RAF

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Das Logo der RAF: ein Roter Stern und eine Maschinenpistole Heckler & Koch MP5

Die Rote Armee Fraktion (RAF) war eine linksextremistische terroristische Vereinigung in der Bundesrepublik Deutschland. Sie wurde 1970 von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Ulrike Meinhof und weiteren Personen gegrĂŒndet. In ihrem SelbstverstĂ€ndnis betrachtete sich die Gruppe als kommunistische, antiimperialistische Stadtguerilla nach sĂŒdamerikanischem Vorbild Ă€hnlich den Tupamaros in Uruguay. Sie war verantwortlich fĂŒr 34 Morde, zahlreiche BankĂŒberfĂ€lle und Sprengstoffattentate. 1998 erklĂ€rte sie ihre Selbstauflösung.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

In den 1960er-Jahren wuchs in der Bundesrepublik eine Generation heran, die das Verhalten ihrer Eltern wĂ€hrend des Nationalsozialismus kritisch betrachtete. Der Kapitalismus, die parlamentarische Demokratie und die bĂŒrgerlichen Lebensformen wurden in Frage gestellt.[1] VerstĂ€rkt durch die US-amerikanische BĂŒrgerrechtsbewegung und den Vietnamkrieg entstand in Teilen der Gesellschaft eine ablehnende Haltung gegenĂŒber der Politik der USA. In den großen UniversitĂ€tsstĂ€dten Westeuropas kam es zu großen antiamerikanischen Demonstrationen der Studenten. In der Bundesrepublik entstand aus der Studentenbewegung die außerparlamentarische Opposition, die jedoch bereits 1969 zerfiel. Die stĂ€rker politisierten Jugendlichen nahmen das Ende der Bewegung als Niederlage wahr und versuchten ihre politischen Ideale auf anderen Wegen zu verwirklichen. Viele wurden Mitglieder der SPD oder versuchten anders den Marsch durch die Institutionen.

Die RAF verstand sich als Teil des internationalen Antiimperialismus und war der Ansicht, dass der bewaffnete Kampf gegen den so genannten „US-Imperialismus” auch in Westeuropa gefĂŒhrt werden mĂŒsse. In Teilen der ehemaligen Studentenbewegung, den K-Gruppen und aus anderen Kreisen der Bevölkerung gab es zunĂ€chst Sympathien fĂŒr die Gruppe. Dies Ă€ußerte sich etwa in UnterstĂŒtzungsaktionen und einer weitverzweigten, halblegalen UnterstĂŒtzer-Logistik, vor allem durch die Rote Hilfe. Auch die Liste prominenter Verteidiger der ersten Generation ist ein Indiz dafĂŒr. Die zweite Generation hatte aufgrund der Wahl ihrer Anschlagsziele diese Basis grĂ¶ĂŸtenteils verloren und operierte als klandestine und militante, gruppendynamisch stĂ€rker auf sich selbst zurĂŒckverwiesene Gruppierung noch entfernter von der Entwicklung der öffentlichen Meinung der Bundesrepublik.

Es lassen sich mehrere Generationen unterscheiden, zwischen denen jeweils keine oder nur geringe personelle KontinuitÀt vorhanden war. Die im Wesentlichen drei Generationen unterscheiden sich zudem durch Organisationsstrukturen und VerÀnderungen in Theorie und Praxis. Trotzdem stellt das Generationenmodell eine Vereinfachung dar.

Die RAF als eine relativ kleine Gruppe wollte nicht als „Spitze“ oder „Avantgarde“ der revolutionĂ€ren Bewegung in Deutschland fungieren, sondern als Teil dieser. Die Anzahl der direkt im Untergrund aktiven Mitglieder des sogenannten harten Kerns aller drei Generationen betrug zwischen den 1970er- und 1990er-Jahren zusammengefasst zwischen 60 und 80 Personen. Zu den aktiven UnterstĂŒtzern wurden in dem gesamten Zeitraum etwa 300 Personen gezĂ€hlt. Sie scheiterte bei dem Versuch, den bewaffneten Kampf nach Deutschland zu tragen und den Kreis der bewaffnet KĂ€mpfenden zu vergrĂ¶ĂŸern. Bei ihren terroristischen AnschlĂ€gen oder Geiselnahmen wurden 34 Menschen von RAF-Mitgliedern ermordet und es gab zahlreiche Verletzte. Außerdem starben in der Zeit ihres Bestehens 20 Mitglieder der RAF. Die 1977 bis 1979 in Reaktion auf die RAF-Verbrechen im „Deutschen Herbst“ verabschiedeten Anti-Terror-Gesetze griffen in die Persönlichkeitsrechte aller BundesbĂŒrger ein, wurden aber ĂŒberwiegend als den rechtsstaatlichen Prinzipien genĂŒgend akzeptiert.

In den Medien wurde die RAF anfangs oft als „Baader-Meinhof-Bande“ oder als „Baader-Meinhof-Gruppe“ bezeichnet. GebrĂ€uchlich ist seit etwa Mitte der 1970er-Jahre ihr selbst gewĂ€hlter, an die Rote Armee der Sowjetunion angelehnter Name „Rote Armee Fraktion“. Statt der alphabetischen Aussprache der AbkĂŒrzung RAF als „Err-A-Eff“ hört man hĂ€ufig auch die Sprechweise „Raff“.

Geschichte

Vorgeschichte

Ulrike Meinhof als junge Journalistin 1964

Vorgeschichte und Geschichte der RAF reichen von den Studentenunruhen 1968 bis hin zur selbsterklÀrten Auflösung 1998. Als bei einer Demonstration in Berlin am 2. Juni 1967 der Student Benno Ohnesorg von einem Polizisten erschossen wurde, stellte dies einen Wendepunkt dar. Vertuschungsversuche der Behörden nach dem Vorfall trugen zur weiteren Eskalation der bereits angespannten Situation bei.[2][3] In der Protestbewegung entwickelte sich in den Folgejahren ein militanter Teil, aus dem sich dann die erste Generation der RAF und spÀter die Bewegung 2. Juni (1972), die RevolutionÀren Zellen (1973) und die Rote Zora (spÀtestens 1977) entwickelten.[4]

Nach den in der Studentenbewegung gefĂŒhrten Strategiediskussionen um die Legitimation von „Gewalt gegen Sachen“ hatten Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Horst Söhnlein am 2. April 1968 mit Hilfe von ZeitzĂŒndern BrĂ€nde in zwei Frankfurter KaufhĂ€usern gelegt, um gegen den Krieg der USA in Vietnam zu protestieren. Die BrĂ€nde verursachten einen Schaden von 673.204 DM. Die Brandstifter wurden schon am 4. April gefasst und in Folge zu je drei Jahren Zuchthaus verurteilt.

Nachdem die Revision des Urteils durch den Bundesgerichtshof beantragt worden war, kamen die Verurteilten zunĂ€chst auf freien Fuß. Nach Ablehnung des Antrags tauchten Baader und Ensslin unter und beschlossen zusammen mit ihrem Anwalt Horst Mahler die GrĂŒndung einer Stadtguerilla nach lateinamerikanischem Vorbild.[5] Dieser Plan wurde jedoch durch die Verhaftung Andreas Baaders, des fĂŒhrenden Mitglieds der Gruppe, durchkreuzt. Er war nach einem Hinweis des V-Manns Peter Urbach bei einer fingierten Verkehrskontrolle verhaftet worden.

Erste Generation

Eine formelle GrĂŒndung der RAF gab es nicht. Als erste Aktion – und damit Geburtsstunde der RAF – gilt die Baader-Befreiung am 14. Mai 1970. Andreas Baader war in das Deutsche Zentralinstitut fĂŒr Soziale Fragen in Berlin ausgefĂŒhrt worden, weil die Journalistin Ulrike Meinhof als Vorwand angegeben hatte, mit ihm ein Buch ĂŒber Heimzöglinge verfassen zu wollen. Bei dieser Gelegenheit wurde er unter Anwendung von Waffengewalt befreit. Dabei wurde der Institutsangestellte Georg Linke durch einen Schuss schwer verletzt.

Am 5. Juni 1970 erschien in der Zeitschrift Agit 883 als erste öffentliche programmatische ErklÀrung der RAF der Text Die Rote Armee aufbauen! [6]

Von Juni bis August 1970 hielten sich Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Ulrike Meinhof, Horst Mahler, Peter Homann, Brigitte Asdonk und etwa ein Dutzend weitere Personen in einem Camp der Fatah in Jordanien auf und erhielten dort eine militÀrische Ausbildung.[7]

In der Aufbauphase zog die Gruppe die Aufmerksamkeit des Staates zunĂ€chst durch mehrere BankĂŒberfĂ€lle, Fahrzeug- und DokumentendiebstĂ€hle auf sich, die vor allem das Ziel hatten, das Leben im Untergrund aufrecht zu halten. So wurden beispielsweise am 29. September 1970 beim angeblichen „Dreierschlag“ mit mindestens 16 Tatbeteiligten in Berlin drei Banken gleichzeitig ĂŒberfallen und dabei ĂŒber 209.000 DM erbeutet. Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL lagen nur zwei ÜberfĂ€lle in der Verantwortung der RAF, der dritte Überfall wurde von der „Bewegung 2. Juni“ begangen.[8] Am 9. Oktober 1970 wurden Horst Mahler, Irene Goergens, Ingrid Schubert, Brigitte Asdonk und Monika Berberich in der Knesebeckstraße 89 in Berlin in Folge der ÜberfĂ€lle verhaftet.

Im April 1971 trat die RAF mit dem Strategiepapier Das Konzept Stadtguerilla an die Öffentlichkeit.[9] Kurz darauf wurde eine bundesweite Fahndung nach den mittlerweile etwa fĂŒnfzig Gruppenmitgliedern gestartet. Der harte Kern der ersten Generation bestand aus Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Holger Meins, Ulrike Meinhof und Jan-Carl Raspe.

Die verschĂ€rften Fahndungsmaßnahmen der Polizei und der bereits in den Strategiepapieren angekĂŒndigte bewaffnete Widerstand der RAF-Mitglieder gegen Festnahmen forderten bald Todesopfer.[10] Am 15. Juli 1971 wurde Petra Schelm erschossen, am 22. Oktober und 22. Dezember des Jahres die Polizisten Norbert Schmid und Herbert Schoner. Am 1. MĂ€rz 1972 kam in diesem Zusammenhang erstmals eine Person durch die Polizei ums Leben, die mit der RAF nichts zu tun hatte, der siebzehnjĂ€hrige Lehrling Richard Epple.

Bombenanschlag auf den Terrace Club (ehemals I.G.-Farben-Haus) hinter dem Hauptquartier des V. US-Korps in Frankfurt am Main im Mai 1972

1972 ging die Gruppe dazu ĂŒber, auch BombenanschlĂ€ge gegen US-MilitĂ€reinrichtungen oder staatliche Einrichtungen zu verĂŒben. Bei fĂŒnf SprengstoffanschlĂ€gen wurden 1972 insgesamt vier Menschen getötet und ĂŒber 30 verletzt. Am 11. Mai 1972 verĂŒbte das Kommando Petra Schelm auf das Foyer des Terrace Clubs (ehemals I.G.-Farben-Haus) ein Bombenattentat, bei dem der amerikanische Oberstleutnant Paul A. Bloomquist getötet und weitere dreizehn Personen verletzt wurden. Im Juni 1972 wurden die wesentlichen Protagonisten der ersten Generation (Baader, Ensslin, Meinhof, Raspe, Meins, Gerhard MĂŒller) verhaftet.

Im GefĂ€ngnis bezeichneten die Terroristen ihre Haftbedingungen als „Isolationsfolter“ und forderten unter anderem deren Aufhebung und den Status von Kriegsgefangenen. Zur Untermauerung ihrer Forderungen traten sie insgesamt zehn Mal in den Hungerstreik, an dessen Folgen Holger Meins am 9. November 1974 in der Haftanstalt Wittlich starb. Amnesty international kritisierte die Haftbedingungen als Isolationshaft und beschwerte sich offiziell bei Bundesjustizminister Hans-Jochen Vogel (SPD), der die VorwĂŒrfe jedoch zurĂŒckwies.[11]

1978 vertrat der RAF-Aussteiger Horst Mahler die Ansicht, dass der Vorwurf der Folter durch Isolation zwar von 1971 bis 1974 berechtigt war, danach jedoch nur noch der Propaganda gedient habe.[12]

Die AktivitÀten der Inhaftierten bewirkten, mit Hilfe ihrer Verteidiger wie beispielsweise der spÀter selbst angeklagten RechtsanwÀlte Klaus Croissant und Siegfried Haag auch breitere Resonanz in der linken Szene. Zu den renommierten AnwÀlten der ersten RAF-Generation gehörten die spÀteren Politiker Otto Schily, Hans-Christian Ströbele und Rupert von Plottnitz sowie der angesehene Jurist Hans Heinz Heldmann.

Es kam auch zur öffentlichkeitswirksamen Intervention des französischen Philosophen Jean-Paul Sartre, der in der Auseinandersetzung um die RAF-Gefangenen zu vermitteln versuchte. Am 4. Dezember 1974 besuchte Sartre Baader in der JVA Stuttgart in Stammheim. Allerdings bezeichnete er nach dem Treffen in einer privaten Äußerung Baader als „Arschloch“. [13]

Im Mai 1975 wurden die Festgenommenen angeklagt und im April 1977 nach 192 Prozesstagen im Stammheimer Prozess unter anderem wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Ulrike Meinhof war bereits am 29. November 1974 zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden.

FĂŒhrende Mitglieder der ersten Generation starben zwischen 1976 und 1977 im Hochsicherheitstrakt der JVA Stuttgart-Stammheim. Am 9. Mai 1976 wurde Ulrike Meinhof erhĂ€ngt an einem in Streifen gerissenen Handtuch am Zellenfenster tot aufgefunden. Die offizielle Untersuchung stellte Suizid fest. Nach dem Scheitern des Versuchs der zweiten RAF-Generation, die verbliebenen Gefangenen im sogenannten Deutschen Herbst freizupressen, begingen Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in der sogenannten Todesnacht von Stammheim am 18. Oktober 1977 Selbstmord. Raspe und Baader erschossen sich mit Waffen, die von Rechtsanwalt Arndt MĂŒller eingeschmuggelt worden waren.[14][15] Ensslin erhĂ€ngte sich mittels eines Kabels. Irmgard Möller fĂŒgte sich mit dem anstaltseigenen Besteckmesser vier Stichverletzungen in der Herzgegend zu, die jedoch nicht tödlich waren. Wenige Wochen spĂ€ter, am 12. November 1977, erhĂ€ngte sich auch RAF-GrĂŒndungsmitglied Ingrid Schubert in ihrer Zelle in der JVA MĂŒnchen.

Veröffentlichungen aus dem Jahr 2007 zeigen, dass die RAF-Gefangenen in der JVA Stuttgart auch wÀhrend des Deutschen Herbstes 1977 und unmittelbar vor und unter UmstÀnden sogar wÀhrend der Todesnacht von Stammheim durch Mikrofone in den Zellen und auch durch Abhörvorrichtungen an der von den Gefangenen hergestellten Wechselsprechanlage abgehört wurden. Bisher wird bestritten, dass die Behörden von den Schusswaffen im Hochsicherheitstrakt wussten.

Zweite Generation

Die zweite Generation bildete sich nach der Festnahme eines Großteils der ersten Generation, deren Schriften und Äußerungen vom GefĂ€ngnis aus eine große propagandistische Wirkung in linken Kreisen erzielen konnten. Viele der Mitglieder der zweiten Generation entstammten dem am 12. Februar 1970 gegrĂŒndeten Sozialistischen Patientenkollektiv oder wurden von den RechtsanwĂ€lten der ersten Generation, Siegfried Haag und Klaus Croissant, die spĂ€ter selbst in den Untergrund gingen, rekrutiert. Die Gruppe um Siegfried Haag und Roland Mayer wurde in den Medien als „Haag-Mayer-Bande“ bezeichnet.

Am 27. Februar 1975, drei Tage vor der Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses, wurde der Spitzenkandidat der Berliner CDU, Peter Lorenz, von Mitgliedern der Bewegung 2. Juni entfĂŒhrt. Die EntfĂŒhrer forderten die Freilassung inhaftierter Terroristen, darunter auch RAF-Mitglieder. Die Bundesregierung ging zum einzigen Mal auf einen derartigen Freipressungsversuch ein. Verena Becker, Gabriele Kröcher-Tiedemann, Ingrid Siepmann, Rolf Heißler und Rolf Pohle wurden nach Aden im Jemen ausgeflogen, im Gegenzug wurde Lorenz am 4. MĂ€rz 1975 freigelassen. Die Tatsache, dass einige der freigelassenen Gefangenen spĂ€ter wieder terroristisch aktiv wurden, bestĂ€rkte die Bundesregierung, sich nicht wieder auf Verhandlungen mit Terroristen einzulassen.

Nach dieser Erfahrung wurde fĂŒr die zweite Generation der Rote Armee Fraktion die Befreiung der inhaftierten ersten Generation zum wichtigsten Ziel. Am 24. April 1975 kam es zur Geiselnahme von Stockholm. Sechs RAF-Terroristen besetzten Teile der westdeutschen Botschaft in Stockholm und forderten die Freilassung der inhaftierten RAF-Spitze. Nach der Erschießung zweier Diplomaten durch die Botschaftsbesetzer endete die Geiselnahme blutig, weil ein Sprengsatz der Terroristen versehentlich detonierte und das gesamte GebĂ€ude in Brand setzte. Die Terroristen Ulrich Wessel und Siegfried Hausner starben infolge der Explosion. WĂ€hrend des Brandes konnten die ĂŒbrigen Geiseln entkommen, die TĂ€ter wurden verhaftet. Beteiligt waren Hanna Krabbe, Karl-Heinz Dellwo, Lutz Taufer und Bernhard Rössner, die von Andreas Baaders Anwalt Siegfried Haag angeworben waren, der selbst nicht an der Aktion teilnahm. Am 30. November 1976 wurde er verhaftet. Dabei wurden die sogenannten „Haag-Mayer-Papiere“ gefunden. Diese enthielten Planungen fĂŒr die Anschlagsserie des Jahres 1977. Den Ermittlern gelang es jedoch nicht, die kodierten Papiere rechtzeitig zu entschlĂŒsseln. Nach Haags Verhaftung ĂŒbernahm die gerade aus der Haft entlassene Brigitte Mohnhaupt die FĂŒhrung der zweiten Generation der RAF.

Am 7. April 1977 wurden in Karlsruhe vom Kommando Ulrike Meinhof der Generalbundesanwalt Siegfried Buback, sein Fahrer Wolfgang Göbel und der Leiter der Fahrbereitschaft der Bundesanwaltschaft Georg Wurster von einem Motorrad aus in ihrem Auto erschossen. Die TÀter wurden bis heute nicht identifiziert.

Am 30. Juli 1977 wurde der Vorstandssprecher der Dresdner Bank AG JĂŒrgen Ponto ermordet. Das RAF-Mitglied Susanne Albrecht war mit dem Bankier persönlich bekannt, so dass dieser sie in seinem Privathaus in der OberhöchstĂ€dter Straße in Oberursel empfing. Susanne Albrecht, Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar erschienen in Pontos Villa. Klar schoss zuerst, daraufhin feuerte auch Mohnhaupt fĂŒnf Mal auf Ponto und traf ihn tödlich. Danach flohen Mohnhaupt, Klar und Albrecht mit dem von Peter-JĂŒrgen Boock gesteuerten Auto. Die Behauptung der Terroristen, Ponto habe sich gegen seine EntfĂŒhrung gewehrt, konnte erst 1991 widerlegt werden.

Am 25. August 1977 scheiterte ein Anschlag auf das GebÀude der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe.[16]

Im sogenannten Deutschen Herbst des September und Oktober 1977 erreichte der Linksterrorismus in Deutschland seinen Höhepunkt. Am 5. September 1977 wurde der PrĂ€sident des Bundesverbandes der Arbeitgeber Hanns Martin Schleyer in Köln entfĂŒhrt und bis zum 18. Oktober 1977 gefangen gehalten. Die vier Begleiter Schleyers wurden erschossen. Die EntfĂŒhrer forderten die Freilassung der inhaftierten Mitglieder der ersten Generation der RAF. Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) berief daraufhin den sogenannten Großen Krisenstab ein, dem Mitglieder aller Fraktionen des Bundestages angehörten und der faktisch bis zum Ende der Krise die Regierung ĂŒbernahm. Im Oktober 1977 passierte das Kontaktsperregesetz den Bundestag, das die Möglichkeit zum Verbot von GesprĂ€chen zwischen Inhaftierten und ihren AnwĂ€lten ermöglicht. Außerdem wurde im Schnellverfahren die Strafprozessordnung dahingehend geĂ€ndert, dass ein Angeklagter in einem Strafverfahren höchstens drei RechtsanwĂ€lte benennen darf. Baader und andere hatten sich zuvor von bis zu 15 Wahlverteidigern gleichzeitig vertreten lassen. Beide Gesetze wurden bereits im Oktober 1977 gegen die RAF-HĂ€ftlinge angewandt.

Die Bundesregierung entschied sich, nicht auf die Forderungen der EntfĂŒhrer einzugehen. Am 13. Oktober 1977 wurde daraufhin die Lufthansamaschine Landshut mit insgesamt 87 Personen an Bord von einem Kommando der palĂ€stinensischen PFLP nach Mogadischu in Somalia entfĂŒhrt, um den Druck auf die Bundesregierung zu verstĂ€rken. Die Geiselnahme wurde am 18. Oktober 1977 gegen 0 Uhr MEZ durch die GSG 9 gewaltsam beendet. 86 Geiseln wurden bei dieser Aktion befreit und drei der vier Terroristen erschossen. FlugkapitĂ€n JĂŒrgen Schumann war zuvor bereits bei einem Zwischenstopp vom AnfĂŒhrer der Terrorgruppe erschossen worden.

Wenige Stunden nach dieser Befreiungsaktion der Landshut-Geiselnahme begingen Baader, Ensslin und Raspe laut einem offiziellen Gutachten in der sogenannten Todesnacht von Stammheim kollektiven Selbstmord. Sie wurden am Morgen in ihren Zellen tot aufgefunden. Hanns-Martin Schleyer wurde erschossen, als seine EntfĂŒhrer vom Tod der RAF-Spitze erfuhren. Seine Leiche wurde am 19. Oktober 1977 im französischen MĂŒlhausen aufgefunden. Die IdentitĂ€t der Mörder wird von den Beteiligten der EntfĂŒhrung bis heute geheim gehalten.

1978 gab es ein Ereignis, das nachweislich von staatlicher Seite inszeniert worden war: das so genannte Celler Loch. Der niedersĂ€chsische Verfassungsschutz sprengte am 25. Juli 1978 ein Loch in die Außenmauer der JVA Celle, um einen Befreiungsversuch vorzutĂ€uschen, und schob dem einsitzenden, mutmaßlichen RAF-Mitglied Sigurd Debus Ausbruchswerkzeug unter. Angeblich sollten so V-MĂ€nner in die RAF eingeschleust werden. Die Aktion war von der Bundesregierung genehmigt. Am 11. Mai 1978 wurden Brigitte Mohnhaupt, Peter-JĂŒrgen Boock, Sieglinde Hofmann und Rolf Clemens Wagner im jugoslawischen Zagreb verhaftet, durften jedoch im November in ein Land ihrer Wahl ausreisen, nachdem die Bundesregierung den Austausch von acht Exil-Kroaten verweigert hatte. Die Ausreise erfolgte in den SĂŒdjemen.

Alexander M. Haig jr. im Januar 1981

Am Morgen des 25. Juni 1979 verĂŒbte die RAF einen Anschlag auf den NATO-Oberbefehlshaber in Europa Alexander Haig, als er auf dem Weg zu seinem Arbeitsplatz im NATO-Hauptquartier in Casteau, Belgien war. Die Terroristen hatten ein unter der Straße verlaufendes Rohr mit Sprengstoff gefĂŒllt und die Ladung gezĂŒndet, als Haigs Wagenkolonne die Stelle passierte. Sein Mercedes wurde zwar getroffen und zerstört, jedoch konnten sich Haig und sein Fahrer unverletzt in Sicherheit bringen.

Die Bilanz der RAF der Jahre 1978 bis 1982 ist geprÀgt vom Leben im Untergrund und vom Fahndungsdruck. Viele Gruppenmitglieder hielten sich zwischenzeitlich u. a. im Nahen Osten auf. Die stÀndig konspirativ im Untergrund lebenden Mitglieder fanden kaum noch sichere Quartiere in der Bundesrepublik und wurden bis 1982 nach und nach verhaftet.

Mitglieder der zweiten Generation erfuhren in dieser Zeit organisatorische und finanzielle Hilfe aus der DDR. Zehn sogenannte RAF-Aussteiger tauchten mit Hilfe der Staatssicherheit in der DDR unter. Noch vor der Wiedervereinigung wurden sie im Juni 1990 enttarnt, festgenommen und an die Bundesrepublik ausgeliefert.

Dritte Generation

Die dritte Generation, nach Informationen des Verfassungsschutzes ein Zusammenschluss von bis zu 20 Personen und 250 UnterstĂŒtzern, wird fĂŒr die AusfĂŒhrung von Sabotageakten und fĂŒr mehrere MordanschlĂ€ge verantwortlich gemacht, denen Persönlichkeiten der bundesdeutschen Politik und Wirtschaft zum Opfer fielen.[17] Der harte Kern soll etwa 15 bis 20 Personen umfasst haben. In einer im Mai 1982 veröffentlichten Schrift (Mai-Papier) hatte die RAF eine Änderung ihrer Zielsetzung angekĂŒndigt. Dabei stand nicht mehr der Begriff „Big Raushole“ im Vordergrund, also die Befreiung der inhaftierten Mitglieder der ersten Generation, sondern prĂ€zise geplante Angriffe und Kooperationen mit anderen westeuropĂ€ischen Terrorgruppen des linken Spektrums, wie der Action Directe in Frankreich, den Brigate Rosse in Italien und den Cellules Communistes Combattantes in Belgien.

Die Mitglieder der „dritten Generation“ der RAF sind kaum bekannt. Nicht einmal die HĂ€lfte der bis zu 20 Mitglieder der dritten RAF-Generation kennt die Bundesanwaltschaft mit Namen. Nur Wolfgang Grams und Birgit Hogefeld werden dezidiert der Kommandoebene zugerechnet. Von den zehn Morden zwischen 1985 und 1993 ist lediglich einer der TĂ€ter bekannt. Anders als in den 1970er-Jahren war die RAF auch innerhalb der radikalen Linken isoliert und konnte auf kein Sympathisantennetz zurĂŒckgreifen.

Am Morgen des 1. Februar 1985 wurde Dr. Ernst Zimmermann, Chef des RĂŒstungskonzerns MTU, in seinem Haus erschossen. Die TĂ€ter sind bis heute unbekannt.

Am 8. August 1985 wurde der US-Soldat Edward Pimental von Birgit Hogefeld oder Eva Haule mit einem Schuss in den Hinterkopf getötet und seiner Identification Card beraubt. Daraufhin kam es am 9. August 1985 zum Sprengstoffanschlag auf die Rhein-Main Air Base. Bei dem Anschlag kamen ein US-Soldat und eine Zivilangestellte ums Leben, elf Personen wurden verletzt. Die Bekennerschreiben trugen die Embleme der RAF und der Action Directe. Der Mord an Pimental wurde in der linken Szene heftig kritisiert, weil er als einfacher Soldat, der lediglich wegen seiner Zutrittsberechtigung zur Luftwaffenbasis ins Visier der Terroristen geraten war, nicht dem herkömmlichen Feindbild entsprach. SpÀter bezeichnete die RAF den Mord als politischen Fehler.[18]

Am 9. Juli 1986 wurde der Siemens-Manager Karl Heinz Beckurts zusammen mit seinem Chauffeur Eckhard Groppler in Straßlach durch einen Bombenanschlag des „Kommandos Mara Cagol“ der RAF getötet. Der einzige VerdĂ€chtige fĂŒr diese Tat war der 1999 von der Polizei in Wien erschossene Horst Ludwig Meyer.

Am 10. Oktober 1986 wurde der Diplomat im AuswĂ€rtigen Amt Gerold von BraunmĂŒhl vor seinem Wohnsitz in Bonn-Ippendorf von zwei Personen erschossen. Die TĂ€ter konnten bis dato nicht identifiziert werden.

Am 30. November 1989 wurde der Chef der Deutschen Bank, Alfred Herrhausen, in Bad Homburg durch eine Bombe, die sich auf einem prĂ€parierten Fahrrad am Straßenrand befand, getötet. Sein Chauffeur wurde nur leicht verletzt. Die TĂ€ter sind bis heute unbekannt.

1990 bot Bundesjustizminister Klaus Kinkel (FDP) den RAF-HĂ€ftlingen Haftentlassung an, wenn die Illegalen von weiteren Aktionen absĂ€hen. Die RAF ging indirekt darauf ein und erklĂ€rte 1992, „die Eskalation zurĂŒcknehmen“ zu wollen. Heute ist bekannt, dass die so genannte Kinkel-Initiative einen Bruch unter den RAF-HĂ€ftlingen auslöste. WĂ€hrend Brigitte Mohnhaupt und andere das Angebot zurĂŒckwiesen, wollten Karl-Heinz Dellwo, Lutz Taufer und andere darauf eingehen.

Am 1. April 1991 wurde der PrÀsident der Treuhandanstalt, Detlev Karsten Rohwedder, ermordet. Seine Ehefrau wurde verletzt. Der oder die TÀter konnten bis heute nicht ermittelt werden. Zehn Jahre spÀter meldete das Bundeskriminalamt, dass durch eine DNA-Analyse von am Tatort gefundenen Haaren Wolfgang Grams als Beteiligter in Frage komme. Der Wert der Analyse geriet allerdings in die Kritik.

In der Nacht vom 26. auf den 27. MĂ€rz 1993 kam es zu dem Sprengstoffanschlag gegen die JVA Weiterstadt. Über 200 Kilogramm Sprengstoff wurden verwendet. Drei UnterkunftsgebĂ€ude und der Verwaltungstrakt der im Bau befindlichen Anstalt wurden zerstört, der Rest der ĂŒber drei Quadratkilometer großen Anlage schwer beschĂ€digt. Der materielle Schaden betrug 100 bis 120 Millionen DM. Die JVA konnte erst 1997 in Betrieb genommen werden. Der Tatbeteiligung verdĂ€chtigt wurden zunĂ€chst Wolfgang Grams und Birgit Hogefeld.[19]. Als weitere VerdĂ€chtige aufgrund von DNA-Spuren gelten Daniela Klette, Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg.[20]

Am 27. Juni 1993 fand der GSG-9-Einsatz in Bad Kleinen statt, um Wolfgang Grams und Birgit Hogefeld festzunehmen. Der V-Mann Klaus Steinmetz hatte ein Treffen mit den beiden Gesuchten arrangiert. Obwohl ĂŒber 100 Polizisten, darunter 39 GSG-9-Beamte, und der V-Mann anwesend waren, gelang es nicht, Grams und Hogefeld geordnet festzunehmen. Es kam zu einem Schusswechsel, bei dem der 26-jĂ€hrige GSG-9-Beamte Michael Newrzella und Grams starben; die UmstĂ€nde des Todes von Grams sind umstritten. Als Folge der Aktion trat Bundesinnenminister Seiters (CDU) von seinem Amt zurĂŒck.

Am 15. September 1999 wurden Andrea Klump und Horst Ludwig Meyer von der österreichischen Polizei aufgegriffen. Bei einem Schusswechsel kam Meyer ums Leben. Ihm wurde vorgeworfen, an der Ermordung Beckurts’ teilgenommen zu haben – aufgrund seines Todes kam es jedoch nicht zu einem Prozess.

1992 und 1997 prĂ€sentierten die Journalisten Gerhard Wisnewski, Wolfgang Landgraeber und Ekkehard Sieker – unter anderem in einem Fernsehbeitrag der ARD-Sendung Monitor – die kontroverse These vom RAF-Phantom. Demnach seien die der dritten Generation zugeschriebenen Morde nicht von der RAF, sondern von Geheimdiensten begangen worden. Diese VerdĂ€chtigungen werden von Kritikern wie dem Regensburger Politikwissenschaftler Alexander Straßner allerdings als Verschwörungstheorie bezeichnet.[21]

Auflösung

Am 20. April 1998 ging bei Reuters in Köln ein achtseitiges, als authentisch eingestuftes Schreiben ein, in dem die RAF ihre Selbstauflösung verkĂŒndete. Darin heißt es: [22]

„Vor fast 28 Jahren, am 14. Mai 1970, entstand in einer Befreiungsaktion die RAF. Heute beenden wir dieses Projekt. Die Stadtguerilla in Form der RAF ist nun Geschichte.“

Die ErklÀrung endet mit dem Gedenken an die Toten aus den eigenen Reihen, einer Liste von 26 Namen aus der Bewegung 2. Juni, der RevolutionÀren Zellen und der RAF selbst. Die 34 Opfer der RAF werden nicht erwÀhnt. Den Schlusspunkt bildet ein Zitat von Rosa Luxemburg:

„Die Revolution sagt:
ich war
ich bin
ich werde sein“

Angeblich vierte Generation

Im Jahr 2001 kam das GerĂŒcht auf, die RAF habe sich neu gegrĂŒndet und neue TĂ€ter wĂŒrden auf die immer noch vorhandene Logistik der alten RAF zugreifen. Das gilt jedoch weithin als Übertreibung. Nach dem Ermittlungsstand der Behörden ist lediglich bewiesen, dass zwei noch Gesuchte, die der dritten Generation zugerechnet wurden, ein Jahr nach der Selbstauflösung einen Geldtransporter ĂŒberfielen.

Im November 2000 wurde der Haftbefehl gegen Ernst Volker Staub und Daniela Klette vom Bundesgerichtshof wegen des Verdachts der Bildung einer neuen terroristischen Vereinigung und schweren Raubes erweitert.[23] Beide hatten am 20. Juli 1999 einen Geldtransport in Duisburg mit einer Panzerfaust und einem Schnellfeuergewehr ĂŒberfallen und dabei mindestens 1 Million DM erbeutet.[24][25] Am 6. Februar 2001 leitete die Bundesanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen der erneuten GrĂŒndung einer terroristischen Vereinigung gegen Staub und Klette ein. Es bestĂŒnden Anhaltspunkte fĂŒr die GrĂŒndung dieser Gruppe im Jahre 1999. Diese Gruppe könne noch auf Infrastrukturen der alten RAF, insbesondere Waffenverstecke und konspirative Wohnungen zurĂŒckgreifen.[26]

Seit der Mitteilung ĂŒber die Eröffnung des Strafverfahrens wegen der NeugrĂŒndung einer terroristischen Vereinigung 2001 wurde in der Öffentlichkeit nichts ĂŒber den weiteren Verlauf oder weitere Hinweise auf das Bestehen dieser neuen Organisation bekannt. Eine vierte Generation hat es somit wahrscheinlich nie gegeben.

Ideologie

In den Schriften der RAF, vor allem in denen von Horst Mahler und Ulrike Meinhof, lassen sich maoistische Tendenzen nachweisen. Die Mitglieder der RAF setzten sich stark mit dem Neomarxismus der Frankfurter Schule auseinander, obgleich die Vertreter dieser Richtung sich entschieden vom Terrorismus distanzierten.

Die RAF-Vertreter opponierten stark gegen den als System bezeichneten Staatsapparat des damaligen Westdeutschlands, der Bundesrepublik Deutschland. Sie unterstellte den westlich-europÀischen Gesellschaften, wie schon die studentische APO vor ihr, faschistoide Tendenzen und klagte insbesondere die angeblich nicht aufgearbeitete und immer noch wirkende nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands an.

Die erste Generation, darin vor allem die frĂŒhere Journalistin Ulrike Meinhof, entwickelte fĂŒr ihre RadikalitĂ€t eine Theorie, die sie in mehreren Schriften thematisierte. Aus der RAF gibt es eine ganze Reihe schriftlicher ErklĂ€rungen, darunter befinden sich vier Kampfschriften, die nach einer langen Gruppendiskussion entstanden sind.

Am 5. Juni 1970 erschien in der Zeitschrift Agit 883 als erste öffentliche programmatische ErklĂ€rung der RAF der Text „Die Rote Armee aufbauen!“ [6]

Am gleichen Tag trafen sich Ulrike Meinhof, Horst Mahler, Andreas Baader und Gudrun Ensslin in Berlin konspirativ mit der französischen Journalistin MichĂšle Ray. Auf einem Tonband, dessen Wortlaut der Spiegel spĂ€ter in „unredigierten AuszĂŒgen“ abdruckte, erklĂ€rte Meinhof:

„Wir sagen natĂŒrlich, die Bullen sind Schweine, wir sagen der Typ in Uniform ist ein Schwein, das ist kein Mensch, und so haben wir uns mit ihm auseinanderzusetzen. Das heißt, wir haben nicht mit ihm zu reden, und es ist falsch, ĂŒberhaupt mit diesen Leuten zu reden, und natĂŒrlich kann geschossen werden.“

– Ulrike Meinhof[27]

Meinhof rechtfertigte die Befreiung Baaders und die Aufnahme des bewaffneten Kampfes und setzt sich mit den kritischen Reaktionen innerhalb der Linken auseinander. Sie stellte fest: „Die intellektuelle Linke hat die Aktion im großen und ganzen abgelehnt.“ Diese Kritik könne ignoriert werden, weil „man zu einer politischen Zusammenarbeit kommen muss (
) mit dem Teil des Proletariats, der keine Gratifikation dafĂŒr erhĂ€lt (
) dass er sich ausbeuten lĂ€sst.“ Meinhof kritisierte:

„
 die Linken [haben] begriffen, dass die Revolution nicht von ihnen gemacht werden wird sondern vom Proletariat, dass man also in die Fabriken zu gehen hat und in die Stadtteile und dass die Organisierung stattzufinden hat. Nur sind wir der Auffassung, dass die Organisierung des Proletariats ein Popanz dann ist, wenn man nicht gleichzeitig anfĂ€ngt, das zu tun, was wir jetzt tun, nĂ€mlich die Rote Armee aufzubauen.“

Damit ist der Name genannt, unter dem die Gruppe fortan agiert. Das Wort „Fraktion“ wird kurze Zeit spĂ€ter hinzugefĂŒgt. Die RAF erkennt spĂ€ter in Das Konzept Stadtguerilla das Tonband-Interview nicht als Stellungnahme der gesamten Gruppe an.

„Das Konzept Stadtguerilla“ – April 1971

Ein Jahr nach Die Rote Armee aufbauen! erschien das erste ausfĂŒhrliche Positionspapier der RAF, Das Konzept Stadtguerilla.[9] Die vierzehnseitige Schrift wurde an linke Gruppen und Einzelpersonen verschickt. Es ist die umfassende BegrĂŒndung der „Aufnahme des bewaffneten Kampfes“. Die Schrift ist in sechs Abschnitte unterteilt.

Im ersten Abschnitt Konkrete Antworten auf konkrete Fragen wird die bewaffnete Baader-Befreiung gerechtfertigt. Es wird erklĂ€rt, dass die Zeit zum bewaffneten Kampf nun reif sei. Wörtlich heißt es:

„Wir behaupten, dass die Organisierung von bewaffneten Widerstandsgruppen zu diesem Zeitpunkt in der Bundesrepublik und Westberlin richtig ist, möglich ist, gerechtfertigt ist. Dass es richtig, möglich und gerechtfertigt ist, hier und jetzt Stadtguerilla zu machen. Dass der bewaffnete Kampf als ‚die höchste Form des Marxismus-Leninismus‘ (Mao) jetzt begonnen werden kann und muss, dass es ohne das keinen antiimperialistischen Kampf in den Metropolen gibt. “

Außerdem wird auf den Fahndungsdruck hingewiesen, dem die Gruppe seitdem ausgesetzt war. Die Schießereien bei Verhaftungsversuchen, denen RAF-Mitglied Petra Schelm und mehrere Polizisten zum Opfer fielen, wurden thematisiert:

„Am 14. Mai, ebenso wie in Frankfurt, wo zwei von uns abgehauen sind, als sie verhaftet werden sollten, weil wir uns nicht einfach verhaften lassen – haben die Bullen zuerst geschossen. Die Bullen haben jedesmal gezielte SchĂŒsse abgegeben. Wir haben zum Teil ĂŒberhaupt nicht geschossen, und wenn, dann nicht gezielt: in Berlin, in NĂŒrnberg, in Frankfurt. Das ist nachweisbar, weil es wahr ist. Wir machen nicht ‚rĂŒcksichtslos von der Waffe Gebrauch‘. Der Bulle (
) befindet sich nicht im Befehlsnotstand. Wir schießen, wenn auf uns geschossen wird. Den Bullen, der uns laufen lĂ€ĂŸt, lassen wir auch laufen.[9]“

Im zweiten Abschnitt Metropole Bundesrepublik hieß es, die sozial-liberale Koalition absorbiere die Unzufriedenheit der außerparlamentarischen Opposition. Es wird behauptet, durch Entwicklungs- und MilitĂ€rhilfe an US-Kriegen beteiligt, profitiere die Bundesrepublik von der Ausbeutung der Dritten Welt.

Im dritten Abschnitt Studentenrevolte erklĂ€rt die RAF die Studentenbewegung zu ihrer Vorgeschichte. Diese sei zerfallen, weil es ihr nicht gelungen sei, eine ihren Zielen angemessene Praxis zu entwickeln, heißt es.

Im vierten Abschnitt Primat der Praxis wird von einer die Arbeiterklasse vereinenden Strategie gesprochen. Voraussetzung fĂŒr den Vereinheitlichungsprozess sei die „revolutionĂ€re Initiative“ und die „praktische revolutionĂ€re Intervention der Avantgarde“. Des Weiteren wird der proletarische Internationalismus benannt und die Diktatur des Proletariats angekĂŒndigt. Fazit dieses Abschnittes ist die EinschĂ€tzung, dass es nun Zeit fĂŒr den bewaffneten Kampf sei.

Im fĂŒnften Abschnitt Stadtguerilla wird auf sĂŒdamerikanische GuerillakĂ€mpfer, insbesondere die Tupamaros in Uruguay verwiesen. Schwache revolutionĂ€re KrĂ€fte seien wie in SĂŒdamerika nur zu einer Guerillataktik in der Lage. Wörtlich heißt es, das Konzept Stadtguerilla ziele darauf ab, „den staatlichen Herrschaftsapparat an einzelnen Punkten zu destruieren, stellenweise außer Kraft zu setzen, den Mythos von der Allgegenwart des Systems und seiner Unverletzbarkeit zu zerstören.“

Im sechsten Abschnitt LegalitĂ€t und IllegalitĂ€t setzt sich Ulrike Meinhof mit der damals populĂ€ren These „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ auseinander. Sie warnt vor blindem Aktionismus und vor vorschneller Aufgabe der LegalitĂ€t. Im weiteren beschreibt sie die RAF als Bindeglied zwischen legalen und illegalen KrĂ€ften und zwischen Widerstandsgruppen aus allen anderen LĂ€ndern. Die RAF sei die sofortige revolutionĂ€re Intervention, als Beitrag zur kommunistischen Weltrevolution. Wörtlich heißt es:

„Die Pflicht eines RevolutionĂ€rs ist, immer zu kĂ€mpfen, trotzdem zu kĂ€mpfen, bis zum Tod zu kĂ€mpfen – Es gibt keinen revolutionĂ€ren Kampf und hat noch keinen gegeben, dessen Moral nicht diese gewesen wĂ€re: Russland, China, Kuba, Algerien, PalĂ€stina, Vietnam. (
) Von bewaffneter Propaganda werden wir nicht reden, sondern wir werden sie machen.“

Zusammenfassend ist zu sagen, dass in der ersten RAF-Schrift die klare Abtrennung vom Feind, also vom Staat, im Vordergrund steht. Der bewaffnete Kampf aus dem Untergrund wird gerechtfertigt und ideologisch untermauert. Die RAF sieht sich als Vorreiter einer internationalen kommunistischen Bewegung. Es heißt:

„
 weil wir Kommunisten sind und es davon, ob die Kommunisten sich organisieren und kĂ€mpfen, abhĂ€ngt, ob Terror und Repression nur Angst und Resignation bewirken oder Widerstand und Klassenhaß und SolidaritĂ€t provozieren, ob das hier alles so glatt im Sinn des Imperialismus ĂŒber die BĂŒhne geht oder nicht.“

Zwei Monate nach dem Konzept Stadtguerilla erscheint im Juni 1971 in Berlin das Papier Die LĂŒcken der revolutionĂ€ren Theorie schließen – Die Rote Armee aufbauen. Das 65-Seiten-Papier wurde von Horst Mahler in der Haft verfasst. In der Schrift bezeichnet Mahler den „bewaffneten Kampf als höchste Form des Klassenkampfes“, denn die „besitzenden Klassen“ hĂ€tten sich „den bestimmenden Einfluss auf die staatlichen Machthebel“ gesichert. Der Rechtsanwalt erklĂ€rt, Voraussetzung fĂŒr die „Revolution der Massen“ sei die „Entwöhnung vom Gehorsam gegenĂŒber der bĂŒrgerlichen Rechtsordnung“. Nach dem Ausschluss Mahlers aus der RAF im Juni 1974 wird dieser Text von der Gruppe nicht mehr als eine ihrer theoretischen Äußerungen anerkannt.

„Stadtguerilla und Klassenkampf“ – April 1972

18 Monate spĂ€ter, im April 1972, wurde das sechzigseitige Papier Rote Armee Fraktion – Stadtguerilla und Klassenkampf im Bundesgebiet verschickt. Verfasserin war Ulrike Meinhof.

Im Vorwort glorifiziert Meinhof den Tod der im Rahmen der RAF-Fahndung erschossenen Gruppenmitglieder und UnterstĂŒtzer Petra Schelm, Georg von Rauch und Thomas Weisbecker. Wörtlich heißt es:

„Petra, Georg und Thomas starben im Kampf gegen das Sterben im Dienst der Ausbeuter. Sie wurden ermordet, damit das Kapital ungestört weitermorden kann und damit die Leute weiterhin denken mĂŒssen, dass man nichts dagegen machen kann. Aber der Kampf hat erst begonnen!“

Meinhof versucht in drei Kapiteln die VerknĂŒpfung von Ausbeutung und Politik zu beweisen. In allen Kapiteln wird behauptet, immer mehr Menschen seien mit dem kapitalistischen System unzufrieden, was sich in immer grĂ¶ĂŸeren Widerstandsaktionen Ă€ußere. Immer wieder kommt Meinhof auf die Bedeutung der Praxis, also des bewaffneten Kampfes, zu sprechen. Wörtlich heißt es:

„Im gegenwĂ€rtigen Stadium der Geschichte kann niemand mehr bestreiten, dass eine bewaffnete Gruppe, so klein sie auch sein mag, bessere Aussichten hat, sich in eine große Volksarmee zu verwandeln, als eine Gruppe, die sich darauf beschrĂ€nkt, revolutionĂ€re LehrsĂ€tze zu verkĂŒnden.“

Im vierten Abschnitt Über aktuelle Einzelfragen wird das Thema Verrat angesprochen. VerrĂ€ter seien von der Revolution auszuschließen, auch wenn sie „arme Schweine“ seien. Was genau damit gemeint ist, bleibt offen. Im weiteren werden die BankĂŒberfĂ€lle der RAF gerechtfertigt und als „Enteignungsaktionen“ bezeichnet. In den SchlußsĂ€tzen entschuldigt sich Meinhof bei den Sympathisanten, dass die RAF sich bisher mit logistischem Aufbau befasse und keine „populĂ€ren Aktionen“ starte. Dies sei nur eine Frage der Zeit, kĂŒndigt sie an. Die Schrift endet mit einigen Parolen, wie „Dem Volke dienen!“, „Der revolutionĂ€re Guerilla aufbauen!“ und „Sieg dem Volkskrieg!“

Die sogenannte zweite RAF-Kampfschrift ist vom Leben im Untergrund geprĂ€gt. Verrat ist zum Thema geworden. Karl-Heinz Ruhland und Peter Homann hatten die Gruppe verlassen und umfangreich ausgesagt. Meinhofs SolidaritĂ€tsappell ist ein eindeutiges Zeichen, dass es fĂŒr die Gruppe 1972 immer schwieriger wird, Quartiere zu finden. Ihre Rechtfertigung der BankĂŒberfĂ€lle ist eine Art Antwort auf in der Linken aufkommende Kritik an diesen Aktionen. Die Sympathisanten, die nun endlich „populĂ€re Aktionen“ sehen wollen, werden zur Geduld ermahnt.

„Die Aktion des Schwarzen September in MĂŒnchen“ – November 1972

Ein halbes Jahr spĂ€ter, im November 1972, erscheint die dritte RAF-Schrift Rote Armee Fraktion – Die Aktion des Schwarzen September in MĂŒnchen – Zur Strategie des antiimperialistischen Kampfes. Verfasserin ist wieder Ulrike Meinhof. Sie kommentiert die am 5. September 1972 erfolgte Geiselnahme von MĂŒnchen, bei der elf Geiseln starben:

„Die Aktion des Schwarzen September hat das Wesen imperialistischer Herrschaft und des antiimperialistischen Kampfes auf eine Weise durchschaubar und erkennbar gemacht wie noch keine revolutionĂ€re Aktion in Westdeutschland oder Westberlin. Sie war gleichzeitig antiimperialistisch, antifaschistisch und internationalistisch.“

Die westdeutsche Linke könne angesichts dieser Aktion ihre politische IdentitÀt wiederfinden, behauptet Meinhof.

Die Schrift ist in vier Abschnitte unterteilt. Imperialismus, Opportunismus, Faschismus und Die antiimperialistische Aktion. Meinhof prangert „die multinationalen Konzerne“ an, die Kriege gegen die Dritte Welt unterstĂŒtzten. Meinhof setzt sich im zweiten Teil mit Marx-Forschung auseinander und nennt den linken Professor Oskar Negt einen Opportunisten. Dieser hatte zuvor die RAF-Aktionen als „unpolitisch“ kritisiert. Immer wieder lobt Meinhof in dieser Schrift die Morde von MĂŒnchen. Die Schrift endet mit dem Satz:

„Die Aktion des Schwarzen September wird aus dem GedĂ€chtnis des antiimperialistischen Kampfes nicht mehr zu verdrĂ€ngen sein.“

Der gesamte Text spiegelt Meinhofs Resignation und Wut wider. Sie schrieb ihn kurz nach ihrer Verhaftung im September und Oktober 1972 in der Zelle in Köln. Jemand schmuggelte ihn nach draußen. Es taucht erstmalig der Gedanke auf, verhaftete Genossen durch Terrorakte freizupressen. Die palĂ€stinensischen Terroristen hatten in MĂŒnchen die Entlassung in Israel inhaftierter Komplizen gefordert. Dieser Ansatz wird von Meinhof ĂŒbernommen.

Im Umgang mit der bundesdeutschen Linken, speziell mit der Sympathisantenszene, stellt die sogenannte dritte RAF-Schrift einen Wandel dar. War in der ersten noch die Rede von einer kommunistischen Weltbewegung und in der zweiten von einem liebevollen Umgang miteinander, so enthĂ€lt diese Schrift einige Thesen, die denen der westdeutschen Linken fundamental widersprechen. Nicht nur, dass die Morde an Israelis von MĂŒnchen bejubelt werden, sie sollen sogar der IdentitĂ€tsfindung dienen. Zusammenfassend spiegelt diese Entwicklung die RealitĂ€t wider. Ende 1972 ist die RAF isoliert, im Abseits des linken Spektrums. Nur noch vereinzelt sind Sympathisanten bereit, RAF-Mitgliedern Unterschlupf zu gewĂ€hren. Immer hĂ€ufiger „verraten“ die Unterschlupfgeber die Terroristen. Ulrike Meinhof wird 1972 verhaftet, weil ein Lehrer, der Kontakte zur linken Szene unterhielt, sie erst aufnahm und dann die Polizei informierte. Meinhofs Verbitterung darĂŒber ist der gesamten Schrift anzumerken. Sie scheint nicht zu verstehen, warum die linke Szene den radikalen Weg der RAF nicht billigt. Einige Analysten bewerten die dĂŒsteren Teile dieser sehr theoretisch gehaltenen Schrift als AnkĂŒndigung Meinhofs, sich das Leben zu nehmen. Diese Deutung der Schrift ist umstritten, wird aber ĂŒbergreifend als möglich eingestuft.

1977 erscheint offiziell das 600-Seiten-Buch Texte: der RAF. Eine Zusammenstellung aus Schriften, Selbstbezichtigungsschreiben und ProzesserklÀrungen.

„Guerilla, Widerstand und antiimperialistische Front“ – Mai 1982

Im Mai 1982 taucht eine zwanzigseitige Grundsatzschrift mit dem Titel Guerilla, Widerstand und antiimperialistische Front, auch Mai-Papier genannt, auf, spĂ€ter wird es von der tageszeitung abgedruckt. Dies war die erste Grundsatzschrift nach zehn Jahren und bis heute die letzte. Die Gruppe behauptet von sich, „durch die Wirkung, die die Konfrontation entwickelt hat, stĂ€rker als vorher hervorgekommen“ zu sein. Es werden Fehler in den Aktionen des Jahres 1977 eingerĂ€umt und eine neue Formel entworfen, die lautete „Guerilla und Widerstand. Eine Front.“ Die Autoren entwerfen das Bild einer noch zu organisierenden „antiimperialistischen Front“ in Westeuropa, die eng bei „koordinierten militanten Projekten“ zusammenarbeitet. Die RAF behauptet, dass es weltweit eine „Einheit der imperialistischen Reaktion“ gebe. Es heißt weiterhin: „Die Entwicklung in Westeuropa ist zu einem Angelpunkt in der weltweiten Auseinandersetzung geworden.“ Die Schrift ist voll von militĂ€rischen AusdrĂŒcken wie Front, Offensive und Mobilisierung. Die RAF versucht mit dieser Schrift, Zustimmung zu ernten und neue AnhĂ€nger zu gewinnen. Vor allem die Autonomen werden zur Zusammenarbeit aufgefordert.[28] Die Schrift enthĂ€lt die Erkenntnis, dass eine Gruppe von zwanzig VorkĂ€mpfern alleine keine revolutionĂ€re Situation herstellen könne und auf UnterstĂŒtzung aus dem sogenannten Widerstand angewiesen sei. Die Schrift kĂŒndigt die Zusammenarbeit mit anderen westeuropĂ€ischen Terrorgruppen, wie der Action Directe in Frankreich, den Brigate Rosse in Italien oder den Cellules Communistes Combattantes in Belgien an.

Das Papier enthÀlt viele SÀtze wie

„wenn der Kampf der Guerilla die eigene Sache ist, kann die Verwirklichung davon nur sein, sich selbst – auf welcher Ebene auch immer politisch und praktisch in den Zusammenhang der Strategie der Guerilla stellen.“

und wird auch von Linken als schwerfÀllig und inhaltslos verurteilt. Die taz schrieb in ihrem Kommentar, das Papier vertusche

„wortgewaltig die eigene Perspektivlosigkeit.“ Mit Nachdruck verwehrt man sich gegen „die Bevormundung durch ein paar Polit-Intellektuelle, die sich besonders revolutionĂ€r vorkommen, weil sie ein Maschinengewehr im Schrank haben. RAF – verpißt euch!“

– taz Kommentar [29]

Die auch Widerstandspapier genannte Schrift fand keinen Anklang in der linken Szene und sorgte fĂŒr Ablehnung.

Aus der dritten Generation der RAF gibt es keine Grundsatzschrift und keine belegte theoretische Äußerung, die als Standpunkt der Gruppe zu werten wĂ€re. Bis auf kurze Bekennerschreiben existieren kaum Aufzeichnungen seit 1982.

Rezeption

Die RAF-Schriften wurden in der breiten Öffentlichkeit nicht diskutiert. Dies galt zum Teil auch fĂŒr viele kritische MeinungsĂ€ußerungen wie beispielsweise den Text des Göttinger Mescalero ĂŒber das Buback-Attentat oder ein Fernsehinterview Daniel Cohn-Bendits in der ARD zum Tod Schleyers. Diese wurden in der öffentlichen Diskussion kaum differenziert von den Schriften der RAF behandelt und zuweilen als Positionen von „Sympathisanten“ der Terroristen diskreditiert.

Theorie und Praxis der RAF wurden von maßgeblichen linken Intellektuellen der damaligen Zeit verurteilt. In seinen TagebĂŒchern sprach beispielsweise Rudi Dutschke von RAF-Dummheit und sagte:

„Die negativen Auswirkungen der RAF-Scheiße sind vielerorts erkennbar, CDU/CSU im besonderen, Regierung im allgemeinen und RAF-Kacke im einzelnen scheinen verheiratet zu sein: um den politischen Klassenkampf zu hemmen!“

– Rudi Dutschke

Nach dem Überfall der RAF auf die bundesdeutsche Botschaft in Stockholm sagte Herbert Marcuse, dessen Schriften die Studentenbewegung stark beeinflusst hatten, in einem Interview der ARD auf die Fragen, ob sich die RAF nicht auf ihn berufen könne, und ob die Terroristen politische ÜberzeugungstĂ€ter seien:

„Ich betrachte mich immer noch als Marxisten. Der Marxismus lehnt den Terror 
 individuellen Terror und Terror kleiner Gruppen ohne Massenbasis als revolutionĂ€re Waffe ab 
 Subjektiv ist anzunehmen, dass sie ihre Aktion fĂŒr eine politische Aktion halten und gehalten haben. Objektiv ist das nicht der Fall. Wenn politische Aktion willentlich zum Opfer von Unschuldigen fĂŒhrt, dann ist das genau der Punkt, wo politische Aktion, subjektiv politische Aktion, in Verbrechen umschlĂ€gt.“

– Herbert Marcuse[30]

Inhaftierungen

Mit Birgit Hogefeld (seit 1993) ist heute noch eine der ehemaligen RAF-Angehörigen in einem deutschen GefĂ€ngnis inhaftiert. Christian Klar wurde am 19. Dezember 2008 nach 26 Jahren Haft auf BewĂ€hrung entlassen, Eva Haule (inhaftiert seit 1986) wurde am 17. August 2007 auf BewĂ€hrung entlassen, Brigitte Mohnhaupt (wie Klar seit 1982 inhaftiert) wurde nach 24 Jahren am 25. MĂ€rz 2007 entlassen. Hanna Krabbe war von 1975 bis 1996 inhaftiert. Rolf Clemens Wagner, der vornehmlich in den 1970ern fĂŒr die RAF aktiv war, wurde am 9. Dezember 2003 nach 24 Jahren aus der Haft entlassen. Adelheid Schulz, die unter anderem wegen ihrer Beteiligung an der Schleyer-EntfĂŒhrung zu lebenslanger Haft verurteilt worden war, wurde am 1. Februar 2002 vom damaligen BundesprĂ€sidenten Johannes Rau begnadigt. Schulz genoss zuvor schon seit Oktober 1998 wegen ihres Gesundheitszustandes Haftunterbrechung. Im Oktober 2001 wurde die Haftstrafe Rolf Heißlers zur BewĂ€hrung ausgesetzt, er war 1982 zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Ex-Terroristin Andrea Klump sitzt seit 2001 ebenfalls eine Haftstrafe ab, der Vorwurf der RAF-Zugehörigkeit wird jedoch von Klump bestritten und ist mittlerweile von einem Gericht fallengelassen worden. Nach sieben mutmaßlichen Angehörigen der RAF wird bis heute gefahndet, unter anderem nach Friederike Krabbe, Daniela Klette, Ernst Volker Staub und Burkhard Garweg.[31][32]

Siehe auch

Filme

Literatur

Bibliografien
  • Terrorismus und Gewalt. Auswahlbibliographie mit Annotationen. Zusammengestellt von GĂŒnther Hoherz. Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste, Bonn 1975 (Bibliographie Nr. 43)
  • Terrorismus – Gestern – Heute – Morgen. Eine Auswahlbibliographie von Volker Tutenberg und Christl Pollak. Bernard & Graefe Verlag fĂŒr Wehrwesen, MĂŒnchen 1978. (Schriften der Bibliothek fĂŒr Zeitgeschichte. WeltkriegsbĂŒcherei Stuttgart. Neue Folge der Bibliographien der WeltkriegsbĂŒcherei, H. 17), ISBN 3-7637-0218-0
  • Terrorismus und Gewalt. 1975–77. Auswahlbibliographie. Zusammengestellt von GĂŒnther Hoherz. Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste, Bonn, 1978. (Bibliographie Nr. 49)
  • Uwe Backes, Eckhard Jesse: Totalitarismus – Extremismus – Terrorismus. Ein LiteraturfĂŒhrer und Wegweiser zur Extremismusforschung in der Bundesrepublik Deutschland. Verlag Leske + Budrich, Opladen 19852. (Analysen 38), ISBN 3-8100-0437-5
  • Burkhard von Schassen, Christof Kalden: Terrorismus. Eine Auswahlbibliographie. Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1989. (Schriften der Bibliothek fĂŒr Zeitgeschichte. WeltkriegsbĂŒcherei Stuttgart. Neue Folge der Bibliographien der WeltkriegsbĂŒcherei, Bd. 27), ISBN 3-7637-0232-6
  • Peter Hein: Stadtguerilla und bewaffneter Kampf in der BRD und Westberlin. Eine Bibliographie. Edition ID-Archiv im Internationalen Institut fĂŒr Sozialgeschichte (IISG), Amsterdam 1989, ISBN 3-89408-102-3 (als PDF)
  • Peter Hein: Stadtguerilla und bewaffneter Kampf in der BRD. ErgĂ€nzungsband zur Bibliographie. Edition ID-Archiv, Berlin/Amsterdam 1993, ISBN 3-89408-103-3 (formal falsche ISBN)
  • Auswahlbibliographie: DiskussionsbeitrĂ€ge zur Politik der RAF und der politischen Gefangenen seit April 1992. in: ID-Archiv im Internationalen Institut fĂŒr Sozialgeschichte/Amsterdam (Hrsg.): „wir haben mehr fragen als antworten“. RAF. diskussionen 1992–1994. Edition ID-Archiv, Berlin/Amsterdam 1995, S. 367–383, ISBN 3-89408-044-2
Umfassende Darstellungen
Sammlungen von Schriften der RAF
  • Pieter Bakker Schut: Das Info. Briefe der Gefangenen aus der RAF 1973–1977. Dokumente (Stammheim). Neuer Malik Verlag, Kiel 1987, ISBN 3-89029-019-1
  • Martin Hoffmann (Hrsg.) Rote Armee Fraktion. Texte und Materialien zur Geschichte der RAF. ID-Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-89408-065-5 (als PDF)
  • ID-Archiv im Internationalen Institut fĂŒr Sozialgeschichte/Amsterdam (Hrsg.): „wir haben mehr fragen als antworten“. RAF. diskussionen 1992–1994. Edition ID-Archiv, Berlin und Amsterdam 1995, ISBN 3-89408-044-2
  • Internationales Komitee zur Verteidigung politischer Gefangener in Westeuropa (ivk) – Sektion BRD, Stuttgart (Hrsg.): texte: der RAF. Verlag Bo Cavefors, Lund, Dezember 1977, ISBN 91-504-0685-X
  • Christiane Schneider (Hrsg.): AusgewĂ€hlte Dokumente der Zeitgeschichte: Bundesrepublik Deutschland (BRD) – Rote Armee Fraktion (RAF). Verlagsgesellschaft Politische Berichte, Köln 1987, ISBN 3-926922-00-1 (als HTML)
Zu Einzelaspekten
  • Amnesty International (Hrsg.): Amnesty Internationals Arbeit zu den Haftbedingungen in der Bundesrepublik Deutschland fĂŒr Personen, die politisch motivierter Verbrechen verdĂ€chtigt werden oder wegen solcher Verbrechen verurteilt sind: Isolation und Isolationshaft. amnesty international publications, Bonn 1980
  • Angriff auf das Herz des Staates. Soziale Entwicklung und Terrorismus. Analysen von Henner Hess, Martin Moerings, Dieter Paas, Sebastian Scheerer und Heinz Steinert. 2 BĂ€nde. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-518-11490-5 und ISBN 3-518-11491-3
  • Pieter Bakker Schut (Hrsg.): TodesschĂŒsse, Isolationshaft, Eingriffe ins Verteidigungsrecht. Verlag Rote SĂ€ge, Berlin 1995, ISBN 3-931591-00-X
  • Pieter Bakker Schut: 20 Jahre Stammheim – Die notwendige Korrektur der herrschenden Meinung. Pahl-Rugenstein Verlag, Bonn 1997, ISBN 3-89144-247-5 [20072, ISBN 978-3-89144-247-0; Erstausgabe: Stammheim. Der Prozess gegen die Rote Armee Fraktion. Neuer Malik Verlag, Kiel 1986, ISBN 3-89029-010-8; als broschierte Sonderausgabe: Neuer Malik Verlag, Kiel 1989, ISBN 3-89029-055-8]; (Rezension von Klaus Croissant)
  • Hanno Balz: Von Terroristen, Sympathisanten und dem starken Staat: Die öffentliche Debatte ĂŒber die RAF in den 70er Jahren. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3593387239
  • BAMBULE (Hrsg.): Der Tod Ulrike Meinhofs. Bericht der Internationalen Untersuchungskommission. Unrast-Verlag, MĂŒnster 2001, ISBN 3-89771-952-5
  • Klaus Weinhauer/Jörg Requate/Heinz-Gerhard Haupt (Hrsg.):Terrorismus in der Bundesrepublik: Medien, Staat und Subkulturen in den 1970er Jahren. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 978-3593380377
  • Uta Demes: Die Binnenstruktur der RAF. Divergenz zwischen postulierter und tatsĂ€chlicher GruppenrealitĂ€t. Waxmann Verlag, MĂŒnster/New York/MĂŒnchen/Berlin 1994. ISBN 3-89325-248-7
  • Alexander Straßner: Die dritte Generation der RAF. Entstehung, Struktur, Funktionslogik und Zerfall einer terroristischen Organisation. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2003, ISBN 3-531-14114-7
  • Ulf G. Stuberger: In der Strafsache gegen Andreas Baader, Ulrike Meinhof, Jan-Carl Raspe, Ulrike Meinhof wegen Mordes u. a. – Dokumente aus dem Prozess. EuropĂ€ische Verlagsanstalt, Hamburg, 20072, ISBN 978-3-434-50607-2 (Erstauflage: Syndikat Buchgesellschaft, Frankfurt am Main 1977)
  • Ulf G. Stuberger: Die Tage von Stammheim – Als Augenzeuge beim RAF-Prozess. Herbig-Verlag, MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-7766-2528-8
  • Christopher Tenfelde: Die Rote Armee Fraktion und die Strafjustiz. Anti-Terror-Gesetze und ihre Umsetzung im Stammheim-Prozess. Jonscher Verlag, OsnabrĂŒck 2009, zugl. Diss. Hannover 2009, ISBN 978-3981139938.
  • Karl-Heinz Weidenhammer: Selbstmord oder Mord? Das Todesermittlungsverfahren: Baader, Ensslin, Raspe. Malik Verlag, Kiel 1988, ISBN 3-89029-033-7 (als PDF)
  • Tobias Wunschik: Baader-Meinhofs Kinder. Die zweite Generation der RAF. Westdeutscher Verlag, Opladen 1997 ISBN 3-531-13088-9
In der Belletristik und bildenden Kunst
  • 18. Oktober 1977 (GemĂ€ldezyklus, 1988), von Gerhard Richter, Sammlung des Museum of Modern Art.
    Katalog: Gerhard Richter: 18. Oktober 1977. Museum Haus Esters Krefeld. Portikus Frankfurt am Main. Mit BeitrÀgen von Stefan Germer und Gerhard Storck. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 1989
  • Thomas Hoeps: Arbeit am Widerspruch. 'Terrorismus' in deutschen Romanen und ErzĂ€hlungen (1837–1992). Thelem-Verlag, Dresden 2001, ISBN 3-933592-24-0 (Zugl. Dissertation, UniversitĂ€t Dresden 2000)
  • Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF. Ausstellung, kontrovers diskutierte Ausstellung mit Werken von 50 KĂŒnstlern, die von Ende Januar bis Mitte Mai 2005 in den Kunst-Werken Berlin zu sehen war (zur Diskussion siehe u. a. Wikinews-Artikel).
    Katalog: Klaus Biesenbach (Hrsg.): Zur Vorstellung des Terrors: Die RAF-Ausstellung. 2 BÀnde. Steidl Verlag Göttingen/KW Institute for Contemporary Art, Kunst-Werke Berlin e. V., Berlin 2005, ISBN 3-86521-102-X
  • Alban Lefranc: Des foules, des bouches, des armes. Editions LĂ©o Scheer, Melville 2006, ISBN 2-915341-38-9, Roman ĂŒber Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Bernward Vesper und die Entstehung der RAF, (Interview ĂŒber den Roman mit RFI Deutschland)
  • Alban Lefranc: Angriffe: Fassbinder. Vesper. Nico. Blumenbar Verlag, MĂŒnchen 2008. ISBN 978-3-936738-43-8 ; „Angriffe“ auf der Webseite von Blumenbar
  • AndrĂ© MĂŒller senior, Am Rubikon. Die schaudervollen Vorkommnisse in der Kommune V, Weltkreis Verlag, Dortmund 1987, ISBN 3-88142-401-6; satirischer Roman ĂŒber die APO und die psychologische Genese der RAF.
  • Thomas Hecken, Avantgarde und Terrorismus, transcript Verlag, Bielefeld 2006, ISBN 978-3-89942-500-0

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Wolfgang Kraushaar: Denkmodelle der 68er-Bewegung; in: Aus Politik und Zeitgeschichte B 22–23 2001, S. 14–27, Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung
  2. ↑ Mager, Spinnarke, Was wollen die Studenten? S. 112, Fischer-Verlag, November 1967. zitiert aus [www.glasnost.de].
  3. ↑ Die Zeit, Sonderdruck aus Nr. 23/67, 9. Juni 1967.
  4. ↑ Zur Situation 1969 bis Anfang 1970 siehe auch: rotaprint 25 (Hrsg.): agit 883. Bewegung Revolte Untergrund in Westberlin 1969–1972. Assoziation A, Hamburg und Berlin 2006, ISBN 3-935936-53-2 (insbesondere die Artikel von Hanno Balz und Michael Hahn). Sowie: Ralf Reinders, Ronald Fritzsch: Die Bewegung 2. Juni. GesprĂ€che ĂŒber Haschrebellen, LorenzentfĂŒhrung, Knast. Edition ID-Archiv, Berlin und Amsterdam 1995, ISBN 3-89408-052-3.
  5. ↑ Vgl. Ernesto Che Guevara: Partisanenkrieg – eine Methode. Mensch und Sozialismus auf Kuba. Mit einem Vorwort von Erich Eisner (SDS MĂŒnchen). Eigenverlag, SDS MĂŒnchen, SDS Köln September 1966; RĂ©gis Debray: Revolution in der Revolution? Bewaffneter Kampf und politischer Kampf in Lateinamerika. Trikont Verlag, MĂŒnchen 1967; Ernesto Che Guevara: Brief an das Exekutivsekretariat von OSPAAL: Schaffen wir zwei, drei, viele Vietnam. Das Wesen des Partisanenkampfes. Eingeleitet und ĂŒbersetzt von Gaston Salvatore und Rudi Dutschke. Oberbaumverlag, 2. revidierte Aufl. o.J. [1968] (Reihe Kleine revolutionĂ€re Bibliothek 1) [Erstausgabe unter dem Titel Schaffen wir zwei, drei, viele Vietnam. Oberbaumpresse, Berlin 1967]; Carlos Marighella: Minihandbuch des Stadtguerilleros In: Sozialistische Politik. Hrsg: Otto Suhr Institut Berlin. 2.Jg., Nr. 6/7 Juni 1970, S. 143–166; spĂ€ter In: Marcio M. Alves, Konrad Detrez, Carlos Marighela (Hrsg.): Zerschlagt die Wohlstandsinseln der Dritten Welt. Mit dem Handbuch der Guerilleros von Sao Paulo., Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1971 (Reihe: rororo aktuell 1453/1454), ISBN 3-499-11453-4. Vgl. auch: Fokustheorie.
  6. ↑ a b rotaprint 25 (Hrsg.): agit 883. Bewegung Revolte Untergrund in Westberlin 1969–1972. Assoziation A, Hamburg/Berlin 2006, ISBN 3-935936-53-2 Alle Ausgaben der 883 als Faksimile mit Titelseiten und Inhaltsregister als PDF Faksimile-Dokumentation der ErklĂ€rung und einer kurzen vorausgehenden ErklĂ€rung als PDF: agit 883 Nr. 61, 22. Mai 1970, S. 2 [1] und: agit 883, Nr. 62, 5. Juni 1970, S. 6. [2]; Martin Hoffmann (Hrsg.) Rote Armee Fraktion. Texte und Materialien zur Geschichte der RAF. ID-Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-89408-065-5, S. 24ff. (als PDF)
  7. ↑ http://www.verfassungsschutz-bw.de/links/links_terrorismus_raf_chrono_druck.htm
  8. ↑ DER SPIEGEL 40/2007, S.76.
  9. ↑ a b c Das Konzept Stadtguerilla + Anmerkungen
  10. ↑ Im Konzept Stadtguerilla heißt es: „Wir schießen, wenn auf uns geschossen wird. Den Bullen, der uns laufen lĂ€ĂŸt, lassen wir auch laufen.“
  11. ↑ :In Amnesty Internationals Arbeit zu den Haftbedingungen in der Bundesrepublik Deutschland fĂŒr Personen, die politisch motivierter Verbrechen verdĂ€chtigt werden oder wegen solcher Verbrechen verurteilt sind: Isolation und Isolationshaft. Bonn, amnesty international publications 1980, S. 5ff, heißt es: „Bereits 1974, als sich viele weitere Mitglieder dieser Organisation [d.i. Rote Armee Fraktion] in Haft befanden, waren Behauptungen ĂŒber Folter und Isolationshaft und die Anwendung von Techniken sensorischer Deprivation weiterverbreitet. Die NachprĂŒfung solcher Behauptungen ergab, dass eine immer grössere Zahl dieser HĂ€ftlinge wĂ€hrend langer ZeitrĂ€ume in Isolation gehalten wurde, sowohl vor wie auch nach ihrer rechtskrĂ€ftigen Verurteilung. 1976/77 war es gewiss, dass sie in vielen FĂ€llen bereits vier, fĂŒnf oder gar sechs Jahre unter unterschiedlichen Isolationsbedingungen inhaftiert waren, die von totaler Isolation und Isolationshaft bis zu Kleingruppen-Isolation reichten. Gegen Ende des Jahres 1977 [gab das] Internationale Exekutiv-Komitee der Organisation [d.i. amnesty international] eine Untersuchung in dieser Sache in Auftrag. Im Dezember 1978 wurde der endgĂŒltige Bericht dieser Untersuchung vorgelegt. Die Haftbedingungen der HĂ€ftlinge, deren FĂ€lle im Verlauf dieser Untersuchung geprĂŒft wurden, kamen schweren Formen der Isolation gleich. Anhand des herangezogenen Materials kam die Untersuchung zu dem Ergebnis, dass viele HĂ€ftlinge deutliche Symptome aufwiesen, die dem oben beschriebenen allgemeinen Muster entsprechen, jedoch Ă€ußerst ausgeprĂ€gt waren und in einigen FĂ€llen an die Auswirkungen sensorischer Deprivation in experimentellen Situationen erinnerten.“
  12. ↑ Horst Mahler: Der Foltervorwurf – eine PropagandalĂŒge. In: Der Spiegel 50/1978, S. 62–65.
  13. ↑ Dokumentarfilm Sartre par lui-mĂȘme, 1976.
  14. ↑ Artikel auf stern.de, Der AnklĂ€ger.
  15. ↑ Butz Peters: RAF, Terrorismus in Deutschland. S. 268/9, ISBN 3-426-80019-5.
  16. ↑ Die Welt, 4. April 2007, Die mörderische „Offensive 77“ begann zu Ostern.
  17. ↑ Quellen fĂŒr die Zahl 250: Verfassungsschutzbericht 2005; Stefan Aust, Der Baader-Meinhof-Komplex, S. 256; Butz Peters: RAF, Terrorismus in Deutschland. S. 335, genauere Angaben gibt es nicht.
  18. ↑ Rote Armee Fraktion: An die, die mit uns kĂ€mpfen. ErklĂ€rung vom Januar 1986. in: Martin Hoffmann (Hrsg.) Rote Armee Fraktion. Texte und Materialien zur Geschichte der RAF. ID-Verlag, Berlin 1997, S. 348.
  19. ↑ Hogefeld ĂŒber die Rote Armee Fraktion: „Wir waren sehr deutsch“. Der Spiegel, Nr. 42, 13. Oktober 1997, S. 169.
  20. ↑ [3] Der Spiegel, 24. Oktober 2007
  21. ↑ Alexander Straßner, Die dritte Generation der "Roten Armee Fraktion". Entstehung, Struktur, Funktionslogik und Zerfall einer terroristischen Organisation, VS-Verlag, Berlin 2003, S. 295
  22. ↑ AuflösungserklĂ€rung der RAF bei extremismus.com
  23. ↑ Fahndung nach Daniela Klette und Ernst Volker Staub
  24. ↑ Verfassungsschutzbericht Nordrhein-Westfalen von 2000, S. 61
  25. ↑ Gibt es eine neue Terrorgruppe?, WDR-Online, 15. Januar 2001
  26. ↑ Verfassungsschutzbericht Nordrhein-Westfalen 2001, S. 42 f.
  27. ↑ „NatĂŒrlich kann geschossen werden.“ Ulrike Meinhof ĂŒber die Baader-Aktion. in: Der SPIEGEL Nr. 25 vom 15. Juni 1970, S. 74f.
  28. ↑ Anm.: das Kapitel Widerstand des Mai-Papiers spricht direkt die Hausbesetzerszene in Frankfurt, Hamburg und Berlin an und fordert zu grĂ¶ĂŸeren Aktionen auf
  29. ↑ taz Kommentar vom 26. Mai 1982, zitiert nach Peters, Butz, RAF-Terrorismus in Deutschland, S. 297, ISBN 3-426-80019-5
  30. ↑ Interview abgedruckt in: diskus, Frankfurter Studentenzeitung, Heft 1, 2. Juni 1975, S. 14.
  31. ↑ http://www.welt.de/politik/article714557/Die_verschwundenen_Terroristen_.html?print=yes
  32. ↑ http://www.bka.de/fahndung/personen/meistgesuchte/raf/index.html


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   Useful english dictionary

  • Raf — (Raff), 1) die Floßfedern der Hillbutte, welche mit dem daran befindlichen Fette tief ausgeschnitten, etwas eingesalzen u. an der Luft getrocknet sind; 2) so v.w. Bernstein 
   Pierer's Universal-Lexikon

  • Raf. — Raf., auch Rafin., bei Pflanzennamen AbkĂŒrzung fĂŒr C. S. Rafinesque Schmaltz (s. d.) 
   Meyers Großes Konversations-Lexikon


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