Qira'at

Es gibt mehrere Lesarten des Korans (arabischقراءات‎ Qirāʾāt), da der Korantext zu Anfang nur als reiner Konsonantentext aufgezeichnet wurde. Die frühen Koranexemplare haben, soweit Fragmente davon vorhanden sind, keine oder nur eine ganz sporadische Vokalisation. Darüber hinaus gibt es viele Stellen, an denen auch der Konsonantentext Varianten aufweist.

Die Lesarten unterscheiden sich fast nur in Vokalisation (arabischتشكيل‎, DMG Taškīl), Konsonantenverdopplung, Aussprache des Hamza, Buchstaben-Assimilation, Vokalfärbung und -länge, Nasalierung und Pausen. Es gibt aber auch durchaus Unterschiede bei den Konsonanten.

Die muslimische Tradition geht von sieben verschiedenen zulässigen Lesarten (arabischأحروف‎, DMG Aḥrūf) in je zwei Überlieferungen aus, die aber lediglich auf verschiedene arabische Dialekte zurückgehen sollen.

Tatsächlich kennt die muslimische Überlieferung aber eine Unzahl von Lesarten, deren Unterschiede teils den Sinn einer Textpassage ändern. Nach der islamischen Überlieferung sind diese Unterschiede in der Offenbarung an Mohammed enthalten gewesen. Dem widersprechen muslimische Überlieferungen von Varianten, die früh zu Verwirrung geführt haben und die Entstehung der Hilfzeichen einschließlich der Vokalzeichen angeregt haben sollen.

Die westliche Wissenschaft sieht in der Zahl sieben, ebenso wie einige muslimische Gelehrte, nur eine symbolische Zahl für mehrere verschiedene Varianten.

Ibn Mudschahid dokumentierte sieben Lesarten und Ibn al-Dschsazri fügte drei weitere hinzu:

  1. Nāfiʿ aus Medina (689-785 n. Chr.), überliefert von Warš (728-813 n. Chr.) und Qālūn (738-835 n. Chr.)
  2. Ibn Kaṯīr aus Mekka (665-738 n. Chr.), überliefert von Al-Bazzī (786-864 n. Chr.) und Qunbul (gest. 811-904 n. Chr.)
  3. Ibn ʿĀmir aus Damaskus (629-736 n. Chr.), überliefert von Hišām (770-859 n. Chr.) und Ibn Ḏakuān (789-856 n. Chr.)
  4. Abū ʿAmr aus Basra (687-771 n. Chr.), überliefert von ad-Dūrī (gest. 860 n. Chr.) und as-Sūsī (etwa 806-875 n. Chr.)
  5. `Āṣim aus Kufa (gest. 745 n. Chr.), überliefert von Šuʿba (714-803 n. Chr.) und Ḥafṣ bin Sulaimān (709-796 n. Chr.)
  6. Ḥamza aus Kufa (699-755 n. Chr.), überliefert von Ḫalaf (gest. 844 n. Chr.) und Ḫallād
  7. Al-Kisāʾī aus Kufa (737-804 n. Chr.), überliefert von Abu-l-Ḥāriṯ (gest. 854 n. Chr.) und Ḥafṣ ad-Dūrī (gest. 763 n. Chr.)
  8. Abu Ǧaʿfar aus Medina (gest. 748 n. Chr.), überliefert von Ibn Wardān (gest. 777 n. Chr.) und Ibn Ǧammāz (gest. 786 n. Chr.)
  9. Yaʿqūb aus Basra (gest. 820 n. Chr.), überliefert von Ruwais (gest. 852 n. Chr.) und Rawḥ (gest. 849 n. Chr.)
  10. Ḫalaf aus Kufa, überliefert von Isḥāq (gest. 899 n. Chr.) und Idrīs (gest. 905 n. Chr.)


Die Lesart nach Ḥafṣ bin Sulaimān findet heute Verwendung im größten Teil der islamischen Welt, so im gesamten Nahen Osten, Pakistan, Indien und der Türkei. Nach Warš wird der Koran in Nordafrika gelesen; nach ad-Dūrī in Teilen Sudans.

Diese Lesearten erfüllen allesamt die Voraussetzungen, um als Korantext anerkannt zu werden:

  • Sie sind nach den Grundlagen der Arabischen Sprache korrekt.
  • Sie basieren auf dem Koran, den Uthman ibn Affan zusammenstellte.
  • Ihre Überlieferung erfolgte über sehr große Gruppen von Personen.


Es gibt vier Qirāʾāt, die diese Bedingungen nicht erfüllen; diese werden Šāḏa (شاذة) genannt und gehen zurück auf [1]:

  1. Al-Hasan al-Basri (642-728 n. Chr.)
  2. Ibn Muḥaiṣin (gest. 741 n. Chr.)
  3. Yaḥyā bin al-Mubārak al-Yazīdī (gest. 817 n. Chr.)
  4. Sulaimān bin Mihrān al-Aʿmaš (gest. 765 n. Chr.)

Diese Varianten werden nicht als Koran angesehen und dürfen daher nicht im Gebet verwendet werden.

Literatur

  1. http://www.islamweb.net/ver2/Fatwa/ShowFatwa.php?lang=A&Id=61852&Option=FatwaId

Weblink


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