalls Pr√§sidenten, allerdings liegt die Macht beim Zentralkomitee der Partei.

Siehe auch

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Pr√§sident ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen
 Wikiquote: Pr√§sident ‚Äď Zitate

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